CASE FILE #001


Der Bildschirm dunkelt sich ab. Es erscheinen grün getönte Datenstränge, Matrix ähnliche Zeichen und Zahlen auf einem schwarzen Hintergrund. Die einzelnen Bilder fliegen auf dem Screen hin und her, zoomen rein und raus, bis sich alle Schrift in einem kleinen Kreis zusammenzieht und nichts mehr zu sehen ist.


**Krept & Konan – Don’t Waste My Time starts playing**


Intro…


Einzelne Snapshots blinzeln immer wieder auf. Notizbücher, Aktendokumente, verschütteter Kaffee, eine Schreibtischlampe.


If she ain’t f*cking, she got to go…

Tell her ‚don’t waste my time‘…


Partien von einem Körper sind zu erkennen. Beine, welche sich mit schwarzen Lederstiefeln schmücken, sitzend auf einem Stuhl, wo man nur das Ende eines Umhangs erahnen kann. Arme, die unter dem seidenen Stoff des Mantels dennoch muskulös hervorstechen.


Police want to stop me, search my clothes…

Tell em ‚don’t waste my time‘…


Auf dem Schreibtisch liegende, leere Hände sieht man auf dem Bildschirm. Man erkennt auf dem Tisch Gegenstände aus den ersten Snapshots wieder. Ein kleiner Einschnitt mit Text erscheint.


BEN SLATE – THE ANALYST


If it ain’t money I ain’t involved…

Tell em ‚don’t waste my time‘…


Nun sieht man den breitgebauten Mann in seinem schwarzen Seidenmantel, darunter eine Art Rollkragenpullover und einer Miene, die dich direkt durchbohrt… als würde er jeden Partikel deiner Gesichtspartie beobachten und für sich festhalten.


Wasteman waffling down my phone…

Tell em ‚don’t waste my time‘…


Der 1 Meter und 88 Zentimeter große Mann mit den Muskelbergen steht nun auf. Hände flach auf den Tisch gepresst mit leicht nach vorne gebeugter Körperhaltung. Er dreht die Schreibtischlampe so, dass sie direkt auf sein offenes Notizbuch vor ihm strahlt. Man kann zwar keinen Text erkennen, aber es wirkt, als würde er auf das dort Geschriebene aufmerksam machen wollen.


Ben Slate: „GFCW... ihr kennt mich nicht. Noch nicht. Aber viel wichtiger ist… ich werde euch immer ein wenig besser kennen. Ein einziger Fehltritt und es kann das Ende einer Regentschaft bedeuten... kümmern wir uns aber erstmal um die kleinen Fische.“


Mit diesen Worten nimmt Ben Slate, ein Name, den man sich noch merken wird, seine bisher aufgestützten Hände locker vom dunkelbraunen Holztisch, schiebt den Stuhl hinter sich mit einem kleinen Ruck, um Beinfreiheit zu erlangen, richtet ein letztes Mal seinen Seidenmantel und geht um den Tisch herum ohne weitere Worte. Beim Weg Richtung Kamera nimmt er sein Notizbuch auf und läuft dann seitlich aus dem Bild.
*Klick* und die Tischlampe knipst sich aus... der Screen wird komplett schwarz.


Nach der Sequenz bleiben viele Fragen offen. Wer Ben Slate – The Analyst ist, wird sich noch zeigen. Doch die größte Frage von allen…


Worauf wollte er in seinem Notizbuch aufmerksam machen?



Was danach geschah….


Die Show in Bochum ist seit wenigen Stunden Geschichte. Währenddessen in der Jahrhunderthalle die Abräumungen längst im Gang sind, ist für zwei Protagonisten der War Evening-Ausgabe noch immer nicht „Feierabend.“ Im nahegelegenen Krankenhaus sitzen da Raymond „Morbeus“ Douglas und sein Filus. Kyle Douglas sitzt auf einem Krankenbett mit dick eingegipstem Arm und die Laune ist eisig – wie das Wetter außerhalb des Gebäudes.

Plötzlich kommt der behandelnde Arzt rein und sagt, was alle ohnehin schon wussten…


Arzt: „Herr Douglas, sie haben Krebs.“

Kyle: „Wat?“

Arzt: „Kleiner Spaß. Nein, ihr Arm ist gebrochen. Ein glatter Bruch. Aber in diesem Quartal wird das auf jeden Fall schon mal gar nichts mehr mit Krafttraining oder Ringen. Ruhe und Zeit. Dann wird alles wieder sein, wie es vorher einmal war.“


Morbeus schaut betretend zu Boden.


Morbeus: „Das war es.“


Der Arzt verabschiedet sich noch höflich mit einem kleinen lächeln. Doch das alles nimmt Raymond Douglas kaum noch wahr. Der berüchtigte Tunnelblick lässt erahnen, der Alt-Star ist mit seinen Gedanken mal wieder ganz woanders.


Kyle: „Fuuuck. Fürs Anniversary bin ich schon mal sicher raus. Warum immer ich?“


Kyle spielt wohl auf sein ständiges Pech an in seiner Karriere. Olympia wurde ihm genommen, mehrere Verletzungen in der GFCW und dann das. Es soll scheinbar einfach nicht sein.


Kyle: „Das Ende der Dynastie, die die Zeit leider nicht überdauert.“

Morbeus: „ Der Wrestling-Gott ist nicht mit dir, Kyle. Wir waren gut im Match, aber ich hätte es wissen müssen. TnB haben wenig anzubieten und da ist es doch fast klar, dass sie alles erdenklich Mögliche ausprobieren, um durchzukommen. Eine Farce.“

Kyle: „Sorry, Ray….“

Morbeus: „Wer bricht sich schon extra den Arm? Es ist wie es ist. Die Road ist gelaufen. Das Jubiläum ist gelaufen. Der Titel ist eh futsch. Es ist ein Tag der Trauer für uns als Wrestler….aber es ist nicht das Ende deiner Karriere, Kyle.“
Kyle: „Soll es denn nun das Ende deiner Karriere sein?“

Morbeus: „Du kennst mich, soo schnell werfe ich die Flinte nicht ins Korn. Aber ohne Partner wird es schwierig…“

Kyle: „Ruf doch mal deine ehemaligen Buddies an. Urban Ultras Berlin oder wie die hießen. Vllt hat doch einer von denen Zeit…“

Morbeus: „Ja ja, ist aber nicht das gleiche. Ich lasse mir mal alles durch den Wirsing gehen. Aber vermutlich war es das mit dem großen Auftritt beim 25-jährigen…..vielleicht kann ich TnB noch irgendwie in die Suppe spucken.“


Morbeus und Kyle versuchen dann noch etwas zu scherzen. Das gelingt so mittel gut, lenkt aber ab. Beide verpassen so auch, dass Ray Douglas Handys vibriert. Die Kamera fängt das Mobiltelefon des Kanadiers noch kurz ein, bevor die Kamera ausschwenkt.

Quelle: ChatGPT



Hektisches Treiben vor der Halle. Noch eine Stunde bis zur Show. Während am Vordereingang die Zuschauer hineinströmen und sich im Foyer mit Brezeln, Bier, Popcorn und Merchandise eindecken, sorgt die GFCW-Crew am Hintereingang dafür, dass letzte Materialien angekarrt werden.

Vier Mitarbeiter sind damit beschäftigt, Paletten in einen LKW zu verladen, da schießt aus unerwarteter Richtung ein Gefährt heran und schneidet den Mitarbeitern den Weg ab. Dann stellt es sich quer direkt vor das Eingangstor, so dass alle Transporteure fortan einen Umweg gehen müssen.

Während einer der Männer seiner Entrüstung mit einem „He, das ist kein Parkplatz!“ Luft macht, blicken die anderen drei fasziniert auf den Wagen. Ein goldgelbes Auto, dessen vorrangige Gestaltungsmaxime Exklusivität zu sein scheint. Mehr Geschoss als Stadtwagen, ein Rennwagen für die Straße. Der McLaren P1. Die Crew-Mitglieder merken, wie der Mund wässrig wird, die Männerhände strecken sich wie fremdgesteuert nach dem Chassis aus. Ihnen ist klar: Dies ist kein Requisit für einen nostalgischen Autowitz, dies ist ein besonderes Ereignis.

Bevor die geifernden Beobachter dazu hingerissen werden, sich am Lack des McLaren zu reiben, schwingen die Flügeltüren auf. Im Plural, weil es auf Fahrer- und Beifahrerseite simultan geschieht. Vier Füße werden auf den Asphalt gesetzt, dann folgen Beine und Oberkörper in modischen Sportjacketts. Spätestens beim Anblick der Frisuren fällt der letzte Vorhang der Unwissenheit: Dies sind Danny Rickson und Robbin Zick.


Crew-Mitglied: „Was für ein Wagen. Wahnsinn.“


Eine Bemerkung, die Danny Rickson übergeht. Er zieht sein Jackett glatt, ignoriert alle Umstehenden und kramt mit Seelenruhe aus der Innentasche eine Sonnenbrille hervor. Als das letzte Detail seines heutigen Outfits sitzt, mag er – aus der Ferne betrachtet – für gute zehn Jahre jünger durchgehen, als er ist. Die aufrechte Körperhaltung, das hell gefärbte Haar.

Anders als Rickson belässt es Robbin Zick nicht bei Ignoranz. Der Mann, der vor zwei Wochen als „Anwerber“ von Refuse to Age ins Rampenlicht getreten ist, blickt die Crew-Mitglieder naserümpfend an.


Robbin Zick: „Welch absurder Fokus, sich auf das Auto zu konzentrieren.“


Er schnalzt tadelnd mit der Zunge.


Robbin Zick: „Der wirkliche Wahnsinn in dieser Situation ist der Fahrer. 737 PS. Keine 3 Sekunden bis 100. 350 Kilometer in der Stunde. Ein solches Gefährt ist nichts für alte Männer. Man benötigt den Esprit der Jugend, um dieses Höllenteil zu kontrollieren.“


Beiläufig öffnet Zick die Knöpfe seines Jacketts. Darunter kommt ein Shirt mit dem mittlerweile altbekannten Logo von „Refuse to Age“ zum Vorschein. Rickson unterdessen lehnt – betont gelangweilt – an der Motorhaube des Wagens und wartet darauf, dass Zick das Gespräch beendet, damit sie endlich in der Halle verschwinden können. Auf die Idee, ihn wegen der ungünstigen Parkposition anzusprechen, ist niemand gekommen. Die Autorität eines Hall of Famers wirkt.


Robbin Zick: „Doch Danny Rickson ist kein alter Mann. Er ist zurück in seiner Prime. Mit der patentierten Supplement-Strategie von Refuse to Age hat er seine Reaktion auf das Level eines Fünfundzwanzigjährigen gebracht.“


Falls Zick Staunen und Jubel erwartet hat, wird er enttäuscht. Die umstehenden Männer sind weiter auf das Auto konzentriert. Mit schärferem Tonfall fährt Robbin fort.


Robbin Zick: „Die Frage sollte also nicht lauten: ‚Wie komme ich an ein solches Auto?‘, sondern eher: ‚Wie werde ich wieder jung?‘. Nun, die Antwort darauf haben wir bereits gegeben.“


Stolz klopft Zick auf das Logo seines Shirts. Mit einem Kopfnicken gibt Rickson ihm zu verstehen, dass das Gespräch mit den irrelevanten Crew-Mitgliedern beendet ist. Robbin folgt der Anweisung und trottet dem Engländer hinterher.

Doch noch bevor sie die Halle betreten haben, ertönt hinter ihnen ein Geräusch. Es ist ein näherkommender, gleichmäßiger Rhythmus. Ein Klacken auf dem Asphalt. Shelly Nafe.


Shelly Nafe: „Danny. Wir sollten reden.“


Der Angesprochene steht reglos da. Er macht keine Anstalten, seine Sonnenbrille abzunehmen oder auf Nafe zuzugehen. Von der Zurückweisung unbeeindruckt kommt die Managerin mit gezielten Schritten näher.


Shelly Nafe: „Über Refuse to Age.“


Keine Reaktion von Rickson. Aber Zicks Miene wird offener, durch das Stichwort ist er an einem Gespräch interessiert. Er rückt sein Jackett zurecht, so dass das Logo darunter gut zu sehen ist, strafft die Schultern und blickt Nafe an. Sein Blick fährt an der elegant gekleideten Mittfünfzigerin hoch und runter.


Robbin Zick: „Ach. Ich kann mir gut vorstellen, dass du über Refuse to Age sprechen willst.“


Aus seinen Worten spricht die Arroganz der Jugend. Die stille Verachtung für die Elterngeneration, genährt vom Glauben, man selbst wird niemand eine Zeit erleben, in der man weniger straff, fit, begehrenswert ist.

Nafe nimmt die unverhohlene Anspielung ungerührt hin.


Shelly Nafe: „Ich bin also alt, willst du sagen.“

Robbin Zick: „Nun. So habe ich es nicht ausgedrückt. Aber ich würde vermuten, dass Leonardo di Caprio dich nicht in seine Partnersuche einbeziehen wird.“


Die Amerikaner lacht freudlos auf.


Shelly Nafe: „Was für ein Zufall. Ich wollte nämlich dich nicht einbeziehen. Und zwar in dieses Gespräch.“


Sie blickt an Zick vorbei zu Danny Rickson. Derart übergangen zu werden sorgt beim jungen Werber für einen geschwollenen Hals. Abgetan wie ein Schüler. Wie ein Insekt. Doch als er zu einem Protest einsetzt, gibt ihm Rickson ein Zeichen. Schickt ihn weg.


Danny Rickson: „Geh schon mal in die Halle, Robbin. Ich komme nach.“


Grummelnd, mit einem funkelnden Blick in Richtung Nafe, fügt sich Zick der Aufforderung. Er stapft wie ein bockiges Kind Richtung Halle. Nafe und Rickson warten, bis seine Schritte in der Ferne verklungen sind. Dann blicken sie einander an, ihre Haare wehen im kalten Winterwind. Die Laterne scheint auf sie herab. Es ist Zeit für die Erwachsenen, sich zu unterhalten.

Nafe nickt in Richtung des McLaren.


Shelly Nafe: „Schöner Wagen.“

Danny Rickson: „Du interessierst dich einen Scheiß dafür.“

Shelly Nafe: „Ertappt.“


Bei so viel Ehrlichkeit bleibt Rickson nicht viel übrig, als in sich hineinzulächeln. Für einen kurzen Augenblick sind Falten an seinem Mundwinkel zu sehen. Dann nimmt er wieder einen neutralen, maskenhaften Gesichtseindruck an. Die Falten werden glattgezogen.


Danny Rickson: „Und du willst auch nicht über Refuse to Age sprechen.“

Shelly Nafe: „Nicht direkt zumindest. Nicht über eure Produkte.“


Rickson setzt die Sonnenbrille ab und verstaut sie in einem Etui. Als jenes in seiner Jackentasche verschwunden ist, blickt er Nafe direkt ins Gesicht.


Danny Rickson: „Worüber reden wir dann, Shelly?“

Shelly Nafe: „Du kommst schnell zur Sache. Das gefällt mir.“


Sie schenkt ihm ein Lächeln und für einen Augenblick kann man nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, ob in diesem Ausdruck nicht doch ein Fünkchen Wahrheit steckt.


Shelly Nafe: „Ich habe mich gefragt, ob wir Probleme miteinander haben werden.“

Danny Rickson: „Ich lege es nicht darauf an.“

Shelly Nafe: „Aber können wir uns wirklich aus dem Weg gehen? Es scheint, als wären ich und du in ähnlicher Mission unterwegs.“


Die Augenbrauen Ricksons gehen hoch.


Danny Rickson: „Du redest von Iokepa? Robbin hat ihn angesprochen. Du hast ihn angesprochen.“

Shelly Nafe: „Ich rede zum Beispiel von Iokepa. Nun, es scheint mir, als ob der Junge sowieso noch viel zu naiv ist, um in nächster Zeit eine unserer ausgestreckten Hände anzunehmen. Aber was ist, wenn wir in anderen Fällen unsere Augen zukünftig noch einmal auf das gleiche Ziel richten? Wie sieht dann eine Ko-Existenz zwischen dem Nafe Effect und Refuse to Age aus?“


Rickson führt die Hand zum Kinn, als er nachdenkt. An seinem Finger ist – vielleicht aus Absicht, vielleicht aus Zufall – der Hall of Fame-Ring genau so ausgerichtet, dass er auf Nafes Augenhöhe prangt.


Danny Rickson: „Du hättest dieses Gespräch nicht angefangen, ohne bereits einen Vorschlag zu haben.“

Shelly Nafe: „Stimmt. Ich habe darüber nachgedacht, ob wir nicht Bedingungen für unsere Ko-Existenz festlegen. Eine Art…Partnerschaft. Nach einer Phase des gemeinsamen Wachstums können wir immer noch untereinander aufteilen, was von der GFCW übriggeblieben ist.“


Die Antwort des Engländers kommt – zu Nafes sichtlicher Überraschung – wie aus der Pistole geschossen.


Danny Rickson: „Ausgeschlossen.“

Shelly Nafe: „Ausgeschlossen?“

Danny Rickson: „Ausgeschlossen. Danny Rickson teilt das Rampenlicht nicht. Nicht einmal temporär.“


Als wolle er sich selbst in seiner Meinung noch einmal bestärken, spannt Rickson die Nackenmuskeln an, nickt beiläufig. Sein Blick jedoch verharrt beständig auf Nafe.


Shelly Nafe: „Ich schätze dein Selbstbewusstsein. Da spricht das verjüngende Testosteron aus dir, nicht wahr? Aber für alles gibt es ein Limit. Ich fände es bedauerlich, wenn dein Ego dich zu einer Entscheidung bringt, die dir nicht bekommen wird.“

Danny Rickson: „Ich bin bereits mein ganzes Leben größenwahnsinnig und sehr gut damit gefahren.“


Einen Augenblick steht der Satz im Raum. Dann nickt Shelly Nafe. Nicht enttäuscht, nicht wütend – sie nimmt die Entscheidung ihres Gesprächspartners regungslos hin.


Shelly Nafe: „Dann ist es so. Wir sind keine Feinde, Danny. Aber eines Tages werden wir es zwangsläufig sein.“


Sie verabschiedet sich mit einem Handschlag. Rickson schlägt ein. Als jedoch Nafe loslassen will, zieht der Engländer ihre Hand heran. Im Laternenlicht betrachtet er die Falten an ihren Fingern, die blau durchscheinenden Äderchen auf dem Handrücken. Die Zeichen der Alterung.


Danny Rickson: „Du bist eine faszinierende Frau, Shelly.“


Er streicht über ihre sorgfältig manikürten Hand mit der dünnen, spröden Haut.


Danny Rickson: „Ich hätte dich gerne dreißig Jahre früher kennengelernt.“




War Evening, Ischelandhalle (Hagen), 06.02.2026


Pete: “Wir schreiben das Jahr 1928. Deutschland hat einen Weltkrieg hinter sich und glaubt, das Schlimmste überstanden zu haben. Sie wissen noch nichts, von den Schrecken, die noch kommen.”

Sven: “Auch in Hagen nicht. Dennoch, im Februar diesen Jahres, gibt es Grund für Optimismus. Die Stadt knackt die Marke von 100.000 Einwohnern und wird damit offiziell zur Großstadt.”

Pete: “Großer Schritte, große Städte. Jetzt, im Februar, fast hundert Jahre später, gibt es einen neuen Meilenstein in der Geschichte dieses wundervollen Ortes.”

Sven: “So ist es. Denn heute heißt es GFCW WAR EVENING, LIVE AUS DER AUSVERKAUFTEN ISCHELANDHALLE IN HAGEN!”

Pete: “Du musst nicht so schreien.”

Sven: “ICH BIN WIE DEINE MUTTER: SIE KANN SICH, WAS DAS ANGEHT, EINFACH NICHT BEHERRSCHEN.”

Pete: “DU MISTKERL!”

SVEN: “MEINE DAMEN UND HERREN, AN ALLE INNERHALB UND AUSSERHALB DES GENDER SPEKTRUMS: HERZLICH WILLKOMMEN ZUR BESTEN SHOW SEIT SIE “DAS SUPERTALENT” EINGESTELLT HABEN!”

PETE: “WELCHE SHOW MEINST DU?”

SVEN: “UNSERE SHOW, PETE!”

PETE: “ACHSOOOOOOO!”

SVEN: “WIR SOLLTEN DIE CARD DURCHGEHEN!”

PETE: “KÖNNEN WIR DANN AUFHÖREN ZU SCHREIEN?”

SVEN: “NA GUT!”


Singles Match
Robert Breads vs DISZ


Pete: “Was uns hier erwartet: Keine Ahnung.”

Sven: “DISZ ist bestimmt Lunenkind.”

Pete: “Wir haben nicht den blassesten Schimmer, wer sich hinter diesem mysteriösen Akronym verbirgt.”

Sven: “Vermutlich Maximilian Lunenkind.”

Pete: “Wir haben nicht mal einen kleinen Hinweis.”

Sven: “Doch, letzte Show. Es ist Lunenkind.”

Pete: “Ich bin fast so gespannt wie auf das Duell von meinem Sohn mit-”

Sven: “LUNENKIND!”

Pete: “Okay, ja, der dürfte der Favorit sein. Aber man weiß ja nie!”

Sven: “Wir müssen unsere Fans doch nicht für dumm verkaufen.”

Pete: “Das würde ich nie wagen. Es ist statistisch erwiesen, dass GFCW-Fans überdurchschnittlich intelligent sind.”

Sven: “Wirklich?”

Pete: “Nein, das habe ich mir gerade ausgedacht.”

Sven: “Du BELÜGST unsere Fans?”

Pete: “Es war nur ein Scherz.”

Sven: “Mir wird SCHLECHT von diesem Verhalten, Pete.”

Pete: “Dann solltest du Ingwertee trinken.”

Sven: “Was?”

Pete: “Das hilft gegen Übelkeit.”

Sven: “Achsoooo. Ich bin eher so der Zwieback-Typ.”

Pete: “Wow, wie spannend!”

Sven: “Ja, oder?”

Pete: “NEIN. Spannend ist nur, wer hinter der Maske von DISZ steckt.”

Sven: “Lunenkind.”

Pete: “Wir werden sehen. Das letzte War Evening Match von Robert Breads, vier Wochen vor seinem Retirement bei der Anniversary Show – und wir erwarten den großen Unbekannten, der sich dem Hall of Famer in seinem vorletzen Match stellen wird.”

Sven: “Spoiler: Es ist Lunenkind.”

Pete: “Vier Buchstaben: D-I-S-Z.”

Sven: “Davon stecken zwei in Lunenkind.”

Pete: “Ja, das D und das I.”

Sven: “Aber nicht das S und Z.”

Pete: “Eine renommierte Zeitung.”

Sven: “Also ist es eine 50/50 Chance, ob es wirklich Lunenkind ist.”

Pete: “Exakt. Perfekt kalkuliert, Sven. Alex Ricks wäre stolz.”

Sven: “Und dann wären da noch die drei I in Maximilian, und wenn man das mathematisch-”


Singles Match
Milly Vermillion vs Meathook


Pete: “Hatte Meathook nicht mal einen Vor- und Nachnamen?”

Sven: “Die Card SCHEISST auf das, was früher war. Es geht in die Zukunft! Alles ist neu!”

Pete: “Dieses Match ist es schon einmal nicht. Es ist das Finale einer Trilogie.”

Sven: “Wie beim Godfather.”

Pete: “Oder Herr der Ringe.”

Sven: “Oder Batman.”

Pete: “Da gibt es doch viel mehr als nur drei.”

Sven: “Ich meine die Nolan-Filme.”

Pete: “Achsooooo.”

Sven: “Kennst du “The Dark Knight” mit dem Joker?”

Pete: “Ja, klar.”

Sven: “WHY SO SERIOUS?”

Pete: “Gänsehaut.”

Sven: “Anne Hathaway ist auch dabei.”

Pete: “Stimmt. Die zweitberühmteste Hathaway nach Keek.”

Sven: “Aber nicht als der Joker.”

Pete: “Nein, das nicht.”

Sven: “Sie ist Catwoman.”

Pete: “Naja, sie SPIELT Catwoman.”

Sven: “Okay, da hast du Recht.”

Pete: “Weißt du, was Katzen gerne fressen? Vögel.”

Sven: “Dann musst du gut aufpassen, weil du ein komischer Vogel bist.”

Pete: “Ich meinte Milly Vermillion.”

Sven: “Sie ist ein Phönix.”

Pete: “Was ein Vogel ist.”

Sven: “Aber kann man da eine Katze wirklich als Fressfeind sehen?”

Pete: “Ich bin bei Phönixen nicht so drin.”

Sven: “Das wäre ja auch Sodomie.”

Pete: “Ist aber auch egal, Milly kämpft nicht gegen eine Katze – sondern gegen einen FLEISCHERHAKEN!”

Sven: “Noch gefährlicher als der ohnehin schon gefürchtete Knethaken.”

Pete: “Hast du einen Knethaken, Sven?”

Sven: “Ja, damit mache ich mir manchmal Hefeteigbrot.”

Pete: “Mhm, lecker.”

Sven: “Meathook hat Milly schon einmal AUFGEFRESSEN – im metaphorischen Sinne, denn er hat sie besiegt. Das nächste Match ging an Milly, aber nur per Count-Out.”

Pete: “Beide können die Serie auf 2-1 stellen, und vor allem Milly hat sicher – pass auf, Sven, das ist richtig clever – FEUER UNTER’M HINTERN, weil sie Meathook bislang noch nicht pinnen oder zur Aufgabe bringen konnte.”

Sven: “Feuer wegen Phönix, oder?”

Pete: “Ja, genau.”

Sven: “Wie schlau.”

Pete: “Danke.”

Sven: “War gelogen.”

Pete: “WAS?!”

Sven: “WHY SO SERIOUS?”


Singles Match
Iokepa vs Nick Kavinsky


Pete: “Iokepa ist vor kurzem – endlich, mögen sich die anderthalb verbliebenen GTCW-Fans denken – in die GFCW gekommen, und hat gleich mal Viggo so hart weggefickt, dass er für immer weg ist und niemals wieder kommt.”

Sven: “Ja, Viggo hat sich erledigt, ein für alle Mal. Da geht kein Weg dran vorbei. So hart hat Iokepa ihn gebumst.”

Pete: “Im sportlichen Sinne.”

Sven: “Das sagt DEINE MUTTER auch, wenn ich ihr das Springseil um die-”

Pete: “Iokepa ist ein Super-Talent, da sind sich alle Leute, die Rang und Namen haben, einig.”

Sven: “Und wer ist das?”

Pete: “Vivian Tolnai, Mac Müll und Flavio Briatore.”

Sven: “Ich wusste gar nicht, dass Briatore GTCW-Fan war.”

Pete: “Niemand kann das Gegenteil beweisen. Antreten gegen Iokepa wird heute Nick Kavinsky.”

Sven: “Ich liebe “Nightcall”. DRIVE (2011) ist einfach der beste Film.”

Pete: “Ryan Gosling ist so cool.”

Sven: “Ich habe die Melodie gleich im Kopf.”

Pete: “Du-da-du-dadada-du-da.”

Sven: “Banger.”

Pete: “Allerdings ist unser Kavinsky kein Franzose, sondern Australier.”

Sven: “Kann man da überhaupt DRIVE (2011) machen? Das ist doch die andere Seite der Welt. Alle Autos würden einfach kopfüber runterfallen.”

Pete: “Schwerkraft, Sven.”

Sven: “Achsoooo. Tatsächlich ist Nick aber eher Veteran als junges Talent, er hat sogar schon als Trainer gearbeitet. Es ist nicht auszuschließen, dass er Iokepa irgendwann mal trainiert hat.”

Pete: “Wäre je echt interessant zu wissen.”

Sven: “Hast du noch nachgefragt?”

Pete: “Nein.”

Sven: “Ich auch nicht.”

Pete: “Schwach von uns.”

Sven: “Naja, wir müssen ja auch Freizeit haben.”

Pete: “Wohl wahr. Was hast du letztes Wochenende so gemacht?”

Sven: “Eine Lagunenrundfahrt.”

Pete: “Wow! Wo denn?”

Sven: “Auf Rügen.”

Pete: “Toll!”

Sven: “Über den großen Jasmunder Bodden.”

Pete: “Hast du Tiere gesehen?”

Sven: “Ja.”

Pete: “Welche?”

Sven: “Vögel.”

Pete: “Hast du Milly auch gesehen?”

Sven: “Nein.”

Pete: “Schade.”

Sven: “Ja.”

Pete: “Wer gewinnt?”

Sven: “Iokepa.”

Pete: “Jo, denke auch.”

Sven: “Einen Kranich habe ich aber gesehen.”


GFCW WORLD CHAMPIONSHIP NO. 1 CONTENDERSHIP MATCH
Ask Skógur vs Monica Shade


Pete: “Skógur ist aktuell No. 1 Contender für den Titel von unserem Champion The End, und hat bei Title Night Monica Shade in einem Singles Match besiegen können.”

Sven: “Aber die Karten werden neu gemischt, die Kuh wird wieder aufs Eis geschickt, alles hat ein Ende nur Lady Rosi hat mehr: Heute ist das nicht mehr wichtig. Wer gewinnt, kriegt The End bei der Anniversary Show um den World Title.”

Pete: “Entweder revanchiert sich Shade nach ihrem Aufwärmsieg über Mike Müller für die Pleite bei Title Night und steigt in neue Sphären auf oder aber Skógur untermauert seine Position unwiderruflich. So oder so, heute lernen wir mehr über das Title Picture bei der Anniversary Show.”

Sven: “Ich weiß, wie Monica gewinnen kann.”

Pete: “Achja?”

Sven: “Mit Schmackes.”

Pete: “...wie jetzt?”

Sven: “Mit Schmackes.”

Pete: “Okay.”

Sven: “Das war der entscheidende Tipp für Monica Shade.”

Pete: “Wenn du meinst.”

Sven: “Nenn mich Monica’s Aid.”

Pete: “Wenn sie dir für den Tipp eine Gegenleistung anbietet, wäre sie dann Monica Trade?”

Sven: “Wenn sie eine Lehrerin wäre, bekäme man von Monica Grades.”

Pete: “Sie ist in guter Form, nenn sie Monica Shape.”

Sven: “Wenn sie eine Kurzhaarfrisur hätte, wäre sie Monica Fade.”

Pete: “Das wäre ein mutiger Schritt, nenn sie Monica Brave.”

Sven: “Trotz allem wäre sie dann immer noch Monica Babe.”

Pete: “Denke aber nicht, dass sie sich die Haare schneiden wird.”

Sven: “Ich auch nicht.”

Pete: “Sogar sehr, sehr unwahrscheinlich.”

Sven: “Sehe ich genauso.”

Pete: “Eigentlich quasi ausgeschlossen.”

Sven: “Definitiv.”

Pete: “Falls sie sich die Haare schneiden würde, dann nur auf eine besondere Art.”

Sven: “Und auf welche?”

Pete: “Mit Schmackes.”

Sven: “Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe.”


GFCW INTERCONTINENTAL CHAMPIONSHIP MATCH
Darragh Switzenberg (c) vs Creed Gibson


Pete: “Bei der letzten Show gab es ordentlich Chaos, und Jake, Jilley, Alonso... sie alle waren mit dabei. Am Ende läuft es aber darauf hinaus: Gibson hat geholfen, Switzenberg zu verarschen, und will nun auch noch seinen Titel.”

Sven: “Dabei hatte sich Darragh schon darauf eingestellt, bis zur Anniversary Show erstmal keine Matches mehr zu bestreiten. Nun muss er bei War Evening nicht nur antreten, sondern auch noch um seinen Gürtel fürchten.”

Pete: “Natürlich ist Switzenberg Favorit. Aber er hat in einer ähnlichen Situation schon einmal gegen Viggo-”

Sven: “Der für immer weg ist und niemals wiederkommt.”

Pete: “-den Intercontinental Title kurz vor einem Pay-Per-View verloren. Und auch damals gab es chaotische Umstände. Die würde ich hier mal nicht ausschließen.”

Sven: “Vor allem Zac Alonso hat immer noch ein Hühnchen mit dem Switziverse zu rupfen, wie es scheint.”

Pete: “Dabei könnte ihm sein Hund helfen.”

Sven: “Meinst du?”

Pete: “Ein Hund würde gegen ein Huhn gewinnen.”

Sven: “Schon, aber es rupfen?”

Pete: “Wäre grässlich anzusehen.”

Sven: “Absolut.”

Pete: “Ich würde heulen.”

Sven: “Wie ein Seehundbaby.”

Pete: “Heulen die viel?”

Sven: “Man nennt sie Heuler.”

Pete: “Oh, wow!”

Sven: “Ob es auch einen Switziseehund gibt?”

Pete: “Oder ein Seehuhn?”

Sven: “Ich werde Darragh die Nummer von der Seehundauffangstation Norddeich zukommen lassen. Es erscheint mir, als wäre das sehr wichtig.”

Pete: “Naja, so wichtig jetzt auch wieder nicht.”

Sven: “Was könnte wichtiger sein?”

Pete: “Alles weitere, das uns heute ins Haus steht! Vielleicht sehen wir ja das Debüt unseres Schweizer Neuzugangs, Ben Slate? Wir hören sicherlich auch noch von The End. Was geht in der Tag Team Szene nach der Entführung vor zwei Wochen, an die sich alle noch richtig gut erinnern? Wird sich Mad Dog nach seinem Sieg über Robert Breads zu Wort melden?”

Sven: “Ich denke schon.”

Pete: “Ich auch.”

Sven: “Können wir ja rausfinden.”

Pete: “Ja, wenn wir die Show gucken.”

Sven: “Die fängt jetzt an.”

Pete: “Stimmt.”

Sven: “Also, zumindest fast.”

Pete: “Nicht jetzt?”

Sven: “Nein, es gibt da noch eine Kleinigkeit.”

Pete: “Und die wäre?”

Sven: “Nun...”

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GFCW HALL OF FAME
CLASS OF 2026


THE SUPERIOR
LIONEL JANNEK

Aufnahme:
GFCW 25th Anniversary Show
08.03.2026
Westfalenhalle, Dortmund



In den Katakomben herrscht mal wieder ein hektisches Treiben. Roadies wetzen von links nach rechts. Wrestler machen sich ready für ihren Auftritt. Mittendrin wandert Raymond Douglas durch die Gänge. Gestikulierend am Telefon.


Morbeus: „WAS? WO SEID IHR?........ALPAKA FARM? Was soll der scheiß?......Is mir egal, eure Ärsche müssen wieder nach Deutschland…..“


Raymond bleibt kurz stehen und versucht seinen Gesprächspartner zu verstehen. Akustisch scheint das auch zu funktionieren, aber inhaltlich kann er den Ausführungen nur schwerlich folgen.


MacMüll hat da natürlich Reporterluft geschnuppert und weiß durch seine laaange Erfahrung in der GFCW: hier bahnt sich doch eine interessante Story für den Zusehenden an. Gerade legt Morbeus auf, da wird er auch schon mit einem Mikrofon konfrontiert.


MacMüll: „ Ray Douglas. Wie läuft der Akquisitionsprozess?”

Morbeus: “ Bescheiden wär geprahlt, MacMüll. Man stelle sich vor Slay Oakland und Max Moustache sind irgendwo in Peru auf einer Alpaka Farm und wollen mir auch nicht helfen. Das kann doch alles nicht mehr wahr sein.“

MacMüll: „Wie viele Leute in ihrem Telefonbuch haben sie denn noch nicht angerufen?“

Morbeus: „Alle habe ich angerufen, wo es auch nur theoretisch erscheint, dass sie mir weiterhelfen können. Kyle ist definitiv raus für die nächsten 2 Monde, da wird nichts gehen. Aber ich kämpfe weiter. Dann eben allein, wenn sich denn keiner finden lässt. Aber die Gerechtigkeit wird siegen. TnB haben klar gegen jede Regel verstoßen und dürfen dafür nun nicht auch noch das Title Match einheimsen. Ich werde es mit aller Macht und Kraft verhindern wissen!“

MacMüll: „Ein kämpferischen Morbeus erleben wir hier, aber ein Ersatzpartner ist hier nicht in Sicht.“


Morbeus geht an McMüll nun vorbei und schaut wieder sein Telefonbuch durch – ohne Ertrag.




Ein Titel, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.


Wir befinden uns in einem Raum der Ischelandhalle, irgendwo im Backstagebereich. Und dort sehen wir, wie unser Lieblingshirsch der GFCW vor einem großen Bildschirm steht, auf dem er sich gerade etwas anschaut. Dabei scheint sich ein GFCW-Mitarbeiter gerade an der Kamera vorbeizuwinden, der Ask sehr wahrscheinlich technisch begleitet hat, um ihn den Bildschirm und das, was er sich darauf ansieht, einzurichten, denn Ask hat mit Technik nicht viel am Hut.

Aber ja, viel weniger wichtig als die Umstände, wie Ask den Bildschirm anbekommen hat, ist das, was er sich darauf anschaut. Und es sind die finalen Szenen des GFCW World Championship Titelmatches von Carnival of Combat aus dem letzten Jahr. Aldo Nero wollte ihn mit dem Gürtel schlagen, hat das letztendlich aber nicht getan, woraufhin sich Ask den Gürtel geschnappt hat, um zuzuschlagen.

Aber nicht, ohne vorher in eine Art Trance zu verfallen. Die Macht, des Gürtels, die Ask übernommen hat, selten derart eindrucksvoll visualisiert, wie in diesem Moment. Der Moment, in dem Ask sich selbst verraten hat und daraufhin verlor. Sein Anrecht auf den Titel und ein Stück weit auch seine Seele.

Ask sieht, wie er selbst geschlagen am Boden liegt, mit der Hand am Titel.

Und wir sehen, wie unzufrieden Ask mit sich in diesem Moment ist.

Und heute… heute steht er vor der Chance, wieder an diesen Punkt zu kommen. Oder viel mehr vor der Bürde? The End will ihn als Herausforderer, doch ist Ask bereit dazu?

Er hat eine Fernbedienung in der Hand, mit der er die eben gesehenen Szenen noch einmal zurückspult, um sie sich erneut anzuschauen. Und dann noch einmal. Und jedes Mal scheint Asks Miene sich mehr zu verziehen, jedes Mal kickt die Einsicht, dass er dem Titel eben doch nicht so gewachsen war, wie er es gedacht hatte, härter.

Der Titel war sein Leben, das wichtigste und der Erfolg, auf den er seine gesamte GFCW-Karriere hingearbeitet hat. Monica Shade kritisierte ihn dafür, dass Ask den GFCW-Titel als den wichtigsten Titel des Wrestlings bezeichnete, doch genau das war er für ihn. Es war der wichtigste Preis seines Lebens.

Aber daran ist er zu Grunde gegangen.

Diesen Konflikt können wir an Asks Mimik und Gestik ganz wunderbar ablesen. Irgendwann schließlich scheint Ask einen falschen Knopf zu drücken, sodass das Bild anhält. Er versucht erneut zurückzuspielen, doch die Technik holt ihn ein. Er schafft es nicht. Und schließlich wirft Ask die Fernbedienung weg, wie ungestüme Gemüter den Controller bei der Mario Kart-Regenbogenstrecke.

Das Standbild? Ask, am Boden, mit der Hand am Gürtel.

Und dann fährt Ask wieder herunter. Er hält inne, versucht zu fangen und er… grunzt. Er bestimmt, leicht wütend, dann noch einmal und etwas sanfter. Als würde er versuchen den Frieden mit sich zu schließen.

Er dreht sich und öffnet die Tür, um herauszutreten und dabei wird er schon von Mac Müll erwartet. Ohne diesen zu beachten, stürzt Ask allerdings aus dem Raum heraus.


Mac Müll: „Hey, Ask! Da bist du ja! Mir wurde gesagt, dass du hier bist, auf eine Wort?“


Ask läuft weiter, grunzt nur, aber Müll lässt sich nicht abhängen.


Mac Müll: „Warte ganz kurz, ich will nur kurz wissen, wie es dir geht. Vor zwei Wochen hast du eine optimale Titelchance aufs Spiel gesetzt, heute musst du also kämpfen und gewinnen um das zu bekommen, was du schon längst hattest.“


Ob bedachter, investigativer Trick, um Ask zum Anhalten zu bringen oder ungeschickte Art, bei der Mac mal wieder das Feingefühl fehlt, aber Ask hält an. Mit nicht ganz so erfreutem Gesichtsausdruck schaut er zu Müll… der seinerseits etwas kleinlaut wird.


Mac Müll: „Ja, ähm, also… wie sieht es aus? Bereust du deine Entscheidung? Wirst du heute auf Sieg spielen? Was geht in dir vor?“


Ask wirkt noch immer aufbrausend, wieder, fährt er aber schnell herunter. Es ist, wie auch schon vor zwei Wochen, dieser innere Konflikt wärt in ihm, dagegen kann er nichts machen, aber er hat mittlerweile genug derartiger Sinneskrisen durchgemacht, um zu wissen, dass er trotzdem funktionieren kann, weil er funktionieren muss.


Ask Skógur: „Mann, wenn ich das wüsste…“


Eine ehrliche Antwort von Ask, aber noch nicht das letzte Wort.


Ask Skógur: „Ich schätze… ich werde da raus gehen und das tun, was ich am besten kann. Ich werde auf mein Herz hören, denn auf meinen Kopf zu hören… hat mich noch nie weit gebracht…“


Ask nickt Müll noch einmal zu, bevor er schließlich davon geht, auf zu seinem wichtigen Match, das eigentlich nicht hätte sein müssen, wenn man logisch denkt, das aber absolut essentiell ist, wenn man wie Ask denkt.


Singles Match:

Robert Breads vs. DISZ

Referee: Mike Gard

Das letzte Mal, dass dieser Song spielt, bevor es ein Robert Breads Match bei War Evening gibt.


Das vorletzte Match in der Karriere von Robert Breads.

Vier Wochen noch, dann sagt er für immer „Tschüss“.

Der Kanadier, die Haare ergraut, das Gear wieder in rot, weiß und schwarz gehalten, tritt auf die Stage.

Und man kann ihn eigentlich nur mit einem Wort beschreiben.


Unglücklich.

Er sieht todunglücklich aus.


Pete: „Was geht denn bei Breads?“

Sven: „Keine Ahnung. Ich meine, er hat gegen Mad Dog verloren, aber nach dem Match wirkte er eigentlich… naja, wie Breads halt.“

Pete: „War nicht die erste Pleite, die er in letzter Zeit kassiert hat.“

Sven: „Hat ihn das wirklich so mitgenommen?“


Schwer zu sagen. Breads schmollt nicht oder wirkt eingeschnappt, sondern beinahe teilnahmslos, vielleicht frustriert. Er schlendert nicht oder starrt traurig auf den Boden, aber seine Bewegungen wirken mechanisch.

Das ist kein Mann, der mit Leidenschaft wrestlen wird, der fokussiert ist und sich darauf freut, das letzte Mal vor einer War Evening Crowd in den Ring zu steigen.

Das ist ein Mann, der zur Arbeit geht, weil er muss.


Zügig, aber nicht rennend macht er sich auf den Weg zum Seilgeviert. Breads steigt die Treppe hoch, ohne auf den Song einzugehen oder zu posen, er schaut nicht ein einziges Mal in Richtung Crowd. Für gewöhnlich motzt oder provoziert er zumindest, wenn er irgendwelche negativen Emotionen loswerden will.


Heute wirkt er bloß, als wolle er nicht hier sein.


Breads stellt sich in den Ring und die Musik verstummt. Er lehnt sich in der Ringecke an die Turnbuckle Pads, und richtet den Blick gen Entrance.



Ein junger, schmaler Mann ohne jedes Selbstvertrauen tritt auf die Stage.


Pete: „Ähm… ist das… DISZ?“

Sven: „Ich dachte eigentlich, wir kriegen Lunenkind. Nochmal eine Runde um der alten Zeiten willen.“

Pete: „So hatte ich das Video auch verstanden.“

Sven: „Das kann doch nicht DISZ sein. Das ist fast noch ein Kind. Trainiert der überhaupt?“

Pete: „Was soll das?“

Sven: „Ich weiß es auch nicht.“


Im Publikum herrscht vollkommene Ratlosigkeit. Niemand hat diesen Typen jemals zuvor gesehen. Er hat teures, wertiges Gear, aber es scheint mehr Geld in die Bekleidung und das Outfit geflossen sein als in eine Gym-Membership. Der Kerl ist nicht völlig außer Form, aber für einen Wrestler...?

DISZ ist nicht besonders groß, nicht besonders breit und wirkt unglaublich nervös. Seine blauen Augen huschen fast schon panisch über die Menge, ehe er ein viel zu breites Lächeln aufsetzt und vollkommen unnatürlich zu winken beginnt, als würde er probieren nachzuahmen, wie ein richtiger Wrestler sich nun verhalten würde.

Das gelingt ihm überhaupt nicht.

Mit kleinen Trippelschritten eilt DISZ die Rampe herab. Man ist fast schon beeindruckt, dass er nicht über die eigenen Füße stolpert.

Einen Moment lang überlegt er, ob er probieren soll, auf den Apron zu springen, aber dann lässt er es doch lieber und hastet auf die Ringtreppe zu. Sein beinahe kahl geschorener Kopf glänzt schwitzig im Scheinwerferlicht.

Es dauert einen Moment, bis er wirklich herausgefunden hat, wie er jetzt am besten zwischen den Seilen hindurch steigt. Breads schließt die Augen und atmet tief durch, als müsse er sich mental für das sammeln, was er gleich tun wird.


Pete: „Breads gibt keinen blöden Kommentar ab und macht sich nicht über DISZ lustig. Aber er wirkt auch überhaupt nicht überrascht.“

Sven: „Wusste er, wen er hier vorgesetzt kriegt? Falls ja: Was zur Hölle?“


Referee Mike Gard tritt vorsichtig auf DISZ zu, dessen pausbäckiges Gesicht knallrot angelaufen ist. Er hüpft auf der Stelle umher, wie er es vermutlich im TV bei anderen Wrestlern zum Aufwärmen gesehen hat. Dabei wirkt er ungelenk und nicht sonderlich athletisch.


Pete: „Unser Referee Mike scheint richtig besorgt zu sein, was den Jungen angeht. So feinfühlig habe ich ihn das letzte Mal gesehen, als er Heinrich Firion besoffen aus der Kneipe ins Hotel komplimentieren musste.“

Sven: „Du trinkst mit Heinrich Firion und den Referees?“

Pete: „Was ist daran falsch?“

Sven: „Hehe…“


Der Ringrichter klopft DISZ gar aufmunternd auf die Schulter und reckt einen Daumen in die Höhe, was Breads nicht entgeht. Nun regt sich der Hall of Famer doch ein wenig auf und fragt lautstark, was das solle – und ob Mike hier sei, um ihn zu screwen.


Pete: „Er hat einem nervösen Jungen ein bisschen gut zugeredet.“

Sven: „Er ist der Referee, er hat neutral zu bleiben. Und wenn ein Typ auf der Big Stage der GFCW gutes Zureden braucht, hat er hier nichts verloren.“

Pete: „Zugegeben… aber Breads‘ Reaktion wirkt doch ein wenig übertrieben.“


Das mag Pete so sehen, aber Breads stiert Gard wütend an, als hätte dieser ein Verbrechen begangen, und nicht bloß ein fiebriges Beinahe-Kind ein wenig aufgemuntert.

Der Referee beruhigt “Canada’s Own” mit Worten, oder probiert es zumindest – eine Wirkung scheint es nicht zu haben. Breads starrt einfach nur, und das mit einer Intensität, die beängstigend ist.

Gard schaut zurück, doch Robert attackiert ihn nicht oder ähnliches, und gegen den Ringrichter böse angucken“ steht nichts im Regelbuch.

Also lässt Mike Gard die Glocke läuten.


Pete: „Mal gucken, was DISZ draufhat. Erste Eindrücke können täuschen.“

Sven: „Mit Sicherheit. Als Breads wäre ich auf der Hut. Dynamite würde so jemanden niemals booken, wenn nicht etwas Spektakuläres passieren würde.“


Nichts passiert.


...


Nein, wirklich.


Nichts passiert.


Kein Scheiß jetzt.


Es passiert einfach gar nichts.


Pete: „Haben die zwei mitbekommen, dass das Match angefangen hat?“


Schwer zu sagen. DISZ hüpft noch immer auf und ab, aber bewegt sich keinen Zentimeter aus seiner Ringecke heraus auf seinen Gegner zu. Breads starrt Mike Gard an. Der Referee ermutigt beide, zu kämpfen.


...

Und so geht das ungefähr dreißig Sekunden lang.

...

...

...

Dann eine Minute.


Schließlich, als das Publikum unruhig wird, und sich Buhrufe mit Chants für Ask Skógur mischen – irgendwem will man halt zujubeln, und die beiden im Ring tun gerade nichts dafür – verliert DISZ die Nerven.

Er hört auf zu hüpfen und macht…


EINEN SCHRITT NACH VORNE.


Der Kopf von Breads schnellt umher, und nun hat er DISZ im Visier. Das Gesicht des Kanadiers ist zu einer Fratze verzogen, als wäre es eine tödliche Beleidigung, hier und jetzt den Ring mit DISZ zu teilen.

Sofort stolpert DISZ rückwärts, doch dank mangelnder Ring-Awareness klatscht er bloß gegen die Turnbuckle Pads in der Ringecke, erschreckt sich, und macht dann drei gedankenlose und ungeschickte Schritte nach vorn.


Breads tritt ebenfalls vor.

Beide stehen sich gegenüber.


DISZ schluckt schwer, während „Canada’s Own“ sich nicht regt und wartet. Auf was genau? Schwer zu sagen. DISZ sieht zu seinem Feind auf und hebt zitternde Fäuste. Anschließend können wir von seinen Lippen ein einzelnes Wort ablesen, welches er mit flehendem Gesichtsausdruck und scheinbar tränenden Augen ausspricht:


B-Bitte?“


Breads zieht DISZ die Beine mühelos weg, und mit einem Quieken fällt der junge Mann rücklings auf die Matte. Er scheint wirklich kaum oder gar nicht richtig trainiert worden zu sein, federt er doch den Sturz kein bisschen ab, dreht den Körper im Fallen nicht und knallt schlicht mit dem Hinterkopf voran auf die Matte.

Breads beugt sich nach vorne und drückt mit beiden Händen fest die Schultern von DISZ auf die Matte.


Mike Gard zählt den Pinfall.

Eins…



DISZ schreit und strampelt.



Zwei…



Mit dem linken, zuckenden Bein erwischt DISZ Breads mehr oder weniger aus Versehen am Kopf, sodass der Kanadier instinktiv zur Verteidigung eine Hand hebt und damit das Cover unterbricht. DISZ japst erleichtert und schießt in eine sitzende Position.


ELBOW STRIKE


Die andere Hand von Breads war immer noch auf der Schulter von DISZ, auch, als er sich aufgesetzt hat. Die Instinkte von DISZ sind offenbar so schlecht, dass er sich nichtmal von der Hand weggedreht oder sie weggeschubst hat. Breads hat einfach den Arm zurückgezogen und ihm den Ellbogen ins Gesicht geschlagen.

DISZ heult elendig auf, als er nach hinten kippt, und wieder drückt Breads beide Schultern mit den flachen Händen auf die Matte.

Eins…





Zwei…





Dree…eeeeeeein!

Kick-Out bei 2,99!


Pete: „Soll das ein Scherz sein?“

Sven: „Falls ja, verstehe ich den Witz nicht.“

Pete: „…irgendwas läuft hier doch ganz gewaltig schief.“

Sven: „Wer ist dieser DISZ und was macht er hier?“


Für einen kurzen Moment kann man auf dem Gesicht von DISZ einen Anflug von Euphorie und Stolz erkennen, als hätte er selbst nicht damit gerechnet, nach einem (1) Elbow Strike noch aus einem Cover entkommen zu können, bei dem der Gegner weder sein Körpergewicht richtig benutzt noch das Bein einhakt.

Das ist die Sorte Wrestler“, mit der wir es hier zu tun haben.

Allerdings verschwindet dieser Gesichtsausdruck wieder, als ihm klar wird, was das bedeutet: Breads wird ihn jetzt bestimmt mit etwas noch Härterem angreifen, um ihn zu besiegen.

Das diktiert zumindest Wrestling-Logik, und immerhin mit der scheint DISZ sich auszukennen.

Als DISZ sich aufgesetzt hat, blickt er nach oben, seine Nase etwa auf Kniehöhe von Breads. Man hört ihn schrill schreien.

Erneut das Wort Bitte“.

Er schwört, dass Breads es nicht bereuen wird.


PENALTY KICK!


Aus dem Stand pfeffert der größte Shitkicker der GFCW-Geschichte DISZ den Vollspann mitten ins Gesicht. Was auch immer die Worte von DISZ bewirken sollten, geholfen haben sie nicht. Reglos kippt der Junge hinten über, und Referee Mike Gard entweicht ein fast schon panisches Keuchen.

Mit finsterem Blick stellt Breads den Fuß, mit dem er gerade das Leben aus DISZ heraus gekickt hat, auf die weiche Brust seines Gegners und bedeutet Mike Gard mit einem Zeigefinger zu zählen.


Eins...

Zwei…

Drei!

Sieger des Matches durch Pinfall: Robert Breads


Pete: „Hat Mike Gard da etwas… schnell gezählt?“

Sven: „Kam mir auch so vor. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, sicher bin ich mir nicht.“

Pete: „So oder so, Robert Breads hat dieses Match“ gewonnen.“

Sven: „Wenn man es denn so nennen möchte.“


Niemand scheint damit so richtig glücklich zu sein. Einige wenige Fans buhen, aber die meisten scheinen einfach irritiert. Die Musik von Breads beginnt zu spielen, während Mike Gard über DISZ kniet, der geräuschvoll in Tränen ausgebrochen ist.

Der Kanadier selbst scheint sich im Zwiespalt zu befinden. Die Fratze ist einer ähnlichen Gleichgültigkeit wie vor dem Match gewichen, doch die mahlenden Kiefer deuten auf eine weitere, schwer zuzuordnende Emotion hin.

Während der Ringrichter vorsichtig dem untröstlichen DISZ aus dem Ring hilft – so ganz kriegt er das mit dem „unter dem Bottom Rope herausrollen“ ohne Anleitung nicht hin – verlangt Breads nach einem Mikrofon, welches ihm auch gereicht wird.


Robert Breads: „Und das alles wofür?“

Pete: „Was erzählt Breads da?“

Sven: „Keine Ahnung.“


Unwissen mischt sich im weiten Rund mit Frustration, während der Kanadier weiterspricht. Dank seiner Stimmlage ist nun eindeutig erkennbar, mit welchem Gefühl er zu ringen hatte.

Bitterkeit.


Robert Breads: „Was hat das bewiesen? War es das wert?“


Da Robert nach diesem Match, das wahrscheinlich weniger anstrengend war als die Dehnübungen davor, kein bisschen außer Atem ist, kann er seine komplette Energie in das legen, was er hier ausspricht.

Er spuckt die Worte eher, als dass er sie sagt.


Robert Breads: „War es das wert? Ehrlich gesagt… frage ich mich das auch immer öfter, je näher wir dem Ende kommen.“


Der Adamsapfel von Breads hüpft auf und ab, als er einmal schluckt. Dann spricht er weiter, die Stimme nun etwas ruhiger, belegter.


Robert Breads: „Ich habe gedacht, ich schaffe es. Ich halte diese paar Wochen schon noch durch, ich bleibe positiv, ich gebe allen eine positive Message mit, ich verabschiede mich und verbreite Hoffnung und Optimismus. Aber ich pack’s nicht. Das bin nicht ich. Ich bekomme nicht einfach ein Happy End. Und vielleicht verdiene ich auch keins.

Aber ich bin es einfach so, so, so leid.“


Kopfschüttelnd senkt Breads den Kopf, die emotionale Schwere seiner Worte eindeutig ersichtlich, aber der Inhalt noch immer unverständlich.


Robert Breads: „Was wird meine Legacy sein? Habe ich überhaupt eine Legacy? Wen interessiert das? Das sind die Fragen, die ich mir stelle. Aber vor allem, diese eine Frage. Nach über sechzehn Jahren, nach dutzenden und aber dutzenden Matches, nach hunderttausenden von gesprochenen Worten, komme ich nicht umhin mich zu fragen, mich wirklich, ernsthaft zu fragen…

War es das alles wert?“


Er hebt das Kinn wieder an, und starrt in die Luft, zu niemand bestimmtem.


Robert Breads: „Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich hoffe, in zwei Wochen habe ich eine Antwort für euch.“


Spricht es aus, wirft das Mikrofon zu Boden und macht einen Abgang. Für einen Moment herrscht Verwirrung in der Produktion, dann beginnt man wieder, „Bow Down“ von I Prevail einzuspielen, worauf Breads exakt überhaupt gar nicht reagiert.

Er geht einfach.


Pete: „Ich habe noch immer keinen blassen Schimmer, was hier passiert ist, aber es kommt mir fast so vor, als würde Breads sich schuldig fühlen.“

Sven: „Wirklich? Auf mich wirkte er eher zornig auf… nun, zumindest nicht auf sich selbst.“

Pete: „Nur was hier heute-“

Sven: „Moment, wir bekommen was auf’s Ohr… okay… aha… wieso denn… verstehe ich nicht, aber gut. Ja, geben wir weiter.“

Pete: „Wir haben soeben erfahren, dass wir heute noch mehr von Robert Breads sehen werden.“

Sven: „Genau genommen sehen wir noch mehr von Robert Breads, aber die Aufnahmen sind von gestern. So habe ich das verstanden.“

Pete: „…ja, Bestätigung von der Produktion. Du hast Recht, Sven. Nach dem Match? Wieso denn… ja, aber… okay.“

Sven: „Bleiben Sie dran, liebe GFCW-Fans. Uns hat jemand geflüstert, dass sie das nicht verpassen dürfen.“




Tammy: „Meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir nun dem amtierenden GFCW World Champion… The End!“


Ins Bild tritt nun der oberste Titelträger der GFCW. Wie wir es kennen mit zusammengebundenen Haaren, in Shirt und Lederjacke, vor allem aber natürlich mit dem GFCW-Titelgold auf der Schulter. Und seine Stimmung ist… naja? Jetzt nicht überwiegend positiv, aber auch nicht negativ. End ist ernst – nicht ernster als sonst, aber auch nicht besser drauf als üblich. End ist halt einfach End. Mit einem kurzen, bestimmten Nicken in Richtung Tammy „begrüßt“ er die Interviewerin dabei auch ganz subtil, als wolle er zwar nicht überschwänglich in Nettigkeiten verfallen, aber auch nicht als arroganter Champ von oben herab herüberkommen.

Wie gesagt: End ist End.


Tammy: „Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast, Champ. Heute steht ein wichtiges Match an – Ask Skógur, den du zu deinem neuen Hauptherausforderer gekürt hast, setzt genau diesen Spot aufs Spiel und das gegen die Person, die er bei Title Night bereits besiegt hat. Was sind deine Gedanken dazu?“


Tammy fällt direkt mit der Tür ins Haus, aber so soll es ja auch sein. Sie weiß, dass sie bei End nicht zwingend auf Small Talk setzen muss und genau das ist ja das, was die Leute interessiert. End reagiert recht verhalten und fast schon etwas… enttäuscht? Als hätte er sich tatsächlich auf ein Match mit Ask „gefreut“, was jetzt aber doch etwas in der Schwebe steht.


The End: „Nun, fürs erste denke ich, dass ich noch nie einen Mann gesehen habe, der so bestrebt darum ist KEIN Titelmatch zu bekommen, aber sei es drum, wenn Ask diese Chance, die ich ihm sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert habe, so leichtfertig aufs Spiel setzt, dann ist das sein gutes Recht. Ob er eine solche Chance allerdings noch einmal bekommt, sollte er heute tatsächlich verlieren, steht auf einem anderen Blatt.“

Tammy: „Das klingt so, als würdest du seine Chancen auf eine Niederlage eher gering einschätzen. Glaubst du nicht, dass Monica Shade das Zeug zum Sieg hat?“

The End: „Doch, natürlich. Offensichtlich hat sie es ja anderswo schon geschafft. Und bei Ask weiß man nie, was in seinem Kopf abgeht, und wenn er gerade wieder zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, gibt das Shade eine sehr gute Chance auf den Sieg. Und sie scheint eine derjenigen zu sein, die diesen Titel hier tatsächlich wollen oder zumindest bereit dafür sind, darum zu kämpfen. Also, wie schon gesagt… soll sie kommen…

wenn sie Ask besiegt hat.“


Tammy scheint mit dieser Einschätzung Ends zur aktuellen Herausforderer-Situation sehr zufrieden, also lenkt sie das Gespräch um…


Tammy: „Und bei dir… wie ergeht es dir jetzt, ohne James und Salvatore Corleone?“


Eine Frage, die sehr viel zusammenfasst, was in Ends letzten Jahren hier passiert ist. Und dennoch oder gerade deshalb ist sie so schwer zu beantworten. End hält kurz inne, bevor er antwortet; er denkt und man sieht so richtig, wie es bei ihm arbeitet.


The End: „Die Geschichte zwischen James und Salvatore Corleone ist so alt, wie die Zeit selbst. Gut gegen Böse. Ich selbst bin ein Produkt dieses ewigen Kampfes. Genauso wie Aldo. Das bestimmt mich, seitdem ich denken kann. Und alles, was ich bisher getan habe, stand im Zeichen dieses Kampfes.

Jetzt… fühlt es sich zum ersten Mal so an, als sei ich frei davon. Losgelöst davon mich für eine Seite zu entscheiden. Erlöst von dem Druck, der auf mir lastet. Ich bin nun niemandem Rechenschaft schuldig, außer mir selbst. Und das… fühlt sich gut an.

Und diese Energie… kann und werde ich aufbringen, um diesen Titel zu verteidigen, als Champ der GFCW.“


Eine Antwort, so präzise und bedacht, man könnte meinen, dass End sie genauso einstudiert hat. Warum? Tja, das weiß wohl nur The End. Vielleicht meint er es aber tatsächlich auch ernst, ein Gefühl, dass Ends Schultern von einer massiven Last befreit wurden, hat man auf alle Fälle. Trotzdem wirkt die Art und Weise, wie er das sagt… berechnend. Und auch das, wie schon im Gespräch mit Ask vor zwei Wochen, scheint eine der Folgen seiner Beziehung mit James Corleone zu sein.

Wie dieser es selbst gesagt hat – er ist in The Ends Kopf und wird dort wohl auch nie wieder verschwinden.

Während End nun fokussiert und erhaben, dennoch mit einem Blick, als würde er etwas im Schilde führend, hinter die Kamera guckt, setzt Tammy schon zur nächsten Frage an…


Tammy: „Apropos Aldo…“


allerdings scheint End schon etwas anderes anvisiert zu haben, sodass er Tammy tatsächlich etwas ungehobelt stehen lässt. Auch, wenn es den Anschein hat, wirkt es nicht mal so unsympathisch, wie man es vielleicht vermuten könnte, sondern vielmehr, als würde End etwas wollen, dieses sehen und es sich so nehmen – wie der Champ, der er nun mal ist.

Und dieses „Andere“, dieses „Etwas“, ist tatsächlich Jemand. Jemand, der scheinbar gerade durch den Backstagebereich gelaufen und dabei ins Blickfeld des Champions geraten ist.

End läuft auf ihn zu.


The End: „Hey. Warte mal.”


Die Person scheint stehen zu bleiben, denn Ends Schritt – erst noch recht flott und bestimmt – flacht etwas ab, als müsse er seinem Ziel nicht mehr hinterherjagen, sondern, als wüsste er, dass er es sicher erreicht.


The End: „Ich glaube, man hat uns einander noch nicht vorgestellt, aber offensichtlich weißt du, wer ich bin.“


Auch hier wieder – man könnte meinen, dass diese Behauptung rein aus Arroganz gesprochen ist und sicher kann man eine gewisse Grundarroganz dabei auch nicht verkennen und doch ist es vielmehr die Selbstverständlichkeit des eigenen Stellenwerts in der Liga, vor allem als Champion, die End hier ausstrahlt.

Auf seiner Gegenseite jedenfalls… steht Mad Dog.

Der verrückte Hund dreht sich langsam herum. So als wisse er eben nicht bescheid oder habe End nicht soeben beim Interview im Augenwinkel gesehen. Der Night Fighter trägt kein besonderes Outfit, lediglich eine blaue Jeans und darüber den in der letzten Show vorgestellten Merch – in seinem Fall einen Hoodie - mit den Daten von Breads Abschiedstour. Oben prangert neben „Bochum“ wie eine Erinnerungshilfe das Datum seines Sieges gegen den Kanadier.

Ein undurchschaubares Lächeln ziert sein faltiges Gesicht, als er The End endlich in die Augen schaut. Denn wenn Hunde Zähne zeigen, mag das nicht immer etwas Positives bedeuten.


Mad Dog: „Offensichtlich weiß ich das, yeah. The End, Champion der Liga – endlich von all den Scharlatanen und Stiefelleckern verlassen, bereit in Freiheit an der Spitze der GFCW ein selbstgebautes Denkmal zu bauen… Huh?! Aber was ist das? Leider, ja leider gibt es keine Herausforderer, auf deren Trümmern dein Gedenkstein sicher stehen könnte.“


MD seufzt theatralisch. Dann nickt er dem Champion fast mitleidig zu. Neckisch zieht er, als er sich dessen Aufmerksamkeit sicher ist, eine Augenbraue hoch.


Mad Dog: „Du siehst, ich weiß Bescheid. Die Frage ist also, ob du weißt, wer vor dir steht, huh?!“

The End: „Der Mann, der Robert Breads besiegt hat.“


Ein Nicken beim Night Fighter. Dann ein Lachen, ob der Minimalkenntnisse.

Ehe es The End unangenehm werden könnte, spricht er jedoch wieder.


Mad Dog: „Es fühlte sich verdammt gut an, wieder im Ring zu stehen. Dieses Gefühl – ich wusste gar nicht mehr genau, wie es ist. Der Jubel… die eigene Atemnot, die Taktik im Hinterkopf, die Schmerzen und dennoch der Wille, gewinnen zu wollen, gegen die Müdigkeit, gegen das Versagen, gegen die Kraftlosigkeit anzukämpfen. Dann den Gegner empor zu hieven… Eins… Zwei… Drei. Ha, Ha. Mega. Alles fällt ab. Alles nichtig. Euphorie rast durch die Blutbahnen, alles schwimmt… wie in Zeitlupe. Die Schreie der Fans, die Musik, das eigene Schwanken, der Ringrichter, der nach meinem Arm greift… Ich…“


will es wieder!!!

Er schüttelt die Erinnerung an die letzte Show ab. Kurz bleibt sein Blick dabei am Gold, welches über The Ends Schulter lagert, haften. Dann blickt er zurück in die Augen des Champs.


Mad Dog: „…muss mich entscheiden. Unterschreibe ich heute den Vertrag mit der GFCW oder bleibt es bei diesem einen Match gegen Robert Breads. Deshalb bin ich heute vor Ort – wegen dieser Frage. Wage ich noch einmal einzutauchen in die Welt des Wrestlingbiz‘, in die Welt voll von Entführungen, Autobränden und Armbrüchen… voll von dunklen Mächten, die einen selbst in den Abgrund ziehen. Ich…“


will es nie wieder erleben!!!

Wieder schüttelt er sich. Und wieder bleibt sein Blick am Gold kleben – dieses Mal gar ein wenig länger. Zu lang, wenn man den geübten Zuschauer fragt.


Mad Dog: „…muss mich entscheiden, End… und tendiere eher dazu, mich diesem Elend nicht mehr zu stellen. Haben die Jungs und Mädels nicht Recht, wenn sie nach jungem Blut rufen, huh?! Klar, der Fight gegen Robert hat Appetit gemacht. Und generell sind es solche fairen Duelle, die mich reizen würden. Zum Beispiel mit dir. Würde nochmal den Champion herausfordern, huh?! Könnte nochmal den großen Titel halten, eh?“


Die unbekannte Konstante schüttelt den Kopf. Seine Entscheidung scheint gefallen.

Es ist die vernünftigere… Doch End hat es bereits angekündigt – kommen die Herausforderer nicht zu ihm, kommt er zu den Herausforderern. Ask hat er bereits konfrontiert, der wollte aber eher so semi, dafür hat sich nun Monica Shade hervorgetan, aber es scheint, als würde End das noch nicht reichen. Er ist der Champ, damit das Zentrum der Liga und deshalb sollten ALLE Augen auf ihn gerichtet sein.


The End: „Könnte? Hm, nein.“


End rückt den Titel zurecht und schweift mit seinen Augen darüber, ehe er sich wieder Mad Dog widmet.


The End: „Das hier… ist keine Eventualität. Das ist DER Preis dieser Liga. Robert Breads zu besiegen, ist beeindruckend, Gratulation dafür und ich bin mir sicher du warst in der PCWA auch eine ganz große Nummer, cool. Aaaber, wir befinden uns in der GFCW, 2026 und das Hier und Jetzt, das bin ich.

Und ein Sieg über mich, wäre ein Erfolg, der seinesgleichen sucht – unabhängig davon, dass du gleichermaßen DEN Preis der GFCW gewinnen würdest. Und was könnte ein größerer Anreiz sein, sich hier zu verpflichten, als das.

Atemnot, Schmerzen, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, die Gefahr zu versagen… all das, ist es wert, WENN du mich besiegst.

Willensstärke, Euphorie, Jubel, Erfolg… all das, verdienst du dir, WENN du mich besiegst.“


Es scheint End sehr wichtig zu sein Herausforderer zu rekrutieren, zumindest klingt dieser Werbeblock für einen Sieg über ihn so, andererseits… will End die Herausforderer ja nur locken, um sie dann zu besiegen und seinen eigenen Erfolg noch weiter auszubauen.

und dafür scheint End ähnlich vorgehen zu wollen wie vor zwei Wochen bei Ask, er versucht seine Herausforderer… oder fast schon seine „Opfer“ zu locken.


The End: „Dieser Titel, macht mich zum besten Wrestler dieser Liga und jeder sollte danach streben, besser als der Beste zu sein. Aber dafür… muss man mich besiegen.

Mad Dog… du willst es, wie jeder. Die Frage ist, traust du dich auch, es zu versuchen, wie sonst keiner?“


So richtig offensichtlich scheint Ends Taktik und Strategie noch nicht – ja, er will Gegner, aber warum? Er könnte sich auch ausruhen, bis die Herausforderer kommen, aber was würde ihm das bringen?


Mad Dog: „Eigentlich ist es die Regel in diesem Biz‘, dass jeder den Titel will. Ja. Du machst das gut als Champion, Junge. Rufst die ganze Liga auf, mit dir in den Ring zu steigen. Willst jedem beweisen, dass du das Gold um deine Hüften verdient hast… Rennst mir sogar hinterher.“


Der Night Fighter klopft dem World Champion anerkennend auf die Schulter.


Mad Dog: „Und ja, ich wollte stets das Gold. Aber du bist ein paar Jahre zu spät. Ich will nicht sagen, dass mich ein Match gegen dich nicht reizen würde – ich würde sogar behaupten, dich bis Drei auf den Brettern halten zu können. Aber ich liebe dieses Geschäft und achte die Tradition zu sehr, als dass ich das machen würde, ohne einen Festvertrag zu haben… und dieser ist… wie gesagt… mit Dingen verbunden, die ich nicht mehr will… die ich meiner Familie nicht mehr antun kann.“


Kurz denkt er an seine Frau Yai und ihren gemeinsamen Sohn Jeffrey. Dann aber kommt zum dritten Mal das Gold in seinen Fokus.

Der Night Fighter fletscht herausfordernd die Zähne.


Mad Dog: „Im Übrigen glaube ich nicht, dass du es wirklich wollen solltest. Denn du weißt nicht, mit wem du es zu tun bekämest… und was ich dann mit dir anstellen würde.“


Für einen winzigen Augenblick verfinstern sich die Augen der Töle, seine Schulterblätter zieht er mit einem eklig lauten Knacken zusammen und er breitet die Arme zur Seite aus als seien es seine Flügel… Jene des geflügelten Hundes. Des Fabelwesens, das man in Osteuropa als Simargl kennt.


End lauscht den Ausführungen seines Gegenübers. Er versteht, dass Mad Dog durchaus ein hochkarätiger Gegner ist… aber genau das will er ja auch. Er sucht die Herausforderung und das scheinbar nicht nur an einer Stelle. Und jemand, der die Vorschusslorbeeren aus einer anderen Liga und zudem einen Wrestler vom Kaliber eines Robert Breads besiegt hat, tja das ist eine Herausforderung.

Beide dieser Punkte dürften Ends Interesse an Monica Shade zudem auch interessieren, sollte sie heute Ask Skógur besiegen.

Jedenfalls sieht es wohl so aus, als sei sein Interesse bei Mad Dog fehl am Platz… und doch… scheint End das nicht so zu sehen.

Ganz im Gegenteil. Es scheint, als würde End erkennen, dass er Mad Dog bereits am Haken hat, auch, wenn Mad Dog das vielleicht gar nicht selbst einsieht. In diesem Sinne scheint End den aktuellen Punkt erstmal zu zumachen, denn es scheint, als habe er bereits, was er wollte.


The End: „Nicht nur du hast Robert Breads besiegt, das habe ich auch. Genauso wie Drake Nova Vaughn, Zereo Killer, Alex Ricks… alles sogenannte Legenden und Größen dieses Sports. Tatsächlich… verstehe ich mich als eine Art ‚Jäger‘ von Legenden. Ich hätte deine Trophäe nur zu gern in meinem Schrank. Also denk gut darüber nach und dann hoffe ich… dass wir uns wieder sehen.“


Mit diesen Worten verabschiedet sich The End fürs Erste. Er scheint Mad Dog durchaus herausfordern zu wollen, gleichermaßen ernst nimmt er ihn dennoch auch, doch wie wo und wann oder ob überhaupt… Tja, das wird wohl die Zukunft zeigen, je nachdem wie sich Mad Dog heute entscheidet.



05.02.2026, 15:37 UHR
IRGENDWO IN DEUTSCHLAND


Al Simmons: “Da ist er ja!”


Die Sonne steht hoch am leicht wolkigen Himmel als die dicken schwarzen Reifen kratzend den Rest des Weges über den gefrorenen Boden rollen, ehe die schwarze Limousine hält. Al “Spawn” Simmons, seines Zeichens Bruder des GFCW-Präsidenten Claude Booker und zweithöchste Person im Organigramm der GFCW, ist in einen dicken, dunkelbrauen Mantel gehüllt. Er reibt die behandschuhten Hände aneinander, während er zischend Luft ausstößt. Vor seinem Mund bildet sich in der bibbernden Kälte eine weißliche Nebelwolke.

Vielleicht zittert der Kameramann ja deswegen, denn das Bild ist ein wenig rucklig. An alle, die schnell seekrank werden: Eventuell ist dieses Segment nichts für euch.

Die hintere Tür des Wagens öffnet sich, und mit einem Ächzen wuchtet sich der Mann heraus, der bis gerade eben die Rückbank gedrückt hat.

Der ergraute Haarschopf von Robert Breads kommt direkt nach seinen Beinen ins Bild, die er behutsam auf den Boden stellt, ehe er sich auf die Füße windet. Er ist dem Wetter entsprechend angemessen gekleidet, eine Pufferjacke hält ihn warm, und er zieht sich beim Aussteigen eine Mütze mit GFCW-Logo über die Ohren.

Als Robert die Wagentür hinter sich schließt, hat er die Situation schon im Blick. Breads’ Augen wandern von der wackelnden Kamera über Spawn bis hin zu etwas, das er hinter dem Vize-Präsidenten der GFCW auszumachen scheint. Dank des Fokus der Kamera auf Breads und Simmons können jedoch (noch) nicht sehen, was das ist.

Der Blick des Kanadiers verdüstert sich.


Al Simmons: “Robert, mein alter Freund! Willkommen zu deinem ganz besonderen Tag!”


Mit übertriebener Herzlichkeit und einem Lächeln, das die strahlend weißen Veneers von Spawn gut zur Geltung bringt, tritt Simmons auf Breads zu und hebt die Arme, um ihn zu umarmen. Der Kies und die trockenen Äste knirschen sowohl unter den Chelsea Boots von Spawn als auch unter den Sneakern von Breads – denn als Al einen Schritt nach vorne geht, macht Robert einen Schritt zurück, die Hände hinter dem Rücken, um gegebenenfalls das Auto ertasten zu können.


Al Simmons: “Oh, keine Umarmung für Onkel Al?”


Breads zuckt bei den Worten Onkel Al” ein wenig zusammen, wenn auch eher aus Fremdscham als aus Angst. Spawn bleibt stehen, zieht eine lächerlich wirkende Schnute und steckt die Hände in die Manteltaschen. Er mustert “Canada’s Own” einmal von oben bis unten, und scheint zu finden, was auch immer er gesucht hat, denn er wirkt wahrlich entzückt.


Robert Breads: “Ist das hier nicht Dynamite’s Idee?”


Wir erinnern uns: Robert Breads hat sein Wunsch-Match für das Retirement bei der 25th Anniversary Show bekommen, und im Gegenzug dafür Claude Booker zugestanden, die Road To Retirement so zu bestreiten, wie der GFCW-Präsident das möchte.


Al Simmons: “Er ist einverstanden, keine Sorge. Ich würde doch niemals meinen geliebten Bruder übergehen.”


Das Zwinkern, das Spawn vom Stapel lässt, könnte unehrlicher nicht wirken.


Al Simmons: “Siehst du, du wusstest ja, dass wir heute deinen ganz besonderen Tag abhalten, und das natürlich alles gefilmt wird, bevor du morgen dein Match gegen den mysteriösen DISZ-”

Robert Breads: “Es ist Lunenkind. Da gibt es kein Mysterium.”


Die Kamera zuckt einmal kurz nach oben und man hört das laute Einatmen der Person hinter der Technik, als wolle sie etwas sagen. Ein schneller, deutlicher Blick von Spawn in Richtung Linse sorgt aber für Stille, und sofort verfällt er wieder in die Rolle des gönnerhaften Onkel Al” und grinst Breads raubtierartig an.


Al Simmons: “Aber die Spannung, Robert! Du weißt es doch gar nicht sicher!”

Robert Breads: “Es ist immer Lunenkind. Hat er sich halt wieder ein neues beknacktes Kostüm ausgedacht, whatever. Ich gehe gleich da rein-”


Mit dem Zeigefinger deutet Breads auf das, was auch immer hinter Spawn ist – der Bildausschnitt wechselt weiterhin nicht (die Spannung!), sondern bleibt lediglich instabil – und zieht die Nase hoch.


Robert Breads: “-und es wird irgendein Lunenkind-Bullshit passieren, wir alle lachen über ihn, über mich, über die GFCW, es gibt eine blöde Stipulation, und das war’s. Wahrscheinlich muss ich mich als Schwein verkleiden oder so, oder als Zunge, oder als Schweinezunge, und dann... ach, was weiß ich. Irgendwie sowas. Ist doch so, oder?”


Breads probiert diese Fragen mit herablassender Selbstverständlichkeit zu stellen, kommt aber nicht umhin, einen winzigen Anteil Nervosität in die Tonlage zu stecken. Offenbar hat er mit Spawn überhaupt nicht gerechnet.


Al Simmons: “Du beleidigst mich und meine Kreativität zutiefst.”

Robert Breads: “Ist Lunenkind nun da drin oder nicht?”

Al Simmons: “Wer weiß?”

Robert Breads: “Ich. Ist er.”

Al Simmons: “Dann stell keine Fragen, auf die du die Antwort schon längst zu kennen glaubst. Das verschwendet wichtige Sendezeit.”


Eine gewisse Schärfe tritt in die Stimme des Vize-Präsidenten. Als er die Augen ein Stück weit aufreißt, wirkt das Funkeln darin beinahe wahnhaft.


Al Simmons: “Siehst du, selbstverständlich wissen mein Bruder und ich, dass du der GFCW einiges an Geld eingebracht hast. Aber wir haben auch nicht vergessen. 2011 ist lange her, aber man vergisst das einzige Mal nicht, bei dem man aus der eigenen Promotion gekegelt wird, hm?”


Breads beißt sich auf die Unterlippe. Es ist wahr: 2011 hatte er einen langen, harten Konflikt mit Dynamite, an dessen Ende der Kanadier Claude Booker – wenn auch nur für etwa drei Monate – die Präsidentschaft abspenstig machen konnte. Die Beziehung zwischen Booker und Breads ist seitdem (nicht zuletzt dank der Tatsache, dass Robert für Jahre in der PCWA und damit “out of sight, out of mind” war) so weit geheilt, dass wir nur noch von “professioneller Abneigung”, um die sich herumarbeiten lässt, reden. Freunde waren sie nie und werden es wohl auch nicht mehr.


Al Simmons: “Deshalb war Claude einverstanden, mich diesmal machen zu lassen. Keine Sorge, wir brauchen natürlich dein Retirement Match bei der Anniversary Show, dir wird kein körperliches Leid geschehen... nun, zumindest nicht heute. Aber einige meiner Ideen für deinen großen Tag sind eventuell etwas unkonventionell.”

Robert Breads: “Ich mag keine Überraschungen.”

Al Simmons: “Und ich mochte es nicht, von einem gottverdammten Fasan ersetzt zu werden. Da du dich aber bald endlich für immer verpisst, ist das hier meine letzte Chance, dir ein ganz besonderes Geschenk zu machen.”

Robert Breads: “Kann’s kaum erwarten.”

Al Simmons: “Musst du auch nicht! Es geht gleich los!”


In einer Art Jubelpose reißt Spawn die Hände aus den Manteltaschen und streckt beide behandschuhten Fäuste in die Luft. Breads regt sich nicht, sondern starrt ihn bloß an. Dann allerdings beginnt der Kanadier, das Körpergewicht auf den Ballen seiner Füße rhythmisch nach vorne und hinten zu verlagern. Ein eindeutiges Zeichen von innerer Unruhe.


Robert Breads: “Na, dann los.”

Al Simmons: “Aber natürlich. Bitte folge mir.”


Die Melodie des Intros von “The Bleeding” von Five Finger Death Punch pfeifend wirbelt Simmons ansatzlos auf dem Absatz herum und stapft los, ohne Breads noch eines Blickes zu würdigen. Missmutig, nach kurzem Zögern, aber offenbar bereit, sich in sein Schicksal zu ergeben, folgt Breads auf dem Fuße.

Nach einem kurzen Struggle folgt auch die Kamera, wobei jeder Schritt für eine Erschütterung des Bildes sorgt. Nun können wir auch endlich sehen, worauf Breads zuvor gedeutet hat und worauf nun zugesteuert wird.

Es ist eine Kirche.

Eine kleine, nicht besonders beeindruckende Kirche, aber dennoch eine Kirche. Spawn hat noch nie einen besonders religiösen Eindruck gemacht, und Breads schon gar nicht, was die Frage aufwirft, was das hier soll.

Spawn steigt die drei Stufen zum Eingang nach oben. Zwei leicht modrig wirkende Holztüren trennen die Männer vom Inneren des Gebäudes. Simmons tappt ungeduldig mit dem rechten Fuß auf dem Boden, während Breads langsam und vorsichtig die Stufen erklimmt und die Augen über das Gebäude wandern lässt, als suche er eine Falle, oder aber einen Hinweis darauf, was ihn erwarten könnte.

Wortlos klopft Spawn in einem bestimmten Rhythmus viermal an die rechte Tür und räuspert sich, während Breads’ Zähne in der Kälte klappern. Es dauert einen kurzen Augenblick, aber dann wird die Tür geöffnet.

Eine junge Frau steht im Türrahmen, gekleidet in einen pechschwarzen zweireihigen Mantel mit ebenso dunklen Winterstiefeln. Das schwarze Haar fällt ihr als Pferdeschwanz über eine Schulter und ein Großteil des blassen Gesichts wird von einer gewaltigen Sonnenbrille verdeckt. Ob sie die angezogen hat, als sie zur Tür ging, oder im Inneren der Kirche damit herumgelaufen ist?


Al Simmons: “Ah, Melissa!”


Spawn deutet freudig mit einem Daumen auf die Frau, welche ein schmallippiges, einstudiert wirkendes Lächeln aufgesetzt hat.


Al Simmons: “Robert, das ist meine liebreizende Assistentin Melissa. Sie wird dir heute als Tour-Guide durch dein wundervolles Abenteuer helfen. Wir wollen ja nicht, dass du irgendetwas aus Versehen verpasst.”


Breads wirft Spawn einen “Fick dich”-Blick zu. Dann dreht er sich zu Melissa und streckt die Hand aus.


Robert Breads: “Freut mich.”


Sie senkt leicht den Kopf, die ausgestreckte Hand betrachtend. Hinter der gewaltigen Sonnenbrille kann man ihr Gesicht kaum ausmachen, aber ihr Lächeln scheint sich zu versteifen. Sie hebt den Kopf wieder und macht keine Anstalten, darauf einzugehen. Breads schnaubt und zieht die Hand zurück.


Robert Breads: “Habe ich dir irgendwas getan?”

Al Simmons: “Oh, nicht doch. Ihr begegnet euch zum ersten Mal.”


Vergnügt hilft Spawn dem Kanadier im Plauderton auf die Sprünge.


Al Simmons: “Du hast allerdings vielleicht ihrem Cousin etwas getan.”


Bevor Breads die offensichtliche Frage stellen kann, hat die junge Dame die Sonnenbrille mit der freien Hand, die nicht die Tür hält, von der Nase genommen. Fein säuberlich faltet sie beide Bügel zusammen, ehe sie die Sichthilfe vorsichtig in der Manteltasche versenkt. Sie nimmt Breads nun ins Visier. Ihre Ausstrahlung scheint selbst bei diesem Winterwetter die Temperatur noch weiter zu senken. Die beinahe schneeweiße Haut kontrastiert stark mit ihren Augen.

Dunkle, fast schwarze Augen, die wie eine bodenlose Schlucht erscheinen, wenn man zu lange hineinsieht. Ein Blick, der sich direkt in das Hirn des Gegenübers zu bohren scheint, und jedes Geheimnis aus den letzten Ecken des Bewusstseins kratzt, um es gegen einen zu verwenden.

Augenblicklich versteift Breads sich. Er ist oft genug von genau diesen Augen ins Visier genommen worden – zuletzt bei Title Night Ende letzten Jahres.


Robert Breads: “Oh.”


Sein Blick bohrt sich in eine Stelle auf der Stirn von Melissa.


Robert Breads: “Und... wie geht es Aiden so?”


Melissa presst die Lippen noch ein wenig fester zusammen, ehe sie antwortet.


Assistentin Melissa: “Können wir mit der Tour beginnen?”


Die Stimme ist so unterkühlt wie spöttisch. Kein Anflug von der ton- und emotionslosen Vortragsweise ihres Cousins, sie trägt ihre Abneigung unverhohlen in die Welt.


Al Simmons: “Natürlich, natürlich. Nun, Robert, Melissa und unser wundervoller Kameramann Conny...”

Kameramann Conny: “H-Hey.”


Ob dieser geschlechtsspezifischen Anmoderation und der recht jung und hoch, aber doch männlich klingenden Stimme, handelt es sich bei der Person hinter der Kamera wohl eher um einen Constantin als um eine Cornelia. Sein Tonfall klingt so fahrig wie seine Kameraführung aussieht.


Al Simmons: “Ich wünsche euch viel Spaß bei diesem aufregenden Abenteuer! Ich möchte mich nicht selbst loben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es eine wirklich einzigartige Erfahrung wird! Tüdeldü, meine Süßen!”


Der ältere Herr winkt Breads zu, seine zuckersüßen Worte bedrohlicher als jedes Geschrei es sein könnte. Mit ordentlich Pepp im Schritt hüpft er die Stufen wieder herunter, ehe er davonstolziert.

Melissa tritt einen Schritt zurück und deutet mit einem manikürten und dunkel lackierten Zeigefinger auf das, was sich im Inneren der Kirche verbirgt.


Assistentin Melissa: “Nach Ihnen.”


FORTSETZUNG FOLGT...



Die Interviewwand sah schon einmal abwechslungsreicher aus, was die Sponsoren angeht – jede Menge „Refuse to Age“, umringt von etwas LPG und einem einsamen Crutch Chip. Vor der Wand steht die Interviewerin, die sich ohnehin seit Jahren weigert zu altern: Tammy.


Tammy: „Gleich gibt es das Rubbermatch zwischen Milly Vermillion und Meathook, doch vorher sind zwei von Millys Kameradinnen bei mir: Brigitte Reflet und Shizuku Shikishima, die Black Wyrms!“


Für andere Zungenbrecher, Tammy regelt die Aussprache mit professioneller Routine. Die Kamera zoomt aus und schwenkt zur Seite und da stehen sie, die Black Wyrms, in all ihrer Pracht. Was jetzt nicht heißen soll, dass sie nackig wären, die beiden haupthaarreichen Damen sind schon in ihre üblichen hochkragigen, schwarzen Umhänge mit den güldenen Wyrmmotiven gehüllt. Tatsächlich schmücken sie sogar zwei Gürtel, die man bei ihnen bisher noch nicht gesehen hat. Zwei auffällig schmuckvolle silbrig-bronzene Gürtel...


Tammy: „Brigitte! Shizuku! Wie man an euren mitgebrachten Titelgürtel sehen kann, habt ihr in der Preshow von WFWs Festival of Wishes den Next Level Tag Team Titel gewonnen! Gratulation dafür!“


Brigitte Reflet: „Danke schön.“


Das war jetzt eine sehr kurz angebundene Antwort, begleitet von einem extra schwachen Lächeln. Wie auch die Körperhaltung der Black Wyrms bei aller fotogenen Grazie etwas schlapp wirkt. Ihre Jahre an Interviewerfahrung sagen Tammy: hier gilt es nachzuhaken.


Tammy: „Ich kann mich ja irren, aber so ganz glücklich seht ihr nicht aus. Wie kommts?“


Das war direkt – direkt genug, dass das schwache Lächeln einem gequälten Lächeln weicht. Oder besser gesagt: einer Art wehmütigem Lächeln, wie wenn man eine leere Puddingschale sieht, von der man gern hätte, dass sie noch halbvoll wäre.


Brigitte Reflet: „Nun ja… wie formuliere ich das jetzt… also… ‘ätte man uns vor einem Jahr gesagt, dass wir bei einer großen Promotion wie GFCW in einem großen PPV Match ums Gold kämpfen und in WFWs Developmental Bereich den Next Level Tag Team Titel gewinnen, es ’ätte sich fantastisch ang’ört, wie etwas, das zu gut geklungen ‘ätte um wahr zu sein. Und nun ist es wahr und trotzdem...“

Tammy: „...trotzdem… was?“


Brigitte hatte ihren Satz abgebrochen, aber Tammy lässt nicht locker. Sie will das jetzt genauer wissen und da ist sie sicher nicht die Einzige.


Brigitte Reflet: „Weißt du… nachdem wir so nah am GFCW Tag Team Titel waren… einem Gold, auf das wir im letzten Jahr sogar viel mehr ‘ingearbeitet ‘aben, als auf den Next Level Tag Team Titel… da fühlt sich der Gewinn dieses Developmental Titels an wie ein Trostpreis. Insbesondere da wir zum Zeitpunkt des Titelgewinns zwei Tage zuvor erst von Skaði und Iðunn so demoralisierend geschlagen worden sind.“

Tammy: „Verstehe.“

Brigitte Reflet: „Nicht, dass wir uns falsch verste’en… es war ein wichtiges Ziel für uns Next Level Tag Team Champions zu werden und das ‘aben wir geschafft. Dies ist auch das Gold, das Drunken Thunder mit Stolz getragen ‘at, obwohl sie zu dem Zeitpunkt längst Stars jenseits des Developmental Status waren. Wir werden also jetzt bestimmt nicht den Iopeka machen und diesen Titelgürtel entehren.“

Tammy: „Nun, die Betitelung als Trostpreis ist dem nicht sehr zuträglich, fürchte ich.“


Brigitte schließt die Augen – Tammy hat recht. Das kam schlecht rüber und sie bereut es diesen Vergleich gesagt zu haben. Aber es ist zu spät, die Worte sind ausgesprochen und nun gilt es die richtigen Worte zu finden, damit es nicht schlimmer, sondern besser wird. Aber zu Brigittes Glück ist sie ja nicht allein zum Interview geladen, sondern hat ihre blonde, goldäugige Partnerin neben sich und deren untypische Sprechweise lässt alles extra bedeutsam wirken.


Shizuku Shikishima „Konträre Gefühle in unseren Seelen ringen.
Das Herz und der Kopf sich uneins sind.“


Tiefgründig. Nicht so tief wie das Tote Meer, aber tief genug, dass Brigitte neuen Mt fasst, um weiterzusprechen, dieses Mal mit weniger Zagen und Zaudern, sondern mit ihrer gewohnten Innbrunst.


Brigitte Reflet: „Die Sache ist doch die: wir haben dieses silbrig-bronzene Gold nicht gewonnen, weil wir das beste Developmental Tag Team sind, sondern weil wir durch unsere Erfahrungen bei GFCW längst dem Developmental Status entwachsen sind. Der Gewinn dieses Titels bestätigt also in gewisser Weise nur das, was wir schon wussten. Weswegen es sich nicht anfühlt wie das Erreichen eines Meilensteins, sondern wie ein Etappenziel. Es ist schön und gut und aufbauend, doch die berühmte Zielmarkierung ist längst verschoben worden.“

Shizuku Shikishima „Großes Können großen Siegesdurst erweckt.“

Brigitte Reflet: „Ein Durst, der durch diese Titel nicht länger gestillt werden kann. Wir wollen mehr. Wir brauchen mehr. Doch sind wir bei der Anniversary Show zum Zuse’en verdammt und sind nicht einmal die Titeljäger unserer eigenen Gruppierung. Title Night ‘ätte schon unsere große Nacht sein könnenund es fühlt sich an als ‘ätte die Anniversary Show unsere große Nacht sein müssen. Doch nun sieht es mehr und mehr so aus, als ob wir nicht einmal beim Easter Special im Titelrennen sein können.“


Brigitte bricht kurz ab, das nächste Wort ist nämlich ein bedeutendes Wort, das erhöhte Betonung verdient.


Brigitte Reflet: „Aber...“


Da war es! Dieses eine, kleine Wort. „Aber“. Anders gesagt: Scheiß auf das Geschwafel von vorher, jetzt kommt der wichtige Teil. Aber~!


Brigitte Reflet: „...nach dem Easter Special kommt New Level. Ein PPV wie geschaffen um Zeuge des Aufstiegs der Next Level Tag Team Champions zu den GFCW Tag Team Champions zu werden, denkst du nicht auch?“


Man hört es in Brigittes Worten – ihre Tristesse vom Beginn des Interviews ist nun gänzlich einem neuen Feuer gewichen. Ihre Augen funkeln und ihre Haltung ist nun wieder voller Elan. Dasselbe gilt für Shizuku.


Tammy: „Nächstes Level und Neues Level, ja, man kann wohl sagen, dass das zumindest vom Wortlaut wie füreinander gemacht ist.“


Und nun stellen sich die Black Wyrms ruckartig Rücken an Rücken, ziehen energisch die Knie hoch zur Pose und strecken forsch einen Zeigefinger bedeutsam gen Kamera aus.


Brigitte Reflet: „So lautet also unser Ziel, unser neuer Meilenstein: bei New Level wollen wir diejenigen sein, die um das Gold kämpfen… und es gewinnen. Darauf arbeiten wir ‘in. Dass wir an diesem Abend in der besten Form unseres Lebens sind.“

Shizuku Shikishima „Verheerung all jenen blüht, die uns Wyrms bei unserem Abflug in neue Höhen zu stören suchen!“



Hollywood Jake: „Darragh!“


Switzenberg hat noch nicht einmal den Halleneingang ganz durchschritten, da empfängt ihn schon die Stimme seines Co-Stars.

Der ehemalige Jakob Fleestedt kommt dem Intercontinental-Champion entgegengelaufen, drängt auf dem Weg mehrere Mitarbeiter im engen Gang zur Seite. Ein zahnstocherdünner Techniker klappt durch den Stoß zusammen und wird von Jake beiläufig übertrampelt. Dann stellt Jake sich, mit wehendem Pelzmantel, vor Switzenberg auf. Dieser betrachtet ihn von oben bis unten, die Miene verrät keine Gefühlsregung.


Hollywood Jake: „Ich muss dir etwas Wichtiges sagen.“


Als Antwort gibt es ein stummes Nicken von Switzenberg. Damit konnte er rechnen; die Ereignisse von vor zwei Wochen waren zu bedeutsam, um den Mantel des Schweigens über sie zu legen. Während sich Switzenberg auf einen Urlaub freute, wurde Jake bei War Evening von Creed Gibson und Zac Alonso auf eine Art und Weise übertölpelt, infolgedessen der Champion seine Auszeit abbrechen musste.

Und das ist es doch wohl, worüber Jake sprechen will, nicht? Eine Entschuldigung, eine Rechtfertigung?


Darragh Switzenberg: „Nun, ich höre.“


Der Kanadier lässt seine Sporttasche geschultert, während er auf Jakes Worte wartet. Er rechnet offenbar nicht mit einem längeren Gespräch. Dafür liegen die Gesprächsanlässe zu klar auf der Hand.

Jake räuspert sich.


Hollywood Jake: „Also, was ich dir sagen will…“


Das Lächeln auf den Lippen des Riesaers wirkt beklommen. Er fühlt sich ganz und gar nicht wohl in seiner Haut. Umso beachtlicher, dass er die Flucht nach vorne gewagt und diesen Dialog aus eigenem Antrieb gesucht hat.


Hollywood Jake: „…ist…wie soll ich es nur ausdrücken?“


Er wischt sich eine Schweißperle von der Stirn. Switzenbergs Miene verrät unterdessen steigende Ungeduld.


Hollywood Jake: „Es ist so: Für diesen Mantel sind 24 Chinchillas gestorben.“


Mit feierlichem Ernst wischt Switzenbergs Co-Star das Fell glatt. Switzenberg betrachtet das Kleidungsstück ungerührt, sein Blick fährt auf und ab.


Darragh Switzenberg: „Ich habe ein anderes Gesprächsthema erwartet. Deine Begegnung mit Creed Gibson betreffend.“

Hollywood Jake: „Darauf will ich ja hinaus. Ich wollte sagen: Diese Chinchillas…nicht einmal ihr Los kann so schwer wie das meine gewesen sein. Ich wurde vor zwei Wochen Opfer eines großen Verbrechens. Zac und Creed haben mein Urvertrauen mit einem infamen Plan ausgetrickst. Sie haben hinterrücks die Messer gewetzt, mich überrumpelt. Sich meine Gutwilligkeit zu bösem Nutzen gemacht. Ich fühle mich wie gehäutet. Offenbar kann man es sich in diesen Sündenpfuhl namens GFCW nicht mehr erlauben, ein moralisch integrer Mensch zu sein, ohne dafür hintergangen zu werden. “


Als er erst einmal in den Redefluss gekommen ist, nimmt Jakes Nervosität sichtlich ab. Er schafft es fast, Switzenberg in die Augen zu schauen. In starrende Augen, die nicht verraten, welch Haltung er zu Jakes Ausflüchten hat.


Hollywood Jake: „Aber auch, wenn ich das Opfer ihres bösen Spiels wurde, spricht es mich nicht von Verantwortung frei. Ich bin dem Vertrauen, das du in mich hattest, nicht gerecht geworden.“


Mit hängendem Kopf steht er da. Switzenberg lässt unterdessen langsam die Sporttasche von seiner massiven Schulter gleiten. Er stellt sie auf dem Boden ab, offensichtlich geht er nun doch von einem längeren Gespräch aus. Mit lauernden Augen und schiefgelegtem Kopf betrachtet er Jake.


Darragh Switzenberg: „Ist das eine Entschuldigung?“


Auch wenn es als Frage formuliert ist, lässt der Tonfall des Intercontinental Champions keine Zweifel offen, dass man es als Forderung verstehen darf.


Hollywood Jake: „Eine Hollywood-Entschuldigung.“


Der Deutsche kratzt sich an den Haaren, die auch heute unter Zuhilfenahme einer beträchtlichen Menge Haarfett zurückgekämmt wurden. Er blickt zu Switzenberg, scannt dessen Miene auf ein Zeichen von Milde und Vergebung ab. Doch von Darragh kommt nichts.


Hollywood Jake: „Und jetzt musst du deswegen deinen wohlverdienten Urlaub abb…-“


Der Champion hebt die Hand. Jake verstummt.


Darragh Switzenberg: „Sprechen wir nicht mehr vom Urlaub. Es ist ein Ärgernis, ja. Doch zum Glück werden die zwei, drei Minuten mit Gibson nicht an meiner Erholung rütteln. Wenn ein Nobody darum bettelt, geschlagen zu werden, dann macht man es halt schnell. Ich kann im Anschluss in den Urlaub zurückkehren.“


Während Jake zu einer Erwiderung ansetzen will, macht Switzenberg mit einem herrischen Fingerzeug klar, dass er noch etwas hinzufügen muss.


Darragh Switzenberg: „Ich werde mich also persönlich um Creed Gibson kümmern. Er wird für seine Unverfrorenheit gedemütigt werden. Sein Versuch, meinen Titel zu erlangen, endet in einer solchen Blamage, dass er sich danach eine Clownnase aufsetzen und zurück in die Manege gehen kann. Und doch ist er nicht der einzige Schuldige.“

Hollywood Jake: „Zac Alonso.“


Jake ballt die Faust bei der Erwähnung des Namens und mahlt mit den Zähnen. Man erwartet fast, dass er zu knurren beginnt; nicht viel anders hat einst der Switzidog auf das Triggerwort Jason Crutch reagiert. Und das, wo die Beiden vor Monaten noch Kollegen waren.


Hollywood Jake: „Ich werde mich um ihn kümmern.“

Darragh Switzenberg: „Das sollst du auch. Die gute Nachricht: Dafür habe ich bereits eine Idee.“


Zum ersten Mal in diesem Gespräch sieht man Switzenberg lächeln. Er wirkt – auch ohne zusätzlichen Urlaubstag – mit der Situation im Reinen.


Darragh Switzenberg: „Komm, wir werden den Tagesablauf ohne lästige Kameras besprechen.“


Eifriges Nicken von Jake. Switzenberg legt seinem Co-Star mit einer gönnerhaften Geste den Arm auf die Schulter und führt ihn Richtung Kabinen davon. Aber nicht, ohne zuvor seine Tasche an den Deutschen weiterzureichen, der den Tragedienst klaglos hinnimmt.

Während die Kamera Mühe hat, dem nun flüsternd vorgetragenen Gespräch weiter zu folgen, beugt sich Switzenberg zu Jake. Auf Darraghs Worte hin ist ein kurzes, erschrockenes Aufflackern des Gesichts beim Riesaer zu sehen. Dann jedoch, auf einen kritischen Blick von Switzenberg hin, klatscht Jake in die Hände. Er wirkt plötzlich begeistert.


Hollywood Jake: „Was für eine hervorragende Idee, Darragh. Einfach großartig. Ich werde alles in die Wege leiten.“