War Evening, Hansesaal (Lünen), 20.02.2026


In Kooperation mit



Der Hansesaal in Lünen steht Kopf.

Kein Platz ist mehr frei, die Fans sind längst auf den Beinen, ihre Stimmen erfüllen die gesamte Halle. Sprechchöre branden auf, Banner werden geschwenkt, und aus jeder Ecke ist dieses unverwechselbare Raunen zu hören, das nur eines bedeutet:

Die Show beginnt.

Die Lichter sind gedimmt, Spots kreisen durch den Saal und tauchen den Ring in flackerndes Licht. Nebel zieht über die Rampe, die Kameras laufen – und mit jeder verstreichenden Sekunde steigt die Spannung weiter an.

Lünen ist Heimat.

Aus dieser Stadt kommt die GFCW. Hier liegen ihre Wurzeln, hier schlug ihr Herz von Anfang an. Auch wenn die allererste Show damals in der Westfalenhalle in Dortmund stattfand, war von Beginn an klar, wo diese Liga hingehört – zurück zu den Fans nach Lünen.

Und genau deshalb fühlt sich dieser Abend so besonders an.

Viele der Zuschauer heute erinnern sich noch an die frühen Tage, haben die Entwicklung miterlebt, haben Siege gefeiert und Niederlagen betrauert. Generationen von Fans sind hier zusammengekommen, vereint durch ihre Leidenschaft für die GFCW.

Der Hansesaal selbst ist dabei zu einer echten Festung geworden.

Die Nähe zum Ring, die Lautstärke, die Emotionen – hier wird jede Aktion intensiver, jeder Moment größer. Wenn die Musik einsetzt, wenn der erste Wrestler den Vorhang durchbricht, gibt es kein Halten mehr.

Die Lichter flackern erneut.

Die ersten Beats eines Entrance-Themes hämmern durch die Boxen.

Die Fans reißen die Arme hoch.

Die GFCW ist zurück in ihrer Heimatstadt – bereit, ein weiteres Kapitel ihrer Geschichte zu schreiben.

Willkommen zur GFCW im Hansesaal Lünen.


Pete: “LÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜNEN!”

Sven: “Langsam kommen wir näher Pete…näher an das große Event….”

Pete: “Ein Vierteljahrhundert, Sven.”

Sven: “…und nicht nur das…sondern auch an den Ort wo alles begann...”

Pete: “Wir befinden uns direkt vor den Toren der Stadt wo es begann und wo es in zwei Wochen brennen wird...hier wohnt unser Chef…hier ist der Ort an dem wir diese Liga gegründet haben.”

Sven: “Brennen? Hauptsache die Feuerwehr wird gut vorbereitet sein…“

Pete: “Oh man Sven….du musst das ganze mal nicht so ernst sehen…Lass uns zur Card für heute Abend kommen!”


Singles Match
Ben Slate vs. Ivor Ruskin
Referee: Mike Gard


Pete: “Ein Newcomer der direkt klargemacht hat was er will…Ivor Ruskin weh tun!!!.”

Sven: “Ivor Ruskin konnte mit dem Neuen nicht wirklich viel anfangen…im wahrsten Sinne des Wortes…er kam nämlich nicht dazu etwas dem zu erwidern was Slate ihm entgegen gebracht hat.”

Pete: “Ich bin auf jeden Fall gespannt. Zwei die hoffentlich für Furore sorgen werden…“

Sven: “Wir werden sehen…Ich hoffe das sie den Abend gut befeuern werden…“


Open Challenge Match
Morbeus & Zereo Killer vs Ruhrpott Renegades (Malocher Manni & Kumpel Kowalski)
Referee: Karo Herzog


Pete: “Sven…das sind zwei absolute Legenden die da gemeinsam im Ring stehen.”

Sven: “Damit hast du Recht…doch werden die beiden auch gemeinsame Sache machen?”

Pete: “Was willst du damit sagen Sven? Besser geht es kaum.”

Sven: “Na…ihre Karriere sind mit einigen Leichen gepflastert...aber mal sehen…auf jeden Fall haben die beiden ein Ziel.”

Pete: „Und dem Ziel stehen zwei andere große Gegner im Weg…doch vorher werden die Ruhrpott Renegades dran glauben müssen“


Singles Match
Iokepa vs Celo Marx
Referee: Peter Cleven


Pete: “Iokepa hat sich gut eingefügt und gezeigt was er kann!”

Sven: “Absolut Pete…Man sieht das er Talent hat. Doch wohin wird seine Reise gehen. Er hat auf jeden Fall einige Optionen…er muss sie nur annehmen.”

Pete: “Doch ob er dafür bereit ist…wir werden sehen.“

Sven: “Wir werden auch sehen was sein heutiger Gegner…Celo Marx so drauf hat...”

Pete: “Ich denke es wird eine einseitige Sache…Iokepa wird da weitermachen wo er aufgehört hat....”

Sven: “…was denn? Hart ficken oder hart bumsen??...”


Singles Match
Hollywood Jake vs Zac Alonso
Referee: Thorsten Baumgärtner


Pete: “Hollywood Jake muss das ausbaden was Switzenberg angerichtet hat.!”

Sven: “Eine Farce ist das…das kann nicht sein das eine Person seine Macht so ausnutzen kann.”

Pete: “Zac Alonso kann es egal sein. Er kriegt das was er will…bzw wen er will…Hollywood Jake….“

Sven: “Auch alleine wird Hollywood Jake den kleinen Alonso fertig machen und ein für allemal zeigen wer der bessere ist.

Pete: “Wir werden sehen…wir werden sehen…“



Vertragsunterzeichnung
The End und Monica Schade

Pete: “Eine Vertragsunterzeichnung ist immer wieder eine Wunderkiste…“

Sven: “Hier kann einfach alles passieren...”

Pete: “Reine Routine…oder absolutes Chaos…“

Sven: “Ich bin wirklich gespannt wie die Geschichte zwischen den beiden weitergeht…“

Pete: „Ja…und das Kapitel hier wird sicherlich genauso spannend wie ein Match zwischen den beiden…“


Die große Wette
Danny Rickson vs Jona Pexianer

Pete: “Ist Glückspiel in der GFCW erlaubt???“

Sven: “Ganz ehrlich…keine Ahnung was das werden soll…“

Pete: “Wollen wir wetten was es werden wird??“

Sven: “Um was wollen wir denn wetten?“

Pete: „Ehre hast du nicht…also fällt das schon mal weg…“



Zwei GFCW Legenden.


Zwei Triple Crown Champions.


12 Titelgewinne.


Und dennoch war da über Jahre nur Ablehnung und Missgunst zwischen beiden.


++++++++DOOMS NIGHT 2023++++++++

.

ZK kann sich nach seinem Kickout ein Grinsen nicht verkneifen. Sein Matchplan scheint aufzugehen. Ray Douglas aber nun weiter am Drücker. Bodyslam, Legdrop. Dann packt er Zereo Killer wieder und zeigt einen wuchtigen POWERSLAM. Aber wieder kickt sein Gegner bei 2 aus. Dann versucht sich Morbeus auf dem Top Row. Sein Gegner noch liegend, brettert er mit einem Flying Knee Drop heran. Doch MacKenzie weicht aus, lässt Morbeus zu Boden gehen und packt direkt seine Beine!


Sven: „Figure Four Leglock! Figure Four Leglock! Zereo Killer Masterclass!“

Pete: „Jetzt wird es ungemütlich für den Mann aus Vancouver. Wird er die Schmerzen an seinem lädierten Knie aushalten können?“


Die Zuschauer schauen sich irritiert an. Wird Morbeus auch sein zweites großes Match in Berlin verlieren? Alles deutet darauf hin. Die Ringseile sind viel zu weit weg, diese Ausflucht wird ihm ZK nicht gestatten. Zereo Killer will Morbeus unbedingt zur Aufgabe zwingen! Morbeus stemmt seinen Oberkörper auf und versucht mit seinen Handflächen in Richtung der Seile zu kommen. Und das klappt doch besser als gedacht. Zereo will den Griff nun noch fester setzen und lehnt seinen Oberkörper auch noch vorne. Plötzlich greift Morbeus mit einer flinken Aktion nach ZKs Kopf und rollt den US-Amerikaner völlig überraschend ein…..



Mike Guard zählt an.



1…………………………..


2…………………………..



3..



Sven: „WAS ZUM HENKER?“


DING DING DING


Laura: „Sieger des Matches nach Pinfall…………..MOOOOORRRBEEUUUS!“



CUT

Nun wird der Big Apple eingeblendet und der sagenumwobene Madison Square Garden, Schauplatz von GFCW Allegiance im Jahr 2023


++++++++GFCW ALLEGIANCE 2023 +++++++++



…………..


Die Fans sind auch zu 100% auf der Seite des Kanadiers! Zereo Killer brüllt ihn auch endlich an, dass er aufgeben soll, doch das macht Morbeus nicht… Er gibt nicht auf, das ist nicht sein Ding… Er rudert ein wenig mit den Armen, doch er schafft es nicht, sich in Richtung der Seile zu ziehen… Morbeus Hände zeigen sehr schwach einen Mittelfinger… anschließend sind seine Augen geschlossen, der Körper ist schwach, ausgeknockt… ist er… hat er… das Bewusstsein verloren?!


Mike Kontrakt bückt sich zu Morbeus hinab… er checkt dessen Status… und… er ist ausgeknockt!


Sofort lässt MacKenzie den Move los!


Der hört den Ringgong!!!


Keine Sekunde hätte er den Move noch länger ausgehalten! Doch es war lange genug! Zereo Killer hat das Match gewonnen! Nicht durch Aufgabe, sondern durch K.O.


Die Crowd ist außer sich und buht was das Zeug hält.


Der Sieger des Main Events, dessen Musik gerade eingespielt wird, heißt Zereo Killer!



CUT


Jede Rivalität endet.


Das Kriegsbeil wird begraben.


Wenn die Chance besteht, gemeinsam nach den Sternen zu greifen.


Das erste gemeinsame Match zweier Legenden:


ZEREO KILLER & MORBEUS.


HEUTE! BEI WAR EVENING AUS LÜNEN!



Als sich die Kameras Backstage in einem notdürftig ausgestatteten Aufenthaltsraum zuschalten, bietet sich ein zugleich vertrauter und doch selten gewordener Anblick: der LPG Förderkader ist zur Abwechslung mal wieder vollzählig beisammen. Die beiden riesigen nordischen Schwestern Skaði Fenrir und Iðunn Jörmungandr türmen wie bedrohliche Monolithen drohenden Unheils im Hintergrund. Die Schneewölfin steht an die Wand gelehnt, die Arme verschränkt und die Augen glänzend vor frostiger Kälte, während ihre Riesenschlange von Schwester sich geradezu psychotisch am Zopf rumspielt und giftige Blicke gen Kamera wirft, während sie das buschige Ende ihrer Flechte zwischen die Lippen führt.
Zur Linken stehen die Black Wyrms in ihren dunklen Umhängen mit ernsten Blicken und ihren silbrigen Gürteln, während die rechte Seite der blonden Frau im feurig gefiederten Poncho gehört: Milly Vermillion, die mit aus Wut über die Geschehnisse der letzten Show genährtem feurigem Blick in die Kamera blickt, wie ein Vulkan kurz vor der Eruption.
Im Zentrum ein Ruhepol als Mittelpunkt: die Chefin des Förderkaders der Lerbitz Performance Group, die letzte verbliebene Führungspersönlichkeit der einst quantitativ wie qualitativ so breit aufgestellten Gruppierung von Entrepreneurin Lerbitz - „The Aion“ Miria Saionji. Die schwarzmähnige Schmeichlerin im weißen Minikleid ist die Einzige, die der Kamera ein warmherziges Lächeln schenkt, so aufgesetzt und wenig ehrlich es auch sein mag, in dieser doch von negativen Emotionen brodelnden Runde ist dieses Lächeln ein willkommenes Geschenk von einladender Harmonie.


Miria Saionji: „In zwei Wochen ist es soweit, die Anniversary Show hat schon lange ihren Schatten über GFCW geworfen und aus diesem Schatten der Vergangenheit wird sich ein Feuer ausbreiten, welches die Zukunft von GFCW mit Wärme und Licht beglücken wird. Dieses Feuer sind wir.“


Miria blickt zur Seite, wie um sich von Milly ein anerkennendes Nicken für ihre Feuermetaphorik abzuholen, doch diese Geste bleibt aus. Stattdessen interpretiert Milly den Blick als Aufforderung jetzt selber sprechen zu dürfen und sie hat ganz klar etwas zu sagen, erhebt sie doch merklich ihre Stimme.


Milly Vermillion: „Was letzte Show passiert ist, war ein absolutes Unding. Ich hätte wissen müssen, dass ein von mir übermächtigem Phönix in die Enge getriebener Mensch zu Waffen greifen würde, um seine Schwäche auszugleichen. Und doch habe ich mich überrumpeln lassen und habe durch diesen Mangel an Weitsicht auch noch zwei Kameradinnen in eine Falle gelockt.“


Wir erinnern uns: in ihrem Match gegeneinander hatte Meathook eine Attacke mit Fleischerutensilien gestartet und als die Black Wyrms zur Hilfe eilten, wurden sie von Jay Taven und Gino Rieß attackiert. Woran wir uns nicht erinnern ist, dass Milly die anderen schon einmal als ihre Kameradinnen bezeichnet hätte. Ein Hauch von Zutraulichkeit, der in dieser erhitzen Atmosphäre nicht das wohlige Gefühl von Freundlichkeit erzeugt, das nun eigentlich vorherrschen sollte. Milly erhebt bedeutsam wie mahnend den Zeigefinger.


Milly Vermillion: „Meathook und Konsorten… ihr habt euch die Falschen ausgesucht, um euch zu profilieren. Manch andere hättet ihr mit dieser Attacke verletzen und vielleicht sogar vernarben können. Aber nicht mich, denn ich bin ein Phönix!“


Sie wischt mit der Hand den Pony hoch, um die Stirn zu zeigen, aus der sie letzte Show noch so heftig geblutet hatte, dann zieht sie ihren per Fleischerhaken malträtierten Fuß hoch und macht eine Pirouette, um auch die Unversehrtheit ihres Oberschenkels zu demonstrieren, der von Meathook per Spieß durchstochen wurde.


Milly Vermillion: „Netter Versuch sich auf eine Kosten einen Namen zu machen. Und ihr bekommt sogar noch eine zweite Chance dazu und zwar bei der Anniversary Show. Drei gegen Drei, von mir aus kann der Einsatz dieser Geräte ruhig offiziell erlaubt sein. Denn sie werden euch nichts nützen. Es ist Zeit, dass ich ein Exempel statuiere und ihr drei, Meathook, Gino und Jay, ihr habt euch quasi dazu aufgedrängt meine Beute zu werden, wie Skaði es nennen würde. Oder sollte ich sagen: unsere Beute?“


Das ist das Stichwort für die Next Level Tag Team Champions. Genauer gesagt ist es das Stichwort für die kleine Französin mit der weißblonden Haarpracht ihrer kurzen Zündschnur nun freie Bahn zu lassen. Obgleich sie weniger laut wird als gedacht, was umso bedrohlicher wirken könnte, wenn sie nicht so verdammt klein wäre.


Brigitte Reflet: „Nur wenige Minuten nach unserer Verkündung bei New Level ‘erausforderinnen auf den Tag Team Titel sein zu wollen, wurden Shizuku und ich zum Narren ge’alten und niedergestreckt. Falle oder nicht, das ‘ätte uns zum ‘ö’enflug ansetzenden Drachen nicht gesche’en dürfen. Doch es geschah. Es ist, wie du sagst, Milly: wir ‘aben uns nun lange genug von anderen ‘erumschubsen lassen. Zeit, dass wir den Gefallen erwidern, doch nicht per kleinem Schubser, sondern per gewaltigem Stoß!“


Die magentafarbenen Augen von „La Vouivre“ funkeln vor Intensität.


Brigitte Reflet: „Jay Taven, du ‘ättest es von unserem Match gegen dich und Aya bereits wissen sollen: wir sind im stetigen Wachstum, werden besser und besser und es war nur eine Frage der Zeit, bis wir über der World of Darkness gestanden ‘ätten! Wie nett von dir, dass du uns die Chance gibst zumindest gegen dich zu demonstrieren, wie viel besser wir mittlerweile geworden sind! Indem wir dich bezwingen, beweisen wir, dass wir eine erneute Chance auf den Tag Team Titel verdienen. Meathook und Gino ‘aben wir bereits bei unserem Debüt besiegt – und wir werden es wieder tun!“


Shizuku Shikishima: „Genug Worte wir verloren haben.
Taten nun endlich folgen werden.“


Die Nennung des Begriffs „Tag Team Titel“ hat einen der beiden Türme im Hintergrund hellhörig werden lassen. Lässig löst sich Skaði von der Wand, geht ein zwei Schritte aus dem Hintergrund gen Vordergrund und bleibt direkt hinter den Black Wyrms stehen. Der Kontrast ihrer Größe lässt Skaði nur unweigerlich noch beeindruckender wirken, als sie es eh schon ist.


Skaði Fenrir: „Erlaubt mir hier einzuhaken und anzumerken, wer bei New Level eure Gegner sein werden, so ihr tatsächlich an diesem Tag die Herausforderinnen sein solltet. Ich, die hehre Schneewölfin Skaði Fenrir, werde diese Beute an der Seite meiner kolossalen Schwester bei dem Easter Special erlegen. Ein geradezu schicksalhafter Zeitpunkt, um Hasen zu jagen, so diese bis dahin das Gold noch haben sollten. Unser Match bei der Anniversary Show gegen dieses neue Tag Team wird kein glorreiches Debüt für die Neuen, sondern eine überfällige Machtdemonstration auf unserem Weg zum Status als Champion.“


Iðunn lässt für diese Worte ein zustimmendes Zischen laut werden und greift von der Verpflegung eines nahen Tisches eine Orange – die sie bereits halb zerquetscht hat, noch bevor sie überhaupt beginnt Kraft aufzuwenden, um sie zu zerquetschen. Wonach sie ruckartig die Schale entfernt und sie demonstrativ zu zerkauen beginnt.
Keine allzu angenehme Geräuschkulisse, doch der Umstand, dass nun alle gesagt haben, was sie zu sagen hatten, kommt Miria Saionji gelegen. Aus dem Hintergrund agieren ist gut und schön, aber es ging jetzt lange genug um andere Themen als sie selbst – Grund genug sich zügig selbst zum Thema zu machen.


Miria Saionji: „Ja, wir alle haben unsere Aufgabe bei der Anniversary Show, womit ich sagen möchte wir alle bis auf mich. Ich hätte ja zu gerne Viggo in einem direkten Duell klargemacht, dass ich nicht nur als Leiterin eines Förderkaders besser bin als er, sondern auch als Wrestlerin. Doch wie das Leben so spielt ist mir Iopeka zuvorgekommen und hat das letzte bisschen Glanz und Glorie aus diesem ehemaligen Intercontinental Titelträger heraus geprügelt. Hätte man von einem Jahr vorhergesagt, dass Meathook und Gino Rieß ein Match bei der Anniversary Show haben würden und Namen wie Luna Rosario, Aiden Rotari, Rasmus Rantanen, Viggo oder Caracal Matthews nicht, man hätte es wohl kaum geglaubt. All diese Personen, die für Gegenwart und Zukunft von GFCW stehen sollten, sind aus unserer Mitte verschwunden, warten wir also ab, wie lange sich wohl die neuesten Jungstars der Woche wie Zac Alonso, Ben Slate und Iray Burch sich wohl halten werden.“


Miss Eternity“ formt ihren Mund zu einem selbstherrlichen Lächeln – anders als das freundliche Lächeln zuvor wirkt dieses unweigerlich sehr viel aufrichtiger und echter.


Miria Saionji: „Obwohl, warum sollten wir das machen, wenn die wahre Gegenwart und Zukunft von GFCW bereits in diesem Raum versammelt ist? Refuse to Age und Shelly Nafe denken sie können GFCW unter sich aufteilen, Darragh Switzenberg denkt, er könne GFCW seinen Willen diktieren, doch das wahre Machtzentrum von GFCW ist und bleibt die Lerbitz Performance Group der ehrbaren, weitsichtigen Entrepreneurin Lerbitz. Solange sie keine dieser drei Parteien für würdig erachtet mit ihnen Geschäfte zu machen, sollte ihnen auch sonst niemand großes Gehör schenken. Wer sinnvoll investieren will, sollte sein Geld in die LPG stecken.

Weil wir alle hier sind… und ganz besonders weil ich hier bin.

Denn ich bin „The Aion“ Miria Saionji und nichts überdauert die Ewigkeit.“



Was fällt an dieser Show besonders auf? Viele Zereo Killer Merchandise Artikel, viele T-Shirts, viele Schilder, die seinen alten Schlachtruf „YOU STILL GOT IT“ zieren, werden in die Höhe gestreckt, und sie werden auch nicht enttäuscht!


Die GFCW Galaxy rastet aus, als sie das „Wake me up“ durch die Boxen flüstern hört. Einen Moment lang wird die Halle komplett verdunkelt, ehe sie mit einem Pyro wieder zum Leben erweckt wird und Mike MacKenzie sich sofort auf der On Stage befindet! Blau-Grün ist seine heutige Gesichtsbemalung, die blaue Kapuze seines Oberteils wurde längst in den Nacken geworfen und er saugt die gute Stimmung auf. Hinter ihm, auf dem Titantron, breitet sich sein altes Logo aus, an welches sich die Fans genau erinnern können.


Grafik 24


Ja, er ist wieder da, klatscht mit einigen Fans ab, hat sogar für das ein oder andere Selfie Zeit, ehe er sich bewaffnet mit einem Mikrofon auf den Weg zum Ring macht um diesen zu entern. Längst ist die Musik verstummt, doch die tausend anwesenden Fans der GFCW machen Stimmung bis ins Unermessliche! Sie jubeln, schreien sich die Seele aus dem Leib, was den Amerikaner dazu veranlasst, seine Lippen in die Horizontale zu bewegen. Langsam fährt er den Schallwandler zu seinem Mund und setzt an…

Doch er kommt nicht dazu auch nur ein Wort zu sprechen! „Ach, scheiß drauf!“ scheint er sich zu denken, legt das Sprechgerät auf die Ringmatte, steigt auf eine Ringecke hoch und reißt die Arme in die Höhe, um mit seiner Zereo Army zu feiern. Alle geben ihm diesen Moment mit seinen Anhängern, doch auch der schönste Augenblick findet mal ein Ende. Mr. #ISGI – einige werden sich an diesen Spitznamen noch erinnern, der sich aus „I STILL GOT IT“ zusammensetzt – sein Hauptaugenmerk liegt wenige Sekunden nach seinem umjubelten ersten Auftritt seit seinem Comeback wieder beim Schallwandler, welchen er sich wieder schnappt und das Mikrofon zu seinen Lippen führt. Wild entschlossen blickt er durch die Crowd, die Augen weit aufgerissen.


Zereo Killer: „The Legend, that never dies Mike MacKenzie also known as Zereo Killer is dead!“


Die linke Hand hebt er mit geschlossener Faust in die Höhe.


Zereo Killer: „Ich bin wieder euer Zereo Killer – AND I STILL GOT IT!“


Abermals bricht großer Jubel aus, sodass ZK seinen Monolog kurz abbrechen muss, doch er bittet gestikulierend um Ruhe, denn er will weitersprechen.


Zereo Killer: „Als ich zuletzt vor einigen Jahren hier war, dachte ich, dass mich all meine Erfolge, meine Titel, zu dieser Legende gemacht haben, die ich heute anscheinend bin. Ich wurde von Gier verschlungen und wollte immer mehr und mehr… und habe mich letzten Endes gegen euch gewandt. Ich wollte den großen GFCW Gürtel beim letzten Mal mit unfairen Mitteln gewinnen, aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich froh bin, dass das nicht geklappt hat.“


Kurz senkt er seinen Kopf und man kann es spüren, dass es ihm richtig Leid tut, dass er seine Fans und auch seine eigenen Prinzipien hintergangen hat.


Zereo Killer: „Liebe Fans, liebe GFCW Galaxy, liebe Wrestlingfans weltweit. Ihr seid es, die aus mir gemacht haben, was ich heute bin… und nichts anderes! Durch euch bin ich die Legende, die ich heute bin! Und falls meine Legende wirklich niemals stirbt, dann auch durch euch, denn ich werde in euren Erinnerungen bleiben!“



Als die ersten Riffs des Songs durch die Halle dröhnen, wird die Zuschauermenge für einen winzigen Moment des Nachdenkens still. Interessanter ist jedoch, was im Seilgeviert passiert: Dort steht Zereo Killer und dreht sich mit weit geöffneten Augen und ebenso überrascht geweitetem Mund zur Stage herüber.

Während die Menge erkennend zu jubeln beginnt, verfinstert sich hingegen die Mine von MacKenzie. Denn auf dem Tron leuchten nicht gerade tausend Gesichtsbemalungen, aber doch einige Namen der einen unbekannten Konstante auf.

Grafik 23Grafik 22Grafik 21Grafik 20Grafik 19


Der Night Fighter bahnt sich den Weg zum Ring und auch er klatscht mit den Fans ab, die ihm die Hände reichen. Dabei beobachtet er jedoch den Ring und schaut genau, wie Zereo Killer dort reagiert. Dieser bedenkt den Kämpfer der Nacht weiterhin mit einem bösen Blick, was den verrückten Hund jedoch nicht davon abhält, seinen Weg zum Squared Circle fortzusetzen.


Pete: „Hier scheint jemand auf dieses Wiedersehen gewartet zu haben! Und dieser jemand ist nicht Zereo Killer…“


Über die Ringtreppe gelangt MD schließlich in den Ring und stellt sich Zereo Killer gegenüber auf. Wie in Bochum mit Robert Breads gehen ihm zahlreiche Erinnerungen durch den Kopf – ZKs Besuch beim Brawlin‘ Rumble, aus Unstimmigkeiten wurde Feindschaft… Feindschaft, welche die Grenzen der beiden Ligen sprengte. Unzählige hasserfüllte Begegnungen… unzählige Augenblicke… unzählige Tiraden und Verwünschungen.


Der rechte Mundwinkel der unbekannten Konstante wandert nach oben.


Sven: „Freut der sich?“

Pete: „Oder ist das der alte Wahnsinn?!“


Zereo Killer: „Was zur Hölle hast DU HIER zu suchen?“


Brüllt er ins Mikrofon, ehe sie sich einen Staredown im Ring - Angesicht zu Angesicht - liefern. Die Jubelrufe wandeln sich in „HOLY SHIT“ Chants um. Was kann die GFCW Galaxy hier erwarten, wenn diese beiden Giganten aufeinandertreffen! Wenn man an die Beiden denkt, denkt man an das Glasshouse Match in der PCWA, denkt man an Zereo Killers Referee Stop Niederlage gegen S1margl in der GFCW, jedes einzelne Aufeinandertreffen dieser Beiden hat das Blut in den Adern gefrieren lassen!


Zereo Killer: „Ich versteh‘s wirklich nicht. Ich bin hier, um mich mit meinen Fans zu unterhalten. Ich bin hier, um mein Herz bei den Fans auszuschütten, um ihnen zu erklären, dass ich sie niemals mehr enttäuschen will, ich bin hier, um…“

Mad Dog: „Beruhig‘ dich, MacKenzie.“


Die Töle hebt beschwichtigend die Arme in die Luft und wedelt die aufkommende Druckluft symbolisch nach unten.


Mad Dog: „Ich bin nicht hier, um dort weiterzumachen, wo wir beide aufgehört haben! All der Hass, das Blut… die Narben, von denen unsere Körper erzählen. Diese hier…“


MD zieht sein T-Shirt etwas herauf und deutet auf eine Narbe am oberen Teil seines noch immer recht trainierten Triceps.


Mad Dog: „…ist, glaube ich, von dir. Wahrscheinlich nicht die einzige, huh?! Wir haben uns gehasst, wir haben uns bekriegt. Und der Krieg kehrt nun mal die schlimmste Seite des Menschen hervor… Du hast es eben doch selbst gesagt – und das war Grund genug für mich hier raus zu kommen. Auch du bist durchs Tal gegangen, hast nicht nur die Fans verraten, sondern auch deine Prinzipien. Fuck! Ausgerechnet du, huh?! Welche Farbe zierte damals dein Gesicht? War es das grässlich hässliche schwarzweiß des Night Fighters? War es das kellerdunkle und drogentriste grau Simargls?“


Fragend breitet die unbekannte Konstante die Arme aus. Zeigt ihm die Parallelen auf, die beide Wrestlingkarrieren prägten.


Mad Dog: „Ja, auch ich habe Fehler gemacht. Und auch ich bin ein anderer Mensch, als derjenige, der dich am Grab deiner Frau besucht hat…“

Zereo: „Du hast mich mit einer BESCHISSENEN SCHAUFEL IN EIN GRABLOCH GEPRÜGELT!“


Mad Dog schließt die Augen, lässt den Wutausbruch über sich ergehen. Kurz flimmert die Szene wieder auf. Die schreiende Leighton Meester, der Spruch seiner Tochter am Grabstein seiner Freundin Sandy.

Dann aber öffnet er sie wieder, fixiert den mehrmaligen Champion.


Mad Dog: „…meine Ex Sandy liegt in der Nähe von Vanessa.“


Kurz verhallen die Worte und es wird mucksmäuschenstill in der Arena. Geteiltes Leid ist halbes Leid, spricht der Volksmund – und auch hier scheint es zumindest die Wut des Mister #ISGI für den Augenblick verrauchen zu lassen.


Mad Dog: „Was ich sagen wollte, ist, dass in mir eine tiefe Trauer saß, eine tiefe Kränkung gepaart mit Verbitterung ob des Undanks, der mir entgegenschlug. Ich war der Hass! Und es hat mir solch eine Genugtuung bereitet, zu hassen und zu bestrafen. Und doch wurde das schwarze Loch in mir nicht gefüllt. All die Wut, die Raserei… sie erleichterte mich nur kurz. Ich breitete die Schwingen aus und doch saß ich später wieder auf dem Boden…“


Nun macht er einen Schritt auf den Mann zu, mit dem er sich vor 10 Jahren so heftig duellierte.


Mad Dog: „Ich kann das alles nicht rückgängig machen… Aber vielleicht hilft es einander zu verstehen. Und so können wir vielleicht nach vorne blicken – oder uns auf das besinnen, was wir teilen. Nicht nur die Irrwege; auch den Respekt für unsere In Ring Leistungen. Nicht umsonst wurde ich jetzt hier im Ruhrgebiet des Öfteren auf unsere Duelle angesprochen, huh?! Die Menschen erinnern sich an unsere Matches – und die Narben davon sind zwar noch zu sehen, aber doch gut verheilt, wie ich dir eben gezeigt habe. Lass uns das mit den inneren Narben auch tun.“


Nun streckt MD unter dem Jubel der anwesenden Menge seine Hand aus. MacKenzie entgegen. Zereo Killer und Simargl, ein Handshake?!
Surreal.


Mad Dog: „Es tut mir leid.“


Lange verharrt der Blick auf den ausgestreckten Arm, der einst dafür sorgte, dass er ein Match auf eine Art und Weise verloren hatte, wie es dies sonst nie gab – nämlich durch einen Referee Stop. Tausend Gedanken scheinen ihm durch den Kopf zu gehen. Sein Blick wandert vom Arm ins Gesicht seines unfreiwilligen Gesprächspartners, schlussendlich blickt er durch das Publikum. Es scheint dem Night Fighter zu vertrauen, doch kann das Zereo Killer auch?


Zereo Killer: „Ich höre deine Worte, kann es kaum glauben, dass so etwas aus deinem Munde kommt. Ja, wir alle machen Fehler im Leben… und man lernt draus. Ich bin bereit, das Kriegsbeil zu begraben, aber…“


Der Blick wieder auf den ausgestreckten Arm gerichtet, schiebt MacKenzie behutsam den selbigen von sich weg. Ein kollektives Lufteinziehen ist zu hören.


Zereo Killer: „… ich bin nicht bereit, den Handshake anzunehmen. Ich hoffe, dass du es verstehst.“


Die Blicke kreuzen sich. Ein Moment, in dem beide in ihrer Position verharren, welcher sich wie eine Ewigkeit anfühlt, durchbrechen die Fans die Stille.


ONE MORE MATCH!
ONE MORE MATCH!


Das scheint dem Hund ein Lächeln abzuringen.


Mad Dog: „Okay…“


Er nickt. Mehrmals. So als müsse er sich selbst die Akzeptanz des Gesagten körperlich zusagen.


Mad Dog: „Ich verstehe das, MacKenzie. Leider haben sich unsere Wege gekreuzt, als ich auf Irrwegen wandelte. Vielleicht wäre es nun genau andersherum und du würdest mir die Hand entgegenstrecken, wenn wir uns getroffen hätten, als du von Gier verschlungen wurdest… So, wie du es mit den Fans vorhattest. Doch die haben uns längst vergeben, huh!?“


Zum Beweis dessen jubelt die Menge.


Mad Dog: „Ich hoffe, dass dies jetzt nicht heißt: Wir gehen uns aus dem Weg. Nein. Ich denke, es wäre für uns beide gut, wenn wir uns wiedersehen… und das Kriegsbeil komplett begraben.“


Ein letztes Mal nickt er Zereo Killer zu, dann dreht er ihm den Rücken zu und geht aus dem Ring. Mr. #ISGI schaut ihm nachdenklich hinterher.



Die Kamera fährt langsam durch die leere Westfalenhalle. Sitzreihe um Sitzreihe, noch still, noch ruhig. Der Ring steht bereits aufgebaut im Zentrum, beleuchtet von einem einzelnen Spot.

Hier begann vor 25 Jahren eine Reise, von der niemand wusste, wie weit sie führen würde. Die erste Show der GFCW, damals noch vor überschaubarer Kulisse, aber getragen von unbändigem Willen. Es waren keine Superstars, die diese Liga erschufen, sondern Menschen mit Leidenschaft.

Bilder aus dem Archiv flackern auf. Die ersten Matches. Improvisierte Bühnen. Titel, die erst noch Bedeutung bekommen mussten. Doch schon damals war etwas spürbar, das sich nicht planen ließ – eine Verbindung zwischen Ring und Publikum.

Aus diesen ersten Momenten entstanden Rivalitäten, aus Siegen wurden Karrieren, aus Rückschlägen wurden Comebacks. Jede Show fügte ein neues Kapitel hinzu.

Und heute, 25 Jahre später, kehrt die GFCW genau dorthin zurück. Dorthin, wo aus einer Idee Realität wurde.



Die Melodie kommt dem Publikum bekannt vor, als hätte man sie zuvor schon mal vernommen. Als dann in der komplett verdunkelten Arena, die grünen Datenstränge auf dem Titantron zu sehen ist und „THE ANALYST“ in altrömischer Schrift mit dunklem Schatten immer wieder auf den Bildschirmen aufflackert, ist vielen Fans schon bewusst, wen sie nun zum ersten Mal in Haut & Haaren betrachten dürfen.

Gekleidet in seinem Seidenmantel, seiner Anzughose und den passenden Lederstiefeln, strahlt nun das Scheinwerferlicht auf den Schweizer Ben Slate! Nur sein Rollkragenpullover aus der vergangenen Show trägt er diesmal nicht, stattdessen ist er oberkörperfrei unter dem offenen Mantel, was seine Muskulatur nochmal deutlich zum Vorschein bringt. Leicht angespannt, aber großartig runtergespielt steht der Schweizer mit Mikrofon in der rechten Hand auf der Bühne. Nur logisch, dass der Neuzugang die Gelegenheit nutzt, um sich bei den Anwesenden vorzustellen.

Erst steht er eine Weile auf der Bühne, mit dem Blick nach unten gesenkt. Er wartet...


Tell em 'don’t waste my time' (nah nah nah)…


Direkt beim Beatdrop läuft er mit stolzem Blick, nicht übertrieben, subtil und kontrolliert Richtung Ring. Das Publikum reagiert generell positiv, aber noch recht verhalten auf den Schweizer. Immerhin konnte man noch nicht allzu viel von ihm sehen, aber sein bisheriges Erscheinen hat Fans heiß auf die Person hinter dem Notizbuch gemacht.

Mit ein paar Fans klatscht er lässig ab, bleibt dabei in einem fast schon rhythmischen Schritt konstant in Bewegung Richtung des Rings. Über die Stahltreppe am Corner spaziert er elegant hoch und duckt sich zwischen die Seile, um sich mittig in Position zu begeben. Die Musik klingt ab.


Ben Slate: „Verehrtes Publikum in Lünen, gestattet mich euch vorzustellen. Ich bin Ben Slate, einige werden schon Sequenzen von vor zwei Wochen meinerseits im Kopf haben, aber noch niemand hat mich in Haut & Haaren erleben dürfen. Es gehört sich wohl, den Fans zu zeigen, wer hier in Zukunft den Ring beanspruchen wird.“


Bei diesen Worten klingt sein Tonfall keineswegs überheblich, schlicht und einfach selbstbewusst, jedoch wirkt das für einen Teil der Zuschauer etwas arrogant, solange er noch nichts bewiesen hat.


Ben Slate: „Und ich weiß… ihr seid alle gespannt, was für eine Show ihr heute von mir bekommen werdet und ich werde euch mit Sicherheit nicht enttäuschen.“


Er nimmt das Mikrofon kurz runter, geht ein paar Mal von Seite zu Seite und setzt dann wieder an.


Ben Slate: „Was aber die viel interessantere Frage ist, anstelle der, was ich im Ring zeigen werde. Ist diejenige, welche beantwortet, warum ich mir genau diesen Gegner ausgesucht habe.“


Eine kurze Atempause.


Ben Slate: „Ivor Ruskin ist ein Mann, welcher nicht mit der Statur eines Riesens oder der Kraft eines Gorillas gesegnet wurde. Das ist mir bewusst. Aber dennoch ist dieser Kampf für mich so interessant… ich kenne NIEMANDEN, der so oft seinen Körper verwunden lässt, verbittert einem Traum hinterherjagt, immer wieder scheitert und dennoch seine beiden Beine hier in den Ring setzt!“


Die letzten Worte von Slate wirken, als wenn er seinen Gegner fast schon loben würde, was mit dem davor Gesagten nicht ganz zusammenpasst. Schon vor 2 Wochen hat er Ivor Ruskin auf diese gespaltene Art konfrontiert.


Ben Slate: „Dieser junge Mann hat einen Willen, den man nicht zerbrechen kann! Aber dieser Mann muss auch lernen, wann es Zeit ist, aufzugeben. Ich sehe mich als eine Art Lehrer oder vielmehr eine Lektion für den jungen Ivor Ruskin. Ich werde ihm dazu verhelfen, seine Grenzen anzuerkennen und in Zukunft zu wissen, wann er eine Niederlage besser hinnehmen sollte.“


Bei diesen Worten wirkt Ben Slate ein wenig bösartig, fast schon einschüchternd. So dominant von oben herab auf Ivor Ruskin, aber der hat bisher auch keine Sympathisanten für sich gewinnen können und so sind alle einfach nur gespannt, wie der Kampf gleich ausgehen wird.


Ben Slate: „Und noch zum Schluss. An alle anderen, die eine Lehrstunde benötigen oder unbedingt in den Slate-Kurs reinschnuppern wollen, ihr könnt euch gerne melden… bevor ich zum Zwangsunterricht anklopfe.“

???: „Was ist los!? Warum sagst du mir das nicht direkt ins Gesicht?“


Nicht zu verkennen, es ist eindeutig Ivor Ruskin, welcher ohne Musik reinplatzt. Ohne wirklichen Entrance macht man das wohl?! Zurecht stellt er die Frage, warum der Schweizer die Ansage nicht ins Ohr des Gegners brüllt, anstatt in ein Mikrofon.


Ben Slate: „Du hast doch gehört, was ich gesagt habe, ob du dabei warst oder nicht, spielt keine Rolle. Benutz das nicht wieder, um dich als Opfer darzustellen, das ist eine weitere deiner Schwächen, Ivor“


Ivor Ruskin zögert nicht, stürmt über die Rampe und rutscht durch das unterste Seil. Er steht Ben Slate direkt gegenüber, blickt hinauf in den eiskalten Blick. Referee Mike Gard versucht die beiden auseinander zu bringen und in ihre Ecken zu schicken, aber The Analyst hat noch ein paar letzte Worte vor dem Kampf.


Ben Slate: „Wirst du den Punkt akzeptieren können, an dem du keine Chance mehr auf den Sieg vernimmst? Du bist so kurz davor, ein durchschnittlicher Wrestler zu werden. Ich kann dir leider nur zeigen, wo deine Schwächen liegen, erkennen musst du dies von selbst."


Singles Match:

Ben Slate vs. Ivor Ruskin

Referee: Mike Gard

Die Glocke läutet und das Match beginnt. In der einen Ecke der wutgeladene Ivor Ruskin, in der anderen Ecke steht Ben Slate, selbstbewusst und ruhig.

Im Wutrausch rennt Ruskin direkt los, Ben bleibt gelassen. Ruskin springt ab für einen Superman-Punch und Ben weicht nicht aus! Der Impact des Schlags könnte fast gar nicht geringer sein. Bis auf, dass Slate sein Kopf leicht zur Seite gedreht wird, bleibt der Aktenfanatiker in einem stabilen Stand.

Ruskin ist sichtlich überrascht, knirscht sofort mit den Zähnen, nimmt nochmal Anlauf mithilfe der Ringseile, sprintet ein weiteres Mal auf Slate zu und versucht es dieses Mal mit einem Dropkick. Dieser trifft Ben nur ein kleines Bisschen besser als der Schlag davor und der Schwergewichtsmann muss einen Schritt nach hinten machen, um das Gleichgewicht zu halten.

Natürlich hat sich Ruskin auch bei diesem Schlag mehr erhofft… so versucht er einen dritten Anlauf. Ohne zu zögern, schwingt er nochmal gegen die Seile für genug Schwung und jetzt bringt er die Beine nach oben… Hurricarana! Oder doch nicht? Ivor bleibt an Ben Slate hängen, welcher nicht sonderlich überrascht von der Attacke wirkt. Slate packt sich nun den um sein Hals hängenden Ruskin, schwingt seinen Oberkörper rauf…


POWERBOMB!


Volles Rohr schlägt Ruskin auf die Matte ein, die ganze Halle hört den Aufprall. Während sich der Amerikaner auf dem Ringboden wälzt, ergreift nun Ben Slate die Initiative. Er schnappt sich den linken Arm von Ruskin und bearbeitet ihn. Erst ein Tritt auf den Unterarm, dann mit dem Knie gegen den Trizeps und zum Schluss beendet er die Combo mit einem Forearm-Drop auf die Schulter! Ruskin wünscht sich in diesem Moment öfter ins Gym gegangen zu sein, die Schmerzen in seinem linken Arm sind deutlich zu sehen.

Ben wartet jetzt, bis Ruskin sich wieder langsam aufrappelt. Nun setzt Slate zum Sprint aus der Ecke an, dreht sich einmal um seine Achse um im selben Moment, wo Ivor wieder auf den Beinen steht, einen sauberen Discus-Elbow zu landen!

Angeschlagen taumelt Ruskin in die Ringecke und hängt dort erstmal für eine Weile. Fast schon mit Leichtigkeit hebt der Schweizer den Mann mit nur 73kg Kampfgewicht auf den obersten Turnbuckle, fixiert ihn unter die Arme, hebt ihn steil nach oben…


SUPERPLEX!


In jedem Kampf wäre die logische Konsequenz der Pinfall. Aber nicht für Ben Slate. Welche laut eigene Aussage, Ivor in einer Submission besiegen will.

Ben Slate wirkt nicht gerade beeindruckt von seiner eigenen Aktion, im Gegenteil. Er sieht aus wie ein unterbezahlter Mitarbeiter an der Kasse, mit seiner ernsten Miene.

Das Publikum empfindet wohl langsam Mitleid, denn es tritt genau das ein, was Ben hervorgesagt hat. Er dominiert dieses Match. Will er es nicht langsam beenden?

Es scheint so, denn jetzt setzt er für die Fujiwara Armbar an! Genau an dem Arm, den er vorhin noch bearbeitet hat.

Ruskin kämpft mit den Schmerzen und versucht mit dem freien Arm Richtung Seile zu gelangen für den Rope Break… kaum zu glauben, aber er schafft es wirklich beinahe sie zu berühren, merkt aber selbst, seine Kraft reicht nicht aus. Doch dann passiert etwas Unerwartetes.


IVOR RUTSCHT AUS DER ARMBAR!


Ben war sich wohl schon zu siegessicher und hat den Hold nicht ganz geschnürt, er ist dennoch überrascht und muss erstmal ein Running Knee fressen!

Der erste Angriff seitens Ruskins, welcher Impact hat! Ben fällt etwas zurück und kniet noch auf dem Boden, während Ivor sich bereits wieder in die Seile schwingt. Mit der letzten Energie in seinem Körper hat er nochmal so richtig an Auftrieb gewonnen und setzt für seinen nächsten Strike an.

Aber in diesem Moment schafft es Ben rasch auf die Beine!


SPINEBUSTER!


Pinfall? Nein. Eine erneute Submission, Ben will den Kampfgeist von Ruskin töten. Diesmal greift er mit den Händen um den Nacken von Ivor, das ist definitiv keine Armbar. Er zieht sich den Kopf vom kleinen Mann an seine Brust, hakt mit seinen eigenen, die Beine von Ivor ein und zieht den Hold immer fester. Wie in Embryo Stellung liegt Ivor Ruskin in den Fängen von Ben Slate.


Pete: „Das ist ein sauberer Japanese Necktie, meine Damen und Herren! Submission-Wrestling auf einem hohen Niveau!“


Ruskins Gesicht läuft bereits rot an und es sieht gar nicht gut aus für den jungen Wrestler. Er muss abklopfen, tut es aber nicht. Man hört Kampfschreie aus dem vergeblichen Versuch sich irgendwie rauswinden zu können, aber Slate ist zu stark. Ivor kann nicht mithalten. Sein Körper erschlafft und man sieht seine Hand wie ein letztes Zucken vor dem Zustand der Ohnmacht abklopfen.

Ding, ding, ding! Ben Slate gewinnt durch Aufgabe!

Nicht genau das Ende, was uns der Analytiker verspochen hatte, laut seiner Aussage sollte Ivor nicht dazu gewillt sein abzuklopfen und in seinen Klammern den Atem verlieren. Doch was danach geschieht ist das, was er schon angekündigt hat.

Er steht nun über Ivor, mit einem Grinsen, nein… es ist sogar ein breites Lächeln und man hört ihn, auch ohne Mikrofon, zu Ivor sprechen.


Ben Slate: „Du hast gelernt. Nicht schlecht.“


Nachdem das Match offiziell beendet wurde, verlässt Ben Slate ohne Worte den Ring und spaziert zurück zum Entrance. Im Hintergrund läuft sein Theme-Song und mit Lyrics von „Don’t Waste My Time“ wirkt dieser Kampf im Nachgang wie ein klares Statement vom Schweizer.




Es ist gerade keine einfache Zeit für Ask Skógur, aber wenn man so genau darüber nachdenkt, könnte man diese Aussage wohl zu fast jedem Zeitpunkt in Asks GFCW-Karriere sagen und fast immer wäre sie zutreffend. Asks Wrestling-Leben wird bestimmt von einem stetigen Auf und Ab.

Wir sehen ihn nun backstage, wie er – sichtlich… naja, ‚aufgeregt‘ wäre das falsche Wort, aber zumindest scheint ihn irgendwas zu beschäftigen – durch den Gang läuft, auf der Suche nach etwas. Oder jemanden.

Was gibt es sonst über sein Auftreten zu sagen? Vor vier Wochen wurde ihm von Champion höchstpersönlich ein Titelmatch geschenkt, vor zwei Wochen hat er es aufs Spiel gesetzt, gegen eine Person, die er eigentlich schon besiegt hat… und verloren. Und das ganz knapp und eher aus einem Überraschungseffekt heraus, aber verloren hat er trotzdem. Monica Shade hat ihn besiegt und damit hat er seinen Selbsttest, ob er denn wieder bereit für den Gürtel wäre, nicht bestanden.

Und doch… scheint es gerade etwas völlig anderes zu sein, was ihn beschäftigt. Er hat die Niederlage überraschend gut verkraftet und scheint wohl vor allem aktuell einer Erkenntnis sehr dankbar zu sein:


Es gibt mehr als nur den GFCW-Titel.

Und dementsprechend gibt es auch mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Ob dieses „mehr“ das Paket ist, welches er vor zwei Wochen angenommen hat?


An Ask läuft nun ein GFCW-Mitarbeiter vorbei, den Ask, ganz naiv und überhaupt nicht böse, recht ruppig von seiner eigentlichen Arbeit abhält. Er hält ihn an, fixiert ihn mit einer Hand und fragt.


Ask Skógur: „Hey Mann, hast du diesen Typen gesehen… Pex… Pexa… John… Joe… ach, verdammt, den Sohn von Pete halt.“


Offensichtlich scheint Ask Schwierigkeiten mit dem Namen zu haben, aber man muss ihm wohl zugutehalten, dass sein Kopf sich in den letzten Monaten fast ausschließlich um den GFCW-Titel gedreht hat.

Auf jeden Fall weiß der Mitarbeiter, wen Ask meint, aber nicht, wo er ihn finden kann. Leicht genervt winkt Ask ab, vermutlich sucht er schon eine Weile. Im Weggehen wird ihm aber klar, dass das nicht gerade höflich war und so dreht er sich nochmal leicht ein.


Ask Skógur: „Sorry Mann, du bist ein Top-Typ, die Liga braucht dich… gute Arbeit!“


Leicht verdusselt wendet sich Ask wieder weg und läuft weiter… mit einem Strahlen in den Augen.


Ask Skógur: „Da isser ja!“


Er stürzt nun vor und kommt auch direkt bei seinem Ziel an und tatsächlich, da steht: Jona Pexianer.

Ebenso sozial-unbeholfen, wie seine Interaktion mit dem GFCW-Mitarbeiter gerade eben war, begrüßt Skógur nun auch Pexianer, in dem er ihm mit etwas zu viel Nachdruck auf die Schulter tippt.


Ask Skógur: „Ich hab nach dir gesucht.“


Der „Sohn“, der wohl noch lange vergeblich darum kämpfen wird, diesen Nickname abzuschütteln und als eigener Mensch wahrgenommen zu werden, dreht sich zu Ask Skógur um. Große Emotionalität hat man noch nicht von ihm wahrgenommen und so fällt sein Gesichtsausdruck auch diesmal schwer zu deuten aus, vielleicht eine Spur grimmig.


Jona Pexianer: „Ich wüsste nicht, warum du nach mir suchen solltest. Wenn es um die Sache geht, wegen der ich vor zwei Wochen mit dir sprechen wollte: Das hat sich erledigt.“


Ask versteht die Zeichen noch nicht wirklich, sodass er direkt weiterspricht.


Ask Skógur: „Also, pass auf Mann… eigentlich mach ich das ja eher nicht so, aber ich hab gesehen, was vor zwei Wochen passiert ist. Da hats an meiner Tür geklopft und auf einmal stand da Danny Rickson davor, aber ja… wie sich herausgestellt hat, war der nicht derjenige, der geklopft hat.“


Der junge blonde Mann rümpft die Nase.


Jona Pexianer: „Tja, da hast du jetzt im Nachhinein richtig hingeguckt. Aber scheinbar hattest du Besseres zu tun, als mir beim ersten Klopfen zu öffnen.“


Pexianer zuckt die Schultern. So lässig, wie die Geste es andeutet, kommt er trotz allem nicht herüber. Eine Spur Enttäuschung – wenn nicht gar Bitterkeit – spricht aus seinen Sätzen.


Jona Pexianer: „Ich hätte einen Tipp gebrauchen können. Dachte ich zumindest vor zwei Wochen. Creed hatte mit seiner Ansprache bei mir die Pferde scheu gemacht. Doch jetzt komme ich alleine klar.“


Er blickt sein Gegenüber an, als habe dieser das Signal verpasst, ihn jetzt in Ruhe zu lassen und wieder zu verschwinden. Mit einem etwas versöhnlicheren Tonfall fährt er fort.


Jona Pexianer: „Du brauchst dir keine Gedanken mehr darüber zu machen. Es ist zu spät. Und auch egal.“


Der junge Mann wendet sich ab, nimmt die Hände in die Hosentasche und geht davon. Etwas irritiert blickt Ask Jona hinterher, bevor er ihm direkt hinterherstampft.


Ask Skógur: „Jetzt warte doch mal.“


Jona dreht sich wieder um und bleibt stehen. Kommentarlos schaut er zu Ask.


Ask Skógur: „Du hattest Fragen, also schieß los. Hier bin ich. Wie kann ich helfen?“


Woher Asks plötzliche überbordende Hilfsbereitschaft kommt? Nunja, wie schon gesagt, es gibt mehr als den GFCW-Titel. Ask musste lernen, dass es im GFCW-Dschungel eigentlich niemanden gibt, der es gut mit einem meint, andererseits hat er auch das Gegenteil gelernt und vor allem, muss er immer wieder an seine Anfangszeit in der GFCW zurückdenken. Damals hat sich Keek Hathaway, zumindest etwas, seiner angenommen.

Und jetzt ist wohl Asks Zeit gekommen etwas zurückzugeben.

Und vor allem holt ihn diese Sache aus dem Bann des Titels.


Jona Pexianer: „Ich HATTE Fragen, ja. Is‘ schon ganz gut, dass du die Vergangenheitsform anwendest. Weißt du, was der große Unterschied zwischen heute und vor zwei Wochen ist, hm?“


Er gibt Skógur keine Chance, darauf zu antworten. Pexianer kommt einen Schritt näher und blickt dem Schweden in die Augen.


Jona Pexianer: „Damals wusste ich noch nicht, dass du dich von den bescheuerten Refuse to Age-Typen beschwatzen lässt. Denn nicht nur du kannst Fernsehen gucken und sehen, was auf den Aufnahmen geschah. Nein, das kann ich auch. Und jeder hat gesehen, wie du das Paket von Rickson angenommen hast.“


Daher also die Feindseligkeit. Pexianer hat, nachdem er es ausgesprochen hat, keinen Grund mehr, seinen Ärger hinunterzuschlucken. Aus dem Blick in Asks Augen wird ein zorniges Anfunkeln und Starren.


Jona Pexianer: „Ich verzichte auf Ratschläge von Leuten, die mit meinem heutigen Gegner paktieren.“


Schnaufen bei Jona. Die Lippen werden zu schmalen Linien verzogen.


Jona Pexianer: „Weißt du eigentlich, warum ich unbedingt dich um Rat fragen wollte und nicht wen anders? Weil ich dachte, du bist besser als der Rest. Ich dachte, du stehst zu dir selbst und wirst nicht bei Rückschlägen zum Wendehals. Aber…naja, ein Paket später weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Da habe ich doch wirklich geglaubt, Ask Skógur kämpft in dieser Liga für das Richtige. Pah. Doch scheinbar sind Ideale auch nur so lange Programm, bis der Erfolg ausbleibt.“


Wieder entgegnet Ask etwas irritiert. Er scheint nun weniger beschwichtigend, als vielmehr um sich selbst zu verteidigen, antworten zu wollen. Er will damit nichts zu tun haben und dass soll nicht der Grund sein, warum Pexianer die Hilfe nicht mehr will.


Ask Skógur: „Paket?... Ach ja, richtig, da war was. Mach dir da mal keine Sorgen, das is‘ wieder im Müll gelandet…“


Aber andererseits… Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten.


Ask Skógur: „… aber ja, wenn du keine Hilfe brauchst, tja, dann kann man wohl nichts machen.“


Nun, wenn Pexianer keine Hilfe will, wäre es wohl aufdringlich ihm diese trotzdem aufzuzwingen. Das scheint Ask dann wohl doch zu verstehen, wenn die Schuldgefühle dennoch minimal in ihm weilen. Aber ja, Pexianer muss letztendlich zu ihm kommen und nicht er zum Pexianer. Ask wendet sich also ab…

um sich dann doch noch einmal umzudrehen.


Ask Skógur: „Also dann, viel Glück bei deinem Match. Ich kenn Rickson nicht besonders gut, aber ich weiß wie‘s ist gegen Typen wie ihn anzutreten. Sei auf alles vorbereitet… und glaub an dich. Ich kämpf immer hier mit und damit hats meistens ganz gut geklappt.“


Ask hält sich die Hand auf die Brust um damit zu verdeutlichen, dass er sein Herz meint. Vor allem diese Worte scheint er nicht mal nur zu Pex zu sagen, sondern auch zu sich selbst. Nach all dem, was in letzter Zeit passiert ist, muss er sich das immer wieder verinnerlichen.

Er nickt Pexianer noch einmal zu, bevor er sich schließlich final abwendet und akzeptiert, dass seine Hilfe hier nicht weiter gewünscht ist. Aber gut, das muss er dann wohl einfach akzeptieren.

Pexianer blickt erst auf Asks Hand, die auf der Brust ruht, dann in dessen Gesicht. Eine Spur zu schnell, um ernsthaft über diesen Ratschlag nachzudenken, schüttelt er mit dem Kopf.


Jona Pexianer: „Ich finde meinen eigenen Weg.“


Er hebt seinen Arm und hält ihn auf Skógurs Augenhöhe.


Jona Pexianer: „Ich kämpfe lieber hiermit. Eine Lariat in Ricksons Gesicht und er ist Geschichte.“


Mit der linken Hand klopft er sich auf den – mutmaßlich steinharten – rechten Unterarm. Sein Lariat-Schlagarm.


Jona Pexianer: „Ein guter Treffer ist besser als ein gutes Herz. Lässt zumindest keine verschiedenen Deutungen zu, welche Absicht dahintersteckt.“


Und dann wendet sich der Deutsche ein zweites Mal von seinem Gesprächspartner ab. Pexianer geht davon. Durch seinen Monolog, der immerhin in Richtung eines ehemaligen Champions geht, scheint er sich ein Stück weit selbst bestärkt zu haben. Es hat ihm gutgetan, dem Ärger freien Lauf zu lassen.

Sein Gang wirkt selbstbewusst. Und diesmal lässt Ask ihn davongehen.



Tammy: „Nicht mehr lange und wir kennen den Ausgang der großen Wette zwischen meinen Kollegen Pete und Sven. Unser Main Event ist aber viel mehr als nur Beiwerk dieser Wette. Es ist auch das Debüt eines neuen Mannes, Jona Pexianer. Und das Comeback eines Hall of Famers. Ich möchte die Chance nutzen, um mit Danny Rickson zu sprechen.“


Eine Frau, ein Plan. Selbstsicher marschiert Tammy nach ihrer Anmoderation durch den Backstagebereich auf eine Kabine zu, die mit „Refuse to Age“ beschriftet ist. Nicht nur der Name, gleich das ganze Logo wurde auf Karton gedruckt und zentral an der Tür befestigt. Information und Brand Building in einem.

Sie klopft. Es dauert einen Moment, bis etwas geschieht. Dann wird die Tür stückweise zurückgezogen. Der Mann, der durch den Spalt nach draußen lugt, ist nicht Danny Rickson.


Tammy: „Guten Abend. Robbin, ich möchte mit Danny sprechen.“


Keine Antwort des Angesprochenen. Als einzige Reaktion auf Tammys Bitte öffnet Robbin Zick die Tür etwas weiter. Jedoch nicht, um sie hineinzubitten. An den Türrahmen gelehnt steht er da, versperrt den Weg ins Innere und betrachtet die Interviewerin mit schiefgelegtem Kopf. Er wirkt fokussiert auf etwas, das nur er sieht.


Tammy: „Robbin, hast du mir zugehört? Hallo?“


Zick schaut ihr ins Gesicht. Nicht in die Augen. Sondern an die Augen. Seine Mundwinkel verziehen sich. Ohne dabei Falten zu werfen, selbstverständlich. Etwas scheint ihm nicht zu gefallen, der Grund jedoch bleibt wie sein Verhalten an sich rätselhaft.

Die Interviewerin muss Robbin erneut direkt ansprechen, damit er reagiert. Dann wirkt es, als würde der junge Mann aus einem Tunnel hervorkommen. Er schnalzt mit der Zunge und tippt einige Handbreit vor Tammys Gesicht in die Luft.


Robbin Zick: „Hat man dir je gesagt, dass du wirklich ausgeprägte Krähenfüße hast, Tammy?“

Tammy: „Hat man dir je beigebracht, wie man mit einer Frau redet, ohne ihre Gefühle zu verletzen?“

Robbin Zick: „Hat man. Es war nutzloses Wissen. Jeden Tag, den wir uns nicht gegen den Verfall stemmen, verletzten wir uns selbst ein bisschen mehr. Es wäre unehrlich, die Wahrheit zurückzuhalten, nur weil sie schmerzt.“


Es wäre an Tammy, eine schlagfertige Antwort zu geben. Weil ihr nichts auf der Zunge liegt und sie gottverdammtnochmal das ärgert, bläst sie die Nasenflügel auf und gibt ein zartes, empörtes Knurren von sich. Das Kräuseln der Nase akzentuiert ihre Nasolabialtfalte. Ein Anblick, den Zick mit einem weiteren Schnalzen beantwortet.


Tammy: „Kann ich jetzt mit Danny Rickson sprechen?“

Robbin Zick: „Er ist nicht da.“


Seine Antwort lässt Tammys Augenbrauen hochschießen. Die Stirn faltet sich zu Wellen auf. Zick wendet traurig seinen Blick ab.


Tammy: „Wie, was heißt das? Er ist nicht da. Danny Rickson hat heute Abend ein Match zu bestreiten.“

Robbin Zick: „Ich meinte, er ist nicht in dieser Kabine.“

Tammy: „Dann sag mir bitte, wo in der Halle ich ihn finden kann.“


Zick schaut zu Boden. Ob, um zu überlegen oder um die Mängel im Tammys Gesicht nicht betrachten zu müssen, kann nicht eindeutig gesagt werden. Er trommelt mit seinen Fingern auf dem Oberschenkel und wägt wohl Vor- und Nachteile ab, bevor er eine Auskunft gibt.


Robbin Zick: „Er ist im Medizinraum.“

Tammy: „Ist er krank? Verletzt?“


Keine Antwort. Dabei hat Tammy doch wirklich einfache Fragen gestellt, findet sie. A oder B. Doch Zick beißt sich auf die Unterlippe – offenbar ist er nun doch zum Entschluss gekommen, schon zu viel gesagt zu haben.

Er macht Anstalten, den einfachen Ausweg zu gehen und die Kabinentür zu schließen. Tammys Fuß ist schneller.


Tammy: „Warum ist Rickson beim Arzt?“

Robbin Zick: „Weil…einen schönen Abend noch, Tammy.“


Mit dem Reaktionsvorteil eines Mittzwanzigers tritt Zick Tammys Fuß zur Seite und bevor sie ihn zurückstellen kann, zieht er die Kabinentür zu. Schließt von innen ab. Tammy steht da und starrt auf die Tür. Das „Refuse to Age“-Logo hängt wieder direkt in ihrem Sichtfeld. Und es macht sie wütend.

Tammy stapft auf den Boden. Sie hat sich abwimmeln lassen. Wie eine Anfängerin. Doch dann hat sie eine Idee. Durch die geschlossene Tür spricht sie zu dem Mann im Inneren.


Tammy: „Weißt du was, Robbin. Ich schaue einfach selbst nach, ich brauche dich nicht. Ich weiß, wo der Medizinraum ist. Irgendwo finde ich Danny Rickson schon.“


Sie wirbelt auf dem Hacken herum und stapft davon. Nach drei Metern hört sie, wie in ihrem Rücken wieder die Tür geöffnet wird. Nach fünf Metern ist Zick direkt hinter ihr. Nach zehn hat er überholt und versperrt den Weg.


Robbin Zick: „Du solltest Danny Rickson nicht stören.“

Tammy: „Ich will wissen, was mit ihm ist. Wenn es unseren Main Event gefährdet, muss ich davon hören.“


Nach Tammys Satz blickt Zick genuin verwirrt drein. Er tritt einen Schritt zurück. Und lacht dann auf.


Robbin Zick: „Den Main Event gefährden? Oh nein, Tammy, ganz und gar nicht. Was für ein absurder Gedanke. Um Danny Rickson davon abzuhalten, den Kampf gegen einen Niemand wie Jona Pexianer zu gewinnen, müsste man ihm beide Beine amputieren. Das Ergebnis das Main Events ist so eindeutig, dass der Kampf nicht einmal Bedeutung für Danny Ricksons Reise im Jahr 2026 hat. Es ist nur ein ganz, ganz kleiner Schritt. Eine Art Pflichtsieg. Bei Dannys Aufenthalt im Medizinraum, da geht es…“


Zick formt mit den Händen eine kreisrunde Form. Wie eine Weltkugel.


Robbin Zick: „…um das große Ganze. Er ist in einer regenerierenden Prozedur zurück in seine besten Jahre. Etwas, das diese Liga verändern wird.“

Tammy: „Ich möchte es konkret wissen. Was passiert gerade? Ich will es sehen.“


Jetzt lässt sich Tammy nicht mehr aufhalten. Sie nutzt ihre schmale Statur und drückt sich unter Zicks Achsel hindurch an ihm vorbei. Mit freiem Weg voraus beschleunigt sie ihren Schritt. Robbin kann nur hinterhertrotten.

Erst als sie vor einer Tür steht, auf die ein blutrotes Logo gemalt ist, bleibt Tammy stehen. Eine Äskulapnatter, die sich um einen Stab wickelt. Das Signet der Medizin. Sie ist kurz davor, ohne Klopfen einztureten, als Zick die Tür von außen zuhält. Gegen die Kraft des großen, muskulös gebauten Mannes kommt sie nicht an. Sie ergibt sich und blickt ihr Gegenüber genervt an. Warum muss es so kompliziert sein?


Robbin Zick: „Tammy, die GFCW wird früh genug von dieser wundervollen Prozedur erfahren. Aber ich habe das Gefühl, sie ist noch nicht bereit dafür.“


Seufzen von Tammy.


Tammy: „Komm‘ schon. Lass mich zumindest einen kleinen Blick reinwerfen. Ansonsten werde ich einfach behaupten, dass Danny Rickson verletzt ist und heute garantiert verlieren wird.“


Zick blickt so ärgerlich über diese Drohung drein, dass eine Stirnfalte entsteht. Er atmet empört aus.


Robbin Zick: „Aber nur einen ganz kleinen Blick. Und du verrätst es niemandem. Danny Rickson wird selbst entscheiden, wann die Liga bereit ist.“

Tammy: „Gut.“


Ohne von Tammys Aufrichtigkeit überzeugt zu sein, drückt Zick die Türklinke zum Medizinraum ein kleines Stück hinunter. Ihm liegt noch etwas auf der Zunge.


Robbin Zick: „Weißt du eigentlich, was Howard Carter gesagt hat, als er das Grab des Tutanchamun geöffnet hat und als erster Mensch seit tausend Jahren all die Schätze und Kostbarkeiten gesehen hat. All die Dinge, die so herrlich waren, dass sie überirdisch schienen?“


Kopfschütteln. Tammy gibt ihm ein stummes Zeichen, fortzufahren.


Robbin Zick: „Ich sehe wundervolle Dinge. Und jetzt, Tammy, wirst du die Erste sein, die einen Blick in unsere Schatzkammer werfen darf. In eines der Geheimnisse von Refuse to Age.


Damit öffnet er den Zugang. Ein so kleines Stück nur, dass Tammy sich wie eine Spannerin vorbeugen muss und mit zugekniffenen Auge durch die Ritze starrt.

Der Anblick langt trotzdem, dass sie nach wenigen Sekunden überrumpelt zurücktritt.


Tammy: „Was ist dieser Schlauch? Und der junge Mann neben ihm, ist das da eine Transf…-“

Robbin Zick: „Psst.“


Er drückt sich einen Finger auf die Lippen, um Tammy zum Schweigen zu bringen. Es war abgemacht, dass sie es nicht weitersagt.


Robbin Zick: „Der Sieg des Menschen über die Natur. Das ist, was du siehst.“


Er schließt die Tür und schiebt eine protestierende Tammy zurück. Sie steht schmollend da. Offenbar bleibt es bei diesem wirklich kurzen Einblick.


Robbin Zick: „Den Main Event heute gewinnt Danny Rickson so oder so. Doch ich sagte bereits, es geht um das große Ganze. Dieser Run, der heute beginnt, ist auf die Ewigkeit ausgelegt, Tammy. Dafür treffen wir Vorkehrungen. Danny Rickson hat Ziele. Und für die Liga wäre es das größte Geburtstagsgeschenk, wenn er sie erreicht. Die GFCW stünde endlich wieder besser da. Endlich wieder wie in der besten Generation, die es je gab. Die Generation, die von Danny Rickson angeführt wurde“


Tammy braucht einen Moment, um die Information zu verarbeiten. Aber noch länger, weil Zick ihr im nächsten Augenblick ins Gesicht greift.

Der junge Mann zieht der protestierenden Tammy die Linien um ihr Auge glatt.


Robbin Zick: „So ist es viel besser. Du solltest wirklich etwas tun, Tammy.“

Tammy: „Pfoten weg!“


Weil Zick der Aufforderung nickt sofort nachkommt, schlägt sie ihm die Hand weg. Zick hebt – ganz das Unschuldslamm – seine Arme.


Robbin Zick: „Es ist nicht die Frage, ob diese Liga den Vorteil von Refuse to Age erkennt. Sondern wann. Der erste Wrestler, den wir für würdig betrachten, ewig zu sein, ist uns schon zugeneigt.“

Tammy: „Sprichst du von Ask?“

Robbin Zick: „Ich spreche von Ask. Du hast gesehen, wie er das Paket in seine Kabine geholt hat. Aus seiner anfänglichen albernen Ablehnung ist innerhalb von zwei Wochen bereits Interesse geworden. Und heute Abend, da wird er in seiner Kabine sitzen, den Monitor anschalten und Danny Rickson im Ring sehen, wie dieser besser denn je ist.“


Ein vorfreudiges Grinsen huscht über seine Lippen.


Robbin Zick: „Danach wird Ask Skógur bereits auf unserer Seite stehen. Davon bin ich überzeugt. Nichts wäre eine bessere Werbung dafür als der klare Sieg eines neuen, alten Danny Rickson. Und den wird es gegen Jona zweifelsfrei geben.“



Laura kündigt schon mal die Nobodys an.



Ein Klassiker der guten Laune erklingt. Unter Wolfgang Petrys Gassenhauer kommen Malocher Manni & Kumepl Kowalski auf die Mattsacheibe. Malocher Manni ist ein recht großer Brawler mit beeindruckendem Bierbauch. Die schwarze Sonnenbrille macht ihn auf den ersten Blick ne Spur cooler als man vermutlich annehmen konnte. Sein Partner Kumpel Kowalski ist da eher ein drahtiger Tag Team Partner, der mit einer Eisenstange in der Hand wohl noch einiges Vorhaben wird.



Nun erklingt Gesaffelstein und Morbeus springt auf den Entrance zur Freude der Zuschauerinnen und Zuschauer. Dann zeigt er auf den Eingang und auf dem Titantron wird folgendes angezeigt:


Grafik 1


Die Hallo kocht. Da ist Mike Mackenzie und auch kommt vital aus dem Entrance und schlägt mit Morbeus ab.


Mackenzie ist nicht mehr ganz so jung wie noch auf seinen Bildern, aber sein Körper in Top Shape. Der Körper von Morbeus wirkt wie immer leicht malträtiert, aber auch er scheint das neue Jahr gut genutzt zu haben sich ordentlich in Form zu bringen. Gemeinsam klatschen die beiden Urgesteine mit den Fans ab und machen sich auf den Weg zum Ring. Dort gibt es noch einige Jubelgesten, die man über die Jahre schon oft gesehen hat und auch die entsprechenden positiven Resonanzen der Fans!


Alle vier Protagonisten befinden sich nun im Ring und jeder wartet nur darauf, dass Karo Herzog das Match anläutet.


Sven: „Alle sind natürlich gespannt auf das erste Match von Zereo Killer nach über zwei Jahren.“

Pete: „Und wir werden es genau jetzt sehen, denn das Match startet!“


Tag Team-Match:

Morbeus & Zereo Killer vs. Ruhrpott Renegades (Malocher Manni & Kumpel Kowalski)

Referee: Karo Herzog


Morbeus und MacKenzie sprechen sich noch ein wenig ab, dann ein kurzes Kopfnicken. Zereo Killer beginnt das Match gegen Kumpel Kowalski. Der Jubel ist groß. Es geht direkt in den Lock Up. Was sofort auffällt ist, dass Mr. #ISGI nichts an seiner Kraft verloren hat. Er drückt seinen Kontrahenten schnell in eine der vier Ringecken, löst jedoch direkt wieder sauber und weicht ein paar Schritte zurück. Doch nun ist es Kowalski, der auf seinen Kontrahenten zustürmt und eine Clothesline folgen lassen will, aber nicht mit dem Rückkehrer! Der duckt sich weg, rennt auf die Seile zu und springt auf das Top Rope. Kowalski weiß gar nicht wie ihm geschieht, denn er wird mit einer wunderschönen Springboard Flying Clothesline zur Strecke gebracht. Die Fans rasten aus, Zereo Killer steht auf und lässt einen lauten Schrei von sich!


Pete: „Was für eine tolle erste Aktion! Das laute Aufjubeln scheint auch zu verdeutlichen, dass er glücklich ist, dass diese Aktion funktioniert hat.“

Sven: „Es ist wirklich beeindruckend, ja. Auch im Alter von 45 scheint er noch nichts von seiner Spritzigkeit verloren zu haben.“


Der Kumpel hält sich den Nacken, kommt mithilfe der Rinseile wieder hoch und dreht sich um. Es folgt ein Kick in die Magengrube und ein Front Facelock. Auf diese Art zwingt er seinen Gegner dazu, mit ihm selbst in die Ringecke seines Partners zu gelangen. Der Wechsel mit Morbeus erfolgt! Eine kurze Absprache erfolgt und der Eingewechselte steigt direkt auf das Top Rope. Zereo Killer zeigt einen schnellen Bodyslam und setzt sofort zu einem Sharpshooter an, während Morbeus gleichzeitig mit einem Diving Ellbow Drop angeflogen kommt!


Sven: „Was für ein Ellbow Drop! Oh Mann, der hat absolut gesessen.“

Pete: „Sie harmonieren sehr gut als Team. Beinahe so, als hätten sie nie etwas Anderes gemacht.“


Auch Morbeus feiert diese Teamaktion und macht direkt weiter. Kumpel Kowalski kommt nach diesem Double Team Move nicht mehr so leicht auf die Beine, wird allerdings freundlicherweise hochgeholfen, nur um im Anschluss mit einem Swinging Neckbreaker wieder auf die Matte geschickt zu werden.


Das ungewöhnliche Tag Team jubelt, bringt damit die Halle zum Kochen. Sie lassen sich sehr viel Zeit, sie sind wahrscheinlich auch selbst ein wenig überrascht, dass das so perfekt harmoniert. Gleichzeitig schafft es der Kumpel zu seinem Partner zu robben und den Wechsel zu vollziehen.


Sven: „Sie haben ein wenig zuviel mit dem Publikum gespielt, denn nun ist Malocher Manni eingewechselt.“

Pete: „Doch sieh dir Morbeus an. Aus dem Augenwinkel hat er das wohl erkannt und er fängt den heranstürmenden Manni mit einem Powerslam ab!“


Krachend geht’s erneut auf die Bretter und mit Schmerz verzerrtem Gesicht hält sich Manni das Kreuz. MacKenzie deutet an, dass er gern wieder in den Ring will. Morbeus tut ihm den gefallen und es folgt ein Tag. Es folgt abermals eine kurze Absprache, ehe sie einen doppelten Whip In zeigen. Malocher Manni wird in die Seile geschickt und kommt wieder retour. Morbeus zeigt einen Back Bodydrop, hinter ihm wartet Zereo Killer, der auf den herabstürzenden Manni wartet und den Move von Morbeus in eine Powerbomb verwandelt! Die Menge tobt und jubeln MacKenzie und Douglas lautstark zu! Die Double Team Action ist noch nicht fertig. Gemeinsam ziehen sie Manni hoch und setzen ihn über das Top Rope nach draußen auf den Mattenrand. Zwischen dem zweiten und dritten Ringseil ziehen sie ihn wieder durch und zeigen gemeinsam einen Elevated DDT!


Die Fans springen hoch, denn sie zeigen gemeinsam eine der Aktionen von Morbeus. Das ist ebenfalls ein Zeichen des Vertrauens, des Verzeihens, eine tolle Geste mitten im Match. Kowalski hat sich währenddessen wieder ein wenig erholt. Raymond Douglas erkennt das und fängt den heranstürmenden Kowalski ab, indem er ihn mit einer Clothesline über das oberste Ringseil nach draußen schickt, wobei er selbst auch Hals über Kopf rausfällt.


Sven: „Eine heftige Clothesline von Morbeus.“

Pete: „Absolut, ja, allerdings hält sich Ray mit einer Hand am obersten Seil fest und zieht sich somit zurück auf dem Mattenrand.“

Sven: „Währenddessen zeigt Zereo Killer im Ring eine Geste, dass er das Match nun beenden will.“


Alle Augen sind auf MacKenzie gerichtet, denn er steigt nicht auf das Top Rope. Anscheinend gibt es keine Shooting Star Stomp oder Summersault Stomp. Es folgt ein Kick in die Magengegend und er hievt seinen Gegner hoch. Wird das eine Powerbomb? Er hält ihn im Ansatz zu genau diesem Move einige Sekunden, geht ein bisschen mehr in die Mitte des Ringes! Dann geht’s abwärts! Aber beim Abflug wird die Powerbomb in einem Piledriver verwandelt! Was für ein verheerender Move!


Man kann die Fans HOLY SHIT Chants schreien hören und der folgende Pinfall ist nur noch Formsache! Sieger des Matches durch diesen außergewöhnlichen Move sind Morbeus aka Raymond Douglas und Zereo Killer aka Mike MacKenzie.




Das Match war kurz und schmerzhaft, zumindest für Ruhrpott Renegade. Zereo Killer und Morbeus haben gezeigt, dass sie ein Team sein können, was äußerst erstaunlich ist. Sind eben zwei Profis, die schon jahrelang im Geschäft sind, und sie hatten desöfteren miteinander bzw. gegeneinander im Ring zu tun. Sie kennen sich und haben diese Erfahrung als Team ausnützen können, beeindruckend! Zereo Killers Musik ist nach seinem Pinfall ertönt, doch er verlangt ein Mikrofon, welches ihm einen Augenblick später von Karo Herzog überreicht wird. Die Musik verstummt, als er das Mikrofon an sich nimmt um seine Stimme zu erheben, gleichzeitig geht er auf seinen Tag Team Partner zu.


Zereo Killer: „Dieses Match hat mir bewiesen, dass wir uns vertrauen können!“


Unter großem Jubel der anwesenden Fans, reißt er einen Arm von Morbeus in die Höhe und beginnt ebenfalls frenetisch zu feiern.


Zereo Killer: „Ich bin bereit, mit dir in die Jubiläumsshow der GFCW zu marschieren und die Tag Team Title zu erobern!!!“


Der Kanadier kann sich ein schmunzeln nicht verwehren. Zu surreal erscheint ihm nun dieser Herzallerliebste Mackenzie, der da wie ein frischverliebter um Raymond Douglas herum tänzelt.


Morbeus holt sich ein Mikrofon und richtet seine Worte an seinen neuen Teampartner.


Morbeus: „Mike, was haben wir uns gegenseitig in den Arsch getreten?! Mehrere Male haben sich unsere Wege in der GFCW gekreuzt. Dooms Night 2023 in Berlin war MEIN Abend. 1…..2…...3. Du hast die Niederlage eingesteckt wie ein Lump. Irgendwas stimmte damals nicht mit dir. Doch sei es drum. In einer der größten Wrestling-Tempel der Welt hat es dann die Revanche gegeben: MADISON SQUARE GARDEN! Main Event von Allegiance. 3 Jahre ist das schon her. Wir haben gekämpft bis wir fast auseinandergefallen sind. Und DU hast den Sieg davongetragen. Eines meiner größten Kämpfe endete dramatisch. Aber Niederlagen gehören dazu. Mit den beiden Matches haben wir unseren Frieden gemacht. Die tiefe Abneigung wich und vollständige Anerkennung deiner Fähigkeiten ist seither mein erster Gedanke an dich. Ich weiß nicht, ob Du tatsächlich der Größte aller Zeiten bist…“


GOAT!!! GOAT!!! Rufe sind aus dem Publikum zu vernehmen.


Morbeus: „… aber du bist verdammt nochmal der Größte Tag-Team Partner, den ich je hatte. Selten ändern sich Menschen zum Guten so wie du jetzt. Oder Du hast dich einfach an dein früheres Ich erinnert. Egal. LETS DO THIS! Dieses Match hat gezeigt, dass wir gut harmonieren und es schaffen können. Die unendliche Ringerfahrung macht sich bezahlt! Wir beiden holen die Titel bei der Anniversary Show!“


Applaus bei den Zuschauern.


Morbeus: „Noch etwas anderes. Ich habe deinen Disput mit S1margl mitbekommen. Ich vermute, dass du ähnliche Zweifel hast, wie es vorher bei dir hatte. Er war lange weg und auch du weißt nicht, was dieser Mensch in der Zwischenzeit durchgemacht hat. Eventuell… ohne es zu wissen, ist auch er ein Geläuterter. Ich weiß es nicht und ich will dich da nicht in was reinquatschen. Das soll nur ein Denkanstoß sein! Also überlege dir gut, wie du weiter mit ihm umgehst. Allerdings sollte deine Präferenz ganz klar das Tag Team Title Match in zwei Wochen sein. Fokussiere dich nur darauf erstmal. Es wird unser großer Moment bei 25 Jahren GFCW!“


Man sieht es erneut, wie man es schon zu Beginn der Show sah: In Zereo Killer rattert es, und zwar gewaltig! Er sagt nichts, doch seine Lippen formen ein Lächeln, sogar ein kleines Nicken ist zu erkennen.


Zereo Killer: … ich danke dir… Danke für deine Ehrlichkeit!“


Von seinem Partner wandert sein Blick zu einem Logo des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums.


Zereo Killer: „Und nun! Hit Morbeus Music!“


Auf Wunsch des Killers wird das Theme seines Partners gespielt. Er selbst stellt sich nun neben ihn und gemeinsam blicken sie auf das Logo! Die Tag Team Title werden schon bald ihren Besitzer wechseln!



Der Spot beginnt mit schnellen Schnitten aus verschiedenen Jahren des Archivs. Titelwechsel, überraschende Eingriffe, emotionale Siege.

Der Sprecher erinnert an die Nächte, über die Fans noch Jahre später sprechen. An Events, bei denen Außenseiter zu Champions wurden. An Matches, die eigentlich niemand gewinnen konnte – und doch gewonnen wurden.

Er spricht von den Shows, bei denen Feindschaften eskalierten. Steel Cage Battles. No-Disqualification-Schlachten. Momente, in denen selbst Offizielle die Kontrolle verloren.

Zwischenschnitte zeigen Fans, die aufspringen, sich die Hände vors Gesicht schlagen oder ungläubig jubeln.

All diese Nächte, all diese Geschichten, all diese Emotionen führten Schritt für Schritt zu diesem Jubiläum. Und bei der Anniversary Show wird eine weitere dieser legendären Nächte hinzukommen.


Was this how it ended?
It always was.
The unbeatable don’t go out in flashes.
They get dismantled anticlimactically, losing lopsided decisions or getting finished late – proving that the cruel randomness of the sport is never flukes, but how much changes and how quickly.“


Pete: “Es ist so weit: Die letzten Worte, die Robert Breads als aktiver Wrestler an uns alle richten wird.”

Sven: “Ganz passend, dass er das an dem Ort tun wird, an dem die GFCW einst geboren wurde. Einer der größten Stars der Promotion spricht noch einmal in ihrer Heimat zu uns.”


Und tatsächlich scheint man sich in Lünen der Gravitas des Moments bewusst zu sein. Die Halle, deutlich kleiner als man es von der GFCW gewohnt ist, vermittelt ein fast schon intimes Feeling als Robert Breads durch den Vorhang tritt.

Es gibt eine laute Reaktion.

So kann man es am besten beschreiben. Nach dieser letzten Show können sich weder Jubel noch Buhrufe so richtig durchsetzen, Plakate mit seinem Namen werden ebenso in die Höhe gereckt wie Daumen, die nach unten zeigen.

Robert Breads bewegt noch einmal die GFCW-Galaxie, ist er doch einer dieser manchmal ungreifbar wirkenden Sterne, die man immer am Firmament sehen konnte.

Schon bald wird er erlöschen.


Noch sechzehn Tage.


Breads ist gekleidet wie immer, er hat sich nicht extra in Schale geworfen. Ein T-Shirt mit den Daten seiner Retirement-Tour darauf, welches mit Sicherheit beim Ausgang verscherbelt wird.

Sein Blick, der über die Crowd schweift, fängt die geballte Energie der Reaktionen ein, die ihm entgegenschlagen. Er lässt sich Zeit damit, alles und jeden zu begutachten. Wer weiß, wie oft er nach seinem Rücktritt noch als Gast in der GFCW auftauchen wird. Manchmal? Oft? Nie wieder? Das wissen wir nicht. Wir wissen lediglich, dass er nach der 25th Anniversary Show nie wieder in den Ring steigen wird.

Das hier ist das letzte Mal, dass Robert Breads, der Wrestler, zu uns spricht.

Ein wenig langsamer als sonst marschiert Breads zum Ring. Ob er den Moment genießt oder ob eine andere Emotion ihn im Würgegriff hat, ist schwierig zu sagen. Wie so oft bei Breads ist es kompliziert. Dennoch ist auffällig, dass er diesen letzten Entrance bei einer War Evening in die Länge zieht.

Doch alle Dinge müssen einmal enden, und er kommt am Ring an. Über die stählerne Treppe steigt er ins Seilgeviert, während einige Fans das “BOW DOWN!” aus dem Chorus des Theme Songs mitbrüllen. Andere halten den Mittelfinger hoch.

Kurz darauf verstummt die Musik. Breads muss nichtmal darum bitten, ein Ringside-Mitarbeiter ist schon zum Ring gehastet und reicht dem Kanadier zwischen dem ersten und zweiten Seil ein Mikrofon, welches dieser mit einem knappen Nicken annimmt.

Das Kinn schnellt nach oben, die Augen scannen noch einmal das weite Rund ab. Dann heften sie sich auf die nächstbeste Kamera, wodurch der Eindruck entsteht, “Canada’s Own” spräche uns direkt an.


Robert Breads: “Falsche Bescheidenheit wurde mir noch nie vorgeworfen.”


Seine Stimme ist etwas belegt, aber fest. Er steht im Ring mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der schon hundert Promos, wenn nicht mehr, genau hier gehalten hat – im Blickfeld aller, als alleiniger Fokus, ein Großteil der Menge an seinen Lippen hängend.


Robert Breads: “Und ich habe nicht vor, damit nun zu beginnen. Zu sagen, ich wäre nicht einer der erfolgreichsten, wichtigsten und besten Wrestler in der Geschichte der GFCW wäre vollkommen lächerlich.”


Ob man ihm das als Arroganz oder gerechtfertigtes Selbstbewusstsein auslegt muss wohl jeder selbst entscheiden, und die Reaktionen aus der Crowd sind ebenfalls gespalten. “PLEASE DON’T LEAVE!” Chants wechseln sich mit einem Versuch, das “Na na na, hey hey hey, goodbye”-Lied anzustimmen ab, neben Jubel und Buhrufen.


Robert Breads: “Bin ich der erfolgreichste Wrestler? Ich denke nicht, das dürfte Zereo Killer sein.

Bin ich der wichtigste Wrestler? Gut möglich, aber wer hier Danny Rickson sagen will, dem kann ich das nicht verübeln.

Bin ich der beste Wrestler? Mir persönlich fällt, so ehrlich möchte ich sein, niemand ein, der definitiv besser gewesen sein soll als Robert Breads.”


Er bleibt weiterhin ruhig. Keine emotionalen Ausbrüche (bislang). Das hier hat er sich eindeutig vorher zurechtgelegt und überlegt. Während er spricht, geht Breads langsam im Kreis, sodass die Kamera zwischendurch zu einer anderen Einstellung wechseln muss. Wie es scheint, möchte Breads jede Ecke der Halle irgendwie ansprechen.


Robert Breads: “Mein Status als Legende, als Ikone, als Galionsfigur kommt selbstverständlich mit gewissen Privilegien. Die habe ich mir, meiner Meinung nach, verdient. Es steht euch frei, das anders zu sehen. Ich bekomme mein Wunsch-Retirement-Match. Ich habe eine eigene Tour zum Abschied bekommen. Nicht alles lief so, wie ich mir das erträumt hätte, aber hey, wer sonst hat so etwas überhaupt gekriegt?

Besonders privilegiert fühle ich mich, weil ich frei entscheiden durfte, wann und wo ich meine letzten Worte als aktiver Wrestler sprechen darf. Das ist ein Konzept, das besonders bedeutungsschwanger klingt, nicht? “Letzte Worte.” In einem Film läge ich zu diesem Anlass wohl blutend und sterbend am Boden und würde röchelnd dem wahren Helden der Geschichte irgendeine wichtige Lektion mit auf den Weg geben, die mich mein Leben gelehrt hat.

Andere Wrestler wussten nicht, dass ihre letzten Worte eben das sein würden. Verletzungen, Suspendierungen, Entlassungen, andere Gründe. Genug Abschiede in der GFCW-Geschichte durften sich nicht wie solche anfühlen, waren ungeplant, verwirrend oder gar peinlich.

Was ich damit sagen will: Mir ist bewusst, dass es eine gewisse Erwartungshaltung an das gibt, was ich hier sagen werde. Nicht unbedingt, was den Inhalt angeht, aber dahingehend, wie es sich anfühlen wird. Und ich weiß nach über anderthalb Dekaden in diesem Business, dass es manchen Leuten überhaupt nicht gefällt, wenn ihre Erwartungen nicht gespiegelt werden. Doch wenn ich den Engelmacher geben muss, was die bedeutungsschwangeren Vibes angeht, dann ist das eben so. Mein Plan ist es weder, irgendwen zu Tränen zu rühren, noch grundlos zu provozieren.

Ich habe zu sagen, was ich zu sagen habe.”


Nach diesen Worten, die sich wie ein kleiner Prolog anfühlten, lehnt sich Breads in einer Ringecke mit dem Rücken an die Polster. Er kratzt sich mit der freien Hand am ergrauten Schopf, ehe er die Augen wieder auf die Kamera richtet. Erneut spricht er direkt zu uns.


Robert Breads: “Tatsächlich habe ich überlegt, ob ich das übliche Spiel der Danksagungen spielen soll.

Ironman? Hat er wirklich meine Karriere geprägt und mir großartig geholfen, oder sich selbst bloß ein aufstrebendes Talent gekrallt, dass es ohne ihn genauso schnell nach oben geschafft hätte? Immerhin hat er unser Tag Team gleich in die Tonne getreten, nachdem er World Champion wurde.

Danny Rickson? Breads und Rickson? Zwei Männer, die sich nicht wirklich ergänzt und nichts voneinander gelernt haben. Wir beide wären nicht weniger großartig gewesen, hätten wir nie zusammengearbeitet oder gegeneinander gekämpft.

Die PCWA? Wie soll ich einer Promotion danken, die ich erobert habe, indem ich mich gegen alles gestellt habe, wofür sie stand? Ich habe sie zähneknirschend dazu zwingen müssen, mich, den GFCW-Wrestler, an der Spitze zu akzeptieren.

Dynamite? Ich bleibe dabei, was ich 2011 schon sagte: Er hat mich und diese Promotion immer eher zurückgehalten als sie voranzubringen. Ich habe Respekt vor seinem Durchhaltevermögen und es ist ohne Zweifel so, dass wir ohne ihn nicht hier wären. Aber, wie man an meinem eigenen Abgang erkennen kann, jedermanns Zeit läuft einmal ab. Es zeugt von einer gewissen Größe, abzutreten, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.

Wie ihr seht: Ich bin nicht besonders dankbar. Ich sehe aber auch keinen Anlass, dankbar zu sein. Ich schulde keinem Menschen irgendwas.”


Die Buhrufe in der Crowd werden etwas lauter, während Breads sich von den Ecken-Polstern wegstößt und einen Schritt nach vorne geht. Dabei behält er die Linse der Kamera im Fokus.


Robert Breads: “Genauso wenig verlange ich an diesem Punkt irgendeine Form von Dankbarkeit. Ich habe nie die Grenzen dessen, was die GFCW sein kann, erweitert, revolutioniert oder neu definiert. Ich war immer besser darin, meine Leistung innerhalb dieser Grenzen zu perfektionieren, die richtigen Abkürzungen zu finden und das System mit allen seinen Vorteilen und Fehlern zu meinem Vorteil zu benutzen. Ich habe mich dem Rahmen angepasst, statt ihn zu sprengen. Ich war nicht kompromisslos ich selbst, sondern die beste Version meiner selbst innerhalb klar definierter Linien. Der Bogen wurde so weit gedehnt, wie es geht, aber nie überspannt.”


Es ist ein wenig so, wie Spawn gesagt hat: Breads präsentiert uns hier seine Sicht, wo er im Kontext der GFCW-Geschichte steht und wie man ihn einzuordnen hat.


Robert Breads: “Es gibt so viele Wrestler, deren größer Erfolg es ist, gegen mich verloren zu haben. Deren größter Moment mit mir zu tun hat, während es dieser Moment nicht einmal in meine Top 50 oder Top 100 schaffen würde. Wrestler, die ihre Bedeutung über mich definieren, sind für mich bedeutungslos.

Das mag mich zu einem schlechten Menschen machen, zu einem selbstsüchtigen Menschen, doch es ist vielleicht auch gerade das, was mich so weit nach oben geführt hat. Ich habe vor kaum jemandem Respekt. Viele verachte ich gar, mehr, als das eventuell angebracht wäre.

Doch meine Leistungen aus Trotz, aus Rach- und manchmal sogar aus Eifersucht waren stets die besten meiner Karriere. Also, wenn ich nicht einen Großteil meiner Weggefährten für inkompetente Idioten gehalten und sie verbal auch vollkommen zurecht so abgestempelt hätte, wäre ich vielleicht niemals dahin gekommen, wo ich jetzt bin.

Was ihr vor zwei Wochen von Spawn präsentiert bekommen habt, mag überspitzt gewesen sein, aber es entbehrte nicht jedweder Grundlage. Andere wurden von mir benutzt; als Stepping Stone, als Ziel von Witzen, die so bösartig waren, dass es kaum noch als “Humor” durchging, damit irgendwer irgendwo mich für clever hielt.

Bin ich manchmal zu weit gegangen? Allenfalls in einzelnen Fällen. Aber generell? Die meisten hätten das Gleiche mit mir gemacht, wenn sie die Fähigkeiten dazu gehabt hätten. Die rhetorische Unfähigkeit und mangelnden Fähigkeiten im Ring anderer sind nicht die Schuld desjenigen, der sich beides angeeignet hat.

Um das ein für alle Mal klarzumachen: Ich bereue so gut wie nichts. Wenn ich euch am Mikrofon runtergemacht habe, hattet ihr das verdient. Wenn ich euch im Vorbeigehen und ohne Achtung im Ring platt gemacht habe, hättet ihr eben besser sein müssen.

Ich wollte ohne Rücksicht auf Verluste ganz nach oben.

Und ich habe es geschafft.”


Die Unkenrufe erreichen den bisherigen Zenit ihrer Lautstärke.


Robert Breads: “Was mich mit ein paar Fragen zurücklässt, die ich gerne vor meinem endgültigen Abschied beantwortet hätte. Vor allem steht eine Frage für mich, ganz zentral, über allem.

War es das wert?”


Eine Kunstpause, dramatisch gewählt, von jemandem, der sein Handwerk am Mikrofon versteht. Dabei streckt er den freien Arm aus, hebt den Zeigefinger und dreht sich einmal, als wolle er das “das” aus seiner Frage mit “das alles hier” füllen.


Robert Breads: “Bin ich damit zufrieden? Mit meiner Legacy? Was ist meine Legacy überhaupt? Und ist das wichtig?

Man kennt meinen Namen. Vermutlich wird man ihn noch eine Weile kennen. Er wird einer der letzten sein, die in Vergessenheit geraten. Aber ist das am Ende alles? Mein Name? Was wisst ihr schon über mich, was ich euch nicht selbst gesagt habe? Wofür werde ich stehen? Wie wird man sich an mich erinnern? Und ist es wichtig, wie man sich an mich erinnert, oder ist es nur wichtig, dass man sich an mich erinnert?

Ich denke, darauf habe ich eine Antwort gefunden:

Keine Ahnung.”


Breads presst die Lippen zusammen und zuckt mit den Schultern. Es wirkt beinahe entschuldigend.


Robert Breads: “Ich weiß, ich sollte am Ende meiner langen, umständlichen und verrückten Reise ein weises Fazit ziehen und euch sagen, was Robert Breads für eine Schulnote unter seine Karriere setzt.

Aber es war und ist nie so einfach.

Ich bin die größte Legende und der größte Verlierer der GFCW-Geschichte. Alle respektieren mich und keiner kann mich leiden. Ich liebe die GFCW und kritisiere sie deshalb ständig.

Und ich weiß mehr und habe mehr gelernt als irgendwer sonst. Gerade deshalb kann ich euch nicht die klare Antwort geben, die ihr mit der Inbrunst der Überzeugung von einem Unwissenderen bekommen würdet.

Ich war gerne hier. Ich war sogar gerne in der PCWA, auch wenn das vielleicht nicht immer so gewirkt hat. Nur selten erwische ich mich dabei, wie ich bereue, meine besten Jahre mit euch verbracht zu haben. Meinen Körper zerstören, mir das Hirn zermartern, mit dem neuesten Hindernis umgehen, dass man mir vor die Füße wirft, das alles hat mir genauso viel Spaß gemacht wie es mich Nerven und Zeit meines Lebens gekostet hat.

Dennoch komme ich nicht umhin, festzustellen, dass ich die letzten Jahre nicht aus Leidenschaft noch immer hier war. Es war eine Art Pflichtgefühl, gemischt mit etwas, das ich als die Unfähigkeit, Loszulassen, beschreiben würde. Ich habe mir eingeredet, dass die GFCW mich braucht und ich habe mir außerdem gewünscht, dass ich irgendwie noch etwas an dem letzten Eindruck, den ich hinterlassen werde, drehen kann, ihn so gestalten, dass er mir gefällt.”


Jetzt holt Breads tief Luft, zum ersten Mal zeigt er Anzeichen, dass er diese Rede vielleicht nicht ohne emotionalen Zusammenbruch durchstehen wird. Er fängt sich jedoch schnell wieder, schluckt einmal schwer und fährt dann vor.


Robert Breads: “Die Wahrheit ist, dass die GFCW mich nicht gebraucht hat. Nie. Ich habe die GFCW gebraucht. Es gäbe das alles hier auch ohne mich. Aber es gäbe Robert Breads in dieser Form niemals ohne die GFCW.”


Das wiederum bekommt einiges an Jubel vom Lüner Publikum.


Robert Breads: “Ich habe mich entschlossen, stolz auf das zu sein, was ich bin, und nicht dem hinterher zu trauern, was ich nie werden konnte.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal direkt an euch alle wenden.”


Der Kanadier tritt zwei Schritte näher an die Kamera heran, sodass nur noch sein Oberkörper im Bild ist. Er scheint sich leicht nach vorne zu beugen, was eine beinahe intime Eindringlichkeit entstehen lässt.


Robert Breads: “Hört nicht auf. Diese Promotion hat fünfundzwanzig Jahre überlebt, und meine Angst, dass sie ohne mich kein weiteres Jahr schafft, hat mich länger hier gehalten, als es nötig gewesen wäre. Die GFCW ist wichtig, als Institution, als Leinwand für die Kreativen, als Arena für die Wetteiferer und als Rückzugsort für die Eskapisten.

Seid glücklich, dass es die GFCW gibt, aber nie zufrieden mit dem, was sie ist.

Die GFCW ist nur so gut, wie die Menschen, die sie bevölkern.

Ambitionslosigkeit ist ein langsam wirkendes Gift.

Gleichgültigkeit ist gefährlicher als Kritik.

Behäbige Selbstgefälligkeit ist nichts anderes als schleichender Verfall.

Tut euer Möglichstes, um die beste GFCW zu erschaffen, die es je gab. Lasst uns gemeinsam in weiteren fünfundzwanzig Jahren zusammenkommen und das fünfzigjährige Jubiläum dieser wunderbaren Promotion feiern, über Namen reminiszieren, die heute noch nie jemand gehört hat, und uns an den vielen neuen Ideen, Geschichten und kleinen und großen Revolutionen erfreuen, die es im nächsten Vierteljahrhundert gegeben haben wird.

Wenn dann noch jemand den Namen Robert Breads kennt, ihn vielleicht sogar mit einer gewissen Ehrfurcht ausspricht, würde mich das glücklich machen.

In sechzehn Tagen werde ich das letzte Mal in den Ring steigen.

Danach liegt die Zukunft der GFCW in euren Händen.

Versaut es nicht.”



Der Ring ist leer. Nacheinander werden historische Titelgürtel eingeblendet.

Der Sprecher erzählt von den Männern und Frauen, die diese Liga geprägt haben. Von dominanten Champions, die scheinbar unbesiegbar waren. Von Underdogs, die gegen alle Erwartungen triumphierten.

Archivbilder zeigen erste Titelgewinne, blutige Verteidigungen, emotionale Abschiede. Manche Regentschaften dauerten Jahre, andere endeten schockierend schnell.

Doch jeder Champion hatte eines gemeinsam – er oder sie musste sich im Ring der GFCW beweisen.

Bei der 25th Anniversary Show steht nicht nur ein weiterer Kampf um Gold an. Es geht darum, sich in eine Reihe einzuschreiben, die vor einem Vierteljahrhundert begann.



Pete: „Zeit für Kampf Nummer 3. Und hier ist der Mann, der nach zwei überzeugenden Siegen wohl unumstritten als Favorit gelten dürfte: Iokepa.“

Sven: „Sag doch einfach: ‚Er haut ihn weg“ anstatt so kompliziert zu reden, Pete. ER – HAUT – IHN – WEG. So wie Danny Rickson später noch deine widerliche Brut. Dein geschwollenes Gerede hört sich an, als hättest du schon ein Stück Seife im Maul.“


Mit wehendem Haar und in seinem Ringoutfit, bestehend aus meeresblauen Tights und weißen Stiefeln, tritt Iokepa auf die Rampe. Die Reaktionen sind gemischt mit einer Tendenz zu Buhrufen. Er hat sich noch keine kritischen Fehler geleistet, mit denen er die gesamte Galaxy verprellt hat, aber beim Durchschnitts-Zuschauer kommt der ehemalige GTCW Champion nicht gut an – die Kritik an Publikumslieblingen wie Mad Dog ist dafür verantwortlich.

Iokepa marschiert schnurstracks zum Ring, nimmt sich keine Zeit für Posen oder sonstige Inszenierungen. Doch ein mitgebrachtes Mikrofon macht deutlich, dass ihm noch etwas auf dem Herzen liegt, bevor es im Ring losgeht. Kurz vor dem Squared Circle nimmt der Hawaiianer Anlauf, slidet unter den Seilen hindurch auf die Matte und lässt mit einer Geste seine Musik verstummen.


Iokepa: „Einige von euch werden wissen, dass neben dem Wrestling das Surfen meine Leidenschaft ist.“


Nach seinen einsteigenden Worten schaut Iokepa ins Publikum. Obwohl er bislang nicht besonders gut gelaunt wirkte, macht sich nun ein verschmitztes Lächeln auf seinen Lippen breit. Im Publikum hingegen wird von so manch aufmerksamem Zuschauer die Stirn gerunzelt. Etwas an Iokepas Sätzen erscheint ihnen komisch.


Iokepa: „Ehrlich gesagt: Es war sogar meine erste große Liebe im Leben. Ich fand sie schon als Kind. Nach der Schule bin ich im Laufschritt nach Hause, habe meine Tasche in die Ecke geschmissen und das Mittagessen heruntergeschlungen, um sogleich wieder aus der Haustür zu stürmen und den ganzen Tag an der Küste zu verbringen…“


Spätestens jetzt wird das Stirnrunzeln im Publikum größer. Die Worte wirken bekannt. Manch Zuschauer wendet sich dem Nebenmann oder der Nebenfrau zu und beginnt zu diskutieren, ob man hier ein Deja Vú erlebt oder irgendwas nicht stimmt.

Als Iokepa merkt, dass seine Scharade die Wirkung erzielt, die er beabsichtigt hat, setzt er das Mikrofon ab. Sein Grinsen wird breiter. Aber es bleibt freudlos und schafft es nicht bis zu den Augen.


Iokepa: „Oh, kommt euch die Promo bekannt vor? Habe ich vielleicht vor zwei Wochen das exakt Gleiche gesagt?“


Nicken im Publikum – und Buhrufe. Soll heißen: Er hat Recht. In der Tat ist er beim letzten War Evening mit den gleichen Worten eingestiegen. Aber gut finden die Anwesenden das noch lange nicht.


Iokepa: „Ja, habe ich. Doch egal. Wo ist das Problem mit Wiederholungen? Die GFCW scheint es doch generell nicht zu stören, wenn täglich das Murmeltier grüßt. Schließlich stand ich vor zwei Wochen hier auf dieser Matte…“


Er stampft mit dem Fuß auf den Ringboden.


Iokepa: „…und habe erklärt, dass es ein Problem ist, wenn man den eigenen Nachwuchs in ein Filler-Match gegen einen Nobody abschiebt und das Hauptmatch anderen Leuten nur aufgrund ihres Namens oder ihrer Vergangenheit überlässt. Und heute…“


Theatralisches Seufzen. Iokepa wirft genervt die Arme von sich.


Iokepa: „…haben wir wieder die exakt gleiche Situation. Diesmal ist es Celo Marx, gegen den ich antreten muss. Ein neuer Unbekannter, der sein Debüt feiert. Genau wie vor zwei Wochen. Erneut stehe ich als der Mann, der die GTCW geprägt hat, völlig unbeachtet in der Mittelshow. Ich habe hier nichts zu gewinnen. Und der Main Event, der geht mal wieder an einen alten Typen in dessen ersten Match seit zig Jahren. Danny Rickson. Genau wie bei Mad Dog bekommt er diesen Spot aufgrund seiner Vergangenheit, ohne dass wir über seine aktuelle Form Bescheid wissen.“


Neuerliche Buhrufe für Iokepa, auch wenn ein stiller Teil der Anwesenden zustimmend nickt. So ganz Unrecht hat der Mann im Ring nicht.


Iokepa: „Gegen Rickson im Main Event steht jemand, der zwar jung ist, aber sich seine Position nicht erarbeitet hat. Jona Pexianer, der in dieser Liga gezeugt wurde und deswegen hofiert wird. DER darf in den Main Event? Ich würde lachen, wäre es nicht so schlimm. ICH habe mir drei Jahre im Nachwuchs den Arsch aufgerissen. ICH habe zwei Siege bei War Evening eingefahren.“


Die Bitterkeit darüber kann man in seinem Gesicht ablesen. Iokepa wischt sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schnauft.


Iokepa: „Als ich vor Jahren meinen Development Deal unterschrieb, sagte man mir, ich müsse alles geben. An mir arbeiten. Das habe ich getan. Mit welchem Ergebnis, hm? Vielleicht hätte ich meine Zeit besser darin investiert, meine Verwandtschaft zu recherchieren oder mir eine Vergangenheit in einer anderen Liga zu konstruieren. Dann…“



KLATSCH, KLATSCH, KLATSCH.


Iokepa schaut überrascht zum Entrance-Bereich, wo Mad Dog höhnischen Applaus. Wie zu Beginn der Show trägt der Hund sein normales Outfit mit Jeans und einem weißen T-Shirt, auf welches das Säulen-Logo der unbekannten Konstante gedruckt ist.

Mad Dog: „Willst du hier draus ein Schwimmbad machen? Oder was soll diese andauernde Heulerei, huh?!“


Mit einem provokanten Lächeln macht sich MD auf den Weg zum Ring, setzt das Mikro aber gleich wieder an, um den Surferboy nicht weiter auf der Welle der Empörung reiten zu lassen.


Mad Dog: „Gut, teilweise kann ich dich ja verstehen, Junge, aber alte Wrestlingchefs wie Dynamite vertreten nun mal diese Staubfressen-Mentalität… erstmal Match um Match beweisen, dass du wiederkommst, aufstehst, beim nächsten Mal überhaupt da bist... dass du den Alltag als Wrestler meistern kannst. Wie viele Leute hat er kommen und gehen sehen? Wie vielen Wrestlern Vertrauen geschenkt und nichts zurückbekommen? Sollte sich dein Hass also nicht eher gegen jene hundert No Shower richten, anstatt ihn oder uns zu blamen, huh?! “


Am Ring angekommen biegt der Night Fighter, ohne Iokepa weiter zu beachten, in Richtung Kommentatorenpult ab.


Mad Dog: „Natürlich interessiert Dynamite nicht, was in deinem Portfolio steht… Du bist immer noch ein Greenhorn, Junge. Oder welcher Fan hat sein heutiges Ticket gekauft, um dich zu sehen? Wie viele aber sind wegen Danny Rickson oder Zereo Killer hier, huh?! In diesem Geschäft muss man sich die Sporen verdienen, einen Namen erkämpfen! Jeder Veteran hat das getan…

Unser Körper ist durchzogen von Narben – Bump um Bump, Tische, Stühle, Stacheldraht, Leuchtstoffröhren – wir wollten es durchleben.

Unsere Seele ist von Narben gesäumt - hochgejubelt und gefeiert, Freund und Held… ausgebuht und bespuckt, Verräter und Feind – wir wollten es durchleben!

Unsere Psyche ist gestärkt durch die Narben - Sieg um Sieg, der Reiz des Metalls, der Beste zu sein, über allen zu stehen… dort allein zu sein, zu fallen, Niederlage um Niederlage, der Schwache zu sein, am Boden zu liegen - Wir sind aufgestanden. Jedes. Verfickte. Mal.


Weil wir es wollten!“


Kurz bevor er bei Pete und Sven angekommen ist, dreht er sich endlich zu Iokepa um und spricht ihn wieder direkt an.


Mad Dog: „Und was ist mit dir, huh?! Deine Haut gleicht einem Babypopo, deine Seele einer Katze im Löwengehege und deine Psyche der des Ikarus… vor seinem Fall... Du musst erst noch beweisen, dass du es wirklich willst! Und dafür ist das kommende Match eine weitere Gelegenheit, für die du dankbar sein solltest.“


Tatsächlich geht die Töle nun hinter das Pult zu Pete und Sven, wo bereits ein leerer Chefsessel auf ihn wartet.


Mad Dog: „Ich werde mich jetzt vom Pult aus überzeugen, ob du wirklich mehr verdient hast als das hier, Junge.“

Während sein Gegenspieler von Pete ein Headset gereicht bekommt und überschwänglich begrüßt wird, funkelt Iokepa ihn vom Ring aus an. Der Hawaiianer tigert hin und her, deutet dann in Richtung des Pultes, wo der Night Fighter gerade Platz nimmt.


Iokepa: „Das Einzige, was du von dort sehen wirst, Mad Dog, ist, wie sehr du aus der Zeit gefallen bist. Mein Gegner ist zwar ein Niemand. Aber es wird langen, um dir zu beweisen, dass du keine Chance gegen die neue Generation hast. Du wirst in dieser Liga nicht immer auf einen…“


Ein gehässiges Schmunzeln umspielt seine Lippen.


Iokepa: „…verbrauchten Robert Breads treffen. Ich bin in meiner Blütezeit. Und da hältst du nicht mehr mit. Sieh es dir mit eigenen Augen an, wenn du schon hier sein musst.“


Genug gesagt. Iokepa schmeißt das Mikrofon aus dem Ring, strafft die Schultern und stellt sich an die Seile. Peter Cleven nimmt das zur Kenntnis und nickt ihm zu. Dann winkt der Ringrichter zum Vorhang. Aus diesem tritt ein Mann hervor.


Pete: „Das ist Celo Marx. Ein erfahrener Mann, 33 Jahre. 182cm groß. Aus Leipzig.“

Sven: „Er ist so geschmacklos gekleidet, er könnte zu deinem Clan gehören.“


Mad Dog: „Aussehen muss nix heißen! Denkt an Iray Burch.“


Marx steht auf der Rampe und schüttelt zur Lockerung die Arme aus. Sein von Sven geschmähtes Outfit besteht aus einem Ringeranzug im Schachbrettmuster, auf dessen Brust in dicken roten Lettern „MARX“ geschrieben steht.

Der Neuzugang hat schütteres, schwarzes Haar, das schon fast komplett von der Stirn zurückgewichen ist. Dennoch trägt er es tapfer hinten lang. Never give up.


Laura: „Auf dem Weg zum Ring. Mit einem Gewicht von 100 Kilogramm. Aus Leipzig, Sachsen. Celooooo…“


Das Publikum applaudiert artig, doch Jubel hört sich anders an. Marx nimmt es trotzdem mit einem feierlichen Gesichtsausdruck hin, schließlich ist es für ihn nicht alltäglich, vor solch einer Kulisse anzutreten. Stolz kommt er Schritt für Schritt dem Squared Circle näher.


Laura: „…Marrrrrx!“


Sven: „Hoffentlich ist er bei dem Namen kein Kapitalist. Die GFCW-Galaxy ist immer so überfordert, wenn etwas nicht exakt der eigenen vorschnellen Erwartung entspricht.“


Als der Neuzugang an den Kommentatoren und Mad Dog vorbeigeht, nickt er dem Trio zu. Wenn auch Iokepa betont hat, dass er dem Night Fighter keinen Respekt zollt, so muss es der Gegner ja nicht auch tun. Marx wirkt zufrieden, hier vor den Augen einer solchen Legende debütieren zu dürfen.


Mad Dog: „Drück den weg, Kerle.“


Dann nimmt Marx Tempo auf, springt auf den Apron und kommt zum wichtigsten Match seiner bisherigen Karriere in den Ring.


Singles Match:

Iokepa vs. Celo Marx

Referee: Peter Cleven

Die Ringglocke macht Glockgeräusche. Kaum ist sie verhallt, da setzt Celo Marx schon zur ersten Attacke an. Er will sein Debüt offensiv beginnen, ohne falsche Scheu. Doch der Hawaiianer bleibt ruhig stehen, wartet den richtigen Moment ab und macht im letzten Augenblick einen kleinen Schritt zur Seite. Marx rauscht an ihm vorbei und muss abbremsen, um nicht zwischen den Seilen hindurch zu stolpern.


Pete: „Das war von unserem Außenseiter vielleicht die oft beschworene Flucht nach vorne. Nervosität muss nicht immer in Scheu umschlagen, manchmal geht es ins Gegenteil.“


Als Marx sich umdreht, ist Iokepa bereits in Bewegung. Mit einem präzisen Dropkick trifft er Marx frontal und schickt ihn auf den Rücken. Iokepa federt sofort wieder hoch, greift sich den Arm seines Gegners und zieht ihn nach oben. Mit geübter Bewegung dreht er Celos Arm ein, fixiert ihn eng am Körper und lässt den Gegner dann mit einem sauber ausgeführten Single-Arm DDT auf die Matte krachen. Der Aufprall ist deutlich zu hören, die Matte wackelt.

Als Iokepa sich aufrappelt, verharren seine Augen auf Mad Dog. Genau lange genug, damit es als provozierender Blick durchgeht. Ein Lächeln umspielt die Lippen des Hawaiianers. Er breitet die Arme aus und deutet dann auf einen unterlegenen Celo Marx zu seinen Füßen.


Mad Dog: „Ein DDT! Wow!!!!“


Wieder klatscht der Night Fighter Applaus, doch ehe es zu einem Staredown mit dem Veteranen kommt, wendet sich Iokepa ab. Er greift Marx in die Haare und hebt ihn an. Greift um die Hüfte, wirbelt ihn herum und bringt einen schnellen Snap Suplex durch. Schon der zweite Move, der die Matte zum Erzittern bringt. Und das in weniger als einer vollen Minute. Könnte es das Weghauen werden, das Sven prophezeit hatte? Iokepa jedenfalls hätte nichts dagegen. Er legt sich auf Marx.

Cover.

Doch der Neuling kickt schnell aus. SO schnell lässt sich niemand besiegen, der einen Vertrag mit der GFCW hat, unabhängig von seinem Renommee.


Pete: „Ich glaube, nicht einmal Iokepa selbst hat daran geglaubt, dass der Pin durchgeht.“

Mad Dog: „Da bin ich mir nicht so sicher…“


Beim erneuten Hochziehen reagiert Marx schließlich schneller. Als Iokepa nach ihm greift, stößt er sich abrupt mit den Beinen vom Boden ab und schafft es so, seinen Gegner ein Stück wegzuschubsen. Zwar bleibt Iokepa auf den Beinen, aber Marx hat erstmals seit der Anfangssekunde etwas Platz zum Agieren. Diesen nutzt er, indem er einen Schritt nach vorne macht und etwas Anlauf nimmt. Sein Bein schnellt vor, dann hebt der restliche Körper ab – und Marx kommt mit einem Single Leg Dropkick geflogen.

Es ist nur ein Streiftreffer, doch das langt. Iokepa muss einen weiteren Schritt zurückweichen, Marx kann sich in sicherer Entfernung aufrappeln. Er sprintet in die Seile, zieht seinen Gegner dabei am Nacken mit sich. Dann ein Absprung. Marx federt zurück, drückt sich vom mittleren Seil weg und schleudert Iokepa mit einem Springboard Arm Drag quer durch den Ring.

Ein guter Teil des Publikums blickt schadenfroh drein. Der Mann im Schachbrettanzug sieht nicht nach Highflyer aus, doch es ist ihm gelungen, Iokepa mit Athletik zu überraschen. Im eigenen Metier sozusagen. Hat der Youngster hier den Mund zu vollgenommen – und das vor den Augen des Night Fighters?

Iokepa richtet sich auf. Er schwankt benommen hin und her, da nimmt Marx bereits Maß. Er läuft an, ballert Iokepa einen Running Dropkick auf die Brust und schickt diesen wuchtvoll an das Ringpolster. Iokepa landet sitzend in der Ecke. Celo stürmt heran…

und trifft mit einer wuchtigen Corner Running Meteora.

Iokepa rutscht auf die Matte. Marx geht ins erste Cover seiner Karriere, doch Iokepa kommt schnell heraus.


Mad Dog: „Doch ne andere Hausnummer als Kavinsky, huh?!“

Pete: „Zumindest eine richtig gute Phase von Celo. Sicher ein Vorzeichen für den Außenseitersieg meines wundervollen Sohnes später!“


Beide brauchen einen Augenblick. Marx, um den nächsten Schritt zu planen, und Iokepa zur Erholung. Der Hawaiianer rollt sich zur Seite, drückt sich langsam hoch und mustert seinen Gegner nun anders als noch zu Beginn. Keine Spur von Nachlässigkeit mehr in seinem Blick. Er hat die Kontrolle verloren, zumindest für einen Augenblick; und das registriert er sehr genau.

Beide stehen sich wieder gegenüber, es wirkt wie ein Reset nach einem rasanten Kampfbeginn. Iokepa setzt zuerst an, greift nach einem Arm, will Tempo aufnehmen, doch Marx dreht sich unter dem Zugriff hindurch. Er nutzt den Konter und versucht als Nächstes, Iokepas Hüfte zu greifen, doch dieser blockt, hakt ein Bein ein und verhindert den Ansatz zum Wasauchimmer. Ein Ringen (im Wortsinn) um Positionen entsteht. Es bleibt ohne Sieger.

Marx stößt Iokepa in die Seile, will ihn beim Zurückfedern mit einem weiteren Single Leg Dropkick erwischen, doch Iokepa hält sich am Rope fest und stoppt seinen Lauf abrupt. Marx landet im Nichts und schlägt nach seinem Dropkick mit dem Rücken auf der Matte auf. Er stöhnt, als ihm die Luft aus den Lungen gedrängt wird. Trotzdem kommt er schnell – vielleicht ZU schnell - wieder hoch und versucht, Iokepa mit einem kecken Griff zu überraschen. Iokepa windet sich abermals heraus. Der dreifache GTCW-Champion übernimmt die Initiative, zieht Marx plötzlich näher heran, löst sich aus der Umklammerung seitlich und taucht unter dem zum Schlag erhobenen Arm Celos hindurch. In einer fließenden Bewegung steht er hinter Marx.

Noch bevor dieser reagieren kann, schubst Iokepa ihn mit beiden Händen nach vorn. Marx taumelt einen Schritt, dann noch einen, und fällt kopfvoran ins Ringpolster. Der Aufprall lässt ihn benommen zurückprallen, und genau diesen Moment nutzt Iokepa. Er greift um die Hüfte, hebt Marx hoch und bringt einen kraftvollen…

Back Suplex…

durch. Das Cover folgt sofort.

Eins…

Zwei…

Marx befreit sich.

Iokepa bleibt ruhig, doch man merkt, dass er zunehmend genervt wirkt. Ein weiterer Blick geht zu Mad Dog. Diesmal nicht als Provokation, sondern so, als wolle er sich vergewissern, dass der Veteran es auf keinen Fall wagt, ein schmieriges Grinsen auf den Lippen zu haben, weil Iokepa sich hier schwerer tut als gedacht. Diesen Gefallen tut ihm die unbekannte Konstante allerdings nicht.

Die kurze Unachtsamkeit seines Gegners nutzt der Mann im Schachbrettanzug. Marx rollt sich instinktiv zur Seite, rutscht unter dem untersten Seil hindurch nach draußen. Er landet auf den Füßen, hält sich am Apron fest und atmet tief durch. Abstand gewinnen, den Rhythmus des favorisierten Gegners brechen. Dann gleitet Marx vom Apron nach draußen.


Pete: „Vielleicht das Klügste, was Celo machen kann. Erst einmal vor dem Ring durchatmen und sich neu orientieren.“


Doch Iokepa zögert nicht lange. Er nimmt Anlauf, beschleunigt über die Ringmitte hinweg.

Und springt mit einem Suicide Dive durch die Seile nach draußen.

Er trifft Marx mit voller Wucht, beide krachen auf den Boden vor der Rampe. Marx überschlägt sich beinahe und bleibt schließlich auf dem Rücken liegen, die Arme abgespreizt. Wie ein Maikäfer.


Mad Dog: „Oh man. Marx muss das doch kommen sehen… Wenn er raus geht, muss er den Ring im Blick behalten.“


Iokepa kommt wieder hoch. Er greift Marx am Hals, zieht ihn hoch. Statt ihn zurück in den Ring zu rollen, packt er ihn am Arm und schleudert ihn rücklings gegen den Apron. Marx’ Körper schlägt gegen die harte Kante, sein Gesicht verzieht sich. Stöhnend drückt er den schmerzenden Rücken durch.


Pete: „Iokepa kann es auch auf die harte Tour.“

Mad Dog: „Tzz.“

Sven: „Du WILLST doch, dass ich Kommentare über deine Mutter mache. Das kann kein Zufall sein.“


Iokepa setzt sofort nach, läuft an, will den Vorteil weiter ausbauen. Doch Marx reagiert aus dem Reflex heraus. Als Iokepa auf ihn zustürmt, taucht Marx ab, und hebelt seinen verdutzten Gegenspieler weg.

Ein sauberer Back Body Drop auf die freie Fläche vor dem Ring.

Iokepa macht eine halbe Drehung in der Luft und schlägt hart auf, sein Rücken trifft ungebremst den Boden. Für einen Moment bleibt er liegen, die Hände pressen sich in den unteren Rücken, das Gesicht ist schmerzverzerrt.

Celo Marx nutzt den Moment, in dem Iokepa noch am Boden liegt, und rollt sich zurück in den Ring. Er hält sich kurz an den Seilen fest, atmet durch. Dann sieht er seine Chance. Iokepa ist noch draußen. Marx nimmt Anlauf.


Pete: „Marx möchte es Iokepa nachmachen. Das ist ein Anlauf zu einem Suicide Dive!“


Doch er kommt nicht dazu.

Wie aus dem Nichts schnellt Iokepa vor dem Ring hoch. Mit einer raubkatzengleichen Bewegung springt der Hawaiianer von draußen auf den Apron. Noch während Marx Fahrt aufnimmt, wirft sich Iokepa zwischen oberem und mittlerem Seil hindurch und katapultiert sich in den Ring. Er trifft Marx torpedohaft mit einer Art Spear-Bewegung, bei der er sich durch den Schwung der Seile in seinen Gegner hinein launcht.

Das Publikum wirkt verdutzt. Die gesamte Aktion hat weniger als zwei Sekunden gedauert.


Sven: „Beeindruckende Schnelligkeit und Athletik. Wie ist die Meinung eines langsamen alten Mannes dazu?“

Mad Dog: „Stimmt schon; das sind offensichtlich seine stärksten Waffen, Sven. Das muss man wissen, bevor man mit ihm die Klinge kreuzt.“

Sven: „Ich habe nie behauptet, dass ich dich gemeint habe. Das hast du selbst interpretiert.“


Marx wird quer durch den Ring geschleudert und rollt auf der gegenüberliegenden Seite durch den Schwung wieder hinaus. Für einen Moment wechselt das Publikum die Seiten und applaudiert dem Hawaiianer für die beeindruckend anzusehende Aktion. Die Geschwindigkeit, das Timing, die Explosivität – das war unbestritten swaggy.

Iokepa bleibt nicht stehen. Er rutscht sofort unter dem Seil hindurch nach draußen und setzt nach. Marx versucht, sich aufzurichten, doch Iokepa ist schneller, greift ihn an der Hüfte, dreht ihn ein und hebt ihn an.

Ein Snap Suplex direkt auf den Boden vor dem Ring.

Marx’ Rücken knallt auf die dünne Schutzmatte, die kaum etwas abfedert. Iokepa zieht Marx am Arm nach oben. Dann landet er einen Punch an den Oberkörper des Leipzigers. Celo sackt schnaufend zusammen, doch kassiert Treffer Nummer 2. Dann geht es so weiter, Schlag um Schlag.

Sie bewegen sich in dieser Manier die Ringside-Area entlang. Immer näher zum Kommentatorenpult; ohne dass man sagen kann, ob es Absicht ist oder nicht. Marx versucht, die Kontrolle zurückzugewinnen, greift erneut nach Iokepa. Doch dieser packt ihn schließlich fest an Arm und Schulter – und whippt ihn mit Schwung gegen das Kommentatorenpult.

Die Abdeckung des Pults rutscht durch den Schwung hinunter. Die Kommentatoren springen auf.

Mad Dog: „Kannst du das nicht fair und square im Ring lösen?!“


Pete: „Ich bringe mich in Sicherheit. Ich weiß, wie sowas ausgeht.“

Sven: „Du Angsth…“


Dann wird das Pult erneut erschüttert, als Iokepa seinen Gegner Rücken voran gegen die Kante schickt.


Sven: „Ich muss nachher noch die Vernichtung deines Sohnes sehen. Ich darf jetzt nicht sterben. Deswegen ziehe ich mich zurück. Aber das ist – und ich betone das – keine Angst. Nur Strategie.“


Beide setzen ihre Headsets ab und bringen sich in Sicherheit.


Pete: „Ähm, Mad Dog…kommst du auch?“


Der Hund steht hinter dem Pult und verschränkt die Arme vor der Brust.


Mad Dog: „Wieso sollte ich? Ich habe Heftigeres durchgestanden als diesen Mist. Meinst du, ich gebe dem Jüngling, was er will?“


Ein drittes Mal wird Marx gegen die Kante des Pultes getrieben. Diesmal mit so viel Schwung, dass der Leipziger hinaufrollt und oben auf dem Pult liegen bleibt. Direkt vor Mad Dog, der trotzig seinen Platz nicht räumt.

Stattdessen sucht der Night Fighter den Blick Iokepas. Der Hawaiianer hatte bislang zu viel mit Marx zu tun, um die Situation zu genießen; doch jetzt wird ihm gewahr, dass er direkt vor den Augen seines Widersachers kämpft und dominiert. Er schenkt Mad Dog ein herablassendes Lächeln.


Mad Dog: „Regeln ausdehnen, huh?! Ist das alles, was du in deiner Blütezeit hinkriegst? Hast du dir dafür den ARSCH aufgerissen?“


Man sieht Iokepa an, dass er gute Lust hätte, sich weiter mit Mad Dog anzulegen. Aber er hat einen Kampf zu gewinnen. Und der wahre Gegner liegt auf dem Pult. Aber wenn es schon diese besondere Situation gibt…

dann will er auch etwas zeigen, das Mad Dog in Erinnerung bleiben wird.

Der Hawaiianer scheucht die Fans in der Front Row zur Seite. Er klettert auf die Publikumsabsperrung. Findet dort oben schnell die Balance. Durch seinen neuen Standort blickt er von dort oben auf Mad Dog hinab – im wahrsten Sinne des Wortes.

Iokepa gibt Mad Dog ein beiläufiges Zeichen. Der Veteran soll Platz machen. Doch Mad Dog denkt gar nicht daran und bleibt stehen.


Mad Dog: „CLEVEN!?? Muss ICH DEINEN JOB machen?“


Die Weigerung des ehemaligen PCWAlers nimmt Iokepa grinsend hin. Das macht es nur umso schöner. Dann wird er eben seine Aktion um ihn herum durchziehen. Er balanciert sich kurz auf der Rail aus und stellt sicher, dass Marx noch liegt. Dann läuft er die Rail entlang, um Speed für die folgende Aktion aufzubauen.

Doch in diesem Augenblick rutscht Celo Marx vom Pult herunter und tritt im Aufstehen instinktiv gegen die Absperrung. Iokepa gerät ins Wanken, bricht seinen Anlauf jedoch nicht ab. Just als er zu einem Sprung auf Marx ansetzt, rutscht er endgültig weg. Zwar springt er weiterhin ab, aber seine Richtung ändert sich.

Es endet mit einem Crash und Iokepas Schuh in Mad Dogs Gesicht.

Scheinbar aus Versehen, durch den Balanceverlust, endet Iokepas misslungene Aktion in einer Kollision.

Doch war das wirklich ein Versehen? Die Mad Dog-Fans springen wütend auf. Buhrufe ergießen sich auf Iokepa. Der jedoch steht, kaum dass er sich wieder ausbalanciert hat, schulterzuckend da. Was für ein Zufall, scheint er sagen zu wollen. Ein Zufall, der ihm nicht besonders weh tut.

Mad Dog hingegen geht zu Boden, stürzt über den Kommentatorenstuhl und bleibt hinter dem Pult liegen.

Bevor Iokepa den Anblick zu lange „genießen“ kann, wird er von Celo Marx gepackt. Der Leipziger will die Situation nutzen, um ins Match zurückzufinden. Er hat Iokepa am Nacken und rollt ihn in den Ring. Der Hawaiianer lässt es geschehen, rollt sich auf die Matte. Marx slidet hinter…doch sein Gegner ist viel schneller.

Iokepa steht bereits. Er läuft auf Marx zu, kaum dass dieser im Ring zurück ist.

SUNSHINE!

Der Codebreaker trifft perfekt. Celo Marx bleibt auf der Matte liegen. Iokepa hat diesen Kampf so gut wie gewonnen. Das Cover wird nur noch Formsache. Der Blick des designierten Siegers geht zu Peter Cleven.

Da hört Iokepa eine schimpfende Stimme.


Mad Dog: „WAS SOLL DER SCHEISS?!“


In Windeseile ist der Fighter zum Ring gelaufen und tippt sich wutentbrannt gegen die eigene Stirn.


Mad Dog: „Hab‘ ich dich absichtlich attackiert, als du mir gegen Breads zugesehen hast?! Du hast doch nur darauf gewartet. Verdammt!“


Iokepa – selbst ähnlich aufgebracht wie Mad Dog – gibt seinem Gegenspieler Kontra. Er lehnt sich weit über die Seile nach draußen und droht dem Veteranen mit dem Finger.


Iokepa: „Einen Scheiß habe ich! Das war keine Absicht, Mann. Hör auf, dich zu beschweren. Die Welt dreht sich nicht nur um dich.“


Mit der Hand wischt sich MD über die blutende Lippe.


Mad Dog: „Spar dir die Sprüche deiner Mama. Komm lieber raus und bring zuende, was du begonnen hast!“


Es steht kurz davor, körperlich zu werden. Peter Cleven kommt ebenfalls an die Seile. Er versucht, Iokepa zurückzuziehen. Ermahnt ihn. Schließlich läuft hier immer noch ein Kampf.

Gegen Celo Marx. Und der kommt in diesem Augenblick in Iokepas Rücken hoch. Das Gesicht des Leipzigers ist puterrot. Er ist geschafft. Hat nach dem Sunshine Schmerzen. Die Kondition ist weg. Der Kopf leer. Aber…

ihm bleibt der Instinkt.

Celo Marx stellt sich hinter Iokepa.

ROLL UP!

EINS…

ZWEI…

DREI!

Sieger des Matches durch Pinfall: Celo Marx!




Schock.

Sowohl bei Iokepa als auch ein Stück weit beim Publikum. Man hat mit vielen gerechnet: Aber nicht mit einer Niederlage des Hawaiianers gegen einen Nobody.

Während das Publikum johlt, hat der Unterlegene den Schuldigen sofort ausgemacht. Iokepa federt hoch und stürmt wieder an die Seile.

Er sieht einen Mad Dog, der ihm höhnisch applaudiert.


Iokepa: „Mad Dog! Das – war – Absicht! Du hast mich abgelenkt.“


Dem Aufgebrachten scheint die Ironie gar nicht bewusst zu sein: Er wirft dem Veteranen genau das vor, was dieser vor zwei, drei Minuten ebenfalls an Iokepa gerichtet hat. Absicht. Und genau wie Iokepa ist sich Mad Dog keiner Schuld bewusst, denn er hebt die Handflächen nach oben.


Mad Dog: „Du hast nicht aufgepasst! Aber das ist jetzt auch egal…“


Der Night Fighter rollt in den Ring und stellt sich Iokepa gegenüber. Die Beiden stehen Kopf an Kopf. Celo Marx ist längst vergessen. Jetzt geht es den Beiden nur noch umeinander.

Der Hawaiianer tippt Mad Dog mit dem Finger auf die Brust.


Iokepa: „Entschuldige dich.“


MD lacht kurz auf.


Mad Dog: „Mach dich nicht lächerlich!“


Mit einem wuchtigen Stoß drückt der Night Fighter Iokepa von sich. Iokepa bleibt auf den Beinen, aber stolpert zurück. Sein ohnehin schon hasserfülltes Gesicht trägt spätestens jetzt Scheuklappen – alles, was an diesem Tag schiefgelaufen ist, war Mad Dogs Schuld. Und dieser winkt nun auch noch.


Mad Dog: „Komm! Komm!“


Iokepa tritt vor.

Und streckt Mad Dog mit einer Clothesline nieder.

Innerhalb von Sekunden verwandelt sich der Streit in einen Brawl. Nachdem er zu Boden geht, greift Mad Dog im Fallen nach Iokepa und reißt diesen mit. Die Beiden rollen über den Boden und prügeln aufeinander ein. Es geht so wild hin und her, dass man kaum den Überblick hat, wer gerade obenauf ist.

Sie kommen, noch immer aufeinander einschlagend, wieder hoch. Als Mad Dog die Arme zur Deckung nutzt, reagiert Iokepa geschickt und jagt sein Knie in den Magen des Night Fighters. Mad Dog sackt kurz auf ein Knie. Eine Gelegenheit für Iokepa, in die Seile zu rennen und Schwung zu holen. Doch Mad Dog reagiert schnell.

Iokepa läuft direkt in einen Spin Kick.

Kurz schüttelt sich der verrückte Hund und starrt auf den am Boden liegenden Hawaiianer. Mit der Zunge schmeckt er noch einmal das eigene Blut, als sie über die Lippen fährt.


Mad Dog: „Es reicht, Junge! Ich will das im Ring klären. Du gegen mich. Bei der Anniversary Show – Mad Dog vs. Ioekepa. Bring it on!!“


Das Publikum schreit vorfreudig. Nach Iokepas Worten in den letzten Wochen kann man sich kaum vorstellen, dass die Challenge abgelehnt wird. Doch die Zusage fehlt noch, um es offiziell zu machen.

Iokepa liegt noch am Boden. Dann jedoch wirbelt er seinen Körper herum und tritt im Liegen in Mad Dogs Kniekehle. Die Töle sackt mit einem überraschten Ausdruck im Gesicht zusammen. Er hatte gedacht, der Brawl sei beendet und sich nicht geschützt. Im nächsten Augenblick landet eine Faust Iokepas an seiner Wange. Mad Dog will sich wehren, doch der Youngster nutzt den Vorteil der Überraschung, stemmt sich hoch und tritt dem Hund an die Brust.

Dann schnappt sich Iokepa das Mikrofon.


Iokepa: „Du bist mutig, aber dumm. Bei der Anniversary Show werde ich beweisen, dass meine Kritik an dir berechtigt ist. Ich bin die Zukunft.“


Er baut sich über Mad Dog auf, der sich gerade wieder aufrappelt.


Iokepa: „Du bekommst deinen Kampf.“


Und mit diesen Worten wirft sich der Youngster erneut auf den Veteranen, doch MD nutzt die Geschwindigkeit seines Gegners, um ihn in bester Judomanier über sich hinweg zu werfen. Schnell kommt der ehemalige PCWAler wieder auf die Beine, doch auch Iokepa steht bereits und läuft auf ihn an. Ein Dropkick geht ins Leere. Mad Dog springt einen Sentonsplash. Ebenfalls nur auf die Matte.

Iokepa trifft jetzt mit dem Missile Dropkick den sitzenden Fighter. Geistesgegenwärtig macht dieser allerdings eine Rolle Rückwärts und zieht sich an den Seilen empor. Iokepa läuft sogleich wieder auf ihn zu, doch wie Marx zuvor duckt sich der Hund ab und schickt den Hawaiianer im hohen Bogen über das dritte Seil nach draußen!

Mit Hilfe seiner guten Athletik landet der Youngster allerdings auf seinen Beinen, springt um die eigene Achse und starrt Mad Dog lächelnd in die Augen.


Pete: „Einfach beeindruckend. Diese Körperbeherrschung. Mad Dog muss sich etwas einfallen lassen, wenn seine Offensivaktionen nicht verpuffen sollen.“


Dann zeigt Iokepa nach oben – zum Logo der Anniversary Show. Der Night Fighter winkt ihm, noch einmal in den Ring zurück zu kommen, doch Iokepa bewegt sich rückwärts.

Während MD schon ein Bein auf dem Apron hat, ist jedoch Peter Cleven bei ihm und scheint ihn dazu bewegen zu können, dass es klüger sei, nun im Ring zu bleiben und nicht erneut hinter Iokepa herzujagen. Dem Ruf der unparteiischen Vernunft kommt die unbekannte Konstante dann auch schließlich nach… natürlich nicht ohne seinen entschwindenden kommenden Gegner noch hasserfüllte Blicke mitzuschicken.

Die Klänge von „Still unbroken“ scheppern nun durch die Arena. Die Fans jubeln, doch Mad Dog schaut immer noch in Richtung Backstagebereich.



Dunklere Musik setzt ein. Szenen von Face-offs, Staredowns und Brawls erscheinen.

Der Sprecher erzählt von Feindschaften, die über Monate und Jahre hinweg eskalierten. Von Partnern, die zu Verrätern wurden. Von Freunden, die zu erbitterten Gegnern wurden.

Archivmaterial zeigt Vertragsunterzeichnungen, die in Prügeleien endeten. Backstage-Angriffe. Eskalationen, die ganze Shows ins Chaos stürzten.

Manche Rivalitäten fanden ein klares Ende im Ring. Andere schwelen bis heute weiter.

Und genau bei einer Anniversary Show werden alte Wunden oft wieder aufgerissen. Denn wenn Geschichte gefeiert wird, wird sie manchmal auch neu entfacht.