Blickt man auf die Wand, vor der die Interviews getätigt werden, und erinnert sich daran, wie diese vor einem Jahr noch aussahen, man könnte sie für Wände zweier unterschiedlicher Promotions halten, wenn denn nicht Tammy vor dieser Werbewand stehen würde und zumindest ein einzelnes „Lerbitz Performance Group“ Logo nach wie vor existieren würde.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die LPG und das Switziverse Unlimited gegenseitig mit den absurdesten Werbeplakaten und sogenannten „Angeboten“ für Leute mit viel zu offenen Geldbörsen gegenseitig zu überbieten suchten. Stattdessen dominiert Refuse to Age die Szenerie und einige lokale sowie globale Sponsoren, die man kaum noch wahrnimmt, weil sie eh überall sind.


Vorbei ist auch die Zeit, in der die beiden Frauen, die bei Tammy stehen, auf die LPG angewiesen waren, um bei GFCW auftreten zu können. Ausgerechnet der frühere Konkurrent Darragh Switzenberg hat den beiden Frauen von der LPG – und dem Rest der LPG – GFCW Verträge geschenkt.

Ja, geschenkt.

Was früher ein Akt gewesen wäre, um den Einfluss von Entrepreneurin Lerbitz zu brechen und ihr eins auszuwischen, war nun ein Geschenk ohne Erwartung einer Gegenleistung. Und so stehen die kleine Französin Brigitte Reflet und die ein gutes Stück größere Japanerin Shizuku Shikishima erstmals bei Tammy als offizielle Rostermitglieder von GFCW. Wirklich glücklich sehen die gemeinsam als Black Wyrms bekannten Frauen mit den so unterschiedlichen Körperformen allerdings nicht aus.


Tammy: „Brigitte, Shizuku, ihr seid nun offizieller Teil des GFCW Rosters! Dafür erst einmal einen herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt es sich an, nun Sicherheit zu haben und nicht länger auf die LPG angewiesen zu sein, um im GFCW Ring antreten zu können?“


Tammy hält das Mikrofon mittig zwischen die weißblonde Französin mit der äußerst umfangreichen Haarpracht und die blonde Japanerin mit der Zottelmähne, auf dass sie beide antworten könnten, doch wie so oft ist es die aufbrausende Brigitte, die als Sprachrohr für ihr Team fungiert. Das SPRACHROHR ist ja auch nicht mehr da, um es stattdessen für sie zu machen.


Brigitte Reflet: „Wie es sich anfühlt? Gut natürlich. Wenn man in jungen Jahren vor dem Fernse’er sitzt und zu träumen beginnt in großen, ausverkauften ’allen und Arenen die Main Events zu bestreiten, dann ist der erste Zusammenprall mit der Realität nicht, wie schwer es ist Main Events zu bestreiten, sondern vielmehr wie wenige Wrestlerinnen und Wrestler tatsächlich mit Wrestling allein ihr Geld verdienen, geschweige denn gutes Geld. Und bis zu diesem Vertragsabschluss nun mit GFCW ‘aben wir definitiv zu dieser Gruppe nicht dazuge’ört.“


Tammy nickt verständnisvoll. Es hat schon seinen Grund, dass GFCW Verträge begehrt und mitunter schwer zu kriegen sind.


Tammy: „Schätze das heißt, dass man als Developmental Talent bei WFW nicht gut verdient?“


Die Black Wyrms pusten mal kräftig durch. Tammy ahnt gar nicht, welch massive Untertreibung ausgesprochen hat.


Shizuku Shikishima: „Bei WFW niemand gut verdient mit dem Grundgehalt.
Diese Zeiten vorbei längst sind. Deswegen es ja so einfach ist einen WFW Vertrag zu bekommen.“


Brigitte Reflet: „FAKT! Geld für überteuerte Gaststars ist irgendwie immer da, aber wer als Frau ohne vorherigen Background im US Mainstream oder zumindest dem japanischen Mainstream nicht bei der Camus Company angestellt ist, verdient sein Geld bei WFW primär mit Bonusmaterial für WFWuncut. Was dank kollektiven Bemühungen und großzügiger Aufteilung der Gewinne gerade so genügt, um über die Runden zu kommen, aber es ist eben weit weg davon, mit Wrestling allein Geld zu verdienen. Auch das Investment der LPG in uns bedeutete in erster Linie, dass wir ‘ier bei GFCW antreten konnten, ursprünglich mit der Aussicht auf Coaching von Robert Breads. Viel Geld ist dabei nicht an uns geflossen. Tatsächlich sogar ziemlich wenig.“


Shizuku Shikishima: „Mit diesen GFCW Verträgen als dritte Quelle wir nun erstmals mit Wrestling tatsächlich begleichen können unsere Ausgaben. Geschafft wir es also haben. Zumindest für den Moment.“


Ein wichtiger Punkt. Sie mögen erstmals mit Wrestling allein Geld verdienen, aber auch nur, solange die aktuellen Verträge gelten – insbesondere der GFCW Vertrag.


Tammy: „Und obgleich eure monetäre Situation so gut ist wie nie zuvor, seht ihr nicht gerade glücklich aus. Reden wir also über eure sportliche Situation hier bei GFCW. Über euer Match letzte Show gegen die Modern Erasers, um genau zu sein...“


Die Mienen der Black Wyrms verfinstern sich merklich bei diesem Themenwechsel. Der Grund ist gefunden, warum sie trotz Verträgen keine gute Laune haben.


Brigitte Reflet: „Was gibt es da zu besprechen? Wir ‘aben gewonnen. Nächste Frage.“


Als ob nicht eh schon klar gewesen wäre, dass das Match gegen Bella Venera und Iopeka von der letzten Show ein Reizthema ist. Aber Tammy wäre nicht Tammy, wenn sie einen Themenwechsel so einfach zulassen würde.


Tammy: „Moment! Ja, ihr habt gewonnen, aber die Art und Weise kann euch eigentlich nicht gefallen haben. Bella Venera und Iopeka haben sich mit ihrem Streit fast selbst besiegt, so wirklich viel ist euch in dem Match nicht gelungen.“


Etwas provokant, aber das muss man als gute Interviewerin ab und zu sein. Nun ist Brigitte Reflet aber für ihre kurze Zündschnur bekannt und die hat Tammy nun eindeutig zum Lodern gebracht.


Brigitte Reflet: „Sollen wir uns nun dafür entschuldigen, dass diese zerstrittenen Pseudo-Lover nicht so harmonisch sind wie wir? Ein Tag Team, das kein Tag Team ist, verliert gegen ein Tag Team, das ein Tag Team ist. Ja, ich würde sogar sagen: ein Paar, das keines ist, verliert gegen ein Paar, das eines ist. Es ist also alles genau so gelaufen, wie es das auch sollte.“


“La Vouivre“ funkelt Tammy an. Ehe diese noch etwas einwerfen kann, setzt Brigitte nun vollends zu einer kleinen Tirade an.


Brigitte Reflet: „Anstatt also Zeit damit zu vergeuden, zu besprechen „wie“ wir gewonnen ‘aben, sollten wir vertiefen, *dass* wir gewonnen ‘aben! Ein Sieg, mit dem wir in diesem Jahr nun gleichauf sind mit The End, was die ge’olten Punkte angeht! Ein Sieg, mit dem wir uns LPG-intern vor Skadi und Idunn gesetzt ‘aben! Und ja, auch Iopeka ‘aben wir nun ‘inter uns gelassen! Mal abgesehen vom ohne’in nicht mehr aktiven Robert Breads und seiner ihn mit Punkten zum Abschied über’äufenden Gauntlet, sind nach aktuellem Stand in diesem Jahr lediglich Zac Alonso, Zerbeus und die Mad Stars erfolgreicher als wir! Dafür gebührt uns Respekt und du redest unsere Bilanz schlecht, nur weil das Pseudo-Liebespaar letzte Woche nicht deutlicher besieht ‘aben?! Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein, Tammy!“


Ob es Tammys Ernst war oder nicht – wir werden es so schnell nicht erfahren. Denn ganz nach dem Motto „Wenn man vom Teufel spricht“, sieht man im Hintergrund der Szene jene Wrestler näherkommen, die grade Thema waren.

Auch wenn Bella und Io nun wirklich keine Teufel sind.#


Bella Venera: „Fertig?“


Tammy dreht den Kopf. Bella Venera steht neben der Interviewkulisse, die Arme vor der Brust verschränkt. Hinter ihr kommt Iokepa zum Stehen. Sein Blick geht zu den Black Wyrms.


Bella Venera: „Oder müssen wir uns noch anhören, wie viele Punkte ihr mehr habt als Leute, die in einer anderen Division unterwegs sind oder seit Morbeus‘ Pause nicht mal mehr gemeinsam antreten?“


Tammy zieht das Mikrofon zu sich. Ein neuer Gesprächsansatz. Einer, für den sie nicht einmal selbst jemanden provozieren musste. Sie öffnet bereits den Mund, doch Bella legt zwei Finger an den Mikrofonschaft und dreht ihn wieder in ihre Richtung.


Bella Venera: „Aber erstmal Glückwunsch zu den Verträgen. Ehrlich. Schön, wenn ihr eure Rechnungen bezahlen könnt. Aber das mit den Pseudo-Lovern erklärst du mir jetzt, bitte.“

Iokepa: „Wir streiten uns, wir versöhnen uns. So ist es in der Liebe. Nicht unser Problem, wenn euch das unbekannt vorkommt.“


Bella macht einen Schritt auf Brigitte zu. Iokepa kommt mit, bleibt allerdings ein wenig hinter Bella stehen. Was diese bemerkt. Ein kurzer Blick über die Schulter, dann deutet sie ungeduldig auf den freien Platz neben sich. Er tritt vor.


Iokepa: „Zurück zum Wesentlichen: Ihr habt gewonnen. Das bestreitet keiner. Aber Tammy

hat recht. Wir haben es euch verdammt leicht gemacht.“

Bella Venera: „Zu leicht.“

Iokepa: „Weil wir mit uns selbst beschäftigt waren.“

Bella Venera: „Wir? Weil DU während des Matches meintest…“


Sie bricht ab. Die Lippen werden schmal. Auf der anderen Seite des Mikrofons scheint man gegen eine Fortsetzung dieses Satzes wenig einzuwenden zu haben. Bella sieht es. Also atmet sie durch und stellt sich etwas gerader hin.


Bella Venera: „Das haben wir besprochen.“

Tammy: „Abschließend?“


Bella dreht nur den Kopf zu ihr. Was soll diese provokative Zwischenfrage? Auf den bösen Blick der Liebenden hin verzieht Tammy verschmitzt das Gesicht.


Tammy: „Ich frage ja bloß.“


Iokepa reibt sich über das Kinn. Dann wendet er sich wieder den Wyrms zu.


Iokepa: „Wir haben Fehler gemacht. Gut, vor allem ICH. Ihr habt es genutzt. Dafür bekommt ihr euren Respekt, weil das zum Wrestling dazugehört. Aber wenn ihr daraus macht, dass wir kein richtiges Team sind, dann will ich sehen, ob ihr das auch beweisen könnt, wenn wir euch den Sieg nicht auf dem Silbertablett hinstellen.“


Bella nickt. Endlich sind sie und ihr Lover mal 100% einer Meinung.


Bella Venera: „Und was wir miteinander sind, geht euch einen Scheiß an. Dafür gibt es keine Punkte. Ihr könnt euch von mir aus zuhause eure Tabelle einrahmen und jeden Abend nachzählen, wie weit ihr vor uns steht. Nur solltet ihr aufpassen, dass ihr vor lauter Zahlen nicht vergesst, wie knapp das sportlich begründet ist.“


Sie deutet auf Brigitte.


Bella Venera: „Du reißt den Mund auf wie ein Pelikan, weil wir uns vor zwei Wochen selbst im Weg standen. Gut. Dann wirst du ja nichts dagegen haben, es nochmal zu versuchen.“


Jetzt schiebt Tammy das Mikrofon wieder ein Stück zu sich. Diesmal lässt Bella sie.


Tammy: „Das klingt nach einer Herausforderung.“

Iokepa: „Ist es auch. Blue Blood. Die Black Wyrms gegen uns. Ein Re-Match.“

Bella Venera: „Da könnt ihr euch den Sieg holen, über dessen Zustandekommen ihr hinterher keine fünf Minuten diskutieren müsst.“


Ein kurzer Blickwechsel zwischen Bella und Iokepa. Er nickt ihr zu. Sie erwidert es, etwas knapper. Für eine große Versöhnung reicht das nicht. Aber immerhin stehen sie noch nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu erklären, wo genau der andere versagt hat.

Tammy nutzt den seltenen Moment.


Tammy: „Und ihr seid sicher, dass ihr bis dahin als Team funktioniert? Eure letzte gemeinsame Vorstellung spricht nicht unbedingt dafür.“


Bella öffnet den Mund. Iokepa ist schneller.


Iokepa: „Tammy! Es gibt keine Krise zwischen Bella und mir!“


Die Interviewerin nickt und wirkt doch keineswegs überzeugt. Aber damit muss sie sich abfinden. Ihre Aufmerksamkeit gehört wieder den Black Wyrms. Bella legt eine Hand unter Tammys Mikrofon und schiebt es sanft, aber bestimmt in deren Richtung.


Bella Venera: „Also? Wollt ihr noch über uns reden oder bei Blue Blood gegen uns antreten?“


Brigittes Blick wandert von Bella zu Iopeka.


Brigitte Reflet: „Wie lange habt ihr eigentlich versteckt rumgestanden und mitge’ört? Und warum fragst du mich, dir etwas zu erklären und redest dann weiter? Eure Worte wollen den Dialog, aber dann kommt ein Monolog. Aber nun gut, was erwartet man auch von zwei Pseudo-Lovern, die ihre toxische Bezie’ung als normal verkaufen wollen.“


Brigitte geht einen forschen Schritt auf Bella und Iopeka zu, um sich bedrohlich vor diesen aufzubauen – was ob ihrer deutlich kleineren Statur unweigerlich komisch wirkt, so ernst ihr das Ganze auch ist.


Brigitte Reflet: „Wir wollen eigentlich weder über euch reden, noch ein weiteres Mal gegen euch kämpfen. Wir wollen gegen die Mad Stars kämpfen. Aber da diese ja wohl oder übel für uns nicht zur Verfügung ste’en, bis sie mit Apocrypha und den Birdie Boys fertig sind, ‘aben wir wohl oder übel Zeit euch noch einmal zu besiegen. Wohl für uns, weil es ein weiterer Sieg für unser Konto ist und übel für euch, weil ihr euch nach eurer erneuten Pleite eingeste’en müsst, dass alles, was wir gesagt ‘aben vom Sprachrohr ein FAKT bekommen ‘ätte.“
Shizuku Shikishima: „Gegensätze sich anziehen, Brigitte und ich dafür ein gutes Beispiel sind. Ihr jedoch Gegensätze seid, die sich gegenseitig ausschließen. Es nur eine Frage der Zeit ist, bis ihr euch als Gegner im Ring gegenübersteht. Die Frage nur ist, wer von euch wem das Messer zuerst in den Rücken rammt. Obwohl… bei Licht betrachtet, das keine Frage ist.“


Brigitte schnaubt verächtlich.


Brigitte Reflet: „Stimmt. Wir ‘aben ja schon festgestellt, dass unser eitler Pfau mit Maske wenig ‘emmungen kennt, wenn es darum geht Erfolg zu ‘aben. Würde mich nicht wundern, wenn sie Iopeka e’er frü’er als später als Ballast auf dem Weg zum Erfolg ansieht und ihn abserviert. Vielleicht ja schon nach der erneuten Niederlage gegen uns bei Blue Blood? Vielleicht wird dann ja Titan ihr neuer Lover und vielleicht sogar ein richtiger...“


Brigitte macht provokativ einen Kussmund und scheint nur darauf zu warten, dass die Situation eskaliert.

Tatsächlich machen Bella und Iokepa einen Schritt auf die Wyrms zu, in den Augen der Venera brennt das Feuer, doch auch beim Surfer hat die Provokation gezündet. Dennoch richtet er sein Augenmerk auf Bella und greift sie am Unterarm. Ein Kontakt des Wassermanns, der das Feuer einen Moment zähmt.


Bella Venera: „Eure Großkotzigkeit wird euch noch im Halse stecken bleiben, Bitches! Ihr wollt nur eure einfältige Sicht loswerden. Dabei hat’s Io eben noch gesagt… wir streiten uns, weil der andere es uns wert ist, mit ihm zu streiten.“


Sie zieht den Arm aus der Hand ihres Partners, mustert die Wyrms laut ausatmend von oben bis unten und ergreift dann demonstrativ die Hand Iokepas.


Bella Venera: „Im Gegensatz zu euch… Ihr seid uns persönlich gar nichts wert! Das einzige, um das wir uns mit euch streiten, ist der Sieg im Ring! Also stellt euch nicht an wie beschissene Waschweiber, sondern setzt uns was entgegen. Dieses Mal werden wir uns nämlich nicht selbst schlagen!“


Finster starre sich Brigitte und Bella in die Augen, als Iokepa sie an der Hand etwas nach hinten zieht. Zwei Worte hat er noch mit drohender Klarheit für die Black Wyrms übrig.


Iokepa: „Blue. Blood!“



2–0.


Die Zahl steht auf der Leinwand. Groß. Dann wird sie noch größer, was technisch unnötig ist, weil man sie bereits vom anderen Rheinufer aus hätte lesen können.


UNBESIEGT.


SEIT MEHR ALS EINEM HALBEN JAHR.


ZWEI MATCHES. ZWEI SIEGE.


DIE ZUKUNFT TRÄGT SCHACHBRETT.


Und da kommt die Zukunft auch schon. Celo Marx tritt auf die Stage, legt die Daumen unter die Träger seines schwarz-weiß karierten Ringeranzugs und zieht sie mit einem zufriedenen Grinsen nach vorn. Anschließend lässt er sie gegen seine Brust schnalzen. Das kommt heftig – denkt er zumindest. Der Leipziger bleibt breitbeinig stehen und hebt zwei Finger in die Luft. Für alle, die mit der umfangreichen statistischen Auswertung auf der Leinwand überfordert waren.


Marx schreitet zum Ring. Ein paar Fans klatschen, andere betrachten die Siegesgewissheit des Mannes mit Stirnrunzeln. Celo deutet auf seinen Anzug.


Celo Marx: „DIE ZUKUNFT TRÄGT SCHACHBRETT! Merkt euch das!“


Er stutzt kurz. Ihm scheint etwas einzufallen.


Celo Marx: „Und gebt mir mehr Geld!“


Am Ring angekommen, steigt er auf den Apron und dreht sich noch einmal zum Publikum. Wieder die zwei Finger. Dann deutet er mit dem dritten bereits an, was heute folgen soll. Unglaubliche Logik und doch so allgemeinverständlich dargestellt Ein Mann, der vorausschauend plant.



Die nächste Musik unterbricht Celos Selbstausstellung. Sie kündigt Hollywood Jake an, doch zuerst kommen die Transporter angefahren. So nah an den Ring, wie es von der Veranstaltungstechnik her geht.


Die Türen werden geöffnet. Männer in dunklen Jacken. Breite Männer. Männer, die beim Gehen nicht im Takt der Musik bleiben, sondern ihre Köpfe wachsam nach links und rechts drehen. Erst zwischen ihnen erscheint der Riesaer, den Pelzmantel um die Schultern gelegt. Robbin Zick geht dicht neben ihm.


Pete: „Ist das noch gesunde Vorsicht oder schon Paranoia?“


Zick deutet auf die Bereiche neben der Rampe, dann auf die Absperrung am Ring. Seine Anweisungen gehen im Lärm unter, doch die Männer verstehen ihn. Sie verteilen sich rings um das Seilgeviert. Einer bleibt am Fuß der Ringtreppe stehen, zwei andere wenden dem Match schon jetzt den Rücken zu, um die Zuschauer zu beobachten. Jake schaut zur Stage zurück. Dann zu einem Durchgang zwischen den Fanblöcken.


Celo beobachtet das Treiben mit gerunzelter Stirn. So viel Personal hat er für seine Streak noch nie benötigt. Naja, kann halt nicht jeder krass sein.


Jake steigt in den Ring. Er streift den Mantel ab, reicht ihn nach draußen und vergewissert sich mit einem letzten Blick, dass Zick seinen Platz eingenommen hat und auch keiner der Sicherheitsmänner einen nachlässigen Eindruck macht. Mike Kontrak fragt ihn etwas. Jake nickt, ohne richtig hinzuhören. Das genügt.


Singles Match:
Hollywood Jake vs. Celo Marx
Referee: Mike Kontrak


DING DING DING!


Und Celo kommt.


Mit einem Single Leg Dropkick trifft er Jake an der Brust, ehe dieser sich ganz zu ihm gedreht hat. Ein Kaltstart. Der Riesaer stolpert in die Ecke. Marx ist sofort hinterher, packt ihn am Arm und schickt ihn quer durch den Ring. Jake schlägt in die gegenüberliegenden Polster ein. Kaum hebt er den Kopf, kommen ihm zwei Knie entgegen.


Corner Running Meteora!


Celo landet auf den Füßen und zieht Jake aus der Ecke auf die Matte. Cover. Kontrak fällt daneben.


Pete: „Geht die STREAK weiter???“


EINS!





ZWEI!





NEIN!


Jake reißt die Schulter hoch. Draußen schlägt Zick beide Hände auf den Apron.


Robbin Zick: „Wach auf! Es geht los!“


Sven: „Eine Information, die etwas früher wertvoller gewesen wäre.“


Marx lässt seinen Gegner nicht weg. Er zieht ihn am Handgelenk hoch, setzt einen Fuß auf das mittlere Seil und schwingt sich zum Springboard Arm Drag herum. Jake fliegt auf den Rücken. Celo bleibt auf einem Knie sitzen und breitet die Arme aus. Dann trommelt er sich mit beiden Fäusten auf dem Anzug herum.


Celo Marx: „SCHACHBRETT! DIE ZUKUNFT TRÄGT…“


Schachbrett.

Kommt es flüsterleise von der Crowd.


Pete: „Ein hervorragender Start für Celo. Jake ist mit den Gedanken überall, nur nicht bei seinem Gegner.“


Der Leipziger greift erneut zu. Diesmal zieht Jake ihn jedoch am Träger seines Anzugs nach vorn und stößt ihn mit der Schulter weg. Der Abstand reicht, um Luft zu holen. Nicht viel mehr. Marx kommt wieder, drängt Jake mit zwei Unterarmschlägen zurück und setzt zum nächsten Whip-in an.


Da steht Zick auf der untersten Stufe der Ringtreppe. Und angelt unbemerkt nach Celos Stiefel.


Es ist nur ein kleiner Stolperer, doch der kostet Marx den nächsten Treffer. Ein Low Dropkick erwischt ihn seitlich am Knie. Er knickt ein. Jake greift um seinen Kopf, zieht ihn rückwärts an sich und hämmert ihn mit einem…


Reverse DDT


auf die Matte.


Nun liegt Celo. Und Jake nimmt sich einen Moment, um wütend zu ihm herunterzuschauen.


Hollywood Jake: „Du Witzfigur!“


Anstatt zu covern, tritt er in seiner Anspannung unkoordiniert nach Celos Schulter und weckt den benommen wirkenden Leipziger damit wieder auf. Jake zieht Marx in eine sitzende Position und setzt einen Neck Wrench an. Celo greift sofort nach den Händen an seinem Kopf. Sein Gesicht verzieht sich, während Jake das Knie zwischen seine Schulterblätter drückt und die Spannung erhöht. Draußen nickt Zick zufrieden. Bis irgendwo hinter ihm ein Mann laut ruft. Und zwar die Namen, die RtA nervös machen.


RAS-MUS!“


I-RAY!“



Pete: „Sie warten auf Rantanen und Burch. Doch noch ist die Jagd heute nicht eröffnet. Aber wir warten. Wir warten.“

Sven: „Und Celo wartet darauf, dass sein Kopf wieder gerade steht.“


Der bekommt inzwischen einen Fuß unter den Körper. Marx stemmt sich hoch, trifft Jake mit dem Ellenbogen in den Bauch und setzt einen zweiten nach. Der Griff geht auf. Celo läuft in die Seile, kommt zurück und wird ausgehoben.


Pop-Up Powerslam!


Jake rammt ihn auf die Matte und bleibt zum Cover liegen.


EINS!







ZWEI!





Nein. Celo befreit sich. Der Riesaer schaut zu Kontrak, doch statt eines dritten Schlags bekommt er nur zwei ausgestreckte Finger zu sehen. Dieselbe Zahl, mit der Marx vorhin noch deutlich glücklicher war.


Jake erhebt sich und wartet hinter seinem Gegner. Am Ring weist Zick einen Sicherheitsmann weiter nach links. Dort sei eine Lücke. Jake verfolgt die Bewegung, schaut selbst in die betreffende Richtung und bemerkt deshalb zu spät, dass Celo bereits steht.


Marx hakt ein Bein ein.


Leg-Trap Russian Leg Sweep!


Beide landen auf dem Rücken. Celo dreht sich sofort weiter und kommt auf die Knie. Er atmet schwer, aber das selbstzufriedene Grinsen ist zurück. Seine Streak lebt. Und wenn man seinem Gesicht glaubt, hat sie gerade die schwierigste Prüfung ihrer jahrhundertelangen Geschichte überstanden.


Jake ist mit ihm auf den Beinen. Ein Unterarm trifft Celo, einer trifft Jake. Der Riesaer versucht, mit einem Kneeling Uppercut nachzusetzen, doch Marx weicht zurück. Er greift die nach oben ausgestreckten Arme, zwingt Jake in den Double Underhook und wirft ihn mit einem kurzen, ruckartigen Suplex über sich.


Pete: „Das sieht gut aus bei Celo! Trägt die Zukunft wirklich SCHACHBRETT?“


Cover. Wieder zwei.


Diesmal ist es Celo, der dem Ringrichter einen enttäuschten Blick zuwirft. Dann zieht er Jake hoch und greift nach dessen Bein. Der Swinging Fisherman Neckbreaker soll folgen, doch Jake stemmt sich dagegen. Ein Schlag in die Seite. Noch einer. Marx muss lösen.


Jake packt sein Handgelenk.


Ripcord…


Nein! Celo dreht sich mit, entkommt dem Knie und stößt Jake von sich. Der Riesaer taumelt in die Seile.


Vom Eingang her ertönt ein Pfiff. Jake schaut hin. Schon wieder. Der Mann im Ring ist heute schreckhafter als ein Pferd. Und je mehr die Fans es merken, umso mehr nerven sie ihn damit.


Als er sich zurückdreht – das Gesicht voller Ärger darüber, dass er auf die Finte reingefallen ist - ist Marx bei ihm. Jake holt hastig zur Clothesline aus, Celo duckt sich weg und zieht das oberste Seil herunter. Der eigene Schwung befördert Hollywood Jake nach draußen. Er landet auf den Füßen, stolpert jedoch bis an die Absperrung und muss sich dort abstützen.


Pete: „Jetzt geht’s vor den Fans weiter. Die Sicherheitsmänner wissen hoffentlich um die Regeln im Wrestling. Auch wenn Celo ganz nah ist, sollten sie besser keine Hand an ihn anlegen.“


Celo folgt Jake nach draußen. Das will Zick nicht zulassen. Er tritt vor den Leipziger, hebt beide Hände und redet auf ihn ein. Jake habe sich verletzt. Kontrak müsse das prüfen. Celo solle Abstand halten.


Marx antwortet mit einem Dropkick gegen Jake.


Beide Füße treffen Zick an der Brust. Der Anwerber fliegt rückwärts, prallt gegen Jake und nimmt ihm den letzten Halt. Mit den Hüften kippt der Riesaer über die Absperrung. Dahinter werden Stühle gerückt und Beine in Sicherheit gebracht.


Jake richtet sich zwischen den Zuschauern auf. Sein Gesicht ist vor Zorn verzogen. Er stößt einen leeren Stuhl beiseite, will zurück zum Ring.


Dann sieht er sie.


Dritte Reihe.


Zwei Männer stehen dort. Maskiert mit Merchandise von Bella Venera und der GFCW-Legende Pheasant Warrior. Einer gewaltig, mit breitem Bauch und massigen Schultern. Daneben ein schlankerer Mann, dessen dunkles Haar oberhalb der Maske hervorsteht.


Jake erstarrt.


Hollywood Jake: „ROBBIN!“


Zick hält sich die Brust. Er hebt den Kopf.


Hollywood Jake: „DA! DIE BEIDEN!“


Der Finger zeigt auf die dritte Reihe. Zick folgt ihm mit den Augen und wird blass. Sofort winkt er die Sicherheitsmänner heran.


Robbin Zick: „ZUGRIFF! Lasst sie nicht durch!“


Nun geht alles schnell. Zu schnell, als dass die Umstehenden begreifen könnten, weshalb plötzlich mehrere kräftige Männer über die Absperrung steigen. Jake weicht zurück, drückt sich zwischen zwei seiner Beschützer hindurch und zeigt weiter. Die Maskierten heben die Hände. Einer versucht, etwas zu sagen.


Er kommt nicht weit.


Ein Sicherheitsmann packt seinen Arm. Ein zweiter drückt ihn nach unten. Daneben gerät der schwerere Mann gegen einen Stuhl und stürzt, als zwei weitere Männer nach ihm greifen. Empörte Rufe werden laut. Leute weichen zurück. Jemand schreit, man solle die beiden in Ruhe lassen.


Mike Kontrak: „AUFHÖREN! Sofort aufhören!“


Er steigt aus dem Ring und eilt zur Absperrung. In der dritten Reihe wird dem schlankeren Mann von der Security die Maske vom Gesicht gerissen.


Kein Rasmus Rantanen.
Nur ein junger Fan mit weit aufgerissenen Augen.


Auch die zweite Maske fällt. Der Mann darunter ist älter, kurzhaarig und vor Schreck knallrot. Er liegt seitlich zwischen umgestoßenen Stühlen und versucht, seine Brille zu erreichen.


Kein Iray Burch.
Nur ein weiterer unschuldiger Zivilist.


Pete: „Das sind Zuschauer! Sie gehen hier auf völlig unbeteiligte Zuschauer los! RtA sieht Gespenster, die Nerven liegen blank!“


Kontrak ist außer sich. Er zwängt sich durch die Lücke an der Absperrung und zieht den jüngeren Fan außer Reichweite der begriffsstutzigen Security, die noch immer nicht von den Unschuldigen abgelassen hat.


Mike Kontrak: „LOS LASSEN! Beide!“


Die Zuschauer sind noch immer kalkweiß im Gesicht. Der Jüngere wirkt den Tränen nahe, der Große ist vor Schock starr.


Mike Kontrak: „Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid. Bleiben Sie bitte kurz sitzen, wir holen jemanden.“


Der Ringrichter hilft dem älteren Mann, sich aufzurichten. Reicht ihm die Brille. Entschuldigt sich erneut. Dann dreht er sich um. Jake steht inzwischen wieder auf der anderen Seite der Absperrung. Zick hebt abwehrend die Hände.


Robbin Zick: „Woher sollen wir denn wissen, wer sich hier maskiert?“


Kontrak deutet zum Ausgang.


Mike Kontrak: „Raus.“

Robbin Zick: „Das war eine Sicherheitsmaßnahme!“

Mike Kontrak: „ALLE RAUS! Die Security und du auch! Es bleiben nur noch die Wrestler da!“


Nun reden mehrere Männer gleichzeitig. Zick protestiert, Jake kommt hinzu. Man könne sie nicht schutzlos zurücklassen. Die beiden hätten schließlich hochverdächtig dort gestanden. Mit Masken.


Das müsse doch wohl noch erlaubt sein, sich zu schützen.


Währenddessen wartet Celo Marx neben dem Ring. Er schaut zu Kontrak. Zu Jake. Zur dritten Reihe. Dann wirft er die Arme hoch.


Celo Marx: „Können wir bitte weitermachen? Ich habe hier eine Serie auszubauen! Egal, ob hier wer Fans kaputtmacht, aber die STREAK MUSS WEITERLEBEN!“


Der Schachtbrett-Mann gestikuliert wild und läuft rastlos auf und ab. Zetert vor sich her und protestiert. Niemand antwortet. Kontrak weist erneut zum Ausgang und fordert über einen Mitarbeiter Unterstützung für die betroffenen Fans an.


Die ersten Sicherheitsleute setzen sich widerwillig in Bewegung. Einer bleibt vor Marx stehen. Groß, dick, mit einem breiten Gesicht, auf dem sich wenig Verständnis für dessen Anliegen abzeichnet.


Celo Marx: „Ja, du auch. Komm, zisch ab jetzt. Feierabend. Ihr habt versagt und nun verschwindet. Es ist Zeit für das 3:0.“


Der Mann macht eine wegschiebende Handbewegung. Celo schlägt sie zur Seite.


Celo Marx: „Nicht anfassen. Schnapp dir deinen Chef und verpiss dich. DIE ZUKUNFT TRÄGT SCHACHBRETT!“


Er zupft an seinem Träger. Der Sicherheitsmann sieht ihn an. Celo deutet auf Jake.


Celo Marx: „Und die Zukunft fickt jetzt deinen Boss weg…“


Die Faust des humorlosen Security-Guys trifft ihn mitten ins Gesicht.
Marx fällt rückwärts zu Boden.


Für einen Moment verstummen selbst die Proteste Zicks. Der Sicherheitsmann steht über dem Leipziger, die Hand noch immer zur Faust geballt. Einige Meter entfernt hat Mike Kontrak alles gesehen. Jake, der inmitten des Chaos schon zurück im Ring war, rauft sich fassungslos die Haare.


Kontrak zeigt auf den unprofessionellen Sicherheitsmann, dem die Nerven durchgegangen sind. Dann zum Zeitnehmertisch.


DING DING DING!


Sieger des Matches durch Disqualifikation: Celo Marx!


Hollywood Jake: „WAS?!“


Kontrak lässt ihn stehen. Er kniet bereits neben Celo, der sich mit glasigen Augen an den Mund fasst. Jake fährt den Sicherheitsmann an, Zick redet noch immer auf den Referee ein und aus dem Publikum schallen wütende Buhrufe.


Pete: „Ich sagte es bereits: Bei Refuse to Age liegen die Nerven blank! Jake verliert durch seine eigene Eskorte.“

Sven: „Geschützt vor Rantanen. Geschützt vor Burch. Nur vor seinen Angestellten hat ihn keiner geschützt.“

Pete: „Aber wo sind die Jäger!? Ich hätte gedacht, dass sie hier sind.“


Am Boden hebt Celo den Kopf. Er schaut Kontrak an und scheint erst jetzt zu verstehen, weshalb seine Musik läuft. Der Leipziger nimmt die Hand vom Mund. Prüft die Finger. Kein Blut. Dann hebt er drei davon in die Luft.


Auf der Leinwand erscheint die nächste Einblendung.


3–0.


DIE STREAK GEHT WEITER.


Aber was ist mit der Jagd?




Tammy hat sich den vielleicht schönsten Platz der gesamten Festung für ihr kommendes Interview ausgesucht: Die Terrasse mit Rheinblick.

Hinter ihr liegt der Fluss, auf dem sich die Lichter vom Ufer spiegeln. Ein Schiff zieht durchs Wasser. Auf der anderen Uferseite bewegen sich stecknadelgroße Menschlein entlang der Promenade.

Eine leichte Brise sorgt sorgt, dass die Reporterin zum dritten Mal eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht streichen muss. Sie tut es mit einem Lächeln. Für diese Kulisse nimmt man ein wenig Arbeit an der Frisur in Kauf.


Tammy: „War Evening auf der Festung Ehrenbreitstein. Gibt es einen geeigneteren Ort, um vor einem Match noch einmal tief durchzuatmen?“


Sie dreht sich ein Stück zur Seite, damit die Kamera mehr vom Panorama einfangen kann. Ein großzügiger Akt. Normalerweise gibt Tammy nur ungern Bildfläche ab.


Tammy: „Wobei tief durchatmen für meine Gäste gleich vielleicht besonders wichtig wird. Denn kurz vor ihrem Six-Man-Tag-Team-Match gegen die Luxembirdies darf ich ein Trio begrüßen, das heute gemeinsam gewinnen will…und sich in zwei Wochen zumindest teilweise gegenseitig an die Gurgel gehen wird.“


Ihr Lächeln wächst. Genau diese Art von Gespräch versüßt ihr den Arbeitstag. Es verspricht Reibung. Es verspricht Sen-sa-tio-nen.


Tammy: „Bei Blue Blood verteidigt Zac Alonso seinen Intercontinental Title gegen Monica Shade. Heute stehen die beiden zusammen mit Milly Vermillion auf derselben Seite. Und wie gut das funktionieren kann, das finden wir jetzt heraus. Kommt zu mir!“


Sie deutet einladend zum Zugang der Terrasse.


Rosa. Flauschig. Schweinisch.


Die Attribute von „Lady Rosi“, dem Stoffschwein, welches Monica Shade ihre „Strategin“ zu nennen pflegt. Selbiges ist erwartungsgemäß unter dem Arm der rosarot bezopften Leopardin aus Long Island, die heute nicht nur ein Leoparden Halstuch trägt, sondern auch ein bauchfreies Top und ein dazu passendes Unterteil im Leopardenstil. Ihre Stiefel und Unterarmschoner sind hingegen violetter Farbe, einen Tick dunkler als das Violett ihrer Augen, mit denen sie die Örtlichkeit wohlwollend begutachtet.


Monica Shade: „Joah, hallo. Ein schönes Plätzchen hast du hier gefunden.“

Tammy: „Monica, schön, dass du da bist. Dein heutiger Partner und kommender Gegner dürfte auch jeden Moment…“


Ein leises Klackern auf dem Terrassenboden nimmt ihr den Rest der Ankündigung ab.


Zac Alonso kommt.
Und da ist der erste Eklat: Denn der Zacidog kommt mit.


Der schokoladenbraune Labrador hat die Nase bereits am Boden. Es gibt viel zu erkunden. Neue Gerüche, neue Ecken, vielleicht sogar etwas Essbares, das jemand unvorsichtigerweise zurückgelassen hat. Zac hält die Leine locker in der Hand. Auf seiner Schulter liegt der Intercontinental Title, dessen Platte er im Näherkommen noch einmal zurechtrückt.


Zac Alonso: „Guten Abend zusammen.“


Eine freundliche Begrüßung, die an Monica Shade komplett vorbei geht. Kritisch hält sie den Zacidog im Auge und hält Lady Rosi sofort ein gutes Stück höher, wie um sicherzustellen, dass der Zacidog selbst dann nicht so leicht an ihre „Strategin“ herankommen kann, wenn er sich an ihr aufstellen sollte.


...nicht, dass der Zacidog das auch nur im Ansatz versuchen würde.


Monica Shade: „Und schon ist es hier ein gutes bisschen weniger idyllisch. Ich weiß, wir sind auch zu Zweit, von daher ist es vielleicht etwas seltsam, wenn ausgerechnet ich das frage, aber… du musstest den Hund mit auf die Terrasse schleppen, ja? Auf dass meine arme Lady Rosi sich bedroht fühlen muss? Siehst du, wie sie zittert? Da frage ich mich doch nun unweigerlich, ob das hier nicht zumindest eine gezielte Provokation ist, wenn nicht gar eine aktive Drohung.“


Es ist natürlich Monicas eigene Aufregung, die Lady Rosi eine zittrige Bewegung vollführen lässt – vorausgesetzt Lady Rosi hat nicht doch ein Eigenleben.


Alonso bleibt stehen. Sein Blick geht von Monica zum Hund. Der Labrador schnuppert gerade an einem Stuhlbein und wirkt nicht, als hätte er den Auftrag zu einer gezielten Provokation erhalten.


Zac Alonso: „Er ist mit mir rausgekommen, weil er ein Hund ist und wir draußen sind. Den böswilligen Hintergrund dahinter müsstest du mir erklären. Ich werde einem Tier nicht seinen Auslauf verwehren, um Rücksicht auf ein Stofftier zu nehmen.“


Klingt einleuchtend.

...außer man heißt Monica Shade.


Monica Shade: „Zumindest gibst du offen zu, dass du rücksichtslos bist, besser als nichts. So unverschämt es auch ist, Lady Rosi einfach nur ein Stofftier zu nennen, dabei sind Stofftiere ohnehin bereits des Menschen bester Freund. Und immer ganz nett, wenn man sich einsam fühlt. Den Auslauf für deinen Hund könnten problemlos deine Freunde vom Cirque du Tonnerre für dich machen, die haben ja eh nichts besseres zu tun. Von daher wirst du verstehen, dass deine Rechtfertigung für uns nicht schlüssig klingt.“


Zac schaut auf Lady Rosi. Dann wieder zu Monica.


Zac Alonso: „Er ist angeleint. Und gerade interessiert er sich mehr für Gartenmöbel als für euch. Ich würde sagen, wir haben die Lage im Griff. ES KOMMT NICHT ZU EINER KATASTROPHE, OKAY?“


Der Zacidog hebt den Kopf. Sein Schwanz beginnt zu wedeln.


Ungünstiges Timing.


Monica Shade: „Ich hoffe die Leine ist nicht so fadenscheinig wie deine Argumentation und du weißt sie zu benutzen. Wobei Wissen alleine nicht reicht, der Wille dazu muss schon auch da sein und du scheinst mir verdächtig die Marke Hundehalter zu sein, der „er will doch nur spielen“ sagt, anstatt die Gefahr ernstzunehmen, die von so einem großen Hund ausgeht.“


Monica blickt den Zacidog mit wachsender Skepsis an und hebt Lady Rosi noch ein Stück höher, ehe ihr Blick zurück zum Champion wandert.


Monica Shade: „Natürlich stellt sich eh die Frage, ob du deinen Hund nicht sogar dazu anstiftest etwas Unverzeihliches zu tun… deine Worte von unserer letzten Unterhaltung sind Lady Rosi und mir noch gut im Kopf und das Intercontinental Title Match hast du mir auch nicht gerade auf einer sportlichen Basis zugesprochen, sondern weil du es nicht verkraftest FAKTen zu hören. Du wirst also verstehen, dass wir dir ebenso wenig trauen wie deinem Hund. Oder du verstehst es nicht, auf jeden Fall ist es so.“


Tammy verfolgt den Austausch mit wachen Augen. Das Mikrofon wandert zwischen den beiden hin und her. So schön die Aussicht auf den Rhein auch ist: Gerade schaut sie lieber hierhin.


Tammy: „Wir haben noch nicht über einen einzigen eurer Gegner gesprochen und streiten bereits darüber, wer hier neben wem stehen darf. Damit lautet die große Frage vor diesem Match wohl tatsächlich…“


Sie macht eine kleine Pause. Für den Nachdruck.


Tammy: „CAN THEY COEXIST?“

Zac Alonso: „Ja, Tammy. Können sie.“


Der Champion dreht sich zum Terrassenzugang um und winkt einen Mitarbeiter heran, der bislang mit deutlichem Sicherheitsabstand zum Interview gewartet hat. Alonso drückt ihm die Leine in die Hand.


Zac Alonso: „Kannst du mit ihm eine kleine Runde drehen? Danke dir.“


Der Labrador braucht keine Überredung. Neue Begleitung, neue Gerüche. Er trottet los. Zac schaut ihm kurz hinterher, ehe er sich Monica mit offenen Händen wieder zuwendet.


Zac Alonso: „Friedensangebot. Hund weg. Schwein sicher. Können wir jetzt über das Match reden?“


Der Abzug des Zacidogs sorgt dafür, dass Lady Rosis Zittern aufhört und kaum ist das Schwein still und friedlich auf Monicas Arm wird auch ihr Gesichtsausdruck weniger verspannt.


Monica Shade: „Ja, das können wir.“


Die Finger ihrer rechten Hand, mit der sie gerade noch Lady Rosis Nase gestreichelt hat, bilden ein V-Zeichen – das Friedenszeichen. Friedensangebot akzeptiert – für den Moment zumindest.


Zac Alonso: „Ich will heute gewinnen. Sandro und seine Golftruppe nerven mich. Ich habe keine Lust, hinterher hören zu müssen, dass Luxemburg mich sportlich annektiert hat, weil wir uns vorher über meinen Hund streiten und den Kampf aus den Augen verlieren.“


Tammy nickt. Ein vernünftiger Ansatz. Einer, den sie fast ein wenig bedauert.


Tammy: „Dann haben wir zumindest zwischen euch beiden eine Grundlage. Fehlt nur noch Milly. Was ein gutes Stichwort ist: Sollen wir auf sie warten?“


Alle Blicke gehen zur gut einsehbaren Fläche, die auf die Terrasse führt. Dort ist niemand. Zumindest niemand, der zum angekündigten Team gehört.


Monica Shade: „Diese Frau hat echt ne Meise. Kein Wunder, dass Miria es auf uns abwälzt uns um Milly kümmern zu müssen. Also abgesehen davon, dass Miria eh alles auf andere abwälzt, was sie kann. Eigentlich war unser Phönix eben nicht weit hinter uns. Keine Ahnung wo sie hin ist, aber einen Schrei haben wir nicht gehört, also ist wohl auch nichts passiert.“


Schulterzucken bei der Interviewerin. Dann machen sie eben ohne die vierte Person weiter.


Tammy: „Gut. Vielleicht kommt sie gleich nach. Zac, dann zunächst zu dir: Sandro war vor zwei Wochen fuchsteufelswild, weil du ihn als Herausforderer abgelehnt hast. Mit einer Niederlage würden seine Ambitionen auf den Titel möglicherweise sinken. Ist das ein zusätzlicher Anreiz?“


Zac streicht mit dem Daumen über den Rand seiner Titelplatte.


Zac Alonso: „Ich brauche keinen zusätzlichen Anreiz, um Sandro zu schlagen. Das bekommt er mit seiner Nervigkeit gut von selbst hin. Aber ja. Wenn er glaubt, dass man sich diesen Titel mit einer Flagge und zwei Männern mit Golfschlägern sichern kann, darf er heute gerne mal ausprobieren, wie weit er damit kommt.“

Tammy: „Und gleichzeitig musst du einer Frau vertrauen, die dir genau diesen Gürtel in zwei Wochen abnehmen möchte.“


Seitenblick zu Shade. Die Leopardin wartet mit wachsender Ungeduld auf ihren Einsatz. Doch noch liegt Tammys Aufmerksamkeit bei Zac.


Zac Alonso: „Für heute reicht es, wenn sie die anderen lieber schlägt als mich.“


Er schaut zu Monica.


Zac Alonso: „Das kriegen wir hin. Oder?“


Monicas violette Katzenaugen verengen sich leicht zu Schlitzen.


Monica Shade: „Nun, Lady Rosi und ich kriegen das auf jeden Fall hin. Ich persönlich hatte zwar noch keine Begegnung mit Sandro oder den Luxembirdies, aber was Sandro etwa gegen Renee Courage abgezogen hat, das hat indirekt über das Oberthema WFW auch mit mir zu tun und da reden wir noch nicht mal darüber, was die Birdie Boys alles schon gesagt und getan haben. Insbesondere letzte Woche während dem Lumberjack Match, wo meine Kameradinnen von der Lerbitz Pigster Group ja einigen Stress mit denen hatten. Die verdienen ne Tracht Prügel, keine Frage.“


Monicas Blick in die Augen von Zac wird schärfer.


Monica Shade: „Abgesehen davon hab ich ja ein gewisses Eigeninteresse, dass du gesund und munter durch das Match kommst. Läuft alles normal werde ich bei Blue Blood zwar so oder so gewinnen, aber ich würde es schon vorziehen, wenn du keine Verletzung oder sowas als Ausrede nutzen kannst.“

Tammy: „Dann dürfte es für eure Gegner ja schwierig werden, einen Keil zwischen euch zu treiben. Vorausgesetzt natürlich, eure dritte Frau findet noch rechtzeitig…“


Wenn man vom Phönix spricht: da ist Milly! Die blond gelockte Frau im feurig gefiederten Poncho tritt gemütlich an das Trio heran, als wäre ihr spätes Erscheinen das Selbstverständlichste auf der Welt.


Monica Shade: „Wie schön, dass wir keinen Suchtrupp für dich brauchen. Wo warst du?“

Milly Vermillion: „Beim Catering.“


Okay, diese Antwort kommt jetzt nicht komplett überraschend. Milly redet gefühlt mehr übers Essen als über Wrestling und trotz dass die oft und gerne isst, nimmt sie nicht zu. Als Phönix verbrennt sie Kalorien vermutlich wie nix.


Milly Vermillion: „Da hat etwas echt gut gerochen und da musste ich natürlich herausfinden, was da so duftet. Nach ein, zwei Bissen, um zu checken, ob der Duft auch für Geschmack gut ist, hab ich mir dann rasch zusichern lassen, dass nach dem Match noch ein Rest auf mich wartet. Nicht, dass die anderen diesen köstlichen Schweinebraten ohne mich aufessen.“


Monica und Lady Rosi gucken wie Autos.


Milly Vermillion: „Was?“


Monica und Lady Rosi gucken immer noch wie Autos. Gut, dass GFCW aus der Ära der Autozerstörung raus ist, sonst müsste man sich Sorgen machen, dass irgendwer sie mit Baseballschlägern bearbeitet.


Milly Vermillion: „Wenn du auch was Schweinebraten abhaben willst, brauchst du nur hingehen und was sagen. Noch ist genug da. Aber vermutlich nicht mehr lange.“


Monicas Mund steht weit auf. Aber nicht weil ihr vor Hunger das Wasser im Mund zusammenlaufen würde, sondern weil die kognitive Verarbeitung dieser Worte ihr Hirn überlastet.


Tammy: „Schwein gegessen. Schwein wie…Lady Rosi?“


Zac presst die Lippen aufeinander. Es hilft nicht.


Ein erstes Lachen entweicht durch die Nase. Er dreht den Kopf weg, versucht noch, sich mit einem Räuspern zu retten, und scheitert endgültig.


Unter einem wütenden Blick seiner Herausfordererin wischt sich Alonso eine Träne aus dem Auge. Er muss tief durchatmen, um das Lachen zu unterdrücken.


Zac Alonso: „Entschuldigung. Ich…“


Er schaut zu Milly. Dann zu Lady Rosi. Schwerer Fehler: Der Champion lacht erneut los. Eine Hand hält den Titel auf der Schulter, mit der anderen stützt er sich kurz auf seinem Oberschenkel ab.


Zac Alonso: „Ich schicke meinen Hund weg für den Teamfrieden und Milly verschnabuliert Lady Rosis Bruder. Ihr macht es einem wirklich nicht leicht, ernst zu bleiben.“


Milly sieht in die Runde und versteht sichtlich nur Bahnhof.


Milly Vermillion: „Weiß nicht, was so lustig ist? Die Sau ist echt lecker. Kannst dich nach dem Match ja selber davon überzeugen. Also falls dann noch was da ist.“


Allmählich regt sich Monica wieder. Sie guckt ihre beiden anderen Teamhälften für den heutigen Tag düster an.


Monica Shade: „Ihr seid alle beide furchtbare Menschen.“


Monica hält Lady Rosi die Stoffohren zu.


Milly Vermillion: „Ich bin ein Phönix, du Depp. Okay, ein Phönix in Menschengestalt, aber trotzdem ein Phönix. Ich dachte Zero Filler hätte den Stuhl auf die Birne gekriegt und nicht du? Bin mir sicher, dass das so war, zumal du letztes Mal ja eh nicht bei dem Lumberding dabei warst, weil du Lady Rosi nicht ins Chaos schleppen wolltest oder was auch immer du da noch mal genau als Grund angeführt hattest...“


Alonso richtet sich wieder auf. Er wischt sich mit einem Finger unter dem Auge entlang und atmet durch.


Zac Alonso: „Okay. Ist gut. Ich bin wieder da.“


Sein Mundwinkel zuckt. Mit einem Mal wirkt er wieder deutlich ernster.


Tammy entscheidet, dass dies der richtige Moment ist, selbst wieder Aufmerksamkeit zu bekommen.


Tammy: „Vielen Dank euch dreien für diese…aufschlussreichen Einblicke in eure Matchvorbereitung.“


Sie dreht sich zur Kamera. Das Mikrofon sitzt plötzlich etwas höher. Die Schultern werden gerade. Wer Tammy kennt, weiß, dass nun etwas kommt, für das sie gerne einen Trommelwirbel hätte.


Tammy: „Aber wir sind noch nicht fertig.“


Zac hebt die Augenbrauen. Auch er weiß, was jetzt kommt. Ein Schmunzeln bildet sich auf seinen Lippen und er reibt vorfreudig die Hände.


Tammy: „Denn ich darf heute WELTEXKLUSIV verkünden, welche drei Matcharten für die Intercontinental-Titleverteidigung bei Blue Blood zur Wahl stehen!“


Da ist er. Ihr Höhepunkt.


Tammy: „Zac hat sich ein Fan’s-Choice-Match gewünscht. Wir erinnern uns. Und Dynamite hat es gewährt. Das bedeutet: Die GFCW-Galaxy entscheidet im Vorfeld des PPVs, nach welchen Regeln die Beiden auf Burg Satzvey um den Titel kämpfen werden.“


Der Champion nickt zufrieden. Shade spitzt gespannt die Ohren. Währenddessen holt Tammy Luft für ihre beste Hypestimme.


Tammy: „Möglichkeit Nummer eins: BANNER BASH! Auf der Burgmauer wehen eure beiden Flaggen. Ein Labrador und ein Schwein, nehme ich an? Eure Aufgabe ist es, die Flagge des Gegners herunterzulassen und sie in einer mittelalterlichen Feuerschale zu verbrennen. Wer die gegnerische Flagge verbrennt, gewinnt das Match und den Intercontinental Title.“

Monica Shade: „Natürlich etwas potenziell Schweinefeindliches. Nicht, dass ich das zulassen würde, aber auch um das arme Hundebanner wäre es doch echt Schade.“


Milly Vermillion: „Wenn du dieses grandios klingelnde Feuermatch nicht haben willst, ich nehm es gerne.“


Millys Augen leuchten bei der Vorstellung etwas abbrennen zu dürfen.


Tammy: „Möglichkeit Nummer zwei: FORTRESS FRENZY! Ihr müsst auf ein Burgtor hinaufklettern und dort eure eigene Flagge anbringen. Weht sie zehn Sekunden lang, habt ihr gewonnen. Der andere hat also nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um den Sieg noch zu verhindern.“


Alonso schaut kurz über die Terrasse hinweg. Auf die Mauern der Festung. Dies ist auch eine Art Burg…sucht er schon nach geeigneten Wegen zum Sieg? Schon mal Üben im Kopf?


Tammy: „Und Möglichkeit Nummer drei…es kommt zum ersten und sicher auch einzigen Burggraben-Match der GFCW-Geschichte. Ein fünfzehnminütiger Kampf, wie ein Ironman-Match. Doch der Kniff: Man kann Punkte dadurch erzielen, dass man den Gegner oder die Gegnerin in den Burggraben wirft. Wer nach fünfzehn Minuten mehr Punkte erzielt hat, ist neuer oder alter Champ.“


Die Reporterin lässt das Mikrofon ein Stück sinken. Mit ihrem Gesichtsausdruck ist sie sehr zufrieden. Weltneuigkeiten vor Rheinpanorama. Viel besser wird dieser Arbeitstag nicht mehr.


Tammy: „Drei Möglichkeiten. Eure Entscheidung, liebe Fans. Und einer dieser beiden wird Burg Satzvey als Intercontinental Champion verlassen.“


Monica wedelt erst korrigierend mit dem Zeigefinger, ehe sie mit selbigem auf sich deutet.


Monica Shade: „Wie schon gesagt: wenn alles normal läuft, dann werde ich Burg Satzvey als Intercontinental Champion verlassen. Diese seltsamen Matcharten werden zwar die Kluft zwischen mir und Zac verringern, aber letztlich bin ich seit Jahren auf Topniveau und Zac war letztes Jahr noch eine Comedy-Verpflichtung von Darragh Swizenberg, um GFCW eins auszuwischen. Seitdem hat Zac sich gesteigert, aber Zac ist jetzt maximal so gut, wie es Luna Rosario war, wenn überhaupt, aber gegen mich hat er keine große Chance. Ist einfach so. Ich weiß, ich sollte das Match spannend reden, um Tickets zu verkaufen, aber mir fällt nicht ein, wie ich das machen kann ohne zu lügen.“


Die Leopardin zuckt nonchalant mit den Schultern. Das ist kein Trashtalk, das ist ihre ehrliche Meinung.


Monica Shade: „Aber soweit sind wir noch nicht. Jetzt zählt erst einmal heute und heute haben wir erst einmal gemeinsam ein Match zu gewinnen.“


Zac nickt. Er rückt den Gürtel zurecht und streckt Monica die Hand entgegen.


Zac Alonso: „FAKT. Jetzt machen wir genau das.“


Monica zögert kurz, aber dann nimmt sie den Handschlag an.

Kaum hat dieser geendet, fährt sie mit dem Dinger nachdenklich zur Wange. Vielleicht ist Zac ja doch gar nicht so übel und… Moment. Sie schnüffelt am Finger. Dieser Geruch. Es riecht dezent aber merklich nach Hund. Und schon ist der Gedanke verworfen und ihre Mundwinkel zeigen wieder nach unten...



Beide sitzen vollkommen regungslos. Der jüngere Prüfer hat mehrere Kreuze auf seinem Bewertungsbogen gesetzt.


Jüngerer Prüfer: „Interessant.“

Älterer Prüfer: „Was?“

Jüngerer Prüfer: „Ich hätte anders bewertet.“


Der Ältere schaut ihn an.


Älterer Prüfer: „Das dürfen Sie.“


Kurze Pause.


Älterer Prüfer: „Sie dürfen nur nicht falsch liegen.“


Der Jüngere radiert sofort etwas weg.



Hollywood Jake: „DREI ZU NULL!“


Der Ruf hallt über den Weg zu den Transportern. Jake läuft so schnell, dass Robbin Zick Mühe hat, neben ihm zu bleiben. Den Pelzmantel trägt der Riesaer über einem Arm. Für das Anziehen fehlt ihm die Geduld. Für alles andere auch.


Hollywood Jake: „Wegen diesem Security-Trottel hat dieser karierte Vollidiot jetzt drei Siege! Drei! Er wird sich T-Shirts drucken lassen. Er wird seine Fresse nie mehr halten. Und jedes Mal, wenn er darüber redet, wird MEIN NAME fallen!“


Der große, dicke Sicherheitsmann schaut auf den Boden. Seit sie den Zuschauerbereich verlassen haben, hat er kein Wort gesagt. Er weiß, dass er Scheiße gebaut hat. Seine Kollegen begleiten die Gruppe mit etwas Abstand. Niemand scheint gerade Interesse daran zu haben, mit dem Mann verwechselt zu werden, der Celo Marx zum nächsten Erfolg verholfen hat.


Hollywood Jake: „Du solltest mich beschützen. Das war dein einziger verfickter Auftrag. Stattdessen prügelst du mich in die Niederlage!“

Robbin Zick: „Jake, wir sollten erstmal…“

Hollywood Jake: „Was? Durchatmen? Soll ich durchatmen, Robbin? Ich habe gegen jemanden verloren, dessen größte Leistung darin besteht, sich ohne Hilfe einen hässlichen Anzug anzuziehen!“


Zick lässt es bleiben. Auch ihm steht der Ärger ins Gesicht geschrieben. Allerdings schaut er häufiger über die Schulter als Jake. Die Erinnerung an zwei maskierte Fans reicht inzwischen aus, um seinen Puls zu beschleunigen. Er möchte hier weg. In einen Wagen. Türen zu.


Die Transporter stehen dort, wo sie bei ihrer Ankunft gehalten haben. Auf dem Boden glänzt noch immer das Regenwasser. Ein Sicherheitsmann eilt voraus und öffnet die Fahrertür des hintersten Wagens. Jake wirft seinen Mantel hinein. Auf der anderen Seite steigt Zick bereits auf den Beifahrersitz.


Der dicke Security-Mann setzt einen Fuß auf das Trittbrett der Schiebetür.
Jake packt ihn am Ärmel und stößt ihn zurück.


Hollywood Jake: „Du nicht.“


Der Mann schaut ihn an.


Hollywood Jake: „Ich kann allein fahren. Dafür brauche ich dich nicht auch noch. Oder willst du uns unterwegs disqualifizieren lassen?“

Security: „Wir sollen bei Ihnen…“

Hollywood Jake: „WEG! Du Trottel und ihr alle! Geht rein und erklärt Danny, warum er sein Geld zurückverlangen sollte. Wir fahren alleine.“


Die Sicherheitsmänner tauschen Blicke aus. Dann setzt sich der Erste in Bewegung. Die anderen folgen. Mit gesenktem Kopf trottet auch Jakes persönlicher Unglücksbringer zurück zur Festung. Jake sieht ihnen nach, bis sie weit genug entfernt sind, um ihn nicht mehr unmittelbar aufzuregen. Dann steigt er ein und zieht die Tür zu. Endlich Ruhe.


Nur sein eigener Atem und das Rascheln von Zicks Jacke sind zu hören. Robbin reibt sich über die Brust, wo Celos Dropkick getroffen hat. Jake wirft den Pelzmantel nach hinten und greift neben das Lenkrad.


Hollywood Jake: „Wo ist der verdammte Schlüssel?“

Robbin Zick: „War der nicht drin?“

Hollywood Jake: „Offensichtlich nicht.“


Jake klopft die Ablage ab, als könnte sich der Schlüssel darin versteckt haben. Dann seine Hosentaschen. Er beugt sich vor, schaut in den Fußraum und richtet sich mit einem genervten Stöhnen wieder auf.


Hollywood Jake: „Das fehlt noch. Da bekomme ich Falten von, Mann.“


Doch Jake hat Glück.

Eine Hand schiebt sich von der Rückbank zwischen den Vordersitzen hindurch.
An ihrem Zeigefinger hängt der Schlüssel.


Hollywood Jake: „Danke.“


Er nimmt ihn, dreht ihn in die richtige Position und führt ihn zum Zündschloss. Neben ihm klappt Zick die Sonnenblende herunter. Prüft im kleinen Spiegel eine Rötung an seiner Wange.


Dann hält Jake inne.
Der Schlüssel bleibt vor dem Schloss stehen. Seine Augen wandern zur Hand, die sich gerade zurückzieht. Langsam dreht er den Kopf.


Es war nicht Robbins Hand.


Auf der Rückbank sitzen zwei Männer.




Rasmus Rantanen lächelt. Neben ihm sitzt Iray Burch, dessen Schultern einen erheblichen Teil der Sitzbank beanspruchen. Seine kleinen Augen liegen ausdruckslos auf den beiden Männern vor ihm.


Rasmus Rantanen: „Hallo.“


Burch legt den Kopf etwas zur Seite und schaut Rasmus an.


Iray Burch: „Diese Jagd ist sehr einfach.“


Der Unmensch grunzt.


Zick stößt einen schrillen Laut aus und greift nach dem Türöffner. Jake lässt den Schlüssel fallen. Beide wollen gleichzeitig hinaus. Doch während Jake seine Tür aufbekommt, schließt sich Burchs Hand bereits in Robbins Haaren.


Ein Ruck nach hinten. Dann nach vorn. Zicks Stirn schlägt von innen gegen die Seitenscheibe. Ein dumpfer Knall erfüllt den Wagen. Im Glas erscheint ein Riss, von dem feine Linien abzweigen. Robbins Hand gleitet vom Türgriff. Sein Körper sackt schlaff auf den Sitz zurück.


Jake sieht es noch. Dann packt Rasmus ihn am Kragen. Der Kieler ist hinter ihm an der geöffneten Fahrertür, drängt ihn hinaus und gibt ihm einen heftigen Stoß. Jake stolpert vom Trittbrett. Seine Knie schlagen in den weichen Boden, die Hände rutschen weg. Mit der Brust landet er im Matsch.


Hollywood Jake: „Warte! Warte, bitte!“


Er dreht sich halb herum und hebt die Arme vor das Gesicht. Rasmus steigt aus, setzt den Fuß neben Jakes Knie und betrachtet ihn. Der Riesaer versucht, rückwärts Abstand zu gewinnen.


Hollywood Jake: „Wir können…“


Der Tritt trifft ihn an der Brust. Jake fällt zurück, schnappt nach Luft und rollt sich instinktiv auf den Bauch. Hinter Rasmus öffnet sich die Schiebetür. Burch steigt aus. Er schaut kurz zum Eingang der Festung. Dann zu Jake. Und setzt sich auf ihn. Mit seinem ganzen Gewicht.


Jakes Körper wird in den schlammigen Boden gedrückt. Burch greift um seinen Hals und zieht den Kopf nach hinten. Die Finger schließen sich unter dem Kiefer. Jake stößt ein ersticktes Geräusch aus. Seine Hände krallen sich um die Handgelenke des Unmenschen, doch an dessen Griff verändert sich nichts.


Rasmus sieht zu. Unter seinem Shirt holt er die Kreuzkette hervor. Er umfasst den Anhänger, hebt ihn an die Lippen und küsst ihn. Dann geht er vor Jake in die Hocke. So nah, dass der Gepeinigte ihn sehen muss.


Rasmus Rantanen: „Wie fühlt sich das an, Jake?“


Ein Krächzen. Mehr kommt nicht.


Rasmus Rantanen: „So mit mehreren gegen einen. Wenn man selbst der eine ist.“


Jakes Finger rutschen von Burchs Handgelenk. Er greift erneut zu, schwächer diesmal. Sein Mund steht offen. Rasmus betrachtet ihn mit fest aufeinandergepressten Lippen.


???: „Aufhören.“


Die Stimme kommt vom Festungseingang.


Rasmus erhebt sich. Es ist Danny Rickson. Der Engländer nähert sich trotz Jakes Notlage im gemächlichen Tempo. Kontrolliert. Neben ihm geht Robert Rickson, der Sohn. Der Junge schaut erst zu Jake, dann zum Transporter. An der Scheibe ist ein Umriss zu sehen, wo Zicks Kopf mit dem Glas kollidiert ist. Mit roten Flecken.

Robert Gesicht verändert sich. Er bleibt stehen und versucht, sich umzudrehen, doch Dannys Hand liegt bereits an seinem Rücken, Der Vater schiebt ihn weiter. Den Minderjährigen.


Danny Rickson: „Ihr habt mich gehört.“


Es passiert etwas Unerwartetes: Burch lässt los. Doch nur, damit er die Hände frei für sein nächstes Opfer hat. Jake fällt mit dem Gesicht nach unten und hustet in den Matsch. Der Unmensch richtet sich auf. Beim Anblick Ricksons zieht sich seine Oberlippe hoch. Er macht einen Schritt auf ihn zu.
Rasmus legt ihm eine Hand vor die Brust.


Rasmus Rantanen: „Warte.“


Burch schaut auf die Hand. Doch Rasmus nickt in Richtung des Sechszehnjährigen an Ricksons Seite.


Rasmus Rantanen: „Nicht vor dem Kind.“


Ein unzufriedenes Grunzen. Doch Burch bleibt stehen. Rickson hält einige Meter entfernt an. Robert steht etwas vor seiner rechten Schulter. Als der Junge zur Seite treten will, legt Danny den Arm um ihn und hält ihn nah bei sich.


Danny Rickson: „Ich wusste, dass du ein Mann von Verstand bist, Rasmus. Also reden wir. Was willst du?“

Rasmus Rantanen: „Du weißt genau, was WIR wollen. Nach dem, was ihr ihm angetan habt…“


Burch ignoriert das Gespräch. Er macht einen Schritt auf den Jugendlichen zu. Dessen Knie werden weich, als der Gestank Irays in seine Nase tritt und der massige Körper sein Blickfeld ausfüllt.


Iray Burch: „Ich möchte deinem Vater sehr weh tun.“


Der Junge starrt ihn an. Sein Blick wandert zu Jake, der auf den Unterarmen liegt und würgt. Dann zurück zu Burch. Robert zieht die Schulter unter dem Arm seines Vaters zurück.


Robert Rickson: „Dad! Lass uns gehen.“


Danny hält ihn fest.


Danny Rickson: „Ein Rickson läuft nicht weg.“

Rasmus Rantanen: „Warum machst du es dann so oft, Danny? Erst Wiesbaden. Heute die Eskorte. Und jetzt stellst du deinen Sohn vor dich. Wenn du so wenig Angst hast, Danny, warum stehst du dann nicht für das gerade, was ihr Iray angetan habt?“


Der Kieler tritt einen Schritt vor. Danny bewegt sich kaum merklich hinter Roberts Schulter. Er geht nicht weg – aber wirkt bereit, es jederzeit zu tun.


Rasmus Rantanen: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Wir klären es hier. Im Schlamm. Im Schatten dieser Festung. Und dein Sohn muss dabei zusehen, weil du ihn unbedingt bei dir behalten willst. Oder du schickst ihn jetzt rein und wir machen es bei Blue Blood. Unter fairen Bedingungen.“


Ricksons Blick geht zu Jake. Dann zum Wagen, in dem Zick noch immer reglos hängt. Er befeuchtet seine Lippen.


Danny Rickson: „Ein Match.“

Rasmus Rantanen: „Du und einer von den beiden. Such dir aus, wen du neben dir haben willst.“


Beinahe unmerklich schüttelt Rickson den Kopf


Danny Rickson: „Refuse to Age tritt gemeinsam an. Wenn du dieses Match willst, bekommst du uns alle drei.“

Rasmus Rantanen: „Du bist nicht in der Position, Forderungen zu stellen.“


Rickson antwortet ihm nicht. Stattdessen dreht er sich zu Burch. Sein Arm bleibt um Robert gelegt. Es kostet den Hall of Famer Überwindung, dem Blick aus den kleinen Schweinsäuglein stattzuhalten. Doch die Entfernung – die Fluchtdistanz – macht es möglich. Mit schiefgelegtem Kopf spricht er direkt zum Unmenschen.


Danny Rickson: „Er traut es dir nicht zu, Iray.“


Burch starrt ihn an.


Danny Rickson: „Hör doch hin. Er will unbedingt gleiche Zahlen. 2 gegen 2. Weil er gesehen hat, was aus dir geworden ist. Du bist nicht mehr das unaufhaltsame Monster, Iray. Das weiß Rasmus genauso gut wie ich.“


Die Stimme des Hall of Famers wird durchdringender. An den Rändern seiner Lippen bildet sich ein lächelt.


Danny Rickson: „Wir haben dich gebrochen.“


Burchs Atem wird lauter. Seine Hände öffnen und schließen sich.


Danny Rickson: „Du lagst im Krankenhaus. Wochenlang. Konntest nicht kämpfen. Nicht einmal vernünftig essen. Du musstest liegen bleiben und warten, bis andere Leute entschieden haben, was dein Körper wieder aushält.“


Der Unmensch schiebt den Unterkiefer vor. Seine Augen wandern für einen Moment zu Rasmus, dann wieder zu Danny.


Danny Rickson: „Und wo war sein Gott?“


Rasmus macht einen Schritt auf Rickson zu. Danny zieht Robert enger an sich. Der Junge schaut zu seinem Vater hoch. Dessen Aufmerksamkeit bleibt bei Burch.


Danny Rickson: „Warum hat er dich dort leiden lassen? Warum durfte diese Schwäche immer weiter in dich hineinkriechen? Wenn er dich so liebt, hätte er dir doch helfen können. Doch alles, was er dir gab, war eine alberne Kette. Dann ließ er dich monatelang warten. Du kehrtest allein zurück. Ohne Shelly Nafe, ohne Halt, ohne Richtung.“

Rasmus Rantanen: „Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst.“

Danny Rickson: „Vielleicht musste er dich erst schwach genug machen, Iray. Damit Rasmus dich zähmen kann.“


Burch dreht langsam den Kopf. Sein Starren in Richtung Rantanen wird durchdringender. Rickson sieht es. Er redet weiter. Das ist sein Spiel. Und er spielt es gut.


Danny Rickson: „Ein Kreuz um den Hals. Ein paar freundliche Worte. Und schon bleibst du stehen, wenn er die Hand hebt. Schau dich an, Iray. Aus dem Monster ist ein Schoßhund geworden.“


Burch schüttelt den Kopf. Es wirkt so, als wolle er viel mehr abschütteln. All die Worte, die aus Ricksons Mund in seine Ohren treten.


Danny Rickson: „Dann frag ihn, warum er dir nicht zutraut, gegen uns drei zu bestehen. Ihr seid keine gleichberechtigten Jäger. Er bestimmt, wann du beißen darfst. Dein Platz ist zu seinen Füßen. Du bist der Hund bei dieser Jagd.“


Burch wendet sich Rasmus zu. Die Wut ist noch immer da. Nur ihr Ziel scheint für einen Augenblick nicht mehr eindeutig.


Rasmus Rantanen: „Er versucht, dich gegen mich aufzubringen.“

Iray Burch: „Bin ich dein Hund?“

Rasmus Rantanen: „Du weißt, warum ich hier bin. Ich habe dir meine Hand angeboten. Er hat dich ins Krankenhaus gebracht.“


Burch schaut auf das Kreuz in Rasmus’ Hand. Dann auf dessen Gesicht. Der Kieler will weitersprechen, doch Iray dreht sich bereits wieder zu Rickson.


Iray Burch: „Also gut. Alle drei.“

Rasmus Rantanen: „Iray!“

Iray Burch: „Bei Blue Blood. Du. Und die beiden.“


Er deutet auf Jake und den Transporter. Rasmus presst die Lippen zusammen. Seine Finger schließen sich fester um die Kette.


Danny Rickson: „Dann sind wir uns einig. Zwei gegen drei. Du hast doch nichts gegen dieses Abkommen, Rasmus, oder?“


Der Kieler beißt sich auf die Lippe.


Danny Rickson: „Gut.“


Er klopft seinem Sohn auf die Schulter. So als wolle er ihm sagen: So macht man es. Merke es dir und lerne.


Danny Rickson: „Und jetzt, wo das geklärt ist, habe ich ein kleines Geschenk für euch.“


Er schnippt mit den Fingern.


Hinter Rasmus knirscht eine Schuhsohle.


Der Kieler dreht sich herum und bekommt bereits einen Unterarm gegen den Hals. Die Sicherheitsmänner kommen zwischen den Transportern hervor. Ein Angriff im Rücken!

Einer packt Rasmus von hinten, ein anderer schlägt ihm in den Bauch. Drei weitere stürzen sich auf Burch.


Rickson ist sofort in Bewegung.


Danny Rickson: „Robert. Hilf mir.“


Während die Security den Angriff koordiniert, greift Danny Jake unter einen Arm. Sein Sohn nimmt den anderen. Gemeinsam ziehen sie ihn hoch und schleppen ihn aus der unmittelbaren Reichweite der Prügelei. Jake kann kaum auftreten. Schlamm tropft von seinem Gesicht auf Roberts Ärmel.


Hinter ihnen kracht ein Sicherheitsmann gegen die Seitenwand des Transporters. Burch hat ihn abgeschüttelt. Einen zweiten packt er am Kragen und schleudert ihn gegen den Kollegen, der gerade erneut auf ihn zulaufen will. Rasmus rammt seinem Angreifer den Ellenbogen ins Gesicht und befreit sich.


Danny drängt Jake zum Festungseingang. Dann zurück zum Wagen. Der Sohn öffnet die Beifahrertür. Zick kippt ihnen entgegen, blinzelt benommen und versucht etwas zu sagen. Es bleibt bei einem Stöhnen. Danny zerrt ihn vom Sitz, sein Sohn fängt dessen Schulter ab. Gemeinsam bringen sie ihn auf die Beine.


Rasmus sieht sie. Er will hinterher, doch ein Sicherheitsmann klammert sich um seine Hüfte. Der Kieler schlägt auf dessen Rücken ein. Neben ihm geht der große, dicke Mann vor Burch zu Boden. Der Unbeherrschte vom Celo-Match. Diesmal hält er selbst die Hände vors Gesicht.


Als Rasmus sich endgültig losreißt, ist der Eingang leer. Danny, Robert, Jake und Zick sind in den Katakomben verschwunden. Zurück bleiben die offenen Türen des Transporters, mehrere Männer im Schlamm und zwei Jäger, die bis Blue Blood warten müssen.



Sven: „Neeiiiiiin! Tu das nicht, Pete.“


Pete hat noch gar nichts gesagt. Er hat lediglich sein Headset abgenommen und die Jacke glattgestrichen. Doch offenbar reicht das seinem Kollegen, um die Situation zu erfassen.


Sven: „Setz dich wieder hin.“


Pete erhebt sich.


Sven: „Pete. Ich meine das ernst. Wir haben eine Show zu kommentieren und niemand will hören, was auch immer du vor hast. Setzt dich wieder hin. Sofort.“


Der Angesprochene hebt den Zeigefinger. Einen Moment, soll das wohl heißen.


Sven: „Du hast den ganzen Abend auf dein Handy geglotzt. Wenn jetzt das kommt, was ich denke, dann…“


Pete geht.


Sven: „…ja. Natürlich. Geh ruhig. Scheiß auf deinen Arbeitsplatz.“


Entschlossenen Schrittes steuert der Kommentator auf den Ring zu. Unterwegs lässt er sich ein Mikrofon geben. Dann nimmt er die Ringtreppe, streift beim Einstieg etwas ungeschickt mit dem Hosenbein über das mittlere Seil und steht schließlich dort, wo er sonst nur hinschaut.

In der Ringmitte. Mit einem Lächeln, das Großes verspricht.


Sven: „Ich entschuldige mich vorsorglich bei allen Fans und der Menschheit, dass ihr ertragen müsst, was jetzt kommt.“


Dem Mann auf der Matte ist die Nörgelei vom Kollegen herzlich egal. Er grinst wie ein Honigkuchenpferd.


Pete: „Liebe GFCW-Galaxy! Ich darf euch heute ein Match präsentieren, das es in dieser Form noch NIE gegeben hat!“


Vereinzelter Applaus. Überwiegend abwartende Gesichter. Dass Pete persönlich im Ring steht, gehört zumindest nicht zum üblichen Ablauf.


Pete: „Doch dafür brauche ich zunächst jemanden hier bei mir. Einen jungen Mann, an den ich fest glaube. Einen Kämpfer, der heute die Gelegenheit bekommt, ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen. MEIN EIGEN FLEISCH UND BLUT! MEIN GELIEBTER SOHN! Jona! Komm zu mir!“


Svens genervtes Stöhnen wird vom Ertönen einer Musik überrollt. Und zwar die Musik, die vor zwei Wochen auch bei Monicas Open Challenge erklangt. Soll heißen: Pex erscheint auf der Stage.

Ohne große Geste. Ohne große Freude. Er bleibt kurz stehen und schaut zu seinem Vater hinüber, als hoffe er, das Ganze noch aus der Entfernung absagen zu können.

Doch Pete winkt ihn heran.

Ein paar Fans klatschen. Einer ruft seinen Namen. Andere nutzen die Gelegenheit, um den Füllstand ihrer Bierbecher zu prüfen und zu checken, ob die Toilette grad frei ist. Es ist eine Reaktion, die Pex nicht gerade auf dem Weg zum Ring beflügelt. Er schlendert die Rampe herunter und steigt durch die Seile.

Sofort schließt Pete ihn in die Arme. Herzlich. Fest. Ein wenig zu lange. Pex klopft ihm zweimal auf den Rücken. Beim dritten Mal steckt schon eine Bitte um Freilassung darin. Mit einem bedauernden Lächeln lässt Pete los.

Pete greift seinen Sohn an der Schulter und dreht ihn zur Stage. Pex lässt es mit sich geschehen. Seine Hände hängen neben dem Körper.


Pete: „Für einen besonderen Wrestler braucht es einen besonderen Gegner. Und deshalb habe ich keine Mühen gescheut, euch heute einen Mann nach Koblenz zu holen, dessen Erfolge für sich sprechen!“


Pex dreht langsam den Kopf.


Pete: „Eine lebende Legende.“


Ein Raunen geht durch die Reihen.


Pete: „Einen MEHRFACHEN World Champion!“


Jetzt werden Köpfe gereckt. Gespräche verstummen. Auf der Stage passiert noch nichts, aber plötzlich wollen alle freie Sicht haben.

Auch Pex.

Allerdings aus anderen Gründen. Er wirkt plötzlich noch verunsichertes, wenn das irgendwie geht. Soll das etwa der Aufbaugegner sein?


Jona Pexianer: „Papa?“


Der zögerliche Zwischenruf des Sohns wird ignoriert. Pete nimmt seine beste Zirkusdirektoren-Rolle ein und dreht die Stimme auf Hype-Maximum.


Pete: „Einen Mann, dessen Name weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus Ehrfurcht auslöst. Der im Wrestling nicht weniger als HEILIGENSTATUS genießt!“


Jubel brandet auf. Erste Namen werden gerufen. Große Namen. Mit jedem davon verliert Pex ein wenig Farbe.


Jona Pexianer: „Papa, was hast du gemacht?“


Pete drückt seine Schulter. Vertrau mir.


Pete: „Einen Mann, der die Wrestlingwelt nicht nur geprägt hat, sondern sie GERADE JETZT dominiert! Der zum heutigen Zeitpunkt SECHS World Titles hält!“


Die Zahl schlägt ein.

Sechs? Sechs World Title?


Pete: „GLEICHZEITIG!“


Sechs?!


Pete: „In SECHS VERSCHIEDENEN LIGEN AUS SECHS VERSCHIEDENEN LÄNDERN!“


Pex löst sich unter dem Arm seines Vaters hervor.


Jona Pexianer: „Dad! Willst du mich demütigen!?“


Doch Pete hört schon nicht mehr zu. Er deutet mit ausgestrecktem Arm zur Stage. Seine Stimme überschlägt sich beinahe.


Pete: „Hier kommst der dickste Fisch, der je für einen Gastauftritt in die GFCW gekommen ist. Er ist eine Ikone im Wrestling, ein Außerirdischer geradezu. Aus Brasiliieeeeeeeen!“


Der Tonfall wird geradezu orgasmisch leidenschaftlich. Pex wirkt nur noch wie ein Häufchen Elend. Auch die Fans halten es nicht mehr aus. Einige stehen mit offenem Mund da, andere beginnen vor Aufregung zu tanzen.


Pete: „Es ist der BESTE LEBENDE WRESTLER! Der Heilige Bison! Der unvergleichliche! Der unaufhaltsame! BISONTEEEEE…DIVINOOOOOO!“



Wer?


Die eben noch erhobenen Hände sinken stellenweise wieder herunter.

Dann ertönt ein Chor.

Ein gewaltiger Chor. Stimmen voller Andacht, die den Eindruck erwecken, als würde gleich jemand vom Himmel herabsteigen, um die Menschheit zu erlösen.

Auf der Leinwand erscheint ein goldener Bison.

Er dreht sich.

Hinter ihm dreht sich eine Weltkugel.

Um die Weltkugel drehen sich sechs weitere, kleinere Bisons.


Sven: „Was zur Hölle ist das?“


Ein dumpfer Trommelschlag.

Nebel quillt über die Stage. Viel Nebel. Genug, um den ersten Auftritt des angekündigten Weltstars vollständig zu verschlucken.

Man sieht zunächst nur eine Hand. Sie winkt den Nebel weg. Dann setzt ein Sambabeat ein. Der Chor singt weiter. Offenbar konnte man sich nicht entscheiden.

Was dem Auftritt noch fehlt, ist eine Spur Sexyness. Und auch dieser Wunsch wird erfüllt: Sechs Cheerleaderinnen tanzen auf die Stage. Gelbe Tops, grüne Röcke, blaue Schleifen. Die Farben Brasiliens. Jede trägt einen goldglänzenden Titelgürtel, den sie mit beiden Händen über den Kopf hebt. Da sind sie: Die SECHS World Titel, die gleichzeitig gehalten werden von diesem gottgleichen Wrestler.

Die Cheerleaderinnen tanzen zur Seite. Und zwischen ihnen erscheint…

das Bison.

Bisonte Divino trägt eine braune Bisonmaske mit breiter Schnauze, schwarzen Knopfaugen und zwei ausladenden Hörnern. Um seine Schultern liegt ein weißer Umhang, dessen goldener Kragen bis auf Höhe der Ohren reicht. Darunter funkelt ein grüner Einteiler. Goldene Fransen hängen an seinen Oberarmen, an seinen Stiefeln und an Stellen, an denen Fransen keinen erkennbaren Zweck erfüllen.

Über seinem Kopf wippt ein Heiligenschein.

An einem dünnen Draht.


Sven: „ICH HABE DIESEN MANN NOCH NIE IN MEINEM LEBEN GESEHEN!“


Das Bison beginnt zu tanzen. Pete applaudiert.

Die Cheerleaderinnen kreisen um den Brasilianer. Er hebt die Arme, lässt die Hüften kreisen und macht drei kleine Schritte zur Seite. Der Umhang bleibt unter seinem Absatz hängen. Ein kurzer Ruck. Dann ist er wieder frei.

Die Würde des Auftritts leidet nicht darunter. Dafür müsste sie vorhanden sein.

Im Publikum werden fragende Blicke ausgetauscht. Ein Fan tippt hastig auf seinem Handy. Sein Nachbar beugt sich über den Bildschirm.

Er zuckt mit den Schultern.


Sven: „SECHS WORLD TITLES? WO DENN?“

Pete: „In sechs Ligen, Sven! Hör doch zu!“


Der Kommentator am Pult steht halb auf.


Sven: „WELCHE LIGEN? WELCHE LÄNDER?“


Doch Pete wendet sich bereits wieder seinem Sohn zu.

Bisonte Divino setzt sich in Bewegung. Die Cheerleaderinnen begleiten ihn hüpfend, die sechs Titelplatten blitzen im Scheinwerferlicht.

Der Brasilianer steigt in den Ring. Zwei seiner Begleiterinnen nehmen ihm den Umhang ab, die übrigen präsentieren ihre Gürtel an den Seilen. Bisonte dreht sich einmal um die eigene Achse. Schüttelt die Schultern. Die Fransen zittern nach.

Pete strahlt.


Pete: „Bisonte Divino! Es ist uns eine außerordentliche…“


Eine behaarte Hand reißt ihm das Mikrofon weg. Der HEILIGE BISON hat etwas zu sagen. Er deutet auf Pex, der vor Schreck zusammenzuckt, als hätte man ihn gepeitscht.

Als das Bison spricht, ist es die tiefste Stimme der Welt.


Bisonte Divino: „PEX! EU VOU TE DESTRUIR! VOU TE FAZER EM PEDAÇOS!“


Die Schnauze zeigt direkt auf Jona.

Dieser weicht einen halben Schritt zurück. Er hat zwar nicht verstanden, was gesagt wurde, aber die Stimme war auch so krass genug.


Bisonte Divino: „ICH WERDE DICH ZERREISSEN! HÖRST DU? ZERREISSEN!“


Er stampft mit dem Fuß auf. Die Matte wackelt.

Der Heiligenschein hüpft. Hinter ihm strecken die sechs lächelnden Frauen sechs World Titles in die Luft.

Pex schaut zum Bison. Zu den Gürteln. Zu seinem Vater.


Pete: „Eine Riesenchance, Jona.“

Sven: „ICH FINDE NICHT MAL EINEN WIKIPEDIA-EINTRAG!“


Pete klopft seinem Sohn auf den Rücken.


Pete: „Jetzt kommt dein Durchbruch, Sohn.“


Singles Match:
Bisonte Divino vs. Jona Pexianer
Referee: Guido Sandmann

Bisonte Divino nimmt seinen Heiligenschein ab.

Eine der Cheerleaderinnen nimmt ihn entgegen und drückt das Objekt an ihre Brust, wirkt ergriffen. Der World Title, den sie ebenfalls noch trägt, rutscht dabei fast von ihrer Schulter.


Sven: „Sechs World Titles und kein Wikipedia-Eintrag? ERKLÄRE DAS, PETE!“

Pete: „Konzentrieren wir uns bitte auf das Sportliche.“

Sven: „Wann kommt das?“


Im Ring zupft Pex an seinem Handgelenkschoner. Sein Gegner scharrt mit dem Stiefel über die Matte.

Einmal.

Zweimal.

Pex schaut zum Ringrichter Guido Sandmann. Dieser prüft noch kurz, ob beide Männer bereit sind. Beim Brasilianer bekommt er ein wuchtiges Nicken. Bei Jona ein kleines Schulterzucken.


DING DING DING!


Sofort beginnen die Cheerleaderinnen zu klatschen und zu kreischen. Die sechs Titelgürtel liegen inzwischen sorgfältig nebeneinander am Boden. Die Adeptinnen feuern den Heiligen Bison mit einem einstudierten Sprechgesang an.

Bisonte hebt beide Arme. Pex ebenfalls. Dann treffen sie sich zum Lock-up. Ein erster Kraftvergleich. Die Stiefel quietschen über die Matte, Schultern werden gegeneinandergestemmt. Pex drückt nach vorn. Bisonte hält dagegen, verliert einen Schritt, gewinnt ihn zurück und schiebt den jungen Mann schließlich bis in die Seile. Der Ringrichter verlangt die Trennung.

Bisonte löst den Griff. Und klopft Pex auf den Kopf.


Sven: „Na. Zumindest weiß er, wer hier das Kind ist.“

Pete: „Jona hat ihn erstmal kommen lassen. Sehr überlegt. UNGLAUBLICH GUT GEMACHT VON MEINEM SOHN.“


Pex findet das Tätscheln weniger lustig. Er wischt die Hand weg und tritt aus den Seilen. Bisonte breitet die Arme aus. Eine Einladung, es nochmal zu versuchen.

Diesmal greift Pex nach dem Handgelenk.

Er dreht sich unter dem Arm seines Gegners hindurch, zieht ihn lang und setzt einen Wristlock an. Bisonte geht ein wenig in die Knie.


Pete: „JA! Sehr schön! Genau so!“

Sven: „Es ist einfach nur ein Wristlock, Pete.“

Pete: „Ein sauberer Wristlock.“


Der Brasilianer rollt vorwärts. Kommt wieder auf die Füße und dreht seinerseits den Arm des Gegners ein. Pex verzieht das Gesicht. Er schlägt mit der freien Hand gegen seine Schulter, sucht nach einem Ausweg.

Dann zieht er Bisonte zu sich heran. Side Headlock. Pete klatscht mit der flachen Hand auf das Pult.


Pete: „WIEDER gekontert! Er hat auf alles eine Antwort!“


Eine Antwort, die Bisonte kurz darauf in die Seile schickt. Pex federt zurück und trifft mit der Schulter auf die Brust des Heiligen Bisons. Beide bleiben stehen.

Dann lässt der Brasilianer die Schultern kreisen. Seine goldenen Fransen zittern. Eine eindeutige Aufforderung.

Pex nimmt erneut Anlauf. Diesmal setzt Bisonte selbst einen Schritt nach vorn und rammt ihm die Schulter entgegen. Jona landet auf dem Rücken.

Die Cheerleaderinnen jubeln.


Pete: „Ein kleiner Rückschlag.“


Pex rollt sich auf die Seite. Er kommt auf ein Knie, während Bisonte vor ihm die Arme anwinkelt und seinen Bizeps präsentiert. Dass der unter den Fransen kaum zu sehen ist, schmälert die Begeisterung seiner Begleiterinnen nicht. Sie kreischen und tanzen.

Jona richtet sich auf.

Bisonte dreht sich wieder zu ihm. Und fängt sich einen Dropkick. Diesmal fällt auch der Brasilianer. Unter seinem Leib wackelt die Matte.


Pete: „DA IST DIE ANTWORT!“


Pex sitzt nach der Landung auf der Matte und schaut für einen kurzen Moment überrascht zu seinem Gegner. Als hätte er selbst nicht ganz damit gerechnet. Er hat einen SECHSFACHEN WORLD CHAMPION zu Fall gebracht!!!

Dann fällt ihm ein, was man in dieser Situation tun könnte.


Cover.

EINS!

Bisonte stößt ihn von sich.


Pete: „Der erste Nearfall!“

Sven: „Es war ein One-Count.“

Pete: „Er setzt ihn unter Druck!“


Das versucht Pex tatsächlich. Er bleibt an seinem Gegner, zieht ihn am Arm nach oben und befördert ihn in die Ringecke. Ein kurzer Blick. Dann läuft er hinterher.

Zu spät.

Bisonte zieht die Beine hoch. Pex rennt in die Stiefel, taumelt zurück und bekommt direkt darauf einen Unterarm gegen die Brust. Ein zweiter folgt. Der Heilige Bison packt ihn um den Oberkörper.

Bodyslam.

Pex schlägt auf der Matte auf. Diesmal ist der Blick zur Decke unfreiwillig.

Sven schaut neben sich. Pete sagt nichts.

Bisonte tänzelt um seinen liegenden Gegner herum. Zwei Schritte nach links, ein Hüftschwung nach rechts. Draußen nehmen seine Begleiterinnen die Bewegung sofort auf. Dann springt er ab.

Elbow Drop.

Getroffen. Jetzt covert der Brasilianer.

EINS!

ZWEI!

Pex reißt die Schulter hoch.


Pete: „JA!“


Mehrere Zuschauer in unmittelbarer Nähe des Pults zucken zusammen.


Sven: „Kannst du bitte wie ein halbwegs zivilisierter Mensch ins Mikrofon sprechen und nicht versuchen, es aufzuessen?“


Pete schiebt das Headset ein Stück zurecht. Seine Augen bleiben auf den Ring gerichtet.

Bisonte setzt nach. Er bringt Pex in eine sitzende Position und legt ihm den Arm um das Kinn. Zieht nach hinten. Jona greift sofort nach dem Unterarm, während der Brasilianer sein Gewicht in dessen Rücken verlagert.

Der Heilige Bison nickt zufrieden. Pex eher nicht. Er streckt einen Fuß aus. Die Seile sind zu weit weg. Also muss er anders hier raus. Langsam schiebt er ein Knie unter den Körper. Bisonte zieht fester zu, doch Pex arbeitet sich weiter hoch. Erst auf ein Bein. Dann auf beide.

Ein Ellenbogen in den Bauch.

Noch einer. Der Griff lockert sich.

Pete steht jetzt. Ein dritter Ellenbogen schafft Platz. Pex befreit sich, läuft in die Seile und kommt zurück.

Bisonte holt aus.

Jona taucht unter dem Arm hinweg.

Noch einmal in die Seile.

BODYCHECK!

Beide Männer gehen zu Boden. Diesmal kommt der Jubel nicht nur vom Kommentatorenpult. Ein paar Fans stehen auf. Andere klatschen Pex nach oben. Und er hört es. Auf allen vieren hebt er den Kopf. Schaut in die Reihen. Dann zum Gegner, der sich neben ihm auf die Knie stemmt.

Pex ist zuerst auf den Beinen.

Ein Schlag gegen die Brust des Brasilianers. Noch einer. Bisonte weicht zurück, versucht selbst zuzuschlagen, doch Jona blockt den Arm und greift nach seinem Handgelenk.

Whip-in.

Nein.

Bisonte dreht die Bewegung um und schickt Pex auf die Reise. Der kommt aus den Seilen zurück, sieht den vorgebeugten Gegner und bremst gerade noch ab.

Ein Tritt gegen die Brust richtet den Bison auf.

Pex rennt zurück in die Seile, nimmt zweites Mal Schwung auf…

holt aus.

LARIAT!

Der Arm trifft den Brasilianer quer über die Brust und reißt ihn von den Füßen. Bisonte landet hart auf dem Rücken. Die Hörner seiner Maske wippen nach.

Pex fällt auf die Knie. Sieht ihn liegen.

Und wirft sich auf ihn.

EINS!

Die Cheerleaderinnen halten die Hände vor den Mund.

ZWEI!

DREI!

DING DING DING!


Sieger des Matches durch Pinfall: Jona Pexianer!




Pete: „JAAAAAAAA!“


Pex lässt das Bein los. Er rollt vom Brasilianer herunter und bleibt sitzen. Die Hände auf der Matte. Der Mund offen.

Sein Blick wandert zum Ringrichter.

Der nickt.

Pex schaut zu Bisonte Divino. Der liegt noch immer. Dann wieder zum Ringrichter.

Ja. Wirklich.

Er hat es geschafft.

Sieger des Matches durch Pinfall: Pex!

Der junge Mann fährt sich über den Mund. Sein Brustkorb hebt und senkt sich. Er scheint etwas sagen zu wollen, bringt aber keinen Ton hervor.

Dafür werden andere laut.

Ein Schluchzen am Ringrand.

Dann noch eines.

Die Cheerleaderinnen weinen. Alle sechs.

Eine sinkt neben den Titelgürteln auf die Knie. Eine andere schlägt die Hände vors Gesicht. Zwei liegen sich in den Armen und betrachten den gefallenen Bison mit einem Entsetzen, das sportliche Niederlagen gewöhnlich nicht auslösen.


Sven: „Es geht ihm gut. Er atmet. Falls das jemanden interessiert.“


Bisonte dreht sich mühsam auf den Bauch. Die Frauen steigen in den Ring.

Doch statt ihrem Champion aufzuhelfen, versammeln sie sich vor Pex.

Und werfen sich zu seinen Füßen.

Stirnen berühren die Matte. Hände werden nach ihm ausgestreckt. Jona zieht erschrocken die Beine an.


Jona Pexianer: „Ihr müsst das nicht tun…“


Sie tun es trotzdem.

Dann erheben sie sich und wenden sich ihrem Bison zu. Dieser sitzt inzwischen zusammengesunken an den Seilen. Die breite Schnauze zeigt auf seinen Bauch. Eine Cheerleaderin streicht ihm über die Hörner.

Gemeinsam helfen sie ihm aus dem Ring. Die Gürtel werden eingesammelt, der Umhang um seine Schultern gelegt. Bisonte lässt alles mit sich geschehen.

Ein gebrochener Mann.

Mit sechs World Titles auf dem Heimweg.


Sven: „Und damit endet offenbar eine Weltordnung, von der wir vor zehn Minuten erfahren haben.“


Neben ihm fällt ein Headset auf den Tisch. Pete ist unterwegs.

Er schnappt sich das Mikrofon, steigt in den Ring und zieht seinen Sohn auf die Füße. Noch bevor Pex richtig steht, wird er umarmt.


Pete: „DU HAST ES GESCHAFFT!“


Direkt ins Mikrofon. Direkt neben Jonas Ohr.

Pete löst sich, greift nach dem Handgelenk seines Sohnes und reißt dessen Arm in die Höhe.


Pete: „Eine lebende Legende! Ein sechsfach amtierender World Champion! BESIEGT! Mitten in diesem Ring!“


Pex schaut auf seinen erhobenen Arm. Dann ins Publikum, wo tatsächlich für ihn applaudiert wird.

Langsam bildet sich ein Lächeln.

Ein unsicheres. Aber es wächst.


Pete: „Das ist dein Durchbruch, Jona! Endlich! Ich hab es dir gesagt! Ich hab IMMER an dich geglaubt!“


Wieder fällt er seinem Sohn um den Hals. Diesmal erwidert Pex die Umarmung. Über dessen Schulter hinweg ballt Pete die Faust zur Kamera.


Pete: „DAS IST ERST DER ANFANG!“


Sven sitzt allein am Pult.


Sven: „Genau das befürchte ich.“



In Gedanken versunken sitzt Zereo Killer, der letzte Show eine tolle schauspielerische Leistung unter Beweis gestellt hat, auf einen Klappstuhl. Dank des Open Air Spektakels kann man die Crowd viel besser und lauter hören. ZK ist bereits in seinem Wrestlingoutfit, die grün-blaue Variante, mit der dazu passenden Gesichtsbemalung. Er legt die Hände in den Schoß, blickt auf den hellen, von Sonnstrahlen durchtränkten Boden und scheint in Gedanken versunken zu sein.


Plötzlich hört er Schritte, die immer ein bisschen lauter werden. Jemand kommt auf den Kalifornier zu, der es heute Abend mit einem Mitglied der Apocrypha zu tun bekommt.


Zereo Killer: „Heute Abend… habe ich viel Verantwortung… und dann ist‘s damit eigentlich noch nicht getan, wenn ich gewonnen habe… denn…“


Ja, wir alle kennen seinen Plan. Genau deshalb sind es auch die amtierenden GFCW Tag Team Champions, die den Weg des Mannes der tausend Gesichtsbemalungen kreuzen. MacKenzie blickt auf und sieht Stella Nova und Mad Dog. Mr. #IASH erhebt sich von seiner Sitzgelegenheit, schaut den Champs in die Augen.


Zereo Killer: „Mad Stars…“


Er ist erfreut, die Beiden zu sehen, dass es ihnen – hoffentlich – gut geht. Daher auch die logische Frage.


Zereo Killer: „Ihr seid Champions geblieben, Gott sei Dank. Dennoch ist das Ergebnis zur erfolgreichen Verteidigung anders ausgegangen als erwartet und erhofft, würde ich mal annehmen.“


Ohne etwas darauf zu antworten, blicken sie Mike an. Ja, das war kein schönes Finish.


Zereo Killer: „Ich hoffe, dass es euch halbwegs gut geht. Ich kenn es, wie es ist von Apocrypha zugerichtet zu werden… aber ihr musstet mindestens genauso viel einstecken.“


Der Night Fighter rückt das Gold auf seiner Schulter zurecht, als wolle er die erfolgreiche Titelverteidigung noch einmal unterstreichen. Doch als durch MacKenzies Worte die Erinnerungen an das Match der letzten War Evening Ausgabe hochkommen, verzeiht sich die Miene des Hundes zu einer bösartigen Fratze, was ebenso die Worte des Zereo Killers zu unterstreichen scheint.


Mad Dog: „Yeah, wir wollten Titan & Tha Bomb im Ring besiegen und ihnen zeigen, dass wir das bessere Team sind. Es sollte das dritte große Match in Folge werden! Aber haben wir das geschafft?! Nein! Die halbe GFCW stand am Rand, konnte aber doch nicht verhindern, dass es wieder so lief, wie Apocrypha es wollten. Und auch wenn ihr Bestreben lieber auf DQ statt auf den eigenen Sieg zu gehen, nicht wirklich für ihr Interesse am Titelgold spricht, kann ich diesen Ausgang nicht so stehen lassen! Sie wollen uns fertig machen? Durch Tische schmeißen? Weich kriegen!? No Way! Wir werden erneut gegen sie antreten und ihnen heimzahlen, nun schon zum zweiten Mal ihre verfickten Spielchen mit uns abgezogen zu haben.“


Kurz geht der Blick zu Stella Nova, die mit ihrer Reaktion ebenso ein Rematch zu fokussieren scheint. Dann aber wandert der Blick wieder zu Zereo Killer.


Mad Dog: „Aber heute bist erstmal du an der Reihe, huh?!“


Stella nickt knapp, während sie Zereo Killer mustert. Dann nickt die Stellare mit den massiven schwarz-orangenen Flechten erneut, dieses Mal anerkennend.


Stella Nova: „Ja, das ist er. Und er hat sich unsere Unterstützung verdient. Zwar weiß ich nicht, ob er uns nun zum wiederholten Mal aus Herzensgüte aus der Patsche geholfen hat oder aus purer Berechnung, auf dass wir uns einem gemeinsamen Kampf kaum verweigern können ohne als undankbar zu erscheinen… FAKT ist, dass er uns geholfen hat und ich nur ungern in der Schuld von jemand anderem verbleibe. Insbesondere in der Schuld eines Rivalen.“


Die linke Hand der Doppel-Titelträgerin fährt zur Denkerpose an ihr Kinn.


Stella Nova: „Ich gebe zu, dass es mich durchaus interessiert hätte, wen er aus dem Hut gezaubert hätte, wenn wir ihm nun unsere Unterstützung verweigert hätten. Hätte, hätte… aber auch als Trio sind wir per Definition nur zu dritt und wenn du heute verlierst, Herr Killer, dann wird es eng für das Match gegen Apocrypha, haben doch gar viele andere, die theoretisch als Partner in Frage kämen, bei Blue Blood bereits andere Pläne. Inklusive Kyle Douglas, zu meiner zugegebenermaßen nicht geringen Irritation.“


Sie schüttelt wie zur Kommentierung dieses Umstands den Kopf.


Stella Nova: „Die feige Miria Saionji brauchen wir wohl kaum fragen, wenn wir eine Chance auf den Sieg haben wollen. Und für einen Besuch auf der Insel von Ask Skógur ist die Zeit etwas knapp, so wir ihn denn überhaupt finden würden und er überhaupt bereit wäre zu helfen. Ich habe das dumpfe Gefühl diese ganze Heldennummer sorgt dafür, dass uns selbst als Trio ein verdammtes Handicap Match blühen könnte.“


Ihr Ton ist Ernst, doch dann kommt ein Zwinkern mit Lächeln vom Leitstern des Professional Wrestling.


Stella Nova: „Mad Dog und ich haben aber eine gewisse Historie auch ein Handicap Match gewinnen zu können, von daher wäre auch das nicht gänzlich aussichtslos. Vorausgesetzt natürlich, dass wir überhaupt ein Trio bilden dürfen. Herr Killer… dir ist schon klar, dass dir ein absurdes Handicap Match blühen könnte, wenn das GFCW Office plötzlich darauf bestehen sollte, dass es bei Blue Blood ein reguläres Tag Team Match um den Tag Team Titel zu geben hat, ja? So unwahrscheinlich das auch sein mag.“


Der Night Fighter nickt nach den Worten seiner Partnerin und macht dann einen Schritt auf Zereo Killer zu.


Mad Dog: „Sofern wir gemeinsam am Apron stehen, wird es schließlich davon abhängen, wie gut wir harmonieren können, huh?! Wir beide. Im Ring muss man sich auf den anderen verlassen können – gerade gegen the Apocrypha. Mit Stella habe ich dieses Band geknüpft; wir sind zusammengewachsen… Und wenn wir Drei eine Chance haben wollen, müssen die Alleingänge wie letzte Show abgestellt werden.“


MD fährt mit der Hand vor MacKenzie auf und ab, um zu verdeutlichen, dass er wieder voll bei Kräften war, als er ringside als Lumberjack auftauchte. Die Mad Stars jedoch waren selbst davon ebenso wie T&B im Unklaren gelassen worden.


Mad Dog: „Auch dieser riskante Plan mit dem heutigen Match wäre eine Absprache wert gewesen, huh?!“


Es braucht sehr lange, bis Zereo Killern antwortet, er atmet schwer durch und man sieht ihn deutlich an, was für eine Last auf seinen Schultern liegt. Er blickt die Champions mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck an.


Zereo Killer: „Wir haben eine heftige Vergangenheit, doch die jüngste Vergangenheit zeigt, dass man Seite an Seite kämpfen kann. Wenn ihr mir tatsächlich nicht vertrauen könnt, aufgrund Dinge, die in der Vergangenheit liegen, kann ich es sogar irgendwo nachvollziehen. Immerhin war es für mich auch ein Schritt der Überwindung und ich weiß selbst, wie riskant mein Plan ist. Ich weiß auch genauso, dass ich in einem heftigen Handicap Match beim PPV antreten werden könnte. Ja… davor habe ich tatsächlich ein wenig Angst! Und weil ich es zugeben kann, macht mich das noch stärker für heute!“


Wieder eine kurze Redepause.


Zereo Killer: „Worauf ich definitiv hinaus will… Ihr könnt darauf vertrauen, dass mir das Wohl der Liga am wichtigsten ist! Ich liebe die Fans, ich liebe die GFCW, ich liebe diesen Sport über alles! Ich will die Apocrypha fallen sehen und werde absolut alles dafür geben! Darauf könnt ihr zu 100% vertrauen… egal ob ihr mich mögt oder was weiß ich. Ich werde für alle kämpfen, denen die GFCW am Herzen liegt. Was ihr damit anstellt… das ist eure Sache…“


Double M blickt in die Richtung, in der der Ring steht. Mit einem Fingerzeig deutet er in diese Richtung.


Zereo Killer: „Ich gehe heute da raus, gebe gegen dieses Apocrypha Arschloch mehr als nur mein Bestes und kämpfe für alles, wofür die GFCW steht! Ich werde ihn aus dem PPV Match rausnehmen, egal was es mich kosten wird! Dann gehe ich erhobenen Hauptes zum PPV und nehme mir den Rest der Truppe vor.“


Wieder eine kurze Pause in seinem Monolog, ehe sich die Blicke der drei Beteiligten kreuzen.


Zereo Killer: „Mit euch, ohne euch, egal wie, ich stelle mich der Apocrypha solange ich kann. Ich fühle, dass die GFCW untergehen könnte, wenn diese Sekte so weitermacht wie bisher.“


Er klopft den Champions auf die Schultern.


Zereo Killer: „Denkt dran… eventuell könnte es um mehr gehen als um Titelgold. Die Entscheidung liegt aber bei euch, was ihr machen werdet.“


MacKenzies Worte lassen die Champions nachdenklich zurück, denn er dreht sich um und zieht von dannen. Sie werden gezeigt, wie sie dem davonziehenden Kalifornier noch ein Weilchen hinterherblicken.


Mad Dog: „Er ist vollkommen verbissen…“


Stella stellt sich neben ihren Partner und schaut ihn dabei direkt an.


Stella Nova: „Das bin ich auch. Als Leitstern des Professional Wrestling kann ich es mir nicht bieten lassen von Apocrypha wieder und wieder derart verdroschen zu werden. Es wird Zeit von der Verdroschenen zur Verdrescherin zu werden. Das Extreme mag nicht mein Metier sein, aber diesen wunderbaren Gürtel hier...“


Sie fährt bedächtig über den WFW Temptation Title, den Weltmeistertitel der Frauen in Stellas langjähriger Stammliga.


Stella Nova: „...diesen wunderbaren Gürtel hier habe ich immerhin der gnadenlosen Miu Mitsurugi in einem Falls Count Anywhere Match abgenommen. Eine bessere Vorbereitung hätte ich nicht haben können.“


Demonstrativ tritt sie eine arme, unschuldige Mülltonne, die in der Nähe steht und nun eine Beule hat. Und ob dieser Beule als GFCW Sammlerstück plötzlich einen Haufen Geld wert ist.


Stella Nova: „So wie ich das sehe deckt sich Zereo Killers Ansicht zu Apocrypha und GFCW mit unseren. Vielleicht nicht ganz zu 100% aber doch genug, dass ich uns hier im Großen und Ganzen einer Meinung sehe.“


Kurz atmet MD ein und aus. Nickt dann und legt den Kopf anschließend schief.


Mad Dog: „Yeah… wir sind einer Meinung: Wir wollen alle Apocrypha besiegen und uns an ihnen rächen; dabei wissen wir, dass dies allein nicht funktionieren wird. Und genau das ist mein Problem! Unsere Rachsucht wie unser Siegeswille können nämlich die größten Gegner des gemeinsamen Agierens werden! Tagge ich im richtigen Moment ein oder haue ich ihnen lieber noch einen Forearm in die Fresse und verspiele damit das Momentum? Lass ich mich auf ihre Spielchen ein und renne vom Apron, wo ich dann zum Eintaggen fehle… und so weiter und so weiter.“


Der Hund schaut seine Partnerin eindringlich an.


Mad Dog: „Reichen die gemeinsamen Ziele also?! Nach meinen Erlebnissen bei Forge am Sonntag, wo uns… oder mir… wieder von der vermeintlich zugewandten Seite Misstrauen entgegenschlug, weiß ich’s wirklich nicht mehr…“


Stella verschränkt wie zur Demonstration einer offenen Deckung die Hände hinter dem Rücken.


Stella Nova: „Nun, ob dir das reicht, musst du schon für dich selbst entscheiden, meine werte Töle. Ich kann dir nur sagen, dass es für mich ausreicht. Aber auch wenn wir Partner sind, sind wir doch unsere eigenen Menschen und das beinhaltet, dass wir unterschiedliche Sichtweisen haben dürfen. Sicherlich gibt es Themen, wo wir uns einig sein sollten, wenn nicht einig sein müssen, um als Partner zu funktionieren, aber in diesem konkreten Fall würde ich sagen, dass deine Meinung sehr wohl von meiner abweichen darf. Denn wovon man nicht überzeugt ist, das sollte man auch nicht machen.“


Ihre linke Hand kommt wieder zum Vorschein, um einen bedeutenden Zeigefinger zu heben.


Stella Nova: „Dasselbe gilt allerdings auch für Apocrypha und vielleicht sogar mehr, als es Apocrypha selbst bewusst ist. Sie sind eine Gruppe, die oberflächlich dieselben Überzeugungen teilen, aber im Detail doch ganz unterschiedliche Ansichten haben. Tha Bomb und Titan wirkten so, als ob sie uns gern in einem fairen Zwei gegen Zwei gegenübergestanden wären, aber insbesondere von Thor in dessen Strudel von Kampfführung hineingezogen werden. Odin scheint mit Simmons auch noch ein ganz eigenes Süppchen zu kochen und Simmons ist eh ein Thema für sich. Sein großes Namensschild zum kleinen von Apocrypha spricht Bände, für ihn ist doch Apocrypha nur ein Mittel seine eigenen Ziele zu erreichen.“


Auch Stellas andere Hand kommt hervor, um mit ihren Fingern Anführungszeichen zu setzen.


Stella Nova: „Seine sogenannte „Prüfung“. Hört man ihm zu, sagt er viele Sachen, die eigentlich gar nicht verkehrt klingen, aber dann bedenkt man, vom wem sie kommen und wie sie angewandt werden, und sie sind dann doch nur wohlklingende Worte, die dazu dienen sein eigenes Ego zu befriedigen und seine Weltsicht anderen aufzudrücken. Inklusive Apocrypha selbst. Wenn Teile von Apocrypha darüber sprechen, dass Titel und Kämpfe wieder mehr bedeuten sollten, statt Statistik zu sein, dann ist das ja grundlegend zum Beispiel richtig. Statistisch gesehen haben wir letzte Show gewonnen, aber es fühlt sich wahrlich nicht wie ein Sieg an.“


Für einen kurzen Moment verziehen sich Stellas Mundwinkel zu einer leicht angeekelten Grimasse.


Stella Nova: „Doch an wem liegt es, dass wir gar nicht erst ein vernünftiges Match hatten, wo der Sieg etwas hätte bedeuten können, selbst wenn es ein ehrliches Finish gegeben hätte? An Apocrypha selbst oder zumindest an Teilen von Apocrypha. Hätte Thor gegen die Modern Erasers bei Conquista nicht eingegriffen… hätten sie uns nicht nach unserem Match bei Conquista angegriffen… und sind wir doch mal ehrlich: was gibt es bei uns zu prüfen? Und warum prüfen sie nicht, wie sie es behaupten alle Champions, sondern nur uns und ignorieren The End und Zac Alonso völlig? Was konkret finden sie an Mad Dog angeblich verweichlicht? Sie dreschen Phrasen, doch konkret wissen sie nichts zu benennen und so sind ihre angeblichen Pläne und Prüfungen eigentlich nur Hirngespinste. Erinnert mich an gewisse Politiker. Je früher wir uns diesem Wahnsinn also stellen und ihn aus GFCW wieder entfernen, desto besser.“


Die nachdenkliche Töle lässt die Worte für einen Moment wirken, dann nickt sie und die Kamera fadet aus.



Die Luxembirdies stehen Milly Vermillion, Monica Shade und Zac Alonso gegenüber. Am Apocrypha-Tisch liegt diesmal ein deutlich dickerer Bewertungsbogen.


Der jüngere Prüfer blättert.

Und blättert.

Und blättert.


Jüngerer Prüfer: „Sechs Teilnehmer.“

Älterer Prüfer: „Korrekt.“

Jüngerer Prüfer: „Das sind sehr viele Kriterien.“


Der Ältere blickt zum Ring.


Älterer Prüfer: „Dann hoffen wir für die Beteiligten, dass sie nicht sehr viele Fehler machen.“


Der Jüngere nimmt seinen Stift.


Ringglocke.