GFCW Tag Team Championship
No. 1 Contendership Match Douglas Dynasty (Raymond
"Morbeus" Douglas & Kyle Douglas) vs. T'n'B
(Titan & Tha Bomb) Referee: Thorsten Baumgärtner
Douglas
Dynasty steht bereits im Ring.
Ohne
große Show marschieren Tha Bomb und Titan unter
ohrenbetäubenden Buhrufen auf die Bühne.
PURE
ARROGANZ
PURER
SPOTT
PURE
HÄHME
PURE
SELBSTVERLIEBTHEIT
Alles
das geht von den beiden alten Tag Team Champions aus. Ganz in
schwarz stehen sie da und scheinen auf das Publikum und die
GFCW Galaxy herabzuschauen. Die beiden genießen es. Sie
genießen jeden Meter den sie die Rampe hinuntergehen.
Jeden Mittelfinger der Ihnen entgegengestreckt wird erwidern
die beiden mit einem Lächeln. Langsam und bedächtig
betreten die beiden den Ring. Voller Stolz stehen die beiden
in der Mitte und zeigen Morbeus und Kyle das sie den Ring
verlassen sollen denn es sei ihr Platz.
Pete:
„Wie schafft man es mit so wenig Aufwand so großen
Hass zu generieren…?“
Sven:
„Das ist schon eine große Kunst. Ohne groß
trara lösen die beiden unfassbare Wirkungen aus.
Roh…einfach…Schlicht!!!“
Thorsten
Baumgärtner steht im Ring, kontrolliert beide Teams und
läutet das Match an. Der Gong hallt durch die Arena, und
für einen Moment wirkt es fast ruhig. Kyle Douglas steht
im Ring, die Schultern angespannt, den Blick fest auf seinen
Gegner gerichtet. T’n’B wirken völlig
unbeeindruckt. Keine Gesten, keine Provokationen. Pure
Arroganz. Nur diese kalte Ruhe, die verrät: Sie wissen
genau, was sie tun. Tha Bomb wird beginnen. Titan und Morbeus
nehmen auf dem Apron Platz.
Offiziell
im Ring: Kyle Douglas und Tha Bomb
Pete:
„Das ist kein normales Comeback, Sven. Das fühlt
sich an wie… ein Statement.“
Sven:
„Oder wie eine Abrechnung. Und glaub mir: T’n’B
rechnen immer exakt.“
Der
erste Lock-Up ist kraftvoll, ehrlich. Beide drücken,
schieben, testen. Kyle versucht, das Tempo zu bestimmen,
arbeitet sich in einen sauberen Side Headlock. Für einen
kurzen Moment sieht alles nach klassischem Tag Team Wrestling
aus. Dann reißt Tha Bomb den Griff auf. Ein kurzer,
harter Forearm trifft Kyle seitlich am Kopf. Kein Show-Move –
einfach rohe Gewalt. Kyle wankt, und genau in diesem Moment
greift Tha Bomb den Arm, dreht ihn ein und wirft ihn mit
einem Armwringer auf die Matte. Kyle schlägt auf, der
Arm zuerst.
Pete:
„Und da ist es. Ziel erfasst.“
Noch
bevor Kyle sich aufrichten kann, folgt das Knie. Direkt auf
den Ellenbogen. Kyle schreit auf, rollt sich zusammen, hält
den Arm an den Körper.
Tha
Bomb bleibt ruhig. Fast schon gelassen. Herablassend tritt er
Kyle mit dem Fuß. Provozierend. Er zieht Kyle hoch,
presst den Arm hinter den Rücken, Hammerlock, ein paar
Schritte – dann ein kontrollierter Slam. Kyle liegt
wieder.
Der
erste Wechsel kommt früh. Sehr früh.
Offiziell
im Ring: Kyle Douglas und Titan
T’n’B
will keine Pause, keine Erholung für Kyle. Morbeus
versucht das Publikum zu animieren. Das geht sofort drauf ein
und die Unterstützung für Kyle ist da.Der frische
Mann tritt ein – und sofort ein Stomp auf den Arm. Dann
noch einer. Kyle versucht wegzurollen, doch er wird gepackt,
hochgezogen, mit einem Gut Kick in der Mitte gestoppt und mit
einem DDT auf die Matte geschickt, bei dem er seitlich
landet.
Cover.
ONEEEEEEE
TWOOOOOOOOOOOOOO
KICKOUT…
Sven:
„Kyle Douglas ist zäh. Aber Zähigkeit heilt
keine Gelenke.“
Kyle
krabbelt. Er schaut zur eigenen Ecke. Der Weg ist weit.
Morbeus streckt sich. Titan drängt ihn zurück,
schleudert ihn mit einem Whip in die Ecke, hält ihn dort
fest – Tha Bomb läuft an: Corner Clothesline,
direkt gefolgt von einem Splash. Kyle sackt zusammen.
Pete:
„Die haben es auf Kyles Arm abgesehen.“
Der
Arm wird aufs oberste Seil gelegt.
Ein
Tritt.
Noch
einer.
Kyle
schreit. Die Fans buhen, pfeifen, schreien durcheinander. Die
Stimmung heizt sich von Sekunde zu Sekunde auf. T´n´B
genießen es und suhlen sich in Antipathie die Ihnen
entgegenschlägt.
Pete:
„Das Match läuft jetzt komplett nach dem Rhythmus
von T’n’B.“
Sven:
„Hier sieht man die Erfahrung die die beiden
mitbringen. Old
School as it´s best.”
Zurück
im Ring folgt der nächste Armbreaker, das Knie fällt
präzise, fast schon klinisch auf den Unterarm. Kyle
windet sich, robbt Richtung Ecke, streckt die Hand aus –
fast geschafft.
Titan
packt sein Bein.
Ein
Ruck. Doch es fehlen Zentimeter.
Kyle
wird zurückgezogen.
Morbeus
kann es nicht fassen. Genau wie die Fans.
Ein
Release German Suplex schleudert ihn quer durch den Ring. Er
landet auf Schulter und Arm, bleibt liegen.
Sven:
„Sie nehmen ihm nicht nur die Kraft. Sie nehmen ihm die
Zeit.“
Minuten
vergehen. Wechsel bei T’n’B.
Offiziell
im Ring: Tha Bomb und Kyle Douglas
Immer
wieder frische Angriffe, immer wieder derselbe Fokus. Kyle
schafft einen Back Elbow, dann einen zweiten. Ein Jawbreaker
verschafft ihm Luft. Beide taumeln.
Pete:
„Man merkt das sich hier keiner was schenkt.“
Sven:
„Und Tha Bomb und Titan machen das gut in dem sie Kyle
als Schwachstelle ausgemacht haben.“
Kyle
sammelt alles, was er noch hat, rennt los – ein Flying
Forearm trifft. Beide gehen zu Boden.
Die
Halle steht. Morbeus pusht sich und Kyle.
Kyle
robbt.
Die
Fingerspitzen zittern.
Dann
der Kontakt. Hot Tag Douglas Dynastie!
Offiziell
im Ring: Morbeus und Tha Bomb
Der
Ring explodiert. Die Fans explodieren. Morbeus dreht auf. Er
stürmt in den Ring.
Clothesline.
Noch eine.
Swinging
Backbreaker gegen Tha Bomb
Titan
tritt in den Ring und will Tha Bomb helfen, wird jedoch von
Morbeus aus dem Ring geworfen. Ein Splash auf Tha Bomb folgt.
Cover!
ONEEEEE….
TWOOOOO…
KICKOUT…
Pete:
„Jetzt lebt dieses Match!“
Sven:
„Jetzt wird es wild…schau mal…!!“
Morbeus
läuft richtig heiß und attackiert Tha Bomb am
Boden mit Schlägen und Tritten. Dieser versucht sich zu
wehren, kann jedoch nur die Arme hochreißen um das
schlimmste zu verhindern. Die Fans sind völlig aus dem
Häuschen und skandieren den Namen des Altmeisters.
Morbeus zieht Tha Bomb hoch.
Scoop
Powerslam gegen Tha Bomb
Erneut
das Cover.
ONEEEEEEE…
Titan
ist da und zieht den Referee aus dem Ring.
Die
Fans buhen.
Sven:
„Genau das ist mein Ding. Jetzt geht’s los.“
Chaos
bricht aus. Titan rutscht in den Ring. Alle vier im Ring denn
auch Kyle will helfen, springt vom Apron mit einem Double Axe
Handle – trifft – landet schlecht. Sofort hält
er sich den Arm, beißt die Zähne zusammen.
Jetzt
zählt nichts mehr.
Kyle
wird gepackt, ein Inverted Atomic Drop trifft, gefolgt von
einem harten Running Boot. Er fällt rückwärts,
bleibt liegen. Morbeus und Tha Bomb treffen wieder
aufeinander und prügeln sich durch den Ring.
Pete:
„Hier sieht man das da ordentlich Vergangenheit
aufeinandertrifft.“
Titan
hat sich wieder Kyle geschnappt. Ansatz zum DDT. Kyle
kontert.
DDT
von Kyle gegen Titan.
Langsam
kommt der Referee wieder auf die Beine und kehrt zurück
in den Ring. Er versucht das Chaos zu lichten. Schafft es in
dem er Kyle aus dem Ring schickt. Dieser hält sich nach
jeder Aktion den Arm. Titan rollt sich benommen aus dem Ring.
Morbeus kann einer Clotheline von Tha Bomb ausweichen.
ELEVATED
DDT VON MORBEUS GEGEN THA BOMB
ONEEEEEEEEE
TWOOOOOOOOOOOO
TH…KICKOUT
Kyle
lebt noch. Er ist sehr angeschlagen. Wielange geht das noch
gut. Morbeus ärgert sich über die vertane Chance.
Sieht aber auch das es seinem Partner nicht gut geht. Er will
jetzt das schnelle Ende.
Er
zeigt an das sein Finisher folgen soll. Die Fans jubeln ihm
zu. Er zieht Tha Bomb. Er rammt ihn das Knie in den Magen und
schiebt ihn in Richtung Ringecke. Unter großen Mühen
versucht er Tha Bomb nach oben zu hieven. Plötzlich wird
das Publikum unruhig.
Pete:
„Kyle!!!...PASS AUF!!!“
Titan
hat sich von hinten angeschlichen und reißt Kyle die
Füße weg. Dieser knallt unsanft auf den Ringapron.
Morbeus sieht das und wird abgelenkt. Titan macht den Griff
ans Seil und will sich hochziehen. Der Referee erkennt das
und hindert Titan daran den Ring zu entern. Tha Bomb nutzt
die Sekunde in der Morbeus abgelenkt ist und jagt ihm den
Kopf in den Magen. Der Kanadier hält sich, doch nachdem
Tha Bomb ihn die zweite, dritte und vierte Kopfnuss gegeben
hat muss auch er ablassen und taumelt in den Ring zurück.
Tha Bomb folgt ihm und attackiert direkt. Morbeus muss
einstecken. Titan zieht weiterhin die Aufmerksamkeit des
Referees auf sich.
Pete:
„Das sieht nicht gut aus für die Douglas
Dynastie…“
Sven:
„Dafür aber für T´n´B…“
Tha
Bomb gibt Morbeus eine schallende Ohrfeige und provoziert ihn
spöttisch und herablassend. Die Fans buhen sich die
Seele aus dem Leib. Wut macht sich auf Morbeus Gesicht breit.
Im Hintergrund diskutiert Titan weiterhin mit Thorsten
Baumgärtner. Tha Bomb holt erneut aus und gibt Morbeus
eine weitere krachende Kopfnuss. Dieser geht auf die Knie.
Blut läuft ihm übers Gesicht. Dann schaut er hoch
und grinst Tha Bomb an.
LOW
BLOW VON MORBEUS GEGEN THA BOMB
Mit
schmerzverzerrtem Gesicht geht Tha Bomb zu Boden. Titan
stürmt in den Ring. Dabei stößt er Thorsten
Baumgärtner unsanft zur Seite sodass dieser in die
Ringecke knallt und aus dem Ring fällt. Der Hühne
geht auf Morbeus, der immer noch in der Ringmitte kniet, los
und streckt diesen mit einem harten Big Boot nieder. Morbeus
geht krachend zu Boden. Titan kümmert sich um Tha Bomb
der langsam wieder auf die Beine kommt.
Pete:
„UNFAIR UNFAIR UNFAIR…!!!“
Sven:
„Tja…Wer am Ende gewinnt hat Recht“
Tha
Bomb spricht zu Titan der sich sofort umdreht und Kyle
fixiert. Dieser versucht gerade zurück in den Ring zu
klettern. Doch sein schmerzender Arm hindert ihn sichtlich.
Titan tritt auf den Oberkörper von Kyle ein. Thorsten
Baumgärtner kriegt von alldem nichts mit. Er liegt
benommen draußen. Kyle kann sich kaum wehren, doch die
familiären Bande lassen ein aufgeben nicht zu. Titan
rollt sich raus. Zieht Kyle an den Hüften zu sich.
POWERBOMB
AUF DEN RINGAPRON.
Die
Halle schreit. Kyle liegt regungslos auf dem Ringapron. Tha
Bomb steht jetzt über Morbeus und nimmt diesen in den
Sleeperhold. Mit Blick auf das Geschehen windet sich der
Kanadier und versucht Tha Bombs Griff zu entkommen. Titan
packt sich einen Stuhl und klemmt Kyles Arm darin ein. Dann
stellt er den Stuhl samt Arm gegen den Ringpfosten. Ein paar
Schritte Anlauf. Man sieht die Verzweiflung auf Morbeus
Gesicht als er sieht wie Titan losläuft. Tha Bomb grinst
neben dem blutverschmierten Gesicht des Kanadiers.
Pete:
„NEIN TITAN…NICHT!!!!“
Sven:
„DAS WIRD KNACKEN!!!“
BIG
BOOT GEGEN DEN STUHL
Der
Schmerzensschrei lässt alle zusammenzucken. Sofort
breitet sich Stille in der Halle aus. Kyle scheint durch den
Schock wie apathisch liegt er auf dem Apron und hält
sich den Ring. Viel schlimmer jedoch ist der Schrei von
Morbeus. Selbst Tha Bomb zuckt kurz zusammen als Morbeus
sieht wie seinem Sohn der Arm gebrochen wird. Ein letztes
aufbäumen von Morbeus bevor Tha Bomb den Sleeper Hold
nochmal nachzieht. Mit letzter Kraft versucht Morbeus zu Kyle
zu kommen. Doch am Ende schläft der Kanadier ein.
Pete:
„Skandalös…ohne Worte…“
Sven:
„Schockierend…aber hier sieht man die
Entschlossenheit der alten GFCW.“
Sanitäter
rasen die Rampe herunter und kümmern sich sofort um Kyle
Douglas. Tha Bomb hat den Griff um Morbeus gelöst und
steht nun an den Seilen und nickt Titan zustimmend zu. Die
beiden alten GFCW Tag Team Champions spüren nun das
Ausmaß nie dagewesener Abneigung in der GFCW. Nachdem
nun auch Thorsten Baumgärtner wieder zu sich gekommen
ist und versucht sich ein Bild von der Situation zu machen
schickt er Tha Bomb und Titan rüde vom Ring weg.
NO
CONTEST
Tha
Bomb und Titan wollen jedoch weiter provozieren und suchen
den größtmöglichen Punkt um die Stimmung
gegen sich zum überlaufen zu bringen. Die Fans sind kurz
vor der Explosion als Tha Bomb und Titan den Weg durch die
Zuschauer wählen wollen.
Pete:
„Noch mehr Provokation geht nicht. Enttäuschend…“
Die
ehemaligen GFCW Tag Team Champions und Legenden der Liga
saugen den Hass förmlich auf. Doch gerade als sie den
Weg vorbei am Zeitnehmer ins Publikum gehen wollen erklingt
die Musik der Hasen.
Sofort
bricht Jubel unter den Fans aus.
Pete:
„DA KOMMEN SIE!!!...JAAAA“
Durchs
Publikum bahnen sich El Metztli und Tsuki Nosagi den Weg. Tha
Bomb und Titan stehen kurz schockiert da und stoppen. Langsam
aber sicher wählen die beiden Weg zurück und
versuchen gehen in Richtung Rampe zurück. Die Hasen
stürmen zum Ring und betreten diesen.
Tsuki
Nosagi: „IHR KÖNNT UNS EINSPERREN…IHR KÖNNT
UNS VERLETZTEN…IHR KÖNNT UNS DEMÜTIGEN…“
El
Metztli: „DOCH EINS WERDET IHR NIEMALS…IHR
WERDET NIEMALS UNS…“
Er
zeigt ins weite Rund. Er zeigt auf die Fans die dem Mexikaner
zujubeln.
El
Metztli: „IHR WERDET NIEMALS DIE GFCW GALAXY
BESIEGEN…DIE FANS SIND GRÖSSER ALS ALLES WAS IHR
JEMALS WART…SEID…UND SEIN WERDET.“
Tha
Bomb und Titan stehen vor dem Titantron und schauen
skeptisch, jedoch herablassend und arrogant Richtung Ring.
Tsuki
Nosagi: „Kämpfe werden gewonnen und verloren.
Knochen werden gebrochen und werden wieder heilen.“
Er
nickt Morbeus aufmunternd zu. Sanitäter kümmern
sich weiter um Kyle Douglas. Trage. Fixierung. Morbeus ist zu
sich gekommen und kniet nun neben ihm, während er
abtransportiert wird ist Morbeus die ganze Zeit an seiner
Seite– Arm ruhiggestellt, Gesicht vor Schmerz verzerrt.
Tsuki
Nosagi: „Doch ihr beiden…ihr seid alt…ihr
seid die Vergangenheit der GFCW. Ihr seid die alte GFCW…und
niemand hier will euch haben.“
El
Metztli: „Wir…die Black Wyrmz…Iðunn
Jörmungandr & Skaði Fenrir…WIR SIND DIE
ZUKUNFT DER GFCW…WIR WERDEN EUCH DAHIN SCHICKEN WO IHR
HINGEHÖRT…IN DIE GESCHICHTSBÜCHER DER GFCW…“
Die
Fans jubeln. Als die Scharr von Sanitätern neben der
Rampe Backstage gerollt wird spotten Tha Bomb und Titan noch
über Kyle. Morbeus würdigt die beiden keines
Blickes. Nur ein kurzer Blick nach oben, zum GFCW-Logo. Im
Ring stehen die Hasen die von den Fans gefeiert werden.
Sven:
„Wenn das ihr letzter Run ist… dann wollten sie,
dass man ihn niemals vergisst.“
Und
jeder weiß:
Das
hier war nicht einfach ein Match.
Das
war ein Wendepunkt.
„Ask?
Bist du hier irgendwo?“
Die
Stimme der Leopardin aus Long Island namens Monica Shade hallt
wenig kraftvoll und arg zweifelnd einige Bäume hoch. Die
Frau mit dem mächtigen, rosaroten Zopf und ihr Stoffschwein
Lady Rosi haben mittlerweile zwar einige Erfahrung darin Ask
Skógur zu suchen, doch Ask Skógur auch tatsächlich
zu finden, das ist ihnen bisher noch nie gelungen – wenn
werden sie auf ihrer Suche von dem
schwedischen Hirsch gefunden. Doch so oft und gern der ehemalige
GFCW World Champion auch die Natur aufsucht, die Bäumchen
rund um die Bochumer Jahrhunderthalle sehen nicht so aus, als ob
ein großer, starker Mann wie Ask Skógur auf ihren
Ästen chillen könnte.
Monica
Shade: „Ich hätten den Weihnachtsmann fragen sollen,
ob er Ask Skógur nicht ein Smartphone schenken möchte,
das würde das hier alles so viel einfacher machen...“
Frustriert
und mit zunehmender Ungeduld orientiert sich Monica in Richtung
des Austragungsortes zurück und ist in Gedanken versunken.
Ab und an blickt sie sich um, ob sie vielleicht doch Ask Skógur
irgendwo entdeckt, aber weder sieht sie ihn, noch wird sie
plötzlich angesproch--
„Was
machst du denn hier?“
Die
Augen von Monica Shade weiten sich und ihre bisher vor Frust nach
unten zeigenden Mundwinkel wandern ruckartig nach oben. Sie
wendet sich um, doch noch bevor sie sieht, dass eine kleine Frau
mit blonder Lockenpracht im feurig gefiederten Poncho vor ihr
steht, da realisiert sie selber, dass die Stimme doch ein
bisschen zu feminin war, um die von Ask gewesen sein zu können.
Monica
Shade: „Oh. Du bist es, Milly.“
Und
schon wandern die Mundwinkel wieder nach unten, wie Monica die
Phönixfrau identifiziert, die herzhaft in einen einen
selbstgemachten Burger mit Salat, Mayo und natürlich
Grillhähnchenbelag hineinbeißt.
Milly
Vermillion: „Könntest du aufhören so enttäuscht
zu gucken? Du bist in Gegenwart eines mächtigen, weisen und
wenn wir ehrlich sind auch wunderschönen und erhaben süßen
Phönix. Wenn du nicht willst, dass ich dir eine feurige
Backpfeife gebe, dann...“ Monica
Shade: „Nicht mit vollem Mund zu sprechen solltest du aber
wissen, wenn du weise bist, aber egal… weißt du
mächtiger, weiser, wunderschöner und erhaben süßer
Phönix vielleicht wo Ask Skógur ist? Den suche ich
nämlich.“
Milly
verengt misstrauisch die Augen.
Milly
Vermillion: „Schon wieder? Stehst du auf den? Aber sei es
drum, ich hab ihn gerade eben Backstage gesehen, ca. drei Gänge
hier vom Eingang weg.“
Monica
öffnet überrascht den Mund und wäre Lady Rosi kein
Stoffschwein, sie würde dasselbe tun. Und wieder hoch mit
den Mundwinkeln.
Monica
Shade: „Besten Dank für die Info, Milly! Dafür
lade ich dich bei Gelegenheit irgendwo hin zum Essen ein! Man
sieht sich.“
Ein
Moment, in dem man sich daran erinnert, dass es Monica Shade war,
die Milly Vermillion der Lerbitz Performance Group empfohlen hat.
Primär, weil es in der GFCW Historie schon manchen
Feuervogel oder Mann mit Phoenix im Namen gab und Monica daher
dachte, dass Milly zu GFCW passen sollte. Man könnte
„Phoenix“ Milly Vermillion gar für eine
namentliche Hommage an Phoenix C. Miller halten, auch wenn sie es
nicht ist. Jedenfalls verabschiedet sich Monica mit einer
knappen, dankbaren Handgeste von Milly, die ganz sicher die
Einladung zum Essen nicht vergessen wird, und eilt in die ihr
gezeigte Richtung. Das Kamerateam folgt ihr auf dem Fuße
und dann passiert es. Monica Shade schließt eine Suche nach
Ask Skógur erfolgreich ab. Achievement unlocked~!
Monica
Shade: „Hallo Ask! Lange nicht gesehen. Und dann auch
wieder nicht ganz so lange her. Verspätetes frohes Neues und
so...“
Ask
wirkt dabei fast schon etwas überrumpelt, als er von Monica
aus den Gedanken gerissen wird. In welchen Gedanken sich Ask
versunken befindet? Vermutlich in denen, die The End ihn vor
kurzem eingepflanzt hat. Ein World Title Match steht für ihn
an, noch immer scheint aber die Frage offen, ob Ask damit umgehen
kann.
Ask
Skógur: „Hey ihr Beiden…“
Ganz
selbstverständlich, aber noch immer leicht irritiert, grüßt
Ask dabei sowohl Monica als auch Lady Rosi.
Das
Stoffschwein wippt erfreut im Monicas linkem Arm auf und ab,
während die Schweinehirtin selber uncharakteristisch
unsicher wirkt. Ihr Stand ist unstet und mit der freien Hand
beginnt sie irgendwelche beschwichtigenden Gesten, die jedoch ob
ihrer wenig kontrollierten Durchführung mehr von
irritierendem Gefuchtel haben.
Monica
Shade: „Also… hab von Pete und Sven gehört,
dass The End nach letzter Woche wo er offen für alles und
jeden schien, heute jemand Konkreten als Gegner ausgesucht hat…
also dich.“
Obgleich
sie ihn anspricht, kann sie Ask dabei nicht direkt in die Augen
sehen und so sieht sie zwar in seine Richtung, aber doch mit weit
schweifendem Blick an ihm vorbei, als ob in der Ferne die
richtigen Worte an einer Wand stehen und nur darauf warten
würden, dass Monica sie abliest. Da stehen aber keine. Von
der brutalen, selbstbewussten Leopardin, die vorhin noch Mike
Müllers GFCW Traum zerfleddert hat, ist nichts übrig.
Vielmehr zwingt sie sich zu einem unsicheren Lächeln,
welches das Lächeln von mit Angststörungen zerfressenen
Introvertierten beim ersten Date im Direktvergleich wie ein
selbstbewusstes Grinsen erscheinen lässt und gibt dem
Schweden einen schwachen Daumen nach oben.
Monica
Shade: „Gute Wahl, hast du auch verdient, hatte das nur
nicht mitgekriegt, weil ich mit meinen Matchvorbereitungen
beschäftigt war. Hatte definitiv nicht vor mich da jetzt
auch noch mit reinzuquatschen. So ne schlechte Verliererin bin
ich nicht, dass ich denke ich könnte Ansprüche stellen,
wenn ausgerechnet du der Herausforderer aufs Gold bist. Im
Gegenteil, Lady Rosi und ich drücken dir die Daumen! Bist
ein guter Kerl und ich kann voll verstehen, dass manche Fans dich
noch vor Aldo Nero als Wrestler des Jahres ansehen. Denke du hast
gegen The End auch ne gute Chance zu gewinnen. Und das nicht nur
weil The End jetzt sich in seinem Dasein ohne James Corleone auch
erst einmal zurechtfinden muss, sondern weil du richtig gut bist.
Wer mich besiegt muss ja richtig gut sein, sonst hätte ich
ja nicht verloren, nicht wahr?“
Eigentlich
hatte sie ihre letzten Worte gesagt, um Ask gegenüber zu
verdeutlichen, wie ernst sie das meint und dass sie ihm keinen
Scheiß erzählt, doch diese ehrlichen Worte haben ihr
selbst die Tatsache verloren zu haben, doch etwas näher
zurück ins Bewusstsein gebracht, als sie das gewollt hätte.
Und schon ist der innere, seelische Schmerz der Niederlage wieder
präsent. Und um diesen rasch loszuwerden, legt sie nach.
Monica
Shade: „Wäre aber natürlich echt durfte, wenn du
mir dann im Erfolgsfall relativ zeitig ne Titelchance gewähren
würdest, auf dass Stella keine Grundlage hat mir ein Ohr
abzukauen, von wegen dass ich den Titel nicht energisch genug
angreifen würde oder was auch immer. Vermutlich krieg ich
von ihr eh schon in den nächsten Minuten ne motzende
Textnachricht, weil ich jetzt für die Anniversary Show quasi
nen Rückzieher mache… und na ja, ehrlich gesagt hätte
ich natürlich auch einfach gern ein Titelmatch, aber das
versteht sich wohl von selber...“
Und
schon geht es wieder los, Ask ist noch nicht einmal wieder
Champion und bereits jetzt holt ihn der Druck dieser Position
ein. Man sieht die Überforderung leicht in Asks Gesicht
hochfahren, da er sich ja gar nicht wirklich sicher ist, wie er
das Titelmatch angehen wird.
… andererseits,
schafft es Monica einmal mehr Ask auf eine Art zu motivieren, wie
er es nötig hat. Sie sieht ihn offenbar als würdigen
Champion, von der GFCW-Galaxy müssen wir gar nicht erst
anfangen, also… naja, vielleicht läuft diesmal doch
alles gut?
Oder
aber andererseits… er mag Monica zwar schon besiegt haben,
aber das war ja eher inoffiziell. Jetzt ist er es, der ein
Titelmatch hat und Monica, die ein Titelmatch will. Vielleicht
kann er mit dieser geschenkten Chance doch noch etwas mehr
anfangen, wenn sie nicht mehr „geschenkt“ ist.
Ask
Skógur: „Du willst ein Titelmatch.“
Ask
denkt nach und spricht nun vielmehr – noch immer in den
Gedanken versunken – zu sich, als zu ihr.
Ask
Skógur: „Und ich… hab ein Titelmatch.“
Monica
und Lady Rosi scheinen Asks Gedankengängen nur so halb
folgen zu können, was man ihnen aber auch nicht vorwerfen
kann, schließlich spricht er diese ja auch nicht aus.
Ask
Skógur: „Und du hast etwas gut bei mir. Also…
wieso warten? Hätte ich dich bei Title Night um einen Titel
besiegt, dann würde dir jetzt ein Rückmatch zustehen,
also machen wir es offiziell. Nächste Woche, bekommst du
dein Rückmatch. Und der Gewinner von uns Beiden… der
darf gegen End ran. Das ist deine Chance aufs Gold und meine
Chance mir… mir das zu verdienen.“
Etwas
desillusioniert scheint das für Ask alles sehr viel Sinn zu
machen und ganz abwegig ist sein Gedanke auch nicht, allerdings…
Monica
Shade: „Ähm, bist du sicher? Also… das Angebot
ehrt dich und ich würde jetzt so gerne einfach „danke“
sagen und es annehmen, aber...“
Da
ist es, dieses eine kurze Wort von vier Buchstaben, das so
bedeutungsvoll ist wie kaum ein anderes: „aber“.
Monica ertappt sich selbst es ausgesprochen zu haben, womit
eigentlich alles vor dem „aber“ nichtig ist und nur
das jetzt Folgende tatsächlich zählt.
Monica
Shade: „…ja, Stella wird mich deswegen zutexten,
aber ich muss dennoch fragen ob das Sinn macht? Du hast mich ja
nun erst vor ein paar Wochen besiegt. Und auch wenn ich denke,
dass wir letztlich relativ gleich gut sind, sodass ein Match
zwischen uns immer Spannung auf den Ausgang beinhaltet…
machst du deinen Sieg gegen mich jetzt nicht etwas zu klein, wenn
du denkst dich erneut gegen mich beweisen zu müssen, wenn du
dich gegen mich bereits bewiesen hast? Zudem wollen Fans doch
gern neue Begegnungen sehen und ein Rematch ist ja nun per
Definition das Gegenteil davon. Du hast von The End ein
Titelmatch gekriegt, weil er denkt, dass du es verdienst und ich
würde sagen mich besiegt zu haben ist verdient genug?“
Sie
hat einen Punkt. Aber, es ist nicht so, als wüsste das Ask
nicht. Er weiß es ganz genau, aber scheinbar ist er selbst
noch nicht so sehr davon überzeugt, dass der eine Sieg bei
Title Night ausreicht um wieder gut zu machen, was vorher war.
… oder
aber Ask sucht… naja… eine Ausrede, sich dem Titel
doch nicht zu stellen?
Ask
Skógur: „Bei Title Night ging es darum, dass ich den
dunklen Ort, an dem ich war, endlich verlassen kann. An diesem
Ort war ich, weil ich besessen vom GFCW World Championship war,
wenn ich jetzt, so schnell, eine Chance darauf geschenkt bekomme,
dann bin ich schneller wieder an diesem Ort, als es mir lieb
ist.“
Diese
Ansage wirkt wiederum überraschend… klar? Als sei es
Ask tatsächlich einfach nur wichtig sein Titelanrecht
gefestigt genug zu untermauern. Er will nichts geschenkt, er will
dafür kämpfen und so fühlt sich die Titelchance
weniger als eine unverdiente Chance an.
Und
vor allem… ist er so The End nichts schuldig.
Ask
Skógur: „… außerdem hab ich gesagt, du
hast was gut. Gewinne ich gegen End, könnte ich dir ein
Titelmatch geben, aber verliere ich… tja, was dann? So hab
ich es wenigstens selbst in der Hand, es bei dir wieder gut zu
machen.“
Ask
schnauft ruhig und in sich gekehrt durch.
Ask
Skógur: „Was soll ich sagen – ich hab dich
einmal besiegt, das schaffe ich wieder. Dann stehe ich weder in
deiner Schuld, noch in Ends und dann, habe ich mir den Titelkampf
verdient und vielleicht auch den Titel.“
Dieser
Front ist weniger als solcher gemeint, als, dass Ask vielmehr
Monica und vor allem sich selbst davon überzeugen will, dass
das Sinn macht, was er sagt und irgendwo tut es das auch. Er will
sich einfach nur sicher sein, dass er dem Titel würdig ist
und vielleicht ist er das mit diesem „offiziellen“
Sieg über seine Kontrahentin dann auch.
Monica
sieht die Ernsthaftigkeit in Asks Augen und stößt
einen mittellauten Seufzer aus. Die Art von Geräusch, wenn
du weißt, dass es sich jemand unnötig schwermacht, von
dem du eigentlich nicht möchtest, dass er es sich unnötig
schwermacht.
Monica
Shade: „Du musst echt immer alles extra dramatisch machen,
oder? Du bist mir nichts schuldig, ich hab dich ja nicht nur aus
der reinen Güte meines Herzens auf deiner Insel besucht,
sondern weil ich jemanden als Karriereleiter gebraucht habe.“
Ein
freundliches Lächeln begleitet diese Worte – als in
Monicas linkem Arm Lady Rosi beginnt sich mit zunehmender
Intensität zu bewegen. Entweder weil dem Stoffschwein
tatsächlich eine Seele innewohnt, die sich so bemerkbar
macht, oder weil Monicas auf Lady Rosi zur Objektivierung
projizierten Gedanken sich gerade heftig drehen und in ihr
mehrere Emotionen und Gedankenstränge um die Vorherrschaft
kämpfen.
Monica
Shade: „Ja, Lady Rosi, du hast recht, ich sollte diesem
geschenkten Gaul jetzt nicht zu lange ins Maul schauen.
Monicas
„Strategin“ beruhigt sich und wird wieder friedlich –
soll heißen: Monica hat eine Entscheidung getroffen, mit
der sie ihren Frieden geschlossen hat.
Monica
Shade: „Okay, Ask, wenn dir das so wichtig ist und du mir
die Karriereleiter, von der du mich runtergestoßen hast,
wieder hinstellen willst, dann soll es mir recht sein. Immerhin
dachten Lady Rosi und ich ja auch, dass ich bei Title Night gegen
ein Wrack antreten würde und dann warst du unverschämt
gut in Form, ergo wissen wir dieses Mal zumindest worauf ich mich
einstellen muss – und wir wissen auch, was ich im letzten
Match zwischen uns falsch gemacht habe.“
Man
möchte an dieser Stelle sagen, dass dies zu wissen auch
nicht so schwer ist, hatte doch Stella Nova bereits bei Title
Night Monica mit ihren taktischen Problemen kurz nach dem Match
konfrontiert.
Monica
Shade: „Und was ich beim letzten Mal falsch gemacht habe…
das werde ich definitiv nicht noch mal falsch machen.“
Sie
nimmt die rechte Hand hoch und zeigt zwei Finger.
Monica
Shade: „Da ist sie wieder, die „Zwei“. Letztes
Jahr hat mich eine „Zwei“ an mir zweifeln lassen –
zwei Niederlagen am Stück, das war hart. Aber jetzt? Jetzt
sind es zwei Siege und ich bin GFCW Champion. Und der erste Sieg
davon im zweiten Match gegen dich. Der Moment, in dem aus der
Pechzahl die Glückszahl wird. Es stimmt eben doch: wer immer
Schwein hat… hat immer Schwein.“
Ask
scheint… zufrieden? Nun, das wohl eher nicht. Es ist kaum
zu übersehen, dass Ask – obgleich er sich vor zwei
Wochen entschuldigt und eine neue Richtung für die Zukunft
angesagt hat – nun doch noch nicht wieder so gefestigt ist,
wie er es gern wäre, vor allem, da die „neue Richtung“
eigentlich der Titel war, dessen Rückgewinn er selbst
unnötig kompliziert.
Aber
Ask wird schon wissen, was er tut.
Oder?
Ask
Skógur: „Da ist sie wieder… die „Zwei“,
freut mich, dass wir das machen, aber nachdem ich dich in ZWEI
Wochen zum ZWEITEN Mal besiegt habe, hole ich mir World Title…
Nummer Zwei.“
Irgendwie
klingt die Aussage fast schon etwas gefestigter, irgendwie auch
nicht. Der Einzige, der irgendwie zu verstehen scheint, was da
bei Ask im Kopf rumgeht, ist wohl Ask. Wobei… nicht mal
der.
Auf
jeden Fall verabschiedet er sich mit diesen Worten und einem klar
definierten Match für zwei Wochen von Monica Shade und geht
davon…
… nur
weit kommt er nicht.
Ask
Skógur hat sein vorheriges Gespräch kaum beendet,
schon wird er wieder aufgehalten. Gerade weit genug weg von
Monica Shade, tritt jemand in seinen Weg. Es ist ein Mann,
vielleicht Mitte 20, in einem dunklen Shirt. Hochgewachsen, lange
Haare, athletischer Körperbau. Alles in allem: Auffällig
gutaussehend.
Aber
ist nicht die Optik, die Ask verwundert dreinschauen lässt.
Es ist der Umstand, dass der Mann ihm die Hand hinhält.
???:
„Hallo.“
Diese
bizarre Situation reißt Ask etwas aus seiner
nachdenklich-angespannten Stimmung, in die er heute durch die
Umstände verfrachtet wurde. Er ist davon tatsächlich
kurz losgelöst, aber nicht weniger verwirrt, von dem, was
hier gerade passiert.
Aber
Ask ist und bleibt ein netter.
Ask
Skógur: „Hey Mann….“
Eine
Begrüßung, die mit einem irritierten Blick und
gerümpften Augenbrauen daherkommt. Ohne dass Skógur
danach gefragt hatte, stellt sich der Mann breit lächelnd
vor.
???:
„Robbin. Robbin Zick. Aber meine Freunde dürfen mich
auch einfach Rob nennen.“
Ask
Skógur: „Und… wir sind Freunde?“
Robbin
Zick: „Noch nicht, Ask. Aber ich bin mir sicher, wir haben
beste Voraussetzungen, um Freunde zu werden. Denn ich bin
gekommen, um dir meine Bewunderung auszusprechen, dass du mit
einem fantastischen Sieg über Monica Shade in die
Erfolgsspur zurückgefunden hast – dafür eine
Gratulation im Namen des gesamten Unternehmens.“
Eine
spannende Bemerkung, vor allem nach der Entwicklung, die sich für
Ask heute ergeben hat. Dennoch ist das alles hier zu skurril,
dass er der Situation weiterfolgt, anstatt sich wieder seiner
nachdenklichen Art hinzugeben. Also, davon abgesehen:
Welches
Unternehmen? Diese Frage scheint Ask Skógur auf der Zunge
zu liegen. Doch grad, als er sie aussprechen will, findet er die
Antwort. Mit einem genaueren Blick auf das Shirt des Mannes. Dort
prangt auf schwarzem Untergrund ein Logo, welches wir vor zwei
Wochen erstmals gesehen haben. In einem ganz anderen Kontext.
Ask
runzelt erneut die Stirn. So ein bisschen hat er natürlich
davon mitbekommen, was Sven da vor zwei Wochen alles über
diese Marke gesagt hat. Aber genug interessiert, um sich damit in
irgendeiner Form auseinanderzusetzen, hat es ihn nicht.
Aber
eine Grundtendenz scheint er dennoch zu haben.
Ask
Skógur: „Tja… ich schätze Mal…
Danke?“
Irritiert
und doch sogar etwas desinteressiert, ohne dabei wirklich
konfrontativ werden zu wollen, „bedankt“ sich Ask
dennoch, auch, wenn er noch immer nicht genau weiß, was
diese ganze Sache nun mit ihm zu tun haben soll.
Robbin
Zick: „Ich finde deine bisherigen Karriereerfolge, Ask,
besonders beeindruckend, wenn man bedenkt…“
Der
junge Mann hat sein breites Grinsen im gesamten Gespräch
noch nicht eingestellt. Nun jedoch wird es noch intensiver.
Robbin
Zick: „…dass du eigentlich alles falsch machst.“
Und
nun scheint der konfrontative Kommentar doch zukommen, allerdings
vom mysteriösen Mann, gegen ihn und das scheint Ask nun –
vor allem nach dessen Vorbehalten – doch ein recht gutes
Gefühl zu geben, dass das hier tatsächlich KEIN Freund
ist und keiner werden könnte.
Ask
Skógur: „Wie war das?“
Mit
genug Nachdruck spricht Ask die Worte, als wolle er
verdeutlichen, dass er Robbin das zwar durchgehen lässt, er
besser aber nicht noch so einen Spruch bringt.
Falls
Zick merkt, dass er Skógur verbal auf die Füße
getreten ist, lässt er es sich nicht anmerken. Im Gegenteil.
Er tritt sogar einen Schritt an den Schweden heran und sieht aus,
als wolle er ihm ganz freundschaftlich eine Hand auf die Schulter
legen. Erst im letzten Augenblick zieht er zurück.
Robbin
Zick: „Nun, mal offen gesprochen unter Freunden: Die
Vorbereitungen zu deinen Kämpfen und die körperliche
Rehabilitation finden in einem…Wald
statt. Das ist weit entfernt von Professionalität.“
Ask
Skógur: „Ich… kann mir keinen besseren Ort
dafür vorstellen, außerdem ist es nicht nur EIN Wald,
es ist MEIN Wald. Und die Kraft der Natur gibt mir alles, was ich
brauche.“
Ask
hält sich noch zurück, legt aber abermals einen klaren
Standpunkt in seine Aussage, von der er nicht gedenkt abweichen
zu wollen.
Robbin
Zick: „Ask, ich merke, du bist einer, mit dem ich offen
sprechen kann. Du bist ein richtig cooler und kluger Typ.
Deswegen möchte ich dir einen Ratschlag geben.“
Der
junge Mann wirft sein glänzendes Haar zurück und
versucht, Skógur tief in die Augen zu schauen. Als könne
er so eine Verbindung zum Schweden aufbauen.
Robbin
Zick: „Du magst den Wald als Kraftort empfinden, ja. Das
ist in deinem
Kopf.
Das nennt man Placebo. Aber was denkt dein Körper?
Ist es für ihn auch eine Wohltat, wenn er zwischen
anstrengenden Kämpfen inmitten von feuchtem Laub und
Vogelscheiße regenerieren muss? Nein, natürlich nicht.
Du holst nicht das Optimum aus deinem Körper heraus. Jetzt
bist du noch jung, du kannst es kompensieren. Merkst die Fehler
nicht einmal. Aber auf lange Sicht…oh je.“
Der
Mann zieht die Mundwinkel theatralisch nach unten, um die
schweren Aussichten Skógurs zu betonen.
Robbin
Zick: „Was für ein Glück, dass wir schon jetzt
miteinander sprechen. Refuse to Age ist für dich da, Ask.
Wir können dir helfen. Wir können gemeinsam deine
Zukunft gestalten, anstatt dass du dich in absehbarer Zeit dem
Diktat des Verfalls unterwerfen musst. Ich möchte dir
gratulieren zu der Entscheidung, dieses Gespräch mit mir
gesucht zu haben. Es ist der erste Schritt in eine Zukunft, in
der Ask Skógur unsterblich wird.“
Und
so langsam scheint Ask nun doch die Hutschnur zu platzen.
Ask
Skógur: „Pass mal auf, mein Freund.“
Als
solcher versteht sich Robbin, Ask aber keineswegs.
Ask
Skógur: „Ich… hab hier gar nichts gesucht und
schon gar keinen Glitzertypen, der mir irgendwas davon erzählen
will, was ich alles falsch mache und das mein Wald ja gar nicht
gut sei. Das war der erste Punkt. Der Zweite – ich denk gar
nicht dran, hier irgendwas zu ändern. So wie es bisher lief,
so habe ich es an die Spitze der GFCW geschafft, mag ja sein,
dass es Rückfälle gab, hier und da, aber mein Gott, das
gehört halt dazu. Fehler machen, älter werden,…
gehört alles dazu, zum Kreislauf der Leben.“
Und
man sieht so richtig, wie es in diesem Moment „Klick“
macht – er selbst sagt es. Fehler machen, gehört dazu.
Ja, vielleicht lief bei seinem Titelverlust nicht alles gut, ja,
vielleicht hat er sich davon zu sehr übernehmen lassen, aber
jetzt… hat er daraus gelernt. Und nur weil ihn der Titel
einmal übermannt hat, muss das nicht wieder passieren.
Das…
mag nichts mit seinem schmierigen Gesprächspartner zu tun
haben, ironischerweise scheint aber genau der Ask nun doch zu
einem Denkanstoß verholfen zu haben, bei dem Ask nicht nur
das hört, was er hören muss, nein, bei dem er das auch
tatsächlich verinnerlicht.
Hofft
man es, zumindest.
Ask
Skógur: „Unsterblich sein? Nein, Mann. Ich bin kein
Baum, die können tausende von Jahre alt werden, ich bin
einfach nur Ask und so, altere ich, wie es jeder Mensch tut. Und
das ist auch gut so.“
Asks
Ausführungen nickt Zick mit hängendem Kopf hin. Aber er
wirkt nicht persönlich angegriffen – sondern scheint
vielmehr wegen Skógurs Uneinsichtigkeit zu trauern.
Robbin
Zick: „Ja, du sagst es, Ask. Alles altert. Menschen, Tiere,
Bäume. Aber nur weil es normal ist, muss es doch nicht gut
sein. Was ist gut daran, wenn aus einer mächtigen Eiche
eines Tages ein totes Stück Holz wird? Umgeformt in einen
Stuhl. Oder ein umgefallener Stamm, an dessen Fäulnis sich
unbedeutende Kreaturen nähren. Ich wäre lieber Eiche
geblieben. Und tief in dir möchtest du das auch sicher,
Ask.“
Der
Widerspruch liegt Skógur schon auf den Lippen. Doch bevor
er dazu kommt, zieht Zick hinter seinem Rücken ein Paket
hervor. Etwa in der Größe eines Schuhkartons. Im
Inneren klappert es.
Er
streckt es Ask entgegen.
Robbin
Zick: „Noch sind wir nicht auf einer Wellenlänge. Aber
ich verstehe, dass du es erst einmal überdenken musst. Der
erste Schritt ist immer der schwierigste. Dies hier…“
Das
Paket wird noch näher an Ask gedrückt. Der Schwede
macht immer noch keine Anstalten, es entgegenzunehmen.
Robbin
Zick: „…ist eine kleine Aufmerksamkeit für
einen Mann, von dem wir glauben, es würde sich lohnen, in
seine Unsterblichkeit zu investieren. Eine dreiwöchige Probe
des
Refuse To Age Supplement Stack,
ein Water Pik zur Optimierung deiner Zahngesundheit sowie einen
Gratis-Code für eine Lifestyle-Beratung.“
Kleine,
dreiwöchige Probe.
Skógur wirft einen Blick auf den Inhalt des Pakets:
‚Enthält 735 Kapseln“. Willkommen in der Welt
des Bryan Johnson.
Robbin
Zick: „Mit besten Grüßen von Danny Rickson.“
Ask
nimmt das Paket entgegen und schaut noch immer mit einer Mischung
daraus genervt, irritiert und leicht angefressen zu sein. Während
Robbin Zick nun verschwindet, schaut Ask sich das Paket an und
man kann es an seinem Gesicht ablesen, dass der da gar keinen
Bock drauf hat.
Ask
Skógur: „Ey, Mann. Hier, für dich. Damit kannst
du ewig Leben.“
Ask
hält einen GFCW-Mitarbeiter, der gerade an ihm
vorbeigelaufen kommt an und drückt ihm das Paket in die
Hand. Während es nun der Mitarbeiter ist, der irritiert
dreinblickt, macht sich Ask nun kopfschüttelnd aus dem Weg.
Ein
langer Tag für Ask Skógur – ihm wurde ein
Titelmatch angeboten, dann hat er dieses gegen Monica Shade aufs
Spiel gesetzt und nun diese Interaktion mit einem ominösen
Lifestyle-Guru. Dabei hat er wieder viele Emotionen durchgemacht,
aber trotz alle dem, scheint er erstmal mit einem positiveren
Gefühl aus dem Tag zu gehen, als es zwischendurch
herüberkam… und das ist doch erst einmal… gut.
Iokepa
blickt erst auf das Paket in seinen Händen. Dann auf den
Mann, der ihm breit grinsend gegenübersteht.
Iokepa:
„Was soll ich damit?“
Er
schüttelt das Paket. Im Inneren rasselt es, als hunderte
kleine Pillen hin und her rollen. Fast könnte es als
Musikinstrument durchgehen.
Robbin
Zick: „Das, mein Freund, ist ein Angebot.“
Iokepa:
„Ich habe kein Interesse.“
Über
die Absage geht der Vertreter des neuen GFCW Premium Partner
schlicht hinweg. Nicht einmal eine Millisekunde zucken die
hochgezogenen Muskeln in den Mundwinkeln.
Robbin
Zick: „Ein Angebot, von Beginn an alles in deiner noch
jungen Karriere richtig zu machen. Mit einer Probe des Refuse
to Age Supplement Stack.“
Der
Hawaiianer macht Anstalten, seinem Gegenüber das Geschenk
zurückzugeben. Doch Robbin schaut – natürlich
ganz zufällig – in diesem Moment zur Seite und sieht
die Geste Iokepas nicht.
Iokepa:
„Es ist der gleiche Kram, den du auch schon Ask gegeben
hast.“
Robbin
Zick: „Ist es. Was für ein wundervolles Kompliment,
findest du nicht aus?“
Als
Antwort legt der braungebrannte Neuling seinen Kopf schief. Er
weiß nicht, worauf Zick hinauswill.
Robbin
Zick: „Als ich hergekommen bin, habe ich zwei Pakete
mitgebracht. Das eine sollte ich an Ask Skógur geben.
Einem Mann, der vor wenigen Monaten noch World Champion war.
Dieses Paket jedoch…geht an dich. Mit exakt dem gleichen
Inhalt. Es scheint jemand sehr viel von dir zu halten in der
Firma.“
Begeistert
wirkt der Hawaiianer nicht. Aber er legt nachdenklich die Stirn
kraus.
Robbin
Zick: „Vielleicht ist es gar Danny Rickson selbst, der die
Anregung gab, in dich zu investieren. Ich glaube, er fand deinen
Sieg gegen Viggo sehr überzeugend.“
Der
Vertreter sucht in Iokepas Augen nach einer Antwort darauf, was
die Erwähnung des Hall of Famers mit ihm macht. Ist da ein
kurzes Flackern, das erkennen lässt, dass es nicht spurlos
an ihm vorbeigeht? Doch just als Zick glaubt, einen Zugang hinter
Iokepas Stirn gefunden zu haben, schüttelt dieser energisch
mit dem Kopf; als wolle er vor allem die Gedanken abschütteln,
die in ihm aufkommen.
Iokepa:
„Ich glaube, ich komme allein zu Recht. Ich bin Mitte
Zwanzig, nicht in der Midlife Crisis.“
Robbin
Zick: „Nun, da kann ich dir nicht widersprechen.“
Zufrieden
damit, den Vertreter abgeschüttelt zu haben, lächelt
Iokepa. Doch als er sich an Robbin vorbeidrücken will, hält
dieser ihn am Arm fest.
Robbin
Zick: „Du bist jung. Deine Karriere wird lang sein.
Vielleicht bist du einer von jenen Wrestlern, die eines Tages zu
Legenden werden. Legenden, die in den Gedanken der Fans
unsterblich werden.“
Iokepa
schüttelt Zicks Hand ab. Doch nicht dessen Worte.
Robbin
Zick: „Aber was wäre, wenn du wirklich unsterblich
wirst? Nicht nur als Legende, sondern als…du selbst. Du
könntest der erste Mann einer komplett neuen Generation von
Wrestlern sein, wenn du früh genug unsere Unterstützung
annimmst. Einer, der den einzigen Gegner besiegt, den es nicht im
Ring zu schlagen gilt: Die eigene Endlichkeit.“
Abermals
versucht Iokepa, sich an Zick vorbeizudrücken. Diesmal
schafft er es. Doch das Paket – das Iokepa ihm abermals
zurückgeben will – nickt Zick nicht an. Er verschränkt
die Arme vor der Brust.
Robbin
Zick: „Nun, du wirst über das Angebot nachdenken.“
Iokepa:
„Das habe ich nie gesagt.“
Robbin
Zick: „Und doch wirst du es tun.“
Für
einen Augenblick wird Iokepa auf dem falschen Fuß erwischt,
dann überwindet er die Verdutztheit über Zicks Aussage.
Mit einem Schnaufen lässt er den Vertreter stehen.
…
…
…
Und
läuft keine zwanzig Sekunden später, nach einem kurzen
Marsch Richtung Vorhang, direkt in Shelly Nafe. Die Managerin,
fast doppelt so alt wie er selbst, betrachtet ihn ohne Scheu und
Hast von oben bis unten.
Ohne
auf eine Reaktion zu warten, hält Nafe ihm eine Visitenkarte
hin. Iokepa blickt auf die ausgestreckte Hand. Fein manikürt.
Und doch verzieht sich sein Gesicht, als klebe an der
Mittfünfzigerin der Gestank von Iray Burch.
Iokepa:
„Oh, nein. Kein Interesse, Shelly.“
Mit
einer beiläufigen Handbewegung wischt sie seine Anmerkung
beiseite. Und steckt ihm die Visitenkarte in die Hosentasche, ehe
er reagieren kann.
Shelly
Nafe: „Manchmal frage ich mich, was der Nafe-Effekt aus
Iokepa machen könnte.“
Iokepa:
„Ich habe dir schon eine Antwort gegeben.“
Shelly
Nafe: „Es gibt noch eine zweite Überlegung, an der ich
immer wieder hängenbleibe.“
Sie
schenkt ihm ein Nonnenlächeln. Ganz die Unschuld in Person.
Shelly
Nafe: „Was Iray Burch aus Iokepa machen könnte.“
Der
Adamsapfel des Hawaiianers springt im Hals auf und ab, als er
sein eigenes Schweigen bitter hinunterschluckt.
Shelly
Nafe: „Eines Tages wird vielleicht der Tag kommen, an dem
man sich entscheiden muss, auf welcher Seite man steht. Ich würde
es bevorzugen, wenn ein solch hübscher Junge wie du im
Anschluss an jenen Tag…“
Iokepa
versucht, ihrem Schlangenblick auszuweichen. Doch selbst, als er
zu Boden starrt, scheinen ihre Augen unangenehm nahe.
Shelly
Nafe: „…noch immer ein hübscher Junge wäre.“
Dann
lässt sie ihn stehen. Mit jeder Sekunde wird das Klacken
ihrer Absätze leiser. Iokepa spürt die federleichte
Visitenkarte in seiner Hosentasche, als wäre sie mit Blei
beschwert.
…
…
…
Als
Iokepa die Schultern gestrafft und einmal durchgeatmet hat, geht
er weiter. Es wird Zeit. Zeit für den Main Event – den
er als Zuschauer betrachten wird.
Dann
läuft er wieder fast in jemanden hinein. Diesmal ist es
Hollywood Jake.
Iokepa:
„Hör mir zu, Jake. Ich habe wirklich kein Interesse,
dem Switziverse beizutreten. Danke für das Angebot, aber ich
werde nicht einmal darüber nachdenken. Ich mache einfach
mein eigenes Ding, okay? Und jetzt gehe ich zum Ring und schaue
mir Mad Dog gegen Breads in der Front Row an.“
Der
Angesprochene steht stumm da und starrt Iokepa an, als habe
dieser in wirren Sprachen geredet.
Hollywood
Jake: „Was redest du für eine Scheiße, Mann?
Niemand hat dich zu irgendetwas aufgefordert. Niemand will dich
beim Switziverse.“
Iokepa:
„Oh, ich glaubte, du wolltest…äh…also
nach den vorherigen Gesprächen, da dachte ich…“
Hollywood
Jake: „Es ist mir wirklich sehr egal, was du denkst.
Superegal. Ich hoffe nur, Denken hält dich nicht davon ab,
zur Seite zu gehen und mich durchzulassen. Ich habe nämlich
Wichtigeres zu tun und du stehst in meinem Weg.“
Weil
der Hawaiianer nicht sofort den Weg räumt, stöhnt Jake
auf.
Hollywood
Jake: „Hast du gesehen, was Zac Alonso und dieser Clown
abgezogen haben? Eine Farce. Betrug vor laufender Kamera. Es muss
Konsequenzen haben.“
Iokepa:
„Und was wirst du jetzt dagegen tun?“
Hollywood
Jake: „Mich sehr wortreich beschweren.“
Als
habe er plötzlich erschrocken realisiert, dass er (fast) ein
Gespräch auf Augenhöhe mit einem Menschen außerhalb
des Switziverse führt, wird Jakes Ausdruck wieder
abweisender. Er rückt sich den Pelzmantel zurecht und stößt
Iokepa zur Seite.
Hollywood
Jake: „Aber davon verstehst du nichts.“
Iokepa:
„Du hast Recht. Aber wovon ich etwas verstehe, ist
Wrestling. Und deswegen gehe ich jetzt da raus…“
Er
deutet in Richtung des Vorhangs, der bereits in Sichtweite ist.
Iokepa:
„…und schaue mir genüsslich aus nächster
Nähe an, wenn alle in der Halle realisieren, dass meine
Mahnung von vor zwei Wochen berechtigt war: Die GFCW sollte nicht
auf Altstars setzen. Breads gegen Mad Dog wird kein Klassiker, es
wird aufgewärmter Kram zweier Has-Beens. Nostalgie ist eine
Blase, Jake. Und eines Tages wird sie aufplatzen.“
Ein
Grinsen tritt auf sein Gesicht.
Iokepa:
„Und wenn ich muss, bringe ich sie selbst zum Platzen.“
Singles
Match Robert Breads vs. Night Fighter Mad Dog
Referee: Mike Kontrak
Dröhnend
scheppern die Klänge von Lynyrd Skynyrd durch die Halle
und jetzt jubelt die Menge auch. Doch noch lauter wird die
Meute, als der verrückte Hund den Vorhang beiseite
schiebt und erneut in die Bochumer Jahrhunderthalle
hinaustritt.
Broken
bones,
broken hearts
Stripped
down and torn apart
A
little bit of rust - I'm still runnin'
Countin'
miles,
countin' tears
Twisted
roads, shiftin' gears
Year
after year - it's all or nothin'
Der
Night Fighter nickt nur kurz in Richtung der Zuschauerränge,
dann geht er zielstrebig in Richtung Ring. Jetzt gilt der
Fokus seinem kommenden Match – die Fans reichen ihm die
Hände, doch er geht daran vorbei.
But
I'm not
home,
I'm not
lost
Still
holdin' on to what I
got
Ain't
much left
No
there's so
much that's
been stolen
Kurz
vorm Squared Circle bleibt er stehen. Ein paar Fans verneigen
sich mit großer Geste vor dem Mann, den sie selbst
schon seit Kindheitstagen kennen. Aber auch das scheint MD
kalt zu lassen, kurz streicht er über die getapten Hände
– es sitzt alles.
Dann
slidet er in den Ring, läuft ein paar Mal in die Ropes.
I
guess I've lost everything I've had
But
I'm not
dead,
at least not
yet
STILL
ALONE,
STILL
ALIVE,
STILL
UNBROKEN
I'm
still alone, still alive,
I'm
still unbroken
Die
letzten Worte des Chorus flüstert der mehrfache World
Champion fast unmerklich mit. Dann geht er in seine Ringecke
und starrt in Richtung Entrance, von wo der Kanadier kommen
wird.
Sein
Gegner lässt nicht lange auf sich warten.
Graues
Haar, grauer Bart, Falten im um Mund und Augen: Schaut Mad
Dog seinem Feind für den heutigen Abend ins Gesicht, hat
er sich eindeutig sehr verändert. Doch ein genauerer
Blick in die Augen von Robert Breads, und ein vertrauter
Ausdruck dürfte erkennbar sein. Diese Mischung aus
Spott, Selbstvertrauen und Entschlossenheit, die „Canada’s
Own“ an die Spitze von nicht nur einer, sondern gleich
zwei Promotions geführt hat.
Die
rot-weiße Hose, die schwarzen Stiefel und die weißen
Wrist Tapes bilden das Outfit, das wir über Jahre von
Breads gesehen haben, lediglich mit wechselnden Patterns auf
der Hose. Heute ist es recht schlicht. Wer möchte, kann
eine Referenz an seine Zeit als „PCA Wrestling
Champion“ ausmachen, es könnte allerdings auch
reiner Zufall sein.
Die
Halle ist verdammt laut, wissen doch alle, dass das hier
einer der letzten Auftritte von Robert Breads ist. Das hier
und dann noch drei Shows, und die Karriere ist vorbei. Eine
der letzten Chancen, Breads zu sagen, wie man zu ihm steht.
Und
wie das so ist, wenn man kurz vor dem Rücktritt steht,
gibt es in erster Linie Jubel. Ist das verdient, wenn man
sich die Sammlung von Titeln und Erfolgen von Breads ansieht?
Definitiv. Als Person, seinen Charakter beurteilend? Nunja.
Der
Kanadier steigt die Ringtreppe nach oben, und verharrt kurz
auf dem Apron. Er wirft Mad Dog einen Blick zu, der nur
schwer zu deuten ist. Sein lässiges – vielleicht
ein wenig übertrieben
lässiges – Lächeln lässt darauf
schließen, was er hier vermitteln will: Du bist fällig.
Mal wieder.
Dann
steigt er ins Seilgeviert, die Musik verstummt und Referee
Mike Kontrak kontrolliert beide Kontrahenten nach Foreign
Objects. Da er nichts zu finden scheint, steht dem Kampf
nichts mehr im Wege.
Die
Glocke läutet.
Es
kann losgehen.
Und
es beginnt ganz klassisch – mit einem Lock-Up in der
Mitte des Rings. Beide sind Veteranen und haben dieses Spiel
zur Eröffnung eines Duells oft genug mitgemacht, um gut
darin geworden zu sein, aber keiner ist explizit ein
technisches Genie. Hier werden keine neuartigen Holds und
komplexen Abfolgen aus dem Hut gezaubert, hier wird mit
zusammengebissenen Zähnen gedrückt, geschoben und
gezogen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Es
ist letztlich Breads, der Mad Dog mit einem Side Headlock
Taveover auf die Matte bekommt, nachdem er sein Gewicht
clever verlagern konnte. Der Night Fighter ist sogleich zur
Stelle, sich zu befreien, indem er die Beine um den Hals des
Kanadiers schlingen will und sich so ganz klassisch aus der
Bredouille zu holen, aber er bekommt nur eines seiner Beine
auf Anhieb in die richtige Position. Das zeigt Robert
natürlich, was er vorhat, ehe das zweite Bein korrigiert
werden kann, und “Canada’s Own” switcht zu
einem Waistlock.
Pete:
“Hm, spielt da vielleicht etwas Ringrost mit rein?”
Sven:
“Man kann es sicherlich so oder so sehen. Mad Dog hat
nicht die Prügel der letzten Jahre in den Knochen, wie
es bei Breads der Fall ist. Aber stimmt schon, auch wenn es
Paradox klingt: Ohne Routine ist es nicht immer einfach für
Wrestler, auf Anhieb ihr Bestes abzurufen.”
Pete:
“Vor allem nicht, je älter man wird. Breads ist
schon nicht mehr der Jüngste, und Mad Dog ist noch
älter. In guter Form, klar, aber gewisse Dinge macht ein
Körper irgendwann nicht mehr wirklich mit.”
Sven:
“Man könnte glatt sagen, das tatsächliche
Skill-Level der unbekannten Konstante ist uns noch...
unbekannt.”
Und
so verläuft der Beginn des Matches dann auch weiter.
Breads demonstriert eine “Schuster, bleib bei deinen
Leisten”-mäßige Treue zu Basic Holds und
standardmäßigem Match-Beginn, bei dem er dem Night
Fighter stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Es wirkt
beinahe so, als wolle Robert hier zeigen, dass er Mad Dog
auch dann überlegen ist, wenn er sich keine große
Mühe gibt, eine besondere Taktik auszupacken. “Mein
Minimum reicht, um dein Maximum zu schlagen”, scheint
das Wrestling von Breads sagen zu wollen, auch wenn man mehr
als deutlich erkennen kann, dass er mehr und mehr struggled,
seinen Gegner unter Kontrolle zu halten.
Denn
Stück für Stück kommt der Night Fighter besser
in dieses Duell hinein. Seine Aktionen werden etwas
flüssiger, schneller und haben ein bisschen mehr
Schwung. Man kann beinahe spüren, wie er den Ringrost
abschüttelt, als habe der Hai zum ersten Mal seit
Ewigkeiten wieder Blut geschmeckt und sich erinnert, wer und
was er ist.
Deshalb
kommt es letztlich nicht überraschend, dass ein betont
lockerer Versuch von Breads, Mad Dog mit einem Backdrop zu
Boden zu werfen, gekontert wird – der Night Fighter
kippt hinten über, reißt die Arme hoch und
schlingt sie um den Kopf von Breads. Der Sleeper Hold sitzt,
aber Breads hat sofort einen Arm im naheliegenden Seil, und
Referee Mike Kontrak zählt Mad Dog an, der bis “vier”
festhält, dann aber auch sofort loslässt. Er bleibt
innerhalb der Regeln, reizt sie aus, ohne sie aber zu
strapazieren.
Verbissen,
aber fair.
Breads
fasst sich an den Hals, dann sieht er mit finsterem Blick zu
Mad Dog herüber, der sich in der Ringmitte positioniert
hat und vorsichtigen Applaus von den GFCW-Fans in Bochum
erhält. Die Zeiten, als es eine echte “PCWA vs
GFCW”-Stimmung hätte geben können, sind
vorbei, aber dennoch scheint es so, als wäre man
zögerlich, Mad Dog über Breads anzufeuern. Es ist
nicht so, dass man den Night Fighter nicht mag, aber das
Framing des Matches seitens des bald zurücktretenden
Kanadiers war eben doch eindeutig.
Pete:
“Wenn sich diese Anfangsphase mal nicht rächt.
Breads hätte direkt mit härteren Bandagen loslegen
können und vielleicht auch sollen, um den maximalen
Schaden anzurichten, als Mad Dog noch seine kleinen
Problemchen hatte, sich wieder auf Competition auf dem
höchsten Level einzustellen.”
Sven:
“Stattdessen hat er nur den Show-Off gegeben und zeigen
wollen, wie easy es doch für ihn ist, dieses Match unter
Kontrolle zu halten, ohne wirklichen Schaden anzurichten. Das
ist schon ziemlich arrogant. Klar, es ist nicht mehr 2014,
aber trotzdem konnte Breads genauso wenig wie wir wissen, wie
gut Mad Dog noch ist.”
Pete:
“...oder Breads wollte seinen Gegner nur provozieren,
und ihm bewusst keinen großen Schaden zufügen, bis
er seinen Groove wiederhatte. Jetzt kann Breads nämlich
beweisen, dass er einen wütenden und im Saft stehenden
Mad Dog ohne zusätzlichen Vorteil besiegen kann, ohne
dessen lange Pause auszunutzen.”
Sven:
“Auch möglich. Das Ego von Breads ist groß
genug, als dass er so vorgehen würde. Aiden Rotari würde
entsetzt mit dem Kopf schütteln.”
Der
ist aber - dank Robert Breads – nicht mehr hier, und
so gibt es etwas, das sich wie ein kleiner “Re-Start”
anfühlt. Der Kanadier will erneut den Lock-Up, doch Mad
Dog bewegt sich im exakt richtigen Moment zur Seite, die Arme
von Breads gehen ins Leere und Mad Dog setzt einen Kick gegen
die Rippen von Breads. Kein Killer-Move, aber ein Warnschuss,
der Breads zischend die Luft einzieht.
Sofort
setzt Mad Dog nach. Breads reißt die Arme zur
Verteidigung hoch, doch das sieht der Night Fighter kommen,
und reißt statt eienr weiteren direkten Attacke an
besagten Armen. Er schleudert Breads per Whip-In in die
Ringecke, setzt nach und knallt ihm einen Spinkick in der
Ecke um die Ohren.
DOG
BITE!
Nun
hört man aus dem Publikum doch zumindest vereinzelt ein
paar lautere Reaktionen. Ja, er hat seine Lorbeeren
größtenteils woanders eingesackt und ja, man hat
ihn lange nicht gesehen – aber der Dog Bite scheint
einer der Moves zu sein, die ältere Herren (und
eventuell zwei oder drei Damen) im Publikum erkennen.
Vielleicht haben auch einige Zuschauer bloß irgendwann
mal “MAD DOG TOP 10 MOVES” auf YouTube gesucht.
Wie dem auch sei, der Spinkick sitzt, und der GFCW Hall of
Famer sinkt zu Boden.
Mad
Dog scheint zu überlegen, ob er direkt ein Cover
ansetzen soll, entscheidet sich dann aber doch dagegen. Zum
Sieg führen würde es ohnehin noch nicht, und er
möchte Breads eher weiter direkt zusetzen als ihn zu
zermürben, indem er ihn zwingt, auszukicken.
Der
Night Fighter will Breads in die Ringmitte zerren, aber der
Kanadier hat zu viel Ring Awareness und ist nicht fertig
genug, um NICHT sofort in die Seile zu greifen. Mad Dog zieht
ein wenig heftiger – und Breads nutzt das aus, lässt
die Seile los, sobald er sein Gleichgewicht gefunden hat, und
reißt das Bein hoch, und tritt Mad Dog mitten im nicht
mehr maskierten Gesicht.
BIG
BOOT!
Mit
einem erstickten Grunzen geht Mad Dog zu Boden, und Breads
atmet einmal tief durch. Dann geht er zwei Schritte zurück,
um Distanz zu kreieren, und jeder gottverdammte Fan, der auch
nur ein einziges Robert Breads Match in der letzten Dekade
gesehen hat, weiß, was das bedeutet: Es ist Zeit, zu
kicken.
Er
mag langsamer geworden sein, weniger athletisch, seine
Probleme mit langen Matches bekommen zu haben, aber der
größte Shitkicker der GFCW-Geschichte hat nichts
eingebüßt, wenn es um seine primäre Waffe
geht. Klar, das ist nun ausrechenbarer als es das Jahre zuvor
war, aber deshalb hat Breads schließlich auch so viele
neue Kick-Varianten in sein Arsenal eingebaut. Allein letztes
Jahr gewann er unter anderen mit einem Brazilian Kick, einem
Skull Kick und einem stumpften Penalty Kick Matches.
Breads
wirft einen kurzen Blick zu Iokepa, der sich dieses Match
ohne große Regung ansieht – er scheint wirklich
eher zu studieren als zu genießen. Kein Wunder, dass
ihm dieses Duell der alten Männer nicht unbedingt
zusagt, wenn man sich an seine Aussagen von vor ein paar
Wochen erinnert. Mit einem recht selbstgefälligen
Schmunzeln deutet Breads auf Mad Dog, ehe er zu Iokepa ruft:
“Guck dir das gut an!”
Dann
bekommt Mad Dog, der sich soeben wieder auf die Knie gehievt
hat, einen Fuß mit voller Wucht an die Brust gedonnert,
und kippt hinten über. Nach Luft ringend probiert er
sogleich, sich wieder aufzusetzen, und bekommt zum Dank von
Breads den Vollspann an die Schläfe geballert. Daraufhin
bleibt Mad Dog erst einmal liegen und wird gepinnt.
Eins...
Zwei...
Kick-Out!
Noch
nicht wirklich kurz vor drei, aber ein erstes Zeichen: Mad
Dog sollte sich schleunigst etwas überlegen, denn wenn
er Breads allzu lange das machen lässt, was Breads auch
im hohen Alter noch auf Weltklasse-Niveau kann, wird das mit
dem Sieg schwierig.
Pete:
“Es wird spannend, was Mad Dog sich überlegt hat.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der Breads schon
so oft im Ring gegenüberstand, keine Antwort für
Kicks in petto hat.”
Sven:
“Sicherlich hat Nelson irgendeinen Plan, ist halt nur
die Frage, ob er überhaupt dazu kommt, ihn zu
implementieren.”
Pete:
“Nelson?”
Sven:
“Nelson Friedrich Töle.”
Pete:
“NFT also?”
Sven:
“Das waren hässliche Affen, keine verrückten
Hunde.”
“Canada’s
Own” erhebt sich und tritt wieder zurück, um die
richtige Distanz wieder herzustellen. Halb belustigt, halb
fordernd bedeutet Breads seinem Gegner mit einer Geste, sich
gefälligst auf die Beine zu raffen, damit er ihn weiter
malträtieren kann. “Ist das schon alles?”,
scheint Breads non-verbal zu sagen, und mit einem krächzenden
Husten und einem wütenden Funkeln in den Augen macht Mad
Dog sich auf, auf die Füße zu kommen.
Und
da schnellt das Bein von Breads nach vorne!
Doch
das ist bloß eine Finte. Mad Dog zuckt zurück,
geht in Verteidigungsstellung, aber Breads zieht das Bein
einfach zurück und lacht einmal laut. Er lässt den
Gegner tanzen, wie er gerade lustig ist.
Und
deshalb macht er es einfach nochmal, das Bein schießt
nach vorne, zu noch einer Finte. Doch diesmal weicht Mad Dog
nicht aus. Er riecht den Fake-Out, er kennt Breads. Robert
will ihn lächerlich machen, sich selbst besser
darstellen, indem er ihn zucken und springen lässt, wie
er will?
Nein.
Statt
wegzugehen, geht Mad Dog einen Schritt nach vorne, und
schnappt sich das Bein, das nach vorne stellt. Breads reitß
die Augen weit auf. Mad Dog leckt sich über die Lippen.
Dragon
Screw!
Der
Night Fighter verdreht das linke Bein von Breads und feuert
ihn damit zu Boden. Mit einem unterdrückten Schrei rollt
der zweifache GFCW World Champion über die Matte, und
noch bevor er wirklich realisieren kann, was passiert ist,
hat sich der Night Fighter schon das linke Bein geschnappt,
und dreht Breads auf den Bauch.
Single
Leg Boston Crab!
Pete:
“Aha! Da
hat Mad Dog seinen Fokus gefunden: Er geht auf ein Bein von
Breads.”
Sven:
“In doppelter Hinsicht eine gute Entscheidung.
Natürlich einerseits, um die Kicks von Breads zu
schwächen und ihn weitesgehend lahm zu legen, aber Mad
Dog hat auch einen Figure Four Leg Lock im Repertoire, für
den das hier sehr nützlich werden könnte.”
Pete:
“Breads kriecht und krabbelt, ist schon fast an den
Seilen... und doch zieht und zerrt Mad Dog so sehr, wie er
nur kann.”
Sven:
“Mad Dog ist sich bewusst, dass das hier noch nicht der
Sieg sein wird. Aber wenn er genug Schaden anrichtet, dem
Bein richtig weh tut, kann das dennoch ein entscheidender
Punkt im Match werden.”
Pete:
“Breads ist nah dran... die Fingerspitzen... ja, er hat
die Seile.”
Sven:
“Kontrak zählt... und wieder lässt Mad Dog
genau bei vier los. Es bleibt dabei: Mad Dog kämpft
genauso hart, wie es die Regeln erlauben, ohne sie zu
brechen.”
Beinahe
demonstrativ reißt der Night Fighter die Hände weg
und tritt einen Schritt zurück, um zu zeigen, dass er es
nicht nötig hat, die Geduld des Ringrichters
überzustrapazieren. Zumindest in dieser Hinsicht ist Mad
Dog quasi das genaue Gegenteil von Breads’ letztem
Gegner. Er wirft Iokepa einen kurzen Blick zu, der sich
weiterhin aufmerksam, aber ohne Begeisterung, diesen Kampf
ansieht – es ist allerdings schwer zu deuten, was Mad
Dog damit aussagen will.
Mit
zusammengebissenen Zähnen wuchtet Breads sich mit Hilfe
der Seile nach oben, und zieht das linke Bein leicht nach.
Das war natürlich noch keine vernichtende Bearbeitung,
sein Bein ist nicht nutzlos oder völlig außer
Gefecht, aber angeschlagen ist es nun definitiv. Breads kann
beide Beine zum Kicken etwa gleich gut benutzen, aber selbst,
wenn er mit rechts kickt, bedeutet das ein unsicheres
Standbein, und das kann unter Umständen auch sehr
gefährlich werden.
Sobald
Breads steht und weg von den Seilen ist, ist es an Mad Dog,
ihn wieder anzugehen. Er versucht, mit Low Kicks auf Wade und
Oberschenkel von Breads abzuzielen. Breads muss dabei
zurückweichen, denn wenn er die Versuche mit dem linken
Bein blockt, könnte das auf Dauer noch größeren
Schaden verursachen. Mad Dog zwingt ihn damit mehr oder
weniger off-balance, und als der Night Fighter einen guten
Moment gekommen sieht, schießt er nach vorne.
Takedown
gegen das linke Bein!
KNEE
STRIKE!
Damit
hat Mad Dog nicht gerechnet: Er taucht ab, wirft sich voll
gegen das linke Bein von Breads, doch anstatt zu probieren,
auszuweichen, wirft er das Knie seiner angeschlagenen
Gliedmaße nach vorne, unter das Kinn von Mad Dog.
Breads jault selbst vor Schmerz auf, hat seinem eigenen Bein
damit weh getan, doch er scheint das Risiko kalkuliert zu
haben. Es ist ein dramatischer Momentum Shift, denn Mad Dog
sinkt sofort, ohne Körperspannung, zu Boden.
Pete:
“High Risk, High Reward!”
Sven:
“Das bedeutet aber auch, dass Breads JETZT agieren
muss: Mad Dog ist mindestens mal angeknockt, und je länger
dieses Match geht, desto größer wird das Problem
mit dem Bein.”
Das
scheint der Kanadier ganz ähnlich zu sehen. Er humpelt
ein kleines bisschen, hat er sich doch mit dieser Aktion
selbst unter Druck gesetzt, aber er hat in seiner Karriere
schon schlimmeren Schmerz durchgestanden und trotzdem
gesiegt.
Davon
wird er sich nicht aufhalten lassen.
Mit
beiden Händen packt er Mad Dog rücksichtlos an den
Ohren und zieht ihn hoch, zumindest mal auf die Knie. Referee
Mike Kontrak ermahnt Breads, doch der hat die Ohren seines
Feindes schon losgelassen, ignoriert den Ringrichter und
schnappt sich einen Arm seines Gegners.
Dann
den anderen.
Und
hakt sie ein.
Pete:
“Das kann nur der RB Driver werden.”
Sven:
“In über dreizehn Jahren ist noch nie jemand aus
diesem Move ausgekickt. Er hat in zwei Ligen wichtige Main
Events gewonnen, unglaubliche Gegner gefällt - unter
anderem Mad Dog selbst, vor einigen Jahren. Bei Title Night
hat er Aiden Rotari aus der Promotion entfernt. Das ist das
Ende, wenn er durchgeht.”
Das
stimmt.
Tut
er aber nicht.
BACK
BODY DROP!
Hat
Mad Dog sich totgestellt und war zwar angeschlagen, aber
nicht völlig fertig? Ist das ein verzweifelter
Adrenalinschub? Schwer zu sagen. Aber wenn man Breads die
Kicks vermiest, indem man sein Bein angeht, ist es nur
logisch, dass er eventuell etwas vorschnell zu seiner
wichtigsten Waffe greift. Mad Dog könnte das also
durchaus kommen gesehen haben, vielleicht ist es auch bloßer
Instinkt. Schwer zu sagen.
Relativ
eindeutig ist allerdings die Konsequenz seines Handelns: Mit
rudernden Armen wird Breads in die Höhe gehoben, ehe er
aus beeindruckender Höhe ungebremst auf die Matte
kracht.
Mit
einem Jaulen, das eher an Wölfe als an Hunde erinnert,
wirbelt Mad Dog herum – der Blick leicht glasig, aber
die Körpersprache entschlossen. Der angeschlagene Breads
wird gepackt, und wenn es um Moves geht, die echte Killer
sind, die gigantische Schlachten für sich entschieden
haben, dann hat Mad Dog da auch etwas in der Hinterhand, das
dem RB Driver um nichts nachsteht.
ENTER
NIGHT!
Der
Kanadier wird zum Screwdriver in die Luft gerissen. Die Form
von Mad Dog ist nicht hundertprozentig perfekt, so ein Knie
an den Kopf kann schonmal den Gleichgewichtssinn aus dem
Konzept bringen, aber es reicht, um Breads hoch zu kriegen.
Allerdings
nicht, um ihn dann auch festzuhalten. Denn “Canada’s
Own” rutscht hinten über, als er in der Luft ist,
und landet auf den Füßen.
Dabei
schreit er auf, als sein linker Fuß zuerst auf die
Matte trifft. Breads beißt sich auf die Unterlippe,
eindeutig schmerzerfüllt, doch er drückt das Bein
durch und als Mad Dog sich umgedreht hat, ist er da.
CANADIAN
CUTTER!
Die
dienstälteste Waffe von Robert Breads wird ausgepackt,
und er wirft sich mit den Armen um den Hals von Mad Dog.
Doch
dieser kann ihn wegschubsen. Die halbe Sekunde, die Breads
extra gebraucht hat, dank der Vorarbeit von Mad Dog mit dem
Bein des Kanadiers, hat dem Night Fighter die Chance gegeben,
die Arme hochzunehmen, und den in der Luft befindlichen
Breads an den Schultern wegzustoßen. Breads stolpert
vorwärts, behindert von seinem eigenen geschwächten
Bein, und landet mit dem Gesicht voran in der Ringecke.
Zischend zieht Breads die Luft ein, bevor er sich stöhnend,
den linken Fuß schüttelnd, herum dreht.
YAKUZA
KICK!
Sven:
“Peacemaker!”
Pete:
“Was?”
Während
Sven so eine Ahnung hat, wo Mad Dog diese Aktion
aufgeschnappt haben könnte - nämlich bei einem
alten Feind aus der Promotion, über die sich Breads
früher in der Show noch selbst erhoben hat –
bleibt Pete ratlos, was damit gemeint sein könnte. Aber
effektiv ist es allemal.
Eine
gewisse Ironie darin zu sehen, dass eine Kick-Variation
Breads blind nach vorn wanken lässt, in sein
buchstäbliches Verderben, ist an dieser Stelle wohl
nichts ungewöhnliches.
Der
Kanadier taumelt zwei Schritte voran, wankt, und fällt
gerade eben so nicht hin. Aber sein Kampf mit der eigenen
Balance hat ihn von seinem eigentlichen Kampf abgelenkt.
Und
sein Gegner hat Blut gerochen.
BACKCRACKER!
Von
hinten tritt Mad Dog an Breads heran, reißt die eigenen
Knie hoch und Robert herunter, sodass der kanadische GFCW
Hall of Famer einen Move einstecken muss, den wir in der GFCW
in dieser exakten Form vielleicht seit Yai nicht mehr gesehen
haben.
Was
für ein komischer Zufall.
Die
Fans sind nun dabei, zu applaudieren, und einige Chants für
Mad Dog sind ausgebrochen. Er mag so seine Schwierigkeiten zu
Beginn des Duells gehabt haben, sich die Liebe der Fans er
verdienen, aber ihren Respekt hat er nun allemal. Mad Dog
richtet sich auf, deutet in Richtung der Fans, und dann mit
ausgestrecktem Zeigefinger auch noch auf Iokepa.
Anschließend
schnappt er sich das linke Bein von Breads, und beginnt sich
zu drehen.
FIGURE
FOUR LEG LOCK!
KONTER!
BREADS
MIT DEM INSIDE CRADLE!
Eins...
Zwei...
Dreeeeee...eeeeeeein!
Bei
2,9 kommt Mad Dog noch so eben raus, die beiden Wrestler
springen auseinander. Keiner will nachgeben.
Aber
einer muss.
Denn
Breads hatte jetzt mehr einzustecken. Sein Bein gibt beim
aufspringen nach, es dauert den winzigen Extra-Moment, den
ein Wrestler wie Mad Dog benötigt.
Er
haut Robert Breads einfach in die Fresse.
Das
ist ästhetisch nicht unbedingt ansprechend, nichts, was
großer Analyse bedarf, aber es funktioniert. Ohne zu
Zögern und mit voller Wucht knallt der Night Fighter
seinem alten Weggefährten und Rivalen die Hand ins
Gesicht, und Breads kann nichts dagegen tun. Sein Kopf
schnellt nach hinten in den Nacken, ein undeutliches
Würge-Geräusch ist zu vernehmen, und bevor Robert
so recht weiß, wie ihm geschieht, hat Mad Dog ihn schon
gepackt.
Die
Ausführung ist auch diesmal nicht hundertprozentig
perfekt. Vor einer Dekade fiel es Mad Dog irgendwie noch
leichter, Gegner hoch in die Luft zu hieven. Nach einem
anstrengenden Match ist das gar nicht mehr so easy.
Aber
er ist nicht umsonst Legacy-technisch da, wo er nunmal ist.
Er mag perfektere Ausführungen dieses Moves in seiner
Karriere gezeigt haben, aber diesmal ist sein Gegner zu
groggy, um sich zu wehren, und das hier ist vor allem eines:
Verdammt befriedigend.
ENTER
NIGHT!
Breads
wird mit dem Kopf voran auf den Ringboden gedonnert, und
kippt sogleich reglos auf die Seite. Ächzend drückt
Mad Dog ihn mit der Schulter auf den Rücken, legt sich
auf Breads und hakt das linke Bein ein.
Eins...
Zwei...
Drei!
Sieger
des Matches durch Pinfall: Night Fighter Mad Dog
Pete:
“Das Debüt von Mad Dog, das Comeback von S1margl,
nennt es, wie ihr wollt: Es war erfolgreich!”
Sven:
“Das drittletzte Match in der Karriere von Robert
Breads endet mit einer Niederlage gegen seinen alten
Gefährten aus der PCWA.”
Pete:
“Dabei hat Breads nun wahrlich nicht schlecht gekämpft.
Und es ist wahrlich keine Schande, gegen einen der wenigen
Männer zu verlieren, die einen ähnlichen
Legenden-Status haben wie er selbst, wenn auch anderswo
errungen.”
Sven:
“Ob Breads das großartig tröstet? Ich weiß
ja nicht.”
Pete:
“Ich glaube, wir sehen es jetzt.”
Während
“Still Unbroken” - vielleicht noch nie so passend
wie in diesem Moment – durch die Halle schallt, lässt
Mad Dog einen Arm von Mike Kontrak heben. Der Referee deutet
auf den Gewinner, und Applaus und durchaus wahrnehmbarer
Jubel brandet auf. Man wusste bis jetzt nicht so genau, was
man von dem alternden Star toter Promotions halten sollte,
aber man konnte sich nun ein Bild machen.
Und
dieses Bild sieht gar nicht mal so übel aus.
Während
Iokepa sich abwendet und anscheinend kein Interesse hat,
weiter zu verfolgen, was hier passiert, dreht Mad Dog sich zu
seinem Gegner um. Breads hat nun die Aufmerksamkeit von Mike
Kontrak auf sich gezogen, der zu checken scheint, ob so weit
alles in Ordnung mit dem Kanadier ist. Und nachdem dieser –
unter gütiger Mithilfe von Kontrak und der Ringseile –
auf wackligen Füßen steht, den Mund noch immer
leicht offen, der Blick ein wenig apathisch, ist Breads schon
wieder er selbst genug, um den Ringrichter von sich zu
schubsen.
Breads
hat Mad Dog so gut im Blick, wie es eben geht. Er geht einen
Schritt auf den Feind zu, holprig, leicht humpelnd, unter
Schmerzen. “Canada’s Own” starrt den Night
Fighter an.
Der
hält ihm bloß die Hand hin.
Das
Kinn nach oben, die Brust raus, und ohne Mitleid, aber auch
ohne Feindseligkeit.
Noch
immer mit leicht offenem Mund starrt Breads die Hand an. Dann
guckt er Mad Dog ins Gesicht, als wolle er herausfinden, ob
das eine Falle oder ein Scherz ist.
Scheinbar
findet er seine Antwort.
Breads
schlägt ein.
Für
einen kurzen Moment wirkt es so, als würde hier etwas zu
Ende gehen, von dem niemand wusste, dass es noch läuft.
Dann
ist der Augenblick vorbei. Breads zieht seine Hand zurück.
Es gibt keine Umarmung und Robert hält auch nicht die
Hand von Mad Dog hoch, dafür ist er nicht der Typ, und
es ist nicht diese Art von Beziehung. Alles, was Breads dem
Night Fighter gibt, ist ein knappes, anerkennendes Nicken.
Damit
ist alles gesagt.
Breads
lässt sich zu Boden sinken, rollt aus dem Ring und
verweigert wirsch jedwede Hilfe mit seinem Bein. Er hat in
zwei Wochen noch ein Match, dann seine Abschiedsrede, und
danach wird es das mit einer Karriere gewesen sein.
Es
ist ziemlich klar, was die Zukunft für Robert Breads
bereithält.
Bei
der unbekannten Konstante ist das anders.
Mad
Dog bleibt allein im Ring zurück, wirft noch einmal
einen Blick auf Breads, dann dreht er sich zu einer der
Ringecken, steigt auf das zweite Seil und reißt beide
Arme in die Höhe.
Sein
Comeback ist geglückt.
Was
er als nächstes tun wird, finden wir sicherlich schon
bald heraus.