Diese Begegnung fand am vergangenen Sonntag bei FORGE Fusion, einem Ligen-übergreifenden Turnier, statt, an dem die beiden GFCW Superstars Morbeus und Mad Dog teilnehmen. Die beiden könnten im Halbfinale aufeinandertreffen. Vor MDs Viertelfinale gegen Matt Stone ereignete sich folgende Szene:


Das Surren des Ergometers ist noch zu hören, als er mit leicht erhöhtem Puls und etwas hinter Atem die frischen Schweißtropfen mit dem ausgezogenen Sportshirt aus seinem Gesicht reibt. Mad Dogs Hände sind bereits mit Tape versorgt – lediglich die Ringhose und -boots fehlen noch. Dann ist er startklar für den Kampf gegen Matt Stone.

Angesichts des näher rückenden Matches peitscht schon jetzt das Adrenalin ein wenig durch seine Blutbahnen; jene gute Art von Aufregung, die bereits zuvor im Gespräch mit Matt und erst recht durch das Ansehen des Openers gesteigert wurde. Da es zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere unmittelbar vor den Matches das A und O ist, die Muskeln auf Temperatur und den Kreislauf in Schwung zu bringen, war dies gleichsam eine gute Ablenkung. Er hatte zwar das Glück einen robusten Körper zu haben und weitgehend von karrierebedrohenden Verletzungen verschont zu bleiben, doch hat er gemerkt, dass ein Kaltstart wie früher nicht mehr möglich ist. Er würde es niemandem verraten, aber tatsächlich hatte er sich im dritten Jahr seiner vier jährigen Ringabstinenz mal beim Fußballspielen im Garten mit seinem Sohn eine Zerrung geholt.

Das darf und wird heute nicht geschehen...

Eilig wirft er das Sportshirt in seine Tasche, als sein Blick auf seine GFCW Actionfigur fällt, die ebenfalls dort drin liegt. Kurz schüttelt er sich, schultert die Tasche und öffnet die Tür des kleinen Fitnessraums, als er plötzlich in einen Mann hinein geht, der gerade in die andere Richtung unterwegs ist. Kurz weicht MD zurück.


Mad Dog: „Raymond.“


Sagt er mehr aus überraschter Erkenntnis denn aus Begrüßung. Aber unumstritten ist es sein GFCW Kollege Morbeus, der bei der zweiten Fusion Show sein Viertelfinale bestreitet und dort auf Agios Lykos trifft.


Morbeus: „Mad Dog! Was für eine Überraschung. Bereit für dein Match?!“


Der Night Fighter stockt für einen Moment. Denn Douglas hat sogleich eine Frage gestellt, um der Unannehmlichkeit sich hier spontan zu treffen, keinen weiteren Raum zu geben.


Mad Dog: „Natürlich bin ich bereit. Matt Stone ist ein ernstzunehmender Gegner! Außerdem habe ich mich schließlich nicht aus Jucks und Dollerei hier angemeldet… oder um ausgleichende Gerechtigkeit zu schaffen, so wie du.“


Ein Funkeln ist in den Augen der Töle erkennbar, da er den Finger in die Wunde legt, dass Morbeus nun genau wie sein Partner Zereo Killer auf einer weiteren Hochzeit tanzt. Der Kanadier schaut süffisant seinen Kollegen an. Insgesamt scheint Ray Douglas tiefenentspannt. Schließlich findet sein Viertelfinalmatch erst in der nächsten Show statt.


Morbeus: „Aha. Die spitze Zunge ist noch immer nicht stumpf geworden. Man müsste sie dir vermutlich abschneiden, Maddy. Aber die lassen wir mal lieber drin. Wir Recken des Seilgevierts ändern uns eh nicht mehr. Auch wenn wir vor Urzeiten mal gemeinsam in der PWC gekämpft haben, so lernen wir uns doch erst gerade in der GFCW richtig kennen. Daher kannst du vermutlich es nicht wissen. Ich bin nicht so kleinkariert, als dass ich hier meinem Tag Team Partner einen auswischen will. Ich will gewinnen. Dieses Turnier und Ruhm und Ehre. Das muss man losgelöst sehen von allen anderen Verpflichtungen, die man so hat. Forge ist für uns beide doch wie eine Affäre, Maddy. So ist es doch. Es kribbelt und fühlt sich verboten an. Wir beide gehen gerade fremd, mein Freund. HAHA. Und ja, das Alter! Viele Monde sind es nicht mehr und dann steht die 5 vorne im Alter. Welche Möglichkeiten habe ich noch auf diesem Topniveau zu wrestlen. Heute und in zwei Wochen. Aber was ist 2029 oder 2034? Besser wird es nicht mehr.“


Ein bestätigendes Nicken beim Kämpfer der Nacht. Bei ihm dürfte es ähnlich sein.


Mad Dog: „Yes, wir sind keine dreißig mehr! Die Zeit, in der wir noch wrestlen können, begrenzt… Sieh dir unsere Gegner an: Zwischen mir und Matt liegen fünfzehn Jahre, bei dir und Lykos sind es gar über 20 Jahre, glaub ich.“


Morbeus: „Ach, so ist der Lauf der Dinge. Fast alle Gegner sind nun mehr deutlich jünger. Lykos ist ein junger Mann mit tollen Anlagen. Ich muss wieder ans Äußerste gehen, um bestehen zu können. Wie immer in den letzten Jahren. Ich bekomme nichts mehr geschenkt, aber weiß natürlich, wo es den Leuten noch an Erfahrung fehlt. Wir beide sind ja keine stumpfen Haudraufs mehr. Aber wie sieht es bei dir mit Matt Sone aus?“


Für einen Moment blitzt seine Begegnung mit Stone kurz zuvor auf dem Parkplatz auf.


Mad Dog: „Ich kenne ihn noch aus der PCWA. Dort war er meist im Team unterwegs… Da er aber nun beweisen will, auch auf eigenen Füßen stehen zu können, macht ihn das vielleicht noch gefährlicher als zuvor. Er agiert im Ring wie er spricht – frei von der Leber weg. Zwar bin ich auch nicht der große Typ für Strategien, sondern kämpfe mehr aus Erfahrung und intuitiv, aber auf ein offenes Feuer mit dem Maschinengewehr werde ich mich, wenn, nur kurz einlassen – das habe ich aus dem World Title Match gegen The End gelernt.“


Für einen Moment fliegen seine Gedanken zu jenem Match, als er die offene Herausforderung von The End annahm.


Morbeus: „Ja, das war mir auch aufgefallen. Du wirst in deiner Spätphase noch zu nem richtigen Hansdampf in allen Gassen. Gegen The End sollte man niemals einfach mal so ne Challenge annehmen. Für einen weiteren Kampf gegen ihn kann ich dir nur viel Vorbereitung empfehlen. Scheinbar fehlt dir aber die Geduld für diese Tätigkeiten, lieber schwingst du das Tanzbein. Mal Cha Cha Cha, mal Tango. Erst den World Title nicht gewonnen, dann bei Forge angemeldet. Der Tag Team Title soll es dann aber natürlich auch noch werden. Soll jetzt mit aller Kraft ein Schäfchen ins Trockene gebracht werden? Hast du nach all der Zeit es so nötig Gold an den Hüften zu sammeln? Torschusspanik it is! Ich habe doch gebetsmühlenartig wochenlang auch auf Zereo Killer eingeredet wie ein krankes Pony. Der geht Eier suchen, dann seine Vergangenheitsbewältigung mit dir. Ach und der Tag Team Title mit einem neuen Partner, MOI, soll dann auch noch verteidigt werden. Was ist mit uns alten Männer, dass wir es immer so unfassbar übertreiben müssen?“


Die Töle wirft die Sporttasche auf den Boden und schüttelt entschieden mit dem Kopf.


Mad Dog: „Ich bin nicht wie Zereo, Ray. MacKenzie entscheidet aus dem Bauch, ich wähle bewusst aus. Den Status habe ich mir schließlich erarbeitet – Nenn es eine Art Bucket List. Gezielte Herausforderungen, wahre Größen des Sports und aufstrebende Talente, mit denen ich mich nochmal messen will… die ich schlagen will. Den World Champ, The End… das größte Talent der GTCW, Iokepa, das Ligen-übergreifende Forge Turnier und yeah: Zereo Killer und… deine Wenigkeit.“


Ein verschmitztes Lächeln huscht über seinen Mund, als er Ray Douglas direkt und herausfordernd in die Augen starrt.


Mad Dog: „Stella und ich sind nun die Herausforderer auf eure Titel, Ray. Und wenn wir beide unser Viertelfinale gewinnen, treffen wir nicht in der GFCW um die Tag Titel aufeinander, sondern gleich noch hier im Halbfinale des Forge Turniers. Ich habe es schonmal gesagt und ich sage es wieder – wir beide sind seit Ewigkeiten in diesem Geschäft und noch nie kam es zu einem Aufeinandertreffen. Die Aussicht, dich auf meinem Weg ins Finale zu bezwingen, ist noch mehr Motivation für mich heute auch Matt Stone hinter mir zu lassen.“


Morbeus: „Exactement. Ehrlicherweise wünsche ich dir auch den Sieg heute Abend. Allein für die Vorstellung, wir könnten hier endlich mal die Klingen kreuzen, hat sich die Teilnahme an diesem Turnier doch schon gelohnt. Wir beide in einem Ring. One-on-One! Witzig, dass du insgesamt natürlich so Gas gibst, nachdem du 4 Jahre lang entspannt die Beine hochgelegt hast. Das überragt für mich unser potenzielles Match beim nächsten GFCW PPV. Mit Zereo im Gespann wird das nämlich für euch beide gar nichts werden.“


Die Augen des Hundes wandern zurück zur Actionfigur in seiner Tasche und das eine Fan-Herz, das er noch gewinnen will, ringt ihm kurz ein Lächeln ab.


Mad Dog: „Schau, bei allen meinen Erfolgen, Survivor of the Sickest, Quest for the Best, höchster Champion des cWc und der PCWA… war mein Sohn noch nicht einmal geboren. Als ich die Cotatores und den XAW World Title gewann, waren Yai und ich getrennt…“


Erst in der letzten Show der PCWA, beim Gewinn der Cryption Crown kam es zur Versöhnung – ein heilsamer Moment.

Ein Moment.

Ein Omen?!


Mad Dog: „Ich war kein guter Mann, kein guter Vater… es war in den letzten vier Jahren ganz passabel. Ich versuche es Tag um Tag. Und ich liebe meine Familie über alles… ich will dich auch nicht langweilen, hab’s auch in den Videos schon gesagt. Mal um mal bin ich auch im Wrestling an Idealen wie Aufrichtigkeit, Fairness oder Nüchternheit gescheitert. Doch da draußen…“


Sein zittriger, vernarbter Arm deutet an Morbeus vorbei. Deutet den Gang entlang, der zur Gorilla Position führt.


Mad Dog: „Da draußen ist alles machbar. Dort draußen kann ich hundert Mal fallen. Immer wieder aufstehen. Aus eigener Kraft. Komm! Komm! Komm! All das bekämpfen. Mich bekämpfen. Dich bekämpfen. Dich bestrafen. Vielleicht auch mich bestrafen… what ever. DA DRAUSSEN bin ich der Night Fighter, der durch die Dunkelheit kämpft. Die Dunkelheit in der Welt, die Dunkelheit in mir. Und SIE darf sein! Die Dunkelheit. Simargl. Die Töle. ICH! Ich… darf… sein…“


Ein verqueres Grinsen huscht kurz über das Gesicht der Töle.

Dann deutet sie plötzlich auf den Screen, auf dem sie eben den Opener sah und wo sie jetzt einer mise en abyme gleich in endloser Bildkette zu sehen ist.


Mad Dog: „Schau es dir hier an! Matt Stone will endlich aus dem Schatten treten, huh?! Er sollte lernen ihn zu umarmen, wenn du mich fragst. All meine Facetten werden ihm gleich in die Fresse treten. Es wird schön. Es wird hässlich. Du kannst dich freuen, so oder so.“


Kurz fletscht er die Zähne in Richtung Douglas, dann greift er die Tasche und geht er an ihm vorbei. Morbeus schaut ihm mit einem Gemisch aus Vorsicht und Vorfreude hinterher und ballt die Faust.


Morbeus: „Ich freue mich erst, wenn ich dich im Halbfinale besiege!“



Das erste Dark Match ist beendet. Das Local Talent hat verloren, steht aber dennoch im Ring und wird noch vom Publikum gefeiert.


Auf ein mal. Licht geht aus. Man hört einen Wolf heulen und dann knurren. Die Musik von PDawq ertönt, wird aber von einem unaufhörlichen, psychotisch klingenden Lachen unterbrochen. Auf ein mal verändert sich die Musik. Düster und aggressiv klingender Gothicmetal ist zu hören. Auf dem Titanthron ein Wolfsgesicht. Drüber steht Marcus und drunter steht Wolfe. Was hat das ganze mit PDawq zu tun? Man hört schreie und Lachen innerhalb des Ringes und das Licht geht auch wieder ein. Ein muskulöser Mann, mit Wolfsmaske, schlägt und tritt auf das Talent ein. Er bringt ihn auf die Knie und zeigt eine Aktion, die alle in der Arena kennen. Er zeigt den PSYCHO OUT! Kann es sein? Kann das P-Dawq sein? Er geht in die Ecke, lässt sich ein Mikro geben. Obwohl er das Mikro noch gar nicht am Mund hat, hört man ein schon ein lautes psychotisches Lachen. Dasselbe das die Musik von P-Dawq unterbrach.

Die Person nimmt schließlich die Maske ab, und das Lachen wird lauter. Nun erkennen wir auch das Gesicht. Es ist tatsächlich P-Dawq? Ohne Gefolgschaft? Ohne Manager? Und warum dieses Marcus Wolfe?

Das Mikrofon geht zum Mund. Doch er sagt erstmal nichts. Das Publikum ist sichtbar schockiert und P scheint diese Stille zu genießen.


MW: „NAAAAAAAAA? (LACHT WIEDER) HABT IHR MICH VERMISST?“


Publikum chantet Yes!


MW: „IHR HEUCHLER: IHR HABT P-DAWQ VERMISST. DIESES AUF HART MACHENDE STÜCK SCHEIßE HABT IHR VERMISST. NICHT MICH.P-DAWQ IST TOT! ICH BIN MARCUS „FUCKING“ WOLFE (WIEDER DIESES LACHEN) THE GERMAN PSYCHO. DIE ZEITEN DES RAPPENS SIND VORBEI. JETZT ZÄHLT NUR NOCH EINES. SINNLOSE GEWALT. IHR SEID NICHTS. GAR NICHTS. UND DAS HIER UNTER MEINEN Füßen IST EIN TEIL VON EUCH?“


Wolfe geht aus dem Ring, packt das Talent an den Haaren, lacht ihm direkt ins Gesicht, während er ihn über die Absperrung zu den Fans schleudert, und schreit hinterher:


MW: „HIER HABT IHR IHN. AN ALLE DA HINTEN. EUER SPAß ENDET. MEINER BEGINNT!“



Mein Gott, wie schön er fliegt!


Kraftvoll hebt der Ball von der steinernen Tribüne ab, segelt in einer Parabel durch die Luft und senkt sich genau zur rechten Zeit, um auf der Bühne des Théâtre antique d'Arles hin zum Fähnchen zu rollen, neben dem ein Loch in den Boden eingelassen wurde.


Zentimeter für Zentimeter kommt der Golfball seinem Ziel näher. Tippt an das Fähnchen, touchiert den Rand des Lochs, aber fällt nicht. Er bleibt einen guten Meter von seinem Ziel entfernt liegen. Über ihm die Sommersonne Frankreichs, die weiß strahlen lässt.


Steven Sademi: „Was für ein unglaublicher Schlag.“


Die Kamera schwingt herum und zeigt die Tribüne. Dort, auf den uralten Stufen dieses Amphitheaters, haben sich Stunden vor der Veranstaltung noch nicht die Zuschauer eingefunden. Stattdessen sieht man nur zwei Männer – die Birdie Boys. Der Caddy, Steven Sademi, applaudiert stürmisch und verstaut den Schläger seines Kollegen in einer Tasche. Neben ihm nimmt Rupert Wooten das Lob gelassen hin.


Steven Sademi: „Herzlichen Glückwunsch. Mr. Fairway trifft selbst dann, wenn es gar kein Fairway gibt.“


Zur Gratulation gibt es keinen High Five oder Fist Bump. Nein, Golfer sind doch keine Barbaren. Rupert Wooten entledigt sich des schwanenweißen, fingerlosen Golfhandschuhs und schüttelt seinem Partner förmlich die Hände.


Rupert Wooten: „Nun ist es nur noch ein einfacher Put zum Ziel. Versenken wir den kleinen Racker.“


Vorfreudiges Gelächter jagt über das antike Theater hinweg. Dann machen sich die Birdie Boys auf, die Tribüne hinabzusteigen, die als Aufschlagplatz zweckentfremdet wurde, und dorthin zu gelangen, wo Fähnchen und Loch die Freilichtbühne zum Golfkurs umfunktioniert haben.


Geschichte und Golf. Eine Kombination voller Würde.


Rupert Wooten: „Zwei Schläge soll mir erst einmal jemand nachmachen auf diesem…“


Er rümpft die Nase und blickt sich um. Unter ihm bröckeln Steinchen aus der Tribüne. Eine Ewigkeit hatten sie ihren festen Platz, nun müssen sie dem achtlos umherstapfenden Schuhwerk der Golfer Tribut zollen.


Rupert Wooten: „…besonderen Kurs.“


Dann haben Sie das Ende der Tribüne erreicht. Betreten die Bühne. Vor ihnen harrt der Golfball darauf, endlich eingelocht zu werden. Schlag mich, Daddy.


Rupert Wooten nimmt die rechte Position ein.


Dann kommt das Monster.

Mit Geheul und Johlen stürmt es heran. Eine schokoladenbraune, sabbernde, stinkende Kreatur. Der massige Körper schwabbelt und schwankt im Lauf. Das Untier hält direkt auf den Golfball zu, der Takt seiner Füße trommelt auf den Steinen.


Steven Sademi: „NEIN!“


Sademi reißt den Mund auf und nimmt eine Abwehrpose ein.


Steven Sademi: „Du störst das Spiel! Hinfort!“


Seine empörten Rufe finden kein Gehör. Denn dieses Untier ist der menschlichen Sprache nicht mächtig. Es ist der Zacidog. Und in seinem Schädel regiert die instinktive Geilheit auf den Golfball.


Rupert Wooten: „Weg! Weg!“


Der erste Ruf kommt wütend, der zweite als krächzender Klagelaut. Panik tritt in Wootens Augen, als er sich nach etwas zur Abwehr umsieht. Doch dann ist es zu spät.


Ohne anzuhalten, flitzt der Zacidog an den Golfern vorbei. Sein Geifermaul öffnet sich. Und ohne jedes schlechte Gewissen schnappt er sich den Golfball, noch ehe Wooten ihn im Loch versenken kann. Wooten und Sademi werden erst kreideweiß, dann wutrot.


Steven Sademi: „ER – HAT – DIE – PARTIE – GESTÖRT!“


Seine Stimme zittert ebenso sehr wie seine Beine.


Rupert Wooten: „Er hat das Spiel der Könige entweiht.“


Fassungslos starren die beiden Männer das Tier an. Mit dem Golfball im Maul trottet der Zacidog umher. Sein Schwanz wedelt hin und her wie ein Scheibenwischer.


Dann kommt das Untier wieder näher. Blickt die beiden Männer an, die vor ihm stehen. Und mit einem Fiepen legt er den vollgesabberten Golfball zu Wootens Füßen. Mr. Fairway stiert auf das entweihte Spielobjekt, als hätte ihm jemand ein totes Kind hingeworfen.


Rupert Wooten: „Was will er? Will sich dieses Monster an meinem Leid laben?“


Der Zacidog stupst den Golfball mit der Nase an, schiebt ihn näher an Wootens Füße. Dann setzt sich der Labrador hin, bellt und hechelt. Vorfreudig wackelt er mit dem ganzen Körper.


Steven Sademi: „Ich habe keine Ahnung, was er will. Sowas ist unter meinem Niveau.“


Angeekelt tritt Sademi den Golfball weg. Er will den Anblick des entweihten Balles nicht länger ertragen müssen.


Doch zu seiner Überraschung bringt genau das den Hund dazu, freudig mit dem Schwanz zu wedeln und dem Ball nachzujagen. Er holt mit einem Sprint den Ball ein, schnappt ihn ins Maul – und apportiert ihn zurück. Keine fünf Sekunden später liegt der Ball wieder vor Wootens Füßen.


Steven Sademi: „HE! Was soll das? Weg mit dir, Viech! WEG!“


Wieder ein Tritt gegen den Ball. Diesmal fliegt er auf die Tribüne. Doch auch jetzt zögert der Labrador keine Sekunde. Schießt wie ein Torpedo los, holt den Ball zurück. Legt ihn vor den Golfern ab. Vergnügt jault der Hund auf.


Rupert Wooten: „Unser Leid…“

Steven Sademi: „…amüsiert ihn.“

Rupert Wooten: „Es ist ein Spiel für ihn, uns zu quälen.“

Steven Sademi: „Diese Verdorbenheit.“


Mit einem Pfotenstoß rollt der Hund den vollgesabberten Ball auf Sademi zu, nachdem Wooten nicht reagiert. Die Birdie Boys blicken einander an. Ihre Augen werden zu Schlitzen, der Blick verfinstert sich.


Rupert Wooten: „Für eine solche Satanskreatur kann es nur eine Konsequenz geben.“

Die Augen schweifen in die Ferne. Dort ist ein wohlbekanntes Gefährt außerhalb des Amphitheaters auszumachen.


Rupert Wooten: „Hol das Golfcart.“

Steven Sademi: „Verstanden. Es wird getan, was getan werden muss.“


Die Birdie Boys nicken einander zu. Dann marschiert Sademi bedeutungsschweren Schrittes von der Bühne und auf das Golfcart zu, das dort in der Sonne auf seinen Einsatz wartet.


Der Hund blickt – noch immer schwanzwedelnd – Sademi hinterher. Er ahnt nichts von dem Schicksal, welches die Golfer ihm angedacht haben. Ebenso wenig ahnt er vom finsteren Blick, mit welchem Wooten in seinem Rücken steht.


Steven Sademi: „Das Spiel der Könige zu stören kennt nur eine Konsequenz.“


Er gleitet in den Fahrersitz des Golfcarts. Der Schlüssel fliegt ins Zündschloss, der Motor startet. Wie ein Ritter, der auf einem Ross in eine Schlacht zieht, stolz und ernst, tuckert Sademi auf den Zacidog zu. Der Labrador hat den Golfball stur im Maul. Und ist arglos. Lässt das mechanische Gefährt näherkommen, ohne die Flucht zu ergreifen.



Zac Alonso: „He!“


Synchron drehen beide Birdie Boys die Köpfe. Der eine im Cart, der andere vor dem Hund auf der Bühne des Amphitheaters stehend. Sie sehen zuerst den Glanz des Championtitels in der Sonne, dann die Gestalt Zac Alonsos. Der Champion hat sein Schmuckstück um die Hüften geschnallt. Er ist gekleidet wie ein Tourist, trägt ein kurzärmliges Poloshirt und eine Sonnenbrille auf der Nase.


Zac Alonso: „Habt ihr meinen Hund gese…-“


Seine Miene hellt sich auf, als der Labrador heranschießt, bevor die Frage ausgesprochen ist. Der Zacidog rennt auf Alonso zu, die Zunge pendelt im Maul. Vor Freude reißt er beinahe sein Herrchen um. So schön kann ein Wiedersehen sein.


Zac Alonso: „Da bist du ja, mein Bester! Ich habe dich schon gesucht.“


Er beugt sich zu dem treuen Tier herunter und krault ihm das Kinn. Dann fällt der Blick auf die Birdie Boys. Beide haben hochrote Gesichter.


Zac Alonso: „Ähm, ist hier was vorgefallen? Ihr wirkt so angespannt.“

Rupert Wooten: „Vorgefallen?“

Steven Sademi: „Angespannt?“


Mit theatralischer Geste deutet Wooten auf den Labrador.


Rupert Wooten: „Vorfall ist ein Euphemismus für dieses VERBRECHEN! Ein Frevel ist geschehen.“

Zac Alonso: „Oh?“


Er blickt seinen Hund an.


Zac Alonso: „Eigentlich ist er ganz lieb. Was ist los? Hat er gebissen?“


Der Caddy springt auf dem Cart und läuft mit erhobenen Armen auf den Champion zu.


Steven Sademi: „Schlimmer. Er hat…“

Rupert Wooten: „…das Spiel der Könige unterbrochen.“


In beeindruckender Synchronität deutet beide Birdie Boys auf den angesabberten Golfball. Alonso zieht die Augenbrauen zusammen.


Zac Alonso: „Er hat einen Golfball gebissen?“

Rupert Wooten: „Er – hat – ihn – vom – Feld – genommen!“

Steven Sademi: „Unverzeihlich.“


Mit dem Golfschläger deutet Wooten auf den Labrador. Drohend. Alonsos Laune verschlechtert sich. Er schlägt den Schläger Mr. Fairways zur Seite.


Rupert Wooten: „Ich verlange Wiedergutmachung.“

Zac Alonso: „Schon gut, ich kaufe euch einen neuen Ball, wenn ihr euch so anstellt. Dann kann der Zacidog ja mit dem hier spielen, richtig?“


Ohne Scheu vor dem Sabber beugt sich Alonso zum Ball, nimmt ihn auf und steckt ihn zurück ins Maul seines Tiers.


Rupert Wooten: „Ein Golfball ist kein Spielzeug!“

Zac Alonso: „Sondern?“

Rupert Wooten: „Eine Reliquie! Und ich verlange keinen neuen Golfball. Es geht nicht um den materiellen Wert, es geht um die Tat an sich. Ich verlange Bestrafung.“


Der Nordire macht einen Schritt auf den Hund zu. Der legt interessiert den Kopf schief. Das Tier scheint zu spüren, dass etwas nicht stimmt. Lässt den Ball aus dem Maul fallen.


Rupert Wooten: „Sonst bestrafen wir ihn. So etwas Widerwärtiges hat auf dem Golfplatz nichts zu suchen.“

Zac Alonso: „Dies ist kein Golfplatz, sondern unser Veranstaltungsort. Erstens. Und zweitens: Wenn du auch nur daran denkst, deine Hand an meinen Hund zu legen…“


Alonso greift nach dem Halsband seines Freundes und zieht ihn in sichere Richtweite. Dann marschiert er wieder auf Wooten zu und steht Kopf an Kopf mit Mr. Fairway.


Zac Alonso: „…wirst du bald keine Hand mehr haben, um Golf zu spielen.“


Innerhalb von Sekunden scheint es kalt zu werden in Arles. Eiskalt. Wie zwei Cowboys vor dem Duell stehen Wooten und Alonso sich gegenüber. Jeden Moment könnte es losgehen. Man wartet nur darauf, dass jemand die sprichwörtliche Pistole zieht.


Doch dann kommt der heimtückische Schlag von Steven Sademi.


Der Zacidog jault auf, als der Caddy seinen Ellbogen in Alonsos Nacken schlägt. Zac geht zu Boden, der Intercontinental-Titel fällt ihm von den Hüften und schlägt auf die Bühne auf.


Steven Sademi: „Du bist genauso verdorben wie deine Kreatur. Du Barbar.“


Kläffen und Knurren schallt über das antike Theater als Sademi und Wooten abwechselnd ihre Stiefel in Alonso Rippen treten. Die Wut über den Hund hat sich in den Angriff kanalisiert, der nun nicht auf den Zacidog, sondern auf dessen Besitzer ausgeführt wird.

Alonso versucht, die Arme hochzunehmen. Sein Gesicht vor den Angriffen abzuschirmen. Doch zunächst hat er keine Zeit gegen zwei Personen.


Dann greift der Zacidog an.


Das wohlerzogene Tier beißt nicht in das Fleisch der Golfer, aber schnappt nach Sademis Ärmel und zieht den Caddy weg, damit er Alonso keinen Schaden zufügen kann. Sademi schlägt um sich, versucht den Labrador abzuwehren. Währenddessen ist Mr. Fairway im 1 zu 1 Alonso gegenübergestellt. Und der Champion schafft es, in einer nun ausgeglichenen Situation, auf die Beine zu springen. Er weicht einem Schlag Wootens aus, gräbt seine eigene Faust in den Magen.


Kann sich Alonso freikämpfen?

Doch just als er Hoffnung schöpft, ist Sademi zurück. Er hat den Zacidog vom Ärmel abgeschüttelt. Nun jagt er einen Kick an Zacs Schulter, schickt ihn auf den Boden zurück. Nun sind sie wieder zu zweit. Und noch wütender. Noch rücksichtsloser. Schläge und Tritte, wild in ihrer Natur, prasseln auf Alonso ein.



Eine blonde Gestalt stürmt heran.


Sie greift nach den Schultern des Caddys. Reißt ihn weg. Sofort gibt es einen Punch in Sademis Gesicht. Als der Caddy schutzlos taumelt, folgt gleich der zweite Schlag.


Wooten bemerkt erst jetzt, dass Alonso Hilfe bekommen hat. Er wirbelt herum…


und wird mit einem Bodycheck umgerissen.


Die Birdie Boys kollidieren miteinander und gehen zu Boden. Über ihnen steht ein Zacidog mit zähnefletschendem Ausdruck. Er hält sie in Schach. Und im Hintergrund sieht man die blonde Gestalt, wie sie Alonso auf die Beine hilft. Ihm den Staub und Steinbröckchen von den Klamotten klopft.


Der Retter ist Güldenherz.


Güldenherz: „So, das reicht jetzt aber! Verschwindet, wenn ihr nicht noch weitere Prügel einstecken wollt. Ihr habt großes Pech, dass ich der Hundetyp bin. Katzen mag ich nicht. Die sind hinterhältig und böse. So wie ihr ihr. Lasst Alonso in Ruhe!“


Nach der klaren Ansage blicken die Birdie Boys einander an. Wie Hyänen umkreisen sie Güldenherz und Alonso. Doch der Wind hat sich gedreht. Nun sind es die Golfer, die in Unterzahl sind. Zumindest, wenn man den Hund mitzählt. Und so bleibt Sademi und Wooten nichts anderes übrig, als abzuwinken und sich zurückzuziehen. Das Duo schlurft zum Golfcart und steigt ein.


Rupert Wooten: „Das werdet ihr bereuen.“

Steven Sademi: „Bastarde! Barbaren! Blödmänner!“


Der Caddy lässt den Motor an und braust mit Mr. Fairway auf dem Beifahrersitz davon. Als das Golfcart in der Ferne verschwindet, bleiben nur Zac Alonso und sein Retter zurück. Alonso hat ein dankbares Lächeln auf den Lippen und der Zacidog leckt freundlich an Güldenherz‘ Hand. Doch der Außerirdische hat anderes im Sinn.


Sein Blick fällt auf den zu Boden gefallenen Intercontinental-Titel. Er hebt ihn hoch, betrachtet die Platte lange und innig. Als wolle er sich jedes Detail einprägen. Dann, mit einer Spur Widerstreben, reicht er den Gürtel an Alonso zurück. Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, wie viel Überwindung es ihn kostet.


Zac Alonso: „Danke, Mann. Das war Rettung in letzter Sekunde.“

Güldenherz: „Alles ok bei dir? Du hast ordentlich eingesteckt. Cool, wie dein Hund dir geholfen hat. Er ist ein echter Warrior.“


Der Champion blickt an sich herunter. Durch den Sturz auf den Stein des Amphitheaters ist seine Jeans zerrissen. Die Sonnenbrille liegt zerstört in Einzelteile herum. Jemand muss im Kampftrubel draufgetreten sein.


Zac Alonso: „Geht schon.“


Er zuckt mit den Schultern.


Zac Alonso: „Körperlich stimmt alles.“

Güldenherz: „Nur körperlich? Was meinst du?“


Auf die Frage hin lässt Alonso den Kopf hängen. Er kann nicht verbergen, dass etwas Sorgenvolles in seinem Blick ist.


Zac Alonso: „Ich frage mich, ob es eine gute Idee war, mich mit diesen Golf-Trotteln anzulegen.“


Er blickt ihnen hinterher. Dorthin, wo das Cart immer kleiner wird, so dass es kaum noch zu sehen ist.


Zac Alonso: „Scheiße, Mann. Ich habe ein Match gegen Steve Steel vor mir. Der ist selbst schon mit allen Wassern gewaschen und wird sicher nicht fair kämpfen. Aber wenn die Boys so rachelustig sind, wie sie gerade gesagt haben, dann habe ich mir nun eine weitere Herausforderung eingebrockt. Ich mache mir Sorgen, dass…“


Güldenherz: „…sie in den Kampf eingreifen?“


Kopfnicken bei Alonso. Güldenherz hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Als er seine Frage bestätigt sieht, legt Güldenherz ein Lächeln auf.


Güldenherz: „Mach dir da mal keine Sorgen, Zac. Ich sorge dafür, dass dein Kampf fair abläuft. Wenn die Birdie Boys auch nur einen Fuß zum Ring setzen wollen, werden sie es bereuen.“


Die Miene des Champions hellt sich auf. Er schlägt seinem Retter kumpelhaft auf die Schulter.


Zac Alonso: „Mensch, du bist echt ein guter Kerl, Güldi. Die GFCW wäre ein besserer Ort, wenn mehr Leute so selbstlos wären wie du.“


Güldenherz legt den Kopf schief.


Güldenherz: „Ja, ich helfe gern. Und vor allem dir, Zac. Du weißt, dass ich deinen Weg hier in der GFCW sehr beeindruckend finde, das habe ich dir schon gesagt. Doch das bedeutet unweigerlich, dass wir auch Rivalen sind. Rivalen werden könnten. In der Zukunft.“

Zac Alonso: „Ach?“


Der Blick des Lord des Lichts wandert an Alonso herab, bis er auf dem Titelgürtel hängenbleibt, den Alonso nach dem Sturz wieder in Position gebracht hatte. Wieder ist da die Sehnsucht in seinem Blick.


Güldenherz: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass du dieses Gold heute in deinem Match gegen Steve Steel verteidigst. Steel ist ein alter Mann, der seinen Zenit längst hinter sich hat. Auch wenn er imemr noch ein solider Wrestler ist, so hat er in einem Titelmatch überhaupt nichts zu suchen. Der Sieg gegen mich vor 2 Wochen im Number 1-Contender Match stinkt doch zum Himmel. Ich sollte diesen Titleshot nun haben. Aber nun gut, ich nehme die Dinge so, wie sie nun mal jetzt sind. Für den Moment kann ich nichts daran ändern. Aber wenn du Steve Steel besiegt und den Intercontinental Titel verteidigt hast…“


Güldenherz baut sich zu voller Größe auf.


Güldenherz: „… dann will ich die nächste Titelchance.“


Wenn Güldenherz eine klare Antwort erwartet hat, wird er durch Alonsos abwartende Miene enttäuscht. Eine unangenehme Stille entsteht. Güldenherz kräuselt die Stirn. Was windet sich Alonso hier um eine Antwort?


Zac Alonso: „Ein Schritt nach dem anderen, ja?“


Er schlägt Güldenherz noch einmal auf die Schulter. Diesmal nimmt der Lord des Lichts die Geste mit weniger Grinsen hin.


Zac Alonso: „Heute werde ich erst einmal meinen Titel verteidigen und dann sehen wir in zwei Wochen weiter. Okay?“


Der Champion pfeift. Sofort eilt der Zacidog heran. In seinem Maul der Golfball. Jetzt, wo die Birdie Boys verschwunden sind, kann er ohne Angst mit dem Objekt spielen.


Güldenherz blickt sein Gegenüber an. Er zuckt mit den Schultern. Seine Stimme ist leise.


Güldenherz: „Okay.“

Zac Alonso: „Danke, Mann. Danke, dass du mir hilfst.“


Und damit schiebt sich der Champion an seinem Retter vorbei. Er hat einen Kampf zu gewinnen. Hier in diesem Amphitheater. Zurück bleibt Güldenherz. Der Youngster schaut dem Champion lange nach.




War Evening, Théâtre Antique d’Arles (Arles, Frankreich), 26.06.2026


In Kooperation mit



Eine Drohne nimmt uns mit auf eine Reise durch Südfrankreich. Arles, eine sonnenverwöhnte Stadt in der Provence, entfaltet mit ihren engen Gassen, römischen Relikten und dem warmen südfranzösischen Licht eine Atmosphäre, die Künstler seit Jahrhunderten inspiriert.

Im Herzen dieser lebendigen Kulisse erhebt sich das monumentale Amphitheater, ein beeindruckendes Zeugnis römischer Baukunst und heute Bühne für GFCW WAR EVENING!

Boom, fetz, böller, böller. Es wird ordentlich Pyrotechnik abgefeiert und das alte Amphitheater erweckt zum Leben. Nun wird dann auch zu den beiden Urgesteinen der GFCW geschaltet, die sich im weiten Rund bequem gemacht haben: Pete und Sven.


Sven: „Bonjour mes amis und herzlich Willkommen zur unseren französischen Ausgabe von War Evening aus Arles aus der wunderschönen Provence.“

Pete: „ Auch einen wunderschönen guten Abend von mir. Eben habe ich noch ein leckeres Baguette mit Jambon et Fromage verzehrt. Neee, wat lecker!“

Sven: „Besonders lecker ist auch unsere Card für den heutigen Abend. Da wird aber mal richtig aufgetischt:


Schulden vs. Dienste
Wenn Bella und Iokepa gewinnen, müssen ihnen T’n’B die Schulden erlassen. Wenn T’n’B gewinnen, müssen Bella und Iokepa die Schulden bei ihnen abarbeiten
T’n’B (Titan & Tha Bomb) vs. Bella Venera & Iokepa
Referee: Peter Cleven


Sven: „Endlich sehen wir wieder TnB im Ring. Immerhin sind die beiden noch richtige Fieslinge und nicht so verweichlichte Würstchen wie die meisten anderen. Folglich finde ich immer gut, wenn hier weiter den Schuldnern alles abverlangt wird. Wo kommen wir auch hin?“

Pete: „ Pah. Das ist doch ganz großer Camembert, den du hier verzapfst. Bella und Iokepa sind da in etwa toxisches reingeraten und können sich heute mit aller Macht befreien. Meine Unterstützung hätten sie hierfür. Dennoch sind Titan und Bomb natürlich mit allen Wassern gewaschen und haben sich vermutlich wieder etwas böses überlegt.“


Open Challenge
Kyle Douglas vs. ???
Referee: Howard Eagle


Pete: “Kyle ist wieder da und fordert einen Gegner für sich. Wer könnte es werden? Wer traut sich Mr. Unpinnable hier in Arles herauszufordern? Viele werden es wohl nicht sein, schließlich muss man da mit einer Niederlage gegen den Kanadier rechnen.“

Sven: „Das glaube ich wiederum nicht. Mit seinen ständigem lamentieren wird sich schon jemand finden und was gibt es schöneres ich, seinen Nimbus in diesem tollen Ambiente zu nehmen!“


Non Title Tag Team Match:
Zerbeus (Zereo Killer & Morbeus) (c) vs. Black Wyrms (Shizuku Shikishima & Brigitte Reflet)
Referee: Karo Herzog


Sven: “Dann sehen wir unsere Legenden mit den Tag Team Titles. Die Black Wyrms hatten eigentlich ein Titlematch gefordert, aber Zerbeus haben den Schwanz eingezogen. Fighting Champions my ASS.

Pete: “Eine sehr verknappte Darstellung. Zerbeus brauchen weiter Matchpraxis für ihr PPV-Match in Italien gegen die Mad Stars. Und falls die Champions hier verleieren sollten, sind die Wyrms unumstritende No.1 Contender nach Conquista. Allerdings dürfte es nicht leicht werden, schließlich dürften die Zuschauer insbesondere Brigitte Reflet anfeuern. Auch wenn ihre Heimatstadt Annecy nicht mal eben um die Ecke ist!“


GFCW Intercontinental Title Match:
Zac Alonso (c) vs. Steve Steel
Referee: Jack Bobo


Pete: “Ein richtiges Title Match erwartet uns im Main Event. Wie Kai aus der Kiste ist plötzlich der „Bronzed Adonis“ wieder da. Steve Steel bekommt einen Shot gegen Alonso. Das ist aber mal ein richtiger Kracher!“

Sven: „Das wird aber mal ein richtiges Brett! Alonso sitzt zumindest nicht auf dem Kackstift, sondern lässt laufen. Ein Titelwechsel wäre begrüßenswert und das Ambiente gibt es doch allemal her!“




Die Card für heute wurde gerade so vorgestellt, da ertönt auch schon die Musik des aktuellen GFCW World Champions und das auch aus gutem Grund, denn vor zwei Wochen ereigneten sich Szenen, die weder im Interesse des Champs sind noch ihn besonders glücklich stimmen, aber gut, ein Schritt nach dem Anderen.

Wie in Deutschland mittlerweile, wie auch in Portugal und Spanien, wird The End selbstverständlich auch hier gebührend mit einem gewaltigen Aufschrei an Pops gefeiert und empfangen. Tatsächlich gibt es aber keine große Show, mit dunkler Halle und Spot, vielmehr kommt der Champion mit kalter und sichtlich angepisster Miene zum Ring gestampft.

Eine Anmoderation darf aber natürlich trotzdem nicht fehlen.


Laura: „Meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir gemeinsam, aus Corleone, Sizilien… den amtierenden GFCW World Champion… THEEE ENDDD!“


Laura hat sich gemerkt, was The End ihr vor einigen Wochen gesagt hat, nämlich, dass er im Rahmen der Europa-Tour (und vielleicht auch darüber hinaus?) nicht mehr aus Hamburg, sondern aus Sizilien angekündigt werden will und auch das ergibt Sinn, denn schließlich ist er hier in der Obhut der Corleone-Brüder aufgewachsen.


Pete: „Der sieht nicht gut aus.“

Sven: „Soll er sich mal nicht so haben, er hat den Gürtel doch noch.“

Pete: „Ja, aber WIE er ihn vor zwei Wochen behalten hat, dürfte nicht im Interesse des Champions sein. Er hat sein Match nicht gewonnen, es ist einfach unentschieden ausgegangen und das bedeutet in unserer geliebten Wrestling-Logik, dass er den Gürtel behalten darf.

Aber er hat Danny Rickson nicht besiegt.“

Sven: „Und das wird er auch nicht, sofern er wirklich ein solcher Champion ist, wie er es vorgibt zu sein und ihm ein Rückmatch anbietet.“


Die Fans jubeln, End bleibt erbost, entert den Ring, wo ihm auch schnurstracks ein Mikrofon gereicht wird.

Er hat scheinbar etwas zu sagen.

Eine weitere Open Challenge?


The End: „SO nicht.“


Furios läuft End auf und ab durch den Ring, mit dem Blick in die Kamera gerichtet.


The End: „Woche für Woche komme ich hier raus und fordere eine Herausforderung. Vor zwei Wochen habe ich dann zum nunmehr dritten Mal eine Open Challenge gestartet, indem die Möglichkeit gegen mich um diesen Titel zu kämpfen, leichter nicht sein könnte. Wieder und wieder sage ich, nein FORDERE ich, dass ihr euch mir stellt, um mir diesen Gürtel und den Platz an der Spitze der Nahrungskette streitig zu machen.

Und was tut ihr?“


Jetzt bleibt er stehen, noch immer mit bitterbösem Blick in die Kamera. Während er sich aber gerade gefühlt immer mehr in Rage geredet hat, wird er jetzt wieder ganz ruhig. Bedrohlich ruhig.


The End: „Ein Hinterhalt.“


Nun buht die Menge, denn End spricht genau den Elefanten im Raum an, der hier allen im Sinn schwirrt.

Vor zwei Wochen hat End wieder eine Open Challenge gestellt, Hollywood Jake und Robbin Zick von Refuse to Age haben ihn attackiert, sodass Danny Rickson leichtes Spiel hatte… wäre The End nicht mal standhaft gewesen und hätte gegengehalten.

Gleichermaßen hatte er aber auch unerwartete Unterstützung…

von Darragh Switzenberg.

End rümpft die Nase, denn so wütend er auch auf Refuse to Age sein mag und so bieder es ihm zu sein scheint… auch das muss er erwähnen.


The End: „Und… Hilfe, um die ich nicht gebeten habe.“


Wieder buhen die Fans, denn auch Darragh Switzenberg ist natürlich niemand, den man mag.


The End: „Das ist nicht der Weg, den ich gehen will, um diesen Titel zu kämpfen.“


Aber nunja, es dürfte The End klar sein, dass nicht jeder „seinen“ Weg gehen wird – schließlich ist er selbst nicht immer diesem Weg gefolgt.


The End: „Aber selbstverständlich… weiß ich, dass es Männer wie Danny Rickson gibt, die einen anderen Pfad an die Spitze suchen. Männer, wie auch Darragh Switzenberg – oder glaubt hier wirklich jemand, dass er aus reiner Nächstenliebe getan hat, was er getan hat? Offensichtlich ist da eine Sache im Gange, die mich nichts angeht. Eine Sache, bei der der Gürtel wieder einmal nur in den Hintergrund rückt. Aber wie ich es schon zu Mad Dog gesagt habe, ist der GFCW World Championship keine Side Quest. Also klärt, was auch immer es zu klären gibt und kommt erst danach und kämpft.“


Wieder spricht End mit einer Selbstverständlichkeit, die zu verstehen gibt, dass er sich als oberstes Glied der Kette sieht. Diese Worte stimmen nicht, weil er sie sagt, er sagt diese Worte, weil sie – in seiner Welt, der GFCW – Gesetz sind.

Dabei geht ein Raunen durch die Zuschauerreihen, bei dem man fast meinen könnte, dass die Fans Ends Worte so verstehen, als würde er es bei dieser Warnung belassen und Switzenberg und Ricksen ihr Ding machen lassen – sofern es das überhaupt gibt, denn Switzenbergs Auftritt dürfte viel weniger Danny Rickson, als viel mehr Hollywood Jake gegolten haben.


The End: „… das ist meine Devise und meine Art die Dinge zu sehen. Allerdings… befinden wir uns jetzt an einem Punkt, an dem ich es nicht mit mir vereinbaren könnte, denjenigen die Strafe zuteilwerden zu lassen, die sie verdienen. Denn Refuste to Age? Ihr habt mich beleidigt. Ihr habt mich für dumm verkauft. Ihr habt auf die mieseste Art und Weise versucht mir diesen Gürtel zu stehlen.

Und das… kann ich so nicht stehen lassen.“


Jetzt jubeln die Fans wieder, denn das ist der End, den sie inzwischen lieben gelernt haben: man legt sich mit The End an? Dann wird man schon sehen, was man davon hat.

Und gerade als The End wieder ansetzen will, wird er auch schon sogleich unterbrochen.

Von Refuse to Age?

Nein.


Es ist Darragh Switzenberg.


Nach seinem überraschenden Auftritt vor zwei Wochen ist er nun auch offiziell zurück: Der Mann, der diese Liga über ein Jahr lang wahlweise im Würgegriff gehalten oder zur Weißglut gebracht hat. Vangelis‘ Klänge begleiten den Kanadier Richtung Squared Circle – und natürlich auch die obligatorischen Fanreaktionen. Doch diesmal ist etwas anders, denn nicht nur Hass schlägt Switzenberg entgegen. Da sind auch gespannte Blicke und vorfreudiges Schweigen. Denn nicht nur hat die Galaxy den Star vielleicht auch eine verquere Art und Weise mehr vermisst, als man es zugeben würde, es ist auch klar, dass der bevorstehende Auftritt Bedeutung hat – denn es gibt viele offene Frage zu klären.

Switzenberg kommt Schritt für Schritt der Bühne des altertümlichen Amphitheaters näher. Er trägt ein schwarzes Shirt und eine Jeans – ein betont unauffälliges Outfit für ihn, dessen bemerkenswertestes Accessoire seit jeder ein gestählter Körper ist.


Darragh Switzenberg: „Ich erwarte nicht, dass du mich wie einen Freund empfängst.“


Der Kanadier steht vor dem Ring und blickt auf The End. Und er liegt richtig, denn ein freundlicher Blick ist es nicht, womit der Champion ihn taxiert.


Darragh Switzenberg: „Aber nachdem ist dir vor zwei Wochen geholfen habe, wirst du mir vielleicht erlauben, mich zu erklären.“


Er wartet nicht auf eine Antwort des sizilianischen Hamburgers, sondern tritt auf die Ringtreppe und dann auf den Apron. Während er das oberste Rope hinunterdrückt, um leichter in den Ring einzusteigen, blickt Switzenberg lange in die Richtung seines Gesprächspartners.


Darragh Switzenberg: „Du glaubst nicht, dass ich auch Nächstenliebe gehandelt habe, als ich dir half?“


Eine rhetorische Frage. Also gibt es von The End nur ein beiläufiges Schulterzucken.


Darragh Switzenberg: „Das kann ich dir nicht verdenken. Denn ich bin…“


Während seiner Kunstpause steigt Switzenberg über die Seile und kommt auf der Matte zum stehen, nur einen guten Schritt vor dem Champion.


Darragh Switzenberg: „…Darragh Switzenberg. Und das ist in dieser Liga nicht gerade ein Synonym für einen Wohltäter. Ich bin nicht Mutter Theresa und nicht Jesus. Die meisten Künstler würden mich eher mit Hörnern auf dem Kopf als mich weißen Flügelchen malen. Und doch muss ich dich darum bitten, mir zu glauben, wenn ich dir was sage.“


Er hebt die Hand, als würde er dazu ansetzen, etwas zu schwören. Doch dann belässt Switzenberg es dabei, mit der offenen Handfläche Richtung End zu zeigen.


Darragh Switzenberg: „Ich habe dir geholfen, weil ich glaube, dass das Richtige war.“


End registriert diese Worte mit einem zynischen Stöhnen. Selbstverständlich muss der Champion diese Aussage in Frage stellen und keinesfalls wird er das einfach so glauben.


The End: „Das Richtige, um dich selbst in die Position zu bringen, um diesen Titel anzutreten?“


Weil der Champion demonstrativ auf seinen Gürtel klopft, bleibt Switzenbergs Blick am wertvollsten Stück der GFCW hängen. Erst nach Sekunden wendet er sich ab, sucht wieder Augenkontakt zu End.


Darragh Switzenberg: „Das Richtige für diese Liga.“

The End: „Die Liga? Du willst mir ernsthaft erzählen, dir läge die Liga am Herzen?“


End stellt Switzenberg abermals, mit einer fast schon theatralisch-aufspielenden Übertreibung, in Frage.

Die barsche Zurückweisung bringt Switzenberg nicht aus dem Konzept. Er nimmt Ends Worte mit einem Nicken hin und macht dann einen Schritt zurück.


Darragh Switzenberg: „Wir müssen keine Freunde sein, um einen gemeinsamen Feind zu haben, Champ.“


Champ. Die respektvolle und doch joviale Ansprache aus Switzenbergs Mund klingt falsch. Und doch spricht er es ohne Zögern aus.


Darragh Switzenberg: „Wer in dieser Liga wüsste besser, dass es der Liga nicht guttut, wenn sie im Schwitzkasten eines dominanten Stables steht? Besser als ich? Als der Mann, der selbst an der Spitze eines solchen Stables stand. Um zu wissen, wie man einer Hydra den Kopf abschlägt, muss man selbst die Hydra gewesen sein.“


Er breitet die Arme aus und kommt weiter auf End zu. Hält ihm die ungeschützte Brust hin.


Darragh Switzenberg: „Ich bitte dich nicht darum, mich zu mögen. Aber erlaube mir, dich gegen Refuse to Age zu unterstützen. Bevor es zu spät ist.“


Die Fans reagieren entsprechend auf Switzenbergs Bitte, denn auch, wenn man sicher eine gewisse Neugier mit- und Switzi entgegenbringt, so ist man doch mehr als skeptisch.

und so auch der Champion.


The End: „Lass mich… das nochmal kurz sortieren. Du… willst mich unterstützen?“


Der Unglaube steht End sowohl ins Gesicht geschrieben als dass man ihn auch aus seinen Worten heraushört.


The End: „Nein. Das sehe ich nicht so. Ich denke, dass es dein Plan ist, andere Mit-Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, damit dein eigener Weg frei ist und da deine Gehilfen, Alonso und Jake, nun weg sind, suchst du nun neue Verbündete. Suchst du… mich.

Du… willst nicht mir helfen. Ich… soll dir helfen.“

Darragh Switzenberg: „Ich hätte Jake halten können, weißt du?“


Auch wenn er direkt The End anspricht, schweift Switzenbergs Blick auch über das Publikum. Er richtet die Worte an alle, nicht nur an sein Gegenüber.


Darragh Switzenberg: „Er hat mich aus Frust verlassen, weil ich ihn ignoriert habe. Ich hätte einfach zum Telefon greifen müssen und hätte ihn überzeugen können. Wenn ich die Macht hätte haben wollen, die ich mit ihm an meiner Seite hatte, wäre es ein Leichtes gewesen. Ich hätte auch Alonso ersetzen können. Schließlich kann ich Verträge vergeben, wie ich will. Ich hätte mir eine Armee aufbauen können.“


Aussagen, denen man nicht widersprechen kann.


Darragh Switzenberg: „Aber ich wollte es nicht.“

The End: „Und zwar weil?“

Darragh Switzenberg: „Weil ich nachgedacht habe, Champ.“


Noch immer ist Ends Blick von Misstrauen geprägt. Aber lässt Switzenberg reden, ohne ihn zu unterbrechen.


Darragh Switzenberg: „Da war immer dieser Zweifel. Warum sind wir Wrestler, hm? Weil wir etwas hinterlassen wollen. Weil wir in die Geschichtsbücher wollen. Ich habe immer gedacht, dass Macht der Weg dahin ist. Doch dann kam Jason Crutch. Dann kam der Stillstand. Der Rückschritt. Meine mehrmonatige Pause. Und ich habe gemerkt, dass Darragh Switzenberg mehr ist als nur ein Puppenspieler. Vorrangig, End, bin ich einfach Wrestler.“


WHAT?“

WHAT?“


Nicht nur End glaubt ihm kaum ein Wort, auch die Fans machen es ganz deutlich.


Darragh Switzenberg: „Und deswegen will ich neu anfangen. Ein neuer Switzenberg sein, ein besserer.“


Der Kanadier senkt das Mikrofon. Doch weil End nicht sofort etwas sagt, hebt Switzenberg es doch wieder an die Lippen, um noch etwas hinzuzufügen.


Darragh Switzenberg: „Deswegen lass mich dir helfen. Gegen eine neue Dominanz. Erlaube mir, ein paar Fehler zu korrigieren.“


Und dann – als wären die Worte nicht schon verwirrend genug – streckt Darragh seine Hand aus. Er bietet die End zum Handshake dar.


Darragh Switzenberg: „Was sagst du?“


Zumindest für einen kurzen Moment scheint The End tatsächlich kurz zu grübeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass Darragh Switzenberg hier die Wahrheit spricht, ist so gut wie null, aber was, wenn auch nur der Funke einer Möglichkeit besteht, dass er die Wahrheit sagt?

Würde es im Sinne seiner Mission sein, die GFCW zur besten zu machen, die es jemals gab, wenn er Wrestler wie Darragh Switzenberg um die Chance beraubt sich zu ändern?

Zumal… sich auch The End geändert hat, wenn auch nur minimal.

End schaut sich um. Der Zweifel in seinem Kopf scheint die Bestätigung aus der GFCW-Galaxy zu suchen, entweder für die eine oder die andere Entscheidungsoption.

Dann hebt End endlich den Schallverstärker an die Lippen. Doch noch bevor eine einzelne Silbe seinen Mund verlässt…

ertönt eine neue Musik.

BUUUUUUH!“

Solch ein Empfang ist den großen Arschlöchern dieser Welt vorbehalten. Menschen wie Danny Rickson.

Der Anführer von Refuse to Age schreitet Richtung Ring. Er trägt eine schwarze Lederjacke und eine verspiegelte Sonnenbrille, seine hell gefärbten Haare sind zu einem Dutt hochgesteckt.


Danny Rickson: „Ich störe diese Seifenoper wirklich ungern. Schließlich brillierst du, Darragh, in deiner Rolle als lächerlicher Lügner. Doch meine Geduld ist am Ende.“


Bis kurz vors Squared Circle stapft er heran. Doch in die Höhle der Löwen – also in den Ring zu End und Switzenberg – wagt sich Rickson dann doch nicht.


Danny Rickson: „Wir sollten dahin zurückkehren, was du am Anfang deiner Rede gesagt hast, End. Nämlich, dass du unser Ergebnis so nicht stehen lassen kannst. Also wäre es doch das Einfachste, wenn du diesen ganzen Quatsch…“


Er deutet erst in den Ring, dann ins Amphitheater. Anscheinend ist für Rickson die Gesamtszenerie Quatsch.


Danny Rickson: „…stecken lässt und dich einfach dazu entscheidest, mir ein Rückmatch zu gewähren. Das ist der einzige Weg, die Scheiße aufzulösen, die vor zwei Wochen durch unseren ungebetenen Besucher passiert ist.“


Der Blick geht in Richtung Switzenberg. Dieser starrt zurück. Wenn Blicke töten könnten, würden beide auf der Stelle umfallen.


Danny Rickson: „Gib mir ein Rückmatch. Du willst es. Ich will es. Nein, ich FORDERE es.“


Wieder schaut sich End um. Sein Blick geht zu Danny Rickson, wieder ins Publikum, sogar kurz zu Darragh Switzenberg.

Das ist es, was er wollte – Wrestler, die ihn um seinen Titel herausfordern. Also eigentlich sollte seine Antwort hier klar sein…

andererseits… was würde es für ein Zeichen setzen, wenn er derartige Schmierentheater auch noch mit einer weiteren Chance belohnt?


The End: „Nein.“


Erneut jubeln die Fans laut auf, denn der Champion macht Champion Dinge und bestimmt selbst, wie es hier zugeht, anstatt, dass er sich bestimmen lässt.


The End: „Versteh mich nicht falsch, Rickson. Ich will Rache und ich werde meine Rache bekommen, aber dieser Titel… wird kein Teil davon sein.“


Als einzige Anwort auf Ends Worte hat Rickson ein Zungeschnalzen übrig.


Danny Rickson: „Du bist so leicht auszurechnen. Noch viel einfacher als Shelly Nafe es war. Deswegen war mir klar, welche Antwort kommt. Und ich habe etwas vorbereitet, dass deine Entscheidung…abändern wird.“

The End: „Hmm?“


End gibt sich unbeeindruckt und will möglichst nicht auf diese fadenscheinige Drohung von Rickson eingehen, sein Interesse ist aber dennoch geweckt.

Alle 4.500 Zuschauer – und die beiden Männer im Ring – starren Rickson an. Warten auf eine Erklärung von dessen kryptischen Worten.

Doch anstatt, dass Ricksons Stimme hören, schnippst dieser mit den Fingern. Und deutet dann auf die Videoleinwand. Dort beginnt ein Video zu spielen.

Recht schnell wird dabei klar, wo wir uns in dem Video befinden: eine sonnige Landschaft voller Berge und Täler, allesamt in einer atemberaubenden Kulisse vor dem großen, weiten Meer. Und inmitten dieser wunderschönen Szenerie – abgelegen von einem kleinen Städtchen, was man im Hintergrund erahnen kann – sehen wir eine alte Farm, die wir schon desöfteren gesehen haben.

End hat sich hier versteckt, Aldo hat sich hier zurückgezogen, vor allem sind die beiden hier aber groß geworden.

Es ist eine recht alte, bescheidene Farm, mit einem kleinen Häuschen. Wir sehen den Bereich, in dem sich sonst die Ziegen aufhalten, wir sehen kleine Felder, einen Schuppen und noch einiges mehr.

Ohne Zweifel: Das ist die Farm von Salvatore Corleone. Dem Mann, der The End geprägt hat wie sonst nur noch James Corleone. Sie mögen entschieden haben, dass End auf eigenen Füßen stehen muss – aber natürlich ist die Verbindung nach wie vor tief. Als wären sie eine Familie. Auf immer und ewig. Also blickt The End mit angespannter Miene auf das Video. Ein schlechtes Gefühl macht sich breit.

Dann schwenkt die Kamera auf der Farm herum. Und aus dem Dunkel schleichen zwei Männer. Häscher in der Nacht. Sie nähern sich dem Farmhaus. Dort, wo hinter den Fenstern Licht brennt – das Licht von Sal Corleone.

Die Männer sind Robbin Zick und Hollywood Jake.

Wie Mordsbuben schleichen sie vor dem Farmhaus herum. In Sizilien. Wahrhaftig. An einem Ort, dessen Bedeutung für The End unermesslich ist. Ohnmächtig, hunderte Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt, hier in Arles, muss der Champion mitansehen, wie Jake und Robbin über den Zaun klettern und auf die Tür des Hauses zulaufen. Damit überschreiten sie nicht nur im wortwörtlichen Sinn eine Grenze – sondern auch symbolisch. Der Atem Ends beschleunigt sich. Sein Blick ist voller Hass.


Danny Rickson: „Gib mir, was ich will, End. Oder meine Freunde…“


Der Engländer nimmt die Sonnenbrille ab. Sein stählerner Blick bohrt sich in End.


Danny Rickson: „…werden Sal einen Besuch abstatten. Du hast bis Ende der Show Zeit, meinem Willen nachzukommen. Oder dein alter Verbündeter wird es ausbaden.“


Eine Drohung mit Knalleffekt. End ballt die Hand zur Faust, dass sie Knöchel weiß werden.


Danny Rickson: „Deine Entscheidung…“


Der Blick wandert zu Switzenberg. Mit Hohn in der Stimme wählt er die Formulierung, mit der dieser zuvor The End angesprochen hatte.


Danny Rickson: „…Champ.“



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Tag Team-Match:
Idunn Jörmungandr & Skadi Fenrir vs. Diana Rolando & Colette Muzétta (Local Talent)
Referee: Howard Eagle



Laura: „Auf dem Weg zum Ring aus Tromsø in Norwegen, mit Größen von zwei Metern und zwei Zentimetern sowie einem Meter Dreiundneunzig… Idunn Jörmungandr und Skadi Fenrir!“


Einzelne Schneeflocken beginnen von der Hallendecke zu rieseln, kommen aber im heißen Sommer dieser Tage nicht weit. Ob das wohl ein böses Omen ist? Es scheint schwer vorstellbar, sind doch die beiden groß gewachsenen Schwestern aus Norwegen in diesem Match unweigerlich die im wahrsten Sinne des Wortes großen Favoritinnen. Immerhin sind ihre Gegnerinnen ja nicht mal ein richtiges Tag Team und letztlich nur zwei Extras. Da wäre jedes gängige GFCW Team klar favorisiert, geschweige denn eins, das bereits vom puren Anblick her nichts Gutes verheißt. Die 1,93 große Schneewölfin mit den schneegrauen Zotteln im wolfigen Look und ihre noch größere Schwester im schuppigen Top und Schurz für das schlangenhafte Visuelle sind immer wieder aufs Neue ein imposanter Anblick – obgleich auch ein skurriler ob des Umstandes, dass Idunn als gute Ourobouros Schlange ihren mächtigen, geflochtenen Zopf mit der Spitze im Mund zu tragen pflegt. Und wehe das grandiose Geflecht aus hellem Lavendel und dunklem Türkis verlässt ihren Mund, dann wird die ohnehin schon nicht gerade zimperliche Riesin komplett ungemütlich.


Laura: „Ihre Gegnerinnen bereits im Ring… aus La Orotava, Spanien Diana Rolando und aus Versailles, Frankreich… Colette Muzétta.“


Höflichen Applaus gibt es für die Herkunft des Local Talent – obgleich Versailles jetzt eigentlich nicht so wirklich lokal ist, sondern von Arles ein ganzes Stück weg ist. „Frankreich“ muss dann wohl als „lokal genug“ gelten. Bekannt ist Colette Muzétta jedenfalls nicht, so viel steht fest – eine 1,68 große Frau mit einer massiven grünen Lockenpracht und blassrosa Strähnen in einer unfassbar generischen Ringgear. Diana Rolando ist… Diana Rolando. Die frühere Kandidatin für die LPG mit der brünett-weißen Flechte und dem puffigen Pony im feschen Kampfdress und den halbhohen Stiefeln war bereits bei der vergangenen Show keinen Einzug mehr wert und das ist heute auch so. Aber ihr Wunsch sich mit einem weiteren Match anständig von GFCW zu verabschieden wurde gewährt, immerhin etwas. Und wer weiß? Colette und Diana mögen heute nur als Extras angeheuert worden sein, aber sie müssen ja „nur“ gewinnen, dann sieht die Welt vielleicht ganz schnell ganz anders aus.


Der Ringgong ertönt und es geht los. Diana steht Skadi gegenüber, die sich aus der Zeit des großen LPG Castings noch kennen, obgleich eher flüchtig. Lange war Diana ja nicht im Rennen um einen Spot dabei. Und hier dauert es nicht lange bis der Größenunterschied auffällt: Diana ist 1,59 wenn nicht sogar nur 1,58, das sollte vielleicht noch mal für alle Statistikfreunde nachgemessen werden. Aber der eine Zentimeter Größe mehr oder weniger macht keinen großen Unterschied: deutlich über 30 Zentimeter Größenunterschied zur Schneewölfin sind es so oder so und zur in ihrer Wechselecke wartenden Idunn ist der Unterschied naturgemäß noch gigantischer.

Aber das hindert Diana nicht daran dennoch sofort in die Offensive zu gehen und ordentlich zuzuschlagen und zuzutreten. Was gegen Monica Shade in der letzten Show kaum klappen wollte, gelingt Dia hier besser – auch wenn Skadi recht agil ist, ist sie einfach ein größeres Ziel und in einer unerwarteten Wendung der Voraussetzungen ist das gut für Diana.

Zumindest bis Skadi einen Big Boot abfängt und nutzt, um die Spanierin zu den Snake Eyes auszuhebeln. Rolando strampelt sich jedoch frei und versucht in einer fließenden Bewegung zu einem Reverse DDT oder etwas Ähnlichem anzusetzen – es bleibt jedoch beim Ansatz. Ein paar Elbows und Skadi ist frei, dann packt die Schneewölfin ihre Kontrahentin am Arm und semmelt diese per Short-arm Clothesline auf die Matte.

Zeit um mit Idunn zu wechseln und in der Theorie auch Zeit für Double Teaming, aber Skadi tritt nur noch einmal nach und lässt Diana für Idunn liegen. Die Implikatur ist eindeutig: Skadi erachtet es als unnötig die kleine Spanierin zu Zweit anzugreifen. Die riesige Idunn lässt erst einmal einen Axhandle Blow auf Dianas Rücken nieder krachen, ehe sie ein Bein packt und verdreht. Dabei sieht Idunn etwas nachdenklich aus, als ob sie einen bestimmten Griff ansetzen möchte, aber vergessen hat, wie es geht. Das eröffnet Diana mit dem freien Bein ein paar mal zuzutreten, sich so zu befreien und mit einer Rolle bei der Partnerin zu sein, die sich prompt einwechselt und Schwung nimmt, um per Springboard Crossbody gegen Idunn zu fliegen!

...aber Idunn fängt sie einfach auf und sieht verwirrt aus, warum Colette ihr freiwillig in die Arme gesprungen ist. Während Idunn noch verwirrt ist, springt Diana ihr per tief gesprungenem Dropkick in die Kniekehle und so klappt der Cossbody mit diesem Assist doch noch und Colette bleibt auf Idunn liegen. Aber noch ehe der One Count gezählt werden kann, stößt Idunn die Französin im hohen Bogen von sich. Die landet aber auf ihren Füßen und ein Blick zu Diana später springen beide einen tiefen Dropkick gegen Idunn! Es geht doch!

Weil das Double Teaming Wirkung zeigt, wechselt Colette sogleich wieder mit Diana und zusammen treten sie auf Idunn ein, die dennoch wieder auf die Beine kommt, sich jedoch im Ansatz zum Dark Matter Flatliner wiederfindet – Diana tritt von hinten per Big Boot und so geht die Kombinationsattacke durch! Diana covert sofort!


Eins!

Zwei!

Nein!


Skadi war durch die Seile gestiegen, aber ob sie noch rechtzeitig gekommen wäre? Erst war sie sicher, dass Idunn keine Hilfe brauchen würde, doch dieses Gefühl hat nicht lange angehalten. Die Fans jedenfalls freut es. In Barcelona wurden alle Spanier besiegt, hier sieht es hingegen prompt nach einer möglichen Überraschung in Frankreich zu Gunsten einer komplett unbekannten Französin aus! Diana wechselt ihrerseits sofort wieder mit Colette und dirigiert Idunn gen Ringecke, in der Colette zupackt zum Single Arm Tornado DDT, dem


Arrividerci!


Aber nichts da, Idunn bleibt standhaft und als Diana mithelfen will, packt sich Idunn diese auch noch und dann gibt es einen doppelten Northern Lights Suplex! Okay, so viel zu den französischen Hoffnungen, Idunn schüttelt sich kurz, ein bisschen Stretching, dann setzt sie weiter nach und langt mit ihren langen Beinen gegen beide Gegnerinnen zu: Shin Kick, High Kick, Sweep Kick, Superkick! Skadi atmet tief durch, ihre Sorge war unbegründet. Idunn dreht jetzt auf und demonstriert, dass sie nicht nur groß und doof ist, sondern groß, doof und für ihre Größe sehr gelenkig. Ihre Tritte sind zwar verglichen mit sonstigen Nutzern recht langsam, aber die schiere Wucht dahinter macht es dennoch schwer ihnen beizukommen.

Idunn wechselt nun mit Skadi, die sich Zeit lässt – zu viel Zeit. Colette und Diana rappeln sich noch mal auf und stürmen gemeinsam auf die nordischen Schwestern los, erwischen sie mit Dropkicks und lassen noch einige Angriffe mehr folgen, welche die Fans wieder hoffen lassen – aber dann erwischt Idunn die auf sie zu eilende Colette per Pop Up Powerbomb, während Skadi ihrerseits Diana per Swift Strike erwischt und prompt die Wolf Bomb folgen lässt. Damit nicht genug, die Schwestern packen Diana, stemmen sie hoch und dann heißt es abwärts per Powerbomb:


Ragnarök!


Diana liegt flach, Colette hingegen erhebt sich, aber nur um von Idunn per hinten per Sweep Kick erwischt zu werden, während Skadi von vorne mit dem Lariat kommt: High-Low! Colette wird auf die Matte gefegt und nur um wirklich jeden Zweifel auszuräumen setzt Skadi auch noch mit dem Snow Splash nach, während Idunn aufpasst, dass Diana nichts mehr macht, aber die liegt eh flach. Es war ein beherzter Kampf von Diana und der bisher völlig unbekannten Colette, der die Fans hat auf die Überraschung hoffen lassen, aber nun wird der Pinfall gezählt und es ist letztlich doch ein recht klarer Sieg der norwegischen Schwestern. Dennoch, mit der Leistung können sich Diana und Colette erhobenen Hauptes aus Arles und von GFCW verabschieden. Skadi und Idunn wiederum haben einen weiteren Sieg auf dem Konto und ein paar neue Aktionen gezeigt oder zumindest versucht, bei aller Verwandtschaft sind auch solche Matches wichtig, um etwas Routine in die Aktionen zu kriegen und als Tag Team weiter zu wachsen.




Das Match ist nicht ganz so einseitig gelaufen, wie es gerne gehabt hätten, aber letztlich war es der klare Sieg, den man hatte erwarten dürfen und so sind die Mienen der nordischen Schwestern Idunn Jörmungandr und Skadi Fenrir doch einigermaßen zufrieden, wie sie durch den Vorhang in den Backstagebereich geschritten kommen.

Mit Betonung auf „einigermaßenzufrieden – von „glücklich sein“ über den Erfolg kann schon gar keine Rede sein, dafür war er letztlich zu selbstverständlich. Dennoch, ein Sieg ist ein Sieg, der mittlerweile Vierte in diesem Jahr bei nur einer Niederlage, das kann sich sehen lassen, so rein statistisch gesehen.

Das offensichtliche Problem:

Diese eine Niederlage war die entscheidende Niederlage – die gegen Zerbeus. Und genau deswegen halten sich die Emotionen über den heutigen Pflichtsieg im überschaubaren Rahmen: er bringt die nordischen Schwestern von der Lerbitz Performance Group ihrem Ziel erneut um das Gold anzutreten nicht näher, er hat nur dafür gesorgt, dass sie sich davon nicht weiter entfernen. Ihre Weigerung an der Tag Team Battle Royal teilzunehmen hat ihren Stand nicht verbessert und so müssen sie darauf bauen, dass die Black Wyrms heute doch noch aus ihrem Match ein Titelmatch machen können – ihr Plan B, dass sie durch einen Erfolg der Basketballer zu einem Titelkampf kommen, hat sich durch den Sieg der Mad Stars erübrigt.


DOINK

DOINK

DOINK


Wenn man von den Basketballern spricht – wie das mittlerweile vertraute Geräusch eines im Dribbling befindlichen Basketball andeutet sind sie hier. Skadi und Idunn bleiben stehen und mustern James Hightower und Chris Dimer, werden dann aber locker. Bei GFCW weiß man ja nie, aber es sieht nicht so aus, dass dies der Auftakt zu einem tätlichen Angriff ist.


Skadi Fenrir: „Ihr seid es. Ein Wort des Grußes an euch und ein Wort des Bedauerns. Es ist fürwahr bedauerlich, dass nicht ihr die triumphalen Sieger der Battle Royal wart. Bedauerlich für euch wie für uns gleichermaßen.“


Skadi faltet die Arme vor der Brust und ertappt sich selbst dabei, wie ihre Augen geradezu automatisch den Bewegungen des Basketballes folgen. Purer Jägerinstinkt auf alles zu achten, was sich bewegt.


Idunn Jörmungandr: „Ihr habtsss aber echt nicht ssschlecht gemacht dafür, dasss ihr noch ssso neu im Wrestling ssseid.“


Skadi blickt ihre Schwester skeptisch aus dem Augenwinkel an, die den Basketballern gönnerhaft den Daumen nach oben gibt. Idunn selbst hat nur unwesentlich mehr Erfahrung im Wrestlingring als die Basketballer, aber den Kopfschmerz dies im Detail darzulegen erspart sich Skadi, in der vagen Hoffnung, dass die Basketballer auf diesen Umstand nicht anspringen und etwas anderes zu sagen haben.


James Hightower: „Grmpf… Danke. Ja, wir hatten nicht unseren besten Tag. Unsere Unerfahrenheit hat sich dann doch gezeigt. Wir wurden mit als erste eliminiert. Es wäre wohl auch vermessen gewesen, von einem Sieg in dieser Battle Royal zu träumen. Schließlich sind wir gegen einige der besten Teams in der GFCW-Geschichte angetreten.“


Chris Dimer: „Genau, und wir sind komplette Neulinge! Wir können froh sein, überhaupt einen Vertrag bekommen zu haben.“


James Hightower: „Pah, so ein Quatsch. Wir sind absolute Rohdiamenten. Die Liga kann sich glücklich schätzen uns dabei zu haben. Aber nun zu euch: Ihr habt mal wieder gewonnen heute. Auch gegen uns wart ihr ja schon siegreich. Ich muss wohl oder übel anerkennen, dass ihr was daraufhabt.“


James Hightower und Chris Dimer nicken anerkennend.


Chris Dimer: „Genau! Warum habt ihr eigentlich nicht an der Battle Royal teilgenommen? Ihr habt es doch absolut verdient, um die Titel mitzukämpfen.“


Die Schneewölfin schüttelt leicht den Kopf. Dieser Punkt ist doch so ausgiebig in Interviews diskutiert worden, dass sich diese Frage gar nicht stellen sollt--


Idunn Jörmungandr: „Gute Frage! Warum haben wir noch mal nicht an der Battle Royal teilgenommen und da alle zzzerquetsssscht? Ich weißßß esss gab einen Grund, aber ich hab ihn vergessssssen.“


Einer dieser Momente in Skadis Leben, wo ihre „kleine“ Schwester ihr wirklich den letzten Nerv raubt.


Skadi Fenrir: „Nun, wie ihr ja wisst...“


Skadi bricht ab und denkt noch mal drüber nach – sollte sie jetzt wirklich Wissen voraussetzen?


Skadi Fenrir: „Nun, wie ihr vielleicht wisst, sind wir Teil eines größeren Rudels, der Lerbitz Performance Group und in diesem Rudel sind wir nicht das einzige Tag Team. Da es sich innerhalb eines Rudels nicht ziemt zu begehren, was anderen Rudelmitgliedern zusteht, haben wir davon abgesehen ein Tag Team Titelmatch durch die Battle Royal zu erreichen, um die legitimen Ansprüche unserer Rudelgefährtinnen, den Black Wyrms, nicht zu untergraben. Denn diese hatten ob ihrer jüngsten Resultate die sportlich besten Argumente auf einen Titelkampf, auch wenn die Herren Champions diese bis zum heutigen Tag nicht anerkennen wollen.“


Skadi bleckt unweigerlich die Zähne, kaum dass sie über Zerbeus spricht. Dann jedoch formt ihr Mund ein wohlwollendes Lächeln und nickt den Basketballern anerkennend zu.


Skadi Fenrir: „Von daher ist es erfreulich zu wissen, dass ihr beiden anders als diese Ehrenmänner seid, welche die Leistungen und Siege anderer honorieren. Unsere Herren Champions hätten sicherlich bei einem Matchverlauf, wie bei dem Match von Idunn und mir gegen euch, im Nachhinein herum gejammert, dass der Sieg nur durch den mysteriösen Riesen zustande kam.“


Sie blickt die beiden Basketballer an.


Skadi Fenrir: „Aber wisst ihr was? Eigentlich können wir da auch jeden Zweifel komplett ausräumen. Ich nehme an wir haben hier ja alle für Conquista keine anderen Pläne, also warum machen wir aus der Not keine Tugend und kämpfen erneut gegeneinander? Und sollte der mysteriöse Riese erneut auftauchen… dann fragen wir ihn einfach zu Viert, was er will.“


Die Basketballer gucken sich kurz verdutzt an, dann nicken sie den Vorschlag ab, mit einem Lächeln im Gesicht das sagt „dieses Mal gewinnen wir“.



SSSSSSSSIIIIIIIUUUUUUUUU!


Sandro: „Frankreich…“


Wenn der Name des Gastgeberlandes wie eine Krankheit ausgesprochen wird, während im Hintergrund die lautstarke Cristiano-Hymne über die Arena schallt, kann das nur eines bedeuten: Sandro ist da.

Der Portugiese marschiert mit der ihm üblichen Gravitas auf die Bühne und wird so freundlich empfangen Napoleon in Moskau. Das hält den (eigentlich luxemburgischen) Lusitaner nicht davon ab, die Hand im Stil eines Staatschefs zum Gruße zu erheben.


Sandro: „…endlich seht ihr mal einen richtigen Sssssssiuperstar.“


Der Portugiese zieht die Augenbrauen zusammen und die Mundwinkel herunter. Zungeschnalzend blickt sich Sandro um, während von allen Seiten Buhrufe auf ihn einprasseln. So hat er sich den Empfang nicht vorgestellt.

Mit der freien Hand, die er nicht für das Mikrofon braucht, winkt der Portugiesische (Wrestling-)Botschafter ab.


Sandro: „Mag sein, dass die Anwesenheit eines lusitanischen Heroen euren croissantförmigen Hirnwindungen zusetzt, doch das ist kein Grund, mir gegenüber Feindseligkeit zu zeigen. Ich komme in guter Absicht.“


Und was könnte besser eine gute Absicht beweisen als dass Mikrofon zu senken, dem Körper einen Ruck zu geben und mit einem SSSSIUUUU in die Luft zu springen? Seine Landung wird nicht gesenkten Daumen und französischsprachigen Ausrufen begleitet, die die Sprache der Liebe einmal nicht erotisch klingen lassen.


Sandro: „Was denn? Ich soll abhauen?“


JAAAAAAAAAAA!“


Sandro: „Nein, nein, nein. Ich werde nicht die Flucht ergreifen und vor euren Reaktionen kapitulieren, ich bleibe standhaft. Ich bin ja schließlich kein Franzose. Und so wie der Heilige Cristiano Usbekistan versenkt hat, werde ich hier und jetzt all die Zweifler versenken, die anzweifeln, dass die Rettung Frankreichs darin besteht, sich der großen National Portugal zu Füßen zu werfen.“


Auch wenn die Bewohner der Grande Nation dem Klischee nach nicht gern die Sprache des Nachbarn jenseits des Ärmelkanals sprechen, langen die Englischkenntnisse der Anwesenden, um jeden Satz Sandros mit lauten „WHAT?“-Chören zu begleiten. Sandros Enttäuschung über so viel Ablehnung wandelt sich zunehmend in Ärger. Er hebt lehrerhaft seinen Zeigefinger und sucht Blickkontakt zu besonders aufgebrachten Fans in den ersten Reihen.


Sandro: „Ja, die Wahrheit ist hart. Doch manchmal muss man eben in den sauren Frosch beißen und sie akzeptieren.“


Weil nun mindestens eine Minute ssssssiuu-frei abgelaufen ist, zieht Sandro zur Feier seiner Bangerline mit einem Doppel-Sssiuu nach, das von Arles mit einem Doppel-Fick-Dich entgegnet wird.


Sandro: „Doch ich sehe schon: Der Großteil von euch kann es nicht ertragen, die Schwäche der eigenen Nation zu hören. Ihr steht da, stemmt die Händen in die Hüften und protestiert, es wäre alles ganz anders und Frankreich ein ernstzunehmender Staat. Pah. Woher kommt dieses Selbstverständnis? Glaubt ihr wirklich noch, Frankreich wäre eine Grande Nation?“


Für das lautstarke Ja aus dem Publikum hat der einstige GTCW-Superstar nur ein Kopfschütteln übrig.


Sandro: „Kein Wunder, dass französisch weltweit ein Synonym dafür geworden ist, den Mund ganz schön vollzunehmen, was?“


( ͡° ͜ʖ ͡°)


Sandro: „Wir steuern hier bei unserem netten kleinen Gespräch auf zwei Möglichkeiten zu. Erstens wäre, dass ihr weiter vergeblich gegen mich protestiert. Das wäre albern. Also ist das die wahrscheinliche Möglichkeit hier, denke ich. Doch hört euch erst die zweite Möglichkeit an, bevor ihr die gelbe Weste aus dem Schrank holt. Ihr bitte euch hier und jetzt einen Friedenschluss an. Alles, was ihr dafür tun müsst…“


Im Predigerstil steigert sich Sandros Stimme bei jedem Wort, ehe sie kurz vor der Möglichkeit der Erlösung vor Euphorie tropft.


Sandro: „…ist, die Überlegenheit meiner Heimat Portugal zu akzeptieren. Es mag etwas Überwindung kosten, doch es wird Frankreich die Chance geben, ein zweites Waterloo zu vermeiden. Ich verlange nicht viel. Nur, dass jemand im Namen Frankreichs hier in den Ring kommt und seinem Instinkt folgt. Also kapituliert.“


Zufrieden klatscht der Portugiese in die Hände.


Sandro: „Na, das sollte einfach sein. Es kostet nur etwas Mut. Sagt es mir, Franzosen, wer hat die Courage, die eigene Unterlegenheit einzugestehen?


Erwartungsvoll schaut sich der Eroberer im Publikum um. Doch der oder die Freiwillige kommt nicht von dort, wo er es erwartet hatte – sondern aus Richtung der Wrestler-Area. Und zwar mit einer eigenen Musik.



Das Publikum hat nun wirklich genug von Sandro gehört und dasselbe gilt für sie – Renee Courage. Eine junge, kleine Französin aus Passy, Haute-Savoie mit softer Stimme, einem imposanten, silbrig-weißen Pferdeschweif und violetten Augen, die auf Sandro fokussiert sind.


Pete: „Manch ein GFCW Fan wird sich nun die Frage stellen: ‚muss man die kennen?‘ und die Antwort darauf lautet...“

Sven: „Die Antwort darauf lautet: bisher nicht, weil sie bisher nur in Takatuka-Ligen angetreten ist.“

Pete: „Reicht es nicht, dass Morbeus für ein gestörtes Verhältnis in Richtung WFW sorgt, musst du jetzt auch noch damit anfangen?“

Sven: „Deine Mutter steht auch darauf, wenn ich...“

Pete: „Also: Renee Courage hat den Ruf einer Super-Rookie, weil sie bereits in der Frühphase ihrer Karriere diverse Achtungserfolge errungen hat. So hat sie etwa im letzten Jahr im Tournament of Honor nur knapp gegen Monica Shade verloren und die uns bestens bekannte Skadi Fenrir besiegt.“

Sven: „Und in diesem Jahr ist sie schon raus aus dem Turnier, weil sie gegen eine der bescheuerten Elfen verloren hat.“

Pete: „Hehe.“


Die Fans im Théâtre Antique d’Arles brauchen keine große Erklärung, wer Renee Courage ist, entweder man kennt sie eh schon oder es reicht, dass sie Französin ist oder es reicht, dass sie verdammt gut anzusehen ist. Körperlich könnte sie auch als Fitness-Model durchgehen, ihr Body im eng anliegenden Minikleid und Poncho ist zwar verhüllt, aber doch gut erkennbar. Dann wiederum bräuchte sie im Zweifelsfall nicht mal Französin sein, Hauptsache ihre halbhohen Stiefel landen gleich in Sandros Hintern. Jona Pexianer und Rodrigo Gaya konnten Sandro zwar nicht stoppen, aber auch wenn Renee noch lange kein großer Name im Wrestlinggeschäft ist, so ist sie doch ein weitaus höheres Kaliber als die beiden es sind. Für Sando die erste echte Bewährungsprobe – wenn nicht gar ein Stolperstein. Wie die Französin mit den halblangen Handschuhen und den buschigen Strähnen auf Stirn und Wangen die Ringseile ergreift und mit einem raschen Hopser den Ring betritt steigt die Erwartungshaltung im Publikum, dass Sandros Tour durch Europa hier und heute beendet wird.

Und weil Renee Courage gar keinen Zweifel offenlässt, dass sie nicht Unterwerfung hier ist, sondern für Wrrrrrässssling, schießt hinter ihr Mike Gard aus dem Vorhang. Sandro hat das Mikrofon schon am Mund, um sich zu beschweren…

doch da erklingt auch schon die Ringglocke.


Singles Match:
Sandro vs. Renee Courage
Referee: Mike Gard

Sandro hebt noch das Mikrofon, als könnte er das Match mit einem Einspruch beginnen, doch Renee schlägt es ihm aus der Hand. Das Mikro rutscht über die Matte wie Sven über Petes Mutter, Sandro stolpert rückwärts in die Seile.

Renee wartet nicht. Sie rennt los, trifft Sandro mit einem Dropkick gegen die Brust und zwingt ihn in die Ecke. Die Fans im Théâtre Antique d’Arles sind erfreut. Sandro deckt sich ab, Renee setzt nach und hämmert ihm kurze Corner Chops auf die Brust. Einer. Zwei. Drei. Beim vierten fängt Sandro ihre Hand und tritt vor, doch Renee flutscht seitlich weg, landet hinter ihm und zieht ihn mit einem Armdrag auf die Matte.

Sandro kommt hoch, wütend und etwas zu schnell. Er kassiert einen Kick und fällt in sich zusammen wie Pongos Motivation für GFCW History. Sandro rollt bis unter das unterste Seil, bleibt aber im Ring. Er schaut nach draußen, dann zum Publikum. Keiner der Franzosen hat die Seite gewechselt. Niemand jubelt ihm zu. Er zieht an den Seilen hoch und bekommt sofort einen European Uppercut ab. Renee greift nach, will einen Tornado DDT aus der Ecke, doch Sandro schiebt sie beim Absprung von sich weg. Sie landet auf den Füßen, muss aber einen Schritt korrigieren. Das reicht. Sandro fährt mit der Schulter voran in sie hinein und rammt sie in die Ringecke. Es hat seine Vorteile, wenn man schätzungsweise 40 bis 50 Kilogramm mehr auf den Rippen.

Jetzt bremst das Match zum ersten Mal. Sandro hält Renee dort, drückt den Unterarm quer gegen ihr Kinn und zählt mit Mike Gard mit, natürlich auf Portugiesisch. Bei vier löst er, hebt beide Hände und ruft ein kurzes „Ssssiu“, das in Buhrufen ersäuft. Also gibt es ein zweites, lauteres SSSSSSSIIUUU. Nur, weil er es kann.

Dann kommt der erste harte Schlag. Ein Forearm gegen Renees Rücken. Noch einer. Er zieht sie aus der Ecke, stemmt sie hoch und wirft sie mit einem schlichten Body Slam auf die Matte. Kein Kunstgriff, trotz effektiv gegen lurchig-kleine 1,54 Meter.

Cover.

Eins.

Renee kommt raus.

Sandro kneift die Augen zusammen. Er zieht sie hoch, setzt zum Suplex an. Renee blockt mit dem Bein, schlägt ihm mit dem Knie gegen die Rippen und rutscht hinten runter. Sandro dreht sich, Renee springt hoch und bringt ihn aus der Balance. Sandro fällt auf die Knie, Renee nimmt Anlauf.

Pete: „Das ist der Katana!“

Sven: „Ok. Streber.“

Der Discus Knee Strike trifft ihn seitlich am Kopf. Sandro kippt nach vorn, Renee dreht ihn um.

Eins.

Zwei.

Raus.

Sandro reißt die Schulter hoch und rollt diesmal wirklich raus. Er lehnt draußen an der Absperrung, legt einen Finger an die Schläfe und schreit etwas über „Taktik“. Die ersten Reihen antworten nicht freundlich.

Renee steht im Ring, atmet ruhig und sieht zu Mike Gard. Der gibt ihr zu verstehen, dass er gegen Sandros Flucht keine Handhabe hat außer einen Countout und der ist erst bei Drei angekommen. Renee nickt knapp. Dann nimmt sie Anlauf.

Tope Suicida.

Sandro sieht sie kommen, aber zu spät. Renee schießt zwischen den Seilen hindurch und reißt ihn gegen die Absperrung. Beide gehen zu Boden. Die Fans springen in den ersten Reihen auf, einer verschüttet ein Getränk. Sandro fasst sich empört an die Schulter, als sei die Beschmutzung mit französischem Gesöff schlimmer als der Schmerz der Aktion.

RE-NEE!“

RE-NEE!“

Courage schiebt ihn zurück in den Ring. Sie steigt auf den Apron, will mit einem Springboard Dropkick nachsetzen. Sandro wankt hoch, Renee springt.

Sandro fängt sie.

Er dreht ihren Schwung mit und lässt sie mit einem Backbreaker über sein Knie krachen. Renee rollt auf die Seite und hält sich den Rücken. Sandro bleibt kniend neben ihr und lächelt zum ersten Mal seit der Glocke wieder.

Pete: „Da ist der Gewichtsunterschied. Renee kann ihn drei Minuten lang schwindlig laufen, aber ein abgefangener Sprung reicht und der Abend fühlt sich anders an.“

Sven: „Sag doch einfach SSSSIUUUU anstatt so klug daherzulabern, Mann. SSSSIUUU.“

Sandro zieht Renee an ihrem Haupthaar ein Stück hoch (es tut mir leid, Ryu).

Short-Arm Lariat.

Renee dreht sich halb weg, kassiert aber trotzdem genug davon und fällt auf den Rücken.

Eins.

Zwei.

Renee kommt raus.

Sandro schnaubt. Er setzt einen Chinlock an und drückt sein Knie zwischen Renees Schulterblätter. Renee bleibt nicht lange sitzen. Sie arbeitet sich auf ein Knie, dann auf die Füße. Sandro verlagert das Gewicht, aber Renee tritt ihm auf den Fuß, dreht sich aus dem Griff und schlägt mit einem European Uppercut zurück. Noch einer. Sandro taumelt.

Renee rennt in die Seile. Sandro versucht einen Powerslam, doch sie kippt über seine Schulter, landet hinter ihm und zieht ihn sofort in einen Dragon Screw. Sandro fällt, greift sich ans Bein. Renee ist sofort dran. Kneebar-Ansatz. Sandro strampelt, flucht, schiebt sich mit den Ellbogen zum Seil. Renee zieht einmal nach, aber Sandro bekommt die Finger ans unterste Seil. Mike Gard zählt sie an.

Als Renee löst, klatscht Sandro erleichtert in die Hände. Doch er muss sich etwas einfallen lassen.

Renee kommt näher. Sandro hebt die Hände, als wolle er Abstand. Renee bleibt stehen, nur einen halben Schritt zu weit weg für einen Tritt. Bei 154cm ist die Reichweite halt nicht besonders. Sandro bemerkt es. Er hechtet hoch und schubst die ins Leere tretende Courage weg.

Sie kommt sofort zurück, doch Sandro ist durch den kleinen Vorteil schneller. Er packt sich die Französin. Sandro versucht einen DDT, Renee dreht sich heraus, tritt ihren Gegenspieler ohne Ansatz weg und springt auf das zweite Seil, als er wegtaumelt. Kurzer Schulterblick von Courage, dann springt sie ab…

und kommt mit einem Moonsault gegen den stehenden Sandro. Treffer. Sie hakt das Bein ein.

Eins.

Zwei.

Sandro kommt raus, aber knapper. Renee steht auf, wartet, bis Sandro auf die Knie kommt. Wieder Katana? Sie dreht sich ein.

Doch da zeigt sich das lusitanische G-E-N-I-E von seiner besten Seite.

Sandro wirft sich zur Seite und zieht Mike Gard zwischen sich und Renee. Gard stoppt irritiert, Renee muss abbremsen, fast prallt sie mit ihm zusammen. Sandro kauert hinter dem Ringrichter und zeigt wild in sein Gesicht. Deutet an, ein Wurfgeschoss aus dem Publikum hätte ihn getroffen. Gard dreht sich zu ihm.

Pete: „Ich habe nichts von einem Angriff aus dem Publikum mitbekommen. Das ist Bet..-

Sven: „Hehe…“

Renee macht einen Schritt um Gard herum.

Sandro schießt vor.

Daumen ins Auge.

Unsichtbar für Gard, der noch Sandros angeblich verwundetes Gesicht untersucht und nicht mitbekommen, wo die Hand des Portugiesen rumfliegt. Renee reißt den Kopf zurück und greift sich stöhnend ans Auge. Das Publikum merkt es sofort, Mike Gard nicht. Sandro packt sie am Nacken und hämmert sie mit einem DDT auf die Matte.

Sandro covert.

Eins.

Zwei.

Renee hebt die Schulter.

Sandro klatscht dreimal auf die Matte und hält Mike Gard drei Finger ins Gesicht. Gard zeigt zwei. Für diejenigen, die nicht begabt in Mathematik sind: Das bedeutet, dass sie unterschiedliche Zahlen meinen.

Sandro diskutiert. Das Publikum ruft irgendetwas, das nicht nach Anerkennung klingt. Renee kriecht zur Ecke. Sandro geht hinterher und setzt sie oben auf das Turnbuckle. Er steigt nach, will einen Superplex. Renee blockt. Ein Schlag an Sandros Rippen. Noch einer. Sandro hält sich fest. Renee rutscht unter ihm hindurch, packt ihn am Kopf und zieht ihn vom zweiten Seil in den Neck Whip. Rope Hung Swinging Neckbreaker. Sandro schlägt hart auf, Renee bleibt auch kurz liegen.

Bevor der Ringrichter damit beginnt, beide Wrestler auszuzählen, kommt Courage auf die Beine. Noch immer tut ihr Auge weh. Sie wischt sich die Tränen weg und zwinkert, um klare Sicht zu bekommen. Das kostet wertvolle Sekunden nach ihrer Impact Action und so hat Sandro die Chance, selbst auf die Beine zu kommen.

Der Portugiese versucht, sie zu packen, doch Renee kontert mit einem Knie ans Kinn. Sandro fällt auf die Matte zurück, doch durch die Wucht der Aktion verliert auch Courage das Gleichgewicht und knickt ein. Renee sitzt einen Moment auf der Matte, wischt sich über das gereizte Auge und steht dann auf.

Pete: „Vorbereitung zum Ifreet Splash!“

Sven: „Bruder, was?“

Pete: „Corner Springboard Double Jump Phoenix Splash.“

Sven: „Ok.“

Das französische Publikum steht vorfreudig auf. Natürlich ist vielen von ihnen der Finisher des lütten Landsmännin bekannt. Und vielleicht ist ihre Vorfreude der Grund, warum der Ifreet Splash nicht gelingt. Denn die Euphorie in Arles ist eine Warnung für den Gegner. Sandro rollt nach außen.

Enttäuschung im antiken Theater. Renee ändert den Plan, springt vom Turnbuckle auf den Apron und läuft dort zwei Schritte. Sandro steht auf, Renee springt ab, auf den draußen stehenden Gegner.

Sandro weicht zur Seite aus.

Courage verfehlt ihn und knickt bei der Landung draußen in den Knien weg. Ein Schmerzensschrei geht durch die Arena. Sandro ssssiuuuut. Er packt sie an den Schultern. Für eine Sekunde ist es stiller, weil alle gleichzeitig den gleichen Gedanken haben. Das ist schlecht.

Spike DDT außerhalb des Rings.

Courage bleibt regungslos legen. Über ihr klopft sich Sandro auf die Brust. Sein Ausdruck nimmt wieder den gewohnten Stolz an. Er zelebriert es jetzt, wo er wieder die Oberhand hat.

Sandro hebt Courage hoch und trägt sie erst auf den Apron und von dort zurück zur Ringmitte. Renee schlägt mit den Fäusten auf seinen Kopf, aber Sandro hält. Er setzt sie ab, zieht sie zwischen die Beine.

Ansatz zum Tiger Driver!

Er hebt sie hoch…

Renee kippt in der Luft nach vorn, schlingt die Beine um seinen Kopf und reißt ihn mit einer

Huracanrana

nach unten.

Sandro überschlägt sich. Renee bleibt auf ihm sitzen, beide Beine über seinen Schultern, die Hände auf der Matte.

Eins.

Zwei.

Zweieinhalb.

Sandro verlagert das Gewicht.

Er rollt durch, drückt Renee nach hinten auf die Schultern. Eine Hand greift an ihr Minikleid und zieht daran, fest genug für dem Hebeleffekt, versteckt genug auf der abgewandten Seite. Mike Gard sieht nur die Schultern der Französin.

Eins.

Zwei.

Renee versucht sich zu drehen, aber mit Sandros Hebeleffekt ist sie chancnelos.

Drei.

Die Glocke läutet.

Sieger des Matches durch Pinfall: Sandro!

Renee springt sofort auf, die Hand am Saum ihres Kleids, die andere am gereizten Auge. Sie sieht Mike Gard an. Gard zuckt die Schultern. Tatsachenentscheidung ist Tatsachenentscheidung. Frankreich buht.

Sandro rollt fern der aufgebrachten Renee schon aus dem Ring, beide Arme oben, als hätte er gerade die Champions League gewonnen und nicht ein Minikleid als Hilfsmittel zum Sieg entfremdet.

Pete: „Und das wird er später natürlich als Beweis verkaufen, dass Frankreich kapituliert hat.“

Und später ist genau jetzt. Denn Sandro deutet auf die Videoleinwand.


Schritt 1 (Lissabon): Die Nation sammeln. (ERLEDIGT!)

Schritt 2 (Barcelona): Das Nachbarland unterwerfen. (ERLEDIGT!)

Schritt 3 (Arles): Die Eroberung ins Zentrum Europas tragen. (ERLEDIGT!)

Schritt 4 (Monaco): Die Zwerge überrollen.

Schritt 5 (Catania): Die Vollendung der CONQUISTA




Ein Mann sitzt in seinem Büro, die Klimaanlage funktioniert nicht.

Ein Heuballen fliegt durch den stickigen, spärlich beleuchteten Raum

Schnell schnappt er sich ein Erfrischungsgetränk, doch das scheint ihm nicht zu schmecken.

Der sichtlich verärgerte Mann wirft die Flasche in den Mülleimer und schaut sich um.


Er sieht eine Coca Cola Zero Dose.

Mit einem Zisch wird diese geöffnet.


WOW, DAS IST EINE TOLLE COLA! DOCH IRGENDETWAS IST DARAN ANDERS!“


Der Bürohengst schaut sich die Dose genauer an.


WHOA! WAS STEHT DENN DA!?“


Er hält die Dose in die Kamera und liest laut vor.




ZEREO COLA? WAS IST DAS!?!?



Plötzlich befindet sich Zereo Killer im Bild.

Mit seinem zahnpastaweißen Lächeln präsentiert er das neue Getränk.


DAS IST ZEREO COLA!!!


0% ZUCKER,

ZEREO GESCHMACK!!!


Im Anschluss steht der Bürohengst neben Zereo Killer, der ihn in den Arm genommen hat. Beide erheben den Zeigefinger und der Bürohengst sagt.


ZEREO COLA?

WOW!

DAS NENNE ICH GESCHMACK!



Schulden vs. Dienste
Wenn Bella und Iokepa gewinnen, müssen ihnen T'n'B die Schulden erlassen. Wenn T'n'B gewinnen, müssen Bella und Iokepa die Schulden bei ihnen abarbeiten
T'n'B (Titan & Tha Bomb) vs. Bella Venera & Iokepa

Referee: Peter Cleven


Die Kamera fährt langsam über das Théâtre Antique d’Arles. Kein gewöhnlicher Austragungsort. Keine moderne Arena. Keine geschlossene Halle mit LED-Wänden und grellen Effekten. Sondern Stein. Geschichte. Nachtluft.

Über zweitausend Jahre alte Mauern, die heute keine Tragödie aus der Antike erleben…sondern eine GFCW-Fehde, die längst viel persönlicher geworden ist als irgendjemand erwartet hatte.

Der Ring steht mitten auf der antiken Bühne. Ringsherum steigen die alten Sitzreihen in die Dunkelheit hinauf. Scheinwerfer tauchen die römischen Steine in warmes Gold. Über allem liegt der Nachthimmel von Arles. Und jedes Geräusch hallt anders.

Jeder Jubel.

Jedes Buhen.

Jeder Schlag.

Als würde die Geschichte selbst zuhören.

Pete: „Meine Damen und Herren… willkommen zurück zu War Evening. Und ich muss ehrlich sagen, Sven… ich habe in meinem Leben viele Wrestlingorte gesehen. Aber das hier…“

Sven: „Das hier ist angemessen.“

Pete: „Angemessen?“

Sven: „Ja. Ein antikes Theater. Ein Ort, an dem früher große Tragödien aufgeführt wurden.“

Kurze Pause.

Sven: „Passt perfekt für Bella und Iokepa.“

Pete: „Du bist unmöglich.“

Die Kamera zeigt nun Bella Venera und Iokepa backstage auf einem Monitor, dann das alte Schulden-Dokument, dann T’n’B.

Pete: „Heute geht es nicht um Titel. Nicht um Ranglisten. Nicht um Ruhm. Heute geht es um Freiheit.“

Sven: „Falsches Wort. Heute geht es um Verantwortung.“

Pete: „Wenn Bella und Iokepa verlieren, müssen sie ihre Schulden bei T’n’B abarbeiten.“

Sven: „Schulden bezahlt man.“

Pete: „Und wenn sie gewinnen, werden diese Schulden erlassen.“

Sven: „Ein lächerliches Zugeständnis von T’n’B.“

Pete: „Oder endlich Gerechtigkeit.“

Sven: „Gerechtigkeit ist nur ein Wort, das Leute benutzen, wenn sie ihre Rechnungen nicht bezahlen wollen.“

Im Ring hebt der Ringsprecher das Mikrofon.

Ringsprecher: „Das folgende Tag Team Match ist angesetzt für einen Fall… und besitzt eine besondere Vertragsklausel!“

Die Fans werden sofort laut.

Ringsprecher: „Sollten Bella Venera und Iokepa dieses Match gewinnen, werden sämtliche offenen Schulden gegenüber T’n’B vollständig erlassen!“

Großer Jubel brandet durch die antiken Ränge. Das Echo rollt über die Steine.

Ringsprecher: „Sollten jedoch T’n’B gewinnen…“

Die Halle wird sofort unruhiger.

Ringsprecher: „…werden Bella Venera und Iokepa solange unter den Bedingungen von Titan und Tha Bomb arbeiten, bis jede einzelne Schuld abgegolten wurde!“

Ein lautes Pfeifkonzert.

BOOOOOOOOOOOOO!

Pete: „Das klingt nicht nach Wrestling. Das klingt nach Besitzanspruch.“

Sven: „Nein Pete. Das klingt nach einem sehr gut formulierten Vertrag.“
Théâtre Antique d’Arles – Arles, Frankreich


Nach einer kurzen Werbepause sind Iokepa und Bella im Ring angekommen.


Die Lichter des Théâtre Antique d’Arles erlöschen.

Nicht schlagartig.

Langsam.

Als würde jemand das Leben aus der Arena ziehen. Das Amphitheater liegt plötzlich in nahezu völliger Dunkelheit. Nur der Mond spendet noch etwas Licht, das sich auf den jahrtausendealten Steinen bricht.

Ein einzelner Celloton erklingt.


Dumpf.

Tief.

Langgezogen.

Dann setzt ein einsames Cello ein.

Keine moderne Musik.

Keine Gitarren.

Keine Explosionen.

Nur schwere, klassische Streicher.

Traurig.

Bedrohlich.

Wie ein Trauermarsch.

Auf dem Titantron erscheint langsam das graue, verwitterte Logo von T’n’B. Es wirkt älter als sonst.

Rissig.

Abgenutzt.

Fast wie gemeißelt. Darunter erscheinen nacheinander drei Worte.

LEGACY

Das Bild bleibt einige Sekunden stehen. Dann…
BROKEN

Ein lautes Raunen geht durch das Théâtre Antique. Schließlich erscheint das letzte Wort.

UNFORGIVEN

BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO!!

Die Buhrufe rollen wie eine Welle durch die antiken Steinreihen. Das Echo lässt sie mehrfach zurückkehren. Doch diesmal…erscheint niemand. Die Musik läuft weiter. Fast zwanzig Sekunden. Niemand kommt.

Pete runzelt die Stirn: „Was…?”

Sven lehnt sich nach vorne: „Sie spielen heute keine Spielchen.”


Dann…treten Titan und Tha Bomb gleichzeitig aus dem Schatten.

Keine Pose.

Kein Blick in die Kamera.

Keine ausgestreckten Arme. Sie gehen einfach los.

Langsam.

Fast militärisch.

Titan trägt seinen langen schwarzen Mantel mit den grauen Applikationen. Tha Bomb folgt einen halben Schritt hinter ihm. Die wasserstoffblonden Haare wirken im kalten Licht beinahe weiß.

Sein Blick ist leer.

Nicht arrogant.

Nicht überheblich.

Sondern erschreckend emotionslos.


Pete bemerkt es sofort: „Irgendetwas ist heute anders…”

Sven nickt: „Ja. Sie wirken nicht mehr wie Champions ohne Gürtel. Sie wirken wie Männer, denen man gerade alles genommen hat.”


Langsam marschieren beide die Rampe hinunter.

Die Fans buhen lauter als sonst.

Einige beginnen zu singen.

LOSERS!“

„LOSERS!“

„LOSERS!“


Titan bleibt abrupt stehen. Die Musik läuft weiter. Langsam dreht er den Kopf. Nicht zum Ring. Zu einer Gruppe Fans in der ersten Reihe. Absolute Stille. Er steigt nicht über die Absperrung.

Er sagt nichts.

Er schaut sie einfach an.

So lange… …bis die Gesänge verstummen. Titan tritt einen Schritt näher an die Absperrung. Nur wenige Zentimeter trennen ihn von den Zuschauern. Er lächelt nicht. Titan spricht leise. So leise, dass die Mikrofone es gerade noch einfangen.

Titan: „Merkt euch eure Gesichter.”

Der Fan lacht unsicher. Titan nickt langsam.

Titan: „Gut. Dann finde ich euch leichter wieder.”

Er geht einfach weiter. Kein Schubsen. Keine Drohung mit der Faust. Nur dieser Satz.


Pete schluckt: „Das…war gerade deutlich unheimlicher als jeder Schlag.”


Tha Bomb bleibt nun ebenfalls stehen. Ein Kind zeigt ihm den Daumen nach unten. Tha Bomb schaut den Jungen an. Dann zu dessen Vater. Dann wieder zum Jungen. Er hebt langsam den Daumen. Nicht nach oben. Nicht nach unten. Waagerecht. Dann dreht er ihn langsam nach unten. Ohne ein Wort. Der Vater zieht seinen Sohn instinktiv einen Schritt zurück. Tha Bomb geht weiter.


Sven schüttelt grinsend den Kopf.

Sven: „Man muss nicht laut sein…wenn jeder weiß, dass man gefährlich ist.”


Die Buhrufe werden immer lauter.

Ein Getränkebecher landet vor Titan auf der Rampe. Er bleibt erneut stehen. Schaut auf den Becher. Dann langsam in die Zuschauer. Niemand meldet sich. Titan hebt den Becher auf. Betrachtet ihn kurz. Stellt ihn ordentlich auf die Ringtreppe. Als würde er keinen Schmutz auf seinem Weg dulden.


Pete: „Er rastet nicht aus…”

Sven: „Noch nicht.”


Beide steigen gleichzeitig auf den Apron. Vor dem Betreten des Rings bleibt Titan stehen. Er legt eine Hand auf das oberste Ringseil. Schaut über das gesamte Théâtre Antique.

Über die alten Steinmauern.

Über die Zuschauer.

Über den Ring.


Dann sagt er leise zu Tha Bomb.

Titan: „Heute…”

Kurze Pause.

Titan: „…lernen sie.”

Tha Bomb antwortet, ohne aufzusehen.

Tha Bomb: „Alle.”

Gemeinsam steigen sie durch die Seile. Keine Eckpose Keine Provokation. Titan zieht langsam seine Handschuhe zurecht. Tha Bomb knackt einmal mit dem Nacken.

Die Musik endet.

Im gesamten Amphitheater herrscht plötzlich eine beinahe unangenehme Stille.


Pete spricht ungewöhnlich leise: „Ich weiß nicht warum…aber ich habe heute zum ersten Mal das Gefühl…dass T’n’B nicht hier sind, um ein Match zu gewinnen.”

Sven blickt schweigend in den Ring. Nach einigen Sekunden antwortet er.


Sven: „Nein, Pete. Sie sind heute hier…”

Kurze Pause.

Sven: „…um jemanden bezahlen zu lassen.”

Die Musik von T’n’B verstummt. Das Théâtre Antique d’Arles liegt in einer fast unangenehmen Stille. Titan verlangt nach einem Mikrofon. Der Ringsprecher zögert. Schließlich reicht er es ihm. Titan betrachtet das Mikrofon einige Sekunden. Als müsste er überlegen, ob diese Menschen seine Stimme überhaupt verdient haben. Schließlich hebt er langsam den Blick. Über die Zuschauer. Über die antiken Steinmauern. Dann beginnt er zu sprechen.

Ruhig.

Fast erschreckend ruhig.

Titan: „Habt ihr euch in den letzten Wochen eigentlich einmal gefragt…”

Kurze Pause.

Titan: „…warum wir noch hier stehen?”

Die Fans antworten mit einem lauten Pfeifkonzert.

Titan wartet einfach.

Bis es wieder leiser wird.

Titan: „Nein. Natürlich nicht. Denn genau das ist euer Problem. Ihr schaut Wrestling…aber ihr versteht es nicht.”

Er beginnt langsam durch den Ring zu gehen.

Titan: „Seit Monaten…habt ihr gesehen, wie wir versucht haben, diese Liga mit Respekt zu behandeln. Wir haben Regeln akzeptiert. Wir haben Niederlagen akzeptiert. Wir haben Entscheidungen akzeptiert.”

Er schüttelt langsam den Kopf.

Titan: „Wir haben sogar…”

Ein bitteres Lächeln.

Titan: „…euch akzeptiert.”

Ein gellendes Pfeifkonzert erfüllt das Amphitheater.

Titan nickt.

Titan: „Und wisst ihr, was wir dafür bekommen haben?”

Er zählt an den Fingern ab.

Titan: „Hohn. Spott. Und das Gelächter einer Liga…die vergessen hat, worauf sie gebaut wurde.”

Tha Bomb tritt langsam neben Titan. Er nimmt ihm das Mikrofon nicht ab. Er spricht einfach in dasselbe Mikrofon. Seine Stimme ist tief. Ruhig.

Tha Bomb: „Wir…”

Kurze Pause.

Tha Bomb: „…haben den leichten Weg gewählt.”

Er schaut zu Bella.

Dann zu Iokepa.

Tha Bomb: „Den sanften Weg. Den Weg der Geduld. Den Weg der Vernunft.”

Er blickt langsam durch die Zuschauerreihen.

Tha Bomb: „Und ihr…habt ihn für Schwäche gehalten.”

Titan übernimmt wieder.

Titan: „Vielleicht…war das unser Fehler.”

Er nickt langsam.

Titan: „Vielleicht haben wir tatsächlich geglaubt…diese Liga hätte noch eine Chance. Vielleicht haben wir geglaubt…dass Wrestling sich selbst retten könnte.”

Er bleibt stehen.

Direkt in der Mitte des Rings.

Titan: „Es konnte nicht. Es wollte nicht. Also…”

Er hebt langsam den Kopf.

Titan: „…haben wir aufgehört, darauf zu warten.”

Stille.

Nicht einmal Sven sagt etwas. Titan spricht weiter.

Titan: „Vor einigen Wochen…hat uns jemand angerufen. Jemand…den wir einst unseren Feind nannten.”

Tha Bomb schließt langsam die Augen.

Titan fährt fort.

Titan: „Ein Mann…der uns an etwas erinnert hat. Nicht an Hass. Nicht an Gewalt. Nicht an Macht. Sondern an Konsequenzen. Er stellte uns keine Frage. Er machte uns kein Angebot. Er erinnerte uns lediglich daran…”

Kurze Pause.

Titan: „…wer wir einmal waren.”

Titan beginnt zu lächeln. Zum ersten Mal. Doch es ist kein arrogantes Lächeln. Es ist fast beängstigend ruhig.

Titan: „Viele Menschen sprechen davon…einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.”

Er blickt direkt in die Kamera.

Titan: „Glaubt uns…Der Teufel verlangt wenigstens eine Gegenleistung.”

Tha Bomb öffnet langsam die Augen. Sein Blick geht direkt in die Linse.

Tha Bomb: „Der Mann…mit dem wir gesprochen haben…nimmt keine Seele.”

Kurze Pause.

Tha Bomb: „Er nimmt…jede Hoffnung.”

Titan nickt.

Titan: „Und wir…haben beschlossen…dieses Geschenk anzunehmen.”

Er schaut zu Bella und Iokepa.

Titan: „Ihr beide seid heute nicht hier…um eure Schulden zu begleichen. Ihr seid heute hier…um die letzten Menschen zu sein…die noch die Gelegenheit bekommen…gegen die alten Regeln Wrestling zu betreiben.”

Titan dreht sich langsam einmal um die eigene Achse. Er zeigt auf die Zuschauer.

Titan: „Denn nach heute…gelten neue Regeln.”

Er zeigt auf Pete.

Titan: „Keine Gnade.”

Zu Sven.

Titan: „Keine Ausreden.”

Zur Kamera.

Titan: „Keine Hoffnung.”

Er senkt das Mikrofon. Ein letzter Satz. Leise. Fast flüsternd.

Titan: „Wenn ihr heute Abend nach Hause geht…werdet ihr sagen…hier sei ein Tag Team in den Ring gestiegen.”

Er schüttelt langsam den Kopf.

Titan: „Nein. Heute…hat der Krieg begonnen.”

Titan lässt das Mikrofon auf die Matte fallen.

KLACK.

Kein weiteres Wort. Tha Bomb schaut Bella und Iokepa nur noch an. Dann gehen beide langsam in ihre Ecke. Der Ringrichter blickt unsicher zwischen den Teams hin und her. Pete durchbricht schließlich die Stille.

Pete: „Ich…”

Er schluckt.

Pete: „Ich kommentiere diese Liga seit vielen Jahren…aber ich habe gerade nicht das Gefühl…dass wir kurz vor einem Wrestlingmatch stehen.“

Sven antwortet ungewöhnlich ernst.

Sven: „Tun wir auch nicht. Wir stehen kurz vor einer Hinrichtung.”


Der Ringrichter kontrolliert beide Teams. Titan unterbricht ihn sofort.

Titan: „Spar dir die Erklärung.“

Der Referee schaut ihn an.

Titan: „Wir kennen den Ausgang.“

Bella tritt sofort einen Schritt nach vorne. Iokepa hält sie kurz zurück. Titan bemerkt es. Und lächelt.

Titan: „Sie lernt.“

Tha Bomb nickt.

Tha Bomb: „Langsam.“


Pete: „Diese Herablassung ist wirklich ekelhaft.“

Sven: „Das nennt man psychologischen Vorteil.“

Der Ringrichter gibt das Zeichen.



DING! DING! DING!


Bella beginnt für ihr Team.

Titan für T’n’B.

Beide stehen sich gegenüber. Für einen Moment passiert nichts. Die alten Steine scheinen den Atem anzuhalten. Titan schaut Bella von oben bis unten an. Dann richtet er imaginär seine Handschuhe.

Titan: „Letzte Chance.“

Bella sagt nichts.

Titan: „Du kannst jetzt noch unterschreiben.“

Bella tritt näher.

Bella: „Oder ich kann dir jetzt zeigen, dass du zu viel redest.“

Die Fans jubeln. Titan lacht leise.

Titan: „Falsche Antwort.“

Und dann schießt er nach vorne. Nicht wild. Nicht brutal. Sondern technisch. Er greift Bellas Handgelenk.

Wristlock.

Sofort Druck auf Schulter und Ellbogen. Bella versucht sich herauszudrehen. Titan geht mit.

Perfekt.

Kein Zentimeter zu viel.


Pete: „Das ist genau das, was Titan so gefährlich macht. Er braucht keinen wilden Start. Er kontrolliert dich.“

Sven: „Er korrigiert sie.“


Bella rollt sich über die Matte, dreht durch, will den Arm befreien. Titan zieht sie sofort zurück. Hammerlock. Bella beißt die Zähne zusammen. Titan lehnt sich zu ihr.

Titan: „Zu hektisch.“

Bella schlägt mit dem Ellbogen nach hinten.

Ein Treffer.

Noch einer.

Titan löst kurz. Bella rennt in die Seile. Arm Drag! Titan geht tatsächlich zu Boden. Die Halle jubelt. Bella bleibt sofort dran. Noch ein Arm Drag.

Dann ein Dropkick gegen die Brust.

Titan taumelt zurück.

Bella federt wieder in die Seile.

Running Leg Lariat!

Titan muss erstmals auf ein Knie.


Pete: „Da ist Bellas Tempo! Genau das braucht sie!“

Sven: „Für ungefähr acht Sekunden.“


Bella setzt nach.

Sie zieht Titan hoch.

Snap Suplex!

Titan kracht auf die Matte. Bella hält kurz fest.

Cover.

ONE!

Titan wirft sie sofort von sich. Nicht Kickout. Er stößt sie weg. Mit purer Kraft. Bella rollt über die Matte. Titan steht langsam auf. Sein Gesicht ist nicht wütend. Eher beleidigt.

Titan: „Okay.“

Er knackt kurz den Nacken.

Titan: „Dann ernst.“

Bella kommt wieder angerannt. Titan fängt sie ab.

Body Slam!

Der Aufprall hallt über die Bühne. Bella krümmt sich. Titan bleibt stehen. Er schaut zu Tha Bomb.

Titan: „Eins.“

Tha Bomb nickt.


Pete: „Was zählt er da?“

Sven: „Lektionen.“


Titan zieht Bella hoch.

Noch ein Body Slam.

Härter.

Titan: „Zwei.“

Die Fans buhen.

Bella versucht sich aufzurichten. Titan packt sie sofort am Hals. Choke Hold.


Der Referee zählt.

ONE!

TWO!

THREE!

FOUR!

Titan löst exakt bei vier. Nicht früher. Nicht später. Er schaut den Referee an.

Titan: „Ich kenne die Regeln.“

Dann zieht er Bella wieder hoch. Bella schlägt zu.

Forearm.

Noch einer.

Titan taumelt minimal. Bella will einen Superman Punch zeigen—

BIG BOOT!

Titan trifft sie mitten in der Bewegung.

Bella klappt brutal zusammen. Die Halle stöhnt auf.


Pete: „Mein Gott!“

Sven: „Timing schlägt Hoffnung.“


Titan covert nicht.

Er stellt den Fuß auf Bellas Brust.

ONE!

TWO!

Bella reißt die Schulter hoch. Die Fans jubeln. Titan schaut nach unten. Fast enttäuscht.


Titan: „Das war dumm.“


Er zieht Bella in die T’n’B Ecke. Tag. Tha Bomb steigt ein. Langsam. Keine Hektik. Titan hält Bella im Front Facelock. Tha Bomb nimmt Maß.

Knee Strike!

Direkt in die Rippen. Bella klappt zusammen. Tha Bomb zieht sie hoch.

Scoop Slam!

Dann sofort ein harter Elbow.

Cover.

ONE!

TWO!

Kickout.

Tha Bomb sagt nichts. Er schaut Bella nur an. Dann zu Iokepa. Als würde er sagen:

Sie gehört uns. Iokepa ballt die Faust am Apron.


Pete: „Iokepa muss ruhig bleiben.“

Sven: „Genau das wird er nicht.“


Tha Bomb zieht Bella wieder hoch. Bella versucht einen Schlag. Tha Bomb blockt. Noch einer. Wieder blockt er. Dann hämmert er ihr einen Forearm gegen die Brust. Bella fällt in die Seile. Tha Bomb rennt los.

Running Big Boot!

Bella wird fast über das zweite Seil geschleudert. Tha Bomb zieht sie zurück.

Cover.

ONE!

TWO!

Wieder Kickout. Die Fans jubeln lauter. Tha Bomb schaut jetzt erstmals leicht genervt. Er zieht Bella an den Haaren hoch. Der Referee ermahnt ihn. Tha Bomb schaut ihn nur an. Der Referee wird leiser.


Pete: „Das ist Einschüchterung. Mehr nicht.“

Sven: „Funktioniert.“


Tha Bomb hebt Bella hoch.

Powerbomb-Ansatz.

Doch Bella schlägt nach unten.

Ein Schlag.

Noch einer. Dann rutscht sie über seine Schulter.

SUPERKICK!

Tha Bomb taumelt. Nicht fällt. Aber taumelt. Die Fans werden laut. Bella steht unsicher. Tha Bomb dreht sich zurück.


SUPERMAN PUNCH!


Tha Bomb geht auf ein Knie! Das Théâtre Antique explodiert.


Pete: „SIE HAT IHN! SIE HAT THA BOMB AUF EIN KNIE GEBRACHT!“

Sven: „Tag. Sie braucht den Tag.“


Bella kriecht. Iokepa streckt die Hand aus. Titan stürmt in den Ring. Bella sieht ihn kommen. Drop Toe Hold! Titan fällt mit dem Gesicht auf die Matte. Bella springt nach vorne.


TAG!


Iokepa ist drin. Die Halle explodiert. Iokepa springt über das oberste Seil. Flying Dropkick gegen Titan! Titan rollt aus dem Ring. Tha Bomb steht wieder. Iokepa dreht sich.


Hurricanrana!


Die Halle rastet komplett aus, als Tha Bomb durch die Bewegung aus dem Ring geschleudert wird.


Pete: „IOKEPA! WAS FÜR EIN COMEBACK!“

Sven: „Das war… unerwartet.“


Iokepa brüllt in die Nacht von Arles. Die Fans antworten. Bella zieht sich in der Ecke hoch. Zum ersten Mal wirken T’n’B nicht in Kontrolle.

Nicht besiegt.

Aber gestört.

Und das reicht. Für diesen Moment. Tha Bomb landet unsanft außerhalb des Rings. Titan ebenfalls. Zum ersten Mal an diesem Abend stehen beide Männer gleichzeitig außerhalb der Seile. Im Ring stehen Bella und Iokepa. Die Zuschauer des Théâtre Antique d’Arles erheben sich von ihren steinernen Rängen. Die Stimmung wird immer lauter. Immer dichter. Die alten Mauern tragen jeden Jubel durch das Amphitheater. Pete springt beinahe aus seinem Stuhl.


Pete: „Zum ersten Mal heute Abend sind T’n’B richtig aus dem Konzept gebracht worden!”

Sven bleibt erstaunlich ruhig.

Sven: „Nein.”

Pete schaut ihn an. „Nein?”

Sven: „Jetzt beginnt das eigentliche Match.”


Außerhalb des Rings richtet Titan langsam seine Jacke. Nicht hektisch. Nicht wütend. Fast schon gelangweilt. Er wischt sich mit dem Daumen über die Lippe. Ein kleiner Blutstropfen. Er betrachtet ihn. Dann lächelt er. Tha Bomb steht neben ihm. Die wasserstoffblonden Haare hängen leicht im Gesicht. Sein Blick wandert zum Ring.

Zu Bella.

Zu Iokepa.

Dann zu Titan.

Keine Worte. Titan nickt nur einmal. Ein winziges Nicken.


Pete: „Sie sprechen nicht einmal miteinander…”

Sven: „Warum sollten sie?”

Pete: „…”

Sven: „Sie wissen längst, was der andere denkt.”


Titan legt Tha Bomb kurz die Hand auf die Schulter.

Titan: „Maschine.“

Tha Bomb nickt. „Maschine.“


Beide steigen gleichzeitig zurück auf den Apron. Im Ring wartet Iokepa. Er zeigt mit der Hand auf Tha Bomb.

Titan: „Komm!”

Die Fans jubeln. Tha Bomb steigt durch die Seile. Sofort stürmt Iokepa los. Mehrere harte Forearms. Tha Bomb nimmt jeden einzelnen. Kein Schritt zurück.

Noch ein Schlag.

Noch einer.

Dann…

Tha Bomb antwortet.

Ein einziger rechter Haken.

KLATSCH!

Iokepa dreht sich einmal komplett um die eigene Achse.


Pete: „Mein Gott!”

Sven: „Das ist rohe Gewalt.”


Iokepa bleibt trotzdem stehen. Er schüttelt den Kopf. Rennt erneut los.

Running Clothesline!

Tha Bomb bewegt sich keinen Zentimeter. Iokepa schaut ihn ungläubig an.


Tha Bomb: „Noch mal.“

Die Halle reagiert. Iokepa knurrt. Läuft erneut an. Diesmal taucht Tha Bomb unter dem Arm hindurch. Reverse Hammerlock!


Pete: „Starker Konter!”


Doch Tha Bomb stemmt sich mit purer Kraft heraus.

Ellbogen.

Noch einer.

Der Griff löst sich. Iokepa federt in die Seile. Tha Bomb rennt ebenfalls. Beide springen gleichzeitig.

Double Shoulder Block!

BOOM!

Diesmal gehen beide zu Boden.

Die Zuschauer springen auf.


Pete: „Was für ein Zusammenprall!”

Sven grinst: „Jetzt macht Wrestling Spaß.”


Langsam kommen beide wieder hoch. Iokepa etwas schneller. Er packt Tha Bomb.

Swinging Neckbreaker!

Die Halle jubelt.

Cover!

ONE!

TWO!

Kickout!

Tha Bomb stößt Iokepa regelrecht von sich.


Pete: „Das war knapp!”

Sven: „Nicht wirklich.”


Iokepa bleibt dran. Er zieht Tha Bomb hoch.

Single Arm DDT!

Tha Bomb schlägt mit dem Kopf auf der Matte auf.

Noch einmal das Cover.

ONE!

TWO!

Titan betritt sofort den Ring. Bella ebenfalls. Beide prallen mit einem Running Clothesline zusammen. Der Referee schickt beide wieder hinaus. Die Zuschauer applaudieren. Iokepa spürt seine Chance. Er zeigt nach oben. sDie Fans werden lauter.


Pete: „Nicht wirklich…”


Iokepa springt aufs zweite Seil. Dann aufs oberste.

Standing Moonsault!

Perfekt gedreht.

Treffer!

Die Halle explodiert.

Cover!

ONE!

TWO!

THR—

NEIN!

Tha Bomb reißt die Schulter hoch. Im letzten Augenblick. Pete schlägt sich gegen die Stirn.


Pete: „Das gibt’s doch nicht!”

Sven: „Ich habe dir doch gesagt…jetzt beginnt das Match.”


Tha Bomb sitzt auf der Matte. Atmet schwer. Zum ersten Mal wirkt auch er gezeichnet. Iokepa hebt ihn erneut hoch. Will den nächsten DDT zeigen.

Doch…

Tha Bomb blockt.

Ellbogen.

Noch einer. Dann ein brutaler Knee Strike mitten in den Bauch. Iokepa sackt zusammen.

Tha Bomb greift sofort nach.

Scoop Slam!

Keine Sekunde Pause.

Running Big Boot!

Treffer.

Iokepa überschlägt sich fast.


Pete: „Das ist diese gnadenlose Effizienz!”

Sven nickt zufrieden.

Sven: „Keine Show. Nur Arbeit.”


Tag.

Titan kommt wieder.
Und plötzlich verändert sich das Match. Nicht schneller. Langsamer. Kontrollierter. Gefährlicher. Titan zieht Iokepa langsam hoch.

Titan: „Jetzt bist du dran.“

Er legt den Arm um den Hals.

Side Slam!

Mit voller Wucht kracht Iokepa auf die Matte. Titan bleibt direkt sitzen. Kein Cover. Er schaut Iokepa an.

Titan: „Weißt du…ihr habt einen Fehler gemacht.”

Iokepa versucht aufzustehen. Titan hilft ihm sogar. Nur um…

DDT!

Mitten auf den Schädel.


Pete: „Unglaublich…Er redet mit seinen Gegnern, als wären sie Schüler.”

Sven: „Weil sie welche sind.”


Titan blickt zu Bella.

Titan: „Pass auf.”

Er zeigt auf Iokepa.

Titan: „Das nennt man Timing.”

Dann zu Tha Bomb.

Titan: „Nummer Vier.”

Tha Bomb nickt.

Tha Bomb: „„Nummer Vier.”

Pete runzelt die Stirn.


Pete: „Was zählt er denn die ganze Zeit?”

Sven lacht: „Den Unterricht.”


Tag.

Tha Bomb.

Titan hält Iokepa im Front Facelock. Tha Bomb nimmt Anlauf.

Knee Strike! Direkt gegen die Rippen. Iokepa schreit auf. Titan lässt sofort los. Tha Bomb hebt ihn hoch.


Powerbomb.


Mitten in den Ring.

Cover.

ONE!

TWO!

Bella springt über das oberste Seil.

Flying Elbow Drop auf Tha Bomb!

Die Halle rastet aus. Der Referee unterbricht das Cover. Titan stürmt sofort los. Bella springt ihm entgegen.

Arm Drag!

Titan rollt sich ab. Bella folgt mit einem schnellen Snap Suplex. Die Zuschauer stehen inzwischen fast komplett.


Pete: „JETZT BRENNT DAS MATCH!”

Sven: „…und genau davor hat Titan gewarnt.“


Der Ringrichter bekommt alle Mühe, wieder Ordnung herzustellen. Titan zieht Tha Bomb aus dem Ring. sBella hilft Iokepa in die Ecke. Beide Teams stehen sich außerhalb des Rings gegenüber.

Niemand spricht.

Nur der Wind zieht durch die antiken Steinbögen.

Titan schaut kurz zu Tha Bomb.

Dann zu Bella und Iokepa.

Er lächelt.

Nicht arrogant.

Nicht höhnisch.

Fast… anerkennend.

Titan: „Besser.”

Kurze Pause.

Titan: „Aber noch nicht gut genug.”

Tha Bomb knackt langsam mit den Fingern. Er sagt nur einen Satz.

Tha Bomb: „Jetzt endet es.”

Die Kamera zoomt auf die Gesichter der vier Wrestler. Bella atmet schwer. Iokepa stützt sich auf die Ringabsperrung. Titan und Tha Bomb wirken trotz aller Treffer wieder vollkommen gesammelt. Pete wird leiser.


Pete: „Ich glaube…jetzt beginnt die entscheidende Phase dieses Matches.”

Sven nickt. Zum ersten Mal ohne einen lockeren Spruch.

Sven: „Ja. Und genau hier gewinnt T’n’B ihre Matches.”


Das Théâtre Antique d’Arles bebt.

Nicht wegen Explosionen.

Nicht wegen Pyrotechnik.

Sondern wegen über zehntausend Stimmen, deren Gesänge von den antiken Steinmauern immer wieder zurückgeworfen werden.


IO-KE-PA!

BEL-LA!

T’N’B SUCKS!


Pete lehnt sich weit über das Kommentatorenpult.

Pete: „Das hier fühlt sich inzwischen überhaupt nicht mehr wie ein normales Tag Team Match an.“

Sven antwortet ungewohnt ruhig.

Sven: „Nein. Jetzt geht es um Stolz.”


Außerhalb des Rings stehen Titan und Tha Bomb. Beide atmen schwer. Nicht erschöpft. Aber zum ersten Mal müssen sie arbeiten. Titan blickt zu Tha Bomb. Kein Wort. Tha Bomb nickt. Mehr braucht es nicht. Pete bemerkt es sofort.


Pete: „Sie reden gar nicht mehr.”

Sven: „Weil sie aufgehört haben zu spielen.”


Langsam steigen beide zurück in den Ring.

Keine Arroganz mehr.

Keine Provokationen.

Titan zieht seine Ellenbogenschoner noch einmal fest. Tha Bomb schließt kurz die Augen. Als würde irgendwo ein Schalter umgelegt werden. Die Maschine läuft. Iokepa wartet bereits. Er sieht Tha Bomb kommen. Und rennt sofort los.

Running Clothesline!

Tha Bomb taucht darunter weg.

Knee Strike!

Mit voller Wucht trifft das Knie die Rippen. Iokepa verliert augenblicklich die Luft.


Pete: „Meine Güte! Der hat gesessen!”


Noch bevor Iokepa überhaupt nach vorne kippen kann…

…greift Tha Bomb bereits nach.

Scoop Slam.

Nicht spektakulär.

Brutal.

Präzise.

Der Ring bebt.

Cover.

ONE!

TWO!

Kickout!

Die Halle jubelt.


Tha Bomb reagiert überhaupt nicht. Er zieht Iokepa sofort wieder hoch. Titan hält bereits das Tagseil.

Klatsch.

Wechsel.

Titan kommt herein…und sofort verändert sich das Tempo.

Er geht nicht auf Iokepa los. Er umkreist ihn. Wie ein Schachspieler.


Pete: „Er sucht etwas.”

Sven: „Nein. Er wartet.”


Iokepa steht. Noch leicht benommen. Titan nickt einmal.


Titan: „Jetzt.”

Iokepa schlägt zu.

Forearm.

Titan blockt.

Forearm.

Titan blockt wieder.

Dann…

DDT!

Mit einer unfassbaren Geschwindigkeit zieht Titan Iokepa einfach nach unten. Pete schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch.


Pete: „Das kam aus dem Nichts!”


Titan bleibt direkt neben Iokepa knien. Er sagt leise. Fast flüsternd.


Titan: „Du telegraphierst jeden Schlag.”


Iokepa antwortet mit einem Tritt gegen Titans Brust. Titan muss einen Schritt zurück. Iokepa springt auf.

Reverse Hammerlock!

Die Fans werden laut. Titan versucht sich herauszudrehen. Iokepa hält den Griff. Titan stemmt sich dagegen. Für einen Moment scheint der Griff zu halten.

Dann…

…dreht Titan einfach seinen ganzen Körper mit. Hebelt den Griff auf. Und zeigt einen Side Slam. Mit unfassbarer Wucht.


Pete: „Unglaublich!”

Sven grinst: „Das nennt man Erfahrung.”


Tag.

Tha Bomb.

Titan zieht Iokepa am Arm hoch. Tha Bomb steht bereits bereit. Knee Strike. Keine Sekunde später.


Pete: „Sie arbeiten wie eine Maschine!”

Sven: „Nein. Wie eine Gewohnheit.”


Tha Bomb zieht Iokepa hoch.

Powerbomb!

Mitten in den Ring. Diesmal bleibt Tha Bomb sitzen.

Cover.

ONE!

TWO!

THR—

BELLA!

Bella springt durch die Seile. Running Leg Lariat gegen Tha Bomb!

Die Halle explodiert.


Pete: „BELLA RETTET DAS MATCH!”


Titan stürmt sofort los. Bella fängt ihn ab.

Arm Drag.

Titan rollt durch. Kommt sofort wieder hoch. Bella versucht den Superman Punch. Titan blockt. Greift ihren Arm.

Body Slam!

Bella kracht auf die Matte. Titan schaut nicht einmal nach ihr. Er zieht sie einfach aus dem Ring. Dann blickt er zurück. Zu Tha Bomb. Zu Iokepa.

Maschine.

Tha Bomb hebt Iokepa erneut hoch.

Piledriver.

Die Halle hält den Atem an.

BOOOM!

Pete springt auf.


Pete: „DAS MUSS ES GEWESEN SEIN!”


Cover.

ONE!

TWO!

THR—

NEIN!!

IOKEPA REISST DIE SCHULTER HOCH!

Das Théâtre Antique explodiert. Selbst Sven reißt kurz die Augen auf.

Sven: „Das…”

Kurze Pause.

Sven: „…war knapp.”


Zum ersten Mal…schaut Tha Bomb seinen Gegner länger an.

Keine Wut.

Keine Überraschung.

Fast Respekt.

Er nickt einmal. Ganz leicht. Dann steht er auf. Titan kommt bereits wieder in den Ring. Die beiden wechseln kein Wort. Nicht nötig. Titan zeigt auf die Ecke. Tha Bomb nickt. sBeide wissen sofort, was kommt.


Pete wird leiser: „Oh nein…”

Sven lächelt: „Jetzt.”


Titan zieht Iokepa langsam hoch. Tha Bomb positioniert sich. Die Zuschauer erkennen die Situation. Ein Raunen geht durch die Arena.


Pete: „Sie wollen…”

Sven beendet den Satz.

Sven: „This Will Kill You.”


Die Fans beginnen laut zu pfeifen. Bella schlägt verzweifelt auf das Turnbuckle.

„IOKEPA!”

Titan hält Iokepa fest. Tha Bomb macht zwei Schritte zurück. Er misst die Entfernung. Noch ein Schritt. Titan geht langsam auf ein Knie.

Die Halle steht.


Pete flüstert: „Nicht so…”

Tha Bomb läuft los.

Iokepa versucht sich zu befreien. Bella rettet Iokepa mit einem Superman Punch gegen Tha Bomb. sTitan reißt Bella sofort an den Haaren zurück.

Kroll-Prozess.

Die Halle glaubt, jetzt ist endgültig Schluss. Bella kämpft.

Schlägt mit den Ellbogen.

Löst sich.

Running Leg Lariat. Titan geht auf ein Knie. Iokepa kommt zurück.

Flying Dropkick gegen Tha Bomb.

Alle vier liegen.


Pete schreit: “JETZT HAT KEINER MEHR ETWAS IM TANK!”


Alle vier kommen gleichzeitig hoch. Titan und Bella stehen sich gegenüber.

Kein Wort.

Nur schwere Atmung.

Titan holt zum Big Boot aus. Bella taucht darunter weg.

Titan dreht sich sofort.

Packt Bella.

Will einen Body Slam zeigen.

Bella rutscht hinter seinen Rücken. Titan dreht sich erneut. sBella trifft ihn mit einem Superkick.

Nicht perfekt.

Nicht spektakulär.

Gerade genug. Titan fällt auf ein Knie.


Pete: “JETZT BELLA!”

Bella rennt los.

Running Knee Strike.

Titan taumelt rückwärts. Iokepa springt blind ins Seil. Tha Bomb fängt ihn ab. Beide fliegen gemeinsam über das oberste Seil nach draußen. Jetzt stehen nur noch Bella und Titan im Ring. Die Halle erhebt sich.

Titan schlägt.

Bella blockt.

Forearm.

Titan antwortet.

Forearm.

Bella.

Titan.

Bella.

Titan.

Dann…

greift Titan nach ihrem Arm. Will den DDT.

Bella dreht sich mit.

Rollt sich unter seinem Arm hindurch.

Schoolboy!

ONE!

Titan versucht sofort herauszukommen.

TWO!

Er schafft es fast.

Die Halle zählt mit.

THREE!!

Sieger des Matches durch Pinfall: Bella und Iokepa

Nicht glücklich.

Nicht billig.

Sondern…

Bella nutzt Titans eigene Bewegung gegen ihn. Das Théâtre Antique d’Arles erbebt unter den Jubelrufen der Zuschauer.

Bella Venera und Iokepa liegen erschöpft nebeneinander im Ring. Der Ringrichter hebt ihre Hände.

Die Schulden…

…sind Geschichte.


Pete lehnt sich zurück. Er lächelt.

Pete: „Sie haben es geschafft…Sie sind frei.”


Doch noch während der Jubel durch die antiken Steinmauern hallt…bewegt sich hinter Bella etwas.

Titan.

Langsam.

Ganz langsam richtet er sich auf.

Kein Wutausbruch.

Keine verzweifelten Gesten.

Er zieht lediglich langsam seinen rechten Handschuh zurecht. Tha Bomb steht bereits neben ihm. Beide schauen sich an.

Keine Worte.

Nicht nötig.

Titan nickt.

Ein einziges Mal.

Und plötzlich…

EXPLODIERT Tha Bomb.

Mit voller Geschwindigkeit reißt er Iokepa mit einer Running Clothesline von den Beinen.

Die Halle verstummt augenblicklich.

Pete springt auf.


Pete: „NEIN! NICHT SO!”


Bella dreht sich erschrocken um.

Superman Punch!

Tha Bomb wird getroffen. Er schwankt. Nur einen Schritt. Dann packt Titan Bella von der Seite.

BODY SLAM!

Bella kracht auf die Matte. Noch bevor sie überhaupt Luft holen kann…

Side Slam.

Mit voller Wucht. Die Fans überschlagen sich mit Buhrufen.

BOOOOOOOOOOOOOOO!!

Titan schaut nicht einmal auf Bella herunter. Sie interessiert ihn nicht mehr. Er dreht sich bereits zu Iokepa. Tha Bomb hebt ihn hoch.

Knee Strike.

Iokepa sackt zusammen.

Powerbomb.

Der Ring bebt.


Pete: „Das Match ist vorbei! Lasst es gut sein!”


Titan antwortet ihm nicht. Er zeigt lediglich auf Tha Bomb. Ein einziges Zeichen. Tha Bomb versteht. Er zieht Iokepa langsam wieder hoch.

Titan kniet sich.

Die Zuschauer erkennen sofort, was folgen soll.


Pete: „NEIN! NICHT! STOPPT DAS!”

THIS WILL KILL YOU!

Reverse Burning Hammer.

Mit voller Wucht auf Titans angewinkeltes Knie. Iokepa bleibt regungslos liegen. Bella versucht verzweifelt hinzukriechen. Titan tritt sie einfach zur Seite.

Nicht brutal.

Verächtlich.

Als wäre sie bedeutungslos. Pete schreit inzwischen.


Pete: „JEMAND MUSS SIE STOPPEN!”

Die ersten Offiziellen rennen die Rampe herunter.

Dann Security.

Vier Männer.

Sechs.

Acht.

Zehn.

Sie umzingeln T’n’B.

Titan schaut sie an.

Langsam.

Fast neugierig.

Titan: „Ihr glaubt…”

Er blickt in die Runde.

Titan: „…ihr könnt uns aufhalten?”

Titan und Tha Bomb werden inzwischen von über einem Dutzend Security-Mitarbeitern zurückgedrängt.

Immer mehr Offizielle strömen in Richtung Ring.

Pete schreit beinahe: „Jetzt reicht es endlich! Bringt diese beiden hier raus!”

Mehrere Sicherheitskräfte bilden einen Ring um Bella und Iokepa.

Die beiden Sieger werden langsam aus dem Ring gezogen. Beide sind völlig erschöpft.

Die Fans applaudieren. Sie glauben… …es sei vorbei.


Sven wird plötzlich still: „Pete…”

Pete: „Was?”

Sven blickt hinter Bella.

Sven: „Nicht umdrehen…”


Aus der Dunkelheit unter den antiken Steinbögen…tritt eine Gestalt hervor.

Schwarz.

Ein langer Mantel.

Das Gesicht vollständig unter einer dunklen Maske verborgen.

Keine Musik.

Kein Titantron.

Niemand hat bemerkt, dass überhaupt jemand dort stand.


Pete: „Wer…ist DAS?”


Die Gestalt bewegt sich langsam.

Fast lautlos.

Direkt hinter Bella.

Direkt hinter Iokepa.

Der Ringrichter bemerkt es als Erster. Er zeigt erschrocken nach hinten.

Zu spät.

Der Maskierte packt Bella am Hinterkopf.

GERMAN SUPLEX!

Bella überschlägt sich brutal. Noch bevor Iokepa reagieren kann…dreht sich der Fremde.

SPINNING URANAGE!

Iokepa kracht mit voller Wucht auf den Hallenboden. Die Halle verstummt.


Pete: „NEIN! NOCH JEMAND?!”


Titan hebt langsam den Kopf. Zum ersten Mal an diesem Abend…lächelt er. Tha Bomb ebenfalls.

Nicht breit. Nur dieses kleine zufriedene Nicken.

Der Maskierte schaut zu den beiden.

Keine Worte.

Er hebt lediglich langsam seine rechte Faust. Titan antwortet. Mit derselben Geste.

Kein Handschlag.

Kein Jubel.

Nur dieses Zeichen.

Jetzt bricht endgültig die Hölle los. Security stürmt auf den Maskierten zu. Er empfängt den ersten mit einem harten Big Boot. Den zweiten wirft er mit einem gewaltigen Fallaway Slam über die Absperrung.

Titan und Tha Bomb reißen sich gleichzeitig los.

Jetzt kämpfen drei Männer.

Nicht zwei.


Pete schreit: „WER IST DIESER MANN?!”


Chaos.

Überall.

Fans springen auf.

Stühle kippen.

Security verliert jede Kontrolle.

Tha Bomb schleudert einen Offiziellen gegen die Ringtreppe.

Titan stößt zwei weitere Männer die Rampe hinunter. Der Maskierte räumt den Weg frei.

Wie ein Rammbock.

DDT.

Der Mann schlägt bewusstlos auf. Tha Bomb wird gleichzeitig von drei Männern gepackt. Er stemmt sich einfach hoch. Alle drei verlieren den Halt.

Running Big Boot.

Der erste fliegt gegen die Ringtreppe.

Forearm.

Der zweite überschlägt sich über die Absperrung.

Powerbomb.

Der dritte kracht mitten auf zwei weitere Security-Männer.

Chaos.

Überall.


Pete: „Das ist Wahnsinn!”


Immer mehr Sicherheitskräfte stürmen in den Ring. Titan zeigt Body Slam.

Side Slam.

Big Boot.

Tha Bomb schlägt sich wie eine Naturgewalt durch die Menschenmenge.

Kein Zögern.

Keine Gnade.

Die Kamera verliert mehrfach den Überblick. Sanitäter rennen herbei.

Doch T’n’B kämpfen längst nicht mehr gegen Bella.

Nicht gegen Iokepa.

Nicht gegen Zerbeus oder die Hasen.

Nicht gegen Security.

Sie kämpfen…

…gegen alles.

Ein Plastikbecher fliegt aus den ersten Zuschauerreihen.

Er trifft Tha Bomb an der Schulter.

Stille.

Tha Bomb schaut langsam nach oben.

Titan folgt seinem Blick.

Die Zuschauer direkt an der Absperrung schreien T’n’B an.

„RAUS HIER!”

„VERLASST DIE GFCW!”

„IHR SEID KRANK!”

Titan steigt langsam über das oberste Seil.

Nicht flüchtend.

Bewusst. Tha Bomb folgt. Mehrere eindeutig erkennbare Statisten und Sicherheitskräfte versuchen den Weg zu versperren. Vergeblich.

Ein wilder Brawl entsteht. Stühle kippen. Getränke fliegen. Menschen stolpern. Security bildet verzweifelt Ketten. Tha Bomb stößt sie einfach auseinander. Titan schlägt einen Mann nieder. Der Unbekannte wütet durch die Menge. Die Situation gerät völlig außer Kontrolle. Das Théâtre Antique erinnert nicht mehr an eine Wrestlingveranstaltung.

Sondern an einen Aufstand.


Pete schreit: „SCHICKT ALLE HERAUS! DAS IST NICHT MEHR ZU KONTROLLIEREN!”

Selbst Sven wirkt sprachlos.

Sven: „…”


Nach mehreren Minuten…ziehen sich die drei langsam zurück.

Nicht flüchtend.

Sie marschieren.

Gemeinsam.

Durch die Arena.

Immer höher.

Bis sie den höchsten erhaltenen Teil des Théâtre Antique erreichen.

Dort…

befindet sich ein Stein das ursprünglich ein Teil des Fundaments der Arena war.

Über zweitausend Jahre alt.

Der Schlussstein der das Theater vollendete


Pete wird leise: „Sie…stehen auf dem entscheidenden Teil der Arena.”

Sven nickt. Fast flüsternd.

Sven: „Natürlich tun sie das.”

Die Kamera fährt langsam nach oben.

Drei Silhouetten.

Nebeneinander.

Titan.

Tha Bomb.

Der Unbekannte.

Zwischen ihnen…

eine deutlich sichtbare Lücke.

Nicht zufällig.

Bewusst.

Als würde dort…

eigentlich jemand hingehören.

Pete bemerkt sie.


Pete: „Warum…stehen sie so?”


Sven antwortet nicht. Der Wind zieht über die antiken Mauern. Titan blickt über das gesamte Théâtre Antique. Die Kamera liegt halb schräg auf den antiken Steinstufen. Im Hintergrund herrscht völliges Chaos.

Security versucht verzweifelt, Bella und Iokepa in Sicherheit zu bringen.

Sanitäter eilen durch die Menge.

Fans schreien.

Überall stehen umgeworfene Absperrungen.

Mitten in diesem Chaos hat Titan einem Kameramann ruhig die Schulterkamera aus der Hand gegriffen.

Nicht hektisch.

Nicht aggressiv.

Fast so, als würde ihm die Kamera ohnehin gehören. Er richtet sie langsam auf sich.

Hinter ihm steht Tha Bomb.

Blut läuft über dessen Augenbraue.

Sein Blick ist leer.

Nicht wütend.

Nicht außer Kontrolle.

Nur entschlossen.

Titan schaut direkt in die Linse. Seine Stimme ist vollkommen ruhig.

Titan: „Seht euch um.”

Langsam dreht er die Kamera. Der Zuschauer sieht Bella und Iokepa am Boden, Sanitäter, Sicherheitskräfte und Offizielle, Umgestürzte Absperrungen.

Das Chaos im Théâtre Antique. Die Kamera richtet sich wieder auf Titan.

Titan: „Das…”

Kurze Pause.

Titan: „…ist eure GFCW.”

Tha Bomb tritt einen Schritt nach vorne.

Er blickt ebenfalls direkt in die Kamera.

Tha Bomb: „Nicht unsere.”

Titan nickt langsam.

Titan: „Unsere GFCW…”

Er legt eine Hand auf die uralten Steine der Arena.

Titan: „…wurde auf Fundamenten gebaut. Nicht auf Applaus. Nicht auf Likes. Nicht auf Popularität. Sondern auf Respekt.”

Er klopft mit der Faust gegen den Stein.

Der dumpfe Klang hallt durch das Amphitheater.

Titan: „Auf Konsequenzen. Auf Verantwortung. Auf Wrestling.”

Tha Bomb spricht.

Ruhig.

Jedes Wort wie ein Hammerschlag.

Tha Bomb: „Wir…”

Kurze Pause.

Tha Bomb: „…haben euch eine Wahl gelassen. Wir haben Geduld gezeigt. Wir haben Regeln akzeptiert. Wir haben Niederlagen akzeptiert.”

Er schüttelt langsam den Kopf.

Tha Bomb: „Ihr habt das…für Schwäche gehalten.”

Titan übernimmt wieder.

Titan: „Vor einigen Wochen…hat uns jemand daran erinnert…”

Kurze Pause.

Titan: „…wer wir einmal waren. Er stellte keine Forderungen. Er machte keine Versprechen. Er zeigte uns lediglich…den Weg zurück.”

Er lächelt zum ersten Mal. Ein kaltes, fast trauriges Lächeln.

Titan: „Viele Menschen fürchten einen Pakt mit dem Teufel. Glaubt uns…Der Teufel verlangt wenigstens einen Preis.”

Kurze Pause.

Titan: „Der Weg, den wir gewählt haben…fordert alles.”

Tha Bomb hebt langsam den Kopf.

Tha Bomb: „Und wir…haben ihn angenommen.”

Titan blickt jetzt nicht mehr nur in die Kamera.

Er blickt durch sie hindurch.

Direkt zum Publikum.

Direkt in jede Wohnung.

Titan: „Ihr wolltet Monster. Ihr habt Monster erschaffen. Jetzt lebt mit den Konsequenzen.”

Er zeigt auf Pete.

Titan: „Keine Kommentatoren.”

Dann auf die Offiziellen.

Titan: „Keine Offiziellen.”

Zur Security.

Titan: „Keine Ordnung.”

Schließlich richtet er den Finger direkt auf die Kamera.

Titan: „Keine Zuschauer.”

Tha Bomb macht einen Schritt nach vorne.

Tha Bomb: „Ab heute…”

Kurze Pause.

Tha Bomb: „…seid ihr alle Gegner.”

Titan senkt langsam die Kamera.

Dann hebt er sie noch ein letztes Mal.

Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.

Doch genau deshalb hört jeder hin.

Titan: „Nicht wir gehören nicht mehr in diese Zeit. Diese Zeit gehört nicht mehr in unsere Liga.”

Er schaut zu Tha Bomb.

Beide nicken sich langsam zu.

Dann sprechen sie den letzten Satz gemeinsam.

Langsam.

Klar.

Ohne zu schreien.

T´n´B: „Die GFCW…”

Pause.

T´n´B: „…befindet sich ab sofort im Krieg.”

Titan lässt die Kamera fallen.

Das Bild kippt.

Er hebt den Mittelfinger.

Tha Bomb ebenfalls.

Der Maskierte folgt.

Drei ausgestreckte Mittelfinger.

Nicht Richtung Bella.

Nicht Richtung Iokepa.

Sondern…

zur gesamten GFCW.

Zu den Fans.

Zum Management.

Zur Kamera.

Zur Liga selbst.

Pete sagt nichts mehr.

Man hört nur den Wind.

Der Maskierte greift langsam unter seinen Mantel.

Die Fans halten den Atem an.

Er zieht…

keine Waffe.

Keinen Gürtel.

Sondern…

ein altes, zerfleddertes GFCW-T-Shirt hervor.

Das Logo stammt aus den Anfangsjahren der Liga.

Er hält es einen Moment hoch.

Schaut es an.

Dann lässt er es fallen.

Der Wind trägt das Shirt langsam die antiken Steinstufen hinunter.

Titan beobachtet es.

Er spricht den letzten Satz des Abends.

Ganz ruhig.

Titan: „Auf diesem Fundament…”

Er schaut auf die uralten Steine.

Titan: „…haben wir diese Liga aufgebaut.”

Kurze Pause.

Dann blickt er wieder in die Kamera.

Titan: „Und auf diesem Fundament…”

Er zeigt auf die Arena.

Titan: „…werden wir sie zurückholen.”

Keiner der drei bewegt sich.

Die Kamera fährt immer weiter zurück.

Die drei wirken plötzlich winzig.

Vor der riesigen antiken Mauer.

Und genau dort…

bleibt diese eine sichtbare Lücke zwischen ihnen.

Als würde das Bild selbst sagen:

Es fehlt noch einer.




Das Amphitheater von Arles – unweit von unserer Showstätte, dem antiken Theater, entfernt – bietet einen atemberaubenden Eindruck römischer Baukunst, Kultur und Religion. Ähnlich wie andere, noch erhaltene, antike Arenen wie das Kolosseum in Rom oder jenes in El Djem in Tunesien zeugt auch dieses hier in Arles von einer architektonischen Meisterleistung. Die ansteigenden Sitzreihen, die unterirdischen Gänge – wenn man so will also der Backstage Bereich - die vielen Parallelen zu heutigen Fußballstadien, die mit modernster Technik erbaut wurden… Obgleich das, was damals hier geschah, oft eher dem glich, was heute erneut mit der GFCW das Interesse dieser französischen Stadt am Ostufer der Rhone erobert.

Und so wartet inmitten in der Arena in einem kleinen abgetrennten Bereich folglich MacMüll auf uns gebannte Zuschauer. Unter gespannten Schirmen und neben einigen Kameras samt Crew sehen wir, wie er sich auf einem Stuhl sitzend mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn tupft. Mit einem Husten holt er sich noch den letzten Schleim aus der Kehle, damit die folgenden Worte ohne Rasseln erklingen.


MacMüll: „Ich begrüße die GFCW Fans von diesem historischen Ort, wo einst die Gladiatoren der Antike kämpften. Heute habe ich einen Gladiator und eine Gladiatrice der Neuzeit neben mir. Das Tag Team, das in der letzten Show die Battle Royal gewinnen konnten und sich nun auf ein Match gegen Zerbeus vorbereiten kann.“


Die Kamera fährt nach rechts, wodurch Mad Dog und Stella Nova im Bild erscheinen. Die beiden Kämpfernaturen sitzen ebenfalls auf Stühlen und nicken MacMüll zu, während der Soundspur aus dem antiken Theater deutliche Jubelrufe hören lässt.


MacMüll: Aber blicken wir erst einmal zurück nach Barcelona. Es lief vermutlich nicht ganz so, wie ihr euch das vorgestellt habt, oder?“


Ein Lächeln umspielt die Lippen der unbekannten Konstante.


Mad Dog: „Fun fact, Müll: Es läuft nie, wie man es sich vorgestellt hat. Alle Parteien wissen um die Stärken und Schwächen ihrer Gegner, alle haben Konter auf die entscheidenden Moves ihrer Gegner im Sinn. Dazu noch die Anzahl der Gegner und die Matchart – es braucht keinen Three Count, keine Submission. Es braucht eine simple Aktion, die fast in jedem Match zu sehen ist, und kaum Schaden anrichtet, wenn man auf den Füßen landet… Die Vorstellung ist ein Ideal. Und ja, in diesem hätten wohl wir beide zum Schluss gemeinsam im Ring gestanden – nichtsdestotrotz haben wir gewonnen. Und das ist das Entscheidende!“


Die Stellare sitzt ruhig da, die Beine eng beisammen und die Hände im Schoß gefaltet. Den WFW Temptation Title hat sie heute nicht mit angeschleppt, aber ansonsten ist sie gekleidet und gestylt wie immer – kometenhafter Schurz unten, knappes Top mit Sternausschnitt oben und das schwarz-orangene Haar zu den üblichen zwei Sternschnuppen geflochten. Soweit wie immer, doch ihre Augen haben bei Mac Mülls Frage unweigerlich zu funkeln begonnen.


Stella Nova: „Das Resultat ist das, welches wir uns vorgestellt hatten, und in der Tat, das ist das Entscheidende. Doch die Freude über den Sieg, von der im Vorfeld sprach und die eigentlich von größerer Dauer hätte sein sollen, die wollte sich ob der Begleitumstände nicht einstellen. Eigentlich sollte jetzt noch immer ein Lächeln im meinem Gesicht sein, doch wie unschwer zu erkennen ist, ist da kein Lächeln, von dem ich wüsste.“


Ein kurzer Zoom der Kamera bestätigt: kein Lächeln.


Stella Nova: „Ich hatte vorausgesagt, dass diese Battle Royal für andere die große Chance sein würde sich auf unsere Kosten einen Namen zu machen und genauso war es letztlich auch. Was eigentlich das Prinzip „alle Teams für sich“ hätte sein sollen, wurde zum Prinzip „alle gegen uns“. Bezeichnend, dass nicht Titan und Tha Bomb die primären Ziele der anderen waren, sondern wir, nicht wahr? Durch diese Fixierung auf uns wurden Mad Dog und ich voneinander getrennt und so war ich dann allein gegen zwei junge, hungrige Wrestler, wo nur schmerzlich offensichtlich wurde, dass ich letztlich in einem Ring voller Männer physikalisch wohl oder übel die Schwächste bin. Noch dazu in einer Matchart, wo ich nur sehr eingeschränkt meine Seilkunst einbringen kann. Und so konnten die Birdie Boys durch meinen Rauswurf ein absolutes Karrierehighlight erschaffen. Das haben sie sich redlich verdient und dazu sei ihnen gratuliert.“


Ihre gefalteten Hände öffnen sich für ein kurzes, betont langsames Klatschen.


Stella Nova: „Es bleibt nun abzuwarten, ob mein Rauswurf für die Birdie Boys der Anfang von Großem war und sie künftige Hall of Famer sein werden… oder ob es ein einsames Karrierehighlight bleiben wird, welches das einzige Thema ist, über das Fans bei Meet and Greets jemals mit ihnen sprechen werden. Obgleich mich rausgeworfen zu haben ja laut dem großen Wrestlingweisen Morbeus eh keine große Leistung war. Was ein groteskes Schandmaul.“


Für einen Moment sieht es aus, als ob sie noch mehr sagen möchte, doch dann scheint ihr zu dem Thema jedes weitere Wort zu viel, was es Mac Müll erlaubt die nächste Frage folgen zu lassen.


MacMüll: „In wie weit hat dieses Ungleichgewicht aber Einfluss auf die Teamchemie?! Schon bei New Level war es Mad Dog, der den Sieg gegen die Modern Erasers geholt hat.“


Genervt rollt MD mit den Augen und schaut zu Stella, während sich MacMüll verlegen am Hemdkragen zieht und sich da drunter am Hals kratzt.


MacMüll: „Fühlst du dich nicht unter Zugzwang, Stella? Ich meine… wir haben es oft in der Wrestling Historie gesehen, dass Dankbarkeit gegenüber dem Partner in Matches auch in risikoreiche Alleingänge oder später sogar in Neid umschlagen kann.“


Für einen Moment wandert Stellas linke Hand gen Pony als ob Mac Mülls Frage in ihr einen Kopfschmerz ausgelöst hat, den es weg zu massieren gilt. Dann jedoch atmet sie tief durch und entspannt sich.


Stella Nova: „Von welchem Ungleichgewicht redet ihr überhaupt, Mac Müll? Ja, ich habe bei New Level die meiste Zeit auf dem Boden verbracht und in der Battle Royal war ich letztlich mehr als Cheerleaderin aktiv, als dass ich Mad Dog im Ring den Rücken freigehalten hätte, wie es eigentlich unsere Taktik gewesen wäre. Aber letztlich ist es nicht wichtig, dass eine Taktik perfekt funktioniert, und es ist auch nicht wichtig, wer die entscheidende Aktion anbringt, entscheidend ist der Erfolg. Und den haben wir. Nebenbei bemerkt bin ich allem Gespött von Morbeus zum Trotz diejenige, die The End beinahe die Beine gebrochen hätte, sodass er nach unserem Match kaum noch aufrecht stehen konnte. Es werden auch noch Gegner kommen, gegen die ich glänzen kann, wie der Leitstern, der ich bin, aber ich werde nicht Trübsal wegen Matchverläufen blasen, welche am Ende zu Siegen geführt haben.“


Bevor MacMüll eine weitere Frage hinterher schieben kann, räuspert sich der Kämpfer der Nacht und erhält sogleich die ganze Aufmerksamkeit.


Mad Dog: „Natürlich haben wir nicht nur als Team eine Idealvorstellung, sondern jeder Wrestler, jede Wrestlerin für sich hat ebenfalls eine. Und in dieser idealen Vorstellung holt man vermutlich selbst immer die Siege, schmeißt alle Gegner aus einer Battle Royal oder siegt gegen The End und holt sich den GFCW World Title... aber wir sind nicht neu in diesem Business, Müll. Unsere Erwartungen an uns selbst, unser Ideal ist schon mehrfach gescheitert. Auf der anderen Seite auch schon mehrfach bestätigt worden. Wir machen uns also keinen Kopf, nur weil ich zwei Mal den Sieg geholt habe. Wer den Sieg holt, ist egal, denn uns eint ja das gemeinsame Ziel!“


Der Fighter bewegt seine Hände entlang seiner Hüfte. Die weltbekannte Titelgeste.


Mad Dog: „Wir wollen die GFCW Tag Team Champions werden!“


Bestätigendes Nicken bei Stella Nova, doch der Interviewer hat noch nicht genug gehört.


MacMüll: „Was mich zum Vorwurf von Titan & Tha Bomb bringt. Ist dieser Spot bei Conquista überhaupt verdient?! Ihr habt keine gemeinsamen Erfolge vorzuweisen… und im Gegensatz zu Morbeus und Zereo Killer kanntet ihr euch vor dem Match bei New Level im Grunde nicht. Reichen die paar Wochen, um ein Team zu werden, das Titel erringen kann?!“


Wieder ist es ein Lächeln, was ob der Frage über die Lippen des Night Fighters huscht.


Mad Dog: „Titan und Tha Bomb ist vermutlich nichts anderes eingefallen, huh?! Ich habe zwei Mal in meiner Karriere Tag Team Gold gehalten. Mit einem gewissen Zeus die PCWA Cotatores und mit Díego Sanchéz zusammen die XAW Union Titles. Zeus kannte ich vor unserem Titelgewinn so gut wie gar nicht, die Karrieren von Díego und mir hingegen überschnitten sich viele Male. Ich kenne also beide Varianten – dass ich im Teambereich nichts vorzuweisen hätte, ist jedenfalls lächerlich. Klar, mit Stella zusammen konnte ich bisher noch keine Titel erringen, wie auch, huh?!“


MacMüll: „Klar, aber Stella ist bisher immer am Tag Team Gold gescheitert. Insofern haben T&B da schon einen Punkt.“


Nun zeigt Stellas Mund doch noch ein Lächeln – ein verdammt bitteres.


Stella Nova: „Um genau zu sein, bin ich in der Regel sogar bereits daran gescheitert dem Tag Team Titel auch nur nahe zu kommen. Egal ob mit meiner früheren Tanzkameradin Leona, als Duo mit Lailah Sapphire oder gemeinsam mit der gutherzigen Vampirin Lala… wir haben es nie allzu weit gebracht.“


Schlagartig weicht die Bitterkeit aus Stellas Lächeln, wie sie aus dem Augenwinkel zu Mad Dog blickt.


Stella Nova: „Da bin ich mit meinem nunmehr vierten Partner schon ein ganzes Stück weiter. In kürzester Zeit haben wir uns ein Titelmatch erkämpft. Verdient? Unverdient? Das kann man sicherlich kontrovers diskutieren. Aber das gilt ja nicht nur für uns. Man könnte jetzt auch fragen, ob Steve Steel wirklich mit einem Sieg über Güldenherz ein Intercontinental Title Match verdient hat oder nach welchen Kriterien überhaupt Morbeus und Zereo Killer selbst zu ihrem Tag Team Titelkampf gekommen sind.“


Stella verschränkt die Arme hinter dem Kopf und schlägt die Beinpartie übereinander – jegliche Anspannung, die sie zu Beginn des Interviews noch hatte, hat sich mittlerweile verflüchtigt.


Stella Nova: „Im Endeffekt gibt es eine simple Weisheit im Wrestling, wie im Sport an sich: wer gewinnt, hat gewonnen. Und im Fall der Battle Royal haben nun einmal wir gewonnen, womit wir immerhin mehr gewonnen haben, als manch andere gewonnen haben. Primär Mad Dog im Ring, während ich Cheerleader war, wie gesagt… aber gewonnen ist gewonnen.“


Die unbekannte Konstante zuckt mit den Schultern.


Mad Dog: „Und wer hätte es sonst verdient, huh?! T&B jedenfalls nicht. Die haben das Titelmatch bei New Level von Zereo Killer geschenkt bekommen. Und dort haben sie ebenso versagt wie bei der AS zu Beginn des Jahres. Trotzdem hatten sie aufgrund der Battle Royal wieder die Chance; doch auch dort habe ich sie schließlich übers oberste Seil gedrückt. Wo sind also ihre Erfolge, huh?! Ich habe seit ihrer Rückkehr nicht viel davon gesehen. Ich denke also nicht, dass du durch Fragen auf die beiden zurückgreifen solltest, Müll, sondern dass es Zeit ist, sich endlich mit Zerbeus zu beschäftigen!“


Wieder tupft sich MacMüll etwas Schweiß von der Stirn.


MacMüll: „Bei Tammy mag es Friede-Freude-Eierkuchen Interviews geben, aber dabei kommt auch nicht viel rum. Ich frage lieber so, dass es auch ein bisschen weh tut. Aber gut... Wie schätzt ihr die Tag Team Champions ein? Hat dieses GFCW Legenden Team überhaupt eine Schwäche?“

Stella Nova: „Mir würde eine ganze Reihe an Schwächen einfallen, Mac Müll. Insbesondere, dass ihre Hirnleistung so viele Mängel aufweist, dass sie dringlich einen Neurologen aufsuchen sollten. Wie dämlich muss man sein, um T’n’B in die offensichtlichste Falle aller Zeiten zu tappen und wie viel Realitätsverlust muss man haben, um WFW und Erfolge bei WFW geringzuschätzen? Wäre ich ein Fan oder gar Familienmitglied der beiden, ich würde mir ernsthafte Sorgen um die beiden machen. Und da reden wir noch nicht mal davon, dass die beiden in Sachen Automatismen auch nicht gerade viel besser dran sind als wir.“

MacMüll: „Und was meinst du, Mad Dog? Deine Geschichte mit Zereo Killer ist ja eine langjährige und persönliche Angelegenheit. Und auch mit Morbeus kommt es neben dem Titelmatch hier auch im Forge Turnier zu einem Singles Aufeinandertreffen… oder nicht.“

Mad Dog: „Yeah, ich habe Matt Stone besiegt und stehe damit im Halbfinale des Forge Turniers; wenn auch Raymond seine Hausaufgaben macht, treffen wir dort aufeinander…“


Glücklich kommen in ihm die Bilder vom vergangenen Sonntag hoch, als er mit den Augen das antike Rund abfährt. Doch noch war es nur ein erster Schritt.


Mad Dog: „MacKenzie und Raymond sind zwei der größten Namen des heutigen Wrestlings, herausragende Athleten und ehrgeizig obendrein! Ja, mit Zereo verbindet mich eine gemeinsame Vergangenheit - ich kenne ihn, vielleicht besser als die meisten hier. Und er mich auch… wir haben schließlich unsere beiden Ligen in Blut getränkt, die Grenzen des Wettkampfs überschritten und in uns die hässlichsten aller Gesichter erweckt, um den anderen zu besiegen. Während mir das aber klar ist, scheint mir Mike die Dinge zu verdrängen. Er reitet mehr die Nostalgiewelle - will nur für das in Erinnerung bleiben, das er an sich für gut befindet. Handshakes, High Flying und Heldentum. Die Fehde mit mir gehört nicht dazu!“


Nun wendet sich der Blick der unbekannten Konstante wieder intensiv MacMüll zu.


Mad Dog: „Wenn ich also eine Schwäche benennen sollte, dann wäre es diese. Er präsentiert ein Bild von sich, den alten Zereo Killer… er ist aber nicht mehr der alte. Sein Partner hingegen wirkt mir klarer. Scheint mehr er selbst zu sein. Seine Schwächen also herauszufinden, spornt mich an! Macht mich heiß! Spätestens bei Conquista werde ich es wissen.“


MD lächelt verquer. Der Interviewer nickt.


MacMüll: „Und ihr selbst? Wo seht ihr eure Stärken… und wo seid ihr verwundbar?“


Die Stellare zuckt für einen Moment merklich. Hat Mac Müll gerade tatsächlich angedeutet, sie wäre verwundbar?


Stella Nova: „Ich bin nirgendwo verwundbar, Mac Müll, außer ich sehe mich in einer Battle Royal Umgebung mehreren Gegnern von mir überlegener Physis gegenüber. Genau das ist meine größte Stärke. Ich bin nicht die Größte, nicht die Kräftigste, nicht die Schnellste, nicht die technisch Genialste, ich bin obgleich ich ausgebildete Seiltänzerin bin nicht einmal die Spektakulärste. Ich bin auch nicht am Mikrofon die absolut Beste und nicht die Schönste der Schönen. Egal von welchem Attribut wir reden, ich bin nirgendwo überragend, nirgendwo die Beste.“


Sie sagt das ohne jede Scheu, als würde sie das Wetter beschreiben.


Stella Nova: „Aber ich bin in jeder einzelnen genannten Kategorie sehr, sehr gut. Geht es ums Komplettpaket überstrahlt mich niemand.“


Und das sagt sie mit einem Tonfall, der unweigerlich kein Widerwort duldet.


Stella Nova: „Das macht mich lediglich zu der großartigen Einzelwrestlerin, die ich nun einmal bin. Auf Mad Dog trifft dasselbe in vielerlei Hinsicht auch zu – obgleich er durchaus als einer der absolut Besten am Mikrofon gelten dürfte.“


Ein anerkennendes Zwinkern begleitet diese Aussage.


Stella Nova: „Kurzum, wir sind beide in jeglicher Hinsicht verdammt gut und doch in unserer Grundausrichtung mitunter sehr unterschiedlich. Kalkül und Instinkt, wohliges Strahlen und bedrohliche Dunkelheit... die offensichtliche Schwäche unseres Teams ist der Mangel an gemeinsamer Erfahrung diese unterschiedlichen Aspekte zu der Einheit ohne Makel zu verschmelzen, die wir beide zusammen sein können und der Mangel an einstudierten Teamaktionen. ...aber zu unserem Glück sind die Champions, was das angeht, ja auch nicht viel weiter als wir, immerhin haben sie nun auch nicht gerade viele reguläre Tag Team Matches gemeinsam bestritten. Tatsächlich sogar nur eins: gegen die Ruhrpott Renegades. Weswegen auch wir genau dieses Team als Vorbereitungsgegner bestellt haben – auf dass wir an unseren Defiziten bis zum großen Titelmatch noch arbeiten können und eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wie unser Stand als Team ist, verglichen mit dem Stand, den Zerbeus vor ihrem Titelgewinn hatten.“


Die Augenpaare MacMülls wandern zwischen den beiden Mad Stars hin und her. Dann lächelt er milde.


MacMüll: „Es ist mit Sicherheit ein Match, dass mit Spannung erwartet wird. Vier große Namen in einem Match gegeneinander. Doch eine Frage brennt mir noch unter den Nägeln…“


Wieder greift er sich verlegen an den Kragen… aber er will sein Profil schärfen. Für die ernsten Fragen, für die schwierigen Themen. Sich von Tammy abheben.
Enthüllungsjournalist MacMüll. Investigativjournalist MacMüll. Pitbull-Journalist MacMüll.
Er räuspert sich.


MacMüll: „Mad Dog, im Endeffekt bist ja selbst du auch nur ein Mann. Wird Yai nicht eifersüchtig, wenn du so viel Zeit mit solch einer… *räusper*… attraktiven Dame verbringst und beim Training auf ihr liegst und sie auf dir… *räusper* und so… Ähm, könnte man nicht meinen… wenn das Team gut funktioniert… da ist mehr. Gefühle und so. Gute Chemie… Du weißt schon. Gossip. Äh… könnte das ein Thema werden? Für dich… für euch? Zwischen euch?“


Die beiden Mad Stars schauen sich für einen Augenblick an, dann blicken sie entgeistert zurück zu ihrem Interviewer.


Mad Dog: „Nun ja… dieselbe Frage könntest du auch Zerbeus stellen, huh?! Die trainieren auch miteinander und sind ansehnliche Männer, oder nicht?!“


Wieder fliegt sein Blick zurück zur Inderin und er mustert sie eine Weile zu lange, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
Dann aber wendet er sich wieder MacMüll zu.


Mad Dog: „Deine Sorgen oder – sollte ich besser sagen – feuchten Träume sind unbegründet, Müll. Ich kenne Yai seit unserer gemeinsamen Zeit in der XFWA und im cWc – seit 20 Jahren. Danach haben wir uns lieben gelernt… und mehrfach haben wir um unsere Liebe gekämpft, kämpfen müssen. Wohlgemerkt nie wegen anderer Frauen; selbst, wenn mir auch das schonmal versucht wurde unterzuschieben. Ich weiß, wie einige es in unserem Geschäft mit der Treue halten… Und dass Frauen wie Miria Saionji das auch bewusst für ihre Zwecke einsetzen. Aber ich werde das Haus, was ich mit Yai gebaut habe, nicht für einen kurzen Spaß abreißen.“


Seit Mac Mülls Frage ist bei Stella Nova ein seichtes, ungläubiges Kopfschütteln zu bemerken, das sich nun in einem tiefen Seufzer entlädt.


Stella Nova: „Mac Müll, man merkt mit jedem deiner Worte, dass du kein Kämpfer bist. Wer im Kampf oder selbst im Training für den Kampf den Körper des Gegners als etwas anderes als ein Hindernis, das es zu bezwingen gilt, ansieht… hat bereits verloren. Hat Mad Dog etwa den Ruf ein Verlierer zu sein? Nein, hat er nicht und ich ebensowenig.“


Stellas Blick sucht und findet Mac Mülls Augen, in die sie nun direkt hineinschaut.


Stella Nova: „Nebenbei bemerkt gibt es ja nicht nur aus Gründen des freiwilligen Einsatzes für die guten Zwecke von mir eine Menge bewegtes Bildmaterial auf WFWuncut, wo es zwischen mir und anderen Frauen heiß her geht… aber wer weiß, vielleicht ist das ja nur eine Präferenz und ich fahre zweigleisig? Ich bin sicher, das würdest du jetzt gerne genauer wissen, Mac Müll, aber leider geht dich das rein gar nichts an. Für Mad Dog und mich gibt es jedenfalls nur eine Art von gemeinsamen Spaß, den wir miteinander erleben wollen und für den wir gemeinsam schwitzen und körperlich aktiv werden:

der Gewinn des GFCW Tag Team Titels.“









Es wird richtig laut, als das Theme von den GFCW Tag Team Champions gespielt wird und ein großer Teil des Publikums springt auf und präsentieren stolz ihre ZERBEUS-T-Shirts und Schilder! Es dauert auch nicht lange, dann lassen sich Zereo Killer und Morbeus bei wunderschönem Wetter blicken. Auffallend ist heute vor allem, dass der Kalifornier keine Gesichtsbemalung trägt, dafür eine In Ring Gear, die die Farben der französischen Flagge trägt. Das kommt natürlich besonders gut an. Ray Douglas zeigt sich wieder in klassischer Garderobe. Ein weißes T-Shirt mit roter „Morbeus“-Schrift, zerrissene Jeans-Shorts, gefühlt aus dem Jahr 1997 sowie grüne Kneepads mit einem weißem „M“ drauf. Schließlich die obligatorischen Wrestling-Boots.


Gemeinsam gehen sie an den Fans vorbei, klatschen mit einigen in der ersten Reihe ab und entern simultan das Seilgeviert. Das Titelgold recken sie nebeneinanderstehend in die Höhe und blicken durch das Antike Theater. Ebenfalls sind die beiden Ausnahmeathleten schon mit einem Mikrofon bewaffnet. Ray macht ein kurzes Zeichen, dass ihr Theme kurzerhand unterbrochen werden soll, denn die Champions haben etwas zu sagen. Der Kalifornier ist der Erste, der den Schallwandler zu seinen Lippen fährt.


Zereo Killer: „Na? Seid ihr alle gut drauf? Seid ihr nicht nur in Fußball, sondern auch in Wrestlingstimmung?“


Nach diesem lauten Beginn seiner Promo dreht er sich im Kreis, breitet seine Arme aus – in der linken Hand den GFCW Tag Team Title, in der rechten Hand seine „Versicherung“ für ein GFCW Intercontinental Title Match – und lässt sich noch einmal von allen Seiten begutachten. Ja, die französischen Farben seiner Gear ist nicht unbemerkt geblieben und die „OUI“-Chants werden immer lauter.


Zereo Killer: „Sehr schön, denn das ist genau das, was wir wollen! Genauso wie Frankreich seine bisherigen Spiele bei der Fußball Weltmeisterschaft gewonnen hat, wollen wir auch gewinnen! Und wir werden, egal wer sich uns gegenüberstellt, jeden besiegen!“


Abermals lässt der Kalifornier diese Worte wirken, ehe er mit seinem Monolog fortfährt.


Zereo Killer: „Ich bin aber nicht nur hierhergekommen, um mit euch zu feiern, nein, wir müssen und werden nun auch über die baldige Zukunft sprechen.“


Sein Blick geht in die Richtung, in der es zuvor ein Interview gegeben hat.


Zereo Killer: „Stella Nova, Mad Dog. Ich möchte euch gratulieren, dass ihr euch tatsächlich in der Battle Royal durchgesetzt habt.“


Er nickt, es folgt ein kurzer Blick zu seinem Partner, der sich das Ganze nun auch anhört. MacKenzie beginnt sogar leicht zu klatschen. Er scheint wohl zu empfinden, dass die Richtigen gewonnen haben.


Zereo Killer: „Liebe Stella, ich komme zuerst zu dir. Es ist schön und gut, dass du technisch sehr sehr gut bist, dass du dank deiner Ausbildung sehr sehr spektakulär sein kannst, dass du sehr sehr gut am Mikrofon bist.“


Auffällig, dass er dieses „sehr“ imm speziell betont und mit seinen Händen Gänsefüßchen-Zeichen macht, ehe er anschließend weiterspricht.


Zereo Killer: „Doch ich muss dich leider sehr… sehr enttäuschen und dir sehr… sehr deutlich klar machen, dass sowohl mein geschätzter Tag Team Partner und ich von unseren Fähigkeiten so sehr überzeugt sind, dass wir die Besten sind. Wir überstrahlen euer sehr – sehr gutes Komplettpaket, denn wir sind sehr, sehr viel besser.“

Morbeus: „That`s my Man! Schön bissig sind deine Kampfansagen, Mike. Das gefällt mir. Fahre fort!“

Zereo Killer: „Auf unser Team angesprochen würde ich dich gerne fragen, ob du, liebe Stella, unser Match gegen die Hüninnen aus dem hohen Norden gesehen hast? Ja, das Match war zum größten Teil nicht meine Sternstunde, mit Ausnahme unserer genialen Tag Team Aktionen, die wir gezeigt hatten, in diesem verrückten NO ROPES Match! Und Ray war da, als ich es nicht konnte, also haben wir das Match gewonnen und unsere Titel verteidigen können.“

Morbeus: „Eben. Schön gecatcht, ist nur halb gewonnen. All we need is a W. I. N. Und genau das haben wir geliefert. Wir ergänzen uns ideal und das ist die Hauptsache im Team-Sport! Und das auch ohne Ringseile.“

Zereo Killer: „Ich kam in den Genuss, den großartigen Sport Slacklining zu perfektionieren, also kann ich natürlich auch sehr gut mit den Seilen. Viele sagen, ich bin langsam in einem Alter, in dem ich auf mich aufpassen solle, aber… Hast du die letzte Großveranstaltung gesehen? Ich wachse, wir wachsen mit unseren Herausforderungen! Wir mussten gegen TnB einstecken wie die Irren, konnten uns aber im Laddermatch letzten Endes durchsetzen. Egal wie oft man uns auf die Bretter schickt, wir stehen immer einmal mehr auf und gewinnen das Match im Endeffekt! Unser kampfeslustiger Song untermalt unsere Mentalität in den Matches!“


Kurze Redepause, ehe ein weiteres Thema angeschnitten wird.


Zereo Killer: „Um eine Sache klar zu machen. Ja, Morbeus ist beim Forge Turnier dabei. Ich hab das nie groß angesprochen, weil ich wusste, dass man versuchen könnte, einen Keil zwischen uns zu treiben – auch wenn die Versuche sinnlos wären. Ich gönne ihm die Teilnahme und bin stolz auf meinen Tag Team Partner! Er wird im Turnier weiterkommen und Mad Dog im Halbfinale besiegen, und dann im Finale ebenfalls wieder aufstehen und kämpfen und siegen!“


Er blickt nun zu seiner rechten Hand und lächelt das von vor Wochen gefundene Ei an.


Zereo Killer: „… Und auch ich gehe neben meinem Tag Team Weg auch den Singles Weg, indem ich zum richtigen Zeitpunkt dieses gute Stück einsetze und zum sechsten Mal GFCW Intercontinental Champion werde!“


Morbeus schaut auch nochmal ins weite Rund. Sein Gesichtsausdruck scheint eher generös als angespannt.


Morbeus: „So ist es, Mike. Wir beide können es nicht lassen und suchen neben unserer Tag Team Regentschaft auch immer nach Sidequests, die zu erledigen sind. Ich bin ehrlich, dass ich nochmal bei einem so hoch dekorierten Singles-Tournament wie dem FORGE-Turnier mitmache, hatte auch mit deiner Ostereier-Suche zu tun. Natürlich nicht, weil ich es dir neide. Sondern weil ich genau weiß, dass wir beide so viele Chancen nicht mehr bekommen werden. Warum es also nicht nochmal probieren? Und genau das tue ich nun auch. Es besteht ein kleines Risiko, dass ich mich dort verletze. Und dennoch gehe ich es ein. Ich danke dir auch für das Vertrauen, Mike. Vielleicht gilt es auch für mich, dass ich es dann doch nicht lassen kann. Siege und Titel können süchtig machen. Es wird mit dem Alter nicht besser. Frag mal nach bei Mad Dog, Haha! Aber dennoch muss das Timing stimmen. Meinen Ausflug wähle ich bewusst in den GFCW-Pausen, das ist alles mit unserem Einsatzplan abgestimmt. Das muss natürlich auch für die Einlösung des IC-Title Shots gelten!“

Zereo Killer: „Keine Sorge, alles zum richtigen Zeitpunkt, nichts überstürzen. Ich bin nicht mehr wie ein junger, genialer Fußballer wie Kylian Mbappe, der rennt und rennt und rennt und Tore am Fließband steht, nein. Ich bin wie ein Cristiano Ronaldo, der nicht mehr viel rennt, aber genau weiß, wo er stehen muss, um sein Tor zu erzielen.“


Er grinst, denn diese Metapher kommt auch nicht bei allen perfekt an.


Zereo Killer: „Aber jetzt mal genug mit den Fußball Anekdoten. Ich will außerdem noch ein paar Worte an den Nightfighter richten.“


Wieder setzt es eine künstlerische Pause und er sucht den Blickkontakt mit seinen Fans im Theater, ehe er weiterspricht.


Zereo Killer: „Ich bin unfassbar froh, dass wir unser blutiges Kriegsbeil begraben haben, danke dafür. Ich glaube ich bin so weit, dass ich sagen kann, dass ich dir und auch mir selbst vertrauen kann, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen werden, aber… dass wir keine Gruppierung geworden sind, finde ich sehr schade. Wir drei hätten gemeinsam sehr viel erreichen können, zusätzlich noch deine Partnerin und Raymonds Sohn Kyle. Wir wären eine starke Fünfergruppe gewesen, aber das solls wohl aufgrund unterschiedlicher Umstände nicht zustande kommen.

Ich will dich daran erinnern, dass ich genau weiß, was in unserer Vergangenheit los war… und genau das will ich vergessen, verstehst du? Ich hab dir verziehen, ein Teil von mir… kann es eventuell nie, diesen Teil will ich verdrängen! Denn ich – wie gesagt – vertraue uns Beiden.

Desweiteren will ich auch den Teil verdrängen, als ich meine Zereo Army betrogen habe, darauf bin ich nicht stolz, und ich bin verdammt froh, dass mir die Wrestlingwelt verziehen hat!“


Er geht bedächtig in sich und senkt den Kopf. Mit jeder Faser seines Körpers und auch in der Mimik erkennt man ganz genau, dass es ihm niemals ganz los lassen wird, seine dunkelsten Stunden. MacKenzie hasst seine Zeit als „Bösewicht“.


Zereo Killer: „Und vergleiche mal die unterschiedlichen – ich nenne es mal – Phasen, die ich in meiner Karriere hatte. Als meine Zereo Army und ich zusammengehalten habe, mit der Zeit, als ich mich gegen sie gestellt habe. Fällt dir etwas auf? Ich bin tausend Mal stärker, wenn ich meine Fans hinter mir habe, als wenn ich nur auf mich schaue! Ihre Jubelrufe, ihre Liebe, das alles gibt mir unglaublich Kraft! Und wenn ich glaube, ich kann nicht mehr, dann höre ich meine Fans, wie sie meinen Namen nennen!“


Er schaut durch das Publikum, welches von einem Moment auf den Anderen extrem laut wird. Sein Leuchten in den Augen ist mit Nichts auf der Welt zu vergleichen. YOU STILL GOT IT hört man von den Rängen, mit französischem Akzent, aber man kanns verstehen. Das zaubert dem Mann aus den Staaten ein Lächeln ins Gesicht. Selbstbewusst steht er da und fährt fort.


Zereo Killer: „Ich bin Zereo Killer, ich weiß dass ichs drauf habe! Der Schlachtruf I STILL GOT IT gehört ab heute der Vergangenheit an! I am Zereo Killer – and I am still here! Das ist das was zählt!“




YOU ARE STILL HERE!!!


CLAP CLAP CLAPCLAPCLAP!!!


YOU ARE STILL HERE!!!


CLAP CLAP CLAPCLAPCLAP!!!


YOU ARE STILL HERE!!!


CLAP CLAP CLAPCLAPCLAP!!!




Zufrieden blickt Mr. #ISTILLGOTIT durch die Crowd, denn sein Publikum hat ihm seinen Wunsch erfüllt. Aber mal ehrlich, das war überfällig, wir alle wissen, dass es Zereo Killer noch drauf hat!


Zereo Killer: „Danke, Zereo Army.“


Zufrieden ziehen sich seine Lippen in die Horizontale, aber er scheint noch nicht fertig zu sein.“


Zereo Killer: „Bei einer Sache muss ich dir allerdings widersprechen, Mad Dog… Ich reite nicht auf einer Nostalgiewelle. Ich genieße jede Sekunde im Hier und Jetzt, und mache das, solange ich kann, solange mir mein Körper keinen Strich durch die Rechnung macht! Ich bin ein Mensch wie jeder Andere auch, hab einige Fehlentscheidungen getroffen, welche auch zu meinem Leben gehören, doch ich wachse dadurch genauso, denn solche Fehler will ich nicht mehr machen. Will ich mich selber, wenn ich alt bin, daran zurückerinnern, dass das Gute im Ring überwog und ich nicht das Arschloch geblieben bin, welches ich zweimal für relativ kurze Zeit war? Ja, natürlich! Ich will und werde in Erinnerung bleiben, mein Vermächtnis ist längst gemacht, ich baue es lediglich noch aus. Ich will eines Tages mit Stolz zurückblicken können. Und natürlich gehört die Fehde mit dir dazu. Ich werde auch niemals vergessen, dass du der Einzige warst, der mich jemals durch Referee Stop besiegen konnte…“


Fans der GFCW können sich an dieses heftige Match von damals in der GFCW erinnern. Der damalige PCWA Wrestler S1margl besiegte den GFCW Wrestler Zereo Killer in der GFCW durch Referee Stop!


Allerdings besiegte auch Zereo Killer S1margl in der PCWA in einem absolut irren Glasshouse Match.


Er blickt an seinen Oberarmen herab und fährt sich über eine Narbe. MacKenzie weiß genau, dass einige davon von der besagten Schlacht stammen.


Zereo Killer: „Dennoch, ich will all die negativen Gedanken hinter mir lassen. Ich freue mich darauf, dass unser Kriegsbeil begraben ist. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinem genialen Tag Team Partner ein faires, aber hartes Match gegen euch zu bestreiten. Ohne Blut, ohne unfaire Mittel, möge einfach der Bessere gewinnen! Und auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt. Das werden wir sein, denn wir stehen immer wieder auf und kämpfen weiter!!!“

Morbeus: “ Maddy. Wir werden hoffentlich in den nächsten Wochen häufiger die Klingen kreuzen! Ich denke du kommst, wenn du an Conquista denkst, schon gehörig ins Schwitzen. Das liegt an deiner besseren Hälfte. Deine Partnerin hat bei der Battle Royal ja doch schon ziemlich abgelost! Stella, Stella, balla, balla. Die hat se doch nicht mehr alle. Großkalibrig mit dem Mundwerk Forderungen stellen und du musstest die Kohlen aus dem Feuer holen. Das wird gegen die CHAMPIONS nicht langen. Das weißt du und das weiß Stella Bella. Wenn sich Zereo freut, dass ihr das Kriegsbeil begraben habt, dann komme ich nicht darum hin zu sagen: Lass es uns wieder ausgraben! Alles andere ist doch ein riesen Schmarrn. Wir sind keine Marktbegleiter oder was das momentane Marketing-Sprech für Rivalen eben benutzt, um alles möglichst samtweich zu formulieren. Hier geht es um die Wurst. Im Team oder vielleicht bald ONE-ON-ONE! Wir sind Gegner, aber nur einer oder ein Team kann gewinnen. So war es immer und so wird es immer sein!“


Die Zuschauer finden die weitere Zuspitzung eigentlich ganz klasse und glucksen vor sich hin.


Morbeus: „Adressiert werden müssen aber noch die Black Wyrms! Ihr beide werdet gleich erleben, in welch einer unfassbar guten Verfassung sich ZERBEUS gerade befinden. Euer Lehrgld liegt schon mal bereit!“


Kampfeslustig stellt sich der Mann aus den USA neben dem Kanadier, simultan halten sie die Tag Team Gürtel in die Höhe. MacKenzie ergreift ein finales Mal das Wort.


Zereo Killer: „Anhand der Black Wyrms werden wir euch zeigen, was Tag Team Wrestling bedeutet! Macht euch am Besten keine Notizen, denn das könnt ihr sowieso nicht schaffen uns nachzuahmen.“


Double Mic-Drop und die Musik STAND UP AND FIGHT setzt ein! ZERBEUS klettert simultan auf die jeweils gegenüberliegenden Ringecken und recken ihr Tag Team Gold in die Höhe.



"In einer Welt, in der jeder kämpfen will...

...aber nur wenige Geschichte schreiben...

...entsteht eine Bühne für Mut...

...für Leidenschaft...

...für den ultimativen Kampf.

Grenzen werden überschritten.

Träume werden wahr.

Und jede Sekunde entscheidet über Ruhm oder Niederlage.

Das ist nicht einfach Wrestling.

Das ist...

GFCW.

Die Action beginnt JETZT."