Die Leute gehen aus den Sitzen. Im prunkvollen Salle des Étoiles in Monte Carlo, unter dem funkelnden Sternenhimmel der beweglichen Deckeninstallation, bricht die Musik von Zerbeus los – Zereo Killer und Morbeus, die GFCW Tag Team Champions. Ray Douglas hat sich in seine übliche 2000er Hardcore Garderobe gezwängt, währenddessen Mike MacKenzie hat sich optisch angepasst! Offensichtlich will er hier und heute auch auf diese Art und Weise demonstrieren, dass sie ein Team sind! Selbe Garderobe, selber Stil, Gesichtsbemalung abermals weggelassen. steht ihm echt gut!

Die beiden treten durch den gläsernen Vorhang des Entrances, die blank geputzten Gürtel hängen schwer und stolz um ihre Hüften. Die Zuschauer jubeln von den Tischen, den Emporen, den Seitenbalkons. Monte Carlo feiert die lebenden Legenden, die Dinosaurier der Promotion, die trotzdem wirken, als wären sie gerade erst aus einem Jungbrunnen gestiegen. Kein Wunder nach dem Erfolg in der letzten Show gegen die Black Wyrms.

Sie schreiten die Rampe hinunter, die in diesem Saal eher einem Laufsteg gleicht. Der Weg zum Ring ist unorthodox, zwischen runden Galatischgruppen hindurch, vorbei an Kellnern, die sich beeilen, nicht im Weg zu stehen. Morbeus und Zereo Killer klatschen mit den Fans ab, genießen die exklusive Atmosphäre, die Mischung aus Gala und Wrestling Wahnsinn.


Im Ring angekommen, posieren sie für alle Mann. Die Titel werden hochgestreckt, die Kameras fangen die Reflexionen der Sternendecke ein. Dann ergreift Raymond „Morbeus“ Douglas das Wort.


Morbeus: „Monte Carlo… Salle des Étoiles… das hier ist etwas Besonderes. Diese Kulisse, diese Eleganz, diese Energie. Das ist Wrestling auf einem anderen Level. Und wir stehen hier als Champions, die wissen, was es heißt, sich alles zu verdienen.“


Zereo Killer tritt neben ihn, legt eine Hand auf den Titel.


Zereo Killer: „Mad Stars haben sich ihren Shot verdient. Mad Dog hat die Arbeit allerdings alleine verrichtet, hat sich durchgebissen wie ein Berserker. Stella Nova hat gezeigt, dass sie noch nicht soweit ist…“


Morbeus zeigt auf die Gürtel.


Morbeus: „Wir haben letzte Woche gegen die Wyrms bewiesen, dass wir Fighting Champions sind. Es war ein hartes Match. Die beiden Damen haben uns alles abverlangt. Doch es hat nur für ein Team gereicht – ZERBEUS!“


Zereo Killer grinst.


Zereo Killer: „Aus purer Nächstenliebe haben wir den Black Wyrms ein Titelmatch gegeben. Weil Champions kämpfen. Champions stellen sich jeder Herausforderung. Champions verstecken sich nicht.“


In der Mitte des Rings steht ein Tisch, elegant wie alles in Monte Carlo. Ein weißes Tuch, zwei goldene Stifte, ein sauber vorbereiteter Vertrag. Zwei Linien, bereit für die Namen der Herausforderer.

Morbeus legt die Hand auf das Dokument.


Morbeus: „Heute machen wir es offiziell. Keine Überraschungen, keine Hintertüren. Wir haben einen unterschriftsreifen Vertrag erstellen lassen, der gemäß eurer siegreichen Battle Royal bei Conquista ein Title Match ermöglicht! Das ist unser Angebot. Nicht mehr und nicht weniger. In einer GFCW-Welt, wo jeder nach Ttile Matches plärrt, wollen wir es nun formal richtig machen.“


Zereo Killer lehnt sich über den Tisch.


Zereo Killer: „Ich bin…“


MacKenzie blickt zu seinem kongenialen Tag Team Partner.


Zereo Killer: „Wir sind für alles bereit, komme was wolle! Lasst es uns unter Dach und Fach bringen und lasst uns beim kommenden Großereignis sehen, wer das bessere Team ist!“



Dröhnend scheppern nun die Klänge von Lynyrd Skynyrd durch die Halle und der Jubel der Menge wird wieder laut. Doch noch lauter wird die Meute, als zuerst Stella Nova tänzelnd den Saal betritt und dann der verrückte Hund durch den Vorhang schreitet. Sogleich werden wieder ihre Gegensätze deutlich. Der agile leichtfüßige Leitstern und neben ihr der robuste bodenständige Night Fighter mit einem Schallwandler in der Hand.


Dieser nickt kurz in Richtung der Zuschauerränge, dann fällt sein Augenmerk auf Stella Nova, die seinen Blick erwidert. Als die unbekannte Konstante zu ihr aufschließt, folgt auch hier ein Nicken und beide machen sich zielstrebig auf den Weg in Richtung Ring. Sie haben den ersten Schritt gemacht, indem sie die Battle Royal gewannen. Heute wird der zweite Streich gegen die Ruhrpott Renegades folgen. Und wenn es nach ihnen geht, wird bei Conquista der dritte Schritt und damit der Gewinn er GFCW Tag Team Championship folgen. Die Fans reichen ihnen die Hände, doch beide gehen daran vorbei, denn ihre Blicke gelten den beiden aktuellen Champions, Zerbeus.


An Ring angekommen slidet Stelle Nova hinein und MD folgt ihr über die Ringtreppe, als die Musik verstummt. Kurz darauf stehen sich die beiden Teams Angesicht zu Angesicht gegenüber. Keiner der Beteiligten will zurückweichen oder auch nur einen Millimeter Luft geben. Die Monegassen jubeln sich die Kehle aus dem Leib.

Endlich führt MD sein Mikro zu Mund.


Mad Dog: „Da sind wir, Jungs. Live und in Farbe. Wir haben die Hürde genommen, die ihr aufgestellt habt, haben – ebenso wie ihr vor eurem Titelmatch bei der Anniversary Show – eben noch die Renegades besiegt und sind nun bereit, auch euch im Ring zu entthronen!“


Sogleich fletscht der Hund die Zähne. Am liebsten würde er schon jetzt loslegen.


Mad Dog: „Und wir haben eure Worte bei der letzten Show gehört… Mike, ja auch mich freut es, dass wir nicht mehr auf Gedeih und Verderb gegeneinander sind. Und dennoch stecken wir in einem Wettstreit! Wer ist der Bessere von uns beiden, huh?! Wer die größere Legende?! Damals haben wir es nicht endgültig herausbekommen… Du hast mich besiegt, ich habe dich besiegt. Und beide agierten wir am Rande des Wahnsinns. Jetzt aber folgt ein weiteres Kapitel unserer Saga. Sportlich. Um den Titel. Und da sieht dein Partner Ray klarer als du. Er und ich sind bereit für einen wahren Vergleich! Bist du es auch, Mike?!“


Nicht mal ein Zucken mit der Wimper ist bei Mike MacKenzie zu erkennen, er fixiert sein Gegenüber mit einem stählernen Blick und lässt die Worte, die auf ihn gerade einprasselten, wirken. Für einen Moment geht Mr. I AM STILL HERE in sich, ehe er der Töle antwortet.


Zereo Killer: „Es ist schön, wenn du das glaubst, dass es Ray klarer sieht als ich. Ich lass dich auch gern in dem Glauben und du wirst beim PPV schon sehen, was du davon hast. Gott sei Dank haben wir das ekelhafte Hasskapitel endgültig in der Vergangenheit gelassen, und wie du es so schön sagst, wir werden uns jetzt sportlich messen. Bin ich bereit, sind wir bereit, unsere Titel erfolgreich zu verteidigen? Ja, zur Hölle ja! Wir werden dich und Stella Nova auf beeindruckende Art und Weise besiegen. Wir werden sehen, was passieren wird, aber als Team sehe ich uns klar im Vorteil. Mein Partner und ich werden performen und noch eine Extraschippe drauflegen. Es wird genauso spektakulär werden wie beim letzten Großereignis, und es wird genau denselben Ausgang nehmen!

Mad Dog, wir sind nicht alleine, zwei gegen zwei, wir werden euch zeigen, dass wir die Besseren sind, dass wir das beste Tag Team sind. Ich sehe da ein gewisses Ungleichgewicht in eurem Team, verstehst du?“


Sein Blick wandert zu seinem Tag Team Partner, der nun das Wort ergreifen wird.


Morbeus: „Wir wollen doch keine Wrestlerin oder Wrestler in der GFCW unterschätzen. Und schon gar nicht mit Meriten von anderen Verbänden. Dennoch ist eine gewisse Grünhornigkeit für mich nicht zu übersehen, Maddy. Doch auch wir waren schon mal Außenseiter, nur wenige glaubten an uns. Die Kunst ist es ja, die Sinne im entscheidenden Moment so zu schärfen, dass man die Oberhand über den Gegner behält. Eine herausfordernde Prüfaufgabe, schließlich werden wir vorbereitet sein!“


Ein Augenrollen beim Kämpfer der Nacht. Dann schüttelt er den Kopf.


Mad Dog: „Yeah, auch das werdet ihr nicht müde zu betonen. Aber leider muss ich euch enttäuschen, Männer, Stella wird euch bei Conquista ganz schön alt aussehen lassen. Vielleicht wirst du dich, Mike, ja entgegen der Wünsche deines Partners mal auf ein High Flying Duell einlassen, huh?! Oder vielleicht versuchst du, Raymond, sie mal tatsächlich irgendwie zu packen, um den Flanker zu bringen. Sie wird dich auskontern und schon liegst du auf dem Boden.“


Die beiden Tag Champions lächeln etwas, ob dieser Verteidigung des verrückten Hundes. Doch ehe sie darauf verbal reagieren können, ist es Stella Nova selbst, die ein Wörtchen dazu beitragen will.


Stella Nova: „Wenn ich euch so reden höre, beschleicht mich das Gefühl, dass ihr bei der Anniversary Show nicht mit angesehen habt, was ich so alles mit The End angestellt habe. Ihr wisst schon: der GFCW World Champion, der in den letzten Wochen so viele offene Herausforderungen ausgesprochen hat, die ihr euch nicht getraut habt anzunehmen, anders als wir.“


Die Frau mit den massiven schwarz-orangenen Flechtzöpfen nickt kurz zu Mad Dog herüber, um klarzumachen, dass auf höchstem Niveau zu verlieren keine Schande ist, solange man sich nur dem Kampf stellt und ihm gewachsen ist. Für Zerbeus hingegen hat sie keinen so anerkennenden Blick übrig, vielmehr scheint der indische Leitstern von den beiden eher… enttäuscht zu sein.


Stella Nova: „Wenn ihr nun also denkt mich und meine Erfolge kleinreden zu können, frage ich mich, warum ihr euch The End noch nicht gestellt habt. Wenn ich ihm fast die Beine brechen kann, obgleich ich eurer Ansicht nach ja nicht auf dem ach so hohen GFCW Niveau bin, solltet ihr das dann nicht erst recht können? Und vor allem: wie konnten die Black Wyrms, die im letztem WFW Ranking noch satte 125 Plätze unter mir standen und die nach wie vor als Developmental Talents gelistet sind, euch alles abverlangen, wenn jemand wie ich nicht bereit sein soll, mich euch zu stellen? Hättet ihr die Black Wyrms dann nicht in wenigen Minuten vernichtend schlagen müssen?“


Ja, Stellas Augen und Worte haben starke „ich bin nicht mal mehr wütend, sondern nur enttäuscht“ Vibes.


Stella Nova: „Nun habe ich dieses Dilemma, dass es für unsere Titelambitionen gut wäre, wenn ihr dämlich genug sein solltet mich zu unterschätzen, obgleich alle Indizien klar dafür sprechen, dass ihr das nicht tun solltet. Gleichzeitig würde ich es aber vorziehen euch auf dem Zenit eures Könnens zu beweisen, dass die amtierende Rekordtitelträgerin von WFW absolut auf demselben hohen Niveau ist wie ihr. Sind wir mal ehrlich, ist bereits Monica Shade nicht weit weg von euch, geschweige denn ich. Wenn wir Mad Stars euch nur besiegen, weil ihr ernsthaft davon überrascht seid, dass es in unserem Match nicht drei, sondern vier absolute Superstars dieses Sports stehen… ist das enttäuschend für uns, für die Fans, für den Titel. Denn die Fans und dieses Gold verdienen das bestmögliche Match und für dieses bestmögliche Match müssen alle ihr Bestes geben und das wird unweigerlich in Frage gestellt, wenn ihr denkt nur gegen Mad Dog euer Bestes geben zu müssen… denn wenn ihr denkt, unser Team sei nur Mad Dog plus Ballast, werdet ihr rasch feststellen, dass auch Ballast verdammt schmerzlich sein kann, wenn er einem auf die Füße fällt...“


Der Kalifornier tritt hervor und stellt sich Stella Nova gegenüber. Langsam fährt er den Schallwandler zu seinen Lippen.


Zereo Killer: „Wir werden natürlich auch gegen dich unser Bestes geben. Und ich habe einen Vorschlag für den Titelkampf.“


Nun wandert sein Blick zu Mad Dog, dann aber auch zu seinem Tag Team Partner, ehe er sich wieder der weiblichen Komponente in dieser Auseinandersetzung stellt. Keiner weiß genau, was er nun sagen wird.


Zereo Killer: „Der Titelkampf, sobald er angeläutet wird. Lass uns zwei das Match beginnen, okay? Wir sind Beide noch fit, beide noch frisch. Lass uns unsre spektakulären Moves um die Ohren hauen und sehen, wer das erste Momentum für sein Team aufbauen kann!“


Wow, das ist mal eine Art von Herausforderung, wie man es wohl noch nie gesehen hat. Jetzt schon der Vorschlag, wer das Tag Team Titelmatch starten soll?
Die Fans sind auf jeden Fall dafür, wie sie mit lautstarken Zurufen mitteilen. Stella blickt kurz zu Mad Dog rüber, dann macht sie einen forschen Schritt auf die #1 der ewigen Punktetabelle von GFCW zu.


Stella Nova: „Der Moment, in dem in einem kanadisch – US amerikanischen Tag Team der Mann aus den Staaten der Vernünftigere zu sein scheint. Ich habe keine Einwände dagegen für unser Team zu starten und als Leitstern des Professional Wrestling werde ich dabei sicherlich auch nicht vor Spektakel zurückschrecken.“


Die Fans jubeln – zumindest teilweise, denn so wie die Inderin spricht, kommt jetzt gleich ein aber.


Stella Nova: „Aber...“


Und da ist es auch schon.


Stella Nova: „...ich werde wohl kaum nur Spektakel und Hochgeschwindigkeit bemühen können. Wie ich schon sagte: obgleich ich eine Seiltänzerin im wahrsten Sinne des Wortes bin, bin ich weder die Größte, noch die Stärkste, noch die Spektakulärste… obgleich ich ziemlich groß und stark und spektakulär bin. Erstere beiden Attribute zumindest relativ zu den fraulichen Durchschnittswerten.“


Tatsache! Mit ihren 1,71 ist Stella selbst knapp über dem Durchschnitt der Frauen aus den Niederlanden – und es heißt, dass die Niederlande das Land mit den durchschnittlich größten Menschen der Welt ist. Verglichen mit der durchschnittlichen Inderin ist Stella sogar ziemlich groß geraten.


Stella Nova: „Um für mein Team also Momentum aufzubauen, werde ich mich folglich gegen einen Gegner von deinem Kaliber nicht rein auf Spektakel von den Seilen und schnelle Tritte verlassen können, sondern auch die Freunde des gesunden Mattenkampfes beglücken müssen. Nicht zuletzt, weil du für meine Shooting Star Press ein sehr viel attraktiveres Landeziel bist, wenn deine Mobilität bereits gelitten hat. Ganz abgesehen davon, dass Beinschmerzen meiner Gegner nicht nur meinen präferierten Aufgabegriffen entgegenkommen, sondern auch meinem Partner.“


Ein wissendes Zwinkern gen Mad Dog, der erst jüngst sein Match im FORGE Turnier gegen Matt Stone mit seinem Dog Leash per Aufgabe gewonnen hat.


Stella Nova: „So gern ich auch noch länger mit euch plaudern würde, meinen Reiseplänen käme es entgegen, wenn wir nun allmählich unsere Unterschriften in den Vertrag setzen könnten, auf dass Mad Dog und ich uns vollends auf unser Match gegen die Ruhrpott Renegades konzentrieren können, wonach ich zusehen muss, dass ich mich schleunigst nach Australien aufmache. Ich habe vor unserem großen Kampf um das Tag Team Gold bei Conquista nämlich noch das Gold zu verteidigen, das ich bereits habe.“


Und so tritt sie an den Tisch heran, der für die Unterzeichnung im Ring aufgebaut wurde, und unterschreibt auf dem dort liegenden Vertrag. Auch ihr Partner geht dorthin und unterschreibt mit einem vorfreudigen Grinsen auf dem Gesicht.

Nun zeigt er Zereo Killer und Morbeus an, es ihm gleich zu tun. Und diesem kommen die Champions auch sofort nach. Unter dem Jubel der Fans signieren auch die beiden Altmeister das Papier, als die Szene mit einem Stare Off endet.


Wir sind im Backstagebereich. Dabei sehen wir – nicht zum ersten Mal am heutigen Abend – den GFCW-Champion The End, wie er noch immer mit einem Sammelsurium der Emotionen durch den Backstagebereich streift: Aldo ist wieder da und hatte heute gute Punkte gegen ihn, Refuse to Age hängt ihm im Nacken, dann ist da noch Darragh Switzenberg und und und.

Ja und so wirkt er nun also noch aufgeladen, gereizt, aber auch leicht frustriert und sogar etwas orientierungslos. Und als wäre das alles noch nicht genug, nähert sich eines der besagten Probleme einmal mehr an.


Darragh Switzenberg: „Wir sind vor zwei Wochen gar nicht dazu gekommen, unser Gespräch zu Ende zu führen.“


Die unvermittelt auftauchende Stimme reißt den Champion aus den Gedanken. Synchron mit der Kamera wendet er seine Aufmerksamkeit dem Kanadier zu. Switzenbergs breite Gestalt tritt näher, seine Schultern füllen beinahe zur Gänze den Gang des improvisierten Backstagebereichs aus.


Darragh Switzenberg: „Okay, deinem Schweigen entnehme ich, dass du es auch nicht auf eine Fortführung anlegst.“


Schon vor zwei Wochen – beim Aufeinandertreffen im Ring – hatte sich der Champion skeptisch gegenüber Switzenberg gezeigt. Kein Wunder: Mehr als ein Jahr lang hat der dreifache IC-Champion die Liga im Würgegriff gehalten und mit dem Switziverse terrorisiert. Und nun – nach einige Wochen Pause – gibt er sich als geläuterter Mann. Oder etwa nicht?


Darragh Switzenberg: „Doch schenk mir trotzdem ein paar Minuten deiner Zeit, End. Es wird nicht zu deinem Nachteil sein.“


Ob End wirklich seine Zeit einem seiner Probleme widmen möchte, dass dieses die Chance dazu bekommt potenziell noch größer zu werden?

Eigentlich nicht. Aber so wirklich eine Wahl hat er ja auch nicht.


The End: „Wenn es denn unbedingt sein muss.“


End reagiert grimmig genug um seine Abneigung zu zeigen, aber gibt sich zumindest eine Spur bereit ihm zu zuhören, um Switzenberg nicht gänzlich abzuschrecken – schließlich könnte er sich ja vielleicht doch noch als nützlich erweisen.


Darragh Switzenberg: „Ich weiß, dass man als Champion denkt, ständig von Hyänen umgeben zu sein, die nur Schlechtes im Sinn haben. Ich weiß auch, dass du mich wahrscheinlich für die Ober-Hyäne hältst, die ein falsches Spiel treibt und nur darauf lauert, dich für meinen eigenen Vorteil zu hintergehen. Als der Obermacker der GFCW hast du eigentlich auch keinen Grund, mir einen Vertrauensvorschuss zu geben…“


Das „Aber“ liegt ihm auf der Zunge und wird nach einer Kunstpause auch sogleich serviert.


Darragh Switzenberg: „…aber die Vorzeichen haben sich geändert. Dieser Konflikt, in den du dich mit Refuse to Age begeben hast, ist viel mehr als nur eine weitere Sache, die du im Ring klären kannst. Es wird keine Rolle spielen, ob du immer wieder aufstehst oder nicht. Weil es um mehr als nur dich geht. Um deine Familie.“


Und damit legt der Kanadier den Finger in exakt die Wunde, die Aldo Nero früher am Abend aufgerissen hat.


Darragh Switzenberg: „Danny, Robbin, Jake, Sie sind ein Trio Infernale. Und niemand weiß so gut wie ich, was ein solches anrichten kann. Ich weiß es aus erster Hand. Also schenke mir Gehör, wenn ich dir sage, dass es im Kampf gegen Refuse to Age nicht genug sein wird, ob du der beste Wrestler bist. Du magst für Zwei kämpfen, aber bleibst eine einzelne Person. Und sie werden dich überrumpeln. Immer und immer wieder. Deswegen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo du deine Verbissenheit runterschlucken musst. Du brauchst Verbündete. So wie Aldo. Und so wie…“


Er breitet lächelnd die Arme aus.


Darragh Switzenberg: „…Darragh Switzenberg.“


Genau das hat The End gerade noch gefehlt. Erst Aldo, jetzt auch noch Switzenberg und das Schlimmste ist, dass Beide Recht haben. Vor vier Wochen hat The End das Match gerade so gewuppt bekommen, letztendlich aber auch nur durch Eingreifen von Switzenberg, wird er nochmal gegen drei Leute ankommen?

End zögert. End überlegt. Und eigentlich will sich End mit diesen Dingen gar nicht beschäftigen, aber er wird wohl nicht drum herumkommen.

Und wieder… ein Schmunzeln, diesmal sogar ein noch deutlicheres Lachen vom Champ über die Absurdität der Situation, in der er sich gerade befindet.


The End: „Lass mich das mal zusammenfassen. Ich habe es mit einem GFCW-Hall of Famer zu tun, der die aufstrebenden Stars von Morgen im Rücken hat, meinen Titel will und offensichtlich nicht davor gescheut ist, sämtliche Tricks auszuspielen um mir diesen abzunehmen. Und die einzige Unterstützung, die mir dafür übrigbleibt, ist derjenige, der bis vor kurzem noch mein Erzfeind Nummer 1 war und… du, dem zu vertrauen wohl der dümmstmögliche Schachzug wäre, den ich nur tun könnte.“


Anstatt die Provokation aufzunehmen und zurückzuschießen, hebt Switzenberg beschwichtigend die Hände.


Darragh Switzenberg: „End. Mir ist völlig bewusst, dass WORTE aus meinem Mund unglaubwürdig klingen, wenn man bedenkt, was ich die letzten Jahren abgezogen habe. Wenn Worte nicht reichen, zählen nur TATEN. Und genau deswegen bin ich zurückgekommen. Und bitte um einen Vertrauensvorschuss. Wenn ich etwas Böses im Schilde führen würde, könnte ich mit einem Stahlstuhl in deinem Rücken stehen. Aber stattdessen stehe ich friedlich hier, Auge in Auge. Glaub mir, wenn ich sage, dass Darragh Switzenberg sich geändert hat. Ich habe erkannt, dass es darum geht, was man im Wrestling hinterlässt. Und das schafft man nur, wenn man nicht immer den einfachen Weg geht.“


Ah, darum geht es ihm also. Die Legacy? Wie glaubwürdig End dieses Argument findet, kann man im Gesicht des Hamburgers nicht ablesen. Denn bevor die Kamera an ihn heranzoomen kann, legt Switzenberg noch einmal nach.


Darragh Switzenberg: „Und Aldo…ist er wirklich dein Erzfeind? Noch immer? Er ist Familie. Zweifelst du wirklich an seinen Absichten?“


Der Kanadier zieht eine Augenbraue hoch.


Darragh Switzenberg: „Wenn man mit einer Zielscheibe auf dem Rücken – oder in deinem Fall: um die Hüften – herumläuft, ist es verlockend, misstrauisch zu sein. Aber hör in dich hinein und du wirst feststellen, dass Aldo und ich gute Argumente haben.“


Wieder lacht The End, diesmal aber wieder etwas ruhiger, als würde er tatsächlich überlegen, ob er diese Situation für sich nutzen kann bzw. ob es nicht doch noch einen anderen Weg gibt. Aber vermutlich… gibt es diesen nicht.


The End: „Und warum sollte Aldo an meiner Seite kämpfen?“

Darragh Switzenberg: „Er hat es selbst gesagt, die Sache, die größer ist als wir alle. Als all das: Familie. Er hat sich vor zwei Wochen in eine Unterzahlsituation mit Robbin und Jake begeben, um Sal zu retten. Eine Person, die euch Beiden das Gleiche bedeutet.“


Und da ist es wieder. Dieses Wort. Ein Motiv, dass sich durch Ends Karriere zieht, wie kaum etwas anderes. Ends fehlende Familie hat ihn in die Hände von James Corleone getrieben. Ends fehlende Familie hat ihn zu Leviathan getrieben. Nachdem das gescheitert ist, ist seine „neue“ Familie – die Corleones – zerbrochen und nun soll es das zusammenfinden eben dieser Familie sein, die ihn im Kampf gegen die anstehende Bedrohung unterstützt.


The End: „Ich… habe da noch etwas zu klären.“


End überlegt. End scheint hier nicht und jetzt nicht antworten zu wollen, aber sehr spannend ist: End sagt nicht Nein.

Er wendet sich von Switzenberg ab und lässt ihn zurück, denn, wie er es schon sagt, er mag heute schon mit Aldo und mit Darragh gesprochen haben.

Nun fehlt nur noch Danny Rickson.



Denkt man ein Jahr zurück und denkt an das große Frauencasting der Lerbitz Performance Group, so denkt man an „POWER“ Rufe von Marc Hill, skurril dekorierte Räume vom „Greatest Pigster“ Maximilian Lunenkind, einem seiner Jugend hinterher trauenden Robert Breads, den fiesen Boss Aiden Rotari, den stets ob der von Monica Shade hergebrachten Damen übel gelaunten Marketingexperten Lorenz und natürlich das Sprachrohr, das uns hat wissen lassen, was „FAKT“ und was „LÜGE“ war.


All das gibt es nicht mehr.


Es gibt nur noch den Förderkader der LPG und dessen Vorgesetzte plus Assistentin. Da heute keine Matches dieses Förderkaders gebookt sind, haben die Damen scheinbar nicht einmal einen eigenen Raum erhalten und so finden wir die beiden Tag Teams der LPG beim Catering, schön gemeinschaftlich an einem Tisch sitzend. Die Mienen der Black Wyrms sind noch immer düster ob ihrer Niederlage in Brigittes Heimat Frankreich gegen Zerbeus, während die groß gewachsenen nordischen Schwestern etwas relaxter aussehen.


Skadi Fenrir: „Mir scheint die Kameras haben uns erfolgreich gesucht und gefunden. Eine günstige Gelegenheit für euch zu sagen, was ihr zu sagen habt, auf dass ihr aufhören könnt der verpatzten Chance hinterher zu trauern und in die Zukunft zu blicken.“


Die Kamera fühlt sich eingeladen und kommt näher, einen missmutigen blick der kleinen weißblonden Französin einfangend, die auffällig lustlos auf ihrem belegten Baguette herumkaut und das nicht nur weil monegassische Baguettes keine französischen Baguettes sind.


Brigitte Reflet: „Was sollen wir sagen, was nicht ohne’in schon alle wissen? Wir ’aben große Reden geschwungen, wir ‘aben doch noch den Titelkampf bekommen, den wir von Anfang an ‘ätten kriegen sollen und dann… ‘aben wir verloren. Mehr noch: wir ‘aben meine ‘eimat enttäuscht. Was unser großer Moment ‘ätte sein sollen war letztlich doch nur eine Fußnote in den großen Karrieren von Zerbeus.“


Ein kraftvoller Biss ins Baguette, dass fast die Wurst mit herausgerissen wird. Mit vollem Mund zu sprechen ziemt sich eigentlich nicht, aber in diesem Fall sei es Brigitte verziehen.


Brigitte Reflet: „Nun kann man sagen, dass es ein recht enges Match war und dass es für niemanden eine Schande ist gegen zwei so große Namen zu verlieren… aber diese Niederlage da`eim in Frankreich? Nachdem Morbeus sich so unfassbar herablassend über Stellas gigantische Erfolge geäußert hat? WFW ist ja nun letztlich auch unsere wrestlerische ’eimat, es ist die Promotion, in der Shizuku und ich und kennengelernt ‘aben und deren Developmental Tag Team Titelträgerinnen wir sind. Doch anstatt all das, was im Argen war, mit einem Sieg richtig zu machen… ‘aben wir eben verloren. Und diese Gelegen’eit dies in Frankreich zu vollbringen… das war vermutlich eine Chance, die so schnell nicht wiederkommt.“


Endlich schluckt sie ihren Bissen runter.


Brigitte Reflet: „Und es ist gut möglich, dass diese Chance niemals wiederkommt. Alles war parat für eine Nacht, an die man sich noch lange erinnert, stattdessen war es eine Nacht, die man einfach nur vergessen will.“


Shizuku nickt schwach. Sie findet keine Worte ihre Partnerin zu trösten, für die das Ganze natürlich noch sehr viel schlimmer ist als für Shizuku selbst. Shizukus Leid kommt primär daher, dass Brigitte so leidet.


Skadi Fenrir: „Klingt als hättet ihr aufgegeben und dennoch seid ihr noch hier. Sehr unterschiedliche Signale.“


Die Black Wyrms sehen sich zögerlich an.


Brigitte Reflet: „Ja, wir sind noch ‘ier. Ob aus Gewohn’eit oder aus Überzeugung kann ich nicht sagen. Vielleicht wäre es für uns gar nicht so verkehrt, wenn Entrepreneurin Lerbitz uns die Entscheidung abnimmt, indem sie ihr Engagement beendet und somit auch unsere GFCW Karriere endet. Denn den bestmöglichen Zeitpunkt Champions zu werden, den ‘aben wir nun unweigerlich verpasst. Bedenkt man, dass wir nun seit über fünfeinhalb Jahren ein Team sind… in derselben Zeit ist ein Ask Skógur von einem niemand zum umjubelten World Champion geworden und ‘at sich so lange aktiv gewähnt, dass er eine Pause brauchte. Und wir? Wir sind in dieser Zeit nur zu Developmental Champions geworden und stehen mehr oder minder auf einer Stufe mit Teams, die es gerade ein Jahr gibt… Teams wie euch.“


Die Bitterkeit in Brigittes Stimme ist unüberhörbar, wie sie den über zwei Meter großen Turm von Riesenschlange namens Idunn Jörmungandr anblickt, die zur Abwechslung ein Stück Fleisch im Mund hat statt das Ende ihres Zopfes.


Idunn Jörmungandr: „Wir sind halt groß und stark, da ist der Weg zum Erfolg kürzer.“


Das ist jetzt wirklich nicht das, was die 1,54 kleine Brigitte hatte hören wollen. Dabei ist es ein durchaus legitimer Punkt, den die sonst oft dämliche Idunn hier geäußert hat – ohne ihr sonst charakteristisches, schlangenhaftes Zischen. Das gibt es wohl nur zu hören wenn der Zopf im Mund der menschlichen Ouroboros-Schlange verortet ist.


Skadi Fenrir: „Das wolltet ihr jetzt sicherlich nicht hören, aber meine Schwester spricht wahr. Wer groß und stark ist, hat einen natürlichen Vorteil und kann mitunter Beute mit purer Macht erlegen, für welche die Fähigkeiten an sich eigentlich noch nicht entwickelt genug sind. Dasselbe Prinzip lässt sich etwa bei James Hightower beobachten, weswegen die Basketballer manche Teams vernichtend schlagen konnten, die rein vom Können her eigentlich auf ähnlichem Niveau hätten sein sollen. Weswegen die Basketballer bei Conquista gegen uns erneut verlieren werden – gegen uns haben sie keinen physikalischen Vorteil, wir ihnen gegenüber aber einen klaren Vorsprung an entwickeltem Können.“


Die Schneewölfin mit der silbriggrauen Zottelmähne klopft Shizuku aufmunternd auf die Schulter, was Idunn dazu veranlasst dasselbe mit Brigitte zu tun, die von den nett gemeinten Klopfern fast vom Stuhl geprügelt wird.


Skadi Fenrir: „Generell wäret ihr aber gut beraten euch nicht mit anderen zu vergleichen. Ich würde infrage stellen wollen, ob wahrlich alle Menschen einzigartig sind, aber wir und ihr sind es definitiv. Blickt nicht dahin wie schnell andere ihre Beute erlegen, guckt auf eure eigene Jagd. Und bedenkt dabei, dass ihr auch die Gejagten seid – ansonsten trauert ihr in naher Zukunft nicht nur dem Match in Frankreich hinterher, sondern auch der Beute, die ihr bereits habt.“


Brigitte und Shizuku blicken auf ihre silbrigen Next Level Tag Team Titel, die neben ihnen auf dem Tisch liegen und hier und da etwas Ketchup und Mayonnaise abgekriegt haben. Dann beginnt Brigitte zu lächeln.


Brigitte Reflet: „Ich dachte für den Job als Mentor wären Miria und Monica da. Aber du ‘ast recht. Wir müssen unseren ganz eigenen Weg gehen und solange wir voranschreiten, kommen wir auch vorwärts. Und nun müssen wir Zerbeus für den Moment ab’aken und nach vorne se’en, schließlich steht in Kürze unser Match im Tournament of Honor an und dabei könnte es auch um unser Gold ge’en. Da ‘eißt es nun gewinnen und dann mit einem Erfolgserlebnis im Rücken zu GFCW zurückkehren.“


Skadi nickt zufrieden und dann hören sie auf zu schwatzen und widmen sich mit erneuertem Elan ihrem Essen und ihren Getränken.



Auch im Salle des Étoiles gibt es eine Interviewwand und das heißt: Mac Müll oder Tammy. In diesem Fall ist es Tammy, die hier drei Gäste bei sich hat. Eine feurige Vogeldame, eine Leopardin und ein Stoffschwein. Klingt nach Leopard, Phönix & Co, aber die beiden Gäste, die kein Stoffschwein sind, kommen doch sehr menschlich daher: die blond gelockte „Phönix“ Milly Vermillion und die Leopardin aus Long Island, die rosarot bezopfte Monica Shade, unter deren linkem Arm ihre „Strategin“ verortet ist – Stoffschwein Lady Rosi. Die eine Teil des LPG Förderkaders, die andere Assistentin des Förderkaders. Kaum gibt das Kamerateam den Daumen hoch, richtet Tammy sofort eine Frage an die Feurige.


Tammy: „Milly! Letzte Show hast du für Aufsehen gesorgt, als du zu Gunsten von Miria Saionji ins Match gegen Kyle Douglas eingegriffen hast. Sicherlich, Miria ist deine Chefin und daher war dies deine Aufgabe, aber dennoch muss ich fragen ob so ein Verhalten nicht deinem Anspruch ein mächtiger und weiser Phönix zu sein widerspricht?“


Milly guckt die Interviewerin an, als ob diese ihr gerade einen leckeren Hähnchenburger vor der Nase weggefressen hätte.


Milly Vermillion: „Erstens ist Miria Saionji nicht meine Chefin und zweitens ist es nicht mein Anspruch ein weiser und mächtiger Phönix zu sein, ich bin ein weiser und mächtiger Phönix. Das ist kein Spitzname, sondern was ich bin. Wie dumm bist du, um das auch nur in Frage zu stellen?“


Tammy verzieht keine Miene und bleibt professionell – so sehr sie die Gegenfrage auch ärgert. Besonders weil Milly sie nicht mal als Provokation gestellt hat.


Tammy: „Miria Saionji ist die Chefin des LPG Förderkaders und du bist ein Teil des LPG Förderkaders, ja? Macht sie das nicht zu deiner Chefin?“


Die oft etwas weltfremde Phönix schüttelt verständnislos den Kopf.


Milly Vermillion: „Natürlich nicht, das wäre ja auch vollkommen absurd. Wenn überhaupt ist es umgekehrt und diese LPG Sache macht Miria zu meiner Dienerin, die dafür verantwortlich ist, dass ich essen kriege, Bookings habe, Hotelzimmer und Transport parat sind.“

Monica Shade: „Darum kümmere ich mich seit einiger Zeit, das nur so nebenbei.“
Milly Vermillion: „Mir doch egal, wer für mich den nervigen Kleinkram erledigt, Hauptsache irgendwer macht es und diese irgendwer bin nicht ich.“


Tammy mustert die beiden Frauen von der LPG kurz. Ob es zwischen den beiden wohl noch Animositäten von ihrem Match gibt, das Milly dank Miria gewann?


Tammy: „Kommen wir noch mal zurück zum Match von Miria Saionji gegen Kyle Douglas letzte Show, wo du dich unter dem Ring versteckt und Kyle Douglas an der Rückkehr in den Ring gehindert hast. Wenn Miria nicht deine Chefin ist… warum hast du es dann getan?“


In der Theorie ist das Interview zurück in der Spur, aber in Anbetracht dessen wer hier gerade interviewt wird, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das wieder ändert.


Milly Vermillion: „Es heißt es gibt keine dummen Fragen, aber diese hier ist echt nah dran eine zu sein. Aber sei es drum, ich hab gerade nichts besseres zu tun, also beantworte ich deine Frage.“


Auch das war von Milly keine Provokation, sie sagt es so, als würde sie das Wasser nass nennen und hat gar ein gönnerisches Lächeln im Gesicht, als ob es eine große Ehre sein muss, dass sie die Frage nun beantworten wird.


Milly Vermillion: „Wegen Kai Douglas bin ich jetzt nicht International Champion und als Miria mich gefragt hat, ob ich ihm dafür eine Retourkutsche verpassen möchte, habe ich nicht lange überlegen müssen um zuzusagen. Natürlich hätte ich ihn auch frontal attackieren können, aber warum auch immer musste es wohl heimlich sein, damit er verliert, also habe ich es so getan. Und es hat funktioniert.“


Dieses „warum auch immer“ verstehen ca. alle außer Milly – wäre der Eingriff nicht heimlich geschehen, hätte es die Disqualifikation für Miria gegeben anstatt den unfairen Sieg durch Count Out.


Tammy: „Warum eigentlich diese Aggression gegenüber Kyle Douglas? Du glaubst nicht wirklich, dass er absichtlich das Intercontinental Title Match bei New Level abgeschenkt hat, oder?“
Milly Vermillion: „Es geht nicht um „Glauben“, es geht um „Wissen“ und ich weiß eines ganz sicher: unter normalen Umständen hätte ich gewonnen und wäre jetzt Champion. Ergo muss Kilian Douglas Schuld daran sein, dass ich von Zacharias gepinnt wurde, denn meine Schuld war es natürlich nicht.“


Tammy sieht besiegt aus. Wo soll sie jetzt anfangen, Millys Aussagen zu ordnen und zu hinterfragen? Viel zu viele Ansatzpunkte, vom Inhalt über die falschen Namen, bis hin zur Frage was Monica davon hält. Doch ehe irgendetwas davon angesprochen werden kann, ertönt plötzlich eine Stimme, die man bei GFCW noch nie gehört hat.
...und auch generell im Wrestling noch nicht allzu oft.


„Wer Weisheit beansprucht, sollte auch Dinge beim korrekten Namen zu nennen wissen, denn wer Worten keine Bedeutung beimisst, ohne Zweifel jeden Zauberspruch vergisst.“


Gerade als Tammy dachte dieses Interview könnte nicht mehr schlimmer werden, kommt eine Frau zu ihnen geschritten, deren Haarfarbe als dunkles, pinkes Braun mit platinblonden Spitzen tituliert werden kann, das ihr teils als dickes Strähnenbüschel ins Gesicht und die Wangen entlang fällt, zum Großteil aber zum extra imposanten Zopf gebunden ist. Was das Ganze „schlimm“ macht ist aber natürlich nicht dieses tolle Haar, sondern der Hexenhut auf dem Haar, bzw. Kopf der Frau im luftigen Top und dem kurzen Unterteil, das nicht weiß ob es ein Minirock oder eine Art kurze Hose im arabischen Stil sein will.
Warum ist eine verdammte Hexe hier und warum spricht sie Milly an, als ob sie sich kennen?


Milly Vermillion: „Oh. Du bist es. Hat man endlich eine von euch als Jobberin gebookt, hm? Glückwunsch oder so.“


„Einen Job werde ich heute wohl haben, so der portugiesische Eroberer denkt heute sein Schandmaul gegen Monaco zu öffnen, doch den Job werde ich nicht machen, nein, wenn es kommt zum Kampf, dann werde ich ihm die Tour verhageln. Er denkt Italien ist sein letzter Stop, doch wird Monaco heute für ihn zum Flop!“


Tammys Augen wandern von der Hexe zur Phönix, wieder zurück und dann stellt sie die Frage, die sie als professionelle Interviewerin stellen muss.


Tammy: „Ihr kennt euch also. Ich vermute einfach mal von WFW. Wer seid Ihr doch gleich?“


Weder Milly noch die Unbekannte scheinen Tammy zugehört zu haben, aber zum Glück ist Monica Shade ja auch noch da, um das Mysterium aufzulösen, das eigentlich keines ist.


Monica Shade: „Sie kennen sich nicht nur, sie wohnen sogar zusammen. Gibt ne komplette WG von denen, deren Seelen in die unbeseelten Homunculus-Körper verpflanzt wurden, die aus dem Genlabor entwendet wurden, wo sie hergestellt wurden. Aber kein Thema, dass du das nicht weißt, die kennt eigentlich kaum jemand. Nur Milly ist da mittlerweile eine Ausnahme, weil ich sie hierher vermittelt habe.“


Ja, ist doch ganz simpel. Das Normalste der Welt sozusagen.


„Spricht sie nonchalant, als wäre die Phönix die einzige mächtige Seele, welche wurde in künstlich geschaffenen Körper gebannt. Warum hörte deine Vermittlung mit ihr auf, denkst du ich hätte weniger drauf? Ich, die gefürchtete Hexe der Wälder und Berge, gegen mich sind kraftvolle Riesen nur kleine Zwerge, Freundin aller Katzen, lass mich nicht von einer Leopardin dumm anschwatzen. Sag, welch Wahn hat dich wohl befallen, dass all diese anderen finden dein Gefallen, aber nicht ich, die ich wirklich etwas kann, vom Kräutertee bis zum arkarnen Bann. Habe nicht nur mein Hirn als Dünger für nen Zopf, sondern tatsächlich Grips im Kopf. Brauche nicht mal Zauber im Ring, denn magisch ist alles, was ich wirke, das ist mein Ding. Denn ich bin die mächtige Hexe Dominique Rouge!“


Würde irgendwo eine Stecknadel fallen, man könnte sie hören. Monica zuckt nur die Schultern – dass die Hexe sich vor ihr etwas forsch aufgebaut hat, lässt die Leopardin kalt.


Monica Shade: „Hieß halt irgendwann es wären genug Kandidatinnen da. Hast halt Pech gehabt.“


Das war direkt. Und direkte Ehrlichkeit kommt oft nicht gut an, wenn es nicht das ist, was man hören will. Dominique Rouge ist da keine Ausnahme dieser Regel, wie ihr empörtes Starren unweigerlich klar macht. Man sollte eine Hexe würde jetzt hexen, um ihrem Frust Genüge zu tun, aber dazu kommt es nicht. Warum auch immer. Stattdessen meldet sich Milly von der Seite zu Wort.


Milly Vermillion: „Guck nicht so. Ist doch absolut verständlich, dass man einer Phönix Priorität vor einer Hexe einräumt.“


Tammy fragt sich, was aus ihrem Interview geworden ist und hält sich zurück – sollen diese verrückt anmutenden Frauen doch ihre Probleme unter sich ausdiskutieren. Und die gibt es, dass Phönix über Hexe stehen soll missfällt Dominique sichtlich noch mehr als Monicas Aussage, dass sie Pech gehabt hätte.


Dominique Rouge: „Priorität für einen lodernden Gockel, der seinen nominell größten Sieg dem Umstand verdankt, dass die Gegnerin von einer dritten Person per Stuhl abgeworfen wurde...“

Milly Vermillion: „Redest du von meinem Sieg über Monica? Kihihihi! Als ob ich die Hilfe von Miria gebraucht hätte. Dieser Stuhlwurf hat das natürliche Ergebnis lediglich beschleunigt, nichts weiter.“


Im Karussell der negativen Emotionen ist es nun plötzlich Monica, die getriggert wirkt. Soll sich ja was das angeht nicht außen vor fühlen. Negative Emotionen für alle~!


Monica Shade: „Moment. Du glaubst jetzt nicht wirklich dass du mich auch ohne Mirias Stuhlwurf besiegt hättest… oder etwa doch?“

Milly Vermillion: „Könntet ihr allmählich aufhören meine Aussagen zu hinterfragen? Erst diese Nörgelei wegen Kieran Douglas und jetzt denkst du Kätzchen echt, du könntest mich Phönix besiegen? Was ein Quatsch. Natürlich hätte ich dich auch fair besiegt.“


Die beiden Frauen sehen sich herausfordernd gegenseitig tief in die Augen.


Monica Shade: „Wenn du das tatsächlich glaubst, kannst du es ja gerne beweisen. Wir haben beide bei Conquista noch kein Match, also… was sagst du?“

Milly Vermillion: „Wenn du unbedingt noch einmal gegen mich verlieren möchtest, können wir gerne kämpfen, kein Problem. Was allerdings ein Problem ist, das ist mein leerer Magen. Also gehe ich jetzt essen. Tschö.“


Sagt es und geht schnurstracks davon gen Catering Bereich.


Dominique Rouge: „Auch ich habe einen Ort, an dem ich zu sein habe. Ich muss ja bereit sein, für den Fall der Fälle.“


Womit sich die Hexe gen Einzugsregion verabschiedet, auf dass sie zum Ring gehen kann, so Sandro heute schlecht über Monaco reden sollte und es somit ein weiteres Match gegen eine lokale Heldin geben soll. Wenn man denn die Hexe als „Heldin“ bezeichnen will.


Monica Shade: „Ich muss auch los, Lady Rosi und ich müssen gleich zu Miria.“

Tammy: „Was? Aber ich hatte noch ein paar Fragen...“

Monica Shade: „Kein Problem, die Show geht ja noch ein bisschen. Ich komme dann später noch mal vorbei. Würde mich nicht wundern, wenn Miria auch Bedarf an nem Mikrofon hat, vielleicht kommen wir dann sogar zusammen.“

Tammy: „Okay, abgemacht! Dann bis später!“



Die Kamera blendet langsam ein.


Kein Jubel.

Keine Musik.


Nur das monotone Summen der Neonröhren. Die Schritte zweier Männer hallen durch einen langen Betonflur.


Klack…



Klack…



Klack…


Titan und Tha Bomb gehen schweigend nebeneinander her.


Keiner spricht.


Titan fährt mit den Fingerspitzen über die frische Naht an seiner Schläfe. Ein dünner roter Strich zieht sich noch immer bis hinter sein Ohr.


Tha Bomb bemerkt die Bewegung.


Tha Bomb: „Tut’s weh?“


Titan lächelt kaum merklich.


Titan: „Ich hoffe es.“


Bomb nickt.


Tha Bomb: „Dann lebt sie wenigstens noch.“


Titan antwortet nicht. Beide gehen weiter. Am Ende des Flures öffnet sich langsam eine schwere Stahltür. Ein kaltes weißes Licht fällt in den dunklen Gang.


Davor…


eine Wand aus Menschen. Die Kamera fährt langsam näher.


Ganz vorne:


Claude Dynamite.

Elegant.

Perfekt gekleidet.


Die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Links neben ihm steht Eric Fletcher. In der Hand eine schwarze Ledermappe.


Hinter den beiden: Zwölf uniformierte Polizeibeamte.


Helme.

Schutzwesten.

Schlagstöcke.

Dahinter:

Security.

Referees.

Offizielle.


Der komplette Gang ist versperrt.


Pete wird am Kommentatorenpult leise.


Pete: „Das sieht nicht nach Wrestling aus…”


Sven antwortet trocken.


Sven: „Nein. Das ist ein Tribunal.”


Titan bleibt stehen. Etwa fünf Meter vor Claude. Tha Bomb stellt sich wortlos neben ihn.


Keiner sagt etwas.

Fast zwanzig Sekunden lang.

Nur das Summen der Neonlampen.


Dann tritt Claude einen einzigen Schritt nach vorne. Seine Stimme ist ruhig. Fast väterlich.


Claude Dynamite Booker: „Ich habe diese Liga mit aufgebaut.”


Tha Bomb: „Mit uns…!“


Pause.


Claude Dynamite Booker: „Ich habe erlebt, wie sie gewachsen ist. Ich habe erlebt, wie sie beinahe untergegangen wäre.”


Er blickt Titan direkt in die Augen.


Claude Dynamite Booker: „Und ich habe mein Leben dafür eingesetzt…dass Männer wie er…”


Kurze Pause.


Claude Dynamite Booker„…nie wieder Einfluss auf diese Liga bekommen.”


Titan lächelt leicht.


Titan: „Er?“


Claude antwortet sofort.


Claude Dynamite Booker: „Du weißt ganz genau, wen ich meine.”


Eine kurze Stille. Dann:


Titan: „Nein.”


Er macht einen halben Schritt nach vorne. Tha Bomb tritt dazu.


Tha Bomb: „Ich weiß nur…dass manche Männer selbst nach zwanzig Jahren noch Albträume verursachen.”


Claude lässt sich nichts anmerken. Aber man sieht:


Der Satz trifft.


Nun tritt Eric Fletcher nach vorne. Er öffnet langsam seine Ledermappe. Ein offizielles Schreiben.


Seine Stimme ist ungewohnt kühl und sachlich, fast schon richterlich, da hat einer vorher noch schnell ein paar Folgen von Richter Alexander Hold auf Sat1 Gold angeschaut und mit diesem Satz an sein Poetendasein erinnert.


Eric Fletcher: „Titan…Tha Bomb.”


Er schaut beide musternd an.


Eric Fletcher: „Im Auftrag des Präsidenten der GFCW sowie aufgrund der Vorkommnisse der vergangenen War Evening werden gegen Sie folgende Maßnahmen mit sofortiger Wirkung verhängt.”


Er hebt kurz den Blick. Dann liest er weiter.


Eric Fletcher: „Gefährliche Körperverletzung. Tätlicher Angriff auf Mitarbeiter der GFCW. Angriff auf Sicherheitskräfte. Sachbeschädigung. Massive Gefährdung von Zuschauern.”


Pete schluckt hörbar.


Eric fährt unbeirrt fort.


Eric Fletcher: „Die GFCW wird in dieser Angelegenheit uneingeschränkt grenzübergreifend mit den europäischen Behörden kooperieren.”


Er schlägt die Mappe zu. Ein dumpfer Klang hallt durch den Gang.


Eric Fletcher: „Darüber hinaus gelten ab sofort folgende Auflagen.”


Er zählt ruhig auf.


* Permanente Polizeibegleitung.

* Kein eigener Locker Room.

* Jeder Aufenthalt im Backstagebereich erfolgt unter Aufsicht.

* Jede körperliche Auseinandersetzung außerhalb eines offiziellen Matches führt automatisch zur Suspendierung.

* Jeglicher Kontakt zu Offiziellen erfolgt ausschließlich über den Commissioner.


Er schließt die Mappe endgültig.


Eric Fletcher: „Diese Entscheidung ist rechtskräftig. Dazu sind uns LEIDER die Hände gebunden was jetzt folgt…”


Ein französischer Polizist tritt vor und verliest ein Schreiben in dem steht das T´n´B zum Schutze der Allgemeinheit sofort festgenommen wird und unter Arrest gestellt wird. Tha Bomb und Titan lachen laut auf.


Claude tritt jetzt wieder nach vorne.

Langsam.

Fast bedächtig.


Claude Dynamite Booker: „Ich hätte euch heute feuern können.”


Kurze Pause.


Claude Dynamite Booker: „Glaub mir…es wäre die einfachste Entscheidung meines Lebens gewesen.”


Er schüttelt leicht den Kopf.


Claude Dynamite Booker: „Aber Männer wie ihr…verdienen keinen einfachen Ausweg.”


Noch ein Schritt.


Claude Dynamite Booker: „Ihr bleibt.”


Titan hebt eine Augenbraue.


Claude spricht weiter.


Claude Dynamite Booker: „Ihr bleibt…und jeder einzelne Tag wird euch daran erinnern…dass diese Liga euch niemals gehören wird.”


Titan beginnt leise zu lachen.


Nicht höhnisch.

Nicht laut.

Ein fast müdes Lachen.


Claude schaut ihn ernst an.


Claude Dynamite Booker: „Was ist daran so komisch?”


Titan hört auf zu lachen. Er sieht Claude direkt an.


Titan „Du glaubst…”


Pause.


Titan: „…du hast heute Stärke gezeigt.”


Er blickt kurz auf die Polizisten. Dann wieder Claude an.


Titan: „Dabei hast du gerade zwölf bewaffnete Beamte…”


Tha Bomb: „…einen Commissioner…”


Titan: „…die komplette Security…”


Tha Bomb: „…und den Präsidenten dieser Liga gebraucht…”


Er macht noch einen halben Schritt.


Titan: „…um zwei Wrestler aufzuhalten.”


Die Stille ist greifbar. Ein Polizeibeamter tritt an Tha Bomb heran. Er zieht Handschellen hervor. Die Security spannt sich an. Bomb sieht den Beamten an. Dann schaut er zu Titan.


Titan nickt.


Bomb streckt freiwillig beide Hände nach vorne.


Klack.


Die Handschellen schließen sich. Bomb verzieht keine Miene. Er lächelt sogar leicht.


Tha Bomb: „Sitzen bequem.”


Der junge Polizist wirkt irritiert. Titan tritt nun so nah an Claude heran, dass nur noch wenige Zentimeter zwischen ihnen liegen. Er spricht kaum lauter als ein Flüstern.


Titan „Claude…Du hast heute keine zwei Männer verurteilt.”


Lange Pause.


Titan: „Du hast…”


Er blickt an Claude vorbei.


Zu Eric.

Zur Polizei.

Zur Security.


Titan: „…Angst sichtbar gemacht.”


Noch längere Pause.


Titan: „Nicht unsere.”


Er zeigt langsam auf die Reihe der Beamten.


Titan: „Eure.”


Claude antwortet ruhig. Fast traurig.


Claude Dynamite Booker: „Nein…Ich habe Verantwortung übernommen.”


Titan nickt langsam.


Titan: „Das ist das Tragische. Du glaubst…das wäre noch dasselbe. Du glaubst es reicht uns zwei aus dem Spiel zu nehmen…”


Die Beamten beginnen, Tha Bomb und Titan langsam den Gang entlang zu eskortieren.


Keine Gewalt.

Keine Gegenwehr.

Nur das rhythmische Klirren der Handschellen.


Klack…



Klack…



Klack…


Claude Booker bleibt stehen. Eric tritt neben ihn. Beide sehen den beiden nach. Eric bricht schließlich das Schweigen.

Eric Fletcher: „Glauben Sie…wir haben das Richtige getan?”


Claude antwortet erst nach einigen Sekunden. Sein Blick bleibt auf Titan und Tha Bomb gerichtet.


Claude Dynamite Booker: „Ich weiß es nicht.”


Kurze Pause.


Claude Dynamite Booker: „Aber ich weiß…”


Er atmet tief durch.


Claude Dynamite Booker: „…dass Geschichte immer dann gefährlich wird…wenn Männer beginnen zu glauben, sie seien größer als die Institution.”


Die Kamera fährt langsam zurück. Am Ende des Ganges verschwinden Titan und Tha Bomb zwischen den Polizisten.


Nicht wie Gefangene.

Sondern wie Krieger, die ihren nächsten Feldzug bereits planen.

Krieger die wir die Reiter der Apokalypse Unheil und Verderben bringen.

Reiter die dem Erlöser unterstehen.


Tag Team-Match:
Stella Nova & Night Fighter Mad Dog vs. Ruhrpott Renegades (Malocher Manni & Kumpel Kowalski)

Referee: Karo Herzog


Zur Vertragsunterzeichnung traten sie zu Mad Dogs Theme auf, nun ist Zeit für kosmische Klänge, gedimmte Scheinwerfer und Fans, die mit der Lichtquelle ihrer Wahl für ein Lichtermeer sorgen wie ein Sternenhimmel – nicht ganz so schön natürlich, aber die Atmosphäre ist trotzdem prächtig und sie wird noch prächtiger als die Mad Stars durch den Vorhang treten. Klar, es ist ihr zweiter Auftritt des Abends, aber trotzdem freut man sich sie zu sehen. Insbesondere natürlich die unbekannte Konstante, obgleich auch Stella Nova mittlerweile nicht nur dank Mad Dog bejubelt wird, sondern auch um ihrer selbst willen.

Und sei es auch nur, weil der Leitstern sehr gut anzusehen ist – obgleich ja nun auch der schwarzhaarige Mad Dog trotz (oder sogar teils wegen?) seiner Narben kein unattraktiver Mann ist, obgleich der Familienvater eher wegen seines Coolness-Faktors mit seinen Postern Wände schmücken dürfte. Aber wer weiß.

In Sachen Gear sind die Mad Stars noch nicht direkt als Team zu erkennen. Mad Dogs Look besticht durch Schwarz und obgleich die farblose Farbe auch bei Stella mit dabei ist, erstrahlen Haar und Gear gleichermaßen primär orange, obgleich bei Stellas Sternen-Ausschnitt-Top und Kometen-Schurz durchaus auch gelb und rot mit dabei sind. Schillernd. Hell. Anders als die Dunkelheit des Mad Dog. Alleine ihr Gang verrät die Unterschiede. Mad Dog geht raschen Schrittes voran, Stella hält Schritt, aber jeder einzelne dieser Schritte wird mit geübter Eleganz gesetzt, wie sie sich auch die eine oder andere maximal feminine Pose nicht nehmen lässt. Marsch zum Ring hier, ausgiebige Selbstinszenierung da.


Sven: „Nicht mal ähnliche Klamotten kriegen die hin, geschweige denn eine stimmige Choreografie für den Einzug. T’n’B haben schon völlig recht damit den Teamgehalt gewisser Teams anzuzweifeln...“

Pete: „Aber Stella und Mad Dog sagen doch von sich selber, dass sie Gegensätze sind, die sich ergänzen wollen, das ist der Sinn der Sache.“

Sven: „Und ich sage sie haben keine gemeinsame Gear, weil sie eben kein Tag Team sind, sondern zwei Einzelwrestler, die gerade eine günstige Gelegenheit gewittert haben gemeinsam einen weiteren Titel in die Liste ihrer Errungenschaften zu kriegen. Wären T’n’B doch nur Champions geworden, dann hätten wir dieses Problem der Pseudo-Teams nicht...“

Pete: „T’n’B sind mit ihrer Aggressivität gegenüber GFCW und Fans schon schlimm genug, die sind so ziemlich die Letzten, denen ich einen Titelerfolg gönnen würde.“


Hätte man den Ruhrpott Renegades zu Beginn des Jahres gesagt, dass sie die Gegner von Morbeus Zereo Killer bei dessen Comeback sein und dann auch noch einen Main Event bei GFCW gegen Mad Dog und Stella Nova bestreiten würden, sie hätten es sicher nicht geglaubt. Doch was für den großen Brawler mit Bierbauch namens Malocher Manni und seinen drahtigen Kumpel Kowalski fast schon surreal erscheint ist kein absurder Wunschtraum, sondern Realität. Natürlich sind die beiden hier und heute nur als bessere Sparringspartner angedacht, aber Manni & Kowalski haben natürlich auch die große Battle Royal gesehen und wie die Birdie Boys es geschafft haben Stella Nova gemeinsam aus dem Ring zu werfen.

Es ist möglich sich auch gegen große Namen einen eigenen Namen zu machen, tatsächlich ist es gegen große Namen sogar am Einfachsten. Man erwartet ja eh nichts von ihnen, da ist jede gelungene Aktion bereits ein Plus fürs Portfolio. Geschweige denn ein Sieg…


Pete: „Die Ruhrpott Renegades sehen optimistisch aus.“

Sven: „Klares Indiz, dass nicht nur Zerbeus denken, das Stella schlagbar ist. Zumindest für echte MÄNNER wie Tyo Johns sagen würde.“

Pete: „Na ja, alle sind prinzipiell schlagbar, aber Stella hat schon recht, wenn sie auf ihr Match gegen The End verweist, dass sie auch schon im GFCW Ring gezeigt hat, wie gefährlich sie sein kann.“

Sven: „Das war ein 3 Way, The End konnte sich nie ganz auf sie konzentrieren. Noch dazu war das nur ein Match und sowohl gegen die Modern Erasers als auch in der Battle Royal war sie nicht so gut, das ist einfach so. Aber sie kann ja jetzt zeigen, dass sie als dreifach Champion von woanders was taugt und die Ruhrpott Renegades verhauen.“


Karo Herzog weist erst einmal Kowalski an seine mitgebrachte Eisenstange schön weit weg zu legen, dann verlangt sie nach dem Ringgong und es geht los. Wie als Vorbereitung für den Titelkampf, wo Stella auch beginnen soll, steht zunächst sie im Ring gegen Malocher Manni, der kurz Stella zunickt von wegen, dass er sich nicht zurückhalten wird, wenn es schon ein Intergender Match ist, wäre es ja auch respektlos sich zurückzuhalten… und Siegesambitionen auch nicht sonderlich förderlich.

Der Versuch in den Lock Up zu gehen oder Stella mit einem Clothesline zu überraschen schlägt aber ebenso fehl, wie der versuchte Clothesline von Kowalski gegen Zereo Killer in Lünen. Und wo Stella nun schon mal in den Rücken von Manni ausgewichen ist, da springt sie hoch und umschlingt seinen kopf mit ihrer Bein- und Fußpartie:

Poison Ran...nein!


Manni beugt sich nach vorn und blockt die Aktion, womit Stella nun in Electric Chair Position auf Mannis Rücken sitzt. Ein Gegner in Stellas Gewichtsklasse wäre hier definitiv übel auf den Kopf gedonnert worden, ja auch eine Gewichtsklasse drüber oder sogar zwei wären hier erwischt worden, aber die Masse eines Malocher Manni lässt sich nicht so leicht bewegen.

Außer er bewegt sich selber und zwar gen Wechselecke, wo Kumpel Kowalski sich sofort einwechselt und Stella mit einem Clothesline von Mannis Schultern runter hauen möchte. Quasi ein Mini Doomsday Device. Aber Stella zeigt ihre Körperbeherrschung und lehnt sich weit zurück, sodass der Arm von Kowalski durch die Luft saust und sie verfehlt. Manni selbst hat in Erwartung des Einschlags seinen Griff gelockert und so kommt Stella sogar ganz frei und springt einen Dropkick in Mannis Rücken, ehe sie zurück in den Stand flippt und einer weiteren Attacke von Kowalski per agiler Pirouette ausweicht, dem sie einen klatschenden Overhand Chop auf die Brust verpasst.

Danach packt sie dessen Arm und springt gen Seile zum Lucha Armdrag, aber Kowalski bleibt standhaft und wird nicht zu Boden gerissen. Stattdessen hält er Stella am Arm fest und Manni packt sie von hinten in den Waistlock. Kowalski lässt rasch Stellas Arm los und das eröffnet Manni die Chance zu einer Art Release German Suplex – den Stella aber per Flip in den Stand unbeschadet übersteht.

Schaden vermieden, schön und gut, viel Schaden verursacht hat sie nun aber auch nicht. Sie blickt zu Mad Dog, der mit konzentriertem, aber ruhigen Blick in der Wechselecke steht. Keine Gestikulation und doch ist es eine Geste.

Ruhig bleiben.


Nicht, dass Stella das gesagt werden müsste, aber ihre Miene verrät, dass es sie durchaus etwas nervt, dass sie diese an und für sich haushoch unterlegenen Gegner bisher nicht auf die Matte schicken konnte. Zereo Killer und Morbeus hatten damit rein gar keine Probleme und konnten die Ruhrpott Renegades klar und deutlich besiegen ohne große Gegenwehr zuzulassen.

Stella überlegt kurz, sieht, dass Malocher Manni von Karo Herzog in die Wechselecke geschickt wird und springt dann gegen das zweite Ringseil. Doch nicht gegen Kowalski, sondern über diesen hinweg, wonach sie einen kurzen Blick gen Mad Dog wirft, ehe sie in die Seile läuft, um für einen Laufangfriff Schwung zu nehmen. Die Töle versteht und tagt beim Federn in die Seile mit Stella und wie Stella an Kowalski vorbei huscht, der den Tag nicht mitbekommen hat und weiter Stella hinterhersieht und wie ihre massiven Flechten dabei durch die Luft tanzen. Reingreifen ist so einladend, aber ehe der Hair Pull Takedown auch nur als Gedanke Form annimmt, hat Mad Dog ihn auch schon von hinten gepackt und per Release German Suplex auf die Matte geschickt. Der Night Fighter dreht sich dabei selbst auf der Matte um und geht auf alle Viere, wodurch er für die immer noch im Lauf befindliche Stella zur Sprungschanze wird. Stella springt aus vollem Lauf auf Mad Dogs Rücken und von da aus…

Double Jump Running Shooting Star Press!


Die Fans gehen steil, während Stella sich tänzelnd verneigt und in die Wechselecke zurückkehrt. Die Berliner Töle wiederum packt den zu Malocher Manni krabbelnden Kowalski im Knöchel, zieht das Bein hoch und donnert es Knie voran abwärts auf die Matte. Noch Mal das Ganze. Mad Dog guckt gen Publikum, die lautstark


One More Time“


rufen und der Nightfighter hat keinen Grund diesen Wunsch auszuschlagen, so sehr Kumpel Kowalski es auch vorziehen würde, dass er es täte. Vor Knieschmerzen wälzt er sich hin und her und Mad Dog steht nun vor der Frage ob er ernsthaft nachsetzen will, wodurch das Match nun rasch vorbei wäre oder ob er den Wechsel bei den Ruhrpott Renegades erlauben soll, um noch etwas mehr Training zu kriegen.


Er setzt nach.


Halbherzig wrestlen ist nicht und so packt Mad Dog den Kumpel, verfrachtet ihn in die Ringecke und lässt ein paar klatschende Chops laut werden – ehe er selbst eine Attacke in den Rücken kriegt. Malocher Manni hat unerlaubt den Ring betreten und ihm von hinten einen Schlag verpasst. Eine gelungene Offensivaktion für die Ruhrpott Renegades, auch wenn es nur ein Schlag war.


Pete: „Irregulär im Ring und eine Attacke von hinten, sowas von unfair.“

Sven: „Eher sowas von unfähig und damit meine ich Stella. Lässt die Attacke zu, anstatt Mad Dog den Rücken freizuhalten.“

Pete: „Du erinnerst dich daran, dass Stella uns schon einmal eine verpasst hat, weil wir ihr zu frech waren?“

Sven: „Soll ich lügen, nur weil Stella ein Aggressionsproblem hat? Sie hat ja nun mal Mad Dogs Rücken nicht abgesichert. FAKT!“


Was Sven dabei nicht erwähnt ist, dass Stella durchaus in den Ring wollte, um Mad Dogs Rücken abzusichern, Referee Karo Herzog jedoch aus ihrer Position Stella zuerst aus dem Augenwinkel sah und am Betreten des Rings hinderte, womit Malocher Manni ungehindert angreifen konnte. Und er greift weiter an, setzt sogar zu einem Back Suplex an.

Es bleibt jedoch beim Ansatz, da Mad Dog den Ellbogen nach hinten rauschen lässt.

Manni torkelt rücklings und Mad Dog nimmt etwas Schwung und zeigt wie man mit einer Clothesline richtig trifft. Dann wechselt er wieder Stella ein und hebt nun seinerseits Manni zum Back Suplex aus. Die Masse, die Stella nicht bewegen konnte, kann der 1,94 große Mad Dog locker anheben – aber nun wo Stella schon mal da ist, springt sie mit einem Dropkick zusätzlich in die Aktion rein! Heavy Hitter!

Malocher Manni liegt flach, dafür kommt Kumpel Kowalski angelaufen und will Stella per Shoulderblock wegrammen. Doch die weicht locker aus und Kowalski läuft ungewollt frontal in die Ringecke hinter Stella. Die nimmt Anlauf und zeigt etwas Bodenturnen: Handspring Elbow! Nach dem Einschlag verweilt sie nah an Kowalski und blockiert ihn in der Ringecke, während auch Mad Dog los sprintet zum Dogbite! Erst im letzten Moment weicht Stella aus, Kowalski hat keine Chance zu entkommen und der Dogbite schlägt ein! Kowalski will fallen, aber er fällt nicht, weil Mad Dog ihn festhält – und zwar im Ansatz zum MNI.

Aber den zeigt der Schwarzhaarige nicht.

Er wartet.

Worauf?

Auf Stella, die rasch die Ringecke hoch ist und auf den Hingehaltenen drauf springt: MNI + Shooting Star Press als Kombi Aktion! Oder besser gesagt:

ONI – Our name is… Mad Stars


Die Fans beklatschen lautstark diese fantastische Movekombination, nach der die eingewechselte Stella direkt auf Kowalski liegen bleiben kann, während Mad Dog das Cover absichert und Malocher Manni noch einen ordentlichen Tritt mitgibt, um genau das zu tun. Eins. Zwei. Drei. Die Mad Stars haben gewonnen, wie es anders nun auch beim besten Willen nicht zu erwarten war. Entsprechend kein großer Jubel, aber ein knapper Fist Bump. Es war wieder kein Match, bei dem Stella groß glänzen konnte, aber das Teamwork sah schon mal gut aus. Definitiv ein Team und keine zwei Einzelakteure.


Pete: „Ein nie gefährdeter Sieg und doch bleibt festzuhalten, dass Zerbeus ihr Match gegen die Ruhrpott Renegades deutlicher und schneller gewonnen haben. Noch dazu haben Zerbeus seitdem noch einige Schlachten mehr gemeinsam geschlagen und haben als Team zueinander gefunden. Dieser Titelkampf könnte für die Mad Stars zu früh kommen.“

Sven: „FAKT ist, dass Stella auch gegen die Ruhrpott Renegades Probleme hatte, da fragt man sich schon ob ihr Match gegen The End ein Ausreißer nach oben war, dreifache Titelträgerin hin oder her.“

Pete: „Vielleicht läuft Stella ja erst in den wirklich großen Matches zu Höchstform auf. Noch dazu sind Morbeus und Zereo Killer besser in Form als Malocher Manni mit seinem Bierbauch und sollten daher für Stella einfacher zu bewegen sein.“

Sven: „Tja, lustig wird es so oder so. Bei Conquista. Jetzt den PPV ordern, das wollt ihr bestimmt nicht verpassen!“





Zum zweiten Mal am heutigen Abend hören wir die Musik des Champions und wie auch schon zuvor, gibt es auch jetzt keine große Show. Nur einen Mann, der sich gerade inmitten von vielen verschiedenen Problemen befindet. Einen Mann, der lange Zeit die Herausforderung gefordert hat und sie jetzt endlich bekommt. Die Bürde eines Champions.

Die Fans jubeln selbstverständlich, auch, wenn End im Gespräch mit Aldo Nero zu Beginn der Show eher ein paar Minuspunkte gesammelt hat.

Ob ihn das gestört hat?

Er würde das weder zugeben noch sich anmerken lassen.

Aber vermutlich ist es so. Zumindest ein wenig.

Jetzt läuft er aber direkt auf den Ring zu, denn nachdem er erst mit Aldo Nero gesprochen hat und dann mit Darragh Switzenberg, hat er selbst verkündet, dass er noch mit einer dritten Partei etwas zu klären hat.


Pete: „Der Champion hat allerhand an der Backe. Refuse to Age. Darragh Switzenberg. Und jetzt auch noch Aldo Nero.“

Sven: „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA“

Pete: „Ich bin gespannt was er zu sagen hat. Wird er die Unterstützung annehmen? Will Aldo ihn überhaupt unterstützen? Was macht er mit Danny Rickson? Fragen über Fragen.“

Sven: „Mir alles egal, Aldo ist zurück und nur das zählt.“


Im Ring angekommen, bekommt seine Musik nicht wirklich die Möglichkeit in Ruhe auszuklingen, stattdessen spricht End direkt los. In aufgeregter, bestimmter und entschlossener, wie wütender Stimme, während er auf und ab läuft.


The End: „Seit Monaten rede ich davon, wie ich die GFCW besser machen will. Zur besten GFCW, die es jemals gab.“


Ob nun in Gedenken an Robert Breads oder nicht – das waren seine Worte und End als neuer Platzhirsch (Liebe Grüße an Ask Skógur) vertritt die Aussage natürlich ebenso. Schließlich ist er aktuell defacto der Anführer dieser Liga.

Jetzt bleibt End stehen und wird eine ganz spur ruhiger, aber nicht weniger entschlossen und bestimmt.


The End: „Aber wie kann ich die GFCW besser machen… wenn ich selbst dadurch schlechter werde?“


Keine Bekundung von Selbstmitleid, kein fishing for compliments, sondern eine nüchterne Tatsachenbeschreibung dessen, wie End die Lage sieht und ein erstes Anzeichen, dass Aldos und Darraghs Worte gezündet haben.


The End: „Und wie kann ich die GFCW beschützen… wenn ich nicht einmal meine Familie beschützen kann?“


Ist das so? Haben sie gezündet? End scheint den ganzen Abend nachgedacht zu haben, wie er diese Sache angeht. Was er jetzt sagen wird.

End, der Schüler von Corleone, der sich selbst in den vergangenen Wochen und Monaten an Manipulationen und Kopfspielchen versucht hat und das auch gar nicht so schlecht. Jetzt hingegen ist er gefangen in der knallharten Brutalität von Herausforderern, Feinden, scheinbaren Freunden und der Familie.

Vor allem aber lauert da die Gefahr von Refuse to Age.

Und bevor End weiterreden kann sind sie da. Genau wie erwartet. Genau wie befürchtet.

Danny Rickson, Hollywood Jake und Robbin Zick treten durch den Vorhang im Salle des Étoiles und marschieren in Richtung des Rings. Auch ohne das Erklingen ihrer Musik und lautstarke Worte wirft das Auftauchen des Trios bedrohlich. Vielleicht auch gerade deswegen: Das Schweigen gibt dem Publikum zu verstehen, dass es jetzt, in diesem Moment, nicht um Show und Worte, sondern um Taten geht.

Die Hackordnung innerhalb des Stables ist klar. Rickson gibt die Anweisungen, die anderen folgen. Auf ein wortloses Kommando des Engländers hin begeben sich Robbin und Jake jeweils an eine Ecke des Ringes, setzen den Fuß auf die unterste Stufe der Ringtreppe. Indes bleibt der Hall of Famer auf der Rampe stehen, sein Blick ist seit Sekunden starr auf The End gerichtet. In seiner Hand drückt er ein Mikrofon so fest, dass die Adern der Hand hervortreten.


Danny Rickson: „Du redest so viel, The End, du weißt immer etwas zu erzählen.“


Er macht weitere Schritte auf den Ring zu, bis er mit der Stiefelspitze die Ringschürze antippen kann. Ein Sprung und er wäre auf dem Apron. Ein Zweiter, und er könnte auf The End losgehen.


Danny Rickson: „Aber du sagst einfach nicht die Sache, die ich hören will. Die Worte, die dich vor einem unschönen Tagesausklang bewahren könnten…“


Die Ringtreppe scheppert unter dem Gewicht von Jake und Zick, die näherkommen. The End blickt sich um. Es steht Drei gegen Eins. Natürlich: Ein Ring hat vier Seiten und er hätte die Möglichkeit, nach hinten zu entkommen. Aber läuft ein Champion davon? Vielleicht. Aber nicht, wenn dieser Champion The End ist. Also bleibt der Hamburger tapfer auf der Matte stehen und wartet ab, was passiert.

Ein mutiger Starrsinn, der Rickson ein Lächeln entlockt. Es steckt voller Spott.


Danny Rickson: „Ich dachte immer, Ask Skógur wäre das Reh. Dabei stehst du hier im Scheinwerferlicht und bist nicht in der Lage, zu handeln. Du läufst nicht weg, um deiner Bestrafung zu entkommen. Aber du schaffst es auch nicht, das Mikrofon zu geben, um mir zu geben, was ich verlange.“


Mit einem Satz ist Rickson auf dem Apron. Er umklammert das Top Rope mit der freien Hand.


Danny Rickson: „Oder etwa doch? Hast du dich endlich dazu entschieden, mir zu geben, was ich will? Ein Titelmatch bei Conquista.“


Man hätte fast meinen können, dass The End bereits auf die Herausforderung eingehen wollte… allerdings hat er noch immer gezögert und bevor er eine Entscheidung aussprechen könnte, war da Danny Rickson.

Jetzt unter diesen Bedingungen wird er aber ganz sicher nicht zustimmen.

End bleibt stumm und manifestiert Rickson mit einem Blick, den er immer mal wieder auf Jake und Zick abschweifen lässt.

Mit jeder verstreichenden Sekunde wird Danny Ricksons Mimik ungeduldiger. Seine Augen verengen sich, der Gesichtsausdruck wird hart.


Danny Rickson: „Vor zwei Wochen war es der alte Sack, den wir uns schnappen wollten. Er hat Glück gehabt. Glück, welches dir nicht widerfahren wird, wenn du nicht endlich den Mund aufmachst und mir ein Titelmatch gibst.“


Keine Antwort von The End. Er lässt es drauf ankommen.


Mit einem theatralischen Seufzen blickt Rickson erst zu Zick, dann zu Jake. Die Beiden nicken ihrem Anführer zu. Dann hebt Danny die Hand. Gibt ein Zeichen.

Das Zeichen zum Angriff.


Pete: „Darragh Switzenberg! Ich hätte nie gedacht, dass sein Auftauchen einmal positive Emotionen auslösen würde. Und doch höre ich Jubel hier in Monaco.“


Der Vorhang wird zur Seite gedrückt, als sich die massige Gestalt des Modellathleten hindurchdrückt. Ohne jede Angst marschiert Switzenberg die Rampe hinab. Sein Gesichtsausdruck ist ernst. Und doch auch eine Spur feierlich. Er wirkt bereit, an der Seite The Ends zu stehen. Auch wenn es Zwei gegen Drei steht.

Vom Apron fliegen Giftpfeile aus Hollywood Jakes Augen auf Darragh Switzenberg. Der einstige Switzisstant mag sich gegen den Kanadier entschieden haben. Aber dass sie sich nun auf verschiedenen Seiten begegnen – damit hat er so schnell nicht gerechnet.

Jake springt vom Apron und läuft auf Switzenberg zu. Er bricht die Formation. Es ist die Stimme Ricksons, die ihn zur Räson ruft.


Danny Rickson: „Jake! Zurück auf Position. Dort ist unser Feind.“


Er deutet auf End. Hollywood Jake bleibt stehen, blickt immer wieder zwischen Switzenberg und End hin und her. Als könne er sich nicht entschieden, seinem Herz oder der Anweisung zu folgen.


Danny Rickson: „Verschwinde, Darragh. Wenn du glaubst, hier etwas auszurichten, bist du in den Wochen deiner Pause nicht nur weich, sondern vor allem dumm geworden. Ihr seid Zwei. Wir sind…“


Drei sollte es wohl lauten. Doch bevor Rickson das Naheliegende aussprechen kann, ertönt eine weitere Musik.



Man könnte hier jetzt wieder über die ewig-lange Geschichte von Aldo Nero und The End sprechen, wirklich interessant für sein Auftauchen in diesem Moment sind aber die Worte, die sie zu Beginn der Show ausgetauscht haben.

Familie.

Darum geht es.

Und deshalb tritt nun auch Aldo Nero auf die Stage und neben Darragh Switzenberg.

Die Zuschauer sind naheliegenderweise aus dem Häuschen. Da stehen wirklich The End, Aldo Nero, Darragh Switzenberg und Refuse to Age gleichzeitig in der Halle. Und das Superteam aus zwei ehemaligen World Champions und einem dreifachen IC-Champion schafft es, dass Refuse to Age ins Zögern kommt. Es gibt keine weitere Anweisung von Rickson, den Angriff auf End zu starten. Sie lassen es geschehen. Lassen zu, dass Nero und Switzenberg Seite an Seite auf den Ring zuschreiten.

Rickson zieht sich mit hasserfüllter Miene zur Seite zurück, wo Zick und Jake auf ihn warten. End bleibt unversehrt allein im Ring zurück. Er schaut auf Nero, schaut auf Switzenberg. Schaut auf die Feinde. Dann hebt er sein Mikrofon.


The End: „… wie ich schon sagt… wie kann ich die GFCW beschützen, wenn ich nicht mal meine Familie beschützen kann. Du hättest ein Titelmatch haben können, einfach so, ohne etwas dafür zu tun. Du hättest einfach nur meine Open Challenge annehmen müssen. Stattdessen hast du dich dafür entschieden mich und meine Ehre zu beleidigen, mich zu hintergehen und du hast versucht mir diesen Titel zu stehlen. Vor allem aber… hast du meine Familie angegriffen und mich in diese Situation gebracht, deshalb Gratulation, du bekommst deinen Wunsch.

Aber wie heißt es so schön? Man sollte vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht und ich verspreche dir… diesen Wunsch wirst du bereuen.“


Die Miene des Hall of Famers hellt sich auf. Er hat versucht, Sal angreifen zu lassen und ist gescheitert. Heute wollte er The End Drei-gegen-Eins im Ring zerstören und scheiterte ebenso. Doch am Ende kommt er trotzdem zu seinem Willen. Weil The End keiner Herausforderung aus dem Weg geht.

Als Ricksons Freude vergangen ist, kehrt die Arroganz in seine Züge zurück.


Danny Rickson: „So mutig. So dumm. Es sollen sich andere Leute Gedanken machen, was eher auf dich zutrifft. Bei Conquista jedenfalls wirst du an deine Grenzen stoßen. Aber mach dir nichts draus. Danny Rickson war und ist in jeder Generation der Beste.“


Triumphierend, als hätte er den Titel bereits sicher, reißt Rickson die Hände hoch und badet in den Buhrufen der Monegassen.

Vom Squared Circle aus hält End seinem Blick stand. Selbstbewusst und mutig. Der Hamburger ist sich keiner Challenge zu schade. Doch hat er sich diesmal übernommen?

Der Staredown der Beiden könnte ein guter Schlussakt sein. Für diese Show. Für den letzten Moment vor Conquista. Denn in der Luft liegen Vorfreude und Spannung. Doch dann ist es die Stimme von Darragh Switzenberg, die die Ruhe vor dem Sturm zerschneidet.


Darragh Switzenberg: „Halt.“


Der Kanadier hat sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Ist jetzt doch der Moment gekommen, wo er sein wahres Gesicht zeigt? Wo er Forderungen stellt?


Darragh Switzenberg: „Es gibt da einen Elefanten im Raum, über den wir sprechen müssen. Oder besser gesagt: Zwei.“


Sein Blick wandert von Hollywood Jake zu Robbin Zick.


Darragh Switzenberg: „Glaubst irgendjemand in dieser Halle, dass mit diesen beiden Arschlöchern ein faires Match bei Conquista möglich ist?“


NOOOOOO!“


Ein Publikum, das begeistert seine rhetorische Frage beantwortet. Ein ganz neues Gefühl für Darragh Switzenberg.


Darragh Switzenberg: „Genau. Sie werden alles dafür tun, um Rickson zum Sieg zu verhelfen. Denn sie haben nichts zu verlieren. Nicht einmal Würde.“


Eine Beleidigung, die zur Folge hat, dass die Angesprochenen einen Schritt auf Switzenberg zumachen. Doch bevor ein Angriff starten kann, spricht Switzenberg weiter.


Darragh Switzenberg: „Jake und Robbin sind Probleme, die es zu lösen gilt. Was für ein hervorragender Zufall. Denn seit vier Wochen habe ich darüber nachgedacht, wie ich beweisen kann, dass ein neuer Darragh Switzenberg vor euch steht. Ein Switzenberg, der nicht nur an sich selbst denkt.“


Kunstpause. Dann blickt Switzenberg zu End, der ihn vom Ring aus beobachtet.


Darragh Switzenberg: „Ich möchte meinen Teil beitragen, dass Danny Rickson nicht durch Betrug zum Titel bei Conquista kommt. Und deswegen fordere ich Robbin Zick und Hollywood Jake heraus.“


Ein Raunen geht durch die Halle.


Darragh Switzenberg: „Wenn ihr verliert, müsst ihr vor dem Titelmatch verschwinden.“

Hollywood Jake: „Warum sollten wir auf diese Wette eingehen. Was ist DEIN Einsatz, Darragh?“

Darragh Switzenberg: „Ich habe keinen Einsatz.“


Spöttisches Lachen bei Refuse to Age. Damit dürfte die Herausforderung abgelehnt sein. Ein netter Vorschlag von Switzenberg. Aber Zick und Jake werden nicht um etwas kämpfen, wo es nichts zu gewinnen gibt.


Darragh Switzenberg: „Aber vielleicht hat ER einen Einsatz. Wenn er mir vertraut.“


Zur Überraschung der Anwesenden deutet der Kanadier in den Ring. Zu End. Der Champion scheint selbst überrascht zu sein.


Darragh Switzenberg: „Ich bitte dich ein letztes Mal darum, mir einen Vertrauensvorschuss zu geben, End. Erlaube mir, Zick und Jake zu besiegen, damit sie verschwinden. Doch wenn sie gewinnen…dürfen sie beim Main Event am Ring bleiben.“


Und damit ist der Wetteinsatz mit einem Mal hoch. Mit den Gehilfen am Ring wäre Rickson ohne jeden Zweifel im Vorteil. Das sieht auch End so. Und so liegt ihm ein „Nein“ auf den Lippen. Doch just als er das Mikrofon hebt, liegt ihm ein anderer Satz auf den Lippen.


The End: „Selbst wenn ich dir vertraue, Darragh. Du bist eine Person gegen Zwei.“

Darragh Switzenberg: „Ich glaube nicht, dass ich alleine kämpfen muss.“


Er blickt zur Seite.

Zu Aldo Nero.


Darragh Switzenberg: „Stehst du an meiner Seite?“


Aldo Nero.

Hätte man jemals geglaubt diesen Mann AN DER SEITE von The End zu sehen?

Die Situation wirkt noch immer surreal und End hat Aldo bisher auch nur spärlich angesehen, als dieser in den Ring getreten ist.


Aldo Nero: „Nein.“


Die Menge wirkt erschrocken, denn eigentlich war das eine Welle von Euphorie, die sich hier aufgebaut hat, die nur noch darauf gewartet hat Aldos Bestätigung aufzusaugen, doch der… lehnt ab?


Aldo Nero: „Weder stehe ich an deiner Seite noch zu ihm.“


Aldo deutet auf The End.


Aldo Nero: „Aber… manchmal muss man eben Dinge tun, die man tun muss, um zu erreichen, was man will. Und was ich will, ist Rache, denn Salvatore Corleone ist nicht nur die Familie von The End. Er ist meine Familie. Und deshalb, so ungern ich es auch tue… Darragh… KÄMPFE ich an deiner Seite.“


Jetzt jubelt die Menge lautstark auf, das wollten sie hören. Für Aldo war es aber durchaus wichtig diese Unterscheidung noch einmal klarzustellen, genauso wie die nächste.

Er schaut noch einmal zu End.


Aldo Nero: „Ich tu das nicht für dich, dass das klar ist.“


Aldos Monolog am Anfang der Show hatte eine ähnliche Intention – die Familie steht über allem, sogar über der Feindschaft mit The End. Und deshalb kämpft er, wenn nötig, FÜR Salvatore, MIT The End.

Jetzt liegt der Ball bei The End. Zwei Männer sind bereit, für ihn zu kämpfen. Zwei, die er lange Zeit als Feinde betrachtet hat. Nero. Switzenberg. Trifft der Spruch: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ wirklich zu?

Es wäre der einfache Weg, Nein zu sagen. Bloß: Könnten Jake und Zick dann nicht trotzdem in einem unklaren Moment angreifen? Und er wäre diesem Spiel allein ausgeliefert?

Aber sein Vertrauen in Nero und Switzenberg zu setzen? In Feinde?

Doch vielleicht sind es keine Feinde. Er blickt in die Augen von Aldo Nero.

Vielleicht ist es…

Familie.


The End: „Dann soll es so sein. Ich akzeptiere.“


Die Halle wird schlagartig laut. The End hat eine Entscheidung getroffen, die zu Beginn der Show absurd geklungen hätte.

Zick und Jake blicken zu Rickson. Hilfesuchend. Plötzlich haben sie eine Herausforderung vor der Brust, die bergehoch scheint. Doch Rickson nickt ihnen zu.


Danny Rickson: „Auch wir…akzeptieren.“


Und damit ist es offiziell.

Conquista 2026. Zwei Matches.


Darragh Switzenberg & Aldo Nero vs. Robbin Zick & Hollywood Jake

- Wenn Nero und Switzenberg gewinnen, sind Zick und Jake im Main Event vom Ring verbannt –


GFCW Heavyweight Championship

The End © vs. Danny Rickson


© 2001-2026 GFCW – German Fantasy Championship Wrestling


Danke an alle Schreiber!!!