Die Burg wird dunkel. Nicht langsam, nicht mit einem allmählichen Abdunkeln der Scheinwerfer. Sämtliche Lichter erlöschen schlagartig, und für einige Sekunden bleibt nur das unruhige Raunen der Zuschauer zurück. Dann ertönt ein tiefer Glockenschlag.


DONG.

DONG.


Beim dritten Schlag erscheint auf der Videowand ein violetter Kreis. Langsam schält sich daraus ein Schriftzug hervor.



Die Musik setzt ein. Schwer, düster und getragen. Kein hektischer Beat, keine Explosion aus Pyrotechnik. Der Auftritt wirkt wie eine Prozession, die nicht gekommen ist, um um Erlaubnis zu bitten. Am Eingang erscheint Al Spawn Simmons. Schwarzer Anzug, violette Akzente, ein Mikrofon in der Hand. Er bleibt kurz stehen, lässt den Blick über die Halle wandern und lächelt, als wäre das Ergebnis des heutigen Abends längst entschieden. Hinter ihm treten die vier Wrestler der Apocrypha hervor.


Tha Bomb.

Titan.

Thor.

Odin.


Gemeinsam setzen sie sich in Bewegung. Simmons geht voraus, die vier folgen ihm mit ruhigen, selbstbewussten Schritten. Sie nehmen die Buhrufe wahr, schenken ihnen aber kaum Beachtung. Für sie ist das Publikum lediglich eine Geräuschkulisse auf dem Weg zu etwas, worauf sie sich längst freuen. Als sie die Konstruktion erreichen, bleibt Simmons stehen. Er dreht sich zu seinen Männern und deutet mit einer ausladenden Bewegung auf das gewaltige Gebilde.



Die vier verteilen sich.


Tha Bomb und Titan gehen zunächst an der Außenseite entlang und begutachten die Übergänge zwischen den beiden Ringen, die schweren Gitter und die verschlossenen Zugänge. Bomb legt eine Hand an einen der massiven Pfosten, rüttelt kurz daran und grinst zu seinem langjährigen Partner hinüber. Ein paar Schritte weiter hat Thor die Konstruktion erreicht. Er fährt mit einer Hand über das kalte Metall, blickt durch die Gitter auf die beiden Ringe und betrachtet anschließend die obere Ebene. Sein Gesicht zeigt keine Nervosität. Nur diese beinahe beunruhigende Vorfreude, die ihn so gefährlich macht. Odin bleibt etwas zurück. Er betrachtet die gesamte Anlage, die Zugänge, die Höhe und die Bereiche, in denen man einen Gegner von seinen Verbündeten trennen könnte. Er sagt nichts. Er muss nichts sagen. Sein Blick verrät, dass er bereits darüber nachdenkt, wie sich dieser Ort nutzen lässt. Die Kamera fängt die vier Männer aus verschiedenen Perspektiven ein. Sie begutachten die Konstruktion nicht wie Gäste, die eine Attraktion besichtigen. Sie betrachten sie wie Handwerker, denen man endlich das passende Werkzeug in die Hand gegeben hat.


Simmons beobachtet seine Männer mit sichtlicher Zufriedenheit. Bomb grinst. Die beiden lachen kurz. Thor zeigt ein schmales, bedrohliches Grinsen, während Odin bereits in Richtung des für die Apocrypha vorgesehenen Heerlagers blickt. Die vier setzen sich schließlich wieder in Bewegung. Sie gehen nicht in den Ring und betreten auch nicht die Konstruktion. Stattdessen steuern sie das Zelt an, das ihnen als Heerlager zugewiesen wurde. Vor dem Eingang bleibt Thor für einen Moment stehen und dreht den Kopf noch einmal zurück. Sein Blick wandert über die Ringe, die Gitter und die obere Ebene. Dann verschwindet er im Zelt. Odin folgt ihm. Bomb und Titan bilden den Abschluss, wobei Bomb sich im Vorbeigehen noch einmal zu den Zuschauern umdreht und ihnen ein breites, arrogantes Grinsen schenkt. Dann verschwindet auch er im Heerlager


Es wird wieder heraus gezoomt auf das riesige Konstrukt, den riesigen Käfig, die zwei Ringe und darüber die GFCW Tag Team Gürtel, die neben zwei Schandkörben hängen und welche nun von einem Spotlight eingefangen werden. Einige Sekunden zieht dieses Gold die Aufmerksamkeit sämtlicher GFCW Fans auf sich, ehe der Song „Stand Up And Fight“ beim Refrain einsetzt und das seit Conquista vermisste Logo auf dem Titantron gezeigt wird!





Sie klatschen einander ab, sind optisch dem Stil von Morbeus angepasst, MacKenzie tritt auch ohne Gesichtsbemalung an. Wild entschlossen marschieren sie Seite an Seite in Richtung Seilgeviert. Kurz bleiben sie vor dem Käfig stehen, schauen auf den Käfig, ihre Gegner und schließlich auf die Marterwerkzeuge, die bereit liegen.


Laura: „Auf dem Weg zum Ring, aus Vancouver, Kanada und aus Kalifornien, USA – Raymond Morbeus Douglas… Zereo Killer… ZERBEUS!!!“


Dann betreten sie gemeinsam den Käfig und entern den Ring, wo sie sich nebeneinanderstellen und kurz posieren, ehe die Blicke zu The Apocrpyha wandern. Gleichzeitig wird die Musik ausgefadet und alles wartet auf die Tag Team Champions, die noch bei Conqusita die Herausforderer von Zerbeus waren.



Nur Sekunden nachdem die eine Musik ausfadet, beginnt die andere zu spielen. Und sogleich treten die GFCW Tag-Team Champions, die Mad Stars, gemeinschaftlich durch den Vorhang. Mad Dog trägt das Mad Stars Logo auf den Hosenbeinen und trägt seine orangenen Stiefeln mit schwarzen Schnüren, Stella Nova wiederum mit weniger Orange und viel mehr Schwarz auf ihrem kometenhaften Schurz und knappen Top mit Sternausschnitt, auf dessen Rückseite ebenso das Mad Stars Logo zu sehen ist.

Wie sich die große, vernarbte Töle mit den wilden, schwarzen Haaren in Bewegung setzt, beginnt auch zeitgleich der Leitstern mit den massiven, schwarz-orangenen Flechtzöpfen den eleganten Tanzschritt gen Ring – visuell kontrastreich und doch im Gleichschritt.


Laura: „Auf dem Weg zum Ring, aus Berlin, Deutschland sowie aus Delhi, Indien – die GFCW TAG TEAM CHAMPIONS… Mad Dog… Stella Nova… DIE MAD STARS!!!“


Die Fanrufe wiederholen nun unweigerlich „Mad Stars“! Und auch die Champions bleiben noch einmal stehen, bevor sie den Doppelkäfig betreten. Ihr Blick gilt neben ihren Kontrahenten und dem Käfig vor allem den Titel, die über ihnen hängen. Dann treten auch die beiden in den Käfig, erklimmen den Apron, Mad Dog die Atmosphäre inhalierend, Stella posierend, dann schlüpfen sie abermals synchron durch die Seile und stehen nun im Ring, um sich neben Zerbeus zu begeben. Sie lassen sich von den Fans feiern und werden dann vom Referee ins Heerlager gebeten.


Die Entrances liegen hinter uns. Die letzten Töne der Musik sind zwischen den alten Mauern von Burg Satzvey verklungen, doch Ruhe kehrt deshalb noch lange nicht ein. Im Gegenteil. Erst jetzt, da keine Musik mehr aus den Lautsprechern dröhnt und keine Inszenierung mehr vom eigentlichen Schauplatz ablenkt, entfaltet diese monströse Konstruktion ihre volle Wirkung.


Die Kamera bleibt noch einen Augenblick auf der geschlossenen Zeltöffnung, bevor sie zurück zu Simmons schwenkt. Er steht nun Claude Dynamite und Eric Fletcher gegenüber. Das Mikrofon liegt locker in seiner Hand. Er wartet, bis die Buhrufe etwas nachlassen. Dann hebt er den Kopf.


Al Spawn Simmons: „Meine Herren.“


Sein Blick wandert über die vier Gegner und bleibt schließlich an Claude hängen.


Al Spawn Simmons: „Ich möchte Ihnen zunächst gratulieren. Sie haben es tatsächlich geschafft, bis hierher zu kommen. Sie stehen noch.“


Er lässt den Blick kurz zur Konstruktion schweifen.


Al Spawn Simmons: „Das allein ist heute Abend bereits eine Leistung.“


Die Fans buhen lauter. Simmons lässt sich davon nicht beeindrucken.


Al Spawn Simmons: „Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen erklären, nach welchen Regeln dieses Urteil gefällt wird. Keine Disqualifikation. Keine Auszählung. Keine Zeitbegrenzung.“


Simmons deutet auf die Konstruktion.


Al Spawn Simmons: „Und keinen Ort, an den Sie fliehen können, sobald Sie feststellen, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Dieses Match endet erst dann, wenn sämtliche Mitglieder einer Mannschaft ausgeschaltet oder eingesperrt sind. Nicht einer. Nicht zwei. Nicht drei.“


Sein Blick wandert von Claude zu den vier Gegnern.


Al Spawn Simmons: „Alle müssen sie jeden einzelnen unserer Männer überwinden, um diesen Krieg zu gewinnen. Und wir müssen jeden einzelnen von Ihnen überwinden, um ihn zu beenden. Es gibt keine Rettung. Keine Ausrede. Keinen Rückzug.“


Dann wird sein Gesicht ernster.


Al Spawn Simmons: „Und vor allem keinen zweiten Versuch.“


Simmons geht einen Schritt näher zu Claude.


Al Spawn Simmons: „Und Claude … ich muss ehrlich mit Ihnen sein.“


Er schüttelt beinahe bedauernd den Kopf.


Al Spawn Simmons: „Ich habe dir mehr Mumm zugetraut. Wirklich. Ich hätte gedacht, dass ein Mann wie du dem drohenden Untergang wenigstens ins Auge sehen möchte.“


Simmons schaut kurz in Richtung des Heerlagers der Apocrypha.


Al Spawn Simmons: „Meine vier Männer haben sich gerade angesehen, was sie erwartet. Sie haben die Konstruktion inspiziert. Sie haben verstanden, was dieser Ort zu bieten hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich auf das freuen, was als Nächstes kommt.“


Ein kaltes Lächeln.


Al Spawn Simmons: „DU hingegen wirkst nicht wie der Mann, der sich auf irgendetwas freut.“


Simmons lässt das Mikrofon kurz sinken.


Al Spawn Simmons: „Vielleicht verstehe ich es ja sogar. Angst ist eine merkwürdige Sache. Sie lässt einen Menschen plötzlich sehr vernünftig werden.“


Er dreht den Kopf in Richtung Backstage.


Al Spawn Simmons: „Selbst Eric Fletcher hat Angst. Der Mann, der sonst jedem erzählt, dass er Entscheidungen trifft. Der Mann, der glaubt, diese Liga kontrollieren zu können.“


Simmons wendet sich wieder Claude zu.


Al Spawn Simmons: „Auch er hat verstanden, was hier passiert. Er hat verstanden, dass man irgendwann nicht mehr davonlaufen kann. Aber Du, Claude … Du hast noch immer die Möglichkeit, dir einzureden, dass das hier nur ein Wrestlingmatch ist.“


Er deutet auf die Konstruktion.


Al Spawn Simmons: „Du kannst dir einreden, dass am Ende einfach jemand gewinnt und jemand verliert. Oder Du kannst endlich das tun, was ich dir zugetraut habe.“


Er zeigt direkt auf Claude.


Al Spawn Simmons: „Stehen bleiben. Uns ansehen. Und dem drohenden Untergang ins Gesicht blicken. Denn genau das ist es, was heute passieren wird.“


Simmons tritt einen Schritt zurück.


Al Spawn Simmons: „Sie wollten die Apocrypha. Jetzt haben Sie sie.“


Er lässt den Blick noch einmal über die Konstruktion und das Heerlager seiner Männer wandern.


Al Spawn Simmons: „Die Prüfung beginnt.“


Damit endet der Entrance, während die vier bereits in ihrem Zelt auf den Beginn des Matches warten. Simmons hat Claude die Regeln erklärt – und die Apocrypha hat gezeigt, dass sie sich auf das Kommende freut, statt sich davon einschüchtern zu lassen. Als erstes kommen Titan und Stella aus den Herrlagern um das Konstrukt zu betreten.



Zwei Ringe stehen unmittelbar nebeneinander. Über ihnen erhebt sich das schwarze Geflecht des Käfigs, eine Mischung aus Stahl, dunklem Holz und schweren Ketten, die im flackernden Licht der Fackeln beinahe älter wirkt als die Burg selbst. Über den beiden Ringen liegt das geschlossene erste Dach der Konstruktion. Nur in seiner Mitte befindet sich die Öffnung, durch die später die zentrale Leiter in das darüberliegende, nach oben offene Stockwerk führen wird. Unter den Ringböden warten die Kerker. An den Seiten hängen die Schandkörbe.


Und hoch über allem thront der Galgen.

Dort hängen sie.

Die beiden GFCW Tag Team Championship Gürtel.


Für die meisten Menschen hier sind sie Gold. Für zwei Menschen im Lager der Apocrypha sind sie weit mehr als das. Titan steht mitten in einem der beiden Ringe und schaut nach oben. Auf der anderen Seite wartet Stella Nova. Die amtierende Tag Team Championess lässt ihren Blick keinen Moment von dem gewaltigen Mann vor ihr weichen. Sie weiß genauso gut wie Titan, was diese Konstellation bedeutet. Von allen Mitgliedern ihres Teams hätte ausgerechnet sie wohl am wenigsten allein mit einem Mitglied von T’n’B beginnen wollen. Denn Titan muss sie heute nicht pinnen. Er muss sie nicht einmal zur Aufgabe zwingen. Er muss sie nur in einen dieser verdammten Körbe bekommen.


Bob Taylor steht zwischen ihnen. Selbst der Referee ist heute Teil des bizarren Schauspiels. Statt seines üblichen Shirts trägt er ein schwarz-weiß geteiltes Wams, dessen vertikale Streifen noch immer unmissverständlich zeigen, welche Funktion er hier erfüllt. Dunkle Hosen verschwinden in hohen Lederstiefeln. An seinem Gürtel hängen keine Waffen, sondern die Schlüssel zu den verschiedenen Verriegelungen der Konstruktion.


Taylor sieht Stella an. Dann Titan. Ein letzter Blick zu den beiden Heerlagern außerhalb des Käfigs. Dann gibt er das Zeichen.


4 vs. 4-???:

No-DQ, No Countout
Apocrypha (Titan, Tha Bomb, Thor, Odin) vs. Mad Stars (Night Fighter Mad Dog & Stella Nova) & Zerbeus (Zereo Killer & Morbeus)
Referee: Bob Taylor

DONG!


Der schwere Glockenschlag klingt eher nach der Eröffnung einer Hinrichtung als nach dem Beginn eines Wrestlingmatches.


Pete: „Und damit beginnt der Siege of Satzvey!“

Sven: „Nein, Pete. Damit beginnt die Eroberung.“


Titan bewegt sich nicht. Stella ebenfalls nicht. Sekundenlang stehen sie sich lediglich gegenüber, während von den hölzernen Tribünen rund um das Schlachtfeld ein immer lauter werdendes Stampfen zu hören ist. Tausende Füße bearbeiten die Holzbalken. Irgendwo beginnt ein Fan den Namen Stella zu rufen, andere stimmen ein, doch Titan scheint davon überhaupt nichts wahrzunehmen.


Sein Blick wandert nach oben.

Zu den Gürteln.

Dann langsam zur Seite.

Zum Schandkorb.

Und schließlich zurück zu Stella Nova.

Ein schmales Grinsen erscheint in seinem Gesicht.

Stella nickt.

Sie hat verstanden.


Pete: „Das ist genau das Problem für Stella. Sie trägt einen dieser Gürtel. Solange sie und Mad Dog frei sind, kann T’n’B nicht an das Gold.“

Sven: „Dann sollte sie sich schon einmal überlegen, ob sie im Schandkorb lieber sitzen oder stehen möchte.“

Pete: „Du bist widerlich.“

Sven: „Ich bin vorbereitet.“


Stella eröffnet den Kampf. Nicht aus Ungeduld, sondern weil sie weiß, dass sie Titan niemals erlauben darf, das Tempo zu bestimmen. Sie täuscht den direkten Lock-up an, zieht sich im letzten Augenblick zurück und hämmert einen Low Kick gegen Titans Oberschenkel. Noch einer folgt. Titan greift nach ihr, doch Stella ist bereits wieder außer Reichweite. Ein dritter Kick trifft die Außenseite seines Knies.


Titan dreht sich langsam zu ihr.

Stella lächelt.

Sie will ihn bewegen.

Und sie bekommt ihren Wunsch.

Titan marschiert los.


Stella weicht zurück, wartet auf seinen Zugriff und taucht darunter hindurch. Sofort geht sie wieder auf das Bein. Ein Kick, ein zweiter – Titan dreht sich herum und fängt den dritten ab. Plötzlich hängt Stella auf einem Bein. Ihr Lächeln verschwindet. Titan hält ihren Fuß einfach fest. Ein kurzer Ruck. Stella landet auf dem Rücken. Titan will sofort nachsetzen, doch Nova rollt unter dem ersten schweren Tritt hinweg, kommt auf die Beine und schießt in die Seile. Sie nimmt Geschwindigkeit auf, springt Titan entgegen – und prallt mit einem Shoulderblock gegen ihn.


Titan macht einen halben Schritt zurück.

Mehr nicht.

Stella schaut ihn an.

Titan schaut an sich herunter.

Dann wieder zu ihr.


Sven: „Das war niedlich.“

Pete: „Sie versucht herauszufinden, was funktioniert.“

Sven: „Dann kann ich ihr Arbeit ersparen. Weglaufen.“


Stella rennt erneut in die Seile. Diesmal kommt sie schneller zurück, täuscht den nächsten Shoulderblock lediglich an und zieht Titan stattdessen im Vorbeilaufen das Bein weg. Der große Mann gerät tatsächlich ins Wanken. Stella nutzt den Moment, springt in die Seile und trifft ihn mit einem Dropkick gegen das Knie.


Jetzt geht Titan auf ein Knie.

Die Zuschauer werden laut.


Stella setzt sofort nach. Sie nimmt erneut Anlauf und will Titan mit einem Running Knee erwischen, doch diesmal ist der Mann von T’n’B vorbereitet. Im letzten Augenblick richtet er sich auf und fängt Stella mitten in der Bewegung ab. Für einen Augenblick hängt sie quer vor seinem Körper. Dann schleudert Titan sie mit einer gewaltigen Bewegung durch den Ring.


Stella schlägt hart auf.

Damit verändert sich der Kampf.


Titan gibt ihr keine Gelegenheit mehr, Distanz aufzubauen. Er zieht sie hoch, drängt sie mit seinem Gewicht gegen die Seile und rammt ihr die Schulter in den Bauch. Stella versucht mit Forearms gegenzuhalten, doch Titan nimmt die Treffer hin, packt sie am Arm und schleudert sie quer durch den Ring. Sie federt aus den gegenüberliegenden Seilen zurück.


Titan empfängt sie.

POWERSLAM!

Der Ring erzittert.

Kein Cover.


Natürlich kein Cover. Titan sitzt einen Moment neben Stella und blickt wieder nach oben zum Galgen. Dann dreht er den Kopf zum Schandkorb.


Pete: „Oh nein.“

Sven: „Oh doch.“


Titan steht auf. Er greift Stella am Handgelenk und zieht sie hinter sich her. Er will sie nicht besiegen. Er will sie haben. Titan hat längst verstanden, dass er Stella nicht durch den Ring jagen muss. Jeder Meter, den sie zurückweicht, bringt sie lediglich näher an jenen Ort, an den er sie ohnehin bringen will. Noch einmal versucht Nova über ihre Geschwindigkeit an ihm vorbeizukommen, doch diesmal bekommt Titan beide Arme um ihren Körper. Er hebt sie aus. Stella strampelt, hämmert ihm den Ellbogen gegen die Schläfe und landet wieder auf den Füßen. Sofort will sie Abstand gewinnen, doch Titan erwischt sie am Handgelenk, zieht sie zurück und schleudert sie mit solcher Gewalt in die Ecke, dass ihr Körper zwischen den Turnbuckles zusammensackt.


Pete: „Wir sind jetzt bei etwas mehr als drei Minuten. Stella muss noch knapp zwei Minuten durchhalten, dann bekommt sie Unterstützung!“

Sven: „Zwei Minuten können verdammt lang werden, wenn Titan beschlossen hat, dich in einen Käfig zu stecken.“

Pete: „Und genau deshalb muss Stella jetzt überhaupt nichts riskieren. Sie muss nicht gewinnen. Sie muss Zeit gewinnen.“


Das weiß Stella selbst. Als Titan auf sie zukommt, rollt sie unter dem untersten Seil in den zweiten Ring. Nicht spektakulär. Nicht heldenhaft. Aber klug. Titan bleibt zurück. Er sieht ihr durch die Öffnung zwischen den beiden Ringen nach. Dann steigt er ebenfalls hinüber. Stella wartet bereits und tritt ihm gegen das Knie. Ein zweiter Kick folgt, anschließend ein Forearm gegen den Kopf. Titan schwankt und Stella versucht sofort, wieder an ihm vorbeizukommen. Diesmal packt er sie an den Haaren. Er zieht sie zurück.


SHORT-ARM CLOTHESLINE!


Stella wird beinahe um ihre eigene Achse gerissen.


Pete: „Noch neunzig Sekunden!“

Sven: „Dann sollte Titan sich langsam beeilen.“

Pete: „Du merkst es also auch.“

Sven: „Natürlich. Sobald Mad Dog dazukommt, hat Titan zwei Champions gegen sich. Das ist keine komplizierte Mathematik.“


Titan schaut nach draußen. Auf das Heerlager der Mad Stars. Vielleicht hat er Pete und Sven nicht gehört. Vielleicht braucht er sie auch gar nicht. Die große Sanduhr neben der Konstruktion erzählt ihm dasselbe. Der obere Teil ist beinahe leer.


Titan sieht wieder zu Stella.

Dann zum Schandkorb.

Und plötzlich verschwindet jede Geduld.

Er zieht die Championess hoch, lädt sie auf seine Schulter und marschiert zur Tür.


Bob Taylor erkennt sofort, was Titan vorhat, und öffnet den Durchgang. Stella schlägt mit beiden Fäusten gegen Titans Rücken, versucht sich herauszuwinden, doch der Mann von T’n’B hält sie fest und trägt sie hinaus in die Belagerungszone.


Noch eine Minute.


Pete: „SECHZIG SEKUNDEN! Stella muss nur noch eine Minute überstehen!“

Sven: „Nein, Pete. Titan hat eine ganze Minute Zeit.“


Das ist der Unterschied. Und Titan handelt entsprechend. Er erreicht den Schandkorb, reißt die eiserne Tür auf und versucht Stella hineinzuschieben. Nova stemmt sofort beide Füße gegen den Rahmen. Titan drückt. Stella schlägt nach ihm.


45 Sekunden.


Ein Forearm trifft Titan an der Schläfe. Er drückt weiter.


40 Sekunden.


Stella bekommt einen Fuß wieder aus dem Korb. Titan rammt seine Schulter gegen ihren Oberkörper und zwingt ihn zurück hinein.


30 Sekunden.


Pete: „NOCH DREISSIG!“

Sven: „Sie schafft das nicht.“

Pete: „KOMM SCHON, STELLA!“

Sven: „Sehr neutral.“


Titan bekommt Stella tiefer in den Schandkorb. Ein Bein. Dann das andere. Sie klammert sich am Rahmen fest. Titan löst ihre rechte Hand.


20 Sekunden.


Dann die linke.


15.


Titan stößt sie hinein. Stella landet auf dem eisernen Boden. Titan greift nach der Tür.


10.


Pete zählt inzwischen beinahe mit der gesamten Halle.


Pete: „ZEHN!“


Titan zieht die Tür zu.


NEUN!


Stella wirft sich dagegen.


ACHT!


Titan stemmt sein gesamtes Gewicht dagegen.


SIEBEN!


Die Tür bewegt sich.


SECHS!


Noch eine Handbreit.


FÜNF!


Titan greift bereits nach der Verriegelung.


VIER!


Stella drückt von innen dagegen.


DREI!


Titan brüllt auf und zwingt die Tür weiter zu.


ZWEI!


Nur noch wenige Zentimeter.


EINS!


DONG!


Titan hält inne. Die Tür ist nicht geschlossen. Vielleicht fehlen fünf Zentimeter. Vielleicht weniger. Aber in diesem Match ist das der Unterschied zwischen Gefangenschaft und Freiheit.


Ein gewaltiger Jubel geht durch Burg Satzvey.


Pete: „FÜNF MINUTEN! STELLA HAT ES GESCHAFFT!“

Sven: „Nein. Sie hat fünf Minuten überlebt. Das ist ein Unterschied.“


Am gegenüberliegenden Ende der Konstruktion wird das Tor des Heerlagers geöffnet. Titan schaut hinüber. Stella sitzt noch immer halb im Schandkorb. Sie hebt langsam den Kopf und sieht durch das Gitter in dieselbe Richtung. Eine Gestalt tritt aus dem Zelt.


MAD DOG.


Pete: „UND JETZT KOMMT DER NIGHT FIGHTER!“


Mad Dog sieht nicht zum Publikum. Nicht zum Galgen. Nicht einmal zu den beiden Tag-Team-Gürteln. Er sieht nur seine Partnerin. Und dann sieht er Titan.


Sven: „Jetzt läuft die nächste Uhr. Drei Minuten, Pete. Dann ist wieder The Apocrypha an der Reihe.“

Pete: „Wenn Mad Dog bis dahin wartet!“


Tut er nicht. Mad Dog stürmt los. Titan lässt die Tür des Schandkorbs los, dreht sich vollständig zu ihm und macht sich bereit. Hinter ihm stemmt Stella die Tür wieder auf. Fünf Minuten lang hatte Titan versucht, den ersten Schlüssel zum Gold einzusperren. Es fehlten wenige Zentimeter. Jetzt stehen ihm beide Champions gegenüber. Mad Dog wartet nicht darauf, dass Bob Taylor ihm den Weg vollständig freigibt.


Kaum ist das Tor geöffnet, schiebt sich der Night Fighter daran vorbei und stürmt in die Belagerungszone. Titan hat gerade genug Zeit, sich vom Schandkorb abzuwenden, da schlägt bereits der erste Forearm gegen seinen Kopf. Ein zweiter folgt, dann ein dritter. Titan weicht zurück und Mad Dog bleibt an ihm, treibt den deutlich schwereren Mann mit einer Wut vor sich her, die nichts mit Strategie zu tun hat.


Zumindest noch nicht. Für Mad Dog geht es in diesem Moment nur um Stella.


Titan versucht, ihn mit beiden Händen wegzustoßen, doch genau das verschafft Stella die nötige Zeit. Hinter ihm fliegt die Tür des Schandkorbs auf. Die Championess stolpert heraus, schüttelt kurz ihre Arme aus und sieht ihren Partner.


Ein Blick genügt.


Mad Dog greift Titan am Arm. Stella kommt von der anderen Seite. Gemeinsam schleudern sie ihn zurück in Richtung der beiden Ringe.


Pete: „Und jetzt hat Titan genau das Problem, vor dem Sven vorhin noch so entspannt gesprochen hat. Zwei Champions gegen einen!“

Sven: „Für drei Minuten.“

Pete: „Du hast die Uhr schon wieder im Auge?“

Sven: „Natürlich. Noch zwei Minuten und fünfundvierzig Sekunden.“


Mad Dog und Stella ebenfalls. Was eben noch wie eine verzweifelte Rettungsaktion aussah, verändert sich deshalb beinahe augenblicklich. Die beiden Tag Team Champions wissen, dass sie nur ein kleines Zeitfenster besitzen, in dem sie die Überzahl ausnutzen können. Und plötzlich wird aus dem Medieval WarGames für einige Minuten etwas vollkommen anderes.


Ein Tag Team Match. Nur ohne Tag.


Titan schafft es zurück in den ersten Ring, doch Stella ist bereits über die Seile gesprungen und Mad Dog folgt ihr unmittelbar. Gemeinsam gehen sie auf den Mann von T’n’B los. Nicht wild, nicht chaotisch – präzise. Mad Dog arbeitet am Oberkörper, Stella an den Beinen. Ein Forearm des Night Fighters zwingt Titan einen Schritt zurück, ein Low Kick von Stella nimmt ihm gleichzeitig den sicheren Stand. Titan holt mit einer Clothesline aus, Mad Dog duckt sich darunter hinweg und Stella trifft von der anderen Seite mit einem Dropkick.


Titan taumelt.

Mad Dog packt ihn.

Stella nimmt Anlauf.

Titan reißt sich los.

Im letzten Moment muss Stella abbremsen, damit sie nicht ihren eigenen Partner erwischt.


Titan nutzt genau diese Sekunde. Er rammt Mad Dog mit der Schulter nach hinten und erwischt Stella anschließend mit einem gewaltigen Back Elbow. Nova geht zu Boden, Mad Dog greift erneut an – und Titan empfängt ihn mit einem Powerslam.


Pete: „Das ist vielleicht das Beeindruckendste an Titan. Er ist hier zahlenmäßig unterlegen und trotzdem reicht ein einziger Fehler, um die ganze Situation zu drehen.“

Sven: „T’n’B haben solche Situationen erlebt, als manche Leute im heutigen Roster noch nicht einmal wussten, was ein Wrestlingring ist.“


Titan könnte jetzt nachsetzen. Stattdessen sieht er zur großen Sanduhr. Noch etwas mehr als zwei Minuten. Ein Grinsen. Dann dreht er sich wieder um. Mad Dog steht bereits. Diesmal treffen sie sich mitten im Ring. Keine mittelalterlichen Waffen. Keine Ketten. Keine Streckbank. Ein Lock-up. Fast absurd angesichts dessen, was sie umgibt. Und gerade deshalb bekommt die Sequenz ihre Wirkung. Mad Dog versucht über Technik an Titan vorbeizukommen, nimmt den Arm, wechselt hinter ihn und attackiert sofort das Bein. Titan verhindert den Takedown mit purer Kraft, dreht sich heraus und versucht seinerseits, Mad Dog hochzureißen. Der Night Fighter verlagert sein Gewicht, landet wieder auf den Füßen und nimmt erneut das Bein.


Titan stößt ihn weg.

Stella kommt zurück.

Dropkick gegen Titan.

Mad Dog wartet bereits.

Titan dreht sich um.


Clothesline des Night Fighters.


Titan schwankt zwischen beiden Champions hin und her. Stella will den nächsten Treffer setzen. Titan fängt sie ab! Er hebt sie hoch, doch Mad Dog greift sofort von hinten ein. Stella windet sich aus Titans Armen, landet hinter ihm und beide Champions greifen gleichzeitig zu.


DOUBLE DDT!


Titan schlägt auf. Die Zuschauer springen auf.


Pete: „Das ist Tag Team Wrestling auf allerhöchstem Niveau! Mad Dog und Stella kennen jede Bewegung des anderen!“

Sven: „Noch eine Minute.“

Pete: „Das könnte tatsächlich entscheidend sein.“

Sven: „Wird es.“


Stella und Mad Dog wissen es ebenfalls. Sie versuchen Titan jetzt gar nicht erst einzusperren. Dafür würde die Zeit kaum reichen. Stattdessen wollen sie ihn so angeschlagen wie möglich zurücklassen, bevor sich die Kräfteverhältnisse wieder verändern. Titan wird hochgezogen. Mad Dog hält ihn fest. Stella nimmt Anlauf. Titan reißt sich los. Stella stoppt erneut rechtzeitig – doch diesmal erwartet Titan genau das. Er packt sie und schleudert sie mit einem Belly-to-Belly durch den Ring. Mad Dog ist sofort da.


Forearm.

Titan antwortet.

Noch einer von Mad Dog.

Titan schlägt zurück.

Der Night Fighter wankt.

Titan ebenfalls.


Pete: „Dreißig Sekunden!“


Jetzt beginnt die Halle zu zählen. Nicht herunter. Noch nicht. Aber die Unruhe wächst. Mad Dog hört sie. Stella hört sie. Und Titan hört sie erst recht. Er lacht.


Sven: „Jetzt wissen die Champions, was kommt.“

Pete: „Noch ist Tha Bomb nicht da.“

Sven: „Noch.“


Mad Dog versucht Titan ein letztes Mal niederzuringen. Stella kommt dazu, gemeinsam drängen sie ihn in die Ecke. Titan schützt den Kopf, kassiert Treffer gegen Körper und Beine und versucht eigentlich nur noch, diese letzten Sekunden zu überstehen.


ZEHN!


Jetzt zählt die gesamte Burg.


NEUN!


Stella mit einem Kick.


ACHT!


Mad Dog mit einem Forearm.


SIEBEN!


Titan schlägt zurück.


SECHS!


Mad Dog antwortet.


FÜNF!


Stella trifft das Knie.


VIER!


Titan sackt beinahe zusammen.


DREI!


Mad Dog greift ihn.


ZWEI!


Stella nimmt Anlauf.


EINS!


DONG!


Titan beginnt zu lachen. Nicht laut. Eigentlich nur ein erschöpftes, dreckiges Grinsen. Denn außerhalb des Käfigs öffnet sich das andere Heerlager. Und Tha Bomb kommt heraus.


Pete: „Jetzt sind die Zahlen wieder ausgeglichen!“

Sven: „Jetzt sind T’n’B komplett.“


Tha Bomb verschwendet keine Zeit. Lederjacke und Goldbrille sind längst verschwunden; hier kommt nicht der großmäulige Ruhrpott-Gangster zum Ring, sondern die andere Hälfte eines Tag Teams, das diesen Sport seit Jahrzehnten gemeinsam betreibt. Er erreicht das Tor. Bob Taylor öffnet. Bomb tritt hindurch. Ein kurzer Blick auf Stella. Dann Mad Dog. Dann Titan. Titan richtet sich langsam auf. Die beiden sehen einander an. Keine Absprache. Nicht nötig. Bomb deutet mit dem Kinn auf Mad Dog. Titan versteht. Und dann geschieht etwas, das angesichts von Kerkern, Käfigen und Folterinstrumenten beinahe anachronistisch wirkt:


T’n’B wrestlen.


Bomb fängt Mad Dog mit einem schnellen Schlagabtausch ab, während Titan Stella den Weg abschneidet. Mad Dog versucht Bomb in die Seile zu schicken, doch Bomb dreht den Irish Whip um. Mad Dog kommt zurück, Bomb duckt sich – und Titan steht bereits hinter ihm.


Mad Dog wird hochgenommen.

Bomb nimmt Anlauf.

Kombination von T’n’B!

Der Night Fighter kracht auf die Matte.


Stella kommt sofort zur Rettung, doch Bomb sieht sie kommen und zieht Titan aus der Schusslinie. Stella fliegt vorbei, Titan greift sie von hinten – aber Mad Dog ist wieder da und verhindert den nächsten Angriff. Jetzt lösen sich die klaren Paarungen auf. Mad Dog gegen Bomb. Stella gegen Titan. Dann Bomb gegen Stella. Mad Dog gegen Titan. Immer wieder wechseln die Gegner, immer wieder springt der jeweilige Partner ein. Keine Waffen. Keine Folter. Noch nicht einmal der Käfig wird wirklich eingesetzt. Vier Wrestler zeigen mitten in dieser mittelalterlichen Monstrosität plötzlich, warum zwei von ihnen die Tag Team Champions sind und die anderen beiden diese Gürtel unbedingt haben wollen.


Pete: „Das ist verrückt. Wir haben uns auf einen Krieg vorbereitet und bekommen gerade ein Tag Team Match auf einem Niveau, das jedem normalen Main Event gerecht würde!“

Sven: „Weil es genau darum geht, Pete. Die ganze Geschichte außen herum ist schön. Käfig. Burg. Galgen. Aber Bomb und Titan wollen eines beweisen: Dass sie das bessere Tag Team sind.“

Pete: „Und Mad Dog und Stella haben momentan verdammt gute Argumente dagegen.“


Bomb kassiert einen Treffer von Mad Dog, taumelt zurück – Stella kommt aus dem zweiten Ring herüber und trifft ihn unmittelbar danach. Titan schnappt sich Stella, Mad Dog greift Titan an, Bomb kommt zurück und plötzlich stehen alle vier zwischen den beiden Ringen.


Ein kurzer Stillstand.

Vier Menschen.

Zwei Teams.

Schwer atmend.

Dann geht es gleichzeitig weiter.

Bomb und Mad Dog krachen ineinander.

Titan und Stella ebenfalls.


Der Kampf verlagert sich aus dem ersten Ring in den zweiten, wieder zurück, durch den schmalen Übergang und schließlich unter die zentrale Öffnung im Dach der unteren Käfigebene. Und dort geschieht es. Nicht geplant. Nicht abgesprochen. Stella stößt Titan von sich. Mad Dog hält Bomb auf Abstand. Für vielleicht zwei Sekunden greift niemand an. Ein metallisches Geräusch über ihnen zieht die Aufmerksamkeit nach oben.


KLIRR.


Eine der Ketten bewegt sich leicht im Wind. Vier Köpfe heben sich. Hoch über ihnen, jenseits der Öffnung und des zweiten Stockwerks, hängen die beiden GFCW Tag Team Championship Gürtel am Galgen. Das Gold fängt das Licht der Fackeln ein. Stella schaut hinauf. Mad Dog ebenfalls. Dann Titan. Und schließlich Tha Bomb. Zum ersten Mal stehen T’n’B und die Mad Stars gemeinsam direkt unter dem Gold, um das dieser Krieg auch geführt wird. Bomb wischt sich mit dem Handrücken über den Mund. Er schaut zu Titan. Titan schaut zurück. Dann wandert Bombs Blick zu Stella. Zu Mad Dog. Und wieder nach oben.


Pete: „Schaut euch dieses Bild an! Genau darüber reden wir seit Wochen! Mad Stars auf der einen Seite, T’n’B auf der anderen – und direkt über ihnen die GFCW Tag Team Championship!“

Sven: „Nur kommen sie noch nicht dran.“

Pete: „Dafür müssten Mad Dog und Stella zuerst in die Schandkörbe.“

Sven: „Richtig. Und genau deshalb würde ich an ihrer Stelle langsam aufhören, nach oben zu schauen.“


Denn die nächste Sanduhr ist beinahe leer. Pete bemerkt es als Erster.


Pete: „Moment… wir sind wieder fast bei drei Minuten!“


Bomb dreht den Kopf. Mad Dog ebenfalls. Titan sieht hinaus zum gegnerischen Heerlager. Stella lächelt.


Sven: „Ach, Scheiße.“


ZEHN!


Die Zuschauer setzen ein.


Bomb und Titan gehen sofort wieder auf die Champions los.


NEUN!


Mad Dog fängt Bomb ab.


ACHT!


Stella weicht Titan aus.


SIEBEN!


Bomb schlägt Mad Dog zurück.


SECHS!


Titan erwischt Stella.


FÜNF!


Mad Dog packt Bomb.


VIER!


Stella befreit sich.


DREI!


Pete: „Gleich kippt das Kräfteverhältnis wieder!“


ZWEI!


Sven: „Noch ist er nicht drin!“


EINS!


DONG!


Das Tor des Heerlagers öffnet sich.


MORBEUS.


Er tritt heraus und betrachtet für einen Moment das Schlachtfeld vor sich. Mad Dog und Stella beschäftigen T’n’B unmittelbar unterhalb der Öffnung. Morbeus sieht seine Partner. Dann sieht er nach oben. Nicht zu den Gürteln. Noch höher. Zur Öffnung im Dach. Zur zentralen Leiter.


Pete: „Was hat Morbeus vor?“


Morbeus läuft los. Er betritt den Käfig, doch statt Mad Dog und Stella unmittelbar zur Hilfe zu kommen, schlägt er einen Haken um den laufenden Kampf. Bomb sieht ihn. Morbeus erreicht die Mitte der Konstruktion. Seine Hände greifen nach der Leiter. Er schaut hinauf in das zweite Stockwerk des Käfigs. Und beginnt zu steigen.


Sven: „Pete…“

Pete: „Ich sehe es.“

Sven: „Der geht nach oben.“


Unter ihm kämpfen die Mad Stars und T’n’B weiter. Über ihnen hängen die Gürtel. Und während alle Augen bislang auf das Gold gerichtet waren, ist Morbeus der Erste, der verstanden hat, dass diese Festung noch ein zweites Schlachtfeld besitzt. Sprosse für Sprosse verschwindet er nach oben. Morbeus verschwindet nicht vollständig im oberen Stockwerk. Kaum hat er die letzte Sprosse überwunden, bleibt er auf der Plattform stehen und blickt hinunter auf das Geschehen. Unter ihm haben Mad Dog und Stella die beiden Mitglieder von T’n’B auseinandergezogen. Bomb steckt im einen Ring, Titan im anderen.


Für einen Moment sieht Morbeus von oben das gesamte Schlachtfeld. Dann grinst er. Und steigt wieder hinunter.


Pete: „Ich glaube, Morbeus wollte gar nicht fliehen. Er wollte wissen, was da oben auf sie wartet.“

Sven: „Großartig. Burgbesichtigung beendet. Jetzt darf er sich wieder verprügeln lassen.“


Kaum berühren Morbeus’ Stiefel wieder den Ringboden, verändert sich das Match. Drei gegen zwei. Und diesmal versuchen Mad Stars und Morbeus gar nicht erst, daraus ein klassisches Tag Team Match zu machen. Stella attackiert Titans Beine, während Mad Dog ihn oben bindet. Auf der anderen Seite drängt Morbeus Tha Bomb mit schweren Forearms zurück. Bomb versucht sich freizuschlagen, doch sobald er einen Gegner loswird, steht der nächste vor ihm. Titan ergeht es nicht besser. Stella zieht ihm das Standbein weg, Mad Dog setzt unmittelbar nach und gemeinsam zwingen sie das Powerhouse zu Boden.


Pete: „Jetzt sehen wir zum ersten Mal, was dieser WarGames-Rhythmus wirklich bedeutet. Drei gegen zwei – und noch fast drei Minuten, bis The Apocrypha wieder verstärkt wird.“

Sven: „Fast drei Minuten sind gar nichts.“

Pete: „Vorhin waren fünf Sekunden für Stella plötzlich eine Ewigkeit.

Sven: „Andere Situation.“

Pete: „Natürlich.“


Morbeus schleudert Bomb in die Ecke und folgt mit voller Wucht. Bomb wird zwischen Körper und Turnbuckles begraben. Als er heraustaumelt, wartet bereits Mad Dog – und gemeinsam schicken sie ihn mit einem Double Team zu Boden. Stella schaut zu ihrem Partner. Dann zum Schandkorb. Die Rollen könnten sich jetzt umkehren. Doch Tha Bomb sieht den Blick. Und damit ist für T’n’B Schluss mit Wrestling. Bomb rollt aus dem Ring.


Pete: „Was macht er denn jetzt?“

Sven: „Zeit gewinnen.“


Morbeus will hinterher, doch Bomb tritt ihm beim Durchsteigen gegen das Knie und zieht ihm anschließend das mittlere Seil entgegen. Morbeus verfängt sich für einen Moment zwischen den Seilen. Bomb verschwindet sofort weiter. Auf der anderen Seite erkennt Titan die Strategie. Stella kommt auf ihn zugelaufen – Titan packt sie nicht, sondern wirft sie kurzerhand durch die Öffnung zwischen den beiden Ringen. Mad Dog will nachsetzen, doch Titan zieht Bob Taylor in dessen Laufweg.


Taylor reißt die Arme hoch. Titan hebt entschuldigend beide Hände. Mad Dog versucht an Taylor vorbeizukommen. Titan tritt ihm gegen das Knie. Sven lacht.


Pete: „Ach komm! Jetzt benutzen sie sogar Bob Taylor als Schutzschild!“

Sven: „No DQ.“

Pete: „Das macht es nicht weniger feige!“

Sven: „Doch. Es macht es legal.“


Bomb hat inzwischen eine schwere Holztür aus der Belagerungszone zwischen sich und Morbeus geschoben. Morbeus stößt sie zur Seite – Bomb ist bereits verschwunden. Er umrundet den Ring, zwingt Morbeus ihm hinterher und tritt im richtigen Augenblick ein Fass in dessen Laufweg. Morbeus muss darübersteigen. Zwei Sekunden gewonnen. Mehr braucht Bomb nicht. Er zeigt an das er mehr will.


Morbeus kommt.

Bomb läuft.

Nicht panisch.

Berechnend.


Auf der anderen Seite macht Titan dasselbe auf seine Art. Er zieht Stella in einen kurzen Clinch, drückt sie gegen den Käfig und hält sie dort fest. Mad Dog schlägt auf seinen Rücken ein, doch Titan löst den Griff erst, als er muss. Dann stößt er Stella gegen ihren eigenen Partner und schafft wieder Abstand.


Es ist hässlich.

Es ist dreckig.

Und es funktioniert.


Pete: „T’n’B versuchen überhaupt nicht mehr, diese Überzahl zu gewinnen. Sie wollen sie nur überleben.“

Sven: „Erfahrung, Pete. Die wissen ganz genau, dass sie gerade keinen Helden spielen müssen.“


Noch eine Minute.


Jetzt werden Mad Stars und Morbeus aggressiver. Morbeus erwischt Bomb schließlich und rammt ihn gegen den Käfig. Mad Dog und Stella treiben Titan in eine Ecke des zweiten Rings. Zum ersten Mal sind beide Mitglieder von T’n’B gleichzeitig festgesetzt.


Pete: „Jetzt haben sie sie!“


Morbeus kommt zu Mad Dog und Stella. Drei gegen Titan. Bomb sieht es vom Boden aus. Und plötzlich verschwindet sein Grinsen. Er will noch etwas schreien.


Zu spät.

Stella trifft das Knie.

Mad Dog den Oberkörper.

Morbeus setzt mit einem harten Treffer nach.

Titan sinkt auf ein Knie.

Die Zuschauer werden lauter.


Bomb versucht aufzustehen, doch Stella löst sich aus der Gruppe und tritt ihm entgegen. Sie hält ihn auf. Mad Dog und Morbeus haben Titan.


Pete: „Noch dreißig Sekunden!“

Sven: „Kommt schon.“

Pete: „Wirst du nervös?“

Sven: „Nö.“

Pete: „Du klingst nervös.“

Sven: „Halt die Klappe und zähl.“


Die Halle übernimmt diese Aufgabe.


ZEHN!


Mad Dog trifft Titan.


NEUN!


Morbeus setzt nach.


ACHT!


Stella blockiert Bomb.


SIEBEN!


Bomb versucht sich an ihr vorbeizudrängen.


SECHS!


Stella hält dagegen.


FÜNF!


Titan hängt in den Seilen.


VIER!


Bomb schaut zum Heerlager.


DREI!


Ein Grinsen kehrt in sein Gesicht zurück.


ZWEI!


Er nickt.


EINS!


DONG!


Die Mad Stars und Morbeus halten inne. Bomb wischt sich über den Mund. Titan hebt zwischen Mad Dog und Morbeus langsam den Kopf. Und draußen öffnet sich das Heerlager der Apocrypha.


Pete: „Die drei Minuten sind vorbei!“

Sven: „Hab ich doch gesagt.“


Bomb sieht zur Öffnung. Das Tor öffnet sich. Der dritte Mann der Apocrypha darf in den Krieg.


DONG!


Der Glockenschlag verhallt zwischen den Mauern von Burg Satzvey. Doch diesmal stürmt niemand aus dem Heerlager. Keine Musik setzt ein. Kein Mann rennt zum Käfig, um die drei Minuten Überzahl möglichst schnell auszunutzen. Für einige Sekunden geschieht überhaupt nichts. Tha Bomb steht Stella Nova gegenüber und grinst. Titan hängt schwer atmend in den Seilen, während Mad Dog und Morbeus nur wenige Schritte von ihm entfernt stehen. Dann bewegt sich der Vorhang des Heerlagers der Apocrypha.


ODIN


Die Reaktion ist gewaltig. Buhrufe rollen durch den Burghof, doch sie vermischen sich mit jenem unwillkürlichen Lärm, den eine Menschenmenge macht, wenn sie weiß, dass gerade etwas Bedeutendes geschieht. Einige Fans erheben sich von ihren Plätzen. Andere strecken die Köpfe nach vorne. Denn für viele von ihnen ist das hier keine neue Bedrohung. Es ist eine alte. Eine verdammt alte.


Pete: „Oh Gott.“

Sven: „Nein.“


Eine kurze Pause.


Sven: „Odin.“


Der kahle Schädel glänzt im Licht der Fackeln. Der mächtige Bart verdeckt jede Regung um seinen Mund. Schwarzes Leder, Metallbeschläge, Runen – Odin sieht nicht aus wie jemand, der für einen Wrestlingkampf zum Ring kommt. Er sieht aus, als wäre diese ganze Konstruktion für ihn gebaut worden.


Pete: „Man kann über The Apocrypha sagen, was man will. Aber dieser Mann… dieser Mann gehört zu den dunkelsten Kapiteln, die diese Liga jemals erlebt hat.“

Sven: „Und jetzt ist das Kapitel wieder offen.“


Odin geht. Langsam. Während Bomb und Titan die Überzahl drei Minuten lang mit Tricks, Erfahrung und jeder Menge Dreck irgendwie überstanden haben, scheint Odin überhaupt kein Interesse daran zu haben, verlorene Zeit aufzuholen.


Er muss nicht rennen. Die Schlacht wartet auf ihn.


Morbeus hat inzwischen von Titan abgelassen. Sein Blick liegt nur noch auf Odin. Und Odin blickt nur auf Morbeus. Das ist kein zufälliges Aufeinandertreffen. Beide wissen es. Odin erreicht das Tor. Bob Taylor öffnet die schwere Verriegelung und tritt zur Seite. Der alte Gott betritt Satzvey. Morbeus kommt ihm entgegen. Doch Odin geht nicht direkt in den Ring. Er bleibt in der Belagerungszone stehen. Sein Blick wandert über die Dinge, die dort seit Beginn des Matches auf ihren Einsatz warten. Holz. Ketten. Schilde. Fässer. Die Schandgeige. Die Streckbank. Und dazwischen verschiedene mittelalterlich anmutende Kampfgeräte, für dieses Match präpariert. Odin greift nach einem schweren Holzschild mit eisernem Rand. Er hebt es auf.


Pete: „Bis jetzt haben sie gewrestlet.“

Sven: „Bis jetzt.“


Morbeus springt durch die Seile. Er landet vor Odin. Einen Moment stehen sie sich gegenüber. Morbeus hebt die Fäuste. Odin betrachtet ihn. Dann schlägt er zu.


KRACH!


Das Schild trifft Morbeus vor der Brust und schleudert ihn rückwärts gegen den Käfig. Die Burg explodiert. Nicht weil die Menschen Odin mögen. Sondern weil in diesem Augenblick jeder verstanden hat: Das Wrestlingmatch ist vorbei.


Jetzt beginnen die Medieval WarGames.


Morbeus stößt sich sofort wieder vom Stahl ab und kommt zurück. Odin holt erneut mit dem Schild aus, doch diesmal duckt sich Morbeus darunter hinweg und rammt seine Schulter in Odins Bauch. Beide krachen gegen eine hölzerne Begrenzung.


Odin verliert das Schild.

Morbeus schlägt zu.

Odin antwortet.

Noch ein Treffer von Morbeus.

Odin taumelt einen Schritt.

Der nächste Forearm trifft.

Odin dreht langsam den Kopf zurück.

Keine Angst.

Keine Überraschung.

Fast so etwas wie Anerkennung.


Er packt Morbeus am Hals. Und schleudert ihn über einen Stapel aus Holz und Jutesäcken.


Pete: „Und genau davor hatte ich Angst! Odin fühlt sich hier doch zuhause!“

Sven: „Du stellst einen Mann wie Odin in eine mittelalterliche Festung und erlaubst ihm alles. Was hast du erwartet?“


Während Odin und Morbeus ihre eigene Schlacht beginnen, ist der Rest des Matches längst wieder in Bewegung. Und plötzlich ergibt das Chaos ein Muster.


Auf der einen Seite:


Odin gegen Morbeus.


Keiner der beiden interessiert sich noch für irgendjemand anderen.


Auf der anderen:


T’n’B gegen die Mad Stars.


Bomb hat Stella wieder in den ersten Ring gedrängt. Titan kämpft mit Mad Dog im zweiten. Was eben noch ein Drei-gegen-zwei war, ist innerhalb weniger Augenblicke in zwei vollkommen getrennte Kriege zerfallen. Morbeus hämmert Odin gegen die Käfigwand. Odin antwortet mit einem Knie. Mad Dog trifft Titan mit einem Forearm. Stella weicht Bomb aus. Odin greift nach einer Kette. Morbeus tritt sie ihm aus der Hand. Titan fängt Mad Dog ab. Bomb versucht Stella den Weg abzuschneiden. Die Geschwindigkeit nimmt zu. Aber noch ist es kontrolliertes Chaos.


Noch.


Pete: „Wir haben noch nicht einmal alle acht Teilnehmer im Käfig!“

Sven: „Und?“

Pete: „Schau dich um!“

Sven: „Ich schaue. Gefällt mir.“


Mad Dog schafft es, Titan in die Ecke zu treiben. Er schlägt auf ihn ein, doch Bomb erkennt die Situation im anderen Ring. Stella versucht ihn festzuhalten – Bomb stößt sie von sich und wechselt durch die Mitte. Mad Dog sieht ihn kommen. Zu spät. Bomb erwischt ihn von der Seite. Mad Dog taumelt. Titan kommt aus der Ecke. Und plötzlich funktionieren T’n’B wieder wie eine Maschine. Bomb greift. Titan schlägt. Mad Dog dreht sich zu Titan. Bomb attackiert von hinten. Stella kommt herüber, doch Titan stellt sich ihr entgegen. Für wenige Sekunden ist Mad Dog isoliert. Mehr brauchen diese beiden nicht. Bomb schaut Titan an. Dann zum Schandkorb. Titan versteht sofort.


Pete: „Nein.“


Mad Dog versteht es eine Sekunde später. Und kämpft. Er rammt Bomb einen Ellbogen ins Gesicht, stößt Titan weg und versucht durch die Seile zurück in den Ring zu kommen. Bomb bekommt sein Bein.


Mad Dog tritt nach ihm.

Titan packt den Oberkörper.

Mad Dog schlägt um sich.

Stella sieht, was passiert.

Sie will zu ihm.


Titan stößt Mad Dog zu Bomb und stellt sich Stella entgegen. Nova schlägt sofort auf ihn ein.


Forearm.

Noch einer.

Titan weicht zurück.


Währenddessen versucht Bomb, Mad Dog aus dem Ring zu ziehen. Mad Dog tritt ihm gegen die Brust. Bomb fliegt zurück. Der Night Fighter kommt frei.


Er dreht sich um – TITAN!


Der große Mann hat Stella einfach zur Seite geschleudert und erwischt Mad Dog mit einem brutalen Treffer. Mad Dog sackt zusammen. Bomb richtet sich auf. Beide Mitglieder von T’n’B sehen einander an. Sie greifen gleichzeitig zu. Mad Dog wird hochgerissen.


Pete: „STELLA!“


Die Championess kommt wieder. Sie springt Titan von hinten an und versucht verzweifelt, ihren Partner zu befreien. Titan schwankt. Mad Dog bekommt einen Fuß auf den Boden. Fast frei. Bomb rammt Stella den Ellenbogen entgegen. Sie fällt zurück. Mad Dog schlägt Bomb. Titan packt ihn wieder. Das Ganze ist kein sauberer Double-Team-Move mehr. Es ist ein Kampf um einen Körper. Mad Dog klammert sich an den Käfig. Titan zieht. Bomb löst seine Finger einzeln vom Metall.


Pete: „Die wollen ihn nicht besiegen! Sie wollen ihn einsperren!“

Sven: „Endlich hat es jemand verstanden.“


Ein Finger löst sich. Dann der nächste. Mad Dog hält nur noch mit einer Hand. Bomb schlägt dagegen. Mad Dog verliert den Griff. T’n’B reißen ihn zurück. Der Schandkorb steht offen. Stella schreit ihren Partner an, während sie wieder auf die Beine kommt. Bomb und Titan schleppen Mad Dog die letzten Meter.


Er schlägt.

Er tritt.

Er trifft Bomb am Kopf.

Titan kassiert einen Ellbogen.

Aber diesmal lassen sie nicht los.

Sie werfen Mad Dog in den Schandkorb.


SCHEPPER!


Pete: „NEIN!“


Mad Dog dreht sich sofort um und wirft sich gegen die Tür. Bomb zieht sie zu. Mad Dog drückt von innen. Titan kommt dazu. Zwei Männer gegen einen. Stella rennt. Die Tür bewegt sich. Zentimeter für Zentimeter. Mad Dogs Hand schiebt sich noch einmal durch den Spalt. Bomb drückt sie zurück.


KLACK!


Die Tür fällt ins Schloss. Für einen Augenblick scheint die gesamte Burg den Atem anzuhalten. Titan greift nach der schweren Verriegelung. Mad Dog rammt von innen seinen Körper gegen die Gitterstäbe. Zu spät.


KRRRACK.


Titan schiebt den Riegel vor. Mad Dog ist im Schandkorb.


Pete: „MAD DOG IST EINGESPERRT!“

Sven: „Einer.“


Stella bleibt abrupt stehen. Sie sieht Mad Dog. Dann Titan. Dann Bomb. Und schließlich langsam nach oben. Zum Galgen. Einer der beiden Champions ist gefangen. Doch nichts geschieht. Noch nicht. Die Sicherung hält. Denn ein Champion ist noch frei. Tha Bomb folgt ihrem Blick. Er sieht die Gürtel. Dann sieht er Stella. Und jetzt verschwindet jedes bisschen Humor aus seinem Gesicht. Titan stellt sich neben ihn. Mad Dog hämmert hinter ihnen gegen die Gitterstäbe. Weiter hinten kracht Morbeus mit Odin gegen den Käfig, während beide längst ihren ganz eigenen Krieg führen.


Bomb zeigt nach oben.

Zu den beiden Gürteln.

Dann zeigt er auf Stella.


Die Zuschauer buhen. Stella sieht zu ihrem eingesperrten Partner. Dann wieder zu T’n’B. Sie weiß genau, was jetzt auf sie zukommt.


Pete: „Wenn sie Stella auch noch bekommen, wird die Sicherung der Tag Team Championship gelöst!“

Sven: „Dann hängt das Gold nicht mehr über T’n’B.“

Pete: „Dann können sie es holen.“

Sven: „Genau.“


Vier Krieger kämpfen inzwischen zwei verschiedene Schlachten. Odin gegen Morbeus. T’n’B gegen die Mad Stars. Nur dass die Mad Stars jetzt nicht mehr zu zweit sind. Mad Dog sitzt hinter Eisen. Stella steht allein vor Bomb und Titan. Und hoch über ihnen warten zwei goldene Gürtel darauf, dass auch der zweite Schandkorb geschlossen wird. Die eigentliche Schlacht hat gerade erst begonnen. Mad Dog rüttelt an den eisernen Stäben des Schandkorbs.


Einmal.

Zweimal.


Beim dritten Mal wirft er sich mit der Schulter gegen die verriegelte Tür, doch der schwere Korb antwortet lediglich mit einem dumpfen Scheppern. Tha Bomb wirft einen kurzen Blick über die Schulter. Er sieht den gefangenen Champion, dann Stella, die wenige Meter entfernt zwischen ihm und Titan steht. Nur noch sie. Auf der anderen Seite der Konstruktion hat sich der Kampf zwischen Odin und Morbeus inzwischen vollkommen vom Rest gelöst. Morbeus sitzt auf einem Knie, eine Hand am Käfig, während Odin vor ihm steht. Das schwarze Leder des alten Gottes ist verschoben, sein Bart zerzaust, auf seiner Stirn zeichnet sich der Kampf ab. Morbeus hat ihm zugesetzt. Doch Odin steht. Und plötzlich geschieht etwas, das alle Beteiligten für einen Augenblick innehalten lässt.


Pete: „Die drei Minuten!“

Sven: „Schon wieder?“

Pete: „Ja! Und diesmal kommt der nächste Mann von der Gegenseite!“


Morbeus hebt den Kopf. Stella dreht sich sofort zum Heerlager. Selbst Mad Dog hält im Schandkorb inne. Draußen beginnt die Halle bereits zu reagieren. Noch bevor der Countdown eingeblendet wird, wissen die Zuschauer, wer als Nächstes kommen muss.


ZEHN!


Einzelne Stimmen beginnen zu rufen.


NEUN!


Weitere schließen sich an.


ACHT!


„ZEREO!“


SIEBEN!


„ZEREO!“


SECHS!


Stella blickt zum Zelt.


FÜNF!


Morbeus richtet sich langsam auf.


VIER!


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


DREI!


Odin dreht lediglich den Kopf.


ZWEI!


Tha Bomb schaut zum Heerlager.


EINS!


DONG!


Die drei Minuten sind vorbei.


Die gesamte Burg Satzvey ruft seinen Namen.


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


Stella wartet. Morbeus wartet. Mad Dog wartet. Die Kamera richtet sich auf den Eingang des Heerlagers. Der Vorhang bewegt sich leicht. Doch niemand kommt.


Pete: „…Zereo?“


Die Rufe werden lauter.


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


Noch immer nichts. Stella breitet die Arme aus. Nicht in Richtung ihrer Gegner. Zum Zelt. Wo ist er? Morbeus ruft etwas herüber, das im Lärm der Zuschauer untergeht. Dann winkt er mit beiden Armen in Richtung des Heerlagers. Komm schon. Doch der Vorhang bleibt geschlossen.


Pete: „Er müsste längst hier sein! Zereo Killer ist der nächste Teilnehmer! Seine Zeit läuft!“

Sven: „Vielleicht hat er es sich anders überlegt.“

Pete: „Unsinn!“

Sven: „Dann erklär du mir, warum er nicht kommt.“


Pete kann es nicht. Und langsam verändert sich die Stimmung. Aus Vorfreude wird Unruhe. Aus Unruhe wird Enttäuschung. Die ersten Rufe verstummen. Einige Zuschauer buhen. Andere rufen Zereos Namen nur noch lauter, als könnten sie ihn damit aus diesem verdammten Zelt herausziehen. Stella schaut zu Morbeus. Morbeus schaut zurück. Und in diesem Blick liegt zum ersten Mal an diesem Abend etwas, das vorher nicht da war.


Hilflosigkeit.


Dann fällt Morbeus etwas auf. Sein Blick wandert am Käfig entlang. Nach draußen. Dort steht ein Mann. Schwarzer Anzug. Graues, zurückgekämmtes Haar. Die Hände entspannt hinter dem Rücken verschränkt. Al Spawn Simmons. Er steht unmittelbar außerhalb der Konstruktion. Und lächelt. Nicht breit. Nicht triumphierend. Nur dieses kleine, unangenehme Lächeln eines Mannes, der etwas weiß, das alle anderen noch herausfinden müssen.


Pete: „Moment mal.“

Sven: „Was?“

Pete: „Schau Simmons an.“

Sven: „Ich sehe ihn.“

Pete: „Der wundert sich überhaupt nicht.“


Sven schweigt. Morbeus sieht Simmons jetzt ebenfalls. Seine Enttäuschung schlägt augenblicklich in Wut um. Er schreit ihn an. Simmons antwortet nicht, sondern er lächelt weiter. Und Odin nutzt genau diesen Moment. Er greift Morbeus von hinten und rammt ihn mit voller Wucht gegen das Eisen.


SCHEPPER!


Morbeus sackt zu Boden. Simmons’ Lächeln wird ein kleines bisschen breiter.


Pete: „Das kann kein Zufall sein.“

Sven: „Du weißt überhaupt nicht, was passiert ist.“

Pete: „Und du willst mir erzählen, Simmons steht ausgerechnet jetzt grinsend da, weil ihm die Aussicht gefällt?“

Sven: „Schöne Burg.“


Im Ring hat Stella keine Zeit mehr, sich Gedanken über Zereo Killer zu machen. Denn Tha Bomb und Titan kommen. Diesmal laufen sie nicht davon. Keine Spielchen mehr. Keine Verzögerung. T’n’B haben drei Minuten lang auf Verstärkung gewartet, danach den Ausgleich bekommen und Mad Dog aus dem Kampf genommen. Jetzt sollte eigentlich Zereo Killer die Waage wieder in die andere Richtung drücken. Er ist nicht da. Also nutzen sie es. Stella geht trotzdem nach vorne. Sie trifft Bomb mit einem Forearm. Titan bekommt einen Kick gegen das Knie. Stella dreht sich wieder zu Bomb und erwischt ihn mit einem weiteren Treffer. Bomb taumelt zurück. Für einen kurzen Augenblick öffnet sich eine Lücke.


Stella rennt.

Titan bekommt ihre Hüfte zu fassen.

Sie schlägt nach hinten, trifft ihn am Kopf und kommt tatsächlich frei.

Bomb steht bereits vor ihr.

Stella duckt sich unter seiner Clothesline hindurch.

Sie springt in die Seile.

Kommt zurück – Titan stellt sich ihr in den Weg.

Stella ändert die Richtung.

Bomb von der anderen Seite.

Es ist wie eine Wand, die sich langsam um sie schließt.


Pete: „Stella kämpft hier gegen zwei Männer, die seit einer Ewigkeit zusammen wrestlen! Sie findet einfach keinen Weg mehr heraus!“

Sven: „Und das ist noch das Angenehme. Wenn sie an denen vorbeikommt, wartet Odin.“


Das tut er tatsächlich. Hinter T’n’B steht der alte Gott. Morbeus versucht sich am Käfig wieder hochzuziehen. Odin schaut kurz zu ihm. Dann zu Stella. Für einen Moment wirkt es tatsächlich wie eine Hinrichtung, die nur noch auf ihren Vollzug wartet. Stella sieht Mad Dog. Der Night Fighter hat beide Hände um die Gitterstäbe seines Schandkorbs gelegt.Sie dreht sich wieder zu Bomb und Titan. Und geht erneut nach vorne. Ein Forearm gegen Bomb. Kick gegen Titan. Noch ein Forearm. Bomb antwortet. Stella schwankt. Titan greift nach ihr. Sie tritt ihn weg. Bomb packt ihren Arm. Stella zieht ihn zu sich und rammt ihm das Knie entgegen. Bomb geht zurück. Titan kommt. Stella springt, doch Titan fängt sie. Diesmal gibt es keinen Ausweg.


Stella schlägt auf seinen Rücken ein. Bomb schüttelt kurz den Kopf, kommt zurück und greift nach ihren Beinen. Gemeinsam tragen sie die Championess aus dem Ring. Mad Dog beginnt im Schandkorb zu toben.


Pete: „NEIN! NICHT SCHON WIEDER!“

Sven: „Doch. Genau wieder.“


Stella windet sich. Sie trifft Bomb mit dem Stiefel. Bomb verliert kurz den Griff. Titan hält sie weiter fest. Stella bekommt den Oberkörper frei und hämmert Titan den Ellbogen gegen den Kopf.


Einmal.

Zweimal.

Beim dritten Mal rutscht sie herunter.


Sie landet auf den Füßen. Und rennt. Nicht weg vom Kampf. Zum Schandkorb ihres Partners. Mad Dog streckt die Hand durch die Stäbe. Stella greift danach. Für einen winzigen Moment berühren sich ihre Finger. Dann legt sich eine Hand um Stellas Schulter. Tha Bomb.


Er zieht sie zurück. Mad Dog brüllt. Stella schlägt um sich. Titan kommt dazu. Diesmal lassen sie ihr keine Chance. Bomb kontrolliert den Oberkörper, Titan die Beine. Gemeinsam heben sie Stella an und tragen sie zu jenem zweiten Schandkorb, der seit Beginn des Matches leer auf sein Opfer wartet.


Pete: „Wenn diese Tür zugeht, sind beide Champions gefangen!“

Sven: „Dann wird das Gold freigegeben.“

Pete: „Aber Mad Dog kann befreit werden! Stella kann befreit werden! Das Match ist damit nicht vorbei!“

Sven: „Es geht gerade nicht ums Match. Es geht um die Gürtel.“


Titan öffnet die Tür. Bomb versucht Stella hineinzudrücken. Sie stemmt beide Füße gegen den Rahmen. Wieder dieses Bild. Wie ganz am Anfang. Nur dass Stella diesmal nicht auf die Fünf-Minuten-Glocke warten kann. Niemand kommt. Sie schlägt Bomb ins Gesicht. Titan drückt. Stella hält dagegen. Mad Dog rüttelt an seinem Gefängnis. Morbeus versucht an Odin vorbeizukommen. Odin fängt ihn ab. Und draußen steht Simmons.


Regungslos.

Lächelnd.

Stellas erstes Bein verschwindet im Korb.

Dann das zweite.

Sie klammert sich am Rahmen fest.

Tha Bomb löst ihre rechte Hand.

Titan die linke.

Stella schreit.

T’n’B stoßen sie hinein.


Titan schlägt die Tür zu.


KLACK!


Bomb greift nach dem Riegel. Stella wirft sich von innen gegen die Tür.


Einmal.

Bomb hält dagegen.

Noch einmal.


Titan hilft ihm. Gemeinsam drücken sie die Tür zu. Bomb sieht Stella durch die Eisenstäbe an.


Tha Bomb: „Kannste machen.“


KRRRACK.


Der Riegel rastet ein.


Tha Bomb: „Bringt dir nur nix.“


Stella ist gefangen. Und dann—


KRRRRRRRRRRRRRRR.


Ein Geräusch fährt durch die gesamte Konstruktion. Alle halten inne. Selbst Odin. Selbst Morbeus. Über den beiden Ringen setzen sich Zahnräder in Bewegung, die seit Beginn des Matches stillgestanden haben. Ketten ziehen sich durch eiserne Führungen. Irgendwo im oberen Stockwerk löst sich eine massive Verriegelung.


KLACK.


Dann eine zweite.


KLACK.


Die Sicherung am Galgen springt auf. Die beiden GFCW Tag Team Championship Gürtel bewegen sich. Nur wenige Zentimeter. Doch es reicht. Das Gold ist frei. Die Reaktion der Zuschauer ist ohrenbetäubend.


Pete: „DIE SICHERUNG IST GELÖST!“

Sven: „DAS GOLD IST FREI!“


Tha Bomb steht unterhalb des Galgens. Titan neben ihm. Beide schauen nach oben. Auf die Titel. Ihre Titel, wenn es nach ihnen geht. Im einen Schandkorb sitzt Mad Dog. Im anderen Stella Nova. Morbeus liegt Odin gegenüber am Boden. Zereo Killer ist nicht gekommen. Und plötzlich scheint The Apocrypha alles unter Kontrolle zu haben. Bomb sieht Titan an. Titan sieht Bomb an. Keiner von beiden muss etwas sagen. Dann ertönt Pete.


Pete: „Moment!“

Sven: „Was?“

Pete: „Die Zeit!“


Die Zuschauer begreifen es ebenfalls. Die nächste Sanduhr ist fast leer. Drei weitere Minuten sind vergangen. Und diesmal gehört der nächste Eintritt wieder The Apocrypha.


Pete: „Das darf doch nicht wahr sein.“


Sven beginnt zu lachen.


Pete: „Zereo ist nicht erschienen, Mad Dog und Stella sitzen in den Schandkörben, Morbeus ist praktisch allein – und jetzt bekommt The Apocrypha auch noch den nächsten Mann!“


Sven: „Den letzten Mann.“


Im Käfig hebt Odin langsam den Kopf. Tha Bomb dreht sich vom Gold weg. Titan schaut zum Heerlager. Morbeus liegt am Boden und folgt ihren Blicken. Mad Dog umfasst die Gitterstäbe. Stella steht in ihrem Schandkorb. Selbst Simmons wendet sich nun dem schwarzen Zelt zu. Sein Lächeln verschwindet nicht. Die ganze Burg beginnt zu zählen.


ZEHN!


Bomb wartet.


NEUN!


Titan richtet sich auf.


ACHT!


Odin wischt sich über den Bart.


SIEBEN!


Morbeus zieht sich am Käfig hoch.


SECHS!


Mad Dog rüttelt an den Stäben.


FÜNF!


Stella schaut zum Zelt.


VIER!


Pete: „Wer auch immer jetzt kommt – Morbeus braucht ein Wunder.“


DREI!


Sven: „Nein.“


ZWEI!


Das Tor zum Heerlager der Apocrypha beginnt sich zu öffnen.


Sven: „Er braucht Zereo Killer.“


EINS!


DONG!


Alle Augen richten sich auf den Eingang.


Die beiden Tag Team Championship Gürtel hängen frei über dem Schlachtfeld. Mad Dog und Stella Nova sind gefangen. Morbeus steht allein zwischen drei Mitgliedern der Apocrypha. Zereo Killer ist verschwunden. Und jetzt darf der vierte und letzte Krieger der Apocrypha die Festung betreten.


DONG!


Der letzte Gong für einen regulären Eintritt hallt durch Burg Satzvey. Alle Blicke liegen auf dem Heerlager der Apocrypha. Der schwere Vorhang bewegt sich. Und dann tritt Thor heraus. Für einen Moment wird selbst Pete still.


Thor ist blutverschmiert.


Nicht ein kleiner Cut an der Stirn. Blut zieht sich über sein Gesicht, klebt in den langen blonden Haaren und zeichnet dunkle Spuren über Hals und Brust. Doch seine Schritte sind ruhig. Gleichmäßig. Fast erschreckend gelassen. Und Thor grinst.


Sven: „…Was zur Hölle?“

Pete: „Das Blut…“

Sven: „Ich sehe es.“

Pete: „Wessen Blut ist das?“


Darauf gibt es keine Antwort. Noch nicht. Thor geht nicht schneller, obwohl die drei Minuten der Apocrypha längst laufen. Er muss niemanden retten. Im Käfig sitzen Mad Dog und Stella Nova in ihren Schandkörben. Morbeus steht drei Gegnern gegenüber. Die Sicherung der Tag Team Championship ist gelöst. Und Zereo Killer ist noch immer nicht erschienen. Thor erreicht den Eingang der Konstruktion. Bob Taylor öffnet ihm. Thor steigt hinein. Dann dreht er sich um. Er greift selbst nach der schweren Käfigtür und zieht sie langsam hinter sich zu.


KLONG.


Der Riegel fällt.


Pete: „Jetzt sind sie drin.“

Sven: „Fast.“

Pete: „Tha Bomb. Titan. Odin. Thor. Mad Dog. Stella Nova. Morbeus. Sieben Männer und Frauen.“

Sven: „Einer fehlt.“


Thor dreht sich um. Morbeus steht im Ring und sieht ihm entgegen. Doch Thor geht zunächst an ihm vorbei. Direkt zu Odin. Die beiden Männer bleiben voreinander stehen. Es ist ein Bild aus einer anderen Zeit. Zwei Männer, deren gemeinsame Geschichte weit zurückreicht. Zwei alte Weggefährten, die heute wieder auf demselben Schlachtfeld stehen. Odin mustert das Blut in Thors Gesicht. Thor sieht ihn an. Ein kurzes Nicken. Odin erwidert es. Mehr braucht es nicht.


Pete: „Das sind die Gods of Asgard.“

Sven: „Waren.“

Pete: „Wenn ich mir das gerade ansehe, bin ich mir da nicht so sicher.“


Hinter ihnen richtet sich Morbeus vollständig auf.


Er sieht Tha Bomb.

Titan.

Odin.

Thor.


Vier gegen einen. Mad Dog rüttelt an seinem Schandkorb. Stella schreit etwas herüber. Morbeus hört beides. Er sieht noch einmal zum leeren Zugang. Dorthin, wo Zereo Killer längst hätte erscheinen müssen.


Nichts.


Morbeus senkt den Kopf. Atmet einmal tief durch. Dann greift er nach einem der herumliegenden Holzschilde.


Sven: „Das ist doch nicht sein Ernst.“

Pete: „Was soll er denn machen?“


Sven: „Aufgeben.“


Morbeus sieht die vier Männer an. Dann rennt er los. Die Zuschauer explodieren. Der Schild kracht zuerst gegen Titan und erwischt ihn vollkommen überraschend. Morbeus dreht sich mit der Bewegung weiter und rammt die eiserne Kante Tha Bomb gegen die Schulter. Bomb fliegt rückwärts.


Odin kommt.


Morbeus schlägt mit dem Schild zu. Odin blockt mit beiden Unterarmen, wird aber zurückgedrängt. Jetzt Thor. Morbeus holt aus –


KRACH!


Das Holz trifft Thor seitlich am Kopf. Thor schwankt. Morbeus schlägt noch einmal. Thor geht tatsächlich auf ein Knie. Die Burg steht Kopf.


Pete: „MORBEUS KÄMPFT!“

Sven: „Er stirbt gerade nur langsamer!“


Morbeus wirft den beschädigten Schild weg und greift nach einer Kette. Er schwingt sie nicht blind, sondern benutzt sie, um Titan kurz am Arm festzusetzen und gegen den Käfig zu ziehen. Bomb kommt zurück und kassiert einen Boot in den Bauch. Für einige Sekunden schafft Morbeus das Unmögliche. Er hält alle vier beschäftigt. Nicht gleichzeitig. Immer nur einen Augenblick. Aber einen Augenblick nach dem anderen. Odin wird gegen den Käfig geschickt. Bomb geht zu Boden. Titan hängt in der Kette. Thor richtet sich wieder auf. Morbeus dreht sich um.


Da steht er.

Blut im Gesicht.

Dieses Grinsen.


Thor wischt mit zwei Fingern über die Stelle, an der ihn der Schild getroffen hat. Dann schüttelt er langsam den Kopf. Morbeus schlägt zu. Thor blockt. Odin kommt von hinten. Morbeus stößt ihn weg. Thor packt zu. Morbeus reißt sich los. Odin greift erneut. Diesmal bekommen sie ihn. Thor und Odin.


Die alten Gods of Asgard.


Morbeus kämpft wie wahnsinnig. Er tritt nach Thor, rammt Odin den Ellbogen ins Gesicht und bekommt tatsächlich noch einmal einen Arm frei. Doch gegen zwei Männer dieser Größe reicht ein freier Arm nicht. Und als Titan wieder aufsteht, ist es endgültig vorbei.


Pete: „Schaut nach rechts!“


Dort steht die Schandgeige. Odin sieht sie. Thor ebenfalls. Wieder brauchen die beiden keine Absprache. Sie schleppen Morbeus hinüber. Morbeus erkennt, was sie vorhaben, und stemmt sich mit aller Kraft dagegen. Seine Stiefel scharren über den Boden. Er schlägt nach Odin. Thor kassiert einen Headbutt. Aber sie bewegen ihn weiter. Zentimeter für Zentimeter. Bis zur Schandgeige. Thor drückt seinen Oberkörper nach unten. Odin öffnet die obere Hälfte. Morbeus versucht sich noch einmal aufzubäumen.


KLACK!


Holz fällt auf Holz. Kopf und Arme sind eingeschlossen. Morbeus steckt fest.


Sven: „Jetzt passt er wenigstens zum Ambiente.“

Pete: „Das ist noch keine Eliminierung! Die Schandgeige ist kein Kerker und kein Schandkorb!“


Und Morbeus beweist es. Er richtet sich mitsamt der schweren Holzkonstruktion wieder auf. Odin kommt näher. Morbeus dreht sich mit seinem gesamten Körper und rammt ihm die Schandgeige gegen die Brust. Odin taumelt zurück. Die Fans jubeln. Titan kommt. Morbeus erwischt auch ihn. Tha Bomb versucht es von der Seite. Morbeus dreht sich –


KRACH!


Bomb bekommt das Holz gegen die Schulter.


Pete: „ER BENUTZT DIE SCHANDGEIGE ALS WAFFE!“

Sven: „Okay. Das ist tatsächlich nicht schlecht.“


Morbeus dreht sich zu Thor. Er holt aus, soweit es die Konstruktion erlaubt. Thor wartet. Morbeus kommt. Thor macht einen Schritt zur Seite. Odin stellt ihm gleichzeitig das Bein. Morbeus verliert das Gleichgewicht. Mit der Schandgeige um Hals und Arme kann er sich nicht abfangen. Er schlägt hart auf. Thor stellt einen Stiefel auf das Holz. Odin den anderen. Morbeus versucht hochzukommen.


Keine Chance.


Zum ersten Mal an diesem Abend wirkt der Widerstand wirklich gebrochen. Und während Thor und Odin Morbeus am Boden halten, richtet Tha Bomb sich auf. Sein Blick geht nach oben.


Die Gürtel.

Frei.

Titan sieht es ebenfalls.

Bomb erreicht die zentrale Leiter.


Pete: „Oh nein!“

Sven: „Oh ja.“


Sprosse für Sprosse steigt Tha Bomb nach oben. Titan bleibt unten und hält den Bereich frei. Odin und Thor kümmern sich um Morbeus. Mad Dog und Stella können aus ihren Gefängnissen nur zusehen. Bomb erreicht die Öffnung im Dach. Er zieht sich auf die obere Ebene. Vor ihm liegt der offene zweite Stock der Konstruktion. Über ihm erhebt sich der Galgen. Und dort hängen die beiden GFCW Tag Team Championship Gürtel. Bomb steht auf. Er schaut nach unten.


Zu Titan.

Titan nickt.

Bomb grinst.

Dann geht er zum Galgen.


Pete: „Wir sind Sekunden von neuen Tag Team Champions entfernt!“

Sven: „T’n’B haben es gesagt.“


Bomb erreicht die nächste Leiter. Er setzt den Fuß auf die erste Sprosse. Dann die zweite. Die dritte. Unter ihm kann Stella kaum hinsehen. Mad Dog umfasst die Gitterstäbe so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortreten. Bomb steigt weiter. Jetzt kann er die Gürtel fast berühren. Er streckt eine Hand aus. Noch wenige Zentimeter. Und dann—


EIN AUFSCHREI GEHT DURCH DIE BURG.


Pete: „WAS?!“


Bomb dreht den Kopf. Auf der oberen Konstruktion steht ein Mann. Blut im Gesicht. Blut auf seiner Kleidung. Schwer atmend.Aber da.


ZEREO KILLER.


Die Burg Satzvey explodiert.


Sven: „WO KOMMT DER HER?!“

Pete: „ZEREO! ZEREO KILLER IST HIER!“


Bombs Gesicht entgleist. Zereo grinst. Er rennt. Bomb versucht von der Leiter herunterzukommen, doch Zereo ist bereits da. Er springt.


ZEREO REISST THA BOMB VON DER LEITER!


Beide krachen auf die obere Konstruktion. Bomb schlägt hart auf. Zereo rollt weiter. Doch er bleibt nicht liegen. Er sieht nach oben. Die Gürtel schwingen unmittelbar über ihm. Und dann tut er etwas vollkommen Wahnsinniges. Zereo springt. Beide Hände greifen nach dem Gold. Sein Körper schwingt unter dem Galgen.


Pete: „ZEREO HÄNGT AN DEN GÜRTELN!“


Die Befestigung hält. Eine Sekunde. Zwei. Dann…


KRRRACK!


Die Halterung gibt nach. Zereo fällt. Mit beiden GFCW Tag Team Championship Gürteln in den Händen. Unter ihm sieht Titan zu spät, was passiert. Zereo kracht von der oberen Konstruktion direkt auf Titan.


Beide gehen zu Boden.

Die Gürtel fliegen durch die Luft.


Zereo hält einen fest. Den zweiten bekommt er nach dem Aufprall wieder zu fassen. Und dann liegt er da.


Auf Titan.

Mit beiden Gürteln.


Für einen Moment weiß niemand, was passiert ist. Nicht einmal Bob Taylor. Der Referee starrt nach oben. Dann auf Zereo. Dann zu den leeren Halterungen am Galgen. Er sieht zu den beiden Schandkörben.


Mad Dog eingesperrt.

Stella Nova eingesperrt.

Die Sicherung war gelöst.

Die Gürtel wurden erobert.

Taylor reißt die Arme hoch.

Dann zeigt er auf Zereo Killer.


DONG! DONG! DONG!


Pete: „DIE GÜRTEL!“


Bob Taylor spricht kurz mit Laura. Dann folgt die Durchsage.


Laura: „Ladies and Gentlemen… die GFCW Tag Team Championship hat den Besitzer gewechselt!“


Ein gewaltiger Jubel.


Laura: „ZEREO KILLER UND MORBEUS… ZERBEUS… SIND DIE GFCW TAG TEAM CHAMPIONS!“


Die Burg bebt.


Pete: „ZERBEUS SIND TAG TEAM CHAMPIONS!“

Sven: „Moment! Moment! Zereo hat beide Gürtel genommen!“

Pete: „Die Titel sind frei gewesen! Er hat sie erobert!“

Sven: „Aber Morbeus steckt in einer Schandgeige!“

Pete: „Das ändert nichts daran!“

Sven: „Das ist die dümmste Regel, die ich je gehört habe.“

Pete: „Du fandest sie vor drei Minuten noch großartig!“

Sven: „Da sollte Tha Bomb gewinnen!“


Im Schandkorb hat Stella aufgehört zu jubeln. Sie sieht Mad Dog an. Mad Dog sieht zurück. Beide waren vor wenigen Sekunden noch Champions. Jetzt nicht mehr. Und während um sie herum Tausende Menschen feiern, ist ihre Reaktion eine vollkommen andere. Skepsis. Vielleicht sogar Unglaube. Sie haben ihre Gürtel nicht an T’n’B verloren. Aber sie haben sie verloren. An ihre eigenen Verbündeten. Zereo richtet sich langsam auf. Blut läuft über sein Gesicht. In jeder Hand hält er einen Gürtel. Auf der anderen Seite kommt Tha Bomb ebenfalls wieder hoch. Er sieht Zereo. Dann die leeren Befestigungen. Dann die Gürtel. Und sein Gesicht spricht Bände.


Weiter unten steht Odin. Neben ihm Thor. Beide schauen nach oben. Odin verzieht kaum eine Miene. Thor schon. Das Grinsen ist verschwunden. Morbeus liegt weiterhin mit der Schandgeige um Hals und Arme auf dem Boden. Titan versucht sich unterhalb der Konstruktion wieder aufzurichten. Und Zereo? Zereo steigt wieder nach oben.


Langsam.

Mit letzter Kraft.

Bis er schließlich auf der oberen Ebene steht.

Blutverschmiert.

Erschöpft.


Bob Taylor zeigt bereits hektisch nach oben. Er ruft Zereo etwas zu. Dann zu den anderen. Das Match läuft weiter.


Pete: „Natürlich! Natürlich! Leute, das war nicht das Ende des Siege of Satzvey!“

Sven: „Endlich begreifst du es.“

Pete: „Wir haben neue Tag Team Champions – aber die Medieval WarGames sind noch nicht entschieden!“

Sven: „Zerbeus haben das Gold. Schön für sie. Aber gewinnen werden sie diesen Krieg erst, wenn jedes Mitglied der Apocrypha ausgeknockt oder eingesperrt ist.“

Pete: „Und umgekehrt genauso. Mad Dog und Stella sind gefangen, aber sie können befreit werden. Morbeus ist noch im Kampf. Zereo ist jetzt da. Niemand ist endgültig raus, solange dieser Krieg nicht entschieden ist!“


Oben steht Zereo mit dem Gold. Unten richtet sich Morbeus wieder auf. In den Schandkörben sitzen die ehemaligen Champions. Auf der anderen Seite sammeln sich Tha Bomb, Titan, Odin und Thor. Und außerhalb des Käfigs steht Al Spawn Simmons. Er blickt nach oben zu Zereo Killer. Zu dessen blutverschmiertem Gesicht. Dann zu Thor. Thor blickt zurück. Und plötzlich stellt sich eine Frage, die bislang niemand beantworten kann. Wo war Zereo Killer? Und wessen Blut klebt an ihm und an Thor? Die Tag Team Championship hat ihren Besitzer gewechselt. Der Krieg hat gerade erst eine neue Richtung bekommen.


Für einige Sekunden scheint die Zeit über Burg Satzvey stillzustehen.


Zereo Killer steht auf der oberen Ebene der Käfigkonstruktion, das Gesicht blutverschmiert, die Brust hebt und senkt sich schwer. Hinter ihm schaukeln die leeren Halterungen am Galgen noch immer leicht hin und her. In seinen Händen befinden sich die beiden GFCW Tag Team Championship Gürtel, die noch vor wenigen Augenblicken den Mad Stars gehört haben. Unter ihm liegt Titan. Einige Meter entfernt versucht Tha Bomb wieder auf die Beine zu kommen. Thor und Odin blicken von unten zu ihm hinauf. Mad Dog und Stella Nova sitzen weiterhin hinter den Gittern ihrer Schandkörbe. Und Morbeus steckt noch immer in der Schandgeige. Eigentlich müsste Zereo Killer vollkommen erledigt sein. Stattdessen richtet er sich noch ein Stück weiter auf. Die Gürtel lässt er neben sich auf das Metall fallen.


Pete: „Man sieht das die Gürtel nicht Teil des Plans waren. Sondern nur Mittel zum Zweck.“

Sven: „Es kann sich ja noch ändern. Bei Pinfall wechseln die Gürtel wieder. Ein Match im Match…“


KLONG.

KLONG.


Pete: „Seht ihn euch an.“

Sven: „Ich sehe ihn.“

Pete: „Wir wissen immer noch nicht, was passiert ist. Wir wissen nicht, warum er nicht zu seinem Zeitpunkt erschienen ist. Wir wissen nicht, woher das Blut kommt. Aber dieser Mann steht da oben, als hätte er gerade erst angefangen!“


Die Fans rufen seinen Namen. Nicht mehr einzelne Gruppen. Die ganze Burg.


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


Tha Bomb zieht sich an einer Strebe hoch. Er hebt den Kopf. Zereo steht vor ihm. Bomb wischt sich über den Mund.


Zereo schlägt zu.

Forearm.

Bomb taumelt zurück.

Noch einer.


Bomb versucht zu antworten, doch Zereo lässt ihn überhaupt nicht erst in den Schlag kommen. Der nächste Treffer jagt Bomb gegen das Metallgeländer der oberen Ebene. Titan steht wieder. Zereo dreht sich um. Titan kommt auf ihn zu. Kick in den Bauch. Forearm. Noch einer. Titan packt Zereo am Hals – doch der reißt seine Arme auseinander, hämmert Titan einen Headbutt entgegen und schickt ihn mit einem weiteren Treffer rückwärts. Für einen Augenblick stehen T’n’B nebeneinander. Zereo davor.


Pete: „Das sind zwei Männer!“

Sven: „Danke, Pete.“

Pete: „Du weißt genau, was ich meine!“


Zereo rennt los. Und springt einfach in beide hinein. Alle drei gehen zu Boden. Die Zuschauer explodieren erneut. Es ist keine kontrollierte Offensive mehr. Keine saubere Matchstrategie. Zereo kämpft, als hätte sich alles, was ihm vor seinem verspäteten Eintritt widerfahren ist, in pure Wut verwandelt.


Titan bekommt einen Kick.

Bomb einen Forearm.

Titan wieder.

Bomb wieder.


T’n’B versuchen gemeinsam, ihn zurückzudrängen, aber Zereo bleibt zwischen ihnen. Selbst als Bomb ihn am Rücken erwischt, dreht er sich nur um und schlägt zurück.


SUPERKICK!


Bomb fliegt nach hinten. Titan greift Zereo von der Seite. Zereo kontert. Titan kracht gegen das Geländer. Unten beginnt Thor sich zu bewegen. Er geht zur zentralen Leiter. Odin folgt ihm.


Sven: „Jetzt ist Schluss.“

Pete: „Thor und Odin gehen nach oben!“


Zereo sieht sie. Thor erreicht die ersten Sprossen. Zereo rennt zur Öffnung. Er wartet nicht darauf, dass Thor vollständig oben ankommt. Noch während der Nordmann seinen Kopf durch die Öffnung schiebt, trifft ihn Zereo mit einem Stiefel. Thor rutscht zwei Sprossen zurück. Odin hält ihn. Zereo tritt erneut. Thor brüllt und greift nach seinem Bein. Zereo zieht es zurück. Odin versucht nun auf der anderen Seite der Leiter hochzukommen. Zereo wechselt sofort die Position. Stomp gegen Odins Hand. Der alte Gott lässt los.


Pete: „Zereo verteidigt die obere Ebene gegen die Gods of Asgard!“

Sven: „Das kann er nicht lange machen.“

Pete: „Muss er vielleicht auch nicht!“


Denn Zereo schaut nach unten. Zu Morbeus. Sein Partner liegt noch immer mit Kopf und Armen in der Schandgeige. Zereo sieht wieder zu Thor und Odin. Dann zur Leiter. Und steigt hinunter.


Sven: „Das ist bescheuert.“

Pete: „Er will zu Morbeus!“

Sven: „Dann muss er an Thor und Odin vorbei.“


Genau das tut er. Kaum erreicht Zereo den unteren Bereich, kommt Thor. Der erste Forearm trifft Zereo hart. Odin folgt. Für einen Moment scheint der Lauf beendet. Thor schlägt. Odin greift zu. Zereo wird gegen den Käfig gedrängt. Doch dann duckt er sich unter dem nächsten Schlag weg. Thor trifft das Eisen. Zereo rammt Odin einen Kick entgegen, springt auf die mittlere Käfigstrebe und kommt mit einem Angriff zurück, der beide Männer auseinanderreißt. Thor fällt auf ein Knie. Zereo landet. Odin dreht sich zu ihm.


SUPERKICK!


Odin taumelt. Noch einer! Odin gegen die Seile. Zereo rennt weiter. Direkt zu Morbeus. Morbeus hebt den Kopf, soweit die Schandgeige es zulässt. Zum ersten Mal sehen sich die beiden Partner aus nächster Nähe. Morbeus betrachtet Zereos blutverschmiertes Gesicht. Er greift nach der Verriegelung. Dann hört er Titan hinter sich. Zereo dreht sich um. Zu spät, um Morbeus zu befreien. Titan kommt. Zereo weicht aus und Titan kracht gegen die Schandgeige. Morbeus wird mitsamt der Konstruktion herumgerissen. Morbeus schreit auf. Zereo reagiert entschuldigend. Bomb kommt ebenfalls wieder herunter. Jetzt zieht sich Zereo zurück.


Nicht aus Angst.

Er lockt sie.

Zur Leiter.

Dann nach oben.

Titan folgt. Bomb ebenfalls.


Pete: „Zereo geht wieder hoch!“

Sven: „Und diesmal kommen T’n’B mit.“


Oben dreht Zereo sich um. Titan erreicht die Plattform zuerst. Zereo wartet.


Kick.

Titan taumelt.


Bomb kommt durch die Öffnung. Zereo schlägt ihn zurück. Titan greift erneut an. Zereo kontert.


PILEDRIVER


Titan schlägt auf der oberen Ebene ein. Die Konstruktion scheint unter dem Aufprall zu beben.


Pete: „PILEDRIVER!“


Zereo springt sofort wieder auf. Bomb sieht Titan. Dann Zereo. Zereo packt ihn. Bomb versucht sich herauszudrehen. Ein Schlag. Zereo hält fest. Noch ein Versuch. Keine Chance.


PILEDRIVER!


Auch Tha Bomb kracht auf das Metall. Die Fans rasten vollkommen aus. T’n’B liegen nebeneinander auf der oberen Ebene. Zereo steht zwischen ihnen.


Blutverschmiert.

Keuchend.


Die beiden Tag Team Gürtel wenige Meter entfernt.


Pete: „Er hat T’n’B praktisch im Alleingang ausgeschaltet!“

Sven: „Praktisch ist nicht ausgeschaltet.“

Pete: „Du weißt, was ich meine.“


Zereo schaut nach unten. Zu Morbeus. Dann zu den Schandkörben.


Mad Dog.

Stella.


Er entscheidet sich. Und Morbeus erkennt sofort, wie er sich entschieden hat. Zereo steigt hinunter und sieht zu Morbeus. Dann läuft er am eigenen Partner vorbei. Direkt zu Stella Nova. Morbeus kann es nicht fassen. Zereo erreicht den Schandkorb und beginnt an der Verriegelung zu arbeiten. Stella hilft von innen.


KLACK!


Der Riegel springt auf. Stella stößt die Tür nach außen und stolpert aus dem Korb. Zereo fängt sie kurz ab. Stella sieht ihn an. Dann nach oben. Dorthin, wo die Gürtel liegen. Ihr Blick verändert sich. Zereo sagt nichts. Mad Dog hämmert von seinem Schandkorb gegen das Gitter. Stella geht sofort zu ihm. Gemeinsam mit Zereo öffnet sie die zweite Verriegelung.


KLACK!


Mad Dog tritt aus dem Korb. Der Night Fighter sieht zuerst Stella an. Dann Zereo. Dann wandert auch sein Blick nach oben. Zu den beiden Championship-Gürteln. Eine unangenehme Sekunde. Zereo nickt. Stella legt Mad Dog eine Hand an den Arm. Zereo blickt zwischen beiden hin und her. Morbeus schreit etwas. Stella und Mad Dog schauen zu ihm. Zereo nickt.


Pete: „Da ist Spannung. Natürlich ist da Spannung! Mad Stars sind hier als Champions hineingegangen und innerhalb weniger Minuten hat ihr eigener Verbündeter die Gürtel für Zerbeus geholt.“

Sven: „Und Morbeus steckt während der Familienbesprechung immer noch in einem Holzbrett.“

Pete: „Schandgeige.“

Sven: „Das macht es nicht besser.“


Die drei setzen sich in Bewegung. Zereo vorne. Mad Dog und Stella unmittelbar hinter ihm. Morbeus sieht sie kommen. Doch dann bleiben alle drei stehen. Denn zwischen ihnen und Morbeus erheben sich vier Gestalten. Tha Bomb und Titan sind wieder von der oberen Ebene heruntergekommen. Thor steht neben ihnen. Odin ebenfalls. The Apocrypha. Vier Mann. Eine Wand. Simmons steht außerhalb des Käfigs und betrachtet das Bild. Morbeus hinter ihnen. Zereo, Mad Dog und Stella davor.


Pete: „Jetzt kommen sie nicht durch.“

Sven: „Jetzt haben wir endlich Krieg.“


Zereo geht trotzdem los.

Und alles explodiert.

Thor fängt ihn ab.

Odin geht auf Mad Dog.

Titan schnappt sich Stella.

Bomb versucht, den Weg zu Morbeus zu blockieren.


Die Käfigkonstruktion wird innerhalb von Sekunden wieder zum Chaos. Mad Dog und Odin tauschen Treffer aus. Thor und Zereo prügeln sich gegen die Käfigwand. Stella weicht Titan aus und zieht ihm das Bein weg. Bomb sieht es und will helfen. Mad Dog kommt von der Seite. Bomb dreht sich weg. Stella greift nach einer der herumliegenden Ketten. Titan sieht sie zu spät. Sie schlingt die Kette um seinen Unterarm und zieht ihn gegen eine Strebe. Titan schlägt nach ihr. Mad Dog versteht sofort. Er greift das andere Ende. Gemeinsam ziehen sie. Titan wird mit dem Rücken gegen die Stahlkonstruktion gerissen.


Pete: „Was haben die vor?!“


Stella führt die Kette um eine massive Strebe. Mad Dog hält Titan fest.


KLACK!


Ein schwerer Verschluss rastet ein. Titan zieht. Die Kette hält. Tha Bomb sieht ihn. Fehler. Er dreht sich um. Stella kommt. Mad Dog ebenfalls. Bomb weicht dem ersten Angriff aus, dem zweiten auch. Er schlägt Stella zurück und erwischt Mad Dog mit einem Forearm. Tha Bomb will ausweichen. Zereo kommt von hinten. Bomb wird gegen die zentrale Leiter gedrückt. Mad Dog packt ihn. Stella hat bereits die nächste Kette. Bomb erkennt sie. Sie ziehen ihn nach oben.


Nicht weit.

Nur bis zur obersten Ebene.


Dort liegt Titan bereits an der Stahlstrebe festgekettet. Bomb kämpft.


Tritt.

Schlägt.

Beißt sich beinahe frei.

Doch drei gegen einen reichen.

Die Kette legt sich um sein Handgelenk.

Dann um die Strebe.


KLACK!


Bomb zieht daran. Nichts. Er sieht zu Titan. Unten hat Thor Zereo wieder entdeckt. Odin kommt ebenfalls. Aber jetzt sind Mad Dog und Stella frei. Und T’n’B nicht. Zum ersten Mal hat sich die Überzahl wirklich gedreht. Zereo springt Thor entgegen. Mad Dog geht auf Odin. Stella rennt zu Morbeus. Gemeinsam schaffen sie es, die beiden alten Gods of Asgard lange genug zurückzudrängen.


Zereo tritt Thor weg.

Mad Dog schickt Odin gegen den Käfig.

Stella erreicht die Schandgeige.

Ihre Hände gehen an den Verschluss. Sie grinst.

Die Schandgeige öffnet sich…


BIG BOOT VON ODIN


nicht…


Irgendwie hat es Odin geschafft an Mad Dog vorbeizukommen. Der Versuch Morbeus zu befreien scheitert. Zereo Killer, Stella Nova und Mad Dog stehen jetzt Seite an Seite, während Morbeus noch immer in der beschädigten Schandgeige feststeckt. Ihnen gegenüber sammelt sich The Apocrypha. Tha Bomb und Titan haben sich inzwischen von den Ketten befreit, Thor hat ohnehin nur Augen für einen einzigen Mann – und Odin steht etwas abseits nachdem er es geschafft hat Stella daran zu hindern Morbeus zu befreien. Fast so, als würde er auf etwas warten.


Pete: „Jetzt müssen sie Morbeus da endlich rausholen. Zu viert können sie diesen Kampf völlig neu aufziehen.“

Sven: „Zu viert vielleicht. Im Moment sind sie zu dritt und schleppen noch einen Gefangenen mit.“


Morbeus versucht, die Schandgeige mit purer Kraft auseinanderzudrücken. Das Holz knarzt, gibt aber nicht nach. Zereo will zu ihm. Thor stellt sich dazwischen.


Nicht Titan.

Nicht Bomb.

Nicht Stella.

Nicht Mad Dog.

Thor interessiert sich für keinen von ihnen. Er zeigt auf Zereo.

Und der versteht.


Pete: „Thor will ihn! Nach allem, was zwischen diesen beiden passiert ist, interessiert Thor dieser ganze Krieg gerade überhaupt nicht!“

Sven: „Doch. Zereo ist sein Krieg.“


Thor schlägt zu. Zereo blockt den ersten Forearm, kassiert den zweiten und antwortet mit einem eigenen. Sofort entsteht zwischen beiden eine vollkommen andere Art von Kampf. Keine Jagd nach Kerkern. Keine Titel. Keine taktische Überlegung. Thor will Zereo nicht einsperren. Er will ihm wehtun. Ein Knie trifft den Bauch. Zereo wird gegen den Käfig geschleudert. Thor folgt ihm und rammt ihn mit dem Rücken gegen das Eisen. Zereo versucht sich mit einem Kick Platz zu verschaffen, doch Thor fängt das Bein ab und zieht ihn brutal zu Boden. Thor kniet sich über ihn.


Forearm.

Noch einer.

Zereo schlägt von unten zurück.

Thor lacht.


Während diese beiden in ihren eigenen Krieg verschwinden, versuchen Mad Dog und Stella endlich, zu Morbeus durchzukommen. Doch T’n’B sind wieder da. Titan stellt sich Stella entgegen. Tha Bomb nimmt Mad Dog. Und plötzlich haben wir wieder jenes Duell, das den Anfang dieses Matches geprägt hat. Mad Stars gegen T’n’B. Nur ist jetzt nichts mehr sauber. Bomb schlägt Mad Dog gegen den Käfig. Stella versucht Titan mit Kicks auf Abstand zu halten. Titan greift nach ihr, Stella entkommt und zieht ihm im Vorbeilaufen eine Kette über den Rücken.


Titan dreht sich um.

Stella grinst.

Titan nicht.

Er geht auf sie los.


Pete: „Mad Stars müssen hier gar nicht unbedingt beide T’n’B ausschalten. Sie müssen nur einen Weg zu Morbeus öffnen!“


Genau das scheint Mad Dog ebenfalls begriffen zu haben. Er kämpft nicht mehr frontal gegen Bomb. Er zieht ihn weg. Schritt für Schritt. Tha Bomb merkt es zunächst nicht. Mad Dog lässt sich zurückdrängen, kassiert einen Forearm, antwortet, geht wieder zurück. Bomb folgt. Mad Dog geht noch einen Schritt. Hinter Bomb befindet sich eine der schweren Falltüren im Ringboden.


Darunter: der Kerker.


Stella sieht es. Mad Dog sieht sie an. Nur eine Sekunde. Aber das reicht. Stella ändert sofort ihre Strategie. Sie löst sich von Titan und rennt in Richtung Bomb. Titan hinterher. Bomb dreht sich.


Stella trifft ihn.

Bomb taumelt.


Mad Dog greift zu. Titan kommt näher. Stella wirft sich ihm entgegen. Beide gehen zu Boden. Damit hat Mad Dog Tha Bomb allein. Bomb schlägt ihm einen Ellbogen entgegen.


Mad Dog kassiert.

Noch einen.

Bomb kommt frei.

Er will weg von der Falltür.

Mad Dog packt ihn wieder.

Tha Bomb schüttelt mit dem Kopf.


Mad Dog zieht. Bomb stemmt sich dagegen. Die beiden stehen direkt über der Luke. Bob Taylor sieht, was passiert, und weicht zurück. Bomb tritt Mad Dog gegen das Knie. Mad Dog geht herunter. Bomb grinst. Dann greift Mad Dog von unten nach seinem Bein. Bomb verliert das Gleichgewicht.


Er fällt.


Aber nicht in den Kerker. Noch nicht. Er bekommt die Kante zu fassen. Sein Körper hängt bereits in der Öffnung, beide Hände klammern sich an den Ringboden.


Pete: „BOMB HÄNGT ÜBER DEM KERKER!“


Titan sieht es. Er will zu seinem Partner. Stella hängt sich an ihn. Titan zieht sie mehrere Schritte mit sich. Stella lässt nicht los. Mad Dog steht über Bomb. Bomb schaut hoch. Mad Dog tritt auf eine Hand. Bomb zieht sie weg. Jetzt hält er nur noch mit einer. Mad Dog schaut ihm direkt in die Augen. Dann tritt er gegen die zweite Hand.


Bomb fällt.


KRACH!


Er verschwindet im Kerker unter dem Ring. Die Zuschauer explodieren. Mad Dog greift sofort nach der schweren Luke. Bomb kommt unten wieder hoch. Mad Dog schlägt die Luke zu.


KLONG!


Der Riegel rastet ein. Tha Bomb hämmert von unten dagegen. Zu spät.


Pete: „THA BOMB IST IM KERKER!“

Sven: „Titan!“

Pete: „Mad Dog hat ihn tatsächlich eingesperrt!“

Sven: „Hol ihn da raus!“

Pete: „Jetzt bist du plötzlich emotional.“


Der Ringboden bebt unter Bombs Schlägen.


BUMM.

BUMM.

BUMM.


Aber die Luke bleibt geschlossen. Zum ersten Mal an diesem Abend ist T’n’B tatsächlich getrennt Titan hört seinen Partner unter dem Ring. Er sieht Mad Dog. Dann Stella. Und etwas in seinem Gesicht verändert sich. Titan geht auf beide los. Stella und Mad Dog weichen auseinander. Titan erwischt Stella beinahe, doch Mad Dog attackiert das Knie. Stella folgt mit einem Kick. Titan dreht sich zu ihr – Mad Dog kommt von hinten. Sie kämpfen nicht mehr gegen Titan. Sie zerlegen seine Basis.


Einer links.

Einer rechts.


Titan schlägt nach Stella.


Mad Dog attackiert. Titan dreht sich. Stella ist wieder da. Zum ersten Mal wirkt der große Mann nicht wie eine Wand. Er wirkt isoliert.


Auf der anderen Seite des Schlachtfeldes hat Morbeus inzwischen genug. Er schreit und gestikuliert wild Niemand antwortet. Zereo hat mit Thor genug zu tun. Mad Stars kämpfen gegen Titan. Morbeus zieht erneut an der Schandgeige. Dann fällt ein Schatten über ihn. Morbeus hält inne.


Vor ihm steht Odin.

Der alte Gott betrachtet ihn.

Morbeus nickt ihm zu.

Odin sagt nichts.

Dann flüstert ihm Morbeus etwas ins Ohr.

Odin legt den Kopf leicht schief.

Dann greift er nach Morbeus.


Pete: „Was hat Odin vor?“

Sven: „Er hilft ihm.“

Pete: „Was?!“

Sven: „Warte ab.“


Odin zieht Morbeus mitsamt der Schandgeige hoch. Morbeus versucht, ihn mit dem Holz zu treffen, doch Odin weicht aus und greift um seinen Körper. Dann hebt er ihn. Morbeus’ Augen werden groß.


Pete: „NEIN!“


Odin hält ihn einen Moment in der Luft. Dann wirft er ihn. Mit voller Wucht. Morbeus kracht mit der Schandgeige voran auf die präparierte Holzfläche.


KRRRRAAAAAACK!


Holz splittert.

Die Schandgeige zerbricht.


Morbeus rollt zwischen den Trümmern hindurch. Für einige Sekunden bewegt er sich nicht.


Pete: „Odin hat die Schandgeige zerstört!“

Sven: „Hab doch gesagt, er hilft ihm.“

Pete: „ER HAT MORBEUS DAMIT FAST GLEICH MIT ZERSTÖRT!“


Odin steht über den Holzresten. Er sieht auf Morbeus hinunter und nickt zufrieden. Dann dreht er sich um. Der Kanadier liegt da. Seine Hände bewegen sich. Er tastet nach seinem Hals.


Nichts mehr.

Kein Holz.

Keine Verriegelung.


Morbeus beginnt zu lachen. Nicht weil es lustig wäre. Sondern weil Odin tatsächlich recht hat.


Er ist frei.


Morbeus kommt auf die Knie. Odin dreht sich wieder zu ihm. Und jetzt stehen sie sich wirklich gegenüber. Kein Schandgerät mehr zwischen ihnen. Keine Ausrede. Morbeus spuckt zur Seite. Odin hebt die Fäuste. Morbeus geht auf ihn los.


Thor hat Zereo inzwischen in den zweiten Ring getrieben. Zereo kassiert einen weiteren Forearm, federt in die Seile und kommt mit einem Kick zurück. Thor schwankt. Zereo setzt nach. Thor fängt ihn. Er hebt ihn hoch. Zereo windet sich frei und landet hinter ihm.


SUPERKICK!


Thor taumelt gegen die Seile. Zereo sieht zur anderen Seite. Morbeus ist frei. Mad Dog und Stella haben Titan in die Defensive gedrängt. Und Tha Bomb…


BUMM!


Die Luke des Kerkers springt kurz hoch. Bombs Hand erscheint im Spalt. Mad Dog rennt hin und tritt sie wieder zu. Tha Bomb schreit auf und hält sich die Hand. Die Fans lachen und jubeln gleichzeitig.


Sven: „Das ist Freiheitsberaubung.“

Pete: „DAS IST DIE MATCHART!“


Mad Dog verriegelt die Luke erneut. Dann stellt er sich darauf. Unter seinen Füßen hämmert Bomb gegen das Holz. Mad Dog schaut zu Stella. Sie sieht Titan. Titan sieht beide. Zereo kommt aus dem zweiten Ring herüber. Morbeus zwingt Odin mit einem Forearm zurück. Plötzlich hat sich das gesamte Bild verschoben. Vor wenigen Minuten schien The Apocrypha diesen Krieg vollständig unter Kontrolle zu haben Jetzt sitzt Tha Bomb im Kerker. Titan steht allein den Mad Stars gegenüber. Thor hat Zereo zwar zugesetzt, bekommt ihn aber nicht gebrochen. Und Odin hat Morbeus auf seine ganz eigene Art aus der Schandgeige befreit – und damit einen weiteren Gegner zurück in die Schlacht gebracht. Zereo stellt sich neben Stella. Mad Dog kommt dazu. Morbeus schlägt Odin noch einmal zurück und schließt zu ihnen auf.


Vier.


Auf der anderen Seite stehen Titan, Thor und Odin.


Drei.


Und irgendwo unter ihren Füßen—


BUMM!


Tha Bomb schreit wüste Beschimpfungen in die Arena. Mad Dog schaut nach unten. Ein kleines Grinsen.


Pete: „Zum ersten Mal haben Zerbeus und die Mad Stars hier einen echten Vorteil!“

Sven: „Bomb bleibt nicht ewig da unten.“

Pete: „Vielleicht nicht. Denn Gefangene können befreit werden. Aber solange niemand diese Luke öffnet, kämpft The Apocrypha mit einem Mann weniger.“


Drei Paarungen zeichnen sich beinahe von selbst ab. Aber noch greift niemand an. Für einen kurzen Moment stehen sich beide Seiten zwischen den beiden Ringen gegenüber. Zereo wischt sich das Blut aus dem Gesicht. Morbeus rollt den schmerzenden Nacken. Stella stellt sich neben Mad Dog. Unter ihnen schlägt Bomb erneut gegen seine Kerkerdecke.


BUMM.


Und Mad Dog bleibt demonstrativ darauf stehen. Die Schlacht ist nicht entschieden Aber zum ersten Mal gehört das Schlachtfeld nicht The Apocrypha. Für einen Moment gibt es keinen Plan mehr. Keine Gürtel, die erreicht werden müssen. Keine Sanduhr. Keinen nächsten Teilnehmer. Keine unmittelbare Flucht aus einem Schandkorb. Nur sieben freie Wrestler, ein eingesperrter Tha Bomb – und eine Konstruktion, die inzwischen selbst Teil des Matches geworden ist. Zwei Ringe. Stahl. Holz. Leitern. Ketten. Die geschlossene Decke der unteren Ebene. Die Öffnung in ihrer Mitte. Darüber die zweite Ebene. Darunter die Kerker. Und acht Wrestler, die genau wissen, was man damit anfangen kann.


BUMM!


Unter Mad Dogs Füßen schlägt Tha Bomb erneut gegen die Kerkerluke. Mad Dog schaut hinunter.


BUMM!


Dann dreht er sich um. Titan kommt. Mad Dog springt gerade noch zur Seite und Titan tritt mit voller Wucht auf die Luke. Dann trifft ihn Stella Nova mit einem Dropkick in den Rücken. Titan fliegt nach vorne. Und damit endet die letzte ruhige Sekunde.


Zereo Killer und Thor finden sich im ersten Ring wieder. Morbeus und Odin im zweiten. Mad Dog und Stella bearbeiten Titan zwischen beiden. Die Fans müssen ihre Köpfe ständig drehen, weil überall gleichzeitig etwas geschieht.


Pete: „Wie soll man das alles kommentieren?!“

Sven: „Gar nicht. Guck einfach zu!“


Zereo rennt auf Thor zu, springt auf das mittlere Seil und kommt mit einem Angriff zurück. Thor fängt ihn in der Luft. Für einen Augenblick hängt Zereo quer vor seiner Brust. Dann schleudert Thor ihn nicht einfach auf die Matte. Er dreht sich. Und wirft ihn gegen die Käfigwand. Zereo schlägt mit dem Rücken gegen das Metall und fällt auf den Apron. Thor greift durch die Seile nach ihm. Zereo antwortet mit einem Kick gegen den Kopf. Thor taumelt. Zereo sieht die Käfigwand hinter sich. Er springt hinein. Ein Fuß gegen das Metall. Dann der zweite. Er stößt sich regelrecht vom Käfig ab und kommt zurück.


TORNADO DDT!


Thor wird auf die Matte gerissen.


Pete: „Zereo benutzt den Käfig wie ein zusätzliches Ringseil!“


Zereo springt auf. Die Fans direkt hinter der äußeren Absperrung schlagen gegen das Metall. Zereo zeigt zu ihnen. Dann auf Thor. Der kommt bereits wieder hoch. Zereo schaut fragend ins Publikum. Die Antwort der Zuschauer ist eindeutig. Thor ebenfalls. Er richtet sich vollständig auf und deutet an das er mehr erwartet. Zereo rennt.


Im zweiten Ring geht es vollkommen anders zu. Keine Geschwindigkeit. Odin und Morbeus schlagen sich. Einfach nur schlagen. Morbeus trifft. Odin antwortet. Morbeus taumelt. Kommt zurück.


Forearm.

Odin nimmt ihn.

Noch einer.

Odin nimmt auch den.


Beim dritten greift der alte Gott zu und schleudert Morbeus in die Seile. Morbeus kommt zurück. Odin will ihn hochheben. Morbeus blockiert. Er rammt Odin das Knie in den Bauch, packt ihn und versucht seinerseits einen Suplex. Odin bleibt stehen.


Noch ein Versuch.

Nichts.

Morbeus lässt los und sagt etwas zu Odin. Odin hebt eine Augenbraue. Dann hebt er Morbeus hoch. Morbeus strampelt. Er bekommt einen Fuß gegen die obere Käfigdecke. Und nutzt sie. Statt sich fallen zu lassen, drückt Morbeus sich mit beiden Beinen gegen das Dach ab und kippt sein Gewicht nach vorne. Odin verliert das Gleichgewicht. Beide stürzen über die Seile.


KRACH!


Sie landen zwischen Ring und Käfig. Morbeus zuerst. Odin direkt hinterher. Morbeus zieht sich am Stahl hoch. Die Fans auf dieser Seite der Burg werden laut. Einer ruft ihm etwas zu. Morbeus schaut hinüber.


Fan: „NOCHMAL!“


Morbeus grinst schelmisch. Der Fan jubelt. Odin greift Morbeus von hinten. Und wird mit dem Gesicht gegen den Käfig gedrückt.


Im anderen Teil der Konstruktion erleben Mad Dog und Stella gerade ein Problem. Es heißt Titan. Der Powerhouse hat Stella am Hals gepackt und schleudert sie quer durch den ersten Ring. Sie rollt sich ab, kommt sofort wieder hoch und läuft erneut los. Titan fängt sie. Stella wird hochgehoben. Mad Dog kommt von der Seite. Kick gegen Titans Knie. Titan verliert kurz die Balance. Stella nutzt den Moment, dreht ihren Körper und bringt Titan mit einem Headscissors-Takedown ins Wanken. Aber nicht zu Fall. Mad Dog springt auf das zweite Seil. Titan dreht sich.


CLOTHESLINE VOM SEIL!


Jetzt fällt er. Die Zuschauer zählen instinktiv mit, obwohl ein Pinfall für den WarGames-Sieg nichts bringt.


EINS!


Mad Dog schaut irritiert ins Publikum.


ZWEI!


Stella winkt ab. Titan richtet sich hinter ihnen wieder auf. Das Lachen endet. Titan packt beide.


Stella links.

Mad Dog rechts.


Und schlägt ihre Köpfe zusammen.


KLACK!


Beide gehen auseinander. Er greift Stella und schleudert sie gegen die Ecke. Dann Mad Dog hinterher. Beide stehen übereinander. Titan nimmt Anlauf. Mad Dog zieht Stella im letzten Augenblick weg. Titan kracht mit voller Wucht in die Ecke. Doch die Ecke ist hier nicht nur Turnbuckle. Direkt dahinter verläuft eine massive Stahlstrebe der Konstruktion. Der Aufprall lässt das gesamte Gerüst erzittern. Oben klirren Ketten. Und unten hört man Tha Bomb. Mad Dog schaut zur Luke.


hor hat Zereo inzwischen auf die obere Ebene verfolgt. Und dort verändert sich ihr Kampf sofort. Kein federnder Ringboden. Kein Seil. Nur Metallplatten, Gitter und offene Höhe. Zereo schlägt. Thor schlägt härter. Zereo weicht zurück. Thor greift nach ihm. Zereo duckt sich und Thor läuft gegen eine Strebe. Zereo springt auf die untere Querstrebe des Galgens, zieht sich daran hoch und kommt mit beiden Füßen zurück. Thor wird getroffen. Er fällt auf ein Knie. Zereo steigt auf das Geländer.


Pete: „Zereo, lass es!“


Natürlich lässt er es nicht.

Er springt.

Thor fängt ihn.

Die Fans schreien auf.

Thor hält Zereo auf den Schultern.


Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die zentrale Öffnung. Zereo sieht sie. Thor ebenfalls.


Sven: „Oh.“


Thor läuft los. Zereo schlägt ihm Ellbogen gegen den Kopf.


Einer.

Zwei.

Drei.


Thor verliert den Griff. Zereo landet hinter ihm. Thor dreht sich.


SUPERKICK!


Thor taumelt bis an den Rand der Öffnung. Ein Fuß hängt bereits über der Leiter. Zereo rennt. Thor reagiert im letzten Augenblick.


BACK BODY DROP!


Zereo fliegt. Aber nicht durch die Öffnung. Er bekommt die obere Käfigstrebe zu fassen. Sein Körper hängt über dem unteren Ring.


Pete: „ZEREO HÄNGT ÜBER DEM RING!“


Thor tritt nach seinen Händen. Zereo schwingt. Thor tritt erneut. Zereo lässt los.Er fällt. Direkt auf Titan, Mad Dog und Stella.


KRACH!


Alle vier gehen zu Boden. Für zwei Sekunden ist die komplette untere Ebene still. Dann steht Thor oben an der Öffnung. Er schaut hinunter.


Pete: „Nein.“



THOR FLIEGT VON DER OBEREN EBENE!


Er kracht mitten in die Gruppe. Jetzt liegen fünf Menschen übereinander. Die Burg Satzvey rastet vollkommen aus.


Sven: „DAS ist WarGames!“


Auf der anderen Seite hat Morbeus Odin inzwischen die Käfigwand hinaufgetrieben. Nicht freiwillig. Morbeus schlägt. Odin weicht nach oben aus. Eine Strebe. Noch eine. Plötzlich befinden sich beide mehrere Meter über dem Boden. Morbeus hängt unter Odin. Odin tritt nach ihm. Morbeus weicht aus. Er greift nach Odins Bein. Odin hält sich am Stahl fest. Morbeus zieht. Beide kämpfen buchstäblich an der Wand. Die Fans direkt dahinter stehen auf. Ein Junge in der ersten Reihe deutet nach links. Morbeus sieht es. Dort verläuft eine Querstrebe. Morbeus wechselt den Griff. Odin tritt erneut. Morbeus lässt sich fallen. Nicht nach unten. Seitlich. Er schwingt an einer Strebe entlang und tritt Odin gegen die Seite. Odin verliert den Halt. Beide fallen. Aber unter ihnen liegt der Ring.


KRACH!


Odin schlägt auf dem Apron auf. Morbeus landet auf ihm. Beide rollen herunter.


Pete: „Die benutzen jeden Zentimeter dieser Konstruktion!“

Sven: „Dafür steht sie da.“


Und dann bewegt sich die Kerkerluke. Ganz leicht. Niemand bemerkt es. Noch einmal.


KRRRK.


Ein Spalt. Eine Hand kommt heraus. Tha Bomb hat irgendwo unten eine Kette gefunden. Er führt sie durch den Spalt.


Sucht. Findet den Riegel. Zieht.


Nichts. Noch einmal.


KLACK.


Bomb hält inne. Langsam öffnet sich die Luke. Ein Kopf erscheint. Vokuhila. Sonnenbrille längst verschwunden. Gesicht vollkommen angepisst. Tha Bomb zieht sich heraus. Er schaut sich um. Überall liegen Menschen. Bomb steigt vollständig aus dem Kerker.


Tha Bomb sagt etwas, doch niemand hört ihn. Bomb sieht einen Fan hinter dem Käfig. Der Fan zeigt auf Thor und Zereo. Bomb schaut hin. Dann auf Mad Dog. Der Fan schüttelt den Kopf und zeigt auf Mad Dog. Bomb deutet auf Mad Dog. Der Fan nickt begeistert. Bomb grinst Mad Dog dreht sich um. Bomb rennt los.


THIS MIGHT KILL YOU!


Mad Dog wird vollkommen überraschend erwischt.


Pete: „THA BOMB IST FREI!“


Bomb bleibt neben Mad Dog sitzen. Der Fan hinter dem Käfig jubelt. Bomb zeigt auf ihn und applaudiert.


Sven: „Fanbeteiligung!“

Pete: „Das zählt nicht als Fanbeteiligung!“


Bomb steht auf. Stella kommt. Bomb sieht sie. Stella tritt ihm gegen die Brust. Bomb fliegt zurück.


Jetzt ist endgültig jede Ordnung verschwunden. Titan schleudert Zereo in den ersten Ring. Thor folgt. Mad Dog und Bomb prügeln sich zwischen beiden Ringen. Stella springt vom Apron auf Titan. Morbeus und Odin rollen in den zweiten Ring zurück. Die Kamera weiß kaum, wohin sie schwenken soll. Titan hebt Stella hoch. Stella kontert. Bomb wirft Mad Dog gegen eine Leiter. Mad Dog federt zurück und erwischt Bomb mit einem Schlag. Thor drückt Zereo gegen die Käfigwand. Zereo läuft zwei Schritte daran hoch und dreht sich heraus. Odin hebt Morbeus. Morbeus landet hinter ihm. Alle acht zeigen plötzlich, warum sie hier stehen.


Nicht wegen Waffen.

Nicht wegen Kerkern.

Nicht wegen Schandkörben.

Sondern weil sie Wrestler sind.

Verdammt gute Wrestler.


Für mehrere Minuten wird Burg Satzvey zu einer einzigen Demonstration aus Timing, Kraft, Geschwindigkeit und Erfahrung.


Jeder kennt seinen Körper.

Jeder kennt die Abstände.

Jeder begreift, dass diese absurde Festung nicht nur ein Hindernis ist.

Sie ist ein Werkzeug.


Ein zusätzliches Seil.

Eine zusätzliche Ecke.

Eine zusätzliche Ebene.

Ein weiterer Gegner.


Mad Dog springt auf die Leiter, ohne sie aufzustellen, läuft zwei Sprossen hinauf und kommt mit einem Angriff auf Bomb zurück. Bomb fängt ihn nicht sauber, dreht aber den Schwung weiter und beide krachen gegen die Käfigwand. Stella nutzt Titans Rücken als Trittfläche, springt von ihm auf die Seile und von dort gegen Thor. Thor fängt sie. Zereo kommt angeflogen. Thor muss Stella loslassen. Titan will Zereo abfangen. Morbeus taucht plötzlich aus dem zweiten Ring auf und rammt Titan von der Seite. Odin folgt Morbeus. Mad Dog folgt Odin. Bomb folgt Mad Dog. Innerhalb weniger Sekunden stehen alle acht im selben Ring.


Pete: „Jetzt wird es eng.“

Sven: „Jetzt wird es schön.“


Ein Schlag. Dann noch einer. Und plötzlich prügelt jeder gegen jeden der anderen Seite. Thor gegen Zereo. Odin gegen Morbeus. Bomb gegen Mad Dog. Titan gegen Stella. Die Fans zählen jeden Treffer mit.


EINS!

Vier Schläge.

ZWEI!

Vier Antworten.

DREI!

Zereo trifft Thor.

VIER!

Morbeus trifft Odin.

FÜNF!

Mad Dog trifft Bomb.

SECHS!

Stella trifft Titan.

Dann antwortet The Apocrypha gleichzeitig.

Vier Treffer.

Alle vier Gegner taumeln.

Ein gewaltiges Buhen.

Bomb breitet die Arme aus.

Noch lautere Buhrufe. Bomb hält eine Hand ans Ohr.

Die Burg gibt ihm lauter.

Bomb grinst.

Dann dreht er sich um.

Mad Dog steht hinter ihm.

Bombs Grinsen verschwindet.

Mad Dog schlägt zu.

Und alles beginnt von vorne.


Irgendwann liegen schließlich wieder Körper über beide Ringe verteilt. Niemand wurde eingesperrt. Niemand wurde ausgeknockt. Kein Titel hat erneut den Besitzer gewechselt. Keine Seite hat einen entscheidenden Vorteil errungen. Aber die Konstruktion trägt inzwischen die Spuren des Kampfes. Eine Leiter liegt verbogen zwischen den Ringen. Ketten hängen aus ihrer ursprünglichen Position. Holzsplitter der zerstörten Schandgeige bedecken den Boden. Die Kerkerluke steht offen. Auf der oberen Ebene liegen noch immer die beiden Tag Team Championship Gürtel. Und acht Wrestler atmen schwer Zereo zieht sich an den Seilen hoch. Thor an der gegenüberliegenden Seite. Morbeus sitzt im zweiten Ring und starrt Odin an. Odin starrt zurück. Mad Dog und Stella finden einander. Bomb und Titan ebenfalls. Vier Paarungen. Vier Geschichten. Ein Schlachtfeld.


Pete: „Wir reden die ganze Zeit über die Regeln. Über die Käfige. Über die Waffen. Über dieses mittelalterliche Wahnsinnskonstrukt.“

Sven: „Aber?“

Pete: „Man darf dabei nicht vergessen, wer hier drin steht.“

Sven: „Nein. Das sollte man wirklich nicht.“


Zereo hebt eine Faust. Die Fans antworten. Thor richtet sich vollständig auf. Odin kommt aus seiner Ecke. T’n’B stehen wieder nebeneinander. Mad Stars ebenso. Morbeus wischt sich über den Mund. Niemand ist fertig. Aber jetzt haben alle verstanden, was diese Festung kann. Und damit wird sie im nächsten Teil dieses Krieges nur noch gefährlicher. Die ersten neun Akte haben aus Burg Satzvey ein Schlachtfeld gemacht. Jetzt beginnt sich dieses Schlachtfeld aufzuteilen. Nicht durch Regeln. Nicht durch Bob Taylor. Nicht durch irgendeine Anweisung von außen. Sondern weil acht Wrestler langsam begreifen, mit wem sie diesen Krieg zu Ende bringen wollen. Zereo Killer zieht sich am Käfig hoch. Thor steht auf der anderen Seite bereits wieder. Ihre Blicke treffen sich. Und diesmal schaut keiner von beiden irgendwo anders hin.


Nicht zu den Tag Team Championships.

Nicht zu den Kerkern.

Nicht zu den anderen sechs Wrestlern.

Nur zueinander.


Pete: „Ich glaube, für diese beiden existiert das eigentliche Match überhaupt nicht mehr.“

Sven: „Doch. Sie haben nur ihre eigene Siegbedingung.“

Pete: „Und die wäre?“

Sven: „Der andere steht nicht mehr auf.“


Thor geht los. Zereo ebenfalls. Sie treffen sich mitten zwischen den beiden Ringen. Und prügeln sich. Odin und Morbeus dagegen brauchen zunächst überhaupt keinen Schlag mehr. Sie stehen sich im zweiten Ring gegenüber.


Beide gezeichnet.

Beide schwer atmend.


Morbeus wischt sich über den Mund. Odin richtet seine schwarze Lederkleidung, soweit das nach diesem Kampf überhaupt noch möglich ist. Morbeus lächelt. Odin nicht. Dann greifen beide gleichzeitig an. Morbeus trifft zuerst. Odin antwortet.


Forearm.

Forearm.

Headbutt von Odin.


Morbeus taumelt in die Seile. Odin nimmt Anlauf und kommt mit voller Wucht. Morbeus zieht das oberste Seil herunter. Odin fliegt darüber, fängt sich aber zwischen Ring und Käfig ab. Morbeus folgt. Odin dreht sich.


Zu spät.


Morbeus greift ihn und rammt ihn mit einem harten Manöver gegen die hölzerne Einfassung eines der Kerker.


KRACH!


Odin sackt zusammen. Die Zuschauer reagieren laut. Morbeus bleibt über ihm stehen. Er könnte nachsetzen. Tut er aber nicht. Stattdessen sieht er zur geöffneten Kerkertür. Dann zu Odin. Morbeus geht hinein.


Pete: „Was macht er denn jetzt?!“

Sven: „Keine Ahnung.“


Morbeus dreht sich im Kerker um. Und breitet die Arme aus. Odin hebt langsam den Kopf. Morbeus schlägt gegen die steinerne Wand neben sich. Er zeigt auf den Boden des Kerkers.


Pete: „Der ist vollkommen wahnsinnig.“

Sven: „Jetzt gefällt er mir.“


Odin richtet sich auf. Sein Blick fällt auf die offene Tür. Dann auf Morbeus. Einige Sekunden passiert nichts Schließlich geht Odin los. Langsam. Morbeus grinst. Odin betritt den Kerker. Morbeus greift nach der Tür.


KLONG.


Er zieht sie hinter Odin zu.


Pete: „DIE HABEN SICH SELBST EINGESPERRT!“

Sven: „Nein. Morbeus hat beide eingesperrt.“

Pete: „Warum?!“


Im Inneren des Kerkers geht Odin auf Morbeus zu. Morbeus hebt die Fäuste. Dann schlagen beide wieder zu. Der Kerker wird zu ihrer eigenen kleinen Arena.


Kein Entkommen.

Keine Ablenkung.

Odin gegen Morbeus.

Bis einer nicht mehr kann.


Thor hat Zereo inzwischen genau dorthin getrieben, wo er ihn haben will. Weg von allen anderen. Durch den ersten Ring. Über den Apron. An der Käfigwand entlang. Thor schleudert Zereo gegen eine Stahlstrebe. Zereo schlägt hart dagegen. Thor folgt. Knie in den Bauch. Noch eines. Er packt Zereo am Nacken und drückt dessen Gesicht gegen das Gitter. Zereo rammt ihm den Ellbogen entgegen. Thor lässt los. Zereo dreht sich.


SUPERKICK!


Thor taumelt. Zereo sieht nach oben. Eine der seitlichen Konstruktionen führt zur oberen Ebene. Er klettert. Thor folgt ihm. Natürlich.


Pete: „Zereo versucht nicht einmal, Thor abzuschütteln.“

Sven: „Warum sollte er? Er will ihn da oben haben.“


Zereo erreicht eine Querstrebe. Thor steigt hinterher. Zereo tritt nach ihm. Thor bekommt den Fuß zu fassen. Zereo hängt kurz nur noch mit den Händen am Stahl. Thor zieht. Zereo schwingt seinen Körper herum und tritt Thor mit dem freien Bein gegen den Kopf. Thor verliert den Griff. Er fällt auf die darunterliegende Plattform. Zereo zieht sich hoch. Jetzt steht er mehrere Meter über Thor. Er schaut hinunter. Die Fans begreifen es.


Pete: „Nein.“


Zereo dreht Thor den Rücken zu.


Sven: „Doch.“


Zereo springt. Rückwärts. Eine vollständige Rotation.


REVERSE 450 SPLASH!


Er schlägt auf Thor ein. Die Konstruktion bebt. Die Fans explodieren.


Pete: „REVERSE FOUR-FIFTY! VON DER KONSTRUKTION!“


Zereo rollt nach dem Aufprall zur Seite. Thor bewegt sich nicht. Zereo schon. Langsam kommt er auf die Knie. Dann auf die Füße. Er steht über Thor. Blutverschmiert. Vollkommen erschöpft. Aber er steht.


Pete: „Das könnte es gewesen sein. Thor bewegt sich nicht!“


Zereo blickt auf seinen Gegner hinunter. Und für einen Moment sieht es tatsächlich so aus, als hätte Zereo Killer den Mann bezwungen, der ihn seit Wochen verfolgt. Als hätte er den Krieg zwischen ihnen gewonnen. Zereo hebt die Arme. Die Fans feiern. Doch Bob Taylor zählt nicht.


Kein Pinfall.

Kein Sieg.


Thor müsste ausgeknockt oder eingesperrt werden. Zereo weiß es. Er schaut sich nach einer Möglichkeit um. Und genau diese wenigen Sekunden könnten noch entscheidend werden.


Weiter oben sind inzwischen vier andere Wrestler auf dem Weg zurück zu jenem Ort, an dem sich schon so viel verändert hat.


Tha Bomb. Titan.


Mad Dog.Stella Nova.


Die obere Ebene. Die Schandkörbe. Und zwischen ihnen liegen noch immer die beiden Tag Team Championship Gürtel von Zerbeus. Bomb und Mad Dog erreichen die Plattform fast gleichzeitig. Kein Wort. Mad Dog schlägt. Bomb blockt. Bomb antwortet. Mad Dog nimmt den Treffer. Noch einer. Mad Dog antwortet mit einem eigenen. Das ist kein wildes Prügeln mehr. Beide sind erschöpft genug, dass jeder Fehler zählt.Bomb greift nach Mad Dog, zieht ihn heran und schleudert ihn mit einem harten Suplex auf die Metallplattform.


Mad Dog schlägt auf.

Bomb hält ihn fest.

Hebt ihn erneut.

Mad Dog blockiert.

Knie in Bombs Bauch.


Mad Dog dreht sich heraus und schickt Bomb gegen eine Strebe.

Bomb federt zurück.

Mad Dog kommt.

Bomb fängt ihn.


SPINEBUSTER AUF DIE PLATTFORM!


Der Stahl dröhnt. Bomb bleibt auf den Knien sitzen. Bomb zeigt ihm an das er doch einfach liegen bleiben soll. Mad Dog rollt sich auf die Seite. Und kommt wieder hoch. Bomb schaut ihn verzweifelt an. Mad Dog schlägt zu. Bomb antwortet erneut. Die beiden wechseln harte Treffer, Clinches, Würfe und Konter, nutzen Geländer und Streben, ohne dass einer dauerhaft die Kontrolle bekommt.


Zwei Veteranen.


Zwei Männer, die längst verstanden haben, dass der andere nicht mit einem einzigen großen Move verschwinden wird. Wenige Meter daneben kämpfen Titan und Stella völlig anders.


Stella ist schneller.

Titan stärker.


Sie läuft über die Plattform, springt an einer Strebe hoch und kommt mit einem Kick zurück.


Titan kassiert.

Stella setzt nach.


Low Kick.

Noch einer.


Titan versucht sie zu greifen. Stella entkommt. Dann sieht Titan etwas. Stellas nackte Füße. Eine Marotte die ihr jetzt auf die Füße fallen könnte. Titan schaut zur Seite. Dort steht eines der mittelalterlichen Requisiten: ein kleiner Behälter mit theatralischem heißem Teer, Teil der absurden Belagerungslandschaft von Satzvey.


Pete: „Titan.“

Sven: „Hm.“

Pete: „Lass den Scheiß.“


Titan greift danach. Stella erkennt seine Absicht und tritt ihm gegen die Hand. Der Behälter fällt beinahe. Titan fängt ihn. Stella kommt erneut. Titan erwischt sie mit einem harten Schulterstoß.


Sie fällt.


Er nimmt eine kleine Menge des präparierten Teers und bringt ihn gezielt auf die bloßen Fußsohlen. Stella schreit auf und zieht die Beine weg.


Pete: „Das ist krank!“

Sven: „Es ist ausdrücklich Teil dieses Matches.“


Titan greift nach einem aufgerissenen Federkissen aus der mittelalterlichen Kulisse. Stella versucht aufzustehen. Titan schüttet die Federn darüber. Sie kleben sofort. Für einen Moment ist das Bild fast grotesk. Dann wird klar, warum Titan das getan hat. Stella versucht loszulaufen. Sie setzt den Fuß auf. Zuckt zurück. Ihr Tempo ist weg. Titan hat nicht versucht, sie mit dem Teer auszuschalten. Er hat ihre größte Waffe genommen. Ihre Beweglichkeit. Stella humpelt zurück. Titan geht langsam hinterher. Stella schaut ihn wütend an. Sie antwortet mit einer Ohrfeige.


Titan dreht den Kopf zur Seite.

Dann wieder zurück.

Titan grinst.

Und geht auf sie los.


Im Kerker kracht Morbeus gegen die Wand. Odin folgt ihm. Morbeus duckt sich unter dem nächsten Schlag weg und rammt Odin mit der Schulter gegen die gegenüberliegende Seite. Der ganze Kerker scheint zu beben. Keiner versucht die Tür zu öffnen. Keiner will hinaus.


Auf der Konstruktion liegt Thor noch immer. Zereo steht über ihm. Er greift nach seinem Arm. Will ihn bewegen. Vielleicht zum nächsten Kerker. Vielleicht zu einem Schandkorb. Thor reagiert nicht. Zereo zieht.


Nichts.


Pete: „Zereo muss ihn jetzt irgendwo einsperren oder sicherstellen, dass Thor wirklich ausgeknockt ist!“


Zereo zieht erneut. Dann öffnet Thor die Augen. Zereo sieht es. Zu spät. Thors Hand schließt sich um seinen Hals. Die Fans schreien auf. Doch Zereo tritt sofort gegen Thors Arm.


Einmal.

Zweimal.


Thor muss loslassen. Zereo springt zurück. Thor rollt sich auf die Seite. Kommt auf ein Knie. Zereo kann es nicht glauben.


Pete: „Nach diesem Reverse 450?!“


Thor hebt den Kopf. Blut. Schweiß. Und wieder dieses Grinsen. Zereo schüttelt langsam den Kopf. Fast ungläubig. Dann grinst er selbst. Thor richtet sich auf.


Vier Kämpfe.

Vier völlig unterschiedliche Geschichten.


Im Kerker haben Odin und Morbeus beschlossen, dass ihre Welt nur noch aus Stein, Eisen und dem jeweils anderen besteht.

Auf der Konstruktion haben Thor und Zereo Killer aufgehört, sich dafür zu interessieren, wo sie kämpfen.

Auf der oberen Ebene versucht Titan, Stella Nova ihre Geschwindigkeit zu nehmen.

Und wenige Meter daneben liefern sich Tha Bomb und Mad Dog einen Kampf, bei dem jeder Wurf, jeder Konter und jeder Aufprall schwerer wirkt als der vorherige.


Die Tag Team Championship Gürtel liegen zwischen ihnen.

Noch gehören sie Zerbeus.

Noch.


Denn nach den Regeln dieses Wahnsinns kann sich das ändern. Jederzeit.


Pete: „Ich glaube, wir kommen jetzt an den Punkt, an dem dieser Krieg entschieden wird.“

Sven: „Nein.“

Pete: „Nein?“

Sven: „Jetzt sorgen sie nur dafür, dass beim Finale keiner mehr frisch genug ist, um wegzulaufen.“


Oben schlägt Bomb Mad Dog.

Mad Dog schlägt zurück.

Titan greift nach Stella.

Sie tritt ihn weg.


Im Kerker kracht Odin gegen die Wand.

Morbeus kommt hinterher.

Thor und Zereo stehen wieder voreinander.

Und keiner von beiden weicht einen Zentimeter zurück.


Vier Duelle.

Acht Wrestler.

Keine Reserven mehr.

Das Finale nimmt Gestalt an.


Im Kerker gibt es keinen Jubel mehr. Keine Fans, die Odin oder Morbeus unmittelbar sehen können. Keine großen Gesten. Nur das dumpfe Echo zweier Körper, die immer wieder gegen Stein, Holz und Eisen schlagen.


Morbeus trifft Odin mit einem Forearm.

Odin antwortet.

Morbeus schlägt erneut.

Odin taumelt gegen die Wand.


Morbeus geht hinterher, rammt ihm das Knie in den Bauch und schleudert ihn gegen die Gittertür. Odin schlägt dagegen, sackt kurz herunter – und Morbeus erkennt seine Chance. Er deutet das Ende an. Er zieht Odin hoch.


Will nachsetzen. Odin lässt den Kopf hängen. Morbeus greift zu. Und genau darauf hat er gewartet. Odin rammt ihm den Daumen ins Auge.


Pete: „OH, KOMM SCHON!“


Morbeus schreit auf und greift sich ins Gesicht.


Sven: „No Disqualification.“

Pete: „Nach diesem ganzen Kampf braucht Odin das?!“

Sven: „Deswegen macht er es.“


Odin hat nicht mehr genug Kraft für Ehre. Also nimmt er etwas anderes. Er tritt Morbeus das Knie weg, greift ihn und hämmert ihn mit letzter Kraft gegen die massive Kerkerwand. Morbeus prallt zurück.


BONEBREAKER!


Morbeus schlägt auf dem Boden auf. Odin bleibt neben ihm liegen.Beide bewegen sich nicht. Sekunden vergehen. Dann hebt Odin einen Arm. Er greift nach einer Kette, die an der Innenseite des Kerkers befestigt ist. Zieht sich daran hoch. Ein Knie. Dann das zweite. Morbeus beginnt sich ebenfalls zu bewegen. Odin sieht es. Er schlingt die Kette um Morbeus’ Arm. Morbeus versucht sich zu wehren. Zu spät.


KLACK.


Der erste Verschluss sitzt. Morbeus schlägt mit der freien Hand nach ihm. Odin kassiert den Treffer. Greift trotzdem nach dem zweiten Arm. Morbeus wehrt sich. Odin bekommt einen Schlag ins Gesicht. Noch einen. Beim dritten sackt er fast zusammen. Aber er lässt nicht los.


KLACK.


Morbeus ist mit beiden Armen an die Innenseite des Kerkers gekettet. Er zieht daran. Odin taumelt vor ihm. Odin sieht ihn an. Morbeus schreit Odin an.


Odin geht tatsächlich noch einmal auf ihn zu.

Morbeus tritt.

Odin weicht aus.

Dann nimmt er den letzten Rest Kraft zusammen.


WAY TO WALHALLA!


Morbeus’ Körper erschlafft in den Ketten. Der Kopf sinkt nach vorne.


Pete: „Morbeus ist weg.“

Sven: „Gefesselt und ausgeknockt.“


Odin steht über ihm. Oder versucht es zumindest. Er muss sich an der Wand abstützen. Ein Schritt. Noch einer. An der Tür dreht er sich ein letztes Mal um. Morbeus hängt regungslos in seinen Fesseln. Dann schleppt der alte Gott sich aus dem Kerker.


Oben auf der Konstruktion führen Tha Bomb und Mad Dog inzwischen einen Kampf, der längst nichts mehr mit sauberem Wrestling zu tun haben dürfte. Und trotzdem ist es genau das.


Wrestling.

Auf höchstem Niveau.

Nur vollkommen zerstört.

Bomb trifft Mad Dog.

Mad Dog kontert.

Bomb greift.


THIS MIGHT KILL YOU!


Mad Dog schlägt auf der Plattform ein. Bomb fällt neben ihm auf die Knie.


Die Zuschauer buhen.


Bomb hebt mühsam den Kopf. Er muss Luft holen. Er zieht Mad Dog hoch. Doch der Night Fighter explodiert plötzlich.


ENTER NIGHT!


Jetzt liegt Bomb. Mad Dog ebenfalls.


Pete: „FINISHER GEGEN FINISHER!“


Keiner kann nachsetzen. Mad Dog kriecht. Bomb greift nach seinem Fuß. Mad Dog tritt ihn weg. Bomb zieht sich an einer Strebe hoch. Mad Dog ebenfalls. Beide sehen einander. Und gehen wieder los.


Bomb versucht erneut This Might Kill You.

Mad Dog kontert.

Mad Dog will Enter Night.


Bomb dreht sich heraus.


Forearm.


Headbutt.


Knie.


Konter.


Noch ein Konter.


Keiner hat genug Kraft, um die Sequenz sauber zu Ende zu bringen. Bis Mad Dog Bomb schließlich erwischt.


ENTER NIGHT!


Noch einmal. Bomb fällt rückwärts. Direkt in einen der geöffneten Schandkörbe. Mad Dog sieht ihn darin liegen. Dann die Tür. Er greift danach. Bombs Hand schießt heraus. Mad Dog schlägt sie weg. Bomb versucht aufzustehen. Mad Dog tritt gegen den Korb. Er bewegt sich. Mad Dog hält inne. Schaut über die Kante der oberen Konstruktion. Dann wieder zum Korb.


Pete: „Mad Dog.“

Sven: „Mach keinen Scheiß.“


Mad Dog nimmt Anlauf.


SPEAR!


Nicht gegen Bomb. Gegen den gesamten Schandkorb. Der schwere Käfig kippt. Bombs Augen werden groß. Der Schandkorb fällt von der Konstruktion.


KRACH!


Er schlägt auf der unteren Ebene ein. Metall verbiegt sich. Bomb wird darin herumgeschleudert. Dann Stille.


Pete: „BOMB!“


Mad Dog liegt oben am Rand der Plattform. Er schaut hinunter. Im Schandkorb bewegt sich Tha Bomb nicht mehr. Selbst Sven schweigt. Bob Taylor läuft sofort hin. Bomb reagiert nicht.


Pete: „Tha Bomb ist regungslos.“


Und genau in diesem Augenblick scheint The Apocrypha auseinanderzubrechen. Morbeus ist zwar gefesselt und ausgeknockt. Doch Odin kann kaum noch gehen. Bomb liegt regungslos in einem Schandkorb. Thor ist irgendwo mit Zereo Killer beschäftigt.


Damit bleibt Titan. Und Titan hat jetzt beide Mad Stars vor sich. Stella humpelt noch immer. Ihre bloßen Füße sind mit den Resten von Teer und Federn bedeckt. Mad Dog hält sich nach dem Spear die Schulter. Aber beide stehen. Titan auch. Mad Dog schlägt zuerst. Stella folgt. Titan antwortet.


Mad Dog von links.


Stella von rechts.


Titan greift Stella.


Mad Dog attackiert das Knie.


Titan geht auf ein Knie.


Stella tritt.


Mad Dog zieht ihn herunter. Gemeinsam schaffen sie es. Der große Mann fällt. Und wenige Meter entfernt steht die Streckbank.


Pete: „Nein.“


Mad Dog sieht sie. Stella ebenfalls. Titan auch.


Sven: „Steh auf, Titan.“


Die Mad Stars packen ihn. Titan wehrt sich. Aber selbst ein Powerhouse kann irgendwann nicht mehr. Sie schleppen ihn zur Streckbank. Zentimeter für Zentimeter. Mad Dog zieht. Stella drückt. Titan bekommt eine Hand an den Holzrahmen. Stella löst sie. Mad Dog bringt seinen Oberkörper auf die Bank.


Pete: „Wenn sie Titan dort fixieren, ist The Apocrypha praktisch erledigt!“


Ein Gurt schließt sich um Titans Arm. Dann—


KRACH!


Mad Dog geht zu Boden. Stella dreht sich um. Vor ihr steht eine Unbekannte Person. Schwarz gekleidet. Das Gesicht hinter einer Maske verborgen.


Pete: „WER ZUR HÖLLE IST DAS?!“


Stella schlägt sofort zu. Der Maskierte blockt. Ein harter Treffer. Stella taumelt. Mad Dog kommt wieder hoch. Der Maskierte fängt ihn ab und schleudert ihn gegen eine Strebe.


Sven: „Wo kommt der her?!“

Pete: „Das ist völlig egal! Der gehört nicht in dieses Match!“


Bob Taylor schreit den Eindringling an.


No Disqualification.


Er kann ihn nicht disqualifizieren. Er kann ihn nur auffordern zu verschwinden. Der Maskierte ignoriert ihn. Er öffnet Titans Gurt. Titan rollt von der Streckbank. Stella kommt erneut. Titan fängt sie jetzt selbst ab. Der Maskierte tritt zurück. Und verschwindet genauso schnell zwischen Stahl, Schatten und Chaos, wie er gekommen ist.


Keine Erklärung.

Kein Name.

Nur der Schaden bleibt.

Titan sitzt auf dem Boden.


Odin kommt schwankend aus dem Kerkerbereich. Beide sehen einander. Dann sehen sie den Schandkorb. Tha Bomb. Titan erreicht ihn zuerst. Er kniet sich daneben und schaut nach seinem Partner.


Keine Reaktion. Titan schlägt gegen das Gitter. Odin kommt dazu. Mad Dog versucht sich wieder aufzurichten. Stella ebenfalls. Titan öffnet die verbogene Tür. Er greift hinein. Zieht Bomb halb heraus. Odin kniet sich auf die andere Seite. Tha Bomb hängt zwischen ihnen. Titan schlägt ihm leicht gegen die Wange.


Nichts.


Odin betrachtet ihn. Dann spricht er nur ein Wort. Tha Bomb hustet. Die Fans buhen. Titan grinst. Bomb öffnet ein Auge. Er schaut zu Titan. Dann zu Odin. Bomb sieht ihn an und beginnt zu lachen. Es tut offensichtlich weh.


Aber er lebt.


Und plötzlich stehen wieder drei Mitglieder der Apocrypha. Mad Dog sieht es. Er weiß, was kommt. Trotzdem geht er nach vorne. Bomb kann kaum gerade stehen. Mad Dog schlägt. Bomb taumelt. Noch einer. Bomb geht fast wieder zu Boden. Titan will eingreifen. Bomb hebt die Hand.


Nein.


Mad Dog kommt.

Bomb fängt ihn.

Ein letzter Kraftakt.


THIS MIGHT KILL YOU!


Mad Dog wird getroffen. Bomb fällt fast mit ihm. Titan hält Bomb auf den Beinen. Odin öffnet den Schandkorb. Bomb schaut hinein. Dann zu Mad Dog. Er packt ihn. Gemeinsam befördern Bomb und Titan Mad Dog hinein. Die Tür fällt zu.


KLACK!


Bomb schiebt den Riegel vor. Mad Dog ist gefangen. Stella sieht ihren Partner verschwinden. Dann kommt Titan. Sie versucht auszuweichen. Ihre Füße machen nicht mehr mit. Titan bekommt sie. Stella schlägt. Tritt. Kratzt sich praktisch mit letzter Kraft frei. Bomb will helfen, doch er kann kaum noch laufen. Odin hält sich am Käfig. Titan muss es allein schaffen. Stella springt ihm entgegen. Titan fängt sie. Hebt sie hoch. Und dreht sich zur Streckbank. Stella begreift und schreit. Sie schlägt auf Titan ein.


Er hält sie.

Noch ein Treffer.

Titan schwankt.

Stella fast frei.

Titan sammelt den letzten Rest Kraft.



POWERBOMB


Stella schlägt hart auf der Streckbank auf. Sie bleibt liegen.


Pete: „Nein!“


Titan fällt daneben auf ein Knie. Bomb kommt humpelnd herüber. Odin ebenfalls. Gemeinsam schließen sie die schweren Fixierungen.


Eine.

Dann die nächste.


Stella kommt wieder zu sich. Sie zieht daran.


Keine Chance.


Mad Dog hämmert aus seinem Schandkorb gegen die Tür. Morbeus hängt ausgeknockt im Kerker. Stella ist auf der Streckbank fixiert.


Drei.


Und dann wird es plötzlich laut. Nicht wegen The Apocrypha. Wegen Zereo Killer. Er kommt zurück.


Blutüberströmt.

Erschöpft.

Thor folgt ihm.


Zereo will gerade erneut auf ihn losgehen.Dann sieht er Mad Dog im Schandkorb.

Er sieht Stella auf der Streckbank.

Er schaut zum Kerker und sieht Morbeus. Gefesselt. Regungslos.


Zereo bleibt stehen. Langsam dreht er den Kopf.


Tha Bomb steht da.

Titan.

Odin.

Und hinter ihm Thor.

Vier Männer.


Zereo Killer steht allein. Die Zuschauer beginnen seinen Namen zu rufen.


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


Zereo schließt kurz die Augen. Dann öffnet er sie.


Pete: „Geh nicht.“

Sven: „Er wird gehen.“

Pete: „Zereo, du kannst diesen Kampf nicht allein gewinnen!“


Zereo wischt sich das Blut aus dem Gesicht. Dann rennt er los. Direkt in alle vier. Die Burg explodiert. Er trifft Bomb. Superkick gegen Titan. Forearm gegen Odin. Thor greift nach ihm. Zereo schlägt sich frei. Bomb kommt zurück. Zereo schickt ihn zu Boden. Titan greift. Zereo kontert. Odin bekommt einen Kick. Für einen völlig absurden Moment funktioniert es.


Ein Mann gegen vier.

Und Zereo Killer kämpft.

Er kämpft für Mad Dog.

Für Stella.

Für Morbeus.


Vielleicht inzwischen einfach nur noch, weil er nicht anders kann. Dann bekommt Titan ihn.


POWERBOMB


Zereo schlägt auf. Die Fans verstummen kurz. Zereo bewegt sich. Er steht wieder auf. Odin kommt.


WAY TO WALHALLA!


Zereo fällt. Odin bleibt selbst auf den Knien. Zereo hebt den Kopf.


Pete: „Bleib liegen.“


Er steht wieder auf. Tha Bomb kann es nicht glauben. Bomb schüttelt den Kopf. Dann greift er zu.


THIS MIGHT KILL YOU!


Zereo schlägt ein. Bomb fällt danach selbst auf den Hintern. Zereo bewegt eine Hand. Bomb schaut zu Titan. Titan schaut zu Odin. Odin zu Thor. Zereo zieht ein Knie unter seinen Körper. Dann das zweite. Die Fans werden immer lauter.


„ZEREO! ZEREO! ZEREO!“


Er steht.

Nicht gerade.

Nicht stabil.

Aber er steht.

Thor tritt vor.


Zum ersten Mal greifen die anderen drei nicht ein. Das hier gehört ihm. Thor sieht Zereo an. Zereo kann kaum noch die Arme heben. Thor kommt näher. Zereo schlägt. Der Treffer hat fast keine Kraft mehr. Thor nimmt ihn. Zereo schlägt noch einmal. Thor packt ihn. Hebt ihn hoch. Powerbomb-Position.


Pete: „Thor…“


Thor dreht sich. Unter ihnen liegt der Ringboden. Darunter der Kerker.Zereo versucht sich noch einmal herauszuwinden.


Keine Chance.

Thor hebt ihn höher.

Und schaut ihm ins Gesicht. Dann…


POWERBOMB!


Zereo kracht durch den präparierten Teil des Ringbodens.


KRRRRAAAAAAACH!


Holz bricht. Die Matte reißt auf. Zereo verschwindet. Eine Staubwolke steigt aus dem Loch. Für mehrere Sekunden sieht niemand etwas. Pete sagt kein Wort. Sven auch nicht. Die Kamera wechselt in den Kerker. Dort hängt Morbeus noch immer mit den Armen in den Ketten. Sein Kopf ist nach vorne gesunken. Vor ihm liegen Trümmer. Dann fällt etwas zwischen ihnen herunter.


Zereo Killer.


Er schlägt auf dem Boden des Kerkers auf. Direkt vor seinem Partner. Regungslos. Morbeus reagiert zunächst nicht. Dann hebt er langsam den Kopf. Er sieht Zereo. Seine Augen werden groß. Morbeus zieht an seinen Ketten. Einmal. Noch einmal. Morbeus ruft seinen Namen.


Keine Antwort.



Oben stehen Tha Bomb, Titan und Odin am Loch im Ringboden. Thor direkt davor.


Vier Männer.

Völlig zerstört.

Aber stehend.


Mad Dog sitzt im Schandkorb. Stella Nova ist auf der Streckbank fixiert. Morbeus hängt angekettet im Kerker. Und vor ihm liegt Zereo Killer. Pete spricht schließlich. Sehr leise.


Pete: „Das war der Letzte.“


Im Kerker zieht Morbeus verzweifelt an seinen Fesseln.


Nichts.


Oben blickt Thor durch das Loch nach unten. Kein Grinsen mehr. Nur dieser kalte Blick.


Sven: „Dann fehlt nur noch eines.“


Bob Taylor bewegt sich langsam auf das Loch im Ringboden zu. Er schaut hinunter.


Zu Morbeus.

Zu Zereo.


Dann zurück zu The Apocrypha. Noch hat er keine Entscheidung getroffen. Noch ist dieser Krieg nicht offiziell vorbei. Aber zum ersten Mal sieht es so aus, als gäbe es für die andere Seite keinen Ausweg mehr.


Vier Gegner.

Einer eingesperrt.

Eine fixiert.

Einer angekettet und ausgeknockt.

Und der letzte durch den Ringboden in den Kerker geschlagen.


The Apocrypha steht.


Zerbeus und die Mad Stars nicht. Und irgendwo zwischen den Trümmern von Burg Satzvey wartet nur noch das Urteil. Stella Nova liegt noch immer auf der Streckbank. Titan steht neben ihr. Seine Hand liegt auf dem Rad. Langsam dreht er es weiter. Stella verzieht das Gesicht. Sie atmet schwer. Schweiß läuft über ihre Stirn. Aber sie gibt nicht auf.


Kein Abklopfen.

Kein Wort.

Keine Aufgabe.


Titan sieht sie an. Dann schüttelt er den Kopf. Stella hebt langsam den Kopf. Titan hält kurz inne. Dann lässt er das Rad los. Er packt Stella. Mit einem brutalen Ruck zieht er sie von der Streckbank. Titan hebt sie hoch. Und dann kracht sie durch den bereits beschädigten Boden.


POWERBOMB!


Das Holz bricht endgültig auseinander. Stella verschwindet durch das Loch. Unten im Kerker schlägt sie hart auf. Direkt neben Zereo Killer. Bob Taylor ist bereits dort. Er kniet neben Zereo.


Keine Reaktion.

Der Referee überprüft ihn.

Dann hört er plötzlich etwas.

Ein leises Keuchen.

Zereo bewegt sich.

Nur ein paar Zentimeter.

Seine Augen öffnen sich.


Er sieht Stella.

Sie liegt regungslos neben ihm.

Zereo blickt auf sie.


Dann nach oben.

Durch das Loch sieht er Titan.

Bomb.

Thor.

Odin.


Und über ihnen die Käfigkonstruktion. Er weiß genau, was passiert ist. Die Mad Stars waren Tag Team Champions. Dann kam der frühe Titelwechsel. Zereo hatte die Gürtel genommen. Zerbeus war Champion geworden. Und jetzt liegen die Gürtel irgendwo dort oben.


Aber Zereo will sie nicht.

Nicht für sich.

Nicht für Zerbeus.

Er will, dass Stella und Mad Dog sie wieder bekommen.

Zereo versucht sich aufzurichten.

Es gelingt ihm kaum.


Sein Körper versagt. Aber seine Hand bewegt sich. Langsam. Millimeter für Millimeter. Bis sie Stella erreicht. Er greift nach ihrem Arm. Stella reagiert nicht. Zereo zieht ihren Arm zu sich. Dann legt er ihren Arm auf seinen eigenen Oberkörper.


Bob Taylor sieht es und schaut fragend. Zereo bringt kaum noch einen Ton heraus. Aber er schafft es.


„Zähl.“


Bob Taylor blickt auf Zereo. Dann auf Stella. Dann wieder auf Zereo.


Er versteht.


Und plötzlich legt Zereo Stella noch einmal mit letzter Kraft richtig auf sich. Seine Augen schließen sich. Sein Körper erschlafft. Stella liegt regungslos auf ihm. Zereo ebenfalls. Bob Taylor zögert keine Sekunde.


Er zählt.

„EINS!“

Die Kamera schneidet nach oben.

Titan, Bomb, Thor und Odin sehen in den Kerker.

„ZWEI!“

Bomb versteht als Erster.

„DREI!“


Bob Taylor hebt den Arm von Stella Nova. Die Gürtel sind wieder im Besitz der Mad Stars. Für einen Moment sagt niemand etwas. Bob Taylor schaut auf Stella. Dann auf Zereo. Er prüft beide. Stella reagiert nicht. Zereo reagiert ebenfalls nicht. Der Referee hebt zunächst Stellas Arm.


Keine Reaktion.

Dann nimmt er Zereos Arm.

Er fällt sofort wieder zu Boden.

Beide sind ausgeknockt.


Bob Taylor erkennt, was Zereo gerade getan hat. Er wollte die Titel nicht behalten. Er wollte sie zurückgeben. Pete ist völlig außer sich.


Pete: „DAS IST UNGLAUBLICH!“

Sven schreit: „WAS MACHT ZEREO KILLER DA?!“

Pete: „ZEREO KILLER HAT SICH SELBST AUS DEM SPIEL GENOMMEN, DAMIT STELLA NOVA UND MAD DOG WIEDER CHAMPIONS SIND!“



Bob Taylor zählt weiter.

„VIER“

Stella bewegt sich nicht.

„FÜNF“

Titan starrt nach unten.

„SECHS“

Bomb schlägt mit der Faust gegen die Konstruktion.

„SIEBEN“

Mad Dog liegt weiterhin im Schandkorb.

„ACHT“

Regungslos.

„NEUN!“

Die Halle explodiert.

„ZEHN!“


Bob Taylor schlägt mit der Hand auf den Boden. Die Entscheidung ist gefallen. Oben im Käfig steht Tha Bomb regungslos. Titan sieht zu ihm. Beide wissen genau, was gerade passiert ist. Die Gürtel gehören ihnen nicht. Und sie gehören auch nicht mehr Zerbeus. Bomb schaut nach unten. T´n´B schütteln den Kopf. Bomb sieht wieder nach unten. Am Boden des Kerkers liegen Stella Nova und Zereo Killer bewusstlos nebeneinander. Bob Taylor steht über ihnen. Oben sitzt Mad Dog noch immer im Schandkorb. Morbeus hängt gefesselt im Kerker.


Die drei anderen Apocrypha-Mitglieder stehen noch immer. Aber etwas hat sich verändert. Die Gürtel sind wieder bei den Mad Stars. Und Zereo Killer hat dafür seinen letzten Funken Kraft geopfert. Bob Taylor richtet sich auf. Er blickt durch das zerstörte Ringfundament. Dann hebt er beide Arme und lässt die Glocke läuten.


Das WarGames-Match ist vorbei.


Sieger des Matches: The Apocrypha




Aber die Tag Team Championships gehören wieder Mad Dog und Stella Nova. Und während die Fans in Satzvey ihre neuen Champions feiern, bleibt Zereo Killer regungslos neben Stella liegen. Nicht als Champion. Sondern als der Mann, der dafür gesorgt hat, dass sie es wieder sein kann. Die letzten Bilder aus Satzvey laufen noch über die großen Videowände.


Zerstörte Ringböden.

Zerbrochenes Holz.

Ketten.

Blut.


Morbeus noch immer im Kerker.

Mad Dog im Schandkorb.

Stella Nova und Zereo Killer regungslos nebeneinander.


Und irgendwo dazwischen:

die beiden Tag-Team-Gürtel.

Wieder bei den Mad Stars.


Die Fans feiern. Dann betritt Al Spawn Simmons die Konstruktion.


Langsam.

Ohne Eile.

Schwarzer Anzug.

Violette Akzente.


Das Gesicht vollkommen ruhig. Hinter ihm erscheinen Tha Bomb, Titan, Thor und Odin. Die vier bleiben halten sich irgendwie auf den Beinen. Er schaut auf die Fans.


Nicht wütend.

Nicht enttäuscht.

Fast amüsiert.


Al Simmons: „Die Gürtel. Ihr redet über die Gürtel.“


Die Fans buhen. Simmons nickt langsam.


Al Simmons: „Ihr jubelt, weil Mad Dog und Stella Nova ihre kleinen goldenen Spielzeuge wiederhaben.“


Er blickt kurz zu den zerstörten Bildern von Satzvey.


Al Simmons: „Und vielleicht glaubt ihr deshalb, dass heute irgendjemand gewonnen hat.“


Simmons schüttelt den Kopf.


Al Simmons: „Ihr habt nichts verstanden.“


Er geht einen Schritt nach vorne.


Al Simmons: „Die Gürtel sind uns aktuell egal. Völlig egal.“


Simmons hebt eine Hand.


Al Simmons: „Denn heute ging es niemals um Gold.“


Er dreht sich langsam zu seinen vier Männern.


Titan.

Bomb.

Thor.

Odin.


Dann wieder zur Kamera.


Al Simmons: „Heute ging es darum, ob wir es können. Ob wir es wirklich tun. Zerstören.“


Die Fans buhen lauter.


Al Simmons: „Prüfen. Brechen. Und am Ende noch stehen.“


Er blickt hinter sich auf seine Männer.


Al Simmons: „Und genau das haben sie getan.“


Ein kurzer Blick zu Thor.


Al Simmons: „Wir haben gezeigt, dass wir zerstören wollen.“


Dann zu Odin.


Al Simmons: „Wir haben gezeigt, dass wir zerstören können.“


Zu Titan und Bomb.


Al Simmons: „Und wir haben gezeigt, dass es keinen Ort gibt, an dem wir damit aufhören müssen.“


Simmons tritt näher an die Kamera. Seine Stimme wird ruhiger.


Al Simmons: „Aber Satzvey…Satzvey war nur eine Burg. Eine Burg irgendwo im Nirgendwo.“


Die Halle buht. Simmons ignoriert es.


Al Simmons: „Es gibt eine Nacht, die größer ist. Eine Nacht, die wichtiger ist. Eine Nacht, die größer ist als diese Burg.“


Simmons schaut direkt in die Kamera.


Al Simmons: „Title Nights.“


Die Reaktion der Fans ist sofort gewaltig. Simmons nickt.


Al Simmons: „Dort geht es nicht mehr um eine Schlacht. Dort geht es um Macht.“


Hinter ihm tritt Tha Bomb einen Schritt nach vorne. Titan folgt. Thor bleibt regungslos. Odin steht daneben wie eine Statue.


Al Simmons: „Bei Title Nights will die Apocrypha alles. Nicht einen Gürtel. Nicht einen Sieg. Nicht einen einzelnen Gegner.“


Seine Stimme wird härter.


Al Simmons: „Alles.“


Dann dreht sich Simmons langsam zur Kamera.


Al Simmons: „Und deshalb ist dies eine offene Herausforderung.“


Die Fans werden lauter.


Al Simmons: „An jeden Einzelnen in dieser Liga, der glaubt, ein Problem mit uns zu haben. An jeden Wrestler. An jedes Team. An jeden, der glaubt, er könne sich uns in den Weg stellen.“


Simmons lächelt.


Al Simmons: „Kommt. Stellt euch vor uns. Sagt uns, dass wir falsch liegen. Sagt uns, dass ihr uns stoppen könnt.“


Er breitet die Arme aus.


Al Simmons: „Wir warten.“


Dann verändert sich sein Gesicht. Das Lächeln verschwindet.


Al Simmons: „Aber vor allem…“


Simmons blickt direkt in die Kamera.


Al Simmons: „…ist dies eine Warnung.“


Er lässt die Worte wirken.


Al Simmons: „An jeden Titelträger der GFCW. Ihr tragt eure Gürtel nicht länger als Auszeichnung. Ihr tragt sie als Ziel.“


Hinter Simmons treten Bomb und Titan nebeneinander. Thor verschränkt langsam die Arme. Odin steht unbeweglich daneben.


Al Simmons: „Jeder Champion. Jeder Gürtel. Jeder Titel. Jeder einzelne von euch. Ihr könnt eure Gürtel behalten.“


Kurze Pause.


Al Simmons: „Bis Title Nights.“


Simmons lächelt wieder. Diesmal kalt.


Al Simmons: „Denn dort holen wir sie uns.“


Die Fans explodieren.


Al Simmons: „Der Krieg gegen jeden, der sich gegen die Apocrypha stellt…“


Er macht einen Schritt nach vorne.


Al Simmons: „…hat begonnen. Und bei Title Nights…“


Simmons breitet langsam die Arme aus.


Al Simmons: „…übernimmt die Apocrypha die Macht.“


Ein Moment völliger Stille. Dann:


Al Simmons: „Und deshalb, Claude Dynamite…“


Sein Blick wird eiskalt.


Al Simmons: „…bist du unser nächstes Ziel. Nicht irgendein Titel. Nicht irgendein Match. Nicht irgendein Mann.“


Er zeigt direkt in die Kamera.


Al Simmons: „Du.“


Kurze Pause.


Al Simmons: „Und die größte Show des Jahres.“


Simmons dreht sich zu seinen Männern. Dann wieder zurück.


Al Simmons: „Title Nights.“


Er lächelt.


Al Simmons: „Wir sehen uns dort.“


Eine Sekunde.


Al Simmons: „Alle.“


Dann wird die Halle schwarz.


Auf der Videowand erscheint:


THE APOCRYPHA


TITLE NIGHTS


AN JEDEN CHAMPION.


AN JEDEN, DER UNS STOPPEN WILL.


WIR SIND DAS FUNDAMENT.



Ein Mann sitzt in seinem Büro, die Klimaanlage funktioniert nicht.

Ein Heuballen fliegt durch den stickigen, spärlich beleuchteten Raum

Schnell schnappt er sich ein Erfrischungsgetränk, doch das scheint ihm nicht zu schmecken.

Der sichtlich verärgerte Mann wirft die Flasche in den Mülleimer und schaut sich um.


Er sieht eine Coca Cola Zero Dose.

Mit einem Zisch wird diese geöffnet.


„WOW, DAS IST EINE TOLLE COLA! DOCH IRGENDETWAS IST DARAN ANDERS!“


Der Bürohengst schaut sich die Dose genauer an.


„WHOA! WAS STEHT DENN DA!?“


Er hält die Dose in die Kamera und liest laut vor.


ZEREO COLA? WAS IST DAS!?!?


Plötzlich befindet sich Zereo Killer im Bild.

Mit seinem zahnpastaweißen Lächeln präsentiert er das neue Getränk.


DAS IST ZEREO COLA!!!


0% ZUCKER,

ZEREO GESCHMACK!!!


Im Anschluss steht der Bürohengst neben Zereo Killer, der ihn in den Arm genommen hat. Beide erheben den Zeigefinger und der Bürohengst sagt.


ZEREO COLA?

WOW!

DAS NENNE ICH GESCHMACK!




Als Monicas Musik einsetzt, werden ein paar „Oink“ Rufe laut, aber im Großen und Ganzen ist es wie so oft in Matches der Leopardin aus Long Island. Die GFCW Galaxy mag sie und ihr Stoffschwein, man schätzt sie und doch will man sie verlieren sehen, weil man ihren Gegner mehr mag. So war es gegen The End, so war es gegen Ask Skógur, ja selbst ein Mike Müller bekam letztlich Zuspruch gegen die rosarot bezopfte Schweinehirtin.

Doch das stört Monica Shade nicht sonderlich.

Was Monica stört, das sind die vielen Plakate, in denen der Zacidog gepriesen wird. Ein Publikum, das Hunde statt Schweine unterstützt. Oder eben Hunde statt Wildkatzen. Das ist keine Frage der wrestlerischen Präferenz mehr, sondern eine Frage der tierischen Präferenz und wenn man sieht wie Monicas violette Katzenaugen sich beim Anblick von Zacidog-Plakaten verfinstern, dann wird klar, wie persönlich sie das Ganze nimmt.

Wie üblich platziert Monica ihre „Strategin“ aus Stoff auf einem mit Kissen gemütlich gemachten Stuhl nahe des Kommentatorenpultes, in der Erwartung, dass Lady Rosi dort sicher ist.

Zwei Mal war sie das mittlerweile nicht und Vergeltung gegen die Luxembirdies steht ganz sicher weit oben in der Liste der Dinge, die Monica in der näheren Zukunft machen möchte. Doch jetzt im Moment will sie natürlich etwas anderes: Intercontinental Champion werden.


Pete: „Alle sind vor Ort, das Match kann dann gleich starten – nachdem wir ja bereits wissen, welche Matchart es überhaupt gibt. Es standen ja drei zur Auswahl und die GFCW Galaxy durfte abstimmen, was es gibt!“

Sven: „Ich hoffte so sehr auf Banner Bash, weil ich dachte, du würdest versehentlich angekokelt.“

Pete: „Sollte ich brennen, springe ich in deine Arme!“

Sven: „Ne, lass mal, das ist der Job von deiner Mutter. Schauen wir noch mal, welches Ergebnis es bei der Abstimmung gab.“


Banner Bash: 4%
Fortress Frenzy: 77%
Burggraben-Match 19%


Na, da waren die Fans sich ja ziemlich einig, was sie sehen wollen. Die Flaggen auf der Burgmauer atmen auf, die Brandschutzbeauftragten entspannen sich und irgendwo Backstage fühlt sich Milly Vermillion persönlich beleidigt. Doch all das ist nun sekundär. Die Augen wandern zum Burgtor, wo zentral eine Vorrichtung ist, um eine Flagge anzuhängen. Links vom Burgtor ruht eine Schweineflagge, während rechts vom Burgtor eine Hundeflagge darauf wartet im Wind zu wehen. Womit das Match auch etwas zum verkappten Leitermatch wird, da die Vorrichtung doch etwas zu hoch eingerichtet ist, als dass Zac und Monica das Ganze aus dem Stand machen könnten. Allzu hoch müssten sie nicht klettern und man darf vermuten, dass Idunn Jörmungandr es sogar aus dem Stand könnte, aber Zac Alonso ist mit seinen 1,82 nicht groß genug und Monica mit knapp unter 1,70 erst recht nicht.

...doch die Blicke wandern rasch zurück gen Ring, hier wird das Match ja nun einmal starten, auch wenn es am Burgtor enden wird. Das dürfte noch ein ganzen Weilchen hin sein, aber das macht es nicht unwichtig, was hier jetzt im Ring geschieht, ganz im Gegenteil. Jede Aktion gegen den Arm jetzt kann später das Hissen der Flagge erschweren. Jede Aktion gegen die Beine die Standfestigkeit beeinträchtigen oder die Chance zum Gegner zu sprinten oder die Leiter zu erklimmen. Und ein kaputter Rücken ist auch immer Scheiße und erschwert alles, von einem angeknockten Schädel ganz zu schweigen.



Die Interviewwand.

Tammy.

Neben ihr: ein Schwein aus Stoff in den Armen einer rosarot bezopften Frau, die wenig überraschend nicht aus Stoff ist. Auch nicht aus Gummi, eine verpasste Geschäftsidee der Lerbitz Performance Group Gummi-Monicas oder Monica & Lady Rosi Bettbezüge zu produzieren. Letztere soll es aber im WFW Fanshop geben. Doch WFW ist heute kein Thema für die Frau, die in dieser Promotion alles gewonnen hat, was man im Einzelwettbewerb gewinnen kann. Für Monica Shade zählt im Moment ausschließlich GFCW und ganz besonders in diesem spezifischen Moment.


Tammy: „Monica, Lady Rosi. Gleich ist es soweit und es geht um den Intercontinental Title. Irgendwelche letzte Gedanken vor dem Match? Hoffnung auf eine bestimmte Matchart?“


Die Leopardin aus Long Island streichelt sachte ihr Stoffschwein. Nervosität? Fehlanzeige, sie ist die Ruhe in Person.


Monica Shade: „Eigentlich hab ich keine großen Gedanken. Ich meine… ursprünglich wollte ich mich Zac Alonso stellen, um herauszufinden, ob er sich seit seiner Zeit beim Switziverse wirklich zum Besseren gewandelt hat und nachdem er bei unserem Gespräch in Barcelona so unfassbar mies war, da war ich mir sicher meine Antwort zu haben.“


Tammy sieht etwas enttäuscht aus.

Keins News für sie. Aber Monica schickt sich an weiterzureden, also kann sie auch einfach das Mikrofon hinhalten und zuhören. Vielleicht ergibt sich ja doch noch was.


Monica Shade: „Sich darüber kaputtzulachen, dass Lady Rosi etwas von einem leckeren Schwein hören musste, nachdem er selbst in Barcelona bereits meine sein Köter würde Lady Rosi lecker finden, passte da wunderbar ins Bild, das wir von ihm hatten.“


Sie knuddelt Lady Rosi kurz, als ob durch diese Geste die schlimme Erinnerung des Stoffschweins erträglich werden würde.


Monica Shade: „Aber er war da insgesamt dennoch weniger übel, als ich erwartet hatte und in unserem Match gegen die nun wirklich absolut üblen Luxembirdies war er soweit in Ordnung. Ich habe zumindest bei ihm nicht viel in Sachen Bosheit oder charakterlichen Mängeln feststellen können. Ganz im Gegensatz zu diesen vermaledeiten Luxembirdies.“


Lady Rosi beginnt in Monicas Arm zu beben, als sie über Sandro und die beiden Luxemburger auf Probe spricht.


Tammy: „Klingt so, als hättest du sehr wohl viele Gedanken vor dem Match!“


Nur leider keine News.


Monica Shade: „Nein, hab ich nicht. Weil ich nun nicht länger spekulieren muss. Ich werde im direkten Zweikampf mit Zac lernen, was für ein Mensch er wirklich ist, ergo gibt es da nicht viel nachzudenken. Und über unsere GFCW Zukunft gibt es auch nichts mehr nachzudenken, nun wo ich einen Vertrag habe. Im Moment ist alles so klar wie selten zuvor und was noch unklar ist, wird sich gleich im Match klären.“


Monica reckt und streckt sich noch mal, ein letztes Stretching vor dem Match. Komplett ruhig. Gelassen. Selbstbewusst.


Monica Shade: „In Sachen Regeln ist es mir eigentlich egal, ob es Fortress Frenzy oder das Burggraben-Match wird. Hauptsache ich muss nichts abfackeln, anders als Milly hab ich da nämlich keinen Spaß dran. Solange es also nicht der Banner Bash wird, bin ich zufrieden.“


Tammy nickt verstehend, aber in erster Linie interessiert sie genau ein Satz, den Monica gesagt hat.


Tammy: „Nur um das festgehalten zu haben: du sagst über die GFCW Zukunft von dir und Lady Rosi musst du nicht mehr nachdenken, nun wo du einen Vertrag hast. Ihr bleibt GFCW also sicher nach Title Night erhalten?“


Monica schickt sich an zu nicken, hält dann aber betrübt inne.


Monica Shade: „Echte Sicherheiten gibt es im Wrestling leider nicht, die jüngere Vergangenheit hat das auf tragische Weise aufgezeigt.“


Augen schließen.

Ein Mal tief durchatmen.

Augen wieder öffnen.


Monica Shade: „Die Absicht ist aber auf jeden Fall da auch nach Title Night weiter bei GFCW zu wrestlen, klar. Zum einen hab ich ja jetzt diesen GFCW Vertrag, wo es gilt etwas für sein Geld zu machen und zum anderen werde ich nach der heutigen Nacht GFCW Intercontinental Champion sein. Auch wenn ich unverändert denke, dass dieser Titel eigentlich dazu da sein sollte, um aufstrebenden Leuten die Chance zu geben sich zu beweisen und nicht dazu da sein sollte, dass World Title Contender wie ich ihn halten… als Champion wird es meine Aufgabe sein den Titelgewinn möglichst schwer zu machen und das kann dann aus offensichtlichen Gründen leicht dazu führen, dass ich den Titel sehr, sehr lange halten werde. Hat ja niemand einen Koffer, der jederzeit eingesetzt werden kann.“


Einen Koffer nicht, aber...


Tammy: „Alles klar! Das Match geht gleich los, danke für das Interview! Ich würde dir viel Glück wünschen, aber ich muss unparteiisch sein, du verstehst.“


Monica gibt ihr zwinkernd den Daumen nach oben.


Monica Shade: „Kein Ding. Glück werde ich gegen Zac eh nicht brauchen und wenn doch, hab ich das schweinifizierte Glück ja bei mir. Wie ich zu sagen pflege: wer immer Schwein hat… hat immer Schwein.“


GFCW Intercontinental Title:
Fan's Choice-Match (die GFCW-Galaxy kann zwischen drei Matcharten abstimmen)
Zac Alonso (c) vs. Monica Shade
Referee: Jack Bobo

Jack Bobo erklärt das Match für eröffnet und beginnt sich in den Hintergrund zu verabschieden. Viel zu tun hat er ja nicht, solange es nichts zu zählen gibt und das einzige zum Anzählen sind die zehn Sekunden, welche die Flagge am Burgtor verweilen muss, damit das Match als gewonnen gilt. Genauso kann man gewinnen und nicht anders. Die Flagge muss nicht nur aufgehangen werden, sie muss auch für satte zehn Sekunden hängen bleiben.

Und das ist im Wrestling mitunter eine verdammt lange Zeit.

Natürlich könnte auch ein medizinischer Notfall eintreten, der den Abbruch des Matches unabdingbar macht, aber von diesem Szenario wollen wir mal nicht ausgehen. Wrestling ist nicht Ballett und sogar da kann mal was passieren, doch darf man guter Dinge sein, dass dieses Match regulär enden wird. Mit dem Triumph des Hundes über die Sau oder umgekehrt.

In Sachen Größe und Masse ist Zac wie schon dargestellt im Vorteil, doch geht es um die reine Körperkraft ist Monica alles andere als unterlegen. Das zeigt sich sehr rasch im ersten Lock Up, wo beide ihre Kraft austesten und ein erstes Gefühl füreinander bekommen wollen. Es geht zunächst weder vor noch zurück, doch nach und nach beginnt Monica den Kalifornier zurück in die Ringecke zu drängen. Zac ist eher für seine Kicks und Schnelligkeit bekannt als für Power, während Monica sehr wohl dafür bekannt ist Gegnerinnen mit ihrer Kombi aus Agilität und Stärke zu überwältigen. Bei GFCW kann sie das nur oft nicht so machen, weil viele GFCW Wrestler richtig groß oder schwer sind, wenn nicht beides.

Zac ist beides nicht und hat auch nicht die natürliche Intensität eines Ask Skógur. So gibt es nur wenige Aktionen, die sie gegen ihn nicht zeigen kann. Zunächst aber löst sich Monica fair von Zac aus der Ringecke, ehe sie sich selbst dabei ertappt, dass dies unnötig war. Disqualifikationen gibt es in diesem Match ja nicht, ergo auch kein Anzählen in der Ringecke. Zac nickt vor sich hin, mehr zu sich selbst. Überrascht ist er nicht und doch sieht man ihm an, dass er es bevorzugt hätte, wenn Monica nicht tatsächlich so stark wäre, wie er es sich vorab ausgemalt hat, dass sie es sein könnte.

Grund genug für ihn keinen weiteren Lock Up mehr zu suchen und stattdessen Monicas Versuch einen genau solchen wieder zu zeigen per schnellem Armdrag kontert. Beide schnellen wieder hoch und so kann Zac noch einen Armdrag zeigen und nachdem beide erneut wieder hochschnellen entgeht Monica nur dank instinktivem Rückwärtsgang einem Roundhouse Kick.

Monica verzieht kurz die Miene, nun ist sie diejenige, die sich eingestehen muss, dass Zac genauso fix ist, wie er wirkt. Ihre eigene Körperbeherrschung ist ja auch recht gut und sie kann ein gutes bisschen Bodenturnen, doch geht es um Schnelligkeit ist Zac ihr klar überlegen, sie muss es also langsam und besonnen angehen, ansonsten werden diese Armdrags nicht die einzigen Konter bleiben.

Monica wartet nun also mehr ab und wenn sich eine Öffnung bietet, schnellt ihre Hand zum Chop nach vorn, der auf Zacs Brust ordentlich klatscht und rasch rote Abdrücke hinterlässt. Zac wiederum kann einige schnelle Tritte landen und Monica in einen Side Headlock nehmen, den er nach einem Takedown am Boden weiter halten will. Monicas Beinpartie sucht und findet jedoch seinen Hals und ehe er es zulässt, dass ihm die Luft angedrückt wird, lässt Zac lieber los und läuft gen seile, um per Huracanrana aus dem Lauf selber mit seiner Beinpartie Schere zu spielen. Monica ist für diese Papier und nicht Stein, soll heißen: sie wird mit Tempo auf die Matte geschickt. Sie rollt sich aber über den Boden ab gen Seile und ist rasch wieder hoch.


Pete: „Beide können erste Nadelstiche setzen ohne dass dabei eine vorteilhafte Position dabei herauskäme.“

Sven: „Anders gesagt hat Monica einmal mehr einen angeblichen Klassenunterschied heraufbeschworen, den es eigentlich gar nicht gibt.“

Pete: „Abwarten. Monica ist mittlerweile um die 9 Jahre im Ring aktiv, während Zac vor seinem GFCW Debüt im letzten Jahr versucht hat hauptberuflich Schauspieler zu sein. Das heißt nicht, dass Zac erst da mit Wrestling angefangen hat, aber Monica hat dennoch weit mehr Erfahrung, auch wenn Zac in seiner Zeit hier bei GFCW in kurzer Zeit viel erlebt und unter großem Druck Großes geleistet hat.“

Sven: „Zugegeben, gegen ALDO NERO hat Monica letztes Jahr nicht schlecht ausgesehen, auch wenn ALDO NERO sie am Ende natürlich trotzdem besiegt hat, so wie er auch gleich den Main Event gewinnen wird! Je früher diese beiden fertig werden, desto früher dürfen wir ALDO NEROs erneuten Eroberung beiwohnen.“


Im Moment haben beide Kontrahenten wenig Eile, um fertig zu werden. Zac umrundet Monica wie auf der Pirsch und tritt ab und an schnell zu, ist aber auf der Hut vor Gegenschlägen. Als er dann doch nach vorne spurtet, um einen Dropkick aus dem Lauf zu zeigen, weicht Monica allerdings aus, nimmt ihn sofort am Boden in einen Waistlock und versucht ihren Deadlift German Suplex. Doch dann besinnt sie sich eines Besseren. Sie konnte Ask nicht per Deadlift hochheben und so viel kleiner und leichter als Ask ist Zac nun auch nicht. Noch dazu würde ihr selbst ein erfolgreicher Deadlift German nicht viel bringen, eine Brücke ins Cover ist in diesem Match ja in etwa so effektiv wie Stacheldraht gegen Luna Rosario. Es hat etwas Wirkung, aber um zu gewinnen braucht es viel mehr. Daher macht Monica lieber etwas anderes:

Ansatz zum halben Boston!

Und der gelingt auch! Zacs linkes Bein wird verdreht, sein Rücken überdehnt, das ist genau die Art von Aktion, die in dieser Art von Match vorentscheidend sein kann und genau deshalb schickt sich Zac an rasch aus dem Griff zu entkommen. Da sind die Seile! Er greift rein und… realisiert, dass ihn das nicht rettet. Wo keine DQ, da kein Anzählen, so viel hatten wir schon zu Matchbeginn begriffen. Instinkte halt.

Zac überlegt angestrengt, während Monica ihn peinigt, die Fans jubeln ihm zu und auch der Zacidog lässt ein aufmunterndes „Wau“ hören. Davon motiviert reißt Zac Monica das Standbein weg und kann die Aktion umdrehen… oder auch nicht. Monica ist keine Mattenspezialistin, tatsächlich ist sie auf der Matte nicht mal mittelmäßig, aber komplett hilflos ist sie auch nicht. Sie windet sich und kontert per Small Package… das natürlich zu nichts führt. Aber um Zacs Griffversuch zu blocken reicht es allemal.

Beide gehen auseinander, kommen wieder hoch und während Monica wieder steht, knickt Zac weg!


Backflip Kick!


Monicas Stiefelsohlen treffen Zac unter dem Kinn und der Champion wird auf die Matte geknockt! Monica blickt kurz in Richtung Burgmauer und wägt ab – sollte sie einen Sprint versuchen? Für und wider werden abgewogen und sie bleibt im Ring, Zacs linkes Bein wird abermals gepackt: Kneebar! Ehe es den Sprint gibt, will Monica sicherstellen, dass Zac ihr nicht hinterherlaufen kann, sind beide fit ist er schließlich schneller als sie. Ergo gilt es Zac auszubremsen. Der rollt aber gut zur Seite und nutzt sein freies Bein, um Monica wieder und wieder zu treten, was diese dann auf Dauer doch nicht so angenehm findet. Ergo löst sie und bedenkt Zac mit ein paar Stomps, doch als sie erneut zum Kneebar ansetzen will, macht Zac plötzlich einen Handstand, schlingt seine Beine um Monicas Kopf und vollzieht eine Headscissor! Der Schwung lässt Monica mit den Beinen gegen eine der Ringecken knallen, womit nun auch sie ein bisschen was an Standhaftigkeit einbüßt.

Zac nutzt den kurzen Moment, um durchzuatmen und sich ein bisschen den Schmerz aus dem Bein zu stretchen, dann knockt er die aufstehende Monica per Carthwheel Kick in die Ringecke und stellt sich auf die zweite Etage der Seile! Es gibt was zum mitzählen!

10 Punches!

Nein, sogar derer zwölf!

Dann hakt er Monicas Kopf ein und stößt sich nach hinten ab zu einem Tornado DDT!

In einem regulären Match wäre das nun eine günstige Gelegenheit für ein Cover oder eine Kletterpartie die Ringecke hoch für die Movie Star Bomb, aber über die Nutzlosigkeit des einen haben mir mittlerweile ausgiebig gesprochen und das andere wäre bei seinem angeschlagenen Bein eine sehr riskante Kletterpartie wo hohes Risiko wenig Gewinn entgegenstünde. Seine Movie Star Bomb würde Monica sicherlich für drei Sekunden ruhigstellen, wenn sie trifft, aber kaum langfristig für den Rest des Matches schwächen.

Also setzt auch er zu einer Aktion an, die zur Basis des Wrestlings gehört: dem regulären Boston Crab, der auch gerne mal doppelter Boston genannt wird, um zu verdeutlichen, dass beide Beine gegriffen werden, auch wenn das mathematisch herzlich wenig Sinn macht. Aber Mathematik macht ja eh gerne mal keinen Sinn. Drei Drittel sind ein Ganzes, aber versucht man ein Drittel in einer Zahl auszudrücken, braucht man einen Behelf, weil es rechnerisch sonst nicht hinkommt. Und also muss Mathematik auch hier keinen Sinn machen. Egal ob Boston, Double Boston oder sogar Walls, der Name ändert nichts am Move an sich, mit dem Zac nun Monica verbiegen will.

Doch Monicas Physis wird in diesem Moment vom Nachteil zum Vorteil. Wo bei Zac seine Muskeln und sein Gewicht gegen ihn gearbeitet haben ist nun Monicas vergleichsweise schmalere Statur und ihre gymnastische Biegsamkeit ein Vorteil. Es ist nicht so, dass die Aktion komplett schmerzlos an ihr vorübergeht, aber weil Zac auch nur so halb weiß, wie man den Griff richtig ansetzt, geht doch eine Menge möglicher Effektivität flöten. Als wäre das nicht genug, windet sich Monica so, dass sie mit Ellbogenstößen Zacs eh schon schmerzendes Bein treffen kann – womit Zac nun derjenige ist, der sogar mehr Schaden nimmt. Rasch lässt Zac los, humpelt zur Seite, klatscht sich aufs Bein, dass es gefälligst zu funktionieren habe und springt dann eine Running Senton Bomb. Quasi eine Mini Movie Bomb. Short Film Bomb? Trailer Bomb? Auf jeden Fall trifft er und hat so einen Moment, um sich wieder zu sammeln, aber als er sich wieder erhebt, da steht Monica auch schon wieder. Aufrecht. Gerade. Sie reibt sich nur noch mal den Schopf, wo sie eben die zwölf Schläge kassiert hat, aber im Großen und Ganzen scheint sie in Ordnung zu sein.

Das kann Zac von sich nicht behaupten, auch wenn er sich Mühe gibt so zu tun als würde sein Bein gar nicht allzu sehr schmerzen. Aber Monica ignoriert das völlig. Da kommt ihre Erfahrung ins Spiel: sie weiß, dass sie Schaden angerichtet hat. Wie viel, das weiß sie sicher nicht, aber dass sie im Vorteil ist, das ist ihr klar.


Pete: „Langsam aber sicher merkt man dann doch, wer hier der Intercontinental Champion ist und wer schon mal nen World Title hatte, wenn auch woanders und in einer reinen Women’s Division.“

Sven: „Wäre Monica so klar besser, wie sie sagt, wäre das Match jetzt vorbei und ich könnte endlich Aldo Nero sehen.“

Pete: „Übrigens: beim Carnival of Combat, beim Kampf der LPG gegen das damalige Switziverse hat Monica mit ihrem Team bereits einmal gegen Zac Alonso gewonnen. Und gegen Darragh Switzenberg, Iray Burch und Hollywood Jake natürlich auch.“

Sven: „Diese alten Kamellen sind doch für das Match hier und jetzt völlig belanglos. Konzentrier dich aufs hier und jetzt du Labertasche.“


Diese Konzentration ist auch angebracht, denn die Anfangsphase ist nun definitiv vorbei. Monica rollt sich nämlich aus dem Ring nach draußen und bedeutet Zac ihr zu folgen. Sie hat den Vorteil und den will sie jetzt ausnutzen. Zac macht einen kurzen Spurt, aber Monica entfernt sich, sodass er gar nicht darüber nachdenken muss, ob ein Dive mit seinem Bein so ein gute Idee ist oder nicht. Also schlüpft er durch die Seile und stürzt sich dann per raschem Double Axe Handle Blow auf Monica. So ziemlich der absolute Basismove schlechthin aus der Position, aber selbst wenn er keine große Hoffnungen hat, dass er die Leopardin tatsächlich treffen kann, so kann er ihr doch auf diese Weise auf den Hallen- bzw. Burgboden folgen ohne einen Gegenangriff per Dropkick oder dergleichen befürchten zu müssen. Sollte es den geben, würde er Monica aus der Luft schlagen.

Monica versucht aber keinen Dropkick.

Die Schweinehirtin versucht etwas anderes.

Den Supercat Punch!

Mit dieser Aktion hat Monica in Wiesbaden Jona Pexianer einen harten Treffer verpasst und Zac hätte sie hier auch voll erwischt, wenn dieser einfach nur vom Apron gesprungen wäre. So hingegen knallt er seinen Double Axe Handleblow hinab und… trifft Monica voll auf den Arm! Die lässt einen kurzen Aufschrei los werden und Zacs Augen weiten sich – vor Überraschung, weil sein Move, der ihn eigentlich nur schützen sollte, getroffen hat und weil er gerade soeben das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte. Monicas Aufschrei war sicher nicht gespielt. Der Treffer hat gesessen und Monicas Stärke & Durchschlagskraft haben gerade soeben mächtig gelitten. Damit ist das Match praktisch wieder völlig offen und Zac vergeudet keine Zeit, packt Monica erneut am geschädigten Arm und klatscht diesen gegen die Ringtreppe. Monica bläst die Wangen auf, noch ein Schrei kommt aber nicht.

Das wäre Zacs Hinweis gewesen nicht dasselbe noch einmal zu versuchen.

Das versucht er aber.

Doch als er Monica am Arm packt, beißt diese die Zähne zusammen und zieht Zac ruckartig zu sich hin: Short-arm Clothesline! Zac klatscht auf die nahen Ringmatten und Monica schüttelt den schmerzenden Arm aus, während sie mit ein paar Stomps nachsetzt. Um nicht zertreten zu werden, rollt sich Zac in den Stand zurück, doch nur um einen Big Boot mitten ins Gesicht zu kassieren. Der Intercontinental Champion taumelt rücklings und hält sich das Gesicht, aber zum Glück nicht die Augen zu – und so sieht er Monica heran laufen und weicht aus:


Claymore ins Absperrgitter!


Das wollte Monica nun wirklich nicht treffen und es getroffen zu haben tat ordentlich weh. Zac wiederum fasst sich ein Herz und springt das Absperrgitter hoch! Das Bein schmerzt, aber auch Zac beißt die Zähne zusammen und vollzieht einen Barricade Walk Moonsault gegen Monica! Wahnsinns-Aktion, welche die Fans begeistert!


„Zac! Zac! Zac!“

„Wuff! Wuff! Wuff!“

„Holy Shit! Holy Shit! Holy Shit!“


Zac würde jetzt gerne den Fans zuwinken, aber beim Moonsault hat er sich auch selber wieder auf sein linkes Bein geworfen und das hat Einwände gegen diese Sprungaktion. Zac reibt es freundlich und bittet es jetzt noch mal zu funktionieren, ein großer Eiswürfel kommt gleich nach dem Match, versprochen!

Zac lauert… Monica steht wieder auf und…


Hollywood Kick!


In einem normalen Match könnte Zac jetzt einfach in den Ring zurückkehren und auf seinen Sieg durch Count Out warten. Stattdessen darf er nun in Richtung Burgtor humpeln. Nicht gerade allzu angenehm, aber was bleibt ihm übrig? Angetrieben vom freundlichen Bellen seines mit dem Schwanz wedelnden Gefährten in der Distanz und dem Zuspruch der Fans macht er sich auf den Weg, klatscht hier und da noch mit jemandem ab – nicht nur aus Dankbarkeit, sondern auch, um seinem Bein hier und da eine kurze Pause zu gönnen. Nicht auszudenken, wie übel es jetzt um sein Bein stehen könnte, wenn Monica auf der Matte gut wäre. Aber daran nun Gedanken zu verschwenden ist nicht in Zac Alonsos Sinn. Für ihn gilt es nun als Erster das Burgtor zu erreichen und schon mal seine Flagge über die Leiter zu stülpen. Viel mehr Zeit wird er zur Vorbereitung nicht haben, bis Monica ihn einholt.

Doch wie panisch gestikulierende Fans andeuten, hat er nicht mal die Zeit: Monica hält sich den dröhnenden Schädel, aber sie kommt zügig näher.

Ohne schmerzendes Bein wäre es gar kein Thema für Zac trotzdem deutlich vor Monica am Ort der Entscheidung einzutreffen, aber in seinem aktuellen Zustand hält er es vernünftigerweise für besser die Verfolgerin zu konfrontieren, solange deren Schädel noch vom Hollywood Kick dröhnt. Und so hievt er sich über das Absperrgitter, als Monica sich nähert, versetzt ihr einen Schlag und atmet durch.


Sprung und…
Guardrail Springboard DDT!


Aber Monica hält ihn in der Luft fest! Nicht genug Schwung! Und Augenblicke später geht es abwärts per Northern Lights Suplex! Zum Glück ist der ganze Weg bis zum Burgtor mit Matten belegt, aber dennoch war das ein Aufprall, dessen Anblick die Fans schlucken und den Switzidog jaulen lässt. Der beste Freund des Hundes krümmt sich am Boden und hält sich den Rücken. Kurz darauf spürt er Monicas Knie im Nacken… Golden Rule!

Der Zacidog jault noch lauter, was Monica zu einem kurzen, bösen blick animiert, ehe sie Zac abermals am Kopf packt. Sie will das Match hier an Ort und Stelle beenden, noch bevor Zac überhaupt seine Flagge berühren könnte. Ansatz zu Monicas brutalem Butterfly Dominator, dem Daedalus Destiny. Monica hievt ihn hoch und… nein! Zac Alonso fliegt nicht zu nah an die Sonne und stürzt ab, so wie es Ikaros geschah, sondern er kommt frei! Monica murmelt noch etwas davon, dass sie doch gerade die Golden Rule gezeigt hat und die Zac hätte am Boden halten sollen, aber stattdessen zappelt er sich frei und tritt abermals zu!


Hollywood Kick zum Zweiten!


Aber Monica duckt sich weg und der Tritt saust über ihren rosaroten Schopf hinweg. Und dann aus der Drehung: Backfist to the Future! Aber auch Zac Alonso weicht aus und er weicht nicht nur aus, erschlägt auch zu: Northern Lariat! Aber auch der weicht Monica aus! Waistlock! German Suplex?! Nein, Back Elbows… und doch German Suplex! Monica steckt die Elbows ein und zieht den German Suplex in die Brücke durch! Brücke statt Release, weil optisch ansprechender und weil sicherer: so hatte Zac keine Chance in den Stand zu flippen.

Der Champion liegt flach.

Aber Monica hat genug Respekt vor dem Sportler Zac Alonso aufgebaut, dass sie es dabei nicht belassen will. Sie packt Zac erneut am Kopf, zwingt ihn zwischen ihre Oberschenkel und hakt die Arme erneut ein. Aber Zac ist so ein nasser Sack im Moment, dass es ihr schwer fällt ihn anzuheben… aber es gelingt! Wenn sie ihn jetzt auf den Boden klatscht, kann sie die Leiter aufstellen, noch ein paar Selfies mit Fans machen und dann erst die Leiter hochklettern und gemütlich die Flagge aufhängen – wenn die Aktion gelingt, steht Zac vielleicht erst im Krankenhaus wieder auf.

Der Zacidog beginnt flehentlich zu bellen… aber Monica hält nur einen Moment inne. Fast schon mit entschuldigender Mimik wirft sie Zac nach vorn.

Doch der kommt frei!

Huracanrana!

Monica wird zu Boden geschickt und die Fans drehen durch!


„Zac! Zac! Zac!“

„Wuff! Wuff! Wuff!“

„Holy Shit! Holy Shit! Holy Shit!“



Zac rappelt sich hoch und nimmt Maß. Monica wankt nun selber, der Konter kam für sie völlig unerwartet. Desorientiert schlägt sie um sich und trifft mit demselben Arm, den Alonso zuvor per Double Axe Handle Blow traf, die Burgmauer! Die Mauer steht, Monicas Arm schmerzt und Zac sprintet voran: Shotgun Dropkick!

Aber Monica weicht aus!

Zac zieht im Sprung die Beine hoch, um sie sich nicht vollends an der Burgmauer zu brechen, was er auch schafft… aber als er sich erhebt gibt es von Monica einen Cutter hinein ins Burgtor! Und hier sind keine Matten mehr! Zac klatscht voll auf den harten Steinboden und bleibt liegen. Monica muss sich kurz sammeln, dann schnappt sie sich ihre Flagge und positioniert die Leiter… was ihr ob des schmerzenden Arms denkbar schwer fällt. Aber die Leiter steht und sie beginnt den Aufstieg, Sprosse für Sprosse.

Doch dann packt Zac sie am Bein! Eine schramme am Kopf, aber er ist noch da. Monica streckt sich, die Vorrichtung zum Einhängen der Flagge ist genau da… und sie schafft es! Aber Zac zieht ihr auch die Beine weg und während sie fällt packt er zu! DDT! Monica liegt flach, aber Jack Bobo hat den Count begonnen und ist schon bei Drei!

Zac zwängt sich die Leiter hoch, es ist ein Wettlauf mit der Zeit!

Vier! Fünf! Sechs!

Nicht ansatzweise in Reichweite…

Sieben…

Acht…

Neun…

ZehNEIN!

Gerade noch rechtzeitig kann Zac Alonso die Flagge wieder abhängen! Er wirft sie so weit es geht zur Seite und blickt nach unten. Monica rührt sich wieder. Seine eigene Flagge konnte er nicht mitnehmen, um sie nun einzuhängen, dafür hatte die Zeit nicht gereicht. Aber in diesem Moment gibt es nur Eins, was er tun kann. Was das Match entscheiden würde, wenn seine Flagge nun hängen würde:

Movie Star Bomb von der Leiter!


Genau auf Monica, die damit nun wieder reglos flachliegt! Anders als Zac, der sich das Bein hält und vor Schmerz im Kreis rollt. Aber das ist nun seine Chance! Er kriecht rüber zu seiner Flagge. Sieht sie an, sieht seinen Zacidog, den er aus der Distanz nun wieder aufmunternd bellen hören kann und erhebt sich. Seit Atem ist schwer, sein Bein ein Schmerzquell, die Schramme auf seinem Kopf hat zu bluten begonnen. Aber ersteht, er hat seine Flagge in der Hand und er zwängt sich abermals die Leiter hoch.

Langsam.

Sprosse.

Für.

Sprosse.

Er testet es aus… nein, noch eine Sprosse mehr.

Nur noch eine Sprosse.

Nur noch… eine…

Waistlock!

Zac erstarrt. Und streckt den Arm aus. Da muss die Flagge hin. Es sind doch nur Millimeter…


Release German Suplex von der Leiter!


Zac überschlägt sich in der Luft… und er steht die Aktion! Sein Bein fühlt sich an als ob es pulsiert, aber er steht und er eilt zu Monica, die von der Leiter wieder herunter springt und… Zac Alonsos Running Crossbody auffängt! Mehr noch: sie kontert ihn in den Tour of the Island Spinning Powerslam! Zac liegt flach! Und Monica stolpert zu ihrer Flagge. Auch sie ist angeknockt. Ihr Rücken fühlt sich extra mies an. Aber die Flagge mit Lady Rosi drauf gibt ihr Kraft, so wie die Switzidog-Flagge Zac Kraft gab. Und sie geht zur Leiter, beginnt den Aufstieg erneut.


Pete: „Ist das jetzt die Entscheidung!? Zac krümmt sich, aber er kommt nicht hoch!“

Sven: „Monica könnte hier jetzt tatsächlich ihr großes Mundwerk bestätigen und Champion werd-- ich meine natürlich: das Match könnte jetzt endlich vorbei sein, auf dass es endlich Aldos neue Eroberung gibt!“

Pete: „Du kannst ruhig zugeben, dass dieses Match auch dich in seinen Bann gezogen hat.“

Sven: „Und du könntest deine dummen Kommentare unterlassen, aber leider kannst du ja nur dumm kommentieren.“


Monica klettert weiter. Fast geschafft. Nur noch ein Stückchen, dann ist die Flagge wieder da, wo sie sein sollte. Misstrauisch blickt sie hinter sich, nur zur Sicherheit… und das war gut so. Das Ende ihres Zopfes zeigt wie ein Pfeil auf das Gesicht des Champions, der sich noch immer nicht geschlagen gibt und schon wieder da ist. Seine Hand greift nach ihrem Stiefel, aber Monica mach einen Katzensprung nach oben und hängt die Flagge in die Vorrichtung! Der Count beginnt erneut! Zac klettert mit aller Macht empor und Monica tritt nach unten! Ein Mal! Zwei Mal! Doch Zac hält sich, aufgepeitscht von den Fans und dem Bellen des Zacidogs! Er absorbiert auch den dritten Tritt und den vierten… aber der Fünfte landet direkt an deiner Stirn und… er fällt!

Jack Bobo ist bereits bei fünf!

Ist dies das Ende!

Kann es so enden?

Zac Alonsos große Intercontinental Titelregentschaft, die mit einem Sieg über Darragh Switzenberg bei der 25.th Anniversary Show begann, als seine Karriere auf dem Spiel stand?

Sechs.

Nein! So darf es nicht enden! Zac ballt die Fäuste, bäumt sich auf…

Sieben!

Millimeter um Millimeter stemmt sich Zac vom Boden empor…


5* Frog Splash von der Leiter!


Voll auf Zac Alonso! Das wars! Zac sackt zusammen und der restliche Count ist eine reine Formalität. Monica selbst setzt sich neben Zac auf, atmet tief durch, umschlingt mit den Armen ihre Beinpartie und blickt auf den Mann, den sie noch vor einigen Wochen für absolut boshaft hielt. Zac kriegt es kaum mit, aber Monica Shade klopft ihm anerkennend auf die erschlaffte Schulter. Monica war in diesem Match nicht deutlich besser als er.

Nur ein bisschen.

Aber dieses bisschen, es hat letztlich gereicht. Jack Bobo kommt bei zehn an, das Match ist vorbei. Monica Shade ist die neue Intercontinental Titelträgerin. Sie erhebt sich schlaff, wartet darauf, dass Zac wieder zu sich kommt und hält ihm die Hand hin. Zac zögert, greift aber zu und lässt sich auf die Beine helfen. Der Handschlag wird kurz gehalten, dann überlässt die Leopardin Zac Alonso der medizinischen Abteilung und dem herbei eilenden Zacidog. Sie selbst nimmt den Intercontinental Championship entgegen und holt Lady Rosi von ihrem Sitzplatz. Sie presst Titel und Stoffschwein an sich. Sie hat es geschafft und dieses Mal wird sie mit dem Gürtel nach hause gehen.

Und bei der nächsten Show erstmals einen Auftritt als amtierende Titelträgerin haben.


Siegerin des Matches und neue Intercontinental Championesse: Monica Shade!




Der Herausforderer ist bereit.


Die Stiefel sind geschnürt, die Handgelenke getapet. Im Durchgang hinter dem Entrance steht Darragh Switzenberg im Licht einer provisorisch angebrachten Lampe. Sie wirft seinen Schatten auf das alte Mauerwerk der Burg Satzvey. Von draußen dringen Stimmen herein. Tausende Menschen, die auf den Main Event warten. Auf The End. Auf Aldo Nero. Und auf ihn.


Switzenberg zieht ein letztes Mal am Tape seines linken Handgelenks. Dann hebt er den Kopf und winkt die Kamera näher. Kein Interviewer an seiner Seite. Keine Frage, auf die er antworten müsste. Die braucht er nicht, denn er weiß, was er sagen will. Er wartet, bis das Objektiv auf ihn gerichtet ist, und blickt hinein.


Darragh Switzenberg: „Ich bin Darragh Switzenberg.“


Die vertrauten Worte kommen ruhig. Ohne das überlegene Grinsen, mit dem er sie oft genug aussprach. Darragh lässt einen Moment verstreichen, als wolle er den Menschen vor den Bildschirmen Zeit geben, die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.


Darragh Switzenberg: „Ihr habt diesen Satz unzählige Male aus meinem Mund gehört. Doch was bedeutet es eigentlich, Darragh Switzenberg zu sein? Bis vor ein paar Monaten wart ihr euch da alle einig. Es bedeutete, ein Arschloch zu sein, dem man nichts gönnt. Der Satz war stets der Auftakt zu einer Selbstbeweihräucherung, zu einem Kräftemessen zwischen euren Buhrufen und meinem unermesslichen Ego.“


Sein Mundwinkel hebt sich kurz. Er kennt diese Erinnerungen ebenso gut wie sein Publikum. Die ausgestreckten Arme, das herausfordernd vorgeschobene Kinn. Den Genuss daran, noch ein wenig lauter gehasst zu werden. Jetzt hingegen steht er mit locker herabhängenden Händen vor der Kamera.


Darragh Switzenberg: „Doch was bedeutet es heute, Darragh Switzenberg zu sein? Ich bin ein anderer Mann als früher. Das weiß ich. Tief in meinem Inneren. Aber es ist ein Unterschied zu wissen, wer man nicht mehr ist…und zu wissen, zu wem man stattdessen wurde.“


Er legt die Hand auf seine Brust. Die Finger bleiben dort, während er nach unten schaut. Als er den Blick wieder hebt, ist die kleine Spur eines Lächelns aus seinem Gesicht verschwunden.


Darragh Switzenberg: „Ich bin Darragh Switzenberg. Wenn ich es heute sage und in die Gesichter von euch Fans blicke, dann sehe ich nichts mehr von der Eindeutigkeit, die einst herrschte. Nein, stattdessen merke ich, dass der Satz ein Dutzend verschiedene Assoziationen weckt. Für die einen bin ich ein Betrüger und ein Heuchler. Für manche bin ich geläutert. Für andere bin ich zu einem Langweiler geworden. Oder zu jemandem, der selbst nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist.“


Der Kanadier stößt Luft durch die Nüstern aus und streicht sich mit der Hand über die Glatze.


Darragh Switzenberg: „Ist dieser Satz also jetzt bedeutungslos, hm? Weil ich mich selbst noch nicht in meiner neuen Rolle gefunden habe?“


Die Augenbrauen gehen nach oben. Darragh hält den Blick zur Kamera, doch seine Lippen pressen sich für einen Moment aufeinander. Die Frage scheint ihn nicht erst seit heute zu beschäftigen. Hinter ihm läuft ein Mitarbeiter durch den Gang. Switzenberg nimmt ihn kaum wahr.


Darragh Switzenberg: „Monatelang habe ich versucht, euch alle davon zu überzeugen, dass ich es gut meine und hinter meinen Worten keine zweite Dimension verborgen liegt. Das habe ich nicht geschafft. Ich habe nur dafür gesorgt, dass sich die Galaxy in zwei Lager gespalten wurde: In Leute, die mir glauben und Leute, die an mir zweifeln. Und ich gebe zu, dass mich das verdammt traurig gemacht hat.“


Das Eingeständnis bleibt stehen, ohne dass er es mit einem Lächeln abzuschwächen versucht. Er fährt mit dem Daumen über den Rand seines Tapes und löst dann die Hände voneinander.


Darragh Switzenberg: „Noch immer würde ich viel dafür geben, dass ihr mir einfach glaubt. Doch wenn ihr mich heute an diesem Abend fragt, dann würde ich sagen: Vielleicht spielt es gar keine so große Rolle, zumindest nicht für diesen einen Tag.“


Von draußen schwillt der Lärm an. Switzenberg dreht den Kopf zum Ausgang. Dort wartet der Weg zum Ring. Sein Brustkorb hebt sich bei einem tiefen Atemzug. Als er wieder in die Kamera schaut, steht er etwas aufrechter.


Darragh Switzenberg: „Ich bin Darragh Switzenberg. Heute, bei Blue Blood, hat dieser Satz wieder eine eindeutige Bedeutung bekommen. Eine faktische Bedeutung. Es bedeutet nämlich, der Mann zu sein, der die Chance hat, das Wichtigste und Größte in seiner Karriere zu erreichen. Darragh Switzenberg steht im Main Event um den GFCW Heavyweight Title.“


Beim Namen des Titels tritt ein Glänzen in seine Augen.


Darragh Switzenberg: „Ich werde dafür kämpfen, meinen Namen von den Sünden meiner Vergangenheit reinzuwaschen. Und ich werde dafür kämpfen, neuer GFCW-Champion zu werden. Das Schöne ist, dass diese zwei Aufgaben sich heute miteinander verbinden und zu einem gemeinsamen Weg werden.“


Seine Stimme gewinnt an Kraft. Die Hand, die eben noch am Tape gespielt hat, schließt sich zur Faust. Darragh hebt sie ein wenig an, betrachtet die weißen Bandagen und wendet sich wieder ganz den Zuschauern zu.


Darragh Switzenberg: „Gleich geht Darragh Switzenberg da raus. Er wird diesen Kampf bestreiten und gewinnen. Auf eine Art und Weise, die deutlich macht, wer ich bin. Ich komme nicht mit dem Switziverse als Joker. Nicht mit einem Schatten im Rücken. Ich komme auch nicht mit einer Ratte wie James Corleone oder Shelly Nafe oder all den anderen dunklen Gestalten im Hintergrund, von denen niemand weiß, ob sie die Klauen in meine Gegner geschlagen haben oder nicht.“


Bei den Namen wird seine Miene härter. Doch Switzenberg verweilt gedanklich nicht lange bei ihnen. Er tritt näher an die Kamera heran, bis kaum noch etwas von dem Gang hinter ihm zu sehen ist.


Darragh Switzenberg: „Heute Abend habe ich die Chance, den ultimativen Beweis für meine Ehrlichkeit zu erbringen: Ich werde den Titel gewinnen. Fair. Es gibt keinen besseren Beleg für meinen Wandel, als der gesamten GFCW-Galaxy zu zeigen…“


Er hält inne.


Darragh Switzenberg: „…dass ich es nicht nötig habe, die Welt zu belügen und alle zu betrügen. Darragh Switzenberg wird heute GFCW-Champion werden, weil er in einem Ring mit drei Männern der beste Wrestler sein wird.“


Der Kanadier hebt einen Finger. Eine Sache möchte er noch hinzufügen. Sie ist ihm besonders wichtig.


Darragh Switzenberg: „Sportlich. Und moralisch.“


Der Kanadier klatscht in die Hände. Seine Schultern heben und senken sich. Er will endlich hinaus.


Darragh Switzenberg: „Ich bin Darragh Switzenberg. Noch ein paar Minuten, dann wird dieser Satz eine ganz neue Bedeutung haben.“


Er macht einen Schritt zurück. Der Blick bleibt im Objektiv. Diesen letzten Gedanken will er noch loswerden, bevor er sich dem Ring zuwendet.


Darragh Switzenberg: „Er wird ein Synonym dafür werden, Champion zu sein.“


Darragh nickt den Zuschauern zu. Dann dreht er sich um und geht zum Ausgang. Unterwegs rollt er die Schultern, lockert die Arme. Kurz vor dem Durchgang bleibt er stehen und blickt hinaus.

Er lächelt noch immer.