GFCW Tag Team Championship No. 1 Contendership Match
Douglas Dynasty (Raymond "Morbeus" Douglas & Kyle Douglas) vs. T'n'B (Titan & Tha Bomb)
Referee: Thorsten Baumgärtner


Douglas Dynasty steht bereits im Ring.



Ohne große Show marschieren Tha Bomb und Titan unter ohrenbetäubenden Buhrufen auf die Bühne.


PURE ARROGANZ

PURER SPOTT

PURE HÄHME

PURE SELBSTVERLIEBTHEIT


Alles das geht von den beiden alten Tag Team Champions aus. Ganz in schwarz stehen sie da und scheinen auf das Publikum und die GFCW Galaxy herabzuschauen. Die beiden genießen es. Sie genießen jeden Meter den sie die Rampe hinuntergehen. Jeden Mittelfinger der Ihnen entgegengestreckt wird erwidern die beiden mit einem Lächeln. Langsam und bedächtig betreten die beiden den Ring. Voller Stolz stehen die beiden in der Mitte und zeigen Morbeus und Kyle das sie den Ring verlassen sollen denn es sei ihr Platz.


Pete: „Wie schafft man es mit so wenig Aufwand so großen Hass zu generieren…?“

Sven: „Das ist schon eine große Kunst. Ohne groß trara lösen die beiden unfassbare Wirkungen aus. Roh…einfach…Schlicht!!!“


Thorsten Baumgärtner steht im Ring, kontrolliert beide Teams und läutet das Match an. Der Gong hallt durch die Arena, und für einen Moment wirkt es fast ruhig. Kyle Douglas steht im Ring, die Schultern angespannt, den Blick fest auf seinen Gegner gerichtet. T’n’B wirken völlig unbeeindruckt. Keine Gesten, keine Provokationen. Pure Arroganz. Nur diese kalte Ruhe, die verrät: Sie wissen genau, was sie tun. Tha Bomb wird beginnen. Titan und Morbeus nehmen auf dem Apron Platz.


Offiziell im Ring: Kyle Douglas und Tha Bomb


Pete: „Das ist kein normales Comeback, Sven. Das fühlt sich an wie… ein Statement.“

Sven: „Oder wie eine Abrechnung. Und glaub mir: T’n’B rechnen immer exakt.“


Der erste Lock-Up ist kraftvoll, ehrlich. Beide drücken, schieben, testen. Kyle versucht, das Tempo zu bestimmen, arbeitet sich in einen sauberen Side Headlock. Für einen kurzen Moment sieht alles nach klassischem Tag Team Wrestling aus. Dann reißt Tha Bomb den Griff auf. Ein kurzer, harter Forearm trifft Kyle seitlich am Kopf. Kein Show-Move – einfach rohe Gewalt. Kyle wankt, und genau in diesem Moment greift Tha Bomb den Arm, dreht ihn ein und wirft ihn mit einem Armwringer auf die Matte. Kyle schlägt auf, der Arm zuerst.


Pete: „Und da ist es. Ziel erfasst.“


Noch bevor Kyle sich aufrichten kann, folgt das Knie. Direkt auf den Ellenbogen. Kyle schreit auf, rollt sich zusammen, hält den Arm an den Körper.


Tha Bomb bleibt ruhig. Fast schon gelassen. Herablassend tritt er Kyle mit dem Fuß. Provozierend. Er zieht Kyle hoch, presst den Arm hinter den Rücken, Hammerlock, ein paar Schritte – dann ein kontrollierter Slam. Kyle liegt wieder.


Der erste Wechsel kommt früh. Sehr früh.


Offiziell im Ring: Kyle Douglas und Titan


T’n’B will keine Pause, keine Erholung für Kyle. Morbeus versucht das Publikum zu animieren. Das geht sofort drauf ein und die Unterstützung für Kyle ist da.Der frische Mann tritt ein – und sofort ein Stomp auf den Arm. Dann noch einer. Kyle versucht wegzurollen, doch er wird gepackt, hochgezogen, mit einem Gut Kick in der Mitte gestoppt und mit einem DDT auf die Matte geschickt, bei dem er seitlich landet.


Cover.


ONEEEEEEE


TWOOOOOOOOOOOOOO


KICKOUT…


Sven: „Kyle Douglas ist zäh. Aber Zähigkeit heilt keine Gelenke.“


Kyle krabbelt. Er schaut zur eigenen Ecke. Der Weg ist weit. Morbeus streckt sich. Titan drängt ihn zurück, schleudert ihn mit einem Whip in die Ecke, hält ihn dort fest – Tha Bomb läuft an: Corner Clothesline, direkt gefolgt von einem Splash. Kyle sackt zusammen.


Pete: „Die haben es auf Kyles Arm abgesehen.“


Der Arm wird aufs oberste Seil gelegt.


Ein Tritt.


Noch einer.


Kyle schreit. Die Fans buhen, pfeifen, schreien durcheinander. Die Stimmung heizt sich von Sekunde zu Sekunde auf. T´n´B genießen es und suhlen sich in Antipathie die Ihnen entgegenschlägt.


Pete: „Das Match läuft jetzt komplett nach dem Rhythmus von T’n’B.“

Sven: „Hier sieht man die Erfahrung die die beiden mitbringen. Old School as it´s best.”


Zurück im Ring folgt der nächste Armbreaker, das Knie fällt präzise, fast schon klinisch auf den Unterarm. Kyle windet sich, robbt Richtung Ecke, streckt die Hand aus – fast geschafft.


Titan packt sein Bein.


Ein Ruck. Doch es fehlen Zentimeter.


Kyle wird zurückgezogen.


Morbeus kann es nicht fassen. Genau wie die Fans.


Ein Release German Suplex schleudert ihn quer durch den Ring. Er landet auf Schulter und Arm, bleibt liegen.


Sven: „Sie nehmen ihm nicht nur die Kraft. Sie nehmen ihm die Zeit.“


Minuten vergehen. Wechsel bei T’n’B.


Offiziell im Ring: Tha Bomb und Kyle Douglas


Immer wieder frische Angriffe, immer wieder derselbe Fokus. Kyle schafft einen Back Elbow, dann einen zweiten. Ein Jawbreaker verschafft ihm Luft. Beide taumeln.


Pete: „Man merkt das sich hier keiner was schenkt.“

Sven: „Und Tha Bomb und Titan machen das gut in dem sie Kyle als Schwachstelle ausgemacht haben.“


Kyle sammelt alles, was er noch hat, rennt los – ein Flying Forearm trifft. Beide gehen zu Boden.


Die Halle steht. Morbeus pusht sich und Kyle.


Kyle robbt.

Die Fingerspitzen zittern.

Dann der Kontakt. Hot Tag Douglas Dynastie!


Offiziell im Ring: Morbeus und Tha Bomb


Der Ring explodiert. Die Fans explodieren. Morbeus dreht auf. Er stürmt in den Ring.


Clothesline. Noch eine.


Swinging Backbreaker gegen Tha Bomb


Titan tritt in den Ring und will Tha Bomb helfen, wird jedoch von Morbeus aus dem Ring geworfen. Ein Splash auf Tha Bomb folgt. Cover!


ONEEEEE….


TWOOOOO…


KICKOUT…


Pete: „Jetzt lebt dieses Match!“

Sven: „Jetzt wird es wild…schau mal…!!“


Morbeus läuft richtig heiß und attackiert Tha Bomb am Boden mit Schlägen und Tritten. Dieser versucht sich zu wehren, kann jedoch nur die Arme hochreißen um das schlimmste zu verhindern. Die Fans sind völlig aus dem Häuschen und skandieren den Namen des Altmeisters. Morbeus zieht Tha Bomb hoch.


Scoop Powerslam gegen Tha Bomb


Erneut das Cover.


ONEEEEEEE…


Titan ist da und zieht den Referee aus dem Ring.


Die Fans buhen.


Sven: „Genau das ist mein Ding. Jetzt geht’s los.“


Chaos bricht aus. Titan rutscht in den Ring. Alle vier im Ring denn auch Kyle will helfen, springt vom Apron mit einem Double Axe Handle – trifft – landet schlecht. Sofort hält er sich den Arm, beißt die Zähne zusammen.


Jetzt zählt nichts mehr.


Kyle wird gepackt, ein Inverted Atomic Drop trifft, gefolgt von einem harten Running Boot. Er fällt rückwärts, bleibt liegen. Morbeus und Tha Bomb treffen wieder aufeinander und prügeln sich durch den Ring.


Pete: „Hier sieht man das da ordentlich Vergangenheit aufeinandertrifft.“


Titan hat sich wieder Kyle geschnappt. Ansatz zum DDT. Kyle kontert.


DDT von Kyle gegen Titan.


Langsam kommt der Referee wieder auf die Beine und kehrt zurück in den Ring. Er versucht das Chaos zu lichten. Schafft es in dem er Kyle aus dem Ring schickt. Dieser hält sich nach jeder Aktion den Arm. Titan rollt sich benommen aus dem Ring. Morbeus kann einer Clotheline von Tha Bomb ausweichen.


ELEVATED DDT VON MORBEUS GEGEN THA BOMB


ONEEEEEEEEE

TWOOOOOOOOOOOO

TH…KICKOUT



Kyle lebt noch. Er ist sehr angeschlagen. Wielange geht das noch gut. Morbeus ärgert sich über die vertane Chance. Sieht aber auch das es seinem Partner nicht gut geht. Er will jetzt das schnelle Ende.


Er zeigt an das sein Finisher folgen soll. Die Fans jubeln ihm zu. Er zieht Tha Bomb. Er rammt ihn das Knie in den Magen und schiebt ihn in Richtung Ringecke. Unter großen Mühen versucht er Tha Bomb nach oben zu hieven. Plötzlich wird das Publikum unruhig.


Pete: „Kyle!!!...PASS AUF!!!“


Titan hat sich von hinten angeschlichen und reißt Kyle die Füße weg. Dieser knallt unsanft auf den Ringapron. Morbeus sieht das und wird abgelenkt. Titan macht den Griff ans Seil und will sich hochziehen. Der Referee erkennt das und hindert Titan daran den Ring zu entern. Tha Bomb nutzt die Sekunde in der Morbeus abgelenkt ist und jagt ihm den Kopf in den Magen. Der Kanadier hält sich, doch nachdem Tha Bomb ihn die zweite, dritte und vierte Kopfnuss gegeben hat muss auch er ablassen und taumelt in den Ring zurück. Tha Bomb folgt ihm und attackiert direkt. Morbeus muss einstecken. Titan zieht weiterhin die Aufmerksamkeit des Referees auf sich.


Pete: „Das sieht nicht gut aus für die Douglas Dynastie…“

Sven: „Dafür aber für T´n´B…“


Tha Bomb gibt Morbeus eine schallende Ohrfeige und provoziert ihn spöttisch und herablassend. Die Fans buhen sich die Seele aus dem Leib. Wut macht sich auf Morbeus Gesicht breit. Im Hintergrund diskutiert Titan weiterhin mit Thorsten Baumgärtner. Tha Bomb holt erneut aus und gibt Morbeus eine weitere krachende Kopfnuss. Dieser geht auf die Knie. Blut läuft ihm übers Gesicht. Dann schaut er hoch und grinst Tha Bomb an.


LOW BLOW VON MORBEUS GEGEN THA BOMB


Mit schmerzverzerrtem Gesicht geht Tha Bomb zu Boden. Titan stürmt in den Ring. Dabei stößt er Thorsten Baumgärtner unsanft zur Seite sodass dieser in die Ringecke knallt und aus dem Ring fällt. Der Hühne geht auf Morbeus, der immer noch in der Ringmitte kniet, los und streckt diesen mit einem harten Big Boot nieder. Morbeus geht krachend zu Boden. Titan kümmert sich um Tha Bomb der langsam wieder auf die Beine kommt.


Pete: „UNFAIR UNFAIR UNFAIR…!!!“

Sven: „Tja…Wer am Ende gewinnt hat Recht“


Tha Bomb spricht zu Titan der sich sofort umdreht und Kyle fixiert. Dieser versucht gerade zurück in den Ring zu klettern. Doch sein schmerzender Arm hindert ihn sichtlich. Titan tritt auf den Oberkörper von Kyle ein. Thorsten Baumgärtner kriegt von alldem nichts mit. Er liegt benommen draußen. Kyle kann sich kaum wehren, doch die familiären Bande lassen ein aufgeben nicht zu. Titan rollt sich raus. Zieht Kyle an den Hüften zu sich.


POWERBOMB AUF DEN RINGAPRON.


Die Halle schreit. Kyle liegt regungslos auf dem Ringapron. Tha Bomb steht jetzt über Morbeus und nimmt diesen in den Sleeperhold. Mit Blick auf das Geschehen windet sich der Kanadier und versucht Tha Bombs Griff zu entkommen. Titan packt sich einen Stuhl und klemmt Kyles Arm darin ein. Dann stellt er den Stuhl samt Arm gegen den Ringpfosten. Ein paar Schritte Anlauf. Man sieht die Verzweiflung auf Morbeus Gesicht als er sieht wie Titan losläuft. Tha Bomb grinst neben dem blutverschmierten Gesicht des Kanadiers.


Pete: „NEIN TITAN…NICHT!!!!“

Sven: „DAS WIRD KNACKEN!!!“


BIG BOOT GEGEN DEN STUHL


Der Schmerzensschrei lässt alle zusammenzucken. Sofort breitet sich Stille in der Halle aus. Kyle scheint durch den Schock wie apathisch liegt er auf dem Apron und hält sich den Ring. Viel schlimmer jedoch ist der Schrei von Morbeus. Selbst Tha Bomb zuckt kurz zusammen als Morbeus sieht wie seinem Sohn der Arm gebrochen wird. Ein letztes aufbäumen von Morbeus bevor Tha Bomb den Sleeper Hold nochmal nachzieht. Mit letzter Kraft versucht Morbeus zu Kyle zu kommen. Doch am Ende schläft der Kanadier ein.


Pete: „Skandalös…ohne Worte…“

Sven: „Schockierend…aber hier sieht man die Entschlossenheit der alten GFCW.“


Sanitäter rasen die Rampe herunter und kümmern sich sofort um Kyle Douglas. Tha Bomb hat den Griff um Morbeus gelöst und steht nun an den Seilen und nickt Titan zustimmend zu. Die beiden alten GFCW Tag Team Champions spüren nun das Ausmaß nie dagewesener Abneigung in der GFCW. Nachdem nun auch Thorsten Baumgärtner wieder zu sich gekommen ist und versucht sich ein Bild von der Situation zu machen schickt er Tha Bomb und Titan rüde vom Ring weg.


NO CONTEST


Tha Bomb und Titan wollen jedoch weiter provozieren und suchen den größtmöglichen Punkt um die Stimmung gegen sich zum überlaufen zu bringen. Die Fans sind kurz vor der Explosion als Tha Bomb und Titan den Weg durch die Zuschauer wählen wollen.


Pete: „Noch mehr Provokation geht nicht. Enttäuschend…“


Die ehemaligen GFCW Tag Team Champions und Legenden der Liga saugen den Hass förmlich auf. Doch gerade als sie den Weg vorbei am Zeitnehmer ins Publikum gehen wollen erklingt die Musik der Hasen.


Sofort bricht Jubel unter den Fans aus.


Pete: „DA KOMMEN SIE!!!...JAAAA“


Durchs Publikum bahnen sich El Metztli und Tsuki Nosagi den Weg. Tha Bomb und Titan stehen kurz schockiert da und stoppen. Langsam aber sicher wählen die beiden Weg zurück und versuchen gehen in Richtung Rampe zurück. Die Hasen stürmen zum Ring und betreten diesen.


Tsuki Nosagi: „IHR KÖNNT UNS EINSPERREN…IHR KÖNNT UNS VERLETZTEN…IHR KÖNNT UNS DEMÜTIGEN…“


El Metztli: „DOCH EINS WERDET IHR NIEMALS…IHR WERDET NIEMALS UNS…“


Er zeigt ins weite Rund. Er zeigt auf die Fans die dem Mexikaner zujubeln.


El Metztli: „IHR WERDET NIEMALS DIE GFCW GALAXY BESIEGEN…DIE FANS SIND GRÖSSER ALS ALLES WAS IHR JEMALS WART…SEID…UND SEIN WERDET.“


Tha Bomb und Titan stehen vor dem Titantron und schauen skeptisch, jedoch herablassend und arrogant Richtung Ring.


Tsuki Nosagi: „Kämpfe werden gewonnen und verloren. Knochen werden gebrochen und werden wieder heilen.“


Er nickt Morbeus aufmunternd zu. Sanitäter kümmern sich weiter um Kyle Douglas. Trage. Fixierung. Morbeus ist zu sich gekommen und kniet nun neben ihm, während er abtransportiert wird ist Morbeus die ganze Zeit an seiner Seite– Arm ruhiggestellt, Gesicht vor Schmerz verzerrt.


Tsuki Nosagi: „Doch ihr beiden…ihr seid alt…ihr seid die Vergangenheit der GFCW. Ihr seid die alte GFCW…und niemand hier will euch haben.“


El Metztli: „Wir…die Black Wyrmz…Iðunn Jörmungandr & Skaði Fenrir…WIR SIND DIE ZUKUNFT DER GFCW…WIR WERDEN EUCH DAHIN SCHICKEN WO IHR HINGEHÖRT…IN DIE GESCHICHTSBÜCHER DER GFCW…“


Die Fans jubeln. Als die Scharr von Sanitätern neben der Rampe Backstage gerollt wird spotten Tha Bomb und Titan noch über Kyle. Morbeus würdigt die beiden keines Blickes. Nur ein kurzer Blick nach oben, zum GFCW-Logo. Im Ring stehen die Hasen die von den Fans gefeiert werden.


Sven: „Wenn das ihr letzter Run ist… dann wollten sie, dass man ihn niemals vergisst.“


Und jeder weiß:

Das hier war nicht einfach ein Match.

Das war ein Wendepunkt.




Ask? Bist du hier irgendwo?“


Die Stimme der Leopardin aus Long Island namens Monica Shade hallt wenig kraftvoll und arg zweifelnd einige Bäume hoch. Die Frau mit dem mächtigen, rosaroten Zopf und ihr Stoffschwein Lady Rosi haben mittlerweile zwar einige Erfahrung darin Ask Skógur zu suchen, doch Ask Skógur auch tatsächlich zu finden, das ist ihnen bisher noch nie gelungen – wenn werden sie auf ihrer Suche von dem schwedischen Hirsch gefunden. Doch so oft und gern der ehemalige GFCW World Champion auch die Natur aufsucht, die Bäumchen rund um die Bochumer Jahrhunderthalle sehen nicht so aus, als ob ein großer, starker Mann wie Ask Skógur auf ihren Ästen chillen könnte.


Monica Shade: „Ich hätten den Weihnachtsmann fragen sollen, ob er Ask Skógur nicht ein Smartphone schenken möchte, das würde das hier alles so viel einfacher machen...“


Frustriert und mit zunehmender Ungeduld orientiert sich Monica in Richtung des Austragungsortes zurück und ist in Gedanken versunken. Ab und an blickt sie sich um, ob sie vielleicht doch Ask Skógur irgendwo entdeckt, aber weder sieht sie ihn, noch wird sie plötzlich angesproch--


„Was machst du denn hier?“


Die Augen von Monica Shade weiten sich und ihre bisher vor Frust nach unten zeigenden Mundwinkel wandern ruckartig nach oben. Sie wendet sich um, doch noch bevor sie sieht, dass eine kleine Frau mit blonder Lockenpracht im feurig gefiederten Poncho vor ihr steht, da realisiert sie selber, dass die Stimme doch ein bisschen zu feminin war, um die von Ask gewesen sein zu können.


Monica Shade: „Oh. Du bist es, Milly.“


Und schon wandern die Mundwinkel wieder nach unten, wie Monica die Phönixfrau identifiziert, die herzhaft in einen einen selbstgemachten Burger mit Salat, Mayo und natürlich Grillhähnchenbelag hineinbeißt.


Milly Vermillion: „Könntest du aufhören so enttäuscht zu gucken? Du bist in Gegenwart eines mächtigen, weisen und wenn wir ehrlich sind auch wunderschönen und erhaben süßen Phönix. Wenn du nicht willst, dass ich dir eine feurige Backpfeife gebe, dann...“

Monica Shade: „Nicht mit vollem Mund zu sprechen solltest du aber wissen, wenn du weise bist, aber egal… weißt du mächtiger, weiser, wunderschöner und erhaben süßer Phönix vielleicht wo Ask Skógur ist? Den suche ich nämlich.“


Milly verengt misstrauisch die Augen.


Milly Vermillion: „Schon wieder? Stehst du auf den? Aber sei es drum, ich hab ihn gerade eben Backstage gesehen, ca. drei Gänge hier vom Eingang weg.“


Monica öffnet überrascht den Mund und wäre Lady Rosi kein Stoffschwein, sie würde dasselbe tun. Und wieder hoch mit den Mundwinkeln.


Monica Shade: „Besten Dank für die Info, Milly! Dafür lade ich dich bei Gelegenheit irgendwo hin zum Essen ein! Man sieht sich.“


Ein Moment, in dem man sich daran erinnert, dass es Monica Shade war, die Milly Vermillion der Lerbitz Performance Group empfohlen hat. Primär, weil es in der GFCW Historie schon manchen Feuervogel oder Mann mit Phoenix im Namen gab und Monica daher dachte, dass Milly zu GFCW passen sollte. Man könnte „Phoenix“ Milly Vermillion gar für eine namentliche Hommage an Phoenix C. Miller halten, auch wenn sie es nicht ist. Jedenfalls verabschiedet sich Monica mit einer knappen, dankbaren Handgeste von Milly, die ganz sicher die Einladung zum Essen nicht vergessen wird, und eilt in die ihr gezeigte Richtung. Das Kamerateam folgt ihr auf dem Fuße und dann passiert es. Monica Shade schließt eine Suche nach Ask Skógur erfolgreich ab. Achievement unlocked~!


Monica Shade: „Hallo Ask! Lange nicht gesehen. Und dann auch wieder nicht ganz so lange her. Verspätetes frohes Neues und so...“


Ask wirkt dabei fast schon etwas überrumpelt, als er von Monica aus den Gedanken gerissen wird. In welchen Gedanken sich Ask versunken befindet? Vermutlich in denen, die The End ihn vor kurzem eingepflanzt hat. Ein World Title Match steht für ihn an, noch immer scheint aber die Frage offen, ob Ask damit umgehen kann.


Ask Skógur: „Hey ihr Beiden…“


Ganz selbstverständlich, aber noch immer leicht irritiert, grüßt Ask dabei sowohl Monica als auch Lady Rosi.

Das Stoffschwein wippt erfreut im Monicas linkem Arm auf und ab, während die Schweinehirtin selber uncharakteristisch unsicher wirkt. Ihr Stand ist unstet und mit der freien Hand beginnt sie irgendwelche beschwichtigenden Gesten, die jedoch ob ihrer wenig kontrollierten Durchführung mehr von irritierendem Gefuchtel haben.


Monica Shade: „Also… hab von Pete und Sven gehört, dass The End nach letzter Woche wo er offen für alles und jeden schien, heute jemand Konkreten als Gegner ausgesucht hat… also dich.“


Obgleich sie ihn anspricht, kann sie Ask dabei nicht direkt in die Augen sehen und so sieht sie zwar in seine Richtung, aber doch mit weit schweifendem Blick an ihm vorbei, als ob in der Ferne die richtigen Worte an einer Wand stehen und nur darauf warten würden, dass Monica sie abliest. Da stehen aber keine. Von der brutalen, selbstbewussten Leopardin, die vorhin noch Mike Müllers GFCW Traum zerfleddert hat, ist nichts übrig. Vielmehr zwingt sie sich zu einem unsicheren Lächeln, welches das Lächeln von mit Angststörungen zerfressenen Introvertierten beim ersten Date im Direktvergleich wie ein selbstbewusstes Grinsen erscheinen lässt und gibt dem Schweden einen schwachen Daumen nach oben.


Monica Shade: „Gute Wahl, hast du auch verdient, hatte das nur nicht mitgekriegt, weil ich mit meinen Matchvorbereitungen beschäftigt war. Hatte definitiv nicht vor mich da jetzt auch noch mit reinzuquatschen. So ne schlechte Verliererin bin ich nicht, dass ich denke ich könnte Ansprüche stellen, wenn ausgerechnet du der Herausforderer aufs Gold bist. Im Gegenteil, Lady Rosi und ich drücken dir die Daumen! Bist ein guter Kerl und ich kann voll verstehen, dass manche Fans dich noch vor Aldo Nero als Wrestler des Jahres ansehen. Denke du hast gegen The End auch ne gute Chance zu gewinnen. Und das nicht nur weil The End jetzt sich in seinem Dasein ohne James Corleone auch erst einmal zurechtfinden muss, sondern weil du richtig gut bist. Wer mich besiegt muss ja richtig gut sein, sonst hätte ich ja nicht verloren, nicht wahr?“


Eigentlich hatte sie ihre letzten Worte gesagt, um Ask gegenüber zu verdeutlichen, wie ernst sie das meint und dass sie ihm keinen Scheiß erzählt, doch diese ehrlichen Worte haben ihr selbst die Tatsache verloren zu haben, doch etwas näher zurück ins Bewusstsein gebracht, als sie das gewollt hätte. Und schon ist der innere, seelische Schmerz der Niederlage wieder präsent. Und um diesen rasch loszuwerden, legt sie nach.


Monica Shade: „Wäre aber natürlich echt durfte, wenn du mir dann im Erfolgsfall relativ zeitig ne Titelchance gewähren würdest, auf dass Stella keine Grundlage hat mir ein Ohr abzukauen, von wegen dass ich den Titel nicht energisch genug angreifen würde oder was auch immer. Vermutlich krieg ich von ihr eh schon in den nächsten Minuten ne motzende Textnachricht, weil ich jetzt für die Anniversary Show quasi nen Rückzieher mache… und na ja, ehrlich gesagt hätte ich natürlich auch einfach gern ein Titelmatch, aber das versteht sich wohl von selber...“


Und schon geht es wieder los, Ask ist noch nicht einmal wieder Champion und bereits jetzt holt ihn der Druck dieser Position ein. Man sieht die Überforderung leicht in Asks Gesicht hochfahren, da er sich ja gar nicht wirklich sicher ist, wie er das Titelmatch angehen wird.

andererseits, schafft es Monica einmal mehr Ask auf eine Art zu motivieren, wie er es nötig hat. Sie sieht ihn offenbar als würdigen Champion, von der GFCW-Galaxy müssen wir gar nicht erst anfangen, also… naja, vielleicht läuft diesmal doch alles gut?

Oder aber andererseits… er mag Monica zwar schon besiegt haben, aber das war ja eher inoffiziell. Jetzt ist er es, der ein Titelmatch hat und Monica, die ein Titelmatch will. Vielleicht kann er mit dieser geschenkten Chance doch noch etwas mehr anfangen, wenn sie nicht mehr „geschenkt“ ist.


Ask Skógur: „Du willst ein Titelmatch.“


Ask denkt nach und spricht nun vielmehr – noch immer in den Gedanken versunken – zu sich, als zu ihr.


Ask Skógur: „Und ich… hab ein Titelmatch.“


Monica und Lady Rosi scheinen Asks Gedankengängen nur so halb folgen zu können, was man ihnen aber auch nicht vorwerfen kann, schließlich spricht er diese ja auch nicht aus.


Ask Skógur: „Und du hast etwas gut bei mir. Also… wieso warten? Hätte ich dich bei Title Night um einen Titel besiegt, dann würde dir jetzt ein Rückmatch zustehen, also machen wir es offiziell. Nächste Woche, bekommst du dein Rückmatch. Und der Gewinner von uns Beiden… der darf gegen End ran. Das ist deine Chance aufs Gold und meine Chance mir… mir das zu verdienen.“


Etwas desillusioniert scheint das für Ask alles sehr viel Sinn zu machen und ganz abwegig ist sein Gedanke auch nicht, allerdings…


Monica Shade: „Ähm, bist du sicher? Also… das Angebot ehrt dich und ich würde jetzt so gerne einfach „danke“ sagen und es annehmen, aber...“


Da ist es, dieses eine kurze Wort von vier Buchstaben, das so bedeutungsvoll ist wie kaum ein anderes: „aber“. Monica ertappt sich selbst es ausgesprochen zu haben, womit eigentlich alles vor dem „aber“ nichtig ist und nur das jetzt Folgende tatsächlich zählt.


Monica Shade: „…ja, Stella wird mich deswegen zutexten, aber ich muss dennoch fragen ob das Sinn macht? Du hast mich ja nun erst vor ein paar Wochen besiegt. Und auch wenn ich denke, dass wir letztlich relativ gleich gut sind, sodass ein Match zwischen uns immer Spannung auf den Ausgang beinhaltet… machst du deinen Sieg gegen mich jetzt nicht etwas zu klein, wenn du denkst dich erneut gegen mich beweisen zu müssen, wenn du dich gegen mich bereits bewiesen hast? Zudem wollen Fans doch gern neue Begegnungen sehen und ein Rematch ist ja nun per Definition das Gegenteil davon. Du hast von The End ein Titelmatch gekriegt, weil er denkt, dass du es verdienst und ich würde sagen mich besiegt zu haben ist verdient genug?“


Sie hat einen Punkt. Aber, es ist nicht so, als wüsste das Ask nicht. Er weiß es ganz genau, aber scheinbar ist er selbst noch nicht so sehr davon überzeugt, dass der eine Sieg bei Title Night ausreicht um wieder gut zu machen, was vorher war.

oder aber Ask sucht… naja… eine Ausrede, sich dem Titel doch nicht zu stellen?


Ask Skógur: „Bei Title Night ging es darum, dass ich den dunklen Ort, an dem ich war, endlich verlassen kann. An diesem Ort war ich, weil ich besessen vom GFCW World Championship war, wenn ich jetzt, so schnell, eine Chance darauf geschenkt bekomme, dann bin ich schneller wieder an diesem Ort, als es mir lieb ist.“


Diese Ansage wirkt wiederum überraschend… klar? Als sei es Ask tatsächlich einfach nur wichtig sein Titelanrecht gefestigt genug zu untermauern. Er will nichts geschenkt, er will dafür kämpfen und so fühlt sich die Titelchance weniger als eine unverdiente Chance an.

Und vor allem… ist er so The End nichts schuldig.


Ask Skógur: „… außerdem hab ich gesagt, du hast was gut. Gewinne ich gegen End, könnte ich dir ein Titelmatch geben, aber verliere ich… tja, was dann? So hab ich es wenigstens selbst in der Hand, es bei dir wieder gut zu machen.“


Ask schnauft ruhig und in sich gekehrt durch.


Ask Skógur: „Was soll ich sagen – ich hab dich einmal besiegt, das schaffe ich wieder. Dann stehe ich weder in deiner Schuld, noch in Ends und dann, habe ich mir den Titelkampf verdient und vielleicht auch den Titel.“


Dieser Front ist weniger als solcher gemeint, als, dass Ask vielmehr Monica und vor allem sich selbst davon überzeugen will, dass das Sinn macht, was er sagt und irgendwo tut es das auch. Er will sich einfach nur sicher sein, dass er dem Titel würdig ist und vielleicht ist er das mit diesem „offiziellen“ Sieg über seine Kontrahentin dann auch.

Monica sieht die Ernsthaftigkeit in Asks Augen und stößt einen mittellauten Seufzer aus. Die Art von Geräusch, wenn du weißt, dass es sich jemand unnötig schwermacht, von dem du eigentlich nicht möchtest, dass er es sich unnötig schwermacht.


Monica Shade: „Du musst echt immer alles extra dramatisch machen, oder? Du bist mir nichts schuldig, ich hab dich ja nicht nur aus der reinen Güte meines Herzens auf deiner Insel besucht, sondern weil ich jemanden als Karriereleiter gebraucht habe.“


Ein freundliches Lächeln begleitet diese Worte – als in Monicas linkem Arm Lady Rosi beginnt sich mit zunehmender Intensität zu bewegen. Entweder weil dem Stoffschwein tatsächlich eine Seele innewohnt, die sich so bemerkbar macht, oder weil Monicas auf Lady Rosi zur Objektivierung projizierten Gedanken sich gerade heftig drehen und in ihr mehrere Emotionen und Gedankenstränge um die Vorherrschaft kämpfen.


Monica Shade: „Ja, Lady Rosi, du hast recht, ich sollte diesem geschenkten Gaul jetzt nicht zu lange ins Maul schauen.


Monicas „Strategin“ beruhigt sich und wird wieder friedlich – soll heißen: Monica hat eine Entscheidung getroffen, mit der sie ihren Frieden geschlossen hat.


Monica Shade: „Okay, Ask, wenn dir das so wichtig ist und du mir die Karriereleiter, von der du mich runtergestoßen hast, wieder hinstellen willst, dann soll es mir recht sein. Immerhin dachten Lady Rosi und ich ja auch, dass ich bei Title Night gegen ein Wrack antreten würde und dann warst du unverschämt gut in Form, ergo wissen wir dieses Mal zumindest worauf ich mich einstellen muss – und wir wissen auch, was ich im letzten Match zwischen uns falsch gemacht habe.“


Man möchte an dieser Stelle sagen, dass dies zu wissen auch nicht so schwer ist, hatte doch Stella Nova bereits bei Title Night Monica mit ihren taktischen Problemen kurz nach dem Match konfrontiert.


Monica Shade: „Und was ich beim letzten Mal falsch gemacht habe… das werde ich definitiv nicht noch mal falsch machen.“


Sie nimmt die rechte Hand hoch und zeigt zwei Finger.


Monica Shade: „Da ist sie wieder, die „Zwei“. Letztes Jahr hat mich eine „Zwei“ an mir zweifeln lassen – zwei Niederlagen am Stück, das war hart. Aber jetzt? Jetzt sind es zwei Siege und ich bin GFCW Champion. Und der erste Sieg davon im zweiten Match gegen dich. Der Moment, in dem aus der Pechzahl die Glückszahl wird. Es stimmt eben doch: wer immer Schwein hat… hat immer Schwein.“


Ask scheint… zufrieden? Nun, das wohl eher nicht. Es ist kaum zu übersehen, dass Ask – obgleich er sich vor zwei Wochen entschuldigt und eine neue Richtung für die Zukunft angesagt hat – nun doch noch nicht wieder so gefestigt ist, wie er es gern wäre, vor allem, da die „neue Richtung“ eigentlich der Titel war, dessen Rückgewinn er selbst unnötig kompliziert.

Aber Ask wird schon wissen, was er tut.

Oder?


Ask Skógur: „Da ist sie wieder… die „Zwei“, freut mich, dass wir das machen, aber nachdem ich dich in ZWEI Wochen zum ZWEITEN Mal besiegt habe, hole ich mir World Title… Nummer Zwei.“


Irgendwie klingt die Aussage fast schon etwas gefestigter, irgendwie auch nicht. Der Einzige, der irgendwie zu verstehen scheint, was da bei Ask im Kopf rumgeht, ist wohl Ask. Wobei… nicht mal der.

Auf jeden Fall verabschiedet er sich mit diesen Worten und einem klar definierten Match für zwei Wochen von Monica Shade und geht davon…


nur weit kommt er nicht.

Ask Skógur hat sein vorheriges Gespräch kaum beendet, schon wird er wieder aufgehalten. Gerade weit genug weg von Monica Shade, tritt jemand in seinen Weg. Es ist ein Mann, vielleicht Mitte 20, in einem dunklen Shirt. Hochgewachsen, lange Haare, athletischer Körperbau. Alles in allem: Auffällig gutaussehend.

Aber ist nicht die Optik, die Ask verwundert dreinschauen lässt. Es ist der Umstand, dass der Mann ihm die Hand hinhält.


???: „Hallo.“


Diese bizarre Situation reißt Ask etwas aus seiner nachdenklich-angespannten Stimmung, in die er heute durch die Umstände verfrachtet wurde. Er ist davon tatsächlich kurz losgelöst, aber nicht weniger verwirrt, von dem, was hier gerade passiert.

Aber Ask ist und bleibt ein netter.


Ask Skógur: „Hey Mann….“


Eine Begrüßung, die mit einem irritierten Blick und gerümpften Augenbrauen daherkommt. Ohne dass Skógur danach gefragt hatte, stellt sich der Mann breit lächelnd vor.


???: „Robbin. Robbin Zick. Aber meine Freunde dürfen mich auch einfach Rob nennen.“

Ask Skógur: „Und… wir sind Freunde?“

Robbin Zick: „Noch nicht, Ask. Aber ich bin mir sicher, wir haben beste Voraussetzungen, um Freunde zu werden. Denn ich bin gekommen, um dir meine Bewunderung auszusprechen, dass du mit einem fantastischen Sieg über Monica Shade in die Erfolgsspur zurückgefunden hast – dafür eine Gratulation im Namen des gesamten Unternehmens.“


Eine spannende Bemerkung, vor allem nach der Entwicklung, die sich für Ask heute ergeben hat. Dennoch ist das alles hier zu skurril, dass er der Situation weiterfolgt, anstatt sich wieder seiner nachdenklichen Art hinzugeben. Also, davon abgesehen:

Welches Unternehmen? Diese Frage scheint Ask Skógur auf der Zunge zu liegen. Doch grad, als er sie aussprechen will, findet er die Antwort. Mit einem genaueren Blick auf das Shirt des Mannes. Dort prangt auf schwarzem Untergrund ein Logo, welches wir vor zwei Wochen erstmals gesehen haben. In einem ganz anderen Kontext.



Ask runzelt erneut die Stirn. So ein bisschen hat er natürlich davon mitbekommen, was Sven da vor zwei Wochen alles über diese Marke gesagt hat. Aber genug interessiert, um sich damit in irgendeiner Form auseinanderzusetzen, hat es ihn nicht.

Aber eine Grundtendenz scheint er dennoch zu haben.


Ask Skógur: „Tja… ich schätze Mal… Danke?“


Irritiert und doch sogar etwas desinteressiert, ohne dabei wirklich konfrontativ werden zu wollen, „bedankt“ sich Ask dennoch, auch, wenn er noch immer nicht genau weiß, was diese ganze Sache nun mit ihm zu tun haben soll.


Robbin Zick: „Ich finde deine bisherigen Karriereerfolge, Ask, besonders beeindruckend, wenn man bedenkt…“


Der junge Mann hat sein breites Grinsen im gesamten Gespräch noch nicht eingestellt. Nun jedoch wird es noch intensiver.


Robbin Zick: „…dass du eigentlich alles falsch machst.“


Und nun scheint der konfrontative Kommentar doch zukommen, allerdings vom mysteriösen Mann, gegen ihn und das scheint Ask nun – vor allem nach dessen Vorbehalten – doch ein recht gutes Gefühl zu geben, dass das hier tatsächlich KEIN Freund ist und keiner werden könnte.


Ask Skógur: „Wie war das?“


Mit genug Nachdruck spricht Ask die Worte, als wolle er verdeutlichen, dass er Robbin das zwar durchgehen lässt, er besser aber nicht noch so einen Spruch bringt.

Falls Zick merkt, dass er Skógur verbal auf die Füße getreten ist, lässt er es sich nicht anmerken. Im Gegenteil. Er tritt sogar einen Schritt an den Schweden heran und sieht aus, als wolle er ihm ganz freundschaftlich eine Hand auf die Schulter legen. Erst im letzten Augenblick zieht er zurück.


Robbin Zick: „Nun, mal offen gesprochen unter Freunden: Die Vorbereitungen zu deinen Kämpfen und die körperliche Rehabilitation finden in einem…Wald statt. Das ist weit entfernt von Professionalität.“

Ask Skógur: „Ich… kann mir keinen besseren Ort dafür vorstellen, außerdem ist es nicht nur EIN Wald, es ist MEIN Wald. Und die Kraft der Natur gibt mir alles, was ich brauche.“


Ask hält sich noch zurück, legt aber abermals einen klaren Standpunkt in seine Aussage, von der er nicht gedenkt abweichen zu wollen.


Robbin Zick: „Ask, ich merke, du bist einer, mit dem ich offen sprechen kann. Du bist ein richtig cooler und kluger Typ. Deswegen möchte ich dir einen Ratschlag geben.“


Der junge Mann wirft sein glänzendes Haar zurück und versucht, Skógur tief in die Augen zu schauen. Als könne er so eine Verbindung zum Schweden aufbauen.


Robbin Zick: „Du magst den Wald als Kraftort empfinden, ja. Das ist in deinem Kopf. Das nennt man Placebo. Aber was denkt dein Körper? Ist es für ihn auch eine Wohltat, wenn er zwischen anstrengenden Kämpfen inmitten von feuchtem Laub und Vogelscheiße regenerieren muss? Nein, natürlich nicht. Du holst nicht das Optimum aus deinem Körper heraus. Jetzt bist du noch jung, du kannst es kompensieren. Merkst die Fehler nicht einmal. Aber auf lange Sicht…oh je.“


Der Mann zieht die Mundwinkel theatralisch nach unten, um die schweren Aussichten Skógurs zu betonen.


Robbin Zick: „Was für ein Glück, dass wir schon jetzt miteinander sprechen. Refuse to Age ist für dich da, Ask. Wir können dir helfen. Wir können gemeinsam deine Zukunft gestalten, anstatt dass du dich in absehbarer Zeit dem Diktat des Verfalls unterwerfen musst. Ich möchte dir gratulieren zu der Entscheidung, dieses Gespräch mit mir gesucht zu haben. Es ist der erste Schritt in eine Zukunft, in der Ask Skógur unsterblich wird.“


Und so langsam scheint Ask nun doch die Hutschnur zu platzen.


Ask Skógur: „Pass mal auf, mein Freund.“


Als solcher versteht sich Robbin, Ask aber keineswegs.


Ask Skógur: „Ich… hab hier gar nichts gesucht und schon gar keinen Glitzertypen, der mir irgendwas davon erzählen will, was ich alles falsch mache und das mein Wald ja gar nicht gut sei. Das war der erste Punkt. Der Zweite – ich denk gar nicht dran, hier irgendwas zu ändern. So wie es bisher lief, so habe ich es an die Spitze der GFCW geschafft, mag ja sein, dass es Rückfälle gab, hier und da, aber mein Gott, das gehört halt dazu. Fehler machen, älter werden,… gehört alles dazu, zum Kreislauf der Leben.“


Und man sieht so richtig, wie es in diesem Moment „Klick“ macht – er selbst sagt es. Fehler machen, gehört dazu. Ja, vielleicht lief bei seinem Titelverlust nicht alles gut, ja, vielleicht hat er sich davon zu sehr übernehmen lassen, aber jetzt… hat er daraus gelernt. Und nur weil ihn der Titel einmal übermannt hat, muss das nicht wieder passieren.

Das… mag nichts mit seinem schmierigen Gesprächspartner zu tun haben, ironischerweise scheint aber genau der Ask nun doch zu einem Denkanstoß verholfen zu haben, bei dem Ask nicht nur das hört, was er hören muss, nein, bei dem er das auch tatsächlich verinnerlicht.

Hofft man es, zumindest.


Ask Skógur: „Unsterblich sein? Nein, Mann. Ich bin kein Baum, die können tausende von Jahre alt werden, ich bin einfach nur Ask und so, altere ich, wie es jeder Mensch tut. Und das ist auch gut so.“


Asks Ausführungen nickt Zick mit hängendem Kopf hin. Aber er wirkt nicht persönlich angegriffen – sondern scheint vielmehr wegen Skógurs Uneinsichtigkeit zu trauern.


Robbin Zick: „Ja, du sagst es, Ask. Alles altert. Menschen, Tiere, Bäume. Aber nur weil es normal ist, muss es doch nicht gut sein. Was ist gut daran, wenn aus einer mächtigen Eiche eines Tages ein totes Stück Holz wird? Umgeformt in einen Stuhl. Oder ein umgefallener Stamm, an dessen Fäulnis sich unbedeutende Kreaturen nähren. Ich wäre lieber Eiche geblieben. Und tief in dir möchtest du das auch sicher, Ask.“


Der Widerspruch liegt Skógur schon auf den Lippen. Doch bevor er dazu kommt, zieht Zick hinter seinem Rücken ein Paket hervor. Etwa in der Größe eines Schuhkartons. Im Inneren klappert es.

Er streckt es Ask entgegen.


Robbin Zick: „Noch sind wir nicht auf einer Wellenlänge. Aber ich verstehe, dass du es erst einmal überdenken musst. Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Dies hier…“


Das Paket wird noch näher an Ask gedrückt. Der Schwede macht immer noch keine Anstalten, es entgegenzunehmen.


Robbin Zick: „…ist eine kleine Aufmerksamkeit für einen Mann, von dem wir glauben, es würde sich lohnen, in seine Unsterblichkeit zu investieren. Eine dreiwöchige Probe des Refuse To Age Supplement Stack, ein Water Pik zur Optimierung deiner Zahngesundheit sowie einen Gratis-Code für eine Lifestyle-Beratung.“


Kleine, dreiwöchige Probe. Skógur wirft einen Blick auf den Inhalt des Pakets: ‚Enthält 735 Kapseln“. Willkommen in der Welt des Bryan Johnson.


Robbin Zick: „Mit besten Grüßen von Danny Rickson.“


Ask nimmt das Paket entgegen und schaut noch immer mit einer Mischung daraus genervt, irritiert und leicht angefressen zu sein. Während Robbin Zick nun verschwindet, schaut Ask sich das Paket an und man kann es an seinem Gesicht ablesen, dass der da gar keinen Bock drauf hat.


Ask Skógur: „Ey, Mann. Hier, für dich. Damit kannst du ewig Leben.“


Ask hält einen GFCW-Mitarbeiter, der gerade an ihm vorbeigelaufen kommt an und drückt ihm das Paket in die Hand. Während es nun der Mitarbeiter ist, der irritiert dreinblickt, macht sich Ask nun kopfschüttelnd aus dem Weg.

Ein langer Tag für Ask Skógur – ihm wurde ein Titelmatch angeboten, dann hat er dieses gegen Monica Shade aufs Spiel gesetzt und nun diese Interaktion mit einem ominösen Lifestyle-Guru. Dabei hat er wieder viele Emotionen durchgemacht, aber trotz alle dem, scheint er erstmal mit einem positiveren Gefühl aus dem Tag zu gehen, als es zwischendurch herüberkam… und das ist doch erst einmal… gut.



Iokepa blickt erst auf das Paket in seinen Händen. Dann auf den Mann, der ihm breit grinsend gegenübersteht.


Iokepa: „Was soll ich damit?“


Er schüttelt das Paket. Im Inneren rasselt es, als hunderte kleine Pillen hin und her rollen. Fast könnte es als Musikinstrument durchgehen.


Robbin Zick: „Das, mein Freund, ist ein Angebot.“

Iokepa: „Ich habe kein Interesse.“


Über die Absage geht der Vertreter des neuen GFCW Premium Partner schlicht hinweg. Nicht einmal eine Millisekunde zucken die hochgezogenen Muskeln in den Mundwinkeln.


Robbin Zick: „Ein Angebot, von Beginn an alles in deiner noch jungen Karriere richtig zu machen. Mit einer Probe des Refuse to Age Supplement Stack.“


Der Hawaiianer macht Anstalten, seinem Gegenüber das Geschenk zurückzugeben. Doch Robbin schaut – natürlich ganz zufällig – in diesem Moment zur Seite und sieht die Geste Iokepas nicht.


Iokepa: „Es ist der gleiche Kram, den du auch schon Ask gegeben hast.“

Robbin Zick: „Ist es. Was für ein wundervolles Kompliment, findest du nicht aus?“


Als Antwort legt der braungebrannte Neuling seinen Kopf schief. Er weiß nicht, worauf Zick hinauswill.


Robbin Zick: „Als ich hergekommen bin, habe ich zwei Pakete mitgebracht. Das eine sollte ich an Ask Skógur geben. Einem Mann, der vor wenigen Monaten noch World Champion war. Dieses Paket jedoch…geht an dich. Mit exakt dem gleichen Inhalt. Es scheint jemand sehr viel von dir zu halten in der Firma.“


Begeistert wirkt der Hawaiianer nicht. Aber er legt nachdenklich die Stirn kraus.


Robbin Zick: „Vielleicht ist es gar Danny Rickson selbst, der die Anregung gab, in dich zu investieren. Ich glaube, er fand deinen Sieg gegen Viggo sehr überzeugend.“


Der Vertreter sucht in Iokepas Augen nach einer Antwort darauf, was die Erwähnung des Hall of Famers mit ihm macht. Ist da ein kurzes Flackern, das erkennen lässt, dass es nicht spurlos an ihm vorbeigeht? Doch just als Zick glaubt, einen Zugang hinter Iokepas Stirn gefunden zu haben, schüttelt dieser energisch mit dem Kopf; als wolle er vor allem die Gedanken abschütteln, die in ihm aufkommen.


Iokepa: „Ich glaube, ich komme allein zu Recht. Ich bin Mitte Zwanzig, nicht in der Midlife Crisis.“

Robbin Zick: „Nun, da kann ich dir nicht widersprechen.“


Zufrieden damit, den Vertreter abgeschüttelt zu haben, lächelt Iokepa. Doch als er sich an Robbin vorbeidrücken will, hält dieser ihn am Arm fest.


Robbin Zick: „Du bist jung. Deine Karriere wird lang sein. Vielleicht bist du einer von jenen Wrestlern, die eines Tages zu Legenden werden. Legenden, die in den Gedanken der Fans unsterblich werden.“


Iokepa schüttelt Zicks Hand ab. Doch nicht dessen Worte.


Robbin Zick: „Aber was wäre, wenn du wirklich unsterblich wirst? Nicht nur als Legende, sondern als…du selbst. Du könntest der erste Mann einer komplett neuen Generation von Wrestlern sein, wenn du früh genug unsere Unterstützung annimmst. Einer, der den einzigen Gegner besiegt, den es nicht im Ring zu schlagen gilt: Die eigene Endlichkeit.“


Abermals versucht Iokepa, sich an Zick vorbeizudrücken. Diesmal schafft er es. Doch das Paket – das Iokepa ihm abermals zurückgeben will – nickt Zick nicht an. Er verschränkt die Arme vor der Brust.


Robbin Zick: „Nun, du wirst über das Angebot nachdenken.“

Iokepa: „Das habe ich nie gesagt.“

Robbin Zick: „Und doch wirst du es tun.“


Für einen Augenblick wird Iokepa auf dem falschen Fuß erwischt, dann überwindet er die Verdutztheit über Zicks Aussage. Mit einem Schnaufen lässt er den Vertreter stehen.





Und läuft keine zwanzig Sekunden später, nach einem kurzen Marsch Richtung Vorhang, direkt in Shelly Nafe. Die Managerin, fast doppelt so alt wie er selbst, betrachtet ihn ohne Scheu und Hast von oben bis unten.


Ohne auf eine Reaktion zu warten, hält Nafe ihm eine Visitenkarte hin. Iokepa blickt auf die ausgestreckte Hand. Fein manikürt. Und doch verzieht sich sein Gesicht, als klebe an der Mittfünfzigerin der Gestank von Iray Burch.


Iokepa: „Oh, nein. Kein Interesse, Shelly.“


Mit einer beiläufigen Handbewegung wischt sie seine Anmerkung beiseite. Und steckt ihm die Visitenkarte in die Hosentasche, ehe er reagieren kann.


Shelly Nafe: „Manchmal frage ich mich, was der Nafe-Effekt aus Iokepa machen könnte.“

Iokepa: „Ich habe dir schon eine Antwort gegeben.“

Shelly Nafe: „Es gibt noch eine zweite Überlegung, an der ich immer wieder hängenbleibe.“


Sie schenkt ihm ein Nonnenlächeln. Ganz die Unschuld in Person.


Shelly Nafe: „Was Iray Burch aus Iokepa machen könnte.“


Der Adamsapfel des Hawaiianers springt im Hals auf und ab, als er sein eigenes Schweigen bitter hinunterschluckt.


Shelly Nafe: „Eines Tages wird vielleicht der Tag kommen, an dem man sich entscheiden muss, auf welcher Seite man steht. Ich würde es bevorzugen, wenn ein solch hübscher Junge wie du im Anschluss an jenen Tag…“


Iokepa versucht, ihrem Schlangenblick auszuweichen. Doch selbst, als er zu Boden starrt, scheinen ihre Augen unangenehm nahe.


Shelly Nafe: „…noch immer ein hübscher Junge wäre.“


Dann lässt sie ihn stehen. Mit jeder Sekunde wird das Klacken ihrer Absätze leiser. Iokepa spürt die federleichte Visitenkarte in seiner Hosentasche, als wäre sie mit Blei beschwert.





Als Iokepa die Schultern gestrafft und einmal durchgeatmet hat, geht er weiter. Es wird Zeit. Zeit für den Main Event – den er als Zuschauer betrachten wird.


Dann läuft er wieder fast in jemanden hinein. Diesmal ist es Hollywood Jake.


Iokepa: „Hör mir zu, Jake. Ich habe wirklich kein Interesse, dem Switziverse beizutreten. Danke für das Angebot, aber ich werde nicht einmal darüber nachdenken. Ich mache einfach mein eigenes Ding, okay? Und jetzt gehe ich zum Ring und schaue mir Mad Dog gegen Breads in der Front Row an.“


Der Angesprochene steht stumm da und starrt Iokepa an, als habe dieser in wirren Sprachen geredet.


Hollywood Jake: „Was redest du für eine Scheiße, Mann? Niemand hat dich zu irgendetwas aufgefordert. Niemand will dich beim Switziverse.“

Iokepa: „Oh, ich glaubte, du wolltest…äh…also nach den vorherigen Gesprächen, da dachte ich…“

Hollywood Jake: „Es ist mir wirklich sehr egal, was du denkst. Superegal. Ich hoffe nur, Denken hält dich nicht davon ab, zur Seite zu gehen und mich durchzulassen. Ich habe nämlich Wichtigeres zu tun und du stehst in meinem Weg.“


Weil der Hawaiianer nicht sofort den Weg räumt, stöhnt Jake auf.


Hollywood Jake: „Hast du gesehen, was Zac Alonso und dieser Clown abgezogen haben? Eine Farce. Betrug vor laufender Kamera. Es muss Konsequenzen haben.“

Iokepa: „Und was wirst du jetzt dagegen tun?“

Hollywood Jake: „Mich sehr wortreich beschweren.“


Als habe er plötzlich erschrocken realisiert, dass er (fast) ein Gespräch auf Augenhöhe mit einem Menschen außerhalb des Switziverse führt, wird Jakes Ausdruck wieder abweisender. Er rückt sich den Pelzmantel zurecht und stößt Iokepa zur Seite.


Hollywood Jake: „Aber davon verstehst du nichts.“

Iokepa: „Du hast Recht. Aber wovon ich etwas verstehe, ist Wrestling. Und deswegen gehe ich jetzt da raus…“


Er deutet in Richtung des Vorhangs, der bereits in Sichtweite ist.


Iokepa: „…und schaue mir genüsslich aus nächster Nähe an, wenn alle in der Halle realisieren, dass meine Mahnung von vor zwei Wochen berechtigt war: Die GFCW sollte nicht auf Altstars setzen. Breads gegen Mad Dog wird kein Klassiker, es wird aufgewärmter Kram zweier Has-Beens. Nostalgie ist eine Blase, Jake. Und eines Tages wird sie aufplatzen.“


Ein Grinsen tritt auf sein Gesicht.


Iokepa: „Und wenn ich muss, bringe ich sie selbst zum Platzen.“


Singles Match
Robert Breads vs. Night Fighter Mad Dog

Referee: Mike Kontrak



Dröhnend scheppern die Klänge von Lynyrd Skynyrd durch die Halle und jetzt jubelt die Menge auch. Doch noch lauter wird die Meute, als der verrückte Hund den Vorhang beiseite schiebt und erneut in die Bochumer Jahrhunderthalle hinaustritt.


Broken bones, broken hearts

Stripped down and torn apart

A little bit of rust - I'm still runnin'

Countin' miles, countin' tears

Twisted roads, shiftin' gears

Year after year - it's all or nothin'


Der Night Fighter nickt nur kurz in Richtung der Zuschauerränge, dann geht er zielstrebig in Richtung Ring. Jetzt gilt der Fokus seinem kommenden Match – die Fans reichen ihm die Hände, doch er geht daran vorbei.


But I'm not home, I'm not lost

Still holdin' on to what I got

Ain't much left

No there's so much that's been stolen


Kurz vorm Squared Circle bleibt er stehen. Ein paar Fans verneigen sich mit großer Geste vor dem Mann, den sie selbst schon seit Kindheitstagen kennen. Aber auch das scheint MD kalt zu lassen, kurz streicht er über die getapten Hände – es sitzt alles.

Dann slidet er in den Ring, läuft ein paar Mal in die Ropes.


I guess I've lost everything I've had

But I'm not dead, at least not yet

STILL ALONE,

STILL ALIVE,

STILL UNBROKEN

I'm still alone, still alive,

I'm still unbroken


Die letzten Worte des Chorus flüstert der mehrfache World Champion fast unmerklich mit. Dann geht er in seine Ringecke und starrt in Richtung Entrance, von wo der Kanadier kommen wird.



Sein Gegner lässt nicht lange auf sich warten.


Graues Haar, grauer Bart, Falten im um Mund und Augen: Schaut Mad Dog seinem Feind für den heutigen Abend ins Gesicht, hat er sich eindeutig sehr verändert. Doch ein genauerer Blick in die Augen von Robert Breads, und ein vertrauter Ausdruck dürfte erkennbar sein. Diese Mischung aus Spott, Selbstvertrauen und Entschlossenheit, die „Canada’s Own“ an die Spitze von nicht nur einer, sondern gleich zwei Promotions geführt hat.


Die rot-weiße Hose, die schwarzen Stiefel und die weißen Wrist Tapes bilden das Outfit, das wir über Jahre von Breads gesehen haben, lediglich mit wechselnden Patterns auf der Hose. Heute ist es recht schlicht. Wer möchte, kann eine Referenz an seine Zeit als „PCA Wrestling Champion“ ausmachen, es könnte allerdings auch reiner Zufall sein.


Die Halle ist verdammt laut, wissen doch alle, dass das hier einer der letzten Auftritte von Robert Breads ist. Das hier und dann noch drei Shows, und die Karriere ist vorbei. Eine der letzten Chancen, Breads zu sagen, wie man zu ihm steht.


Und wie das so ist, wenn man kurz vor dem Rücktritt steht, gibt es in erster Linie Jubel. Ist das verdient, wenn man sich die Sammlung von Titeln und Erfolgen von Breads ansieht? Definitiv. Als Person, seinen Charakter beurteilend? Nunja.


Der Kanadier steigt die Ringtreppe nach oben, und verharrt kurz auf dem Apron. Er wirft Mad Dog einen Blick zu, der nur schwer zu deuten ist. Sein lässiges – vielleicht ein wenig übertrieben lässiges – Lächeln lässt darauf schließen, was er hier vermitteln will: Du bist fällig. Mal wieder.


Dann steigt er ins Seilgeviert, die Musik verstummt und Referee Mike Kontrak kontrolliert beide Kontrahenten nach Foreign Objects. Da er nichts zu finden scheint, steht dem Kampf nichts mehr im Wege.


Die Glocke läutet.

Es kann losgehen.

Und es beginnt ganz klassisch – mit einem Lock-Up in der Mitte des Rings. Beide sind Veteranen und haben dieses Spiel zur Eröffnung eines Duells oft genug mitgemacht, um gut darin geworden zu sein, aber keiner ist explizit ein technisches Genie. Hier werden keine neuartigen Holds und komplexen Abfolgen aus dem Hut gezaubert, hier wird mit zusammengebissenen Zähnen gedrückt, geschoben und gezogen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Es ist letztlich Breads, der Mad Dog mit einem Side Headlock Taveover auf die Matte bekommt, nachdem er sein Gewicht clever verlagern konnte. Der Night Fighter ist sogleich zur Stelle, sich zu befreien, indem er die Beine um den Hals des Kanadiers schlingen will und sich so ganz klassisch aus der Bredouille zu holen, aber er bekommt nur eines seiner Beine auf Anhieb in die richtige Position. Das zeigt Robert natürlich, was er vorhat, ehe das zweite Bein korrigiert werden kann, und “Canada’s Own” switcht zu einem Waistlock.


Pete: “Hm, spielt da vielleicht etwas Ringrost mit rein?”

Sven: “Man kann es sicherlich so oder so sehen. Mad Dog hat nicht die Prügel der letzten Jahre in den Knochen, wie es bei Breads der Fall ist. Aber stimmt schon, auch wenn es Paradox klingt: Ohne Routine ist es nicht immer einfach für Wrestler, auf Anhieb ihr Bestes abzurufen.”

Pete: “Vor allem nicht, je älter man wird. Breads ist schon nicht mehr der Jüngste, und Mad Dog ist noch älter. In guter Form, klar, aber gewisse Dinge macht ein Körper irgendwann nicht mehr wirklich mit.”

Sven: “Man könnte glatt sagen, das tatsächliche Skill-Level der unbekannten Konstante ist uns noch... unbekannt.”


Und so verläuft der Beginn des Matches dann auch weiter. Breads demonstriert eine “Schuster, bleib bei deinen Leisten”-mäßige Treue zu Basic Holds und standardmäßigem Match-Beginn, bei dem er dem Night Fighter stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Es wirkt beinahe so, als wolle Robert hier zeigen, dass er Mad Dog auch dann überlegen ist, wenn er sich keine große Mühe gibt, eine besondere Taktik auszupacken. “Mein Minimum reicht, um dein Maximum zu schlagen”, scheint das Wrestling von Breads sagen zu wollen, auch wenn man mehr als deutlich erkennen kann, dass er mehr und mehr struggled, seinen Gegner unter Kontrolle zu halten.

Denn Stück für Stück kommt der Night Fighter besser in dieses Duell hinein. Seine Aktionen werden etwas flüssiger, schneller und haben ein bisschen mehr Schwung. Man kann beinahe spüren, wie er den Ringrost abschüttelt, als habe der Hai zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder Blut geschmeckt und sich erinnert, wer und was er ist.

Deshalb kommt es letztlich nicht überraschend, dass ein betont lockerer Versuch von Breads, Mad Dog mit einem Backdrop zu Boden zu werfen, gekontert wird – der Night Fighter kippt hinten über, reißt die Arme hoch und schlingt sie um den Kopf von Breads. Der Sleeper Hold sitzt, aber Breads hat sofort einen Arm im naheliegenden Seil, und Referee Mike Kontrak zählt Mad Dog an, der bis “vier” festhält, dann aber auch sofort loslässt. Er bleibt innerhalb der Regeln, reizt sie aus, ohne sie aber zu strapazieren.

Verbissen, aber fair.

Breads fasst sich an den Hals, dann sieht er mit finsterem Blick zu Mad Dog herüber, der sich in der Ringmitte positioniert hat und vorsichtigen Applaus von den GFCW-Fans in Bochum erhält. Die Zeiten, als es eine echte “PCWA vs GFCW”-Stimmung hätte geben können, sind vorbei, aber dennoch scheint es so, als wäre man zögerlich, Mad Dog über Breads anzufeuern. Es ist nicht so, dass man den Night Fighter nicht mag, aber das Framing des Matches seitens des bald zurücktretenden Kanadiers war eben doch eindeutig.


Pete: “Wenn sich diese Anfangsphase mal nicht rächt. Breads hätte direkt mit härteren Bandagen loslegen können und vielleicht auch sollen, um den maximalen Schaden anzurichten, als Mad Dog noch seine kleinen Problemchen hatte, sich wieder auf Competition auf dem höchsten Level einzustellen.”

Sven: “Stattdessen hat er nur den Show-Off gegeben und zeigen wollen, wie easy es doch für ihn ist, dieses Match unter Kontrolle zu halten, ohne wirklichen Schaden anzurichten. Das ist schon ziemlich arrogant. Klar, es ist nicht mehr 2014, aber trotzdem konnte Breads genauso wenig wie wir wissen, wie gut Mad Dog noch ist.”

Pete: “...oder Breads wollte seinen Gegner nur provozieren, und ihm bewusst keinen großen Schaden zufügen, bis er seinen Groove wiederhatte. Jetzt kann Breads nämlich beweisen, dass er einen wütenden und im Saft stehenden Mad Dog ohne zusätzlichen Vorteil besiegen kann, ohne dessen lange Pause auszunutzen.”

Sven: “Auch möglich. Das Ego von Breads ist groß genug, als dass er so vorgehen würde. Aiden Rotari würde entsetzt mit dem Kopf schütteln.”


Der ist aber - dank Robert Breads – nicht mehr hier, und so gibt es etwas, das sich wie ein kleiner “Re-Start” anfühlt. Der Kanadier will erneut den Lock-Up, doch Mad Dog bewegt sich im exakt richtigen Moment zur Seite, die Arme von Breads gehen ins Leere und Mad Dog setzt einen Kick gegen die Rippen von Breads. Kein Killer-Move, aber ein Warnschuss, der Breads zischend die Luft einzieht.

Sofort setzt Mad Dog nach. Breads reißt die Arme zur Verteidigung hoch, doch das sieht der Night Fighter kommen, und reißt statt eienr weiteren direkten Attacke an besagten Armen. Er schleudert Breads per Whip-In in die Ringecke, setzt nach und knallt ihm einen Spinkick in der Ecke um die Ohren.

DOG BITE!

Nun hört man aus dem Publikum doch zumindest vereinzelt ein paar lautere Reaktionen. Ja, er hat seine Lorbeeren größtenteils woanders eingesackt und ja, man hat ihn lange nicht gesehen – aber der Dog Bite scheint einer der Moves zu sein, die ältere Herren (und eventuell zwei oder drei Damen) im Publikum erkennen. Vielleicht haben auch einige Zuschauer bloß irgendwann mal “MAD DOG TOP 10 MOVES” auf YouTube gesucht. Wie dem auch sei, der Spinkick sitzt, und der GFCW Hall of Famer sinkt zu Boden.

Mad Dog scheint zu überlegen, ob er direkt ein Cover ansetzen soll, entscheidet sich dann aber doch dagegen. Zum Sieg führen würde es ohnehin noch nicht, und er möchte Breads eher weiter direkt zusetzen als ihn zu zermürben, indem er ihn zwingt, auszukicken.

Der Night Fighter will Breads in die Ringmitte zerren, aber der Kanadier hat zu viel Ring Awareness und ist nicht fertig genug, um NICHT sofort in die Seile zu greifen. Mad Dog zieht ein wenig heftiger – und Breads nutzt das aus, lässt die Seile los, sobald er sein Gleichgewicht gefunden hat, und reißt das Bein hoch, und tritt Mad Dog mitten im nicht mehr maskierten Gesicht.

BIG BOOT!

Mit einem erstickten Grunzen geht Mad Dog zu Boden, und Breads atmet einmal tief durch. Dann geht er zwei Schritte zurück, um Distanz zu kreieren, und jeder gottverdammte Fan, der auch nur ein einziges Robert Breads Match in der letzten Dekade gesehen hat, weiß, was das bedeutet: Es ist Zeit, zu kicken.

Er mag langsamer geworden sein, weniger athletisch, seine Probleme mit langen Matches bekommen zu haben, aber der größte Shitkicker der GFCW-Geschichte hat nichts eingebüßt, wenn es um seine primäre Waffe geht. Klar, das ist nun ausrechenbarer als es das Jahre zuvor war, aber deshalb hat Breads schließlich auch so viele neue Kick-Varianten in sein Arsenal eingebaut. Allein letztes Jahr gewann er unter anderen mit einem Brazilian Kick, einem Skull Kick und einem stumpften Penalty Kick Matches.

Breads wirft einen kurzen Blick zu Iokepa, der sich dieses Match ohne große Regung ansieht – er scheint wirklich eher zu studieren als zu genießen. Kein Wunder, dass ihm dieses Duell der alten Männer nicht unbedingt zusagt, wenn man sich an seine Aussagen von vor ein paar Wochen erinnert. Mit einem recht selbstgefälligen Schmunzeln deutet Breads auf Mad Dog, ehe er zu Iokepa ruft: “Guck dir das gut an!”

Dann bekommt Mad Dog, der sich soeben wieder auf die Knie gehievt hat, einen Fuß mit voller Wucht an die Brust gedonnert, und kippt hinten über. Nach Luft ringend probiert er sogleich, sich wieder aufzusetzen, und bekommt zum Dank von Breads den Vollspann an die Schläfe geballert. Daraufhin bleibt Mad Dog erst einmal liegen und wird gepinnt.

Eins...



Zwei...






Kick-Out!

Noch nicht wirklich kurz vor drei, aber ein erstes Zeichen: Mad Dog sollte sich schleunigst etwas überlegen, denn wenn er Breads allzu lange das machen lässt, was Breads auch im hohen Alter noch auf Weltklasse-Niveau kann, wird das mit dem Sieg schwierig.


Pete: “Es wird spannend, was Mad Dog sich überlegt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der Breads schon so oft im Ring gegenüberstand, keine Antwort für Kicks in petto hat.”

Sven: “Sicherlich hat Nelson irgendeinen Plan, ist halt nur die Frage, ob er überhaupt dazu kommt, ihn zu implementieren.”

Pete: “Nelson?”

Sven: “Nelson Friedrich Töle.”

Pete: “NFT also?”

Sven: “Das waren hässliche Affen, keine verrückten Hunde.”


Canada’s Own” erhebt sich und tritt wieder zurück, um die richtige Distanz wieder herzustellen. Halb belustigt, halb fordernd bedeutet Breads seinem Gegner mit einer Geste, sich gefälligst auf die Beine zu raffen, damit er ihn weiter malträtieren kann. “Ist das schon alles?”, scheint Breads non-verbal zu sagen, und mit einem krächzenden Husten und einem wütenden Funkeln in den Augen macht Mad Dog sich auf, auf die Füße zu kommen.

Und da schnellt das Bein von Breads nach vorne!

Doch das ist bloß eine Finte. Mad Dog zuckt zurück, geht in Verteidigungsstellung, aber Breads zieht das Bein einfach zurück und lacht einmal laut. Er lässt den Gegner tanzen, wie er gerade lustig ist.

Und deshalb macht er es einfach nochmal, das Bein schießt nach vorne, zu noch einer Finte. Doch diesmal weicht Mad Dog nicht aus. Er riecht den Fake-Out, er kennt Breads. Robert will ihn lächerlich machen, sich selbst besser darstellen, indem er ihn zucken und springen lässt, wie er will?

Nein.

Statt wegzugehen, geht Mad Dog einen Schritt nach vorne, und schnappt sich das Bein, das nach vorne stellt. Breads reitß die Augen weit auf. Mad Dog leckt sich über die Lippen.

Dragon Screw!

Der Night Fighter verdreht das linke Bein von Breads und feuert ihn damit zu Boden. Mit einem unterdrückten Schrei rollt der zweifache GFCW World Champion über die Matte, und noch bevor er wirklich realisieren kann, was passiert ist, hat sich der Night Fighter schon das linke Bein geschnappt, und dreht Breads auf den Bauch.

Single Leg Boston Crab!


Pete: “Aha! Da hat Mad Dog seinen Fokus gefunden: Er geht auf ein Bein von Breads.”

Sven: “In doppelter Hinsicht eine gute Entscheidung. Natürlich einerseits, um die Kicks von Breads zu schwächen und ihn weitesgehend lahm zu legen, aber Mad Dog hat auch einen Figure Four Leg Lock im Repertoire, für den das hier sehr nützlich werden könnte.”

Pete: “Breads kriecht und krabbelt, ist schon fast an den Seilen... und doch zieht und zerrt Mad Dog so sehr, wie er nur kann.”

Sven: “Mad Dog ist sich bewusst, dass das hier noch nicht der Sieg sein wird. Aber wenn er genug Schaden anrichtet, dem Bein richtig weh tut, kann das dennoch ein entscheidender Punkt im Match werden.”

Pete: “Breads ist nah dran... die Fingerspitzen... ja, er hat die Seile.”

Sven: “Kontrak zählt... und wieder lässt Mad Dog genau bei vier los. Es bleibt dabei: Mad Dog kämpft genauso hart, wie es die Regeln erlauben, ohne sie zu brechen.”


Beinahe demonstrativ reißt der Night Fighter die Hände weg und tritt einen Schritt zurück, um zu zeigen, dass er es nicht nötig hat, die Geduld des Ringrichters überzustrapazieren. Zumindest in dieser Hinsicht ist Mad Dog quasi das genaue Gegenteil von Breads’ letztem Gegner. Er wirft Iokepa einen kurzen Blick zu, der sich weiterhin aufmerksam, aber ohne Begeisterung, diesen Kampf ansieht – es ist allerdings schwer zu deuten, was Mad Dog damit aussagen will.

Mit zusammengebissenen Zähnen wuchtet Breads sich mit Hilfe der Seile nach oben, und zieht das linke Bein leicht nach. Das war natürlich noch keine vernichtende Bearbeitung, sein Bein ist nicht nutzlos oder völlig außer Gefecht, aber angeschlagen ist es nun definitiv. Breads kann beide Beine zum Kicken etwa gleich gut benutzen, aber selbst, wenn er mit rechts kickt, bedeutet das ein unsicheres Standbein, und das kann unter Umständen auch sehr gefährlich werden.

Sobald Breads steht und weg von den Seilen ist, ist es an Mad Dog, ihn wieder anzugehen. Er versucht, mit Low Kicks auf Wade und Oberschenkel von Breads abzuzielen. Breads muss dabei zurückweichen, denn wenn er die Versuche mit dem linken Bein blockt, könnte das auf Dauer noch größeren Schaden verursachen. Mad Dog zwingt ihn damit mehr oder weniger off-balance, und als der Night Fighter einen guten Moment gekommen sieht, schießt er nach vorne.

Takedown gegen das linke Bein!

KNEE STRIKE!

Damit hat Mad Dog nicht gerechnet: Er taucht ab, wirft sich voll gegen das linke Bein von Breads, doch anstatt zu probieren, auszuweichen, wirft er das Knie seiner angeschlagenen Gliedmaße nach vorne, unter das Kinn von Mad Dog. Breads jault selbst vor Schmerz auf, hat seinem eigenen Bein damit weh getan, doch er scheint das Risiko kalkuliert zu haben. Es ist ein dramatischer Momentum Shift, denn Mad Dog sinkt sofort, ohne Körperspannung, zu Boden.


Pete: “High Risk, High Reward!”

Sven: “Das bedeutet aber auch, dass Breads JETZT agieren muss: Mad Dog ist mindestens mal angeknockt, und je länger dieses Match geht, desto größer wird das Problem mit dem Bein.”


Das scheint der Kanadier ganz ähnlich zu sehen. Er humpelt ein kleines bisschen, hat er sich doch mit dieser Aktion selbst unter Druck gesetzt, aber er hat in seiner Karriere schon schlimmeren Schmerz durchgestanden und trotzdem gesiegt.

Davon wird er sich nicht aufhalten lassen.

Mit beiden Händen packt er Mad Dog rücksichtlos an den Ohren und zieht ihn hoch, zumindest mal auf die Knie. Referee Mike Kontrak ermahnt Breads, doch der hat die Ohren seines Feindes schon losgelassen, ignoriert den Ringrichter und schnappt sich einen Arm seines Gegners.

Dann den anderen.

Und hakt sie ein.


Pete: “Das kann nur der RB Driver werden.”

Sven: “In über dreizehn Jahren ist noch nie jemand aus diesem Move ausgekickt. Er hat in zwei Ligen wichtige Main Events gewonnen, unglaubliche Gegner gefällt - unter anderem Mad Dog selbst, vor einigen Jahren. Bei Title Night hat er Aiden Rotari aus der Promotion entfernt. Das ist das Ende, wenn er durchgeht.”


Das stimmt.

Tut er aber nicht.

BACK BODY DROP!


Hat Mad Dog sich totgestellt und war zwar angeschlagen, aber nicht völlig fertig? Ist das ein verzweifelter Adrenalinschub? Schwer zu sagen. Aber wenn man Breads die Kicks vermiest, indem man sein Bein angeht, ist es nur logisch, dass er eventuell etwas vorschnell zu seiner wichtigsten Waffe greift. Mad Dog könnte das also durchaus kommen gesehen haben, vielleicht ist es auch bloßer Instinkt. Schwer zu sagen.

Relativ eindeutig ist allerdings die Konsequenz seines Handelns: Mit rudernden Armen wird Breads in die Höhe gehoben, ehe er aus beeindruckender Höhe ungebremst auf die Matte kracht.

Mit einem Jaulen, das eher an Wölfe als an Hunde erinnert, wirbelt Mad Dog herum – der Blick leicht glasig, aber die Körpersprache entschlossen. Der angeschlagene Breads wird gepackt, und wenn es um Moves geht, die echte Killer sind, die gigantische Schlachten für sich entschieden haben, dann hat Mad Dog da auch etwas in der Hinterhand, das dem RB Driver um nichts nachsteht.

ENTER NIGHT!

Der Kanadier wird zum Screwdriver in die Luft gerissen. Die Form von Mad Dog ist nicht hundertprozentig perfekt, so ein Knie an den Kopf kann schonmal den Gleichgewichtssinn aus dem Konzept bringen, aber es reicht, um Breads hoch zu kriegen.

Allerdings nicht, um ihn dann auch festzuhalten. Denn “Canada’s Own” rutscht hinten über, als er in der Luft ist, und landet auf den Füßen.

Dabei schreit er auf, als sein linker Fuß zuerst auf die Matte trifft. Breads beißt sich auf die Unterlippe, eindeutig schmerzerfüllt, doch er drückt das Bein durch und als Mad Dog sich umgedreht hat, ist er da.

CANADIAN CUTTER!

Die dienstälteste Waffe von Robert Breads wird ausgepackt, und er wirft sich mit den Armen um den Hals von Mad Dog.

Doch dieser kann ihn wegschubsen. Die halbe Sekunde, die Breads extra gebraucht hat, dank der Vorarbeit von Mad Dog mit dem Bein des Kanadiers, hat dem Night Fighter die Chance gegeben, die Arme hochzunehmen, und den in der Luft befindlichen Breads an den Schultern wegzustoßen. Breads stolpert vorwärts, behindert von seinem eigenen geschwächten Bein, und landet mit dem Gesicht voran in der Ringecke. Zischend zieht Breads die Luft ein, bevor er sich stöhnend, den linken Fuß schüttelnd, herum dreht.

YAKUZA KICK!


Sven: “Peacemaker!”

Pete: “Was?”


Während Sven so eine Ahnung hat, wo Mad Dog diese Aktion aufgeschnappt haben könnte - nämlich bei einem alten Feind aus der Promotion, über die sich Breads früher in der Show noch selbst erhoben hat – bleibt Pete ratlos, was damit gemeint sein könnte. Aber effektiv ist es allemal.

Eine gewisse Ironie darin zu sehen, dass eine Kick-Variation Breads blind nach vorn wanken lässt, in sein buchstäbliches Verderben, ist an dieser Stelle wohl nichts ungewöhnliches.

Der Kanadier taumelt zwei Schritte voran, wankt, und fällt gerade eben so nicht hin. Aber sein Kampf mit der eigenen Balance hat ihn von seinem eigentlichen Kampf abgelenkt.

Und sein Gegner hat Blut gerochen.

BACKCRACKER!

Von hinten tritt Mad Dog an Breads heran, reißt die eigenen Knie hoch und Robert herunter, sodass der kanadische GFCW Hall of Famer einen Move einstecken muss, den wir in der GFCW in dieser exakten Form vielleicht seit Yai nicht mehr gesehen haben.

Was für ein komischer Zufall.

Die Fans sind nun dabei, zu applaudieren, und einige Chants für Mad Dog sind ausgebrochen. Er mag so seine Schwierigkeiten zu Beginn des Duells gehabt haben, sich die Liebe der Fans er verdienen, aber ihren Respekt hat er nun allemal. Mad Dog richtet sich auf, deutet in Richtung der Fans, und dann mit ausgestrecktem Zeigefinger auch noch auf Iokepa.

Anschließend schnappt er sich das linke Bein von Breads, und beginnt sich zu drehen.

FIGURE FOUR LEG LOCK!

KONTER!

BREADS MIT DEM INSIDE CRADLE!

Eins...






Zwei...






Dreeeeee...eeeeeeein!

Bei 2,9 kommt Mad Dog noch so eben raus, die beiden Wrestler springen auseinander. Keiner will nachgeben.

Aber einer muss.

Denn Breads hatte jetzt mehr einzustecken. Sein Bein gibt beim aufspringen nach, es dauert den winzigen Extra-Moment, den ein Wrestler wie Mad Dog benötigt.

Er haut Robert Breads einfach in die Fresse.

Das ist ästhetisch nicht unbedingt ansprechend, nichts, was großer Analyse bedarf, aber es funktioniert. Ohne zu Zögern und mit voller Wucht knallt der Night Fighter seinem alten Weggefährten und Rivalen die Hand ins Gesicht, und Breads kann nichts dagegen tun. Sein Kopf schnellt nach hinten in den Nacken, ein undeutliches Würge-Geräusch ist zu vernehmen, und bevor Robert so recht weiß, wie ihm geschieht, hat Mad Dog ihn schon gepackt.

Die Ausführung ist auch diesmal nicht hundertprozentig perfekt. Vor einer Dekade fiel es Mad Dog irgendwie noch leichter, Gegner hoch in die Luft zu hieven. Nach einem anstrengenden Match ist das gar nicht mehr so easy.

Aber er ist nicht umsonst Legacy-technisch da, wo er nunmal ist. Er mag perfektere Ausführungen dieses Moves in seiner Karriere gezeigt haben, aber diesmal ist sein Gegner zu groggy, um sich zu wehren, und das hier ist vor allem eines: Verdammt befriedigend.

ENTER NIGHT!

Breads wird mit dem Kopf voran auf den Ringboden gedonnert, und kippt sogleich reglos auf die Seite. Ächzend drückt Mad Dog ihn mit der Schulter auf den Rücken, legt sich auf Breads und hakt das linke Bein ein.

Eins...




Zwei...





Drei!


Sieger des Matches durch Pinfall: Night Fighter Mad Dog


Pete: “Das Debüt von Mad Dog, das Comeback von S1margl, nennt es, wie ihr wollt: Es war erfolgreich!”

Sven: “Das drittletzte Match in der Karriere von Robert Breads endet mit einer Niederlage gegen seinen alten Gefährten aus der PCWA.”

Pete: “Dabei hat Breads nun wahrlich nicht schlecht gekämpft. Und es ist wahrlich keine Schande, gegen einen der wenigen Männer zu verlieren, die einen ähnlichen Legenden-Status haben wie er selbst, wenn auch anderswo errungen.”

Sven: “Ob Breads das großartig tröstet? Ich weiß ja nicht.”

Pete: “Ich glaube, wir sehen es jetzt.”


Während “Still Unbroken” - vielleicht noch nie so passend wie in diesem Moment – durch die Halle schallt, lässt Mad Dog einen Arm von Mike Kontrak heben. Der Referee deutet auf den Gewinner, und Applaus und durchaus wahrnehmbarer Jubel brandet auf. Man wusste bis jetzt nicht so genau, was man von dem alternden Star toter Promotions halten sollte, aber man konnte sich nun ein Bild machen.

Und dieses Bild sieht gar nicht mal so übel aus.

Während Iokepa sich abwendet und anscheinend kein Interesse hat, weiter zu verfolgen, was hier passiert, dreht Mad Dog sich zu seinem Gegner um. Breads hat nun die Aufmerksamkeit von Mike Kontrak auf sich gezogen, der zu checken scheint, ob so weit alles in Ordnung mit dem Kanadier ist. Und nachdem dieser – unter gütiger Mithilfe von Kontrak und der Ringseile – auf wackligen Füßen steht, den Mund noch immer leicht offen, der Blick ein wenig apathisch, ist Breads schon wieder er selbst genug, um den Ringrichter von sich zu schubsen.

Breads hat Mad Dog so gut im Blick, wie es eben geht. Er geht einen Schritt auf den Feind zu, holprig, leicht humpelnd, unter Schmerzen. “Canada’s Own” starrt den Night Fighter an.

Der hält ihm bloß die Hand hin.

Das Kinn nach oben, die Brust raus, und ohne Mitleid, aber auch ohne Feindseligkeit.

Noch immer mit leicht offenem Mund starrt Breads die Hand an. Dann guckt er Mad Dog ins Gesicht, als wolle er herausfinden, ob das eine Falle oder ein Scherz ist.

Scheinbar findet er seine Antwort.

Breads schlägt ein.

Für einen kurzen Moment wirkt es so, als würde hier etwas zu Ende gehen, von dem niemand wusste, dass es noch läuft.

Dann ist der Augenblick vorbei. Breads zieht seine Hand zurück. Es gibt keine Umarmung und Robert hält auch nicht die Hand von Mad Dog hoch, dafür ist er nicht der Typ, und es ist nicht diese Art von Beziehung. Alles, was Breads dem Night Fighter gibt, ist ein knappes, anerkennendes Nicken.

Damit ist alles gesagt.

Breads lässt sich zu Boden sinken, rollt aus dem Ring und verweigert wirsch jedwede Hilfe mit seinem Bein. Er hat in zwei Wochen noch ein Match, dann seine Abschiedsrede, und danach wird es das mit einer Karriere gewesen sein.

Es ist ziemlich klar, was die Zukunft für Robert Breads bereithält.

Bei der unbekannten Konstante ist das anders.

Mad Dog bleibt allein im Ring zurück, wirft noch einmal einen Blick auf Breads, dann dreht er sich zu einer der Ringecken, steigt auf das zweite Seil und reißt beide Arme in die Höhe.

Sein Comeback ist geglückt.

Was er als nächstes tun wird, finden wir sicherlich schon bald heraus.

Für's Erste verbleiben wir bei:

Willkommen zurück, Night Fighter Mad Dog


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Danke an alle Schreiber!!!