Koblenz von oben.

Die Sonne glitzert auf dem Rhein. Am Ufer schlendern die ersten Spaziergänger entlang, während sich eine Seilbahnkabine über das Wasser hinweg in Richtung Festung Ehrenbreitstein bewegt. Natürlich gibt es hier in Koblenz eine Gartenschau, schließlich war die Stadt einst Standort der Bundesgartenschau. Und BuGa und Seilbahn gehören zusammen wie Spawn und Übernahmeversuche.

Ein Blick auf die Festung Ehrenbreitstein. Dort, wo am Abend die GFCW ihre Zelte aufschlägt, wird bereits gearbeitet. Noch aber ist War Evening weit weg. Hier oben hört man nur das gleichmäßige Surren der Seilbahn.

Und ein Seufzen. Ein langes, schweres Seufzen, für das Jona Pexianer erstaunlich viel Luft übrig hat, wenn man bedenkt, wie zusammengesunken er auf der Sitzbank hockt.


Pete: „Es ist wirklich schön hier! Guck mal da runter.“


Pex guckt nicht.


Pete: „Das Deutsche Eck. Und heute Abend Wrestling auf der Festung. Sowas erlebt man nicht alle Tage.“


Der Vater nimmt einen Schluck Kaffee. Über den Becherrand hinweg mustert er seinen Sohn.


Pete: „Was ist denn los?“


Pex hebt den Kopf. Sein Blick verrät, dass er diese Frage für unnötig hält. Pete dürfte als einer der wenigen Menschen, die beim letzten War Evening beruflich zum Zuschauen verpflichtet waren, ziemlich genau wissen, was los ist.


Jona Pexianer: „Was wohl?“

Pete: „Monica?“


Ein Nicken. Mit den Fingern verdreht er den Riemen seiner Tasche.


Pete: „Es war dein erstes Match nach deiner Rückkehr. Da kann noch nicht alles funktionieren.“

Jona Pexianer: „Vor meiner Rückkehr hat es auch nicht funktioniert.“

Pete: „Du musst wieder reinkommen.“

Jona Pexianer: „Wohin denn reinkommen? Ins Verlieren? Da war ich sofort wieder drin.“


Der Kommentator öffnet den Mund. Aber sagt dann doch nichts. Ein Gegenargument liegt offenbar nicht griffbereit. Draußen gleitet eine Kabine in die andere Richtung an ihnen vorbei. Ein Kind drückt die Nase gegen die Scheibe und winkt. Pete hebt automatisch die Hand. Pex schaut auf seine Schuhe.


Jona Pexianer: „Beim Training hab ich gedacht, diesmal wird’s anders. Ich komme raus, die Musik läuft, die Leute sehen mich wieder…und dann zeige ich denen, dass sich das Warten gelohnt hat. Und dann war es die gleiche Scheiße wie immer!“

Pete: „Habe Geduld Der Erfolg kommt schon noch.“

Jona Pexianer: „Das sagst du immer.“

Pete: „Weil es stimmt.“

Jona Pexianer: „Bis jetzt stimmt nur, dass du es immer sagst.“


Wieder landet der Blick des Vaters kurz draußen. Auf dem Rhein zieht ein Schiff seine Bahn. Es hat ein klares Ziel und kommt erkennbar voran. Pete dürfte es gerade beneiden.


Pete: „Du hast gegen Monica Shade verloren. Das ist keine Schande. Die Frau kann was.“

Jona Pexianer: „Ja. Hab ich gemerkt. Und sie war sicherlich ziemlich erleichtert, als sie eine Open Challenge gestellt hat und nun der verfickte Loser Pex rauskam.“


Er tippt sich gegen die Brust.


Jona Pexianer: „Meinst du, irgendwer sieht meinen Namen auf der Card und schläft danach schlecht?“

Pete: „Darum geht’s doch gar nicht.“

Jona Pexianer: „Ich schon. Ich sehe meinen Namen auf der Card und schlafe schlecht. Weil ich weiß, dass die Hoffnung in mich wieder ein bisschen mehr schwindet.“


Ein Windstoß drückt hörbar gegen die Kabine. Pex lehnt sich zurück, lässt den Riemen los und betrachtet sein Spiegelbild in der Scheibe. Er dreht den Kopf ein wenig. Zieht die Schultern hoch. Dann lässt er auch diesen Versuch bleiben.


Jona Pexianer: „Guck mich doch mal an.“

Pete: „Ich gucke dich die ganze Zeit an.“

Jona Pexianer: „Ich sehe nicht mal aus wie ein Wrestler.“

Pete: „Natürlich siehst du aus wie ein Wrestler.“


Pex dreht sich zu ihm um. Seine Hose sitzt schlecht und ist am Knie aufgeraut, der Bart wirkt achtlos rasiert und ist garantiert nicht die Arbeit eines Barber Shops. Unter dem Shirt zeichnet sich ein Bauchansatz ab.


Jona Pexianer: „Ehrlich jetzt: Wenn ich ohne dich zum Mitarbeitereingang komme, muss ich immer erklären, dass ich auftrete.“

Pete: „Die können nicht jeden kennen. Außerdem gibt es nicht DEN Wrestlerkörper. Du musst nicht aussehen wie irgendein aufgepumpter Schrank. Du hast andere Qualitäten.“

Jona Pexianer: „Welche?“


Die Frage kommt schnell. Zu schnell für Pete. Er schluckt und ringt nach Worten.


Pete: „Du bist…du bist beweglich.“


Pex wartet. Dann bricht er in ein freudloses Lachen aus. Er und beweglich?


Jona Pexianer: „Beweglich bin ich vor allem, wenn mich jemand wirft. Dann geht es ganz schnell auf die Matte. Vielleicht fehlt mir einfach das Talent.“

Pete: „Nein.“


Der junge Mann zieht die Tasche näher an sich heran. Er lehnt sich zurück, blickt in die Ferne. Die Festung kommt näher und näher. Unten ihnen der Rhein, vor ihnen bereits das Ufer.


Jona Pexianer: „Du meinst es gut. Das weiß ich doch. Aber vielleicht wäre es besser, wenn du mir ehrlich sagst, dass es nicht reicht. Dann muss ich das nicht jedes Mal vor allen anderen rausfinden.“


Pete reibt sich mit dem Daumen über den Handrücken.


Jona Pexianer: „Ich könnte auch einfach aufhören.“


Die Hand des Vaters hält inne.


Jona Pexianer: „Zurücktreten.“


Der Kommentator setzt sich kerzengerade hin.


Pete: „Wegen EINER Niederlage?“

Jona Pexianer: „Es ist ja nicht nur die. Das versuche ich dir doch gerade zu sagen.“

Pete: „Jona.“


Der Kommentator sagt es mit Liebe. Sehr viel Liebe. Er streckt eine Hand nach seinem Sohn aus. Dieser rutscht auf der Bank der Seilbahn ein Stück weiter. Außer Reichweite.


Pete: „Wir haben noch so viel vor.“


Verächtliches Schnaufen von Pex. Er weicht dem Blick seines Vaters aus.


Pete: „Ich sitze seit Jahren am Kommentatorenpult und erzähle die Geschichten anderer Leute. Ich sehe, wie Namen groß werden. Wie

Familien in diesem Geschäft etwas aufbauen, das bleibt. Väter, Söhne, die nächste Generation. Warum sollen wir das nicht auch können?“


Pex senkt den Blick.


Pete: „Eine Wrestling-Dynastie, Jona.“


Da ist es. Bei Pete leuchten die Augen. Bei Pex geht der Kopf noch ein Stück tiefer.


Pete: „Unser Name. Eine Familie, die man mit der GFCW verbindet. Ich am Pult, du im Ring. Und irgendwann kommen vielleicht deine…“

Jona Pexianer: „Bitte lass meine Kinder da raus. Die gibt’s noch gar nicht. Ich kann nicht mal Monica Shade oder irgendwen anders besiegen und du planst schon die Karriere von Leuten, für die ich erstmal eine Frau kennenlernen müsste. Und wer lässt sich schon von einem verdammten Loser buttern, der alle Jubeljahre mal ein Match hat und es dann vor Abertausenden verliert, hm?“


Der Vater räuspert sich. Die Wehmut seines Sohnes macht ihn sprachlos. Und dann ist es Pex, der die Stille bricht.


Jona Pexianer: „Ich will dich nicht enttäuschen.“

Pete: „Das tust du nicht. Du enttäuschst mich nicht, weil du ein Match verlierst.“

Jona Pexianer: „Aber wenn ich aufhöre?“


Da ist sie wieder, die Pause. Pex nickt matt, als hätte Pete bereits geantwortet.


Pete: „Nein. Jetzt leg mir nichts in den Mund. Ich will bloß nicht, dass du eine Entscheidung triffst, weil du gerade alles schlecht findest. Du hast dich auf deine Rückkehr gefreut. Das hast du eben selbst gesagt. Das war doch echt. Dann lass doch wenigstens die Chance zu, dass du dich wieder so fühlen kannst.“


Der Sohn antwortet nicht. Aber er schaut auch nicht mehr weg.

Das reicht Pete vorerst.


Pete: „Und was dein Talent angeht: Ich sehe dich trainieren. Ich sehe, wie du dir Sachen erarbeitest. Wenn etwas nicht klappt, versuchst du es nochmal. Du fragst nach. Du hörst zu.“


Ein kleines Lächeln zuckt um Pexs Mundwinkel. Es verschwindet schnell wieder, aber der Vater hat es gesehen. Er klammert sich daran.


Pete: „Ich glaube an dich. Definitiv. Und nicht nur, weil du mein Sohn bist. Ich bin auch Kommentator. Ein echter Experte in diesem Geschäft. Ich erkenne doch, wenn jemand etwas mitbringt.“

Jona Pexianer: „Was bringe ich denn mit? Außer meiner Tasche?“


Pete blickt kurz auf besagtes Gepäckstück. Dann wieder hoch.



Pete: „Genug, um ein Match zu gewinnen. Und genau damit fangen wir an.“


Jetzt hat seine Stimme wieder diesen Klang. Den, mit dem er am Pult swaggige Dinge hypt.


Pete: „Ich besorge dir ein Match.“

Jona Pexianer: „Ich hab gerade gesagt, dass ich vielleicht keine mehr will.“

Pete: „Aber DIESMAL wird es anders. Ich weiß es. Das ist väterlicher Instinkt. Ich habe es im Urin, Jona. Du bist so nah dran.“


Pex betrachtet ihn misstrauisch.


Jona Pexianer: „Was für ein Match?“

Pete: „Ein vernünftiges. Eine Gelegenheit, dich zu rehabilitieren. Wieder Selbstvertrauen zu kriegen.“

Jona Pexianer: „Gegen wen?“

Pete: „Das kläre ich. Ich habe Kontakte.“


Er greift bereits in seine Jackentasche. Das Handy kommt hervor, wird entsperrt. Petes Daumen wischt über den Bildschirm, etwas zu schnell, um dabei viel lesen zu können.


Jona Pexianer: „Du hast noch gar keine Idee und scrollst nur durch die Nummern, oder?“


Pete hält inne. Schaut über das Handy hinweg.


Pete: „Würdest du mich bitte kurz unterstützen, während ich dich unterstütze?“


Ein schmales Grinsen bei Pex. Diesmal bleibt es einen Moment.

Draußen rückt die Bergstation näher. Pete bemerkt sie und steckt das Telefon wieder ein, als müsse er das Gespräch unbedingt abschließen, bevor die Türen aufgehen.


Pete: „Ich kümmere mich.“


Die Kabine fährt in die Station ein. Pex erhebt sich, nimmt seine Tasche und wartet vor der Tür. Er wirkt noch immer niedergeschlagen. Aber immerhin steht er.

Pete greift hastig nach seinem Kaffee.


Jona Pexianer: „Papa?“

Pete: „Ja?“

Jona Pexianer: „Du würdest mir doch ehrlich sagen, wenn ich zu schlecht bin, oder?“


Der Kommentator stemmt geradezu empört die Hände in die Hüften. Dann schüttelt er entschieden den Kopf.


Pete: „Ich bitte dich. Was denkst du denn von mir?“


Die Türen öffnen sich. Pex steigt aus.

Pete folgt ihm, zieht dabei erneut das Handy aus der Jacke und schaut auf den Bildschirm. Die Stirn legt sich in Falten. Mit einem Mal scheint die Kontaktliste erheblich weniger Möglichkeiten zu bieten.

Er scrollt trotzdem weiter.

Irgendwo muss diese Dynastie schließlich anfangen.



Der Friedrich-von-Thiersch-Saal befindet sich noch im Aufbau. Auf der Bühne steht inzwischen der elegante dunkle Tisch von The Apocrypha. Daneben steht der Vertreter von Al Spawn Simmons.


Und er ist nicht zufrieden.

Überhaupt nicht.


Er betrachtet den Tisch.

Dann den Ring.

Dann wieder den Tisch.


Vertreter: „Nein.“


Zwei GFCW-Mitarbeiter bleiben stehen.


Vertreter: „Vierzig Zentimeter nach rechts.“


Die Mitarbeiter verschieben den schweren Tisch. Der Vertreter setzt sich probeweise auf einen der Stühle.


Blick zum Ring.


Vertreter: „Fünfzehn Zentimeter zurück.“


Die Mitarbeiter schauen sich an.

Verschieben ihn.

Der Vertreter setzt sich erneut.


Vertreter: „Nein. Zwanzig nach links.“

GFCW-Mitarbeiter: „Da stand er gerade.“


Der Vertreter blickt langsam zu ihm.


Vertreter: „Dann hätten Sie ihn dort lassen sollen.“


Der Mitarbeiter schließt die Augen. Da ertönt hinter ihnen eine Stimme in bester Frauentausch Manier, die älteren Generationen erinnern sich.


Eric Fletcher: „Haaaaalt! Stop!“


Der Vertreter dreht sich um. Fletcher kommt auf die Bühne und betrachtet den Aufbau.


Vertreter: „Mister Fletcher. Ausgezeichnet. Die Positionierung ist mangelhaft.“

Eric Fletcher: „Gut erkannt.“


Der Vertreter wirkt beinahe überrascht. Fletcher zeigt auf eine Stelle deutlich weiter seitlich am Titantron.


Eric Fletcher: „Der Tisch kommt dahin.“


Stille.


Der Vertreter betrachtet die Position. Von dort ist der Blick zum Ring deutlich schlechter.


Vertreter: „Das ist keine geeignete Position.“


Fletcher lächelt feist.


Eric Fletcher: „Brandschutz.“

Vertreter: „Brandschutz?“

Eric Fletcher: „Brandschutz. Wir brauchen einen Fluchtweg.“


Der Vertreter blickt auf den vollkommen freien Bereich zwischen Tisch und Ausgang. Dann wieder zu Fletcher.


Vertreter: „Welcher Fluchtweg?“

Eric Fletcher: „Eben.“


Fletcher zieht ein gefaltetes Blatt hervor.


Eric Fletcher: „GFCW Veranstaltungsordnung. Paragraph acht, Absatz vier.“


Der Vertreter nimmt das Papier. Liest. Sein Gesicht versteinert.


Vertreter: „Das ist kleinlich.“


Fletcher grinst.


Eric Fletcher: „Korrekt. Ich will ja keine Regeln übersehen.“


Kurze Pause.


Eric Fletcher: „Ihr wolltet doch alles in der GFCW prüfen.“


Fletcher klopft zweimal auf die Tischplatte.


Eric Fletcher: „Bitte schön.“


Dann geht er. Der Vertreter sieht ihm hinterher. Schaut zum Blatt.


Zum Ring.

Zur neuen Position.

Dann zu den Mitarbeitern.


Vertreter: „Stellen Sie ihn um.“


Die beiden greifen nach dem Tisch.


GFCW-Mitarbeiter: „Wie weit?“


Der Vertreter atmet tief durch.


Vertreter: „Fragen Sie Mister Fletcher.“


Der Mitarbeiter grinst. Der Vertreter bemerkt es.


Vertreter: „Sie werden übrigens auch geprüft.“


Das Grinsen verschwindet.


GFCW-Mitarbeiter: „Ich hol den Zollstock.“




War Evening, Festung Ehrenbreitenstein (Koblenz)


In Kooperation mit



Die Kamera schwenkt über die imposante Festung Ehrenbreitstein. Über Koblenz ist die Dämmerung hereingebrochen und die Beleuchtung der historischen Festungsmauern sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre. 4.000 Zuschauer haben sich eingefunden und sorgen bereits vor Beginn der Show für ordentlich Stimmung. Immer wieder sind Sprechchöre aus den verschiedenen Bereichen der Festung zu hören. Die Kamera fängt einige Fans mit selbstgemalten Schildern ein, bevor sie schließlich in Richtung Kommentatorenpult schwenkt.


Pete: „Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zu War Evening! Heute Abend melden wir uns aus einer ganz besonderen Location. Wir sind hier in der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz!“

Sven: „Also wenn heute einer aus dem Ring fliegt, Pete, dann ist wenigstens schon eine Festung da, in die er sich zurückziehen kann.“

Pete: „Ich glaube nicht, dass die Festungsmauern unseren Wrestlern heute besonders viel Schutz bieten werden.“

Sven: „Schade eigentlich. Ich hätte gerne mal gesehen, wie Thor hinter einer Zugbrücke steht und niemanden mehr reinlässt.“

Pete: „Dazu wird es hoffentlich nicht kommen. Denn wir haben heute vier interessante Matches auf der Card.“


Singles Match:
Priest vs. Jay Taven
Referee: Karo Herzog


Pete: „Los geht es mit einem Singles Match. Priest trifft auf Jay Taven.“

Sven: „Zwei Männer, ein Ring und ein Referee. Mehr braucht man manchmal gar nicht.“

Pete: „Priest wird seine körperlichen Vorteile sicherlich ausspielen wollen, während Jay Taven zeigen muss, dass er sich davon nicht beeindrucken lässt.“

Sven: „Und Karo Herzog darf dafür sorgen, dass die beiden sich an die Regeln halten. Viel Erfolg dabei.“


Singles Match:
Hollywood Jake vs. Celo Marx
Referee: Mike Kontrak


Pete: „Danach bekommen wir Hollywood Jake gegen Celo Marx zu sehen. Mike Kontrak wird dieses Match leiten.“

Sven: „Hollywood Jake. Allein der Name verspricht doch schon großes Kino.“

Pete: „Ob es allerdings auch ein Happy End geben wird, bleibt abzuwarten.“

Sven: „Kommt darauf an, wen du fragst. Für Celo Marx dürfte ein Happy End nämlich bedeuten, dass Jake heute Abend ziemlich unglücklich aussieht.“

Pete: „Da ist durchaus etwas dran. Beide werden hier einen Sieg unbedingt gebrauchen können.“


6 Man Tag Team Match
Luxembirdies (Sandro, „Mr. Fairway“ Rupert Wooten & Steven Sademi) vs. Milly Vermillion, Monica Shade und Zac Alonso
Referee: Mike Gard


Pete: „Und dann wird es richtig voll im Ring. Die Luxembirdies – Sandro, Mr. Fairway Rupert Wooten und Steven Sademi – treffen in einem 6 Man Tag Team Match auf Milly Vermillion, Monica Shade und Zac Alonso.“

Sven: „Sechs Leute im Ring. Da kann man schon mal den Überblick verlieren.“

Pete: „Deshalb gibt es ja Mike Gard als Referee.“

Sven: „Der hat heute Abend jedenfalls mehr zu tun als wir.“

Pete: „Die Luxembirdies sind ein eingespieltes Trio, aber auch die Gegenseite bringt mit Milly Vermillion, Monica Shade und Zac Alonso eine interessante Kombination mit.“

Sven: „Und bei sechs Leuten im Ring kann eigentlich alles passieren. Einer steht immer irgendwo, wo man ihn gerade nicht erwartet.“

Pete: „Das dürfte für Mike Gard ebenfalls gelten.“


Singles Match:
Zereo Killer vs. Thor
Referee: Howard Eagle


Pete: „Und dann kommen wir zum Main Event des heutigen Abends. Zereo Killer gegen Thor. Howard Eagle wird das Match als Referee leiten.“

Sven: „Da treffen zwei Namen aufeinander, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass keiner von beiden freiwillig einen Schritt zurückgehen wird.“

Pete: „Zereo Killer bringt seine Erfahrung und seine ganz eigene Intensität mit. Thor dürfte allerdings ebenfalls nicht hier sein, um sich höflich vorzustellen.“

Sven: „Ich würde sagen: Wenn zwei solche Kaliber aufeinandertreffen, sollte man sich besser einen guten Platz suchen.“

Pete: „Und den haben heute Abend 4.000 Zuschauer hier in Koblenz gefunden.“

Sven: „Und wir sitzen zum Glück weit genug weg vom Ring.“

Pete: „Noch.“

Sven: „Pete, musst du einem immer alles verderben?“

Pete: „Das gehört zu meinem Job.“

Sven: „Na dann. Festung Ehrenbreitstein, 4.000 Fans und vier Matches. Ich würde sagen, wir können anfangen.“

Pete: „Dem ist nichts hinzuzufügen. Auf geht's zu War Evening!“



Die Kamera schaltet in einen Bereich der GFCW, der noch vor wenigen Wochen so nicht existiert hat. Inzwischen allerdings wirkt es beinahe so, als wäre er schon immer hier gewesen.


Das Büro von Al Spawn Simmons.


Dunkles Holz dominiert den Raum. Schwere Regale, gefüllt mit Büchern, alten Aktenordnern und Dokumenten aus unterschiedlichen Epochen der GFCW. Gedämpftes Licht fällt auf einen massiven Schreibtisch, auf dem mehrere sauber sortierte Mappen liegen. An den Wänden hängen Fotografien aus der Geschichte der Liga.


Eine davon fällt besonders auf.


GFCW – FOUNDING MEMBERS – 2001


Daneben eine weitere Aufnahme.


Claude Dynamite Booker und Al Spawn Simmons.


Zwei Männer aus einer anderen Zeit.


Zwischen den Bildern und Dokumenten finden sich inzwischen aber auch neue Dinge. Auf einem Sideboard liegen aktuelle Matchcards. Ausdrucke. Statistiken. Fotos verschiedener GFCW-Wrestler. Vergangenheit und Gegenwart derselben Liga. Und genau dazwischen sitzt Al Spawn Simmons. Hinter seinem Schreibtisch. Vor ihm befinden sich die vier Männer, die innerhalb weniger Wochen dafür gesorgt haben, dass der Name The Apocrypha in der GFCW nicht mehr ignoriert werden kann. Tha Bomb sitzt in einem der Ledersessel. Weit zurückgelehnt, ein Bein über das andere geschlagen. Titan steht neben ihm und betrachtet einige der Unterlagen auf Simmons’ Schreibtisch. Thor hält sich etwas abseits. Die Arme vor dem gewaltigen Oberkörper verschränkt. Er wirkt bereits jetzt so, als würde er lieber irgendwo anders sein. Vorzugsweise dort, wo sich Zereo Killer befindet. Odin steht an der Wand. Direkt unter der alten Fotografie aus dem Jahr 2001. Simmons betrachtet seine vier Männer. Eine ganze Weile.


Al Spawn Simmons: „Wir sind angekommen.“


Tha Bomb hebt eine Augenbraue.


Tha Bomb: „Wir sind schon ’n paar Wochen hier, Al.“


Simmons lächelt leicht.


Al Spawn Simmons: „Anwesenheit und Ankunft sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.“


Bomb verdreht die Augen.


Tha Bomb: „Da geht dat schon wieder los.“


Titan unterdrückt ein Grinsen. Simmons ignoriert Bombs Einwand.


Al Spawn Simmons: „Als wir begannen, hat diese Liga uns belächelt.“


Er lehnt sich zurück.


Al Spawn Simmons: „Man hielt uns für Männer aus einer vergangenen Zeit. Für Namen, die noch einmal das Licht suchen. Für Veteranen, die nicht verstanden haben, dass die GFCW längst ohne sie weitergezogen ist.“


Sein Blick wandert über die vier.


Al Spawn Simmons: „Heute lacht niemand mehr.“


Stille.


Al Spawn Simmons: „Innerhalb weniger Wochen haben wir erreicht, was in den vergangenen zehn Jahren niemandem gelungen ist.“


Bomb schaut Simmons an.


Al Spawn Simmons: „Wir haben diese Liga gezwungen, sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen.“


Simmons deutet hinaus, irgendwo in Richtung der Halle.


Al Spawn Simmons: „Wrestler fragen sich, ob sie unseren Weg kreuzen werden. Mitarbeiter wissen, dass ihre Arbeit beobachtet wird. Eric Fletcher muss sich mit Entscheidungen beschäftigen, von denen er noch vor wenigen Wochen glaubte, sie lägen ausschließlich in seiner Hand.“


Eine kurze Pause.

Simmons’ Blick wandert zu der alten Fotografie.

Claude Dynamite.

Al Spawn Simmons.


Al Spawn Simmons: „Und Claude kann nicht länger so tun, als existiere ich nicht.“


Tha Bomb richtet sich ein wenig auf.


Tha Bomb: „Also läuft’s.“


Simmons sieht ihn an.


Tha Bomb: „Hätteste auch einfach sagen können.“


Titan nickt.


Titan: „Deutlich schneller.“


Simmons lächelt.


Al Spawn Simmons: „Dann lassen Sie es mich in Ihrer Sprache formulieren.“


Bomb macht eine einladende Handbewegung. Simmons lehnt sich nach vorne.


Al Spawn Simmons: „Die erste Phase war erfolgreich.“


Bomb nickt zufrieden.


Tha Bomb: „Siehste. Geht doch.“


Simmons steht auf. Langsam umrundet er den Schreibtisch.


Al Spawn Simmons: „Wir haben uns positioniert.“


Er bleibt vor seinen vier Männern stehen.


Al Spawn Simmons: „Wir haben die ersten Fehler dieser Liga identifiziert.“


Thor hebt den Kopf. Simmons bemerkt es.


Al Spawn Simmons: „Einige wurden bereits geprüft.“


Dann wandert sein Blick zu Tha Bomb und Titan.


Al Spawn Simmons: „Andere Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen.“


Bomb weiß sofort, worauf Simmons hinauswill.


Tha Bomb: „Mad Stars.“


Simmons nickt.


Al Spawn Simmons: „Mad Stars.“


Bomb beugt sich nach vorne. Der lockere Ausdruck verschwindet etwas.


Tha Bomb: „Gut.“


Titan sieht zu seinem Partner.


Tha Bomb: „Weil Titan und ich mit denen nämlich noch lange nich fertig sind.“


Simmons geht zurück zum Schreibtisch.


Al Spawn Simmons: „Mad Stars besitzen gegenwärtig etwas, das für unsere weitere Positionierung von Bedeutung ist.“


Bomb schließt kurz die Augen. Titan bemerkt es.


Tha Bomb: „Al.“


Simmons schaut ihn an.


Tha Bomb: „Dat sind Tag-Team-Gürtel.“


Eine Pause.


Tha Bomb: „Titan und ich sind ’n Tag Team.“


Er zählt an den Fingern ab.


Tha Bomb: „Die haben die Gürtel.“


Noch ein Finger.


Tha Bomb: „Wir wollen die Gürtel.“


Bomb breitet die Hände aus.


Tha Bomb: „Mach da jetzt keine Religion draus.“


Titan schaut zu Simmons.


Titan: „Zu spät.“


Bomb nickt.


Tha Bomb: „Wahrscheinlich.“


Simmons lässt sich davon nicht irritieren.


Al Spawn Simmons: „Sie wollen die GFCW Tag Team Championship.“


Tha Bomb: „Ja.“


Simmons nickt.


Al Spawn Simmons: „Dann holen Sie sie.“


Bomb schaut zu Titan.

Titan zu Bomb.


Ein kleines Grinsen breitet sich auf Bombs Gesicht aus.


Tha Bomb: „Endlich redet der Mann vernünftig.“


Simmons’ Aufmerksamkeit wandert weiter.

Zu Thor.

Der Hüne steht noch immer mit verschränkten Armen an der Wand.


Al Spawn Simmons: „Thor.“


Keine Reaktion.


Al Spawn Simmons: „Deine Aufgabe ist heute eindeutiger.“


Jetzt hebt Thor den Blick.


Thor: „MacKenzie.“


Simmons nickt.


Al Spawn Simmons: „Zereo Killer wollte die Jagd.“


Ein kurzes Grinsen erscheint auf Thors Gesicht.


Thor: „Er bekommt sie.“


Al Spawn Simmons: „Er hat angekündigt, dich zu besiegen. Dich aus unserem Match beim Pay-per-View zu entfernen. Danach will er gemeinsam mit Mad Stars…“


Thor beginnt zu lachen. Simmons verstummt. Thor schüttelt den Kopf.


Thor: „Immer noch dieser Plan.“


Bomb grinst.


Tha Bomb: „Der hält sich hartnäckig.“


Thor löst die Arme voneinander.


Thor: „Heute kämpft er gegen mich.“


Simmons nickt.


Al Spawn Simmons: „Und wenn du gewinnst—“


Thor sieht ihn an. Simmons hält inne.


Thor: „Wenn?“


Stille.


Bomb dreht langsam den Kopf zu Titan.

Titan hebt leicht die Augenbrauen.

Simmons hingegen lächelt.


Al Spawn Simmons: „Verzeihung.“


Thor stößt sich von der Wand ab.


Thor: „Er wollte wissen, wie die Jagd aussieht.“


Ein Schritt nach vorne.


Thor: „Heute zeige ich es ihm.“


Damit ist für Thor alles gesagt. Simmons wendet sich Odin zu. Der alte God of Asgard steht noch immer unter der Fotografie.


Al Spawn Simmons: „Und Odin…“


Bomb dreht sich sofort zu ihm.


Tha Bomb: „Ah.“


Odin schaut zu Bomb.


Tha Bomb: „Jetzt erfahren wir endlich, wat der eigentlich die ganze Zeit macht.“


Odin sieht zu Simmons.

Simmons sieht zu Odin.


Einige Sekunden.


Al Spawn Simmons: „…setzt seine Arbeit fort.“


Bomb starrt ihn an.


Tha Bomb: „Dat war’s?“

Al Spawn Simmons: „Ja.“


Bomb schaut zu Odin.


Tha Bomb: „Immer noch der geheimnisvolle Scheiß?“


Odin nickt einmal.


Odin: „Immer noch.“


Bomb lässt sich zurück in den Sessel fallen.


Tha Bomb: „Natürlich.“


Titan klopft ihm einmal auf die Schulter.


Titan: „Geduld.“

Tha Bomb: „Hab ich nich.“

Titan: „Weiß ich.“


Simmons kehrt hinter seinen Schreibtisch zurück. Doch er setzt sich nicht. Er legt beide Hände auf die Tischplatte.


Al Spawn Simmons: „Damit kommen wir zur nächsten Phase.“


Jetzt werden auch Bomb und Titan wieder ernsthafter.


Al Spawn Simmons: „Wir haben die Aufmerksamkeit dieser Liga.“


Eine Pause.


Al Spawn Simmons: „Wir haben unsere Gegner.“


Noch eine.


Al Spawn Simmons: „Nun benötigen wir ihre Macht.“


Bomb hebt langsam den Kopf.


Tha Bomb: „Jetzt kommen die Gürtel.“


Simmons sieht ihn an.

Ein kleines Lächeln.


Al Spawn Simmons: „Jetzt kommen die Gürtel.“


Bomb grinst. Zum ersten Mal scheint zwischen beiden Männern in dieser Angelegenheit keinerlei Übersetzungsproblem zu bestehen. Simmons fährt fort.


Al Spawn Simmons: „Championships sind mehr als Auszeichnungen.“


Bomb öffnet bereits den Mund. Simmons hebt eine Hand.


Al Spawn Simmons: „Ich weiß.“


Bomb schließt den Mund wieder. Titan grinst.


Al Spawn Simmons: „Für Sie sind es Gürtel.“

Tha Bomb: „Sehr gut.“

Al Spawn Simmons: „Für mich sind sie zusätzlich etwas anderes.“


Bomb seufzt.


Tha Bomb: „Natürlich.“


Simmons geht nicht darauf ein.


Al Spawn Simmons: „Titel bestimmen, wer in dieser Liga sichtbar ist. Wer repräsentiert. Wer Geschichte schreibt. Wer seinen Namen über den Namen anderer stellt.“


Sein Blick wandert über alle vier Männer.


Al Spawn Simmons: „Wer die GFCW verändern möchte, darf ihre bedeutendsten Symbole nicht dauerhaft anderen überlassen.“


Tha Bomb und Titan.

Die Tag-Team-Titel.


Thor.

Noch steht Zereo Killer zwischen ihm und allem, was danach kommen könnte.


Odin.

Und was auch immer Simmons für ihn vorgesehen hat.


Al Spawn Simmons: „Wir haben lange genug geprüft, wer diese Liga sein möchte.“


Das Lächeln kehrt zurück.


Al Spawn Simmons: „Nun wird diese Liga sehen, wer sie sein wird.“


Klopf. Klopf. Alle Blicke gehen zur Tür. Bomb schaut genervt hinüber.


Tha Bomb: „Hömma. Wenn dat jetzt Essen is, hab ich nix bestellt.“


Die Tür öffnet sich. Der elegante Vertreter von Al Spawn Simmons tritt herein.


Hinter ihm steht ein weiterer Mann.

Anzug.

GFCW-Ausweis.

Eine schmale Dokumentenmappe unter dem Arm.


Simmons erkennt sofort, dass dieser Mann nicht wegen eines belanglosen organisatorischen Problems hier ist.


Vertreter: „Mister Simmons.“


Simmons nickt. Der Vertreter deutet auf den Besucher.


Vertreter: „Eine Nachricht aus dem Büro von Commissioner Eric Fletcher.“


Der Mann tritt ein.


Mitarbeiter: „Im Auftrag von Commissioner Fletcher.“


Eine kurze Pause.


Mitarbeiter: „Und im Auftrag von Claude Dynamite Booker.“


Das verändert die Atmosphäre.

Nur ein wenig.

Aber spürbar.

Simmons setzt sich langsam.


Al Spawn Simmons: „Jetzt wird es interessant.“


Der Mitarbeiter nimmt ein Schreiben aus seiner Mappe. Er möchte es Simmons reichen. Doch Simmons’ Vertreter tritt dazwischen und nimmt es entgegen.

Selbstverständlich.

Er öffnet den Umschlag.

Überfliegt die ersten Zeilen.

Dann legt er das Schreiben vor Simmons.


Mitarbeiter: „Mister Booker hat den von Ihnen vorgelegten Gründungsvertrag prüfen lassen.“


Simmons sieht nicht auf das Papier.

Er betrachtet den Boten.


Mitarbeiter: „Die Echtheit des vorgelegten Dokuments wird nicht bestritten.“


Stille. Bombs Blick wandert zu Simmons. Der wiederum zeigt keinerlei Überraschung.


Warum sollte er?


Mitarbeiter: „Mister Booker erkennt allerdings ausdrücklich nicht Ihre Interpretation der daraus resultierenden gegenwärtigen Befugnisse innerhalb der GFCW an.“


Jetzt schaut Simmons auf das Schreiben.


Nur kurz.


Mitarbeiter: „Commissioner Fletcher lässt Ihnen außerdem mitteilen, dass bis zur abschließenden Prüfung der rechtlichen Situation keine weiteren Entscheidungen Ihrerseits im Namen der Geschäftsführung akzeptiert werden.“


Stille.

Simmons liest.

Sein Vertreter steht neben ihm.


Tha Bomb schaut zwischen beiden hin und her. Thor scheint zunehmend das Interesse an juristischen Formulierungen zu verlieren. Odin dagegen beobachtet Simmons.


Schließlich legt Simmons das Papier zurück auf den Tisch.


Al Spawn Simmons: „Er erwartet es.“


Der Mitarbeiter runzelt die Stirn.


Mitarbeiter: „Wie bitte?“

Al Spawn Simmons: „Mister Fletcher erwartet, dass ich bis zur abschließenden Prüfung keine weiteren Entscheidungen treffe.“

Mitarbeiter: „Ja.“


Simmons lächelt.


Al Spawn Simmons: „Wie reizend.“


Sein Vertreter nimmt das Schreiben erneut. Liest genauer. Dann schaut er zu Simmons.


Vertreter: „Sie bestreiten den Vertrag nicht.“

Al Spawn Simmons: „Nein.“

Vertreter: „Sie bestreiten auch die darin festgeschriebenen Eigentumsanteile nicht.“


Jetzt wird auch Bomb wieder aufmerksamer. Der Vertreter blättert eine Seite weiter.


Vertreter: „Sie bestreiten lediglich die daraus resultierenden Befugnisse.“


Simmons lehnt sich zurück.


Al Spawn Simmons: „Das ist ein erheblicher Unterschied.“


Der Mitarbeiter räuspert sich.


Mitarbeiter: „Gibt es eine Antwort, die ich Commissioner Fletcher übermitteln soll?“


Simmons sagt zunächst nichts. Sein Blick wandert durch sein Büro.


Zu Odin. Der seine unbekannte Aufgabe fortsetzen wird.

Zu Thor. Der heute Abend Zereo Killer gegenübersteht.

Zu Titan.

Und schließlich zu Tha Bomb.

T’n’B.

Die Tag-Team-Titel.


Dann sieht Simmons wieder zum Boten.


Al Spawn Simmons: „Ja.“


Der Mitarbeiter wartet.


Al Spawn Simmons: „Richten Sie Mister Fletcher aus, dass ich erfreut bin.“


Irritation.


Mitarbeiter: „Erfreut?“


Simmons dreht sich leicht zur Wand. Zu der Fotografie.


GFCW – FOUNDING MEMBERS – 2001


Claude Dynamite Booker.


Al Spawn Simmons.


Al Spawn Simmons: „Claude hat fünfundzwanzig Jahre gebraucht, um wieder über unseren Gründungsvertrag nachzudenken.“


Eine Pause. Dann dreht er sich zurück.


Al Spawn Simmons: „The Apocrypha ist erst wenige Wochen hier.“


Der Bote sagt nichts. Simmons lächelt.


Al Spawn Simmons: „Ich würde sagen, wir machen Fortschritte.“


Der Mitarbeiter nimmt die Mappe an sich. Ein kurzes Nicken. Dann verlässt er das Büro. Die Tür fällt ins Schloss. Stille. Einige Sekunden lang. Dann steht Tha Bomb auf.


Tha Bomb: „So.“


Er klopft Titan auf die Schulter.


Tha Bomb: „Anwälte. Verträge. Fünfzig Prozent. Claude. Eric. Alles ganz toll.“


Er deutet zwischen sich und Titan.


Tha Bomb: „Wir holen Gürtel.“


Titan nickt.


Titan: „Guter Plan.“


Beide gehen Richtung Tür. Odin folgt ihnen einige Schritte. Simmons blickt zu ihm. Ein kurzer Blickwechsel genügt. Odin weiß, was er zu tun hat. Dann bleibt nur noch Thor. Der Hüne steht noch immer im Raum.


Simmons sieht ihn an.


Al Spawn Simmons: „Und du?“


Thor dreht langsam den Kopf. Ein Grinsen.


Thor: „Ich gehe jagen.“


Dann verlässt auch er das Büro. Die Tür schließt sich. Zurück bleiben Al Spawn Simmons und sein Vertreter. Vor ihnen liegt die Nachricht von Eric Fletcher und Claude Dynamite Booker. Daneben befinden sich aktuelle Unterlagen über die GFCW. Und hinter Simmons hängt noch immer das alte Foto aus dem Jahr 2001. Der Vertreter schaut auf das Schreiben.


Vertreter: „Sie werden versuchen, Ihre Rechte einzuschränken.“


Simmons betrachtet Claude auf dem alten Foto.


Al Spawn Simmons: „Natürlich.“

Vertreter: „Und wenn ihnen das gelingt?“


Simmons lächelt.

Langsam.

Kalt.


Al Spawn Simmons: „Dann haben sie ihre Prüfung bestanden.“


Eine Pause.


Al Spawn Simmons: „Wenn nicht…“


Sein Blick fällt auf den Gründungsvertrag.


Al Spawn Simmons: „…beheben wir den Fehler.“



Der Festungturm, die höchste Stelle von Ehrenbreitstein. Von hier oben wirkt selbst War Evening weit weg. Darragh Switzenberg steht an der Brüstung. Die Unterarme auf dem Stein, die Hände locker ineinandergelegt. Unter ihm liegt Koblenz. Sein Blick folgt dem Rhein bis zum Deutschen Eck, dorthin, wo die Mosel in den Strom mündet. Ein schöner Ausblick. Einer, für den andere Menschen ihre Handys hervorholen. Doch der Kanadier steht einfach nur da. Er wirkt nachdenklich.


Wie lange er schon hier ist, lässt sich nicht sagen. Doch lange genug, um aufgespürt zu werden.


Tammy: „Darragh? Darf ich dir eine Frage stellen?“


Switzenberg dreht den Kopf. Für einen Augenblick wirkt es, als müsse er sich erst daran erinnern, dass unten eine Wrestlingshow stattfindet. Dann richtet er sich auf und schenkt der Reporterin ein kleines Lächeln.


Darragh Switzenberg: „Natürlich. Komm ruhig.“


Tammy tritt neben ihn. In einer Hand hält sie das Mikrofon, unter den anderen Arm hat sie ein Tablet geklemmt. Sie wirft einen kurzen Blick über die Brüstung. Hübsch. Aber wegen der Aussicht hat sie sich nicht auf die Suche nach Switzenberg gemacht.


Tammy: „Du kannst dir sicher denken, warum ich mit dir sprechen möchte.“


Sein Blick fällt auf das Tablet. Das Lächeln wird schwächer.


Darragh Switzenberg: „Ich habe eine Vermutung.“

Tammy: „Dann schauen wir es uns am besten gemeinsam noch einmal an.“


Sie entsperrt das Gerät und ruft eine Aufnahme auf. Darragh tritt näher, damit beide auf den Bildschirm sehen können. Zu hören ist zunächst nur das Klacken von Absätzen. Und doch weiß die GFCW-Galaxy schon jetzt, was sich der Wrestler und die Reporterin hier anschauen. Es sind die letzten Bilder des letzten War Evenings. Etwas, das passiert ist, als die Show schon beendet schien.

Die Aufnahme läuft weiter. Dann erscheint Shelly Nafe im Bild. Ihr Weg führt durch den Backstagebereich der vergangenen Show. Vorbei an Türen, die sie nicht interessieren. Bis sie vor einer bestimmten Kabine stehen bleibt.


Aldo Nero.
Shelly klopft.
Dort endet die Aufnahme.


Tammy lässt das letzte Bild stehen. Switzenberg betrachtet es noch einige Sekunden, obwohl sich nichts mehr bewegt. Seine Lippen sind fest aufeinandergelegt. Der Daumen seiner rechten Hand fährt über einen Fingerknöchel. Schließlich wendet er sich wieder der Aussicht zu.


Tammy: „Was geht dir dabei durch den Kopf?“

Darragh Switzenberg: „Dass ich gerne wüsste, was danach passiert ist.“

Tammy: „Glaubst du, Aldo hat einen Deal mit ihr gemacht?“


Er atmet durch die Nase ein. Unten zieht ein langes Binnenschiff nah am Ufer entlang. Switzenberg verfolgt es kurz mit den Augen, ehe er zur Reporterin zurückschaut.


Darragh Switzenberg: „Sie wird kaum dort gewesen sein, um ihm einen schönen Heimweg zu wünschen.“

Tammy: „Also gehst du davon aus, dass sie ihm etwas angeboten hat?“

Darragh Switzenberg: „Das wäre eine Möglichkeit.“


Tammy wartet. Der Satz klingt so unvollständig, als müsse Switzenberg noch eine zweite Möglichkeit hinzufügen, damit es wirklich Sinn ergibt. Doch der Kanadier fügt nichts hinzu. Sie senkt das Tablet und schiebt das Mikrofon ein wenig näher an ihn heran.


Tammy: „In zwei Wochen stehst du mit Aldo und The End im Ring. Es geht um den GFCW Heavyweight Title. Da macht es doch einen Unterschied, ob einer deiner Gegner möglicherweise mit Shelly Nafe zusammenarbeitet. Was bleibt unter diesen Umständen vom Vertrauen zwischen euch?“


Darragh legt die Hände auf die Brüstung. Seine Finger spreizen sich auf dem rauen Stein. Man sieht ihm an, dass er eine Antwort sucht. Oder dass mehrere Antworten bereitliegen und ihm keine davon gefällt.


Darragh Switzenberg: „Ich kann dir gerade nicht sagen, was zwischen uns bleibt, Tammy. Dafür müsste ich wissen, was zwischen den beiden überhaupt stattgefunden hat.“

Tammy: „Aber ein Teil von dir muss doch eine gewisse Genugtuung empfinden.“


Jetzt schaut er sie direkt an.


Tammy: „Vor zwei Wochen warst DU derjenige, dem Aldo nicht getraut hat. Er hat dir vorgeworfen, absichtlich einen Streit zwischen ihm und The End anzuzetteln. Mindestens die halbe Galaxy glaubte, beim Match gegen Refuse to Age hättest du mit dem Schubser absichtlich dafür gesorgt, dass End die Battering Ram kassiert. Du musstest dich Aldo erklären. Und jetzt steht ausgerechnet Shelly Nafe vor seiner Tür. Denkst du da nicht wenigstens kurz: Sieh an, Aldo. Und DU willst mich verurteilen?“


Switzenbergs Kiefer bewegt sich. Für einen Augenblick scheint Tammy genau die Stelle gefunden zu haben, an der sich doch noch etwas aus ihm herauslocken lässt. Dann senkt er den Blick auf das Tablet.


Darragh Switzenberg: „Früher hätte ich mich darauf gestürzt. Ich hätte mir dieses Bild zeigen lassen und sofort angefangen, darüber nachzudenken, wie ich es gegen ihn verwenden kann. Wahrscheinlich hätte ich längst ein Mikrofon in der Hand gehabt und wäre zum Ring gestürmt, um ihn als unehrlicher Hund zu begraben.“

Tammy: „Und heute?“

Darragh Switzenberg: „Heute weiß ich zumindest, wie es sich anfühlt, wenn man verurteilt wird, ohne je eine Chance gehabt zu haben.“


Die Reporterin zieht das Tablet näher an ihren Körper. Darragh fährt mit der Hand über die Brüstung, wischt etwas Staub von den Fingern und spricht weiter.


Darragh Switzenberg: „Aldos Vorwürfe haben mich getroffen. Natürlich haben sie das. Und diese Bilder hier…ja, die haben mich aufgewühlt. Ich habe mich gefragt, warum sie zu ihm geht. Was sie von ihm will. Ob er ihr zuhört. Ob er etwas in Betracht zieht, das uns alle betrifft.“

Tammy: „Das klingt nach ziemlich vielen Zweifeln.“

Darragh Switzenberg: „Die habe ich auch.“


Er sagt es ohne Zögern. Erst danach hält er inne.


Darragh Switzenberg: „Aber ich habe gelernt, dass ich daraus kein vorschnelles Urteil machen sollte. Wir haben Shelly an seiner Tür gesehen. Wir haben nicht gehört, was Aldo zu ihr gesagt hat. Ich möchte ihm in die Augen schauen, bevor ich hier erkläre, wer er angeblich ist.“

Tammy: „Du willst ihn persönlich darauf ansprechen?“


Darragh nickt. Sein Blick geht zum Zugang des Turms. Zum ersten Mal seit Tammys Ankunft scheint er genau zu wissen, wohin er als Nächstes möchte.


Darragh Switzenberg: „Von Mann zu Mann. Ich will die Wahrheit von ihm hören. Und danach kann ich dir sagen, was ich davon halte. Ich hoffe, dass er aufrecht genug ist, um dieses Gespräch nicht zu verweigern. Es würde meine dunkle Ahnung nur noch wahrscheinlicher machen…“


Seufzen bei Switzenberg. Die neue Version von ihm mag sich um Neutralität bemühen, doch sein Instinkt sagt ihm etwas anderes. Switzi wendet sich noch einmal der Reporterin zu. Ein entschuldigendes Lächeln, dem die Leichtigkeit fehlt.


Darragh Switzenberg: „Verzeih mir, Tammy. Du bist extra hier hochgekommen und bekommst keine klare Antwort. Keine große Abrechnung mit Aldo Nero. Aber dieses Gespräch möchte ich zuerst mit ihm führen.“

Tammy: „Und wenn dir seine Antwort nicht gefällt?“


Switzenberg hält kurz inne. Dann zieht er die Hände von der Brüstung.


Darragh Switzenberg: „Dann muss ich damit umgehen. Aber erst lasse ich ihn antworten.“


Er bedankt sich mit einem knappen Nicken und geht zum Treppenabgang. Tammy schaut ihm hinterher, das Tablet noch immer unter dem Arm. Darauf wartet Shelly Nafe vor einer geschlossenen Tür. Welch Ironie: Darragh wird nun ebenfalls bei Aldo klopfen.




JUBEL!

Jubel!

Jubel…?


Nein, doch, ja. Natürlich jubelt die Galaxy – vor Ort, hier in Koblenz und sicherlich auch zuhause vor den heimischen Empfangsgeräten, denn GFCW-Champion The End ist da und das ist immer ein Grund zur Freude…

oder?

Naja, zumindest zurzeit scheinen da ein paar Fragezeichen im Raum zu stehen, bei denen keiner so richtig weiterweiß, allen voran besagter GFCW World Champion. Und so herrscht zwar vorrangig eine positive, aufgeladene und euphorische Stimmung, auf der Festung Ehrenbreitstein, die aber zumindest von einer gewissen Unsicherheit begleitet wird.

Eine Unsicherheit, die gleich noch viel größer wird, spätestens als man den Champion dann auch tatsächlich sieht, denn alsbald The End auf die Bühne tritt, um seinen Weg zum Ring zu bestreiten, fällt direkt ins Auge, dass es dem Champion wohl nicht wirklich gut geht.

Und das dürfte wenig verwunderlich sein, nachdem Ende der letzten War Evening-Ausgabe. Was soll The End glauben? Das stand als Frage im Raum, denn einerseits sucht Aldo Nero die finale Versöhnung mit seinem Zieh-Bruder und Erzfeind Nummer 1, andererseits hat Darragh Switzenberg die GFCW aus seinen juristischen Fängen ziehen lassen – in beiden Fällen steht aber durchaus im Raum, dass das taktische Schachzüge sein könnten, um ihn zu manipulieren. Und nach jahrzehntelanger Manipulation von James Corleone, will The End keinesfalls mehr riskieren manipuliert zu werden, nur was, wenn das in diesen Fällen tatsächlich keine Manipulation ist, sondern ehrliche, aufrichtige Sinneswandlungen?

Was soll The End glauben?

Zu all dem gesellen sich noch andere GFCW-Verstrickungen, für die The End gerade nun wirklich keinen Kopf hat: Apocrypha hier, Iray Burch dort, Monica Shade gibt es auch noch, Refuse to Age hat einen Sieg über ihn und und und. The End wollte die Herausforderung und wochen-/monatelang schien sich keine zu ergeben, nun kann er sich kaum retten. Und als wäre das nicht ohnehin schon viel zu viel, hat Shelly Nafe vor zwei Wochen auch noch Aldo Nero besucht.

Also ja, gerade dürfte es nicht unbedingt toll sein, The End zu sein.

Aber wie macht sich das nun äußerlich bemerkbar?

Augenscheinlich will sich The End nichts anmerken lassen, er tritt auf die Stage und auf den ersten Blick sieht er auch recht „normal“ aus, aber an seinem Blick und seiner Mimik kann man durchaus ablesen, dass in ihm die Gedanken wuseln. Wem kann er vertrauen? Was soll er glauben? Hat er sich selbst überschätzt? Ist das seine größte Prüfung bisher?

Er wirkt geladen. Er wirkt unruhig. Er wirkt schon fast etwas nervös.

Aber er wirkt auch… wütend. Aufgebracht, finster, voller Adrenalin. Als hätte er es zwei Wochen lang in sich hineingefressen und jetzt wäre da endlich die Möglichkeit jegliche angestaute Emotion zu entladen.

Die Fans jubeln nach wie vor, sich bekommen von all dem wenig mit, für sie scheint es auch weniger relevant, sie sehen da einfach den erhabenen GFCW World Champion, der die GFCW in den 2020er Jahren bestimmt hat, wie kaum ein anderer. Sie sehen die Konstante.


Pete: „Turbulente Wochen für unseren World Champion. Mal schauen, was er jetzt zu sagen hat, sicherlich wird es das Aufeinandertreffen von Aldo Nero und Shelly Nafe betreffen. Weißt du mehr darüber?“

Sven: „Als ob ich die strategischen Taktikbesprechungen vom großartigen Aldo Nero mit so einem irrelevanten Sidecharakter wie dir besprechen würde.“

Pete: „Also nein. Sauer, dass er dich darüber nicht in Kenntnis gesetzt hat? Ohnehin, sprecht ihr viel, du und Aldo Nero?“

Sven: „Es überrascht mich nicht, dass du das nicht verstehst. Aldo Nero ist im Begriff zum zweimaligen GFCW World Champion zu werden und seine Reise zur Wiedereroberung dieser Liga bleibt mysteriös und komplex. Konzentrieren wir uns also lieber auf unseren zukünftigen Exchampion!“


End hat den Ring erreicht. Selbstredend ist sein Gürtel dabei, die Haare sind tatsächlich offen – ungewöhnlich für sein Auftreten außerhalb des Ringes – und abgesehen davon trägt er seine Wrestling-Hose und nur eine Jacke über den freien Oberkörper. Es scheint, als ob er nicht nur hier ist um zu reden.

Aufgeregt läuft er hin und her, es dauert einige Zeit, bis er tatsächlich andeutet sprechen zu wollen. Seine Blicke sprechen dabei wieder Bände. Er überlegt, was er sagen soll, wie er es sagen soll, was der Weg ist, den er gehen muss.

Schließlich führt er das Mikrofon zum Mund, kurz bevor er aber spricht, setzt er wieder ab. Jetzt geht sein Blick ins Publikum und durch die GFCW-Galaxy. Dabei wiederum wirkt es, als ob er sich seiner Position in der Liga wieder bewusstwird – als Anführer, als Champion, als… König? Er will die GFCW besser machen. Oder?

Was will The End?


The End: „Was will Darragh Switzenberg?”


Als würde sich End auf die Zunge beißen, weil eine solche innerliche Wut in ihm brennt. Nicht mal zwingend auf Switzenberg selbst, sondern vielmehr darauf, dass er dessen Handeln nicht so sehr analysieren kann, wie er es gernhätte.


The End: „Was will… Aldo Nero?”


Bei Aldos Namen knirscht End mit den Zähnen, weshalb die Aussprache zwar etwas undeutlich bleibt, die Wut dabei aber umso hörbarer herausklingt und ebenso, wie sehr End diese Wut eigentlich nicht nach außen tragen lassen will.


The End: „Familie… oder Shelly Nafe?”


Jap, End hat gesehen, was vor zwei Wochen nach seinem Abgang passiert ist und es gefällt ihm gar nicht. Noch immer läuft er hin und her. Seine Gesichtszüge verziehen sich, man sieht eindeutig, wie sehr er mit sich kämpft nicht einfach vor Wut laut aufzuschreien.


The End: „Zwei Wochen musste ich über all das jetzt nachdenken. … Schluss damit, ich hab die Schnauze voll. Jetzt brauche ich jemanden, um mich abzureagieren.“


Daraufhin jubelt die GFCW-Galaxy, denn offensichtlich ist The End tatsächlich hier um zu kämpfen.


The End: „Also, irgendjemand. Scheiß egal wer, komm raus und kämpf. Oder ich komm hinter und nehme mir den erstbesten, den ich finden kann.“


Jubel, Jubel, JUBEL! Der Champion in Action, hier auf der Festung Ehrenbreitenstein.

allerdings, muss man sagen, dürfte derjenige, wer auch immer hier gleich heraustritt, in einer sehr schlechten Position sein, denn der- oder diejenige bekommt es mit einem geladenen The End zu tun, der sich jetzt wochenlang Frust angefressen hat, den er jetzt entladen will. Viel Glück an dich, du armer Wicht.

Es dauert einige Zeit, die vermuten lässt, dass wohl tatsächlich niemand mutig genug ist, sich hier herauszutrauen. Die Wartezeit wird inzwischen von der GFCW-Galaxy mit lautstarken: „End is gonna kill you“-Chants untermalt. Und dann, tatsächlich, es kommt jemand…

Lukas Meyer-Gittenstein!

Die Fans erhöhen die Lautstärke ihres Sprachchors noch einmal deutlich, während langsam klar wird – ebenso an der Körpersprache und Mimik von LMG deutlich abzulesen – das er selbst wohl nicht wirklich hier sein will und vielmehr dazu verdonnert wurde, diesen Spot zu übernehmen, sei es aufrund von Claude Booker, Eric Fletcher oder einem höheren Willen, der Meyer-Gittenstein hier für irgendwas bestrafen will.

Langsam und sichtlich besorgt läuft er zum Ring, während sich in selbigen The End bereits fertig gemacht hat, die zähne fletschend mit Blutdurst in den Augen – wie ein wildes Tier.

Es geht ihm hierbei nicht ums Wrestling, es geht hierbei nicht um den fairen Kampf, es geht nicht darum einen würdigen Auftritt als Champion hinzulegen und daher ist es auch egal, welcher Name ihm dagegen übersteht. End geht es nur darum Frust abzulassen und dafür ist die Kategorie aus der LMG stammt, leider, bestens geeignet.

Meyer-Gittenstein betritt den Ring und so steht er nun dem Champion gegenüber.


Sven: „Das ist DIE Chance für Lukas Meyer-Gittenstein – gewinnt er dieses epochale Aufeinandertreffen, dann wird er im größten Re-Match aller Zeiten erneut auf The End treffen und dann wird auch der GFCW World Championship auf dem Spiel stehen. Das ist DIE Success-Story der GFCW, ich sehe es schon, LMG wird ein ganz großer! Ja, vielleicht sogar noch größer als ALDO NERO!“

Pete: „Fertig?“

Sven: „Keinesfalls! Ich glaube an dich Lukas, hol dir das Ding und mach dich selbst berühmt!“

Pete: „Reicht jetzt.“

Sven: „Sehen wir hier das Wunder auf Ehrenbreitstein?“

Pete: *Seufz*

Sven: „Den Überfall des Jahrhunderts?“

Pete: „Wie auch immer… ich teile deine Euphorie nicht ganz, ich würde ungern in der Haut von Lukas Meyer-Gittenstein stecken. Ich glaube niemand würde das wollen.“

Sven: „Ach was, ich glaube fest da dran, der Kindheitstraum wird heute in Erfüllung gehen… für Lukas Meyer-Gittenstein!“


Singles Match:
The End vs. Lukas Meyer-Glitterstein
Referee: Karo Herzog

~ Ding Ding Ding ~


SPEAR


Noch bevor LMG überhaupt klarkommen konnte, bevor er sich in Stellung gebracht und sich seelisch und moralisch bereitgemacht hat, wird er schon von einem knallharten Spear vom Champ niedergestreckt. In zwei Teile hat er ihn nicht gerissen, aber man sieht direkt, wie Rippen, Magen, Rücken und sämtliche andere Körperpartien in diesem Bereich arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Während sich Meyer-Gittenstein vor Schmerzen auf dem Boden krümmt, richtet sich End wieder auf, mit noch mehr aufkochender Wut, also würde das Setting, diese Wut entladen zu können, ihn förmlich dazu anstacheln das auch wirklich zu tun – einfach, weil er es kann.

End wirft sich auf Lukas, um ihn mit weiteren Angriff zu bombardieren. Wir kennen das bereits von The End, der mit Hieben, Schlägen und Ellbogen auf seinen Gegner einprügelt, um maximalen Schaden herauszuholen. Lange dauert es nicht, bis die Ringrichterin dazwischen gehen muss, um End zurückzuhalten. End lässt das auch kurz durchgehen, bevor er direkt wieder auf LMG losgeht. Er packt ihn sich, hievt ihn etwas hoch, um mit Kniestößen in die Magengegend nachzusetzen. Lukas Meyer-Gittenstein hat keine Chance.

End zerrt ihn schließlich vollends hoch, um ihn einmal quer durch den Ring zu werfen, was relativ beachtlich ist, wenn man sich bedenkt, dass LMG mit 123 kg (und damit 15 kg mehr als The End) schon ein ordentlicher Brocken ist. Aber als würde End im Fitnessstudio Gewichte stemmen, wuchtet er Lukas quer durch den Ring. Dieser landet dort unsanft, aber auf den Knien, weshalb er zwar nicht ganz auf dem Boden liegt, allerdings in perfekter Position für den nächsten Move hockt…


SPOTLIGHT ATTACK


Ends Knie schmettert gegen die Schläfe von LMG, der wie ein nasser Sack zusammenfällt, regungslos und ausgeknockt. Das wars dann mit dem Kindheitstraum. End verweilt noch etwas in der Position, mit der er LMG getroffen hat, noch immer sitzt in seinem Blick die Wut, doch so langsam weicht diese zumindest ein wenig um abermals Platz für die Unsicherheit und Planlosigkeit zu machen, die in ihm herrscht.

Er ist nicht zwingend wütend auf Darragh, er ist nicht mehr wütend auf Aldo (wobei er dafür durchaus eine Berechtigung hätte, da er ja scheinbar gemeinsame Sache mit Shelly Nafe macht) – er ist vielmehr wütend auf sich und darauf, dass er nicht weiß, was er tun soll.

Vielleicht wäre in solchen Momenten ein Corleone doch gar nicht so schlecht?

Vielleicht ist das aber auch nur eine der härtesten Bewährungsproben, der er sich nun stellen muss, als Champion dieser Liga. Und wie alle anderen zuvor, wird er auch diese meistern.

Oder?

End fletscht die Zähne, er schaut hin und her, schüttelt aggressiv den Kopf. Er kämpft mit sich, er ist voller Emotionen.

Was will Darragh Switzenberg?

Was will Aldo Nero?

Was will The End?


Er bleibt wütend, er bleibt geladen und er scheint noch nicht fertig.

Wieder packt er sich LMG. Er hievt ihn etwas hoch, nimmt ihn sich zwischen die Beine…


APOCALYPTIC POWERBOMB


LMG zeigt keinerlei Gegenwehr. Und so kann er auch nichts dagegen tun, dass End gleich eine weitere Powerbomb nachsetzt. Und alle guten Dinge sind drei, also nimmt er sich LMG direkt noch einmal, doch kurz bevor er ihn hochheben will, ist Karo Herzog zur Stelle. Diese wird gleich das erste Match der Show als Ringrichterin begleiten und so hat sie sich dankenswerterweise auch für dieses Match bereit erklärt. Sie hat erkannt, dass Lukas hier keine Chance hat und es sich für ihn nicht lohnt weiterzumachen, also signalisiert sie End, dass das Match durch ist. Er gewinnt via TKO, alles andere ergibt keinen Sinn.


~ Ding Ding Ding ~


APOCALYPTIC POWERBOMB


Voller Inbrunst hebt End Meyer-Gittenstein dennoch ein drittes Mal hoch, um ihn auf die Matte zu schmettern und das mit einem weiteren Schub an Wut, da sich einmal mehr der Umstand ergeben hat, dass er nicht die Kontrolle über die Situation hat – diesmal dank Karo Herzog, die das Match beendet hat, bevor er das konnte.

Seine Musik wird eingespielt, die Menge jubelt – wenn auch etwas verhaltener als zuvor – doch End wirkt nicht wirklich wie ein Sieger, was wohl daran liegen könnte, dass das kein Match war, wo es um Sieg oder Niederlage ging. Es war ein Rahmen, in dem er rechtmäßig seinen Gegner fertig machen konnte, nichts weiter.

Aber es scheint zumindest etwas gebracht zu haben, denn tatsächlich lässt End jetzt von LMG ab, während sich bereits um ihn gekümmert wird.




Sven: „Ein trauriger Tag für uns, die treuen Anhänger von Meyer-Gittensteins Eroberung, die beendet wurde, noch bevor sie richtig beginnen konnte. Ich werde ihn niemals vergessen.“

Pete: „Hab doch etwas Mitgefühl, Sven.“

Sven: „Das habe ich, das war Lukas‘ große Chance, doch er hat sie nicht nutzen konnen. Ein trauriger Tag.“


End verlangt allerdings noch einmal das Mikrofon, was ihm dann auch direkt gegeben wird. Mit sichtbarer Verachtung im Blick stellt er sich in die Mitte des Ringes. Sein Gürtel wurde ihm auch gegeben und so steht der Champion nun da um bei seiner Ansage von vorhin weiterzumachen.


The End: „Darragh, Aldo… ich weiß, ICH habe euch dieses Match gegeben. Und so ungern ich es auch zugebe, aber ihr habt euch damit revanchiert, dass ihr mir die Herausforderung gegeben habt, die ich seit Title Night suche.“


Man kann schon denken, dass End das aufrichtig meint, in Rage ist er aber nach wie vor, wenn auch etwas gemäßigter und „ruhiger“ als zuvor.


The End: „Aber auch damit, ist jetzt Schluss. Mir ist egal, ob ihr meint, was ihr sagt. Es interessiert mich nicht, was eure wahren Absichten sind. Was will Darragh Switzenberg? Was will Aldo Nero? Scheiß. Egal. Es zählt nur, was The End will und das ist euch in Grund und Boden zu stampfen, um diesen Titel zu verteidigen. Komme, was wolle.“


Bei Ends Worten wird einmal kurz in den Backstagebereich geschalten, in dem wir Aldo Nero sehen, wie er diese Szene auf einem Monitor beobachtet. Man kann wie so oft nicht ablesen, was genau in ihm vorgeht, Aldo hält sich in Puncto Mimik und Emotion so gut zurück, wie er nur kann. Er weiß, dass er heute in der Schuld steht Antworten zu liefern und ob um diese in Erfahrung zu bringen, ist auch schon Tammy zur Stelle, die sich langsam an ihn heransneakt.


Tammy: „Aldo? Entschuldige, hast du kurz Zeit?“


Aldo reagiert nicht, sein Blick ist weiter auf den Monitor gerichtet.


Tammy: „Hast du… etwas zu sagen? Über Shelly Nafe? Was habt ihr besprochen?”


Aldo hält den Blick auf den Monitor noch für einige Sekunden, bevor er sich zu Tammy herumdreht, dort eine weitere Sekunde innehält, bevor er seine Drehung fortsetzt, um sich vom Monitor zu wenden und wegzugehen. Er lässt Tammy ohne Antwort stehen.

Im Ringbereich sehen wir inzwischen, dass Aldos Beobachtung hinter den Kulissen ebenfalls eingeblendet wurde – was The End gesehen hat. Mit erneuten Aufflammen der Wut stürmt er daraufhin aus dem Ring, in Richtung Backstagebereich und in Richtung Aldo Nero.



Die Kamera schaltet auf die Bühne. Dort steht der Tisch von The Apocrypha. Nicht ganz dort, wo The Apocrypha ihn haben wollte. Der ältere Prüfer sitzt kerzengerade und versucht, am Titantron vorbei einen vernünftigen Blick auf den Ring zu bekommen. Der jüngere schiebt seinen Stuhl zehn Zentimeter zur Seite.


Jüngerer Prüfer: „So geht es.“


Der Ältere schaut zu ihm.


Älterer Prüfer: „Mister Fletcher weiß genau, was er getan hat.“


Der Jüngere öffnet seine Mappe.


Oben steht:


PRÜFUNG 01


Darunter:


PRIEST – JAY TAVEN


Der Ältere setzt seine Brille auf.


Älterer Prüfer: „Beginnen wir.“



Die ersten Klänge von „Come as You Are“ ziehen über das Gelände der Festung Ehrenbreitstein. Köpfe drehen sich zur Stage. Dort erscheint ein Mann, den die GFCW-Galaxy vor zwei Wochen unter deutlich chaotischeren Umständen kennengelernt hat.


Priest.


In seiner Hand liegt eine Bibel. Er hält sie fest am Buchrücken, während das Kruzifix vor seiner Brust bei jedem Schritt leicht schwingt. Einige Fans applaudieren. Sein Eingreifen gegen die unbeliebten Mannen von Apocrypha im Lumberjack-Match ist ist nicht vergessen. Priest quittiert die ausgestreckten Hände entlang seines Weges mit einem knappen Nicken, bleibt aber auf den Ring konzentriert.


Pete: „Vor zwei Wochen hat er verhindert, dass Odin den Mad Stars einen Stuhl überzieht. Heute sehen wir, was Priest in einem regulären Match leisten kann.“


Am Ring angekommen, wendet Priest sich einem Mitarbeiter zu. Er reicht ihm die Bibel, lässt aber erst los, als dieser sie sicher mit beiden Händen hält. Das Buch darf keinesfalls zu Boden fallen, es wäre ein Frevel. Dann nimmt Priest auch das Kruzifix ab und legt es auf das Buch.


Über die Treppe geht es auf den Apron. Er steigt zwischen den Seilen hindurch, prüft mit einem Zug am obersten Seil dessen Spannung und begibt sich in seine Ecke. Worte braucht und hat er keine für die Zuschauer.


Und jetzt weg mit Religion und her mit Rap.


Right now von Dark Dust wird laut und lautstarker Jubel ertönt beim Auftritt des früheren GFCW Tag Team Champions Jay Taven, zusammen mit seinen Kameraden Meathook und Gino Rieß. Der Jubel wird natürlich eingespielt und besteht schlicht aus den Stimmen von Taven, Meathook und Gino, von den Fans jubelt ca. niemand. Aber die drei Männer, die sich zusammen „The M.I.L.E“ nennen – The Most Iconic Legends Ever – tun definitiv so als ob der Jubel echt wäre. Dann beginnt Meathook mit seinen Fleischerhaken einen extrem unrhythmischen Beat zu klingeln, während Gino Rieß geradezu feierlich ein Mikrofon hervorholt, den Fans präsentiert und dann Jay Taven in die Hand drückt, als wäre es das großartigste Ereignis in der Geschichte von GFCW. Und dann beginnt Jay Taven das Miktofon zu benutzen, während das Trio zum Ring schlendert.


Jay Taven: „Ihr Fans seid im ganz großen Glück,
denn The Most Iconic Legends Ever sind heute endlich zurück!

Zero Hirn Killer und Rasmus Rampensau sind doch zum vergessen
Unser Comeback ist auf der Epischen Skala gar nicht zu messen!

Nach Wochen der Entbehrung ist mein Finger wieder heil
Ging bei mir ratzfatz, ich bin ja nicht Glasknochen-Kyle!

Moni Doofi wird für meinen Finger noch bitterlich büßen
Doch jetzt werde ich erst mal nen Neuling hier bei GFCW begrüßen!

Mein Gegner heute ist ein Kerl der sich Priest nennt
Irgendeine Lusche, die kein Schwein kennt!

Ein No Name selbst für die größten Kenner!
Weder Adam noch Damian, gar keinen Vornamen hat der Penner!

Gegen mich zu verlieren wird das größte Ereignis in seinem Leben!
Was besseres als gegen Jay Taven wrestlen zu dürfen kann es ja auch nicht geben!

Priest, guck in deine Bibel und sprich ein Gebet
Helfen wird es nix, du wirst jetzt weggeweht!

Jay Taven ist der Name von diesem mächtigen Sturm
Ich bin immer noch besser als jeder Schwarze Wurm!

Mein Weg zurück an die Spitze beginnt jetzt in diesem Moment!
Herzlos ist, wer da nicht vor Rührung flennt!

Meine Kumpel werden die Tag Team Division auch noch unterwerfen
Dann hören die Mad Stars endlich auf mit ihrem Blabla zu nerven!

In den Prüfungsunterlagen von Al Simmons kriegen wir ne Eins Plus mit Stern!
Die Most Iconic Legend Ever hat einfach jeder mit Ahnung gern!

Und jetzt alle: Meathook-Gino-Jay!
Hey! Hey! Hey! Hey! HEY!


Das Ganze ist so unfassbar dumm, dass manche Fans lachend sogar ins „Hey Hey Hey“ einstimmen. Frei nach der alten Wrestlingweisheit, dass nichts im Wrestling jemals zu dumm ist – wenn die Fans nicht drauf anspringen ist es höchstens noch nicht dumm genug. Denn wenn es richtig dumm ist, dann läuft es schon wieder Gefahr kultig zu werden. Und genau das scheint hier so allmählich zu passieren.


Singles Match:
Priest vs. Jay Taven
Referee: Karo Herzog


DING DING DING!


Taven kommt mit federnden Schritten aus seiner Ecke. Priest wartet in der Ringmitte und hebt die Arme zum Lock-up. Jay nimmt an, lässt sich jedoch nicht auf einen längeren Kraftvergleich ein. Er dreht sich seitlich heraus und nimmt den größeren Mann in einen Headlock. Priest stemmt eine Hand gegen dessen Hüfte, drückt ihn in die Seile und schickt ihn auf die Reise.


Ein Shoulderblock bringt keinen der beiden zu Fall. Taven verzieht den Mund, nimmt erneut Anlauf und duckt sich unter Priests Clothesline hinweg. Beim nächsten Zusammenprall springt er ab. Dropkick! Priest stolpert, hält sich aber auf den Beinen. Als Jay aufsteht, packt ihn der Neuling am Arm, zieht ihn heran und bringt ihn diesmal mit einer kurzen Clothesline auf die Matte.


Sven: „Was für ein spektakulärer Beginn.“


Sven hat Bock. Richtig Bock. Man hörts.


Priest setzt zum Cover an. Taven dreht bei eins die Schulter hoch und entzieht sich dem nächsten Griff, indem er über die Seite wegrollt. Wieder auf den Füßen, tritt er gegen Priests Oberschenkel. Noch ein Kick. Beim dritten Versuch fängt Priest das Bein ab. Jay hüpft einmal auf dem Standbein und zieht den Enzuigiri hinterher! Nur ein Streiftreffer.


Der Treffer schickt Priest auf die Knie. Taven zieht ihn hoch, bekommt für seinen Suplex aber keinen sicheren Stand. Priest blockiert mit dem Bein, setzt die Hüfte näher an und hebt seinerseits aus. Ein sauberer Vertical Suplex. Jay schlägt auf dem Rücken auf und greift sofort ins Kreuz.


Priest lässt ihm keine Pause. Er bringt Taven auf die Beine, schickt ihn in die Ecke und folgt mit einer Clothesline. Der Treffer sitzt. Jay taumelt aus den Polstern, direkt in den nächsten Griff. Priest umfasst seinen Kopf, läuft an und zieht ihn mit einem Bulldog auf die Matte.


Cover!


EINS!


ZWEI!


Taven befreit sich.


Meathook und Gino Rieß jubeln. Soll heißen: Meathook schwingt freudig den Fleischerhaken und Gino Rieß macht Verrenkungen mit den Händen, die auch einer 80-Jährigen stammen könnten, die typische Rapgesten zu parodieren versucht.


Pete: „Jetzt hat Priest ihn. Jay muss aufpassen, dass ihm das Match nicht entgleitet.“

Sven: „Engleiten, hihihi. Deine Mutter zieht mich dann immer ganz fest an sich.“


Der Neuling bleibt bei seiner geradlinigen Vorgehensweise. Als Taven aufsteht, schiebt Priest einen Arm zwischen dessen Beine und hebt ihn auf die Schulter. Zwei schnelle Schritte, dann geht es abwärts.


Running Powerslam!


Die Matte kracht. Priest bleibt direkt zum nächsten Cover liegen…


doch womöglich zeigt sich hier seine Unerfahrenheit: Jay Taven liegt so nah an den Seilen, dass er noch vor dem ersten Schlag einen Fuß zur Rettung auf die Ropes legt.


Pete: „Priest dachte, er hätt‘ das Match hier gewendet,

doch das war wohl ziemlich verblendet.“

Sven: „Bitte nicht, Pete. Bitte nicht. Einfach nein, bitte. Gnade.“


Priest greift nach beiden Beinen. Er steigt dazwischen und versucht, sie für das Vater unser zu überkreuzen. Denn das ist ein Sharpshooter.

Taven erkennt die Gefahr. Mit beiden Händen stemmt er sich gegen Priests Knie, windet die Hüfte zur Seite und bekommt ein Bein frei. Ein Stoß mit der Sohle schafft Abstand.


Priest kommt sofort wieder.
Diesmal wartet Jay auf ihn.


Ein tiefer Tritt gegen den Oberschenkel lässt den Neuling einknicken. Taven richtet sich auf, dreht die Hüfte ein und trifft mit einem Spinning Wheel Kick am Kopf. Priest fällt gegen die Seile. Jay ist bereits wieder unterwegs, springt ab und befördert ihn mit einem weiteren Dropkick zurück in die Ringmitte.


Meathook: „YES, JAY! Du bist der King.“

Gino Rieß: „The M.I.L.E. – Hey, hey, hey!“


Priest versucht, sich mit einer Clothesline Luft zu verschaffen. Taven taucht ab, kommt hinter ihm zum Stehen und schließt die Arme um dessen Bauch.


German Suplex!


Jay hält die Brücke.


EINS!



ZWEI!



Nein.


Priest befreit sich. Doch während er sich noch auf die Seite dreht, ist Taven schon auf den Füßen. Kein Protest beim Ringrichter. Kein verschenkter Augenblick. Er wartet, bis Priest auf ein Knie kommt, und trifft ihn mit einem Superkick seitlich am Kopf.


Der Neuling kippt um.


Pete: „Eine überraschend starke Vorstellung von Jay! Nach seinen seltenen Auftritten zuletzt hätte ich nicht erwartet, dass er hier so entschlossen nachsetzt.“

Sven: „Vielleicht ist Priest auch einfach nicht der Superstar, den man einzustellen glaubte. Ein Eingriff gegen Odin macht keinen Sommer.“


Taven zieht seinen Gegner hoch. Priest greift nach Jays Hüfte, findet aber keinen Halt mehr. Der Mann aus Chicago legt den Arm um seinen Kopf, springt nach vorn und reißt ihn mit sich.


YOU’LL MELT!


Der Leaping Reverse STO hämmert Priest mit dem Gesicht auf die Matte. Taven dreht ihn um, hakt das ferne Bein ein und drückt die Schultern herunter.


EINS!





ZWEI!





DREI!



Pete: „Wow! Das war es schon. JAY IST BACK!“


Sieger des Matches durch Pinfall: Jay Taven!


Jay lässt los und setzt sich neben seinen Gegner. Erst jetzt gönnt er sich ein breites Grinsen. Das ist sein größter Erfolg seit dem Titelgewinn an der Seite von Aya. Ist er jetzt back? SOWAS VON BACK?


Priest liegt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken. Seine kurze Druckphase wirkt nach diesen letzten Minuten weit entfernt. Und noch viel entfernter wirkt eine glorreiche Zukunft in der GFCW. Der Reli-Dude wird in diesen Sekunden zu Marcus Wolfe 2.0.


Pete: „Am Ende war die Sache voll klar,

gegen Priest die Gurke wirkt Jay wie ein Star.“

Sven: „Du elender Hund. Schweig still.“


Taven steht auf und lässt sich von Gino, der auf seinem FETTEN BAUCH wie ein Seehund über die Matte in den Ring gleitet, den Arm heben. Mit der freien Hand deutet Taven auf seine Brust. Die ist stolz geschwellt. Im Hintergrund schwingt Meathook, der übrigens auch VOLL FETT ist, seinen Fleischerhaken.


Und das war es dann. Mit vereinzelten Buhrufen und vereinzelten Hey, hey, hey-Rufen geht es für das Stable backstage. Dann folgt ein geprügelter Priest hinterher. Und das war es dann wohl auch. Schade.




Die Bürotür von Claude „Dynamite“ Booker.

Hier lohnt es sich immer ein Kamerateam zu platzieren, nur für den Fall, dass irgendetwas interessantes passiert und das gilt doppelt seit Al Simmons wieder da ist. Doch es ist nicht Al Simmons, der durch die sich schlagartig öffnende Tür nach draußen in den Flur schreitet. Die Person ist merklich jünger und noch sehr viel merklich weiblicher.

Tiefschwarzes, innenseitig blondiertes Haar, das abgesehen von einem leicht mittig gescheitelten Pony bis auf den Boden ragt, der wohl trainierte und doch schlanke Körper in ein weißes Minikleid gehüllt, aus dem die unverhüllte Bein- und Fußpartie mit berechnender Anmut und Grazie herausguckt – es ist die Chefin des LPG Förderkaders Miria Saionji. „The Aion“ hat einen Stapel Papier mit dabei, den wir mit Hintergrundwissen aus der letzten Show als die GFCW Verträge identifizieren, die Darragh Switzenberg für die LPG hat vorbereiten lassen.

Mit einem Blick in Mirias angesäuertes Gesicht ist leicht zu erahnen, dass ihr der Inhalt der Verträge nicht gefällt. Oder besser gesagt: der Inhalt ihres Vertrages. Obgleich er ihr dann doch gut genug gefällt, dass sie ihn in Händen hält und nicht im Shredder hat verschwinden lassen. Zeit für eine investigative Untersuchung von Mac Müll.


Mac Müll: „Sind das die GFCW Verträge, die Darragh Switzenberg für euch organisiert hat?“


Soweit waren wir eigentlich schon. Genau wegen Fragen von diesem Gehalt gilt Tammy als die weitaus bessere Interviewerin. Miria Saionjis Laune verschlechtert sich zusätzlich, als ihr Mac Müll das Mikrofon vor die Nase hält. Aber es ist ein Mikrofon und man kann hinein sprechen. Klar, dass die Verlockung für Miss Eternity zu groß ist und sie nicht widerstehen kann.


Miria Saionji: „Ja, das sind sie. Die Verträge, die gut dotiert sein und uns unabhängig machen sollten. Doch wie es kaum anders vom alles andere als großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg und diesem Office zu erwarten war, sind diese Verträge nicht halb so gut dotiert, wie sie es sein sollten. Mich beschleicht das Gefühl, das Al Simmons vielleicht damit recht haben könnte, dass das GFCW Office einer Prüfung unterzogen werden sollte...“


Mac Müll nickt verständnisvoll. Widersprechen wäre nicht klug. Was er jetzt fragt, ist allerdings auch nicht klug.


Mac Müll: „Darf ich mal sehen?“


Ruckartig versteckt Miria die Dokumente hinter ihrem von Haar verhüllten Rücken.


Miria Saionji: „Wie darf ich nun diese Frage deuten, Herr Mac Müll? Zweifelt ihr etwa an meinen Worten? Wollt ihr mich etwa als nicht vertrauenswürdig darstellen? Ich bin keine Lügnerin und Betrügerin wie Darragh Switzenberg oder diese Scharlatane von Refuse to Age. Ich bin eine aufrichtige und ehrliche Frau. Seht in mein makelloses Gesicht und meine wunderschönen Augen und erkennt die Reinheit meiner Seele und--“
„Wenn ich die Zahlen hier richtig lese, sind die eigentlich ziemlich gut? Auf jeden Fall deutlich besser als meine.“


Eine Stimme wird laut.

Die Richtung: hinter Miria.

Die Person: Celo Marx.

Miria Saionji wendet sich zu ihm um. In Videos mit ausgelutschtem Meme-Humor würde jetzt ein Video-Buffering-Icon auf Mirias Kopf gesetzt werden. Sie blickt Celo Marx an und es ist offensichtlich, dass sie in ihrem Kopf nach irgendeiner Ahnung sucht, wer da jetzt vor ihr steht. Sie kommt zu keinem Ergebnis.


Miria Saionji: „Wer bist du jetzt und warum denkst du, dass es sich ziemt sich an eine Dame heranzuschleichen und ihre vertraulichen Dokumente zu lesen?“


Der Mann im Schachbrettmuster-Ringanzug legt die Daumen in die Träger besagten Ringanzugs und lässt sie flutschen.


Celo Marx: „Wer ich bin? Ich bin CELO MARX, derjenige, der das ist, was du gerne noch immer sein würdest: UNGESCHLAGEN! UNBESIEGT! 100% Siegesquote!“


Das Lächeln von Celo Marx erstrahlt mit dem Selbstbewusstsein eines zweifachen GFCW World Champions, auch wenn er eigentlich nur jemand ist, der zwei Matches hatte und beide irgendwie gewonnen hat. Miria wendet sich mit wenig beeindrucktem Blick an Mac Müll.


Miria Saionji: „Muss man den kennen?“


Mac Müll unterdrückt den Reflex „nein“ zu sagen.


Mac Müll: „Nun ja… ähm… doch. Schon. Vielleicht. So ein bisschen.
...Moment! Ich stelle hier die Fragen! Die Verträge sind also doch ganz gut?!“


Es hat etwas gedauert, aber mit Verzögerung ist Mac Müll doch hellhörig geworden.


Miria Saionji: „Nun, sie wären gut für… so etwas wie den da.“


Mirias angewiderter Blick spricht Bände. Sie rückt instinktiv sogar lieber etwas näher an Mac Müll heran, Hauptsache mehr Distanz zu Celo Marx.


Miria Saionji: „Aber für jemanden wie mich? Fast schon eine Unverschämtheit. Aber ich werde ihn trotzdem unterschreiben, mehr Geld ist letztlich mehr Geld, auch wenn es nicht so viel Geld ist, wie es sein sollte.“


Miria hält inne. Buffering Sequenz 2.0


Miria Saionji: „Warum rede ich überhaupt mich euch? Habe ich da irgendetwas von? Nein, ich glaube nicht.“


Sagt es und geht davon ohne Mac Müll oder Celo Marx noch eines weiteren Blickes zu würdigen.


Celo Marx: „Richtig süß, wie sie zu schüchtern war, um mich um ein Autogramm zu bitten. Oder ein Date. Dabei könnte ich ihr so viel beibringen… wie man UNGESCHLAGEN ist… und bleibt!“


Mac Müll blickt Celo Marx fast so angewidert an, wie es Miria gerade eben getan hat.


Mac Müll: „Okay.“


Sagt es und geht auch weg. Und die Kamera schaltet sich auch ab, weil sie keine Lust hat mehr Celo Marx zu übertragen als unbedingt nötig.



Die Kamera ist sofort wieder am Tisch. Der jüngere Prüfer schreibt. Der Ältere beobachtet noch immer den Ring.


Jüngerer Prüfer: „Bewertung?“


Eine kurze Pause.


Älterer Prüfer: „Noch nicht.“

Jüngerer Prüfer: „Warum?“


Der Ältere schließt die Mappe.


Älterer Prüfer: „Weil sie glauben sollen, wir bewerten nur den Sieger.“


Beide schauen zum Ring.



Drei Transporter. Mac Müll zählt nach. Nicht, weil drei eine besonders anspruchsvolle Zahl ist, sondern weil er nur einen Transporter erwartet aber, aber nach dem ersten Wagen noch ein zweiter um die Kurve kommt. Und dann ein dritter. Alle dunkel lackiert. Alle mit getönten Scheiben. Auf der Seite prangt jeweils dasselbe Logo.


Refuse to Age.


Der Interviewer, der bislang unter einem Vordach auf eine Gelegenheit gewartet hat, richtet sich auf. Er streicht seine Jacke glatt, prüft mit einem Blick, ob der Kameramann ebenfalls aufmerksam geworden ist, und setzt sich in Bewegung. Auf dem nassen Boden spiegeln sich die Scheinwerfer. Die Fahrzeuge rollen auf den Zugang zur Festung Ehrenbreitstein zu und halten dicht hintereinander an.


Mac Müll: „Ich dachte schon, sie kommen heute gar nicht…“


In seiner Stimme liegt die Freude eines Mannes, dessen Instinkt soeben geweckt wurde. Der Instinkt nach NEWS. Vorfreudig leckt sich Mac über Lippen und strafft die Schultern als würde er sich für einen Kampf bereit machen. Und vielleicht liegt er da gar nicht falsch – es dürfte ein Kampf werden, Antworten auf RtA rauszupressen. Vor zwei Wochen hat die Gruppe Wiesbaden fluchtartig verlassen. Rasmus Rantanen war zurückgekehrt. Und hatte ausgerechnet Iray Burch eine gemeinsame Jagd angeboten. Auf jene Männer, die ihn ins Krankenhaus geprügelt hatten.


Nun sind die Gejagten wieder da. Und offenbar haben sie auf der Fahrt Freunde eingesammelt.


Die Türen der vorderen Transporter öffnen sich. Große Männer steigen aus. Breite Schultern unter dunklen Jacken, kurz geschnittenes Haar, ernste Gesichter. Einer lässt den Blick über das Gelände wandern. Ein anderer prüft den Weg zum Eingang. Eindeutig Security. Eine Maßnahme gegen Rantanen und Burch?


Mac wird langsamer. Er betrachtet den Mann, der sich zwischen ihn und die Fahrzeuge stellt. Dann dessen Kollegen. Schließlich hebt er sein Mikrofon ein kleines Stück an. Zum Nachweis seiner beruflichen Harmlosigkeit.


Mac Müll: „Presse.“


Keine Reaktion.


Mac Müll: „Also…interne Presse. Ich gehöre dazu. Zu dieser Liga. Ich bin Mac. Mac Müll.“


Der Mann schaut an ihm vorbei. Ob der Mann mit dem Mikro vor ihm nun James Bond oder Mac Müll heißt, spielt für seine Aufgabe keine Rolle. Er kann – und wird – ihn einfach ignorieren.

Am hintersten Transporter nehmen zwei Sicherheitskräfte Position ein. Einer öffnet die seitliche Schiebetür. Heraus kommt zunächst Robbin Zick, der seinen Jackenkragen zurechtrückt und sofort zum Festungseingang schaut. Hollywood Jake folgt. Der Pelzmantel sitzt, die Miene nicht. Seine Augen wandern über den Platz, bleiben kurz an Mac hängen und ziehen weiter.


Danny Rickson erscheint hinter ihnen im Türrahmen. Er sagt etwas zu einem der Männer, dreht sich dann aber noch einmal ins Wageninnere zurück. Zick und Jake warten nicht auf ihn. Also muss Mac sich beeilen.


Mac Müll: „Robbin! Jake! Einen Moment bitte!“


Mit kleinen Trippelschritten versucht er, zu Zick und Jake aufzuschließen, die es ziemlich eilig haben, in den Gängen zu verschwinden. Immer wieder blicken sie sich um. Doch nicht nach Mac, sondern nach einer unsichtbaren Gefahr.


Mac Müll: „Nach den Ereignissen vor zwei Wochen wartet die Galaxy natürlich auf eine Reaktion. Rasmus Rantanen und Iray Burch haben ziemlich deutlich gemacht, dass sie hinter euch her sind. Wird Refuse to Age sich den beiden stellen?“


Zick geht wortlos weiter. Jake ebenfalls. Müll legt an Tempo zu. Rückwärts laufend bringt er sich schräg vor die beiden und hält das Mikrofon zwischen sie. Eine Position, die journalistisch sinnvoller ist als verkehrstechnisch. Jetzt KÖNNEN die Beiden ihn gar nicht mehr ignorieren.


Mac Müll: „Ihr seid in Wiesbaden ja sehr überstürzt aufgebrochen. Ist die zusätzliche Sicherheit heute eine direkte Folge davon? Habt ihr Angst, dass…“

Hollywood Jake: „Geh aus dem Weg.“


Mac weicht einen halben Schritt zur Seite. Nur einen halben. Die Aussicht auf eine Antwort hält ihn in Reichweite.


Mac Müll: „Das wäre doch die Gelegenheit, diesen Eindruck auszuräumen. Ihr habt Burch damals gemeinsam ausgeschaltet. Jetzt ist er zurück und hat Rantanen an seiner Seite. Traut ihr euch die Auseinandersetzung noch zu oder glaubt ihr, dass das im Nachhinein ein ziemlicher Fehler war?“


Robbin Zick presst die Lippen zusammen. Seine Hand greift kurz an Jakes Oberarm, als wolle er ihn einfach weiterziehen. Doch Jake bleibt stehen.


Hollywood Jake: „Ich sagte: Aus. Dem. Weg.“


Seine Hand stößt gegen Mülls Brust. Fest. Der Interviewer stolpert rückwärts. Seine Sohle rutscht über den feuchten Boden, der freie Arm rudert hilflos durch die Luft. Dann landet er mit dem Hintern in einer Pfütze, die der Koblenzer Regen früher in der Woche hinterlassen hatte. Wasser spritzt gegen Macs Jacke, benässt den hellen Stoff mit matschiger Brühe. Das Mikrofon hält er instinktiv hoch, doch das Outfit ist ruiniert. Für einen Augenblick sitzt Mac einfach da. In seiner Misere.


Jake schaut auf ihn herunter. Der Ansatz eines schadenfrohen Lächelns im Mundwinkel. Dann geht er weiter. Zick folgt.


Mac Müll: „Ich habe doch nur…“


Er wird wieder ignoriert. Die beiden verschwinden im Eingang. Zwei Sicherheitskräfte hinterher. Keiner dreht sich um.


Müll senkt den Blick auf seine Hose. Dunkler Stoff, der gerade noch dunkler wird. Es sieht aus, als habe er sich eingepisst. Vorsichtig setzt er eine Hand neben sich auf den Boden und drückt sich hoch. Sein Gesicht ist rot. Nicht vor Schmerz, sondern vor Scham.


Mac Müll: „Oh Mann, bei Tammy hätte sich das niemand getraut…“


Doch sein Gejaule verstummt abrupt. Denn er rechnet im Kopf nach. 3 Männer. 2 die schon außer Reichweite sind. Bleibt noch einer. Bleibt…


der Anführer.


Und nach diesem dreht sich Müll um. Er spürt neue Hoffnung. Kriegt er doch noch seine Antworten? Wo ist Rickson? Da! Da ist er ! Danny Rickson tritt vom Transporter weg. Zwei Männer gehen vor ihm, weitere halten sich an seinen Seiten. Der Engländer trägt sein blondgefärbtes Haar offen. Er zieht einen Ärmel glatt und blickt zum Eingang, als sei der Weg dorthin eine Zumutung, die man für ihn hätte verkürzen müssen.


Mac atmet tief durch. Noch eine Gelegenheit. Er setzt bereits zu einem Ruf an, als hinter Rickson jemand aus dem Transporter steigt.


Ein junger Mann.


Müll mustert ihn. Sportliche Kleidung. Ein athletischer Körper, lange Arme, ein wenig größer als Danny. Für einen Moment sucht der Interviewer in seinem Gedächtnis nach einem Namen. Ein Nachwuchswrestler? Jemand aus irgendeiner Liga, den Refuse to Age präsentieren will?


Dann sieht er das Gesicht genauer.


Nein. Zu jung. Fünfzehn vielleicht. Sechzehn. Vielleicht auch Siebzehn, aber definitiv minderjährig. Niemand, den man bei GFCW in den Ring schicken würde.


Der Junge schließt die Tür hinter sich und eilt zu Rickson. Einer der Sicherheitsmänner hebt kurz den Arm, lässt ihn dann aber in die Gruppe hinein. Der Jugendliche schaut sich um. Zur Festung. Zur Kamera. Zu Mac, dessen nasse Hose er mit einem flüchtigen Blick bemerkt.


Mac Müll: „Danny, kann ich…“

Danny Rickson: „Nein.“


Rickson geht weiter.


Danny Rickson: „Kein Statement. Nicht zu Rantanen. Nicht zu Burch. Und bevor du dieselbe Frage mit anderen Worten stellst: Auch dann nicht.“


Müll klappt den Mund zu. Seine ursprüngliche Frage ist tatsächlich ziemlich vollständig erledigt worden. Aber inzwischen gibt es eine neue.


Mac Müll: „Wer ist denn dein Begleiter?“


Rickson reagiert nicht. Der Junge schon. Anders als Danny Rickson ist er es nicht gewohnt, dass ihn die „Presse“ umschwirrt. Es ist nichts, dass man einfach ignoriert, schon aus jugendlichem Interesse. Er schaut zu Mac, dann zu Danny. Seine Lippen bewegen sich, doch zunächst kommt nichts heraus. Erst nach zwei weiteren Schritten spricht er.


Junge: „Dad? Darf ich…?“


Rickson bleibt stehen. Er stöhnt. Der Junge hat nur drei Worte gesagt, aber eines davon war zu viel. Rickson kurz schließt er die Augen. Dann dreht er den Kopf zu dem Jugendlichen. Dieser verstummt sofort.


Mac schaut zwischen den beiden hin und her.


Mac Müll: „Dad?“


Mülls Herz beginnt schneller zu schlagen. Da sind sie doch, die ersehnten N-E-W-S! Fick dich, Tammy! Er hat es erfahren! Und nachdem der Junge sich verplappert hat, lässt Mac ihn nicht mehr vom Haken. Egal, wie nass seine Hose ist. Mac starrt den Wrestler und seinen offensichtlichen Sohn an. Nun wendet Rickson sich doch dem Interviewer zu. Sein Blick wandert über die feuchte Jacke, die Hose, die schmutzige Hand. Die Nase hebt sich ein wenig.


Danny Rickson: „Robert Rickson.“


Er betont den Nachnamen, als müsste damit jede weitere Frage erledigt sein.


Danny Rickson: „Ja. Mein Sohn. Aber das ist keine Einladung, mit uns zu sprechen. Mit mir nicht, mit ihm nicht..“


Mac tut es. Robert steht neben seinem Vater und weiß offenbar nicht, ob er die Vorstellung um eine Begrüßung ergänzen soll. Er entscheidet sich für ein knappes Nicken in Richtung des Interviewers.


Mac Müll: „Ich wusste gar nicht, dass du…“

Danny Rickson: „Du weißt vieles nicht. Das hält dich bedauerlicherweise selten vom Reden ab.“


Ricksons Aufmerksamkeit springt über Macs Schulter hinweg. Zwei Mitarbeiter kommen über den Platz. Einer trägt einen zusammengeklappten Ständer. Uninteressant. Trotzdem verfolgt der Engländer ihren Weg, bis sie an der Gruppe vorbeigegangen sind.


Dann legt er eine Hand auf Roberts Rücken.


Danny Rickson: „Wir gehen.“

Mac Müll: „Ist er heute zum ersten Mal mit dabei?“

Danny Rickson: „Du hältst uns auf.“


Der Ton ist schärfer geworden. Rickson zieht Robert ein Stück näher an sich heran.


Danny Rickson: „Hier laufen Verrückte wie Iray Burch herum. Leute, die man in keiner anständigen Gesellschaft frei zwischen anderen Menschen herumlaufen lassen würde. Und du sorgst dafür, dass wir hier draußen stehen und auf sie warten.“


Mac schaut auf die Sicherheitsmänner. Es sind noch immer reichlich davon da. Doch Rickson schiebt eilig seinen Sohn vor sich in Richtung des Eingangs. Als irgendwo seitlich eine Fahrzeugtür zuschlägt, dreht er sofort den Kopf. Seine Hand schließt sich um Roberts Oberarm. Er macht einen kleinen Schritt hinter den Jungen. Vielleicht zufällig. Müll sieht es trotzdem.
Man merkt ihm an, dass die nächste Frage Überwindung kostet. Er leckt sich über die Lippen, hebt das Mikrofon und folgt.


Mac Müll: „Robert?“


Der Junge blickt zurück.


Mac Müll: „Bist du heute eine Art…menschliches Schutzschild für deinen Vater?“


Jetzt bleibt auch die Begleitung stehen. Macs Finger drücken fester um das Mikrofon. Und weil der Sohn nichts antwortet – sich nichts zu sagen traut – spricht er den Vater an.


Mac Müll: „Danny, hast du deinen Sohn mitgebracht, damit Rantanen und Burch dich nicht angreifen? Weil sie es vor einem Kind nicht tun würden?“


Robert schaut seinen Vater an. Dann Mac.


Robert Rickson: „Ich…“

Danny Rickson: „Du musst solchen Leuten nicht antworten.“


Die Worte gelten dem Jungen. Der Blick gilt Müll.


Danny Rickson: „Du bist ein Rickson. Gewöhn dir gar nicht erst an, dich vor solchen Gestalten zu rechtfertigen.“


Robert senkt den Blick. Sein Vater lässt den Oberarm nicht los.


Mac Müll: „Aber die Frage ist doch berechtigt, wenn du ihn gerade…“


Ricksons freie Hand schnellt vor. Sie packt das Mikrofon.


Mac hält nicht fest genug dagegen. Vielleicht auch, weil er nicht damit gerechnet hat. Schon ist es ihm aus den Fingern gerissen. Danny dreht das Handgelenk, wirft den Arm zur Seite und schleudert das Mikrofon über den Platz. Es schlägt auf dem Boden auf. Rutscht weiter. Und bleibt mitten in einer Pfütze liegen.


Mac Müll: „Nein!“


Der Ausruf kommt dünn und erschrocken. Das Mikrofon! Sein Arbeitsmittel! Sein heiliger Gegenstand! Er läuft hinterher, geht neben dem Mikrofon in die Hocke und fischt es aus dem Wasser. Schlamm hängt am Schaumstoff. Müll versucht, ihn mit dem Ärmel abzuwischen. Mit dem ohnehin schon nassen Ärmel.


Es wird nicht besser. Er schluckt. Mehrmals. Seine Lippen sind fest aufeinandergepresst, während er das Mikrofon dreht und nach Beschädigungen absucht. Ein Tropfen läuft über seine Finger. Mac blinzelt schnell.


Robert beobachtet ihn. Der Junge hat den Oberkörper ein wenig zurückgedreht. Sein Blick liegt auf dem durchnässten Mann, der dort hockt und sein Arbeitsgerät sauber zu bekommen versucht. Er wirkt, als wolle er etwas sagen. Vielleicht sogar hingehen. Doch Danny zieht an seinem Arm.


Robert lässt sich mitziehen. Zurück zwischen die breiten Schultern der Sicherheitsmänner. Für einige Schritte ist sein Gesicht noch zu sehen. Dann verschwindet es hinter einer dunklen Jacke.


Ist er Geschützter? Oder Schutzschild?




Zurück am Tisch. Eine neue Mappe liegt bereit.


PRÜFUNG 02


HOLLYWOOD JAKE – CELO MARX


Der jüngere Prüfer blickt zum Ring. Dann etwas skeptisch zur Sichtlinie.


Jüngerer Prüfer: „Ich sehe die linke Ringecke immer noch nicht.“


Der Ältere schreibt etwas auf einen separaten Zettel.


Jüngerer Prüfer: „Was schreiben Sie?“

Älterer Prüfer: „Eric Fletcher.“


Der Jüngere nickt ernst. Und notiert ebenfalls etwas.