Sven: „Junge, was für ein endgeiles Viech.“


Männer, die auf Hasen starren.

In diesem Fall sind es zwei. Pete und Sven. Einige Stunden vor der Eröffnung des Easter Specials stehen sie, gehüllt in Zivil, im Backstagebereich. Vor ihnen, in einem Käfig, lungert ein Hase. Er steckt den Kopf durch die Stäbe seines Gefängnisses und knabbert an einer Möhre, die Sven ihm mit funkelnden Augen entgegenstreckt.


Pete: „Es ist ein Hase.“


Ein scheltendes „Tzzz“ ist Svens unmittelbare Reaktion auf Petes wenig enthusiastischen Einwurf. Er hebt die Hand mit den Möhrenresten und winkt in Richtung seines Kollegen ab.


Sven: „Schweig! Geschlossene Lippen sind des Unkundigen Zier. Es ist DER Hase, nicht irgendeiner. Der Aldo Nero unter den Hüpftieren. Ein einziger Blick durch die Scheibe aufs Feld hat mir genügt, um das zu erkennen.“

Pete: „Du hättest trotzdem nicht die Notbremse im Regionalexpress ziehen müssen.“

Sven: „Hätte ich ihn denn etwa bei voller Fahrt einfangen sollen?“

Pete: „Ich meine ja nur, dass es nicht erlaubt war. Es ist ja kein Notfa…-“

Sven: „Verschon mich mit deinem konformistischen Geplapper, elender Systemling. Regeltreue ist nichts außer ein Anagramm von Feigheit. Dank meines Machertums haben wir nun diesen Hasen.“


Und eben jenem Hasen wendet sich Sven mit stolzem Blick wieder zu. Das Tier spitzt die Löffel, während der Kommentator mit großer Geste auf ihn deutet.


Sven: „Es ist der Osterhase.“


Pete beugt sich zum Käfig hinunter, um einen besseren Blick zu erlangen. Aug‘ in Aug‘ steht er mit dem (mutmaßlich) mythischen Mümmelmann, doch seine Miene bleibt skeptisch.


Pete: „Bist du dir sicher? Er sieht so…normal aus.“

Sven: „Mein Urteil steht nicht zur Debatte. Generell nicht und in Hasenangelegenheiten im Speziellen nicht. Ich kenne mich ihnen sehr gut aus. Wir haben so viel gemeinsam. Nicht zuletzt nutzt deine Mutter die Bezeichnung eines männlichen Hasens als meinen Spitznamen.“


Da gehen Petes Augenbrauen hoch.


Pete: „Ach?“

Sven: „Rammler.“


Nachdem er seiner Gurkenhaftigkeit mit einem stillen Blick zu Boden einige Sekunden lang Tribut gezollt hat, findet Pete die Fassung wieder. Er versucht, sich in Produktivität zu flüchten und setzt einen geschäftigen Blick auf.


Pete: „Aber nehmen wir mal an, das da ist wirklich der Osterhase…“

Sven: „Guck, wie süß er grad die Möhre gefressen hat. Weggeatmet.“

Pete: „…wie genau hilft er uns in Sachen Glücks-Ei?“


Sven schlägt seine flache Hand auf die Stirn.


Sven: „Hä? Bist du doof? Natürlich, indem der Osterhase seinem Job nachgeht.“


Ohne dass Pete dahinter steigt, was mit der Anmerkung gemeint ist, greift Sven nach einem Gegenstand außerhalb des Kamerabereichs. Es ist ein Ei. Stolz hält der Kommentator es in die Kamera.



Da ist er: Der Gegenstand, der heute zum Sehnsuchtsobjekt vieler Wrestler werden wird. Irgendwo in der Halle wird das Glücks-Ei versteckt sein. Und wer es findet, erhält einen Gutschein für ein Match um den Intercontinental-Title. Einlösbar bis Ende des Jahres.


Sven: „Er wird es nun für uns verstecken.“


Vorsichtig öffnet Sven die Käfigtür und holt den Hasen heraus. Er setzt ihn vor sich und Petes Füßen ab, wo das Tier aufgeregt den Duft der Freiheit schnüffelt.

Sven nimmt das Ei und legt es direkt vor dem Hasen ab.


Pete: „Und jetzt?“

Sven: „Schau hin.“

Pete: „Der Hase ist noch immer da.“


Ohne Zweifel, da hat Pete Recht: Der Hase sitzt noch immer genau dort, wo Sven ihn hingepackt hat.


Sven: „Und das Ei?“

Pete: „Das Ei…?“


Unsicher, was Sven damit meint, blickt Pete erneut zu dem Hasen. Und springt ihm nächsten Augenblick ungläubig zurück. Er schaut sich in alle Richtungen um, sein Mund steht offen.


Pete: „DAS EI IST WEG!“


Er wirft sich zu Boden, hebt erst den Hasen und dann den Käfig hoch. Guckt unter ihnen nach. Doch das bunte Ei, welches vor wenigen Sekunden noch genau vor dem legendären Langohr gelegen hat, bleibt verschwunden.


Pete: „WO IST DAS EI?“

Sven: „Er hat es versteckt.“


Einen Satz, den Sven mit voller Selbstverständlichkeit ausspricht. Wie konnte man je daran zweifeln?


Pete: „Es ist…“


Die anhaltende Verwirrung seines Kollegen kommentiert Sven mit einem abschätzigen „Hehe…“.


Sven: „…ein Wunder.“


Er hebt den Hasen hoch und trägt ihn auf dem Ohr umher. Liebevoll schmiegt der Hase seinen Kopf an Svens Brust.


Sven: „Sieh ihn dir an. Was für ein Pokerface. Kein falscher Blick verrät, wo er das Glücks-Ei versteckt hat.“


Er streckt den Hasen Pete entgegen. Und in der Tat: Mit seiner Mimik verrät der heftige Hoppler nichts über das Wunder, welches er vor wenigen Sekunden gewirkt hat.


Sven: „Nun kommt es auf die GFCWler an. Wer das Glücks-Ei findet…“

Pete: „…gewinnt einen Gutschein für ein Titelmatch um die Intercontinental Championship.“


Die beiden Rammler wenden sich der Kamera zu. Pete blickt sich im Hintergrund weiter verwirrt nach dem Ei um.


Sven: „Also dann: Fröhliche Suche.“


Sven hebt den Hasen direkt vor Petes Gesicht.


Sven: „Und nun sag ihm, dass du dich in ihm getäuscht hast.“


Pete fällt auf die Knie, um solch Überlegenheit zu huldigen. Wie es sich für einen zweifelnden Wurm gehört.


Pete: „Ich hätte nie an dir zweifeln dürfen, Osterhase. Verzeih mir.“




War Evening (Easter Special), Messehalle #1 (Dresden), 05.04.2026


In Kooperation mit



Die Kamera saust über die kleine Halle in Dresden, wo die GFCW am heutigen Ostersonntag Stopp macht, um eine weitere Ausgabe von War Evening zu veranstalten. Und wie aufs Stichwort dröhnt auch schon Musik durch die Boxen und erinnerungswürdige Szenen von Hall of Famern wie Robert Breads, Zereo Killer oder Danny Rickson laufen über den Tron sowie auf dem Bildschirm der Zuschauer Zuhause – so wie dir, mein Lieber.

Die fröhlichen Fans mit allerlei Merchandise bekleidet freuen sich so richtig auf die zweite Ausgabe nach der Anniversary Show und damit der zweiten Show auf dem Weg zu 50 Jahren GFCW. Altbekannt sind nun die Stimmen, die zu hören sind. Es sind natürlich…


Pete: „Guten Abend zu War Evening!“

Sven: „Einen wunderschönen auch von der wichtigen Seite hier am Tisch. Von mir!“

Pete: „Viel ist vor zwei Wochen passiert und unsere Liga macht schon große Schritte auf die nächste Großveranstaltung zu. New Level wird Mitte Mai in Mannheim stattfinden, und sie sollten jetzt noch schnell die letzten verbliebenen Tickets sichern.“

Sven: „Oder eben den PPV für das Heimkino buchen!“

Pete: „Bis dahin werden in der heutigen Show aber noch einige richtungsweisende Dinge geschehen – und wir werfen einen Blick auf die Card, um zu erahnen, was diese denn sein könnten.“


Singles Match:
Bella Venera vs. Ivor Ruskin
Referee: Mike Gard


Sven: „Bella Venera hat erst in der letzten Show ihr Debüt gegeben – und ich muss sagen, dass sie dort eine super Figur gemacht hat.“

Pete: „Die ehemalige GTCWlerin, deren Beiname ‚Venera‘ auf die Göttin Venus anspielt, hat sich gleich mit zwei Legenden angelegt. Sie stahl nämlich Zereo Killer und Mad Dog den Sieg, indem sie mit einem Schlagring eingriff.“

Sven: „Kein Wunder. Sie ist ja die Flamme von Iokepa. Guten Geschmack, der Junge.“

Pete: „Vermutlich schlägt sie in dieselbe Kerbe wie Iokepa und will es den alten Stars zeigen, um sich selbst einen Namen zu machen. Dafür sollte sie heute Ivor Ruskin besiegen.“

Sven: „…dessen Match gegen die Basketballer nicht besonders viel Gegenwehr seinerseits zu bieten hatte. Wenn Bella Venera ähnlich gut agiert, dürfte sie an der Seite von Iokepa und Ben Slate eine echte Verstärkung sein.“

Tag Team-Match:
TSEizn Ra(re)BBits (Tsuki Nosagi & El Metztli) vs. Black Wyrms (Brigitte Reflet & Shizuku Shikishima)
Referee: Karo Herzog


Pete: „Dieses Match könnte ein Wendepunkt für die Black Wyrms sein. Schließlich haben sie verlauten lassen, nun einen neuen Finshing Move zu haben. Sollte dieser heute ins Ziel gelangen, könnte dies ein Sieg sein, der sie in die Nähe der Tag-Team Titel bringen könnte.“

Sven: „Du meinst, weil die Hasen die Titel gerade erst verloren haben?“

Pete: „Exakt! Für die Hasen wäre das eine bittere Niederlage und sie müssen deswegen heute zeigen, dass sie jetzt in kein Loch fallen, nachdem Zerbeus bei der AS Show triumphierte.“

Sven: „Also wenn heute an Ostern nicht die Hasen gewinnen, wann dann?! Das Problem bei den Wyrms ist ja auch nicht der Finishing Move, sondern die Körpergröße. Die beiden heißen nicht umsonst Würmer...“

Pete: „Na ja, du prahlst doch andauernd mit deinem Würmchen und dessen angeblicher Wirkung bei meiner Mutter.“

Pete: „HEY, was soll das denn jetzt?! Ich mache hier die Sprüche, du… du…“

Pete: „Der Punkt Daniel talks Talking fällt leider aus, da Daniel kurzfristig erkrankt ist.“

Sven: „Deswegen kommen wir zum nächsten Match.“


Open Challenge
GFCW Intercontinental Title
Zac Alonso
Referee: Thorsten Baumgärtner


Pete: „Weiter geht es mit der Open Challenge unseres neuen Intercontinental Champions, der seine Regentschaft völlig anders gestaltet als sein Vorgänger Darragh Switzenberg.“

Sven: „Einfach nur dämlich, was Alonso dort abzieht. Letztes Mal ist er ja noch durchgekommen, heute wird er den Titel abgeben müssen.“

Pete: „Das wird sicher davon abhängen, wer heute sein Glück versucht. Hollywood Jake ist vor zwei Wochen gescheitert, dafür haben sich neben einigen anderen Milly Vermillion, Kyle Douglas und sogar Monica Shade interessiert gezeigt.“

Sven: „Sag ich doch. Zac kann einpacken.“

Pete: „Sofern nicht der Kampf um den ersten Platz im Ring nicht schon einige Kräfte kosten wird…“


Tag Team Title Match:
No Rope Match
Iðunn Jörmungandr & Skaði Fenrir vs. Zerbeus (Zereo Killer & Morbeus)
Referee: Guido Sandmann


Sven: „Auch im Co Mainer geht es um Gold. Und dieses Mal das Tag-Team Gold.“

Pete: „Iðunn Jörmungandr & Skaði Fenrir haben sich die Chance redlich verdient und nun lange genug gewartet, um diese endlich zu erhalten. Allerdings stehen ihnen mit Zerbeus jetzt zwei Veteranen gegenüber, die als frische Champions die Titel sicher noch nicht hergeben wollen.“

Sven: „Die beiden Altstars sollten mal wieder ihre Eier zeigen, dieses ganze homoerotische Entschuldigungsgehabe und auf Moves Verzichterei ist ja nicht mehr zum Aushalten.“

Pete: „Sie mögen noch nicht so eingespielt sein, wie die Nordlichter, aber die beiden sind eben ehrlich zueinander – anders als das, was man von dir erwarten kann.“

Sven: „Pah. Dafür haben die Herausforderinnen die Matchart bestimmt. Kein Rope-break, denk dran!“

Pete: „Dies könnte in der Tat ein entscheidender Vorteil sein. Zerbeus wird sicherlich ihr A-game bringen müssen, um hier zu bestehen!“


No. 1 Contender Match für den GFCW Heavyweight Title:
Ask Skógur vs. Darragh Switzenberg vs. Danny Rickson vs. Iray Burch
Referee: Mike Kontrak


Sven: „Das A-Game der GFCW findet sich nun auch im Main Event unserer heutigen Ausgabe wieder. Es geht um den Nummer Eins Herausforderer auf den Titel von The End.“

Pete: „In der letzten Ausgabe haben sich die vier Teilnehmer darum gestritten, wer der richtige Contender ist.“

Sven: „Nur Darragh Switzenburg nicht. Er hat das einzig Richtige getan und sich vor dem Match gegen Iray Burch aus dem Staub gemacht, um sich auf das viel wichtigere Match am heutigen Abend vorzubereiten.“

Pete: „Es könnte aber auch den Hass von Iray Burch gesteigert haben – und wenn der mal loslegt, will niemand in der Nähe sein! Ask Skógur hat Danny Rickson bereits bei der AS Show besiegt – es ist das Match, was sich viele Fans schon zum letzten PPV gewünscht haben. Es wäre also nur folgerichtig, wenn Ask…“

Sven: „…wieder verliert! Der Mann zweifelt so sehr an sich… nein. Er ist derjenige mit den geringsten Chancen in diesem Fight.“

Pete: „Wie auch immer - The End und wir können uns sicher die Hände reiben, wenn wir auf den Main Event gucken! Vier Männer, die die Titelchance wollen, einer wird sie bekommen! Heute Nacht.“



Der Parkplatz ist einmal mehr im Fokus des GFCW Geschehens – hier könnte irgendwo das Ei versteckt sein, welches ein Intercontinental Title Match verspricht. Es ist auch der Ort, an dem eine Limousine vorfährt, deren Tür von Fahrer geöffnet wird, auf dass erst eine unverhüllte Bein- und Fußpartie, dann die erste von zwei schwarz-orangenen Flechten massiven Ausmaßes und schließlich der Rest der hochattraktiven Inderin, die bei der Anniversary Show zum Horror vieler GFCW Fans in ihrem ersten Match bereits um den GFCW World Title angetreten war: WFWs amtierende Titelträgerin und Rekordchampion Stella Nova. Wie üblich in einem kometenhaften Schurz und ein Top mit Sternausschnitt sowie lange Armschoner gehüllt, ihr markanter Look. Kaum ist der Leitstern des Professional Wrestling dabei sich tänzelnden Zehenspitzenschrittes ins Innere der Messehalle Dresden zu begeben, da treten ihr jedoch prompt zwei Männer von der Security entgegen.


Blonder Security Mann: „Du schon wieder. Die Kollegen haben dich doch erst letzte Show vor die Tür gesetzt. Was soll das werden?“


Die Frau aus Delhi bleibt stehen und schultert ihren WFW Temptation Title, wie sie die beiden Wachposten ansieht.


Stella Nova: „Ich bin heute zu Vertragsgesprächen hier – Vertragsgespräche, die ob meiner Behandlung bei der letzten Show sicherlich nicht einfacher werden. Ich habe sicherlich nicht vor horrende Summen zu verlangen, doch habe ich auch nicht die Absicht mich unter Wert zu verkaufen. Mich unter Vertrag zu haben wäre ein absoluter Gewinn für GFCW und das gilt es entsprechend vertraglich zu würdigen. Eine neue Ära benötigt schließlich einen hell strahlenden neuen Stern und wer wäre dafür besser geeignet als ich?“


Stella ist kurz davor in einen Monolog auszubrechen, aber die Männer von der Security stört das nicht weiter, sie bleiben professionell.


Blonder Security Mann: „Weißt du was davon?“

Security Mann mit lichtem Haar und Dreitagebart: „Hab hier ne Liste der Leute, die außer der Reihe da sein dürfen. Hier steht nichts von einer Stella Nova. Ist aber ein komischer Name drauf, der noch nicht hier ist. Archana Pa...

Stella Nova: „Ja, das bin ich. Es mag euch überraschen, aber in Indien ist „Stella“ kein geläufiger Vorname und „Nova“ kein geläufiger Familienname. Tatsächlich haben wir oft Namen in unserem Land, die euch sogenannte Westler ähnlich überfordern wie es bei Jörmungandr der Fall ist. Hat schon seinen Grund, dass unser großer Viswanathan Anand quasi nur "Vishy" genannt wird. Oder Rameshbabu Praggnanandhaa nur Pragg. Aber hey, zumindest unseren amtieren Champion Gukesh kriegt ihr halbwegs hin – solange ihr nicht auch Dommaraju sagen müsst.“


Die Security Männer sehen sich an als ob Stella gerade elfisch spricht oder eine Zauberformel aufsagt. Dabei ist sie doch gar keine Hexe. Stella wiederum sieht fast schon persönlich beleidigt aus, dass den Namen dieser ruhmreichen, indischen Sterne nicht mit großer Ehrfurcht begegnet wird.


Stella Nova: „Okay, das ist Deutschland, was erwarte ich auch… wahrscheinlich wisst ihr nicht mal wer Vincent Keymer und Matthias Blübaum sind...“


Die ratlosen Gesichter der Security Männer bestätigen Stellas Vermutung.


Stella Nova: „Bitte sagt mir, dass ihr zumindest schon mal über den Namen Magnus Carlsen gestolpert seid… Kasparov? Fischer? Capablanca? Tal?“


Die Security Männer rätseln, so ganz unbekannt klingen die Namen teilweise nicht. Aber Stella hat genug und holt etwas aus ihrem kometenhaften Lendenschurz hervor.


Stella Nova: „Vergesst es, zurück zum eigentlichem Thema. Wie ihr seht, ist das hier ein Backstagepass. Ich nehme an ihr versteht zumindest was das ist, ja? Also geht mir aus dem Weg, ansonsten entferne ich euch selber aus meinem Pfad hin zur bedeutsamsten Vertragsverhandlung in der Geschichte von GFCW.“


Der Pass wird gecheckt und für gültig befunden. Stellas Weg ist frei.


Stella Nova: „Na also, geht doch. Nun gilt es herauszufinden, ob GFCW und ich uns einigen können – würde mich ja nicht wundern, wenn GFCW mich in erster Linie als Trophäe für The End bei der Anniversary Show haben wollte und nachdem ich ihrem Goldjungen das Gold beinahe abgenommen habe, sind sie nun von Angst erfüllt ein fremder Stern könnte den eigenen überstrahlen – ha! Als ob ich das nicht ohnehin machen würde.“


Sie bindet sich den Temptation Titelgürtel um die Hüfte, wirft ihre mächtigen Flechten nach hinten und stretcht sich noch einmal. Dann setzt sie ihren Weg fort. Ihren Weg hin zur Zweitanstellung – oder ihren Weg hinaus aus GFCW. Und wie sie geht, sieht sich Stella gut um. Könnte ja irgendwo ein gewisses Ei sein, dessen Fund ihre Verhandlungsposition noch einmal erheblich verbessern würde...



Chris Dimer sitzt verträumt im Cateringbereich an einem Tisch und knabbert an einer Banane. Er ist allein und grübelt scheinbar vor sich hin.


James Hightower: „Ach hier steckst du. Ich habe dich schon überall gesucht.“


Der Hüne tritt an den Tisch heran. Die beiden Ex-Basketballer sind in Straßenklamotten unterwegs. Kein Wunder, schließlich ist heute kein Match für die zwei angesetzt.


James Hightower: „Darf ich mich setzen?“


Hightower, der sonst sehr charismatisch und laut ist, spricht mit zurückhaltender Stimme. Scheinbar spürt er, dass Chris Dimer in nachdenklicher Stimmung ist. Dieser seufzt.


Chris Dimer: „Na klar. Setz dich.“

James Hightower: „Alles klar bei dir? Ich konnte dich seit der letzten Show nicht erreichen. Ich habe fast angefangen mir Sorgen zu machen, Mann.“

Chris Dimer: „Oh, wie nett von dir. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ich dachte, ich bin dir ein Klotz am Bein. Dass ich deiner Singles Karriere im Weg stehe.“


Demonstrativ blickt der deutlich kleinere Mann in die andere Richtung.


James Hightower: „Oh man, das ist doch Quatsch! Du bist doch kein Klotz am Bein, Chris. Ich weiß, dass ich zuletzt nur mich selbst gesehen habe, aber das hier war ja unsere gemeinsame Idee. Das habe ich nicht vergessen. Hey, Basketball ist ein Teamsport, auch wenn es verschiedene Rollen in der Mannschaft gibt. Doch nur wenn wir zusammenhalten, gewinnen wir.“


Chris Dimer: „Das mag stimmen, aber das hier ist kein Basketball mehr, wir sind jetzt Wrestler, James. Wir haben vor 2 Wochen unsere Verträge unterschrieben, und die gehen bis Title Night 26. Das ist lange. Das hier ist kein kurzes Abenteuer, das ist unsere Zukunft. Ich bin ehrlich zu dir, mir ist bange davor. Ich meine, ich bin kein Wrestler, vielleicht war das eine Schnapsidee.“


James Hightower schnaubt verächtlich.


James Hightower: „Bullshit! Wir sind Topathleten. Na klar schaffen wir das, jetzt mach dir mal nicht ins Hemd. Du dirigierst das Spiel und ich mache vorne die Punkte, Chris. So haben wir es bis jetzt gemacht, und so geht es auch weiter.“

Chris Dimer: „Oh man, jetzt hör doch mal mit diesen Basketballmetaphern auf! Das hier ist kein Spaß. Ich bin nicht 2,06 Meter groß und muskulös so wie du. Du wirst das schon packen, so wie du schon immer überall der Beste warst. Aber ich werde wahrscheinlich übel verprügelt.“


Hightower patscht seinem Freund aufmunternd auf die Schulter.


James Hightower: „Du bist vielleicht nicht so groß und stark wie ich, dafür bist du schneller und geschickter. Zusammen sind wir ein unschlagbares Team, wir ergänzen uns.“

Chris Dimer: „Meinst du? Ich bin dir also kein Klotz am Bein? Du willst echt mit mir zusammenarbeiten? Als richtiges Team?“

James Hightower: „Na klar! Als richtiges Team. Wir zwei. Als richtiges Tag-Team. Let’s goooo!“

Die beiden fallen sich in die Arme und grinsen.



Shirts, Gürtel, ein Sandsack mit Mac Müll Bildnis darauf, Plüsch Zacidogs, ein Kissenbezug mit Miria Saionji darauf, ein völlig überteuertes LPG Fanset mit Artikeln von Aiden Rotari, Greatest Pigster, Marc Hill & Co, im „Sale“, auf dass man noch Restposten los wird ehe man vergessen hat wer die alle waren… am Merchandise Stand gibt es so ziemlich alles, was das Fan-Herz begehrt und die Geldbörse lockert und auch einiges, was das Fan-Herz zum Lachen bringt, aber nicht zum einkaufen.


Monica Shade: „Ich sehe weit und breit kein Ei… du?“


Inmitten dieses Trubels ist die rosarot bezopfte Schweinehirtin Monica Shade verortet und wo die Leopardin aus Long Island ist, da ist ihr Stoffschwein Lady Rosi natürlich nicht weit. Mit ebendiesem spricht die heute in kurze Jeans, halbhohe Stiefel und eine fesche Weste gekleidete US Amerikanerin auch. Wenig überraschend gibt Lady Rosi keine Antwort, aber das ist auch nicht nötig. Monica lässt den Blick über die Verkaufsstände schweifen als ob dadurch das begehrte Ei irgendwie zum Vorschein kommen würde.

Es kommt nicht zum Vorschein.


Monica Shade: „Ich sehe hier auch viel zu wenig schweinisches Merch… dafür jede Menge Hunde. Verkehrte Welt. Schätze mit der LPG geht es echt nicht mehr lange weiter.“


Guckt man sich um, man könnte einen Zusammenhang zwischen überteuerten Fanartikeln, die zum Großteil eh keiner will und einer möglichen Schieflage in Sachen Wrestling Investition erahnen. Aber ganz so simpel ist es nicht. Das Karriereende von und der Bruch mit Robert Breads, sowie dessen Zerstörung von Aiden Rotari, Marc Hill und dem Sprachrohr, nicht zuletzt der Abgang vom „Greatest Pigster“ Maximilian Lunenkind – die LPG wurde hart getroffen. Und Monica Shade ist nicht GFCW World Champion geworden, auf dass man nun sie als Erfolgsgeschichte der LPG verkaufen könnte.


Monica Shade: „Wäre ja irgendwie dämlich, wenn das Ei hier wäre. Könnte ja jeder Fan, der was kaufen will, zufällig das Ei finden und hätte dann ein Titelmatch. Aber letztlich ist es Wrestling, da gehört das nicht mal in eine Top 100 der bescheuerten Möglichkeiten.“


Mit seinem Stoffschwein zu sprechen ist natürlich nicht bescheuert, das machen alle – also alle, die eins haben.

...richtig?


Monica Shade: „Schon lustig. Vor zwei Wochen hab ich noch erklärt, warum weder Stella noch ich um den Intercontinental Title antreten sollten und nun suchen wir ein Ei, auf dass ich um den Intercontinental Title antreten kann. Aber ich schätze das ist besser als ziellos und planlos zu sein. Da frage ich mich jetzt nur, ob ich von Mac Mülls Einwand tatsächlich überzeugt wurde oder ob ich mich einfach nur dem nächstbesten Ziel, das irgendwie sinnig und realistisch klang, verschrieben habe, um ein Ziel zu haben… was denkst du, Lady Rosi?“


Das Stoffschwein wippt unruhig, für gewöhnlich ein Zeichen innerer Unruhe bei der Long Island Leopardin, die in diesem Zustand weit entfernt ist wie eine Wildkatze auf der Jagd zu wirken. Aber Wildkatzen jagen auch für gewöhnlich keine Eier.


Monica Shade: „Ne, das wird nichts. Schätze ich sollte woanders suchen gehen, hier wirds gleich bestimmt wieder vor Fans wimmeln und wäre das erst mal so, komme ich eh zu nichts mehr. Denn dann heißt es ein Autogramm nach dem anderen und Fotowünsche und...“


Lady Rosi zappelt mehr, dann wird das Schwein ruhig.


Monica Shade: „Ja, du hast völlig recht. Ich sollte hier einfach auch nen Tisch beanspruchen und ne Runde Meet and Greet machen. Das gehört auch dazu und mit ein paar Fans reden ist vielleicht ganz gut, um wieder richtig in die Spur zu kommen. Und wer weiß? Vielleicht finden wir das Ei ja, wenn wir es gar nicht richtig suchen, uns aber in seiner möglichen Nähe aufhalten. Sind schon unwahrscheinlichere Sachen passiert.“


Monica hält Ausschau nach einem abgelegenen Tisch, wo sie nicht überrannt wird und die Security in der Nähe ist, setzt Lady Rosi auf ein Kissen und blickt sich um. Nach wie vor kein Ei. Aber für die nächsten Stunden hat sie eine sinnvolle Beschäftigung, das ist ja auch schon was wert. Und wer weiß? Vielleicht festigt das ihre Bindung zum GFCW Publikum, auf dass es das nächste Mal in Sachen Fanresonanz etwas ausgeglichener ist, wenn sie sich mit The End misst. Und vielleicht gibt ihr dies dann im entscheidenden Moment den letzten, kleinen Schub, der ihr bei der Anniversary Show gefehlt hat.



Die Halle wird abgedunkelt und Nebelschwaden wabern vor dem Entrancebereich umher. Lateinische Gesänge kündigen eine Göttin an, eine weibliche Gottheit um genauer zu sein. Rote und goldene Lichtkegel flackern wie Blitze unscharf durch den Dunst – Rot, die Farbe der Liebe, der Emotion, aber auch des Blutes und des Hasses. Gold die Farbe der Götter, von Reichtum und Macht, von Schönheit und Anmut. Ewigkeit.

Dann enden die lateinischen Choräle… Wind bläst den Rauch hinfort, der Fokus der Lichtstrahler ist nur auf ihr. Bella Venera.




Jetzt erst setzt ihre Entrance-Musik ein, unter deren Klängen sie sich langsam zum Ring bewegt. Ihr Blick ist straight und auf den Ring fokussiert, doch zeigt sich neben der Vorfreude in ihren Augen ebenso eine Spur Aggression. Der rote Mantel schwingt königlich mit, als sie über die Ringtreppe auf das Apron tritt. Schnell ist sie auch im Seilgeviert und schnappt sich von Laura das Mikrophon. Unter den teilweise buhenden, teilweise „nur“ fasziniert starrenden Fans stellt sie sich in die Mitte des Rings, so als würde er ihr gehören.

Die Musik verstummt.


Bella Venera: „Ihr nennt es Schönheit… ich nenne es eine Warnung!“


Anmutig lächelt sie der Menge zu, ehe sich ihr Gesicht zu einer aggressiven Fratze verzieht.


Bella Venera: „Viel zu lange habt ihr alten Männern wie Mad Dog, wie Zereo Killer oder Robert Breads zugejubelt. Habt sie vergöttert, zu euren großen Helden erkoren, doch dabei alles vergessen, alles stillschweigend akzeptiert, was durch ihre Hände zerstört wurde. Sie sind nicht die Götter – sie sind gewiss keine Helden. Sie sind schwach, wankelmütig und egoistisch. Sie sind das Bild der Vergangenheit, der angeblich so großen Männer – doch ehe ihr Bild in Stein gemeißelt ist, ehe die Erinnerung an sie nur noch warme nostalgische Gefühle weckt, bin ich hier, um die angefangenen Statuen mit Blut zu bespritzen und die verklärten Erinnerungen mit der Realität ins Grab zu schicken!“


Mit ihrer Zunge fährt sie sich über die gebleckten Zähne.


Bella Venera: „Ich habe mich mit Iokepa und Ben Slate für diesen Kampf verbrüdert. Weil wir die Zukunft der GFCW sind – und uns die Gegenwart gehört!“


Leicht aufkommende Buhrufe sind wieder zu vernehmen, allerdings sind viele weiterhin auch gebannt ob dieser faszinierenden Frau – dieser Mischung aus Schönheit und Rache.


Bella Venera: „Pfeift mich ruhig aus, traut euch – meine Schönheit muss euch nicht blenden, meine Anmut euch nicht ablenken. Ihr starrt auf Frauen wie mich nur unter diesem Aspekt – doch ich bin nicht wie die anderen Frauen. Ich bin nicht hier, um gefickt zu werden. Ich bin hier, um zu ficken! Die Hochnäsigkeit, die Arroganz, die Feigheit und die Lügen – die ganze sogenannte Elite! Alle werden in meinem Schoß begraben, alle werden sie winseln und auf allen Vieren kauern, doch meine Rache kennt keine Gnade. Euch mag der letzte Blick gefallen – doch es bleibt euer letzter Blick! Jeder einzelne von euch dämlichen Mitläufern wird erkennen: Schönheit ist das, was ihr seht. Rache ist das, was ihr spüren werdet.“


Nun sind die Buhrufe lauter, Pfiffe gesellen sich dazu.


Bella Venera: „Ivor Ruskin… Du magst kein alter Mann sein, du bist nicht die Elite, um die es mir geht. Und doch bist du mir im Weg! Am Ende wirst du ein Exempel für das sein, was allen widerfahren wird. Mein Kuss wird dir nicht schmecken, meine Lippen werden dir keine Lust bereiten. Das magst du alles hoffen oder dir erträumen. Am Ende habe ich dich aber dort hingeführt, wo ich dich haben will. Du bist in meiner Hand und wirst darin untergehen! Also komm raus und stell dich den maskierten Augen der Venera.“


Singles Match:

Bella Venera vs. Ivor Ruskin

Referee: Mike Gard


Zu seiner Musik kommt nun auch Ivor Ruskin zum Ring und Mike Gard läutet das Match auch sogleich an.


Schnell ist die ungefähr gleich große Wrestlerin bei Ruskin und erwischt ihn unsanft mit einem Kick in den Magen, ein Forearm trifft Ivor hiernach und ein Dropkick schickt ihn das erste Mal auf die Matte. Bella scheint diesen Moment zu genießen, denn sie schaut überlegen zu Ivor Ruskin, der bereits auf der Matte liegt, herunter. Dann hebt sie das Kinn leicht, um auch die Menge zu betrachten, die diese dargestellte Überlegenheit – manche mögen es gar als Arroganz auslegen – nicht wirklich schätzen.

Deswegen jubeln sie als Ruskin ihre Hände wegschlägt, die nach ihm greifen, und sie schnell packt, um sie mit einem Chincrusher zu erwischen. Zwar reibt sich Ivor selbst auch die Rübe, auf der das göttliche Kinn gelandet ist, trotzdem freut er sich ob es Momentums und reißt Bella Venera mit einer Clothesline zu Boden…


Zumindest will er das, doch die Venus duckt unter der Wäscheleine ab, packt den Amerikaner und haut ihn mit einem Neckbreaker auf die Matte. Ivor Ruskin zappelt vor Schmerz, doch Bella Venera rollt sich auf ihn, greift seinen Kopf und zimmert ihm ein paar deftige Fausthiebe auf die Rübe.


Sven: „Sie dominiert Ruskin wieder.“

Pete: „Kurz schien sie etwas den Fokus verloren zu haben, doch sie hat sich relativ schnell wieder gefangen.“


Bella lässt sich nicht hetzen. Jeder Schlag wirkt kalkuliert, fast schon wie ein Ritual. Nach den Hieben verharrt sie einen Moment über ihm, ihre Augen kühl, fast strafend – als würde sie ihre Ankündigung wahr machen, in Ivor Ruskin nicht einfach nur einen Gegner zu sehen, sondern eben ein Symbol für all das, was sie vernichten will.


Langsam erhebt sie sich, greift ihn an den Haaren und zieht ihn unsanft wieder auf die Beine. Ein weiterer harter Forearm trifft Ruskin am Kiefer, gefolgt von einem Chop, der laut durch die Halle hallt.


Klatsch!


Die Fans reagieren gemischt – einige buhen, andere sind beeindruckt von der Intensität.


Sven: „Was für ein Chop! Man hat das bis hier oben gehört!“

Pete: „Und schau dir ihren Blick an… das ist keine Freude am Kampf, das ist… etwas anderes.“


Jetzt schickt Bella Ruskin in die Seile und erwischt den zurückeilenden Mann mit einem wunderschön gesprungenen Dropkick genau am Kopf. Ein Lächeln ziert kurz ihr Gesicht, dann fährt sie sich mit der Zunge wieder über die Zähne. Ivor will allerdings nicht aufstecken und zieht sich an den Seilen wieder auf die Gehglieder zurück. Bella drückt ihn rückwärts in die Ringecke. Ohne zu zögern steigt sie auf das zweite Seil, packt seinen Kopf und beginnt, ihn mit präzisen Schlägen einzudecken. Doch nach dem zweiten Schlag, stoppt sie abrupt ab.


Schnell greift sie Ivor am Kopf, zieht ihn ein Stück nach vorne… und springt elegant ab – ein sauberer Tornado DDT lässt Ruskin erneut hart auf der Matte aufschlagen.

Ein Raunen geht durch die Halle.


Pete: „Das war technisch absolut sauber.“

Sven: „Und gleichzeitig eiskalt. Geil.“


Bella rollt sich geschmeidig zur Seite, richtet sich auf und streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht. Für einen Moment wirkt sie beinahe unantastbar – wie eine Statue, die zum Leben erwacht ist.

Dann blickt sie wieder zu Ruskin, der sich mühsam auf alle Viere kämpft. Bella schaut ihn an, doch als Ruskin sich halb aufrichtet, macht sie einen Schritt zurück und schießt dann nach vorne – ein präziser Big Boot trifft ihn direkt im Gesicht und wirft ihn zurück auf die Matte.


Sven: „Das könnte es gewesen sein!“


Diesmal geht sie runter, hakt das Bein ein.

Eins…

Zwei…

Ivor kann noch einmal die Schulter heben. Er hat noch Kampfwillen in sich und will nicht erneut solch eine schnelle Niederlage einfahren, wie bei der letzten Show. Er schließt und öffnet immer wieder die rechte Hand, die nach seinem Kickout noch immer in der Luft gehalten wird. Das soll ihm Auftrieb geben, doch Bella will nun auch nicht aufstecken. Sie hat sich bereits auf das zweite Seil gesetzt und kommt nun mit einem Axehandleblow auf Ivor zugeflogen. Schnell kann sich der Amerikaner wenden und die Venus mit einem Schlag in den Magen treffen. Bella steht vorne über gebeugt und Ivor nutzt die Chance für einen Faceslam!


Doch der Impact bringt ihm nicht die erhoffte Wende. Zu erschöpft ist Ivor Ruskin inzwischen, zu sehr hat Bella Venera ihn bereits zermürbt. Schwer atmend bleibt er einen Moment über ihr liegen, als müsse er selbst erst realisieren, dass er überhaupt noch im Match ist.


Sven: „Das war wichtig! Das war vielleicht seine letzte Chance!“

Pete: „Wenn er jetzt nicht nachsetzt, war’s das.“


Ruskin robbt sich mühsam zu den Seilen, zieht sich hoch, während Bella langsam wieder auf die Knie kommt. Für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke.

Und diesmal ist es Bella, die zuerst reagiert.

Blitzschnell schießt sie nach vorne, taucht unter einem verzweifelten Schlagversuch von Ruskin ab und tritt ihm hart gegen das Standbein. Der Amerikaner sackt auf ein Knie herunter – genau in die Position, die sie haben will. Ein kaltes Lächeln huscht über ihr Gesicht.


Pete: „Oh… das sieht nicht gut aus.“


Mit einer fließenden Bewegung greift sie nach seinem Arm, zieht ihn nach vorne, verschränkt ihre Beine um seinen Körper und reißt ihn kontrolliert zu Boden.


GOODNIGHT KISS.


Der STF sitzt perfekt.

Mit voller Körperspannung zieht Bella den Kopf nach hinten, während sie gleichzeitig den Arm fixiert – Ruskin ist komplett gefangen, hat keinerlei Ausweg. Sein Gesicht verzieht sich vor Schmerz, er schreit auf, versucht noch verzweifelt, sich nach vorne zu robben.

Doch Bella lässt keinen Zentimeter Spielraum.

Im Gegenteil – sie verstärkt den Druck noch, zieht ihn weiter zurück, ihre Mimik ist dabei fast schon entrückt… als würde sie diesen Moment genießen.


Ruskins Hand schlägt einmal auf die Matte.

Er zögert.

Ein zweites Mal.

Dann ein drittes, deutliches Abklopfen.


Ding, Ding, Ding!


Sven: „Das war’s! Aufgabe!“

Pete: „Bella Venera lässt ihn nicht nur verlieren… sie zwingt ihn dazu!“


Doch Venera lässt nicht los, sie hält den Griff weiterhin. Ivor schreit, er will endlich keine Schmerzen mehr spüren, er will hier raus, er will weg von ihr. Mike Gard ist auch bei ihr und versucht sie ebenfalls erst durch Worte, jetzt durch einen Griff an die Hände von der Tortur abzuhalten.




Bella lässt endlich los und Ivor Ruskin ist froh, dass er aus den Klauen der Göttin entlassen ist. Sein Kopf sinkt erschöpft zu Boden. Es ist eine weitere Niederlage für ihn.

Doch auch in Veneras Gesicht zeichnet sich wenig Genugtuung, wenig Freude ab. Zwar steht die Frau im rot-goldenen Outfit auf und gebietet Mike Gard ihren Arm in die Luft zu heben, doch ihre Augen zeigen, dass ihr Rachedurst mit Ruskin nicht gestillt ist.



Überrascht reißt Bella Venera ihre Hand wieder aus dem Griff, denn es ist nicht ihre Musik, die plötzlich einsetzt. Alle im Rund, sie eingeschlossen, wissen, dass es die Theme des Night Fighters ist, der gerade in Kampfmontur in die Arena tritt. An seiner Stirn zeigt sich noch ein roter Fleck, der uns an die letzte Show erinnern, als Bella ihr Debüt gab und MDs Niederlage mit einem Schlagring besiegelte.

Die unbekannte Konstante geht langsam zum Ring, in der Hand trägt er ein Mikrophon und deutet damit gleich an, dass sein Song wieder verstummen soll.


Mad Dog: „Glückwunsch zum Sieg, junge… Dame.“


Das Publikum und auch Venera reagieren leicht irritiert ob der positiven Aussage des Hundes. Dieser setzt seinen Weg zum Ring fort.


Mad Dog: „Dies hätte dein vielversprechendes GFCW Debüt sein können, stattdessen ist es leider der zweite Akt, huh?! Denn du wolltest es dir letzte Show nicht nehmen lassen, MacKenzie und mich um den Sieg zu bringen. Damit Slate und Iokepa vor ihrer verdienten Abreibung zu beschützen. Wieso, Bella, huh?! Wieso gleich Schmutz an die eigenen Hände lassen? Wieso dich in eine Angelegenheit einmischen, die nicht die deine ist?!“


Simargl steht ihr nun direkt gegenüber, doch Bella Venera hält den Blick, obgleich man merkt, dass ihre Halsschlagader merklich schneller pulsiert.

Sogleich wirft sie sich nach vorne und schmettert der völlig überraschten Töle ihre Faust ins Gesicht!! Das Mikro scheppert zu Boden. Mad Dog wankt zur Seite, doch Bella setzt nach und trifft mit zwei Kicks. Wieder soll eine Faust einschlagen, doch der Hund reißt erstmal die Arme hoch. Wie eine Furie schlägt Venera auf die Deckung ein und drängt Dog zurück.

Endlich kann dieser sie jedoch mit einem satten Kick von sich stoßen. Schnell eilt er hinterher und knallt sie mit einer Clothesline über das dritte Seil auf den Boden. Direkt neben Ivor Ruskin, der dort ebenso seine Wunden leckt.


Bella aber entfährt ein wütender Schrei. Sie kniet auf dem Boden und kann nicht fassen, dass der Fighter ihre Offensive brechen und sie aus dem Ring befördern konnte. Sie funkelt hasserfüllt in Richtung Mad Dog, als Iokepa plötzlich an ihrer Seite auftaucht und sich nach ihr erkundigt. Auch Ben Slate steht mit einem Mikrophon in der Hand auf der Rampe.


Ben Slate: „Was gibt es da zu erklären, Mad Dog?! Dachtest du Iokepa und ich sind die einzigen, die meinen, dass du in Wirklichkeit ein arglistiges, hinterhältiges Arschloch bist, das den aktuellen Jubel nur seinem Alter verdankt. Dachtest du wirklich, es gibt nicht noch mehr Leute, die wissen, dass deine Zeit abgelaufen ist und nun unsere anbrechen wird?!“


Derweil steckt Iokepa mit seiner Freundin Bella scheinbar in einer Diskussion; es ging nicht um Schmerzen. Iokepa wusste, was sie will. Und darum geht es bis jetzt: Sollten sie jetzt nicht noch einmal den Ring entern und es Mad Dog so richtig zeigen?

Bella scheint es zu wollen, Iokepa nicht.

Mad Dog hält sich den Unterkiefer. Jene Stelle, wo die Faust der Schönen kurz vorher einschlug. Dann schüttelt er den Kopf.


Mad Dog: „Wenn das bei der Anniversary Show unfair gewesen sein soll, war es das Ende unseres letzten Matches erst recht! Ihr habt weder beweisen können, dass ihr die kommenden Superstars seid - noch dass meine Entschuldigung an Zereo unaufrichtig war…“


Langsam tritt er an die Ringseile, während Iokepa Bella Venera überzeugen konnte, zurück zu Slate zu gehen. Der Surfer ist es auch jetzt, der Slate das Mikro aus der Hand nimmt.


Iokepa: „Du hast genauso wenig bewiesen, Hund. Du hast einen Kampf gegen mich gewonnen, weil du Bens Strategieplan gestohlen hattest. Du hast nicht gezeigt, mehr als ein Has-been zu sein!“


Bella Venera nickt, während die unbekannte Konstante erneut den Kopf schüttelt.


Iokepa: „Wir sind quitt - und können die Sache jetzt ein für alle Mal regeln!“


Iokepa nickt zu Ben und Bella - dies scheint ihr Plan gewesen zu sein: Sich mit einem unfairen Sieg die Chance auf ein Entscheidungsmatch zu erstreiten. Nachdenklich legt die Töle den Kopf schief.


Mad Dog: „Gut! Dann lasst es uns regeln! In zwei Wochen! Ihr Drei gegen Zerbeus und mich!“


Nicht nur beim Publikum sorgt dieser Satz für eine unmittelbare Reaktion. Auch das Trio Infernale schaut sich an, sobald die Herausforderung im Raum steht. Iokepa und Bella sind in einen Dialog vertieft, dessen exakter Inhalt nur sie Beide angeht. Aber die Kampfeslust auf ihren Gesichtern spricht Bände. Das ist genau das, was sie wollen.

Sie nicken in Richtung Ben Slate. Jetzt liegt es noch an ihm. Der Schweizer lässt sich Zeit. Er ist keiner für vorschnelle Entscheidungen. Sein Blick geht in Richtung Mad Dog, dann zu seinen Verbündeten. Und interessanterweise liegt er auch lange auf Ivor Ruskin, der – nach seinem Match geschlagen – in diesem Augenblick an ihren vorbei Richtung Backstagebereich schlurft. Er ist derjenige, den Slate bei seinem Debüt geschlagen hat. Nun schaut der Analytiker ihm lange hinterher. So lange, bis nicht nur Mad Dog im Ring vor Ungeduld mit den Hufen scharrt.


Ben Slate: „Wir akzeptieren.“



Es wird in den Backstagebereich geschaltet und niemand Geringeres als die amtierenden Tag Team Champions Zerbeus sind zu sehen. Mit dem Wissen im Hintergrund, dass sie heute ihr Titelgold aufs Spiel setzen müssen, haben sie ihre Ring Gear schon angezogen und die spezielle Gesichtsbemalung von MacKenzie ist auch schon aufgetragen. Die Bemalung ist heute über den Rücken unter seiner Tätowierung erweitert: „ZK 200“ ist dort riesengroß zu lesen.


Die Freude des 200. War Evening Auftritts des Kaliforniers bleibt aber aus, ernst blickt er auf den Monitor, der vor ihm gerichtet ist.


Zereo Killer: „Hm…“


Ohne etwas zu sagen, lässt er Mad Dogs Herausforderung an Slate, Iokepa und Bella auf sich wirken. Raymond Douglas schaut derweil mit etwas hochgezogenen Augenbrauen auf seinen Tag-Team Partner. Kurz setzt er an, um etwas zu sagen. Bricht dann doch wieder ab und schüttelt den Kopf. Dann nimmt er nochmal Schwung und schaut ZK direkt an.


Morbeus: „Mike! Bist du bereit für unsere Titelverteidigung? Das wird ein hartes Stück Arbeit für uns. Ich denke der Fokus des heutigen Abends ist also sonnenklar… jetzt sehe ich aber auch, wie du da auf den Bildschirm stierst. Alles was Mad Dog passiert nimmt dich mit und das seitdem ihr euch nach etlichen Jahren wieder getroffen habt. Ich mein, jeder von uns hat seine Themen aus der Vergangenheit noch in der Gegenwart zu tragen. Stichwort „PÄCKCHEN“. Ich weiß, woran du denkst, Legende. Du weißt nicht was du tun sollst. Dein Herz will dem Night Fighter helfen. Abermals. Ich habe es dir das letzte Mal schon gesagt: man kann hier nicht auf jedem Ball das Tanzbein schwingen. Und schon gar nicht, wenn man nur noch die Puste für einen langen Tanz am Abend hat!“


Morbeus schaut etwas angestrengt zur Seite und stoppt kurz. Dann schnauft er kurz durch und schaut den etwas ratlos wirkenden MacKenzie abermals an, der sich allerdings mittlerweile weggedreht hat.


Morbeus: „Hey, will hier nicht den Spielverderber mimen. Ich bin auch bereit euch beiden gegen diese Widerlinge weiterzuhelfen... aber alles zu seiner Zeit! Bitte, bitte, bitte. Konzentriere dich heute auf das Titlematch! Mit großem Pathos haben wir die Belts gewonnen und reiten seitdem auf einer herrlichen Welle. Aber wenn wir nicht aufpassen, ist der Spaß auch wieder schnell vorbei und die HATER gieren doch nur danach, uns endgültig aufs Altenteil zu schieben. Ich hab da keinen Bock drauf!“


Mr. #ISGI dreht sich zu seinem Partner und scheint sich zu einem Lächeln zu zwingen. Er blickt auch über die Schulter von Morbeus hinweg und fokussiert sich auf die angesprochenen Tag Team Titel, die heute auf dem Spiel stehen.


Zereo Killer: „Du hast Recht, mein Lieber. Man kann einfach nicht überall gleichzeitig sein…“


Auch wenn ihm dieser Satz sichtlich schwergefallen ist, ist es nur eine logische Konsequenz. Dennoch, ein sorgenvoller Blick bleibt beim Amerikaner haften, wenn er an die Titelverteidigung denkt.


Morbeus: „Na, so richtig überzeugend war das aber nun nicht, Keule. Gut, dass du Wrestler geworden bist, als Salesman hättest es wohl schwer das ganz große Geld zu machen…


Ein weiterer, tiefer Seufzer ist zu vernehmen und er blickt auf das Poster, welches im Hintergrund an der Wand hängt. Es zeigt das heutige Titelmatch von Zerbeus gegen Fenrir und Jörmungandr.


Zereo Killer: „Weißt du, ich bin schon sehr lange in diesem Geschäft und ich habe wirklich, wirklich schon so viel miterlebt, sei es im Ring, oder auch abseits des Rings. Ich bin durch brennende Tische gefallen, hab ein Glasshouse Match bestritten, bin durch einen Hell in a Cell Käfig gekracht und der halbe Ring ist zusammengebrochen. Ein verdammter Ringpfosten wurde abgebaut und gegen mich als Waffe verwendet. Ich hatte mehrere Tische übereinander zwischen einem Käfig- und Hell in a Cell geklemmt und bin dort durchgesprungen…“


Ja, es waren wahrlich verrückte Szenen, wenn Zereo Killer im Ring war und die Glocke läutete…


Zereo Killer: „Ich dachte wirklich, dass mich nichts mehr erschrecken kann, aber…“


MacKenzie schaut weiterhin auf das Poster, Morbeus sein Blick ist nun auch darauf gerichtet.


Zereo Killer: „… ich habe noch nie gegen Frauen gewrestlet.“


Ray Douglas unterdrückt sein Grinsen, schließlich ist der Moment doch etwas zu ernst. Vermutlich gehen dem Mann aus Vancouver ein paar sehr flapsige Sprüche durch den Kopf, doch er beißt sich da nun auf die Lippe. Besser ist es.


Morbeus: „Nicht nur die Außenwelt auch die GFCW hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Wir beide sind ja eine Wrestling-Generation. Klar, war es mir auch lange unbekannt gegen Frauen kompetitiv zu wrestlen. Aber die Entwicklung hat gezeigt, dass es da in den letzten Jahren einige Damen völlig zurecht um Titles in der GFCW wrestlen. Vor allem Luna Rosario. Sie hatte vielleicht den größten Schuss von allen im Roster. Ihre Hardcore-Matches waren legendär und ihr Run sehr beachtlich. Die Olle ging mir richtig auf den Zeiger, kann ich dir sagen. Am Anfang wurde sie noch etwas unterschätzt und dann hat sie es eigentlich fast allen gezeigt. Außer mir natürlich. Aber das war dir vermutlich eh klar, HAHAHAH.“


Auch Zereo Killer kann nun etwas grinsen.


Morbeus: „Eben deswegen dürfen wir eines nicht tun: die Norwegerinnen unterschätzen. Also schon gar nicht zimperlich mit den beiden umgehen. Wir müssen 100 % geben. Die beiden sind auch deutlich jünger als wir es sind und technisch hervorragend ausgebildet. Das Geschlecht macht 2026 keinen Unterschied mehr aus im Ring. Sie wollen die Gürtel um jeden Preis, sind hungrig. Was meinst du, was den beiden das bedeuten würden, wenn sie uns Legenden den Title abnehmen könnten?! Zerbeus muss alles geben, damit das nicht geschieht. Iðunn Jörmungandr ist 2,02 m und Skadi auch über 1,90 m. Da sind sie uns überlegen. Richtige Viecher, hätte mein alter Vater sie wohl beide genannt. Also… lange Rede, kurzes Knie: Vergiss das mit den Samthandschuhen, vergiss das mit dem Unterschätzen. Fokussieren und AUF. DIE. FRESSE.“


Mit Morbeus seiner Rede scheint er den Kampfgeist des Kaliforniers offensichtlich geweckt zu haben. Das folgende Ausseufzen ist von wesentlich entspannterer Natur und er scheint sich gefangen zu haben.


Zereo Killer: „Weißt du was? Du hast Recht.“


MacKenzie geht an Morbeus vorbei und schnappt sich beide Tag Team Gürtel. Einen legt er dem Kanadier über die Schulter, den zweiten sich selbst.


Zereo Killer: „Wir werden heute in diesem No Ropes Match alles geben, damit wir als Sieger aus dieser Schlacht kommen! Ich werde dieses noch nie dagewesene Hindernis überwinden… müssen… und gegen die Norweger antreten. Ich werde dich nicht enttäuschen.


So eine kleine Ansprache gefällt Morbeus sehr gut.


Zereo Killer: „Danke, dass du mich aufgebaut hast. Was würde das denn sonst für ein zweihundertster Auftritt von mir sein? Du hast mich motiviert, mir mein Selbstvertrauen für heute wieder gegeben! Verstehe mich nicht falsch. Ich weiß, was ich kann, ich weiß, wozu ich fähig bin, ich hatte lediglich Zweifel, ob ich das auch gegen Wrestlerinnen wiedergeben kann…“

Morbeus: „Denk einfach an die Hünenhaftigkeit der beiden. Urviecher sind das. Und wenn du es nicht glaubst, dann werden die dir nachher im Ring ordentlich auf die 12 geben. Ich kann dir aber nur empfehlen, es nicht noch zu provozieren. Auf diesem Level begegnen wir keinem Osterhasen mehr!“


Offenkundig das Wort zum Ostersonntag. Die Kamera zoomt heraus.



Pete: „Sven.“

Sven: „Pete.“

Pete: „Weiterhin ist die Liga auf der Suche nach unserem Glücks-Ei. Ist dir gerade auch aufgefallen, dass Bella Venera einen Blick unter die Ringschürze geworfen hatte, bevor der Kampf gegen Ruskin begann?“

Sven: „Offenkundig erfolglos. Wir können also unsere deduktiven Fähigkeiten – ich korrigiere: MEINE deduktiven Fähigkeiten – nutzen und schlussfolgern, dass das Glücks-Ei nicht unter dem Ring ist.“

Pete: „Aber vielleicht hat sich backstage etwas getan. Wir schalten mal zu Tammy.“


Genau das wird getan. Die Kamera schaltet in den Backstagebereich, wo uns das gewohnt charmante Lächeln der Reporterin erwartet. Tammy steht vor einer grauen Wand, die nur dadurch unterbrochen ist, dass eine schwere Sicherheitstür in ihr eingelassen ist.

Stirnrunzelnd blickt Tammy das Schloss an.


Tammy: „Hier geht es runter zu unserem Heizungskeller. Eigentlich hat sich hier niemand rumzutreiben, aber eben gerade habe ich eilige Schritte gehört…“


Mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht drückt Tammy die Klinke herunter und öffnet die Tür.

Sie späht hinein, scheint aber nichts zu erblicken.


Tammy: „HALLO?“


Ruft sie ins Dunkel, die Treppe herunter. Doch keine Antwort ertönt. Tammy wartet einen Moment, dann ruft sie noch einmal.

Wieder erfolglos.


Tammy: „Scheinbar habe ich mich geirrt. Ich dachte, es wäre jemand hinuntergegangen. Naja, dann schauen wir mal, ob ich woanders jemanden finde, der auf der Jagd nach dem Glücks-Ei ist…“


Geknickt, dass ihre Newslust nicht befriedigt werden konnte, schleicht Tammy davon. Die Kamera jedoch bleibt noch einen Augenblick länger auf dem Bild. Sei es aus Intuition oder auch Zufall.

Wenige Sekunden, nachdem Tammy verschwunden ist, ertönen dann doch Schritte auf der Treppe, die zum Heizungskeller hinabführt. Die Klinke wird hinuntergedrückt, diesmal jedoch von innen. Und dann schwingt, mit großem Schwung, die Kellertür auf. Hinaus tritt…

ein enttäuscht wirkender Chris Dimer.

Sein Gesicht ist vom Kellerruß verschmiert. Ganz offenkundig hat er dort unten keinen Stein auf dem anderen gelassen. Und doch: Seine Hände sind leer. Sie umfassen nicht das ersehnte Ei. Wo auch immer das Schicksal das Glücks-Ei platziert haben mag – der Keller ist auszuschließen.


Tag Team-Match:

TSEizn Ra(re)BBits (Tsuki Nosagi & El Metztli) vs. Black Wyrms (Brigitte Reflet & Shizuku Shikishima)

Referee: Karo Herzog



Güldenes Scheinwerferlicht bei sonst tiefschwarzer Atmosphäre, der Moment, in dem die Fans unweigerlich beginnen „Let’s Go Worms“ zu rufen und ihre Plakate zücken, auf denen drollige, schwarze Würmchen zu sehen sind. Die Marketingabteilung der LPG hat ganze Arbeit geleistet dieses Image zu etablieren, so wenig dies „La Vouivre“ Brigitte Reflet auch gefallen will – aber weder ihr Spitzname (wer versteht auch schon französisch?) noch ihre Einzugsmusik (wer reitet was?) sind Hinweis genug darauf, dass sie Drachen sind.

Da hilft es auch nicht, auf den dunklen Umhängen der weißblonden Französin und naturblonden Japanerin die goldenen Wyrmmotive eindeutig Drachen zeigen oder dass ihr Entrance Theme ein klarer Hinweis auf Drachen sind. Kollektivverklärung der zumindest harmlosen Sorte.


Pete: „Dieses Match gab es erstmals am 11.07. letzten Jahres, damals war es ein Match der GFCW Neulinge Black Wyrms gegen die Hasen während ihrer ersten Titelregentschaft.“
Sven: „Seitdem hat sich viel getan – die Hasen sind nun ehemalige zweifache Champions, dafür ohne FUCHS aber mit dem Segen des Weihnachtsmannes unterwegs. Die Black Wyrms hingegen sind von Talenten zu einem ernstzunehmenden Team geworden – wurde auch langsam Zeit, es heißt sie teamen seit Ende 2020 oder so. Aber manche entwickeln sich nun einmal spät, andere nie, so wie mein Kollege hier.“



Pinker Nebel in kompletter Dunkelheit – das markante Auftrittsspektakel von . Auf dem Titantron erscheinen Tsuki Nosagi und El Metztli. In einem dunklen Raum sehen wir die Silhouetten der beiden Hasen. Das pinke Licht wirft die Schatten an die Wand. Während die beiden ohne Hasenohren im Raum stehen sehen wir sie eindeutig auf den Köpfen der Schatten. Von der fallen zwei pinke Lichtkegel auf den Boden. Die Hasen gehen drauf zu und blicken in den Schein zur Decke. Dann gibt es einen Sprung – und sie sind da, in der Halle! Und die Fans gehen steil.


RABBITS RABBITS RABBITS


Die Fans skandieren ihren Namen. Nachdem sich die beiden abgeklatscht haben marschieren energisch zum Ring. Auf allen vier Seiten desselben lassen sich die Hasen feiern und betreten anschließend den Ring.


Pete: „Heute sind sie also da. Warum ist doch noch gleich das Match der Hasen gegen den Cirque du Tonnerre ausgefallen?“
Sven: „Verpasster Flug, verdorbene Möhren gegessen, jedenfalls waren die Hasen nicht da. Ist doch auch egal.“


Beide Teams sind da, Referee Karo Herzog ist da, es kann losgehen und es geht auch los. Mit Brigitte Reflet gegen El Metzli um genau zu sein, also dem Maximum an körperlicher Ungleichheit. Brigitte misst 1,54 und ihr mexikanischer Gegner El Metzli 1,95. 92 Kilo hat Brigitte auch nicht auf der Waage, auch wenn ihr Haupthaar im offenen Zustand reichlich Bodenkontakt herstellen würde und sie zumindest in der Hinsicht etwas mehr Gewicht mitbringt als die meisten andere Frauen. Vor allem aber bringt Brigitte viel Schnellkraft in ihre Attacken, die somit mehr Wucht haben als der Umfang ihrer Arme oder Beine vermuten lässt.

Dennoch: was bei Brigitte drei bis vier Schläge oder Chops sind, erledigt El Metzli mit einem.

Was Brigitte nicht davon abhält voll in die Offensive zu gehen – im ersten Match war man nach einer Anfangsoffensive letztlich hoffnungslos unterlegen und die aufbrausende La Vouivre will nun demonstrieren, dass dies nicht länger der Fall ist. Und so steckt sie die Gegentreffer mit furioser Willenskraft weg und drängt El Metzli mit European Uppercuts in die Ringecke zurück – der Versuch zum Tornado DDT wird vom Mann aus Tepito jedoch abgewehrt und prompt zum Versuch des Mexican Death Wish genutzt. Aber der Reverse Destroyer wird rerversed – also nicht zum normalen Destroyer, sondern per Back Body Drop, bei dem Brigitte den Schwung des Mexikaners für sich nutzt. Danach wechseln beide und es gibt das japanische Duell Shizuku Shikishima gegen Tsuki Nosagi. Mit 1,69 gegen 1,78 schon eher ein Duell auf physikalischer Augenhöhe.

Und doch das Duell zweier komplett unterschiedlicher Stile – Tsuki ist schnell und wendig, Shizuku bevorzugt es körperbetont mit Grappling. Ergo gilt es für Shizuku den wendigen Hasen, der dereinst aus der Black Wyrm Ravage auskickte und so den Move aus dem Repertoire der Black Wyrms verbannte, erst mal zu fassen zu kriegen.

Und das ist denkbar schwierig.

Wieder und wieder entzieht sich Tsuki ihrem Zugriff und kann selber einige Aktionen landen – aber sein Roaring Elbow geht daneben und eröffnet es Shizuku per Blue Thunder Roar (Slingshot Blue Thunder Bomb) den Schwung Tsukis gegen ihn zu nutzen, ähnlich wie es Brigitte zuvor mit El Metzli gelang. Ein Indiz dafür, wie gut sich die Black Wyrms auf dieses Match vorbereitet haben. Das Cover geht aber natürlich nur bis zwei, die Blue Thunder Bomb ist auch in dieser Sunderversion dazu verflucht nur 2 Counts zu produzieren als ob es ein ungeschriebenes Gesetz des Wrestling des Wrestling wäre. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Kurz darauf kann dann auch Tsuki kann Shizukus Schwung gegen diese nutzen. Und zwar per Defense Dropkick in deren Running Crossbody hinein. Wechsel mit El Metzli und dieser nimmt Shizuku erst mal in den Mexican Stretch. Brigitte überlegt einzugreifen, lässt es aber bleiben, da Shizuku sich freizappeln kann. Dank zeitigem Zuruf von Brigitte vermag es Shizuku auch dem Elbow from Behind zu entgehen und selber per Dragon Suplex in die Brücke dagegenzuhalten. Das Cover wird aber nicht spannend, da Tsuki seinem Partner rasch zur Hilfe kommt. Und wo sie schon mal zu zweit sind können sie auch in die Vollen gehen:


MORDISCO DE USAGI!


Nein, doch nicht. Brigitte ist rechtzeitig zur Stelle und knallt mit ihrem Wyvern Wingspan Springboard Lariat Tsuki über den Haufen, sodass dieser aus dem Ring gefegt wird. El Metzli revanchiert sich jedoch und knockt seinerseits Brigitte aus dem Ring und versucht danach Shizuku per Ground Headlock zu zermürben. Die kann sich aber in die Seile retten, muss dafür aber noch einige Aktionen mehr wegstecken, inklusive El Metzlis Facecrusher, der zu einem Near Fall zu Gunsten der zweifachen Champs führt. Tsuki ist derweil zurück in der Wechselecke, wird auch eingewechselt und so langsam entwickelt sich das Match doch wieder zu einem von den Hasen dominierten Match.

Shizuku muss einiges einstecken, aber in einem günstigen Moment rollt sie sich aus dem Ring und entgeht so Tsuki Nosagis Frog Splash. Der hat aber keine Lust auf Shizukus Rückkehr in den Ring zu warten und spurtet los zum Suicide Dive – der jedoch wird von Shizuku per beherztem European Uppercut abgefangen, womit Tsuki nun mächtig angeklingelt in den Seilen hängt!

El Metzli erkennt die Gefahr und entert den Ring, aber das animiert Brigitte nur dazu dasselbe zu tun. La Vouivre duckt sich unter einem Clothesline hinweg, nimmt Schwung in den Seilen und landet ihren Spear!

Aber natürlich ist Brigitte kein The End, der Spear einer 1,54 kleinen Frau hat nicht dieselbe Wucht und so bleibt El Metzli nicht lange auf der Matte, sondern kommt wieder hoch und schüttelt auch einen Lariat von Brigitte ab als wäre es nichts – dass ob des Größenunterschieds auch nur seine Brust getroffen wird hilft dabei. Doch der Größenunuterschied wird kurz darauf vom Nach- zum Vorteil von Brigitte, kann sie doch leicht einem deftigen Gegenschlag von El Metzli ausweichen und ihn per Shotgun Dropkick erwischen, der Metzli gegen Tsuki prallen lässt und das Kopf gegen Kopf. Shizuku zieht dann vom Apron aus das Seil runter, an dem Metzli Halt finden wollte und er purzelt aus dem Ring. Sehr zur Freude von Karo Herzog, der es allmählich echt missfiel, wie viel Zeit im Ring die beiden irregulären Personen verbracht haben. Brigitte Reflet ist aber natürlich noch immer da und wird ermahnt den Ring nun allmählich auch zu verlassen. Die deutet an „nur eine Aktion noch“ und packt gegen Tsuki Nosagi zu zum Glorious DDT… und wartet. Shizuku eilt ihr zur Seite und packt Tsuki Nosagi von der anderen Seite. Sie sehen sich an, lächeln sich an und dann… hieven sie Tsuki Nosagi hoch! Zu zweit gar kein Thema… und dann geht es abwärts in den doppelten Glorious DDT!


Wyvern Glory!


Das also ist die Aktion, zu der sie ZerBeus inspiriert hat, durch deren doppelten Elevated DDT. Würden Brigitte und Shizuku doch mitunter allein nicht genug Wucht in die Aktion kriegen, besonders gegen größere und stärkere Gegner, so ist der Glorious DDT als Tandem Aktion nicht nur verheerend, sondern auch etwas, das sie gegen nahezu alles und jeden zeigen können. Außer vielleicht Meathook. Das Cover durch Shizuku erfolgt, während sich Brigitte per Tornillo auf El Metuli wirft, auf dass dieser nicht eingreifen kann und dann ist es passiert: der erste große Sieg der Black Wyrms als Tag Team bei GFCW! Die Next Level Tag Team Champions von WFW haben soeben die zweifachen GFCW Tag Team Champions geschlagen und ihre Finisher Odyssee beendet! Mehr noch: mit diesem Sieg haben sie sich unweigerlich für New Level als potentielle Herausforderinnen auf das Tag Team Gold positioniert. Doch das ist Zukunftsmusik, für den Moment heißt es freuen über diesen großen Sieg und das machen die Black Wyrms auch.




Shelly Nafe ist kaum aus der kühlen Abendluft ins Innere der Halle getreten, da nimmt sie aus den Augenwinkeln Bewegungen wahr. Abrupt bleibt sie stehen und schaut sich um. Das Klacken ihrer Absätze verhallt in den Gängen.

Was geschieht hier?

Links und rechts von ihr sieht sie Gestalten, die sich – man kann es nicht anders nennen - lächerlich aufführen. Wie Babys krabbeln sie über den Boden. Lugen in die Ecken. Heben Mülltonnen hoch und verschieben Kisten. Das Schlimmste daran: Es handelt sich nicht um Kinder. Es sind erwachsene Männer. Wrestler. Sie sieht Rodrigo Gaya, der seine Athletik nutzt, um affengleich an einem Schrank hochzuklettern und auf die staubbedeckte Decke zu schauen. Reed Bunton, der zwei Produktionsmitarbeiter verscheucht, dann mit bloßen Händen das Schloss einer Technikbox aufbricht und angestrengt in den einliegenden Kabeln wühlt. Jackie D’Arcy, der durch den Dreck kriecht, um die Rückseite einer Heizung abzusuchen.

Ist sie bei der verstecken Kamera gelandet? Oder ist die ganze Liga in den letzten 2 Wochen dem Wahnsinn anheimgefallen?

Dann dämmert es ihr: Ostern. Die große Suche nach dem Glücks-Ei. Das erklärt den Anlass dieses Gebaren – nur besser macht es das nicht. Sie kann niemanden respektieren, der für den Weg zum Erfolg die eigene Würde aufgibt. Schließlich gibt es alternative Wege. Solche, die sie für ihre Klienten ebnet. Heute ist der Tag, an dem auf eben jenen Weg die nächste Etappe bestritten wird. Der größte Kampf für den Sturm, den sie in dieser Liga entfesselt hat. Iray Burch. Was Nafe zum Stichwort bringt: Wo ist Iray? Sicher nicht Teil des absurden Suchmobs. Dafür sieht die eiersuchende Konkurrenz zu unversehrt aus.

Als Nafe sich weiter umschaut, bemerkt sie, dass nicht nur sie etwas beobachtet. Nein, sie ist ebenso sehr selbst Beobachtungsobjekt eines Anderen. Einen Moment lang lässt diese Einsicht ein Runzeln auf ihrer Stirn wachsen, dann kehrt ihre gewohnt eiserne Miene zurück. Sie stöckelt auf den Beobachter zu, der an einer Wand gelehnt steht.


Shelly Nafe: „Ich hatte damit gerechnet, dass unsere erste Begegnung stattfinden wird, wenn du zu Füßen von Iray liegst.“


Der Anflug eines Lächelns in ihrem Gesicht. Sie hat Spaß am Spiel mit der subtilen Provokation.


Shelly Nafe: „Doch scheinbar liegt dir etwas an einem Aufeinandertreffen mit mir. Denn deine Anwesenheit ist sicher kein Zufall. Und auf der Suche nach dem Glücks-Ei…“


Mit Herablassung deutet sie auf die Eiermänner hinter sich. Gaya und D’Arcy waren erfolglos, denn sie schleichen mit hängenden Schultern davon.


Shelly Nafe: „…bist du wahrscheinlich auch nicht. Schließlich hast du etwas viel Schöneres bereits in deinem Besitz.“


Und das ist in diesem Fall die GFCW Heavyweight Championship. Auf den Schultern von The End. Denn der Titelträger ist es, der Nafe seit ihrem Eintreffen beobachtet hat.


The End: „Scharfsinnige Beobachtung. Und ich schätze… du suchst ebenso wenig danach wie ich, schließlich hast du etwas viel Schrecklicheres in deinem Besitz.“


End gibt Nafe ihre Worte zurück, spielt damit aber weniger auf das nichtvorhandene Gold, als vielmehr auf das Monster Iray Burch an, dass grundsätzlich wohl unter Nafes Kontrolle zu stehen scheint. Zumindest meistens.


The End: „… oder… etwa nicht?“


Nunja, das ist die Frage, denn Iray Burch ist hier gerade nicht zu sehen. Also scheint sie tatsächlich auf der Suche zu sein, nicht nach dem Ei, aber nach ihrem Klienten. Und auch, wenn es End nicht direkt ausspricht, ist es genau das, was er andeuten will.

Erwischt. Doch läge nichts ferner für Shelly Nafe außer zuzugeben, dass The End richtig liegt. Sie behält ihr Pokerface bei und legt den Kopf schief.


Shelly Nafe: „Was macht dich da so sicher? Iray weiß, was er zu tun hat, um nach dem heutigen Abend als dein neuer Herausforderer festzustehen. Ich kann mir zurücklehnen. Und von der Zukunft träumen.“


Ihr Blick fällt auf den Titel ihres Gegenübers. Nicht ohne eine Spur Gier.

End bekommt diesen Blick mit und während er ihr einen Moment der Trance gewährt, rückt er den Titel provokant zu Recht, womit sich ihr Blick direkt zu lösen beginnt. Dabei lacht End subtil und dennoch überlegen auf.


The End: „Aber sicher kannst du das.“


Man hört die Ironie deutlich heraus.


The End: „Shelly. Wenn ich etwas ganz sicher kenne, dann sind es Menschen wie dich. Eure Stärke ist es die Dinge zu kontrollieren, dann seid ihr gefährlich. Sehr gefährlich. Habt ihr allerdings keine Kontrolle… dann wird es für euch gefährlich. Und jetzt gerade, scheinst du die Kontrolle ganz sicher nicht zu haben und da du heute aber nicht selber kämpfen kannst, brauchst du Iray, um alles ganz genau durchzuplanen: um die Kontrolle zu behalten. Nur wo ist Iray?“


Freudlos, aber mit vielleicht von etwas Anerkennung getragen, lächelt Nafe in Richtung des Champions.


Shelly Nafe: „Eine bemerkenswert schlüssige Argumentation für jemanden, der in seiner Karriere so viele falsche Entscheidungen getroffen hat. Also, ich gebe es zu: Du hast Recht. Ich werde in der Tar diesen Abend mit Iray verbringen, um auch den letzten kleinen Zweifel daran auszuräumen, dass du sein nächstes Spielzeug wirst.“


Sie ist im Begriff, sich vom Champion abzuwenden.


Shelly Nafe: „Ich werde ihn nun suchen. Wir werden uns wiedersehen, wenn du zu geschlagen zu seinen Füßen liegst.“

The End; „Ich könnte dir die Suche nach Iray erleichtern.“

Shelly Nafe: „Ach? Du weißt, du er ist?“

The End: „Könnte man so sagen, ja.“


End wendet sich leicht von Nafe ab. Man merkt deutlich, dass er diesen erhabenen Moment sichtbar auszukosten versucht. Mit diebischer und finsterer Freude fährt er dementsprechend fort.


The End: „Man könnte sogar so weit gehen und sagen… dass ich dafür gesorgt habe, dass Iray ist, wo er ist. Denn, nachdem das Aufeinandertreffen der Beiden vor zwei Wochen so unrühmlich ausgegangen ist, dachte ich, wäre es gut, wenn die Beiden sich noch einmal sprechen, vor dem großen Match heute Abend: insofern… könnte man sagen… ist Iray gerade bei Darragh Switzenberg.“


Ein Stirnrunzeln auf Nafes Lippen. Das klingt nach Ärger. Und plötzlich ist eine Eile in ihrem Gang. Schnellen Schrittes stöckelt sie davon, läuft durch das mausgraue Backstagelabyrinth. Sie blickt nach links, blickt nach rechts. Doch außer noch mehr erfolglosen Glückseisuchenden wird sie nirgends fündig.

Die Ungeduld in ihrem Blick wird immer größer. Achtlos schiebt sie ein Crewmitglied zur Seite. Dann endlich: Eine bekannte Stimme verrät ihr, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Sie schlüpft durch einen Türrahmen, dann steht sie im Catering-Bereich.

Und sieht Darragh Switzenberg, dessen Fluchtweg durch Iray Burch abgeschnitten ist.


Darragh Switzenberg: „Shelly.“


Jovial nickt der Kanadier in Richtung der Managerin. Oder versucht zumindest, es zu wirken zu lassen. Denn die weit geöffneten Augen und die beschleunigte Atmung machen deutlich, dass es nervös ist. Kein Wunder angesichts dessen, dass er zwischen dem Buffet und dem näherkommenden Leib Iray Burchs eingekesselt ist.


Darragh Switzenberg: „Bitte sag Iray doch, dass es früh genug ist, wenn wir uns im Ring treffen. Es gibt keinen Grund für solche…“


Angespannter Blick in Richtung Burch.


Darragh Switzenberg: „…Feindseligkeiten.“


Burch macht einen weiteren Schritt auf Darragh zu. Nur noch ein guter Meter trennt die Beiden. Die Anwesenheit seiner Managerin hat Burch noch wirklich wahrgenommen. Er geht, die tiefliegenden Augen in Darragh gebohrt, weiter auf Switzenberg zu.


Shelly Nafe: „Iray.“


Der Angesprochene bleibt stehen. Wendet sich um.


Shelly Nafe: „Konzentrieren wir uns auf den offiziellen Teil heute Abend, ja?“


Nicht nur Nafe, sondern vor allem Switzenberg sucht nach Verständnis in den Augen des Menschen. Doch nachdem Burch ruhig zugehört hat, geht sein Blick nach Momenten des Nachdenkens zurück zu Darragh.


Iray Burch: „Unser lieber Freund Darragh. Geht so leicht verloren. Wie vor zwei Wochen.“


Ein weiterer Schritt in Richtung des Kanadiers. Switzenberg kann den Atem des Big Bad Bastards riechen. Verzieht das Gesicht.


Iray Burch: „Ich passe darauf auf, dass er nicht wieder verloren geht. Damit wir Spaß miteinander haben können.“


Als er sich wieder in Bewegung setzt, greift Switzenberg, was er am Buffet zu fassen bekommt. Er richtet seine Salatgabel in Richtung Burch.

Jetzt macht er keine Anstalten mehr, seine Anspannung zu verbergen.


Darragh Switzenberg: „Du verpisst dich jetzt, Iray.“


Die Gabel kommt näher bis sie fast in Burchs Brust bohrt. Der nimmt es still hin.


Darragh Switzenberg: „Oder es wird unschön.“


Burch hebt die Hand. Führt seinen Daumen an die Spitze der Gabel. Drückt die Haut dagegen, bis ein kleiner roter Blutfluss entsteht, der die Hand hinunterrinnt.


Iray Burch: „Du möchtest also auch spielen, Darragh.“


Er breitet die Arme aus.


Iray Burch: „Und du darfst sogar den ersten Zug machen.“


Ein Fluch zieht über Switzenbergs Lippen. Er hat mir vielem gerechnet, wohin diese Drohung führen könnte. Aber nicht mit einer Aufforderung, einfach zuzustechen.

Angewidert starrt er auf Burchs blutige Hand und die ebenso rote Spitze der Gabel.


Darragh Switzenberg: „Kranker Wichser.“


Noch zögert Darragh. Doch mit jedem Zentimeter, den Burch näherkommt, wird die Waffe in der Hand zu einer validen Option, aus dieser Situation unbeschadet herauszukommen.

Im Hintergrund räuspert sich Nafe.


Shelly Nafe: „Iray.“


Sie sagt es noch einmal. Deutlicher und lauter. Burch dreht sich zu ihr um. Im Hintergrund atmet Switzenberg erleichtert aus und lockert die Muskeln.


Shelly Nafe: „Darragh hat einen Fehler gemacht, als er vor zwei Wochen geflohen ist…“

Darragh Switzenberg: „Ich habe eine STRATEGISCHE ENTSCHEIDUNG getroffen. Das ist ein Unterschied.“

Shelly Nafe: „…doch es wird nicht besser dadurch, indem wir unsere Kräfte hier und jetzt vergeuden. Heute Abend hast du die Chance, mit ihm zu spielen.“


Burch antwortet nicht. Er steht mit unbewegter Miene da.


Shelly Nafe: „Auf eine Weise, die auch mir gefällt.“


Lange und tief blickt Nafe ihn an. Sie scheint in seinen Augen etwas zu sehen, das dem Rest der Welt verborgen bleibt. Legt ihm eine Hand auf die Schulter – und drückt langsam die Arme herunter, die er in Richtung Switzenberg erhoben hat.

Burch lässt sie gewähren. Mit einem erleichterten Seufzen nutzt Switzenberg die erste Gelegenheit und schlüpft aus der Lücke in die Freiheit. Seine Gabel hält er weiter in der Hand. Zur Sicherheit. Er schaut die blutige Spitze an.


Darragh Switzenberg: „Mir ist der Appetit vergangen, fürchte ich. Ich darf mich also empfehlen, wir sehen uns später. Im Ring. Auf Wieders…-“


Er wendet sich um und geht davon. Und läuft beinahe in The End. Der Champion ist Nafe offenbar gefolgt.


The End: „Na was denn, du lässt ihn so einfach davonkommen?“


Ends leicht „verschmitzte“ Art, mit der mit Nafe fast schon gespielt hat, ist inzwischen mehr oder weniger verzogen. Und dennoch steht da ein berechnender End, dem wohl durchaus bewusst zu sein scheint, was seine Worte hier anrichten können. Er wandert dabei mit dem Blick zu Switzenberg, Nafe und Burch, vor allem an letzterem bleibt er aber hängen.


The End: „Vielleicht keine so gute Idee. Wer weiß schon, ob du, Iray, heute überhaupt die Gelegenheit bekommst, dich an ihm zu rächen. Wer sagt denn, dass er sich nicht wieder zurückzieht, sobald es ihm zu heiß wird?“

Darragh Switzenberg: „Woah, woah, woah! Jetzt bleiben wir mal ganz ruhig.“


Der Anführer des Switziverse spürt, in welche Richtung das hier geht. Das ist eine Form von Schach, die er nicht vom Champion erwartet hat, nachdem er Corleone Adieu gesagt hat.

Weil die Befürchtung im Raum steht, ihm könnten die Fälle davonschwimmen,


Darragh Switzenberg: „Das vor zwei Wochen war ein unnötiger Kampf, der uns BEIDE für heute geschwächt hatte.“


Dabei geht der Blick zu Burch. Switzenberg versucht, rhetorisch irgendeine Verbindung zwischen sich und Iray zu wecken. Doch die Augen seines Gegenübers bleiben unbeeindruckt und starr.


Darragh Switzenberg: „Natürlich hat es mir geholfen, aber auch deinen Siegchancen wird es nicht geschadet haben, dass du mit einem Opfer wie Pex spielen durftest, dass keinerlei Herausforderung für dich war. Aber heute geht es richtig um was. Und natürlich werde ich nicht einen Rückzieher machen. Egal, was der da sagt…- “


Mit „der da“ ist The End gemeint, dem es Freude zu bereiten scheint, Switzenbergs Struggle zu sehen.

Überraschenderweise ist es Nafe, die Switzenberg zur Seite springt.


Shelly Nafe: „Iray. Unglücklicherweise muss ich Switzenberg zustimmen. Sparen wir uns die Kräfte. Wir haben hier nichts Handfestes zu gewinnen. Vielmehr glaube ich, dass The End sich dazu entschieden hat, diese Situation als Übungsplatz für jene Manipulationen zu nutzen, die er von James Corleone gelernt hat.“


Ends Blick bleibt bei dem Versuch Switzenbergs, sich aus der Affäre zu ziehen, und Nafes, die Situation weiter zu deeskalieren, mit dem Blick auf Burch gerichtet, denn er weiß, dass er es ist, den er hier tatsächlich provozieren kann.

Der Vorwurf mit Corleone musste ja kommen, das scheint End bereits antizipiert haben.


The End: „Hör ruhig auf sie. Sie haben recht. Jahrelang habe ich auf die Worte eines anderen Mannes gehört und wohin hat es mich gebracht? Ich stehe hier, als GFCW-Champion. Und du stehst dort, auf dem Weg Herausforderer zu werden. Und zwischen uns, steht der Mann, der dich vor zwei Wochen verarscht hat.

Nun… so, wie ich das sehe, steht er weniger zwischen uns, als vielmehr dir im Weg…“


End ignoriert und überspielt – er weiß, dass der Corleone-Vorwurf durchaus Gewicht hat, er weiß aber auch, dass Iray Burch in seinem Blutdurst nicht so weit denkt, also verlagert er die Aufmerksamkeit einmal mehr auf Darragh Switzenberg.

Der Ausdruck, der in Burchs tiefliegenden Augen steckt, wird noch verengter. Noch gieriger. Und er mischt sich mit einem Grollen, dass der Kehle des Big Bad Bastards entweicht. Burch ballt seine Hand zur Faust. Eine Geste, die dazu führt, dass Switzenbergs Atmung sich in aufkeimender Panik beschleunigt. Erneut ist es Nafe, die mit einem scharfen Ausruf von Irays Namen die Eskalation verhindert. Auf der Frieden ist brüchiger als eine Eierschale.

Vermutlich könnte End die Bombe jetzt platzen und das Fass zum Überlaufen bringen lassen. Viel fehlt nicht mehr und Burch explodiert. Aber vielleicht geht es End auch gar nicht darum, die Bombe platzen zu lassen und vielmehr zu demonstrieren, dass ER sie platzen lassen könnte.


The End: „Wenn du den Titel willst, darf dir NIEMAND im Weg stehen.“


Und dabei wandert Ends Blick ab von Burch, nur beiläufig über Switzenberg, bis hin zu seinem Ziel: Shelly Nafe, womit klar sein dürfte, was End aussagen will.

Wieder einmal wirkt es, als würde gleich die Gabel zum Einsatz kommen müssen. Switzenberg hält sie erhoben. Burch kommt – ohne eine Spur von Angst – näher. In dem Augenblick ergreift Nafe seine fleischige, verschwitzte Hand. Auch wenn es physisch kein Mittel ist, um Burch aufzuhalten, bringt die Geste den Unmenschen dazu, auf seinem Vormarsch innezuhalten.


Shelly Nafe: „Dieser Mann…“


Sie nickt in Richtung End.


Shelly Nafe: „…mag James Corleone aus seinem Leben gestrichen haben. Aber nicht dessen Einfluss. Er ist es, der Blut will.“


Ohne Zögern greift sie nach Switzenbergs Gabel. Nimmt sie dem Kanadier aus der Hand wie eine Mutter es bei einem Kind tun würde.


Shelly Nafe: „Aber wir alle…“


Mit großer Geste schließt sie Burch und Switzenberg ein.


Shelly Nafe: „…sind nicht in dieser Liga, um nach den Regeln eines anderen zu spielen. Und deswegen beugen wir uns nicht seinem Willen. Wir sehen uns im Ring.“


Ihr letzter Satz ist eine Feststellung und eine Verabschiedung gleichermaßen. Ohne innezuhalten stöckelt sie davon – und schiebt einen unwilligen Burch, dessen Augen nach wie vor gierig auf Switzenberg ruhen – hinter sich her. Aber Iray lässt es geschehen.

Als die Beiden aus dem Raum verschwunden sind, ist die Erleichterung greifbar. Switzenberg lehnt sich an einen der Catering-Tische und tupft sich mit einer Serviette die Stirn ab.

End hat Burch und Nafe noch einmal mit seinem Blick verfolgt und hält die Augen noch immer auf die Richtung, in der sie verschwunden sind, bevor er – fast schon verächtlich – zu Switzenberg guckt.


The End: „Gerade noch mal Glück gehabt, was?“

Darragh Switzenberg: „Du kannst ein echt berechnendes Arschloch sein, Mann.“


Er starrt seinem Gegenüber erst ins Gesicht. Dann auf den Titel.


Darragh Switzenberg: „Das respektiere ich. Aber nicht so sehr, dass es dir etwas nützen würde.“


Wuchtvoll stößt er sich vom Tisch ab. Baut sich End gegenüber auf. Auge in Auge stehen sie da. Dann senkt Darragh den Blick. Und klopft mit einer flachen Hand auf die goldene Titelplatte der Championship.


Darragh Switzenberg: „Wir sehen uns.“


Damit lässt er The End stehen und geht davon. „Wir sehen uns“ – eine Floskel oder eine Vorahnung? Der heutige Abend wird die Antwort bringen.

Und End? Der schaut nun auch Darragh Switzenberg nach. Ohne zu Lächeln, mit einem Blick, der vermutlich einige Interpretationsmöglichkeiten offenlässt, ohne, dass sich eine glasklar herausbildet.

Ein Blick, der einmal mehr unterstreicht, dass er vom besten gelernt hat.



Beim Catering ist ja immer gut was los, aber heute ganz besonders. Immerhin sind ja nicht nur jene hier, die Verpflegung auf Kosten von GFCW genießen wollen, sondern auch jene, die nach dem Ei suchen. Beide Personengruppen sind eigentlich recht leicht voneinander zu unterscheiden. Die einen gucken sich überall um und inspizieren jeden sinnigen und unsinnigen Winkel, wie es etwa Skadi Fenrir und Idunn Jörmungandr machen. Die andere Personengruppe ist mit essen und trinken beschäftigt, entweder an einem Sitzplatz oder im Stehen, so wie Milly Vermillion. Und dennoch tritt die blond gelockte Phönixfrau an ihre beiden groß gewachsenen Kameradinnen von der LPG heran und stellt eine Frage, wie sie nur Milly stellen kann.


Milly Vermillion: „Was sucht ihr? *Mampf* Hat jemand euer Essen versteckt?“


Mit vollem Mund spricht man ja eigentlich nicht, weil dies für die meisten Ohren höchst unappetitlich ist. Grund genug für Skadi ihre Stablekameradin gänzlich zu ignorieren. Dasselbe gilt für Idunn, doch im Fall der Ouroboros Riesenschlange liegt das eher daran, dass ihr Gehör so schlecht ist, dass sie Milly ohnehin nicht gehört hat.


Milly Vermillion: „Hallo? Ich rede mit euch!“


Das war laut genug, das Idunn es gehört hat. Die Frau, die ihren Zopf mit der Spitze im Mund zu tragen pflegt guckt sie verwundert an, was sie will, während die schneegrau gezottelte Schneewölfin nicht verwundern, sondern eher verärgert ist..


Skaði Fenrir: „Fürwahr, du redest mit uns – mit vollem Schnabel, was die Etikette der Höflichkeit in erheblichem Maße verletzt. Ich würde daher bitten ein gewisses Maß an Anstand zu zeigen und euch zwischen Essen und Sprechen zu entscheiden.“


Die Phönixfrau überlegt für keine Sekunde und isst weiter.

Und isst weiter.

...und isst weiter.


Skaði Fenrir: „Wäre es Euch vielleicht möglich Euer Essen an einem Ort zu genießen, an welchem Ihr mir nicht meine Ohren voll schmatzt? Niemals habe ich jemals gedacht meiner Schwester schlechtes Gehör könnte Segen statt Fluch sein, doch in einem Moment wie diesem dünkt mich, dass Schwerhörigkeit in seltenen Augenblicken tatsächlich ein Vor- und kein Nachteil sein kann.“


Idunn lächelt stolz, als ob das ein Lob gewesen wäre. Milly wiederum zuckt nonchalant mit den Schultern.


Milly Vermillion: „Könntest natürlich auch einfach meine Frage beantworten, anstatt viele Worte aufs Nörgeln zu verwenden, eh? Aber dann wiederum kann es mir ja egal sein, was ihr suchen mögt. Ich habe ja mein Essen. Hatte glatt überlegt Euch vielleicht eine helfende Hand zu reichen und so dankst du es mir. Typisch Mensch, egal mit wie viel Mythos ihr Euch identifiziert, am Ende kommt dann doch immer wieder der Mensch durch.“


Skadi ist sich unsicher, ob sie Milly eine pfeffern soll oder ob der schnellste Weg sie loszuwerden darin besteht einfach nichts zu sagen. Das alles geht an Idunn vorbei. Sie hat eine Frage vernommen und ist in der seltenen Position sie bbeantworten zu können, also beantwortet sie die Frage auch.


Idunn Jörmungandr: „Wir sssuchen diesssesss Ei.“


Ihr stolzes Lächeln wird breiter. Fast fällt ihr der Zopf aus dem Mund, aber nur fast. Man sollte jedenfalls meinen diese Antwort wäre aufschlussreich gewesen. Aber natürlich nicht für die feurig Gefiederte.


Milly Vermillion: „Ei? Was für ein Ei? Ein besonders leckeres? Mein Interesse ist geweckt, erzähl mir mehr.“


Das ist nicht gelogen, die plötzliche Freude ist ihr leicht an der Körpersprache anzusehen. Strahlende Augen, Mundwinkel hoch, die Füße bilden Zehenspitzen und dann wieder nicht, dass sie wie zu wippen beginnt. Skadi hingegen fühlt sich wie im falschen Film.


Skaði Fenrir: „Hast du die Ankündigung nicht vernommen? Das Office der GFCW hat ein Ei versteckt, dessen Finder jederzeit ein Intercontinental Title Match fordern darf.“


Skadi blickt Milly tadelnd an, aber die ist sich keiner Schuld bewusst.


Milly Vermillion: „...und schon ist mein Interesse wieder futsch.“


Sagt es und wendet sich ab, um zu gehen. Frage gestellt, Frage beantwortet, Interesse geweckt und verloren, sie hat genug von diesem Gespräch. Doch dann hält sie inne.


Milly Vermillion: „...auch das kann mir ja eigentlich egal sein, aber warum sucht ihr überhaupt ein Ei, das für ein Intercontinental Match gedacht ist? Habt ihr nicht gleich ein Match um den Tag Team Titel? Solltet ihr da jetzt nicht noch mal Taktik pauken, euch richtig aufwärmen und solche Sachen? Nicht, dass ich das machen würde, aber ich bin ja auch ein mächtiger, weiser Phönix und kein Menschlein.“


Skadi liegt es auf der Zunge zu erwidern, dass Milly es seht gut tun könnte Taktik zu pauken, aber sie ist dieses Gespräch jetzt wirklich leid.


Skaði Fenrir: „Miria hat uns aufgetragen hier zu suchen und um zu gewährleisten, dass unser Rudel funktional bleibt, sind wir nun also hier. Dir sei versichert, dass unsere Taktik ohnehin längst besprochen ist, sie ist auch simpel genug – das muss sie auch sein.“


Skadis Augen wandern zu Idunn. Mllys Augen auch.


Milly Vermillion: „Verstehe.“


Ein Moment der Ruhe und des stillen Verständnisses – so ruhig es in einem belebten Ort wie beim Catering halt sein kann.


Milly Vermillion: „Jetzt wo du es erwähnst, ich glaube Miria hat mir auch irgendwas erzählt, was ich machen soll. Ich hab ihr nicht zugehört und ihr gesagt, dass ich heute kein Match habe und daher erst mal ausgiebig was essen gehe.“


Es scheint dieses Gespräch will nicht enden. Grund genug für Skadi das Beste draus zu machen.


Skaði Fenrir: „Was du nun getan hast. Erlaube mir also dich zu fragen, ob du irgendeine Idee hast, wo das Ei wohl sein könne, oh weiser Phönix.“


Ein Hauch von Spott ist in Skadis Stimme nicht zu überhören, aber er ist genug gehaucht, dass Milly nicht drauf anspringt.


Milly Vermillion: „Keine Ahnung. Bin ja keine Henne. Wobei das Ei ja eh von Menschen versteckt wurde, also ist es bestimmt an irgendeinem extra bescheuerten Ort.“


Kaum hat sie diesen Satz gesagt, beginnt ihr Oberstübchen zu arbeiten.


Milly Vermillion: „Moment. Du hast mich jetzt nicht nach einer Ahnung gefragt, weil du mich mit einer Henne gleichgesetzt hast, oder?“


Millys grüne Augen beginnen vor Wut zu lodern. Wäre es körperlich nicht so absurd, ihr Schritt hin auf Skadi könnte bedrohlich angesehen werden. Aber bei Millys 1,50 gegen Skadis 1,93 will sich dieser Effekt nicht einstellen. Nicht zuletzt weil Skadi auch das eine direkte Duell gegen Milly für sich entschieden hat. Und dennoch wird Idunn merklich angespannt. So dumm sie auch aus intellektueller Sicht ist, so scharf sind ihre Instinkte. Millys Aggression bleibt nicht unbemerkt. Skadi aber bedeutet ihr per kurzer Handgeste ruhig zu bleiben und blickt Milly tief in die Augen.


Skaði Fenrir: „Weißt du was? Wenn ich genauer darüber nachdenke, hast du irgendwie recht mit dem was du angemerkt hast.“


Okay, das ist ein glasklarer Themenwechsel. Was im Raum stehen lässt, dass Skadi tatsächlich auf Milly als Henne hinauswollte. Doch der Themenwechsel funktioniert.


Milly Vermillion: „Ich habe recht? Ich meine… natürlich habe ich das, ich bin ja auch ein weiser Phönix. Aber nur, damit wir nicht aneinander vorbei reden… mit was genau habe ich recht? Nicht mit der Hennensache will ich für dich hoffen.“


Das war nun eine klare Drohung – Grund genug für Idunn nun ihrerseits einen Schritt auf Milly zuzugehen. Bei ihr und ihren Zwei Meter Zwei unweigerlich erheblich bedrohlicher als andersherum. Skadi bedeutet aber beiden Frauen friedlich zu bleiben.


Skaði Fenrir: „Da hast recht damit, dass Idunn und ich unsere wertvolle Zeit vor dem Match nicht mit einem Ei vergeuden sollten, das wir nicht benötigen. Nach dem heutigen Tag werden wir GFCW Tag Team Champions sein und darauf sollte unser alleiniger Fokus zum jetzigen Zeitpunkt konzentriert sein.
...IDUNN! Wir gehen.“


Eine klare Aussage. Und doch nicht klar genug für Idunn, die verwirrt aussieht.


Idunn Jörmungandr: „Wir gehen? Wohin? Zum Ei?“


Skadi winkt ab.


Skaði Fenrir: „Vergiss das Ei. Wir gehen uns jetzt aufwärmen für unser Match.“


Idunn nickt und schließt angestrengt nachdenkend den Kopf.


Idunn Jörmungandr: „Ei vergesssssssen. Okay. Einfach genug.“


Ein Lächeln auf ihrem Gesicht, als ob eine große Last abgefallen wäre.


Idunn Jörmungandr: „Viel Glück bei der Suche.“


Sagt es zu Milly, klopft ihr kurz freundschaftlich auf die Schulter, dass diese fast umkippt. Dann sind die Schwestern weg und Milly guckt beiden kopfschüttelnd hinterher.


Milly Vermillion: „Als ob ich so ein albernes Ei suchen würde, nur weil Menschen solch Unsinn für sinnvoll halten. Aber ich schätze ich kann meine Augen, die selbst Adlern und Falken in nichts nachstehen, ja mal schweifen lassen. Erster Schritt: zur Theke gehen wo es Eier gibt. Einen Baum sucht man im Wald und ein Ei könnte bei Eiern sein. Und wenn nicht hab ich zumindest ein leckeres Ei für ein leckeres Sandwich.“


Und schon ist sie auf 



Im Heizungskeller der Messehalle Dresden hat sonst eigentlich nur befugtes Personal etwas zu suchen. Dazu gehören Brigitte Reflet und Shizuku Shikishima sicher nicht. Und trotzdem sind sie jetzt hier – noch ungeduscht, denn nach einer anstrengenden Suche nach dem Ei, das einen Titelkampf verspricht, an diesem Ort, da müssten sie ja sonst direkt noch mal duschen und zu oft duschen ist bekanntlich auch wieder nicht gesund. Dabei sehen beide ziemlich fertig aus und mehr als reif für die Dusche und dann nach einer erholsamen Prise Schlaf. Nach ihrem Match kein Wunder.


Shizuku Shikishima „Ich nicht hätte gedacht, dass unsere Siegesfeier so aussehen würde.“


Anstatt einem Kuchen und kalten Getränken gegenüberzustehen blickt Shizuku auf Rohre und die Klimatisierung. Es wird ja wohl niemand das Ei irgendwo hier versteckt haben… oder doch?


Brigitte Reflet: „Zumindest ist ‘ier kein Verrückter, der etwas von ‚mein Schatz‘ redet… ‘offe ich.“


Eine Anspielung, die nur sehr langjährige WFW Zuschauer verstehen werden. Also vermutlich ca. niemand, der gerade dieses GFCW Easter Special sieht.


Brigitte Reflet: „Natürlich würden wir zur Not auch mit so etwas fertig. Wir sind schließlich mächtige Drachen. Mächtige Drachen, die nun dem Gewinn des Tag Team Titels einen gewichtigen Schritt nä’er gekommen sind. Vielleicht reicht dieser Sieg ja sogar schon für einen Titelkampf? Immerhin ‘aben wir die zweifachen Champions besiegt!“


Miteinander sprechen macht die Suche weniger zermürbend. Sich mit Reden in einer guten geistigen Verfassung zu halten, soll ja auch schon mal ein probates Mittel gewesen sein, um einen Tetris Weltrekord zu schaffen und was dafür gut ist, ist auch für eine Eiersuche gut genug.


Shizuku Shikishima „Das ein Sieg reicht ich bezweifle. Wir wohl noch ein anderes Team werden besiegen müssen.“


Das war jetzt nicht das, was Brigitte hören wollte, auch wenn ihr das an und für sich natürlich auch selber klar ist.


Brigitte Reflet: „Stimmt, Titan und Tha Bomb machen jede Menge Stunk und werden wohl nicht so einfach zuse’en wie jemand anderes ein Titelmatch er’ält. Dabei ‘aben ja gerade erst bei der Anniversary Show ihre Chance ge’abt und sollten jetzt eigentlich selber erst einmal wieder einen Sieg ‘olen, e’e sie über’aupt an ein Titelmatch denken…“


Ist es Frust oder Zorn, der aus Brigitte spricht? Vielleicht etwas von beidem, obgleich wohl weniger TnB der Quell dieser Emotionen sind und mehr der Umstand, dass sie und Shizuku nun in einem Heizungskeller sind und nach einem Ei suchen, das höchstwahrscheinlich nicht hier ist. Shizuku ist da deutlich entspannter.


Shizuku Shikishima „Wrestling Sport ist, aber Sport und besonders Wrestling auch zur Entertainment Branche gehören. Viele Wege nach Rom führen und der Weg laut zu sein oft schon bewährt sich hat. Wir selbst durch Worte rasch ein Titelmatch erhalten hatten.“


Wir erinnern uns: bereits das zweite Match der Black Wyrms bei GFCW war bereits ein Titelkampf.


Brigitte Reflet: „Stimmt schon, aber zu dem Zeitpunkt war die Tag Team Division ja auch echt dünn besetzt. Seitdem hat sich viel getan und wir können stolz darauf sein, bei der Revitalisierung der Tag Team Division eine zentrale Rolle gespielt zu ‘aben. Jetzt müssen wir uns nur noch dafür belohnen, indem wir GFCW Tag Team Champion werden.“


Sie schiebt ein paar Kartons beiseite, guckt auch ob einer davon anders aussieht und ein Ei beinhalten könnte, aber… nein. Nichts dergleichen.


Brigitte Reflet: „Ich bezweifle irgendwie stark, dass dieses verdammte Ei ‘ier ist. Warum sucht Miria nicht selbst in diesem Muff und warum ‘aben wir uns über’aupt dazu überreden lassen in diesem Loch zu suchen? So werden wir die Würmer Rufe nie los...“


Der Kameramann gibt den Daumen nach oben, er wäre jetzt lieber auch woanders.


Shizuku Shikishima „Falsche Rufe besser als keine Rufe sind. Glücklich wir sein können, dass die Fans uns in ihre Herzen haben geschlossen. Nie gedacht ich hätte, dass mehr Zuspruch wir erhalten könnten als Stella Nova.“


Brigitte hält inne, als ob sie so darüber noch nie nachgedacht hätte. Was auch in der Tat so ist.


Brigitte Reflet: „Und auch das stimmt natürlich. Trotzdem...“


Sie gibt sich Mühe aggressiv zu bleiben, aber so ein Hauch von Lächeln huscht ihr doch über die Lippen.


Brigitte Reflet: „Okay, suchen wir jetzt das Areal da ‘inten ab. Wenn wir schon ‘ier sind, sollten wir auch gründlich sein, immer’in ist dies Einsatz für das Team. Und anders als Miria, die jetzt bestimmt irgendwo rumsitzt und einem reichen Schnösel Geldscheine abschwatzt, sind wir ja Teamplayer.“


Sagt es und marschiert eifrig an Shizuku vorbei und inspiziert ein paar Geräte.


Shizuku Shikishima „Das wir sind. Obgleich selten ich darüber weniger glücklich war als jetzt im Moment.“


Brigitte nickt, sieht sich um wie viel es immer noch abzusuchen gilt und seufzt… wo kann dieses verdammte Ei bloß sein, wenn es tatsächlich hier unten sein sollte?