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Wieder ist er in der medizinischen Abteilung und wieder ist diese Frau daran schuld. Das erste Mal vor Conquista, dann bei Conquista selbst und nun heute. Titan lächelt verschroben, als die anderen den Raum betreten.
Nicht laut. Nicht schwer. Nicht überraschend.
Und doch erfüllt den Raum sogleich eine unsichtbare dunkle Kraft.
Eine der Arzthelferinnen, die gerade noch Verbandsmaterial sortiert hat, hält kurz inne. Ihr Blick wandert zur Tür und die Entscheidung ist schnell getroffen. Sie legt das Material beiseite und verlässt den Raum. Eine zweite Mitarbeiterin folgt ihr beinahe augenblicklich.
Tha Bomb kommt als Erster herein. Er betrachtet seinen Tag-Team-Partner, anschließend dessen Behandlung und schließlich die Tür, durch die die beiden Mitarbeiterinnen verschwunden sind. Ein kaum wahrnehmbares Grinsen zieht über sein Gesicht.
Hinter ihm folgt Thor.
Bei ihm scheint der ohnehin nicht besonders große Behandlungsraum plötzlich einige Quadratmeter verloren zu haben. Der ehemalige erste Heavyweight Champion der GFCW sagt nichts. Er bleibt mit verschränkten Armen stehen und betrachtet Titan wie ein Raubtier, das gerade herauszufinden versucht, weshalb ein anderes Tier seine Beute nicht gerissen hat.
Odin tritt neben ihn. Der Urvater der Gods of Asgard wirkt wesentlich weniger ungeduldig. Sein Blick ruht lange auf Titan.
Als Letzter betritt Al Spawn Simmons den Raum.
Die abgegriffene Bibel befindet sich selbstverständlich unter seinem Arm.
Simmons bleibt vor Titan stehen und betrachtet ihn einen Moment. Keine Enttäuschung. Kein Vorwurf.
Fast schon Neugier.
Al Spawn Simmons: „Eine beeindruckende Kämpferin.“
Titan nickt. Seine Zunge fährt über die Lippen. Versucht noch einmal Bellas Geschmack aufzunehmen.
Odin: „Sie hätte fallen müssen.“
Thor stößt hörbar Luft durch die Nase aus. Sein Blick bleibt auf Titan gerichtet.
Thor: „Fallen?“
Der Hüne schüttelt den Kopf.
Thor: „Du bist zu freundlich geworden, alter Mann. Sie hätte nicht fallen müssen. Sie hätte zerquetscht werden müssen.“
Tha Bomb lehnt sich mit der Schulter gegen einen der Schränke. Im Gegensatz zu Thor scheint ihn Titans Zustand nicht sonderlich zu beunruhigen. Dafür kennt er seinen Partner zu lange.
Tha Bomb: „Und am Ende hätte auf der Anzeigetafel genau ein Wort stehen müssen: besiegt. Wie wir dahin kommen, darüber können Professor Simmons und ihr alten Wikinger euch anschließend bei einem Glas Wein unterhalten.“
Titan muss grinsen.
Thor ebenfalls.
Al Spawn Simmons hebt allerdings langsam eine Hand.
Nicht als Befehl.
Eher wie ein Professor, der seine Studenten bittet, eine Diskussion für einen Moment ruhen zu lassen.
Die Gespräche verstummen.
Simmons deutet mit zwei Fingern auf die Bibel unter seinem Arm.
Al Spawn Simmons: „Vielleicht liegt genau darin der Fehler. Wir reden schon wieder darüber, was hätte geschehen müssen, anstatt uns anzusehen, was tatsächlich geschehen ist.“
Er tritt etwas näher an Titan heran.
Al Spawn Simmons: „Diese Frau stand Titan gegenüber. Sie wusste, wer er ist. Sie wusste, was er getan hat und sie wusste sehr genau, was ihr bevorstehen könnte. Trotzdem ist sie nicht ausgewichen. Sie hat nicht um Gnade gebeten und sie hat sich auch nicht hinter irgendjemandem versteckt.“
Ein schmales Lächeln erscheint auf Simmons’ Gesicht.
Es scheint ihm selbst nicht vollkommen zu gefallen, zu welchem Schluss er gerade kommt.
Al Spawn Simmons: „Sie hat die erste Prüfung bestanden.“
Für einen Moment herrscht Stille.
Simmons blickt Titan an.
Dann Bomb.
Thor.
Odin.
Fast, als würde er erwarten, dass einer von ihnen widerspricht.
Niemand tut es.
Al Spawn Simmons: „Jetzt werden weitere folgen.“
„Ihr solltet euch selbst mal einer Prüfung unterziehen!“
Die
Blicke von The Apocrypha wandert zur Tür, wo plötzlich
die beiden GFCW Tag Team Champions auftauchen. Immer noch
dieselben Klamotten wie zuvor im Gespräch mit Zereo Killer
doch ungleich angespannter. War zuvor keinerlei Gefahr bezüglich
eines Angriffs gegeben, so sieht die Sache nun ganz anders aus.
Mad Dog: „Mal ehrlich: Ihr sprecht von Prüfungen und von Fundamenten… Worauf steht ihr denn? Erfolge von der Jahrtausendwende, die im Singles Bereich errungen wurden?! Oder sind es die von 2024, als ihr das letzte Mal dieses Gold…“
Der Night Fighter reckt den Tag Team Titel in seiner Hand etwas nach vorne ins Blickfeld der Apokryphen.
Mad Dog: „…halten konntet?! Wie wäre es, wenn wir stattdessen lieber auf das schauen, was zählt, huh?! Auf die Prüfungen in der jüngeren Vergangenheit; das Fundament von Morgen. Odin und Thor? So heißt ihr doch, oder? Bisher habe ich von euch nichts gesehen, was eure Großkotzigkeit und euer Anspruchsgehabe nur halbwegs rechtfertigen würde. Und die Eingriffe, Attacken sowie die Siege gegen die Berliner Jungs und im Handicap gegen MacKenzie zähle ich bewusst nicht mit…“
Stella mustert die fünf Männer. Ihr Gesichtsausdruck legt nahe, dass sie kein Fan davon ist, nun hier zu zweit die Konfrontation zu suchen, aber dann wiederum ist der Fluchtweg ja offen. Ihr Blick richtet sich dabei primär auf Odin.
Stella
Nova: „Früher gab es bei WFW mal eine Gruppierung, die
man die Odinsjünger nannte. Sie haben große Stücke
auf Odin gehalten und Íris Lilja Óðinsdóttir,
die ja letztes Jahr bei Aurora auch schon mal einen Gastauftritt
hier bei GFCW hatte, erfüllt den Namen Odin ebenfalls mit
Ehre. Seid ihr eigentlich tatsächlich Vater und Tochter?
Egal, ich schweife ab.
Stella bricht kurz ab. Will sie jetzt wirklich Apocrypha provozieren? Eigentlich nicht. Aber sie ist der Leitstern des Professional Wrestling und das gebietet ihr zu sagen, was gesagt werden muss. Also fährt sie fort.
Stella Nova: „Heute hat Titan gegen Bella verloren… in der Battle Royal haben T’n’B gegen Mad Dog sogar im Zwei gegen Eins verloren, nachdem ich bereits raus war. Bei allem Respekt vor euren zahlreichen großen Erfolgen in der Vergangenheit… frage ich mich nun doch unweigerlich, ob ihr nicht einfach nur eure Brutalität mit blumigen Worten rechtfertigt, um davon abzulenken, dass Brutalität der einzige Weg für euch zu einem Titelkampf ist, weil ihr es rein sportlich einfach nicht mehr hinkriegt und gegen Gegner unterliegt, die wir besiegt haben...“
Während Stella spricht, geschieht etwas Bemerkenswertes.
Niemand von The Apocrypha unterbricht sie.
Titan sitzt weiterhin auf der Pritsche. Odin hört aufmerksam zu. Thor hingegen beginnt irgendwann zu grinsen. Nicht amüsiert. Es ist dieses unangenehme Grinsen eines Mannes, der gerade überlegt, ob die Unterhaltung wirklich notwendig ist.
Tha Bomb dagegen hat seinen Blick vollständig auf die beiden Titelgürtel gerichtet.
Nicht neidisch.
Nicht sehnsüchtig.
Eher so, als würde er etwas betrachten, das er bereits kennt.
Als Stella endet, entsteht eine kurze Stille.
Dann beginnt Al Spawn Simmons leise zu lachen.
Kein schallendes Gelächter. Nur ein kurzes, beinahe anerkennendes Lachen.
Al Spawn Simmons: „Wissen Sie, was mir an Ihrer Argumentation gefällt? Sie ist so wunderbar modern.“
Er tritt einige Schritte durch den Behandlungsraum.
Al Spawn Simmons: „Alles lässt sich messen. Alles lässt sich in Ergebnisse pressen. Siege, Niederlagen, Eliminierungen, Statistiken. Man nimmt eine Handvoll Zahlen, legt sie nebeneinander und glaubt anschließend, die Wahrheit gefunden zu haben.“
Simmons dreht sich zu den Champions.
Al Spawn Simmons: „Und das Tragische daran ist: Sie haben mit fast allem, was Sie gerade gesagt haben, recht.“
Titan hebt interessiert eine Augenbraue.
Simmons fährt fort.
Al Spawn Simmons: „Titan und Tha Bomb sind gescheitert. Mehr als einmal. Sie haben versucht, sich diesem Wrestling anzupassen. Sie haben versucht, Teil dessen zu werden, was diese Liga heute unter Erfolg versteht. Sie haben sich angepasst, Kompromisse gemacht, sind denselben Wegen gefolgt wie alle anderen – und sie sind damit gescheitert.“
Tha Bomb stößt sich vom Schrank ab.
Nun übernimmt er selbst.
Tha Bomb: „Und irgendwann musst du dir als Mann eine ziemlich einfache Frage stellen: Bin ich plötzlich zu schlecht für das, was ich seit Jahrzehnten mache? Oder spiele ich inzwischen einfach ein Spiel, dessen Regeln von Leuten geschrieben wurden, die keine Ahnung mehr haben, warum wir überhaupt angefangen haben?“
Sein Blick wandert von Stella zu Mad Dog.
Tha Bomb: „Titan und ich haben es versucht. Wir haben uns auf diesen Scheiß eingelassen. Wir haben versucht, nett mitzuspielen, uns einzureihen und das zu tun, was man heute angeblich tun muss. Hat nicht funktioniert.“
Bomb zuckt mit den Schultern.
Tha Bomb: „Also hören wir damit auf.“
Titan erhebt sich nun langsam von der Pritsche. Die Behandlung scheint für ihn plötzlich beendet zu sein.
Er stellt sich neben seinen langjährigen Partner.
Titan: „Ein Bauwerk kann noch so oft renoviert werden. Wenn man irgendwann feststellt, dass jede neue Wand auf morschem Untergrund steht, hört man auf, weitere Farbe darüberzustreichen.“
Er schaut zu Bomb.
Ein kurzes Nicken zwischen den Tag-Team-Partnern.
Titan: „Dann geht man zurück zum Ursprung.“
Thor stößt sich von der Wand ab.
Das Grinsen ist verschwunden.
Thor: „Zum Ursprung?“
Er tritt zwischen Odin und Simmons nach vorne und schaut Mad Dog direkt an.
Thor: „Dann schaut ihn euch an.“
Er breitet die Arme ein wenig aus.
Nicht zur Show.
Mehr braucht dieser Mann nicht.
Thor: „Ihr wollt wissen, was wir vor zwanzig Jahren gemacht haben? Was Odin gemacht hat? Was ich gemacht habe? Dann hört auf, darüber zu reden, als wäre Geschichte irgendeine Krankheit, für die man sich entschuldigen müsste.“
Thor tritt noch einen Schritt näher.
Thor: „Ich war der erste Heavyweight Champion dieser Liga. Nicht weil irgendein Algorithmus mich interessant fand. Nicht weil jemand mein verdammtes T-Shirt mochte. Ich war Champion, weil ich jeden Mann zerstört habe, den man vor mich gestellt hat.“
Odin legt Thor eine Hand auf die Schulter.
Nicht um ihn zurückzuhalten.
Eher wie ein alter Freund, der das Tier kennt.
Odin: „Und manche Wurzeln sterben nicht, nur weil niemand mehr über sie spricht.“
Jetzt lächelt Simmons wieder.
Der Professor übernimmt.
Al Spawn Simmons: „Genau das ist der Punkt. Titan und Tha Bomb haben versucht, Männer der Gegenwart zu sein. Odin und Thor erinnern sie nun daran, wer sie eigentlich waren.“
Sein Blick wandert über alle vier Männer.
Al Spawn Simmons: „Und deshalb stehen vor Ihnen heute nicht dieselben Titan und Tha Bomb, die in einer Battle Royal ausgeschieden sind. Nicht dieselben Männer, die versucht haben, sich irgendeiner modernen Vorstellung von Erfolg zu unterwerfen. Sie stehen vor vier Männern, die aufgehört haben, um Erlaubnis zu bitten, wieder sie selbst sein zu dürfen.“
Ein Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Und ich versichere Ihnen: Sie waren niemals stärker.“
Simmons’ Augen wandern zu den Tag-Team-Gürteln.
Al Spawn Simmons: „Was das Verdienen eines Titelmatches betrifft, ersparen wir uns bitte die moralische Empörung. Mixed Devotion bekam in der vergangenen Show eine Gelegenheit. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zuvor ein Konzil zusammentrat und ihre Würdigkeit anhand jahrzehntelanger Statistiken überprüfte.“
Er neigt den Kopf.
Al Spawn Simmons: „Die Wahrheit ist wesentlich einfacher. Bis heute wurde nicht bewiesen, dass Mad Stars besser sind als The Apocrypha.“
Kurze Stille.
Al Spawn Simmons: „Natürlich könnten wir Ihre geliebte Battle Royal als endgültigen wissenschaftlichen Beweis heranziehen.“
Sein Blick wandert langsam zu Stella.
Ein Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Dann müsste ich allerdings eine unangenehme Frage stellen.“
Er deutet auf Stella.
Al Spawn Simmons: „Was genau haben Sie dann hier verloren?“ Stella Nova: „Tja, was habe ich hier bei GFCW verloren? Eine exzellente Frage… Moment, nein, doch nicht. Es ist eine simple Frage mit einer simplen Antwort: gegen The End habe ich hier bei GFCW verloren… gegen niemand sonst. Ein Mann, gegen den selbst ihr euch bisher nicht getraut habt aktiv zu werden. Was fast schade ist, würdet ihr uns doch so einen möglichen sehr mächtigen Verbündeten an die Seite drängen. Aber um es noch einmal glasklar zu formulieren: Genau ein Mal habe ich hier also verloren, direkt in meinem ersten Match… seitdem gab es sieben Siege in Serie. Und so groß und stark, brutal und gefährlich ihr auch seid… wenn wir ein Match gegeneinander haben, dann wird diese Siegesserie weitergehen. Wenn die Modern Erasers euch besiegen können, dann wir erst recht.“
Simmons hört ihr bis zum Ende zu.
Diesmal lächelt er sogar anerkennend.
Al Spawn Simmons: „Sehen Sie? Genau deshalb liebe ich Prüfungen.“
Er öffnet beide Hände.
Al Spawn Simmons: „Menschen verändern sich. Menschen wachsen. Menschen scheitern. Und manchmal kehren Menschen aus einem Scheitern stärker zurück, als sie hineingegangen sind.“
Sein Blick fällt kurz auf T’n’B.
Al Spawn Simmons: „Wenn Sie also für sich beanspruchen, Stella Nova, heute nicht mehr dieselbe Frau zu sein, die Sie während jener Battle Royal waren, dann wäre es geradezu intellektuell unehrlich, Titan und Tha Bomb dieses Recht nicht ebenfalls zuzugestehen.“
Tha Bomb tritt nun vor Simmons.
Diesmal spricht nicht das Brain.
Diesmal spricht der Mann, der dieses Match tatsächlich will.
Tha Bomb: „Und genau deshalb können wir uns die ganze Rechnerei sparen. Ihr habt die Gürtel. Wir wollen wissen, ob ihr sie gegen uns behalten könnt. Nicht gegen die Männer, die wir vor ein paar Monaten waren. Gegen uns. Heute.“
Bomb tippt sich mit dem Daumen gegen die Brust.
Dann deutet er auf Titan.
Tha Bomb: „T’n’B.“
Ein Blick zu Odin und Thor.
Tha Bomb: „Mit unserer Familie hinter uns.“
Dann zu Simmons.
Tha Bomb: „Und mit einem Mann, der uns endlich wieder daran erinnert hat, weshalb wir diesen ganzen Scheiß überhaupt machen.“
Simmons nickt zufrieden.
Al Spawn Simmons: „Dann, meine Freunde, scheint eine weitere Prüfung unmittelbar bevorzustehen.“ Mad Dog: „Moment, Simmons!“
Die Augen von Al Spawn verengen sich zu kleinen Schlitzen, als er die Töle anschaut.
Mad Dog: „Natürlich würden wir nichts lieber, als zuerst Titan und Tha Bomb und danach Odin und Thor im Ring die Leviten zu lesen… Unsere Stiefel tief in ihre jeden Schritt erschüttern lassenden Ärsche zu rammen und unsere Fäuste in ihre maulfaulen Fressen zu zimmern. Ihr habt uns unseren verfickt heiß ersehnten Titelgewinn nicht zelebrieren lassen; ich habe auf solch einen Moment fast fünf Jahre lang warten müssen; auch Stella hat sich mit dem Gewinn nicht nur einen Traum erfüllt, sondern auch ihre bisherigen Versuche auf Tag Team Gold wie alle Unkenrufe umgekehrt… Doch statt die Gürtel in den italienischen Nachthimmel zu hieven, die Glückwünsche wie den Respekt von Zerbeus zu erhalten und die Jubelrufe der Fans zu genießen, liegen wir auf dem Boden und hören aus schummrigen Ohren nur Pfiffe, Buhrufe und deinen grenzdebilen Sermon, Simmons.“
Ein eisiges Funkeln blitzt aus den Augen des Night Fighters herüber zu The Apocrypha.
Titan: „Worauf warten wir also? Sehen wir uns in zwei Wochen?!“
Titan steht kampfesbereit von der Pritsche auf. Und auch Al Simmons lächelt herausfordernd.
Mad Dog: „Come on! Ihr werdet nicht allein kämpfen. Al, du wirst deine beiden anderen ‚Säulen‘ hinzuholen, du wirst jeden Stein umwälzen, den du umwälzen kannst. Was gibt uns die Garantie, dass es fair bleibt, huh?! Rache ist süß, das Böse aufhalten, ein hehres Ziel – aber so kopflos wie Mike MacKenzie gehen wir nicht in diesen Fight.“
Für einen Moment verändert sich Simmons’ Gesicht.
Nicht wegen der Anschuldigung.
Wegen Mad Dog selbst.
Er betrachtet ihn plötzlich auf eine merkwürdig persönliche Art.
Fast enttäuscht.
Al Spawn Simmons: „Sie.“
Mad Dog runzelt die Stirn.
Al Spawn Simmons: „Ausgerechnet Sie.“
Das Lächeln ist verschwunden.
Al Spawn Simmons: „Bei all den Menschen, die heute durch diese Hallen laufen, hätte ich erwartet, dass wenigstens Sie verstehen, wovon wir sprechen.“
Simmons geht langsam auf Mad Dog zu.
Tha Bomb beobachtet ihn genau.
Al Spawn Simmons: „Sie stammen aus derselben Zeit. Derselben verdammten Generation. Sie wissen, wie diese Welt aussah, bevor man begann, jede scharfe Kante abzuschleifen und Charakter mit Vermarktbarkeit zu verwechseln.“
Seine Stimme wird zunehmend rauer.
Al Spawn Simmons: „Sie wissen, was es bedeutete, wenn zwei Männer sich gegenüberstanden und kein verdammter Ausschuss erst entscheiden musste, ob die Gefühle aller Beteiligten ausreichend berücksichtigt wurden!“
Da ist es.
Für einen Moment der alte Simmons.
Die Lautstärke steigt.
Die Halsschlagader tritt hervor.
Al Spawn Simmons: „UND JETZT STEHEN SIE HIER UND FRAGEN MICH NACH EINER GARANTIE?!“
Stille.
Thor grinst.
Tha Bomb hingegen schaut Simmons nur an.
Ein Blick genügt.
Simmons bemerkt ihn.
Atmet ein.
Langsam wieder aus.
Er streicht über die Vorderseite seines Sakkos.
Als er weiterspricht, ist der Professor zurück.
Al Spawn Simmons: „Verzeihung.“
Eine kurze Pause.
Al Spawn Simmons: „Es enttäuscht mich lediglich, was aus Ihnen geworden ist, Mad Dog.“
Er tritt noch etwas näher.
Al Spawn Simmons: „Die Moderne hat Sie weichgespült. Nicht körperlich. Das wäre zu einfach. Sie hat etwas viel Wertvolleres weichgespült.“
Simmons tippt sich gegen die Schläfe.
Al Spawn Simmons: „Ihre Überzeugung.“
Bevor Mad Dog antworten kann, meldet sich Stella zu Wort.
Stella Nova: „Was aus Mad Dog geworden ist, sieht man doch: ein Champion. Ihr gebt vor zu wissen, was richtig ist und was falsch, aber recht haben diejenigen, die Erfolg haben, und das sind wir.“
Da allen harten Worten zum Trotz aktuell keine Gefahr einer physikalischen Eskalation zu drohen scheint, hat Stella jede Zurückhaltung abgelegt und pocht nun sogar demonstrativ auf ihren GFCW Tag Team Titelgürtel.
Stella Nova: „Und wir sind auch deshalb erfolgreich, weil wir nicht nur kämpfen, sondern auch denken können. Nennt es ruhig weichgespült, aber wir werden nicht einfach so ein Match bestreiten, wo wir euch ausgeliefert sind, so dumm sind wir nicht. Da ihr ja ohnehin nicht alleine kämpfen werdet, wäre vielleicht ein Match interessant, wo auch wir tatkräftige Verstärkung mit am Ring haben dürfen. Soll heißen: ein Lumberjack Match. Klingt doch gut, oder? Sollten wir aus dem Ring fliegen, dürft ihr alle ganz legal zuschlagen...“
Für einige Sekunden sagt niemand etwas.
Dann beginnt Thor zu lachen.
Tief.
Rau.
Ehrlich begeistert.
Er schaut erst Stella an, dann Mad Dog und schließlich zu Tha Bomb.
Thor: „Ein Lumberjack Match.“
Tha Bombs Mundwinkel ziehen sich nach oben.
Titan dagegen betrachtet Stella beinahe anerkennend.
Odin nickt langsam.
Simmons legt zwei Finger an seine Lippen und scheint tatsächlich über den Vorschlag nachzudenken.
Dann schaut er Stella an.
Al Spawn Simmons: „Faszinierend.“
Er beginnt langsam zu lächeln.
Al Spawn Simmons: „Sie haben Angst davor, dass Odin eingreift. Sie haben Angst davor, dass Thor eingreift. Sie misstrauen mir. Und um all diese Probleme zu lösen, schlagen Sie vor…“
Er deutet auf Titan und Tha Bomb.
Al Spawn Simmons: „…sich freiwillig mit diesen beiden Männern im Ring einzuschließen, da draußen die anderen beiden Männer ihnen kein Entkommen gewähren.“
Thor lacht erneut.
Diesmal sogar etwas lauter.
Thor: „Ich mag sie.“
Tha Bomb tritt an Simmons vorbei.
Damit ist die Entscheidung gefallen.
Nicht Simmons verkündet sie.
Bomb.
Tha Bomb: „Zwei Wochen.“
Er schaut Mad Dog direkt in die Augen.
Tha Bomb: „Ihr zwei.“
Dann zeigt er auf Titan und anschließend auf sich selbst.
Tha Bomb: „Wir zwei.“
Ein Grinsen.
Tha Bomb: „Ein Pulk von Wrestlern drumherum.“
Titan stellt sich neben seinen Partner.
Titan: „Keine Ausreden mehr. Keine Battle Royal. Keine Statistiken. Keine Vergangenheit, hinter der sich irgendjemand verstecken kann.“
Er schaut auf die Gürtel.
Titan: „Nur vier Menschen und die Frage, wer am Ende noch steht.“
Tha Bomb nickt.
Tha Bomb: „Wir nehmen an.“
Simmons lächelt zufrieden.
Al Spawn Simmons: „Dann ist die Prüfung angesetzt.“
Odin tritt als Erster Richtung Ausgang. Thor folgt ihm und bleibt auf Höhe Mad Dogs für einen Moment stehen.
Der Größenunterschied allein erzählt bereits genug.
Thor schaut auf den Tag-Team-Titel.
Dann auf Mad Dog.
Thor: „Passt gut darauf auf.“
Ein hässliches Grinsen.
Thor: „Bomb wird ungehalten, wenn jemand seine Sachen beschädigt.“
Thor geht weiter.
Titan folgt.
Beim Vorbeigehen streift seine Schulter die Mad Dogs.
Nicht stark genug für einen Angriff.
Aber viel zu bewusst, um ein Versehen zu sein.
Mad Dog macht einen halben Schritt hinterher.
Tha Bomb bleibt daraufhin stehen.
Nur einen Moment.
Beide Männer sehen sich an.
Bomb sagt nichts.
Er muss nicht.
Dann dreht er sich um und folgt Titan.
Odin und Thor warten bereits an der Tür.
Simmons geht als Letzter.
Bevor er den Raum verlässt, dreht er sich noch einmal zu den Champions.
Al Spawn Simmons: „Ach, und Stella?“
Er wartet, bis sie ihn ansieht.
Al Spawn Simmons: „Sie wollten eine Gelegenheit zu beweisen, dass die Battle Royal nichts darüber aussagt, wer Sie heute sind.“
Ein freundliches, beinahe professorales Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Titan und Tha Bomb möchten exakt dasselbe.“
Kurze Pause.
Al Spawn Simmons: „Wie außerordentlich gerecht von Ihnen.“
Simmons verschwindet durch die Tür.
Die Mad Stars bleiben zurück.
Auf der einen Seite des Flures entfernen sich fünf Männer.
Auf der anderen stehen zwei Champions mit ihrem Gold.
Und irgendwo zwischen beiden Seiten ist gerade etwas beschlossen worden, das in zwei Wochen nicht durch Statistiken, Erinnerungen oder Diskussionen entschieden werden wird.
Sondern durch ein Match.
T’N’B
gegen MAD STARS.
Dynamite: “Danke, dass du gekommen bist, Zac.”
Der Angesprochene schließt die Tür zum Chefbüro hinter sich und nimmt auf dem Sessel Platz, in dessen Richtung Claude Booker deutet.
Zac Alonso: “Ein Champion kennt seine Pflichten.”
Und dass zwischen Zac Alonso und Champion kein Handbreit passt, macht er deutlich, indem er mit der Faust auf seinen Titelgürtel klopft. Selbigen hat er lässig über der Schulter hängen.
Dynamite: “Womit wir beim Thema wären. Du kommst schnell zur Sache, hm?” Zac Alonso: “Zufallstreffer. Normalerweise labere ich, was das Zeug hält.”
Weil Booker nicht drauf aus ist, die Aussage zu prüfen, zuckt er nur mit den Schultern und übergeht die Anmerkung ansonsten.
Er beugt sich zum IC-Champion vor. Spricht trotz des Autoritätsunterschieds auf Augenhöhe zu Zac.
Dynamite: “Also, Thema waren deine Pflichten. Ich finde es gut, dass du dir frühzeitig Gedanken gemacht hast, was du Besonderes bei Blue Blood machen willst. Und die Idee passt auch.” Zac Alonso: “YES! Ich habs gewusst, Mann. Das Fanvoting röhrt, was?”
Stille. Peinliche Stille. Dynamite durchbricht sie mit einem Räuspern.
Dynamite: “Es ist gut, die GFCW Galaxy einzubinden.” Zac Alonso: “Aber?” Dynamite: “Habe ich etwas von einem Aber gesagt?” Zac Alonso: “Deine Stimme klingt danach.” Dynamite: “Ertappt.”
Schmunzelnd lehnt sich der GFCW-Gründer in seinem Bürostuhl zurück.
Dynamite: “Was mir Sorgen bereitet ist, dass du noch keinen Gegner hast. Deinem Vorschlag, noch einmal gegen Güldenherz anzutreten, kann ich derzeit nicht zustimmen.” Zac Alonso: “Ich wollte dem Jungen eine Chance geben.” Dynamite: “Und die hat er auch bekommen. Bei Conquista. Dein Einsatz für die Jugend in allen Ehren, aber ich sehe nicht, wie er nochmal um den Titel antreten sollte. Ich hoffte, er würde die knappe Niederlage als Ansporn nehmen. Doch…naja, was jaule ich dir was vor? FAKT ist: Es ist generell schwer genug, einem unterlegenen Challenger eine zweite Chance um einen Titel zu geben. Doch wenn besagter Challenger auch noch ein unbeschriebenes Blatt ist und nicht einmal regelmäßig auftritt, geht es einfach nicht.”
Alonso denkt kurz einen Augenblick nach. Man könnte denken, er wäre enttäuscht oder wütend, seinen Vorschlag abgelehnt zu finden. Stattdessen nickt er nur. Und wirkt dabei verständnisvoll.
Zac Alonso: “Okay. Und was…jetzt?” Dynamite: “Wir kehren zurück zu althergebrachten Wegen. Du wirst bei Blue Blood gegen jemanden antreten, der sich in den letzten Monaten sportlich qualifiziert hat.”
“Hilfe!”
Zac Alonso: “Hat da jemand geschrien?" Dynamite: “Hab nichts gehört. Also: Ich habe hier eine Liste von Athleten, die ich ins Auge gefasst habe.”
Der Präsident greift in seine Schreibtischschublade und legt einen Zettel vor Alonso ab. Er enthält eine Liste handgeschriebener Namen, die zu klein für die Kamera geschrieben sind.”
“HILFE!”
Alonso zieht eine Augenbraue hoch. Dynamite hört nichts.
Zac Alonso: “Da schreit doch jemand!?”
Der IC-Champion wirkt, als wolle er direkt aufspringen. Doch weil Dynamite auf seinem Bürostuhl keine Reaktion zeigt, bleibt auch Alonso sitzen. Bildet er sich das alles etwa ein?
Dynamite: “Ich möchte, dass du die Liste durchgehst. Natürlich, die Entscheidung liegt letzten Endes bei mir, doch als guter Kerl hast du Mitspracherecht. Und in zwei Wochen, Zac, legen wir bei War Evening fest, wer dein Herausforderer ist. Oder wie wir er oder sie bestimmt wird.”
“HILFE!”
Zum Antworten kommt Zac nicht mehr. Denn jetzt war der Schrei so laut, dass selbst der offenbar halb taube Präsident ihn hört.
Bei springen synchron auf, halten auf die Tür zu, hinter der zusätzlich zur um Hilfe flehenden Stimme nun auch Gepolter zu hören ist. Wobei: Gepolter wäre euphemistisch. Krach trifft es besser.
Alonso und Booker reißen die Bürotür auf. Und müssen zur Seite springen. Damit sie nicht von einer Produktionskiste getroffen werden, die durch die Luft geschleudert wird.
Der Backstagebereich hat sich in eine Hölle aus Chaos verwandelt. Überall liegen ausgeschüttete Kisten. Kabel hängen, aus den Wänden gerissen, herum. Ein Dutzend Mitarbeiter steht im Kreis um das Epizentrum des Chaos herum, darunter auch der um Hilfe kreischende Wortführer.
Sie alle starren auf die Zerstörung. In das Auge des wütenden Orkans.
Und dieses Auge ist Iray Burch.
…
…
Der Unmensch ist dabei, eine weitere Produktionskiste über den Kopf zu heben. Alle Mann gehen in Deckung. Alle außer einer. Dynamite.
Dynamite: “Iray! Stop!”
Und Iray stoppt. Doch nicht aus Gehorsam. Es scheint, als habe er es auf genau diesen Zwischenruf angelegt. Aufmerksamkeit gesucht. Iray Burch senkt die Produktionskiste, die drohend über dem Kopf gehalten war, und stellt sie mit ungeahnter Sanftheit zu seinen Füßen. Die Mitarbeiter nutzen die Gelegenheit, um Reißaus zu nehmen.
Und so bleiben drei zurück: Dynamite, Alonso, Burke.
Iray Burch: “Herr Präsident.”
Der unmelodische Singsang seiner Stimme macht es schwer, zu unterscheiden, ob die Ansprache Claude Bookers spöttisch gemeint war - oder ob ein Ding wie Iray Burch schlicht nicht weiß, wie ein Gesprächseinstieg in der Menschenwelt funktioniert.
Dynamite: “Was soll das hier?”
Mit in die Hüften gestemmten Händen blickt sich Booker um.
Dynamite: “Warum veranstaltest du ein solches Chaos?”
Als Antwort wird der Präsident von den tiefliegenden Schweinsäuglein Burchs fixiert. Der Unmensch legt seinen Kopf schief.
Dann greift er in die Tasche seines fleckigen, vergilbten Hemdes. Und holt die Kreuzkette hervor, die ihm von Dynamite bei seiner Rückkehr überreicht wurde. Als Gabe eines bis heute unbekannten Bürgen.
Iray Burch: “Mir macht dieses Spiel keinen Spaß. Dieses Warten.”
Unvermittelt schleudert der Unmensch die Kette vor Claude Bookers Füße. Das Klirren von Metall hallt durch den Gang und lässt alle Umstehenden zusammenzucken.
Iray Burch: “Also suche ich mir etwas, was Spaß macht.”
Mit dem Fuß schiebt er die Trümmer umher. Die er selbst verursacht hat. Begleitet von Dynamites puterrotem Ausdruck.
Iray Burch: “Bis sich mein Retter mir zeigt. Oder…Retterin. Doch wann wird das sein?”
Eine Frage, die rhetorisch scheint. Und so erwartet niemand eine ernsthafte Antwort des Präsidenten. Zumal der Zorn in seinem Gesicht eher dafür spricht, dass er vor einem Wutausbruch steht.
… …
Doch zur Überraschung aller antwortet der Präsident wie aus der Pistole geschossen.
Dynamite: “In…äh…also…exakt zwei Wochen. Hier, bei War Evening.”
Nun ist es raus. Und was einmal gesagt ist, kann nicht mehr zurückgenommen werden.
Zumindest, wenn es in Richtung Iray Burch geht. Doch wer mehr vom Lesen von Gesichtern versteht als der unmenschliche Klotz, dessen Geruch zu Booker hinüberweht, weiß: So sicher, wie Dynamite es in Worte gekleidet hat, wirkt er nicht.
Nun muss er liefern.
Dynamite: “Der Bürge wird in zwei Wochen hier sein. Ich verspreche es. Wenn du versprichst, bis dahin…”
Erneuter Blick auf das Chaos um ihn herum.
Dynamite: “...ruhig zu bleiben.”
Burch gibt ein Grunzen von sich. Dann heben sich die Mundwinkel. Die Andeutung eines Lächelns.
Iray Burch: “Ich freue mich darauf, meinen neuen Freund kennenzulernen. Es muss jemand mit Humor sein.”
Er hebt die hingeworfene Kreuzkette wieder auf. Bevor sie zurück in seine Tasche gleitet, wirft er aus seinen kleinen Augen einen genauen Blick auf den Anhänger.
Jemand mit Humor. Weil er sich des Symbols eines anderen bemächtigt. Eines Mannes, den Iray Burch vor vielen Monaten zu Vergangenheit gemacht hat.
Burch dreht sich um und marschiert davon. Doch dann bleibt er stehen.
Iray Burch: “Zac.”
Die Ansprache an den Champion kommt so aus dem Nichts, dass Alonso zusammenzuckt. Beinahe gleitet ihm der Gürtel von der Schulter.
Iray Burch: “Wie wäre es, wenn wir einander in zwei Wochen die Wartezeit verkürzen?”
Der Intercontinental-Champion stutzt. Er macht einen Schritt zurück. Ein Rückzieher im wörtlichen Sinne. Doch er weiß, dass er ihn - diesen Rückzieher - nicht symbolisch machen kann.
Nicht, wenn es um eine Herausforderung geht. Selbst, wenn sie von Iray Burch kommt.
Also schluckt er das schlechte Gefühl herunter, dass sich in seiner Kehle gebildet hat, seit Burch aussprach, was er nicht hätte aussprechen sollen.
Zac Alonso: “Ich akzeptiere.”
Burch lächelt. Oder tut zumindest so.
Dynamite: “Bist du sicher, Zac? Du musst es nicht tun. ”
Und da ist sie, ganz unverhofft: Die von oben gedeckte Möglichkeit, einer schlechten Entscheidung zu entkommen. Der Präsident als Rettungsanker.
Doch Alonso blickt entschlossen drein. Dann klopft er auf seinen Titelgürtel. Wie schon zu Beginn dieses Gesprächs.
Zac Alonso: “Ein Champion kennt seine Pflichten.”
Und dann nicken sie beide einander zu. Champion und der Präsident.
Dynamite: “Dann soll es so sein. Wir halten fest: In zwei Wochen wird entschieden, gegen wen Zac Alonso bei Blue Blood antritt. Wir lernen den Bürgen von Iray Burch kennen. Doch zuvor…begegnet ihr beide euch im Ring.”
Der Backstagebereich der historischen Stadthalle Wuppertal.
Ein schmuckloser Gang aus einer anderen Zeit. Weiße Wände, deren beste Jahre längst hinter ihnen liegen. Kaltes Neonlicht flackert über einem grauen Boden. Irgendwo schlägt eine Tür ins Schloss. Stimmen einiger Mitarbeiter ziehen durch einen angrenzenden Korridor, werden leiser und verschwinden schließlich vollkommen.
Mitten in diesem wenig eindrucksvollen Ambiente stehen fünf Männer, deren bloße Anwesenheit ausreicht, den Gang enger erscheinen zu lassen.
The Apocrypha.
Kein Kamerateam wurde gerufen. Keine Musik. Keine Inszenierung. Kein vorbereitetes Statement an die GFCW.
Es ist vielmehr einer jener seltenen Momente, in denen man eine Gruppierung tatsächlich miteinander sprechen sieht, anstatt fünf Männer dabei zu beobachten, wie sie für eine Kamera so tun, als würden sie miteinander sprechen.
Tha Bomb lehnt mit dem Rücken an der Wand. Die Arme vor der Brust verschränkt, beobachtet er seinen langjährigen Tag-Team-Partner.
Titan hat die medizinische Behandlung inzwischen hinter sich gebracht. Dass der heutige Abend Spuren hinterlassen hat, lässt sich dennoch kaum übersehen. Vorsichtig bewegt er den Nacken von einer Seite zur anderen.
Bomb mustert ihn. Lange genug, dass Titan irgendwann die Augen hebt.
Tha Bomb: „Also?“
Titan bewegt noch einmal seine Schulter.
Titan: „Ich hatte angenehmere Abende.“
Ein Mundwinkel Bombs wandert nach oben.
Tha Bomb: „Das habe ich nicht gefragt.“
Titan kennt diesen Blick. Seit Jahren. Seit unzähligen Schlachten. Seit T'n'B. Ein verschrobenes Grinsen erscheint auf seinem Gesicht.
Titan: „Ich bin bereit.“
Mehr braucht Tha Bomb nicht. Er stößt sich von der Wand ab und wendet sich Al Spawn Simmons zu.
Tha Bomb: „Dann haben wir unsere Antwort.“
Simmons steht einige Schritte entfernt. Die abgegriffene Bibel hält er geschlossen in einer Hand, während die andere locker hinter seinem Rücken liegt.
Al Spawn Simmons: „Eine Antwort, ja. Allerdings noch lange kein Ergebnis.“
Tha Bomb verdreht leicht die Augen.
Tha Bomb: „Al.“
Simmons schaut ihn an.
Tha Bomb: „Manchmal darf eine Antwort einfach eine Antwort sein.“
Kurzes Schweigen. Dann erscheint tatsächlich ein Lächeln auf Simmons' Gesicht.
Al Spawn Simmons: „Das ist einer der Gründe, weshalb Sie diese Männer führen und ich lediglich versuche, Ihnen gelegentlich einen vernünftigen Gedanken mit auf den Weg zu geben.“
Bomb hebt eine Augenbraue.
Tha Bomb: „Gelegentlich?“
Titan lacht leise. Selbst Odin muss schmunzeln. Nur einer beteiligt sich nicht an dem kleinen Wortwechsel.
Thor.
Der Hüne steht etwas abseits von den anderen und blickt den Gang hinunter. Seine Arme hängen locker neben seinem Körper. Der Kopf ist leicht zur Seite geneigt. Er scheint etwas gehört zu haben. Oder jemanden. Doch zunächst sagt er nichts.
Simmons wendet sich wieder Bomb und Titan zu.
Al Spawn Simmons: „Mad Stars haben jedenfalls ihre Entscheidung getroffen. Sie wollten Kontrolle. Sie wollten verhindern, dass aus einem Kampf zwischen vier Männern plötzlich ein Krieg zwischen The Apocrypha und dem Rest dieser Liga wird. Also haben sie sich für ein Lumberjack Match entschieden.“
Titan nickt langsam.
Titan: „Eine vernünftige Entscheidung.“
Bomb schaut zu seinem Partner.
Tha Bomb: „Für sie?“
Titan: „Für uns.“
Ein Grinsen zwischen beiden. Simmons beobachtet die beiden Männer beinahe amüsiert.
Al Spawn Simmons: „Das Faszinierende daran ist die Vorstellung von Sicherheit, die hinter dieser Entscheidung steckt. Man stellt Wrestler um einen Ring herum und glaubt, damit Grenzen geschaffen zu haben. Menschen, die dafür sorgen sollen, dass niemand flieht, niemand eingreift und sich alles dort abspielt, wo Mad Stars glauben, die Situation kontrollieren zu können.“
Er macht eine kleine Pause.
Al Spawn Simmons: „Sie umgeben sich freiwillig mit der GFCW und nennen das Sicherheit.“
Tha Bomb stößt sich vollständig von der Wand ab.
Tha Bomb: „Mir scheißegal, wer draußen steht.“
Simmons schaut zu ihm. Bomb deutet erst auf Titan, dann auf sich selbst.
Tha Bomb: „Die stehen draußen. Wir stehen drin.“
Eine kurze Pause.
Tha Bomb: „Mad Stars auch.“
Das Grinsen kehrt zurück.
Tha Bomb: „Mehr muss ich nicht wissen.“
Titan tritt neben seinen Partner.
Titan: „Sie glauben, die Lumberjacks würden mögliche Einflüsse aus dem Match nehmen. Tatsächlich sorgen sie nur dafür, dass jeder, der den Ring verlässt, wieder dorthin zurückgebracht wird, wo die Entscheidung fallen soll.“
Er blickt Bomb an.
Titan: „Damit kann ich leben.“ Tha Bomb: „Ich auch.“
Simmons nickt.
Al Spawn Simmons: „Dann machen wir es genau so.“
Bombs Gesicht wird augenblicklich ernst.
Tha Bomb: „Und zwar wirklich genau so.“
Er schaut nacheinander zu Odin und Thor. Anschließend zu Simmons.
Tha Bomb: „Kein Odin. Kein Thor. Und kein Al, der draußen plötzlich irgendeinen Scheiß versucht.“
Simmons zieht amüsiert eine Augenbraue hoch.
Tha Bomb: „Du weißt, wie ich das meine.“ Al Spawn Simmons: „Natürlich.“ Tha Bomb: „Mad Stars wollen herausfinden, ob sie besser sind als T'n'B. Gut. Dann finden wir das heraus. Sie haben ihre Titel. Sie haben ihre Lumberjacks. Sie haben genau die Bedingungen bekommen, die sie wollten.“
Sein Blick wandert zu Titan.
Tha Bomb: „Danach haben sie allerdings auch keine Ausrede mehr.“
Titan nickt.
Titan: „Keine Battle Royal. Keine Diskussion darüber, wer irgendwann welches Match verloren hat. Keine Eingriffe. Keine Frage danach, wer sich hinter wem versteckt.“
Er deutet gedanklich einen Ring zwischen ihnen an.
Titan: „Vier Menschen. Ein Ring. Und genügend Leute außen herum, die dafür sorgen, dass wir immer wieder genau dort landen.“ Tha Bomb: „T'n'B gegen Mad Stars.“ Titan: „Genau.“ Tha Bomb: „So will ich es.“
Damit scheint dieser Punkt für ihn erledigt. Nicht jedoch für Simmons.
Al Spawn Simmons: „Und wenn Sie gewinnen?“
Tha Bomb schaut ihn an, als wäre die Frage vollkommen überflüssig.
Tha Bomb: „Dann nehmen wir die Titel.“
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Nein.“
Stille. Bomb hebt langsam den Kopf. Simmons kennt diesen Blick mittlerweile ebenfalls und hebt beschwichtigend eine Hand.
Al Spawn Simmons: „Sie tragen anschließend die Titel. Das ist ein Unterschied.“
Er geht langsam zwischen den Männern entlang.
Al Spawn Simmons: „Die GFCW soll nicht glauben, The Apocrypha seien entstanden, damit fünf Männer aus einer anderen Generation noch einmal Gold um ihre Hüften legen können. Wenn Titan und Tha Bomb diese Championships gewinnen, dann sind diese Titel nicht das Ziel.“
Simmons bleibt stehen.
Al Spawn Simmons: „Sie sind ein Beweis.“ Tha Bomb: „Für dich vielleicht.“
Simmons schweigt.
Tha Bomb: „Für mich sind das Tag-Team-Titel. Titan und ich sind ein verdammtes Tag Team. Also will ich die Dinger.“
Titan grinst breit. Odin ebenfalls. Simmons betrachtet Bomb einige Sekunden. Kein Ärger. Im Gegenteil. Er nickt anerkennend.
Al Spawn Simmons: „Und genau deshalb funktioniert dieses Konstrukt.“
Er deutet zwischen sich und Bomb.
Al Spawn Simmons: „Ich brauche Sie nicht, um meine Gedanken nachzusprechen.“ Tha Bomb: „Gut. Darin wäre ich nämlich beschissen.“
Titan lacht. Ein kurzer Moment der Lockerheit. Doch er hält nicht lange.
Odin tritt etwas aus dem Hintergrund hervor. Bislang hat der Urvater der Gods of Asgard lediglich zugehört.
Odin: „Bomb und Titan haben ihre Aufgabe.“
Sein Blick wandert zu Simmons.
Odin: „Was ist mit dem Rest?“
Die Atmosphäre verändert sich. Simmons schaut Odin an. Einige Sekunden lang sagen beide Männer überhaupt nichts. Es ist ein eigenartiger Blickwechsel. Nicht zwischen einem Anführer und seinem Untergebenen. Auch nicht zwischen Lehrer und Schüler. Es ist der Blick zweier Männer, die offensichtlich bereits ein Gespräch geführt haben, von dem die anderen nur einen Teil kennen.
Al Spawn Simmons: „Ihre Aufgabe bleibt bestehen.“
Odin nickt. Mehr nicht. Tha Bomb sieht zwischen beiden hin und her.
Tha Bomb: „Und irgendwann erfahre ich auch, was ihr zwei da ausheckt?“ Odin: „Wenn du es wissen musst.“
Bomb schnaubt.
Tha Bomb: „Ich hasse mysteriösen Scheiß.“ Titan: „Seit wann?“ Tha Bomb: „Seit ich nicht derjenige bin, der ihn kennt.“
Diesmal grinst selbst Odin kurz. Dann wird sein Gesicht wieder ernst. Er tritt näher an Bomb heran.
Odin: „Vertrau mir.“
Tha Bomb hält seinem Blick stand. Zwei Männer, die keine langen Versicherungen brauchen. Schließlich nickt Bomb.
Tha Bomb: „Tue ich.“
Damit ist auch dieses Thema vorerst beendet. Odins Auftrag bleibt, was er sein soll. Unbekannt.
Simmons wendet sich nun dem fünften Mann zu.
Al Spawn Simmons: „Und damit wären wir bei—“ Thor: „Zereo Killer.“
Simmons verstummt. Tha Bomb dreht sich zu Thor. Titan ebenfalls. Odin braucht einen Moment länger.
Thor hat sich noch immer nicht zu ihnen umgedreht. Er schaut weiterhin in Richtung des angrenzenden Korridors.
Tha Bomb: „Was ist mit ihm?“
Keine Antwort. Thor hebt lediglich einen Arm und deutet mit dem Zeigefinger auf eine Ecke des Flures. Nicht direkt dorthin. Knapp daneben. So beiläufig, als würde er auf einen Gegenstand zeigen, den die anderen bislang übersehen haben.
Thor: „Er steht da hinten.“
Stille. Titan will instinktiv zur Ecke schauen.
Thor: „Nicht hinsehen.“
Titan hält inne. Jetzt erscheint ein Grinsen auf Thors Gesicht.
Thor: „Er glaubt, wir hätten ihn nicht bemerkt.“
Simmons' Augen beginnen augenblicklich zu leuchten. Tha Bomb schaut Thor an.
Tha Bomb: „Wie lange?“ Thor: „Lange genug.“
Odin verschränkt die Arme.
Odin: „Lauscht er?“
Thor schnaubt.
Thor: „Was glaubst du denn?“
Erst jetzt dreht sich der Hüne langsam zu den anderen. Das Lächeln ist verschwunden.
Thor: „Er humpelt.“
Kurze Pause.
Thor: „Hält sich immer wieder den Kopf.“
Noch eine Pause.
Thor: „Und trotzdem läuft er hier herum und sucht nach uns.“
Tha Bomb sieht zu Simmons.
Tha Bomb: „Unser kleines Handicap Match hat also Eindruck hinterlassen.“
Simmons will antworten. Doch Thor spricht einfach weiter.
Thor: „Nicht genug.“
Seine Stimme ist vollkommen ruhig. Das macht die Worte unangenehmer. Thor geht langsam auf die anderen zu.
Thor: „Der Mann bekommt vier Leute vor die Fresse, wird zusammengeschlagen, kann zwei Wochen später noch nicht vernünftig laufen und was macht er?“
Thor zeigt wieder in Richtung der Ecke.
Thor: „Er sucht uns.“
Ein kurzes, verächtliches Lachen.
Thor: „Nein.“
Er schüttelt den Kopf.
Thor: „Er sucht mich.“
Tha Bomb mustert ihn.
Tha Bomb: „Das hat er nicht gesagt.“
Thor schaut Bomb direkt an.
Thor: „Muss er nicht.“
Jetzt ist es vollkommen still.
Thor: „Ich kenne Typen wie ihn. Ich kenne diesen Blick. Dieses ganze Gerede davon, niemals liegen zu bleiben. Immer wieder aufzustehen. Sich mit vier Männern anzulegen, obwohl jeder Mensch mit einem funktionierenden Gehirn weiß, wie es endet.“
Er tritt einen weiteren Schritt vor.
Thor: „Er hält das für Stärke.“
Ein kaltes Grinsen.
Thor: „Ich halte es für Schauspiel.“
Simmons beobachtet Thor nun sehr aufmerksam. Thor zeigt mit dem Daumen auf seine eigene Brust.
Thor: „Zereo Killer versucht seit Jahren, größer zu sein, als er ist. Der unzerstörbare Veteran. Die Legende. Der Mann, der immer noch einmal aufsteht. Egal wie oft man ihn auf den Boden wirft.“
Thor lacht leise.
Thor: „Das Problem ist nur…“
Er blickt wieder zur Ecke.
Thor: „…ich war dieser Mann, bevor er überhaupt verstanden hat, was so ein Mann ist.“
Odin hebt leicht eine Augenbraue. Thor bemerkt es.
Thor: „Was?“
Odin schüttelt den Kopf.
Odin: „Nichts.“
Ein fast väterliches Lächeln.
Odin: „Mach weiter.“
Thor ignoriert den Unterton.
Thor: „Er ist ein Abklatsch.“
Jetzt wird seine Stimme härter.
Thor: „Eine kleinere Version von etwas, das er niemals sein konnte.“
Tha Bomb löst die verschränkten Arme. Er kennt Thor. Und er versteht, worauf dieses Gespräch hinausläuft.
Tha Bomb: „Du willst ihn.“
Keine Frage. Eine Feststellung. Thor sieht ihn an. Dann nickt er.
Thor: „Ja.“
Nur dieses eine Wort. Bomb wartet. Thor gibt ihm mehr.
Thor: „Die nächsten Wochen gehört Zereo Killer mir.“
Simmons zieht leicht eine Augenbraue hoch. Thor ignoriert ihn. Sein Blick bleibt bei Tha Bomb.
Thor: „Du und Titan kümmert euch um Mad Stars. Odin macht, was auch immer Odin und unser Professor hier miteinander ausgeheckt haben.“
Ein kurzer Seitenblick zu Simmons. Dann wieder Bomb.
Thor: „MacKenzie nehme ich.“
Tha Bomb antwortet nicht sofort. Er sieht kurz zu Titan. Dann zu Odin. Schließlich wieder zu Thor.
Tha Bomb: „Du weißt, dass der Typ nicht aufhören wird.“
Thor beginnt zu grinsen. Diesmal breit. Fast erfreut.
Thor: „Das hoffe ich.“
Jetzt ist dieses Monster deutlich zu sehen. Keine Philosophie. Keine großen Ideale. Thor freut sich darauf.
Thor: „Ich will nicht, dass er nach dem ersten Schlag liegen bleibt. Ich will, dass er wieder aufsteht. Und wieder. Und wieder.“
Er tritt näher an Bomb heran.
Thor: „Ich will genau den Zereo Killer, von dem alle seit Jahren erzählen.“
Seine Stimme wird leiser.
Thor: „Denn dann kann ich herausfinden, wie oft man eine Legende zerbrechen muss, bis sie begreift, dass sie nur ein Mensch ist.“
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Die Prüfung des Helden.“
Thor dreht den Kopf zu ihm.
Thor: „Nenn es, wie du willst.“
Kurze Pause.
Thor: „Ich nenne es Jagd.“
Simmons' Lächeln wird größer.
Al Spawn Simmons: „Natürlich tun Sie das.“
Thor wendet sich wieder Bomb zu. Einen Moment lang stehen sich die beiden Hauptfiguren der Gruppe gegenüber. Nicht als Konkurrenten. Bomb führt. Thor verlangt seine Beute.
Schließlich nickt Tha Bomb.
Tha Bomb: „Dann gehört er dir.“
Thor antwortet nicht. Das Grinsen reicht. Doch Simmons hebt einen Finger.
Al Spawn Simmons: „Unter einer Bedingung.“
Thor schaut ihn an. Das Grinsen verschwindet.
Thor: „Ich brauche keine Bedingungen.“
Für einen Augenblick liegt Spannung zwischen beiden Männern. Simmons bleibt vollkommen ruhig.
Al Spawn Simmons: „Oh, doch. Diese schon.“
Thor macht einen Schritt auf ihn zu. Bomb beobachtet beide. Odin ebenfalls. Simmons weicht keinen Zentimeter zurück.
Al Spawn Simmons: „Sie gehen jetzt nicht zu ihm.“
Thor schaut zur Ecke. Dann wieder Simmons an.
Thor: „Warum nicht?“
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Weil er gerade etwas viel Wertvolleres mitnimmt als einen weiteren Schlag auf den Kopf.“
Thor wartet. Simmons dreht sich ganz leicht in Richtung der Ecke, ohne direkt hinzusehen.
Al Spawn Simmons: „Hoffnung.“
Tha Bomb versteht zuerst. Ein Grinsen.
Tha Bomb: „Er glaubt, wir hätten ihn nicht gesehen.“
Simmons nickt.
Al Spawn Simmons: „Ganz genau.“
Langsam verschränkt Simmons die Hände hinter dem Rücken. Der Professor ist wieder vollkommen in seinem Element.
Al Spawn Simmons: „Herr MacKenzie steht dort hinten, verletzt, verunsichert und vermutlich zum ersten Mal seit langer Zeit mit dem Gedanken beschäftigt, dass sein Mut allein möglicherweise nicht ausreicht.“
Thor schnaubt. Simmons fährt fort.
Al Spawn Simmons: „Und nun erlebt er etwas, das ihm Hoffnung gibt. The Apocrypha gehen an ihm vorbei. Niemand reagiert. Niemand verfolgt ihn. Niemand stellt ihn.“
Ein beinahe warmes Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Er wird glauben, dass wir ihn nicht mehr im Blick haben.“
Simmons dreht den Kopf zu Thor.
Al Spawn Simmons: „Lassen Sie ihn.“
Thor sagt nichts.
Al Spawn Simmons: „Lassen Sie ihn glauben, dass er Zeit besitzt. Lassen Sie ihn nachdenken. Lassen Sie ihn Pläne schmieden. Lassen Sie ihn vielleicht sogar Verbündete suchen.“
Simmons' Stimme wird leiser.
Al Spawn Simmons: „Menschen zeigen ihr wahres Gesicht nicht, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden.“
Eine kurze Pause.
Al Spawn Simmons: „Sie zeigen es, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.“
Odin nickt langsam. Titan ebenfalls. Thor hingegen schaut wieder zur Ecke. Seine Beute befindet sich vielleicht nur wenige Meter entfernt. Er könnte jetzt hingehen. Er könnte Zereo stellen. Er könnte die Jagd beginnen. Doch er tut es nicht.
Stattdessen lächelt Thor.
Thor: „Also soll er denken, dass er entkommen ist.“
Simmons schüttelt den Kopf.
Al Spawn Simmons: „Nein.“
Thor sieht ihn an. Simmons' Lächeln verschwindet.
Al Spawn Simmons: „Er soll denken, dass die Jagd noch gar nicht begonnen hat.“
Stille. Dann beginnt Thor leise zu lachen.
Thor: „Damit kann ich leben.“
Tha Bomb tritt wieder in die Mitte der Gruppe. Für ihn ist die Besprechung damit beendet.
Tha Bomb: „Dann haben wir es.“
Er zeigt auf Titan.
Tha Bomb: „Mad Stars.“
Titan nickt. Bomb schaut zu Thor.
Tha Bomb: „Zereo Killer.“
Thors Blick wandert ein letztes Mal zur Ecke.
Thor: „Meiner.“
Schließlich Odin. Bomb betrachtet ihn kurz.
Tha Bomb: „Und du…“
Odin wartet. Bomb schüttelt den Kopf.
Tha Bomb: „…machst deinen mysteriösen Scheiß.“
Zum ersten Mal grinst Odin breit.
Odin: „Werde ich.“
Simmons tritt neben die vier Männer. Er schaut sie der Reihe nach an. Tha Bomb. Titan. Thor. Odin. Vier vollkommen unterschiedliche Männer. Vier vollkommen unterschiedliche Aufgaben. Und doch dasselbe Fundament.
Al Spawn Simmons: „Dann wissen wir, was zu tun ist.“
Tha Bomb setzt sich als Erster in Bewegung. Nicht Simmons. Tha Bomb.
Titan folgt seinem Partner unmittelbar. Odin schließt sich an. Simmons geht hinter ihnen.
Thor bleibt zurück. Nur für zwei Sekunden.
Sein Kopf dreht sich ganz langsam. Nicht vollständig. Gerade weit genug, dass sein Blick aus dem Augenwinkel exakt jene Ecke erfasst, hinter der Zereo Killer steht.
Ein Lächeln. Kein Wort.
Dann dreht Thor sich wieder um und folgt den anderen.
The Apocrypha verschwinden den Gang hinunter.
Zurück bleibt die Ecke.
Und dahinter ein Mann, der glaubt, gerade unentdeckt geblieben zu sein.
Ein Mann, der glaubt, The Apocrypha hätten ihn vielleicht bereits wieder aus den Augen verloren.
Ein Mann, der in diesem Moment noch nicht wissen kann, dass seine Zukunft innerhalb der Gruppe bereits Thema einer Besprechung war.
Dass Tha Bomb sein Einverständnis gegeben hat.
Dass Simmons ihn bewusst in Sicherheit wiegt.
Und vor allem…
dass Thor ihn längst gesehen hat.
Für Zereo Killer beginnt die Jagd erst noch.
Für Thor hat sie bereits begonnen.
Pete: “Zeit für unseren Main Event! Here we go.”
Unsterblich. Für immer jung.
Nur zwei der Stichworte, mit denen Refuse to Age - zumindest in der Selbstwahrnehmung - verbunden sind. Doch nach zwei Niederlagen bei Conquest, nämlich sowohl für Rickson als auch für Jake und Zick, ist das Image der Gruppierung mehr als nur ein bisschen angekratzt. Man könnte auch meinen, das Team steht an einem Scheideweg.
Doch von dieser schwierigen Situation ist dem Trio nichts anzumerken, als es zu den Klängen von Ricksons Theme Richtung Squared Circle marschiert. Alle Drei wirken selbstbewusst, besonders der voranschreitende Engländer. Nach den Vorkommnissen früher am Abend, rund um einen mysteriösen Spender, geht er beschwingt. Oder wie man es Rickson zuliebe eher formulieren sollte: Jugendlich.
Wenn es nach den Fans geht, ist das Team in Wuppertal nicht willkommen. Fast einhellig prasseln Buhrufe auf sie nieder…und ebenso einhellig werden sie von den Wrestlern ignoriert. Keine Blicke ins Publikum verraten, dass Rickson, Jake und Robbin überhaupt wahrnehmen, dass sie nicht allein in der Halle sind. Kurz vor dem Ring angekommen, gibt es von Danny eine Ansprache an seine jüngeren Gefährten, dann sliden die Beiden unter den Ropes auf die Matte, während Rickson den langen Weg über die Ringtreppe wählt.
Das Trio trägt Einheitskleidung, zumindest farblich. Rickson und Robbin haben sich für Tights in den Teamfarben - Silber, Weiß und Blau - entschieden, während Jake Trunks in denselben Farben und Mustern offenbart, sobald er sich seines Pelzmantels entledigt hat und ihn mit herrischer Geste an Laura reicht, damit sie ihn sicher verwahrt. Dann verstummt, sehr zum Missfallen des Trios, die Musik. Und macht Platz für die Nächste.
Pete: “Ich kann nun ohne Angst vor Strafe sagen, dass Darragh Switzenberg…” Sven: “...vielleicht ein LÜGNER ist.* Pete: “Was? Du auch?” Sven: “Er hat etwas Nettes getan. Das macht ihn verdächtig. Ich mag ihn nun weniger. BRING BACK PARAGRAPH 6. Zumindest für Pete.”
Inmitten des Geplappers der Beiden betritt der “neue” Darragh Switzenberg zum zweiten Mal an diesem Abend die Halle. War der erste Auftritt überraschend, so wird er jetzt erwartet - und von den Fans tatsächlich gut empfangen. Es scheint, als sei nach der Aufhebung von Paragraph 6 mittlerweile der Großteil des Publikums überzeugt von der Ernsthaftigkeit Darraghs, ein neues Vermächtnis zu gestalten, das auf ehrlicher Arbeit und guten Taten basiert.
Der Kanadier nimmt die Reaktionen mit einem Lächeln hin. Er nickt den Zuschauern zu, während er sich Richtung Ring bewegt. Um keine Zeit zu verlieren, zieht er noch auf der Strecke sein Shirt aus und präsentiert den perfekt trainierten, 120 Kilo schweren Körper eines möglicherweise baldigen GFCW Champions…zumindest wenn bei Blue Blood die Würfel des Schicksals richtig fallen.
Switzenberg blickt in den Ring. Hasserfüllte Gesichter beobachten ihn dort. Doch Anstalten, vorzeitig zu attackieren, machen Refuse to Age nicht. Also erlaubt es Switzenberg sich, nicht auf den Rest des Teams zu warten, sondern bereits auf die Matte zu treten und dort mit erhobenen Armen zu jubeln. Wieder Applaus für Switzenberg. Seinem Lächeln nach kann er sich daran gewöhnen.
Jubel. Buh-Rufe. Verhaltene Reaktionen. Immer noch etwas Unsicherheit. Die Tendenz geht ganz klar in eine positive Richtung, aber so richtig geschlossen hat sich die GFCW-Galaxy noch nicht FÜR oder GEGEN Aldo entschieden. Naja, außer einer.
Sven: „Schau ihn dir an, Pete. Ist es nicht ein fantastisches Bild, wie dieser Krieger dort zum Ring gestrotzt kommt, um Refuse to Age eigenhändig kurz und klein zu hauen? Aldo ist die Rettung. Aldo ist der Sieg. Refuse to Aldo – niemals!“ Pete: „Ich bin sehr gespannt, wie Aldo sich schlagen wird. Bei Conquista hat er das Match bereits entschieden, wenn er das heute wieder schafft, dann legt er weiter ordentlich vor, vor dem Three Way Dance bei Blue Blood.“
Aldo kommt auf die Rampe gelaufen. Es bedarf keines großen Schnick-Schnacks. Aldo ist hier um das Match zu gewinnen und sich dann auf in Richtung Rückeroberung des GFCW World Titles zu machen. Er wirkt fokussiert, er wirkt überzeugt und vor allem, nachdem er The End heute bereits gut getrotzt hat, wirkt er umso selbstsicherer. Er läuft zum Ring, positioniert sich dort bereits und signalisiert, dass er ready ist.
Und nun jubelt es wieder lautstark aus den Zuschauerreihen – der Champ ist da! Es dauert einige Sekunden bis End auf die Stage tritt. Sekunden, in denen er den Jubel weiter herausprovoziert, genießt und aufsaugt. Und das fällt immer mehr auf, eigentlich, hat er das in seiner Zeit als Held der Liga nicht so sehr getan, doch jetzt fügt er sich immer mehr, wobei, nicht ganz richtig. Vielmehr scheint er den Jubel als eine Art „Selbstverständlichkeit“ und fast schon als eine Art Tribut zu sehen, den die GFCW-Galaxy ihm zahlt, dafür, dass er die Liga wieder und wieder verteidigt… … vielleicht interpretiert man da in sein Auftreten aber auch etwas zu viel herein. Jedenfalls steht End auf der Stage und setzt seinen Weg zum Ring nun auch an.
Sven: „Da ist er, der zukünftige Ex-Champion. Du hast das Ding gut warmgehalten für Aldo, aber bald holt er es sich zurück!“ Pete: „Naja, vergiss mal nicht, dass es in der Gleichung noch einen dritten Part gibt und der kann potenziell ebenso gefährlich, wenn nicht noch gefährlicher sein. Darragh Switzenberg.“
End erreicht den Ring, er betritt diesen und wirft seinen beiden Mitstreitern einen Blick zu, bevor auch er andeutet, bereit zu sein. Er gibt seinen Gürtel ab und es kann losgehen.
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Danke an alle Schreiber!!!
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