Die Kamera zeigt ein Trainings-Gym. Vermutlich zu später Stunde, denn das Licht ist gedimmt und es ist kein Mensch weit und breit zu sehen. Fokussiert wird eine Ringer-Matte auf dem Boden. Gelbe Kreise zeichnen diese, auf dem schon viel Schweiß und Tränen geflossen sein müssten. Dann dreht sich das Kameraobjektiv um schätzungsweise 45 Grad. Ein keuchender, aber durchaus fokussierter Kyle Douglas springt dem Geschulten direkt ins Auge. Der junge Kanadier, der nun auf Solo-Pfaden unterwegs ist, scheint nicht lange um den heißen Brei herumreden zu wollen. „Straight in your face“, was er auf dem Herzen hat.


Kyle: „Das ist wofür ich brenne, wofür ich lebe. Wrestling. Meine Erfolge sprechen für sich und für mich. Ringermeister ohne Niederlage und auch in der GFCW nach dutzenden Kämpfen noch immer: MR. UNPINNABLE!“


Douglas, der die typische Trainingsgarderobe eines Ringers trägt. Also enges Wrestling-Singlet, mit einem ärmellosen Shirt, Knieschonern und die obligatorischen Wrestling-Boots. Alles selbstredend nassgeschwitzt nach getaner Arbeit…


Kyle: „Das Problem ist nur: Ich kann mir nichts dafür kaufen. Rein gar nichts. Der Tag Team Title mit Morbeus – in Ordnung. Bei der Anniversary wurde mir der ganz große Auftritt aber versagt. Ebenso die Goldmedaille ei Olympia. Ich bin erst 25 und dennoch habe ich allein in den letzten 3 Jahren so unfassbar viele Chancen nicht bekommen. Und dabei habe ich IMMER geleifert. Wenn ich sehe, wo ein Ask, ein Switzenberg, selbst ein Zach Alonso bereits stehen…..und wenn ich das mit meinem Status in der Championship vergleiche….


Mr. Unpinnable schaut nun etwas betreten zu Boden, doch er fokussiert sich nun wieder schnell und schaut noch einen ticken angriffslustiger in die Kamera.


Kyle: „…werde ich ein ungeahntes Risiko gehen. Mir endlich das holen, was mir zusteht. Natürlich rede ich von Titeln, von PPV Main Events. Ich will und ich werde Topstar dieser Liga werden. Ich werde keinen Rückzieher mehr machen, keinen mehr dem Vortritt lassen. Sei er neunmaliger Champion oder ein Rookie. Kein Fingerbreit für Leute aus der Academy, für Rückkehrer und sonstiges. Keine Hinterzimmerpolitik. Nur straight up IN YOUR FACE! Die MISEDUCATION OF KYLE DOUGLAS wird ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. Die Zukunft ist meine. Keine Zugständnisse an Partner oder Verwandte. Nur ICH. MR. UNPINNABLE!“


Kyle Douglas spannt nun noch seine durchaus sehr beachtlichen Muskeln an. Ein wahrer Muskelberg ist zu sehen. Kyle hat gesprochen. Die Kamera zoomt heraus.




War Evening, MHP-Arena (Ludwigsburg), 20.03.2026


In Kooperation mit



BOOM! PENG! KRACH! RUMMS!

Zwei Wochen ist es her, da wurde gefeiert. Zwei Wochen ist es her, da wurde um einen ganz großen getrauert. Aber all das ist eben zwei Wochen her und deshalb beginnen heute die nächsten 25 Jahre der GFCW! Ein Feuerwerk leitet diese neue Epoche ein und die jubelnde GFCW-Galaxy unterstützt dabei lautstark und voller Energie, denn wir sind in Ludwigsburg und wir haben BOCK!


Pete: „Herzlich Willkommen liebe GFCW-Galaxy zu einer neuen Ausgabe von War Evening! Und zur ersten Ausgabe nach der großen Geburtstagsshow der GFCW! 25 Jahre GFCW haben wir gefeiert und zugleich eine der größten GFCW-Legenden verabschiedet, die diese Liga je gesehen hat.“

Sven: „Ja, grüßt euch. Und zur Feier des Tages, habe ich eine Fun-Fact dabei: die GFCW ist jetzt offiziell näher an ihrem 50. Geburtstag dran als an ihrer Gründung. Ist das nicht total FUNNY?“

Pete: „Ja, das ist nicht funny. Aber beachtlich. Wir haben 25 Jahre gefeiert und Robert Breads verabschiedet – Titel wurden verteidigt, Titel wechselten ihren Besitzer und wir haben eine Menge großartiger Matches gesehen und heute schauen wir nun in die Zukunft, also dann – bereit?“

Sven: „Ob wir auch noch beim 50-jährigen Geburtstag gemeinsam hier sitzen werden, um die Card anzusagen?“

Pete: „Ich weiß es nicht.“

Sven: „Keiner weiß das, aber ich hoffe nicht.“


Singles Match:

Miria Saionji vs. Lukas Meyer-Gittenstein

Referee: Mike Gard


Pete: „Miria Saionji hat das erste Main Event einer GFCW-Show im Jahre 2026 gewonnen und nun steht sie im ersten Match nach dem großen Jubiläum und das will was heißen, schließlich tritt sie nicht oft an.“

Sven: „Und dann heute gegen bekanntesten Meyer-Gittensteiner der GFCW-Geschichte.“

Pete: „Nun, wie hoch errechnest du dir die Chancen für LMG?“

Sven: „Ich rechne nicht mal damit, dass man aus seiner Perspektive das Wort ‚Chance‘ überhaupt denken sollte.“

Pete: „Also, ich würde ihn ungern abschreiben, aber Saionjis Rekord spricht für sich und da wir ihn schon erwähnt haben – sie hat auch einen Sieg über Robert Breads zu verbuchen, also wird das für Lukas ordentlich schwer, aber man weiß ja nie, vielleicht liefert er uns heute den ersten Upset-Sieg der nächsten 25 Jahre GFCW.“


Tag Team-Match:

TSEizn Ra(re)BBits (Tsuki Nosagi & El Metztli) vs. Cirque du Tonnerre (Creed Gibson & Andrew Costalago)

Referee: Karo Herzog


Sven: „Im nächsten Kampf geht es darum, welchen Teamnamen man wohl schwieriger aussprechen kann!“

Pete: „Um ein wenig Seriosität in die Show zu bringen: es wird recht spannend zu sehen sein, wie die Hasen sich hier schlagen, denn bei der Anniversary Show haben sie ihr Titelgold verloren, gegen die neuformierte Übermacht am Tag Team Himmel Zereo Killer und Morbeus, zwei ehemalige GFCW World Champion.“

Sven: „Tja, entweder sie punkten direkt wieder mit einem Sieg, um sich wieder in Richtung Titelkampf zu begeben oder sie heimsen die nächste Niederlage ein, gegen unsere Zirkusathleten.“

Pete: „Creed Gibson hat vor einigen Wochen bereits die Chance darauf bekommen Solo-Gold zu gewinnen, das hat nicht geklappt, schauen wir mal, ob er im Team mehr Erfolg hat.“

Sven: „Schauen wir mal. Aber man kanns nicht anders sagen TSEizn Ra(re)BBits sind eins der konstantesten und besten Teams der letzten Jahre gewesen, also wird das durchaus eine harte Aufgabe für den Cirque du Tonnerre.“



Eine Ankündigung von The End


Pete: „Wollen wir überlegen, was die Ankündigung unseres Champions sein kann?“

Sven: „Er legt den Titel nieder, damit der GROßARTIGE ALDO NERO zurückkommen kann, um ihn wieder rechtmäßig an sich zu nehmen, damit er ihn die nächsten 25 Jahre GFCW halten, verteidigen und mit Ehre erfüllen kann?“

Pete: „So viel zur Seriosität. Aber ernsthaft, eigentlich gab es von The End schon eine Ansage in Richtung GFCW bei der Anniversary Show. Er hat das Roster dazu aufgefordert sich ihm zu stellen… aber das tat er bereits und wirklich getan haben das nur Monica Shade und Stella Nova. Beide hat er bei der Jubiläumsshow besiegt, jetzt wird es also spannend zu sehen sein, was als nächstes für den Champion und den Championship auf dem Plan steht.“

Sven: „Ich hoffe Aldo Nero.“


Singles Match:

Darragh Switzenberg vs. Iray Burch

Referee: Mike Kontrak


Sven: „Ich hätte allerdings überhaupt keine Lust in der Haut von Darragh Switzenberg zu stecken.“

Pete: „Kann ich verstehen. Er hat bei der Anniversary Show seinen Intercontinental Championship verloren und muss heute gegen ein absolutes Monster ran. Das Monster Iray Burch, dass aktuell steil auf dem Weg nach oben ist.“

Sven: „Ich meine… also… ja… ich wünsche Switzenberg viel Glück.“

Pete: „Wenn jemand Glück nicht braucht, dann Darragh Switzenberg. Der Mann hat Mittel und Wege Siege zu erringen, er ist schließlich bereits dreifacher Intercontinental Champion. Also ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er das Ding hier macht, aber gut, lassen wir uns überraschen.“

Sven: „Da muss ich dir ja sogar mal zustimmen, Switzenberg hat immer einen Trick parat.“

Pete: „Nun denn, das war die Card, aber ich denke es dürfte klar sein, dass uns noch viel mehr als nur das erwarten wird: wie gehen Monica Shade und Stella Nova mit der Niederlage beim PPV um? Was wird aus Refuse to Age? Was hat Ask Skógur als nächstes vor? Wie geht es unseren frischgebackenen Champions? Und und und. Wir mögen 25 Jahre GFCW geschafft haben, aber es bleibt weiter spannend, also viel Spaß, meine Damen und Herren und auf die nächsten 25 Jahre!“



Auf einem Pferd.
So reist der neue Champion zur Ludwigsburger MHP-Arena an.


Die GFCW-Mitarbeiter am Hallen-Hintereingang werden von Hufgeklapper aufgeschreckt und noch während sie es für einen Scherz halten und sich nach der versteckten Kamera umdrehen, reitet Zac Alonso auf einem Schimmel an ihnen vorbei.

Das edle Tier schnaubt, als es seinen Weg zwischen Produktionstrucks und Mitarbeiterwägen hindurch findet. Es schüttelt seine Mähne. Und obwohl ein Pferd bei War Evening ein ungewohnter Anblick ist, dürfte der Gaul in diesem Augenblick nicht einmal das exzentrischste Detail des Auftritts sein. Diese Krone geht an das Outfit des neuen Champions: Er trägt einen goldenen Hut. Nicht jenem Preis unähnlich, den er einst im Saloon von High Noon gewann. Nur mit neuer Aufschrift: Statt „König des Saloons“ ist nun „Intercontinental Champion“ in Western-Font aufgedruckt. Unter dem Hut sind Alonsos Augen trotz der abnehmenden Abendlichtes von einer Sonnenbrille bedeckt, deren Gestell durch hunderte kleine Perlen glitzert. Er trägt einen schwarzen Anzug, der allerdings mehr an einen Zirkusdirektor als an einen Geschäftsmann erinnert, denn die Nähte sind mit Fransen besetzt und auf dem Rücken finden sich die Initialen ZA in blauer und roter Umrandung eingestickt.

Zu Füßen des Pferdes marschiert, mit glücklich wedelndem Schwanz, der Zacidog. Er braucht keine Leine, um seinem neuen Besitzer treu zu folgen. Für diese Loyalität wurde er ebenfalls mit einer Sonnenbrille belohnt. Sein braunes Fell ist mit einer gesteppten Decke geschmückt, die den Schriftzug „Champion-Dog“ trägt.


Zac Alonso: „GFCW-Galaxy! Ich bin der neue Intercontinental Champion!“


Alonso spricht es in die Kamera, während sein Körper durch den Ritt auf und ab geworfen wird. Er ist noch immer draußen auf dem Parkplatz. Doch dann ändert sich das Hintergrundszenario – aus dem offenen Himmel wird die graue Umgebung des Backstagebereichs. In genau jenen ist Zac nämlich ungehindert eingeritten. Das edle Pferd ängstigt es nicht, sich jetzt in den Hallenkatakomben zu befinden – das übernehmen aufgeregte Mitarbeiter, die sich erschrocken in Sicherheit bringen, als Zac an ihnen vorbeireitet.


Zac Alonso: „Ich werde nun ein bisschen Darragh Switzenberg beleidigen und dann habe ich eine aufregende Ankündigung für euch. Seid gespannt.“


Alonsos Grinsen lugt unter der Sonnenbrille hervor. Es ist breit und entspannt. Die Last, die durch den Sieg über Switzenberg von ihm abgefallen ist, dürfte schwerer als Gino Rieß, Meathook und Iray Burch zusammen sein.


Zac Alonso: „Darragh…“


Seine Stimme wird weniger euphorisch, bleibt aber energiegeladen. Er blickt direkt in die Kamera, versucht Darragh Switzenberg durch die Linse hindurch in die Seele zu sprechen. Währenddessen geht es Huftritt für Huftritt weiter durch den Backstagebereich.

Der Klepper schiebt mit seinem massigen Körper Produktionskisten aus dem Weg, rennt Lampen um und reißt einen Stecker aus der Wand, als es sich mit den Hufen im zugehörigen Kabel verfängt.


Zac Alonso: „…ich bin mir sicher, du wirst heute oder in den nächsten Wochen eine Argumentation zusammenschustern, warum der Intercontinental Title nun weniger wert sein sollte, als er es in den anderthalb Jahren Geiselhaft bei dir war. Sicher hat es etwas damit zu tun, dass nur der großartige GFCW-Wrestler Darragh Switzenberg einem Titel Glanz verleihen kann, der ansonsten oft im Hintergrund verschwindet. Doch ich sage dir, wie es ist: Einen Scheiß hast du. Deine Regentschaft hat diesem Titel nicht zu Glanz verholfen. Im Gegenteil. Er war mehr wert, als ein Ask Skógur Show für Show um ihn gekämpft hat. Oder zu den Zeiten, als er The Ends Sprungbrett nach oben war.“


Trotz des Ritts kommen Alonsos Worte flüssig. Entweder sind sie einstudiert oder lagen ihm schon lange auf der Seele. Während des Monologs haben er, das Pferd und der Switzidog es bis in die Gorilla Position geschafft. Die Mitglieder des Produktionsteams drücken sich ängstlich an die Wand. Nur Tammy ist zur Stelle, um das Pferd zu streicheln. Weil sie geil und ein guter Mensch ist. Hinter ihrem Rücken macht sich Mac Müll ganz klein, um nicht die Aufmerksamkeit des Tiers zu erregen.

Alonso rutscht vom Rücken des Schimmels, drückt die Zügel in Tammys Hand und die Leine des Zacidog in jene von Mac Müll. Der Labrador hört sofort auf, mit dem Schwanz zu wedeln. Wimmernd rollt er sich zusammen.

Dann nimmt der neue Champion Aufstellung direkt hinter dem Vorhang. Eine Hand legt sich bereits an den Stoff. Er ist bereit, in die Halle einzutreten, die ihn bereits mit Jubel und Vorfreude empfängt.

Doch bevor der Amerikaner in den Innenraum tritt, wendet er sich noch einmal der Kamera – und damit Darragh Switzenberg – zu.


Zac Alonso: „Doch nicht nur hast du dem Titel nicht geholfen, nein…wenn du einmal in deinem künstlichen Schauspielerleben ehrlich zu dir wärst, würdest du einsehen, dass mehr als 400 Tage Champion-Dasein nicht einmal dir selbst geholfen haben. Du standest vor deinem ersten Titelgewinn genauso da wie jetzt. Du bist als dreifacher IC-Champion in keiner besseren Position als zuvor. Keiner respektiert dich mehr. Wahrscheinlich ist sogar einiges von deinem Zauber verflogen. Egal, wie sehr du darauf beharrst, dass das Switziverse diese Liga regiert: Ohne dein ständiges Gerede würde das niemand von selbst merken.“


Dann ist es so weit: Alonso wirft den Vorhang zur Seite und rennt in die Halle. Reißt die Arme in die Luft. Er kommt ohne Pferd und Hund, doch mit dem Intercontinental Title auf der Schulter und dem Mikrofon in der Hand.

Ludwigsburg empfängt Alonso wie einen Helden. Es gibt Sprechchöre mit seinem Namen und lautes Gebrüll, als er das hart umkämpfte Titelgold der Decke entgegenstreckt. Für die Anniversary Show hatte er sich auf einen Kampf auf der Rasierklinge eingelassen: Triumph oder Entlassung. Zur Freude der Zuschauer ist es Option 1 geworden.

Und das gibt ihm die Gelegenheit, weiter vor tausenden Ohren über Switzenberg herzuziehen.


Zac Alonso: „Du hattest 400 Tage Zeit, verteilt auf drei Regentschaften, diesem Titel und dir selbst etwas Gutes zu tun. Stattdessen hast du die Zeit damit verschwendet, dich monatelang von Jason Crutch übertölpeln zu lassen. Du hast mehr große Rede gehalten als große Matches geliefert. Wenn du die Wahrheit nicht ertragen kannst, dann halt dir jetzt die Ohren zu. Aber…“


Kurz vor dem Ring bleibt Alonso stehen. Schwenkt seinen Blick über das Publikum, ehe er einmal mehr in die Kamera starrt.


Zac Alonso: „…du warst kein guter Champion.“


Zustimmender Jubel bei den Ludwigsburgern. Sahen sie genauso. Entsprechend groß ist die Erleichterung, dass War Evening nach der Anniversary Show nicht mit einer Ansprache des Switziverse beginnt, sondern mit der des Erzfeindes.


Zac Alonso: „In dem Moment, da ich auf dir lag und bis Drei durchgezählt wurde, da habe ich einen Entschluss gefasst. Ich habe mir selbst ein Versprechen gegeben und nun bin ich hier, um dieses Versprechen auch der gesamten GFCW-Galaxy zu geben: Ich werde den Intercontinental Title zurück in die glorreichen Zeiten bringen, in denen er eine Durchgangsstation nach oben war. Zeiten, in denen Wrestler sich einen Namen gemacht haben mit diesem Titel. Ich will weit weg von jenen Zeiten, in denen er die Verhandlungsmasse eines Intrigenspinners war.“


Über die Ringtreppe ist Alonso auf die Matte gelangt. Er läuft energisch alle vier Seiten ab, saugt die Emotionen in sich auf.


Zac Alonso: „Ich werde kein Champion sein, der vor Herausforderungen den Schwanz einzieht. Ich werde einer sein, der mit diesem Titel wächst und wächst. Und genau aus diesem Grund…“


Dramatische Pause. Luft holen. Alonso kommt zum wichtigsten Punkt seiner Ansprache. Neben dem Beleidigen von Switzenberg natürlich.


Zac Alonso: „…bringe ich die Open Challenges um diesen Titel zurück. Genau jetzt! Hier in Ludwigsburg. Was sagt ihr, GFCW-Galaxy?“


YEEEEEEEEAAAH!“


Mit einem geschickten Handgriff lässt Switzenberg seinen Gürtel von der Schulter gleiten, legt ihn vorsichtig auf der Matte ab. Dann löst er die Knöpfe seines Hemdes und zieht es samt Jackett aus. Nun steht Alonso fast schon ringbereit da – nur noch die Anzugshose muss für seine üblichen Tights warten. Das geschieht mit dem nächsten geübten Handgriff.

Alonso deutet mit ausgestreckter Hand die Rampe hinunter.


Zac Alonso: „Also, ihr da hinten hinter dem Vorhang, ihr habt es gehört. Ich bin genau hier. Auf dieser Matte. Ich gehe hier nicht weg, bevor ich nicht die Herausforderung hatte, nach der ich mich sehne.“


Er stampft mit dem Fuß auf.


Zac Alonso: „Und wer zuerst bei mir in diesem Ring ist, der bekommt seine Chance. Darauf gebe ich mein Wort. So simpel ist meine Regel: Wer im Ring steht, darf mich herausfordern. Egal, wer es ist. Ich will nicht, dass ihr rauskommt und labert, sondern ich will denjenigen, der am schnellsten im Squared Circle ist.“


Jubel bei den Zuschauern. War Evening startet direkt mit einem Title Match. Was will man mehr? Während Zac Alonso sein Shirt auszieht und in Zuschauer pfeffert, schaltet die Kamera in den Backstagebereich um.


::: Live im Backstage-Bereich :::


Ein paar Sekunden hat es gedauert, bis die Nachricht in den grauen Katakomben der MHP-Arena verarbeitet wurde. Dann wird einem Dutzend Wrestlern, die backstage vor einem Monitor zusammenstanden, um die Show zu verfolgen, klar, dass sie zu Konkurrenten geworden sind.


Jona Pexianer: „Alles klar, Leute. Ich gehe jetzt da raus. Zac Alonso mag ein netter Kerl sein, aber meine Lariat kennt keine Gnade.“


Petes Sohn wirbelt herum und marschiert los. Doch er kommt keinen halben Meter weit, ehe er von Nick Kavinsky zurückgehalten wird. Der Australier starrt den Youngster an.


Nick Kavinsky: „Du meinst die Lariat, mit der du den letzten Kampf nicht gewinnen konntest? Sorry, Junge, aber lass jemanden mit mehr Erfahrung ran. Ich habe noch was gutzumachen.“


Kavinsky versucht, sich an Pex vorbeizudrücken. Doch dieser reagiert schnell. Er schubst den Australier zurück. Nur ganz leicht. Doch dabei gerät Nick ins Straucheln, stürzt hin – und stößt die restlichen vier Wrestler an, die hinter ihm standen. Es sind Rodrigo Gaya und Jackie D’Arcy – gemeinsam bekannt als Jump n‘ Punk-Alliance – sowie Celo Marx und Ivor Ruskin. Alle stürzen durch die Wucht, mit der Kavinsky kommt, wie Bowling-Pins zu Boden.

Pex nutzt die unverhoffte Gelegenheit und entfernt sich im Laufschritt, während die anderen noch damit beschäftigt sind, wieder auf die Beine zu kommen. Die Stimmen jener, die Pex zurückgelassen hat, werden mit jedem Schritt gedämpfter. Er läuft zwar nicht um sein Leben, aber um seine große Chance. Die Kamera hat Probleme, ihm zu folgen, während er durch die Gänge hetzt. Schritt für Schritt, Meter für Meter. Er kommt seinem Ziel – dem Vorhang zur Halle – immer näher.

Doch dann ertönen, sekündlich lauter werdend, Schrittgeräusche hinter ihm.

Pex wendet sich um. Genau das ist sein Fehler. Es gibt Celo Marx die Gelegenheit, den Rückstand zu Petes Sohn endgültig aufzuholen. Der Leipziger hatte es mit seiner Wendigkeit als Einziger aus den umgestürzten „Bowling-Pins“ geschafft, die Verfolgung aufzunehmen. Nun greift er nach Pex‘ Schulter und wirbelt diesen herum.


Celo Marx: „Dieses Match gehört mir, Jona. ICH habe Iokepa besiegt. Du hast dein Debüt verloren.“


Noch ehe Pex etwas entgegnen kann, sind die Beiden in einen Brawl verwickelt. Auf engstem Raum - während rund um sie herum Mitarbeiter in Sicherheit springen - wird geschlagen und getreten. Es ist nicht die feine Klinge, nicht einmal die mittelfeine. Es ist ein harter Kampf zweier Männer, die sich ihre Gelegenheit nicht nehmen lassen wollen. In der Halle verfolgen die Fans mit aufgeregten Rufen, wer sich hier durchsetzen wird.

In jenem Moment türmt sich ein Schatten über den Kämpfenden auf.

Zu sehen ist der massige Leib eines Mannes, der vor wenigen Wochen seine Probleme mit Jona Pexianer hatte und sich nach einer fehlgeschlagenen Wette auf dem Boden wiederfand.


Reed Bunton: „Diesmal lasse ich mir nicht kampflos von dir in die Fresse schlagen, Pex.“


Der Kneipenschläger sagt es halb zu sich selbst, halb zu Pexianer, der das kaum mitbekommt, schließlich ist er noch im Duell mit Marx.

Da macht Bunton kurzen Prozess. Er greift mit einer fleischigen Hand Marx am Hals, mit der anderen Jona. Erst sieht es aus, als wolle er sie auseinanderziehen; doch im nächsten Augenblick rammt er die Köpfe beider Wrestler zusammen. Es gibt einen Knall, Schädel fliegt gegen Schädel. Benommen geht Celo Marx zu Boden. Pex versucht tapfer, sich auf den Beinen zu halten. Doch dann sackt er auf ein Knie und mit einem Handkantenschlag auf den Kopf sorgt Bunton für den Rest.


Reed Bunton: „Nun dann, das wäre erledigt. Jetzt ist es an der Zeit für die GFCW-Galaxy zu erfahren, wer Reed Bunton wirklich ist. Nämlich kein Typ, der backstage rumsteht und Wetten annimmt. Sondern der Typ, der jetzt in den Ring geht…“


Er marschiert los. Hat ein Grinsen im Gesicht, während er mit der Kamera beiläufig plaudert. Bunton ist sich seiner Sache mehr als gewiss. Er spürt keine Angst, noch von jemand anderem überwältigt zu werden.


Reed Bunton: „…und Zac Alonso dermaßen den Arsch aufreißen wird, dass der Zacidog ihn fortan als Schlafhöhle benutzen kann. Das hier…“


Der Engländer im reifen Alter von 45 Jahren klatscht sich auf seinen Bauch.


Reed Bunton: „…sind 150 Kilo Zerstörungsmasse. Mit mir im Ring knickt Alonso weg wie ein junger Strauch im Sturm.“


Vorfreudiges Grinsen. Er läuft in die Gorilla-Position, schiebt einen Produktionsmitarbeiter achtlos zur Seite. Dann hat er eine Hand am Vorhang und will ihn zur Seite ziehen.

Plötzlich taucht niemand anderes als Mr. Unpinnable auf! Die Fans jaulen regelrecht auf. Kyle Douglas has entered the game. Reed Bunton schaut ungläubig zum Olympioniken und kassiert direkt ein paar Punches „auf die Zwölf“. Bunton kassiert dann noch einen DDT auf den Hallenboden und ist erstmal ausgeknockt.


Kyle Douglas: „Es ist Kyle-Time: Übersehen war gestern. Ab heute übernimmt Kyle Douglas!“



Die melancholischste Entrance Theme der GFCW erklingt, aber Kyle Douglas macht nun überhaupt keinen bedrückten Eindruck. Sicheren Schrittes kommt er aus dem Entrance. Immer im Blick: der Ring! Nach vielen Rückschlägen scheint diese Open Challenge ein Wink des Schicksals für den jungen Kanadier. Kommt er aus dem Stand zum Titelmatch?


Pete: „Da ist er, Kyle Douglas! Ihm war es nicht vergönnt, an der Seite seines Vaters den Title bei der Anniversary zu gewinnen. Doch im Nachhinein stellt sich dieser Verlust vielleicht sogar als Gewinn heraus. Denn jetzt hat Mr. Unpinnable die Chance, an anderer Stelle den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere rauszuwrestlen. Schau dir Zac Alonso an, Sven. Unser Champion hat richtig Bock auf den Kampf.“

Sven: „Er ist ja auch richtig dumm. Ein wahrer Champion sollte die Chance nutzen, erst einmal Urlaub zu machen. Diese Kampfeslust, dieser Wille sich zu beweisen…das ist so profan. So benimmt sich doch kein Star. Nicht, dass ich Kyle Douglas mag. Aber ich hoffe, er beendet die Alonso-Herrschaft direkt wieder.“


Noch ein paar Schritte trennen Kyle Douglas vom Ring. Er wechselt schon einen Blick mit Zac Alonso. Der Champion springt auf der Matte auf und ab, kreist den Kopf im Nacken. Lockert die Muskeln.

Da kommt noch einmal Bewegung in die Sache.


Pete: „MEIN SOOOOHN! JAAAAA!“


Während Sven genervt stöhnt, stürmt ein wiederauferstandener Jona Pexianer mit nashornartigem Trampelschritt aus dem Vorhang.

Innerhalb von Sekunden holt er den Vorsprung auf, den ein (zu) selbstischerer und langsamer Kyle Douglas durch seinen Entrance verschenkt hat. Noch im Laufen springt Jona ab, rammt Kyle mit einem Body Check in Footballer-Manier um. Innerhalb von Sekunden ist aus den beiden 2nd-Generation-Stars ein brawlendes Knäuel geworden. Man kann kaum sehen, wer die Oberhand hat. Mal scheint es Pex zu sein, mal Kyle.

Kyle, als gelernter Top-Ringer, übernimmt mit ein paar geschickten Griffen aber wieder die Oberhand. Pex hat er nun in einen Sleeperhold gewuchtet. Dann setzt er noch ein paar Punches und Pex‘ Widerstandskraft scheint gebrochen. Aber das hat natürlich Zeit gekostet. KD rappelt sich dann auf und geht weiter seine Schritte zum Ring, um die Open Challenge anzunehmen.


Pete: „Noiiiiin, mein wundervoller Sohn. Ich hätte es dir so gegönnt gehabt.“


Und dann ist es endlich so weit: Kyle Douglas slidet unter den Seilen hindurch.

Kommt im Ring an.

Aber ein Ring hat vier Seiten.

Und Kyle kommt eine Sekunde zu spät.


Pete: „HOLLYWOOD JAKE!“

Sven: „JAAAAAAA!“


Als die Fans realisieren, was geschehen ist, wird aus dem Kyle Douglas-Jubel ein Meer aus Buhrufen.

Quasi aus dem Nichts war Hollywood Jake durch das Publikum gestürmt, hatte jeden Struggle, jeden Fight, auf dem Ring zum Ring vermieden. Und während Kyle und Pex noch gebrawlt hatten, war er im Schleichmodus ins Squared Circle gelangt.

Selbst Zac Alonso versteht erst nicht, was passiert ist. Er blickt angestrengt zu Kyle Douglas, bis er dessen entsetzten Ausdruck sieht. Nur dadurch – und durch das Geschrei der Fans – merkt er, dass etwas nicht in Ordnung ist. Also wirbelt Alonso herum. Und sieht seinen Erzfeind, wie dieser sich in der entgegengesetzten Ringecke aufrichtet.


Sven: „Was für ein kluger Mann Hollywood Jake doch ist. Unfassbar. Ein Ausnahmetalent.“

Pete: „Er hat nichts getan, Sven. Er ist lediglich in den Ring geschlichen und hat jede Auseinandersetzung vermieden.“

Sven: „K-L-U-G.“


Ringrichter Guido Sandmann, der während der Backstage-Brawls herausgelaufen war, lässt die Ringglocke läuten. Regeln sind Regeln. Und Alonso hatte schließlich gesagt: Er gibt das Titelmatch demjenigen, der zuerst im Ring ist. Das war – wie feige sein Auftreten auch gewesen sein mag – Hollywood Jake.

Kyle Douglas ist die Verzweiflung im Gesicht deutlich anzumerken. Man muss kein ausgebildeter Lippenleser sein, um ein kräftiges FUUUUUCCCCKKK erkennen zu können. Wieder einmal war das Schicksal gegen ihn. Kopfschüttelnd tritt er den Rückzug an. Wieder ist die Chance weg. Was wie ein Geschenk anmutete, entpuppt sich abermals als ein riesengroßer Arschtritt des Wrestling-Gottes.

Zac Alonso schaut dem Sohn Morbeus‘ traurig hinterher. Auch er wäre gerne gegen Mr. Unpinnable angetreten. Ein frischer Gegner, eine echte Herausforderung. So aber wird es eine Fortführung des Krieges, den er schon seit Monaten führt.

Der dritte Kampf gegen Hollywood Jake. Es steht 1 zu 1.

Zum ersten Mal geht es um einen Titel.

Noch nie waren Stakes so hoch wie jetzt.


GFCW Intercontinental Title Match:

Zac Alonso (c) vs. Hollywood Jake

Referee: Guido Sandmann

Die Glocke ist bereits erklungen. Der Intercontinental Title steht sofort auf dem Spiel.

Noch während Alonso halb zu Kyle Douglas blickt, halb zu begreifen versucht, was da eben geschehen ist, schießt Hollywood Jake aus seiner Ecke nach vorne und rammt ihm den Unterarm zwischen die Schulterblätter. Alonso stolpert nach vorn, fängt sich in den Seilen ab und wirbelt herum, da folgt schon die nächste Aktion: Jake packt ihn am Handgelenk, zieht ihn brutal zu sich heran und hämmert ihm einen kurzen European Uppercut unter das Kinn.


Pete: „UNFAIR. Hier sollte Kyle Douglas antreten. Oder noch besser mein Sohn. Jake hat die Regeln ausgenutzt.“

Sven: „Er hat das Wettrennen gewonnen. Wenn Kyle Douglas zu blöd ist, für seinen Entrance wertvolle Sekunden zu verschwenden, ist das nicht Jakes Problem.“


Alonso taumelt zwei Schritte zurück, das Kinn nach oben gerissen. Jake bleibt direkt dran, drückt ihn mit beiden Händen in die nächstbeste Ecke und feuert ihm einen harten Chop auf die Brust. Das Echo knallt durch die Halle.

WOOOOO!“

Die Rufe der Zuschauer kommen nur leise. Natürlich hat man als Durchschnitts-Fan einen heftigen Woo-Drang bei Chops, doch man möchte Jake auch nicht die Genugtuung geben, sich beliebt zu fühlen. Also bleibt Ludwigsburg überwiegend still. Es folgt noch ein Chop. Alonsos Oberkörper zuckt, seine Brust verfärbt sich.


Pete: „Dies ist Kampf Nummer 3 zwischen den beiden einstigen Freunden.“

Sven: „Kollegen. Sie waren niemals Freunde.“

Pete: „Bei Title Night hat Jake sich durchgesetzt. Wenn auch unfair…“

Sven: „Wenn auch KLÜGER, meinst du.“

Pete: „…und vor einigen Wochen hat sich Alonso revanchiert. Es war die Generalprobe zu seinem Titelgewinn. Für mich hat dieses Match Nr. 3 etwas von Finale. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine weitere Chance für Jake gibt, wenn er hier verliert.“


Jake greift mit einer Hand an Alonsos Kinn, mit der anderen an den Hinterkopf und reibt dessen Gesicht quer über das obere Ringseil. Dann wird Alonsos Kopf an den Haaren zurückgezogen und die Aktion mit dem Kehlkopf des Champions wiederholt. Durch den Druck bleibt Zac die Luft weg. Er hustet, hält sich kurz den Hals und kommt aus der Ecke. Jake wartet bereits. Er greift sich den Nacken des Champions, zieht ihn in einen Side Headlock und zwingt ihn mit seinem Gewicht nach unten. Jake steht stabil, breitbeinig, das Zentrum tief. Alonso versucht, ihn in die Seile zu schieben, doch Jake verlagert clever das Gewicht, dreht mit und hält den Griff bombenfest.


Pete: „Hollywood Jake will früh das Tempo bestimmen. Und wenn man Zac Alonso irgendetwas nehmen muss, dann ist es eben genau dieses Tempo.“

Sven: „Man muss ihm vor allem den Titel nehmen, Pete. Das ist wichtig.“


Alonso drückt die Hände an Jakes Hüfte, stemmt sich hoch, schiebt noch einmal. Diesmal bekommt er genug Kraft mobilisiert, um Jake in die Seile zu schicken. Jake federt zurück. Versteift seinen Körper.

Shoulder Block! Und Alonso geht zu Boden.

Nicht komplett weggepflügt, aber hart genug getroffen, dass er auf dem Rücken landett. Jake läuft weiter in die Seile, kommt ein zweites Mal zurück. Alonso bleibt diesmal flach liegen. Jake springt über ihn hinweg, um durch einen weiteren Lauf in die Seile noch mehr Schwung zu holen. Doch da schätzt er das Zeitfenster zu optimistisch ein. Alonso kommt blitzschnell hoch, dreht sich mit einer athletischen Bewegung aus dem Stand ein und will selbst in die Seile. Jake antizipiert das, schießt ihm entgegen und will ihn mit einer Clothesline niederreißen.

Alonso duckt sich darunter weg. Jake bleibt verdutzt stehen. Doch da wirbelt der Körper seines Gegners schon auf ihn zu. Es ist ein blitzschneller Cartwheel Kick, der Jake am Kopf erwischt.

YEEEEEAH!“

Jake wird nicht umgehauen, aber deutlich zurückgestoßen. Er muss einen Schritt rückwärts setzen, dann noch einen. Alonso spürt das erste kleine Fenster, schwingt sich sofort nach vorne und setzt mit einem Dropkick nach, der Jake nun doch bis in die Seile treibt. Der Deutsche hält sich dort fest, schüttelt den Kopf, will sich neu sortieren.

Doch Zac ist jetzt in Bewegung.

Er sprintet los, federt aus den Ropes zurück und jagt mit einem Running Forearm heran. Jake reißt noch geistesgegenwärtig den Arm hoch, sodass der Schlag nicht voll trifft, aber genug Wucht hat er trotzdem, um ihn über das oberste Seil schwanken zu lassen. Gerade so rettet Jake sich auf den Apron.


Pete: „Wir bekommen einen Vorgeschmack auf Alonsos Tempo und Explosivität. Wenn er jetzt auch noch seine Athletik in die Spur bekommt, dürfte das Unternehmen Titelverteidigung gelingen.“

Sven: „Ja, wunderbar. Dann soll er doch gleich mit einem Salto nach draußen fliegen und sich alle Knochen brechen.“


Alonso erkennt die Chance und rennt sofort in die gegenüberliegenden Seile, offenbar mit dem Gedanken an einen weiteren Running Dropkick oder gar etwas Größeres. Doch Jake ist dafür zu aufmerksam. Noch ehe Alonso wieder bei ihm ist, duckt er sich weg und so rammt er ihm von außen die Schulter durch die Seile in den Magen. Der Champion klappt nach vorne ein. Genau diesen Moment nutzt Jake, um mit beiden Händen am Kopf zuzugreifen und Alonso mit dem Hals zuerst aufs oberste Seil zu ziehen.

Der Cganouib torkelt rückwärts, ringt nach Luft, und Jake steigt mit einer geschmeidigen Bewegung zurück durch die Seile in den Ring. Er steht direkt hinter Alonso, packt ihn von hinten und setzt den Neck Wrench an. Jake dreht Alonsos Kopf zur Seite, drückt den Nacken runter, zieht gleichzeitig am Kinn. Der Champion geht auf ein Knie. Sein Gesicht verzieht sich. Beide Hände greifen an Jakes Unterarm, suchen nach Luft, nach Platz, nach irgendeinem Hebel. Die Fans beginnen, ihn anzufeuern.


Zac! Zac! Zac!“

Es dauert ein paar Sekunden, ehe Alonso auf die Knie, dann auf einen Fuß und schließlich wieder komplett hochkommt. Jake hält den Griff trotzdem, klammert sich fest. Alonso verlagert das Gewicht, stößt ihm den Ellbogen einmal in die Rippen. Dann ein zweites Mal. Beim dritten Mal lockert Jake den Griff gerade genug, dass Alonso sich herausdrehen kann. Er dreht sich direkt ein, will mit einem Roundhouse Kick zum Körper nachsetzen, aber Jake fängt das Bein ab.

Switzenbergs Co-Star hält den Unterschenkel fest, grinst und scheint für einen Moment schon wieder alles unter Kontrolle zu haben. Alonso hüpft auf einem Bein, stabilisiert sich, schaut kurz zur Seite, dann springt er ab und trifft mit dem freien Bein einen…

Enzuigiri…

gegen Jakes Schläfe.

Jetzt geht Jake endlich zu Boden. Diesmal richtig. Die Halle belohnt es mit lautem Jubel. Alonso fällt allerdings selbst auf die Matte. Er verzieht das Gesicht, rollt sich sofort auf die Seite und stemmt sich wieder hoch. Jake ist bereits auf den Knien. Zac setzt nach, packt seinen Gegner am Kopf und zieht ihn auf die Beine. Dann ein harter Chop. Noch einer. Diesmal hat das Publikum keine Hemmung, leidenschaftlich zu woooooooeeen. Jake taumelt rückwärts. Alonso nimmt ihn am Arm und whippt ihn in die Ecke. Jake kracht ins Polster.

Alonso folgt mit voller Geschwindigkeit, springt in der letzten Bewegung ab und hämmert einen Body Splash in die Ecke. Jake sackt halb zusammen, stolpert zwei Schritte nach vorne, direkt in Alonsos Arme. Der Champion denkt nicht lange nach, hakt den Kopf ein, springt mit den Füßen ans mittlere Seil und will den Springboard Tornado DDT durchziehen.

Aber Jake stemmt dagegen.

Mit viel Kraft blockiert er die Bewegung, hält Alonso in der Luftstellung fest, noch ehe der DDT ganz kippen kann. Er packt ihn um die Hüfte und schleudert ihn stattdessen nach vorne von sich weg. Alonso macht beinahe eine halbe Drehung in der Luft und knallt unsanft auf Rücken und Schulter.


Pete: „Uff! Das war eine brutale Antwort.“

Sven: „Das war eine exzellente Antwort.“

Pete: „Mir scheint fast, dass sich Alonso etwas am Rücken getan hat. Hoffen wir, dass es nichts Schlimmes ist.“

Sven: „Hehe…“


Alonso rollt sofort Richtung Seile, hält sich die Schulter, den Rücken, eigentlich den kompletten Oberkörper. Jake bleibt keine Sekunde stehen, sondern tritt auf ihn zu, zieht ihn an einem Arm wieder hoch und schickt ihn mit einem weiteren Irish Whip diagonal in die gegenüberliegende Ecke. Diesmal trifft Alonso besonders hart. Er prallt mit dem Rücken zuerst in die Polster und kommt mit der Kraft der Verzweiflung einen Schritt aus der Ecke herausgeschossen.

Jake fängt ihn ab.

Pop-Up-Ansatz.

Alonso wird in die Luft geschleudert, doch wieder zeigt sich seine Athletik. Noch während Jake nachgreifen will, um in einen Pop-Up-Powerslam zu gehen, dreht Zac in der Luft ein, glitzscht ihm seitlich über die Schulter ab und landet hinter Jake auf den Füßen.

Kaum gelandet, springt Alonso wieder hoch und trifft Jake mit einem Step-Up Knee Strike seitlich gegen den Kopf. Jake wankt nach vorn, fängt sich aber an den Seilen.


Pete: „Klasse Konter von Zac!“


Alonso sieht, dass er ihn nicht sauber umwerfen konnte, und trifft die vielleicht vernünftigste Entscheidung der bisherigen Minuten: Er rennt nicht blind hinterher, sondern bleibt kurz stehen, atmet einmal durch, taxiert den Abstand. Dann setzt er zum Sprint an, nimmt die volle Breite des Rings mit und schießt auf Jake zu.

Doch trotz Alonso bedachtem Vorgehen: Jake dreht sich im letzten Moment um.

Kneeling Uppercut!

Der Einschlag kommt genau im richtigen Timing. Alonso wird aus dem Lauf heraus erwischt. Sein Kopf schnellt zurück, seine Beine machen noch einen halben Schritt und dann sackt er einfach auf die Knie.


Pete: „Das hat gesessen.“


Jake wischt sich die nassen Haare aus dem Gesicht, dreht Alonso mit einem Tritt auf den Rücken und setzt zum ersten Cover des Matches an.


Eins...



Zwei...


Kickout.

Kein dramatischer allerletzter Rettungsmoment, sondern klar genug, dass Guido Sandmann sofort weiterwinkt. Der Herausforderer lamentiert nicht einmal und das muss bei Jake schon etwas heißen. Er greift wieder zu, zieht den Champion auf die Knie und lehnt sich dicht zu ihm hinunter. Er flüstert ihm etwas ins Ohr, dass für Kamera und Publikum nicht zu verstehen ist.

Dann greift er Alonso erneut am Kopf und zieht ihn hoch. Er drückt Zac Brust voran in die Ecke und stellt den Stiefel zwischen dessen Schulterblätter, presst ihn in die Polster. Alonso verzieht das Gesicht. Der Schmerz sitzt genau dort, wo er durch die zurückliegende Aktion vorher unglücklich gelandet war. Zum Abschluss der Aktion setzt Jake einen Schritt zurück, nimmt kurzen Anlauf und hämmert dann seinen Spann in den unteren Rücken des Champions, dem ein schmerzgeprägtes Zischen entfährt.


Sven: „Der Rücken könnte diesen Kampf entscheiden. Zac dürfte mittlerweile gemerkt haben, wie blöd sein Plan war, direkt am ersten Arbeitstag mit dem Titel eine Open Challenge zu starten.“


Jake lässt Alonso aus der Ecke taumeln und empfängt ihn direkt mit einem harten Kick in den Magen. Der Champion klappt zusammen, fängt sich aber gerade noch auf den Beinen. Jake packt das Handgelenk, wirbelt ihn herum und zimmert ihm einen Knee Strike gegen Brust und Schulter. Alonso geht auf ein Knie.

Der Riesaer rennt in die Seile, kommt zurück und trifft mit einem Big Boot gegen die Seite des Kopfes. Besorgtes Raunen in der Halle als der Publikumsliebling zusammenklappt. Es ist nicht genug für den Knockout, aber genug, um Zac wie eine erschlaffte Puppe auf die Matte zu schicken. Jake dreht ihn auf den Bauch und setzt sich auf den unteren Rücken, um beide Arme nach hinten zu ziehen. Ein Surfboard-artiger Stretch. Kein Teil von Jakes üblichem Moveset. Aber der Junge zeigt, dass er improvisieren kann.


Pete: „Alles, was Zac für seine Flugeinlagen braucht, wird hier demontiert. Es könnte wirklich eng für ihn werden.“


Alonso beißt die Zähne zusammen, schüttelt den Kopf, versucht über die Knie irgendwie unter dem Zug herauszukommen. Jake lehnt sich noch weiter zurück. Guido Sandmann fragt nach, doch Alonso schüttelt nur trotzig seinen schweißnassen Kopf. Aufgeben kommt für ihn bei der ersten Titelverteidigung nicht infrage.

Die Fans klatschen ihn wieder hoch.

Zac! Zac! Zac!“

Erst auf die Knie.

Dann ein Fuß.

Dann beide.

Jake versucht den Griff zu halten, doch Alonso wirft den Oberkörper plötzlich nach vorne, dreht die Hüfte ein und schafft es, sich halb herauszuwinden. Ein Back Elbow zischt nach hinten und trifft Jake an der Schläfe. Noch einer. Beim dritten muss Jake lösen. Alonso taumelt zwei Schritte nach vorne, dreht sich sofort um und will mit einem Superkick nachsetzen.

Jake reißt die Arme hoch. Der Kick schlägt in die Deckung, drückt den Deutschen aber bis an die Seile. Alonso spürt das Momentum, rennt los, springt mit einem Satz aufs zweite Seil und federt zurück.

Springboard Crossbody!

Doch Jake fängt ihn. Eine Kraftdemonstration erster Güte von Jake, der zwar groß, aber vom Gewicht her eben auch kein klassisches Powerhouse ist. Jake stabilisiert Alonso vor der Brust, verlagert das Gewicht und lässt ihn dann nicht zum Powerslam hochschnellen, sondern mit einem harten Fallaway Slam quer durch den Ring segeln. Alonso überschlägt sich, landet unsauber auf Rücken und Schulter und rollt bis in die Nähe der Ecke.

Jake geht nicht direkt zum Cover, sondern blickt zur Ecke. Dann zu Alonso. Dann wieder zur Ecke. Ein hämisches Lächeln zieht sich über sein Gesicht. So sieht ein Mann mit einem Plan aus. Er zieht Zac an den Haaren nach oben, schlägt ihm eine offene Hand ins Gesicht und verfrachtet ihn mit einem Irish Whip in die Ringecke. Alonso prallt hart hinein, bleibt aber stehen. Jake nimmt Anlauf.

Running Splash in die Ecke!

Der Crast drückt Alonso regelrecht ins Polster. Jake lässt herauskippen, packt ihn von hinten und wirft ihn mit einem…

Release German Suplex…

durch den Ring.

Alonso landet hoch auf Nacken und oberem Rücken, überschlägt sich. Er robbt in Richtung Ringseil und zieht sich daran hoch. Sein Blick ist glasig. Jake marschiert hinterher.


Hollywood Jake: „Na los, Champion. Zeig den Leuten, warum du ein besserer Champion als Darragh bist. KOMM SCHON.“


Ohrfeige für den ohnehin schwer gezeichneten Zac. Das Switziverse-Mitglied greift nach Alonso. Und kassiert aus dem Nichts einen Kick gegen das Knie.

Jake stolpert. Mehr braucht Zac nicht. Er springt nach vorne, setzt den Fuß auf das mittlere Seil, dreht sich heraus und hämmert Jake einen Springboard Back Elbow ins Gesicht. Der Deutsche wankt. Alonso schießt sofort hinterher und springt einen sauberen Running Dropkick, der Jake endlich sauber auf die Matte reißt.

Die Halle ist da. Ludwigsburg steht von den Sitzen auf, um Alonso dabei anzufeuern, das Momemtum jetzt endgültig in seine Richtung drehen. Doch es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass der Champion viel gelitten hat in den vergangenen Minuten. Besonders der unglückliche Aufprall von vor einigen Minuten sitzt ihm – wortwörtlich – in den Knochen. Auch wenn seine Konter explosiv gewirkt haben, kam keiner von ihnen ohne schmerzverzerrtes Gesicht und Griff an den Rücken aus.


Pete: „Jake bleibt überraschend lange liegen. Der Running Dropkick hat scheinbar besser getroffen, als ich es im ersten Augenblick wahrgenommen habe. Ist das vielleicht schon die große Chance für Alonso?“


Auch Zac wittert jetzt die Gelegenheit, von der Pete spricht. Er zieht sich an den Seilen hoch und blickt in Richtung der Ringecke. Diskutiert einen Plan mit sich und seinem schmerzenden Rücken aus…doch dann huscht ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht. Zeit, den Plan umzusetzen. Alonso setzt einen Fuß aufs zweite, dann aufs oberste Seil. Kurz muss er innehalten, weil der Rücken einen scharfen Protest durch seinen ganzen Körper jagt.

Doch er bleibt oben. Er breitet die Arme aus.


Pete: „Er will es tun. Er will die Movie Star Bomb.“


Alonso springt.

Movie Star Bomb!

Die Rotation ist da. Die Höhe auch. Trotz Alonsos schlechter Verfassung…

doch dann zieht Jake die Knie an.


Pete: „War es etwa Absicht, dass er so lange liegengeblieben ist!?“

Sven: „Falls ja: Dann war es genial! Falls nicht: Dann zeigt es, wie gut seine Improvisationsfähigkeiten sind. Kein Wunder, dass sich Shelly Nafe für Jake interessiert. Ein wirklich tolles Talent.“


Alonso jedenfalls segelt runter imd trifft mit dem Rücken auf die aufgestellten Knie.

UUUUFFF!“

Der Champion rollt sich vor Schmerzen zusammen. Die Arme schlaff neben dem Körper, als hätte der Treffer kurz sämtliche Kabel gekappt. Dann kommt Leben zurück in ihn, doch nur um sich mit beiden Händen in den unteren Rücken zu greifen. Denn zu allem Überfluss ging Jakes Konter gegen den verletzten Bereich von Zac.


Sven: „Das ist Ring-IQ. Jake hat Alonso durchschaut. Jake hat auf genau diesen Moment gewartet.“


Jake selbst braucht auch einen Moment, weil die Wucht des Einschlages in seine Knie und Hüften gefahren ist. Doch er ist schneller wieder da. Er rollt sich zur Seite, schiebt sich auf alle viere und sieht Alonso vor Schmerzen daliegen. Die Mundwinkel des Riesaers gehen nach oben.

Er tritt Zac gezielt in den Rücken. Einmal. Zweimal. Dann greift er beide Beine, zieht Alonso ein Stück zur Ringmitte und setzt einen Boston Crab an. Alonso schreit auf.

Die Submission sitzt.

Guido Sandmann liegt auf Mattenhöhe, fragt wieder und wieder nach. Alonso hämmert mit der Faust aufs Canvas, aber nicht zur Aufgabe, sondern aus Zorn. Sein Oberkörper hebt sich, die Finger kratzen über die Matte. Zentimeterweise versucht er, Richtung Seile zu kommen. Jake setzt sich daraufhin noch tiefer rein.


Sven: „Jetzt ist es vorbei. Alonso wird sich noch monatelang ärgern, dass nicht Kyle Douglas zuerst im Ring war. Hehe…“

Pete: „Noch ist nichts vorbei. Solange Zac die Seile erreichen kann, lebt er.“


Die Fans übernehmen abermals den Job eines Motivators. Immer wieder diese Rufe. Immer wieder das rhythmische Klatschen. Alonso schiebt sich tatsächlich vorwärts. Erst kaum sichtbar. Dann noch einmal. Ein Arm streckt sich. Jake zieht mit aller Kraft dagegen, flucht inzwischen offen, weil der Champion sich einfach nicht brechen lassen will.

Dann hat Zac das unterste Seil.

Jake muss lösen und tut das mit einem wütenden Ruck, bevor er Alonso noch zum Abschied einen Tritt an die Flanke mitgibt. Der Riesaer brüllt. Nun lässt er seinem Frust doch freien Lauf. Jeder ist schuldig, jeder will ihm über mitspielen. Jake schreit Guido Sandmann an, er ist das Ventil für seinen Frust. Doch der erfahrene Ref bleibt ruhig.

Mit einem letzten FFFFUUUCK, nicht unähnlich dem Ruf von Kyle Douglas als dieser die Open Challenge verpasste, macht sich Jake wieder ans Werk. Es hilft ja alles nichts. Er hat Alonso kurz vor der Niederlage und muss das Ding nur noch nach Hause schaukeln.

Jake zieht Zac wieder hoch, diesmal deutlich aggressiver. Er presst ihn an sich, hakt für einen Vertical Suplex ein und hebt ihn sauber aus. Alonso hängt oben, doch aus der Luft heraus beginnt Zac zu zappeln, verlagert das Gewicht, schlägt mit der Faust auf Jakes Stirn. Jake muss ihn unsauber absetzen. Alonso landet auf den Füßen, wankt, schiebt Jake sofort rückwärts in die Ecke und feuert ihm einen Chop auf die Brust.

WOOOOO!“

Noch einer.

WOOOOO!“

Jake will zurückschlagen, doch Alonso ist plötzlich wieder zu schnell. Er sammelt irgendwoher neue Kraft. Zac taucht unter dem Arm weg, springt in die Seile, kommt zurück und trifft seinen Erzrivalen mit einem Flying Forearm. Jake taumelt. Alonso bleibt dran, nimmt das Tempo weiter auf, springt auf das zweite Seil und knallt den Gegner dann in stehender Position mit einem Springboard Moonsault um. Jake geht zu Boden und bleibt mit ausgestreckten Gliedmaßen liegen.

Alonso zieht sich hoch. Er sieht die Position seines Gegners, sieht die Ecke, sieht die Chance.


Pete: „Nein... doch. Er geht wieder nach oben. Er tut es wirklich noch einmal.“


Unter „Zac! Zac! Zac!“-Rufen steigt Alonso erneut nach oben auf das Top Rope. Diesmal langsamer. Deutlich langsamer als zuvor, denn der Schmerz in seinem Gesicht ist allgegenwärtig. Jeder Schritt wirkt, als müsse er erst mit dem eigenen Rücken verhandelt werden. Doch dann steht Zac hoch oben über dem Ring.

Jake liegt perfekt.

Alonso hebt die Arme.

Sprung.

Movie Star Bomb!

Für den Bruchteil einer Sekunde sieht es sogar aus, als würde sie diesmal treffen. Doch Jake rollt sich zur Seite.

Und Alonso hat in der Luft keine Chance mehr.

Er macht eine komplette Drehung und findet kein Ziel. Sein gesamter Rücken schlägt ungebremst auf der Matte auf. Der Ring federt unter ihm nach, aber nicht genug, um den Absturz freundlicher zu machen.

NOOOOOOO!“

Ein scharfes, gequältes Stöhnen schneidet durch die Halle. Alonso reißt sofort beide Arme an den unteren Rücken, seine Beine zucken, und für einen Moment wirkt es, als könne er nicht einmal mehr rollen. Er bleibt einfach liegen, mit weit aufgerissenen Augen, während jede Faser seines Körpers ihm gerade mitteilt, dass dieser zweite Versuch ein kapitaler Fehler war.


Pete: „Das wäre die Entscheidung gewesen. Vielleicht endgültig. Aber Zacs Risiko hat sich nicht gelohnt. Menno!“

Sven: „Und genau deshalb ist Hollywood Jake kein Artist, sondern gleich ein Sieger. Der eine springt. Der andere denkt.“


Jake liegt selbst noch schwer atmend am Rand der Szene, dreht den Kopf zu seinem Gegner und ein Lächeln kehrt auf sein Gesicht zurück. Vor ihm liegt ein Champion, der zweimal alles riskiert hat - und zweimal mit dem Rücken die Rechnung bezahlen musste.

Jake schiebt sich auf alle viere, dann auf ein Knie. Alonso liegt noch immer auf dem Rücken und hält sich mit beiden Händen die Lendenwirbelsäule. Die Schmerzen der beiden verfehlten Movie Star Bombs haben ihn fast kampfunfähig gemacht. Genau diesen Eindruck hat auch Hollywood Jake. Ein selbstzufriedenes Grinsen legt sich über sein Gesicht, als er nach Alonso greift, ihn an den Armen hochzieht und sich den ausgepowerten Champion auf die Schulter lädt.


Pete: „Das sieht übel aus. Alonso kann sich kaum noch wehren.“

Sven: „Dann ist ja endlich der Moment gekommen, auf den diese Halle gewartet hat. Der Titel wechselt. Es wird Zeit.“


Jake läuft zwei Schritte an, schleudert Alonso hoch und fängt ihn perfekt wieder ein.

Pop-Up Powerslam!

Mit voller Wucht knallt Alonso auf die Matte. Sein ohnehin zerstörter Rücken federt in den Ringboden. Ein schmerzverzerrter Laut entfährt ihm. Jake rollt sich jedoch gar nicht erst zum Cover, sondern richtet sich sofort wieder auf. Er will mehr. Unter lauten Buhrufen zieht er den Champion erneut hoch. Alonso hängt schlaff in seinem Griff, die Beine kaum noch stabil. Jake packt ihn wieder, lädt ihn sich noch einmal auf die Schulter und zeigt den zweiten…

Pop-Up Powerslam!

Wieder kracht Alonso auf den Rücken. Er bleibt erst einmal regungslos liegen.

Die Halle buht nun noch lauter, doch Jake hat daran sichtbar Freude. Er richtet sich auf, dreht sich einmal um die eigene Achse und saugt die Reaktion des Publikums mit spöttischer Miene auf. Er deutet auf sich, lacht in Richtung der ersten Reihen und klopft sich selbst auf die Brust.


Hollywood Jake: „Das hier ist euer Champion?“


Tritt gegen den Kopf des liegenden Alonso.

BUUUUUUUH!“

Jake greift Alonso ein drittes Mal. Er zieht ihn hoch, wuchtet ihn abermals auf die Schulter und will die Erfolgsformel wiederholen. Doch in diesem Moment zeigt sich, dass Zac Alonso zwar kaum noch stehen, aber immer noch reagieren kann. Als Jake Alonso zum dritten Pop-Up Powerslam hochwerfen will, rutscht der Champion seitlich von dessen Schulter. Im Fallen schwingt er aus purer Verzweiflung noch das Bein hoch.

Superkick von Alonso!

Der Stiefel trifft Jake tatsächlich am Kinn. Kein blitzsauber gesetzter Vorzeigesuperkick wie aus einem Lehrvideo. Aber er sitzt. Jake wird der Kopf nach hinten gerissen. Er kippt um. Alonso selbst fällt ebenfalls zu Boden und bleibt dort liegen. Nach der Movie Star-Landung und zwei Powerslams ist sämtliche Kraft aus ihm gewichen, daran ändert auch ein einziger Konter mit dem Superkick nichts.

Guido Sandmann beginnt beide Männer anzuzählen.

Eins...



Zwei...



Drei...



Vier...


Pete: „Es sieht fast so aus, als würde keiner von beiden noch hochkommen.“



Fünf...



Sechs...


Pete: „Endet dieses tolle Match etwa in einem unwürdigen Draw?“


Nein.

Bei Sieben regt sich gleichzeitig Leben in beiden. Jake rollt sich auf die Seite. Alonso zieht sich auf alle viere. Unter „Zac! Zac! Zac!“-Rufen kommen beide tatsächlich gleichzeitig wieder hoch, wenn auch alles andere als sicher.

Jake reagiert zuerst. Er tritt Alonso sofort in den Magen, hakt ihn ein und will ihn wohl zu einem Suplex ausheben, um den angeknacksten Rücken noch einmal zu treffen. Er hebt an. Alonso kommt ein Stück hoch. Doch der Champion kontert. Er dreht sich im Ansatz ein, zieht Jake mit…

und rollt ihn direkt in ein Small Package ein.

Guido Sandmann ist sofort unten.


Eins...


Zwei...

Dr-

Jake kommt im allerletzten Moment heraus!

Ein verärgertes Raunen geht durch die Halle. Jake reißt die Augen auf, rollt sich panisch zur Seite und springt viel zu hektisch wieder auf die Beine, während Alonso ebenfalls schon wieder in Bewegung ist. Der Deutsche will nach der Beinahe-Niederlage wohl sofort die Distanz herstellen, doch in seiner Eile rennt er direkt in den nächsten Griff des Champions.

Alonso fängt ihn ab. Nun ist er es, der einen Kick in den Magen des Gegners setzt. Kaum dass Jake zusammengekrümmt dasteht, wird er von Alonso gepackt.


Northern Light Suplex!


Mit letzter Kraft zieht Zac durch. Jake schlägt auf der Matte auf und bleibt dort liegen. Sichtlich benommen. Alonso rollt sich auf die Knie und schnappt nach Luft. Sein Rücken brennt. Jeder Atemzug scheint in die Wirbelsäule zu fahren. Trotzdem blickt er sofort zur Ecke.

Die Fans wissen längst, was Alonso vorhat. Sie werden laut, als er sich an den Seilen hochzieht und mit schmerzverzerrtem Gesicht zum Turnbuckle humpelt. Jede Bewegung ist langsam. Mühselig. Er setzt einen Fuß auf das untere Seil, dann auf das mittlere. Dort bleibt er kurz hängen, weil der Rücken nicht mehr richtig mitmacht. Er versucht trotzdem weiterzuklettern.


Sven: „Wie dumm! Er will zum dritten Mal zur Movie Star Bomb hoch. Und das in seinem Zustand.“


Alonso ist in quälend langsam unterwegs. Jeder Zentimeter Richtung Top Rope wird mit einem Schmerzstöhnen quittiert. Diese paar Sekunden reichen Jake.

Der Herausforderer ist wieder da. Er stolpert aus der Ringmitte nach vorne, packt Alonso von hinten um die Hüfte, während dieser noch auf dem mittleren Seil steht, und setzt offensichtlich zu einem German Suplex an. Die Halle hält den Atem an. Würde diese Aktion aus der erhöhten Position durchgehen, wäre Alonso erledigt.

Jake hebt bereits an.

Doch Alonso schlägt geistesgegenwärtig mit dem Ellbogen nach hinten aus.

Einmal. Noch einmal. Ein drittes Mal.

Der vierte Ellbogenschlag trifft Jake direkt an der Augenhöhle. Der Deutsche lässt los, greift sich ins Gesicht und fällt rückwärts in die Ringmitte. Sein Konterversuch ist beendet. Es eröffnet genau das Fenster, das Alonso braucht.

Mit aller Mühe zieht sich Zac weiter hoch. Es dauert. So laaaaange. Doch dann steht er endlich auf dem obersten Seil. Unter ihm liegt Jake wieder am Boden, noch benommen vom Treffer an der Augenhöhle.


Pete: „Zum dritten Mal. Das ist Wahnsinn.“


Alonso breitet die Arme aus. Nicht so selbstsicher wie sonst. Er weiß, dass er jetzt endgültig alles auf eine Karte setzt. Nur ob es eine gute Idee ist, das kann ihm niemand sagen. Nicht einmal er selbst.


Movie Star Bomb!


Diesmal trifft sie.


Der Swanton Bomb rauscht perfekt herunter und schlägt auf Jakes Oberkörper ein. Die Halle bricht in kollektiven Jubel aus. Alonso bleibt einen Moment neben Jake liegen, weil ihm nach der Landung selbst die Kraft fehlt, sich noch zu bewegen. Dann dreht er sich mühsam, legt den Arm über die Brust des Deutschen.

Guido Sandmann zählt.


Eins...


Zwei...


Drei!


Die Glocke ertönt.


Pete: „Er hat’s geschafft! Zac Alonso verteidigt den Intercontinental Title!“


Sieger des Matches durch Pinfall und weiterhin Intercontinental Champion: Zac Alonso!


Alonso rollt sich von Jake herunter und bleibt erst einmal flach auf dem Rücken liegen. Sein Gesicht ist vor Schmerz verzogen, aber gleichzeitig breitet sich ein erschöpftes Lächeln darauf aus. Guido Sandmann kniet neben ihm und hebt seinen Arm. Dann bringt er den Intercontinental Title herbei und legt ihn dem Champion auf die Brust.

Jake sitzt derweil einige Meter entfernt und starrt fassungslos vor sich hin. Er war Sekunden vom Titelgewinn entfernt. Mehrmals. Doch am Ende hat Zac Alonso, völlig zerstört und nur noch von Adrenalin und Willenskraft getragen, genau eine Movie Star Bomb ins Ziel gebracht. Und genau diese eine hat gereicht.


Pete: „Der Intercontinental Title kehrt nicht ins Switziverse zurück. Hollywood Jake verliert ein zweites Mal gegen Alonso. Und dürfte damit seine Ansprüche weit zurückstellen. Hehe…“

Sven: „NICHT HEHE… - eine Tragödie!“




Die Kamera schaltet jetzt ins Parking Lot der Arena, wo just in diesem Moment ein riesiges Fahrzeug mit quietschenden Reifen um die Ecke biegt und direkt vor dem Eingang zum Backstagebereich stehen bleibt. Es handelt sich um einen gelben HUMMER H2 mit glänzenden Chromfelgen. Die Fahrertür geht auf und ein glatzköpfiger Hüne springt heraus. Er trägt ein weißes T-Shirt, helle Jeans und sandfarbene Boots. Die Arme sind stark tätowiert und der Muskulöse trägt eine lässige Sonnenbrille. Auch die Beifahrertür geht auf und ein weiterer Mann steigt aus. Nicht so groß und nicht so muskulös, aber durchaus auch sportlich gebaut.


???: „Ähm, ach so… ein Empfangskomitee, wie nett, das wäre doch aber nicht nötig gewesen.“

???: „Wie nett? Das wäre nicht nötig gewesen?! Und ob das nötig ist, Chris. Hier kommt schließlich nicht irgendwer, hier kommt der neue Superstar der Liga!“


Nun tritt kein geringerer als Mac Müll ins Blickfeld der Kamera.


Mac Müll: „Und das sind dann also Sie? Darf man auch den Namen erfahren? Mir ist nicht bekannt, dass heute ein neuer Wrestler anfangen soll, aber gut, das muss nichts heißen. Man sagt mir ja nichts.“


Mac Müll schüttelt unmerklich den Kopf in gespielter Empörung.


???: „Natürlich darf man das, wobei ich überrascht bin, dass Sie mich nicht erkennen. Gestatten: James Hightower.“


Der Koloss hält Mac Müll seine riesige Pranke hin, und als dieser nach kurzem Zögern die Hand ergreift, wird die GFCW-Legende komplett durchgeschüttelt, so kräftig ist der neue Athlet.


James Hightower: „Und das hier ist mein Manager, Chris Dimer.“

Chris Dimer: „Manager und Partner.“

James Hightower: „Jetzt fang nicht wieder so an, ich habe dir gesagt, dass ich allein wrestle, ich bin Singles Wrestler.“

Mac Müll: „Also jetzt mal langsam, gleich zwei neue Wrestler? An einem Abend? Na gut, also ihr seht sportlich aus, das muss ich zugeben. Aber habt ihr denn Erfahrung? Seid ihr Kämpfer?“

Chris Dimer: „Wir sind Basketballer. Wir haben beide viel in Europa gespielt und James hatte sogar mal ein NBA-Tryout, cool oder? Aber jetzt ist sein Knie kaputt und ich, na ja, ich finde keinen Verein mehr, das Alter, weißt du, und…“

James Hightower: „Schluss jetzt! Genug. Also verdammt noch mal Chris, du plapperst zu viel. Du solltest doch mich reden lassen. Wir sind Weltklasseathleten. Wir haben überall unsere Spuren hinterlassen, aber irgendwann ist es einfach an der Zeit weiterzuziehen. Mal was Neues ausprobieren. Sonst wird es ja auch schnell langweilig. Und Wrestling ist in unserer Heimat eine große Sache, da dachten wir uns halt, das probieren wir auch mal aus, hehe.“

Chris Dimer: „Heute ist der Fitnesscheck, und wenn wir bestehen, können wir die Verträge unterschreiben, juchu.“

James Hightower: „Pah, natürlich bestehen wir. Diese Liga hier kann froh sein, uns ab jetzt im Team zu haben. Ein Glück, das wir als Free Agents zu haben sind, das wird den Wert der Franchise enorm steigern.“

Mac Müll: „Ähm, na ja, dann bin ich mal gespannt. Viel Erfolg!“


Die beiden US-Boys stapfen an Mac Müll vorbei in die Katakomben der Arena.



Während der Bildschirm für ein paar wenige Sekunde in voller Dunkelheit bleibt, hört man nur dumpfes Klackern von Stiefelabsätzen und ein undeutliches Gemurmel eines Gesprächs, welches im Hintergrund abläuft. Durch das Aufgehen einer leicht knarrenden Tür fällt ein leichter Lichtkegel in den Raum, den die Kamera einfängt und 2 Personen sind im Schatten zu erkennen. Die vordere Person betätigt einen Lichtschalter nahe dem Eingang und gedämmte Beleuchtung lässt uns die beiden nun erkennen. Dort stehen Ben Slate und Iokepa, gerade in einem Gespräch verwickelt.


Iokepa: „Meine Laune ist immer noch im Keller. Wie konnte es passieren, dass der Kerl den Zettel in die Hände gekommen hat? Das darf mir nicht passieren. Es ist nur ein schwacher Trost, dass ich ihn ohne diesen Fehler mit Sicherheit besiegt hätte…“

Ben Slate: „Halb so wild, vielleicht war es ebenfalls mein Fehler dich nicht noch besser auf den Plan vorzubereiten. Immerhin konnten wir nach der Glocke noch für gerechten Schaden sorgen.“


Slate ist wie immer im gewohnten Outfit gekleidet. Der Seidenmantel sitzt, die schwarze Anzugshose in einem lockeren Schnitt, der Rollkragenpullover, welcher seine Ernsthaftigkeit unterstreicht und das ganze abgerundet durch die Lederstiefel. Ihm gegenüber wirkt Iokepa deutlich lässiger gekleidet. Mit jenen hellblauen Tights, die er auch im Ring trägt. Einziger Unterschied: Ein weißes Shirt, welches sein Logo nebst einem Surfbrett zeigt – sicher auch im GFCW-Shop erhältlich.

Der Hawaiianer pustet eine blonde Strähne aus seinem Gesicht und blickt erwartungsvoll in Richtung Slate.


Ben Slate: „Ich wollte dir diesen Ort nicht länger vorenthalten, immerhin kann er für uns beide in Zukunft von großer Bedeutung sein.“


Der Hawaiianer folgt dem Schweizer tiefer in den Raum, welcher zwar aufgeräumt und gepflegt wirkt, aber dennoch eine sehr vereinfachte und simple Funktionalität aufweist. Weder Teppich noch Laminat oder Parkett zieren den steinigen Boden. Fenster sind ebenfalls nicht vorhanden, nur eine Lüftungsanlage, welche mit leisem Surren das Klima und die Atmosphäre des Raums bestimmt. Riechen tut es nach abgestandenem Kaffee und den vielen Aktenordnern, die in zwei Regalen sauber eingestapelt wurden, beide nehmen sie fast die volle Länge der Seitenwände ein. Ebenfalls zu erkennen, ist der Schreibtisch aus dem ersten Videosegment von Ben Slate, wo er seinen Eintritt in die GFCW bekannt gab. Tischlampe, Kaffeebecher und ein geschlossenes Notizbuch befinden sich auf diesem. Iokepa bleibt an den Regalen hängen und beobachtet mit Erstaunen die vielen Ordner und deren Rücken, während er die Bezeichnungen überfliegt.

GFCW Title History“ – „Gescheiterte Wrestler“ – „Das Geheimnis der Aufgabe“

Dies sind nur wenige Beispiele von dem, was Iokepa zu lesen bekommt.


Iokepa: „Unglaublich…“


Passend zu seinem ungläubigen Gemurmel dreht sich der Mann aus Honolulu auf dem Stiefelabsatz hin und her, lässt den Blick mit großen Augen umherschweifen.


Iokepa: „Diese Aufzeichnungen, die kommen alle von dir? Das muss ewig gedauert haben.“


Er stößt einen anerkennenden Pfiff aus, während Slate die Anmerkung ohne erkennbare Gefühlsregung hinnimmt.


Iokepa: „Wofür die ganze Mühe, Ben?“

Ben Slate: „Wissen ist Macht, mein junger Hawaiianer. Wer es besitzt, kann damit einiges bewirken, aber derjenige muss auch in der Lage sein, zu verstehen wie man es anwendet. Doch wer sich nicht einmal die Mühe macht, Wissen anzueignen, wird auch nicht in der Lage sein, es zu benutzen.“


Behutsam zieht sich Iokepa einen der Ordner heraus, auf dem lediglich die Buchstaben „MD“ geschrieben stehen.


Ben Slate: „Du siehst richtig, das sind die Akten von dem Unkraut, welches wir beide nicht ausstehen können.“


Er klappt den Ordner auf… und tatsächlich sind es alles Ereignisse, Steckbriefe und Privatinformation rund um Mad Dog. Seine vielen Persönlichkeiten wie der Night Fighter, die unbekannte Konstante, die groteske Töle und auch Simargl. Jegliches was passiert ist, rundum ihren gemeinsamen Feind, ist in diesem Ordner notiert und ganz besonders sticht die damalige Situation am Grab mit MacKenzie raus, als wäre es der wichtigste Teil dieser schriftlichen Aufzeichnung. Zwar stehen all diese Informationen in diesem Ordner, dennoch wirkt es lediglich wie eine Sammlung, da keinerlei Taktiken oder Analysen niedergeschrieben wurden.


Ben Slate: „Diese Ordner, die du hier betrachtest, sind lediglich zur reinen Dokumentation gedacht. Es wäre viel zu gefährlich meine Ergebnisse aus Analysen an einem Ort zu verstauen, den früher oder später jeder finden könnte. Das Notizbuch dient meiner Planung von Strategien und der genaueren Zusammenfassung meiner Beobachtung.“


Fast schon wie ein Professor, welcher seinem Schüler endlich das letzte Kapitel zum Bestehen einer Prüfung offenbart, spricht Slate diese Worte. Er lehnt dabei entspannt an seinem Schreibtisch und beobachtet gelassen, wie Iokepa sich durch die Schriften wühlt.


Ben Slate: „Du kannst die Dokumentation über den Widerling gerne an dich nehmen, ich bin mit meiner Analyse zu ihm weitestgehend am Ende und habe mir alles für mich jetzt noch Relevante in meinen Notizen gespeichert. Alles weiter wären nur noch Neuaufzeichnungen, welche ich getrennt betrachten würde.“


Der Hawaiianer wiegt die Aufzeichnungen in seinen Händen, während er stumm über das Angebot Slates nachdenkt. Er legt den Kopf schief, blättert hin und her. Die eng beschriebenen Seiten sind zu voll und detailliert, als dass man sie durch die Kamera erfassen könnte.

Nach einiger Zeit schiebt er die Akte zurück und zuckt mit den Schultern.


Iokepa: „Vielleicht werde ich beizeiten drauf zurückkommen. Aber erst einmal will ich meinen Kopf freihalten und es auf meine Weise machen. Schließlich habe ich in der GFCW erst dann verloren, wenn ich mit den Gedanken woanders und nicht bei meinem Game war.“


Wie Slate diese (vorläufige) Zurückweisung seiner Arbeit hinnimmt, ist für den Hawaiianer nicht wahrnehmbar, steht er doch mit dem Rücken zu seinem Kollegen, um sich weiter im Raum umzuschauen.

Nachdem Iokepa seine Betrachtung der Dokumente abgeschlossen hat, erblickt er nun einen metallischen Tresor, welcher ungefähr bis zur Kniehöhe reicht und ganz unauffällig hinter Slate seinem Schreibtisch in der Ecke steht. Der Schweizer erkennt wohin die Blicke des Hawaiianers fallen und fackelt nicht lange mit einer Erklärung.


Ben Slate: „Er ist noch nicht bereit geöffnet zu werden. Vielleicht ist er nie so weit. Aber wenn die Zeit reif ist, wird es von großem Nutzen sein.“


Genauer betrachtet ist der Tresor mehrfach gesichert, neben einem Zahlenschloss, ist sowohl ein Fingerabdrucksensor integriert und der Metallkasten scheint sowohl in Boden als auch Wand fest verankert zu sein. Es ist nur davon auszugehen, dass wohl noch weitere Systeme bestehen, um den Safe gegen Fremdbenutzung abzusichern, welche man nicht direkt erkennen mag.


Iokepa: „Gesichert wie Fort Knox. Du machst dir offensichtlich nicht nur Gedanken um die anderen Wrestler, sondern auch, wie du deinen Wissensschatz hüten kannst. Aber eine Sache wundert mich dabei…“


Er dreht sich zurück zu Slate und legt fragend den Kopf schief.


Iokepa: „Warum zeigst du mir das alles? Dies hier ist die Geheimbasis von Ben Slate. Das Herz deiner Analysen. Du machst dir einerseits so viel Gedanken um die Sicherheit hier und andererseits zeigst du mir den Raum. Passt das zusammen?“


Slate fällt ein kurzes Grinsen ins Gesicht, er blickt zu Boden und atmet einmal durch seine Nasenflügel aus.


Ben Slate: „Um Mad Dog endgültig zur Strecke zu bringen, ist es nur vom Vorteil, wenn wir zusammenarbeiten und ich dir mein Wissen über ihn zu Verfügung stelle. Sieh das hier als Zeichen, dir mein Vertrauen im gemeinsamen Kampf zu schenken.“


Er legt eine kurze Pause ein, welche aber keine Gegenantwort zulässt.


Ben Slate: „Außerdem scheint nun Zereo Killer seinem ehemaligen Feind zu unterstützen und dessen Fassade zu glauben. Wie sollten wir diese beiden Veteranen anständig bekämpfen, wenn wir beide nicht auf einem gleichermaßen Verhältnis, was die enge Verbindung zueinander betrifft, agieren? Denk nicht zu viel darüber nach und nimm es einfach hin.“


Unrecht hat der Schweizer nicht, immerhin haben MacKenzie und der Night Fighter eine gemeinsame Historie miteinander und kennen sich deutlich besser als Iokepa und Slate.


Iokepa: „Hmm…wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei deinen Motiven ebenso zwei Ebenen gibt – genau so wie wir es hier bei deinen Aufzeichnungen sehen? Die eine Ebene gibst du offen zu, so wie Existenz der Aufzeichnungen in diesen Raum. Aber die zweite Ebene…“


Er deutet auf den Hochsicherheitstresor.


Iokepa: „…verbirgst du ziemlich gut.“


Bevor Slate zu einer Erwiderung kommt, zuckt Iokepa mit den Schultern. Scheinbar hat er selbst gemerkt, dass seine Anmerkung misstrauischer rüberkam als gewollt.


Iokepa: „Aber ist ja auch egal. Du hast Recht. Wir müssen unsere Kräfte vereinen, wenn wir einen Mad Dog vertreiben wollen, der mit Lug und Trug seine Truppen zusammenzieht. Wo Zereo ist, wird Morbeus nicht weit sein. Dagegen kommen wir nur mit einem guten Plan an.“


Ein schiefes Lächeln in Richtung Slate.


Iokepa: „Zum Glück bist du dafür genau der Richtige. Also dann, lass uns los. War Evening wartet. Und damit eine Gelegenheit, es der Welt zu beweisen, auf wen die GFCW in Zukunft setzen sollte.“


Damit gehen die beiden davon, die Kamera bleibt starr gerichtet auf den Schreibtisch und fängt gerade noch so den im Hintergrund stehenden Tresor ein. Ein Knipsen lässt das Licht ausgehen und die Szene wird beendet.



Manche Leute sind immer wieder tolle Interviewpartner.

Andere nicht.

Sei es weil sie nicht viel sagen.
Sei es weil sie unhöflich sind.
Sei es weil sie sogar gefährlich sind.

Doch die problematischsten Interviewpartner sind jene, die gar nicht erst Interviews geben mögen. Und so steht Tammy vor der Tür zur Umkleidekabine von Darragh Switzenberg. Nicht, dass er sich heute umziehen müsste, aber er hat eine Kabine und er ist anwesend.

Er hat ganz sicher auch ihr Klopfen gehört.

Aber öffnet er die Tür? Nein, natürlich nicht. Tja. Vielleicht sollte sie noch heftiger anklopfen, das hat ja durchaus in der Vergangenheit schon einmal ganz gut funktioniert. Aber nach dem Verlust des Intercontinental Titles ist Switzenberg vermutlich extra gereizt und ob es da so eine gute Idee ist an seine Tür zu hämmern?

Tammy wiegt das für und wieder ab und dann passiert das Unerwartete:

Die Tür öffnet sich von selber – aber es ist nicht Darragh Switzenberg, der durch sie hindurch schreitet.


Miria Saionji: „Sieh an wer hier ist. Wie schade für dich, dass dieser Raum zwar nicht schalldicht, aber doch relativ dicht ist. Ich bin sicher, dass es dich brennend interessiert, was ich wohl mit dem großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg zu besprechen hatte.“


Miria Saionji, die schwarzmähnige Frau mit der innenseitigen Blondierung, die sich selbst „Miss Eternity“ oder auch „The Aion“ nennt. Die Japanerin im weißen Kleid, die eigentlich zur Lerbitz Performance Group gehört und jetzt gleich ein Match gegen Lukas Meyer-Gittenstein bestreiten wird. Und doch war es ihr offenbar wichtiger bei Darragh Switzenberg vorbeizusehen als sich auf ihr Match vorzubereiten. Zugegeben – Lukas Meyer-Gittenstein ist jetzt kein großer Name und Miria Saionji hat bisher ligenübergreifend eine 100% Siegesrate, da wird sie sich wegen Lukas sicher keine großen Sorgen machen. Aber dennoch – Miria hat recht. Tammy interessiert es wirklich brennend, was Miria wohl mit Darragh zu besprechen hatte.


Tammy: „Sag, vor der Anniversary Show hattest du doch noch groß verkündet, dass weder Shelly Nafe noch das Switziverse oder Refuse to Age das Machtzentrum von GFCW seien, sondern die LPG. Und nun sprichst du in hohen Tönen vom großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg. Was hat sich geändert?“


Miria tippt sich bedächtig mit dem Zeigefinger ihrer linken Hand an den Pony.


Miria Saionji: „Mitdenken, Tammy, mitdenken. Was denkst du als GFCW erfahrene Reporterin, was sich geändert haben mag. Wenn sich denn etwas geändert hat. Die LPG als Machtzentrum schließt schließlich nicht aus dem großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg mit dem nötigen Respekt zu begegnen.“


Tammy nimmt eine demonstrative Denkerpose ein – wenn Miria ihr auf die Tour kommen will, soll sie es ruhig versuchen. Tammy wird die Lippen von Miss Eternity schon noch lockern.


Tammy: „Monica Shade hatte bei der Anniversary Show angedeutet, dass Entrepreneurin Lerbitz vielleicht durch das Debakel rund um Aiden Rotari und Robert Breads ihr Interesse an Investitionen bei GFCW oder gar dem Wrestling an sich verloren haben könnte. Ist da vielleicht etwas dran?“


Tammy funkelt Miria auffordernd an, aber bei der regt sich keine Miene.


Miria Saionji: „Pure Spekulationen einer Frau, die ohnehin seit geraumer Zeit nicht viel mit uns restlicher LPG zu tun hatte. Ich kann allerdings versichern, dass Entrepreneurin Lerbitz uns nicht finanziert, damit die LPG Matches gegen Lukas Meyer-Gittenstein oder die Jump ‘n Punk Collection bestreitet, sondern damit die LPG Titel holt.“

Tammy: „Punk n‘ Jump Alliance.“

Miria Saionji: „Tammy, Liebes, wie dieses irrelevante Tag Team heißt, ist doch nun wirklich nicht weiter wichtig. Traurig genug, dass sich Skadi und Idunn mit diesem Team überhaupt beschäftigen mussten, anstatt ihr wohlverdientes Tag Team Titelmatch zu bestreiten. Was nun beim Easter Special endlich soweit ist.“


Tammy hört aufmerksam zu und bemerkt, dass Miria viel sagt, um das Interview in eine bestimmte Richtung zu lenken. Oder besser gesagt: um von der Richtung wegzukommen, die Tammy vorgegeben hat.


Tammy: „Wenn es also mit dem Titelgewinn von Skadi und Idunn beim Easter Special nicht klappen sollte… wird es dann eng mit den Investitionen von Entrepreneurin Lerbitz? Und das Gespräch mit Darragh Switzenberg diente dazu, schon einmal andere Optionen abzuklopfen?“


Miria verzieht noch immer keine Miene. Falls das inhaltlich ein Volltreffer war, lässt sie sich das zumindest nicht anmerken.


Miria Saionji: „Ich könnte dies jetzt bestätigen, korrigieren oder komplett abstreiten, aber dann würde ich mich Eures neugierigen Blickes berauben und der unterhält mich gerade viel zu gut, als dass ich dies tun würde. Was hätte ich auch davon? Nichts. Und wenn Ihr etwas von mir wollt, dann muss es sich für mich lohnen, wie Ihr wisst. Dabei steht mir bereits etwas dafür zu, dass ich dieses Interview mit Euch geführt habe.“

Tammy: „Davon war doch nie die Rede?“

Miria Saionji: „Ich habe Euch dieses Prinzip bei der Anniversary Show dargelegt. Solltet Ihr Euch an die Inhalte anderer Interviews erinnern, aber dies vergessen haben, so ist das Euer Pech, welches nichts an den Tatsachen ändert.
...nicht, dass ich Euch für nur eine Sekunde glauben würde, dass Ihr dies vergessen habt...“

Tammy: „Okay, okay. Rupfen wir jetzt also wieder Refuse to Age Plakate von der Wand? Glaube nahe des Catering Bereichs hängen jede Menge davon.“

Miria Saionji: „Verführerisch. Verdient hätte Refuse to Age dies – und mehr. Aber nein. Ich kann nicht dieselbe Art von Content erneut teuer verkaufen. Ich habe eine andere Idee: ihr zieht ein Hundehalsband an, macht euch nackt und kriecht dann bellend auf allen Vieren vor mir als mein Miridog.“


Tammy wird erst rot, dann kreidebleich.


Tammy: „...was?“


Miria genießt das. Nun verzieht sie ihre Miene – zu einem wunderschönen, aber auch unfassbar herablassenden Lächeln.


Miria Saionji: „Das war ein Scherz. Ich habe heute keine Verwendung für Euch. Wie viel Glück Ihr doch habt.“


Tammys Puls normalisiert sich ein bisschen.


Miria Saionji: „Und nun muss ich gehen. Ich habe nun schließlich ein Match zu bestreiten. Spannung auf den Ausgang gibt es natürlich nicht, aber 
ich bin darin zu sehen, womit es dann doch seinen Wert hat. Und doch auf andere Weise spannend wird. Immerhin gilt es die Frage zu beantworten, mit wie wenig Mühe ich dieses Match gewinnen kann.“


Miria kichert süß, was zur Hälfte nichts weiter als geübtes Schauspiel ist. Die andere Hälfte ist aber tatsächliches Amüsement darüber, dass sie heute einen unfassbar einfachen Sieg auf dem Silbertablett geschenkt bekommt – vorausgesetzt sie verrechnet sich gerade nicht heftigst...



Schwarzer Bildschirm.
Ein leises Flüstern ist zu hören, doch es ist kaum verständlich.

Schönheit… ist das, was ihr seht…“

Lautes Klirren. Ein Spiegel fällt auf den Boden. Glassplitter fliegen umher, rutschen über den Grund. Dann herrscht Stille.

Ein Kerzenlicht flackert. Eine venezianisch anmutende Maske liegt daneben auf einem alten, dunklen Holztisch. Goldverzierungen. Perfekt. Unberührt.

Aber Wahrheit… ist das, was ich verstecke.“

Langsam fährt die Kamera näher zur Maske. Grazil und feminin liegt sie dort. Auf dunklem Rot glitzern güldenen Sternchen im Kerzenschein.

Ein feiner Riss zieht sich über eine Seite.

Plötzlich – ein dumpfer Schlag.

Allerlei Fotos knallen zu Boden. Liegen plötzlich neben den Glassplittern. Die Kamera lässt vieles im Dunklen… man sieht lediglich einen Wrestlingring. Blitzlichtgewitter bei einem Move… ein Erinnerungsfoto von einer Gruppe von Wrestlerinnen und Wrestlern backstage…

Schließlich das Logo der GTCW.

Und sie. Inmitten ihrer Bande. Glücklich, lachend. Strahlende Frauenaugen schauen durch die mysteriöse Maske. Auf ihren Schultern der Arm Iokepas.

Die GFCW baut auf alte Männer.

Auf alte Götter.“

Zurück zum Tisch. Die Maske wird langsam angehoben… aber wir sehen nur die purpurnen Lippen darunter.

Ihr habt mich, die Venus, vergessen!“

Im nächsten Bild erscheint sie im Ringoutfit. Den Rücken zur Kamera. Die langen blonden Haare wehen im Wind, während unten Nebelschwaden aufziehen. Im Hintergrund sind die Seile des Squared Circles zu erkennen.

Sie wendet ihren Kopf zur Kamera. Die Maske ist jetzt aufgesetzt, ein bezauberndes Lächeln wird von den lippenstiftroten Lippen umrahmt.

Ihr nennt es Schönheit…“

Jetzt fließt Blut aus ihrem Mund, das weiße Zahnpasta-Lächeln wird zu einer hässlichen Fratze. Doch ihr Lächeln hört nicht auf. Rote Striemen zieren ihre Beißer. Immer mehr roter Saft tropft aus ihrem Mund.

Dann spuckt sie aus. Jegliche Anmut ist dahin. Ein paar Tropfen Blut und Speichel fallen von ihrem Kinn.

Ich nenne es… eine Warnung.“

Ein Zoom auf die Maske – die Augen leuchten kurz auf.

Rachebraucht ein Gesicht.“

Ausschnitte aus ihren Wrestling Matches in der GTCW werden in schwarz-weiß gezeigt. Mit einem Dropkick schleudert sie ihren Gegner wuchtig in die Ringecke. Harte Kicks und Forearms prasseln heftig auf einen anderen ein. Ein Germansuplex in die Brücke…

Und immer wieder müssen ihre Gegner abklopfen. Im gefürchteten STF wird drei Mal auf die Matte geklopft. Es gibt kein Entrinnen. Die Gegnerinnen zappeln, sie schreien… ihre Gesichter verkommen zu schmerzverzerrten Fratzen.

Ihr Arm wird von den Referees in die Höhe gestreckt. Immer wieder. Sie überragt die meisten Ringrichter – triumphiert, mal erschöpft, mal spielerisch lächelnd.

Im letzten Bild legt sie eine Hand an die Brust des Mannes, der mit ihr feiert… sie zieht Iokepa leicht zu sich.

Ein langsamer, lasziver Kuss.

Dann stößt sie ihn leicht zurück… ein kaum sichtbares, überlegenes Lächeln unter der Maske.

BELLA VENERA

Wieder sehen wir ihren blutüberströmten Mund und ihre glitzernde Maske. Dann öffnet sie ihre Augen. Sie spricht ruhig, doch mit einer verstörenden emotionalen Kälte.

Ich war schon da… bevor ihr meinen Namen kanntet.“

Kurze Pause.

Und ich bin zurück… um ihn unvergesslich zu machen.“


Singles Match:

Miria Saionji vs. Lukas Meyer-Gittenstein

Referee: Mike Gard

Lux Aeterna



Die Beleuchtung wird gedimmt, ein einzelnes Licht strahlt gen Einzugsrampe. Langsamen Schrittes bewegt sich „The Aion“ Miria Saionji durch den Vorhang, die selbsternannte „Miss Eternity“. Wunderschön doch unheimlich, sanft und doch kalt, ein gleichermaßen einladendes wie abfälliges Lächeln auf den Lippen und ein Blick der Erhabenheit in den Augen. Das Auftreten einer Frau, die es gewohnt ist angehimmelt zu werden und zu bekommen, was sie will. Umso mehr ärgert es die Frau mit der außen tiefschwarzen und innenseitig blondierten Haarpracht bis jenseits der Körpergröße, dass Refuse to Age bisher keinerlei Annäherungsversuch gemacht hat – obgleich man thematisch so wunderbar zusammenpassen würde.

Man kommt nicht umher zu vermuten, dass die in ihr übliches schlichtes, weißes Minikleid gehüllte Frau aus Shinagawa, Tokio diesen Unmut am heutigen Gegner auszulassen gedenkt, der ohne Einzug bereits im Ring steht. Lukas Meyer-Gittenstein, ein junger Mann aus Lilienthal, mit einer stattlichen Größe von 1,88 und einem Kampfgewicht von 122 Kilo. Gegenüber der 1,64 großen Miss Eternity ein gigantischer, physikalischer Vorteil. Und doch hat Miria im Interview bei Tammy verkündet nicht nur zu gewinnen, sondern sich dafür auch noch extra wenig Mühe geben zu wollen. Da stellt sich unweigerlich die Frage: wie soll das gehen?


Schritt 1 ist Lukas bereits durch ihren Auftritt zu bezaubern. Langsam setzt die Barfüßige mit dem leicht mittig gescheitelten Pony einen Fuß vor den anderen, schreitet begleitet vom ewigen Scheinwerferlicht an den Fanreihen vorbei zum Ring. Schön langsam, schön bedächtig, höchst feminin. Wunderschön, elegant, zart – nichts an ihrem Auftritt hat etwas von einer Kämpferin, geschweige denn Kriegerin. Visuell einnehmend und doch wenig bedrohlich. Im Gegenteil: Miria wirft Lukas ein paar liebreizende Blicke zu, während sie das Publikum keines Blickes würdigt.


Und das funktioniert.


Noch bevor der Ringgong „Gong~!“ macht, hat Lukas ein gewisses seliges Lächeln auf den Lippen. Sein Kopf sollte ihn warnen, aber sein Herz sieht eine ihm physikalisch hoffnungslos unterlegene Frau, die ihm schöne Augen macht und die er jetzt beeindrucken will wie stark und männlich er ist. Im Idealfall ohne ihr mehr weh tun zu müssen als nötig.


Und so ist das Match bereits entschieden ehe es begonnen hat.


Geradezu demonstrativ läuft Miria in einen Lock Up hinein, lässt sich zu Boden werfen, versucht es noch mal und lässt sich hilflos gen Ringecke zurückdrängen, wo Lukas frühzeitig von ihr ablässt und Miria ein gönnerisches Lächeln schenkt, was diese mit fast schon unterwürfiger Dankbarkeit in Augen und Haltung erwidert. Dann versucht Miria einen Side Headlock, wird aber mühelos ausgehebelt und wieder abgestellt.


Dasselbe Spiel. Lukas flext freundlich lächelnd die Muskeln und Miria schmachtet dahin. So oft ist es dem bodenständigen Arbeiter Lukas Meyer-Gittenstein auch noch nicht passiert, dass er so dominant sein konnte und von einer so unfassbar attraktiven Frau dafür bewundert wird. Er ist eher der Typ ehrliche Arbeiter und sollte er nun unverhofft Früchte seiner harten Arbeit genießen können?


Sein Kopf sagt unverändert „pass auf“ – und zwar zurecht.


Mit einem Ausfallschritt ist Miria hinter ihm, aber ob seiner Physis kriegt sie ihn nicht mal richtig zum Waistlock umklammert, geschweige denn, dass es einen German Suplex geben könnte. Eine Einladung jetzt mit dem Ellbogen nach hinten zu schlagen. Aber ist das wirklich nötig? Soll Lukas jetzt wirklich diesem bezaubernde Geschöpf seinen Ellbogen ins Gesicht klatschen?


Ja, sollte er – er macht es aber nicht.


Stattdessen windet er sich mühelos heraus, greift zu und hat Miria zum Sidewalk Slam unter dem Arm. Wie er zur Seite guckt, erblickt Lukas, wie Miria zu ihm aufsieht. Liebevoll. Einladend. Fast ist es so als ob Lukas sie hier über die Schwelle trägt, anstatt dass er dabei ist ihr einen Wrestling-Move zu verpassen. Und dann, dann geht es abwärts. Mit einem Hauch von Vorsicht. Und Cover:


Eins!


Zwei!


Nein!


Kick Out in letzter Sekunde! Fast wäre es das gewesen. Fast. Und spätestens jetzt sollte Lukas sich an sein Videostudium erinnern. Natürlich hat er Mirias Match gegen Robert Breads gesehen. Und die Miria in dem Match war ganz anders. Warum war sie ganz anders? Weil Robert Breads ihren Reizen nicht erlegen ist – was sie ihn hat büßen lassen. Von daher weiß Lukas eigentlich ganz genau, dass dies hier alles Masche ist. Dass Miria ihn gewähren lässt. Ihn einlullt. Er weiß es und doch – seine Konzentration ist dahin, seine Anspannung einer seligen Lockerheit gewichen, sein konzentrierter Kampfgeist ist im Leerlauf. Und als er Miria sachte am Arm packt zum Short-arm Clothesline, da ist es vorbei.


Miria packt selber zu, bekommt den Arm zu packen, der sie gerade so sachte auf die Beine gezogen hat, Lukas anderer Arm wird auch in Butterfly Position gezwängt und dann hängt Miria auch schon an Lukas, die Beinschere am Körper sitzt und sie beginnt sich wie ein Egel vor und zurück zu bewegen, wobei sie immensen Druck auf Schultern und Nacken ausübt – in der Mitte des Rings. Lukas versucht noch Miria per Schlag von sich runter zu kriegen, aber seine Arme sind jetzt da wo Miria sie haben will, sie gehorchen ihm nicht mehr. Egal wie viel stärker er ist, der Schmerz lähmt ihn und es wird von Sekunde zu Sekunde schlimmer. Dann versucht er gen Seile zu gehen, er steht ja noch, das sollte möglich sein. Aber Mirias Bewegungen zerstören sein Gleichgewicht, er stolpert und er fällt. Und dann liegen sie, eng umschlungen, doch ist es kein seliges Gefühl, sondern ein schmerzhaftes. Mirias Leech saugt ihm wortwörtlich jeden restlichen Widerstand aus und ersetzt diesen mit Schmerz. Lukas versucht es noch mal, aber er kommt nicht hoch, kommt nicht zur Seite, kommt nicht zu den Seilen. Er sieht sie, er greift zu ihnen, er spreizt sein Bein aus, um dorthin zu gelangen.


Vergeblich.


Und so bleibt Lukas Meyer-Gittenstein nur eine Option: er muss abklopfen und er klopft auch ab. Wenn man das bei seinen verdrehten Armen so nennen kann, aber Mike Gard versteht und beendet dieses „Match“, das nie ein echtes Match war. Miria drückt noch einmal nach, dann löst sie und rollt Lukas jäh von sich runter. The Aion erhebt sich, zupft sich das Kleid und den Pony zurecht, tritt dann noch mal heftig gegen Lukas nach, auf dass er sich von ein paar noch unter ihm begrabenen Haarsträhnen runter rollt, dann posiert sie, lächelt süß und zwinkert neckisch. Auf dass ihr die Herzen der leicht zu Beeinflussenden zufliegen mögen. Miss Eternity hat ihre Ankündigung wahr gemacht: sie hat gewonnen und das sportlich mit minimalem Einsatz. Spätestens jetzt sollte nun wirklich jeder gewarnt sein. Sollte. Aber sie ist wirklich gut in ihrer Rolle und man darf erahnen, dass noch viele ihrem Reiz erliegen werden.


Sehr viele.




Vor der Interviewwand steht stolz wie Oskar der Mann namens Mac Müll, der vermutlich nicht Oskar Mac Müll heißt, aber wer weiß das schon so genau? Was wohl der Grund für die Freude von Mac Müll ist? Also abgesehen davon, dass er mal wieder ein Interview führen darf, allzu oft war das zuletzt ja nicht der Fall. Seine Kollegin Tammy ist gefühlt deutlich regelmäßiger im Einsatz und steht höher im Kurs als er. Grund genug für Mac Müll nun einen auf extra lebhaft zu machen.


Mac Müll: „Hallo Leute! Der König der Interviews hat nicht nur eine, sondern direkt zwei großartige Interviewpartnerinnen für euch! Zwei Frauen, die bei der Anniversary Show noch Gegnerinnen waren und… nun ja...“


Mac Müll will es nicht sagen, was alle wissen: zwei Frauen, die es beide verpasst haben bei der Anniversary Show Champion zu werden. Denn zu seiner Linken steht der Leitstern des Pro Wrestling, die Frau mit den orangenen Flechten, die amtierende Weltmeisterin von WFW, Stella Nova. Und zu Mac Mülls Rechten steht die Leopardin aus Long Island, die rosarot bezopfte Frau mit dem Stoffschwein, Monica Shade. Jene beiden Frauen, die bei der Anniversary Show The End um den GFCW World Title in einem 3 Way herausforderten… und verloren.


Stella Nova: „Sagt es, wie es ist, Mac Müll, neben euch stehen zwei Frauen, welche bei der Anniversary Show verloren haben. Obgleich die wahren Verlierer die Fans und GFCW sind, die nun damit gestraft sind weiterhin The End an der Spitze zu haben. Status Quo und Stagnation, anstatt einer neuen, aufregenden Ära. Wenn wir The End schon nicht besiegen konnten, wie soll es der spärliche Rest der sogenannten Topcard hier schaffen? Und werden sie überhaupt zur Abwechslung den Mut aufbringen und es versuchen?“


Dazu weiß Mac Müll erst einmal nichts zu sagen. Zumindest nichts, das er ungefährdet sagen könnte, ohne dass jemand auf ihn böse wird. Und das will er nicht. Weder will er den Zorn von jemand anderem wecken, noch den von Stella. Zumal Stella ihn beim letzten Interview gelobt hat. Das will er wieder erleben. Zum Glück von Mac Müll weiß dafür Monica Shade etwas zu sagen, die wie so oft bedächtig ihr Stoffschwein Lady Rosi unter dem Arm trägt und streichelt.


Monica Shade: „Ich gebe zu, dass Lady Rosi und ich ein bisschen ratlos sind. Wir gingen wirklich davon aus, dass wir jetzt Champion sein würden und somit ein klares Ziel vor Augen hätten: den Titel zu verteidigen. Stattdessen gab es die Niederlage und ich frage mich unweigerlich: was jetzt?“


Eine gute und berechtigte Frage, die eigentlich Mac Müll hätte stellen sollen.


Monica Shade: „Einen klaren, geschweige denn zügigen Weg zurück zu einem Titelkampf gibt es nicht. Wirklichen Bedarf an irgendeinem bestimmten Match von mir gegen irgendwen gibt es auch nicht – alle potentiellen Gegner von Format sind entweder bereits beschäftigt oder werden jetzt sicherlich auf die Jagd nach The End gehen und haben keinen Grund gegen mich anzutreten. Und der Rest sind Gegner, gegen die ich wiederum keinen Grund habe anzutreten.“


Die Schweinehirtin fährt sich leicht desillusioniert mit der Hand durch ihre kürzen Strähnen, die ihre Stirn bedecken und stößt einen tiefen Seufzer aus. Von all der Energie, die sie vor dem Titelkampf bei der Anniversary Show hatte, ist nichts mehr übrig.


Monica Shade: „Ich meine… wäre Darragh Switzenberg noch Intercontinental Champion, man könnte argumentieren, dass ihm das Gold abzunehmen ein lohnendes Ziel wäre, weil jemand wie Darragh Switzenberg nicht Champion sein sollte. Aber Zac Alonso hat das schon getan und obgleich der Intercontinental Title natürlich seinen Wert für sich hat, so ist der Sinn dieses Goldes doch in erster Linie, dass er jenen als Bewährungsprobe dienen sollte, die sich ans Toplevel herantasten wollen. Also kein Titel für jene wie uns, die bereits auf Toplevel sind. Aus dem Intercontinental Title einen verkappten, zweiten World Title zu machen, indem wir uns um ihn bemühen, kann ja nicht Sinn und Zweck der Sache sein.“


Damit ist geklärt, was nicht als Nächstes passiert. Aber die Frage ist unbeantwortet, was das nächste Programm der beiden bei GFCW sein könnte. Aber Mac Müll weiß genau, was er vorschlagen kann.


Mac Müll: „Nun, die offensichtliche Sache wäre doch ein Einzelmatch von euch beiden gegeneinander!“


Mac Müll hat es gesagt! Das war viele GFCW Fans denken.


Stella Nova: „Wir waren doch gerade erst im Ring gegeneinander. Ich dachte ich hätte mich gerade eben erst ausdrücklich gegen Stagnation ausgesprochen und nun legst du uns nah erneut gegeneinander zu wrestlen, obwohl wir es gerade erst getan haben? Vielleicht bist du doch nicht klüger als diese Tammy...“


Mac Müll erstarrt. Er hatte für seinen großen Einwurf auf ein Lob gehofft. Stattdessen das genaue Gegenteil.


Mac Müll: „Aber… das war doch ein 3 Way und kein Einzelmatch...“


Monica und Stella wechseln einen irritierten Blick, wie um die jeweils andere zu fragen, ob die versteht, auf was Mac Müll hinaus will. Aber in beiden Fällen ist es nicht so. Für sie spielt es keine Rolle, dass es ein 3 Way und kein Einzelmatch war, weil für sie beide Matcharten zwar anders aber absolut gleichwertig sind.


Monica Shade: „Ja, war es? Damit haben wir trotzdem gerade erst gegeneinander gewrestlet? Jetzt ein weiteres Match wäre nur der Aufguss dessen, was gerade erst war. In nem guten halben Jahr macht das vielleicht wieder Sinn, besonders so eine von uns bis dahin Champion geworden sein sollte. Monica Shade vs. Stella Nova um den GFCW World Title – ja, das wäre ein Anlass erneut gegeneinander zu kämpfen...“


Stella nickt zustimmend.


Stella Nova: „Richtig. Abgesehen davon müsste man mich hier eh erst einmal unter Vertrag nehmen. Noch habe ich nämlich keinen und obgleich ich auch nichts dagegen habe per Auftritt entlohnt zu werden, so wäre ein Vertrag dennoch günstig, auf dass es nicht jede Show Gespräche geben muss. Heute bin ich tatsächlich unbezahlt hier – weil ich als Leitstern mit gutem Beispiel vorangehen muss. Wenn ich nicht demonstriere, wie Einsatzbereitschaft funktioniert, wer dann?“


Wie sie das sagt kommen 
plötzlich vier Männer von der Security ins Bild geschritten.


Security: „Hey. Haben wir das richtig gehört? Du bist für heute nicht gebookt und hast auch keinen Vertrag? Dann gehörst du hier auch nicht hin.“


Stella blickt die Vier an. Die blicken zurück. Würde eine Stecknadel fallen, sie wäre gut hörbar.


Stella Nova: „...das ist jetzt nicht euer Ernst, oder?“


Keine direkte Antwort, aber die Männer von der Security gehen auch nicht weg, sondern blicken den Leitstern ernst an.


Stella Nova: „Ich verstehe. Nun gut, wie ich gerade schon sagte: als Leitstern muss ich mit gutem Beispiel vorangehen. Sicherlich könnte ich euch Männer von der Security nun problemlos niederstrecken, aber ihr macht ja nur euren Job und so werde ich keine Szene machen. Gern geschehen.“


Sprach es und wird zum Ausgang geleitet. Monica Shade, Lady Rosi und Mac Müll blicken ihr hinterher – dann fällt dem Interviewer etwas ein.


Mac Müll: „Ähm… du, Monica?“
Monica Shade: „Ja?“
Mac Müll: „Du sagtest, dass du nicht um den Intercontinental Title antreten möchtest, weil du daraus keinen verkappten World Title machen willst.“
Monica Shade: „Ja, das hab ich gesagt.“
Mac Müll: „Du hast auch gesagt, dass du gegen den großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg um das Gold angetreten wärst, weil jemand wie er nicht Champion sein sollte. “
Monica Shade: „Ja, das hab ich auch gesagt. Hast du einen Punkt, auf den du hinauswillst oder füllst du Zeit, indem du bereits Gesagtes wiederholst?“


Der Interviewer holt tief Luft.


Mac Müll: „Nun, die Sache ist die… hattest du nicht mit Zac Alonso auch deine Probleme, weil er dem Switzidog befohlen hat Lady Rosi aus der Saloon Battle Royal zu entfernen? Sicherlich, in der Zwischenzeit gab es das Match der LPG gegen das Switziverse, wo du als Teil der LPG gewonnen hast, aber ist damit wirklich die Sache mit Zac Alonso und dem Switzidog aus der Welt?“


Mac Müll guckt fast schon flehentlich ihn wegen dieser Frage nicht erneut zu tadeln aber Monica tadelt ihn nicht. Im Gegenteil: sie überlegt und das nicht zu knapp, wie das heftige Ruckeln von Lady Rosi in ihrem Arm demonstriert. Das Stoffschwein droht ihr fast aus dem Arm zu fallen und dann – wird es schlagartig ruhig.


Monica Shade: „So betrachtet hast du tatsächlich einen Punkt. Zac Alonso mag nun auftreten wie ein geläuterter Mensch, aber ist er das wirklich? Vielleicht sollte ich mich in der Tat persönlich davon überzeugen… okay. Kommando zurück. Ich denke, ich werde mich doch um den Intercontinental Title bemühen. Guter Einwand, Mac Müll.“


Mac Müll wurde erneut gelobt. Mac Müll ist glücklich. Mit seinem seligen Gesichtsausdruck schaltet sich die Kamera ab.



Die anwesenden Fans in der Halle sind voller Euphorie, denn sie wissen genau, wer in wenigen Augenblicken die MHP Arena betreten wird.







Die Zerbeus – Chants verbreiten sich wie ein Lauffeuer durch die Crowd, ehe man die Musik von Zereo Killer hört. BRING ME TO LIFE hallt es durch die Arena. Es dauert auch nicht lange, bis er sich auf der On Stage blicken lässt. Schwarz-weiß-goldene Gesichtsbemalung, dazu die passende Kapuzenjacke, darunter Oberkörper frei, die weiße, dazugehörige Hose und die weißen Sneaker machen das Outfit. Und ja, er streckt voller Stolz seinen GFCW Tag Team Title in die Höhe: Der dritte Tag Team Titelgewinn insgesamt, der erste mit seinem neuen Tag Team Partner, der zehnte GFCW Titel in Summe! Das Glänzen in seinen Augen, die Leidenschaft, die Motivation, das Feuer ist zu erkennen!


Gesaffelstein erklingt aus den Boxen. Selbstverständlich die Erkennungsmelodie, wenn man diese Musik melodisch nennen mag, von Raymond Douglas. Der Kanadier kommt auch schnell aus dem Tunnel und präsentiert stolz den zweiten Titel um die Hüften schnallend. Die Tag Team Champions mitsamt gewonnenem Hüftgold sind komplettiert. Dann stellt er sich zu Mike Mackenzie, reckt traumwandlerisch das Gold ebenfalls in die Höhe. Morbeus und Zereo Killer schauen sich kurz an wie zwei Frischverliebte und dann entbrennt auch schon festliches On-Stage Feuerwerk. Richtig satt wird dabei allerlei Blitzknallsatz entzündet. Eine Kombination aus Kaliumperchlorat (starkes Oxidationsmittel) und Aluminiumpulver (Reduktionsmittel). Diese Mischung sorgt für einen extrem lauten Knall und einen hellen Lichtblitz. OOOhs und AAAHs aus der Menge sind natürlich gewiss. Der ein oder andere Tinnitus-Patient wird es aber verfluchen. Dann plötzlich Stille.




Wieder erklingt eine Melodie. ZK und Morbeus zeigen auf ihr Logo, welches noch immer am Titantron angezeigt wird und machen pantomimisch jedem im Saal klar, dass dies nun ihr gemeinsamer Entrance ist. Die schweren Gitarren sollen wohl die harte Arbeit symbolisieren, die die beiden nun gewillt sind in ihr Handwerk zu stecken.


YOU DESERVE IT.


YOU DESERVE IT.


Chants der GFCW Galaxy erklingen als die beiden auf dem Weg zum Ring einige Fans abklatschen. Inwiefern das nun längst verdient ist, sei mal dahingestellt. Die neuen Champions sind auch die Champions des GFCW-Volkes!


Im Ring angekommen holt sich Morbeus von Laura das Mic und richtet seine Worte an alle Ludwigsburger.


Morbeus: „Es ist vollbracht! Ich habe selbst nicht immer damit gerechnet, aber ZERBEUS sind eure neuen GFCW TAG TEAM CHAMPIONS!“


YOU DESERVE IT.


Morbeus: „Danke! Und ohne euch Fans hätten wir das nicht vollbracht. Ein Wunder? Naja, Old Men can still fight! Nichts in der Wrestling-Welt ist schöner, als sich nach einem intensiven kraftraubenden Match mit GOLD zu schmücken!“


Euphorisch wird Zereo Killer der Schallwandler überreicht, welcher nochmals den neu gewonnenen Gürtel in die Höhe streckt. Er brüllt in den Schallwandler.


Zereo Killer: „Wir haben es geschafft, tatsächlich!“


Er lässt die Worte wirken und die Fans gehen voll mit. Sie feiern ihre neuen Helden Zerbeus.


Zereo Killer: „Wir haben bei der Anniversary Show alles gegeben, ich bin wirklich sehr froh, dass ich nach der Zeit mit Lionel Jannek… einen neuen, gleichwertigen Partner gefunden habe.“


Er stemmt die Hände in die Hüften und sucht den Blickkontakt zu seinem Gegenüber.


Zereo Killer: „Wir sind älter geworden, reifer geworden, wir sind füreinander da, und zusammen sind wir stärker geworden.“


Er schwelgt in Erinnerungen jüngster Vergangenheit, denkt an das erste Tag Team Match, welches sie gemeinsam bestritten. Sie harmonierten sofort, man merkte es auch beim Titelmatch der Jubiläumsshow, Zerbeus hat eingeschlagen wie eine Bombe, doch er wirkt auch etwas nachdenklich.


Zereo Killer: „Doch beim Titelmatch ist etwas passiert, was noch nie passiert ist. Ich habe einen riskanten Move vergeigt. Warum ist das passiert? Das ist eine gute Frage. Wir hatten vor dem Match ein Gespräch, welches mir mitten im Kampf durch den Kopf ging. Ja, ich glaub, ich hab in diesem Moment zu viel darüber nachgedacht…“


Er lässt kurz ab und geht einen Schritt auf seinen Partner zu.


Zereo Killer: „Irgendwie hast du vielleicht Recht, würde ich sagen. Ich muss in Zukunft besser auf mich aufpassen. Ich werde mein Moveset anpassen. Zum Wohle unseres Teams, zum Wohle meiner Gesundheit. Denn irgendwann komme ich nicht mehr so glimpflich davon, wenn ich einen Move nicht mehr so durchziehen kann, so wie ich es gerne hätte.“


Morbeus nimmt das Gesagte mit einem Nicken an, doch MacKenzie ist noch nicht fertig.


Zereo Killer: „Das heißt nicht, ich werde auf waghalsige Aktionen verzichten, aber es wird wohl überlegt sein, nicht mehr auf Teufel komm raus, das verspreche ich dir.“

Morbeus: „Mike, das ist doch mal ein gutes Stichwort. Wir werden gegen JEDEN unsere Titles verteidigen. Rabbits. TnB. Ihr habt wie die Löwen gekämpft und es war ein toughes Ergebnis. Wir wollen keine Türe schließen. Und das gilt erst recht gegen die, die nun Number One Contender sind. Idunn Jörmungandr und Skadi Fenrir. Ich würde lügen, wenn ich die Aussprache eurer Namen auf Anhieb hinbekommen hätte. Aber ich habe eure Matches gesehen. Klar, das ist das Mindeste. ZK und ich. Wir beide haben schon viel erlebt. Und uns kann nichts schocken. Das gilt für eure Skills im Ring, für eure gewünschte Matchart oder was weiß ich noch. Wir sind bereit!“





Wie aufs Stichwort ertönt die Musik von Skadi Fenrir und Idunn Jörmungandr. Die sonst obligatorischen Schneeflocken rieseln heute zwar nicht von der Decke, ob des eher plötzlichen statt per Card geplanten Auftritts der beiden riesigen norwegischen Schwestern, aber auch ohne die kühlen Flocken in der Luft sind die Blicke der Schneewölfin mit den schneegrauen Zotteln sehr frostig. Sie bleibt zentral auf der Einzugsrampe stehen, mit ihrer noch größeren Riesenschlange von Schwester als bedrohlichem Turm des Unheils hinter sich.

Skadi Fenrir: „Ihr beiden mögt hehre Legenden sein, doch seid ihr wohl in euren illustren Karrieren ein paar Mal zu oft auf den Kopf geworfen worden. Gestattet mir also eure fehlerhaften Ausführungen zu korrigieren… ihr werdet dieses Gold weder gegen die Hasen, noch gegen Titan und Tha Bomb verteidigen und schon gar nicht gegen sonst irgendwen – sondern gegen uns. Obgleich auch dies eine inkorrekte Aussage ist, denn ihr werdet das Gold gegen uns nicht verteidigen, ihr werdet es gegen uns verlieren.“


Die Worte der 1,93 großen Frau aus Tromsø werden mit ein paar Pfiffen und Buhrufen bedacht – respektlos anmutende Aussagen den beiden Champs gegenüber kommen nicht gut an.


Skadi Fenrir: „Wären wir von Commissioner Fletcher nicht sträflich übergangen worden, so hätten wir das Tag Team Gold bereits in unserem Besitz, doch ist es ja nichts Neues für mich, das meine GFCW-Karriere von bürokratischem Unfug gestört wird. So war es, als ich Jason Crutch pinnte und doch Darragh Switzenberg das Intercontinental Titelmatch erhielt, so war es, als ich im Ladder Match bei Title Night die Mülltonne, die das Gold bedeutet hätte, bereits in Händen hielt und doch die Hasen zu den Champions gekürt wurden und nun ist es also auch so mit euch...“


Skadi bleckt kurz die Zähne, während Idunn ein Zischen zum Besten gibt. So lautstark, dass der Ouroboros-Schlange fast ihr Schwanz, bzw. ihr massiver Flechtzopf aus dem Mund fällt.


Skadi Fenrir: „Aber nachdem ich und meine Schwester beim Easter Special eure Legenden um eine bittere Niederlage bereichert haben, werden wir unsere redlich verdiente Beute in Händen halten. Und in diesem Moment werden die Rückschläge der Vergangenheit nur noch eine ferne Erinnerung sein. Die Anniversary Show mag euer großer Moment gewesen sein und sei euch gegönnt – doch das Easter Special wird 
unser Moment.“


Raymond Douglas kann sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.


Morbeus: „Och Gottchen. Da wurdet ihr aber ganz böse übers Ohr gehauen. Mir kommen gleich die Tränen. Ich weiß nicht, wo ihr vorher gekämpft habt und es ist mir auch völlig gleich. Um in der GFCW zu bestehen, muss jeder der hier bestehen will, aus besonderem Holz geschnitzt sein. Aber seid ihr das? Traut ihr euch das schon zu? Wer so beschäftigt ist mit sich und irgendwelchen Entscheidungen, die angeblich gegen einen laufen, der verliert den Fokus! Und hey, beim Easter Special da wollen wir einen richtigen Kampf gegen EBENBÜRTIGE Gegner. Also bekommt euren Shit zusammen. Hier laufen die Dinge nie wie geplant!“


Dann gibt er das Mic an ZK weiter. Dieser geht wie ein wilder Tiger im Ring auf und ab und lässt die kommende Bedrohung nicht aus den Augen, während er das Mikrofon an seine Lippen hält.


Zereo Killer: „Es gibt verdammt nochmal mehrere Gründe, warum wir beim Easter Special nicht verlieren werden.“


Der erste Finger wird in die Höhe gehalten.


Zereo Killer: „Morbeus und ich haben das Titelgold gerade erst gewonnen und das ist unser Momentum, welches so schnell von niemanden genommen werden kann!“


Die Crowd stimmt Mr. #ISGI absolut zu und die ZERBEUS – Chants verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Mit einem selbstbewussten Grinsen verrät er nun den zweiten Grund.


Zereo Killer: „Zerbeus haben insgesamt 14 Titel gewonnen, und wir wissen, wie wir Schlachten in der GFCW austragen! Wir haben sie gegeneinander ausgetragen, wir tragen sie seit einigen Wochen miteinander aus. Dadurch kennen wir uns bestens, wir wissen über die Stärken und Schwächen des jeweils Anderen und ergänzen uns perfekt!“


Ein dritter Finger wird in die Höhe gestreckt, er ist noch nicht fertig.


Zereo Killer: „Das Easter Special wird mein 200. War Evening Auftritt sein, und ich werde den Teufel tun, mir dieses kleine Jubiläum von irgendjemanden vermasseln zu lassen! Wir werden alles geben!“


Eine kurze Nebeninformation, die speziell den Mann aus den Vereinigten Staaten eine Extramotivation geben wird, interessant.


Zereo Killer: „And last but not least…“


Er lässt sich einen kurzen Moment Zeit, als er einen vierten Finger in die Höhe hält, bevor er den letzten Grund verrät.


Zereo Killer: „Three Fucking important Items on three fucking poles, Ironman Decibel, Deadly Roulette, Glasshouse – um nur einige Stichworte zu nennen, die ich im Ring erleben durfte. Ich – wir – haben so viele Arten von Matches in dieser Liga erlebt, glaubt mir, wenn ich sage, dass uns nichts mehr schocken kann! Also habe ich nur eine Frage: Welche Matchart wollt ihr haben beim Easter Special? Bin gespannt, wie kreativ ihr seid!“


Mit größtmöglichem Kampfeswillen stehen die Champions Seite an Seite im Ring und sind gespannt auf die Antwort der kommenden Contender.


Skadi Fenrir: „Es mag Euch überraschen, Herr Killer, doch unser Ziel ist es nicht einen Kreativitätswettbewerb zu gewinnen, unser Ziel ist es gegen Euch beim Easter Special in einem Wrestlingmatch zu obsiegen und eure erste Titelverteidigung auch prompt zu eurer letzten Titelverteidigung zu machen. Und das werden wir. Monica Shade und Stella Nova haben es verpasst bei der Anniversary Show eine neue Ära einzuleiten, doch uns wird dies gelingen. Der kommende Pay Per View heißt schließlich geradezu prophetisch „New Level“ und nicht etwa „Same Old Shit“. Die Wachablösung ist wahrlich fällig und dies bei Eurem 200. Jubiläum zu vollbringen macht die Jagd nur umso erfüllender. Von uns entthront zu werden – das ist es, was ihr verdient.“


Das sehen die Fans ganz anders und quittieren diese Aussage mit Buhrufen und Daumen nach unten. Reaktionen, die Idunn sichtlich aggressiv die Augen wandern lassen, aber Skadis Blick ist fokussiert auf die beiden legendären Champions vor ihr.


Skadi Fenrir: „Die Matchart, die wir ersonnen haben, ist denkbar simpel. Es ist eine Matchart, die Euch, dem Etablissement, eine etablierte Methode nimmt, um Euch gegen die verdiente Niederlage zu stemmen. Eine Matchart, die Eure gängigen Methoden, Eure Routine zum Nachteil für Euch macht.“


Darunter kann sich jetzt erst mal niemand etwas vorstellen. In den Fanreihen wird getuschelt und diskutiert, ob vielleicht bestimmte Manöver verboten werden oder dergleichen.


Skadi Fenrir: „Wenn Herr Morbeus es ziemlich dünkt die Ehre einer ehrbaren Jägerin ins Lächerliche zu ziehen und erlittenes Unrecht zu legitimieren, so bin ich gespannt, aus welchem Holz er selbst wohl geschnitzt sein mag, wenn eine Krücke genommen wird, die über die Jahre als selbstverständlich verankert worden ist.“


Worauf will sie hinaus? Wird es ein Parkplatz Brawl statt einem Match im Ring?


Skadi Fenrir: „Unser Match beim Easter Special wird… ein No Ropes Match.“


Diese Worte lässt Skadi wirken – und es geht Getuschel bei den Fans los, ob wie „No Ropes Barb Wire“ gemeint hat. Die Freude von blutigen Striemen reiben sich schon voller Vorfreude die Hände, als ihre Freude jäh getrübt wird.


Skadi Fenrir: „Mir ist klar, dass Ihr weder klug noch einen Sinn für Ethik und Ästhetik besitzt, wenn Ihr ausschließlich jene bejubelt, die uns gegenüberstehen, doch uns diesen Zuspruch verweigert, doch selbst wenig gebildeten Einfaltspinseln wie Euch meisten Fans hier in der Halle sollte aufgefallen sein, dass ich lediglich von „No Ropes“ gesprochen habe, von Stacheldraht hingegen war keine Rede.“


Spätestens jetzt sind Skadi die Buhrufe der meisten Fans sicher. Das Publikum verbal angehen UND eine so unfassbar langweilige Stipulation gleichzeitig? Keine gute Kombination, wenn man tatsächlich bejubelt werden möchte.


Skadi Fenrir: „Die Seile sind das Hilfsmittel der Schwachen. Rettungsanker. Trittbretter für Leute, die gern in der Gegend herum hüpfen. Ich, die mächtige Jägerin Skadi Fenrir, brauche keine Seile, um die Ringecke zu erklimmen und von ihr wie eine Lawine auf meine Beute herab zu springen. Unnötig das zu erwähnen, aber meine gar zerstörerische Schwester Idunn benötigt sie erst recht nicht – während ihr beiden die Seile herbeisehnen werdet, wenn Idunn euch zerquetscht und austestet wie morsch euer Holz geworden ist. Genießt also eure Zeit mit diesen goldenen Gürteln, in zwei Wochen werden wir sie erbeuten und unsere eigenen Legenden auf den Kadavern der Euren errichten.“


Sagt es und lässt das Mikrofon fallen. Sie hat gesagt, was sie wollte. Sie wendet sich zu gehen und ihre Schwester macht es ihr gleich, nach einem letzten bedrohlichen Zischen. Der letzte Blick ist auf die Champions im Ring gerichtet, die wohl mit vielem gerechnet haben, aber nicht mit einem „No Ropes“-Match.



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