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Sizilien. Eine wunderschöne Landschaft, umtrieben vom Mittelmeer und inzwischen ein unregelmäßiger, aber beständiger Teil der GFCW-Shows und heute vermutlich mehr, denn je. Heute sind wir in Sizilien, in Catania, um den dritten GFCW-PPV des Jahres 2026 zu feiern. Und damit befinden wir uns auch von dem Ort des Geschehens so nah an dem sizilianischen Mittelpunkt der GFCW dran, an der Farm Corleone. Während wir abermals besagte wunderschöne Landschaftsaufnahmen des Meeres und der Gebirge sehen, konzentriert sich das Video schließlich wieder auf das kleine Städtchen Corleone, dass circa 210 km entfernt von Catania liegt. Und dort sehen wir nun direkt wieder die Farm der Corleones, die wir bereits vor einigen Wochen zum letzten Mal gesehen haben. Dort wollte Danny Rickson seine Gefolgschaft von Refuse to Age hinsenden, um The End zu erpressen, indem er Salvatore Corleone zusammenschlagen lässt. Aber Aldo Nero sei Dank, kam es nicht dazu. Im Hintergrund geht die Sonne unter, was vermuten lässt, dass dieses Video bereits am Vorabend der Großveranstaltung aufgezeichnet wurde, aber was passiert hier denn eigentlich? Wir sehen die Farm, alles ist ruhig: die Schafe sind versorgt, die Arbeit für den Tag ist bereits erledigt und man sieht hier keine Menschenseele – wenig überraschend, denn es lebt ja auch nur Salvatore Corleone hier. Schließlich… sehen wir doch eine andere Person. Und zwar niemand geringeren als den GFCW World Champion The End. Nicht im Anzug, nicht im Metal-Shirt, sondern in einer dunklen Hose und einem lockeren Hemd. Es scheint, als habe The End den Weg hier hoch zu Fuß bestritten, was nicht unbedingt die Leichteste aller Aufgaben ist. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb hat The End den GFCW World Title dabei. Ehrfürchtig bleibt er stehen, als er sich kurz vor der Farm befindet. Er trägt einen ernsten Blick, weiß, dass mit dem, was er getan hat, seinen Onkel sicherlich in irgendeiner Art und Weise verstimmt haben muss. Aber dem wird er sich nun stellen. Dem muss er sich stellen. End läuft weiter, vor die Farm. Er klopft. Und es dauert. Er wartet. Salvatore lässt sich Zeit. Zeit, die The End aussitzen muss. Und schließlich öffnet sich die Tür. Aldo Nero. Die beiden Männer schauen sich in die Augen. Sie scheinen nicht viel miteinander gesprochen zu haben, nach der letzten Show und das, obwohl dort so viel passiert ist. Aldo Nero kehrte zurück und konfrontierte The End mit einer Ansprache, die richtig gesessen hat: End scheint der Titel inzwischen wichtiger zu sein als die Familie, vor allem aber agiert The End vielmehr wie James Corleone, als es gut wäre. James Corleone sitzt noch in Ends Kopf, was teilweise gut sein mag (zu sehen an seinen eigenen Kopfspielchen in den vergangenen Monaten), aber teilweise eben auch nicht (siehe den Angriff auf Salvatore Corleone). The End muss den James Corleone in sich kontrollieren. Trotzdem hat Aldo Nero am gleichen Abend zugestimmt bei Conquista FÜR The End zu kämpfen, obwohl er eben genau das nicht FÜR ihn macht, sondern damit er Rache üben kann, für das, was Salvatore Corleone angetan werden sollte. Und jetzt stehen sie sich hier wieder gegenüber.
The End: „Ich habe vermutet, dass du hier bist.“ Aldo Nero: „Irgendjemand muss Onkel Sal schließlich vor deinen Feinden beschützen.“
Oh ja, hier liegt noch ordentlich Spannung in der Luft. Aldo mag heute antreten, um The End einen Vorteil zu verschaffen, aber von „mögen“ kann man hier nicht sprechen. Aber man kann auch nicht davon sprechen, dass die beiden sich wirklich „hassen“ – das konnte man nie so wirklich. Die Beziehung dieser beiden Brüder, die nicht das gleiche Blut teilen, ist so komplex, dass eine eindeutige Zuschreibung gar nicht möglich ist.
Salvatore Corleone: „Lass ihn rein.”
Aus dem Hintergrund hören wir nun Salvatore Corleone, der selbstverständlich weiß, dass End da ist und auch wusste, dass er kommt. Nero blickt sich seitlich um, geht dann aber einen Schritt zur Seite, dass The End eintreten kann. Irgendwie ironisch, dass der Mann, der Salvatore jetzt beschützt, der ist, der bei Title Night noch an der Seite von The End und damit gegen ihn stand. End tritt vorsichtig ein, schaut nochmal zu Aldo, dann zu Sal, der ihn bereits erwartet. In einer Art Wohnzimmer, dass sehr rustikal eingerichtet ist. Wir haben so etwas ähnliches wie eine Küchenleiste, mit einem Waschenbecken und ein paar Schränken. Wir haben einen Küchentisch und eine paar Stühlen. Auf einem dieser Stühle sitzt Sal, auf einen anderen setzt sich The End, nachdem Sal es ihn mit einem bestimmten Blick befohlen hat. End packt den Gürtel und legt ihn auf besagten Tisch. Die Stimmung ist weiterhin spürbar angespannt und das wohl weniger wegen dem, was beim PPV ansteht, als vielmehr wegen dem, was Refuse to Age hier losgetreten hat: einmal mehr innerfamiliäre Konflikte.
The End: „Du weißt, warum ich so gehandelt habe, wie ich es tat.“ Salvatore Corleone: „Aber selbstverständlich, die Frage ist, warum du von diesem Kurs abgekommen bist.“
Eine ernüchternde Ansage, aus der man heraushört, dass die Antwort darauf – nämlich „Aldo Nero“ – auch schon einen Anranzer deshalb bekommen hat. Wie End es sagte: Sal weiß, dass es passieren kann, dass er zum Ziel von Angriffen durch Ends Feinde wird und sollte es so kommen, dann ist das halt so. Es wäre jetzt also ein leichtes, dass End Aldo vorschiebt, aber mal ehrlich – wäre es eine champion-würdige Antwort zu sagen: „Mein kleiner Bruder hat das so gesagt!“?
The End: „Weil dieser Kurs DEIN Kurs ist, ICH jetzt aber der Champion bin.“
Eine so aufmüpfige Antwort gegenüber Onkel Sal ist bisher wohl selten vorgekommen, sodass Sal – der sonst so gut wie nie Emotionen zeigt – nun sogar etwas verwundert dreinschaut.
The End: „Und… in meinem Kurs… ist nicht vorgesehen, dass ich es meinen Feinden gestatte, die meinen anzugreifen und ungestraft davonzukommen.“ Salvatore Corleone: „Davon redet auch keiner, die Strafe wäre zweifellos erfolgt…“ The End: „Die Frage ist, ob Rache im Nachhinein tatsächlich die bessere Option ist, als vorher zu verhindern, was gerächt werden muss.“
Ends Blick schweift zu Aldo Nero, denn genau das waren seine Worte an ihn in der letzten Show. Dieser hingegen lässt erstmal keine visuelle Reaktion durchkommen, wenn man durchaus spürt, dass er etwas überrascht zu sein scheint.
Salvatore Corleone: „Hmm. Und jetzt? Kann jetzt jeder dahergelaufene Möchtegern sich einfach ein Titelmatch erpressen, indem er droht mich anzugreifen?“ The End: „Nein.“
Salvatore bleibt bei seiner fordernden Art, aus der man ebenso heraushört, dass er sich voll und ganz auf die Respektposition verlässt, die er gegenüber End und Aldo innehat. Er ist älter, er hat sie aufgezogen und er ist der harte, weise und verbissene Brocken, von dem sie all das überhaupt erst gelernt haben – aber auch End bleibt eisern.
The End: „Ich werde bei Conquista an Danny Rickson ein Exempel statuieren, was es bedeutet, wenn man sich mit meiner Familie anlegt. Ein Titelmatch kann und das predige ich seit Monaten, jeder bekommen, der es will – aber nicht so. Wer so kommt, der wird mit Konsequenzen rechnen müssen und diese Konsequenzen werden Andere zukünftig davon abhalten auch nur auf die Idee zu kommen denselben Fehler zu begehen wie Danny Rickson.“ Salvatore Corleone: „Hmm.“
Gefällt Salvatore Corleone diese Vorgehensweise? Nunja, nicht zwingend. Respektiert er sie? Ja… ja, davon kann man ausgehen. Ob sie funktionieren wird? Auch das wird sich zeigen. Es wird zu sehen sein, was The End heute mit Danny Rickson anstellen wird, vor allem aber wird es spannend zu sehen sein, ob sich zukünftig auch wirklich andere GFCW-Wrestler davon abhalten lassen, Ends Familie wie Sal zu attackieren. Andererseits… man kann an einer Hand abzählen, wie oft es tatsächlich versucht wurde sich an Sal oder auch James Corleone zu vergehen, also eine gewisse Wirkung hat Ends Auftreten in dieser Richtung auf jeden Fall. Und so scheint sich auch Salvatore erstmal halbwegs überzeugt zu geben.
Salvatore Corleone: „Nun denn, Junge… wenn wir einmal dabei sind, dann frage ich mich, woher sie denn kommt, diese Kursänderung?“
Und damit spielt Sal eindeutig auf Aldo an, denn der hat dafür ja indirekt-direkt gesorgt. Aldo – der eben noch an der Wand gelehnt und das Gespräch vielmehr von außen beobachtet hat – fühlt sich auch angesprochen und schließlich wandert auch The End mit seinen Augen zu Nero, während sein Kopf noch immer in Richtung Salvatore gerichtet ist. Es ist offensichtlich, dass The End Aldo sehr ungern die Props dafürzusprechen will, aber jeder hier im Raum weiß, dass es letztendlich Aldo zu verdanken ist, also warum drum herumreden? End dreht sich nun vollständig in Richtung Aldo und setzt dabei eine Stimme auf, bei der seine wahren Gedanken und Motivation einmal mehr hörbar überspielt wird.
The End: „Aldo. Du hast dich gemacht, das muss man dir einfach lassen. Bei Title Night hast du deinen Vater den Rücken gekehrt und jetzt trittst du ganz allein für dich auf und beißt sogar in den sauren Apfel, um mich zu unterstützen. Das verdient Respekt. Und ich bin Manns genug um das anzuerkennen.“
End steht nun auf und stellt sich vor Aldo, er streckt ihm die Hand aus um den Respekt nicht nur mit Worten, sondern auch mit einer Geste zu bekunden.
The End: „Ich habe es immer wieder gesagt: du warst nicht mein Feind. Du warst nie mein Feind. Das war immer James Corleone. Und ich bin froh, dass wir diesen… gemeinsamen… Feind… jetzt hinter uns lassen können.“
Aldo schaut hinab zu Ends Hand. Er hört die Worte und auch, wenn sie damals, in Vorbereitung zu dem Title Night Match der Beiden, ernst gemeint gewesen sind, so schwingt jetzt ein Zweifel mit – sicherlich meint End das noch immer so, aber so wie er es hier formuliert, scheint Kalkül dahinter zu stecken. Und so schaut Aldo wieder auf.
Aldo Nero: „Wie ich vor zwei Wochen schon gesagt habe… tu ich das hier nicht für dich. Ich tu es für ihn.“
Aldo deutet auf Salvatore, der sich nun seinerseits aus diesem Zwiegespräch zurückhält, wobei es ihm wohl am liebsten gewesen wäre, wenn Aldo einfach eingeschlagen hätte. … andererseits erkennt er auch, dass das so einfach nicht möglich ist.
Aldo Nero: „Onkel Sal ist meine Familie, genauso wie er deine ist. Und auch, wenn deine Kursänderung bemerkenswert ist, habe ich nie eine Änderung gebraucht – mein Kurs hieß immer: Family first. Auch, wenn meine Familie bisher an erster Stelle immer der Mann war, der nichts Gutes für mich wollte. … und dabei habe ich den Mann, der tatsächlich nur Gutes für mich wollte, zurückgelassen. Onkel Sal. Deshalb muss und werde ich ihn und seine Ehre verteidigen, deshalb kämpfe ich bei Conquista.“
End schaut Aldo in die Augen und er erkennt, dass man ihm nichts vormachen kann – Aldo durchschaut ihn, wenngleich es auch wenig schwer war, weil es End – mit Absicht? – nicht besonders subtil angestellt hat.
Aldo Nero: „Du sagst es so gern, dass ich nicht dein Feind war… aber du warst immer mein Feind. Mein bester Feind. Und daran hat sich nichts geändert. Ich tu jetzt, was ich tun muss, für die Familie. Aber danach… werde ich mir wiederholen, was mir gehört.“
Aldos Blick wandert nun auf den Küchentisch im Hause Corleone, zum GFCW World Championship. Auch Ends Blick wandert dahin und einher damit geht ein süffisantes Grinsen, dass tatsächlich ehrlich ist und dementsprechend ehrliche Freude über ein neuerliches Aufeinandertreffen mit seinem kleinen Bruder andeutet: diesmal unter besseren Umständen.
Aldo Nero: „Und ich hoffe für dich, dass ich es mir von dir wiederholen werde.“
Aldo bleibt ernst, aber auch bei ihm schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit, dass dieses neuerliche Aufflammen der End-Aldo-Saga diesmal unter geläuterten und vielleicht sogar ansatzweise positiv-zugewandten Tendenzen stattfinden kann. Gleichermaßen erkennt man dabei aber auch noch einen anderen Grund, warum Nero „für“ The End kämpft – er will, dass End den Titel behält, damit er es sein kann, der ihm diesen wieder abnehmen kann und nicht Danny Rickson. End hält die Hand noch für einen kurzen Moment ausgestreckt, als wolle er signalisieren, dass Aldo trotzdem einschlagen kann, bevor er sie dann aber dennoch zurückzieht. Sein Blick bleibt dabei auf Aldo gerichtet, was dem Staredown dann doch noch einmal eine gewisse Intensität, trotz der eigentlich eher positiv gesinnteren Aussage, verleiht. Bevor End etwas sagen kann, wird diese Spannung allerdings aufgebrochen. … und zwar von einem lauten, abgehackten und robusten Lachen. Salvatore Corleone, der Mann ohne Emotion, verleiht diesen einmal mehr Ausdruck. Vermutlich, weil er auch er die Tendenz erkennt, dass seine beiden Kinder nun doch endlich miteinander kämpfen, anstatt gegeneinander. Auch, wenn der eine es nicht zugibt; auch, wenn sie nicht direkt Seit-an-Seit stehen; auch, wenn das nächste Gegeneinander schon in Sichtweise ist. Endlich steht mal kein James Corleone dazwischen, sondern nur er – Salvatore Corleone – dahinter.
Salvatore Corleone: „Wenn es diese Liga schon einmal nach Sizilien schafft, dann werde ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und dabei sein. Ihr kämpft, ich stehe hinter euch.“
Und damit dürfte nun auch bestätigt sein, dass Salvatore Corleone bei Conquista dabei ist. Einerseits als Unterstützung für Aldo und ebenso von The End. End und Aldo schauen zu Onkel Sal. Wäre es nicht sinnvoller, ihn so weit wie möglich wegzuhalten von Danny Rickson? Auf jeden Fall und sowohl Aldo als auch End und sicherlich auch Sal wissen das. Aber zu versuchen ihn davon abzuhalten wäre idiotisch, also probiert es keiner der Beiden. Und während wir uns für einen kurzen Augenblick in diesem scheinbar friedlich und versöhnlichen Moment der Corleone-Familie befinden, reißt The End wieder zurück in die Realität. Er schaut wieder zu Aldo, dann zurück zum Tisch, bevor er sich seinen Gürtel greift.
The End: „Aldo. Onkel Sal.”
Mit einer nun wieder deutlich distanzierteren und kälteren Art – so als wolle bzw. schon fast als könne er diese positiven Emotionen nicht an sich heranlassen – verabschiedet sich End ganz nüchtern von den Beiden, bevor er die Hütte wieder verlässt und mit seinem Verschwinden kehrt eine Erkenntnis einher, vor der The End scheinbar auch zu fliehen wusste: Dieser Moment der Einigkeit ist nur von kurzer Dauer. Was, wenn Aldos Team verliert? Was, wenn sie sich tatsächlich wieder als Gegner gegenüberstehen werden? Können sie überhaupt so etwas wie „freundschaftlich koexistieren“ oder ist in deren emotional-abgestumpften Seelen kein Platz dafür? Was wenn The End verliert? Was wenn der nächste Angriff auf Salvatore Corleone durchgeht? Und hinter all diesen Fragen, da kann man sich sicher sein, lauert stets und ständig die ungewisse Gefahr einer Rückkehr von einem gewissen James Corleone.
GFCW Conquista, Stadio Angelo Massimino (Catania, Italien), 26.07.2026
In Kooperation mit
Conquista. Eroberung.
Geht es nach den begeisterten Reaktionen der 18.000 Sizilianer im Stadio Angelo Massimino hat die GFCW dem Namen des PPVs bereits alle Ehre gemacht: Denn die Liga hat Süditalien mit einem Handstreich erobert und aus dem Stadion einen Hexelkessel gemacht, in dem das Publikum aufgeregt auf den offiziellen Startschuss wartet. Das Finale der Europatournee. Portugal, Spanien, Frankreich, Monaco – über vier Stationen wurde das heutige Grand Final errichtet und nun kommt man zusammen, um die Ernte einzuholen. Ein Feuerwerk über den Tribünen macht laut- und lichtstark deutlich, dass die Sehnsucht nun ein Ende gefunden hat. Es geht los. Und zu diesem Anlass folgen wir dem Bild einer Drohne, die waghalsige Manöver über die Arena fliegt, den Ring umkreist und auf allen Tribünen begeisterte Gesichter einfängt. Schilder und Merchandise wird dem Himmel entgegengehoben; man sieht vor allem Fanartikel rund um den Lokalmatador, für…
Sven: „ALDO NERO!“
…doch auch andere Superstars sind auf Shirts, Caps und Plakaten zu finden. Dann segelt die Drohne weiter und fängt die adrett gekleideten Kommentatoren ein.
Sven: „ALDO NERO!“ Pete: „Es ist gut, Sven. Wir müssen erst die Begrüßung machen, bevor du deine Liebe ausdrücken kannst.“ Sven: „ALDO NERO!“ Pete: „…“
Maneskins Banger klingt aus und auch das Feuerwerk findet ein Ende. Letztlich schaltet das Bild von der Drohne zur Steady Cam um. Das Publikum verfällt in aufgeregte Stille, es klebt an den Lippen der Duos Infernale.
Pete: „Herzlich Willkommen zu GFCW Conquista, Leute! Hier aus Catania vor 18.000 begeisterten Fans und…“ Sven: „…mit ALDO NERO!“ Pete: „Und mit mir und Sven. Schauen wir uns doch einmal an, welche Knaller heute vor uns liegen.“ Sven: „‘kay.“
Tag
Team-Match:
Pete: „Zwei Teams, die unlängst daran gescheitert sind, ins Rennen um die Tag-Team-Title einzugreifen. Das macht es umso wichtiger, heute zu gewinnen – denn ansonsten muss man erst einmal ganz kleine Brötchen backen.“ Sven: „Trifft besonders auf die Basketballer zu. Bislang hält sich ihr Erfolg in Grenze.“ Pete: „Stimmt. Sie müssen ganz schon aufholen, um nicht den Anschluss an den Rest der Division zu verlieren. Um es in Basketball-Begriffen zu sagen: Sie brauchen jetzt am Besten einen Dreier.“ Sven: „Das sagt deine Mutter auch immer, Pete.“ Pete: „Doch unsere nordischen Schwestern wollen das verhindern. Und nach dem letzten Erfolg gehen sie sicher als Favoritinnen ins Rennen.“
Der
letzte Schritt der Conquista?
Pete: „4 zu 0. So sieht die Bilanz von Sandro seit seinem Comeback zu Beginn unserer Auslandstour aus. Man könnte denken, dass er einfach nur eine skurille Randnotiz dieser Liga ist…doch sportlich liefert er ab.“ Sven: „Man muss das schon realistisch einordnen. Unter seinen Gegnern waren Loser wie dein Sohn.“ Pete: „Mein Sohn ist kein Loser!“ Sven: „Dinge, die deine Mutter nie sagen würde.“ Pete: „Heute will Sandro seine Eroberung beenden und dazu einen weiteren Lokalmatadoren besiegen. Irgendsoein Italiener…was genau bedeutet das? Etwa jemand aus dem Publikum? Oder hat Sandro im Vorfeld eine Auswahl getroffen.“ Sven: „So oder so – wer antreten wird, ist der letzte Stolperstein vor dem Abschluss der portugiesischen Eroberung. Darauf ein SSSSSIIIIIUUUUU!“
„SSSIIIIUUUUUU!“
Tag
Team Match:
Pete: „Selten hat jemand einen krasseren Wandel durchgemacht als Switzenberg. Vom Saulus zum Paulus quasi. Heute will er, scheinbar ganz ohne Hintergedanken, für Ordnung im Main Event sorgen. Nimmst du ihm die Reue ab oder findest du es fischig?“ Sven: „Was redest du von Switzenberg. Hallo!? In diesem Match steht ALLDOOOOOOOOOOOO NEROOOOO!“ Pete: „Natürlich. Das Comeback-Match von Aldo vor heimischem Publikum ist vielleicht DIE größte Sache von Conquista. Aber es stehen eben auch drei weitere Leute im Match und wir müssen darüber reden.“ Sven: „ALDO NERO!“ Pete: „Können Nero und Switzenberg ko-existieren? Oder noch mehr: Gar zusammenarbeiten? Denn sie müssen alles zusammenwerfen, um gegen die gerissene Refuse to Age-Allianz anzukommen. Zick und Jake sind mit allen Wassern gewaschen. Und damit meine ich nicht nur das Gesichtswasser zur Hautpflege, welches sie sicherlich nutzen.“ Sven: „ALDOOO NEROOOOO ist nicht nur ebenso mit allen Wassern gewaschen, sondern sogar noch mit einem Wasser mehr. Mindestens.“ Pete: „Dieser Kampf ist eine Wette. Sollten Switzero gewinnen, sind Refuse to Age im Main Event vom Ring verbannt. Doch wenn sie verlieren, dürfen Ricksons Spießgesellen mit am Ring sein…und dann wir unser Main Event eine unfaire Sache. Dieses Match ist High Stakes, keine Diskussion.“
Singles
Match:
Pete: „Das letzte Mal, als dieser Kampf stattfand, war es der Anfang vom Ende von Shades Freiheit. Denn nachdem Saionji gegen sie eingriff und Milly den Sieg holte, war Shade bereit, sich mit Miria auf eine riskante Abmachung einzulassen. Und wie die Galaxy weiß, führte das beim letzten PPV dazu, dass Monica die Assistentin der Chefin des LPG-Förderkaders wurde.“ Sven: „Doch heute wird Miria kein Interesse haben, das Resultat zu beeinflussen.“ Pete: „Wahrscheinlich hast du Recht. Doch was bedeutet das? Dass Shade klare Favoritin ist?“ Sven: „Klar ist nichts, Pete. Vielleicht nicht einmal der Geisteszustand der Beteiligten. Schließlich trifft hier die Hirtin eines Stoffschweins auf einen legendären Phönix, der in einem Menschenkörper gefangen ist.“ Pete: „FAKT. Doch für Milly könnte dieses Match ein echter Durchbruch sein. Wenn sie es schafft, noch einmal Shade auf der GFCW-Bühne zu besiegen – und diesmal fair – dann überspringt sie vielleicht mehrere Karrierestufen. Schließlich stand Shade vor gerade einmal zwei PPVs noch im Rennen um den großen Titel.“
Street
Fight:
Sven: „Ein Surfer und ein elegantes Gurl in venezianischer Maske. Denkst du da an STREET, Pete?“ Pete: „Nein.“ Sven: „Also werden sie verlieren.“ Pete: „Nein.“ Sven: „Warum nicht?“ Pete: „Weil ich glaube, dass die Zeit für einen Generationswechsel gekommen ist. Iokepa und Bella leiden nun schon lange unter Bomb und Titan und wagen jetzt die Flucht nach vorne, um das Kapitel ein- für allemal abzuschließen. Doch trotz dieses Wunsches agieren sie nicht kopflos und deshalb wissen sie ganz genau, worauf sie sich eingelassen haben.“ Sven: „Aber ihre Gegner sind LEGENDEN. Die endlich wieder sympathisch unterwegs sind.“ Pete: „Es sind echte Arschlöcher.“ Sven: „Eben.“
GFCW
Intercontinental Title Match:
Pete: „Hätte ich beim letzten PPV eine Wette abschließen müssen, wer der nächste Herausforderer Intercontinental Title wird, wäre ich garantiert nicht auf Güldenherz gekommen.“ Sven: „Es ist selten, Pete, aber du hast tatsächlich einmal Recht.“ Pete: „Doch der Youngster hat leidenschaftlich für sich Lobbyarbeit betrieben, damit Zac ihm diese Chance gibt. Dabei sah es zwischenzeitlich noch gar nicht gut aus: Güldenherz musste dem zurückkehrenden Steve Steel den Vortritt lassen, nachdem er kontrovers ein Contender-Match verlor. Erst als Steel seine Chance vergeben hatte, tat sich für Güldenherz eine neue Gelegenheit auf.“ Sven: „Indem er zwei unschuldige, liebe Golfer in eine Kabine sperrte.“ Pete: „Indem er bei der letzten Show ein beeindruckendes Team-Match an Alonsos Seite zeigte und die Birdie Boys schlug.“ Sven: „Ist doch fast das Gleiche.“ Pete: „Kontrovers ist aber sicherlich die Ansetzung des Refs in diesem Fight. Denn es ist ausgerechnet Ricky Murk – der Mann, dem das Contender-Match zwischen Güldi und Steeli entglitt. Und „entglitt“ ist noch die freundliche Vokabel dafür.“ Sven: „Ich habe keinen Zweifel an seiner Integrität. Nur an der Qualität der Beteiligten dieses Matches.“ Pete: „Wirklich?“ Sven: „Zu wenige Arschlöcher.“
Steel
Cage Match:
Pete: „Kyle Douglas ist noch immer ungepinnt.“ Sven: „Und verliert trotzdem ständig. Das ist so, als würde deine Mutter behaupten, noch Jungfrau zu sein, weil sie ihre Hintertür abgeschlossen hält, während oben und von vorne…“ Pete: „STOP!“ Sven: „STOP wird heute im Match jedenfalls keiner rufen. Oder, falls doch, wird es ihr oder ihm jedenfalls nichts bringen. Das hier ist nämlich ein Steel Cage Match. Miria Saionji wird versuchen, ungeschlagen zu bleiben. Das ist sie nämlich ligenübergreifend.“ Pete: „Macht diese Bilanz Miria zu einem der größten Talente in unserer Liga? Nominell würde man auch Kyle in diese Kategorie einordnen. Doch Morbeus‘ Sprössling hat einiges gut zu machen. Beim letzten PPV verpasste er die Chance, Intercontinental Champion zu werden. Er ist der ungekrönte König der vergebenen Chancen.“ Sven: „Kanadische CR7.“
GFCW
Tag Team Title:
Pete: „Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich das Dream Team aus Zereo und Morbeus bislang gehalten. Man ist sich nicht an die Gurgel gegangen, sondern hält noch immer das Tag Team Gold. Doch jetzt kommt ein zweites Dream Team. Bestehend aus einer PCWA-Legende und einem WFW-Aushängeschild, nämlich Stella Nova.“ Sven: „Aushängestern.“ Pete: „Stella und Mad Dog haben eine Battle Royal gewonnen, um sich diesen Spot zu sichern. Interessanterweise gelang dieser Sieg, obwohl sie schon früh getrennt wurden und Mad Dog lange auf sich allein gestellt war. Doch ich wage eine Prognose: Heute braucht man beide Beteiligten, um gegen ZerBeus irgendetwas zu reißen.“ Sven: „Ich gebe es nicht gern zu, aber du hast noch einmal Recht, Pete. Bitte sag jetzt etwas richtig Dummes, damit ich wieder meinen Respekt vor dir verlieren kann.“ Pete: „Ich kann nicht auf Kommando.“ Sven: „Wie kann ein einzelner Mensch so unnütz sein?“
GFCW
Heavyweight Title Match:
Pete: „15 Jahre.“ Sven: „Was? Willst du andeuten, dass du noch einen Sohn hast?“ Pete: „15 Jahre ist es her, dass Danny Rickson den GFCW Heavyweight Title gewann. Am 19.06.2011, wenn wir genau sein wollen. Und heute steht er wieder im Kampf um das große Gold. Es könnte ein Rekord werden. Der größte Abstand zwischen zwei Regentschaftes des Heavyweight Titles in der Geschichte der GFCW.“ Sven: „Und seitdem ist Rickson keinen Tag gealtert.“ Pete: „Das wird sich herausstellen. Doch klar ist: Als Rickson an der Spitze dieser Liga stand, war The End noch nicht einmal auf der Bildfläche. Dies ist kein Kampf zweier Generationen, sondern es liegt MINDESTENS eine weitere Generation zwischen diesen beiden großartigen Fightern. Danny Rickson hat heute nicht nur die Chance, Geschichte zu schreiben, sondern die Uhr zurückzudrehen.“ Sven: „In die gute, alte Zeit.“ Pete: „Doch um diese Chance zu bekommen, musste er ein anderer Danny Rickson werden. Entgegen aller seiner Behauptungen, er wäre immer noch der Gleiche – nein, er ist jemand anderes. Brutaler und rücksichtsloser als zuvor. Und das muss bei einem der größten Arschlöcher der Ligengeschichte viel heißen.“ Sven: „Du machst ihn mir immer sympathischer.“ Pete: „Doch genug von Rickson, reden wir über den Champion.“ Sven: „Oder von ALDO NERO.“ Pete: „Ausnahmsweise. Denn der hängt auch in dieser Story mit drin. Um The End zu einem Titelmatch zu zwingen, hat Danny Rickson einen Angriff auf Sal Corleone befohlen…doch dann tauchte…“ Sven: „…ALDO NERO…“ Pete: „…auf, um die Situation zu klären, die The End entglitten war. Im Namen der Familie haben sich die Erzrivalen zu allerseitigen Überraschung entschieden, auf der gleichen Seite zu stehen. Doch im Main Event wird das keine Rolle mehr spielen. Da muss End die Sache im Ring allein klären. Naja, es sei denn, früher am Abend gewinnt Refuse to Age. Denn dann werden Zick und Jake mit am Squared Circle sein.“ Sven: „Das wird aber nicht passieren. Wegen ALDOOOOOO…“
Er lächelt ins Publikum und dirigiert die Intonation des Namens. Und hier, in Sizilien, folgen 18.000 Kehlen seinem Willen. „….NEROOOOOOOOOOOO!“
Aus den Boxen in der Halle dröhnt generische Hip-Hop Musik und auf der Videoleinwand werden die KI-generierten Highlight-Zusammenschnitte von Hightower und Dimer aus ihrer Zeit als Basketballer gezeigt, die es so aussehen lassen als hätten die beiden in der NBA vor zehntausenden Menschen gespielt, was nie der Fall war. Dazu werden Sammelkarten der beiden aus der aktuellen TOPPS Edition eingeblendet, die es natürlich auch nicht wirklich gibt.
DOINK DOINK Und dann erscheinen die beiden auf der Stage, beide dribbeln dabei Basketbälle und zeigen ein paar Moves. Crossover, Behind the back, James Hightower lässt den Basketball auf seinem Zeigefinger tanzen. Die beiden haben natürlich ihre Basketballkluft an. Chris Dimer klassisch einfach nur Trikot, Hose und hohe weiße Socken. James Hightower hat Leg Sleeve und Arm Sleeve, dazu Gummibänder um die Handgelenke und getapte Finger und bunt glitzernde und glänzende Basketballschuhe.
DOINK DOINK
Einzelne Schneeflocken beginnen von der Hallendecke zu rieseln, ob erneut gestiegener Temperaturen ein wohliger Anblick. Der Jubel der Fans gilt mehr der Assoziation mit etwas Kühle, obgleich die beiden groß gewachsenen Schwestern aus Norwegen durchaus auch für sich gesehen einiges bieten, das man bejubeln kann. Die 1,93 große Schneewölfin mit den schneegrauen Zotteln im wolfigen Look und ihre noch größere Schwester im schuppigen Top und Schurz für das schlangenhafte Visuelle sind immer wieder aufs Neue ein imposanter Anblick und der Look ist ja im Wrestling bereits gerne mal die halbe Miete – inwiefern der Umstand, dass Idunn als gute Ourobouros Schlange ihren mächtigen, geflochtenen Zopf mit der Spitze im Mund zu tragen pflegt, diesen Look verbessert oder nicht mag jeder für sich selbst entscheiden. Zumindest mal ein, zwei positive Fanplakate gibt es, ob es nun echter oder ironischer Support ist, das ist schwer zu sagen. Klar ist nur, dass die beiden Schwestern auch sportlich Argumente haben, um beliebt zu sein, ihre bisherige Bilanz ist recht positiv – lediglich ihre beiden Titelkämpfe haben sie bisher verloren, erst bei Title Night, dann beim Easter Special. Und doch, ihr Match gegen die Basketballer bei New Level haben weniger sie gewonnen und mehr die Basketballer verloren – haben sich doch Letztere vom mysteriösen, unbekannten Riesen ablenken lassen, als sie gerade das Momentum hatten. Daher wollen die Schwestern hier und jetzt durch einen erneuten Sieg klarstellen, dass sie auch fair gewinnen können.
Der Hund knurrt, als Danny Ricksons das Catering betritt. Tiere spüre es, wer ein gutes Herz hat. Und wer verdorben ist.
Mit genervten Blick taxiert Rickson den Labrador, der unter dem Tisch liegt und ein weiteres Grollen vernehmen lässt.
Danny Rickson: “Ruf ihn zurück, Zac.”
Angst lässt sich der Engländer nicht anmerken. Doch er bleibt im Türrahmen der Area des Stadions stehen, in dem die Wrester die letzten Snacks vor der Show einnehmen. Am Abend seines Titelgewinns will Rickson kein unnötiges Risiko eingehen - und eine Begegnung mit einem knurrenden Koloss gehört sicher in diese Kategorie.
Zac Alonso: “Erstens habe ich ihm nicht gesagt, dass er dich anknuren soll.”
Streitlustig funkelt der Blick des Intercontinental Champions zum Mann im Türrahmen. Alonso knurrt zwar nicht, aber er hat mindestens so viel Antipathie für Danny übrig wie der Zacidog. Vor ihm - auf einem silbernen Alutisch - liegen eine halbleere Schale Pommes und der Titelgürtel.
Zac Alonso: “Zweitens macht er überhaupt nichts. Er ist einfach nur da.” Danny Rickson: “Wie passend. Dann habt ihr ja etwas gemeinsam.”
Das Funkeln in Alonso Augen wird noch schärfer. Er legt den Kopf schief und zieht seinen Stuhl ein Stück zurück. Nur für den Fall der Fälle. Man weiß ja nie.
Zac Alonso: “Wie meinst du das?” Danny Rickson: “Klare Ansagen werden nur in den Ohren desjenigen zu Rätseln, der die Botschaft nicht verstehen WILL.”
Während der Hall of Fame beiläufig weiterspricht, entscheidet er sich dazu, Risiko und Ertrag nun in Richtung Ertrag auszulegen. Soll heißen: Er nimmt keine Rücksicht auf das Knurren mehr und tritt aus dem Türrahmen. Läuft am Tisch des Zacidogs vorbei. Und tatsächlich: Das Tier schnappt nicht. Steht nicht Mal auf. Das bedrohliche Grummeln war nicht mehr als gefahrlose Nörgelei.
Noch immer wartet Zac auf eine Erklärung von Ricksons Provokation. Doch der hat ihm bereits den Rücken zugedreht. Sein Blick schweif über die Obstbar. Gekonnt jongliert Rickson mit einem Apfel, eher er sich dazu herablässt, Alonso wieder anzusehen.
Danny Rickson: “Güldenherz, ernsthaft? War Jay Taven nicht verfügbar? Hat Jona Pexianer was Besseres vor? Und Joe Jobber wollte wohl auch nicht aus der Rente zurückommen, hm? Scheinbar ist das jetzt die Kategorie, in der du unterwegs bist, Zac. Also tu mir den Gefallen und tue einfach so, als wäre ich überhaupt nicht da. Ich habe keinen Lust mit dir zu sprechen. Und ganz ehrlich? Nötig habe ich es auch nicht. Nicht am Tag meines…”
Doch weiter kommt er nicht. Alonso springt energisch vom Stuhl auf, so dass dieser umfällt. Also das metallene Schepper durch Catering klingt, fiept der Zaciog wehleidig und zieht seinen Schwanz näher an den Körper.
Zac Alonso: “Ich will keinen Streit. Aber wenn du ihn suchst, bin ich bereit.”
Der Champion breitet die Arme aus und tritt auf Rickson zu. Der Engländer hatte die Chance, die Stirn-an-Stirn-Konfrontation zu suchen. Aber er schüttelt nur verächtlich den Kopf und bleibt auf Abstand.
Danny Rickson: “Kein Interesse. Und außerdem…”
Zu Zacs Irritation blickt der Engländer nicht in seine Augen. Sondern auffällig an ihm vorbei. Ein Ablenkungsmänover? Zac widersteht dem Drang, sich umzudrehen. Es könnte auch eine Falle sein. Sobald er erst einmal mit dem Rücken zu Rickson steht, dann…
Danny Rickson: “...hast du anderes zu tun, sehe ich.”
Wieder knurrt der Hund. Und das bewegt Alonso dazu, sich doch umzudrehen.
Vor ihm steht Darragh Switzenberg.
Danny Rickson: “Dann lasse ich euch Mal allein.”
Mit einer angedeuteten - und gerade deshalb herablassenden - Verbeugung drückt sich Rickson an Alonso, dem Hund - und auch an Switzenberg - vorbei. Er hat es plötzlich eilig davonzukommen. Doch als sich die Augen Ricksons und Switzenbergs Treffen, scheinen Blitze zwischen ihnen hin und her zu fliegen. Der Tag, an dem sie einander konfrontieren werden, wird kommen. Wenn auch nicht heute. Denn schnellen Schrittes ist Rickson verschwunden.
Darragh Switzenberg: “Hallo Zac.”
Schweigen von Alonso. Beharrlich. Mit zusammengekniffenen, schmalen Lippen. Ein Schweigen mit Aussagekraft.
Darragh Switzenberg: “Ich hatte keine stürmische Begrüßung erwartet.”
Ganz neutral ist der Tonfall des Kanadiers nicht. Doch was schwingt da mit? Eine Spur Traurigkeit?
Darragh Switzenberg: “Aber zumindest die Chance auf einen Neuanfang.”
Keine Antwort von Alonso. Der IC-Champion greift nach dem Tischkante und presst so fest zu, dass die Knöchel der Hand weiß werden.
Darragh Switzenberg: “Du hast vor mir die Abzweigung auf den richtigen Weg gefunden, Zac. Aber jetzt, da stehen wir doch…” Zac Alonso: “Es ist zu viel passiert. Viel zu viel.”
Beschwichtigend hebt Switzenberg die Hände.
Darragh Switzenberg: “Versteh ich, Mann. Zeit heilt leider nicht alle Wunden. Aber vielleicht könnte…” Zac Alonso: “NEIN!”
Alonsos Ruf ist mehr als nur eine energische Verneinung. Es ist ein Ausbruch. In dem vieles steckt, was sich über Monate - fast ein Jahr - angestaut hat. Also Freundschaft zu Feindschaft wurde. Als das Switziverse zerbrach.
Switzenberg seufzt. Hier kommt er nicht weiter. Der Kanadier wendet seinen Blick von Alonso ab. Geht in die Knie vor dem Tisch. Und blickt den Zacidog an. Das Knurren ist leiser geworden - aber nicht verschwunden.
Darragh Switzenberg: “Selbst du, alter Junge? Vertraust du mir auch nicht?”
Er streckt die Hand aus, um das Tier schnüffeln zu lassen. Doch bei den ersten Andeutungen des vertrauten Geruch seines einstigen Herren, drückt sich der Zacidog tiefer unter den Tisch. Sein Schwanz ist fest zwischen den Beinen eingeklemmt. Die Ohren hängen.
Darragh Switzenberg: “Es ist hart, jemand Besseres zu werden. Aber du hast es geschafft, Zac. Dafür hast du meinen Respekt. Würde mich freuen, wenn es irgendwann auf Gegenseitigkeit beruht.”
In einem Anflug alter Vertrautheit klopft er Alonso auf die Schulter. Das ist der Stein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Alonso drückt Darragh zur Seite, greift die Leine des Zacidogs und stürmt auf den Ausgang zu.
Im Weggehen zisch er in Richtung seines einstigen Chefs.
Zac Alonso: “Ich glaube dir kein Wort, Darragh.Kein einziges Scheiß-Wort. Ich weiß nicht, was du vorhast. Aber du bist der gleiche Mann wie immer.”
Switzenberg nimmt den Vorwurf schweigend hin. Er senkt den Blick. Andeutung eines weiteren Seufzens.
Zac Alonso: “Und ich kann nur hoffen, dass Aldo heute keinen Dolch in den Rücken bekommt. Der Liga wäre es zu wünschen.”
Und dann ist Alonso verschwunden. Das halb aufgegessen Essen bleibt zurück. Und ein nachdenklicher, in sich gekehrter Switzenberg. Der Kanadier greift die zurückgelassene Pommesschale und trägt sie zum Mülleimer.
Halb zu sich selbst, halb zum längst verschwundenen Alonso spricht Switzenberg.
Darragh Switzenberg: “Wenn Worte keine Bedeutung haben, zählen nur Taten. Dann werdet ihr alle sehen, wer Darragh Switzenberg wirklich ist.”
Es ist heiß. Zu heiß zum Schreiben, zu heiß zum Lesen, zu heiß gar vielleicht, um würdevoll zu leben.
Doch für eine Sache, da wird es nie zu warm: Um das Gastgeberland zu beleidigen. Also wischt sich Sandro eine Schweißperle, die angesichts des steifen Auftritts in Uniform von der Stirn perlt, aus dem Gesicht und nimmt die letzten Stufen der Ringtreppe, die ihn an den Ort des Geschehens bringt. In den Ring. Dort hebt er das mitgebrachte Mikrofon zu einem royalen Gruß und tut die Buhrufe, die ihm entgegenfliegen, mit einem Lächeln ab. Sie haben eben keine Ahnung, die Italiener.
Während die letzten Takte der Ronaldohymne durch die Boxen scheppern, lockert Sandro den obersten Knopf der Uniform und holt demonstrativ Luft. Viel Luft. Vieeeeel Luft. Es scheint eine längere, kraftzehrende Ansprache zu werden. Die italienischen Fans werfen sich geknickt in die Sitze zurück.
Sandro: "Mamma mia, schaut in eure Gesichter. Es sieht aus, als würdet ihr mir eine verpassen wollen."
Der Zoom der Regie in die Fanreihen gibt ihm Recht. Doch Sandro hat natürlich nicht nur eine simple Feststellung getroffen, sondern will auf Etwas hinaus.
Sandro: "Kein Wunder, denn mit 'verpassen' kennt man sich in Italien aus."
Falls die Anspielung nicht klar genug war, hebt Sandro drei Finger in die Welt. Dreimal. Verpassen. Catania geht ein Licht auf. Es ist rot. Wutrot.
Sandro: "Für ein Land, dessen größte Errungenschaften vor unserer Zeitrechnung lagen, habt ihr ganz schön Nationalstolz. Doch heute ist der Tag gekommen, an dem ihr das Pizzamehl aus den Augen reiben und einmal ganz genau hinschauen solltet. Denn heute, Signore e Signori, ist jemand aus dem geheiligten Land in diesen Sumpf gestiegen, um euch euren Irrweg aufzuzeigen. Sagt es mit mir, im Namen des heiligen Cristiano. Wir alle lieben P-O-R-T..."
"Buuuuuuh!"
Sandro: "Ein anderes Land ausbuhen? Findet ihr das etwa rechtens?"
Empört stemmt der Eroberer Europas die Hände in die Hüften, als von den Rängen kochende Zustimmung auf die eigentlich rhetorisch gemeinte Frage kommt.
Sandro: "Beschämend. Doch auch nicht verwunderlich. Denn die Definition einer ehrenwerten Gesellschaft ist in eurem Land bekanntlich schon immer etwas fragwürdig."
Und selbst dafür gibt es Buhrufe. Sandro zieht die Augenbrauen zusammen. Darf man nicht einmal was gegen die Mafia sagen? Er versteht Gott und die Welt nicht mehr und stampft auf die Ringmatte.
Sandro: "Wer kam eigentlich auf die irre Idee, eine Show in Sizilien zu veranstalten? Si-zi-li-en. Ca-ta-ni-a. Eine verdammte Insel in Süditalien. Mit einer Stadt, die am Fuße des Vulkans liegt und seit Anbeginn nur darauf wartet, zugeascht und zum zweiten Pompeji gemacht zu werden. Denn wenn man Catania dann in zweitausend Jahren wieder ausgräbt, hätte dieses Nest zumindest irgendetwas Relevantes in der Geschichte vollbracht."
Wo sie ihr Land schon leidenschaftlich verteidigt haben, ist der Lokalpatriotismus noch einmal eine ganz andere Liga. Catania kocht. Und das liegt nicht an den Temperaturen. Wütend werden der Name der Stadt und der Name Siziliens intoniert. Für Sandro Anlass, theatralisch abzuwinken und zu stöhnen.
Sandro: "Was denn? Habe ich irgendwo etwas Falsches gesagt? Jeder weiß doch, dass die Musik in diesem Land wenn überhaupt in Norditalien spielt. Selbst die größte kulturelle Errungenschaft eurer Nation im 21. Jahrhundert wurde im Norden erfunden."
Mahnend hebt er einen Finger. Man soll ihm nun ganz genau zuhören. Catania klebt wutschäumend an seinen Lippen. Notgedrungen.
Sandro: "Ich rede natürlich vom Bunga Bunga. SSSSIIIIUUUUUUI!"
Wenn schon Catania ihn nicht feiert, dann zumindest er selbst. Sandro springt in die Luft, dreht sich einmal und landet breitbeinig, wobei er den weltbekannten Schrei inbrünstig in den sizilianischen Abendhimmel brüllt. Dann öffnet Sandro weitere Knöpfe an seiner Uniform und steht mit freiem Oberkörper da.
Sandro: "Doch ich bin nicht nur gekommen, um den Grappa der Wahrheit in taube Ohren zu gießen, sondern um etwas zu vollenden."
Auf der Leinwand erscheint auf ein Klatschen Sandros hin ein mittlerweile wohlbekannte Grafik.
Schritt 1 (Lissabon): Die Nation sammeln. (ERLEDIGT!) Schritt 2 (Barcelona): Das Nachbarland unterwerfen. (ERLEDIGT!) Schritt 3 (Arles): Die Eroberung ins Zentrum Europas tragen. (ERLEDIGT!) Schritt 4 (Monaco): Die Zwerge überrollen. (ERLEDIGT!) Schritt 5 (Catania): Die Vollendung der CONQUISTA
Sandro: "Heute wird der Eroberungsfeldzug vollendet. Und damit ist heute der letzte Tag, an dem ihr mich einfach Sandro nennen dürft. Denn ab Morgen bin ich..."
Er klopft sich auf die Brust.
Sandro: "...Sandro, o Conquistador. Sssssiiiuuuu! Das wird mein Name sein, wenn ich erst einmal dieses insignifikante Land unterworfen habe. Und weil ich sowieso weiß, wie das hier läuft, nämlich dass gleich jemand rauskommt und mich unterbricht, drehe ich den Spieß einfach um. Ich RUFE jemanden raus. Und zwar irgendeinen von euch nutzlosen Sizilianern. Gibt es irgendwen, der Mannes genug ist, die Kapitulation dieses Landes zu überbringen? Und zwar mit einer Niederlage gegen den noch UNBESIEGTEN Sandro, den treuen Diener des Heiligen Cristiano?"
Eine Behauptung, die - zumindest im Jahr 2026 - sogar statistisch gedeckt ist. Denn seit seinem Comeback ist Sandro bei einer makellosen Bilanz. Auch wenn manche Kämpfe ein umstrittenes Ende fanden.
Sandro: "Aldo Nero scheint ja etwas Besseres zu tun zu haben. Selbst ihm seid ihr egal."
Endlich. Sandro senkt das Mikrofon. Kollektive Erleichterung. Und Spannung. Denn die Blicke richten sich zum Vorhang.
Und dort ertönt die Musik...
...
...
...
...eines (fast) ebenso erfolgreichen Italieners. Die zweite Säule sizilianischer Tradition in der GFCW.
Sieger der Gro Gock Talent Search.
GFCW Tag-Team-Champion an der Seite von Danny Rickson.
GFCW Intercontinental Champion.
Der Volkstribun.
Hier ist...
Pete: "Er ist züruck!"
...Garrison Gaeta!
Unter Jubelstürmen tritt Gaeta zum ersten Mal seit langer Zeit in die Mitte der GFCW Galaxy. Zum ersten Mal vor Heimpublikum. Selbst der oftmals so kühle Sizilianer kann sich ein Lächeln kaum verkneifen, als Catania ihn in Applaus und den Rufen seines Namens badet.
Der Volkstribun bleibt auf der Rampe stehen und reißt die Arme in die Luft. Tausende (Handy-)Kameras lösen aus.
Der Weg zur Vollendung der Conquista führt für Sandro über einen Mann, der zu seiner Zeit zwar nie das große Gold errang, aber doch zu den renommiertesten Namen zählte. Und Sandro, der nach dem Nero-Aus schon leichtes Spiel sah, tappt nun mit nervöser Miene im Ring hin und her. Ein Fluch entfleucht seinen Lippen. Ob letzebüergisch oder portugiesisch lässt sich im Stadionlärm nicht ausmachen.
Gaeta sieht aus wie immer. Das schwarze Haar kinnlang, der Körper wie aus Stahl. Der Volkstribun schüttelt einigen Zuschauern in der First Row die Hand, dann wendet er sich dem Squared Circle zu. Sein Blick trifft den von Sandro. Und der gegenseitige Hass ist sofort zu spüren. Gaeta nimmt diese Challenge nicht nur an, um einen Nostalgieauftritt zu haben. Er tut es, weil er diesen Möchtegern-Eroberer nicht ertragen kann.
Dann nimmt Gaeta Anlauf. Slidet in den Ring. Noch einmal wird es lauter, denn kaum dass er sich aufrichtet, steht Garrison Stirn an Stirn mit Sandro. Der Portugiese sagt etwas. Nichts Freundliches. Seine Lippen verziehen sich zu einem herablassenden Grinsen.
Und dann sitzt er auf den Hosenboden. Geschubst von Garrison Gaeta. Das höhnische Gelächter von 17.000 Sizilianern ist der letzte Ton, den Sandro vor der Ringglocke hört.
Bei satten neun Matches auf der Card ist heute bei Conquista einiges geboten und dennoch ist das Roster von GFCW groß genug, dass einige es dennoch nicht auf diese Card geschafft haben. Aber nur weil man nicht wrestlet, heißt das ja nicht, dass man kein Teil der Show sein kann. So kann man etwa ein Interview bei Tammy geben und zwei nicht auf der Card befindlichen Personen machen nun genau das.
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