Backstage, an einem Ort, wo zu früheren Zeiten viele magische Momente geschehen sind: dem Parkplatz. Von plötzlich ankommenden Autos über demolierte Autos bis hin zu gar brennenden Autos und verprügelten Ordnungskräften inklusive dem Einsatz von Fäkalien - glaubt man den Historikern, so war es früher undenkbar, dass eine Show ohne Schaltung hierher auskommen könnte. Oder zwei Kameraschaltungen oder drei oder zehn. Ob der nahenden Anniversary Show, die 25 Jahre GFCW zu feiern gedenkt, bietet es sich natürlich an diesen Ort zu würdigen und hier ein Interview zu führen, wo früher manch Superstar von diversen Frauen in Bikinis empfangen worden sein soll. Bikinis gibt es zwar nicht, Frauen aber sehr wohl, um genau zu sein derer drei: GFCWs Interviewerin Tammy – hat eigentlich irgendwer im neuen Jahr irgendwo Mac Müll gesehen? - sowie zwei Frauen von der Lerbitz Performance Group: deren Oberhaupt Miria Saionji sowie die Phönixfrau Milly Vermillion, also genau jene beiden Damen, die den ersten Main Event des neuen Jahres vor zwei Wochen gegeneinander bestritten haben.


Tammy: „Heute ist ein interessanter Tag für die Lerbitz Performance Group, treffen doch zwei Teams aus dem LPG Förderkader direkt aufeinander. Holen wir uns daher doch die Gedanken der Chefin des Förderkaders ein: „The Aion“ Miria Saionji.“


Die mit wenig Skrupeln ausgestattete Japanerin ist wie üblich in ihr weißes Minikleid gehüllt und trägt einen teuer aussehenden Hut auf dem schwarzblonden Schopf. Nicht nur das, auch eine teure Perlenkette sowie ein Knöchelreif aus Jade schmücken die Frau mit der mehr als bodenlangen Haarpracht und dem leicht mittig gescheitelten Pony. Sicherlich Neujahrsgeschenke ihrer „Fans“, die sie hier protzig zur Schau stellt.


Miria Saionji: „Oh, meine Gedanken zu diesem Match sind ganz simpel: wer auch immer dieses Match gewinnt, hat beste Argumente einen Titelkampf bei der Anniversary Show einzufordern und es spricht absolut für uns, die Lerbitz Performance Group, dass wir zwei so hochtalentierte Teams in unseren Reihen haben, welche die Zukunft der GFCW Tag Team Division bestimmen werden.“


Sie trägt dies vor mit der Stimme einer Frau, die entweder sehr geschäftig nach Business klingen möchte oder alternativ mit der Stimme einer Frau, die über etwas sprechen muss, das sie eigentlich gar nicht interessiert. Wer vermutet, es könnte beides sein, liegt goldrichtig. Miria würde lieber über Miria sprechen als über das Match der Black Wyrms gegen Fenrir & Jörmungandr, aber wo sie es schon mal muss kann sie halbherzig eine Fassade aus Business Talk errichten.


Tammy: „Moment! Das Match zwischen T’n’B und der Douglas Dynasty war als #1 Contender Match festgesetzt worden. Es sollte daher offensichtlich sein...“

Miria Saionji: „Was offensichtlich ist, das ist Folgendes: T’n’B haben wir im letzten Jahr lediglich in der Saloon Battle Royal gesehen und die Douglas Dynasty hat im gesamten letzten Jahr nicht ein einziges Tag Team Match gewonnen. Sicherlich, bei einer Anniversary Show möchte man als Fan ein paar alte Helden sehen, doch diesen alten Helden für alte Verdienste Titelchancen zuzuwerfen, ist genau das Fehlverhalten des Office, über dass sich Herr Iopeka in der letzten Show so ausgiebig ausgelassen hat.“


Bisher hat Miria Saionji es bei ihrem Aufstieg innerhalb der LPG vermieden sich Feinde zu machen, doch das GFCW Office geht sie nun direkt an. Mit einem boshaften Lächeln im Gesicht. Das boshafte Lächeln einer Frau, die dank den Ressourcen der LPG nicht auf das Wohlwollen des Office angewiesen ist und daher keine Bereitschaft hat auch nur im Ansatz Freundlichkeit zu heucheln.


Miria Saionji: „Obgleich es mich auch nicht wundert, dass ein Commissioner, den man so selten sieht, dass manch neuer Fan nicht einmal weiß, dass er überhaupt existiert, ein Faible für Leute hat, die nur ein Mal im Jahr auftauchen. Oder anders gesagt, dass ein alter Mann daran Interesse hat, die Vorherrschaft der alten Männer aufrecht zu erhalten. In meiner Heimat Japan ist dies auch ein gängiges Problem, obgleich bei uns der Status eines Senpai zumindest nicht gänzlich ans Alter gebunden ist, sondern primär ans Dienstalter. Was sehr viel mehr Sinn macht, als Alter an sich zu glorifizieren.“

Tammy: „Moment! Wenn du das Dienstalter als Respektgrundlage sinnvoll findest, solltest du dann nicht T’n’B und der Douglas Dynasty Respekt zollen? Besonders Titan und Tha Bomb sind an Langjährigkeit hier bei GFCW quasi nicht zu übertreffen.“


Mirias boshaftes Lächeln wird breiter.


Miria Saionji: „Erst einmal erinnere ich mich nicht daran Euch das „du“ angeboten zu haben, aber in meiner grenzenlosen Güte werde ich es erlauben, um nicht vom eigentlichen Thema abzulenken. Gestattet mir eine simple Frage: Wer war denn bei Title Night dabei… und wer nicht? Genau. Wir von der LPG waren da, die Douglas Dynasty und T’n’B waren es nicht. Dasselbe gilt für viele, viele Wochen und Monate zuvor. Soll heißen: auch wenn sie früher schon mal hier waren, sind sie doch Rückkehrer und daher jetzt im Moment kürzer hier als wir. Soll heißen wir sind jetzt die Senpais und sie sind diejenigen, die erst vor zwei Wochen hier wieder angefangen haben. Weswegen sie sich auch hinter uns anzustellen haben. Und nur für den Fall, dass es nicht offensichtlich sein sollte: wir werden weder einem Commissioner noch zwei alten Tag Teams erlauben und respektlos zu behandeln und zu übergehen.“

Tammy: „Was heißt das genau?“

Miria Saionji: „Ich denke ich habe mich klar genug ausgedrückt.“


Mirias Lächeln ist nun fast so breit wie Meathook. Metaphorisch gesprochen. Während Tammy überlegt, wie sie Miria vielleicht doch noch zu einer zusätzlichen Aussage bewegen kann, sticht ihr ein Geruch in der Nase, welcher gleichermaßen stinkt wie Alarmglocken weckt.


Tammy: „Moment… irgendwas stinkt doch hier und wir sind es nicht… was ist das für ein Geruch? Brennt… brennt hier etwas?“


Tammy blickt sich um und auch die Kamera sucht den Ausgangsort des Geruchs, der unweigerlich mit Qualm verbunden ist. Und obgleich dieser Quell außerhalb des Sichtfeldes bleibt, so sieht und hört man einige Backstagemitarbeiter panisch mit Feuerlöschern herumrennen.


Beeilung! Beeilung! Das Auto vom Commissioner Fletcher brennt!

Wie konnte das nur passieren?! Ich dachte die Zeiten, in denen Autos abgefacket werden, sind lange vorbei!


Mit falscher Bestürzung hält sich Miria die Hände vor den Mund.


Miria Saionji: „Gute Güte, wie konnte das nur passieren? Hast du eine Ahnung, wie das passieren konnte Milly? Als Expertin für Feuer hast du doch bestimmt eine Idee wie das passieren konnte.“


Die kleine Phönixfrau mit der blond gelockten Haarpracht stand bisher ziemlich unbeteiligt neben Miria. Und auch jetzt sind die Arme teilnahmslos verschränkt und der Stand zwar feminin, aber relaxt, als ob sie das alles hier nichts angeht.


Milly Vermillion: „Da wird wohl jemand ein gewisses Cocktail hineingeworfen haben, zur Feier der alten Zeiten, passend zur Anniversary Show.“


Die Kanadierin im feurig gefiederten Poncho zuckt mit den Schultern, wie um ihre Teilnahmslosigkeit zu bekräftigen.


Milly Vermillion: „Natürlich hätte ich fantastischer Phönix dieses Feuer auch aus eigener Kraft ganz leicht legen können. Hab ich aber nicht, hab ja keine Lust diesen Stalkern von dieser Organisation, die uns mächtige Wesen zu regulieren sucht, einen Grund zu geben mich zu nerven.“

Tammy: „Ähm, was?“

Milly Vermillion: „Es gibt scheinbar irgendeinen internationalen Geheimdienst, der darauf spezialisiert ist mächtigen Wesen, wie ich eines bin, auf den Keks zu gehen, damit die Menschheit sich einreden kann, dass es uns nicht gibt und sicher vor uns ist oder was auch immer. Typischer menschlicher Größenwahn. Als Phönix und Drache wird man reguliert, aber ins Weiße Haus darf jeder rein. Bisschen falsche Prioritäten, aber das kennt man von euch Menschen ja.“


Tammy guckt Miria fragend an, was diese Aussage nun schon wieder zu bedeuten hat, aber da diese nur abwinkt, ist es wohl nichts von immanenter Bedeutung, also etwas, das ruhig ignoriert werden kann.


Tammy: „Okay, ehe ich beginne den Verstand zu verlieren, kommen wir zurück zum sportlichen: in der letzten Show hattet ihr ein Match gegeneinander, das Miria Saionji nicht ganz fair gewonnen hat. Scheinbar versteht ihr euch aber immer noch recht gut?“

Tammy: „Okay, ehe ich beginne den Verstand zu verlieren, kommen wir zurück zum sportlichen: in der letzten Show hattet ihr ein Match gegeneinander, das Miria Saionji nicht ganz fair gewonnen hat. Scheinbar versteht ihr euch aber immer noch recht gut?“


Die Frage ging eigentlich an Milly, aber Miria dirigiert das Mikrofon zu sich.


Miria Saionji: „Als Kopf des Förderkaders ist es meine Aufgabe zu fordern und zu fördern und so habe ich dieses Match genutzt, um Milly etwas beizubringen – und zwar, dass sie stets auf Hinterlist gefasst sein muss. Besser sie lernt es gegen mich in einem Match, in dem es nicht um viel geht, als in einem Match gegen Darragh Switzenberg um den Intercontinental Title, nicht wahr?“


Tammy nickt, obgleich nicht allzu stark. Quasi ein verstehendes Nicken, statt ein zustimmendes, so sehr sie auch gern zustimmen würde. Aber die Regeln des Darragh Switzenberg sind noch immer in Kraft und beschränkt ihre Möglichkeiten irgendetwas zu sagen, das Darragh Switzenberg schlecht aussehen lassen könnte.


Miria Saionji: „Es ist zu verzeihen, dass Milly nicht mitbekommen hat, dass ich ein Top Turnbuckle manipuliert habe. Ja, sogar derer zwei kann man vielleicht im Eifer des Gefechts nicht mitbekommen. Aber dass ich alle vier sabotieren konnte? Das sollte einem so mächtigen und weisen Phönix nicht passieren.“


Millys Mundwinkel zeigen nach unten, aber sie… nickt die Aussage ab.


Milly Vermillion: „Wo sie recht hat… ja, das hätte mir nicht passieren dürfen. Natürlich war dies auch ihre einzige Chance zu gewinnen, fair hätte sie dies nie und nimmer geschafft.“


Milly wirft einen erhabenen Blick zu Miria, die ihr mit gespielter Freundlichkeit zulächelt. Als ob Miria überhaupt je den Gedanken gehabt hätte sich die Mühe geben zu wollen es auch nur fair zu versuchen.


Milly Vermillion: „Das erinnert mich an jemand anderen, gegen den ich nie und nimmer hätte verlieren dürfen und mit dem die Rechnung noch immer nicht gänzlich beglichen ist: Meathook!“


Augenblicklich, um nicht zu sagen plötzlich, ändert sich Millys Körpersprache. Sie wird forsch. Wie auch ihre Stimme vor innerem Feuer zu lodern beginnt.


Milly Vermillion: „Du Fleischwand hast keine Unterwelt zu bewachen und bestimmt auch bei der Show in Hagen keine anderen Pläne, also stell dich mir, auch ohne dass ich eine Voodoopuppe in die Lava werfe! Und bereite dich schon mal seelisch darauf vor von mir gegrillt zu werden, du vor fett triefendes Barbecue!“



Die GFCW-Karriere von Ask Skógur ist wahrlich eine Berg- und Talfahrt. Vor allem, was seine emotionale Verfassung dabei angeht. Mal ist er der gut gelaunte Typ aus dem Wald, mal droht er an dem Einfluss eines fiesen Manipulatoren zu zerbrechen. Mal gewinnt er einen Titel, um eine erfolgreiche Titelregentschaft zu beginnen, mal versinkt er in existentialistischen Selbstfindungskrisen.

Aber wäre alles nicht so und wäre es viel einfacher, dann wäre es auch nicht Ask Skógur, von dem wir hier sprechen. Der ewige Kampf mit sich selbst bestimmt Ask wohl so sehr, wie kaum etwas anderes – nicht mal seine Verbindung mit der Natur dürfte da herankommen.

Jedenfalls befinden wir uns jetzt wieder in einem Auf, wenn man so will. Das Jahr des Hirsches endete – nicht ganz so, wie Ask es sich vorgestellt hat, aber dennoch zufriedenstellend – und jetzt kann der Blick nach vorn gerichtet werden. Vor zwei Wochen hat er um Vergebung für seine Schuld gebeten und diese von den einzigen Menschen erhalten, die dazu in der Lage sind, ihm diese Absolution zu erteilen. Den Fans.

Und heute ist Ask backstage mit am Start, wenngleich er auch kein Match hat. In zerzaustem Haaransatz, Wollpullover und wie eingangs erwähnt, mit guter Laune, läuft er also Backstage entlang. Auf dem Weg zu einem Interview? Auf den Weg in die Halle? Nunja, keine Ahnung, was auch immer, Monicas Match steht als nächstes an, vielleicht will er da kurz reinschauen? Was auch immer sein Plan ist, er kommt nicht dazu diesen auszufüllen, denn er wird vorher unterbrochen.


The End: „Der Mann aus dem Wald. Lange nicht gesehen.“


und zwar von niemand geringerem als dem GFCW World Champion The End. Und seine Begrüßung gibt uns die Möglichkeit darüber nachzudenken, wann die Beiden wohl das letzte Mal aufeinandergetroffen sind. Tatsächlich ist eine größere Auseinandersetzung zwischen End und Ask bisher eher ausgeblieben, aber es gab sie. Einst trafen End und Ask in einem Match aufeinander, was kurzerhand von Leviathan unterbrochen wurde – daraufhin waren End und Ask sogar kurz Teampartner in einem Tag Team Match gegen selbige, was sie verloren haben, woraufhin End Ask den Endless Pain verpasst hat. Seitdem hat Ask durchaus hin und wieder den Kampf mit The End gesucht und ihn sogar gefunden, als Ask seinen GFCW Intercontinental Championship gegen World Champion End aufs Spiel setzen musste. Und siehe da, Ask war einer der wenigen, der End sogar besiegen konnte, wenn auch nur durch Countout.

Es gibt also Geschichte zwischen den Beiden, aber noch vielmehr Potential für die Zukunft. Und nach Ends Aussage zu Beginn der Show und Asks unbestrittener Position in den oberen Rängen der GFCW-Card, dürfte das Potential wohl eher für die Gegenwart bestehen.

Ask hält auf jeden Fall an und schaut zu End, der ihn seinerseits ebenfalls beäugt. Abseits der Titelambitionen dürfte es aktuell wohl keinen Grund für einen wirklichen Beef zwischen den Beiden geben…

andererseits weiß man nie.


Ask Skógur: „Tja, du warst ne Weile weg, Champ.“


Auch, wenn es keinen Beef gibt, liegt in dieser Antwort durchaus etwas Vorwurf drin. End verschwand, nachdem ihn Aldo Nero besiegt hat, zu genau der Zeit, als Ask die Führung der Liga übernommen hat… die ironischerweise ebenfalls von Aldo Nero beendet wurde. In jedem Falle hat Ask für einige Zeit das Zepter von The End übernommen.


The End: „Tja… scheint, als hätte ich einfach etwas Zeit für mich gebraucht.“


Nicht weniger subtil-provokant wie Asks Ansage, entgegnet ihm End, denn Ask dürfte wohl ein Experte darin sein, sich aus dem Staub zu machen, wenn er eine große Niederlage eingefahren hat. Er zieht sich in seinen Wald zurück, nichts anderes hat The End getan, wenn auch deutlich länger und naja… wohin genau er sich zurückgezogen hat, das wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Es entwickelt sich ein doch spannungsgeladenerer Staredown, als erwartet, der allerdings von The End unterbrochen wird.


The End: „Nun… ich bin hier, weil… du das hier willst.“


Auf Ends Schulter weilt selbstverständlich der GFCW World Championship Titelgürtel, den Ask natürlich durchaus mitbekommen hat, nur wollte er wohl noch nicht zu ihm schauen, aus Angst, ihm wieder zu verfallen, nachdem End ihn nun aber thematisiert hat, kann er sich nicht mehr gänzlich dagegen wehren. Asks Augen wandern für einen kurzen Moment zum Titel und dann wieder zu End.


Ask Skógur: „Will ich das?“

The End: „Willst du nicht?“


Asks Antwort ist wohl vielmehr der Versuch End nicht direkt das geben zu wollen, was er will, denn, dass es hier irgendeinen Haken geben muss, ist für jemanden, der so viel Zeit mit einem gewissen James Corleone verbracht hat, ja wohl offensichtlich. Aber natürlich will er den Titel zurück, genau das hat er ja vor zwei Wochen auch gesagt.

Einen gewissen Respekt vor der Macht, die dieser Titel über ihn hat, hat er aber dennoch, was wohl wiederum der Grund dafür sein dürfte, dass Ask eben noch nicht zu The End gegangen ist, um das Titelmatch zu fordern.

Also, ja. Ask will den Titel. Aber… ist es wirklich eine gute Idee?


The End: „Glaub mir, du willst. Du weißt um die Bedeutung, die dieser Preis hat und du weißt, wie gut es sich anfühlt, ihn zu halten. Es mag da gewisse… Komplikationen… gegeben haben, aber du bist darüber hinweg, habe ich Recht? Und nun, das muss ich neidlos anerkennen, gibt es wohl kaum jemanden, der würdiger ist, gegen den ich diesen wertvollsten Preis der Liga, aufs Spiel setzen könnte, als gegen dich.“


So richtig klug scheint man nicht daraus zu werden, wie End diese Worte hier spricht. Er scheint das schon ernst zu meinen, seinen Respekt vor Ask, aber es hat auch etwas davon, als wolle The End auf Asks angedeutete Vorbehalte gegenüber dem Championship anspielen, um ihn dadurch… zu verunsichern?


The End: „Und wo würde es besser passen als bei der großen Jubiläumsshow der GFCW?“


GFCW World Championship: The End, als Champion gegen Ask Skógur, als Herausforderer. Na das wäre doch mal ein Match und dennoch…


Ask Skógur: „Und das einfach so?“


Ask hat zu viel Zeit in der GFCW verbracht, als, dass er so einfach auf so eine Finte hereinfällt.

Aber dann… es ist der GFCW World Title und dieser hätte ihn fast vollständig in den Wahnsinn getrieben. Vielleicht ist der Haken an der Sache, dass es keinen gibt und die Möglichkeit darauf, dass alles wieder so wird, wie es war, könnte das Schlimme an dieser Sache sein.

Ist es das wert?

Ask hadert mit sich und End wiederum merkt das. Und daraufhin… scheint dieser… naja… nett zu werden?


The End: „Es ist… nicht einfach so. Du bist einer der besten Wrestler dieser Liga und du hast die Krone hochgehalten, als ich nicht da war. Du magst… gegen finstere Mächte verloren haben, aber wer hat das nicht?“


Bei diesen Worten ist die Aufrichtigkeit dann doch wieder etwas deutlicher herauszuhören und auf wen End mit den „finsteren Mächten“ anspielt, dürfte auch klar sein.


The End: „Und bei Title Night… da hast du den nächsten großen Sieg eingefahren, also…“

Ask Skógur: „… also wäre es optimal, wenn du genau diese Person besiegst, was?“


Und da scheint es Ask einzuleuchten. Will End dieses Match etwa nur, um sich selbst zu profilieren und seine eigene Stellung an der Spitze weiter zu forcieren? Bei Ask scheint in jedem Falle noch nicht vollends angekommen zu sein, dass End jetzt ein Guter ist.

Wobei… ist er das eigentlich… so richtig?

Aber es scheint, als hätte The End auch hier eine richtige Antwort parat. Seine süffisante Art weicht nun und nun geht er auch etwas mehr in die Offensive.


The End: „Natürlich wäre es das. Ich bin der GFCW WORLD CHAMPION und das bringt mich in die einzigartige Position, dass ich DER beste Wrestler der Liga sein MUSS und das kann ich nur, wenn ich gegen die besten Wrestler der Liga antrete. Nur dann kann ich besser sein als die Besten.“


Eine Logik, der niemand geringeres als Ask Skógur zu seiner Regentschaft ebenfalls gefolgt ist.


The End: „Die Frage ist… gehörst du noch immer zu den Besten… oder vertue ich hier meine Zeit?“


Wieder sehr aufrichtig, sehr bestimmt und es wirkt fast schon so, als wäre The End langsam beleidigt, dass er bei Ask – dem Typen, der immer ALLES dafür getan hat, ein World Title Match zu bekommen – so betteln muss.

Und das wiederum scheint Ask nun ein Gefühl zu geben, dass End hier wirklich der Sache wegen ist und das sein Anliegen hier tatsächlich aufrichtig zu sein scheint.

Und daraufhin…


grunzt Ask. Bestimmt, entschlossen und mit Siegeswille.


Ask Skógur: „Wenn du es so sehr darauf abgesehen hast, dass deine Titelregentschaft schon wieder endet, bevor sie richtig angefangen hat, dann soll es nicht an mir scheitern.“


War das also jetzt eine Zusage?

Nun, End schmunzelt zumindest, was dann scheinbar… Ja… bedeutet? Nach einem weiteren Schmunzeln nickt End Ask noch einmal kurz zu, bevor er schließlich wieder verschwindet. Scheinbar hat er was er will und dementsprechend scheint seine Strategie aufgegangen zu sein. Er ist ans Ziel gekommen, wenn auch etwas Überredungsstrategie dahintersteckt.

Ein Vorgehen, dass er beim besten gelernt hat.

Nachdem End nun aber verschwunden ist, sehen wir Ask, der zurückbleibt und dessen Entschlossenheit nun wieder etwas leiser wird.

Der Weg zurück zum Titel dürfte schwieriger werden, als erwartet und wieder einmal ist sein größter Feind dabei nur einer:

Er selbst.


Singles Match
Monica Shade vs. Mike Müller
Referee: Robin Stahlbrand


Man kann nicht wirklich von einem "bekannten" Song sprechen, dafür ist Mike Müller viel zu selten zu dieser Musik in den Ring gekommen. Aber zumindest der eine oder andere hier in Bochum kann sich daran erinnern, zu wem diese Musik gehört, und als Müller dann schließlich auf die Stage tritt, mit einem Grinsen das breiter ist als Iray Burch, wird es auch ein wenig lauter.

Es wäre natürlich eine unglaubliche Geschichte, wenn Müller nach dem Niedergang aller seiner Peiniger - dem Greatest Pigster, Lorenz, in gewisser Weise Aiden Rotari - in der GFCW durchstarten würde und alle Kritiker Lügen straft.

Und zumindest Mike scheint ohne wenn und aber daran zu glauben, dass genau das heute passieren wird. Von Unsicherheit oder Nervosität ist keine Spur. Er zeigt beim Lächeln die Zähne, während er mit allen Fans, die Lust drauf haben, in der ersten Reihe auf dem Weg zu seinem Match abklatscht.

Vielleicht kostet er aber auch nur den Moment aus, wohl wissend, dass er ohne eine starke Performance heute wohl kaum weitere Bookings bekommen wird. Und Monica Shade wird, nachdem sie einige Matches im letzten Jahr gegen große Namen verloren hat, sicherlich nicht zulassen wollen, dass sie nun auch noch gegen einen eher nicht so großen Namen verliert - allein schon, um Stella Nova nicht noch mehr verbale Munition zu geben, als die sowieso schon hat.

Müller hüpft voller Elan jeden Schritt die Ringtreppe nach oben, springt eher dass er klettert auf die Seile in der Ringecke und post für die Fans, mit einem Leuchten in den Augen und einer Lockerheit, die man sowohl als beeindruckend als auch als unangemessen auslegen könnte. Ist Mike Müller selbstbewusst oder größenwahnsinnig? Die korrekte Interpretation ist wie so oft stark vom Resultat und in geringerem Maße von der Performance abhängig.

Der ehemaliger Pigster genießt das Rampenlicht sichtlich, und lässt sich für seinen Entrance ordentlich Zeit. Jede der vier Ringecken wird erklommen, Arme werden in die Höhe gerissen und Schweine werden verflucht, ohne, dass Müller groß zu interessieren scheint, was irgendwer sonst davon hält. Das hier ist schließlich sein Moment, der Beginn seines großartigen Redemption Arcs und als Main Character der Geschichte nimmt er es sich heraus, jede Sekunde auszukosten, hat er doch so lange darauf gewartet, eine Chance wie diese zu bekommen.

Nichts wird zwischen ihn und seinen großen Traum kommen.

Nichts und niemand.

Oder?


OINK~! OINK~! OINK~!



Doch, etwas steht zwischen dem ehemaligen Schwein und seinem Traum und zwar ausgerechnet eine Schweinehirtin. Jene Frau, die ihn dafür geliebt hätte, wäre er der Great Pigster geblieben. Doch so ist es das genaue Gegenteil. Die Frau, die menschliche Leopardin aus Long Island, sie empfindet keine Liebe, sondern Hass. Hass, der sich in ihren violetten Augen unweigerlich widerspiegelt, wie die rosarot bezopfte US Amerikanerin durch den Vorhang tritt.


Pete: „Bisher waren Monica Shades Matches hier bei GFCW zumeist sportlich motiviert. Lediglich gegen das Switziverse waren auch Animositäten im Spiel. Aber sogar diese verblassen verglichen mit den negativen Emotionen, die Monica für Mike Müller empfindet, weil durch ihn „Greatest Pigster“ Maximilian Lunenkind aus GFCW geflohen ist.“
Sven: „Ich hätte nie gedacht einmal diesen Satz zu sagen, aber ich kann gut verstehen, wie Monica sich fühlt. Ihr geht es mit dem Greatest Pigster so wie mir mit dem großartigen, schmerzlich vermissten Aldo Nero.“


Man kennt es mittlerweile: die in ein eng anliegendes Top, eine kurze Hose sowie halbhohe, klobige Stiefel und ausladende Unterarmschoner gehüllte Monica Shade, die nun zum Ring kommt, ist nicht die locker-flockige Monica Shade, die Backstage Interviews gibt oder verplant, dass der Mensch Maximilian Lunenkind und das Kampfschwein Maximilian Lunenkind ein und dieselbe Lebensform waren. Ihr konzentrierter Blick, ihre bedächtigen Schritte, das ist einmal mehr eine Raubkatze auf der Jagd. Aber nicht auf der Jagd nach einer leckeren Beute, nein, sie will ihre Beute einfach nur zerreißen, zerfleddern, zerfleischen. Wie üblich platziert Monica auf dem Weg zum Ring ihre „Strategin“ Lady Rosi, das wie immer von ihr mit herumgeschleppte Stoffschwein, bei den Kommentatoren, aber den beiden wirft sie keinen Blick zu. Ihre Aufmerksamkeit gilt einzig und allein dem etwas über 1,90 großen Mann im Ring, der eigentlich physikalisch gesehen der große Favorit in diesem Match sein müsste. Jene, die heute erstmal einer GFCW Show beiwohnen werden irritiert davon sein, dass dieser große, starke Mann nun überhaupt der Gegner dieser 1,69 kleinen Frau sein soll und es Monica Shade gegenüber unfair finden, dass sie so einen übermächtigen Gegner hat.

Doch alle, die nicht komplett neu sind, die wissen es besser: um seinen Traum von der GFCW Karriere weiter träumen zu können, wird Mike Müller die beste Leistung seiner Karriere brauchen. Und selbst das könnte gegen diese Gegnerin in dieser mentalen Verfassung zu wenig sein.


Referee Robin Stahlbrand ermahnt beide zu einem fairen und sportlich sauberen Match, in der vagen Hoffnung der Brutalität vorzubeugen, die Iray Burch gegen Rasmus Rantanen gezeigt hat oder der Zerstörung, die Robert Breads gegenüber Aiden Rotari ausgeübt hat, aber es dauert nur wenige Sekunden, bis zwei Dinge klar werden: Mike Müller ist definitiv der krasse Außenseiter und für ihn geht es nicht nur um seinen Traum, sondern auch seine Gesundheit.


Denn als Mike Müller versucht gegen Monica Shade in den Lock Up zu gehen, da ist diese mit einem Ausweichschritt hinter ihm, hat ihn umklammert und ausgehebelt: German Suplex in die Brücke, genau auf den Nacken. Fast hilflos zappelt der nicht gerade für seine Wrestlingtechnik bekannte Mike Müller und er kommt frei – weil Monica die Brücke bereits bei 1 selber abbricht. Nicht, weil sie glaubt, Mike Müller würde eh auskicken, sondern eher um sicherzugehen, dass sie sich darauf eben nicht verlassen muss. Monica Shade bestreitet dieses Match nicht, um Mike Müller zu besiegen.


Monica Shade bestreitet dieses Match um Mike Müller zu bestrafen.


Ein nonchalanter Stomp auf Mike Müllers linke Hand, auf dass dieser sich aufbäumt und dabei die Hand hält und somit schutzlos ist, passt da perfekt ins Bild: 
Backfist to the Future voll in die Fresse und Mike Müller kippt angeknockt um, bleibt kurz liegen und robbt sich dann gen Seile. Monica bedenkt ihn dabei mit mehreren Tritten, hilft Müller hocch, nur um seine Arme in den Seilen einzuhaken und eine ganze Salve an Punches, Chops und schließlich einen European Uppercut auf ihn abzufeuern.


Die Fans sind still.


Eigentlich mag man Monica Shade ja, gegen fast jeden anderen Gegner würde sie für ihre beherzte Offensive bejubelt werden – aber man mag eben auch Mike Müller und man würde Mike Müller gern weiterhin im Programm haben. Und dafür muss Mike Müller eine gute Leistung zeigen und im Idealfall gewinnen. Gerade eben beim Einzug war er doch noch so voller Tatendrang, sein Interview war so selbstbewusst. Aber wie er zu Boden geht, sich aus dem Ring zur Rettung rollen will, aber von Monica sofort verfolgt, gepackt und gegen Apron und Ringtreppe geknallt wird – in diesen Momenten weicht die Traumwelt der bitteren Realität: Mike Müller ist kein Gegner für Monica Shade. Das hier ist kein Match, das hier ist eine Raubkatze, die mit ihrer Beute auf geradezu diabolische Weise spielt und Schmerz zufügt, um des Schmerzes Willen.


Tatsächlich werden gar einige Buhrufe laut, inklusive einem Fan mit Mike Müller Plakat aus der ersten Reihe. Ein Plakat, das Monica ins Auge springt und den Fan strafend anfunkeln lässt. Der will eigentlich Mike Müller anfeuern, aber Monicas böser Blick lässt ihn verstummen, kein Laut will als seinem Hals kommen. Aber zumindest hat er Monica für ein paar Augenblicke von Mike Müller abgelenkt.


Als Monica sich wieder um Müller kümmert, kann der sie packen und mit aller Kraft runterziehen, sodass Monica nun selber mit der Ringecke kollidiert! Das hat Monica gespürt und torkelt zurück. Clothesline hinterher und Monica geht über das Absperrgitter in die Zuschauerreihen! Zwei Fans aus der ersten Reihe sollten auf ewig von dem wohligen Augenblick berichten, in dem Monicas fantastischer Zopf sie gestreift hat – während Mike Müller unter lautstarkem Jubel zurück in den Ring eilt! Jetzt ein Sieg durch Count Out und die Welt ist in Ordnung, zumindest für ihn. Und Robin Stahlbrand ist schon bei Sieben! Das muss doch reichen!


Acht! – aber Monica erhebt sich.


Neun – aber Monica ist mit einem Katzensprung über dem Absperrgitter und mit einem Zweiten hoch auf dem Apron.


Zehn – nein, die Zehn bleibt im Ansatz stecken, ehrlich gesagt war es nicht einmal so knapp, wie Mike Müller und seine Fans es in einem kollektiven Anfall von Wunschdenken halluziniert haben. Nichtsdestotrotz wurde neuer Mut gefasst, weswegen sich Mike Müller sogleich an neuer offensive versucht und seine Arme ausbreitet, um Monica zu umgreifen – und so sehr Monica umarmen zu wollen nachzuvollziehen ist, Monica will nicht und lässt Mike ins Leere greifen. Egal ob Bear Hug oder Belly to Belly Suplex, was auch immer Mike Müllers Intention war – Monica ist zu schnell und versetzt ihm prompt ein paar weitere leichte Schläge.

Mike Müller hört ins Publikum, hört den Zuspruch und wirbelt entschlossen herum, schlägt nun selber zu und das gar nicht mal schlecht. Jeder einzelne Punch vermutlich so wuchtig wie derer zehn von Monica. Pure Hypothese, die ohne Überprüfungsmöglichkeit bleibt, weil Monica jedem einzelnen Schlag ausweicht und mit ein paar schnellen Schlägen ihrerseits bestraft. Mike Müller mag ein Modellathlet sein, aber all seine Attacken sind viel zu vorhersehbar für die auf höchstem Niveau kampferprobte Monica Shade. Keine Finesse, keine Technik. Mike Müller bekommt allmählich Panik und schlägt umso unkontrollierter zu – immer schneller und… das funktioniert! Treffer!


Punch von Mike Müller!

Ja, normalerweise gibt es keinen Anlass einen Punch mit Einzelzeile und Fettschrift hervorzuheben, aber es ist eine gelungene Aktion, welche die Fans umso hoffnungsvoller werden lässt! Der Traum lebt! Und Monica hält sich das Gesicht. Das bedeutet Mike Müller kann nun endlich zupacken!


...aber wieder ausgewichen. Und nächster German Suplex. Erneut wird die Brücke nach einer Sekunde schon unterbrochen und erneut setzt Monica nach, mit diversen Stomps, einem eingesprungenen Elbow Drop und dann packt sie Mike Müller am Kopf, stopft diesen zwischen die Oberschenkel und beginnt die Arme zu packen. Ansatz zum Daedalus Destiny – und wie dessen Sohn Ikaros zu nah an die Sonne flog und abstürzte, so ist auch Mike Müller der Sonne namens Monica Shade zu nah gekommen. Mit einem Kraftakt hievt Monica Mike Müller empor… und dann heißt es abwärts!


Joah. Das wars dann wohl. Mike Müller liegt flach und Monica muss ihn eigentlich nur noch umdrehen und covern. Die meisten Fanrufe werden still – der Traum, er ist ausgeträumt. Und wird nun zum Alptraum, denn Monica ist noch nicht fertig mit Mike Müller. Sie tritt ein Mal zu, zwei Mal, drei Mal. Mike Müller rührt sich nicht, Robin Stahlbrand müsste jetzt eigentlich Mike Müller für kampfunfähig erklären. Aber so wie Thorsten Baumgärtner sich nicht getraut hatte Rasmus Rantanen vor Iray Burch zu erlösen, so macht nun auch Robin Stahlbrand nicht seinen Job. Wenngleich weniger aus Angst vor Monica und mehr, weil er Mike Müllers Traum nicht so enden lassen will. Vielleicht verliert sich ja Monica Shade in ihrem Zorn und Mike Müller kann davon doch noch einmal profitieren? Ja, vielleicht. Denn Monica erklimmt in aller Ruhe die Ringecke. Das wird das Finale.


5* Frog Splash!


Aber daneben! Mike Müller weicht tatsächlich aus! Die Fans jubeln auf und so gepusht greift Mike Müller zu – Belly to Belly Suplex! Cover… aber rasch der Kick Out. Ein enttäuschtes Raunen wird kurz laut und weicht weiteren Anfeuerungsrufen für Mike Müller. Jetzt oder nie, das ist seine große Chance. Aber wie soll er nachsetzen? Wohl kaum mit dem SCHWEIN, dieser Finisher ist für ihn mit dem Great Pigster Gimmick gestorben, nein mit dem will er nichts mehr zu tun haben. Stattdessen etwas, mit dem er seine Stärke zeigen und die Fans noch mehr anheizen kann? Na klar! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, fast so breit wie Gino Rieß, stemmt Mike Müller seine Kontrahentin hoch. Mühelos. Okay, es ist jetzt nicht so ganz überraschend, geschweige denn spektakulär, dass ein kräftiger 1,90+ Athlet eine zwar durchtrainierte aber doch vergleichsweise schmale Frau mit 1,69 Körpergröße hoch stemmen kann... aber dennoch, die Fans gehen ebenso steil wie es für Monica steil nach oben geht: Gorilla Press!


...nur ohne Slam. Monica kommt frei, landet in seinem Rücken und Zack – nächster German Suplex. Und wieder Stomps. Mike Müller bäumt sich auf und abermals dreht sich Monica. Doch auch wenn Mike Müller nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, lernfähig genug, um schützend die Hände zu heben und nicht wieder eine Backfist einzustecken, ist er dann doch.


...dumm nur, dass dieses Mal nicht die Fist zum Kopf aus der Drehung kommt, sondern der Double Hand Chop zur Brust: 
Dark Blade! Mike Müller hält sich die schmerzende Brust und kassiert prompt einen Kick gegen das Standbein, das ihn dazu veranlasst sich stolpernd nach vorn zu beugen – Backflip Kick! Müller torkelt rücklings und Monica spurtet los! Slingblade! Müller überschlägt sich und kommt auf allen Vieren aus. Die Leopardin aus Long Island setzt prompt mit einem weiteren Backflip Kick nach, dann ein Somersault Kick. Mike Müller torkelt nur noch, hinein in Monicas Arme. Mit Mühe hebelt sie ihn aus, hat ihn hoch zum Front Slam. Aber es wird kein einfacher Front Slam. Monica wirbelt herum:


Tour of the Islands!


Müller liegt abermals flach und Monica ist nicht gewillt zu stoppen. Statt zu covern setzt sie sich in Mount Position auf ihn und schlägt zu, wieder und wieder. Bis sie seufzend aufhört… und einfach auf ihm sitzenbleibt. Cover: Eins, Zwei und Drei. Am Ende des Tages ist Monica dann eben doch kein herzloses Monster wie Robert Breads oder Iray Burch. Sie hat eingesehen, dass Mike Müller nicht länger weiterkämpfen kann und ihre Attacke eingestellt. Sie erhebt sich und wird natürlich zur Siegerin erklärt, die Siegerin eines Matches, das eine Bestrafung sein sollte und auch eine Bestrafung war. Kurzzeitig durfte Mike Müller seinen Traum noch einmal leben, aber nun ist er ausgeträumt.




Die Fans spenden Mike Müller Applaus, wie ihm gen Backstage geholfen wird – zum wohl letzten Mal in seiner GFCW Karriere. Mike Müller ist ganz sicher kein großer Name in der langen Historie von GFCW, ja er ist nicht einmal ein mittelgroßer Name. Man könnte gar sagen er ist nicht einmal ein kleiner Name, sondern eher nur eine Fußnote ist. Aber er ist eben doch ein Stück GFCW Geschichte – und ironischerweise war es seine Verkörperung des Great Pigster, die letztlich mit dafür verantwortlich ist, dass die Frau, die ihn gerade vernichtend geschlagen und seinen GFCW Traum beendet hat, überhaupt hier und jetzt in einem GFCW Ring steht. Und so hat auch die Fußnote Mike Müller einen Fußabdruck in den GFCW Geschichtsbüchern hinterlassen. Was Monica Shade so selber nicht einmal bewusst sein dürfte und vielleicht ist es besser so. Wüsste sie, dass Mike Müller es ausgeschlagen hat ein Schwein sein zu wollen, vielleicht hätte sie ihn übler zerstört als es Robert Breads bei Title Night mit Aiden Rotari getan hat. Tatsächlich fällt Monica Shade dieser Zuspruch für Mike Müller nicht nur auf, ihre Mimik verrät, dass sie diesen nicht nur nicht teilt, sondern gar ablehnt. Grund genug sich ein Mikrofon anreichen zu lassen.


Monica Shade: „Ich frag nur mal so… warum genau bejubelt ihr Robert Breads dafür, dass er anderen Leuten die Karriere beendet, aber wenn ich diesem Schweinefeind die Fresse poliere ist es irgendwie nicht das, was euch gefällt und ihr beklatscht den Missetäter, der uns den Greatest Pigster geraubt hat?“


Das Publikum weiß nicht so richtig, wie es diese Frage beantworten soll. Vermutlich weil es aus mehreren Personen besteht und daher keine einheitliche Meinung hat. Zudem ist dies das erste Mal, dass Monica Shade sie direkt anspricht, während sie im Ring mit einem Mikrofon steht. Und es ist nicht die Ansprache, die man von der drolligen Schweinehirtin hätte erwarten können – wie auch ihre Härte gegen Mike Müller in der Form nicht ganz erwartet wurde. Es ist fast so als hätte man bei all ihren starken Leistungen gegen große Namen doch erstmals realisiert, dass sie eben auch eine Leopardin ist: ein Raubtier, das bei ihrer Beute keine Gnade zeigt, bis diese aufhört zu zappeln.


Monica Shade: „ Okay, Aiden Rotari ist auch ein riesiges Arschloch gewesen, das weiß ich aus eigener Erfahrung und vor allem weiß Lady Rosi das aus eigener Erfahrung, von daher verstehe ich schon, dass ihn zu zerstören euch nicht in Tränen ausbrechen lässt...“


Monica wirft einen blick rüber zu Lady Rosi, die wenig überraschend still und reglos von ihrem Sitzplatz auf dem Kommentatorenpult aus die Ansprache ihrer Schweinehirtin verfolgt.


Monica Shade: „...aber dass Marc Hill sich für die Lerbitz Pigster Group statt dem Nullförderungskader entschieden hat, das kann man ihm ja wohl nicht verübeln. Und wem hat das Sprachrohr jemals was getan? Also ne, was mich betrifft kann das Monster Robert Breads gar nicht früh genug verschwinden und Mike Müller hat genau die Strafe erhalten, die er verdient hat.“


Dem will das Publikum nun nicht zustimmen, so einig ist man sich doch und es gibt vereinzelte Versuche Sprechchöre für Mike Müller und für Robert Breads anzustimmen. Klappt aber nicht, weil jene, die gern „Power“ gerufen haben und „Fakt & Lüge“ vermissen, Monica doch irgendwo zustimmen müssen, auch wenn sie das nicht wollen und lieber ungestört die Robert Breads Abschiedstour genießen wollen.


Monica Shade: „Ja, schon klar, Robert Breads ist ein langjähriges Gesicht der GFCW und des Wrestling an sich und demnächst ist er weg, da kann ich nachvollziehen, dass ihr wehmütig werdet, besonders wenn eine Anniversary Show bevorsteht... aber Aiden Rotari ist jetzt auch schon ein paar Jahre hier und statt einer Abschiedszeremonie in einigen Jahren hat er einen vorzeitigen Abschied mit Trage gekriegt. Damit ist ihm nun genau wie den anderen die Chance genommen worden ebenso lange hier zu sein wie Robert Breads. Vor allem aber ist dem Greatest Pigster die Chance genommen worden länger hier aktiv zu sein als Robert Breads – denkt auch mal an die Anniversary Show in fünf, wenn nicht zehn Jahren und nicht nur an die in ein paar Wochen.“


Irgendwo nickt gerade Iopeka zustimmend, klatscht Beifall und bestellt aus dem LPG Fanshop das Lady Rosi Weihnachtsset für um 1% heruntergesetzte 296€ im Post-Christmas-Frühjahrs-Sale. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.


Monica Shade: „Dann wiederum sollte ich selber vermutlich mehr an die Anniversary Show in ein paar Wochen denken. Immerhin hat The End ja quasi alles und jeden dazu aufgefordert sich ihm zu stellen und dabei sogar explizit WFW erwähnt. Und so wie ich das sehe, bin ich hier ja die Einzige aus WFW, solange Stella wegbleibt zumindest... und darf mich daher wohl persönlich angesprochen fühlen.“


Der Namedrop von Stella Nova sorgt für weit offene Ohren, aber Monica spricht nicht weiter über den Leitstern des Pro Wrestling, sondern greift noch einmal auf, dass Ends Erwähnung an WFW im Endeffekt eine Ansage in ihre Richtung war.


Monica Shade: „Also fühle ich mich auch persönlich angesprochen. Klar, ein Sieg über Mike Müller ist jetzt nicht unbedingt eine tolle Referenz für ein Bewerbungsschreiben als Herausforderin auf den GFCW World Title… aber mein Können an sich ist es dann doch. Was The End offenbar auch so sieht, sonst hätte er wohl kaum etwas gesagt, bei dem ich mich also persönlich angesprochen fühlen darf. Letztlich bin ich auch die einzige im Roster befindliche Person mit einem Sieg über sowohl Iray Burch als auch Darragh Switzenberg. Ja, es war ein Teammatch, aber dennoch: das zählt.“


Wir erinnern uns: beim Carnival of Combat hatte Monica Shade zusammen mit Luna Rosario, Maximilian Lunenkind und Aiden Rotari das Switziverse besiegt. So lange ist das noch gar nicht her und doch wirkt es wie das Resultat einer längst vergangenen Zeit.


Monica Shade: „Also, The End... ist mir klar, dass niemand denkt, ich könnte dich, den größten GFCW Star der letzten Jahre besiegen und ausgerechnet bei der Anniversary Show um das Gold erleichtern… aber solange du mich nicht tatsächlich besiegt hast… hast du mich nicht besiegt.“


Damit lässt Monica das Mikrofon fallen, sie hat ihren Teil aufgesagt, ihren Standpunkt klargemacht. Der Rest ist nicht länger in ihren Händen. Ob The End ihre Herausforderung akzeptiert oder ignoriert, das kann sie nicht weiter beeinflussen. Okay, sicherlich, sie könnte ihm Backstage auflauern und attackieren, freundliche Schläge auf den Hinterkopf erhöhen ja das Denkvermögen, bzw. erhöhen unfreundliche Stuhlschläge auf den Rücken die Wahrscheinlichkeit von Matches, aber Monica Shade ist eben nicht vom Schlage eines Robert Breads, Aiden Rotari oder auch einer Miria Saionji. Monica macht sowas nicht und so gilt es nun zu warten. Bzw. zu warten und Lady Rosi von ihrem Sitzplatz bei den beiden Kommentatoren abzuholen, wo sie angesprochen wird.


Pete: „Stark vorgetragene Herausforderung da eben, Monica. Ich darf doch Monica sagen? Oder doch lieber Miss Shade?“


Monica Shade: „Kannst ruhig Monica sagen, kein Problem. Könnt ihr beide.“


Sven: „Du hast dafür ein Problem, Monica. The End hat nämlich bereits Ask Skógur herausgefordert. Du weißt schon, der Mann, der sich erst vor einigen Wochen klar und deutlich besiegt hat. Da bist du wohl etwas zu spät dran gewesen.“


Dies auszusprechen bereitet Sven sichtlich etwas Freude. Irgendwie muss er die Leere ja ausfüllen, die das Verschwinden von Aldo Nero in seinem verdorbenen Herzen hinterlassen hat und Monica Shade samt ihrem Stoffschwein dumm dreinblicken zu lassen, das ist… sehr viel besser als nichts. Auch wenn Monica eher geschockt bis peinlich berührt aussieht, wie sie Blicke mit Lady Rosi tauscht… und dann hastig davon schreitet...



Der längliche, feuchte Batzen Fleisch baumelt der Kamera beinahe provokant entgegen.

Sechzehneinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Du hast unzählige Matches gewonnen. Viele Titel. Du bist zur Legende geworden.”

Der Klumpen rollt sich zusammen, nur um sich dann wieder zu entrollen. Die Kamera zoomt ein Stück weit aus. Es ist dunkel, und wir können lediglich Silhouetten ausmachen.

Nur die weißen, knochenartigen Blöcke in dem Loch, aus dem die glitschige Monstrosität kommt, lockern die düstere Farbpalette ein wenig auf.

Daran erinnert man sich. Kein Wunder, so oft wie du es erwähnst. Aber da gibt es noch andere Geschichten.”

Es ist nicht das Loch, das zu uns spricht. Es ist ein Voiceover von einer anderen Stimme, unbekannt, tief, männlich - ruhig und nicht unfreundlich, aber mit einem spöttischen Unterton. Jemand, der etwas weiß, das wir nicht wissen.

Einige haben sie vergessen. Viele kannten die Geschichten nie. Doch ich weiß alles. Das freiwillige Ende deiner Schreckensherrschaft bedeutet nicht, dass du Absolution verdienst. Deinen Sünden wirst du nicht entkommen. Sie werden dich einholen, bevor du für immer fliehst.”

Stück für Stück geht es mit der Kamera rückwärts. Die Feuchtigkeit auf der abartigen, vage schlangenförmigen Kreatur tropft auf eine hölzerne Platte, die wir jetzt erahnen können. Sehen wir jemanden, der an einem Tisch sitzt oder steht? Und ist dieses... Ding etwa seine...?

Der Rest der Welt mag dir Honig ums Maul schmieren wollen. Doch ich werde dafür sorgen, dass etwas ganz anderes geschmiert wird.”

Wir können erkennen, auf was die Flüssigkeit in zähen, länglichen Fäden niedergeht. Es schüttelt die Abscheulichkeit vor Erregung, als wir sehen, was sie vor sich hat.

Man kann es nur mit ein wenig Anstrengung ausmachen, aber die längliche Silhouette mit den kleinen Einkerbungen zeichnet ein bekanntes Bild.

Es ist ein...

Baguette.

Du verdrehst die Wahrheit, du lügst wie gedruckt, und du gibst vor, immer schon gewesen zu sein, was du selbst jetzt nicht schaffst zu sein. Du bist zu feige, um dich deinen Dämonen freiwillig zu stellen. Doch ich warte nicht auf Erlaubnis. Ich reiße alte Wunden wieder auf. Ich stelle Fragen, die du nie beantwortet hast. Ich vergesse den Tyrannen hinter der Legende nicht.

Du magst einen Weg gefunden haben, deinem inneren Schweinehund zu entkommen. Aber mir wirst du nicht entkommen. Denn ich bin...”


Die Innere SchweineZunge



Tag Team Match
Black Wyrms (Brigitte Reflet & Shizuku Shikishima) vs. Iðunn Jörmungandr & Skaði Fenrir
Referee: Peter Cleven



Güldenes Scheinwerferlicht bei sonst tiefschwarzer Atmosphäre, der Moment, in dem die Fans unweigerlich beginnen „Let’s Go Worms“ zu rufen und ihre Plakate zücken, auf denen drolligem schwarze Würmchen zu sehen sind. Die Marketingabteilung der LPG hat ganze Arbeit geleistet dieses Image zu etablieren und die Beliebtheit der Black Wyrms ob ihres Einsatzes für die Tag Team Division tun ihr übriges.

Natürlich unverändert sehr zum Verdruss von Brigitte Reflet, aber wer kann schon französisch und weiß etwas mit ihrem Spitznamen „La Vouivre“ anzufangen? So sehr man der kleinen Französin mit der weißblonden Haarpracht auch lauscht – immer genau dann, wenn sie betont, dass sie und ihre blonde, japanische Teampartnerin Shizuku Shikishima Drachen seien, die sich in die Lüfte zu erheben gedenken, genau dann schaltet die GFCW Galaxy auf kollektiven Durchzug und bleibt dabei sie als Würmer zu identifizieren.

Da hilft es auch nicht, dass auf ihren dunklen Umhängen die goldenen Wyrmmotive eindeutig Drachen zeigen oder dass ihr Entrance Theme ein klarer Hinweis auf Drachen sind. Kollektivverklärung der zumindest harmlosen Sorte.



Einzelne Schneeflocken beginnen von der Hallendecke zu rieseln, ist doch nun Zeit für den Auftritt der beiden groß gewachsenen Schwestern aus Norwegen. Die Schneewölfin Skaði Fenrir und Riesenschlange Iðunn Jörmungandr treten wie zwei bedrohliche Türme durch den Vorhang und blicken in die Zuschauerränge. Die 1,93 große Skaði mit den schneegrauen Zotteln im wolfigen Look und ihre noch größere Schwester im schuppigen Top und Schurz sind immer wieder aufs Neue ein imposanter Anblick – obgleich auch ein skurriler ob des Umstandes, dass Idunn als gute Ourobouros Schlange ihren mächtigen, geflochtenen Zopf mit der Spitze im Mund zu tragen pflegt. Und wehe das grandiose Geflecht aus hellem Lavendel und dunklem Türkis verlässt ihren Mund, dann wird die ohnehin schon nicht gerade zimperliche Riesin komplett ungemütlich, so viel ist bei ihrem Debüt bei Title Night mehr als deutlich geworden. Ein mal kurz posiert, dann schreiten die Schwestern gen Ring.


Pete: „Beide Teams gehören zum Förderkader der Lerbitz Performance Group, aber ein Freundschaftsmatch wird das ganz sicher nicht werden, haben sich doch zwischen beiden Teams Animositäten gebildet.“

Sven: „Die Black Wyrms haben es gar nicht geschätzt, dass Skaði Fenrir mit dem Hinzuholen ihrer Schwester von einer Einzelwrestlerin zur Tag Team Wrestlerin geworden ist, so wie ich es nicht schätze, dass dein missratener Sohn Teil von GFCW sein darf, während Aldo Nero schmerzlich vermisst wird.“

Pete: „Was beide Teams nicht schätzen, das ist die Verkündung, dass der Kampf zwischen T’n’B und der Douglas Dynasty ein #1 Contender Match sein soll und ihr Match nur ein ganz normales Match ohne immanente Relevanz für das Titelgeschehen.“

Sven: „In erster Linie wird das ein Problem für die Siegerinnen dieses Matches sein, die Verliererinnen haben eh nichts zu melden.“


Peter Cleven wirft einen prüfenden Blick in Richtung beider Teams, aber ganz so viel Platz im Foreign Objects zu verstecken haben die luftigen Outfits der Damen nicht und zudem sind beide Teams bisher fair gewesen, ergo gibt es keinen Anlass für Cleven eine Mahnung in Richtung Fairness auszusprechen. Er gibt sein Zeichen, der Gong macht „Gong“ (sehr Überraschend, nicht wahr?) und dann steht Brigitte Reflet mit ihren 1,54 der 2,02 großen Iðunn Jörmungandr gegenüber. Aber gewaltige Größenunterschiede sind ja nichts neues für die Französin, das passiert ihr bei GFCW ja ca. dauernd. Dennoch kann es nicht angenehm sein, wenn regelmäßig einige ihrer gefährlichsten Aktionen zum Ding der Unmöglichkeit werden. Der Storm Breaker ist weder gegen Skaði und schon gar nicht gegen Iðunn auch nur annähernd realistisch. Was auch die Frage aufwirft, ob die Black Wyrms wohl endlich einen Tag Team Finisher gefunden haben, den sie gegen größere und schwerere Gegnerinnen zeigen können – ohne wird es hier und heute schwierig, keine Frage.

Die Anfangsphase ist denkbar eindimensional: Iðunn versucht in den Lock Up zu gehen, aber Brigitte verweigert das aus offensichtlichen Gründen. Was einfach genug ist, Iðunn muss sich sehr tief runter beugen und wirkt etwas behäbig, sodass es La Vouivre nicht gerade schwerfällt auszuweichen und ein paar Gegenschläge in Form von Shin Kicks, Chops und European Uppercuts zu zeigen. Immer nur so ein, zwei per Ausweichaktion, aber in der Summe sind es schon einige Aktion, die treffen. Allerdings sieht Iðunn nicht so aus, als ob diese eine große Wirkung erzielen. Ja, es scheint eher so als ob sie nahezu gar keine Wirkung erzielen. Und dann geht alles plötzlich ganz schnell: Sweep Kick von Iðunn Jörmungandr! Brigitte wird von den Beinen gefegt! So viel zum Thema behäbig. Das war zwar kaum mit dem Tempo eines Taekwondo Schwarzgurts, aber es war doch schneller als man es dieser fit trainierten Riesin zutrauen würde – und mit der Wucht und Reichweite einer 2 Meter Plus Frau. Lässig stellt Iðunn einen Fuß auf Brigittes Brust. Eins, Zw… nein, Kick Out, ganz so einfach geht es ja nun auch wieder nicht.


...was Iðunn nicht davon abhält zu jubeln. Was wiederum Skaði Fenrir in ihrer Wechselecke vor lauter Fremdschämen etwas rot anlaufen lässt. Bis Skaði ihrer hohlen Schwester den Unterschied zwischen „eins“ und „drei“ erklärt hat – mitzählen ist schwierig! - hat Brigitte mit Shizuku gewechselt und zusammen rammen sie Iðunn von hinten mit einem doppelten Clothesline aus dem Lauf… und den spürt dann auch die Riesenschlange!

Soll heißen: sie stolpert ein paar Zentimeter nach vorn und guckt nach hinten was sie da gestreichelt hat. Doch ehe sie etwas machen kann hat Fenrir sich eingewechselt, die stolze Jägerin hat jetzt erst mal genug von der Blödheit ihrer Schwester und übernimmt selber die Initiative. Mit einem plötzlichen Sprung nach vorn rammt sie Brigitte per Front Elbow um – Swift Strike! Eine Aktion, die man so von ihr bisher nicht gesehen hat und die aufzeigt, dass Skaði Fenrir immer noch eine junge Wrestlerin ist, die ihr Repertoire noch längst nicht finalisiert hat. Iðunn wiederum folgt dem Vorbild ihrer Schwester und huscht auf Shizuku zu, die sich jedoch geistesgegenwärtig duckt und die Ringseile runterzieht, sodass Iðunn extra dumm aussehend nach draußen purzelt. Fenrir fletscht die Zähne und murmelt etwas von verfluchten Seilen, die stetige Verräter seien, was man nicht verstehen muss, aber wer es versteht, versteht. Jedenfalls sind Skaði und Shhizuku eh die legalen Damen im Ring und die 1,93 von Skaði gegenüber Shizukus 1,69 ist kein ganz so übles Gefälle mehr wie zuvor bei Brigitte und Iðunn, sodass sich das Geschehen ein bisschen normalisiert.

Normalisiert“ bedeutet, dass Shizuku von Skaði ordentlich einstecken muss und herumgeworfen wird, aber auch selber ein paar Aktionen landen kann. Die meisten dieser Aktionen sind nicht weiter erwähnenswert, bis auf den Dragon Suplex in die Brücke, der beinahe zum Sieg gereicht hätte. Und ja: Dragon Suplex, nicht Worm Suplex. Der Versuch Skaði per Running Crossbody umzureißen führt allerdings nur dazu, dass Skaði sie auffängt und per Gutbuster übers Knie legt, wonach sich Skaði bei ihrer Schwester beschwert, dass diese das Cover während dem Dragon Suplex nicht unterbrochen hat. Auch wenn sie als starke Schneewölfin natürlich auch so rausgekommen ist, sicher ist schließlich sicher. Iðunn nickt verstehend und sieht dabei zwar nicht so bescheuert aus wie Maximilian Lunenkind, aber doch hohl genug, dass Skaði ein zweifelndes Stirnrunzeln zeigt. Die Schneewölfin ist alles andere als überzeugt, dass ihre Schwester das Ganze wirklich verstanden hat, aber dann wiederum ist „wenn Cover, dann Cover abbrechen“ so simpel, dass sogar diese das verstehen müsste.

Müsste.


Dieses kleine Zwiegespräch haben die Black Wyrms zu einem weiteren Wechsel genutzt und als sich Skaði umwendet, hängt Brigitte an ihrem Kopf und bekommt von Shizuku Schwung mit: Assisted Tornado DDT! Mit diesem Move haben die Black Wyrms ihr Match gegen Meathook und Gisbert „Gino“ Rieß in Richtung Erfolg geführt, doch im Jahr 2025 ist auch ein assistierter Tornado DDT kein Move, auf den man sich sicher verlassen kann, dass er zum 3 Count führt… was nicht heißt, dass man nicht dennoch ein Cover versuchen kann, also versucht Brigitte ein Cover! Eins! Zw… nein. Iðunn ist zur Stelle, hebt Brigitte mit nur einer Hand hoch und beendet das Cover. Die Anweisung war also in der Tat simpel genug, dass sogar Iðunn Jörmungandr sie versteht. Achtlos wirft Iðunn Brigitte zur Seite und kehrt gemütlich in ihre Ringecke zurück – was „La Vouivre“ sichtlich den Zorn ins Gesicht treibt. Sie ist schließlich ein mächtiger Drache und wie ein kleines Schäfchen ohne Verwandtschaftsbeziehung zu Teufeln herumgeworfen zu werden, das verletzt ihren Stolz und so eilt sie Iðunn hinterher und rauscht per Running Clothesline in diese hinein! Das war genug Anlauf und Schmackes, dass Iðunn davon tatsächlich bewegt wird und sich an den Seilen festhalten muss, um nicht vom Apron zu stürzen. Grund genug für Brigitte direkt noch mal Anlauf zu nehmen und dieses Mal per Spear durch die Seile zu schießen – aber nein! Iðunn weicht aus, packt sie sich und guckt die Französin irritiert an von wegen was das jetzt sollte… ehe Iðunn sie einfach per Gut Wrench Suplex im hohen Bogen nach draußen auf den Hallenboden wirft!

Das war nicht die Art von Flug, die Brigitte meint, wenn sie davon spricht ein sich in die Lüfte erhebender Drache zu sein und es war schon gar nicht die Landung, die ihr dabei vorschwebt. Wie sie sich da jetzt auf dem Boden krümmt – die Assoziationen zum Wurm wird sie so definitiv nicht los. Fenrir wiederum nickt ihrer Schwester für diese gelungene Aktion zu, die ihr ein herzlich breites Lächeln zur Antwort gibt. Intelligenz mag kein hochentwickeltes Attribut bei Iðunn sein, aber eine generelle Ahnung von dem, was im Kampf dem Selbsterhaltungstrieb dienlich ist und zudem Gegnern wehtut, Reflexe und eine gerade für ihre Größe ordentliche Schnellkraft und Körperbeherrschung hat sie dann doch. Bei all diesen bereits monströsen Fähigkeiten in diesem übermächtigen Körper ist es fast schon gruselig sich vorzustellen, was für ein übermächtiges Monster sie wäre, wenn sie auch noch schlau wäre.

Skaði Fenrir jedenfalls wartet gemütlich im Ring auf die Rückkehr von Brigitte und kaum ist „La Vouivre“ zurück im Ring, wird sie von Skaði auch schon mit ein paar Stomps empfangen, auf welche die Schneewölfin ebenfalls in Gut Wrench Position zugreift, aber nicht für einen Suplex, sondern eine Falling Powerbomb, soll heißen:


Wolf Bomb~!


Cover hinterher, aber Shizuku ist da, dass es gar nicht erst knapp werden kann, aber ehe Shizuku überhaupt eingreifen muss, hat Iðunn bereits das Cover abgebrochen; woraufhin Skaði der Riesenschlange eintrichtern muss, dass sie nur Cover der 
Gegnerinnen abbrechen soll und nicht die von Skaði. Iðunn nickt verstehend und Skaði beginnt zu zweifeln, ob die Entscheidung in den Tag Team Bereich zu wechseln wirklich eine gute Idee war.

Während Iðunn gemütlich in ihre Wechselecke zurückkehrt, hilft Shizuku ihrer Partnerin auf und als sich Fenrir dieser wieder zuwenden will, gibt es ein Déjà-vu, hängt doch Brigitte augenblicklich erneut mit Schwung an ihrem Kopf! Noch ein Assisted Tornado DDT! Fenrir bleibt leicht auf allen Vieren angeknockt auf der Matte und Shizuku Shikishima sieht ihre Chance gekommen: Anlauf! Und! Destroyer aus dem Lauf:


Shimakaze~!


Damit ist Skaði Fenrir nun von der Jägerin zur potentiellen Beute geworden, sie sieht auf jeden Fall ziemlich fertig aus. Aber natürlich steht da noch die Riesenschlage Iðunn Jörmungandr in der Wechselecke, das muss sich erst noch ändern, wenn die Black Wyrms hier die Schneewölfin erfolgreich finishen wollen. Also stürmen sie los und schlagen gleichzeitig per European Uppercut zu! Das spürt auch die riesige Iðunn, die davon zurückgestoßen wird und vom Apron rücklings auf den Hallenboden… springt. Kein Fall, so angeknockt ist sie dann auch wieder nicht von zwei European Uppercuts zweier so kleiner Kontrahentinnen. Jedoch ist sie da draußen ein wunderbares Landeziel! Brigitte nimmt Fahrt auf und springt – die Drache fliegt!


Tornillo~!


...spektakulär, aber Iðunn fängt Brigitte locker ab. Tatsächlich zischt sie sogar kichernd, sehr zum Zorn und Frust von „La Vouivre“. Aber! Aber es gibt ja auch noch Shizuku Shikishima! Die nimmt Schwung an den Ringseilen und wirft sich auch noch auf Iðunn!

...mit dem Effekt auch aufgefangen zu werden. Als wäre es nichts schlendert Iðunn mit den aufgeladenen Black Wyrms gen Ringtreppe und knallt sie lautstark dagegen! Autsch! Peter Cleven beginnt mit dem Auszählen und Iðunn will nachsetzen, auf dass die Black Wyrms auch draußen bleiben. Sie nimmt jede Menge Anlauf und… läuft in einen doppelten Drop Toe Hold hinein, der sie frontal auf die Ringtreppe krachen lässt! Damit liegt die Riesenschlange flach und die Black Wyrms erkennen ihre Chance!
Es gibt die rasche Rückkehr in den Ring und den Wechsel, Shizuku damit wieder die offizielle Wyrm im Ring. Skaði wiederum steht zwar wieder, sieht aber groggy aus und kassiert von den Wyrms ein paar wunderbar aufeinander abgestimmte Ounches, Kicks, Uppercuts und Chops – und dann packen die Black Wyrms zu! Sie stemmen Fenrir mit Mühe zum Suplex hoch, aber dann geht es nicht nach hinten, sondern sie knallen Fenrir nach vorn!


Double Team Hellevator!


Das muss es sein! Eins! Zwei! Nein! Kick Out! Ein weiterer Move für die Liste an Moves, die als neuer alternativer Finisher gegen größere und schwerere Opposition versucht wurde, der gescheitert ist.


Pete: „Man sollte meinen, dass es nicht so schwer sein kann einen Tag Team Finisher zu finden und einzustudieren, aber offenbar ist es das doch.“

Sven: „Da stellt sich doch die Frage welche Ideen Miria Saionji ihnen mit auf den Weg gibt. James Corleone hätte ihnen längst etwas sinnvolles beigebracht.“

Pete: „Du meinst wie man hinter dem Rücken des Referees mit irgendwas zuschlägt?“

Sven: „Pah. Banause.“


Die Enttäuschung ist den Black Wyrms in die Gesichter geschrieben, aber auch wenn die neue Alternative nicht funktioniert hat und also keine Black Wyrm Hellevation die Zukunft dieses Teams bestimmen wird – sie haben ja noch ihren Main Finisher, der sie noch nie im stich gelassen hat, wenn er denn funktioniert. Die Black Wyrm Rampage, die Kombination aus Brigittes Springboard Lariat und Shizukus Powerbomb. Das offensichtliche Problem dabei ist, dass Shizuku dafür die Schneewölfin irgendwie zur Powerbomb hochwuchten muss. Und das ist ob des physikalischen Unterschieds der offensichtliche Grund, warum sie einen anderen Finisher als Alternative brauchen. Sicherlich beherrschen sowohl Shizuku als auch Brigitte jeweils einen potenten Aufgabegriff, doch die sind in Tag Team Matches oftmals zum Scheitern verdammt, da es ja immer eine Partnerin gibt, die Griffe abbrechen kann. Noch liegt Iðunn zwar draußen rum, aber Fenrir würde sicher durchhalten, bis Jörmungandr retten kann, es muss also ein Pinfall sein und dafür muss es jetzt die Black Wyrm Rampage sein.


Beide atmen tief durch und dann versuchen sie zu zweit Fenrir hochzuwuchten.


Das ist schwer und mühselig. Aber… es gelingt tatsächlich! Zusammen kriegen sie Fenrir gehalten, dass Shizuku sie powerbomben könnte – aber das würde nicht reichen. Auf keinen Fall würde diese notdürftige Powerbomb Fenrir bis 3 unten halten. Und so lässt Brigitte los und eilt gen Apron. Shizuku bricht unter Fenrir fast zusammen, aber mit Mühe und Not kann sie Fenrir tatsächlich halten!

Brigitte packt die Seile, nimmt Schwung, springt hoch und…


Da packt eine große Hand die Französin! Iðunn Jörmungandr ist da und greift mühelos Brigitte aus der Luft und packt sie sich auf die Schultern, verdreht dabei die Beine und drückt zu in einer Art Reverse Tortore Rack: La Atlantida! Brigitte schreit auf, der Schmerz schießt ihr durch alle Körperregionen. Und im Ring? Da bricht Shizuku unter der Last namens Skaði Fenrir zusammen. Skaði tritt kurz zu, dann packt sie zu: in Crucifix Powerbomb-Ansatz nach oben, Skaði hält Shizuku da, wie um den unterschied in Sachen Stärke zu demonstrieren. Brigitte kann nur vor Schmerz schreiend zusehen, wie Skaði die blonde Japanerin nun mit Schwung nach unten flipt und das Knie hochzieht:


Frost Bite!


Cover: Eins, Zwei und Drei. Die Black Wyrms waren in diesem Match das insgesamt bessere Tag Team, aber der physikalische Unterschied war letztlich doch zu groß – im wahrsten Sinne des Wortes. Was eigentlich eh klar war, ist noch offensichtlicher geworden: die Black Wyrms brauchen 
dringend eine Waffe gegen größere und schwerere Gegnerinnen, ansonsten werden sie in einem Umfeld wie GFCW, wo sie physikalisch ca. allen klar physikalische unterlegen sind nicht erfolgreich sein können. Herz und Teamwork sind schön und gut, aber reichen alleine nicht. Fenrir erklärt derweil ihrer Schwester, dass sie Brigitte Reflet jetzt runterlassen kann, was diese auch macht. An Intellekt mag es Iðunn mangeln, aber wie gefährlich sie durch ihre körperliche Veranlagung und für ihre Größe überraschende Schnelligkeit und Körperbeherrschung ist, das ist hier angedeutet worden. Fenrir und Jörmungandr sind gefährlich – und haben zudem noch viel Luft nach oben, um durch Erfahrung noch sehr viel gefährlicher zu werden. Der Tag Team Titel ist das Ziel und sie haben keine Lust zu warten...



Das vierte Match des Abends steht kurz bevor, doch noch einmal wird in den Backstagebereich zu Tammy geschaltet. Die Interviewerin bedenkt die Zuschauer mit einem fröhlichen Lächeln und klopft zeitgleich an die Kabinentür, auf welcher der Name „Mad Dog“ prangert. Im Jubel der Fans scheint das „Herein“ unterzugehen, nach welchem Tammy die Türe öffnet und in die Kabine eintritt.


Der verrückte Hund sitzt auf einer Bank. In der einen Hand hält er eine Rolle Tape, das Gelenk der anderen Hand wird fachmännisch umwickelt. Auch bis zum Main Event dauert es schließlich nicht mehr lange.


Tammy: „Mad Dog, bald steht dein erstes Match seit vier Jahren an und niemand geringeres als Robert Breads wird dir gegenüberstehen. Die GFCW Fangemeinde interessiert allerdings schon jetzt, wie es danach weitergehen wird. Kommt es auf den Ausgang des Matches an? Oder wie hoch sind die Chancen, dass wir den Night Fighter auch in Hagen wiedersehen werden?“


Mit einem Biss ins straffe Tape reißt er dieses entzwei, klebt den Rest noch an sein Handgelenk und legt die Rolle neben sich ab.
Dann schaut er hinauf zu Tammy, steht schließlich auf und steht ihr nun direkt gegenüber. Die leicht bedrohlich wirkende Situation lässt die deutlich kleinere Reporterin kurz zurückschrecken.


Tammy: „Ich weiß, dass das jetzt kein so günstiger Zeitpunkt…“

Mad Dog: „Und ich weiß um die Aufregung in diesem Business… alles gut, Tammy.“


Ihr scheint ein Stein vom Herzen zu fallen, während er sich nachdenklich durch den Bart streicht und etwas Abstand zu ihr gewinnt.


Mad Dog: „Ich weiß nicht, wie viele Matches noch in meinen Knochen stecken. Wie viele Schläge, Tritte und Stürze ich noch wegstecken kann. Dieses eine auf jeden Fall. Auf dieses Match mit Robert Brerads habe ich mich akribisch vorbereitet und in diesem werde ich alles geben, was ich habe, um den Sieg zu erringen. Ein Danach ist mir jetzt egal – ein Danach wird sich zeigen… Sieh‘ es mir – seht es mir, liebe Fans, bitte nach. Du kannst mich gerne in zwei Wochen in Hagen zu allem, was dir einfällt, interviewen - jetzt will ich nur eins! Robert Breads im Squared Circle besiegen!“


Tammy nickt verständnisvoll und zeitgleich erfreut. Die Chance auf ein Interview bei der nächsten Ausgabe von War Evening bietet vorerst eine akzeptable Aussicht.

Während sich Mad Dog wieder gesetzt hat, um erneut zur Taperolle zu greifen, durchstreift die Gehirnwindungen der Interviewerin allerdings noch ein fescher Gedanke.


Tammy: „Absolut nachvollziehbar. Manche trauen dir diesen Sieg aber nicht zu – oder missgönnen dir überhaupt diesen Spot bei der heutigen Show. Iokepa hat letzte Show seinen Unmut laut gemacht. Was sagst du zu solcherlei Kritik?!“


Genervt entfährt MD ein Stöhnen. Sein Tape-Ritual wird erneut gestört.


Kurz schließt er die Augen. Will sich durch Tammys Worte nicht zu sehr aus der Konzentration bringen lassen.

Dann hebt die Töle aber ihr Haupt, forciert mit seinem durchdringenden Blick Tammy und die Kamera.


Mad Dog: „Sie sollen nicht den Bagger aufreißen, sondern erstmal abwarten. Sich das Match ansehen. Iokepa, huh?! Komm doch gleich Ringside, Jungspund… Dort werde ich dir zeigen, dass ich diesen Spot mehr verdient habe als du!“


Schnaubt der Hund. Dann fletscht er die Zähne in Richtung Tammy.


Mad Dog: „Und jetzt raus hier!“



Als War Evening aus der Werbepause zurückkehrt, hat sich der Ring verändert. Ein Schreibtisch und drei Bürostühle wurden hereingetragen.


Und zwei Männer haben sich eingefunden. Der eine von ihnen – Mark Jilley – ist gerade damit zugange, ein Dokument auf dem Schreibtisch auszulegen. Dabei setzt er jeden Handgriff so gezielt, begleitet von einem gewichtigen Kopfnicken, dass man den Eindruck gewinnen kann, er sei ein Künstler, der an seinem größten Werk arbeitet. Die meiste Aufmerksamkeit an dieser Szenerie jedoch geht an Hollywood Jake. Nicht nur, weil der junge Riesaer wieder einmal in einen breiten Pelzmantel gehüllt ist, sondern weil er ein weiteres Stück Papier in der Hand hält und es dem Publikum präsentiert. Mit Ehrfurcht reckt er es in die Kamera. Seine glückselige Miene lässt denken, er habe eine Originalschrift der Bibel gefunden.


Hollywood Jake: „Dieses Dokument ist von größerer Bedeutung als es die meisten Champion-Titel je sein könnten. Dies ist eine Vollmacht von DAAAAARAAAGH SWITZENBEEEERG.“


Buhrufe im Publikum. Natürlich. Jake wischt sie genauso zur Seite wie einen Fussel seines Pelzmantels, der auf das darunterliegende Shirt gefallen war.


Hollywood Jake: „Diese Vollmacht beweist, dass der größte GFCW-Star – aller Zeiten natürlich – Vertrauen in mich setzt. Ein Ritterschlag. Und soll ich euch etwas sagen? Ich habe es verdient. Fürwahr, das habe ich. Ich bin es, der Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sie übertrifft. Hier und heute, da sage ich es frei heraus: Am Ende von 2026 werdet ihr euch alle auf Knien dafür entschuldigen, dass der Award für den Rohdiamant des Jahres an Rasmus Rantanen ging – und nicht an mich. Liebe Grüße ins Krankenhaus an dieser Stelle, du Wichser.“


Er winkt in die Kamera.


Hollywood Jake: „Oder ins Gotteshaus. Oder Armenhaus. Wo auch immer du grad bist, Rasmus. Scheißegal, denn eines ist klar: Ich bin es, der an der Seite von Darragh Switzenberg zu einer neuen Großmacht heranwachsen wird. Ich hätte jeden verdammten Award verdient gehabt.“


Im Hintergrund tritt Mark Jilley an den einstigen Switzisstant heran und räuspert sich. Ein Hinweis, dass sich Jake beeilen und zur Sache kommen möge?


Hollywood Jake: „Aber wir sind heute nicht hier, um darüber zu sprechen, wie geil ich bin. Dafür wird in der Wrestlingwelt noch jahrzehntelang Zeit sein. Nein, wir sind hier, um Darragh Switzenberg jenen Urlaub zu ermöglichen, den er sich so sehr verdient hat. Darum werden Mark und ich…“


Er klatscht dem Anwalt so heftig auf die Schulter, dass dieser erschrocken zusammenzuckt.


Hollywood Jake: „…heute zwei Dokumente mit einem Clown unterzeichnen. Creed Gibson. Zunächst eine Verzichtserklärung, mit der er die Rechte an einem Match um den Intercontinental-Titel abtritt. Er hätte es ja sowieso verloren, deswegen sparen wir ihm und Darragh dort etwas Arbeit. Ich werde in Darraghs Namen unterzeichnen, sobald Creed unterschrieben hat.“


Der Riesaer deutet auf das Dokument, das Jilley so sorgfältig ausgebreitet hatte. Offenbar handelt es sich um die von Jake angepriesene Verzichtserklärung.


Hollywood Jake: „Hat Creed seine Rechte abgetreten, kommen wir zum zweiten Dokument. Der Belohnung. Dann wird Creed Gibson einen Vertrag für seinen Buddy Andrew Costalago unterzeichnen. Aber vorher nicht. Denn ich habe keinen Bock auf irgendwelche Zirkustricks, mit denen sie diese Regelungen zu umgehen versuchen. Ehrlicherweise habe ich auch keine Lust auf Creed und Andrew an sich. Sie sind nämlich hart bescheuert. Also bringen wir es schnell hinter uns.“


Mit lascher Geste, den Blick abgewendet, deutet Jake in Richtung des Vorhangs. Dann setzt er sich mit überschlagenen Beinen auf einen Bürostuhl und dreht sich ein bisschen im Kreis. Nein, den Entrance von Gibson muss er wirklich nicht sehen.


Und so kommt der Zirkusmann – der von Jake hartnäckig für einen Clown gehalten wird – nur unter den Blicken der Zuschauer in die Halle. Sein Theme, eine überdrehte und immer schneller werdende Interpretation klassischer Zirkusmelodien, scheint so gar nicht zu seinem Auftritt zu passen. Denn Gibson schreitet bedächtig dahin, den Blick hat er auf die Rampe geheftet. Nur hin und wieder blickt er auf, um sich seines Weges zu versichern.


Pete: „Keine Frage, Sven. Wir sehen einen Mann, der zwischen zwei Möglichkeiten hin- und hergerissen ist.“

Sven: „Nun, er hat bereits vor zwei Wochen zugesagt, diesen Deal zu machen. Jetzt soll er nicht plötzlich seiner Singles-Karriere nachtrauern. Seine Siegchancen gegen Switzenberg wären nur minimal besser als die deiner Brut gegen…“

Pete: „Creed Gibson hat das Recht zu hadern, auch wenn er seine Entscheidung bereits getroffen hat.“

Sven: „So wie Joana Sexianer damit hadert, sich unter allen lüsternen GFCWlern ausgerechnet von jenem schwängern zu lassen, der weder Muskeln noch Ansehen oder Geld hat.“


Die Zuschauer entlang der Rampe sprechen Gibson überwiegend zu. Es ärgert sie zwar, dass Switzenberg so einfach davonkommt, aber moralisch gesehen hält man es für vertretbar, den Deal einzugehen. Auch wenn er mit dem Teufel ist. Creed Gibson setzt einen Fuß auf die Ringtreppe. Sein sonst so erratisches, hektisches Auftreten hat sich ins Gegenteil verkehrt; er lässt sich Zeit, kaut auf der Unterlippe herum.


Hollywood Jake: „Junge, du brauchst länger in den Ring, als Switzenberg bräuchte, dich zu besiegen. Jetzt mach gefälligst diese furchtbare Musik aus und komm her, bevor wir es uns anders überlegen. Wir haben Geschäftliches zu erledigen.“


Die Nachdenklichkeit Gibson weicht einem grimmigen Lächeln, als die Regie Jakes „Bitte“ wirklich nachkommt und die Musik abwürgt. Nun stehen sich die beiden Wrestler auf der Matte gegenüber. Jake tippt herrisch auf den Vertrag.


Hollywood Jake: „Unterschreib das. Erst danach wird Mark Jilley überhaupt daran denken, den Vertrag für Andrew Costalago aus der Tasche holen.“


Der Zirkusmann greift nach einem Kugelschreiber. Doch macht keine Anstalten, sich dem Papier zu nähern. Stattdessen wiegt er das Schreibutensil in der Hand.


Creed Gibson: „Wer sagt mir, dass ich wirklich einen Vertrag für Andrew erhalte, wenn ich die Verzichtserklärung unterschreibe? Es kommt mir komisch vor, dass nicht beide Dokumente auf einmal unterschrieben werden. Woher weiß ich, ob ich dir trauen kann?“


Jake rückt den Pelzmantel zurecht, lehnt sich mit betonter Lässigkeit in den Ringseilen zurück und streicht eine einzelne Haarsträhne zur Seite.


Hollywood Jake: „Das kannst du nicht. Aber der da…“


Fingerzeig in Richtung Jilley.


Hollywood Jake: „…ist ein echter seriöser Anwalt und hat einen Ruf zu verlieren.“


Eifriges Nicken von Jilley. Doch Creed Gibson hat für diese „Sicherheitsgarantie“ nichts außer ein spöttisches Kopfschütteln übrig.


Creed Gibson: „Dieser vermeintlich seriöse Anwalt hat die vertraglichen Sonderregeln verbrochen, die für Switzenberg gelten. Ich würde eher einem Straßenkünstler trauen als so einem.“

Mark Jilley: „Dann können sie Ihrem Partner ja mitteilen, er möge in Zukunft Straßenkünstler werden. Denn einen Vertrag wird er nicht bekommen, wenn sie sich zieren, Mr. Gibson.“

Creed Gibson: „Mr. Gibson? Sag doch einfach Creed zu mir.“

Hollywood Jake: „Oder Clown.“

Mark Jilley: „Danke, ich verzichte. Beides würde eine Vertrautheit suggerieren, die ich mit Ihnen weder habe noch anstrebe.“


Bevor es zu weiteren verbalen Scharmützeln kommt, hat Creed Gibson ein Einsehen. Er betrachtet den Kugelschreiber in seiner Hand und seufzt. Dann beugt er sich zum Vertrag herunter. Doch anstatt seine Signatur auf das Papier zu bringen, beginnt er zu Jakes Entsetzen damit, das Dokument Klausel für Klausel durchzulesen. So viel Zeit muss sein.


Hollywood Jake: „Du bringst mich zur Weißglut, Gibbon. Soll ich es dir vorlesen, damit es schne…-“


ller geht – so sollte der Satz wohl enden. Doch die Worte Jakes gehen in plötzlichem Jubel unter. Denn erstmals seit Title Night erscheint das Gesicht eines bestimmten Mannes in der Halle.





Es ist Zac Alonso.


ZAC!“ „ZAC!“ „ZAC!“


Der Mann, der sich bei Title Night unter kontroversen Umständen geschlagen geben musste, steht unter Jakes hasserfüllten Blicke auf der Rampe. Zac Alonso hat sein Mikrofon bereits mitgebracht, doch lässt zunächst die Zuschauer sprechen. Seit seinem Split vom Switziverse hat sich die einstige Nr. 3 des Switziverse in viele Herzen gekämpft – und der unschöne Jahresausklang hat den Support durchs Publikum nur noch verstärkt.


Zac Alonso: „Jakob.“

Hollywood Jake: „Es heißt JAKE. Hollywood Jake. Was willst du hier, Zac? Du bist Geschichte.“

Zac Alonso: „Ich bin gekommen, um dich wirklich übel zu beleidigen.“


Jake kneift die Augen zusammen und tritt an den Ringrand. Er lehnt über die Seile nach draußen. Alonso macht keine Anstalten, näher heranzukommen.


Zac Alonso: „Aber bevor ich dazu komme, gibt es eine weitere Sache. Ich habe das Gefühl, wir sind hier noch nicht ganz komplett. Einen Moment. Lass mich die ganze Band zusammentrommeln.“


Worauf auch immer anspielen mag: Alonso wendet sich um und verschwindet hinter dem Vorhang. Mit jeder Sekunde, die er wegbleibt, wird Hollywood Jake im Ring genervter. Er blickt auf eine nicht existente Uhr an seinem Handgelenk.


Dann brandet abermals Jubel auf. Denn Zac Alonso kommt nicht allein wieder.




Auch der Switzidog Zacidog feiert sein Comeback. Mit wedelndem Schwanz wird er an seiner Leine hereingeführt und nimmt auf der Rampe den Platz als Star ein, den er verdient.


Hollywood Jake: „Was wird das hier für eine Scheiße?“

Zac Alonso: „Eine aufregende musikalische Performance.“


Fassungslos deutet Jake, noch immer über die Seile gelehnt, hinter sich.


Hollywood Jake: „Mich haben deine albernen Performances noch nie interessiert. Und so wird es auch jetzt sein. Wie du siehst, habe ich gerade mit dem Clown zu tun. Verschwinde. Du bist nicht mehr relevant.“

Zac Alonso: „Nun, Jake, dieser Song sollte dich aber schon interessieren. Denn schließlich handelt er…von dir.“


Alonso schnippt in die Luft und bringt den Zacidog mit einem geschickten Leinenzug in Position. Das Tier wird um die Trompete auf seinem Rücken erleichtert. Doch just als Alonso sie an die Lippen setzt und einen ersten Ton hervorbringt, hält er noch einmal inne.


Zac Alonso: „Ooooh, mir fällt ein: Ich habe noch was vergessen.“

Hollywood Jake: „Wahrscheinlich, dass deine Performance mich nicht interessiert. Denn das hatte ich gerade gesagt. Es war eine ziemlich wichtige Anmerkung.“

Zac Alonso: „Nein. Ich vergaß, dass auch der da…“


Zu Jakes Irritation deutet Zac an ihm vorbei in den Ring. Auf Mark Jilley.


Zac Alonso: „…zuhören sollte. Denn der Song handelt auch von ihm.“


Der Anwalt kräuselt die Stirn und glaubt, sich verhört zu haben. Er tritt neben Jake an die Seile und starrt zu Alonso.


Mark Jilley: „Ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen, Mr. Alonso. Lassen Sie mich aus dem Spiel.“


Alonso jedoch denkt nicht dran. Er führt die Trompete zum Mund. Und beginnt mit einem unmelodischen Spiel, reinster Folter für die Ohren. Selbst die Zuschauer, die es mit Alonso halten, blicken einander fragend an.


Das ist kein Song. Das ist eine Farce.


Hollywood Jake: „Der Typ hat jetzt völlig den Verstand verloren. Ich kümmer‘ mich darum, bevor er noch zu singen beginnt.“


Jake lässt den Mantel von seinen Schultern gleiten, dann rollt er sich aus dem Ring und stürmt auf Alonso zu. Was folgt, ist ein kurzer, hässlicher Brawl, bei dem der Switzidog jaulend die Flucht in den Backstagebereich antritt. Jake stürmt auf Alonso zu, die Fäuste fliegen hin und her. Und der Trompetenton erstirbt. Worüber nicht einmal die Fans wirklich traurig sind, jepp. Aber die Zuschauer buhen, als Jake Alonso gegen die Absperrung drückt und ihm ein paar wütende Treffer mitgibt. Vom Ring aus verfolgt Mark Jilley angespannt, wie sich der Helfer seines Mandanten schlägt. Geht Jake hier vor die Hunde, kann der ganze Vertragsabschluss nicht wie geplant stattfinden.


Doch dann passiert etwas Merkwürdiges: Zac Alonso wehrt sich kaum, löst sich plötzlich aus dem Gerangel und zieht sich schnell zurück. Keine letzte Provokation, kein großer Abgang. Einfach weg. Reichlich ungewöhnlich für einen, der die Konfrontation selbst herausbeschworen hat. Aber darüber denkt Hollywood Jake nicht. Stolz blickt er dem fliehenden Alonso hinterher – er, Hollywood Jake, hat seinen Erzfeind schnell und effektiv vertrieben. Was für ein Macher er doch ist. Seine Hybris steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er kehrt mit erhobenem Kinn und breitem Schritt in den Ring zurück, als hätte er gerade einen Krieg gewonnen.


Hollywood Jake: „Ich bin einfach so heftig. Habt ihr das gesehen? Wie ich es ihm gegeben habe?“


Die Frage geht an ein buhendes Publikum. Mark Jilley räuspert sich hörbar.


Mark Jilley: „Könnten wir uns wieder den Dingen zuwenden, um die es hier geht?“


Jake wirft ihm einen gönnerhaften Blick zu, nickt dann und deutet auf das Dokument.


Hollywood Jake: „Natürlich. Der Clown soll unterschreiben, darauf warten wir schon die ganze Zeit. Er hatte lange genug Zeit, um alles genau zu lesen.“


Creed Gibson sieht das scheinbar genauso. Er nickt Jake bloß zu, beugt sich zum Papier herunter und zögert keinen Moment mehr. Sein Stift fliegt über das Blatt. Jake seufzt zufrieden. Endlich geht es doch nach Plan. Er unterschreibt im Namen von Switzenberg.


Hollywood Jake: „Eine sehr gute Entscheidung, Creed.“


Er lehnt sich zurück. Erst jetzt fällt ihm auf, dass Gibson grinst. Kein gequältes Lächeln, sondern ein echtes, breites Grinsen. Jake runzelt die Stirn. Doch dann schüttelt er den Kopf, als wäre der Gedanke es nicht wert, weiterverfolgt zu werden. Er nickt in Richtung des Advokaten und dieser geht ans Werk. Jilley zieht das zweite Dokument hervor. Der Deal für Andrew Costalago.


Hollywood Jake: „Wie vereinbart werden wir Andrew als Belohnung für deinen Verzicht diesen Vertrag schenken. Was wir euch Beiden nicht schenken können, ist eine anständige Karriere. Ihr seid die untalentierteste Bande, die aus dem Förderkader hervorgekrochen kam und bis heute kann ich mir deinen Sieg bei Title Night erklären außer dadurch, dass die Götter des Schicksals gewürfelt haben.“


Ganz ohne Provokationen geht es eben nicht. Aber Gibson soll es egal sein. Er überhört die Stichelei einfach.


Wieder werden Unterschriften gesetzt. Damit ist es getan. Andrew Costalago ist zurück., in zwei Wochen zählt er wieder fest zum Roster.


Mark Jilley tütet zufrieden die beiden Dokumente ein.
Und lässt sie dann vor Schreck fallen.


Er geht in die Knie und sammelt die Dokumente hektisch auf. Überfliegt die Seiten. Dann noch einmal. Langsamer. Sein Gesicht verliert jede Farbe.


Mark Jilley: „Jake! Das… das ist nicht…“


Er schlägt die Seite auf, auf der der entscheidende Paragraph stehen sollte. Der Verzicht auf das Intercontinental-Match. Die Überschrift passt. Alles sieht genau so aus, wie es sein sollte. Bis auf den entscheidenden Absatz. Bis auf DIE Klausel, um die es hier seit zwei Wochen ging.


Stattdessen ist dort: Lorem Ipsum. Sinnloser Platzhaltertext. Perfekt gesetzt. Perfekt kopiert. Ein Dokument, das aussieht wie das Original, als hätte es jemand gesehen, studiert und dann millimetergenau nachgebaut. Nur ohne Wirkung.


Hollywood Jake: „Was soll der Scheiß? Was…“


Zeitgleich fällt es den beiden ein.


Mark Jilley: „Meine Tasche. Der falsche Verschluss.“


Nein, es wurde nichts gestohlen. Nur kopiert. Und mit dem Austausch hat man bis zum allerletzten Moment gewartet. Auf eine kleine Ablenkung.


Creed Gibson: „Es ist wundervoll, wenn man Freunde hat, die Trompete spielen können.“


Jake versteht es schlagartig. Seine Augen weiten sich. Er hat versagt. Für Switzenberg. Er stürzt nach vorn, greift nach Gibson, doch der Zirkusmann ist schneller. Eine Rolle, raus aus dem Ring, sicherer Stand auf der Matte. Gibson zieht sich zum Vorhang zurück, ehe Jake hinterherkommt.


Creed Gibson: „Richte deinem Chef aus, er muss seinen Urlaub abbrechen.“


Er deutet zur Kamera.


Creed Gibson: „In zwei Wochen, bei War Evening, löse ich mein Recht auf ein Match um den Intercontinental-Titel ein.“


Die Zuschauer jubeln und ein Grinsen schleicht auf Creeds Gesicht.


Creed Gibson: „Andrew wird dabei sein, mit seinem neuen Vertrag liebend gerne direkt am Ring. Und auch Zac. Schließlich war unser schöner kleiner Zauber-Trick…“


Gibson hebt die Finger an den Mund und deutet eine kleine, imaginäre Trompete an.


Creed Gibson: „…seine eigene Idee. Schöne Grüße von ihm, Jake. Er war im Switziverse schon immer der Einzige mit einem echten Plan.“