Singles Match:

Milly Vermillion vs. Meathook

Referee: Peter Cleven



Die epischen Klänge von Phantasmal Blaze sind der GFCW Galaxy mittlerweile wohlbekannt und so wissen sie bereits, dass nun Zeit für den Auftritt von Milly Vermillion ist, noch bevor die obligatorischen Feuerzungen emporschießen und Ringsprecherin Laura die Phönixdame aus Kanada ankündigt. Und doch gibt es weder automatisierten Jubel, noch automatisierte Buhrufe – es ist ein tendenziell positiver Empfang, mehr aber auch nicht. Eine Fan Favoritin ist die kleine Blondine mit der üppigen Lockenpracht mit dem roten Barett auf dem Schopf und dem feurig gefiederten Poncho am Leib nicht unbedingt. Klar, sie hat ihre Simps und man mag sagen zurecht, doch im Großen und Ganzen ist sie in der Fangunst nicht weit oben, aber eben auch nicht unten. Auch, weil sie sportlich zwar hier und da mal was gezeigt hat und spektakuläre Aktionen meistens gut ankommen, aber wer gegen Meathook verliert, von der erwartet man nicht viel. Und wenn das Rematch dann auch noch nur durch Count Out gewonnen wird, dann ist das auch irgendwie peinlich.

Kein Wunder also, dass Milly bei aller demonstrativen Lockerheit doch mit einer spürbaren Verbissenheit zum Ring schlendert. Hier und jetzt gilt es den großen Worten ein mächtiger Phönix zu sein auch endlich mal Taten folgen zu lassen, wenn sie nicht will, dass ihr Wort nicht mehr viel wert ist. Vorausgesetzt es ist überhaupt etwas wert, ihre Tirade über einen angeblichen internationalen Geheimdienst, der sie daran hindert ihre Phönixkräfte voll zu entfalten, ist einigen Fans dann doch etwas viel zu dick aufgetragen.


Sven: „Wenn ich das Wort „dick“ höre, muss ich an zwei Personalien denken, Pete. Weißt du welche?“

Pete: „Die eine Personalie ist sicherlich Meathook und weil niemand verrückt genug ist, um Iray Burch zu fragen, ob er Übergewicht hat, habe ich das dumpfe Gefühl, dass du mal wieder einen Spruch über meine Mutter loswerden willst.“

Sven: „Du bist ein schlechter Sohn so über deine Mutter zu sprechen. Die andere Personalie ist Gisbert „Gino“ Rieß, du Rabensohn.“


Milly ist derweil an den Fans vorbeigeschritten ohne sie groß zu beachten, hopst den Apron hoch, zieht das Knie zur Pose hoch und wedelt flügelartig mit den Armen, wie sie das halt mitunter so macht. Dann ein lässiger wie spektakulärer Springboard-Sprung mit Schraube und sie ist im Ring, wo Referee Peter Cleven und Hugo „Meathook“ Rodriguez bereits auf sie warten.

Es kann also losgehen und es geht auch los, kein Grund darauf zu warten, dass die Fans zu epischen „this is awesome“ oder „Holy Shit“ Rufen anstimmen, nur weil Milly und Meathook sich gegenüberstehen. Ask vs. End hätte dieses Flair bestimmt, aber sicher nicht dieses Match – obgleich es rein von der Physis her dazu einlädt. Meathook mit seinen 190 Kilos bei über zwei Metern Körpergröße gegen die kleinste und vermutlich auch leichteste Frau im Roster. Nicht, dass Millys Gewicht bekannt wäre und sie danach fragen wäre wohl eine Aufforderung für ihre „Aufpasser“ wegzugucken, wenn sie eine menschliche Fackel kreieren will. Was bekannt ist, das ist Millys Größe: 1,50. Kein Wunder also, dass Meathook trotz seiner miserablen Bilanz für Milly ein gefährlicher Gegner ist, egal wie viel Phönix in ihr steckt.

Milly wahrt also Distanz, versucht es mit schnellen Vorstößen, aber alles was Meathook machen muss, um Millys Offensive verpuffen zu lassen ist… rein gar nichts. Soll heißen: dadurch, dass er still dasteht, hat Milly keine Chance irgendein Momentum für sich zu nutzen, weil es keins gibt. Meathook bewegt sich in diesem Match nur wen er es will und nicht wenn Milly es will, so viel ist klar. Genau deswegen gewann Milly das letzte Match der beiden durch Count Out – nachdem Hugo Rodriguez erst einmal flachlag, da war es unmöglich für Milly ihn vom Fleck zu bewegen, geschweige denn ihn zurück in den Ring zu hieven.

Und so passiert erst einmal nicht viel, außer dass Milly Meathook mit schnellen Kicks, Chops und dergleichen eindeckt, welche dieser kaum spürt. Tatsächlich lacht er sie aktiv für ihre Bemühungen aus, was diese nur umso wütender und härter zulangen lässt, mit dem Effekt, dass es keinen Effekt gibt. Zumindest kein Effekt auf Meathook, Milly hingegen investiert eine ganze Menge Energie in ihre Offensive, was im Klartext heißt, dass sie ihre Energie sinnlos verpulvert. Aber ein mächtiger Phönix hat ja eh endlos Energie… richtig?

Meathooks Starre wiederum hat einen noch einmal anderen Bonuseffekt: Milly wird in Sicherheit gewogen. Sie greift immer mehr an und vernachlässigt dabei ihre Deckung. Und dann semmelt Meathook zu:


CHOP von Meathook!


Was ein Klatschen! Ein Klatscher wie ein Pistolenschuss, auf den ein lautstarkes Raunen folgt. Ob Milly mit dem Umfang ihrer Oberweite zufrieden ist, ist ungewiss, aber sie will sicherlich keine größeren Brüste wegen einer massiven Schwellung haben. Das blüht ihr aber nun, sie hält sich die Brustregion und wälzt sich hin und her – das war so heftig, wie es klang. Und Meathook? Der erkennt seine Chance, stampft vorwärts und zeigt einen…


Splash!


Aber daneben! Hätte der getroffen, das wäre es gewesen. Einfach weil Milly nie und nimmer Meathooks Masse von sich runter bekommen würde, wie das erste Match der beiden eindeutig gezeigt hat. Phönix hin oder her, es gibt Grenzen dessen, was physikalisch möglich ist. Positiv gedacht liegt Meathook nun aber erst einmal flach und das bedeutet, dass Milly nun den Kopf ihres Gegners da hat, wo sie ihn haben will. Und der Kopf ist nicht durch Muskeln und Fett geschützt, ergo sind Treffer hier sehr viel effektiver als anderswo. Und so schlägt und tritt sie auf Meathooks Rübe ein, der wild zappelt im Versuch wegzukommen und dabei eine Hommage an Aiden Rotari macht, sieht er mit seinem Zappeln doch aus wie ein Fisch. Ein Fisch, der einen Shotgun Dropkick voll die Fresse kriegt!

Meathook rollt sich zur Seite wie ein Gürteltier und zerrt sich in der nächstbesten Ringecke hoch, was Milly kritisch im Auge behält – nicht, dass sie am Ende wieder von der Ringecke purzelt, wie es ihr gegen Miria passiert ist, weil Meathook mit seinem Gewicht beim Hochziehen die Ecke beschädigt. Sieht aber stabil aus, ein Lob an die Ringcrew. Doch die Stabilität des Rings ist nicht Millys einziger Grund das im Auge zu behalten, sondern auch, um im perfekten Moment loszuspurten, gegen das zweite Ringseil zu springen und dann aus der Drehung Meathook abermals gegen den Schädel zu treten!


Phoenix Kick!


Volltreffer! Milly Vermillion geht auf Abstand, damit Meathook nicht wieder auf sie drauf fällt, sondern nur umfällt. Er fällt auch und rollt sich angeklingelt aus dem Ring. Naturgemäß ist er da nicht vor einem hochfliegenden Phönix sicher: Anlauf, Absprung, die Arme ausgebreitet…


Tope con Hilo!


Im fitten Zustand hätte Meathook Milly locker abfangen können, so hingegen trifft sie ihn, während er desorientiert wankt und der Schweinfurter purzelt zu Boden! Milly posiert, lässt sich feiern und kehrt in den Ring zurück. Jetzt, wo Meathook liegt, kann sie eh nur darauf warten, dass er sich wieder erhebt und von selber in den Ring zurückkehrt. Klar, sie könnte ihn auch hier draußen weiter attackieren und dann erneut durch Count Out gewinnen, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache. Also spurtet sie in den Ring zurück und wartet, den potentiell sicheren Sieg durch Auszählen verschenkend.


Wenn sich das mal nicht rächt...


Meathook japst und schnauft, erhebt sich und purzelt gen Ring. Vor diesem fällt er noch mal vor alle Viere und landet mit dem Gesicht voran in der Ringschürze. Echt peinlich. Kein Wunder also, dass er danach echt wütend darüber aussieht, dass diese kleine Phönixfrau ihn, den großen, starken Meathook so vorgeführt hat, aber eine Rolle später er ist zurück im Ring und das Match kann weitergehen. Milly Vermillion stürmt voran, doch da schnellt Meathook mit der Faust vor; aber Milly stoppt ab, sodass die Faust sie gerade so verfehlt.


Aber nur die Faust selber verfehlt und nicht das, was Meathook in der Faust hat... und zwar einen...


FLEISCHERHAKEN!


Der hat Milly an der Stirn erwischt, sie geht im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig zu Boden und Referee Peter Cleven verlangt sofort nach dem Ringgong – Disqualifikation! Aber das interessiert Meathook gerade herzlich wenig. Als ob die Existenz von Iray Burch und dessen Erfolg mit roher Gewalt in Kombination mit Millys frechen Aktionen etwas in ihm geweckt hätten, ist das pure Böse in seinem Blick zu sehen. Und wie er sieht, dass es unter Millys struppigem Pony blutig zu tropfen beginnt, da beginnt er widerwärtig zu lächeln… und hakt den Fleischerhaken im linken Fuß von Milly ein!


Die „you sick f***“ Rufe sind Meathook sicher, aber die animieren ihn nur einen Spieß hervorzuholen und genüsslich zu taxieren, wo er diesen nun wohl bei Milly hineinspießen könnte. Sein Blick versteift sich dabei immer mehr auf ihren rechten Oberschenkel.


Zeit für die Kavallerie! Oder besser gesagt: Zeit für die herbeieilenden Black Wyrms, die ihrer LPG Kameradin zu Hilfe eilen. Das gehört sich generell so, aber umso mehr, wenn man weiß, dass Milly Vermillion ihrerseits beim WFW Festival of Wishes zur Stelle gewesen war, um die Black Wyrms bei deren Next Level Tag Team Titelmatch zu unterstützen und eine Attacke von Ninjas abzuwehren.

Ähnlich schnell wie ein Ninja, nur wesentlich weniger cool, kommt jedoch plötzlich jemand übers Absperrgitter gesprungen und stellt sich den Black Wyrms in den Weg! Wer ist das? Es ist… oh. Es ist nur Jay Taven.


Aber Moment… warum? Warum steht Jay Taven da? Die Antwort auf diese Frage ist: zur Ablenkung. Denn von hinten kommt Gisbert „Gino“ Rieß angewalzt und rammt die Black Wyrms von hinten um! Sein Blick ist ein bisschen entschuldigend, aber Gnade gezeigt hat er trotzdem nicht, sein Kampfgewicht hat die Black Wyrms von hinten mächtig weggefegt und Jay Taven lacht sich schlapp. In der Zwischenzeit hat Meathook seinem Drang nachgegeben und ist zum Spießer geworden, womit er sich nun aus dem Ring rollt und mit Jay Taven und Gino Rieß abklatscht, während Milly vor Stolz einen Schmerzensschrei verschluckt, nicht aber den Schmerz in ihrem Gesicht verstecken kann. Die drei posieren eine Runde zusammen, während die Fans sie lautstark ausbuhen.


Pete: „Was zur Hölle ist hier gerade passiert?“

Sven: „Ist doch offensichtlich: die Drei haben genug davon um ihre Verträge bangen zu müssen, während Pfeifen wie deinem hässlichen Sohn Chancen zugeschustert werden, die ihm nicht zustehen. Also haben sie sich zusammengetan und ein Statement in Form von Gewalt abgegeben! Und wer wäre für dieses Statement besser geeignet als drei Frauen, die nur wegen der LPG hier sind und nicht mal einen GFCW Vertrag besitzen?“

Pete: „Unfassbar...“

Sven: „Guck mal, jetzt hat Milly sogar teilweise rote Haare! Lorenz wäre froh, wäre er noch da.“




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Das Licht in der Arena von Hagen geht nicht einfach aus – es erstickt.

Ein tiefes, vibrierendes Dröhnen fährt durch die Halle, als würde etwas Schweres von unten gegen den Boden schlagen. Die Musik setzt ein: roh, düster, kalt. Kein Rhythmus für die Fans. Keine Einladung. Nur ein akustischer Angriff.


Rotes Licht schneidet wie Blutbahnen durch die Dunkelheit.


Der Vorhang bewegt sich.


Tha Bomb tritt heraus.


Allein sein Stand sagt alles: Brust raus, Kinn hoch, ein arrogantes, beinahe angewidertes Lächeln. Er schaut nicht in die Halle – er schaut auf sie herab.


Einen Schritt hinter ihm folgt Titan. Ein massiver Schatten, regungslos, emotionslos. Kein Blick ins Publikum. Kein Blick zur Kamera. Er wirkt wie eine Naturgewalt, die nicht provoziert werden muss, um zu zerstören.


Pete: „Mir läuft es eiskalt den Rücken runter… das hier ist kein Entrance, das ist eine Machtdemonstration.“


Tha Bomb bleibt stehen. Hebt langsam die Arme – nicht zum Posen, sondern wie ein König, der erwartet, dass man kniet. Die Buhrufe werden lauter.


Er lacht. Laut. Offen. Verächtlich.


Titan macht einen Schritt nach vorne.

Dann noch einen.

Mit jedem Schritt scheint die Halle kleiner zu werden.


Sven: „Bochum hat eines bewiesen, Pete: Niemand kann T‘n‘B stoppen, wenn sie einmal loslassen. Morbeus hat das gespürt. Die Champions haben das gespürt.“


Bei der Erwähnung von Bochum dreht sich Tha Bomb abrupt zur Kamera. Sein Blick wird hart. Kalt. Er fährt sich langsam über den Hals – keine hastige Geste, sondern kontrolliert, bewusst, wie eine Ankündigung. Die beiden setzen sich in Bewegung. Langsam. Absichtlich. Jeder Schritt ist ein Schlag ins Gesicht der Fans. Tha Bomb spuckt demonstrativ auf den Hallenboden. Titan steigt einfach über ein Absperrgitter, stößt es beiseite, als wäre es aus Pappe.


Pete: „Das ist widerlich! Diese Respektlosigkeit gegenüber der GFCW, gegenüber den Fans, gegenüber der Geschichte dieser Liga!“

Sven: „Geschichte interessiert Monster nicht, Pete. Sie schreiben ihre eigene.“


Am Ring angekommen, schlägt Titan mit der Faust auf den Apron. BOOM. Der Knall hallt durch die Arena. Kinder schrecken zusammen. Tha Bomb grinst – und wischt mit dem Stiefel über die Ringkante, als würde er Schmutz entfernen. Er steigt in den Ring, stellt sich genau in die Mitte. Titan folgt. Kein Zögern. Keine Pose. Er steht hinter Tha Bomb wie ein lebender Abrissbagger.


Die Musik pulsiert, schwer und erbarmungslos.


Pete: „Und in einem Monat feiern wir 25 Jahre GFCW… und ich frage mich ernsthaft, ob diese Liga diesen beiden überhaupt noch Grenzen setzen kann.“


Tha Bomb greift sich ein imaginäres Mikrofon, formt lautlos Worte Richtung Kamera: „25 Jahre? Wir beenden das.“


Sven: „Stell dir das vor, Pete. Jubiläumsshow. Titelwechsel. T‘n‘B ganz oben. Das wäre kein Skandal – das wäre Evolution.“


Titan packt das oberste Seil und zieht es brutal nach unten, lässt es zurückschnellen. Tha Bomb lehnt sich lässig in die Seile, hebt nur einen Finger – nicht als Warnung, sondern als Zählung.


Eins.

Morbeus.

Zwei.

Die Champions.

Drei.

Die gesamte GFCW.


Die Musik endet abrupt.


Stille.


Dann ein letztes, arrogantes Nicken von Tha Bomb. Titan verschränkt die Arme. T‘n‘B sind nicht hier, um zu gewinnen. Sie sind hier, um zu brechen. Und sie glauben nicht an Jubiläen – nur an Opfer. Die Musik von T‘n‘B ist längst verklungen, doch niemand im Ring bewegt sich. Die Luft ist schwer. Erwartungsvoll. Unangenehm. Tha Bomb steht in der Mitte des Rings, den Kopf leicht gesenkt, als würde er zuhören. Dann hebt er langsam den Blick – direkt in die Kamera. Ein schmales, giftiges Lächeln zieht sich über sein Gesicht.


Er deutet nach draußen.

Nicht hektisch.

Ganz ruhig.


Der Titan tritt einen Schritt vor. In seiner Hand: eine Armattrappe. Er hält ihn hoch wie eine Trophäe.


Pete: „Nein… sag mir bitte nicht, dass das…“


Titan dreht den Arm langsam.


Pete: „Soll das eine Anspielung auf Kyles Arm sein???“


Buhrufe explodieren. „ASSHOLES!“ hallt durch die Halle.


Tha Bomb schließt kurz die Augen, genießt es – wie ein Mann, der genau weiß, dass er gerade eine Grenze überschreitet. Er greift nach dem Arm, mustert ihn, als wäre es Müll.


Dann lacht er.


Kein fröhliches Lachen. Ein kaltes, herablassendes Lachen. Er hebt den Arm an seinen eigenen Arm, spielt übertrieben den Verletzten, lässt ihn schlaff herunterhängen – macht einen Schritt, stolpert absichtlich.


Das Publikum tobt.


Pete: „Das ist krank! Das ist respektlos auf einem neuen Level! Kyle sitzt mit gebrochenem Arm zuhause – verursacht von Titan!“


Titan ballt die Faust. Langsam. Er hebt sie auf Schulterhöhe. Dann lässt er sie ruckartig nach unten schnellen – und bricht auch den Kunststoffarm in zwei.


KNACK.


Er imitiert das Geräusch mit den Lippen. Die Halle friert ein.


Sven: „Kyle wusste, worauf er sich einlässt, Pete. Titan hat ihm nur gezeigt, was passiert, wenn man sich mit Monstern anlegt.“


Tha Bomb geht nun langsam an die Ringseile. Beugt sich nach vorne. Blickt direkt in die Kamera – als würde Morbeus persönlich vor ihm stehen. Er formt jedes Wort überdeutlich mit den Lippen, ohne Mikrofon, damit es jeder lesen kann:


Du hast versagt.“


Dann deutet er auf den Arm. Und legt den Kopf schief.


Dein Partner ist kaputt.“


Titan tritt neben ihn. Legt Tha Bomb eine Hand auf die Schulter. Nicht tröstend -besitzergreifend.


Pete: „Morbeus muss sich das ansehen! Er sieht gerade, wie sie Kyle verhöhnen!“


Tha Bomb hebt nun zwei Finger.


Zwei. So, als würde er zählen. Er deutet erst auf Titan. Dann auf sich selbst. Dann macht er eine langsame, kreisende Bewegung um den Hals – kein sofortiges Töten, sondern Zermürben.


Sven: „Das ist kein Spott, Pete. Das ist eine Botschaft an Morbeus: Du bist allein.“


Tha Bomb nimmt den Arm…und wirft ihn achtlos aus dem Ring. Wie Abfall. Titan beugt sich über die Seile und starrt genau dorthin, wo der Arm gelandet ist. Dann blickt er wieder hoch. Direkt in die Kamera. Ohne Blinzeln.


Er formt ein einziges Wort:


Du bist der Nächste.“


Pete: „Morbeus, hör mir zu! Lass dich nicht auf dieses Spiel ein! Genau das wollen sie!“


Tha Bomb dreht sich noch einmal zur Kamera, breitet die Arme aus – nicht groß, sondern lässig, überlegen.


Komm kämpfen.“

Oder komm trauern.“


Titan verschränkt die Arme. Der Ring gehört ihnen. Die Gedanken auch. T‘n‘B haben Morbeus nicht herausgefordert. Sie haben ihm etwas weggenommen. Und jetzt warten sie – bis er den Fehler macht, zurückzukommen. Der Arm liegt noch immer draußen am Hallenboden. Vergessen. Weggeworfen. Genau so, wie T‘n‘B es wollten.


Tha Bomb richtet sich langsam auf, klopft sich imaginären Staub von der Brust und hebt nun einen Finger.


Nicht drohend.

Belehrend.


Er geht zur Ringecke, steigt auf das zweite Seil und blickt über die Menge hinweg – nicht zu den Fans, sondern über sie hinaus. Als würde er direkt ins Büro der Liga schauen.


Pete: „Was macht er jetzt…?“


Tha Bomb klopft sich mit dem Finger gegen die Schläfe. Denk nach. Dann deutet er nach draußen – auf den liegenden Arm. Und hebt zwei Finger.


Sven: „Oh… ich glaube, ich weiß genau, worauf er hinauswill.“


Titan tritt neben ihn.

Langsam.

Präzise.


Er legt zwei Finger auf Tha Bombs Handgelenk – stoppt ihn kurz – und hebt dann selbst die Faust. Er öffnet sie. Fünfundzwanzig. Mit beiden Händen formt er die Zahl.


25


Die Halle beginnt zu begreifen.


Pete: „Moment mal… nein… das kann doch nicht…“


Tha Bomb grinst breit. Er zeigt auf Titan. Dann auf sich. Dann zeichnet er mit beiden Händen einen Gürtel um die Hüften.


Sven: „Pete… Morbeus hat keinen Partner mehr. Kyle ist verletzt. Nicht einsatzfähig. Kein Ersatz.“


Tha Bomb springt vom Seil, landet sauber im Ring und geht direkt zur Kamera. Er spricht nun lautlos – aber langsam. Unmissverständlich.


Kein Partner.“

Kein Match.“


Dann legt er den Kopf schief.


Aber Regeln…“


Er tippt sich erneut an die Schläfe.


Pete: „Das darf doch nicht wahr sein… wenn Morbeus keinen offiziellen Tag Team Partner stellen kann…“

Sven: „…dann hat die GFCW keine Wahl. T‘n‘B sind das einzig verbliebene Top-Team. Und das bedeutet…“


Titan tritt einen Schritt nach vorne. Sein Schatten fällt über Tha Bomb. Gemeinsam heben sie die Arme – nicht feierlich, sondern selbstverständlich.


Titel.


Jubiläum.


Die Hasen.


Tha Bomb formt ein letztes Wort in Richtung Kamera, langsam, genüsslich:


Rechtmäßig.“


Titan nickt einmal.


Pete: „Das hier ist ein Albtraumszenario. Durch die Verletzung von Kyle… haben sich T‘n‘B den Weg freigerissen!“

Sven: „Nicht freigerissen, Pete. Erarbeitet. Mit Härte. Mit Konsequenz. Und jetzt stehen sie bei der 25-Jahre-Jubiläumsshow genau da, wo sie hingehören.“


Tha Bomb hebt den Arm – den gesunden – und klopft sich selbst darauf. Dann deutet er auf Titan. Und macht erneut die Zerreißbewegung.


Titan: „Euer Problem.“

Tha Bomb: „Unsere Chance.“


Die beiden stellen sich nebeneinander in die Ringmitte. Keine Pose. Keine Musik. Nur diese unausgesprochene Wahrheit:


Morbeus ist allein. Die Hasen sind gewarnt. Und bei der Jubiläumsshow steht kein Märchen an – sondern eine Hinrichtung um Gold.


Die Worte von T‘n‘B hallen noch nach.

Der Ring gehört ihnen.

Oder zumindest glauben sie das.


Dann – Bewegung im Publikum.


Kein Theme. Kein Lichtwechsel. Nur ein langsames, unruhiges Murmeln, das sich wie ein Lauffeuer ausbreitet.


Zwischen den Fans stehen plötzlich zwei Gestalten.

Keine Eile. Keine Pose.


Es sind die amtierenden GFCW Tag Team Champions: die TSEizn Ra(re)BBits— El Metztli und Tsuki Nosagi


El Metztli lehnt locker an einer Absperrung, der Titel über der Schulter. Tsuki Nosagi steht leicht erhöht auf einer Stufe, ein Mikrofon in der Hand, den Blick ruhig – fast neugierig.


Die Halle explodiert vor Jubel.


Pete: „Die Champions… sie sind MITTEN unter den Fans!“


Im Ring fährt Tha Bomb herum. Sein Grinsen verschwindet sofort.


Er tritt an die Seile, stützt sich darauf ab und lacht laut – kurz, höhnisch. Die Hasen stehen noch immer mitten im Publikum. Kein Ring. Keine Rampe. Nur Menschen um sie herum – und genau das macht sie unantastbar.


Tsuki Nosagi hebt langsam das Mikrofon. Er wartet. Zählt innerlich bis drei. Dann spricht er – ruhig, klar, mit schwerem Akzent, jede Silbe sauber geschnitten.


Tsuki Nosagi: „In Japan sagt man: Der lauteste Krieger stirbt zuerst.“


Er schaut nicht zu Tha Bomb.

Er schaut direkt zu Titan.


Tsuki Nosagi: „Du warst laut, als du Kyles Arm gebrochen hast.“


Ein Raunen.

Titan macht einen Schritt nach vorne. Tha Bomb hält ihn diesmal nicht zurück.


Titan: „Er war schwach.“


Tsuki nickt langsam.


Tsuki Nosagi: „Schwach ist, wer zerstört, um sich stark zu fühlen.“


Stille.

Man hört fast das Atmen der Halle.


Tha Bomb lehnt sich spöttisch über die Seile.


Tha Bomb: „Hörst du dir das an? Weisheiten aus dem Glückskeks.“


Da lacht El Metztli – laut, warm, aber nicht freundlich.

Er hebt sein Mikrofon, seine Stimme trägt dieses rollende, feurige Spanisch-Deutsch.


El Metztli: „In Mexiko, Amigo… da lachen Männer auch, wenn sie Angst haben.“


Die Fans jubeln.


Er klopft sich mit der Faust auf die Brust.


El Metztli: „Wir kommen aus einer Tradition, wo Wrestling Familie ist. Ehre. Blut. Geschichte.“


Er deutet auf die Titel.


El Metztli: „Diese Gürtel sind kein Schmuck. Sie sind ein Versprechen.“


Tha Bomb verdreht die Augen.


Tha Bomb: „Ein Versprechen? Kyle hat auch versprochen, heute hier zu stehen.“


Titan imitiert erneut das Brechen.


KNACK.


Die Halle explodiert vor Buhrufen.


Tsuki senkt kurz den Blick. Als er ihn wieder hebt, ist seine Stimme eiskalt.


Tsuki Nosagi: „Samurai ziehen ihr Schwert nicht zum Spielen.“


Er macht mit zwei Fingern eine langsame, präzise Bewegung – wie ein Schnitt durch die Luft.


Tsuki Nosagi: „Du hast es gezogen.“


Er lässt die Hand sinken.


Tsuki Nosagi: „Jetzt steckst du es nicht mehr zurück.“


El Metztli tritt näher an die Absperrung, die Fans direkt hinter ihm.


El Metztli: „Ihr verkörpert die alte GFCW, ja.“


Er nickt.


El Metztli: „Die Zeit, in der man Karrieren gebrochen hat und sich dafür feiern ließ.“


Er schüttelt den Kopf.


El Metztli: „Aber diese Liga hat überlebt, weil sie gelernt hat.“


Er zeigt ins Publikum.


El Metztli: „Diese Menschen sind die Zukunft. Teams wie Black Wyrmz sind die Zukunft.“


Dann schaut er wieder in den Ring.


El Metztli: „Und wir stehen genau dazwischen. Brücke. Richter. Champions.“


Tha Bomb schreit zurück.


Tha Bomb: „Dann kommt runter und richtet!“


Tsuki lächelt zum ersten Mal.

Kurz. Kaum sichtbar.


Tsuki Nosagi: „Geduld ist auch eine Waffe.“


Er tippt leicht auf den Titel.


Tsuki Nosagi: „Dortmund.“


El Metztli hebt seinen Gürtel hoch, küsst ihn kurz – respektvoll.


El Metztli: „25 Jahre GFCW.“


Er zeigt auf Titan.


Tsuki Nosagi: „Ihr habt Kyle verletzt.“


Dann auf Tha Bomb.


El Metztli: „Ihr habt Morbeus allein gelassen.“


Er breitet die Arme aus.


Tsuki Nosagi: „Und trotzdem geben wir euch eine faire Chance.“


Die Fans jubeln.


El Metztli: „Aber verwechselt Fairness nicht mit Vergebung.“


Tsuki ergänzt, fast flüsternd:


Tsuki Nosagi: „Manche Schulden bezahlt man… mit Zeit.“


Die Hasen senken die Mikrofone. Sie verschwinden wieder im Publikum – ruhig, respektvoll, unaufhaltsam. Tha Bomb kocht. Titan ballt die Fäuste.


Im Ring zieht Tha Bomb plötzlich die Arme auseinander und lacht laut – ein Lachen ohne Humor.


Tha Bomb: „Wisst ihr, was mich wirklich amüsiert?“


Er deutet mit dem Daumen auf sich selbst. Dann auf Titan.


Titan: „Ohne uns gäbe es euch hier gar nicht.“


Ein Raunen geht durch die Halle.


Tha Bomb: „Wir waren es, die euch in diese Liga geholt haben. Türen geöffnet. Wege gezeigt.“


Er beugt sich über das oberste Seil.


Tha Bomb: „Ihr seid unser Produkt.“


Titan nickt langsam.


Titan: „Unser Fehler.“


Die Fans buhen laut.


El Metztli atmet tief durch.

Dann lächelt er – stolz, ruhig, mexikanische Würde in jeder Bewegung.


El Metztli: „In Mexiko sagt man: Der Lehrer hofft, dass der Schüler ihn übertrifft.“


Er hebt leicht den Titel.


El Metztli: „Aber der schlechte Lehrer hat Angst davor.“


Die Halle explodiert.


Tsuki Nosagi hebt nun das Mikro.Er spricht ruhig, fast feierlich.


Tsuki Nosagi: „Der Weg eines Kriegers endet nicht, wenn er jemanden ausbildet.“


Er blickt direkt zu Tha Bomb.


Tsuki Nosagi: „Er endet, wenn er erkennt, dass seine Zeit vorbei ist.“


Tha Bomb schreit zurück.


Tha Bomb: „Ihr verdankt uns alles!“


Stille.


Dann Tsuki – leise, klar, endgültig.


Tsuki Nosagi: „Und ihr werdet uns eure Zukunft verdanken.“


El Metztli tritt näher an die Absperrung, die Fans hinter ihm wie eine Mauer.


El Metztli: „Ihr habt uns in die GFCW gebracht.“


Er nickt.


El Metztli: „Aber wir…“


Er hebt den Gürtel höher.


El Metztli: „…werden euch hinausführen.“


Ein lautes „OOOH“ geht durch die Arena.


Titan macht einen Schritt nach vorne, das Seil spannt sich.


Titan: „Niemand schickt uns in Rente.“


Tsuki antwortet sofort.


Tsuki Nosagi: „Niemand bleibt ewig.“


El Metztli setzt nach, seine Stimme jetzt fester.


El Metztli: „25 Jahre GFCW. Dortmund.“


Er schaut nicht in den Ring, sondern ins Publikum.


El Metztli: „Manche feiern Geschichte.“


Dann wieder zu T‘n‘B.


El Metztli: „Andere beenden sie.“


Tha Bomb steht nun regungslos. Kein Lachen mehr.

Seine Augen brennen.


Tha Bomb: „Dann sehen wir uns im Ring.“


Tsuki neigt leicht den Kopf – eine fast respektvolle Verbeugung.


Tsuki Nosagi: „Und danach…“


Kurze Pause.


Tsuki Nosagi: „…ruht ihr euch aus.“


Die Hasen senken die Mikrofone. Kein Triumph. Kein Abgangsmarsch. Sie verschwinden wieder durch die Menge.


Im Ring:

Zwei Monster.

Und zum ersten Mal… Zweifel.


Pete: „Das war keine Kampfansage. Das war ein Enddatum.“

Sven: „Und genau das macht es gefährlich.“


Alt gegen Neu.

Lehrer gegen Schüler.

Beginn gegen Ende.


Pete: „Das war keine Provokation… das war ein kultureller Krieg.“

Sven: „Und Dortmund wird entscheiden, welche Philosophie überlebt.“


Alt gegen Zukunft.

Zerstörung gegen Erinnerung.

Monster gegen Champions.



Gesaffelsteins schwere Technoklänge pumpen durch die Anlage und die Fans wissen, nun gibt es Backenfutter! Dementsprechend scheint die Vorfreude groß. „Auf die Fresse!“ „Auf die Fresse!“ ist hundertfach zu hören.


Und da stürmt auch Morbeus direkt mit einer Eisenstange in der Hand in den Innenraum. Mit Schaum vorm Mund spurtet der Kanadier zum Seilgeviert. TnB machen da natürlich erstmal Platz und rollen sich aus dem Ring heraus. Die Champs verharren im Ring und verziehen keine Miene. Gut gepokert! Schließlich schwingt Morbeus, der nun unter dem ersten Seil in den Ring gerutscht ist, mehrmals mit der Eisenstange gen TnB. Ein paar Hiebe auf das oberste Seil lassen den Ring vibrieren. Angsteinflößend, aber bodenlose Kunst. Morbeus lässt sich dann ein Mikrofon geben.


Morbeus: „Ich glaub mein Schwein pfeift! Habt ihr zwei Arschnasen noch immer nicht den Knall gehört, TnB? Ja….das war ne rhetorische Frage. Ihr seid lächerliche Gestalten. Ein Wunder, dass ihr noch immer hier frei herumlaufen könnt. Wir hatten euch im Griff und ihr wusstet, dass eure Karriere nun ein für alle Mal beendet wird. Kein Titleshot mehr, kein PPV. Einfach das Ende! Und das konntet ihr nicht auf euch sitzen lassen. Aber diese Brutalität und große Gemeinheit wird hier nicht auch noch honoriert. Ich mache euch platt. Die Douglas Dynasty wären die einzig wahren Challenger auf den Titel gewesen..und sind es….immernoch! Ich lasse es nicht zu, dass hier untereinander nach DIESEM Ergebnis ein Match beim Jubiläum ausgekungelt wird. Da sehen Nosagi und El Metztli auch beschissen aus. Ihr zwei tut so, als ob ihr hier die Retter des Wrestlings wärt und seid dann doch bereit, ganz getreu dem Motto: Stumpf ist Tumpf sich mit den beiden Fossilien zu duellieren. Habt ihr denn keinen Funken Ehre mehr in euch? “


Morbeus schaut nun die Champs an und erwartet eine Reaktion…


Tsuki Nosagi: „Uns ist es egal gegen wen wir kämpfen. Jeder der sich seine Chance verdient gegen uns als Team in den Ring zu steigen bekommt sie…“

Morbeus: „Aber wie könnt ihr bitte akzeptieren, dass TnB eure Challenger nun sind? WIE?!“


Sven: „Der gute Raymond wird hier gerade etwas ungehalten. Aber es ist auch ein Kampf, den er kämpft, den er nicht gewinnen kann. Da steht er vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere!“


El Metztli: „Deine persönliche Situation tut uns Leid, Morbeus. Und wir wissen das du ein Kämpfer bist. Einer der nie aufgibt. Vor allem wenn es nicht sauber war was passiert ist…Doch stehst du alleine da…“


Morbeus schaut etwas geknickt zu Boden und schüttelt den Kopf. Kein Partner für Morbylein. TnB lachen laut und springen wieder auf den Apron. Für sie ist nun klar, dass es nur TnB gegen hasen lauten kann. Morbeus schaut nun noch gen Hallendach. Er scheint eine Art Stoßgebet gen Himmel geschickt zu haben…………….


In der Halle wird es stockdunkel, es bleibt auch für einige Sekunden bei diesem Stillstand, welche sich für die anwesenden Fans vor Ort wie eine halbe Ewigkeit anfühlen wird. Durch die Boxen hört man flüsternd die Worte „Legends never die“, ehe sich ein riesiges Bild, welches man schon lange nicht mehr gesehen hat, auf dem Titantron die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und wenn man ehrlich ist, verbindet man mit diesem Bild nicht gerade gute Erinnerungen!


Kommt ER tatsächlich zurück? Doch warum? Unterstützt er TnB?


Tatsächlich beginnt die Musik von Legends never die zu erklingen, sie startet direkt im Refrain und ein goldener Lichtkegel bildet sich auf der On Stage! Nebelgeschwader sorgt dafür, dass man nicht wirklich genau etwas erkennen kann, die GFCW Crowd springt in die Höhe, kann es wirklich sein, dass er hier ist? Doch warum???







Das Logo wird noch deutlich heller, das Nebelgeschwader verschwindet und im goldenen Lichtkegel ist eine Silhouette eines Mannes zu erkennen. Die Lichtkegel drehen sich in Richtung der Fans, auch die Kamera fährt Reaktionen ein, sie können es nicht glauben! Das Hauptaugenmerk wird wenige Momente später wieder auf die Auftrittsrampe gerichtet!


Ja, er ist es! Weiß-goldenes Kapuzenshirt, weiß goldene Hose, dazu die passenden Sneaker. Den Kopf in Richtung Hallenboden gerichtet, man kann sein Gesicht noch nicht erkennen, doch Jeder, der jemals etwas mit der GFCW zu tun hatte, weiß genau, um wen es sich handelt!


Der Mann bleibt stehen, rührt sich nicht, nimmt die gemischten Reaktionen der Fans auf! Natürlich freut man sich, ihn nach so langer Zeit wieder zu sehen, aber natürlich hat man auch nicht vergessen, wie er sich nach seiner Hall of Fame Aufnahme – und allem was danach passiert ist – benommen hat! Er hatte sich gegen die Fans gestellt. Herzen sind zerbrochen, tausende Gedanken gehen durch die Köpfe der GFCW Galaxy!


Noch immer rührt sich der Mann nicht… die Scheinwerfer gehen wieder aus, die Musik klingt nach nicht mal dreißig Sekunden wieder ab… Es ist wieder stockdunkel, nur die Handytaschenlampen leuchten in Richtung der Auftrittsrampe und alle wollen einen Blick auf ihn richten!




Wake me up“




Ein Herzschlag ist durch die Halle zu hören, einige Sekunden später erneut, mit jedem Herzschlag wird die Arena kurz blau beleuchtet und lässt die Herzen der Hagener Fans höher schlagen. Die Abstände der Herzschläge werden immer kürzer, zu jedem Herzschlag wird nach der Reihe „wake“, „me“, „up“ geflüstert, bis letzten Endes ein großer Trommelwirbel eingesetzt wird.


Ein großes Pyro wird unter dem Titantron entfacht, letzten Endes bleibt die Halle in ein dunkles Blau getaucht und Evanescence – Bring me to life setzt genau beim Refrain an. WAKE ME UP dröhnt es aus den Boxen, zeitgleich reißt der Kalifornier seinen Kopf in Richtung der Fans, dadurch fällt seine Kapuze nach hinten und man erkennt seine weiß-gold-schwarze Gesichtsbemalung und hinter ihm auf den Tron werden im Zeitraffer alle Titelgewinne seiner gesamten Karriere angezeigt und schlussendlich prangert das alte Logo auf der Riesenleinwand.







Das ist dann doch der Zereo Killer, den die Leute sehen wollen! Nicht die Legende, die niemals stirbt! Jeder weiß, dass er längst zu einer Wrestlinglegende aufgestiegen ist, jeder weiß, was er für die GFCW getan hat und jeder weiß, dass er während seiner Karriere Matches bestritten hat, die nicht zu vergleichen sind! Denkt man an Zereo Killer, denkt man an Rivalitäten gegen Garvin Fragster aus der WWCA, The Scorpion aus der WFWL, Lionel Jannek, Robert Breads, Jason Crutch, es wären zu viele, alle zu nennen. Zereo Killer steht für Rekorde, und wie man anhand der Reaktionen nun erkennen kann, steht sein Name auch für Hoffnung.


Er blickt durch die Crowd, wie angewurzelt versucht er die Reaktionen des Publikums wahrzunehmen, immerhin datiert sein letzter Auftritt aus dem März 2024, als er ein hartes GFCW Heavyweight Title Match gegen den damaligen Champion The End verloren hatte. Auch wenn er während des Matches mehrmals versuchte, den Titel auf schmutzige Art und Weise zu gewinnen, nach dem Kampf kam seine wahre Identität zum Vorschein. Er überreichte The End den Gürtel und überlies ihn die große Bühne! War das damals bereits die leise Rückkehr des Kaliforniers, den das Publikum sehen will? Man bekam eigentlich nie eine Antwort drauf, denn es wurde fast zwei Jahre still um ihn… bis heute!


Unter großem Jubel macht er sich langsam, Schritt für Schritt auf den Weg zum Ring. Er will sich sehr gern darauf fokussieren, was im Kampfgeviert abgeht, doch die Fanreaktionen sind immens! Man kann ihm seine Emotionen deutlich ansehen und er klatscht mit der Crowd ab, es gibt sogar die ein oder andere Umarmung! Doch letzten Endes führt ihn sein Weg über die Ringtreppe in den Squared Circle.


Auf dem Mattenrand angekommen, steigt er auf das oberste Seil, das weiße Scheinwerferlicht ist auf ihn gerichtet. Er lässt sich immer noch viel Zeit, da er die Connection mit den Fans komplett aufsaugen will. Solch eine Reaktion hat der Mann aus den Staaten absolut nicht erwartet. Er grinst, zieht das Kapuzenshirt aus und… wirft es in die Zuschauermenge!!! Zum Vorschein kommt ein noch immer extrem gut durchtrainierter Körper, die Muskeln sind nicht zu übersehen, man könne sogar meinen, er hat einiges an Masse zugelegt und er sieht mit seinen fünfundvierzig Jahren absolut top aus! Einen Augenblick später beweist er dennoch, dass er nichts an seiner Beweglichkeit verloren hat! Mit einer Shooting Star Press springt er in den Ring und landet auf den Beinen! Dadurch wird ein wieteres großes Pyro rund um den Ring entfacht, ehe am Ende der Halle die normale Beleuchtung wieder zurückgegeben wird! Die Klänge zu seinem Entrance Theme verstummen allmählich, doch die Reaktionen der Fans sind ohrenbetäubend laut. Ja, über 3.000 Leute haben hier Platz, doch sie machen Stimmen als könnte man meinen, hier befinden sich 30.000 Menschen! YES – Chants verbreiten sich wie ein Lauffeuer durch die Crowd, welche nach einiger Zeit durch WELCOME BACK Chants übertönt werden. MacKenzie ist sichtlich gerührt, fragt höflich nach einem Mikrofon und bekommt kurz danach eines überreicht.


Er wird von allen Beteiligten vollkommen überrascht angesehen, anscheinend weiß absolut Niemand, warum MacKenzie hier und heute zurückgekehrt ist. Er führt den Schallwandler allmählich zu seinen Lippen. Bevor er sich den Protagonisten im Geviert stellt, blickt er noch einmal in die Crowd. Seine Lippen ziehen sich in die Horizontale.


Zereo Killer: „Ich danke euch.“


Ehrliche Worte, die er nicht nur an die Crowd hier in Hagen richtet, sondern an die gesamte GFCW Galaxy.


Zereo Killer: „Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein.“


Die Stimme bleibt erstaunlich ruhig, doch die Freude ist ihn dennoch extrem anzumerken, er scheint weiterhin sehr gerührt zu sein.

Nachdem er sich den Fans gewidmet hat, wendet er sich an Morbeus. Erinnerungen kommen natürlich hoch, sie kennen sich sehr gut, haben schon einige Schlachten geschlagen.


Zereo Killer: „Ich will nicht so ausschweifen wie früher, ich will direkt zur Sache kommen. Ich bin hier um dir zu sagen, dass ich diese Ungerechtigkeit nicht mehr mit ansehen kann. Auch wenn ich lange Zeit kein Teil der Shows mehr war, habe ich mir die GFCW immer wieder reingezogen wann immer es mir möglich war. Die Situation und die Tatsache mit dem gebrochenen Arm von Kyle Douglas, das ist tatsächlich etwas, was mir ein Dorn im Auge ist. Diese Ungerechtigkeit muss ein Ende haben!“


Brüllt er diesen letzten Satz ins Mikrofon und die Crowd wird wieder lauter! Sie stimmen dem Rückkehrer voll und ganz zu!


Zereo Killer: „Ich bin hier, um die Sache wieder ins Gleichgewicht zu bringen!!! Auch wenn Morbeus und ich eine – nun ja, nennen wir es „Geschichte“ – miteinander haben, will ich ihn meine Unterstützung anbieten!!!“


Die Crowdreaktionen sind riesig! Heißt das, dass Zereo Killer sich als Tag Team Partner anbietet!?

Doch bevor Morbeus darauf reagieren kann, rennen TnB auf Zereo Killer zu und prügeln ihn in die Ringecke!! Das Mikrofon ist ihn dabei aus den Händen gefallen. Es folgt ein doppelter Whip In in die gegenüberliegende Ecke und sie rennen zu zweit auf den Amerikaner zu! Dieser kommt aber direkt zurückgerannt und verpasst beiden gleichzeitig einen hammerharten Spear Tackle. Mit Schmerz verzerrtem Gesicht halten sie sich die Magengegend, denen bleibt ordentlich die Luft weg! Simultan rollen sie sich aus dem Ring und landen unsanft auf dem Hallenboden. Gegenseitig helfen sie sich wieder hoch, der Schmerz steht ihnen immer noch ins Gesicht geschrieben! Das Spotlight ist aber weiterhin auf Zereo Killer gerichtet, welcher ein Stoßgebet in Richtung Hallendecke macht. Er nimmt viel Anlauf und springt mit einem SASUKE SPECIAL nach draußen und trifft TnB, die nun nichts mehr zu lachen haben!!


Den Fans bleibt der Mund offen stehen! Diesen riskanten, höchst akrobatischen High Flying Move hatte Zereo Killer noch nie gezeigt, auch nicht zu seiner „Blütezeit“, den packt er jetzt mit 45 aus? Zwischen „Holy Shit“ und „YOU STILL GOT IT“ ist definitiv alles zu hören, sie rasten komplett aus! Zereo Killer ist zurück, und wie! Anscheinend auch mit einem neuen Repertoire an Wrestlingmoves!


Direkt danach rollt sich der GFCW Hall of Famer zurück in den Ring und schnappt sich sein Sprechgerät wieder. Das Adrenalin steigt, der Puls ist hoch, die Augen stehen weit raus. Zereo Killer wendet sich nun Morbeus zu.


Zereo Killer: „Willst du Gerechtigkeit? Willst du einen Tag Team Partner? Wir hatten unsere Differenzen! Ich hatte fast zwei Jahre Zeit zu überlegen, was ich will, und vor allem wer ich wirklich bin! Ich bin Derjenige, der es liebt, von den Fans geliebt zu werden! Ich brauche meine Fans! Ich bin Derjenige, auf den man sich verlassen kann! Ich bin definitiv auch Derjenige, der erkennt, wenn jemand Hilfe benötigt! Und ich bin Derjenige, der dich nicht im Stich lassen wird! Scheiß drauf, was in der Vergangenheit gewesen ist! Wichtig ist das Hier und Jetzt und was wir daraus machen! Wir schreiben unsere Zukunft selbst! Lass uns die GFCW Tag Team Title gewinnen!!!“


Raymond Douglas scheint ebenfalls aus dem Häuschen zu sein. AUSGERECHNET ZEREO! Ein wenig steht er da, als ob er im Lotto gewonnen hätte und dennoch Knie tief im Güllefass steckt. Dementsprechend erinnert sein Gesichtsausdruck auch eher an die ganz große Gesichtskirmes eines Koksabhängigen.

Morbeus: „…..mit Dir habe ich als allerletztes gerechnet…..mir fällt es schwer die richtigen Worte zu fassen, aber dich muss der Himmel geschickt haben!“


Euphorie in Höchstem Maße ist in seiner Stimmlage zu hören und die GFCW Galaxy rastet aus! Auch sie wollen es sehen! Zereo Killer und Morbeus gemeinsam als Team!!! Zereo Killer reicht seinem Gegenüber die Hand…und Applaus kommt aus den Boxen, was zu Jubelrufen aus Fanmündern führt, nachdem Gesichter von Commissionern auftauchen.


Ding – Dong – der Candy Man ist da, hat sich hübsch gemacht, was bei ihm aufgrund guter Genetik natürlich nicht lange dauert, grinst feist in die Kamera und nickt zufrieden.


Eric: „Ein nettes Gespann, wenn das mal nicht jubiläumsgeeignet ist.“


Die Fans stimmen zu, einzelne Typen aus München versuchen schon einen „ZERBEUS“-Ruf als Team Namen zu etablieren, werden bislang aber noch nicht weitgehend ignoriert als wären sie unangenehme betrunkene U-Bahn Fahrgäste.


Eric: „Das Jubiläum nimmt Formen an werte GFCW Galaxy, also erlaubt mir, dieser Form noch ein wenig mehr Festigkeit zu geben….ähehehem.“


Er räuspert sich theatralisch.


Eric: „25th Anniversary!“


Jubel Jubel Freu Freu


Eric: „T’n’B, ich bin mir nicht sicher, ob ihr immer noch so glücklich seid mit eurer Aktion, aber gut, ihr kriegt eure Chance: GFCW Tag Team Championship: TSEizn Ra(re)BBits!“


YEAH!


Eric: „gegen T’n’B!“


BUH!


Eric nickt.


Eric: „gegen Morbeus und Zereo Killer!“


YEAH!


Eric: „Viel Erfolg.“


In jeder Ringecke hat sich nun mehr ein Team zusammengefunden. Etwas überrumpelt stehen nun alle Wrestler da und müssen sich mit der neuen Sitauation anfreunden. Das scheint denen, die eben noch nichts zu verlieren gehabt haben besser zu gelingen (Morbeus/ZK) als etwa TnB. Morbeus lässt nochmal die Eisenstange in der Luft kreisen, doch zu weiteren Aggressionen kommt es nicht mehr. TnB machen sich vom Acker und auch die Champs rücken via Staredown langsam von ihrer Position ab. Wieder spielt die Musik von Zereo Killer und die Fans singen lauthals mit, bevor die Kamera umswitcht.




Robert Breads: “Was zur Hölle-”


Frevelhafte Worte inmitten eines Haus Gottes, allerdings nichtsdestotrotz eine verständliche Reaktion. So sehr das Äußere des Gebäudes auf einen Bau hindeutet, dessen Ehrwürdigkeit unter Vernachlässigung zu leiden hatte, so bizarr ist das Innenleben des Komplexes.

Day Layout erinnert grob an das, was man sich vorstellen würde. Einige Bänke stehen rechts und links von einem Gang, der mit einem roten, ob seiner Strahlkraft vermutlich brandneuen Teppich heraussticht. Allerdings sind es deutlich weniger Reihen als gewöhnlich, man läuft nicht Gefahr, sich an der Rücklehne der Reihe vor einem das Knie zu stoßen, sollte man sich niederlassen. So sind es vielleicht etwa ein halbes Dutzend Reihen auf jeder Seite (der Kamerawinkel erlaubt lediglich eine grobe Schätzung), die asymmetrisch und in unregelmäßigen Abständen aufgebaut wurden. Vor jeder dieser Bänke ist mindestens ein Meter Platz, teilweise eher mehr, um Freiheit zu schaffen für das, was hier vor sich geht.

Ebenfalls vertraut ist die kleine Treppe, die zu einer erhöhten Art von Bühne führt. In einer gewöhnlichen Kirche würde von dort ein Hirte der Gemeinde predigen, das Pult mit einem kleinen Mikrofon dafür ist auch an Ort und Stelle, allerdings bleibt die Position in diesem Falle vakant. Dahinter steht etwas Ungewöhnliches, das eher in einen Palast als in eine Kirche gehört: Ein Thron-artiger Stuhl, nicht luxuriös und edel genug um als Sitzplatz für einen Monarchen durchzugehen, aber eindeutig erhöht und dennoch wertiger als alles andere, was sich an Einrichtung in diesem Gebäude befindet.

Darüber befindet sich eine recht große, definitiv aufwändige, aber nicht besonders hübsche Wandmalerei, definitiv kein Fresko, die Breads den Mund aufklappen lässt.


Robert Breads: “-ist diese Scheiße?”

Assistentin Melissa: “Willkommen in eurem Herrschaftsgebiet, O Gottheit.”


Nichts als pure Verachtung trieft aus den Worten Melissas, die ihren Mantel schön ordentlich an einem Garderobenständer in der Nähe des Eingangs aufhängt. Der Kanadier ist noch viel zu abgelenkt von dem Geschehen um ihn herum, um selbst ähnliches zu tun. Da die wacklige Kamera sich langsam horizontal bewegt, können auch wir erkennen, was den Hall of Famer so staunen lässt.

Zum einen plärrt “Get Lucky” von Daft Punk blechern und in unterdurchschnittlicher Qualität im Hintergrund der Szenerie, dafür sorgen zwei rechteckige, schmutzige Lautsprecher links und rechts von dem “Thron”. Auf dem linken hat jemand mit Edding CHRIS STRYKER HAVE BE HIER” in krakliger Schrift verewigt. Auf dem rechten steht ein unspektakulärer und nichtssagender “Lex Streetman”-Plastik-Trinkbecher, der trotz der Vibration des Geräts überraschend stabil bleibt.

Das Rednerpult hingegen ist vollständig bekritzelt worden. Ganz oben steht, in verschnörkelter, altertümlich wirkender Schrift Die Familie MacKenzie”, worunter man eine filigrane, absurd detaillierte Monstrosität von einem Stammbaum festgehalten hat. Es gibt so viele Abzweigungen, Windungen und Korrekturen, dass kaum noch Platz geblieben ist, irgendwo Namen hinzuschreiben, sodass selbige winzig und für die Kamera nicht auszumachen sind.

Aber die richtig seltsame Scheiße geht zwischen den Bänken ab.

Auf der linken Seite sitzt ein älterer Mann mit einem rundlichen Gesicht, welches aus dem Schnabel seines Hühner-Kostüms herauslugt. Seine Glubschaugen sind fest auf Robert Breads gerichtet, und er wechselt ein GO-GÖCK!“ artiges Geräusch mit den Forderungen für das Nachholen des „verlorenen Matches“ ab. Seine Stimme klingt kratzig und verbraucht.

Auf einer dahinterliegenden Bank hat jemand einen etwa 30 Zentimeter hohen Erdhügel errichtet, nur um in der Mitte ein Loch zu graben, aus dem Rauch steigt. Ein dürrer, kleiner Mann, dessen langes dunkelbraunes Haar trotz der hellen Haut in Dreadlocks geflochten ist, wirft manisch lachend Monopoly-Geld in das Loch, in welchem – wie wir nun erkennen können – ein kleines Feuer vor sich hin brennt, und mit jedem verbrannten Schein lässt der umherspringende Mann DU PENNER!“ von sich. Dabei muss er aufpassen, nicht auf die umherliegenden, leeren Karlskrone- und Perlenbacher-Flaschen zu treten.

Hinter diesem Schauspiel ist ein gewaltiges, weißes Pferd an einer der Wände angeleint. Es scharrt mit den Hufen und starrt den springenden Irren und das (noch) unter Kontrolle befindliche Feuer an, während er Luft aus den Nüstern bläst. So bemerkt es kaum, wie nicht weit von dem Pferd entfernt, auf der nächsten Bank, eine junge, unschuldig wirkende blonde Frau sitzt. Sie lächelt leise und seelig vor sich hin. Dabei trägt sie ein komplett weißes, absolut sauberes und Rüschen-lastiges Outfit, welches von zwei auf dem Rücken aufgeklebten Flügeln komplettiert wird. Glücklich blickt sie zu dem Huftier herüber, während sie geistesabwesend ihr langes Jagdmesser mit der Aufschrift PROPERTY OF THE H“ poliert, als würde sie sich für etwas bereit machen.

Auf der rechten Seite des Raumes sitzt ein älterer Herr mit einer zurückweichenden, hohen Stirn und streng nach hinten gekämmtem Haar. Seine dunklen, buschigen Augenbrauen sind so gerade eben sichtbar, während der Rest seines Oberkörpers hinter der Zeitung verborgen liegt, die er gerade liest. Auf der Titelseite eben jener Zeitung sieht man Philipp Lahm, wie er den DFB-Pokal in die Höhe stemmt, unter einem Wort, das dank der Finger des Mannes nicht ganz zu lesen ist – aber es scheint „TRIPLE“ zu sein. Außerdem steht da etwas von wegen Hochwasser in Deutschland, aber das Auffälligste an diesem Kerl ist zweifelsohne, dass er in eine Robe gekleidet ist, die an einen Richter erinnert. Zerbrochenes Holz, das einmal ein Tisch gewesen sein mag, liegt zu seinen Füßen. In seinem Schoß liegt der für Richter übliche kleine Hammer.

Weiter hinten ist eine Gestalt, die man als eine Art Mönch betiteln könnte, dabei, mit einem großen blauen Plastiksack voller Bierdosen durch die Reihen zu spazieren. Er ist offenbar auf der Suche nach Pfand. Die leeren Dosen 2,5 % Original in seinem Sack klappern bei jedem Schritt. Noch auffälliger macht ihn die Tatsache, dass er knapp zwei Meter groß zu sein scheint, denn selbst gebückt überragt er jeden anderen im Raum. Als er sich nach vorn beugt, um eine weitere leere Dose vom Boden zu heben, kann man auf seiner Hand ein Herz-Tattoo erkennen, in welchen das Wort RILLA“ geschrieben wurde. Die Worte gus petro del lasa pegoas“ murmelnd sieht er zu dem Erdloch-Tänzer herüber, oder vielleicht auch zu den Flaschen zu dessen Füßen – die Kapuze der Kutte macht es unmöglich, seinen Blick genau zu verfolgen.

Dann wäre da noch eine Gruppe dunkel gekleideter, mit Sturmmasken verhüllter Gestalten, die die Köpfe zusammengesteckt haben, und neben ihnen auf der Bank achtlos einen Ordner mit den Worten SEHR GEHEIMER BÖSER PLAN“ haben liegen lassen, der mit „BG“ signiert zu sein scheint. Man kann Worte wie Donner“ und Stahl“ aufschnappen, aber das Geflüster nicht allzu genau ausmachen – dafür sorgt Daft Punk. Die breiteste Gestalt, ein wie ein Gangster wirkender Schläger mit einem Namensschild, dass ihn als CHEF“ ausweist, kratzt sich am haarigen Hals und scheint zu fragen, ob das Killerschaf“ ein Problem darstellt.

Und das ist nur das, was wir im Rahmen des kurzen Kamera-Schwenks sehen können. Wer weiß, was sich im Rücken von Kameramann Conny alles abspielt.


Robert Breads: „Wer hat das hier verbrochen?“


Mit gebrochener Stimme und leicht zitterndem Arm deutet Breads nun auf die Wandmalerei hinter dem B-Tech Thron. Es ist ein schlampiger, imperfekter Kreis, der in drei ungleich große Teile eingeteilt ist, was allerdings keine Absicht gewesen zu sein scheint.

Über dem Teil, der oben in der Mitte ist, steht das Wort VATER“, und es zeigt ein absurd schlechtes Portrait von einem jüngeren Robert Breads, nur erkennbar dank der mit einem billigen Sticker auf die Kleidung von Wandmalerei-Breads geklebten Kanada-Flaggen. Dieser Breads trägt eine scheinbar blecherne Krone, hält ein Zepter in der Hand, das sehr stark wie ein längliches Gebäck aussieht, und ist in eine Robe voller Flicken und Löcher gehüllt.

Das linke, untere Drittel, wird von dem Wort SOHN“ begleitet. Dort zu sehen ist ein Hügel an sich auftürmenden menschlichen Körpern, und sie alle scheinen anders gekleidete oder gestylte Varianten der gleichen Person zu sein, die wieder und wieder durchgestrichen wurden, um eine neue Variante auf dem Hügel hinzuzufügen, bis dieser Berg der verworfenen Personas in einem Gipfel endet, auf dem zwei Gestalten posen. Weiter im Hintergrund sehen wir Silas alias $C@R€CR0W, die bunten Haare und das Leviathan-Merchandise machen es klar erkennbar. Weiter vorne steht ein Mann, der sogar ein wenig älter wirkt als der Breads auf der Wandmalerei, dessen Outfit einen Spagat zwischen Old Money Proll und stilvollem Universitätsprofessor zu schlagen scheint und dabei eine grässliche Kombination erschafft, die weder Fisch noch Fleisch ist. Die Initialen „E. F.“ sind in ein Taschentuch eingestickt, welches die Gestalt in der Brusttasche trägt.

Sie alle blicken nach oben, die vielen Varianten desselben Mannes auf dem Rücken liegend, die beiden anderen Männer stehend. Manche sehen neidisch aus, manche scheinen auf ein Lob zu warten, wieder andere auf vernichtende Kritik. Doch sie alle sehen zu dem comic-haft überzeichneten Vergangenheits-Breads auf, der sie keines Blickes würdigt und stumm nach vorne starrt.

Das rechte, untere Drittel, ist neben den Worten HEILIGER GEIST“ gezeichnet worden. In diesem Drittel ist ein gewaltiger, mit Blut besudelter Monster-Truck zu sehen, auf den das Wort ELITE“ in kindlicher Schrift neben pre-pubertären, phallus-lastigen Zeichnungen gesprayt wurde, direkt neben dem trashig-provokativen Aufkleber einer Comic-Frau mit vollkommen lächerlichen Proportionen, die eine rote Laterne in der Hand hält. Auf dem Dach des Monster-Trucks steht eine in ein Ganzkörperanzug gehüllte Gestalt, die man am ehesten als eine Art Ninja bezeichnen könnte. Sie deutet nach oben, in Richtung Breads, aber auch über sich selbst, wo ein Raumschiff in den Farben Blau, Rot und Weiß in der Luft hängt, welches wie eine Spritze geformt ist.


Robert Breads: „The most powerful Waffe der beiden Universen.”


Einen Moment lang wirkt Breads beinahe noch wie hypnotisiert und – wer kann es ihm verübeln – überfordert. Dann blinzelt er und sieht mit noch immer leicht offenstehendem Mund zu Melissa.


Robert Breads: „Was-“


Weiter kommt er nicht, weil Worte nicht wirklich zusammenfassen können, was hier vor sich geht. Glücklicherweise (oder auch nicht) hat die Assistentin von Spawn sogleich eine Antwort parat, die sie mit zufriedener Herablassung vorträgt.


Assistentin Melissa: „Herzlichen Glückwunsch. In diesem Raum ist heute der zweite Juni 2013, Euer dreiunddreißigster Geburtstag. Eure Jünger-“


Sie macht mit dem linken Arm eine Geste, die den gesamten Raum umfasst.


Assistentin Melissa: „-sind gekommen, um Euch anzubeten. Nehmt doch bitte auf Eurem Thron Platz, o Heiliger Vater.“


Man kann Breads ansehen, dass er etwas erwidern will, aber ihm scheint einfach nichts einzufallen.


Assistentin Melissa: „Das ist das Reich, über das Ihr geherrscht habt, nicht? Darauf baut eure Legende auf. Diese… Kreaturen dominiert zu haben. Welch eine Leistung, wahrlich! Der pure Stolz, der Euch erfüllen muss, könnte nicht gerechtfertigter sein!“


Tatsächlich scheint Breads in erster Linie… angewidert zu sein? Traurig? Wütend? Es ist kompliziert, und die schlechte Kameraführung hilft nun wirklich nicht, irgendwelche Microexpressionen korrekt lesen zu können.


Robert Breads: „Das bin nicht-“


LICHTGESTALT!“


In diesem Moment stürmt eine Person ins Bild, die bislang noch nicht zu sehen gewesen ist. Sie könnte optisch irgendwo zwischen Mitte 40 und Mitte 50 anzusiedeln sein, wirft sich aber mit einer gewissen kindlichen Energie beinahe übermütig vor Breads auf die Knie.


O, wie ich mich freue, eure Eminenz! Tony Stark wird so glücklich sein, euch zu sehen! Vos dicionem tenetis, immo vos estis ipsa dicio…“


Er unterbricht sich selbst, indem er nach Breads‘ linken Fingern greift, diese zu sich zieht und dann leidenschaftlich den Handrücken von „Canada’s Own“ küsst. Das Schmatzen seiner feuchten Lippen ist selbst durch die Hintergrundmusik nicht zu unterdrücken. Als er das Gleiche mit der rechten Hand von Robert wiederholen möchte, zuckt dieser zurück.

Entsetzen macht sich im Gesicht des Mannes breit. Er springt sofort auf und weicht einen Schritt zurück, als hätte er etwas Unverzeihliches getan.


Ich ging zu weit, ich wusste es! Ich muss für drei Jahre verschwinden, ehe ich erneut wagen kann, unter die Augen des Allmächtigen-“

Robert Breads: „Krieg dich ein, man! Wer bist du überhaupt?“


Die Stimme von Breads überschlägt sich fast, als er diese Frage stellt. Das hier geht alles sehr schnell, und es ist sehr viel auf einmal.

Der Stimmungswechsel bei dem unbekannten Kerl ist sofortig. Er beginnt zu strahlen, und Tränen der Rührung schießen in seine Augen, ob der Tatsache, dass ihm eine Frage gestellt wurde, die mit ihm selbst zu tun hat.


Mein Name ist Roger Gipfelis.“


Breads verzieht das Gesicht. Soll das ein Scherz sein? Soll das alles hier ein Scherz sein? Wer sind alle diese Schauspieler? Sind das überhaupt alles Schauspieler? Was passiert hier?

Der Mann deutet bedeutungsschwanger auf die vier Buchstaben, die er auf seinem Oberteil stehen hat: RoGi. Erst jetzt ist wirklich zu erkennen, dass es sich dabei um ein Singlet handelt. Ist das Wrestling-Gear? Ist er ein Wrestler?


Roger Gipfelis: „Niemand ist ein treuerer Jünger als ich, o Herr! Seht!“


Und mit einem Ruck packt Gipfelis beide Wangen von Breads und bewegt sein Gesicht auf das des Kanadies zu.

Als ihre Lippen nur wenige Zentimeter voneinander entfernt sind, Breads zu perplex, um etwas zu unternehmen, scheint es für einen Moment so, als wolle Roger ihn küssen.

Dann jedoch öffnet er seinen Mund und haucht Robert innbrünstig seinen Atem direkt in die Nasenlöcher. Gipfelis lässt Breads los, und sieht zu ihm auf wie ein Hundewelpe, der von seinem Besitzer eine Leine angelegt bekommen möchte.


Roger Gipfelis: „Euer Lieblingsduft, O Herr! Ich habe stundenlang Stiefel geleckt, um den ledernen Duft der Unterwerfung zu perfektionieren!“


Ansatzlos wirft sich der Mann auf den Rücken. Die Kamera folgt mit kurzer Verzögerung, und Roger liegt da, die Arme und Beine von sich gestreckt wie ein Seestern. Er macht Bewegunen als wolle er Schneeengel machen, während er voller Anerkennung zu Breads aufsieht.


Roger Gipfelis: „Pinnt mich, o großer Vater! Ein weiterer Sieg für den unbesiegbaren Gottkönig!“

Robert Breads: „Das ist… das…“


Erwartungsvoll glotzt Gipfelis nach oben.


Roger Gipfelis: „Wollt Ihr mir vorher noch einen Move verpassen, um Eure Dominanz zu verdeutlichen, o Herr? Es wäre mir eine Ehre-“

Robert Breads: „Das mache ich nicht.“

Roger Gipfelis: „…was?“

Robert Breads: „Ich sagte, das mache ich nicht.“


Einen Moment lang steht der Mund von Roger offen. Er reißt die Augen weit auf. Dann beginnt er zu zucken. Seine Finger kratzen krampfhaft über den Boden, während es seinen Körper schüttelt. Seine Pupillen rollen rückwärts, während Schaum vor seinen Mund tritt. Ein Geräusch, das am ehesten als Mischung zwischen Würgen, Gurgeln und Spucken beschrieben werden kann, ist zu hören.


Robert Breads: „Verdammte Scheiße, was soll das?“

Assistentin Melissa: „Ihr solltet ihn pinnen, o Herr.“


Wo Roger nichts als echte, bedingungslose Liebe in seine Worte legte, ist es bei Melissa weiterhin das Gegenteil. Mehr noch: Ihre Abscheu scheint zu wachsen. Nicht vor Gipfelis. Vor Breads.


Robert Breads: „Ich will nicht-“


Ekel ist an die Stelle von Verwirrung getreten, als Breads gar einen Schritt von dem Mann zurücktritt, der hustend und röchelnd begonnen hat, hin und her zu rollen.


Assistentin Melissa: „Typisch.“


Die rechte Hand von Spawn betrachtet Roger mit einer Trauer, die nichts mit dem Mann selbst zu tun hat.


Assistentin Melissa: „Sich über die anderen stellen, sie als Pointe für den eigenen Witz benutzen, dafür sind sie gut genug. Aber ihnen helfen, sie aufbauen, sie gar retten – das war nie Robert Breads. Nicht wahr, o Abgott?“


Noch immer nicht völlig verstehend, was hier eigentlich los ist, starrt Breads Melissa lediglich wütend an. Aber die regt sich keinen Zentimeter und weicht auch nicht zurück, ehe sie sich dazu herablässt, in Richtung Gipfelis zu nicken, als wolle sie sagen Na los, mach schon“.

Zähneknirschend geht Breads auf die Knie, darauf bedacht, sich möglichst wenig Dreck auf die eigene Hose zu holen.

Dann drückt er die Brust des zuckenden Mannes nach unten, peinlich genau darauf achtend, keine Haut zu berühren.

In diesem Moment, aus dem Nichts, schlittert eine lange, schlaksige Gestalt in einem schwarz-weiß gestreiften Oberteil über den Boden, direkt neben Gipfelis.


Sie schlägt einmal auf den Boden.

Sie schlägt zweimal auf den Boden.

Sie schlägt dreimal auf den Boden.

Das Innere der Kirche verwandelt sich ein Tollhaus der Ekstase.


Alle hören damit auf, was auch immer sie gerade getan haben, und brechen in schier grenzenlosen Jubel aus. Der Erdloch-Tänzer reißt begeistert an seinen Dreadlocks. Der Richter hinter der Zeitung brüllt laut URTEIL: UNBESIEGBAR!“. Der gigantische Mönch sorgt aus Ermangelung von Konfetti für einen Bierdosen-Regen.

Über die Anlage beginnt, der alte Theme Song von Robert Breads zu spielen. Das Intro des Tracks von „Samsas Traum“ ertönt, und das vor Freudentränen klatschnasse Gesicht von Roger taucht auf, als er sich aufsetzt. Sein euphorisches Schluchzen, während er sich den Schaum vom Gesicht wischt, jagt Breads einen Schauer über den Rücken.


Assistentin Melissa: „Ein weiterer Sieg für den großen Robert Breads! Welch ein Triumph! Der Rest kann nur im Staub kriechen vor dem Genie, welches uns mit seiner Anwesenheit beehrt!“

Robert Breads: „Was auch immer ihr hier veranstaltet, ist mit Sicherheit nicht die GFCW im Jahre 2013.“

Assistentin Melissa: „Es ist die alte GFCW, wenn man nach dem geht, was der große Robert Breads erzählt. Eine Bande von Freaks und Dilettanten, die ob ihrer Chancenlosigkeit auf einen Sieg gegen eben jenen makellosen Revolutionär in Neid oder Unterwürfigkeit gefangen sind, lediglich existent, um die Legende eines unsicheren, kindischen Mannes zu füttern. Oder haben wir da nicht richtig zugehört?“

Robert Breads: „Übertreibung gehört zum Geschäft. Ich habe mich aber niemals als verdammten Gott-“


In diesem Moment hebt Melissa einen Zeigefinger, direkt vor die Nase von Breads.


Assistentin Melissa: „Moment, das ist meine Lieblingsstelle.“


Erst versteht Breads nicht, was sie meint. Dann aber kapiert er: Sie spielt auf den Song an, der sich gerade im Refrain befindet. Alexander Kaschte grölt die Worte über die Anlage, und alle außer Breads selbst und Melissa fallen in den Gesang mit ein.


Einer gegen alle - und alle gegen mich
Einer gegen alle - doch am Ende stehe ich
Einer gegen alle - und alle gegen mich
Einer gegen alle - euer Gott bin ich


Assistentin Melissa: „Wie sagt man? Subtilität ist für Feiglinge? Zumindest das kann man euch nicht vorwerfen, o Herr.“

Robert Breads: „Können wir zumindest mit dieser Anrede aufhören? Ich verstehe schon.“

Assistentin Melissa: „Das denke ich nicht. Aber fein.“


Den hast du GEFICKT, Junge.“


Vom Bildrand swaggt nun der „Referee“, der soeben den Pinfall an Roger Gipfelis – der sich den Teil seines Singlets, an dem die Hände von Breads es berührt haben, in den Mund gesteckt hat, um daran zu saugen – gezählt hat. Er überragt Breads um ein gutes Stück und legt ihm die lange und feuchte Zunge über die Schulter.


Maximilian Lunenkind: „Hast ihm DEN BLUETOOTH-ADAPTER in den USB-C ANSCHLUSS gedonnert, was? Ordentlich mit DEINEM STROHHALM die TRINKÖFFNUNG seins Matcha-Tees PERFORIERT? Diesen ganzen LA BUBUS mal gezeigt, wer LE BABO ist? Und weiß die GEMA eigentlich, welche Musik hier gespielt wird?“


Breads wirkt fast schon erleichtert, dass Lunenkind zumindest… nunja, Lunenkind ist. Keine Albtraum-Version von irgendwas, mit dem er in der Vergangenheit zu tun hatte. Bloß Lunenkind, der seine alberne Nummer abzieht. Die alte alberne Nummer, nicht die neue alberne Nummer, aber immerhin.


Robert Breads: „Wusste gar nicht, dass du unter die Referees gegangen bist.“

Maximilian Lunenkind: „AHAHAHAHA, WIE LUSTIG! Ein sarkastischer Spruch, weil jemand anders etwas leicht Abnormales getan oder gesagt hat! Damit hast du es allen gezeigt, man! Hier, noch einen Award für dich!“


Lunenkind zückt aus der Innenseite seiner Anzugtasche einen winzigen „Pokal“, der wie die gelbe Verpackung eines Ü-Ei-Spielzeugs wirkt, die jemand auf einen orangen Post-It-Zettel geklebt hat.

Auf dem neonfarbenen Papier steht Nervigster Hurensohn“.

Und ja – Lunenkinds Oberteil ist kein Referee-Shirt, sondern eine schwarz-weiß gestreifte Anzugjacke mit passender Krawatte und Hemd. Seine Hose hingegen ist knallpink, mit einem kleinen Ringelschwänzchen am Hintern.


Maximilian Lunenkind: „Können wir jetzt aufhören, diese Scheiße zu machen, Melissa? Irgendwie voll hängen geblieben, alles. Ich habe ECHT KRASS KEINEN BOCK MEHR, EY. Immer die gleiche Scheiße machen, um die immer gleiche Nicht-Reaktion zu kriegen, DA WIRD MAN DOCH BEHIN… Moment, das sagen wir nicht mehr. WOKE LUNI KILLED EDGY LUNI. Können wir dem blöden Wichser jetzt endlich das ARBEITSSPEICHERMODUL des Karmas in sein DATEN-CENTER rammen und fertig sein? Ist ja fast so peinlich wie in der IPW hier.“


Melissa blickt sich um. „Einer gegen Alle“ von Samsas Traum neigt sich dem Ende entgegen, und die Siegestänze ermüden langsam. Sie nickt Lunenkind knapp zu, dann deutet sie auf eine Tür, ähnlich muffig und ebenso hölzern wie die Eingangstür, die links neben dem Thron zu sehen ist.


Assistentin Melissa: „Bring ihn hin.“


FORTSETZUNG FOLGT…




Zum zweiten Mal in einer noch sehr jungen GFCW-Karriere läuft Iokepa Richtung Ring. Diesmal jedoch fühlt es sich anders an.

Nun wissen sie, wer er ist. Er ist kein Überraschungsauftritt mehr. Und die Reaktionen sind andere: Hat er beim ersten Auftritt noch vom Debüt-Bonus, dem „Benefit of the doubt“, gezehrt und überwiegend Pops erhalten, sind jetzt kritische Töne nicht zu überhören. Sein Rundumschlag gegen beliebte Veteranen, allen voran Mad Dog, war nicht der sympathischste Auftritt.

Iokepa begegnet den Reaktionen augenscheinlich gelassen. Er hat ein einnehmendes Grinsen auf den Lippen und klatscht mit jenen Fans ab, die ihm entlang der Rampe die Hand ausstrecken. Kurz vor dem Squared Circle nimmt er Anlauf, slidet schwungvoll auf die Matte und rennt in einer fließenden Bewegung an die Seile. Dort wirft er das Haar zurück, blickt ins Publikum und winkt dann nach Laura. Sie weiß, was er von ihr will – und reicht ihm ein Mikrofon.


Iokepa: "Einige von euch werden wissen, dass neben dem Wrestling das Surfen meine Leidenschaft ist."


Wer in Klischees denkt, mag sagen: Auch ohne es zu wissen, kann man es ihm ansehen. Die gebräunte Haut, das Haar mit den sonnengebleichten Strähnen, sein buntes Ringoutfit und das lockere Lächeln - all das entspricht ziemlich genau dem Surfer-Stereotyp.


Iokepa: "Ehrlich gesagt: Es war sogar meine erste große Liebe im Leben. Ich fand sie schon als Kind. Nach der Schule bin ich im Laufschritt nach Hause, habe meine Tasche in die Ecke geschmissen und das Mittagessen heruntergeschlungen, um sogleich wieder aus der Haustür zu stürmen und den ganzen Tag an der Küste zu verbringen."


Die Erinnerung an frühere Tage scheint ihm gut zu gefallen. Der Gesichtsausdruck wird sanfter. Er erlaubt sich, die Bilder im Kopf laufen zu lassen und setzt das Mikrofon für einen kurzen Augenblick ab.


Iokepa: "Dort habe ich als Junge so einige Weisheiten aufgeschnappt, die mir im Laufe der Jahre in Fleisch und Blut übergegangen sind. Sie sind Teil meines Instinkts geworden. Vor allem eine Surferweisheit hat mir schon oft gute Dienste erwiesen."


Der Hawaiianer hebt eine Hand, so als könne er damit das Zitat in die Luft zaubern, auf das er hinauswill.


Iokepa: "Du brauchst nicht auf jeder erstbesten Welle mitreiten. Denn viele stellen sich als Enttäuschung heraus."


Sein Gesichtsausdruck wird ernster. Er lässt den Blick auf das Publikum schweifen.


Iokepa: "Ich habe das Gefühl, seit Title Night - spätestens aber seit letzter Show - gibt es hier in der GFCW eine Welle, auf der ziemlich viele Leute vorschnell surfen. Die Mad Dog-Welle. Zuerst war sie angetrieben von Nostalgie, jetzt vom Hype über seinen Sieg. Er hat es noch immer voll drauf, sagt man. Selbst The End denkt an ihn. Aber ich...ich fühle diese Welle nicht."


Ein erneuter Tiefschlag in Richtung Mad Dog – so harmlos er auch gewesen sein mag – kommt nicht gut an. Einige Zuschauer belassen es bei einem Kopfschütteln, andere drücken ihr Missfallen über Iokepas Skepsis in Buhrufen und gesenkten Daumen aus.

Der Hawaiianer übergeht die Reaktion. Er beugt sich über die Ringseile und deutet mit ausgestrecktem Finger auf die Front Row.


Iokepa: "Dort habe ich vor zwei Wochen gesessen. Ich habe aus nächster Nähe miterlebt, wie Mad Dog und Breads gekämpft haben. Und glaubt mir, ich gebe jedem den Respekt, den er verdient. Deswegen sage ich es hier und jetzt: Herzlichen Glückwunsch an dich, Mad Dog. Und doch…"


Dem Tonfall nach folgt ein ABER in Großbuchstaben. Iokepas Gratulation ist halbherzig, wenn überhaupt.


Iokepa: "...war dein Sieg bedeutungslos. Was ich dort im Ring gesehen habe, war, dass du - ein Mann im Herbst seiner Karriere - einen anderen Mann besiegt hast, der kurz vor dem Karriereende steht. Ich kann verstehen, dass es für die Fans eine nostalgische Sache war. Aber für mich beweist es überhaupt nichts. Das gesamte Spektakel zwischen Robert und dich war völlig ohne Aussagenkraft, sobald man die Nostalgie-Brille abnimmt. Ich kann daraus nicht ableiten, ob du es immer noch draufhast. Ich sehe einfach nur einen Oldie, der einen anderen Oldie geschlagen hat. Es war eine kleine, isolierte Retroshow. Macht dieser Sieg gegen Breads, der anderthalb Füße bereits aus der Tür hat, Mad Dog jetzt plötzlich zu einer sinnvollen Investition für diese Liga?"


Er wartet nicht auf eine Antwort und schüttelt energisch den Kopf. Sein Haar schwingt bei jeder Bewegung.


Iokepa: "Nein, das macht es nicht. Mit jeder Minute, die ich am Ring verbracht habe, wurde mir deutlicher, was für eine Farce dieser Fight ist. Mad Dog und Breads haben einen Main Event Spot bekommen, weil sie früher etwas geleistet haben. Man hat Mad Dog blind in diese Position gebookt, obwohl er jahrelang nicht mehr aktiv war. Was soll das? In dem Match hätte ein junger Wrestler stehen müssen. Einer, der damit den Schritt in die Zukunft machen kann. Einer...wie ich."


Die Bitterkeit in Iokepas Stimme lässt ihn noch unsympathischer wirken. Die Buhrufe häufen sich.


Iokepa: "Was ist stattdessen passiert? Ich feiere einen überzeugenden Sieg über Viggo, einen ehemaligen Intercontinental-Champion - und zwei Wochen später bekomme ich keinen Kampf. Und heute, da trete ich gegen Nick Kavinsky an. Gegen einen Mann, der noch nie im GFCW-TV aufgetreten ist. Nichts Persönliches gegen dich, Nick...aber der Kampf gegen dich ist keine Chance für mich, sondern eine Pflichtaufgabe. Er findet an dritter Position statt, irgendwo als Lückenfüller zwischen den beiden Showhälften. Das ist doch keine gleichwertige Chance zu dem, was ein Mad Dog bei seinem Comeback bekommen hat!"


Während abermals Unmut aufbrandet, schlendert Iokepa in die Ringmitte zurück. Er kratzt mit der Stiefelspitze über die Matte, legt eine nachdenkliche Miene auf.


Iokepa: "Vielleicht sollte ich mich heute revanchieren für Mad Dogs Einladung. Ich könnte ihn bitten, ebenfalls am Ring zu sitzen. Aber....das werde ich nicht tun. Denn mir ist es egal, ob er zusieht. Ich brauche keinen Daumen hoch von einem Altstar, der für ein Nostalgiematch auf Breads' Rücktrittstour zurückkam und damit einen Platz belegt hat, der ihm nicht zustand. Und ich kann nicht verstehen, warum ihr nicht alle genauso denkt. Es ist mir ein Rätsel, warum ihr auf der Mad Dog-Welle surft. Stattdessen buht ihr mich jetzt aus."


Publikumsreaktionen direkt zu adressieren, hat selten dazu geführt, sie zu ändern. Meistens trat das Gegenteil ein. So auch jetzt. Die Antipathie für Iokepa wächst mit jedem Satz.


Iokepa: "Ihr ruft Mad Dogs Namen. Ihr verteidigt ihn. Dabei wisst ihr nicht einmal, ob er überhaupt in der Liga bleibt. Vielleicht ist er nur für den Paycheck gekommen und verkündet heute seinen Abschied. Ich jedoch - ich bin hier. Ich will mich beweisen. Und das werde ich tun. Egal, wie absurd klein die Chancen, die ich bekomme, im Vergleich zu dem sind, was Altstars in den Rachen geschoben wird."


Mit diesen Worten wirft Iokepa das Mikrofon zu Boden. Er schiebt es mit dem Fuß zu Laura, die es von der Matte angelt. Der Hawaiianer strafft die Schultern und wendet sich dem Vorhang zu.

Dort erscheint, zu einem instrumentalen Theme, ein blonder Mann. Muskulös, aber mit einigen Fettpolstern. Kein Modellathlet und doch jemand, dem man das Muskeltraining ansieht. Der Mann hat ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Erst als der Blick direkt auf Iokepa fällt, wandelt sich der Ausdruck. Er wird ernst, kampfeslustig. Der Mann zieht sich ein Shirt mit dem Logo der Liga aus und wirft es ins Publikum, wo ein Mädchen als erstes zuschnappt.


Laura: „Meine Damen und Herren. Hier ist, bei seinem War Evening-Debüt, mit einem Gewicht von 108 Kilogramm...aus Adelaide, Australien…NICK KAVINSKYYYYY!“


Passend zu Lauras Schrei reißt Kavinsky die Arme in die Luft. Er steht in langen schwarzen Tights da, die wie poliertes Leder glänzen. Die Hände in die Hüften gestemmt betrachtet er seinen Gegner. Den Mann, der selbst erst sein zweites Match bestreiten wird. Kavinsky setzt sich in Bewegung.


Singles Match:

Iokepa vs. Nick Kavinsky

Referee: Thorsten Baumgärtner

Die Ringglocke glockt. Die Athleten stehen sich beide bereits gegenüber. Beide wirken kampfeslustig – schließlich hat Iokepa viel zu beweisen und Kavinsky nichts zu verlieren. Sie nicken einander zu, dann treffen sie sich in der Ringmitte. Der erste Lock-Up entsteht sauber, sie stehen Schulter an Schulter. Kavinsky hat 15 Kilo mehr, Iokepa jedoch Spritzigkeit und Technik. Er lässt sich nicht auf ein langes Kräftemessen ein, sondern dreht sich auf Kavinskys Rücken, nimmt dessen Arm mit. Ein schmerzverzerrter Ausdruck erscheint auf dem Gesicht des Australiers.

Aber Kavinsky bleibt ruhig. Kein hektisches Reißen, kein panisches Zerren. Man merkt: Auch wenn dies sein GFCW-Debüt ist, steht kein Rookie im Ring. Mit 32 Jahren kann er schon auf eine lange Karriere abseits des Rampenlichts zurückblicken. Nick senkt den Schwerpunkt, dreht sich mit und löst den Griff mit einem Kraftakt, nur um im nächsten Moment selbst die Initiative zu übernehmen. Er packt seinen überraschten Gegner, hebt Iokepa aus und setzt einen sauberen Scoop Slam in die Ringmitte.

Vom Publikum gibt es Achtungsapplaus. Kurzes Lächeln von Kavinsky, dann ist der Fokus wieder da.

Er greift nach dem Hawaiianer, zieht ihn hoch. Doch Iokepa rollt sich zur Seite weg, federt zurück auf die Beine und kontert das nächste Herankommen blitzschnell mit einem Kick an dessen Brust. Der Australier stolpert zurück, bis er fragilen Halt an den Seilen findet. Von dort stößt er sich ab, sprintet auf Iokepa zu – doch dessen dreht sich einmal in der Luft und fliegt ebenfalls heran.


Pete: „Spinning Heel Kick!“

Sven: „Kavinsky taucht unterdurch.“

Pete: „Doch Iokepa kann sich abfangen! Fantastische Athletik.“


Als er gemerkt hat, dass die Aktion nicht zum Ziel führt, hat Iokepa in der Luft eine ganze Drehung vollführt. Er landet auf den Füßen und erspart sich so einen peinlichen Sturz auf die Matte. Doch so spektakulär die Selbstrettung auch war: Sie gibt Kavinsky die Chance, sich neu zu orientieren. Der Australier läuft heran und räumt seinen Gegner mit einer Clothesline ab. Iokepa klatscht Rücken voran auf der Matte. Jubel von den Zuschauern, die den Hawaiianer nach seinen Sticheleien gegen Mad Dog nicht ausstehen können.

Iokepa ist sofort wieder oben. Schenkt seinem Gegner ein halb anerkennendes, halb provozierendes Lächeln. Nach der Clothesline lässt er einmal den Kopf im Nacken kreisen, dann scheint er wiederhergestellt. Die bisherigen Treffer waren eine Warnung, doch noch keine Katastrophe.

Beide tauschen Positionen, testen Hebel, lösen Griffe, ohne dass jemand klar die Oberhand gewinnt. Es ist Iokepa, der als Erster wieder das Heft in die Hand nimmt und das Tempo anzieht. Er kommt näher, zwingt Kavinsky zu einer überhasteten Reaktion, und genau in dem Moment, in dem der Australier die Finte erkennt, taucht Iokepa auch schon unter seinem Griff hindurch, dreht ihn herum und setzt einen Swinging Neckbreaker. Die Matte bebt. Iokepa bleibt stehen und wartet ab. Nicht aus Arroganz, sondern aus Kalkül. Als Kavinsky sich mühsam aufsetzt, ist Iokepa bereits da, zieht ihn hoch und rennt dann in die Seile. Federt zurück. Rennt heran.


Pete: „Spinning Heel Kick! Diesmal trifft er!“


Kavinsky geht zu Boden. Iokepa zieht ihn heran und wirft sich auf ihn.


Eins…

Zwei…

KICKOUT!


Die Fans freut es. Iokepa stöhnt auf. Er stemmt sich auf ein Knie, setzt beim Aufstehen einen Kick in den Rücken seines Gegners. Einmal, zweimal, dreimal. Es klatscht bis in die mittleren Ränge. Der Ton des Matches hat sich hörbar verändert. Das Abtasten ist vorbei. Es ist fast so, als würde Iokepa sagen wollen: „Willkommen im Main Roster“ – als wäre dies nicht für Iokepa auch erst der zweite Kampf im Main Roster.

Iokepa zieht Kavinsky auf die Beine und umklammert ihn. Doch Kavinsky stemmt sich dagegen. Er dreht sich ein, reißt den Arm frei und trifft aus dem Nichts eine Short-Arm Clothesline, die Iokepa zu Boden schickt. Es kracht. Applaus aus dem Publikum, manche springen auf.


Sven: „Kavinsky verkauft sich besser als erwartet. Er ist nicht so ein Loser wie beispielweise dein Sohn.“

Pete: „Lüg so viel, wie du willst. Sobald dein Mund mit Seife ausgewaschen ist, wirst du alles bereuen.“

Sven: „Reue ist eine Währung der Unperfekten. Damit habe ich nichts zu schaffen.“


Kavinsky läuft an, sammelt die Kraftreserven und lässt sich mit einem Running Senton auf Iokepa fallen. Der Ring bebt. Immerhin fast 110 Kilo sind es, die auf Iokepa landen. Entsprechend hallt ein erstickter Schrei des Hawaiianers durch die Halle, als ihm die Luft aus den Lungen getrieben wird. Kavinsky hakt sofort ein Bein ein.


Eins…

Zwei…

Iokepa kickt aus.


Kavinsky kommt hoch. Er glaubt, dass er Zeit hat. Schnauft einmal durch. Iokepa hingegen rollt sich ab, kommt in Nicks Rücken explosiv auf die Beine zurück – ein Kick-Up. Die langen Haare des dreifachten GTCW-Champions schwingen. Als Nick sich überrascht umdreht, ist Iokepa schon im Ansatz für die nächste Aktion. Er springt in die Seile, stößt sich ab und dreht seinen Körper im Flug.


Springboard Dropkick!


Wie ein Pferdetritt fühlen sich Iokepas Stiefel auf Kavinskys Brust an. Der Australier wird zurückgeschleudert, fliegt durch den Schwung einen Moment in der Luft. Auf der Matte angekommen, rollt er einmal herum. Dann stemmt er sich vorschnell wieder auf die Beone, doch ohne die rechte Orientierung zu haben. Iokepa nutzt diesen Moment. Er greift zu, zieht ihn an sich. Dann springt er explosiv ab.


SUNSHINE!


Pete: „Kavinsky stößt ihn weg!“


Jubel bei den Fans, als es dem Neuling gelingt, den Finisher Iokepas zu verhindern. Er hatte die Position schon eingenommen, doch im allerletzten Augenblick kam die Reaktion Kavinskys.

So wird Iokepa zurück auf die Matte gestoßen. Kreuz voran. Er stöhnt, ringt um Luft. Dann kommt wieder hoch. Diesmal jedoch langsamer als zuvor. Es ist kein Kick-Up, sondern ein Hochziehen mithilfe der Seile. In seinem Rücken wartet bereits – auf den richtigen Moment wartend – der Gegner. Iokepa hat es noch nicht bemerkt. Und dann…scheint der passende Moment da zu sein.


Sven: „Kavinsky packt Iokepa. Ansatz zum…“


RELEASE GERMAN SUPLEX!


Gegen nur rund 90 Kilogramm eine gute Idee. Kavinsky schafft es, Iokepa problemlos in die Luft zu ziehen. Er lässt den Hawaiianer auf dem höchsten Punkt los.


Iokepa fliegt durch den Ring.

Dreht sich einmal in der Luft.

Und landet katzengleich auf den Beinen.


Da gehen selbst von manch Mad Dog-Fan anerkennend die Augenbraue hoch. Iokepa hat den gesamten Schwung von Kavinskys potenziell verheerender Aktion genutzt, um sich auf spektakuläre Weise zu retten. Nun steht er mit dem Rücken zu Kavinsky. Dieser hat noch gar nicht bemerkt, dass seine Aktion kein Erfolg war.

Erst nach den Publikumsreaktionen schwant Nick, dass etwas nicht stimmt. Er wirbelt herum.


Und rennt in einen Sunshine.


Diesmal trifft der Codebreaker.

Iokepa wirft sich auf seinen Gegner, ohne das Bein einzuhaken.


Eins…

Zwei…

Drei.


Sieger des Matches durch Finpall: Iokepa!




Tammy vor der Interviewwand, ein vertrautes Bild, auch wenn sich die Bilder der Wand ändern mögen, sie ist die Konstante. Ebenfalls relativ konstant ist ihr jetziger Interviewgast bei sich – oder besser gesagt: Interviewgäste, Plural, sind es doch derer Zwei. Auch wenn das rosa Stoffschwein namens Lady Rosi stumm bleiben wird, anders als ihre Hirtin, rosarot bezopfte die Leopardin aus Long Island namens Monica Shade.


Tammy: „Hallo Monica. Gleich ist es soweit und du triffst erneut auf den ehemaligen GFCW Champion Ask Skógur. Wie fühlst du dich so kurz vor dem Match? In den sozialen Medien sehen dich einige ja sogar als Favoritin an.“


Monica nickt lächelnd. Ein Lächeln, geboren aus einer verworrenen Mixtur aus Freude, Irritation und Selbstvertrauen.


Monica Shade: „Hab ich auch gelesen, ja. Irgendwas von 95% Sicherheit, dass ich gewinne und so. Ich selber bin mir ja immer zu 100% sicher, dass ich gewinnen kann und werde, nur wissen wir ja alle, was diese Sicherheit beim letzten Mal wert war. Aber hey, ich strebe zwar nicht so nach Anerkennung wie andere Leute im Business, dennoch ist es nett was Nettes zu hören. Besonders,da ich ja letztes Mal gegen den Schweineverächter warum auch immer eher die Buhfrau war.“

Tammy: „Das ging im Zweifelsfall nicht gegen dich, es gibt nur einige Fans, die es Underdog Mike Müller gegönnt hätten doch noch den Durchbruch hin zu einer GFCW Karriere zu schaffen.“


Diese Erklärung sorgt nicht gerade für erleichtertes Aufatmen bei Monica. Im Gegenteil: dass die GFCW Fans einen Mann wie Mike Müller in ihrer Promotion wünschen, einen Mann, der sich gegen den Greatest Pigster gewandt und zu dessen Abgang aus GFCW gesorgt hat – nein, das will Monica ganz und gar nicht gefallen. Und so schwindet das Lächeln aus ihrem Gesicht.


Monica Shade: „Dann wirds heute wohl nicht groß anders sein, was? Immerhin wollen gefühlt alle bei der Anniversary Show Ask gegen The End sehen und nicht mich. Noch dazu würde meine Niederlage heute wohl unzweifelhaft dazu führen, dass Stella einen Grund hätte, um ihre Ankündigung wahrzumachen und hier bei GFCW auch noch auf Titeljagd zu gehen. Wäre ich ein GFCW Fan würde ich jedenfalls mich freuen Stella im Programm zu haben.“

Tammy: „Du sprichst „Leitstern“ Stella Nova an, die bei Title Night angekündigt hatte hier bei GFCW aktiv zu werden, so du WFW weiterhin blamieren würdest – ihre Worte, nicht meine. Tatsächlich würden viele sogar sagen, dass deine Leistungen gut waren und daher WFW ein positives Zeugnis ausstellen.“

Monica Shade: „Wie heißt es doch? Man erntet was man sät, nicht wahr? Ich selber hab ja in dieses Horn gestoßen, da kann ich mich jetzt nicht beklagen, dass Stella das auch macht. Und im Moment hat sie alle Argumente für sich. Nicht nur hat sie wie angekündigt Standing Alone gewonnen und mich dabei höchstselbst rausgeworfen, jüngst beim Festival of Wishes hat sie sich dann auch noch das Gold geholt. Ergo ist sie auf Kurs für ihr Ziel Doppel-Champion von WFW und GFCW zu werden. Was für mich heißt, nun selber auf Erfolgskurs zu kommen und nachzuholen, was ich bei Title Night nicht geschafft habe: Ask besiegen.“


Zumindest ihrem Stimmklang nach ist Monica einmal mehr davon überzeugt gewinnen zu können und sagt es nicht nur, sie glaubt es auch. Wäre natürlich auch schlimm wenn nicht und doch ist die Frage, worauf sich dieses Selbstvertrauen stützt - zuletzt hat die erfolgsverwöhnte Monica Shade ja ungewöhnlich oft den bitteren Geschmack der Niederlage schmecken müssen; weswegen Tammy auch genau da nachhakt.


Tammy: „Du hattest letzte Show angedeutet einige Anpassungen in deiner Matchtaktik machen zu wollen. Was genau heißt das?“

Monica Shade: „Und schon wieder muss ich über Stella reden… sie meinte bei Title Night ich würde zu sehr auf Kraft setzen, was gegen die großen und starken Männer bei GFCW nicht funktioniere – in der Form eine übertriebene Aussage, da sind Lady Rosi und ich und einig, aber der Hinweis ist dennoch der Richtige: ich muss besser lernen abzuschätzen wann ich auf Kraft setze und wann ich einfach zuschlagen muss. Daher kommt dieses rasche Rematch gegen Ask wie gerufen, so habe ich einen perfekten Direktvergleich.“

Tammy: „Okay, gleich geht es los, dann will ich dich nicht weiter aufhalt--“


Tammy wollte Monica gerade aus dem Interview entlassen und für selbiges artig danken, aber etwas hat sie so überrascht, dass es ihr die Sprache verschlagen hat. Etwas, oder besser gesagt: jemand. Ein sehr bedeutender, namhafter jemand, der an das Duo herantritt.

Und dieser Jemand ist… The End. Der Champion, der hier bereits mit erwähnt wurde und damit sehen wir ihn heute bereits zum zweiten Mal. Beim ersten Mal war er es, der bei einem Interview überrascht wurde, nun überrascht er jemand anderen. Das Muster der Gesprächspartner bleibt dabei aber gleich: potentielle Herausforderer und viel mehr noch – potentielle Opfer für seine zweite Titelregentschaft.

End steht nun also mit dem Titel auf der Schulter vor Tammy, Lady Rosi und Monica Shade, er scheint seine Neigung und Meinung gegenüber Shade nicht offen ausspielen zu wollen, wenngleich er auch dennoch etwas Anerkennung für sie übrig zu haben scheint, ist sie doch die einzige, die wirklich Titelambitionen seit seinem Ausruf gezeigt hat.


The End: „Ich glaube, man hat uns einander noch nicht vorgestellt, aber offensichtlich weißt du, wer ich bin.“

Die selbe Begrüßung wie bei Mad Dog und wieder schwingt dabei ein Mix aus Arroganz und berechtigtem Selbstbewusstsein mit, wenn es hier auch noch etwas mehr aus einem Kalkül heraus wirkt, als noch zuvor, denn bei Shade erübrigt sich die Frage, ob sie End kennt tatsächlich.


Monica Shade: „Scheint so als wärst du nicht sauer, dass ich irgendwie in diese ganze Sache hineingeraten bin und dir nun heute deinen Wunschgegner ausspanne. Das ist besser als von dir aus Frust attackiert zu werden. Von daher… hallo Champ. Schätze das ist dann der Zeitpunkt, wo ich das hier anbiete, um nicht respektlos zu erscheinen.“


Das hier“ ist eine hingehaltene Hand für einen potentiellen Handschlag, eine wichtige Geste in der Wrestlingwelt, die auch Monica wohlbekannt ist.

End bleibt distanziert, er schaut zu Monicas Hand hinab, während er sich seinen Titel zurechtrückt.

Er schlägt nicht ein.


The End: „Sauer? Wenn überhaupt, dann könnte ich nur auf einen sauer sein und das ist Ask. Aber wie schon an anderer Stelle erwähnt… wenn es das ist, was er für richtig hält, soll er tun, was er nicht lassen kann und du… naja, du bist offensichtlich die Einzige, die nicht vor meiner Herausforderung zurückgeschreckt ist. Nein du bist sogar bereit dafür zu kämpfen. Und das verdient Respekt.“


Eine ehrliche Respektsbekundung oder wieder eine Aussage, die auf doppeltem Boden fußt? Es zeigt sich weiter, dass der Einfluss von James Corleone auf The End nicht zu übersehen ist, seit Corleones Abgang wohl noch mehr als bisher zuvor schon.


The End: „Und ich denke… du hast gute Chancen zu gewinnen… aber die hat Ask auch. Offen gestanden, denke ich, hat Ask seine Selbstzweifel inzwischen so sehr perfektioniert, dass sie ihm vielmehr als Stärke, als als Schwäche dienen und dann… könnte Ask tatsächlich – wieder - gewinnen, trotz oder gerade wegen all dem.“


Ask könnte gewinnen.

Das wusste Monica natürlich schon, aber dass diese Möglichkeit tatsächlich besteht scheint ihr erst durch die Worte von The End wirklich klarzuwerden. Ihre 100% Überzeugung waren nicht vorgeschoben, so viel ist klar. Doch die Nachdenklichkeit hält nicht lange an.


Monica Shade: „Bist du hier, um mich zu verunsichern? Hm, nein, irgendwie wirkst du nicht wie so einer. Aber selbst wenn würde es dir nicht gelingen. Ich mag nicht so klug sein wie Lady Rosi, aber ich bin definitiv nicht dümmlich. Tatsächlich gehöre ich eher zu den bedachteren Leuten hier und hab ne gute Selbstreflexion. Und so weiß ich genau was ich kann und was ich nicht kann. Und ich kann Ask besiegen, besonders wenn ich mich klüger anstelle als letztes Mal. Mehr als das muss ich nicht wissen.“


Kaum hat sie das ausgesprochen, ruckelt Lady Rosi in Monicas Arm. Monica hält inne und blickt The End dann direkt in die Augen.


Monica Shade: „Und dich… dich kann ich auch besiegen. Bei der Anniversary Show. Da können manche noch so sehr denken ich wäre im Fall der Fälle nur ein Notnagel als Herausforderin, weil andere nicht mehr hier sind oder nicht wollen – was ich dann tatsächlich sein würde, das wäre der Sargnagel für deine zweite Titelregentschaft.“


Angst vor The End hat sie auf jeden Fall schon mal nicht, so viel ist mehr als offensichtlich. Tammy macht große Augen, dass Monica diese Worte The End direkt ins Gesicht gesagt hat. Nimmt sie die Aura des Mannes vor ihr einfach nicht wahr? Wohl kaum. The End hat eine Aura, der man sich nicht entziehen kann. Was sie so vor ihm stehen lässt, das ist das Selbstverständnis selber zu diesem höchsten Niveau mit dazu zu gehören.

Viele Worte von Monica Shade, die End in erster Linie erstmal aufsaugt. Es lässt sich nicht abstreiten, dass er von Monicas Selbstbewusstsein ein Stück weit beeindruckt ist und doch, will er sich bedeckt halten. Noch ist sie nicht seine Herausforderin.

In diesem Sinne denkt sich The End einen Großteil seiner Antwort… fürs erste.


The End: „Ich glaube du musst zu deinem Match… nicht, dass du noch verlierst, bevor es überhaupt begonnen hat.“


Dieser Hinweis ringt Monica ein schwaches Lächeln ab.


Monica Shade: „Ich weiß, dass ich los muss und dass ich Ask besiegen muss, auf dass unser Gespräch für die Anniversary Show relevant wird und kein unerfüllter Teaser bleibt. Von daher kann ich nur sagen… war doch netter mit dir zu plaudern als gedacht und: wir sehen uns. In Kürze.“


Während Monica nun davongeht, schauen End und Tammy ihr nach, was Tammy nun die Möglichkeit eröffnet das Interview mit End, was sie früher in der Show begonnen hat, zu Ende zu führen.


Tammy: „Also dann, finale Einschätzung: wer wird gewinnen?“


End scheint kurz in seinen Gedanken hängen zu bleiben, aus denen Tammy ihn herausreißt. Er schaut zu ihr, als würde er erst jetzt realisieren, dass sie hier auch mit dabei ist.

Tatsächlich scheint er aber eine Antwort parat zu haben, die er nach einem finsteren Lächeln offenbart.


The End: „Spielt das denn eine Rolle?“


Eine düstere Antwort, die tief blicken lässt, als würde End uns diesen Blick nun auch tatsächlich gewähren. Ein Blick, der mehr Fragen aufwirft, als bisher offen waren. In jedem Fall schwingt mit, dass es wohl keine Rolle zu spielen scheint, denn wer auch immer End gegenüberstehen wird…

am Ende wird er der Sieger sein.

Nach allem was passiert ist, nachdem er Aldo und vor allem James Corleone losgeworden ist, scheint das Chaos nach wie vor sein ewiger Begleiter zu sein.