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Wir befinden uns im Rund des altehrwürdigen Salle des Étoiles, in der Nähe des Entrancebereichs für die Wrestler. Die heutige Location gehört zu den eher kleineren Venues für die GFCW, die Atmosphäre ist familiär.
Die Show hat noch nicht begonnen, Zuschauer stehen vor ihren Plätzen und unterhalten sich. Am Ring werden noch letzte Arbeiten durch die GFCW-Crew verrichtet. In all diesem Trubel fällt einer kaum auf, der lässig an einer Balustrade lehnt und das Geschehen beobachtet.
Es ist Güldenherz.
Der Lord des Lichts lässt das ganze Glitzern und Funkeln auf sich wirken. Er selbst funkelt natürlich auch, mit seinem mit Diamanten und Goldapplikationen versetztem, hochkragigem Cape.
Natürlich ist der blonde Superstar nicht zu übersehen, trotzdem wird er nicht angesprochen oder bedrängt oder ähnliches. Die monegassischen Zuschauer aus der Oberklasse machen sowas nicht. Die Leute warten einfach darauf, dass die Show losgeht.
Dann kommt doch mal ein Papa mit seinem kleinen Jungen, um ein Foto zu machen. Lächelnd erfüllt Güldenherz den Wunsch, doch als die beiden wieder zu ihren Plätzen gehen, verschwindet das Lächeln und Güldenherz nachdenkliches Gesicht kehrt zurück.
Ganz offensichtlich ist der LdL mit dem Verlauf der jüngsten Ereignisse nicht zufrieden. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Das Contender-Match gegen Steve Steel zu verlieren. Heute zusammen mit Zac Alonso, dem Mann, dem er eigentlich das Championship Gold abnehmen möchte, sogar zusammen in einem Tag Team-Match zu stecken.
Güldenherz seufzt.
Ganz in Gedanken merkt er gar nicht, dass jemand an seine Seite tritt.
Es ist der GFCW Intercontinental Champion.
Zac Alonso: „Hier steckst du also.“
Alonso schaut sich um. Viel Trubel hat sich nicht gebildet, kaum jemandem ist aufgefallen, dass der beliebte Champion zur Situation hinzugekommen ist. Sonst wäre die Reaktion wohl lauter ausgefallen. Nur einige Kinder zupfen am Ärmel ihrer Mutter und deutet aufgeregt zur Balustrade, auf die sich nun zwei Wrestler lehnen.
Zac Alonso: „Ich danke dir für deine Hilfe vor zwei Wochen. Wie du die Birdie Boys davon abgehalten hast, in meinen Kampf einzugreifen, war sehr…“
Er räuspert sich, während er nach den passenden Worten sucht.
Zac Alonso: „…konsequent.“
Eine passende Beschreibung. Nach der Ankündigung von Wooten und Sademi, sich an Alonso zu rächen, hatte Güldenherz prompt die Initiative übernommen und die Golfer in ihrer Kabine eingesperrt, während der Main Event lief.
Zac Alonso: „Ein wenig hätte es mich gereizt, herauszufinden, ob ich auch alleine mit Steel UND den Boys zurechtgekommen wäre. Als Champion sollte man dazu in der Lage sein. Aber es spricht für deinen Charakter, dass du mir so beigestanden hast. Auch wenn ich nicht zwingend Freudensprünge mache, dass wir uns als Folge dessen heute mit den Beiden rumschlagen müssen. Ich hätte mich lieber mit anderen Dingen beschäftigt als mit einem Match in einer Division, der ich nicht angehöre.“
Der Lichtgeborene streckt seinen Rücken durch und nimmt vor Alonso Haltung an. Eine erhabene Erscheinung. Ein Mann, nicht von dieser Welt.
Güldenherz: „Mh, das stimmt allerdings. Ob ich das will oder nicht. Ich habe dir aus mehreren Gründen geholfen, Zac. Einmal, weil ich meinen Anspruch auf deinen Gürtel zum Ausdruck bringen wollte. Es kann nicht sein, dass diese beiden Clowns dich von deinem Titel ablenken und am Ende irgendwie in Gefahr bringen. Ich will, dass du dich ganz auf den Intercontinental Title fokussierst. Dass du dich ganz auf mich fokussierst. Da stören diese beiden Golfer. Insofern ist es dann doch ganz gut, dass wir sie heute aus dem Weg räumen.“
Güldenherz funkelt Zac Alonso mit leuchtenden Augen an.
Güldenherz: „Und dann klären wir das unter uns beiden, was den Intercontinental Title angeht. Du hattest keine Probleme mit Steve Steel. Er hat nicht mehr das Zeug dazu, Champion zu werden. Wahrscheinlich hatte er es nie. Doch wir werden herausfinden, ob ich es habe, Zac.“ Zac Alonso: „Woah, woah. Immer langsam, Güldenherz. Heute haben wir ein Match MITEINANDER, nicht GEGENEINANDER. Ob es das in Zukunft geben wird, habe ich noch nicht versprochen. Auch wenn ich natürlich darüber nachdenke. Nicht umsonst habe ich dir schon einmal die Chance geben wollen. Du hast Talent und du hast Charakter.“
Der Champion schenkt seinem Gegenüber ein höfliches Lächeln. Dann tritt von der Seite ein muskelbepackter Hüne ins Bild und überrascht die beiden Jungspunde.
Steve Steel: „MEIN GOTT VERDAMMT, WAS FASELT IHR DA NUR?! HÖRT AUF, RUMZUSÜLZEN!“
Der Bronzed Adonis tritt hier auf den Plan, klar, dass Steve Steel sich nicht so ohne weiteres aus dem Intercontinental Title Picture verabschieden will, nur weil er ganz klar und deutlich gegen den Champion verloren hat.
Steve Steel: „Wie kommst du darauf, dass du jetzt die nächste Titelchance verdient hast, hä?! Du hast von mir im Nr. 1-Contender Match aber sowas von auf die Mütze bekommen, das ging auf keine Kuhhaut mehr. Ich habe also vielmehr ein Rematch verdient, jawohl! Und dieses Mal wird mich nichts und niemand mehr aufhalten, harr!“ Zac Alonso: „Wenn wir davon sprechen, wer auf die Mütze bekommen hat, blenden wir besser nicht aus, dass du deine Chance vor zwei Wochen vergeben hast, Steve.“
Demonstrativ klopft der Champion auf den Titelgürtel um seine Hüften.
Zac Alonso: „Jetzt bekommen andere ihre Chancen. Jüngere. Ob es Güldenherz sein wird oder jemand anderes...wir werden es sehen.“
Steve Steel schaut Zac Alonso und Güldenherz wutentbrannt an. Wild zeigt er mit dem Finger auf den einen und dann auf den anderen und fuchtelt in der Luft herum.
Steve Steel: „Na wartet! Ihr steckt doch unter einer Decke und wollt mich ausbooten. Aber das wird euch nicht gelingen, wartet es nur ab! Ich habe noch Asse im Ärmel, hehe. Ihr werdet es schon sehen. IHR WERDET ES ALLE SCHON NOCH SEHEN!“
Und so schnell wie der Muskelbepackte die Szenerie betreten hatte, ist er jetzt auch wieder weg.
Güldenherz: „Dieser Hornochse, verdammt. Ich glaub, der denkt das wirklich, dass er derjenige ist, der auserkoren wurde, um neuer Intercontinenatal Champion zu werden und alle sich gegen ihn verschworen haben. Der ist doch paranoid. Na ja, egal… was zum?!“
Kaum ist Steel weg, da treten auch schon die nächsten Neuankömmlinge ins Bild. Es sind die Birdie Boys.
Das Golfcart ist wohl zu klobig, um in den Saal zu gelangen. Doch ganz ohne Golfsymbolik kommen Rupert Wooten und Steven Sademi heute auch nicht aus. „Mr. Fairway“ hat ein Eisen auf der Schulter, Sademi jongliert drei Bälle.
Rupert Wooten: „Seht Sie euch an, wie Sie dort rumstehen und sicher irgendwelche Intrigen schmieden. Na, werden wir heute wieder in Umkleiden gesperrt oder lässt man die Freiheitsberaubung gegen unbescholtene Bürger mal ausnahmsweise stecken?“
Die Provokation führt nur zu einem Augenrollen, das Alonso und Güldenherz simultan vollführen. Natürlich führt diese abschätzige Mimik zu nur noch mehr Empörung bei den Golfern.
Rupert Wooten: „Ich hätte gute Lust, einen dieser Bälle zu nehmen und ihn euch dorthin zu jagen, wo nicht mal der verlauste Zacidog noch ausgraben würde. Doch weil zumindest ein Team in dieser Liga die Zivilisation verkörpern muss, sehe ich davon ab.“ Steven Sademi: „Wovon wir aber natürlich nicht absehen werden, ist, euch heute im Ring zur Rechenschaft zu ziehen.“
Die Golfer brechen in vorfreudiges Gekicher aus.
Steven Sademi: „Wenn wir der Welt erstmal enthüllt haben, dass der Lord des Lichts nichts weiter als ein mit Glasperlen behangener Clown ist, wird ihm kein Mensch mehr ein Titelmatch geben wollen.“
Abschätzig und mit einem Zungeschnalzen fährt Sademi an der extravaganten Optik des Lords entlang.
Rupert Wooten: „Dumm nur, dass der Champion auch nicht viel besser ist.“
Zustimmend klatscht Sademi in die Hände. Der Caddy lässt die Golfbälle in seine Hosentasche gleiten, die dadurch ausgebeult durchhängt.
Güldenherz: „Es reicht jetzt, ihr zwei! Hört auf, mir dazwischenzufunken. Kümmert euch gefälligst um euren eigenen Kram, versucht euch die Tag Team-Titles unter den Nagel zu reißen, aber lasst den Intercontinental Champion in Frieden. Wir werden euch heute Abend beweisen, dass ihr eure versnobten Nasen in Angelegenheiten gesteckt habt, wo ihr nichts zu suchen habt.“
Die angesprochenen Nasen rümpfen die Birdie Boys feindselig. Als sie etwas erwidern wollen, kommt Alonso ihnen zuvor.
Zac Alonso: „Wenn ihr mir noch länger euer Geschwätz anhören muss, bekomme ich noch richtig Lust auf den Kampf. Und das würde für euch nicht gut ausgehen, Jungs.“
Wooten kneift die Augen zusammen und betrachtet Alonso feindselig aus Schlitzen. Das Golfeisen, das er lässig auf der Schulter balanciert, gleitet in seine Hand.
Güldenherz und Alonso machen sich bereit, den angedeuteten Angriff abzuwehren. Doch dann gibt Mr. Fairway nur ein höhnisches Lachen von sich und nutzt den Schläger als Besen, um etwas Staub in Richtung der Faces zu befördern.
Rupert Wooten: „Was denn? Was denn? So nervös wegen eines Schlägers?“
Die Birdie Boys kichern einander zu.
Steven Sademi: „Dann wartet erst mal ab, was für einen Schaden unsere Wrestlingmoves bei euch anrichten werden.“
Mr. Fairway tippt sich an die Schirmmütze, Sademi an den Haaransatz.
Rupert Wooten: „Wir sehen uns im Ring, ihr Lümmel.“
War Evening, Salle des Étoiles (Sporting Monte-Carlo, Monaco), 10.07.2026
In Kooperation mit
Die Kameras fangen die beeindruckende Kulisse der Salle des Étoiles in Monte-Carlo ein. Durch die großen Glasfronten schimmert das Mittelmeer im Abendlicht, während sich die 1.200 Zuschauer längst von ihren Sitzen erhoben haben und lautstark ihre Schilder in die Höhe strecken. Ein paar Fans versuchen verzweifelt, in die Kameras zu winken, während andere bereits ihre Lieblingswrestler mit Sprechchören empfangen. Schließlich blendet die Regie zu den Kommentatoren.
Pete: „Einen wunderschönen guten Abend aus Monte-Carlo! Willkommen zu einer neuen Ausgabe von War Evening aus der legendären Salle des Étoiles.“ Sven: „Monte-Carlo... weißt du, Pete, hier verliert man normalerweise sein Geld im Casino.“ Pete: „Und heute?“ Sven: „Heute wahrscheinlich im Ring.“ Pete: „Da könnte tatsächlich etwas dran sein. Drei Programmpunkte stehen heute auf dem Plan – und die haben es allesamt in sich.“
Tag
Team-Match:
Pete: „Den Anfang machen die Birdie Boys Rupert Wooten und Steven Sademi. Auf sie wartet allerdings alles andere als eine leichte Aufgabe, denn ihnen gegenüber stehen kein Geringerer als Intercontinental Champion Zac Alonso und Güldenherz.“ Sven: „Golf gegen Gold also.“ Pete: „Golf gegen einen Champion und einen äußerst gefährlichen Partner.“ Sven: „Ich bleib trotzdem dabei: Wenn einer mit einem Golfschläger zum Ring kommt, weiß ich sofort, auf wen ich setze.“ Pete: „Ich glaube kaum, dass Howard Eagle das zulassen wird.“
Vertragsunterzeichnung für das GFCW Tag Team-Titelmatch
Pete: „Im Anschluss wird es zwar keinen Kampf geben, dafür dürfte es verbal ordentlich zur Sache gehen. Die Vertragsunterzeichnung für das kommende GFCW Tag Team Championship Match steht an.“ Sven: „Ach, Vertragsunterzeichnungen. Der einzige Ort auf der Welt, an dem ein Tisch eine Lebenserwartung von ungefähr drei Minuten hat.“ Pete: „Vielleicht erleben wir ja diesmal eine Ausnahme.“ Sven: „Pete... du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann.“
Tag
Team-Match: Referee: Karo Herzog
Pete: „Im Main Event wartet dann ein spannendes Mixed Tag Team Match. Stella Nova und Night Fighter Mad Dog treffen auf die Ruhrpott Renegades – Malocher Manni und Kumpel Kowalski.“ Sven: „Das klingt nach einem klassischen Kulturen-Clash. Eleganz und Geschwindigkeit auf der einen Seite, ehrliche Malocher-Mentalität auf der anderen.“ Pete: „Vier Wrestler, die allesamt nicht dafür bekannt sind, einen Schritt zurückzuweichen.“ Sven: „Dann sollten die Zuschauer lieber ihre Getränke gut festhalten.“ Pete: „Monte-Carlo ist bereit, die Fans sind bereit und wir sind es ebenfalls.“ Sven: „Also keine Zeit verlieren. Auf geht's zu War Evening!“
Sven: „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!“ Pete: „Oh Gott…“
Comeback-Time! Seit Title Night haben wir dieses Theme nicht mehr gehört und während dort die Reaktionen noch geschlossen negativ waren, und zwar mit ordentlich Nachdruck, sind diese Reaktionen heute ganz und gar nicht eindeutig zu erfassen. Ja, überwiegend scheint man noch gegen Aldo zu sein, gleichermaßen scheinen ihm einige der GFCW-Fans wohl doch etwas positiver gesonnen, wenn man an seine Taten von vor zwei Wochen zurückdenkt. Wieder andere scheinen sich über Aldos Ankunft zu freuen, da er gewissermaßen einen Heimvorteil hat. Der größte Teil der GFCW-Galaxy befindet sich wohl aber irgendwo dazwischen und scheint gar nicht so recht zu wissen, wie man hier reagiert. Und das merkt man auch Aldo selbst an, als er auf die Stage tritt. Ist er wütend, weil The End vor zwei Wochen das Wohl der eigenen Familie aufs Spiel gesetzt hat? Ist er orientierungslos, weil er zwar zurück, sein Vater ihn dabei aber nicht begleitet? Befindet er sich im Gemütszustand irgendwo zwischen hungrig und verzweifelt, weil er seinen Gürtel zurückwill? Freut er sich vielleicht, dass er wieder da ist? So richtig kann man es nicht abschätzen, am allerwenigsten wohl Aldo selbst. Aber Aldo ist hier und damit kehrt der Eroberer, der ehemalige GFCW World Champion, der Wrestler des Jahres 2025 zurück.
Sven: „Heute ist vielleicht nicht Ostern, heute ist auch nicht Weihnachten und Geburtstag habe ich auch nicht, aber trotzdem ist heute der schönste Tag des Jahres, des Jahrzehnts, vielleicht sogar aller Zeiten – aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ja wie soll heute jemals getoppt werden, denn ALDOOO NEROOO ist zurück! Bitte, lass mich niemals aus diesem schönen Traum aufwachen!“ Pete: „Ist klar…“ Sven: „Sei du besser froh, dass dein Sohnemann nicht doch noch gegen Aldo antreten muss, jetzt, wo er wieder da ist.“ Pete: „Lassen wir das Thema, denn tatsächlich freut es mich auch, Aldo wieder zu sehen. Aber weißt du, wenn es vermutlich nicht freuen wird? Danny Rickson und Refuse to Age.“ Sven: „Tja und den Usurpator, der ihm den Thron gestohlen hat.“
Aldo trägt ein schwarzes Hemd und eine helle Jeans. Seine Mimik verrät recht wenig über das, was in ihm vorgeht. Aber es wirkt grundsätzlich erstmal nicht so, als wäre er erholt. Vielmehr, als hätte er in den letzten Monaten viel gearbeitet und die Zeit nicht so gut weggesteckt, wie er es vielleicht hätte machen müssen. In gewisser Weise wirkt er dadurch aber auch etwas… „reifer“? In jedem Falle tritt Aldo nun seinen Weg zum Ring an, ohne dabei mit den Fans zu interagieren. Er hält lediglich ab und an inne um das Publikum mit seinem Blick abzuscannen, als wolle er selbst die Reaktionen bestens studieren. Im Ring angekommen, wird ihm auch sofort ein Mikrofon überreicht und nachdem Aldo die Stimmung noch für einen Moment aufsaugt, bringt er sich in Position um zu sprechen… … allerdings kommt er nicht dazu.
Jetzt: Jubel. Die Menge jubelt, denn der Champ ist da. Ob das gut oder schlecht für Aldo ist, wird sich zeigen.
Sven: „NEINNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN!“ Pete: „Jetzt wird es richtig spannend.“ Sven: „Kann es auch nicht mal einfach langweilig sein? Muss man mir den jeden schönen Moment kaputt machen?“
Und ohne großen Schnickschnack kommt der Champ auf die Stage gestürmt, mit einem klar anvisierten Ziel im Blick. End hat den Gürtel dabei und läuft direkt in Richtung Ring, dabei hypnotisiert er Aldo Nero fast schon, mit einer Mischung aus Verwunderung, Wut und sogar einer Spur Ratlosigkeit, darüber, was Aldo hier vorhat. Aber, wenn er ihn unterbricht, woher soll ers auch wissen? Aldo erwidert den Blick natürlich, scheint aber auch schon damit gerechnet zu haben, dass es nicht lange dauern wird, bis End hier zu ihm stößt. Schließlich erreicht End den Ring, betritt ihn, um sich vor Aldo aufzurichten. Dabei ergibt sich ein Staredown, der an die großen Schlachten, die lange und weitreichende Geschichte und an all das erinnert, was zwischen ihnen und den Corleone-Brüdern vorgefallen ist. Ein Moment voller Spannung und Intensität. Die beiden waren Familie. Die beiden sind Familie? Die beiden waren Feinde. Die beiden sind Feinde? In jedem Falle steckt in der Verbindung dieser beiden verdammt viel drin: Blut, Tränen, Erinnerungen – positiv, wie negativ. Nun bleibt die Frage, wer wird hier den ersten Schritt gehen, das erste Wort sagen?
Aldo Nero: „Wie geht’s… Champ?“
Hier schwingt unüberhörbar Hohn mit, sehr vermutlich deshalb, weil Aldo auf die Ereignisse vor zwei Wochen anspielt. Dort haben Danny Rickson und seine Männer Salvatore Corleone auflauern wollen, sofern End Rickson kein weiteres Titelmatch gibt. … und es sah alles so aus, als ob The End die Umsetzung dieser Drohung in Kauf genommen hätte. Was Aldo auf den Plan gerufen hat. Die Fans halten sich dabei mit ihren Reaktionen weitestgehend zurück. In diesem Falle weniger deshalb, weil sie nicht wissen, wie sie reagieren sollen, also vielmehr, weil sie so angespannt sind. End schaut sich um und ließt den Raum, er versteht Aldos Spitze, scheint aber nach wie vor nicht einzusehen, warum er diese verdient hat.
The End: „Ich… bin ein viel beschäftigter Mann. Und deshalb mache ich es kurz: ich habe keine Zeit, für was auch immer du vorhast. Und ich denke, ich muss dir auch nicht erklären, wie wir erzogen wurden. Die Devise war immer, wenn Onkel Sal oder…“
Wir wissen alle, wessen Name es ist, der The End schwerfällt, ihn auszusprechen. Allerdings zögert End nur kurz, es handelt sich um einen Dämonen, den er schon einige Zeit hinter sich gelassen hat.
The End: „… oder dein Vater angegriffen werden, dann ist das Teil des Spiels. Wir werden Sie niemals von unseren Feinden als Druckmittel gegen uns benutzen lassen. Hätte ich das getan, DANN hätte ich ihn enttäuscht. Aber ich wollte nicht enttäuschen, ich hätte ihn gerächt. ICH hätte das getan. Was gibt dir also das Recht, mir zuvorzukommen und noch viel wichtiger… was hast du dort überhaupt zu suchen gehabt?“
Eine Erklärung über die Ideologie der Familie Corleone und gleichermaßen eine berechtigte Frage – was hatte Aldo dort zu suchen? Die Fans sind noch immer angespannt, während The End den Blick eisern aufrechterhält. Dabei kommt man nicht ganz umherzuerkennen, dass die Art und Weise der Interaktion der Beiden untereinander, eine andere ist, als wenn man noch an Aldos Anfangstage hier zurückdenkt. Damals war das Machtverhältnis viel eindeutiger, The End hat Aldo nur sehr schwer und spärlich ernst genommen. Jetzt wirken sie fast schon ebenbürtig und The End sieht in Aldo weniger einen nervigen, kleinen Störenfried-Bruder, als vielmehr eine tatsächliche Bedrohung. Und Aldo zögert etwas. Er kehrt fast schon inne, hält ein und denkt nach. Er wirkt nicht überheblich, aber auch nicht verzweifelt. Es scheint nicht so, dass er um die Aufmerksamkeit seines Vaters vermisst, als vielmehr, dass er nach Title Night eine Reise begonnen hat, wirklich zu erforschen, wer er ist und als wäre diese Reise noch lange nicht abgeschlossen.
Aldo Nero: „Druckmittel? So siehst du ihn? Onkel Sal?“
Aldo scheint Ends Worte verstanden und registriert zu haben, aber er will vermutlich auf etwas anderes hinaus.
Aldo Nero: „Wenn das die Art und Weise ist, wie du denkst, dann ist ‚mein Vater‘ noch viel tiefer drin, in deinem Kopf, als dir lieb ist.“
Aldo spricht von seinem Vater mit einer ähnlichen Note von überwundenen Trauma, wie The End zuvor. Offensichtlich spielt er damit also wieder auf das an, was The End zuvor gesagt hat… und sein Punkt trifft auch durchaus, denn Aldo offenbart hier etwas Wahres: … The End denkt wie James Corleone, wenn er es auch ungern zugeben will. Und das ist etwas, was sich durch seinen zweiten Titelrun zieht, wie auch sein Wunsch neue Gegner zu bekommen. Du kannst einen James Corleone aus deinem Leben streichen, aber nach so langer Zeit, die du mit ihm verbracht hast, wirst du ihn niemals aus deinen Gedanken streichen können.
Aldo Nero: „Ich weiß, was du meinst. Nach allem, was passiert ist… warum sollte ich da noch bei Onkel Salvatore rumhängen, richtig? Schließlich hieß es er und du, gegen mich und meinen Vater - James Corleone. Aber… es gibt da etwas, was größer ist als diese Fehde. Größer als du, größer als ich, größer als dieser Titel, den du da trägst und weshalb du so beschäftigt bist. Größer als die GFCW… … und das ist die Familie. Und deshalb: nach allem, was passiert ist, hat Onkel Sal erkannt, dass es mir noch immer schlecht geht, dass ich noch immer nicht weiß, wer ich eigentlich bin. Und er hat mich unterstützt. Er hat mir einmal mehr eine Heimat gegeben, eine Aufgabe, eine Bestimmung. Und deshalb ist es das Mindeste, was ich tun kann, dass ich ihm den Arsch rette, wenn er bedroht wird. Für mich ist er kein Druckmittel; kein Manager, der mir im Match zur Seite steht, … er ist mein Onkel. Und deshalb sage ich es gern noch einmal, aber, wenn du nicht in der Lage bist deine Familie zu schützen, dann muss ich es tun, damit du weiter beschäftigt sein kannst.“
Verwirrung. Verwirrung auf den Gesichtern der Fans, Verwirrung bei The End. Der, der die Lage gerade am deutlichsten erkennt, ist genau derjenige, der zu Beginn dieses Gesprächs noch am orientierungslosesten wirkte: Aldo Nero. Aber er steht, zu dem was er sagt und er strahlt genau das auch mit einer Art Selbstbewusstsein aus, die nichts mehr mit der gekünstelten Arroganz zu tun hat, die er einst an der Seite seines Vaters dargestellt hat. Und dabei werden die positiven Reaktionen ihm gegenüber tatsächlich immer positiver, wenn diese ihn auch nicht wirklich zu interessieren scheinen. Und auch The End muss überlegen, wie er hier rauf reagiert. An aller erster Stelle erkennt er aber, dass Aldo ins einer Abwesenheit deutlich gewachsen ist und das findet er… gut? Nicht zuletzt baut es auf dem Letzten auf, was Aldo vor besagter Abwesenheit getan hat: sich von James Corleone zu lösen.
The End: „Ich verstehe…“ Aldo Nero: „Tust du das?“
Noch bevor End mit seiner Antwort weitermachen kann, ist es diesmal Aldo, der ihn unterbricht.
Aldo Nero: „Dann sag mir… ob eine Rache im Nachhinein tatsächlich die bessere Option gewesen wäre, als vorher zu verhindern, was gerächt werden muss. Oder ist die Rache eines niedergeschlagenen, alten Mannes, der alles für dich tut und immer für dich da ist, tatsächlich besser, als dem nachzukommen, was du hier schon seit Monaten forderst? Du willst Herausforderer? Dann kämpf doch gegen Danny Rickson, der dich herausfordert, wenn alles, was du dafür tun musst, ist, Onkel Sal vor einem Angriff zu bewahren.“
Wieder ein Treffer und nach diesem wird Ends Blick nun deutlich düsterer. Die Fans scheinen dabei durchaus auch immer weiter in Position Aldo Nero zu rücken, wobei sie natürlich noch immer hinter The End stehen, der nun aber auch mit seiner Antwort ausbricht.
The End: „Große Worte und so nobel sich das auch anhört, ist das vielleicht der Grund dafür, warum DU diesen Gürtel nicht mehr trägst.“
… dass „ich aber schon“ in der Verbindung mit dem Umstand, dass The End Aldo Nero den Gürtel abgenommen hat, spart sich The End, auch so bekommt er dafür aber doch einiges an negativen Reaktionen, die ihn zumindest aufhorchen lassen. Und dabei wird der Staredown sogar noch intensiver, hält allerdings auch nur kurz an, denn End wandert mit einem seitlichen Blick ins Publikum, als er realisiert, was er da gerade gesagt hat. Aldo kommentiert Ends Worte nicht, sondern lässt sie für sich stehen, in diesem Sinne dürfte diese Nicht-Antwort wohl Antwort genug sein. End schaut durchaus etwas getroffen, dann schnauft er tief durch, rollt mit den Augen, bevor er… auflacht? Naja, zumindest schmunzelt er, bei dem Moment, als die Realisation einkickt, dass sein „kleiner Bruder“, ihn gerade ordentlich gemaßregelt hat.
The End: „Aber… du hast recht. Ich wollte die Herausforderung. Und jetzt… Danny Rickson, Refuse to Age, Darragh Switzenberg… und Aldo Nero. Jetzt habe ich sie.“
Man sieht an Ends Mimik einmal mehr die verschiedensten Emotionen. Man sieht, wie sehr ihn diese Situation hier frustriert, wie er aber auch durchaus erkennt, dass Aldo recht hat, mit dem, was er sagt. Man sieht, dass ihn die Switzenberg-Situation noch nicht loszulassen scheint, man sieht, dass er sich noch um Refuse to Age kümmern muss. Man sieht, dass er nun endlich da angekommen ist, wo er hinwollte: als Champ, der vielerlei Baustellen bearbeiten und dem Druck davon standhalten muss. Fürs erste ist das also der Moment für eine Pause.
The End: „Willkommen zurück, Aldo.“
Und diese Worte sind mit einer spielerischen Ernsthaftigkeit gesprochen, aus denen man heraushört, dass er sich tatsächlich zu freuen scheint, Aldo wieder zu haben und anerkennt, dass Aldo gewachsen ist. Er läuft nun aber an ihm vorbei und verlässt den Ring. Sehr wahrscheinlich ist hier aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Die Modern Erasers haben Wut im Bauch. Wut über das, wie alles gelaufen ist. Wut darüber, wie ihnen mitgespielt wurde. Erst engagiert Ben Slate Titan und Tha Bomb, um Zerbeus auszuschalten, die sie eigentlich in einem Match hätten besiegen wollen. Darüber zerbricht das Bündnis mit dem Schweizer – zu allem Überfluss rächen sich TnB aber nicht an Slate, sondern an ihnen, indem sie ihre Kabine zerstören. Womöglich, neben dem anbrechenden Streit mit Ben, eine Ursache dafür, dass sie ihr Match gegen die Mad Stars bei New Level verlieren. Und in welchem Match diese nun bei Conquista stehen, wissen auch alle… Anschließend verlieren sie das Match gegen Titan und Tha Bomb auf unfaire Weise, doch Iokepa kann immerhin Ben Slate besiegen. Doch seine Freude darüber weilt nicht lange, da TnB ihn mit einem Trick dazu bringen, ein weiteres Match gegen sie anzunehmen; allerdings zu Konditionen, die keiner der beiden zuerst gutheißen konnte. Sei’s drum, Iokepa und Bella zeigen, was sie sind. Ein Paar, ein Team, dem die Zukunft der GFCW gehören könnte. Und mit diesem Esprit, dieser Einstellung besiegen sie Titan und Tha Bomb. Knapp und mit einigem, was sie einstecken mussten – doch dafür haben sie sich nicht weichkochen oder diktieren lassen, wie das Match zu laufen hat. Doch erneut stehlen TnB ihnen alles. Erneut können sie ihren Sieg nicht feiern, denn Titan und Tha Bomb und ein mysteriöser Rückkehrer zerstören nicht nur den Moment. Sie greifen mehrfach brutal an und meinen zu allem Überfluss auch noch die alte Ära der GFCW wieder aufleben lassen zu wollen… Bella Venera fletscht die Zähne, als sie vor der Kabine von TnB angekommen sind. In ihrer Hand ist ein Steel Chair und in der ihres Freundes ruht ein Baseballbat. Ohne anzuklopfen, ohne Vorwarnung drückt Iokepa die Tür auf und die beiden Modern Erasers stehen sofort im Raum. Titan und Tha Bomb wirken kurz überrascht, doch schnell haben sie sich gefasst und legen ein süffisantes Grinsen auf.
Titan: „Schau dir an, wen wir hier haben!“ Tha Bomb: „Wollt ihr euch etwa rächen??“
Schnell haben die beiden GFCW Altstars Kampfhaltung angenommen, Titan hat sich gar den nächstbesten Stuhl geschnappt.
Titan: „Versucht es ruhig! Es wird nicht anders enden als vor zwei Wochen!“
Die Hand von Iokepa geht nach vorne und deutet seiner Freundin an, dass sie jetzt ja nicht auf dieses für sie verlockende Angebot eingehen sollte.
Iokepa: „Nein! Wir sind nicht hier, um uns zu rächen. Das wollen wir lieber im Ring tun. Der Stuhl und der Baseballschläger sind nur unsere Versicherung, falls ihr mal wieder durchdreht.“
Die
Stimmung ist angespannt. Auf der anderen Seite die jungen Modern Erasers. Das Liebespaar. Bella mit dem Stuhl und Iokepa mit dem Baseballschläger. Wenn jetzt einer eine falsche Bewegung macht, geht es los. Hier und heute.
Tha Bomb: „Was schlagt ihr also vor?!“ Bella Venera: „Conquista!“
Wie aus der Pistole kommt der Name des kommenden PPVs aus dem Mund der dunkelblonden Frau, deren Hände sich in den Stahl des Stuhles graben, als wären die Beine die Hälse von TnB.
Iokepa: „Ihr gegen uns.“ Titan: „HA! Wollt ihr nochmal auf die Schnauze kriegen?!“
Die
beiden ehemaligen Tag Team Champions tauschen kurz ihre
Blicke, was sie von einem weiteren Match gegen die Modern
Erasers wohl halten.
Titan: „Sschhhh, Mädchen! Schläge findest du wohl geil, was?!“
Nun
lächelt er, während der Stuhl in Bellas Händen
zu zittern beginnt.
Tha Bomb: „Das glaube ich auch! Wie sieht‘s aus, Io?! Kannst du es ihr etwa nicht richtig besorgen?!“
Immer
noch zittert der Stuhl und Bellas Wade juckt, jetzt sofort
nach vorne zu sprinten und den beiden Arschlöchern den
Stahl in die Fresse zu schlagen. Doch…
Iokepa: „Es soll kein normales Match sein!“
Kurz verengen sich die Augen der beiden Altstars zu engen Schlitzen. Ihre Blicke treffen sich erneut – zum ersten Mal scheint ihr Interesse geweckt zu sein.
Iokepa: „In der letzten Show habt ihr es eindeutig zu weit getrieben. Schon in unserem ersten Match, habt ihre jede erdenkliche Chance genutzt unfair zu agieren. Darauf gibt es nur eine Reaktion. Wir lassen die Leinen los – Street Fight! Keine Disqualifikation, kein Count Out! Tornado Rules!“
Nachdenklich legt sich die beiden Stirnen von TnB in Falten. Sie schauen einander an, dann zurück zu den Modern Erasers.
Belle Venera: „Was ist los?! Habt ihr Angst?!“
Die wütende Provokation bringt ihr einen ernsten Blick von Titan ein.
Tha Bomb: „Pah! Vor wem?“
Bomb winkt ab.
Bella Venera: „Na ja… wir kamen nicht plötzlich mit einem dritten Mann um die Ecke oder haben gegen die Regeln agiert. Das ward ihr! Scheinbar haben die ach so tollen Männer aus der guten alten GFCW Zeit beim Anblick zweier Ringkoryphäen so viel Scheiße zwischen den Backen, das sie jeden doppelten Boden und jedes verfickte Netz, das es im Wrestling gibt, ausnutzen müssen.“ Titan: „Weil nur der Sieg zählt, Schlampe!“
Wütend funkeln die Augen der Venera durch ihre rot-güldene Maske.
Iokepa: „Und den Sieg haben wir bei der letzten Show errungen! Nur um das nochmal klar zu stellen. Wir sind besser als ihr!“ Tha Bomb: „HA! Bullshit…“
Wieder treffen sich die Blicke der beiden Urgesteine. Dann nicken sie einander zu.
Titan: „Street Fight. Conquista. Wir gegen dich und deine Bitch. Ja. Verflucht nochmal. Ja!“ Tha Bomb: „Und jetzt schert euch hie…“
WHACK!
In
Windeseile ist Belle Venera nach vorne geschnellt. Den Stuhl
im Anschlag. Mit voller Wucht hat sie die Sitzfläche
auf Titans Schädel geschmettert.
Bella Venera: „Als kleiner Vorgeschmack, ihr Wichser!“
Wütend schmeißt sie das ausgebeulte Teil auf Titan hinab und wendet sich dann der Ausgangstüre zu. Auch Iokepa verlässt gleichzeitig den Raum, als sich Tha Bomb um den verletzten Titan kümmert.
Tha Bomb: „Das kriegen sie wieder!“
Pete: „Das erste Match des Abends steht an, die Birdie Boys treffen auf Güldenherz und den Intercontinental Champion Zac Alonso.“ Sven: „Die beiden Teams sind sich in der letzten Show über den Weg gelaufen und haben sich direkt in die Haare gekriegt, so dass nun dieses Match ansteht.“ Pete: „Wobei Güldenherz und Alonso ja gar kein Team sind. Also eigentlich nicht. Aber heuet Abend sind sie es.“ Sven: „Das stimmt, Pete. Güldenherz würde nichts lieber machen, als Zac Alonso um seinen Championgürtel herauszufordern. Das hat er zuletzt immer wieder klar gemacht. Doch ob es dazu kommen wird, das steht in den Sternen. Heute gibt es erst einmal Tag Team Action!“
Backstage – Medizinischer Trakt
Das Stimmengewirr der Halle dringt nur dumpf durch die dicken Betonwände. Wie ein entferntes Gewitter. Man hört vereinzelte Jubelrufe.
Dann wieder Stille.
Die Kamera fährt langsam einen langen Flur entlang.
Kaltes Neonlicht. Weiße Türen.
Der Geruch von Desinfektionsmittel scheint fast durch den Bildschirm zu dringen. Am Ende des Ganges steht eine einzige Tür.
MEDICAL STUFF
Die Kamera verweilt einen Moment.
Dann…
öffnet sich die Tür langsam. Der Raum wirkt beinahe steril.
Weiße Wände. Chrom. Glas.
In der Ecke summt ein kleiner Kühlschrank. Eine alte Wanduhr tickt hörbar.
Tick.
…
Tick.
…
Tick.
…
Titan sitzt regungslos auf einer Untersuchungsliege. Der Oberkörper ist unbekleidet. Sein langer schwarzer Mantel liegt sauber zusammengefaltet auf einem Stuhl. Ein älterer Arzt näht konzentriert die Platzwunde über Titans linker Schläfe. Jeder Stich ist deutlich zu hören.
Das metallische Klicken der Pinzette. Das Ziehen des Fadens. Der Knoten.
Titan verzieht nicht einmal die Augenbraue. Seine Hände liegen ruhig auf den Oberschenkeln. Als würde der Schmerz ihn überhaupt nicht interessieren. An der gegenüberliegenden Wand lehnt Tha Bomb.
Die Arme verschränkt. Der Blick aus dem Fenster.
Draußen ziehen Scheinwerfer durch die Nacht von Arles. Man hört entfernt das Publikum. Bomb bewegt sich keinen Zentimeter. Die Kamera verweilt einige Sekunden auf seinem Gesicht.
Keine Wut. Keine Enttäuschung. Nur Nachdenklichkeit.
Der Arzt beendet den letzten Stich. Er schneidet den Faden ab. Das leise Schnipp der Schere hallt beinahe durch den Raum. Der Arzt tritt einen Schritt zurück.
Arzt: „Acht Stiche.”
Titan hebt langsam den Blick. Fast neugierig.
Titan: „Nur acht?”
Der Arzt wirkt irritiert. Titan lächelt. Nicht spöttisch. Fast nostalgisch.
Titan: „Ich werde alt.”
Tha Bomb schnaubt leise. Mehr ein Ausatmen als ein Lachen. Der Arzt beginnt, ein Pflaster auszupacken. Titan hebt langsam die Hand.
Titan: „Nein.”
Der Arzt hält inne.
Titan: „Das heilt besser an der Luft.”
Der Arzt sieht ihn einige Sekunden schweigend an. Dann nickt er. Er packt seine Instrumente zusammen. Das metallische Klappern erfüllt den Raum.
Arzt: „Versuchen Sie, sich heute zu schonen.”
Titan sieht ihn an. Für einen Moment wirkt es fast so, als hätte er Mitleid mit dem Mann.
Titan: „Doktor…”
Kurze Pause.
Titan: „Wenn ich mich schonen wollte…”
Ein leichtes Lächeln.
Titan: „…wäre ich Lehrer geworden…oder Arzt…”
Tha Bomb grinst zum ersten Mal ganz leicht. Der Arzt versteht den Humor nicht. Er nickt nur höflich und verlässt den Raum. Die Tür fällt langsam ins Schloss.
Klack.
Jetzt…ist es vollkommen still. Nur die Uhr.
Tick.
…
Tick.
…
Tick.
Titan bleibt noch einige Sekunden sitzen. Dann erhebt er sich langsam. Er tritt vor den Spiegel. Die frische Naht zieht sich über seine Schläfe. Ein dünner Blutstropfen läuft langsam daran entlang. Titan betrachtet sich. Sehr lange. Fast liebevoll. Er fährt mit dem Finger vorsichtig über die Naht.
Titan: „Weißt du…”
Er spricht weiter, ohne den Blick vom Spiegel zu lösen.
Titan: „Ich habe das vermisst.”
Tha Bomb dreht langsam den Kopf.
Tha Bomb: „Den Stuhl?”
Titan schüttelt langsam den Kopf.
Titan: „Nein.”
Pause.
Titan: „Das hier.”
Er tippt gegen die Naht.
Titan: „Narben.”
Er lächelt sein Spiegelbild an.
Titan: „Früher…war jede Narbe eine Geschichte.”
Titan schaut sich weiterhin im Spiegel an. All die Narben die seinen Körper zieren.
Titan: „Heute…”
Er blickt aus dem Fenster.
Titan: „…ist jede Entschuldigung länger als das Match.”
Bomb stößt sich langsam von der Wand ab. Er geht zum Kühlschrank. Nimmt zwei Glasflaschen Wasser heraus.
Kein Energy Drink. Kein Bier. Nur Wasser.
Er stellt eine Flasche vor Titan. Selbst das geschieht beinahe feierlich. Titan nimmt einen Schluck. Dann spricht Bomb.
Tha Bomb: „Sie wollte gewinnen.”
Titan nickt.
Titan: „Natürlich.”
Bomb setzt sich. Zum ersten Mal wirkt auch er beinahe nachdenklich.
Tha Bomb: „Sie hat nicht gezögert.”
Titan lächelt.
Titan: „Genau deshalb…gibt es vielleicht doch noch Hoffnung.”
Bomb schaut ihn fragend an. Titan dreht sich langsam um.
Titan: „Verstehst du…”
Er geht langsam durch den Raum. Wie ein Professor.
Titan: „Bella hat heute etwas getan…was diese Liga seit Jahren vergessen hat.”
Er bleibt stehen.
Titan: „Sie war bereit…einen Preis zu bezahlen.”
Bomb nickt.
Titan: „Sie wollte unbedingt gewinnen.”
Titan lächelt.
Titan: „Ja...Und genau deshalb…”
Pause.
Titan: „…ist sie uns noch Lichtjahre voraus.”
Bomb runzelt die Stirn. Titan setzt sich auf die Fensterbank. Er blickt hinaus auf den Yachthafen von Monaco. Die uralten Steinmauern leuchten im Mondlicht.
Titan: „Sie kämpfen…um Siege. Um Statistiken. Um Gürtel.”
Er schüttelt langsam den Kopf.
Titan: „Das haben wir hinter uns gelassen.”
Bomb nickt.
Titan: „Vor langer Zeit.”
Titan spricht fast flüsternd.
Titan: „Als wir angefangen haben…ging es darum…der Beste zu sein. Es ging darum die Welt zu verändern.”
Er blickt wieder hinaus.
Titan: „Jetzt…geht es darum…dass Wrestling wieder das wird…”
Lange Pause.
Titan: „…wofür wir unser Blut gegeben haben.”
Bomb tritt neben ihn. Beide blicken schweigend auf die Arena. Man hört die Fans nur noch ganz entfernt. Wie ein Echo. Titan legt eine Hand auf die Fensterscheibe.
Titan: „Sie glauben…es geht um Bella. Oder Iokepa.”
Er lächelt traurig.
Titan: „Nein. Es geht um eine Generation…die vergessen hat…auf wessen Fundament sie steht.”
Er schaut ernster…aber auch irgendwie diabolisch erregt.
Titan: „Bomb…“
Dabei kommt er seinem Partner sehr nahe.
Titan: „Den Funken den wir vor zwei Wochen entfacht haben…“
Tha Bomb grinst ihn an.
Titan: „Dieser Funken wird in kürzester Zeit zum Fegefeuer für alle die sich weigern sich dem zu verweigern was die GFCW wieder sein soll…“
Tha Bomb: „Mit dem Unterschied das nach UNSEREM Fegefeuer nicht der Himmel wartet…NEIN!!!“
Titan: „Nach unserem Fegefeuer wartet…“
Plötzlich beginnt das alte Mobiltelefon auf dem Tisch zu vibrieren. Nicht laut. Ein dumpfes Brummen. Titan dreht den Kopf. Bomb ebenfalls. Keiner bewegt sich sofort. Das Telefon klingelt ein zweites Mal. Titan geht langsam hinüber. Auf dem Display steht nur:
UNBEKANNTER ANRUFER
Er nimmt das Telefon auf.
Titan: „Ja.”
Stille. Man hört nichts. Nicht einmal eine Stimme. Nur Titans Gesicht verändert sich. Er nickt einmal. Langsam.
Titan: „Verstanden.”
Er legt auf. Bomb fragt nicht, wer angerufen hat.
Er weiß es.
Tha Bomb: „Jetzt?”
Titan steckt das Telefon in die Manteltasche. Er nimmt langsam seinen Mantel. Streicht mit der Hand über den Stoff. Dann blickt er Bomb an. Ein Blick genügt.
Titan: „Er wartet.”
Bomb steht bereits. Keine weitere Frage. Titan löscht beim Hinausgehen das Licht. Der Raum versinkt im Dunkeln. Nur durch das Fenster fällt noch etwas Mondlicht auf den Spiegel.
Dort…
ist noch immer Titans frische Naht zu sehen.
Wie eine Erinnerung. Wie ein Versprechen.
Die Tür schließt sich langsam. Klack.
Auch im Salle des Étoiles gibt es eine Interviewwand und das heißt: Mac Müll oder Tammy. In diesem Fall ist es Tammy, die hier drei Gäste bei sich hat. Eine feurige Vogeldame, eine Leopardin und ein Stoffschwein. Klingt nach Leopard, Phönix & Co, aber die beiden Gäste, die kein Stoffschwein sind, kommen doch sehr menschlich daher: die blond gelockte „Phönix“ Milly Vermillion und die Leopardin aus Long Island, die rosarot bezopfte Monica Shade, unter deren linkem Arm ihre „Strategin“ verortet ist – Stoffschwein Lady Rosi. Die eine Teil des LPG Förderkaders, die andere Assistentin des Förderkaders. Kaum gibt das Kamerateam den Daumen hoch, richtet Tammy sofort eine Frage an die Feurige.
Monica Shade: „Darum kümmere ich mich seit einiger Zeit, das nur so nebenbei.“ Milly Vermillion: „Mir doch egal, wer für mich den nervigen Kleinkram erledigt, Hauptsache irgendwer macht es und diese irgendwer bin nicht ich.“
Milly Vermillion: „Es geht nicht um „Glauben“, es geht um „Wissen“ und ich weiß eines ganz sicher: unter normalen Umständen hätte ich gewonnen und wäre jetzt Champion. Ergo muss Kilian Douglas Schuld daran sein, dass ich von Zacharias gepinnt wurde, denn meine Schuld war es natürlich nicht.“
Tammy fragt sich, was aus ihrem Interview geworden ist und hält sich zurück – sollen diese verrückt anmutenden Frauen doch ihre Probleme unter sich ausdiskutieren. Und die gibt es, dass Phönix über Hexe stehen soll missfällt Dominique sichtlich noch mehr als Monicas Aussage, dass sie Pech gehabt hätte.
Monica Shade: „Kein Problem, die Show geht ja noch ein bisschen. Ich komme dann später noch mal vorbei. Würde mich nicht wundern, wenn Miria auch Bedarf an nem Mikrofon hat, vielleicht kommen wir dann sogar zusammen.“ Tammy: „Okay, abgemacht! Dann bis später!“
„Mr. Booker. Sie haben einen Anruf auf Leitung 2.“
Der Präsident der GFCW blickt von seinem Schreibtisch auf. Sieht seine Sekretärin, die in der Tür steht und entschuldigend zu ihm herüberlächelt. Sein Blick wird milder – auch wenn er mitten in der Arbeit gestört wurde.
Claude Booker: „Sie sollten doch ausrichten, ich sei unabkömmlich. Ich muss mich wirklich um diese Dinge kümmern.“
Seufzend klopft er auf die Dokumente, die vor ihm auf der Schreibtischplatte liegen. Ein ganzer Stapel von Verträgen und Rechnung, der bearbeitet werden will.
Sekretärin: „Sie sollten sich das anhören.“
Die junge Frau beißt sich auf die Lippe.
Sekretärin: „Es schien wichtig.“
Stöhnen bei Dynamite. Er lehnt sich im Schreibtisch zurück, drückt mit den Fingern die Nasenwurzel und atmet einmal tief durch. Dann gibt er seinen Widerstand auf und lässt die Schultern hängen.
Claude Booker: „Also gut. Stellen Sie den Anruf durch.“
Die Frau drückt einen Knopf ihres Smartphones und sogleich beginnt der Tischapparat des Präsidenten zu klingeln. Natürlich mit dem Rufton einer Ringglocke.
Claude Booker: „Von wo kommt der Anruf?“
Fragt er, während er schon zum Hörer greift.
Sekretärin: „Aus dem Krankenhaus.“ Claude Booker: „Krankenhaus?“
Bevor die Sekretärin etwas entgegnen kann, nimmt der Ligenboss den Hörer ab. Er räuspert sich, spricht mit fester Stimme.
Claude Booker: „GFCW. Claude Booker am Apparat. Was gibt es?“
Und dann ist er stumm. Er lauscht den Worten, die über den Hörer an sein Ohr kommen. Worte aus hunderten Kilometern Entfernung. Worte, die bei jeder Silbe seine Atmung etwas mehr beschleunigen. Ihm fällt beinahe der Hörer aus der Hand. … …
Claude Booker: „Er hat WAS getan? Sagen Sie das nochmal.“
Wieder die Stimme über den Hörer. Dynamite bleibt nicht übrig, außer kopfschütteln zuzuhören.
Claude Booker: „Scheiße.“
Er senkt den Hörer. Greift nach dem Wasserglas auf seinem Schreibtisch und stürzt es mit einem Mal herunter. Fragende Töne kommen aus dem Hörer.
Claude Booker: „Ja, ich bin noch dran. Ich…ich brauchte einen Moment, um nachzudenken.“
Kopfschüttelnd und mit einem Teint, der vor dem Anruf noch weniger weiß war, sinkt der Präsident weiter in sich zusammen.
Claude Booker: „Ich werde mich darum kümmern. Die GFCW wird natürlich die Konsequenzen übernehmen.“
Klick. Auf der anderen Seite der Leitung wird aufgelegt. In Zeitlupe senkt Dynamite den Hörer zurück auf die Station. Er schließt die Augen, trommelt mit den Fingerspitzen auf die Tischplatte. Die Dokumente vor ihm scheinen plötzlich so unendlich irrelevant.
Claude Booker: „Verdammt!“
Die noch immer im Türrahmen stehende Sekretärin zuckt zusammen. So einen Gefühlsausbruch kennt sie von ihrem Chef kaum. Normalerweise ist er ein besonnener Arbeitgeber.
Claude Booker: „Ich hasse Iray Burch.“
Was dem Pawlow’schen Hund das Klingeln und der Speichelfluss sind, ist der GFCW Crowd das Ertönen der Hymne des portugiesischen Eroberers und das Buhen. Kaum sind die ersten Silben über die Lautsprecher geschmettert, werden sie von den Unmutsäußerungen der Monegassen in leidenschaftlichen Hass übertönt. Der/die/das Salle des Étoiles mag nur 1.200 Seelen fassen, doch dieser sind in dieser intimen Atmosphäre besonders laut. Sandro zeigt sich nicht vom geballten Hass irritiert, als er durch den Vorhang tritt. Er winkt staatsmännisch ins Publikum und rückt das Schulterpolster seiner Fantasieuniform zurecht, auf deren Brust neuerdings mehrere Orden geheftet sind, deren Anlass unklar bleibt. Sind es etwa (selbstverliehene) Belohnungen dafür, die ersten drei der geplanten fünf Schritte der portugiesischen Eroberung abgeschlossen zu haben? Gut möglich, denn eben jene Stufen werden auf die Leinwand projiziert, als Sandro mit einem stolzen Ausdruck auf den Tron deutet.
Schritt 1 (Lissabon): Die Nation sammeln. (ERLEDIGT!) Schritt 2 (Barcelona): Das Nachbarland unterwerfen. (ERLEDIGT!) Schritt 3 (Arles): Die Eroberung ins Zentrum Europas tragen. (ERLEDIGT!) Schritt 4 (Monaco): Die Zwerge überrollen. Schritt 5 (Catania): Die Vollendung der CONQUISTA
Die Zwerge überrollen. Eine martialische Vorankündigung. Was mag Monaco erwarten? Geht es nur nach dem freundlichen Ausdruck auf dem Gesicht der luxemburgischen Portugiesen, könnte man annehmen, er kommt in guter Absicht. Doch da muss sich die Galaxy sicherlich irren, oder? ODER? Schließlich ist Sandro einer von den B-Ö-S-E-N. Umso mehr überrascht es, als der Neuankömmling sein Mikrofon hebt und in feierlicher Intonation einen Monolog angesetzt.
Sandro: „Monaco, ich muss euch ein Kompliment machen.“
Natürlich wieder Buhrufe, doch auch einige verwundert hochgezogene Augenbrauen im Publikum. Wird das hier etwa nicht eine weitere Publikumsbeschimpfung, so wie es sie in Spanien und Frankreich gab? Die Fans lauschen aufmerksam und gespannt.
Sandro: „Euer Circuit de Monaco ist eine der spannendsten Strecken der Welt. Wirklich hervorragende Rundstrecke.“
Der Portugiese senkt das Mikrofon und schenkt dem Publikum – stellvertretend für ganz Monaco – einen stürmischen Applaus. Wieso ist er so…freundlich? Das fragt sich auch Pete. Pete: „Wieso ist Sandro so freundlich heute?“ Das Mikrofon wird zurück an die Lippen geführt, die mittlerweile von einem schelmenhaften Grinsen gezeichnet sind.
Sandro: „Aber ist ja auch kein Wunder, dass ihr beim Thema Kreisführung so brilliert, schließlich wird man in Monaco täglich durch den eigenen Stammbaum inspiriert.“
„BUUUUUUUUUUUH!“
Sandro: „SIIIUUUUU!“
„BUUUUUUUUUUUH!“
Sandro: „SSSSSSSIUUUUUU!“
Zwar schallt vom Publikum noch einmal ein lautes Buh zurück, doch Sandro hat die Lust am gehässigen Spiel verloren. Er lässt das sssiuuen für einen Augenblick sein, richtet sich den Kragen der Uniform und hebt mahnend einen Zeigefinger.
Sandro: „Kein Grund zu buhen, es ist einfach nur eine VÖLLIG NEUTRALE Beobachtung, dass es nicht lange gut gehen kann, wenn auf zwei winzigen Quadratkilometern und mit weniger als einem Zehntel der Einwohner von Lissabon ein ganzer Staat ausgerufen wird. Und da ist die Genetik noch ein viel geringeres Problem als die qualitativ wie quantitativ gleichermaßen verzwergte Kultur.“
Eine Aussage, die so gut ankommt wie ein durchschnitt Jay Taven-Rap. Über die negative Reaktion genervt verdreht Sandro die Augen.
Sandro: „Kommt schon, wofür ist Monaco denn kulturell bekannt?“
Er blickt fragend in die Zuschauerreihen. Es kommen viele Beschimpfungen, viele Buhrufe – aber keine wörtlich verständlichen Aussagen.
Sandro: „Wie ich es erwartet habe: Stille.“
Nein, still ist es ganz und gar nicht im Salle des Étoiles. Aber in Sandros Welt. Und so hält er eine Hand ins Ohr, als würde er nichts vernehmen.
Sandro: „Völlige Stille.“
Bis auf die 1.200 französischsprachigen Beleidigungen natürlich. Aber die nimmt der Portugiese nicht wahr.
Sandro: „UNENDLICHE STILLE.“
„BUUUUUUUUUUUH!“
Sandro: „Keine eigene Sprache, keine eigenen Errungenschaften. Einfach nur ein kleines Anhängsel im Südosten einer Nation, die selbst kaum mehr als ein kleines Anhängsel eines lusitanisch geführten Europas sein sollte. Das ist ein SSSSSSIUUUUPERFAKT.“
Ach, die selige Erinnerung an das Sprachrohr. Nicht wenige in der Halle würden lieber einem Monolog des wortkargen Maskierten aus alten LPG-Tagen lauschen als diesem wortreichen Auswurf Sandros.
Sandro: „Das Casino von Monte Carlo, die Luxusjachten vor der Haustür. Weil man in diesem Ländchen…“
Eine Verniedlichung, die er mit einem Naserümpfen und gestischen Anführungszeichen serviert.
Sandro: „…alles scheinbar mit Geld löst, höre ich aber lieber auf mich euch zu streiten, bevor ich mit einem Geldsack beworfen werde. Denn wer die Ehrfurcht vor dem Heiligen Cristiano und die Liebe Portugals im Herzen trägt, hat kein Interesse an Oberflächlichkeiten wie Geld. Vielmehr bin ich gekommen, um Monaco einen Ausweg aus dieser Misere zu ermöglichen. Es in eine Zeit zu bringen, in der das Beste, was einem Monegassen passieren kann, nicht mehr ist, von einem Italiener mit München verwechselt zu werden.“
Der polyglotte Wrestler kichert nach diesem überragenden Witz, den nur Leute mit einem IQ von mehr als 69 verstehen können, in sich hinein. Die Geduld für Redepausen ist beim Publikum so kurz wie ein durchschnittlicher Satz von TnB, also wird wieder fleißig gebuht.
Sandro: „Ich werde nun noch einmal SSIIUUU machen, weil es dazu an der Zeit ist, und dann erkläre ich euch den Plan für eure Rettung.“
Ein kollektives Seufzen als das Unvermeidliche folgt.
Sandro: „SSSSSIIIUUUU.“
Er springt in Manier des Heiligen Cristiano in die Luft, dreht sich und bleibt in bekannter Pose stehen. Lange. Sehr laaaange. Denn im Gegensatz zum Publikum ist seine Geduld so ausufernd wie die Haarspracht einer durchschnittlichen WFWlerin. #FORESHADOWING OMG
Sandro: „Also: Habt ihr bereits einmal vom Begriff Exklave gehört? Macht euch keine Gedanken darüber, dass es sich fünf Buchstaben mit Sklave teilt. Es hat natürlich nichts damit zu tun. Es ist eine sehr schöne Sache. Beziehungswäre wäre es für Mo…-“
…naco. Wollte er wohl sagen. Aber was viel besser für Monaco ist – oder zumindest grad besser ankommt – ist das Ertönen einer Musik, die Sandro mitten im Wort abwürgt. Der Portugiese schnauft als sich alle Blicke zum Vorhang richten. Es wird gejubelt und geklatscht, denn mit dem Song wissen viele wrestlinginteressierte Monegassen richtig viel anzufangen.
Wäre durch die vorige Szene mit Monica und Milly nicht Vorarbeit geleistet worden, die Reaktionen auf den Auftritt der 1,68 großen Hexe mit der pinkbraunen Haarpracht und dem schelmischen Grinsen im Gesicht wäre kaum so überwiegend positiv, wie sie es nun ist, einen großen Namen hat Dominique Rouge definitiv noch nicht. Dann wiederum würde wohl ca. alles und jeder bejubelt werden, Hauptsache Sandro kriegt auf die Fresse. Aber wenn es jemand aus Monaco ist und es eine Verbindung zu Milly gibt, welche Hoffnungen schürt, dass dies kein isolierter Auftritt bleibt, sondern der Auftakt zu mehr ist? Ja, bitte. Auch ohne, dass sie eine Flagge Monacos irgendwo hätte ist Dominique Rouge für den Moment der Fanliebling – sehr zu ihrer eigenen Überraschung, so einen positiven Empfang hat sie bisher noch nicht erlebt. Gerne mehr davon.
Pete: „WFW und deren Developmental Abteilung werden immer mehr zur Feeder Promotion für GFCW, kann das sein?“ Sven: „Ich bin sicher, die Talente bei GTCW werden es sehr gerne sehen, wie Fremde Chancen kriegen und sie nicht. Von Leuten im Roster wie SteelRilla ganz zu schweigen.“ Pete: „Wundert mich, dass ausgerechnet du lieber SteelRilla sehen würdest als eine attraktive Frau.“ Sven: „Mir wäre es lieber die attraktive Frau wäre hier unterm Tisch mit der Tätigkeit beschäftigt, die sonst deine Mutter ausführt.“ Pete: „Ich sollte diese Hexe bitten dich zu verfluchen...“
Vielleicht gibt es später noch Flüche für Sven, für den Moment schlendert die zauberhafte Monegassin zum Ring und scheint eher darüber nachzudenken, mit welchen Tricks nicht-magischer Natur sie nun Sandro im Ring bearbeiten möchte. Selbstvertrauen strahlt die Frau im dunklem Umhang jedenfalls schon mal aus – irgendwelche Bedenken, dass sie selbst diejenige sein könnte, gegen die getrickst wird, sind aus ihrer Mimik nicht erkennbar, ganz im Gegenteil. Das hier ist jetzt ihr Auftritt, ihre Show, ihre große Chance. Wenn Milly hier bei GFCW einen Karriereschub erleben kann, dann kann sie das erst recht. Und wenn sie dabei der Karriere dieses portugiesischen Großmauls einen ordentlichen Knick mitgeben kann, dann umso besser. Hoch auf dem Apron fällt der Umhang und enthüllt ihr Ringoutfit – ein bauchfreies Top mit mittigem Ausschnitt und ein Unterteil, das wie eine Kreuzung aus einer kurz geratenen Hose arabischer Art und einem Minirock wirkt. Zuletzt stülpt sie ihren Hut über die nächstbeste Ringecke, durchschreitet leicht lasziv die Ringseile und bedenkt die Fankurve welche sie am lautesten als „Sexy Hexe“ abfeiert mit einem Zwinkern, ehe sie noch mal eine Pose zum Besten gibt und Sandro mit einem Fluch droht, sollte dieser zu viel Gegenwehr zeigen.
Sandro: „Was soll das? Wieso werde ich Show für Show unterbrochen? IST DAS EIN MUSTER? MACHT DAS JEMAND DA HINTEN IN DER REGIE ABSICHTLICH?“
Hasserfüllt starrt Sandro die Rampe entlang zum Vorhang, wohinter Backstage und Regieraum liegen.
Sandro: „Und gleich kommt wieder ein Ringrichter raus und ich soll durch ein albernes Match davon abgehalten werden, die Wahrheit zu werden, oder was? Aber heute nicht, das verspre…-“
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten wird Sandro mitten im Satz abgewürgt. Denn in just diesem Augenblick setzt Ringrichter Robin Stahlbrand einen Fuß auf die Rampe. Er tanzt ein bisschen zu Rouges noch immer laufender Musik, dann cripwalkt er zum Squared Circle und lässt die Ringglocke läuten. Also wird die Ringglocke geläutet. Es läutet.
Die Cristiano-Hymne schallt – wenige Minuten nach Dominiques hoffnungsvollem Auftauchen – zur Unfreude des Publikums doch wieder durch die Halle. Sandro steht da, wischt sich den Schweiß von der Stirn und reißt die Arme in die Luft. Läuft eine Ehrenrunde durch den Ring. Dann deutet er aufgeregt auf die Videoleinwand.
Schritt 1 (Lissabon): Die Nation sammeln. (ERLEDIGT!) Schritt 2 (Barcelona): Das Nachbarland unterwerfen. (ERLEDIGT!) Schritt 3 (Arles): Die Eroberung ins Zentrum Europas tragen. (ERLEDIGT!) Schritt 4 (Monaco): Die Zwerge überrollen (ERLEDIGT!). Schritt 5 (Catania): Die Vollendung der CONQUISTA
Sandro: „Nur noch ein Schritt zur VOLLENDUNG der CONQUISTA!“
Er klatscht aufgeregt in die Hände. Und macht Siu-Siu und so, aber das kann man sich ja auch denken.“
Sandro: „Es ist ein Wink des Schicksals, dass Eroberung auf Portugiesisch genauso heißt wie auf Italienisch und deswegen der Name des bevorstehenden PPVs exakt den passenden Namen trägt, um die lusitanische Eroberung dieses Kontinents abzuschließen.“
Auf der Leinwand schiebt sich das Logo der bevorstehenden Großveranstaltung direkt neben Schritt 5: Die Vollendung der CONQUISTA!“
Sandro: „Doch nur weil Italien und Portugal in dieser Sache das gleiche Wort benutzen, soll es natürlich heißen, dass eine Nation von Limonenpflückern gleichwertig mit der Nation ist, der die Vorherrschaft zugedacht ist. Nur noch ein kleiner Schritt steht jetzt zwischen der vollendeten Eroberung der GFCW und damit im Grunde auch der gesamten Welt. SSSSSSIUUUU!“
Wieder – mit gesteigerter Euphorie – deutet er auf die Leinwand, wo nach wie vor der Fünf-Schritte-Plan gezeigt wird.
Sandro: „Italien ist die letzte Bastion, die fallen muss, bevor das neue Zeitalter beginnt. Und ich fahre zu Conquista, um zu conquisten. SSSSIUUUU! Und niemand wird mich aufhalten können.“
„BUUUUUUUUUUUH!“
Sandro: „Ich weiß jetzt schon, was die GFCW versuchen wird. Was passieren wird, sobald ich in Italien im Ring stehe und eine Rede halten will. Natürlich wird dann GANZ ÜBERRASCHEND irgendeine Musik spielen und dann kommt ein Lokalmatador raus, den ihr Klatschaffen bejubelt wie Christi Wiedergeburt, nur um fünf Minuten später zu trauern, weil Sandro gewonnen hat. Doch diesmal drehe ich den Spieß um. Diesmal lasse ich mich nicht überraschen.“
Er stampft mit dem Stiefel auf die Ringmatte. Seine Überzeugung ist ansteckend. Sie wirkt unerschütterlicher als DJxSpeedys unerklärliche Motivation, auf Fw.net irgendwelche News von X zu copypasten, die niemanden interessieren. Oder wie Monica Shades Liebe zu Lady Rosi, um es in GFCW-Terms auszudrücken.
Sandro: „Nein, wenn ihr wollt, dass ich auch noch einen ITALIENER ZERSTÖRE, damit die GFCW-Galaxy endlich an meine Überlegenheit als Vertreter Portugals glaubt, dann bin ich dazu bereit. Also stelle ich eine FINALE HERAUSFORDERUNG. Für das große FINALE. Ein Match um den letzten Schritt meiner Eroberung…“
Er deutet ein drittes Mal auf die Leinwand. Diesmal erscheint ein neuer Text. Eine Ankündigung für Conquista.
Der spontane Sandro-Einsatz im Ring ist vorbei und die Show halb beendet. Da wird es in der Halle laut – in negativer Hinsicht. Denn als Robbin Zick und Hollywood Jake auf der Videoleinwand erscheinen, fällt Monaco in kollektives Buhen.
Robbin Zick: „Jake, das musst du dir ansehen.“
Mit einem herablassenden Grinsen auf den Lippen winkt das Refuse to Age-Mitglied seinen neuen Kollegen zu sich heran. Währenddessen hält er in der anderen Hand sein Smartphone, auf dem ein Video läuft.
Robbin Zick: „Du erinnerst dich daran, dass Ask Skógur von Refuse to Age derart zerstört wurde, dass er sein Rehschwänzchen eingezogen hat und sich aus der Liga verpisste?“ Hollywood Jake: „Dank der Longevity-Behandlung unseres Arbeitsgeber ist mein Gedächtnis schärfer denn je. Ich erinnere jedes Detail.“ Robbin Zick: „…komplett weggefickt haben wir ihn. Doch seine Fans haben ihn noch immer noch aufgegeben.“ Hollywood Jake: „Seine Fans?“ Robbin Zick: „Sie versuchen, ihn zurück in die Liga zu locken. Sieh nur.“
Eigentlich nichts, was in der Sache besonders lustig klingt. Aber als Zick das Handy an Jake weiterreicht, hat er Tränen vor Lachen in den Augen. Er klickt auf den Play-Button.
Robbin Zick: „Schau, das sind Asks Fans. GENAU SO stellt man sie sich vor, oder?
Das Geräusch ihres Gelächters und des Schenkelschlagens hallt durch die Kabine. Jake wischt sich mit dem Ärmel seines Pelzmantels die Augen trocken. Da wird die Kabinentür geöffnet. Und Danny Rickson tritt ein.
Danny Rickson: „Hier herrscht ja sehr gute Stimmung.“
Sein Stimme ist schneidend und eiskalt. Für einen Augenblick bleibt den Gehilfen das Lachen im Halse stecken. Dann reckt Zick, fast schon entschuldigend, das Handy Rickson entgegen.
Robbin Zick: „Willst du dich mit uns gemeinsam über Ask Skógur lustig machen?“
Das Schweigen Ricksons ist die schlimmste Strafe für Zick. Seine gute Laune verschwindet in einer stillen Ecke.
Danny Rickson: „Was interessiert mich Ask Skógur, hm? Er ist Vergangenheit.“ Robbin Zick: „Ich dachte ja nur, es gibt hier dieses lustige Video und…“
Er drückt abermals auf den Play Button. Hofft, Rickson so mitreißen zu können. Doch der Engländer winkt ab.
Danny Rickson: „Ich bin zu alt für solche Albernheiten.“
Stille. Rickson beißt sich auf die Zunge.
Danny Rickson: „Ich meine: Ich habe keine Geduld für solche Albernheiten.“
Während er vor seinen Kompagnons auf und ab läuft, gibt Rickson ein verärgertes Brummen von sich.
Danny Rickson: „Dies ist nicht das Switziverse, klar? Wir machen uns hier nicht auf kindische Weise über unsere Gegner lustig. Sondern wir senden Botschaften.“ Hollywood Jake: „Verstanden.“ Robbin Zick: „Jepp.“
Schuldbewusst lässt Zick sein Handy zurück in die Sporttasche gleiten. Doch Rickson wirkt nicht zufrieden. Er stemmt die Hände in die Hüften.
Danny Rickson: „Aber eure Botschaft an The End ist vor zwei Wochen nicht zufriedenstellend gewesen.“ Hollywood Jake: „Aber Aldo Nero…-“ Danny Rickson: „Scheiß auf Aldo Nero. Er ist nur eine Person. An der Seite eines alten Mannes. Und ihr seid zu zweit. Dieses Stable hat alle Ressourcen, die es braucht, um unendlich zu sein. Ihr seid hervorragende Athleten. Geführt vom besten Wrestler aller Zeiten. Wir sollten damit beginnen, es zu zeigen. Und der erste Schritt ist es, dass ich meinen Willen bekomme.“
Eifriges Nicken bei den Gehilfen. Sie blicken einander an.
Hollywood Jake: „Ein Titelmatch gegen The End.“ Danny Rickson: „Wenn dieser Tag zu Ende geht, ohne dass ich die Zusage für diesen Kampf habe, ist es Wasser auf die Mühlen unserer Feinde. Ist euch das klar? Wir werden nicht aufgeben, einzufordern, was mir zusteht, bevor ich es erfüllt bekomme.“
Die Worte Ricksons stehen im Raum. Als Forderung. Als Ankündigung. Als Drohung? Sein Blick fährt zwischen Zick und Jake hin und her. Es ist Robbin, sein längster Vertrauter, der geschäftig in die Hände klatscht und aufspringt.
Robbin Zick: „Und welchen Plan hast du? Sollen wir The End schnappen? Wir könnten ihm auflauern.“
Ein Vorschlag, über den Rickson nur kurz nachdenkt. Dann schüttelt er den Kopf. Verwirft Zicks Idee.
Danny Rickson: „Die Zeit für Pläne ist vorbei. Die Zeit zu Conquista tickt. Heute gibt es nur noch eine Möglichkeit, meinen Willen zu erzwingen.“
Der Engländer geht zur Tür. Öffnet sie, damit die beiden Gehilfen hindurchgehen.
Danny Rickson: „Die direkte Konfrontation.“
Ein Lächeln huscht über die Gesichter von Jake und Zick. Der Gedanke gefällt ihnen.
Danny Rickson: „Lassen wir The End spüren, was es bedeutet, ‚Nein‘ zu sagen, wenn er als einzelner Mann gegen Drei steht.“
Die Kamera schaltet auf und wir erkennen sofort, dass wir uns im edel gestalteten Backstagebereich befinden. Selbst die Umkleidekabinen sind hier pompös gestaltet. Ganz nach dem Geschmack von Güldenherz, den wir in der Mitte des Raumes auf einer Bank sitzen sehen, noch völlig verschwitzt und verausgabt von dem zurückliegenden Match.
Güldenherz lächelt.
Er lächelt, weil dieser Sieg gegen die Birdie Boys ein weiterer Schritt auf seinem Weg war. Auf seinem Weg, Zac Alonso um den Intercontinental Champion Title herauszufordern. Nur darum ging es heute. Darum und um nichts anderes.
Wenn man vom Teufel spricht. Güldenherz wird aus seinen Gedanken gerissen, als plötzlich Zac Alonso in die Umkleidekabine kommt. Auch er ist noch gezeichnet von dem Kampf gegen die Golfer.
Zac Alonso: „Puh, das war knapp.“
In der Tat. Die Birdie Boys, die im Wrestling bislang kaum Spuren hinterlassen haben, konnten die Publikumslieblinge gefährlich nah an den Ring der Niederlage bringen.
Zac Alonso: „Und wegen dir ist es nicht völlig in die Hose gegangen, Mann.“
Er lächelt seinem Teampartner zu. Doch der scheint für Komplimente nur halb aufgeschlossen. Sein Blick hängt sehnsüchtig an Alonsos Hüften. Oder besser gesagt am leuchtenden Titel, der dort getragen wird.
Zac Alonso: „Danke dafür. Es war ein guter Kampf. Hat mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte.“ Güldenherz: „Ja, das war ein guter Kampf heute, Zac. Wir haben die Menschen hier in Monaco gut unterhalten und konnten außerdem die Birdie Boys in ihre Schranken verweisen. Ich hoffe, dass sie jetzt verstanden haben, sich nicht in unsere Angelegenheiten einzumischen und sich um ihren eigenen Kram zu kümmern.“
Um unsere Angelegenheiten? Bei dieser Aussage gehen Alonsos Augenbrauen hoch. Der Champion merkt, dass Güldenherz einfach nicht lockerlässt.
Zac Alonso: „Ich weiß, was du jetzt willst, Güldi.“
Er klopft sich auf die Titelplatte um die Hüften. Der Blick des Lord des Lichts ist wie daran genagelt.
Zac Alonso: „Und weißt du was? In den letzten Wochen hast du ein paar richtig gute Argumente gesammelt. Heute der Kampf, vor zwei Wochen deine Hilfe. Doch vor allem…“
Der Champion macht einen weiteren Schritt in die Kabine.
Zac Alonso: „…hat mich beeindruckt, wie du dich an den Plan festgebissen hast, ein Titelmatch zu bekommen. Trotz der Niederlagegen gegen Steel hast du einfach weitergemacht und keinen Zweifel gelassen. DAS ist die Leidenschaft, die wir hier brauchen. Mach weiter so.“
Ein weiterer Schritt von Alonso. Er ist nun nah genug an Güldenherz, um ihm kumpelhaft auf die Schulter zu schlagen. Und genau das macht er auch.
Dann wendet sich Alonso ab und läuft auf die Tür zu. Und damit endet es, oder? Mit einem netten – aber letztlich inhaltslosen – Lob.
Mach weiter so.
Güldenherz Gesichtszüge werden angespannter. Hat er das richtig verstanden? Es ist noch nicht genug? Sein Traum ist geplatzt…?
Doch dann dreht sich Alonso noch einmal um. Er hat ein schelmenhaftes Grinsen auf den Lippen.
Zac Alonso: „Und genau deswegen gebe ich dir bei Conquista den Kampf!“
Güldenherz schaut zu Zac Alonso auf und steht dann von seiner Bank auf. Langsam geht er auf den Champion zu, der das Titelgold jetzt über seine Schulter gelegt hat.
Güldenherz schaut den Gürtel lange an.
Die Männer stehen jetzt Auge in Auge, Nase an Nase. Doch die Atmosphäre wirkt nicht bedrohlich oder gar feindselig.
Güldenherz: „Danke.“
Langsam wendet sich Güldenherz von Alonso ab und geht zu seiner Sporttasche und holt seine Duschsachen raus.
Zac Alonso: „Gerne, Güldenherz. Ich gebe dir diese Chance aus Überzeugung. Aber es gibt eine Sache, die ich dir garantiert nicht schenken werde. Und das ist der Sieg. Stell dich darauf ein, dass Conquista ein Rückschlag für dich wird.“
Freundschaft, aber trotzdem ernst, klopft Alonso seinem Gegenüber erneut auf die Schulter.
Zac Alonso: „Der Titel bleibt bei mir. Ich werde alles dafür tun.“
Vor der Interviewwand befindet sich mal wieder Tammy und bei ihr sind die beiden Frauen, die bei der vorletzten Show Zac Alonso aufgesucht hatten, um dessen Wahl an Herausfordern um den Intercontinental Title zu hinterfragen: die Schweinehirtin aus Long Island, Monica Shade, mit der Tammy heute ja schon einmal vor der Interviewwand stand, und „Miss Eternity“ Miria Saionji. Besagte Begegnung mit Zac Alonso schien beidseitig kurz vor der Eskalation zu stehen, nachdem erst Zac meinte, dass sein Zacidog das Stoffschwein von Monica, Lady Rosi, zum Anbeißen finde und daraufhin Monica drakonische Konsequenzen androhte, sollte sie auch nur Hundesabber auf Lady Rosi vorfinden sollte – wonach wiederum Zac drohte, sollte jemand seinem Zacidog etwas antun. Eine verzwickte Situation, bei der Tammy nun mit ihrem journalistischen Eifer und einer guten Prise Freundlichkeit nachhaken möchte.
Und wo ein Finger ist, da ist auch eine Hand. Es ist die Hand von Jay Taven. Und wo die Hand von Jay Taven ist, da ist auch der Rest von Jay Taven, der fett grinsend ins Bild kommt, um sein Second Hand Rapper Blingbling Outfit und sich selbst der Welt zu präsentieren. Während Monica noch in Schockstarre ist und sowohl Tammy als auch Miria Saionji vorsichtig ein paar Schritte Abstand suchen, beginnt Jay zu rappen, begleitet von extra dämlichen Hampelbewegungen.
Ist
doch alles nur heiße Luft! Vor
dir hat doch nun echt niemand Schiss! Anders
als du bin ich gefährlich und geil! Und
jetzt alle: Meathook-Gino-Jay!
Mit der gebotenen Vorsicht nimmt Miria Saionji das Stoffschwein entgegen, sie hat wirklich kein Interesse daran sich erneut Monicas Zorn zuzuziehen. Jay Taven versucht sich derweil von dem Treffer aufzurappeln, aber wie er auf allen Vieren hockt und sich nach oben stoßen will, tritt ihm Monica per Backflip Kick unters Kinn und knockt ihn rücklings, wo Taven neben einer Tür zu irgendeinem Konferenzraum zu liegen kommt. Mit einem kurzen Handgriff checkt Monica ob die Tür sich wohl öffnet – und in der Tat geht sie auf. Dann stampft sie mit dem linken Stiefel auf Jay Tavens Handgelenk und geht in die tiefe Kniebeuge. Taven zappelt, aber er ist angeklingelt und kriegt kaum mit was los ist, bis Monica den Finger, der gerade eben Lady Rosi unerlaubt berührt hat, in Händen hält. Jay Taven beginnt zu begreifen und blickt flehentlich zu Monica, doch die platziert den Finger im Türrahmen und stampft nun auf die Hand an sich, sodass Jay weder den Finger krümmen, noch die Hand wegziehen kann.
Kyle: „Ich habe mir jetzt euer Geschwätz genug angehört – es reicht! Lasst endlich meinen Vater daraus. Ich hab das ganze scheinbar besser verdaut als ihr. Und ihr seid doch nicht mal involviert. Miria. Es ist langsam aber sicher echt hart nervig mit dir. Immer diese ständigen Sticheleien. GFCW-Office hier, Verschwörungen da. Ich kann nicht begreifen, wie du nach diesem „Sieg“ tatsächlich davon ausgehen kannst, dich dadurch für ein Intercontinental Title Shot qualifiziert zu haben. Jeder wirklich jeder hat doch gesehen, wie das Match ausgegangen ist!“
Kyle: „Laber Rhabarber. Du redest viel, viel zu viel. Aber lass doch mal lieber deinen Worten Taten folgen lassen! Wie wäre es wenn wir uns bei CONQUISTA wiedersehen? Und dann nicht mit so billigen Taschenspieler-Tricks. Sondern in einem Stahlkäfig! ONE ON ONE! Wirst du mich dann auch „bezwingen“ können? Dann, aber auch nur dann würde dir ein Erfolg in Italien auch ein Titlematch einbringen! Und ich weiß, wer bei einem Sieg auch noch mal gute Karten haben dürfte: ICH!“
Kyle: „War ja klar, dass du jetzt den Schwanz einziehst. Es kommt nur auf dich an und das macht dir Angst. Du weißt, dass mich noch KEINER pinnen konnte. Und ich muss die Liste der Hall of Famer und absoluten Superstars gegen die ich gekämpft habe, nun nicht nochmal aufmachen! Ich bin die größte Nummer, gegen die du JE ins den Ring geklettert bist. Ich sag es noch einmal: STEEL CAGE MATCH! Wir beide?!“ Miria Saionji: „So allmählich strapazierst du meine Nerven. Und das gehört bestraft. Anders gesagt… ich akzeptiere. „Unpinnable vs. Undeafeatable“ im Stahlkäfig… und nach unserem Match werde ich noch immer eine makellose Siegesserie haben, so wie ich makellos bin. Du hingegen… wirst nur dann noch immer Mr. Unpinnable sein, falls ich es erlaube. Und im Moment fällt mir kein Grund ein, warum ich das erlauben sollte...“ Kyle Douglas nickt und setzt dann ein leichtes, wenn auch siegessicheres lächeln auf. Oder ist es nur eine versuchte Einschüchterung? Der Kanadier scheint das bekommen zu haben, was er wollte. Danach verlässt er die Szenerie und lässt die Damen grußlos zurück.
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