Sven:
„Die ist er. Der ehemalige und somit beste GFCW World
Champion, den diese Liga ja gesehen hat. Der GFCW-Wrestler des
Jahres 2025 und somit bester „GFCW-Wrestler des Jahres“,
den diese Liga je gesehen hat. Schlicht und ergreifend, der beste
Mensch, den diese Welt je gesehen hat… ALDOOO NEROOO!“
Pete:
„Oh Gott…“
Sven:
„Lach du nur, aber tief in dir drinnen weißt du, dass
ich recht habe. Das hier ist Aldo Neros Welt und wir leben nur in
ihr.“
Pete:
„… wenn du meinst. Ich jedenfalls… ja, ich
freue mich auch Aldo zu sehen. Er scheint verändert, seitdem
er zurückgekommen ist und heute kämpft er nicht mal
wirklich für sich, heute kämpft er… ja, man mag
es kaum glauben, aber heute kämpft er für The End und…“
Sven:
„… für die Familie!“
Seit
Title Night hat Aldo Nero kein Match bestritten und jetzt, hier
und heute wird sich das ändern. Dabei ergibt sich ein Bild,
dass wir zwar lange Zeit nicht gesehen haben, dass aber doch
gewohnt ist: Aldo Nero, der in ein orangenes Licht tritt, mit
einem Corleone-Bruder hinter sich – diesmal jedoch nicht
James Corleone, sondern Onkel Sal.
Die
Fan-Reaktionen überraschen dabei, am heutigen Abend, kaum,
denn die sind geschlossen positiv. Lautstark wird einer der
Lokalmatadore empfangen und vermutlich ist er sogar noch
lokalmatadoriger, als sein championhafter Quasi-Bruder, der im
heutigen Main Event antreten wird. Ob unbehelligt, weil Refuse to
Age vom Ring verbannt ist? Tja, genau darum geht es im folgenden
Kampf.
Aldo
scheint die positiven Reaktionen nicht in der Form erwartet zu
haben. Er versucht so wenig wie möglich darauf einzugehen
und sich nichts anmerken zu lassen, als er seinen Weg zum Ring
antritt. Nach einem kurzen Blickabtausch mit Onkel Sal läuft
er schließlich zum Ring. Ohne mit den Fans abzuklatschen
und dennoch etwas… naja, ist gerührt das richtige
Wort? Mit zunehmender Zeit an Jubel wird es schon sichtbar, dass
ihn dieser Zuspruch nicht kalt lässt.
Und
auch das ist wenig verwunderlich, schließlich hat sein
eigentlicher Vater ihn wenig mit „Liebe“
überschüttet.
Aldo
läuft in Richtung Ring, in Richtung Comeback und in Richtung
Rache und Vergeltung für seine Familie.
Conquest
of Paradiise ist geblieben, sonst jedoch bietet der Entrance von
Darragh Switzenberg ein ganz anderes Bild als alles, was man
gewohnt ist. Und das liegt nicht an einer besonderen Inszenierung
des Kanadiers, sondern am genauen Gegenteil: Dem Fehler jeglicher
Extravaganz.
Wo
sich Switzenberg sonst ewig Zeit ließ, um herrschaftlich
zum Ring zu schlendern, geht er nun schnellen Schrittes und ohne
Getöse, ohne Aufsehen, ohne Feuerwerk voran. Der neue
Switzenberg, dem es um den Sport geht. Der eine neue Geschichte
schreiben will - ist dieser glanzlose Auftritt eine bewusste
Symbolsetzung für den neuen Weg?
Die
Fans jedenfalls sind zwar irritiert ob Switzenbergs zackigem
Entrance, doch trotzdem sind die Reaktionen auf ihn besser als je
zuvor. Er ist kein strahlender Held, der Jubelstürme
kassiert, aber nach seiner Hilfe für die Familie Corleone
hat ihm ein Teil der Fans das geschenkt, was er sich von Aldo und
End erhofft: Einen Vertrauensvorschuss. Ist die Galaxy einfach
nur nachgiebig - oder naiv? Ist dies wirklich ein neuer Mann? Ein
neuer Switzenberg?
Optisch
jedenfalls ist Switzenberg beeindruckend wie zuvor. Jeder Muskel
ist prall und an der genau richtigen Stelle, sein Körper ist
mit einem Wort am besten beschrieben: Makellos. Die Glatze ist
frisch geschoren, seine Beine stecken in langen dunklen Tights.
Dazu weiße Stiefel. Als er zügig den Squared Circle
betreten hat, liegt sein Blick auf den Gegnern. Vor allem auf
Jake. Jenem Mann, den er - im Wrestlingjargon ausgedrückt -
“erschaffen”. Ohne ihn wäre Jake nicht hier. Und
doch stehen sie jetzt auf unterschiedlichen Seiten. Weil sie
beide neue Wege gehen. Doch wer befindet sich auf dem
richtigen…und wer auf dem Irrweg?
Tag
Team Match: Wenn Refuse to Age verliert, sind sie im Main
Event im Ring verbannt
Aldo
Nero & Darragh Switzenberg vs. Refuse to Age (Hollywood
Jake & Robbin Zick)
Referee: Mike Kontrak
In
Sizilien (und für Sven) ist heute schon Weihnachten,
denn der große Wunsch wird direkt zu Matchbeginn
erfüllt: Aldo Nero darf starten. Unter frenetischem
Jubel steigt der Sizilianer in den Ring und lässt die
Schultern kreisen. In seiner Ecke steht Switzenberg und gibt
aufmunternden Applaus. Eine selbstlose Geste, bei der sich
mehrere Anwesende verwundert die Augen reiben (müssten).
Die
Glocke läutet. Und Aldo Nero geht sofort einen Schritt
nach vorn. 18.000 Menschen in Catania wollen sehen, wie
Refuse to Age heute Abend aus der Arena fliegt.
Hollywood
Jake startet für seine Seite. Er schaut zu Robbin Zick,
dann zu Nero, dann zu Salvatore Corleone draußen am
Ring. Ein Grinsen zieht über sein Gesicht, zu breit für
einen Mann, der gleich mit einem ehemaligen World Champion im
ersten Match nach dessen Comeback ringen muss. Doch mit
seinem Stable im Rücken fühlt sich der Riesaer
offenbar unschlagbar.
Sven:
„ALDOOOO NEROOOO!“
Jake
hebt die Hand zum Lock-up. Nero schlägt sie weg.
„YEEEEEEAAAAAH!“
Und
rammt ihm einen Forearm an die Brust. Der RtAler stolpert und
muss einen Schritt zurück machen. Da holt Nero schon
wieder aus. Zweiter Forearm an die Brust. Noch einer. Jake
landet in der Ecke, Aldo setzt mit kurzen Schlägen zum
Körper nach. Mike Kontrak geht dazwischen, zählt
an, und Nero löst bei vier.
Sven:
„Es tut mir wirklich leid für Robbin und Jake, das
sind wirklich sympathische Kerle, aber heute ist ALDOOO
NEROOOOO-Zeit.“
Doch
ausgerechnet inmitten Svens Lobhudelei macht Nero den ersten
kleinen Fehler. Er setzt nicht schnell genug nach und gibt
dem Riesaer so die Chance, aus der Ecke zu kommen. Jake nutzt
die Lücke für einen Low Dropkick gegen das Knie.
Aldo stolpert, Jake setzt sofort einen Kneeling Uppercut
hinterher.
Jake
zerrt Nero in die eigene Ecke und taggt Robbin Zick ein. Ja,
das könnte heute eine Methode sein: Viele schnelle
Wechsel. Denn individuell sind die Beiden ihren Gegnern
unterlegen, das steht außer Frage.
Zick
kommt mit Schwung über das dritte Seil, trifft einen
Elbow gegen Aldos Rücken und zieht den Lokalmatador in
einen Swinging Neckbreaker.
Cover.
1...
Nero
drückt ihn mit Leichtigkeit weg.
Zick
schüttelt kurz verärgert den Kopf, doch bleibt am
Ball. Er tritt Nero gegen die Schulter, zeigt Richtung
Main-Event-Grafik, die an einer der Tribünen befestigt
ist, und ruft etwas über Danny Rickson. Die Buhrufe
werden schärfer.
Aldo
richtet sich auf und schubst den Hannoveraner weg. Robbin
macht eine Rolle rückwärts, federt wieder auf die
Seile, doch da stürmt Nero bereits heran. Und er
erwischt Zick mit einem Running Lariat, der den Norddeutschen
einmal quer auf die Matte legt.
Tag
zu Darragh Switzenberg.
Der
Kanadier steigt über das Seil, und das Publikum ist
neugierig, wie weit diese neue Version von ihm wirklich geht.
War alles nur ein Farce? Oder gibt Switzenberg wirklich Alles
für das Wohl eines anderen? Für die Fairness?
Pete:
„Schauen wir, ob Darragh Ringrost angesetzt hat. Er
stand monatelang nicht im Ring.“
Zick
will ihn direkt überraschen, doch Switzenberg fängt
den Angriff ab und wirft ihn mit einem…
…Belly-to-Belly
Suplex.
Robbin
knallt auf die Matte und als der Ring vor Wucht zu federn
beginnt, springt das Publikum jubelnd auf. Frei nach der
Motto: Der Partner meines Freundes ist auch mein Freund. Und
so genießt Switzenberg eine Portion der Nero’schen
Liebe.
Switzenberg
grinst ins Publikum. SO fühlt es sich also an, einer der
Guten zu sein? Ein völlig neues Gefühl,
Doch
er sollte es nicht zu lang genießen, denn am Ring gibt
es jemanden, der eine offene Rechnung mit ihm hat.
Und
das ist Hollywood Jake. Sein einstiger Assistent.
Und
heutiger Feind.
Die
Zwei tauschen Giftblicke aus, dann steigt Jake durch die
Seile und stürmt schreiend auf Darragh zu.
Doch
Darragh hebt nur lässig das Bein.
Big
Boot!
Jake
geht unter Jubel zu Boden und rollt sich aus der
Gefahrenzone. Sein Racheangriff auf Switzenberg wurde
innerhalb von Sekunden beendet. Darragh schaut ihm belustigt
hinterher.
Pete:
„Ich traue Switzenberg immer noch so weit, wie ich ihn
werfen kann. Also gar nicht. Aber er haut gerade die
richtigen Leute.“
Sven:
„Sei nicht so parteiisch! Das macht man als Reporter
nicht!“
Switzenberg
bleibt dran. Er hebt Zick zu einem Vertical Suplex hoch, hält
ihn kurz in der Luft und lässt ihn sauber fallen.
Die
Matte knallt, als Zick unsanft landet.
Dann
geht Darragh in den Switzlock-Ansatz.
Pete:
„Jetzt könnte der Kampf ganz, ganz schnell zu Ende
gehen!“
Sven:
„Hoffentlich nicht. Wir wollen mehr von Aldo Nero
sehen.“
Switzenbergs
Submission. Der Move, der den Krieg gegen Crutch gewann. Doch
Zick merkt es früh, stößt sich rückwärts
in die Seile und zwingt Mike Kontrak zum Break, kaum dass
Darragh die Aktion geschlossen hatte.
Nur
eine Spur enttäuscht löst der Kanadier den
Switzilock. Er wischt sich über die frisch polierte
Glatze, lässt die Schultern locker und wendet sich
wieder dem Gegner zu, der grad auf die Beine kommt.
Doch
da greift Jake von außen nach Darraghs Fuß, nur
kurz. Switzenberg dreht sich zu ihm. Genau diese Sekunde
nutzt Zick für einen…
…Running
Dropkick.
Darragh
taumelt und fällt in die Seile, bleibt aber stehen.
Zick
taggt Jake ein. Die beiden arbeiten jetzt schneller.
Gemeinsam kommen sie auf Switzenberg zu, der bei der
Übermacht nicht weiß, wen er zuerst angreifen
soll. Er schlägt in Richtung Zick, doch in dem Moment
wird er am Rücken gepackt. Hollywood Jake hat nun
endlich die Chance für den Angriff, den er so ersehnt.
Jake
setzt einen Reverse DDT an,
Der
Kanadier landet hart auf dem Hinterkopf. Jake covert.
1...
…
…
2...
…
…
Switzenberg
kommt raus!
Erleichtertes
Raunen in der Arena.
Jake
kniet neben ihm und sagt etwas, das nah genug an Darraghs Ohr
gerichtet ist, um privat gemeint zu sein. Switzenberg
antwortet nicht. Er schlägt ihm nur mit der offenen Hand
an den Kiefer. Jake kippt zur Seite, wütend, und taggt
wieder Zick ein.
Sven:
„Schon mehrere Minuten ohne Aldo Nero im Ring. Ich
halte es nicht mehr aus ☹“
Zick
findet gegen Switzenberg zuerst den Griff. Er fängt
Darragh nach einem geblockten Forearm an der Hüfte ab
und wirft ihn mit einem Northern Lights Suplex auf die Matte.
Die Brücke steht sauber.
1...
2...
Switzenberg
kommt raus!
Zick
bleibt auf ihm, zieht den Kanadier am Hals hoch und klatscht
Jake ab. Die Frequenz der Wechsel beginnt dem Publikum, auf
die Nerven zu gehen. Die Buhrufe werden noch einmal lauter.
Zwar machen die Beiden nichts Illegales, doch es fühlt
sich so an.
Hollywood
Jake steigt ein, nimmt kurz Maß und trifft einen Kick
gegen den sitzenden Switzenberg. Darragh kippt nach hinten,
Jake setzt den Neck Wrench an und zieht so fest, dass
Switzenberg mit den Stiefeln über die Matte scharrt.
Aldo
Nero steht auf dem Apron, beide Hände am Seil, und die
Arena wird lauter, sobald Darragh sich in seine Richtung
robbt. Ganz Catania ersehnt den Wechsel.
…
…
Und
Switzenberg schafft es, sich auf die Beine zu stemmen.
Jake
löst den Griff, zieht Switzenberg zurück und will
ihn mit einem Back Suplex ablegen. Darragh aber stemmt die
Füße in die Matte, dreht den Oberkörper
heraus und trifft einen…
Jawbreaker.
Jake
stolpert rückwärts in seine Ecke, Zick taggt sich
blind ein und rauscht sofort los. Ansatz zu Clothesline.
Der
Kanadier blockt den Ansatz, schlägt Zick den Ellbogen
ans Ohr und wirft ihn mit einem German
Suplex quer
durch den Ring.
Jetzt
liegt der Weg frei.
Switzenberg
deutet auf seinen Partner.
„AL-DO!“
„AL-DO!“
„AL-DO!“
Switzenberg
marschiert in seine Ecke, Zick greift noch nach seinem Fuß,
aber Darragh tritt ihn ab und schlägt in Aldos Hand ein.
Der Tag löst in Catania stürmischen Jubel aus.
Sven:
„JAAAAAAAAAA!“
Nero
steigt durch die Seile und empfängt Zick mit einer
Running Lariat. Jake kommt ebenfalls rein, doch wird von Aldo
am Halsansatz gepackt und mit einem Spinebuster auf die Matte
gehämmert.
„YEEAAAAAAAAAAH!“
Die
Arena steht Kopf.
Zick
richtet sich an den Seilen wieder auf, schüttelt den
Kopf und läuft direkt wieder auf Aldo Nero zu.
In
einen Uranage.
Sven:
„Er ist ON FIRE! Aldo ist der lebendige Ätna.“
Aldo
bleibt über Zick stehen, die Brust arbeitet, der Blick
wandert kurz zu Salvatore Corleone am Ringrand.
Der
alte Mentor hebt nur zwei Finger und deutet zur Ringmitte.
Fokus.
Aldo
nickt, zieht Zick hoch und stemmt ihn zur Pop-Up Powerbomb
an. Zick strampelt sich frei, landet hinter Nero und flüchtet
in die Seile. Aldo dreht sich, nimmt Anlauf und will den
Battering Ram. Doch Jake greift von draußen nach Zicks
Bein und zieht ihn im letzten Moment aus dem Ring. Nero
rauscht ins Leere, bremst an den Seilen und sieht, wie Refuse
to Age draußen zusammenrückt.
„BUUUUUUUUUUUH!“
Jake
redet hektisch auf Zick ein, Zick hält sich die Rippen
und zeigt auf die Rampe. Aldo will raus, doch Salvatore
Corleone hebt am Apron die Hand. Ruhig bleiben. Nero presst
die Lippen zusammen, atmet einmal hart aus und bleibt im
Ring.
Nachdem
Refuse to Age sich beraten haben und der Countout bei Sechs
angekommen ist, seufzt Hollywood Jake und ergibt sich in sein
Schicksal. Er steigt wieder ein. Nero ist legal, Jake ebenso.
Aldo erwischt ihn beim Reinkommen mit einem Schlag gegen die
Rippen und schickt ihn in die Seile. NICHTS hat sich durch
das Durchschnaufen geändert. Sie sind chancenlos gegen
den ehemaligen World Champion.
Erneuter
Pop-Up Powerbomb-Ansatz.
Eben
noch gegen Zick, diesmal gegen Jake.
Doch
Jake macht es genaus wie sein Partner, springt über Nero
hinweg und landet hinter ihm. Nero dreht seinen Körper
blitzschnell und gibt dem einstigen Switziversler einen Punch
mi. Der Riesaer gerät ins Stolpern und läuft in
Richtung der Nero’schen Ecke.
Direkt
in die Arme von Switzenberg.
Unter
dem Jubel des Publikums bekommt Jake einen Handkantenschlag
ab. Benommen stolpert er zurück in die Ringmitte. Zurück
zu Aldo Nero.
POP-UP-POWERBOMB!
Im
dritten Versuch sitzt sie endlich. Der Anfang vom Ende für
Refuse to Age?
Sven:
„EY!“
Da
stürmt mit einem Mal Robbin Zick in den Ring. Er nimmt
keine Rücksicht mehr auf legal oder illegal. Er weiß;
Wenn er jetzt nicht aktiv wird, ist der Kampf so gut wie
verloren.
Nero
macht sich bereit. Doch Mike Kontrak ist schneller. Er packt
Zick an den Schultern und drückt ihn zurück auf den
Apron. Nur widerwillig lässt Zick sich zurückhalten…
…und
in diesem Moment fliegt das Bein des liegenden Jake hoch.
In
Neros Kronjuwelen.
Mike
Kontrak hört zwar Aldos Schrei, doch hat durch Zicks
Ablenkung nicht gesehen. Der Cheap Shot sitzt. Nero geht auf
ein Knie, Gesicht hart verzogen, die Arena kocht vor Wut. Nun
will Switzenberg ebenso in den Ring kommen. Um Rache an Jake
zu üben für dessen Aktion. Doch Kontrak drückt
ihn ebenso bestimmt zurück nach draußen wie er es
zuvor bei Zick gemacht hat.
Jake
kommt grinsend wieder auf die Beine. 18.000 Buhrufe sind ihm
scheißegal. Er hat, was er will: Eine neue
Matchsituation. Er legt sofort einen Neck Wrench nach und
zieht Aldo in die eigene Ecke. Zick taggt sich ein und steigt
auf das zweite Seil. Ax Handle gegen den Rücken des in
Position gehaltenen Aldo. Als Jake den Sizialianer loslässt,
fällt dieser zu Boden.
Zick
und Jake tauschen eine euphorische Umarmung aus, ehe sich der
Riesaer auf den Apron begibt. Robbin setzt den Single Leg
Boston Crab an.
„AL-DO!“
„AL-DO!“
„AL-DO!“
Aldo
brüllt, vor Ärger und vor Schmerz. Er zieht sich
Richtung Seile. Zick setzt sich tiefer hinein. Jake klatscht
draußen auf den Turnbuckle und motiviert seinen
Kollegen. Genauso Switzenberg auf der Gegenseite.
Fast
hat Aldo es geschafft. Er greift nach dem Seil, verfehlt um
eine Handbreite. Stemmt sich weiter und erreicht es. Kontrak
beginnt, Robbin anzuzählen.
Zick
löst bei vier. Erleichterung in der Arena.
Aldo
bleibt vor den Seilen liegen und muss sich erholen. Der Cheat
Shot. Die Submission. Das frisst Körner. Doch vor allem
ist sein Gesicht rot vor Ärger. Hier – in seiner
Heimat- ziehen die Gegner sowas ab? Man sieht Nero an, dass
er am Liebsten sofort weitermachen will. Doch sein Körper
braucht die Erholung.
Salvatore
Corleone merkt, dass er gebraucht wird. Er geht um den Ring
herum und spricht von draußen auf Nero ein. Er klopft
mit zwei Fingern auf den Apron und sagt, was er zu sagen hat,
nur laut genug, dass Aldo es hört. Ruhig
bleiben. Fokus. Der
Mentor hält den Blick fest, und Nero atmet durch. Der
Moment wirkt klein, aber im Stadion merkt man ihn. Sal gibt
Aldo die Kraft, der Provokation zu widerstehen.
Zick
merkt es auch. Dass Corleones besonnene Art ihre Taktik
kaputt macht. Und das macht Sal zu einer Gefahr.
Der
Hannoveraner klatscht mit Jake ab und steigt dann zwischen
den Seilen nach draußen und baut sich vor Salvatore
auf. Der alte Sizilianer bewegt sich keinen Zentimeter. Er
starrt seinem deutlich jüngeren Gegenüber trotzig
in die Augen. Das ist der Typ, der ihn zu Hause überfallen
wollte. Sein Stolz lässt es nicht zu, klein beizugeben.
Oder Angst zu zeigen.
Robbin
Zick: „Alter Sack. Verpiss dich! Hau schon ab.“
Zick
zeigt auf ihn, dann auf den Backstagebereich.
Sal
bleibt kühl.
Da
packt Zick ihn hart an beiden Schultern.
Und
bei Nero reißt etwas.
Aldo
rollt aus dem Ring und stürmt los. Der erste Schlag
trifft Zick am Ohr, der zweite an der Brust. Zick taumelt an
die Absperrung, Aldo hinterher. Das Gesicht voller Wut. Mike
Kontrak beginnt zu zählen.
1...
Jake
steht im Ring und grinst. Er merkt, dass Zicks Spontantaktik
völlig aufgehen könnte.
2...
Zick
hebt die Arme, weicht den wütenden und deshalb
unkontrollierten Schlägen Aldos rückwärts aus
und lockt Nero die Rampe entlang.
3...
Aldo
schlägt weiter, wild, schwer, ungenau. Salvatore ruft
ihm etwas hinterher, aber der Lärm im Stadion frisst die
Worte.
4...
Im
Ring kann Hollywood Jake sein Glück kaum fassen. Er
lehnt sich lächelnd an die Seile und verfolgt die
Jagdszene draußen: Meter für Meter entfernt sich
Aldo weiter vom Ring. Darragh Switzenberg steht auf der
Gegenseite auf dem Apron. Er schaut zu Nero, dann zu Jake im
Ring.
Man
sieht dem Kanadier die Nervosität an.
5...
Jake
setzt sich auf das mittlere Seil und winkt Aldo zu. Sein
Grinsen wird breiter. Denn Nero bekommt von alledem nichts
mit. Er gibt sich seinem Zorn hin.
Da
ist dieser Typ, der seinen alten Onkel zu Hause in Sizilien
angreifen wollte.
Der
sich heute an Sal vergreifen wollte.
Jetzt
ist Zeit für Rache. Für Vendetta.
6...
Zick
flieht weiter, jetzt schon fast zu langsam, um noch glaubhaft
Angst zu spielen. Es geht immer näher Richtung Vorhang.
7...
…
…
…
…
…
Switzenberg
handelt.
Er
steigt in den Ring, packt den schadenfrohen Jake am
Hinterkopf und an der Hose und wirft ihn einfach über
das oberste Seil nach draußen. Jake kracht vor die
Absperrung, die Zuschauer in der ersten Reihe feiern das
sofort.
Mike
Kontrak bricht den Count ab. Ihm bleibt ja nichts anderes
übrig, außer wieder bei 1 zu beginnen. Denn auch
wenn Jake nicht freiwillig den Ring verlassen hat, so sind
nun beide offiziellen Männer draußen.
Jake
sitzt perplex vor der Absperrung.
Er
wirkt Switzenberg jeden Flucht entgegen, den er kennt.
Switzenberg
verliert keine Zeit. Er rollt aus dem Ring und läuft zur
Rampe, wo Nero Zick inzwischen gegen die Absperrung zur
Backstage-Area drückt. Darragh stellt sich zwischen die
beiden, beide Hände vor der Brust, laut genug, dass es
trotz Stadionlärm bei Aldo ankommt.
Nero
will an ihm vorbei. Switzenberg bleibt stehen. Er zeigt zum
Ring, dann zu einem leidenschaftlich gestikulierenden
Salvatore, dann wieder zum Ring. Mach
deinen Job. Beende es da drin.
Aldo
atmet schwer. Seine Augen bleiben auf Zick, der hinter
Switzenberg kriecht und sich den Kiefer hält. Für
zwei Sekunden sieht es so aus, als wolle Nero noch einmal
los. Der Rachedurst ist noch nicht gestillt.
Doch
dann folgt er Switzenbergs Geste und schaut zu Salvatore. Der
alte Mentor steht da und deutet auf den Ring. Er spiegelt,
was Switzenberg zuvor gesagt hat.
Mach
deinen Job. Beende es da drin.
Neros
Atem wird ruhiger. Er lässt Zick abziehen und dreht ab
Richtung Ring.
Die
Arena nimmt den Moment mit, erst als Raunen, dann als Jubel.
Aldo Nero läuft zurück zum Squared Circle.
Switzenberg folgt ihm, noch immer wachsam. Ein Auge hat er
immer auf Zick, damit dieser nicht von hinten heimlich
angreift. Und weil Aufmerksamkeit nicht ausreicht, stürmt
Switzenberg dann auf Robbin zu und haut ihm eine solche
Clothesline vor den Latz, dass der Hannoveraner mit einer
Ganzkörperdrehung zu Boden fällt.
Nero
währenddessen ist zurück am Ring. Er steht auf der
obersten Treppenstufe und nickt Sal zu. Er wird es beenden.
Für
die Familie.
Von
der anderen Seite kriecht Jake gerade wieder hinein, eine
Hand am Rücken, die andere am Seil. Er glaubt, dass er
genug Zeit hat, um Nero zu überraschen.
Hat
er nicht. Denn Aldo wird von Sal auf die Gefahr aufmerksam
gemacht. Jake kommt gerade auf ein Knie, da wendet sich Nero
schon um und stürmt durch die Seile.
Der
Lokalmatador nimmt Anlauf.
Jake
bekommt grad noch die erste Silbe von „Schei…“
auf die Lippen.
…
…
…
Battering
Ram.
Der
Spear trifft Jake in der Ringmitte. Der Riesaer klappt
zusammen. Nero bleibt auf ihm, hakt das Bein fest ein. Mike
Kontrak ist da.
1...
2...
3!
Sieger
des Matches durch Pinfall: Aldo Nero und Darragh Switzenberg!
Die
Glocke läutet, und das Stadio Angelo Massimino kocht vor
Leidenschaft. Aldo Nero rollt von Jake herunter und bleibt
auf dem Rücken liegen, die Arme ausgebreitet.
Darragh
Switzenberg ist zurück und auf dem Apron. Er steht am
Seil und schaut nach draußen, wo Robbin Zick begreift,
was das bedeutet. Refuse to Age hat verloren. Für den
Rest des Abends sind sie raus.
Pete:
„Aldo Nero und Darragh Switzenberg gewinnen. Refuse to
Age wird aus der Arena verbannt. Danny Rickson muss den Main
Event ohne diese beiden überstehen.“
Sven:
„Und der entscheidende Punkt war: Switzenberg hält
den Laden zusammen. Ich hasse es, das zu sagen, aber Nero hat
den Faktor Darragh heute gebraucht, um nicht den Kopf zu
verlieren.“
Salvatore
Corleone steigt nicht in den Ring. Er bleibt draußen
stehen, die Hände auf dem Apron, und schaut stolz und
zufrieden zu Nero. Aldo setzt sich langsam auf. Ihre Blicke
treffen sich. Sal nickt wieder, diesmal mit einem kleinen
Lächeln im Mundwinkel.
Switzenberg
bietet Nero die Hand an.
Für
einen Moment zögert Aldo. Dann greift er zu und lässt
sich hochziehen. Der Jubel wird noch einmal lauter. Jake
liegt neben ihnen, Zick steht draußen und schreit Mike
Kontrak an, als könne ein Einspruch die Verbannung aus
Catania verhindern. Doch dafür haben sie keinerlei
Handhabe.
Kontrak
zeigt klar zum Ausgang. Security kommt bereits die Rampe
herunter.
Refuse
to Age protestiert, gestikuliert, flucht. Es hilft nichts.
Jake wird von Zick auf die Beine gezogen, beide müssen
den Weg nach hinten antreten. Die Fans winken ihnen nach,
herzlich ist daran gar nichts. Es gibt „Nananana, hey
hey hey Goodbye“-Chants.
Im
Ring hebt Aldo Nero die Faust. Switzenberg steht etwas hinter
ihm, lässt ihm den Moment, und genau das fällt auf.
Kein Drängen ins Bild, kein Versuch, den Applaus zu
stehlen. Also so überhaupt nichts Switzenberg’sches.
Salvatore Corleone sieht es ebenfalls. Er legt den Kopf
schief und denkt nach.
Hat
sich Darragh Switzenberg wirklich verändert? Alles
spricht dafür.
Andere
Fragen hingegen sind eindeutig geklärt: Aldo Nero hat
sein Comeback-Match in Sizilien gewonnen. Und später am
Abend steht The End gegen Danny Rickson ohne Refuse to Age am
Ring.
Dynamite:
“Iray.”
Das
ist sein Name.
Doch
was wird nun von ihm erwartet? Burch steht einfach nur da und
blickt Claude Booker aus seinen tiefliegenden, kleinen Augen an.
Booker ist nicht allein. Da sind zwei weitere Männer.
Breitschultrig, groß. Dynamite Rückversicherung.
Dynamite:
“Du bist zurück.”
Booker
lässt eine Pause. Iray schweigt.
Dynamite:
“Ich habe dich einbestellt, auch wenn du keinen Kampf hast.
Ich wollte dir etwas mitteilen.”
Er
blickt sich um. Erst nach links, dann nach rechts. Die beiden
Sicherheitszeitmänner nicken Dynamite zu - Rückversicherung.
Wir sind hier.
Iray
spürt, dass ihm diese Gesten etwas sagen sollten.
Diese…Nervosität der Drei. Doch er kann es nicht
einordnen. Es muss etwas zu bedeuten haben. Er schweigt.
Dynamite:
“Den Anwälten unserer Liga ist es gelungen, dass die
Strafanzeige des Krankenhauses gegen dich fallen gelassen wird.
Wegen deines…”
Der
Präsident räuspert sich. Wischt sich über den
Nacken.
Dynamite:
“...mentalen Zustands nach der Attacke durch Refuse to Age.
Das heißt allerdings zwei Sachen explizit nicht: Erstens,
dass es nicht einen Zivilprozess geben wird. Darauf haben wir
keinen Einfluss. Und zweitens…”
Wieder
der Blick zur Security. Diese Rückversicherung.
Iray
spürt, wie sich sein Atem beschleunigt. Es ist ein gutes
Gefühl. Er leckt sich über die Lippen. Prägt sich
die Gesichter der Männer ein. Die unversehrten Gesichter.
Noch.
Dynamite:
“...ist dein Verhalten trotz allem völlig
inakzeptabel.”
Alle
starren ihn an. Was nun? Wa erwartet man von ihm? Er gibt ein
Grunzen von sich.
Dynamite
schüttelt den Kopf. Dann zieht er eine Schreibtischschublade
auf. Sie enthält einen Umschlag.
Dynamite:
“Verstehst du überhaupt, was ich dir sagen will?”
Iray
Burch: “Ich weiß nicht.”
Dynamite:
“Ich fürchte, dass es mich nicht besonders überrascht.
Ich sag es dir offen und ehrlich, Iray. Du repräsentierst
nicht die Werte dieser Liga. Ja, Wrestling ist roh. Ja, bisweilen
auch brutal. Doch es gibt Grenzen. Und diese Grenzen werden von
dir überschritten. Im Ring. Und auch, wenn das
Krankenhauspersonal, das dich behandelt, mit einem gebrochenen
Handgelenk nun selbst Patient ist.”
Ah,
da war etwas. Eine Erinnerung. Eine…schöne
Erinnerung. Da ist sie wieder: Die Erregung in seinem Körper.
Iray öffnet den Mund. Hechelt.
Booker
ruft ihn aus den Gedanken, indem er mit dem Briefumschlag auf die
Tischplatte klopft.
Dynamite:
“Wegen dem, was in diesem Brief steht, sind die Beiden da.”
Er
deutet nach links und nach rechts. Die Sicherheitsmänner.
Iray sieht, wie der Adamsapfel des Einen auf- und ab springt. Wie
tief er ihn reindrücken müsste, damit er ganz still
ist? Es klingt nach einem schönen Spiel.
Dynamite:
“Es ist deine Kündigung.”
Burch
legt den Kopf schief. Dynamite schaut ihn an. Als erwarte er
irgendeine Reaktion.
Dynamite:
“Ist dir klar, was das bedeutet?”
Schulterzucken.
Iray
kratzt sich seinen Bart. Seine Augen schweifen im Raum umher. Die
Sicherheitsmänner blicken einander verwirrt an.
Mit
einem Mal lässt Dynamite den Brief wieder in der Schublade
verschwunden.
Dynamite:
“Ich weiß nicht wieso, Iray, doch das Schicksal
scheint noch Pläne für dich zu haben.”
Iray
Burch: “Pläne.”
Dynamite:
“Ja. Ich habe die Bitte erhalten, dir eine weitere Chance
zu geben. Als Sicherheit wird jemand für dich bürgen.”
Iray
Burch: “Shelly.”
Der
Präsident lehnt sich in seinem Stuhl zurück.
Dynamite:
“Nein. Ich soll dir das hier geben.”
Und
wieder verschwindet die Hand in der Schublade. Dann kommt sie
wieder hervor. Und hält einen kleinen Gegenstand.
Dynamite
wirft ihn zu Iray. Der fängt ihn auf.
Der
Gegenstand ist eine Kreuzkette.
Burch
fühlt das kalte Metall in seinen Fingern.Versucht, das Kreuz
zu verbiegen. Es bleibt starr.
Dynamite
seufzt.
Dynamite:
“Möge Gott uns allen beistehen.”
Seit
rund Anderthalb Jahren ist die rosarot bezopfte Schweinehirtin
Monica Shade mittlerweile samt ihrem Stoffschwein/ihrer
„Strategin“ Lady Rosi bei GFCW zu sehen und obgleich
sie sich in der oberen Hälfte der Card etabliert hat, ist
ihr eine Sache bisher nicht vergönnt gewesen: ein Einzelsieg
bei einem PPV. Egal ob gegen Aiden Rotari, Ask Skógur,
Miria Saionji oder der 3 Way gegen The End und Stella Nova:
letztlich war Monica in PPV Matches stets die Besiegte, ihr
einziger PPV Sieg war der Gruppenkampf der LPG gegen das
Switziverse Unlimited. Jene zwei Gruppen, zu denen sie nun mehr
oder minder gehört obgleich beide Gruppierungen auch mehr
oder minder Auflösungserscheinungen haben. Eine komplexe wie
komplizierte Sachlage, die auf einen simplen Punkt hinausläuft:
ein Sieg wäre hier und jetzt echt hilfreich, um die
Ausgangslage hierarchisch zu verbessern.
Inwiefern
irgendetwas davon gerade durch Monica Shades Kopf geht ist jedoch
ungewiss, Gedanken lesen ist ja nun in der Regel keine gängige
Fähigkeit und so wissen wir nur sicher, dass Monica Shade
hier und jetzt gegen Milly Vermillion antritt, um zu beweisen,
dass Milly ihr damaliges Match um den Spot als Herausforderin für
Zac Alonsos Intercontinental Title anders ausgegangen wäre,
wenn Monica nicht per Stuhl von Miria Saionji abgeworfen worden
wäre.
Obgleich
die meisten das ohnehin auch so sehen.
Tatsächlich
könnte man nun herum philosophieren, dass das Match heute
ohnehin ganz anders ist als das Match damals, aber nur weil man
es könnte, heißt es nicht, dass man es auch sollte.
Denn hier und jetzt ist die Sachlage simpel: es gibt zwei Frauen,
die beweisen wollen, dass sie die jeweils andere fair besiegen
können und komplizierter als das muss man es nicht machen.
Auf
den Auftritt von der Frau im Leoparden-Bikini plus Stiefeln und
Armschonern folgt der von Milly Vermillion, die nicht minder
selbstbewusst durch den Vorhang schreitet als es bei der
Leopardin der Fall war, die derweil wie üblich ihr
Stoffschwein auf einen per Kissen gemütlich gemachten Stuhl
platziert. Aber das ist ja normal für die blond gelockte
Phönixfrau im feurig gefiederten Poncho, deren Einzugsmusik
aktualisiert werden musste, da einmal mehr eine Firma meinte
Firmendinge tun zu müssen. Wäre Lorenz noch zugegen, er
würde bestimmt Gründe finden, warum solches Vorgehen
aus Firmensicht gut sein soll, aber das ist er nicht.
Von
der großen Lerbitz Performance Group ist lediglich der
Förderkader übriggeblieben, zu dem Milly gehört,
sowie deren Betreuer, zu denen Monica gehört. Doch heute
geht es nicht um Betreuung, sondern um Bestrafung – oder
eben darum aufzuzeigen, dass die Geförderte besser ist als
die Förderin.
Singles
Match:
Monica
Shade vs. Milly Vermillion
Referee: Robin Stahlbrand
Robin
Stahlbrand erklärt das Match für eröffnet, doch
die Action lässt noch einige Augenblicke auf sich warten.
Leopardin und Phoenix gehen schnurstracks aufeinander zu, bauen
sich voreinander auf, auf dass Monicas 1,69 gegenüber Millys
1,50 voll zur Geltung kommen und dann guckt man sich gegenseitig
noch mal auffordernd in die Augen ehe es losgeht:
Monica
schnellt herum mit ihrer Backfist to the Future, Milly tritt
geduckt einen Shin Kick, kassiert dafür aber prompt einen
klatschenden Chop, für den sich Milly prompt per Shotgun
Dropkick bedankt, der Monica zurücktaumeln, aber auch zum
Running Clothesline in die Seile federn lässt. Dem entgeht
Milly jedoch, nimmt die an ihr vorbeirauschende Monica in einen
Waistlock und wirft sie per Release German Suplex nach hinten.
Monica steht die Aktion jedoch, packt selber von hinten zum
German Suplex zu und der Anblick wiederholt sich in vertauschten
Rollen, nun ist es Milly, welche per Flip den Release German
steht und auf ihren Füßen landet.
Eine
schnelle Anfangsphase, welche die Fans begeistert. Milly und
Monica wiederum atmen erst einmal eine Runde durch und überdenken
ihre nächsten Aktionen – was bei Monica natürlich
heißt, dass sie den Blickkontakt zu Lady Rosi sucht, was
Milly bemerkt und sogleich nach vorne schnellt, um Monica einen
High Kick zu verpassen. Doch nur weil Monica zu ihrer plüschigen
Sau guckt, heißt das ja nicht, dass sie ihre Gegnerin außer
Acht lassen würde und so kriegt Monica das mit und nutzt
Millys Schwung gegen diese, um die Phönixfrau auszuhebeln
und per Tour of the Islands aka Swinging Scoop Powerslam auf die
Matte zu klatschen.
Erstes
Cover und es könnte auch direkt das letzte sein – ist
es aber nicht.
2
Count.
Das
wäre jetzt auch etwas antiklimaktisch gewesen, so sehr es
Monica auch gefallen hätte hier so schnell und deutlich für
klare Verhältnisse zu sorgen. Aber das lässt sich ja
vielleicht zeitig nachholen. Ein Mal Milly umklammern und dann
einmal mehr: German Suplex, dieses Mal Deadlift und vor allem
dieses Mal festgehalten in die Brücke, auf dass es kein
Freiflippen gibt, sondern prompt das nächste Cover:
Eins!
Zwei!
Nein!
Milly
kommt abermals raus und findet sich dafür Augenblicke später
im Ansatz zu einem Half Boston Crab wieder. Aufgabegriffe gehören
nicht zu Monicas Spezialitäten, aber die Aktion hat sie dann
doch ins Repertoire aufgenommen, um Gegner am Boden etwas
vielfältiger angreifen zu können – gleichzeitig
Bein und Rücken zu überdehnen ist zudem oft hilfreich,
um Gegner auszubremsen. Also vorausgesetzt man kann den Ansatz
zum Move auch in die tatsächliche Aktion münden lassen
und das ist der Haken an der Sache: Milly wehrt sich nämlich
per klugem Klammergriff und plötzlich liegt Monica selber
auf der Matte und wird in einen halben Boston genommen –
inklusive blockierter Arme!
Phoenix
Nest!
Diese
Aktion war auch schon von Millys Förderkader-Kameradin
Shizuku Shikishima im Match gegen Zerbeus in Arles zu sehen
gewesen und es überrascht wohl bei diesem Movenamen
niemanden, dass Milly die Aktion erst recht beherrscht.
Monica bleibt nur das freie Bein auszustrecken oder mit einer
Menge Kraftaufwand irgendwie mit Milly an sich haftend zu
kriechen, was bei blockierten Armen doppelt schwierig ist.
Die Leopardin aus Long Island versucht also beides, bis es
ihr gelingt sich in die Seile zu schleppen. Milly Vermillion
löst den Griff missmutig und lässt Robin Stahlbrand
wissen, dass diese Wrestlingregeln keinen Sinn machen würden,
als ob dieser sie persönlich ins oft zitierte und doch
nie tatsächlich gesehene Regelbuch geschrieben hätte.
Den
Sieg durch Aufgabe hat ihr Nest ihr nicht eingebracht, aber
als Monica sich erhebt, knickt sie weg – Schaden hat
die Aktion angerichtet und zwar reichlich. Wo Monica nun
schon mal halb vor ihr kniet posiert Milly mit wedelnden
Armen, um das auszukosten, auf dass dies als Clip viral gehen
möge, wie Monica vor der weisen, mächtigen
Phönixfrau kniet.
Dann
tritt sie ein paar mal zu, schnell und hart, primär in
Richtung Brust, aber auch in Richtung Kopf – letzteren
Tritt fängt Monica jedoch ab, duckt sich unter dem
nachfolgenden Enzuigiri hindurch und hat Milly abermals in
Position zum Deadlift German Suplex und es gibt auch den
Deadlift German Suplex; mit dem gravierenden
Schönheitsfehler, dass die Brücke ob Monicas
schmerzendem Bein nicht lange hält.
Grund
genug für die Leopardin sich etwas zu stretchen und das
Bein auszuschütteln, ehe sie per Backflip Kick der
aufstehenden Milly unters Kinn treten will. Doch Milly weicht
aus und so gibt es lediglich einen Backflip ohne Kick –
und natürlich macht die Landung wieder Aua. Könnte
Lady Rosi den Kopf schütteln ohne dass Monica sie dies
tun lässt, Lady Rosi würde den Kopf schütteln.
So schüttelt stattdessen Milly den Kopf und versetzt
Monica ein, zwei Kicks, ehe die Feurige zupackt und einem
Move zeigt, den man im GFCW Ring noch nicht allzu oft von ihr
gesehen hat: den Exploder.
Gegen
die meisten Gegnerinnen und Gegner im GFCW Ring kann Milly
den Exploder völlig vergessen, egal wie mächtig sie
zu sein beansprucht, aber Monica kann sie problemlos
aushebeln und werfen – ein seltenes Match, in dem Milly
ihr Move Repertoire bei GFCW mal voll ausschöpfen kann
und das nutzt sie direkt zur nächsten Aktion:
Vermillion
Flasher! (Sitout Gourdbuster)
Cover!
Eins!
Zwei!
Nein!
Monica
reißt die Schulter hoch!
Im
letzten mittlerweile völlig veralteten WFW Ranking mag
Monica auf Rang 15 gelistet sein und Milly nur auf Rang 125 –
auch weil Developmental Talente prinzipiell unter allen aus
dem Main Roster stehen – doch wie wenig aussagekräftig
diese Statistik ist, wird immer offensichtlicher: Milly ist
im Vorjahr nicht zufällig im Drittelfinale des
Tournament of Honor gewesen, sie ist mehr und mehr dabei aus
ihren Anlagen Gefährlichkeit zu entwickeln und wenn sie
davon überzeugt ist Monica fair besiegen zu können,
so beweist dieser Matchverlauf, dass sie diese Überzeugung
zurecht hat.
Womit
Monica natürlich dennoch favorisiert ist heute erneut zu
gewinnen, wie sie auch ohne Mirias Eingriff Match 1 gewonnen
hätte, das gehört zur Wahrheit auch dazu. Doch
favorisiert zu sein nutzt Monica im Moment herzlich wenig,
ist Milly doch rasch hoch auf dem zweiten Ringseil und
springt von da aus per Meteora in Monica hinein zum nächsten
Near Fall.
Monica
macht also das, was man mitunter so macht, wenn es gerade
nicht läuft: sie rollt sich aus dem Ring, auch um einen
taktischen Plausch mit Lady Rosi zu halten. Aber natürlich
ist man außerhalb des Rings nicht vor einem Feuervogel
sicher. Milly Vermillion nimmt Anlauf, nutzt das zweite
Ringseil als Sprunghilfe und fliegt nach draußen:
Step
Up Tope con Hilo!
Aber
Monica weicht aus – was zunächst mal gut für
sie ist. Doch dann realisiert Monica, dass dadurch Lady Rosi
auf ihrem Stuhl mehr oder minder in Millys Flugbahn sitzt!
Okay, etwas versetzt nach hinten… aber reicht das?
Milly jedenfalls steht ihren Flug statt eine Bruchlandung
hinzulegen. Klar. Welcher Vogel kann schon seinen Flug nicht
richtig landen? Also abgesehen von Küken, die am
Steilhang aufwachsen und dann ins Meer fliegen müssen
ehe sie dazu bereit sind, weil der Winter kommt.
Aber
auch wenn der Tope gestanden wurde, Schwung hat Milly noch
immer und der lässt sie vorwärts gehen, genau auf
Lady Rosi zu! Aber geistesgegenwärtig springt Milly mit
den Zehenspitzen auf die Kante des Stuhls und ist mit einem
weiteren Sprung seitlich sicher auf dem Hallenboden –
ohne dass Lady Rosi Schaden genommen hätte. Milly fährt
sich herrisch durch die ausladende blonde Lockenpracht von
wegen „natürlich kann ich meine Landung
kontrollieren“ – inwiefern Lady Rosis Wohlergehen
für sie wichtig war, sei dahingestellt.
Monica
Shade wiederum stürzt zu Milly und… umarmt sie
dankbar.
Der
Beginn einer wunderbaren Freundschaft?
Klar
ist: so sehr Monica gnadenlos wird, wenn jemand Lady Rosi
auch nur entfernt droht, so freundlich wird sie, wenn es
nette Gesten gibt und man darf sagen, dass Monica es Milly
sehr hoch anrechnet hier alles mögliche getan zu haben,
um Lady Rosi unversehrt zu lassen. Milly weiß zunächst
nicht, wie sie reagieren soll. Dann jedoch realisieren beide,
dass Robin Stahlbrand sie anzählt und so kehren beide
hastig in den Ring zurück.
Dort
angekommen tauschen sie Attacken aus – Milly tritt zu,
Monica landet einige Chops und European Uppercuts, wobei
Milly nach und nach in eine der Ringecken zurückgedrängt
wird und dort noch einige Chops mehr kassiert, ehe Monica es
für eine gute Idee hält Milly nach oben zu setzen.
Was ihre Idee ist, ist klar, das soll ein Superplex werden.
Doch gut ist die Idee halt nicht, da Milly nun Monica nur
kurz abwehren muss und danach in Position wäre, um durch
eine Flugaktion gefährlich zu werden.
Und
so kommt es auch.
Milly
wehrt sich, Monica muss ihren Aufstieg abbrechen und dann
gibt es einen feinen Diving Huracanrana, der Monica durch den
halben Ring schleudert. Die Leopardin erhebt sich zwar rasch
wieder und torkelt in die gegenüberliegende Ringecke,
aber auch das hätte sie besser nicht getan, ist das doch
quasi eine Einladung an die Feurige mit Anlauf ihren Phoenix
Kick zu landen, wonach dann umgekehrt Monica nach oben
gesetzt wird und Milly den Aufstieg beginnt:
Avalanche
Huracanranein!
Als
nein, kein Huracanrana. Monica beweist wie viel Kraft sie
eigentlich hat und blockt die Aktion, zieht Milly wieder hoch
und schickt sie dann mit einer Art Avalanche Jacknife
Powerbomb auf die Matte! Die Phönixfrau liegt flach und
Monica kann nun das tun, was sie bereits im ersten
Aufeinandertreffen hatte machen wollen, dieses Mal ungestört
und ohne von irgendwem per Stuhl abgeworfen zu werden:
5*
Frog Splash!
Aber
Milly zieht die Knie hoch!
Schmerzhaft
für beide, aber schmerzhafter für Monica, die nicht
die finale Aktion des Matches landet, sondern möglicherweise
die entscheidende Fehlleistung erbracht hat. Milly erhebt
sich und tritt noch einmal per Roundhouse Kick zu, dann nimmt
sie Monica auf die Schultern zum Phoenix Driver! Wenn der
jetzt gelingt, dann war es das!
Aber
er gelingt nicht!
Monica
befreit sich mit mehreren Elbows und landet in Millys Rücken,
wo sie den rechten Arm von Milly packt und das linke Bein.
Tiger Suplex ‚04 oder besser gesagt:
Leopard
Suplex!
In
die Brücke, Cover! Eins! Zwei! DreNEIN! Milly kommt
raus! Da hat Monica eine neue Aktion debütiert, aber
Milly lässt sich nicht überrumpeln, sondern kommt
raus und zwingt sich in die Senkrechte zurück, wo sie
sieht, dass Monica in der Drehung ist! Schnell greift Milly
nach oben, um eine Backfist zu blocken oder gar zu kontern,
aber statt der Backfist komt Monicas andere Drehattacke, der
Double Hand Chop aus der Drehung, die Dark Blade! Kein Move,
der je ein Match beenden wird, aber der so wichtig für
Monica ist um variabel in ihren Aktionen zu sein und Gegner
für ihre anderen Aktionen vorzubereiten. In dem Fall
sorgt Millys nun schmerzende Brust dafür, dass sie sich
diese hält und ihren Kopfschutz aufgibt. Und das heißt:
Backfist
to the Future!
Milly
sieht die Aktion kommen und springt rasch einen Gamengiri zum
Konter und so werden beide erwischt und gehen zu Boden –
was bedeutet, dass Robin Stahlbrand beide anzählt…
aber nicht auszählt. Bei 7 sind beide wieder oben und
Monica wirbelt erneut herum, doch dieses Mal verfehlt sie
Milly völlig, die mit einem Sprung rückwärts
mit Drehung auf der Ringecke ist und von da aus nach hinten
wegspringt zum Blazing DDT! Aber Monica fängt sie auf,
wirbelt Milly um 180 Grad auf ihren Schultern und als Milly
dämmert in welcher Position sie dadurch plötzlich
ist, da ist es auch schon zu spät! Monica hakt Millys
Arme ein und dann geht es mit dem Gesicht voran abwärts:
Daedalus
Destiny! (Double Underhook Dominator)
Das
Cover ist nach dieser Aktion natürlich reine Formsache.
Eins, Zwei und Drei. Ein Klassenunterschied war es ganz
sicher nicht, aber letztlich gewinnt die favorisierte
Leopardin dann doch. Der erste Sieg in einem Einzelmatch bei
einem GFCW PPV, sie hat ihn endlich eingefahren und somit ein
sportliches Argument gesammelt in der näheren Zukunft um
den Intercontinental Title antreten zu können. Erst
einmal gibt es aber den fairen Handshake mit Milly, die
ziemlich verdrießlich aus der Wäsche guckt, aber
zugeben muss, dass sie verloren hat...
Es
wird zurück in den Backstagebereich geschalten. Dort sehen
wir nun Aldo Nero, der gemeinsam mit Salvatore Corleone durch den
Gang läuft. Aldo scheint sich noch nicht geduscht und fertig
gemacht zu haben, nach seinem Match, aber so lang liegt es ja
auch noch nicht zurück. Man sieht ihm auf jeden Fall an,
dass er heute schon fleißig war und auch Salvatore wirkt
zufrieden – wobei die große Aufgabe für die
Familie Corleone ja noch vor ihnen liegt, am heutigen Abend. The
End muss seinen Titel noch verteidigen. Dafür stehen die
Chancen nun aber deutlich besser und das dank Aldo Nero und…
… Darragh
Switzenberg.
Und
genau er ist es, auf den die Beiden jetzt stoßen.
Switzenberg registriert Nero und Corleone ebenfalls, wobei er
sich aufrichtet und so stehen die heutigen Tag Partner nun
voreinander, nach deren großem Triumph.
Salvatore
Corleone erkennt die Lage, nämlich, dass er hier durchaus
einiges Unausgesprochenes gibt, was zwischen den Beiden steht.
Und er scheint auch zu erkennen, dass er für das Aussprechen
eben dieser Punkte, nicht zwingend von Nöten ist.
Salvatore
Corleone: „Nun denn, mein Abend ist noch nicht vorbei. Gute
Arbeit Aldo. Switzenberg.“
Sal
nickt Darragh zu und klopft Aldo auf die Schulter. Viel mehr
Worte bedarf es nicht um zu signalisieren, dass sein nächstes
Ziel wohl The End sein wird, um diesen auf sein Match auf sein
Match gegen Danny Rickson vorzubereiten. In diesem Sinne wendet
sich Sal ab und lässt die Beiden zurück.
Sowohl
Aldo als auch Darragh schauen ihm nach und gerade als letzterer
das Wort ergreifen will, kommt ihm Aldo zuvor.
Aldo
Nero: „Unsere Geschichte geht lange zurück.“
Darragh
hält sich zurück und scheint nun erstmal lauschen zu
wollen, was Aldo zu sagen hat.
Aldo
Nero: „Wir kennen uns seit der GTCW, damals waren wir noch
frisch. Und nun sieh uns an und wie weit wir gekommen sind.“
Darragh
scheint direkt einsetzen zu wollen, doch Aldo ist noch nicht
fertig.
Aldo
Nero: „Ich bin ehrlich mit dir und ich machs kurz. Ich habe
dir vor unserem Match nicht im Geringsten vertraut. Nur ein Narr
würde das tun. Und… naja, ich vertraue dir auch jetzt
noch nicht…“
Jetzt
wartet Darragh, denn offensichtlich will Aldo hier noch etwas
hinzufügen.
Aldo
Nero: „… aber… du bist für meine Familie
eingestanden. Du hast für sie gekämpft, du hast sie
gerächt und das… ganz ohne Eigennutz.“
Aldo
mustert Darragh. Er schaut ihm tief in die Augen und scheint
dabei selbst zu merken, dass seine eigene Worte keinen Sinn
ergeben. Ohne Eigennutz? Bei Darragh Switzenberg? Da kann etwas
nicht stimmen.
Aldo
Nero: „Warum?“
Eine
authentische, echte Frage. Ohne Hintergedanken, ohne
Unterstellung. Aldo will tatsächlich einfach wissen, warum
und weshalb Darragh Switzenberg ihm hilft und warum er The End
hilft.
Aldo
Nero: „Ich respektiere, was du getan hast. Und ich bin
dankbar dafür. Aber ich spreche ganz offen mit dir. Ich weiß
nicht, welches Ziel du verfolgst. Ich weiß nur, dass mich
genau das… beunruhigt.“
Bei
Aldos Andeutung verzieht Switzenberg kurz das Gesicht. Dann
jedoch gewinnt er die Kontrolle über seine Mimik zurück
und schenkt dem Gegenüber den Anflug eines Lächelns.
Darragh
Switzenberg: “Ich hatte gehofft, mit dem heutigen Kampf
nicht nur deine Dankbarkeit, sondern auch dein Vertrauen zu
gewinnen. Dass du mir glaubst, wenn ich sage, dass es an der Zeit
für einen neuen Darragh Switzenberg ist.”
Und
eben dieser neue Switzenberg präsentiert sich mit offener
Körperhaltung und einem größer werdenden Lächeln.
Er sucht den direkten Blickkontakt.
Darragh
Switzenberg: “Ich kann die Geschichte nicht umschreiben,
nicht ungeschehen machen, wer ich bei GTCW und vor meiner Pause
auch bei GFCW war. Aber auch die Gegenwart wird irgendwann zu
Geschichte - und darauf will und werde ich Einfluss nehmen. Ich
will, dass das Bild, das einst meine Legacy sein wird, nicht
einen Mann zeigt, der vor Herausforderungen weglief, sich hinter
Regeln und Anwälten und mit Betrug stets den leichten Weg
ging. Ich will ein neues, besseres Ich sein.”
Eine
eigentlich eindeutige Motivation. Doch aus dem Mund Switzenbergs
klingt sie doch unfassbar. Zu tief sitzen die Wunden, die er der
GFCW zugefügt hat.
Darragh
Switzenberg: “Wenn dieses neue Ich irgendwann so überzeugt,
dass…”
Er
grinst in sich hinein und legt den Kopf schief.
Darragh
Switzenberg: “...man an Switzenberg denkt, wenn es um
Titelshots geht, würde ich mich natürlich nicht wehren.
Aber das ist nicht meine Hauptmotivation. Noch nicht. Ich weiß,
dass ich in Vorleistung gehen muss. Und dazu ist der neue Darragh
Switzenberg bereit.”
Ob
Aldo Darragh Switzenberg glaubt, wenn er sagt, dass er sich
wirklich bessern wollte?
Nunja,
als jemand, der quasi sein ganzes Leben lang mit einem absoluten
Profi daran, seine wahren Absichten zu verbergen, verbracht hat,
wird Aldo so leichtfertig wohl nie wieder einem Menschen etwas
glauben können. Aber wie er es selbst gesagt hat – die
Taten sprechen für sich und es ist nun mal so, dass Darragh
Switzenberg ihm dabei geholfen hat den versuchten Angriff auf
Onkel Sal zu rächen und das kann er nicht leugnen.
Das
Titelmatch ist andererseits ein spannender Punkt.
Aldo
Nero: „Ich denke es ist weder überraschend, dass du es
auf den Titel abgesehen hast, noch kann man es dir vorhalten. Wir
alle wollen das Gold und auch, wenn End es uns wieder und wieder
leicht macht, ihn dafür herauszufordern… verstehe ich
sehr gut, dass man sich den Titel verdienen will.“
Wieder
ein Punkt an dem Aldo einen gewissen Respekt für Darragh
Switzenberg offenbart. Die Open Challenges mögen da sein und
ihnen offenstehen, aber Aldo will sich das Titelmatch und den
Titel verdienen und offensichtlich will das Darragh Switzenberg
auch.
Aldo
Nero: „… allerdings… bedeutet das, dass wir
dasselbe wollen.“
Aldo
antwortet in einem bestimmteren Ton, der signalisiert, dass die
Allianz damit wohl ihr Ende finden wird. Die Familienehre ist
wiederhergestellt, also ist der GFCW World Championship das
nächstgrößere Ziel und dabei können er und
Switzenberg nicht zusammenarbeiten.
Dabei
stehen sie wieder gegeneinander.
Aldo
Nero: „Soll heißen… wenn du den Titel willst…
dann musst du erst an mir vorbei.“
Ein
Stimmungsumschwung im Gespräch? Switzenberg hebt abwehrend
die Hände, sein Lächeln wird breiter.
Darragh
Switzenberg: “Keine Sorge, Aldo. Wie gesagt: Ich möchte
nicht mehr die einfachen Wege gehen. Mich nicht mehr vordrängeln.
Sollten wir also eines Tages wieder Rivalen sein, werde ich dir
kein Messer in den Rücken rammen. Doch bevor wir uns darüber
Gedanken machen, ist ja ohnehin die Frage, wer am Abend den Titel
trägt. Rickson? Oder The End?”
Aus
der Stimmlage des Kanadiers ist zu vernehmen, dass ihm die
Möglichkeit einer Titelverteidigung im heutigen Main Event
lieber ist. Wenig überraschend, wenn man die letzten Wochen
berücksichtigt und dass er heute Ricksons Spießgesellen
bekämpft hat.
Darragh
Switzenberg: “Wir beide haben jedenfalls getan, was wir
konnten, um den Champion Rickson zu verhindern. Zumindest einen,
der durch Eingriffe ans Ziel kommt. Also wird End verteidigen,
hm? Doch was dann? Würdest du überhaupt noch einmal
gegen ihn antreten. Jetzt, wo die Familie wieder zusammengefunden
hat und ihr euch vertragt?”
Aldo
beißt sich auf die Zähne. Er schafft es gut seine
Emotionen zu regulieren, aber dennoch springt er drauf an, was
Switzi sagt.
„Vertragen“
sich End und Aldo wirklich? Oder ist das vielmehr ein
Waffenstillstand?
Aldo
Nero: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass End Rickson
besiegen wird. Und ja, ich hoffe das auch. Aber sicher nicht,
weil ich es mir aus familiärer Zuneigung wünsche…“
Lustigerweise
dreht Aldo das Motiv jetzt um – auf einmal ist der
familiäre Verbund eben nicht mehr der Grund für Aldos
Wunsch, dass End gewinnt, sondern…
Aldo
Nero: „… ich will dem Mann den Titel abnehmen, der
ihn mir abgenommen hat. In einer finalen Schlacht. Wenn wir unser
erstes Match ignorieren, bei dem ich versagt habe, … steht
es eins zu eins. Er hat einmal gewonnen, ich habe einmal
gewonnen. Ich will die Sache ein für alle Mal klären,
ihn final besiegen und mir meinen Titel zurückholen. Und
dabei sollte mir niemand im Weg stehen. Nicht Refuse to Age,
nicht Danny Rickson… und auch nicht du.“
Darragh
Switzenberg: “Ich kenne deine Geschichte. Und ich kenne
deine Karriere. Wenn du also sagst, dass dir niemand im Weg
stehen sollte, meinst du das auch so…doch ich möchte,
dass du auch meine Geschichte verstehst. Wenn ich sage, dass ich
mich bessern will und keine Abkürzungen mehr gehen will,
heißt das nicht automatisch, immer zurückzustecken.
Das würde dem Kern des Wrestling nicht gerecht werden.”
Am
Ende seines Satzes hebt Switzenberg drei Finger in die Luft. Eine
Geste, die Aldo nicht einordnen kann. Er blickt Darragh irritiert
an.
Darragh
Switzenberg: “Dreimal habe ich den Intercontinental Title
gehalten und dreimal tat ich das als unwürdiger Champion.
Nun will ich einmal alles richtig machen. Soll heißen: Den
besten Titel als bessere Persönlichkeit. Wenn wir dazu
aufeinandertreffen müssen, bin ich bereit.”
Das
Grinsen kehrt in sein Gesicht zurück. Er hst noch einen
Nachtrag.
Darragh
Switzenberg: “In einem ganz normalen, fairen Match. So wie
es mein neues Ich verlangt.”
Die
Beiden stehen nun da und mustern einander. Vermutlich die zwei
größten Erfolgsgeschichten, die die GTCW
hervorgebracht hat, stehen sich nun einander gegenüber und
werden vermutlich unter sich ausmachen, wer als nächstes den
GFCW World Champion herausfordern wird.
Aber,
die große Frage dabeibleibt, wer denn derjenige ist, den
sie heraufordern wollen.
Wird
es tatsächlich The End sein? Oder wird Danny Rickson heute
wiederum den größtmöglichen Erfolg für
Refuse to Age einfahren und neuer GFCW World Champion werden?