Der Ring wurde schön vornehm hergerichtet – ein zusätzlicher Teppich bedeckt die Ringmatte, gemütlich aussehende Bürosessel stehen vor einem kunstvoll gearbeiteten Tisch, welcher mit einem nicht minder kunstvoll gefertigten Tischtuch bedeckt ist, welches GFCW Stickereien ziert. Noch dazu ist Tammy als Moderatorin zugegen. Es ist alles bereitet für die Vertragsunterzeichnung zwischen GFCW Champion The End und seiner Herausforderin Monica Shade, der Leopardin aus Long Island.


Tammy: „Ich weiß ihr könnt es kaum erwarten und ich kann es auch kaum erwarten – eine Vertragsunterzeichnung live im Ring gibt es nicht alle Tage und es ist eine gute Gelegenheit für uns alle Champion und Herausforderin noch einmal im direkten Wortduell zu erleben. Seid versichert, dass ich nachhaken werde, falls ich das Gefühl habe, dass jemand etwas nur andeutet, aber nicht ausspricht! Und damit gebe ich ohne weitere Umschweife ab zu dir, liebe Laura!“


Ein Zwinkern von Interviewerin gen Ringsprecherin, die einmal tief Luft holt, die elektrisierte Atmosphäre im Publikum in sich aufsaugt und dann ihres Amtes waltet.


Laura: „Meine Damen und Herren. Die Herausforderin um den GFCW World Championship. Aus Long Island, New York mit einer Größe von einem Meter Neunundsechszig… Long Island Leopard Monica Shade~!“



Hallenbeleuchtung aus, Spotlight an, rosanes Spotlight natürlich. Rosa passend zum grandiosen, rosaroten und selbstverständlich zum lang bleiben erwachsenen Haupthaar der US Amerikanerin, die seit geraumer Zeit in einem deutschen Dörfchen wohnt, um dem Wahnsinn ihres Heimatlandes fern zu sein. Obgleich manch einer der Frau mit dem struppigen Pony und den violetten Augen wohl auch einen gewissen Wahnsinn unterstellen würde, trägt sie doch stets ein Stoffschwein namens Lady Rosi mit sich herum, mit dem sie kommuniziert und welches sie als ihre „Strategin“ ansieht. Ebendiese Lady Rosi ist heute extra schick gekleidet, dem Anlass entsprechend wenn man so will: ein weiß-rotes Halsband, ein elegantes Hütchen im selben Stil und gar ein Glücksarmband um das linke Vorderbein.

Monica selbst hat mit ähnlichen Bändern ihr Haar zum Zopf gestylt, derer vier insgesamt, während ihre Kleidung mehr oder minder das ist, was man sonst auch von ihr kennt: Leoparden-Halstuch, passend zu ihren Augen eine violette Weste, Sporthose und Stiefel. Schick genug, um auch in diesem Ambiente zu passen und doch leger genug, um es eigentlich überall tragen zu können.

Pete und Sven werden beim Gang gen Ring mit Nichtachtung gestraft, anders als ein „True Bravery is Staying True to Yourself #uncut“ Fanplakat, auf das sie bedeutsam zeigt und es abnickt. Wie sie sich auch generell Zeit nimmt für ausgestreckte Fanhände. Einige sind es zweifellos – und doch ist sie letztlich in diesem Szenario gegen The End ganz klar nicht die Publikumsfavoritin. Zwar wird sie an und für sich positiv empfangen, doch kaum ist Monica im Ring angekommen, da geht die Stimmung unweigerlich nach oben, weil Laura nun den Mann ankündigt, den man schon lange respektiert und seit geraumer Zeit auch ins Herz geschlossen hat; insbesondere nach seiner Rückkehr gegen Ende des letzten Jahres.


Laura: „Und nun, aus Hamburg, Deutschland! Mit einer Größe von einem Meter Neunundachtzig und einem Gewicht von 108 Kilogramm… der GFCW World Heavyweight Champion… THE END~!“



Wieder wird es dunkel, wieder der Spotlight auf der Stage, diesmal in rotem Licht natürlich. Rot, nicht zwingend passend aber mittlerweile etabliert für den amtierenden, zweifachen GFCW World Champion, dessen Musik gleichermaßen einen tobendem Schwall an Jubel-Chants mit sich bringt und das noch bevor wir den Mann tatsächlich in seinem Spotlight sehen.

Schließlich, tritt er aber hinein – dunkle Jeans, ein Arch Enemy-Shirt, welches unter seiner Lederjacke hervorstrahlt und ebenfalls mit den langen, dunklen Haaren, die zu einem Zopf zusammengebunden sind. Das wichtigste ist aber natürlich der GFCW World Title, der auf seiner Schulter weilt und kräftig strahlt wie eh und je, ja, der Champ ist da und wie er da so steht, im roten Scheinwerferlicht, unter tobendem Applaus der Galaxy… das hat schon einen ganz eigenen Vibe. Bei diesem Shot wird nun auch kurz in den Ring geschaltet, um die Reaktion von Monica Shade einzufangen. Diese blickt fokussiert fast ohne Wimpernschlag zum Champion, wobei nebenbei mit den Fingern ihrer linken Hand an Lady Rosis Schwanz herumspielt, ganz so als ob sie den Kontakt zu ihrer "Strategin" benötigt, um der überwältigenden Aura des Champions standzuhalten.

Während die Halle nun wieder heller wird, beginnt der Champion seinen Weg. Seinen Weg in Richtung Ring, zu der einzigen Herausforderin, die sich so richtig auf seine Forderung gemeldet hat.

Wie mittlerweile bekannt, klatscht auch dieses Mal The End mit keinem der Fans ab, er registriert den Jubel zwar wieder, reagiert aber allerhöchstens nur minimal darauf, was nicht bedeuten soll, dass er ihn nicht zu schätzen weiß. Schlussendlich kommt er aber in den Ring, in dem er direkt um Tammy und Monica herumläuft, um sich auch auf der Ringecke noch einmal feiern zu lassen. Er streckt den Gürtel in die Luft, erst mit Blick in Richtung Publikum, dann wandert sein Blick zu Monica, bevor er schließlich wieder absteigt und er sich ihr gegenüberstellt.

Seine Musik fadet aus und die Spannung steigt weiter an. Herausforderin und Champion, zum ersten und zum letzten Mal gemeinsam im Ring, bevor das große Match ansteht.


Tammy: „Also dann, vielen Dank, dass ihr Beide eu…“


Während Tammy da so spricht, greift The End ihr ins Mikro, um es ihr – nicht zu aggressiv, aber dennoch bestimmt – abzunehmen. Wie schon vor zwei Wochen, hat das etwas Arrogantes, aber gleichermaßen wirkt es einfach so, als tut The End, was The End will, weil er The End ist. Und da The End nun mal der Champ ist, wird es ihm wohl auch niemand übelnehmen. Tammy kommentiert diese forsche Aktion zwar mit einem leicht schockierten Gesichtsausdruck, ihr scheint aber auch bewusst zu sein, dass sie wohl hätte nichts anderes erwarten sollen.

Während die Galaxy nun also Ends Namen brüllt, taumelt der noch etwas durch den Ring, bevor er sich mit dem Mikro schließlich in Richtung Monica Shade positioniert.


The End: „Zu Beginn diesen Jahres, habe ich der Wrestling-Welt eine Herausforderung gestellt: Ich habe den GFCW-World Championship und wer ihn will, der soll kommen.“


Die Fans reagieren auf Ends Worte in voller Ekstase, sie scheinen sehr euphorisch, dass der Champion hier zu ihnen spricht und ebenso scheint ihnen diese Herausforderung auch gefallen zu haben.


The End: „Ich habe mich Mad Dog konfrontiert, doch der wusste nicht, ob er sich der Liga verpflichten will. Selbstverständlich… habe ich Ask Skógur das Titelmatch angeboten, doch der wollte es lieber aufs Spiel setzen. Und sonst?

sonst hat keiner geantwortet.

Keiner. Niemand.

außer dir.“


End richtet seine Finger auf Monica, als wären sie eine Pistole.

Und dabei jubelt die Menge wieder, diesmal aber tatsächlich nicht für The End, sondern für Monica Shade, denn es stimmt, was The End sagt – keiner wollte Ends Herausforderung tatsächlich annehmen. Außer Monica Shade, die direkt nicht nur ihr Interesse, sondern ihre Bereitschaft bekundet hat, sich dieses Titelmatch zu erarbeiten.


The End: „In diesem Sinne, Miss Shade, herzlichen Glückwunsch. Du hast, was du wolltest.“


Bei diesen Worten geht End schon fast etwas bedrohlich auf Monica zu, aber natürlich nicht, als würde er sie tatsächlich einschüchtern wollen, sondern vielmehr, als wolle er ihr – auf seine Art – zu verstehen geben, dass er sie als seine Gegnerin akzeptiert.


The End: „Allerdings… und natürlich muss ich dir das nicht sagen… war der Weg, bis hier her zu kommen, der leichte Teil. Jetzt beginnt die wahre Herausforderung, denn jetzt bist du in der undankbaren Aufgabe, zu versuchen MICH… und DAS HIER… auseinander zu bringen.“


End streckt den Titel abermals in die Höhe.


The End: „Und das… kann ich nicht zulassen.“


Langsam senkt End den Titel wieder, während er Monica mit seinen Augen manifestiert. Genug der Ehrerbietung seiner Gegnerin, jetzt gilt es wieder zu zeigen und zu demonstrieren, dass er der härteste Brocken in der GFCW ist.

Die Schweinehirtin hatte es sich bereits auf dem Bürosessel bequem gemacht und Lady Rosi auf den Schoß genommen, sodass sie unweigerlich zu The End aufsehen muss. Klar, ob der unterschiedlichen Körpergröße hätte sie das eh gemusst, nur ist die Gestalt des Champions aus ihrer Sitzhaltung heraus unweigerlich noch imposanter.

Für einen Moment fährt ein Ruck durch ihren Körper, als wolle sie aufstehen – doch sie steht nicht auf. Vielmehr fährt Ruhe in ihren Körper ein, ein Lächeln formt sich in ihrem Gesicht und sie lehnt sich zurück.


Monica Shade: „Wäre ja auch nicht der Sinn der Sache, wenn du es so einfach zulassen würdest. Ich will den Titel schließlich gewinnen und ihn nicht geschenkt kriegen, so wie Miria Saionji oder Darragh Switzenberg es vermutlich sehr gerne hätten.“


Kleine Stichelei am Rande – wobei zumindest Miria vermutlich nicht einmal ein Problem damit hätte dies als Fakt zuzugestehen. Fakt, nicht Lüge.


Monica Shade: „Dennoch könnte ich dasselbe jetzt zu dir sagen, Champ: den Titel gewonnen zu haben war der einfache Teil. Ihn dann auch zu verteidigen und eine denkwürdige Titelregentschaft haben, das ist der schwierige Teil. Und das wiederum kann ich nicht zulassen.“


Bedachtsam streichelt die Leopardin aus Long Island ihrem Stoffschwein über den Rücken.


Monica Shade: „Wer weiß besser als ich wie schnell ein gewonnener Titel wieder weg sein kann? Das war eine unschöne Erfahrung, die mir aber auch den Wert des Goldes vor Augen geführt hat und mich bescheiden hat bleiben lassen.“


WFW Kenner oder zumindest Monica Kenner wissen: ihre Titelregentschaft war nur einige Minuten lang.


Monica Shade: „So großspurig wie du hier auftrittst und Tammy das Mikrofon wie selbstverständlich aus der Hand grapschst… bekomme ich das Gefühl, so ein rascher Titelverlust könnte auch für dich eine charakterbildende Erfahrung sein, die dir gut bekommen würde. Nun wo deine beiden Ziehväter weg sind, muss ja irgendwer dafür sorgen, dass du dich weiterhin zum Guten entwickelst und diese Rolle übernehme ich gerne.“


Ihre Streicheleinheiten für Lady Rosi intensivieren sich. Was unausgesprochen bleibt, aber implizit mitschwingt: The End ist bei allem Erfolg nun erstmals ganz auf sich allein gestellt. Statt dem großen Duell von Monica und End im Ring plus dem Strategenduell Lady Rosi gegen Salvatore Corleone gibt es eher ein Handicap Match: Lady Rosi & Monica Shade gegen einen The End in einer Selbstfindungsphase. Vorausgesetzt natürlich man möchte Lady Rosi überhaupt als potentiellen Gegenpart zu Salvatore sehen, was wohl nicht allzu viele allen Ernstes machen würden. Und doch, Monica schöpft aus diesem Umstand Zuversicht.

End steht noch immer neben Shade und schaut von oben auf sie hinab, während sie ihm all das an den Kopf wirft. Und er hat diese Worte zunächst recht emotionslos aufgenommen, jetzt kann er sich allerdings ein zynisches Schmunzeln nicht verkneifen. Er wendet sich von Monica ab und läuft schließlich um den Tisch herum.


The End: „Nun… Monica… ich weiß nicht, ob ich dir da zustimmen kann.“


Er kommt auf der anderen Seite an und während er offenlässt, wobei er Monica offenbar nicht zustimmt, nimmt er nun gegenüber von ihr Platz. Und neben dem zynischen Ausdruck im Gesicht, wirkt es nun wieder etwas arroganter, wie er auf dem Stuhl Platz nimmt und seine Füße direkt mal dreisterweise auf den Tisch packt und auch den Titel legt er dort ab.


The End: „Bei Title Night habe ich einen Kampf beendet, den ich mein gesamtes Leben über geführt habe, gegen den zähsten Typen, den ich außer mir kenne. Den Mann, den ich, so schwierig es auch manchmal sein mag, als meinen Bruder bezeichnen würde. Und das, weil mein anderer Gegner an diesem Abend der Mann war, der mir alles beigebracht hat und wohl wusste wie kein anderer, wie er mich bezwingen könnte. Schließlich hat er es mehr als einmal getan. Der Mann, den ich, so ungern ich es auch tun mag, als einen Vater, einen Mentor, als was auch immer bezeichnen würde. Der Teufel höchstpersönlich, wenn man den vielen Stimmen glauben mag.

Diesen Kampf habe ich bei Title Night beendet. Und nicht nur das, nachdem ich diesen Kampf so viele Jahre gekämpft habe, habe ich ihn bei Title Night gewonnen. Und du sagst, DAS wäre der einfache Part gewesen? Was… und der harte Part kommt jetzt? Gegen dich… und ein Stoffschwein?“


End führt seine Ansprache bedacht auf diesen Angriff zu und dabei kann man eine gewisse Spur von Überheblichkeit nicht überhören, es ist offensichtlich, dass ein End Lady Rosi keinesfalls auf eine Art und Weise ernst nimmt, wie es bspw. ein Ask Skógur getan hat.

Aber es ist nicht gänzliche Verachtung, die dabei in seiner Stimme liegt – wahrscheinlich ist Lady Rosi und die Bindung zwischen ihr und Monica Shade ihm herzlich egal, aber es scheint, als würde er genau diesen Punkt als Angriffsfläche erkennen, auf deren Basis er Moncia erwischen kann. Und das lässt sich The End natürlich nicht nehmen.

Die Streicheleinheiten für Lady Rosi haben auf jeden Fall aufgehört, Monicas Hand ist auf dem Rücken des plüschigen Schweins wie festgefroren – und auch ihre Augen haben jeglichen Wimpernschlag eingestellt. Die Leopardin aus Long Island starrt The End mit zunehmender Antipathie an. Nach einem Moment, wo ihr Blick fast knistert vor Intensität kommt dann aber doch wieder ein Blinzeln und die Streicheleinheiten für Lady Rosi gehen weiter, obgleich im erheblich verringerten Tempo.

In jedem Falle kostet End den Moment sichtlich aus und auch das Publikum scheint den Ernst der Lage durchaus zu verstehen, selbst Tammy dreht sich betroffen weg, bis sich Ends Miene schließlich wieder ändert und er wieder deutlich ernster wird. Er nimmt nun auch wieder die Füße vom Tisch und schaut zu Monica.


The End: „Ich weiß, was es bedeutet ein Champion zu sein und ich weiß, was dafür nötig ist den Titel zu verteidigen. Ich weiß, dass dieser Gürtel der höchste Preis der GFCW ist und kein modisches Accessoire, was gut um meine Hüften passt. Vor allem aber weiß ich, wie es ist allein zu kämpfen, denn im Gegensatz zu diesem Gürtel, war James Corleone für einen großen Teil meiner ersten Regentschaft tatsächlich nur ein Accessoire.

In diesem Sinne, Monica, werde ich dich nicht unterschätzen, keine Sorge und dennoch, gedenke ich keinesfalls dir auch nur den Hauch einer Chance zu lassen. Das ist MEIN Titel und er wird auch bei MIR bleiben.“


Mit diesen Worten gibt End nun schließlich wieder zu verstehen, dass er Monica als die Bedrohung versteht, die sie ist, auch, wenn er sich zwischendurch kurz über sie lustig gemacht hat. Sei es, weil er nun mal The End ist und das zu ihm gehört, sei es, weil er sie im Rahmen des Kampfes um den World Title der GFCW auf ihre mentale Stärke testen will. Aber er meint, was er sagt, er wird sie nicht unterschätzen, aber gewinnen, wird er trotzdem.

Monica ist weiterhin angespannt, hat aber doch wieder etwas lockerere Züge angenommen und auch ihre Streicheleinheiten für Lady Rosi haben ihr normales Tempo zurück.


Monica Shade: „Ich weiß jetzt natürlich nicht ganz so viel über deine Vergangenheit und habe nur hier und da was aufgeschnappt, kann also sein, dass ich absolut falsch liege, aber ich würde ja dennoch denken, dass dein Vater für dich eher eine stetige Rückversicherung war. Du magst ihn nicht immer gebraucht haben, aber wann auch immer du ihn doch gebraucht hattest, war er da, bis er es nicht mehr war und du stattdessen deinen Onkel an deiner Seite hattest.“


Die Schweinehirtin hält für einen Moment Lady Rosi hoch. The End hingegen kneift die Augen ein wenig zusammen, denn so selbstbewusst er es auch behaupten mag, ganz falsch liegt sie damit nicht.


Monica Shade: „Versteh mich nicht falsch, ich bin sicherlich die Letzte, die etwas dagegen hat, wenn man strategische oder sonstige Hilfe beansprucht. Ist in vielen Sportarten ja absoluter Usus, dass man ein Team um sich hat, um das Beste aus sich rauszuholen.“


Und nun beugt sie sich vor – ein Hauch von Forschheit.


Monica Shade: „Genau deswegen frage ich mich aber gerade, wen du mit deinen Worten überzeugen willst. Mich? Oder doch eher dich selber? Also mal ganz abgesehen davon, dass Besitzansprüche auf das Gold und zu starke Fixierung Segen und Fluch zugleich sein kann, wie man an Ask sieht…“


Monica war eigentlich noch nicht fertig, aber sie verstummt.

Nicht, weil The End etwas getan hätte oder ihr ein spontaner Gedanke gekommen wäre, sondern aus einem anderen, offensichtlichen Grund: man sieht nämlich plötzlich nichts mehr außer dunkel. Da steckt doch zu 100% Absicht dahinter, das Licht ist nicht wegen einem technischen Defekt weg.

Aber warum?

Das Publikum beginnt zu tuscheln, dass dies hier und jetzt in diesem Moment geschieht, das kann nur Großes bedeuten und es ist nicht das Comeback von Zereo Killer, das gab es bereits. Nein, es ist etwas anderes Großes, auf eine andere Art und Weise Großes. Auf den Monitoren erscheint nämlich in großen, orangenen Lettern ein Name.


Stella Nova


Sofort geht ein Raunen durch das Publikum.

Und auch am Kommentatorenpult herrscht Aufregung.


Pete: „Kann es denn sein? In dieser Situation-- AUA! Warum hast du mich? Und warum so hart? Ich… ich glaube meine Nase blutet...“

Sven: „Ich hab dich nicht geschlagen, aber wer auch immer es war: gut gemach--AUA!“


Was im Dunkel gerade mit Pete und Sven geschah geht unter, auch weil Musik erklingt, die für GFCW neu ist, bei WFW hingegen seit Jahren wohlbekannt ist.



Orangenes Scheinwerferlicht wird auf die Eintrittsrampe geworfen und da steht sie:

Die Frau mit den massiven, orangenen Flechtzöpfen, die wie Sternschnuppen ihren Körper umsäumen, die Inderin im extra knappen Top mit Sternausschnitt und kometenhaften Schurz und vor allem die Frau mit dem goldenen Gürtel, der sie als amtierende Titelträgerin der Damen bei WFW ausweist: die oft erwähnte Stella Nova.

Rasch zücken diverse Fans die Lichtquelle ihres Vertrauens und es entsteht ein Lichtermeer, welches wie ein Sternenhimmel den Leitstern des Professional Wrestling bei GFCW willkommen heißt. Stella gibt eine Pose um Besten, inhaliert die zahlreichen Rufe und Chants, die ihr Auftauchen hervorgerufen hat und begibt sich dann mit elegantem, tänzelnden Schritt gen Ring – ohne schweißige Fußabdrücke zu hinterlassen, wie Dreamweaver es zu tun pflegt, aber doch traumhaft und mit dem strahlenden Selbstvertrauen einer Rekord Titelträgerin.

Im Ring angekommen normalisiert sich die Beleuchtung, doch die Rufe halten an – und die gespannte Erwartungshaltung, was dieser unerwartete Auftritt zu bedeuten haben mag.


Monica Shade: „Kommt mir vor als hätte ich das schon einmal gefragt, aber… was machst du hier?“


Monica kommt direkt zum Punkt, Tammy hätte dasselbe auch fragen wollen, aber Monica war schneller. Die Stellare antwortet nicht direkt, sondern macht einen bedeutsamen Schritt an Monica vorbei, sodass sie nun Im Zentrum zwischen ihr und The End platziert ist. Dann blickt sie knapp gen Kommentatorentisch, wo die medizinische Abteilung dezent blutige Nasen versorgt, ehe sie ihre tiefblauen Augen auf Monica richtet.


Stella Nova: „Ich mache hier das, was du unfähig bist zu tun.“


Womit sie ihre Aufmerksamkeit gen the End richtet.

Und wo wir schon einmal bei ihm sind: der hält sich verdächtig zurück oder naja, um genauer zu sein… scheint er sogar etwas Freude an dem zu haben, was hier passiert. Wie schon gesagt, das Chaos ist sein ständiger Begleiter und hier droht gerade Chaos auszubrechen. Aber dennoch… er hält sich zurück. Vorerst.


Stella Nova: „Und bei der Anniversary Show werde ich auch das machen, was du unfähig bist zu tun.“


Okay, das war jetzt relativ eindeutig und lässt wenig Raum für Fehlinterpretationen. Monica blinzelt kurz, wie um sich zu vergewissern, dass sie richtig gehört hat, aber das hat sie, ohne Zweifel.


Monica Shade: „Ich dachte du wolltest warten, bis ich versagt habe? Aber ich versteh schon. Du weißt, dass ich nicht versagen, sondern siegen werde, also drängelst du dich jetzt vor. Denn wenn du auf mein Versagen warten würdest, dann müsstest du noch lange warten...“


Stella fährt sich mit einer Hand zur Stirn, als ob ihr Monicas Worte fiebrigen Kopfschmerz bereitet hätten.


Stella Nova: „Nein, du verstehst nicht, ansonsten wäre dir klar, dass du bereits versagt hast und ich folglich hier bin, um dich und WFW davor zu bewahren, dass es noch schlimmer wird. Das und--“

Monica Shade: „Hör mal, mir Versagen zu unterstellen, wenn ich gerade Ask Skógur besiegt habe, nur weil ich keine alten, hilflosen Kommentatoren wegen ein paar unbedachter, dummer Worte haue, ist schon ne recht absurde Logik.“


Stella blickt Monica missbilligend an. Nicht viele Menschen schätzen es, wenn sie unterbrochen werden und der Leitstern des Professional Wrestling zählt ganz sicher nicht dazu. Noch dazu würde Stella jetzt bereits viel lieber mit The End reden als mit Monica. Der hingegen hält noch immer sein schadenfrohes Grinsen auf dem Gesicht, ohne etwas zu sagen. Zwischendurch richtet er sich dabei schon fast Richtung Publikum, um mit diesem gemeinsam dessen beizuwohnen, was sich hier gerade zuträgt. Auf seine Art zumindest.


Stella Nova: „Du hast versagt und das wiederholt. Erlaube mir alles aufzuarbeiten, sodass sogar du es verstehst. Du oder zumindest deine klügere Hälfte.“


Ein kurzer Blick huscht über Lady Rosi und Stella sieht nicht so aus, als ob es ihr gefällt dieses Schwein angesprochen haben zu müssen.


Stella Nova: „Gegen Mike Müller hattest du die große Chance dafür zu sorgen, dass man dich angebliche Wildkatze zu fürchten lernt. Und dann… bist du im entscheidenden Moment schwach geworden. Anstatt das Exempel zu statuieren, bist du eingeknickt und hast ein lausiges Cover gezeigt, anstatt deine ach so große Rache konsequent durchzuziehen.“


Buhrufe werden laut – dass Stella hier kritisiert, dass Mike Müller nicht noch übler verhauen wurde als eh schon, das sorgt nicht für Anklang.


Stella Nova: „Dann lässt du diesen beiden Schandmäulern am Pult ihr unsägliches Gesabbel durchgehen. Vor The End haben sie gebebt und gezittert, als er neben ihnen saß. Vor dir hingegen haben sie keinen Respekt und keinen Anstand, wie vor ausgewachsenem Haar generell nicht. Statt ihnen dies einzuprügeln… zeigst du auf ein Plakat. Und du schimpfst dich eine Leopardin?“


Stella schüttelt den Kopf, was ihre mächtigen Flechten Monica fast ins Gesicht peitscht.


Stella Nova: „Strike #3 ist dann dein Verhalten hier im Ring. Du hast nun dein Titelmatch, weil Ask Skógur mehr mit sich selbst als mit dir beschäftigt war und weil du intelligent genug warst meinen taktischen Rat umzusetzen und nun, wo du The End gegenüberstehen konntest, da…“


Stella blickt auf die sitzende Monica Shade. Ihr Blick sagt „ich bin nicht wütend, ich bin enttäuscht“.


Stella Nova: „Du hast du es nicht einmal geschafft aufzustehen und ihm gegenüberzustehen. Du schafft es gerade so ihm gegenüber zu sitzen und ob seiner Worte und Präsenz nicht vom Stuhl zu kippen. Du wirst mit verzeihen, dass ich bei diesem traurigen Anblick nicht den Glauben habe, dass du dazu in der Lage bist, ihn zu besiegen.“


Diese Aussage sorgt dann doch für ein merkliches Raunen im Publikum. Aber Monica ist auf sehr konzentrierte Weise ungerührt.


Monica Shade: „Ich hatte es in Erwägung gezogen aufzustehen. Aber ich zog es vor mich zu entspannen. Weil ich entspannt sein kann. Aus dem simplen Grund, dass ich weiß, dass ich The End besiegen kann. Dafür muss ich nicht gefürchtet sein oder Schwächere drangsalieren. Bei WFW hat auch niemand an meine Erfolge geglaubt… und doch habe ich sie errungen, viel früher in meiner Karriere als dies ernsthaft hätte passieren sollen. Ich weiß, wie gut ich bin und ich bin definitiv nicht kurz davor hier vom Stuhl zu kippen. Überlass die Analyse meines Verhaltens besser Ben Slate, statt mit Überinterpretationen um dich zu schmeißen.“


Nun ist es Stella, die kurz blinzelt, der Name Ben Slate sagt ihr offenbar nichts. The End hat es sich auf seinem Stuhl merklich bequem gemacht. Er genießt was hier passiert, denn er weiß, dass er… oder vielmehr noch, sein Championship der Grund für diesen explosiven Streit ist. Am liebsten wäre es ihm wohl, wenn die Explosion tatsächlich losgeht.


Monica Shade: „Abgesehen davon… du magst erfolgreich sein, du magst Auroras Titelrekord eingestellt haben und es gibt sicherlich gute Argumente dafür, dich sogar als die erfolgreichste Frau der WFW Geschichte zu bezeichnen… aber... Angst und Schrecken verbreitest du jetzt auch nicht.“


Als ob Stella nicht schon enttäuscht genug zu Monica blicken würde, stößt sie einen herzhaften Seufzer aus und blickt in die Fanreihen, die ihr unverändert seit ihrem Mike Müller Kommentar nicht wohlgesonnen sind, sich ihren Worten und ihrer Ausstrahlung aber auch nicht entziehen können.


Stella Nova: „Manchmal frage ich mich, ob ihr beide Plüsch im Kopf habt. Ich bin der Leistern des Professional Wrestling, es ist nicht meine Aufgabe gefürchtet zu sein – ich bin dazu da, um angehimmelt zu werden und aufzuzeigen wie Großartigkeit aussieht, auf dass jene, die Sterne sein können, eine Orientierung haben. Denn selbst der hellste aller Sterne kann allein keinen Sternenhimmel erschaffen.“


Sie setzt sich auf die Tischkante, schlägt die Beinpartie übereinander und erhebt bedeutsam den Zeigefinger.


Stella Nova: „Ist es denn Zufall, dass WFW Resonanz erfährt, wie seit Jahren nicht, kaum dass ich endlich den Titel zurückgewonnen habe? Ist es denn Zufall, dass mit mir als Champion so viele externe Anmeldungen zum Tournament of Honor erfolgen wie nie zuvor? Natürlich ist es kein Zufall. Da wo ich erstrahle, da wollen auch die anderen Sterne strahlen und mit mir wetteifern.“


Sie erhebt sich wieder vom Tisch und macht ein paar tänzelnde Schritte wie sie fortfährt.


Stella Nova: „Hier bei GFCW ist es doch genau dasselbe. Seit ich bei Title Night erstmals einen Fuß in diese Promotion gesetzt habe, sind Danny Rickson, die Douglas Dynasty, Tha Bomb, Titan und schließlich gar Zereo Killer in die GFCW zurückgekehrt, während Mad Dog sinniert aus einem Cameo eine Festanstellung zu machen. Ein paar Minuten meiner Strahlkraft haben all diese Sterne darin erinnert, was es bedeutet zu scheinen. Aus verblassendem Schein wurde neuer Glanz, alles dank mir. Gern geschehen.“


Pfiffe, Jubel, Buhrufe, nun erntet Stella etwas von allem. Dass sie ernsthaft für alles Positive mitverantwortlich sein will, ist schon ein starkes Stück und doch, so wie sie es sagt, da kommt man nicht umher, dass die Faktenlage letztlich auf ihrer Seite ist.

The End allerdings verdreht nun erstmals die Augen. Wirklich? Das soll ihr Erfolg sein? Er ist der Champion und er ist der Grund, warum all diese Leute zurückgekehrt sind.


Stella Nova: „Wenn ich schon durch einige Minuten Anwesenheit einen so positiven Einfluss habe, wie fantastisch würde erst eine GFCW World Titelregentschaft von mir sein? Wenn ich als Doppel-Champion von WFW und GFCW den Weg in eine neue Ära leuchten könnte? Ein neuer Wrestling-Boom wäre die logische Konsequenz. Also, Herr End. Wollen Sie wirklich Ihre Zeit mit ihr vergeuden, wenn es stattdessen bei der Anniversary Show auch das epochale Match zweier Champions gegeneinander geben kann?“


Der Beifall nimmt zu. Wie sie das so sagt, es klingt so richtig. Ein Match zweier Champions, alleine der Gedanke befeuert die Imagination - auch wenn naturgemäß im GFCW Ring nur der GFCW Titel auf dem Spiel stehen würde und The End auch keine Frau ist, sodass er so oder so für einen Frauentitel nicht den Herausforderer geben könnte - auch wenn der Temptation Title dereinst mal ein Männertitel war. Mit einem weiteren Tanzschritt ist Stella zurück am Tisch, setzt sich dieses Mal richtig darauf, schlägt abermals die Beine übereinander und lockert ihren WFW Temptation Titelgürtel, um ihn parallel zum GFCW World Heavyweight Title auf den Tisch zu legen. Obgleich… nicht wirklich parallel. Versehentlich (?) bleibt die Gürtelschnalle des WFW Titels dezent ein bisschen auf dem GFCW Title liegen. Ein „Fehler“, der Stella rasch auffällt und den sie nach einer bedeutsamen Pause korrigiert. Spät genug, dass es End missfallen muss und die Fans wieder zu buhen beginnen.


Monica Shade: „Tolle Ansprache, aber dass du reden kannst ist ja nichts Neues. Du kannst auch deinen Worten Taten folgen lasen, schön und gut. Denkst du aber nicht, dass du vielleicht hier bei GFCW erst einmal etwas leisten solltest, ehe du Ansprüche auf ein Titelmatch stellst?“


Stella wendet sich genervt um. Sie wollte jetzt eigentlich wirklich mit Monica fertig sein und sich mit The End unterhalten.


Stella Nova: „Die Frau, die hier bei GFCW aufgrund ihrer WFW Erfolge erhöhten Status für sich beanspruchte, pocht nun darauf, dass Erfolge von außen nicht so wichtig genommen werden sollten? Wirklich lustig. Generell ist es zwar nicht falsch, was du sagt, im Normalfall sollte man das wohl, wenn man irgendwo neu ist, doch dies ist kein Normalfall. Ich bin kein Normalfall. Ich bin Stella Nova, amtierende Rekordtitelträgerin von WFW. Ich bin die Art von absolutem Superstar, von dem du vorgegaukelt hast, dass du auch einer wärst.“


Stella kichert demonstrativ, als sich Moderatorin Tammy einschaltet.


Tammy: „Da gibst du Monica jetzt aber nicht richtig wieder. Zumal sich Monica nicht gescheut hat, sich mit den GFCW Größen zu messen. Sie ist mittlerweile auch schon lange genug hier, dass sie längst ein Teil von GFCW geworden und ebenso eine GFCW Wrestlerin ist, wie sie eine WFW Wrestlerin ist.“


Dem können die Fans nun voll und ganz zustimmen und es gibt sogar vereinzelte Chants, sowohl für Monica, als auch für GFCW selbst.


Stella Nova: „Je darüber nachgedacht ob Monica GFCW erhalten bleiben würde, wenn sie den Titel gewinnen und dann wieder verlieren würde? Nun wo ihr geliebter Pigster weg ist und sie nur hier ist, um ein Mal Champion zu werden? Und überhaupt... legst du es darauf an, das Klischee zu erfüllen, dass bei jeder Vertragsunterzeichnung jemand durch den Tisch gehen muss? Was denkst du wer du bist, dass du glaubst, mich derart missgünstig von der Seite anreden zu können?“


Spätestens jetzt sind sich die Fans einig, dass sie Stella ausbuhen mögen.


Monica Shade: „Pete und Sven hatten ihre Klatscher verdient, aber wenn du glaubst, dass ich dich Tammy attackieren lasse, dann solltest du dir selber die Frage stellen, was in deinem Kopf drin ist… oder eben nicht drin ist.“


Nun hat sich Monica von ihrem Sitzplatz erhoben und sogleich schützend vor Tammy gestellt, während Stella ihren Blick knisternd auf Monica wirft. Stellas Körperhaltung legt nahe, dass ihr Satz mehr rhetorischer Natur war und sie nicht wirklich beabsichtigt hatte gegen Tammy gewaltsam vorzugehen, aber Monica geht kein Risiko ein. Dafür hat sie sowohl bei WFW als auch insbesondere bei GFCW mittlerweile zu viele Attacken gesehen. Inklusive von Stella gegen Pete und Sven vor nur wenigen Minuten. Auch wenn man diese Attacke technisch gesehen nur gehört und nicht gesehen hat. Die Stimmung im Publikum kocht auf jeden Fall allmählich über. Wie auch jemand anderes allmählich genug gehört und lange genug den Statisten gespielt hat.

und von dem hört man nur… ein langsames, lautes Applaudieren. Als würde er seine Anwesenheit hier verdeutlichen wollen, weil er es JETZT für richtig hält. ER hält es jetzt für richtig. Er hat sich aus dieser Situation herausgenommen, weil ER es wollte und nicht, weil man ihn verdrängt hat.


The End: „Bravo. Sehr unterhaltsam, dass muss ich euch lassen.“


Und jetzt erhebt sich End, um sich gegenüber der beiden Kontrahentinnen aufzustellen.


The End: „Um ehrlich zu sein, ist genau das die Energie, die ich mir von meiner Ansage versprochen. Dieser Titel…“


End greift nun nach seinem Gürtel, um ihn demonstrativ in die Luft zu strecken.


The End: „… ist das Nonplusultra. Und jeder in GFCW… oder darüber hinaus…“


Bei ‚GFCW‘ schaut End zu Monica, bei ‚darüber hinaus‘ zu Stella und nun sind seine Worte so demonstrativ, als wolle er sich gar nichts anderes erzählen lassen, denn für ihn ist tatsächlich SEIN Titel das Nonplusultra und nichts oder kein anderer.


The End: „… will ihn.“


Ends Blick wird nun wieder immer ernster. Und dieser Blick, wie auch seine Körpersprache und das Ausstrecken des Gürtels… all das unterstreicht, was er sagt. Er ist DER Champion und scheut keine Herausforderung.

Und die Herausforderinnen? Auch deren Blicke werden zu nehmend ernster, sind nun zudem ganz auf ihn gerichtet. Auf ihn - und den Titel, den er empor gestreckt hat.


The End: „Und ich… stehe zu meinem Wort. Wer den Titel will, soll kommen und versuchen ihn zu holen und hier seid ihr. In diesem Sinne, müsst ihr euch gar nicht länger streiten, denn ich werde einfach gegen euch beide antreten, denn am Ergebnis wird das nichts ändern.“


Die Menge… jubelt auf. Einen Three Way Dance um den GFCW-Titel hatten wohl die wenigsten auf dem Schirm und wenn dann maximal mit der Beteiligung von Ask Skógur und nun… ist da Stella Nova. Und Monica Shade. Und The End, der gar nicht daran denkt den Titel abzugeben.


The End: „Als Champion und somit bester Wrestler der GFCW, werde ich das Beste besiegen, was die WFW zu bieten hat.“


Voller Inbrunst wirft End das Mikrofon weg, bevor er den Ring erhobenen Hauptes verlässt. Wie angekündigt, er scheut keine Herausforderung, offenbar nicht mal die Doppelbelastung durch zwei Gegnerinnen und die potenzielle Gefahr, den Titel verlieren zu können, ohne, dass er dabei beteiligt ist.

Aber End scheint das nicht als Gefahr zu sehen, sondern vielmehr als Ansporn. Er ist der Champ und er will nur noch höher hinaus und wie könnte er das eindrucksvoller zeigen, als seinen Titel gegen mehrere Gegnerinnen zu verteidigen?



Der Spot ist wie ein Rückblick auf Schockmomente aufgebaut.

Unerwartete Debüts. Plötzliche Heel-Turns. Rückkehrer, mit denen niemand gerechnet hatte.

Der Sprecher betont, dass Anniversary Shows traditionell die Abende sind, an denen alles passieren kann.

Wenn Geschichte gefeiert wird, kehren oft auch ihre Protagonisten zurück.

Und genau deshalb blickt die Wrestling-Welt nach Dortmund – weil niemand vorhersagen kann, welche Überraschung als Nächstes die Arena erschüttert.



Meine Mutter ist eine Schlampe.“


Jona Pexianer. So nah vor der Kamera, dass die geplatzten Äderchen in seinen Augen zu sehen sind. Er ist kein schöner Mann- Im Hintergrund bloß eine graue Wand. Es geht nur um ihn, nicht um die Kulisse.


Mein Vater ist eine Witzfigur im Schatten seines Kollegen.“


Die Brust hebt und senkt sich in großen Bewegungen. Sein Puls ist erhöht. Intensität und Härte sprechen aus allen Bewegungen.


Wenn Schlampe und Witzfigur miteinander zeugen, kann nur ein Versager dabei rumkommen.“


Er klopft sich auf die Brust. Die Kiefer mahlen derart, dass man fürchtet, ein Zahn würde abbrechen.


Wahrscheinlich sprechen einige in der Halle so über mich und meine Familie. Doch es ist mir egal, was ihr jetzt über mich denkt. Mich interessiert, was nach dem Match ist.“


Pex tippt mit den Fingerspitzen auf die Kamera-Linse. Es bleiben Schlieren zurück, die sein Gesicht auf dem Bildschirm verschwimmen lassen. Die Stimme kommt weiter durchdringend über die Lautsprecher.


Mir wurde kein leichtes Leben in die Wiege gelegt. Ich wusste jahrzehntelang nicht, wer mein Vater ist. Alleinerziehende Mutter, Probleme in der Schule. Ich bin in gestohlenen Sachen rumgelaufen. Ich stand an Fließbändern, habe Ställe ausgemistet und Autos repariert, die teurer als mein Jahreslohn waren. Ich war die Art Typ, den man übersieht. Ein verfickter Niemand.“


Tiefes Durchatmen. Pexs Worte kommen in einzelnen Stößen. Mal schweigt er, dann geht es im Stakkato weiter.


Als ich zu High Noon im letzten Jahr gekommen bin, um meinen Vater kennenzulernen, hätte das gut und gerne etwas sein können, das mein beschissenes Leben noch eine Spur beschissener macht. Aber ich dachte mir, ich habe nichts zu verlieren. Und nun bin ich hier. GFCW. War Evening. Die letzte Show vor dem Jubiläum. Main Event. Danny Rickson.“


Er bläst die Wangen auf und schließt die Augen.


Wisst ihr was? Seitdem ich hier bin, habe ich etwas über mich selbst gelernt. Nämlich, dass mir meine Eltern doch etwas in die Wiege gelegt haben. Etwas, dessen Wert ich ein Leben lang nicht erkannt hatte. Eine Waffe.“


Wortlos hebt Pex seinen Arm in die Kamera.


Die härteste Lariat der GFCW. Ein Schlag und alles ist vorbei. K.O. Frag Reed Bunton, frag das halbe Performance Center.“


Pexianer fletscht die Zähne. Seine Energie ist durch die Kamera zu spüren.


Danny Rickson hat mehr Erfahrung. Danny Rickson hat die bessere Technik. Danny Rickson ist wahrscheinlich auch sehr viel klüger als ich. Aber wisst ihr was: Das alles kann in einem perfekten Moment scheißegal werden.“

Mit der freien Hand klopft er auf seinen Schlagarm, den er weiterhin hochhält.


Ein Treffer langt mir und ich habe gewonnen. Wrestle mich aus, Danny. Scheißegal. Komm‘ von den Seilen. Scheißegal. Sobald ich meine Lariat ins Ziel bringe, ist der Kampf vorbei. Das ist ein Fakt. Ich habe keinen Plan B. Ich kenne keinen. Wenn ich meine Lariat durchziehe, werde ich gewinnen. Wenn du ihr ausweichst, Danny Rickson, werde ich verlieren.“


Er wirft den Kopf in den Nacken und lacht freudlos.


Ziemlich einfache Rechnung, was? Aber ich bin ja auch ein einfacher Mann. Ich habe keinen Hall of Fame-Ring am Finger, sondern Schwielen an den Händen. Und eine Waffe, die die Macht hat, Meinungen zu verändern.“



Darragh Switzenberg: „Ich werde ihn auf Knien betteln lassen, den Vertrag doch behalten zu dürfen, nachdem ich ihn besiegt habe. Ihm einen Funken Hoffnung geben. Mit seinen Gefühlen spielen. Doch dann – mit einem Fingerschnips – alles beenden.“

Hollywood Jake: „ Nein, warte, ich habs: Du solltest den Switzidog einbauen. Fordern, dass Zac ihn dir zurückgibt, damit er in der Liga bleiben darf. Und dann, wenn er ihn dir gibt…schmeißt du ihn trotzdem raus und den untreuen Köter hochkant hinterher.“

Darragh Switzenberg: „Oder ich lasse Zac etwas aufführen. Eine Entschuldigung. Eine seiner bescheuerten Kunst-Performances. Damit das ist, was von ihm in Erinnerung bleiben wird. Seine lächerlichen Shows. Wenn er dann tanzt und singt und bettelt, werde ich…-“


Zwei Männer, die an einem Tisch beisammensitzen und unbeschwert miteinander lachen. Bis ein Dritter dazukommt. Einer, dessen massiger Körper das sterile Licht des Backstagebereiches abschirmt.

Das Switziverse verstummt. Sie blicken den Neuankömmling an. Sie riechen ihn. Es ist Iray Burch.


Iray Burch: „Ihr…habt…Spaß.“


Sein leiernder Tonfall ist nicht mit menschlicher Ausdrucksweise in Einklang zu bringen. Es fehlt jede Betonung, jegliche Melodie. Burchs Stimme klingt, als habe eine alte Maschine das Sprechen gelernt und würde sich erstmals vor Publikum daran versuchen.

Burch bleibt vor dem Switziverse stehen. Darragh und Jake starren erst einander an, dann wandert Switzenbergs Blick zum Big Bad Bastard. Ein Zucken in seinen Augen verdeutlicht, dass dies kein Gespräch ist, welches er führen will.


Darragh Switzenberg: „Wir spielen ein Spiel.“

Iray Burch: „Spiel.“


Auch wenn nicht klar ist, ob Frage oder Feststellung: Die Stille, die sich seit dem Eintreffen des Unmenschen über die Szene gelegt hat, wird für Jake unerträglich. Er hat den Drang, sich zu erklären.


Hollywood Jake: „Wir stellen uns Szenarien vor, wie Darragh Zac Alonso am besten demütigen kann, nachdem er ihn bei der Anniversary Show besiegt hat und Zac die Liga verlassen muss. Wer das beste Szenario hat, gewinnt dieses Spiel.“


Keine Antwort von Burch. Die kleinen, tiefliegenden Augen ruhen irgendwo auf der Mitte zwischen Jake und Darragh, vielleicht auch auf der Wand. Seit seinem Auftauchen hat er nicht ein einziges Mal geblinzelt.


Hollywood Jake: „Es ist eine Art - nun ja - lustiges Vorstellungs-Spiel.“


Wieder tritt Stille ein. Jakes Hand, die auf seinem Knie ruht, verkrampft sich. Seine Augen ziehen sich zusammen, die Atmung wird schneller.


Hollywood Jake: „Aber ich glaube nicht, dass dich das interessiert.“

Iray Burch: „Ich kenne auch ein Spiel. Ein lustiges…Vorstellungs-Spiel.“


Die Augenbrauen des Switziverse gegen simultan hoch. Eine Antwort, mit der sie nicht gerechnet haben. Wenn dies das Gesprächsthema von Burch sein soll, dann können sie damit leben. Es hätte in vielerlei Hinsicht schlimmer kommen können.

Jakes Miene lockert sich etwas.


Hollywood Jake: „Ach?“

Iray Burch: „Manchmal blicke ich jemanden an. Dann stelle ich mir vor. Wie es wäre. Wenn er nicht mehr atmet.“


Stille. Sie wird gebrochen, als Jake seinen Stuhl abrupt zurückzieht. Er blickt sich um. Ihm ist unwohl in seiner Haut. Dann ein falsches Lächeln.


Hollywood Jake: „Oh, mir fällt ein. Ich muss noch zum Catering, bevor es nichts Warmes mehr gibt. Da habe ich doch glatt die Zeit aus den Augen verloren.“


Mit einer gemurmelten Entschuldigung schiebt er an Burch vorbei und verschwindet. Den ärgerlichen Blick Switzenbergs in seinem Rücken nimmt er nicht mehr wahr. Der Anführer des Switziverse atmet tief durch, ehe er wieder den Blick des Unmenschen sucht, dessen Auftauchen die Stimmung gedrückt hat.

Switzenbergs Mundwinkel zucken. Keine Spiele mehr. Zeit für Ehrlichkeit.


Darragh Switzenberg: „Iray. Worüber reden wir hier?“


Der Kanadier sucht im Gesicht Burchs nach einem Anzeichen dafür, dass eine Antwort folgt. Die Regung irgendeines Muskels. Ein Blinzeln. Doch da ist nur Starre.

Dafür kommt die Antwort aus anderer Richtung.


Shelly Nafe: „Über die Bezahlung selbstverständlich.“


Im massigen Rücken ihres Klienten wäre das Auftauchen Shelly Nafes unbemerkt geblieben, hätte das Klacken ihrer Schuhe sie nicht verraten. Wie automatisiert tritt Burch zur Seite, um Shelly durchzulassen.


Darragh Switzenberg: „Bezahlung?“

Shelly Nafe: „Bezahlung.“


Sie lacht auf, als sie den verständnislosen Blick Switzenbergs sieht. Der Intercontinental Champion beginnt, unruhig auf seinem Stuhl hin und her zu rücken.


Shelly Nafe: „Vor zwei Wochen hat das Switziverse die Dienste von Iray Burch…“


Sie streicht dem Unmenschen mit ihren langen, sorgsam manikürten Fingern über die Schulter. Mit erstaunlicher Beiläufigkeit. Lässt den Blick jedoch nicht von Switzenberg ab.


Shelly Nafe: „…in Anspruch genommen. Nun werden für über die Bezahlung reden.“


Switzenberg beginnt zu verstehen, sagt aber nichts. Er setzt sich aufrecht hin und verschränkt die Arme vor der Brust.


Shelly Nafe: „Du weißt, es gibt zwei Möglichkeiten, uns zu bezahlen. Die Währung, die ICH im Namen meines Klienten akzeptiere, sind Chancen und Renommee. Es scheint mir jedoch, diese Zahlung hast du unklugerweise bereits für eine andere Person vorgemerkt. Für Zac Alonso.“


Ihr Blick fällt auf den Intercontinental Title, der vor dem Champion auf dem Tisch liegt. Switzenberg zieht ihn näher an sich heran.


Shelly Nafe: „Dann bleibt die zweite Möglichkeit der Bezahlung. Die Währung, die Iray akzeptiert. Und dies ist Leid.“


Ein zufriedenes Grunzen ertönt in ihrem Rücken. Für Sekundenbruchteile mag man den Anflug eines Lächelns vernommen haben.


Shelly Nafe: „Wie lösen wir dieses Problem nun?“


Switzenberg lehnt sich im Stuhl zurück. Nicht aus Entspannung, sondern um mehr Distanz zwischen sich und die Eindringlinge zu bringen. Er schaut zwischen Iray und Nafe hin und her. Hinter seiner kahlen Stirn arbeitet es.

Dann – mit plötzlicher Entspannung – grinst er und lehnt sich wieder vor. Als wäre ihm just in diesem Moment etwas eingefallen, dass er kurzfristig vergessen hatte.


Darragh Switzenberg: „Ach so, DIE Bezahlung. Für deinen Einsatz gegen Zac Alonso. Keine Angst, Shelly, die hat das Switziverse doch nicht vergessen. Es war uns immer klar, dass die Forderung kommt.“


Noch immer blickt Nafe skeptisch drein. Sie will eine konkrete Auskunft, keine Beschwichtigung.


Darragh Switzenberg: „Und glücklicherweise hat sich Jake angeboten, diese Zahlung zu übernehmen.“

Shelly Nafe: „Ach?“

Darragh Switzenberg: „Ja. Er wird das fürs Team übernehmen, während ich Zac Alonso besiege. Hat er schon vor zwei Wochen so gesagt. Er hat sich deswegen extra die Anniversary Show freigehalten. Weil er nämlich dir, lieber Iray, anbieten wollte, dort mit dir in den Ring zu steigen. In einer Match-Art nach deiner Wahl. So richtig nach deinem Geschmack.“


Sein gewinnendes Lächeln wandert zwischen Nafe und Burch hin und her. Die Managerin blickt ihn kalt an. Sie erkennt die Wahrheit hinter den Worten, ohne darüber nachdenken zu müssen. Nafe verdreht die Augen. Zeitverschwendung.

Doch Iray Burch tritt vor.


Iray Burch: „Gut.“


Nafe runzelt die Stirn, doch lässt ihren Klienten gewähren. Es ist nicht die Zahlung, die sie erwartet hat. Aber das Beste, das man kurzfristig herausholen konnte. Zumindest wirkt ihr Mandant zufrieden. Die Bestie ist für den Moment befriedet.

Ohne Gruß, nur mit einem knappen Nicken, wendet sie sich ab und geht davon. Burch blickt noch einmal Switzenberg an, ehe er ihr folgt. Seine leiernde Stimme kommt hinter dem Bart hervor.


Iray Burch: „Ich denke mir. Etwas für Jake aus. Ein Spiel. Für meinen Freund. Es wird…lustig.“


Dann stapft er davon. Noch sekundenlang sind die Schritte der Beiden zu hören. Die schweren Stiefel des Wrestlers, die Absätze der Managerin – zusammen ergibt ihr Echo eine fürchterliche Melodei, auf die nur Stille folgt. Jene vor dem Sturm.

Sobald Burch und Nafe verschwunden sind, schließt Switzenberg die Augen und atmet tief durch. So fühlt es sich an, der Klinge eines Messers auszuweichen. Als Darragh die Augen wieder öffnet, steht Hollywood Jake vor ihm. Er hält einen Kaffeebecher in der Hand und blickt glasig drein.


Hollywood Jake: „Darragh! Du-du hast mich geopfert…?“


Er zeigt in die Richtung, in die Burch verschwunden sind. Gestikuliert so wild und hilflos, dass der Kaffee überschwappt und seinen Mantel beschmutzt.


Darragh Switzenberg: „Geopfert? Es ist das Beste fürs Team, Jake.“

Hollywood Jake: „Klingt für mich nach geopfert. Fuck.


Er rauft sich die Haare bis durch das viele Haargel, das sie normalerweise im Zaum hält, fettige Streifen an den Händen zurückbleiben. Jake boxt gegen die Wand. Das sich die Haut über den Knöcheln öffnet, ist ihm egal.


Darragh Switzenberg: „Reiß dich zusammen. Du wirst dieses Match gegen Iray Burch bei der Anniver…-“

Hollywood Jake: „Zusammenreißen? Ich dachte, ich bin dein Co-Star, Mann! Und jetzt opferst du mich.“


Mit einem Ruck steht Switzenberg auf. Die lustige Stimmung, die zu Beginn ihres Aufeinandertreffens geherrscht hat, ist ins Gegenteil umgeschlagen. Der Champion funkelt den Youngster an.


Darragh Switzenberg: „Jake. Sieh mich an.“


Widerwillig tut der Deutsche wie ihm geheißen.


Darragh Switzenberg: „Wer hat heute gegen Zac Alonso verloren und diesem Trottel damit die Chance gegeben, mich herauszufordern, so dass ich bei der Anniversary Show anderes zu tun habe?“


Darauf läuft es also hinaus. Jake seufzt.


Darragh Switzenberg: „Sag es!“

Hollywood Jake: „Ich.“

Darragh Switzenberg: „Wer hat durch einen Fehler dafür gesorgt, dass Alonso und Gibson uns verarschen konnten, weshalb wir Burch als Bestrafer dazuholen mussten?“

Hollywood Jake: „…“

Darragh Switzenberg: „WER?“

Hollywood Jake: „Ich.“


Der Deutsche wischt sich den Mund ab und blickt zu Boden. Ohne Switzenberg anzusehen, nippt er an seinem Café. Doch der Kanadier ist nicht fertig. Er macht einen Schritt auf seinen Co-Star zu und blickt nahe vor ihm stehen.


Darragh Switzenberg: „Wer hat im letzten Jahr überhaupt Iray Burch einen Vertrag gegeben, um Rasmus Rantanen attackieren - anstatt den Auftrag selbst auszuführen?“

Hollywood Jake: „Ich.“

Darragh Switzenberg: „Und wer hat mich gerade allein gelassen, um sich einen verdammten Kaffee zu holen, hm?“


Ohne eine Antwort abzuwarten, greift Switzenberg nach Jakes Becher und leert das Getränk mit einem Schluck.

Er gibt Jake den leeren Becher zurück.


Hollywood Jake: „Ich.“

Darragh Switzenberg: „Richtig.“


Switzenberg greift sich den Intercontinental Title und legt ihn sich auf die Schulter. Durch den Größenunterschied zwischen den Beiden ist die edle Platte direkt vor Jakes Gesicht. Und doch unerreichbar fern.


Darragh Switzenberg: „Und ach, wer hat nochmal bei High Noon gegen Zac Alonso in der Saloon Battle Royal verloren, wodurch die ganze Scheiße um Zacs Aufstieg überhaupt erst begonnen hat?“

Hollywood Jake: „Auch ich.“


Mit freudloser Zufriedenheit nickt Switzenberg. Er schiebt sich an Jake vorbei und geht davon. Macht keine Anstalten zu zeigen, dass Jake ihm folgen soll. Sie sind für heute miteinander fertig. Noch einmal dreht er sich um.


Darragh Switzenberg: „Wirf mir nie wieder vor, ich würde dich opfern. Wir beide tun fürs Team, was wir tun müssen. Deswegen kümmere ich mich um Zac Alonso. Und du wirst unseren guten, alten Freund Iray Burch mit einem Match seiner Wahl bezahlen.“


Als wäre alles zur allgemeinen Zufriedenheit geklärt, klatscht Switzenberg in die Hände.


Darragh Switzenberg: „Sieh es positiv, Jake. Vor zwei Minuten warst du noch beschäftigungslos bei der größten Show in 25 Jahren GFCW. Und jetzt bist du plötzlich…“


Er schmunzelt. Dann wendet er seinem Kollegen den Rücken zu.


Darragh Switzenberg: „…so richtig im Gespräch.“



Langsame, intensive Bilder. Verletzte Wrestler, erschöpfte Sieger.

Der Sprecher spricht über den Preis, den es kostet, 25 Jahre auf diesem Niveau zu bestehen.

Schweiß, Schmerz, Opfer. Karrieren, die im Ring entstanden – und manchmal auch endeten.

Archivbilder zeigen emotionale Abschiede, Standing Ovations, letzte Entrances.

Die Anniversary Show ist nicht nur Feier, sondern auch Anerkennung für alle, die diese Liga aufgebaut haben.


Irgendwo Backtage, wo sich keine offizielle Kamera für verantwortlich fühlt zu filmen. Aber das ist diesen drei krassen Kerlen schon ganz recht so, ihr selbst gefilmtes Video hat so nur umso mehr Underground Flair. Voll cool, voll alternativ, voll authentisch, voll Superstar.

Im Vordergrund mit extra lässiger Sonnenbrille und noch lässigerem Lächeln steht Jay Taven in den blingblingsten Klamotten, die je blingblingt haben. Hinter ihm mit Techno-Funk-Brille und dazu „passendem“ Disco Outfit der große, runde Gisbert „Gino“ Rieß neben dem auch großen, runden Hugo „Meathook“ Rodriguez, der auf ein Fingerschnippen von Jay Taven beginnt mit seinen Fleischerhaken auf einem von Gino hingehaltenen Spieß der Portion extra überdimensioniert einen voll heftig unrhythmischen Beat zu trommeln, während Jay Taven sich mit megamäßig dämlicher Bewegung ein Mikrofon schnappt und zum Mund führt.


Jo, JO, JO!

Wir drei, wir sind GFCW Geschichte!
Gegen uns sind alle anderen nur hilflose Wichte!

Wir sind ne stärkere Family als Leviathan
Nach denen kräht eh niemand mehr, nicht mal ein roter Milly Hahn!

Die Wyrms wurmen wie die Würmer, die sind sind!
Sind so unwichtig wie meine Popel im Wind!

Vor dem dummen Wolf und der blöden Schlange
Ist nicht mal Petes talentlosem Sohn Angst und Bange!

Zac und seine Clowns sind nur Statisten für ne hässliche Töhle!
Um die machen nur Loser irgendein Gegröhle!

Ben Slate ist neu und hält sich für toll in der Analyse
Dabei geht ihm bei unserem Anblick nur voll anal die Drüse!

Morbeus ist nach seinem Match gegen mich schon wieder außer Atem
Seine Karriere kann er eigentlich auch gleich begraben mit nem Spaten!

An seiner Seite zurück ist der voll überbewertete Zereo Killer
Und mimt jetzt für Unarmed Kyle Douglas den FILLER!

Titan und Tha Bomb sind am Mikrofon solche Nieten
Das Gewäsch würde ne KI ebensogut bieten!

Die Hasen haben schon lange ihre Magie verloren
Und Danny Rickson ist zum Werbeschreier wiedergeboren!

Sein Refuse to Age die verdorbene Miria nicht haben will!
Um JBDs hohle Söhne ist es sogar mucksmäuschenstill!

Dabei könnten sie mit dem Mad Dog um die Wette bellen
Und sich gegenseitig ihre Scheiß Geschichten aus der Gruft sellen!

Iopeka denkt er wäre ein neuer Stern
Dabei hat nicht mal die Schlampe Nafe ihn gern!

Ist er nicht willig, droht sie mit Gewalt
Bezirzen kann sie ihn ja nicht, weil sie ist ALT!

Und jetzt ein Geheimnis über Darragh Switzenberg:
In seiner Hose ist nur ein kleiner SwitzenZWERG!

Monica Shade hält sich für ne richtig große Nummer
Dabei jammert das kleine Crypiggy dauernd vor lauter Kummer!

Ask Skógur schlürft bestimmt Hirschpipi
Ist ja so ein komplett beknackter Natur Hippie.

The End hält sich für den voll geilen Macker
Dabei ist er nur Vatis dummer, kleiner Racker!

Gino Rieß hingegen ist ein stattlicher Mann!
Tyo Johns sogar dem nur zustimmen kann!

Meathook ist voll die krasse Legende
Und anders als bei der Lusche Breads ist seine noch lange nicht zuende!

Jay Taven, bester Tag Team Champion aller Zeiten!
Wir drei werden GFCW in die Zukunft leiten!

Wir werden voll mega famous und rich
Anders als Has-Been Aya, der war nur meine Sidekick-BITCH!

Wir drei gegen die blöden Tussen von der LPG!
Sorry not Sorry Mädels, aber wir tun euch echt heftig weh!

Erst verhauen wir euch, dann tun wir euch pinnen!
Unser Anniversary Match werden wir voll eazy gewinnen!

Weil: wir sind toll, wir sind geil!
Bei der Anniversary Show gehen unsere Karrieren steil!
Denn wir drei, wir sind The MILE!

MOST ICONIC LEGENDS EVER!
Uns besiegt niemand, never!

Und jetzt alle: Gino-Meathook-Jay!
Hey! Hey! Hey! Hey! Hey!


Micdrop~! Und komplett bescheuertes Handgefuchtel für voll krass dummecoole Gesten. Dann wird das Bild schwarz. Dank an die sich sich abschaltende Kamera.



Der Spot zeigt die Vorbereitungen der aktuellen Show. Aufbau, Lichttests, Pyro-Proben.

Der Sprecher erklärt, dass monatelange Planung in diesen einen Abend fließt.

Jeder Spot, jede Kamera, jeder Entrance ist darauf ausgelegt, der Geschichte gerecht zu werden.

Denn ein 25-jähriges Jubiläum findet nur einmal statt.

Und jeder, der an diesem Abend in der Halle ist – oder zusieht – wird Teil dieser Geschichte.


Sven: „Meine Damen und Herren, schauen Sie sich bitte diesen Mann neben mir an.“


Der Kommentator deutet auf seinen Nebenmann. Pete.


Sven: „Es ist das letzte Mal, dass Sie ihn mit einem ungewaschenen LÜGENMAUL sehen werden. Denn jetzt ist der Moment gekommen, an dem seine absurden Behauptungen bestraft werden. Im Anschluss an unseren Main Event wird er ein Stück Seife fressen.“

Pete: „LÜGE!“

Sven: „FAKT!“


Während er im Streit mit seinem Nebenmann versunken ist, versuch Pete, die Seriosität zu wahren. Er blickt ernst in die Kamera.


Pete: „Weil wir in den folgenden Kampf involviert und somit befangen sind, haben wir uns dazu entschieden, die Moderation an zwei andere Menschen abzugeben. So habe ich auch mehr Zeit, den Sieg meines WUNDERBAREN KINDES zu feiern.“


Pete und Sven setzen ihre Headsets ab und blicken einander feindselig an. Bevor es zu einem weiteren Wortabtausch kommen kann, tritt Mac Müll aus dem Vorhang.

Der mausgraue Interviewerin blickt rührselig drein, weil er Anstandsapplaus bekommt. Er in der Halle, nicht nur Backstage. Hach, das Leben ist schön. Er schüttelt Pete die Hand und setzt sich ans Pult.


Mac Müll: „Zeit für den Main Event. Zu mir wird sich gleich die wundervolle Laura gesellen. Doch zunächst hat sie bekanntlich eine andere Aufgabe.“


Mit diesem Stichwort schaltet die Kamera um zum Ring. Pete und Sven setzen sich in Bewegung. Sie nehmen – mit großem Abstand zueinander – Position um den Ring ein. Als sie nicht mehr miteinander kabbeln können, schlägt sich ihre Nervosität Bahn. Besonders Pete sieht angespannt aus. Er versucht sich abzulenken, indem er auf die Rail trommelt und mit einigen Fans in der Front Row Smalltalk führt, um sich abzulenken.


Laura: „Der folgende Kampf ist unser Main Event. Und hier ist der erste Teilnehmer. In seinem ersten GFCW-Match. Er ist der neueste Abkömmling der großen Wrestling-Dynamite der…“


Sie stockt. Räuspert sich.


Laura: „…Pete-Familie. Hier ist mit einer Größe von 185 und einem Gewicht von 105 Kilogramm…“


Eine Musik beginnt zu spielen. Instrumentaler Hard Rock. Es scheppert und kracht. Nicht besonders melodisch. Als wäre es ein Mash Up einer

Schulband und Baugeräuschen. Aber seine Wirkung verfehlt es nicht: Es pusht die Leute in der Halle auf. Die Fans erheben sich.


Laura: „JOOOOONAAAA PEXIAAAAAANER!“



Sven: „LOOOOOOOSER! LOOOOSER! LOOOOOSER!“


Während Sven einen Rhythmus anstimmen will, tritt Jona Pexianer aus dem Vorhang. Sicherlich hat er sich in den letzten Wochen mit vielen Dingen in Vorbereitung auf diesen Fight beschäftigt. Aber mit einer Sache offenkundig nicht: Mit einem Ringoutfit.

Der junge Mann trägt einfache Jeans, die auf der linken Seite am Knie zerrissen sind. Dazu Springerstiefel. Sein Oberkörper ist unbekleidet. Er wirkt wie jemand, der im Alltag etwas wütend geworden ist und sein Shirt ausgezogen hat, um zu fighten.

Euphorisch jubelt Pete, während sein Sohn zum Ring marschiert. Das Wunderwerk der Natur, welches er in Joana Sexianer gespritzt. Damals an einem verhängnisvollen Tag – der sich im Nachhinein als wundervoll hervorgestellt hat. Denn hier ist der Junge, der dafür sorgen wird, dass Svens Maul gestopft wird. Mit Seife.

Pex rutscht auf die Ringmatte und hebt begeisterungslos die Hand zum Gruße. Er hat keine Lust, sich groß mit den Fans einzulassen, er hat Wichtigeres zu tun. Es gibt nur eine Sache, auf die er heute achten muss. Eine Strategie. Feiern kann er danach.


Lariat. Lariat. Lariat.


Robbin Zick: „Alle aufsteeeeheeeen!“


BUUUUH!“


Robbin Zick: „Hier ist, im größten Comeback-Match aller Zeiten…“


Laura blickt sparsam drein. Da nimmt ihr dieser Typ doch tatsächlich den Job. Zumindest hat sie heute noch etwas anderes zu tun. Als senkt die Announcerin ihr Mikrofon und marschiert Richtung Pult, wo ihr Mac Müll ein Headset reicht.


Robbin Zick: „Der ehemalige GFCW European Champion…“


Zick atmet tief durch. Das wird eine lange Aufzählung. Die Fans bereiten sich vor, indem sie ihre Kehlen für Buhrufe ölen.


Robbin Zick: „…GFCW Intercontinental Champion…“


Zick stellt sicher, dass er alle Seiten der Halle gleichermaßen mit seiner Aufzählung beglückt. Er läuft auf der Rampe hin und her, setzt immer wieder neu an.


Robbin Zick: „…GFCW German Pain Champion…“


Selbst den dümmsten Namen zählt das Refuse to Age-Mitglied noch leidenschaftlich auf wie den Namen einer Geliebten.


Robbin Zick: „…GFCW Tag Team Champion…“


BUUUUH!“


Es wird unruhiger. Den Zuschauern langt es. Aber Zick kennt keine Gnade.


Robbin Zick: „…uuuuund GFCW World Heavyweight Champion sowie…“


Er stampft auf den Boden, wirft den Kopf in den Nacken, um noch einmal richtig vokalen Schwung zu holen.


Robbin Zick: „…GFCW Hall of Famer!“


Die Musik beginnt zu spielen. Pexianer blickt vom Squared Circle aus mit zusammengekniffenen Augen auf die Leinwand und versucht, sich trotz der langen Wartezeit warm zu halten.


Robbin Zick: „Hier ist – mit einem Gewicht von 83 Kilogramm bei einer Größe von 178cm, fit wie nie zuvor, der Repräsentat von Refuuuusee toooo Age und der beste Wrestleeeeer aller Zeiten. Daaaannnyyyy…“



Robbin Zick: „…Rrrrrricksssooooooon!“


Endlich tritt Robbin Zick, zu einem neuerlichen Schauer von Buhrufen, zur Seite. Durch den Vorhang tritt, mit zu einem breiten Grinsen entblößten, unnatürlich weißen Zähnen, Danny Rickson.

Der Hall of Famer wirft die Arme in die Luft und winkt, so als wäre er mit seiner neuen, schmierigen Persona noch immer so willkommen wie einst, den Zuschauern zu. Als er an Zick vorbeigeht, nickt er seinem Untergebenen kurz zu.

Während der Mann aus Newcastle den Kopf zum Takt seiner langsamen Musik wippt, haben die Zuschauer die Gelegenheit, den neuen Danny Rickson zu betrachten. Was auch immer die mysteriöse Prozedur, die Tammy beobachten konnte, vorhin war, sie hat zumindest optisch nicht zu Veränderungen gegenüber der Vorwochen geführt. Natürlich ist nicht abzustreiten, dass Rickson für sein Alter von 49 Jahren noch immer jung aussieht, wenn auch nicht derart frisch, wie er es von wohl selbst behaupten würde. Das er bereits im vierten Lebensjahrzehnt ist, kann man ihm zumindest aus der Nähe schon ansehen.

Was auch ohne jeden Zweifel beeindruckend anmutet, ist die körperliche Fitness Ricksons. Auf der Hälfte der Rampe entledigt er sich eines Shirts mit dem Aufdruck von Refuse to Age und präsentiert einen Körper, an dem vor allem die Bauchmuskeln so ausgeprägt sind, wie es für einen Mann seines Alters auf natürliche Weise so nie sein dürfte.


Mac Müll: „83 Kilogramm. Danny Rickson ist leicht als früher. Aber bei seinem Anblick stelle ich mir die Frage, ob er nicht nur ohnehin überschüssige Masse abgestreift hat. Alle Muskeln scheint er behalten zu haben. Warum wird er nicht so FETT wie ich und andere alte Männer? Dann würde ich mich besser führen.“


Danny Rickson trägt, anders als der einfach gekleidete Pex, kunstvoll bedruckte Tights. Sie haben einen weißen Grundton, doch entlang beider Beine schlängelt sich ein Muster aus den Grün- und Blautönen, die auch den Markenauftritt Refuse to Age prägen. Auf dem Gesäß ist das Logo der Firma abgedruckt, darunter in Großbuchstaben sein Name.

Anders als Pex slidet Rickson nicht auf die Matte, sondern geht den eleganteren, langsameren Weg über die Ringtreppe. Als er jedoch auf dem Apron steht, umspielt ein Lächeln seine Lippen und er springt – als erster Beweis seiner Fitness – ansatzlos über das Top Rope in den Ring, wo er mit ausgebreiteten Armen auf der Matte stehen bleibt.

Vor dem Kampf geht sein letzter Blick zu Sven.


Danny Rickson: „Ich habe alles im Griff. Mach dir keine Sorgen.“


Die große Wette:

Danny Rickson vs. Jona Pexianer

Referee: Mike Kontrak


Lariat. Lariat. Lariat.


Nach seiner Abschlusspromo, mit der er sich selbst in einen Scheuklappen-Zustand begeben hat, kennen die Gedanken von Jona Pexianer mehr denn je nur einen Gedanken. Eine Strategie. Er weiß, was er zu tun hat. Tun MUSS.


Lariat. Lariat. Lariat.


Nach dem Glockenglock umtänzelt Danny Rickson den Youngster, kreist mehr um ihn herum und harrt wie ein Fechter darauf, dass eine erste Unachtsamkeit Angriffschancen bietet. Doch ebenso sehr setzt es der Engländer mit seinem bewegungsreichen Beginn darauf an, allen zu zeigen, dass Dynamik nicht ans Alter gebunden nicht.


Mac Müll: „Wir sehen einen Pex, der abwartender ist als gedacht. Ich bin davon ausgegangen, er sucht sein Heil in der Flucht nach vorne. Stürmt vor wie ein Bulle. Aber er verlegt sich erst einmal auf die Defensive.“

Laura: „Naja, was soll er auch tun? Ich schätz mal, er hat deutlich weniger drauf als Rickson. Wozu sich also in ein offenes Gefecht begeben? Wahrscheinlich ist es klug, die Defensive zu stärken und dann die Gelegenheit zur Lariat zu nutzen, sobald sie sich bietet. Er hat klar gemacht, dass dies sein Weg sein soll.“

Mac Müll: „Ist es denn klug, die eigene Strategie vorab derart offen zu machen?“

Laura: „Jona Shade.“

Mac Müll: „Richtig, sie hatte auch einen klaren Plan gegen Ask. Und ihn nicht verheimlicht.“


Und trotz allen Abwartens – ganz kann Pex sein Gemüt nicht verleugnen. Er hat sich bislang nie durch große Besonnenheit ausgezeichnet, ist immer dem Bauch gefolgt. So sieht man, dass mit jedem Schlenker Ricksons die Gesichtsmuskeln des Sohnes ein bisschen mehr zucken.

Der Blick des Youngsters geht nach draußen, zu seinem Vater. Pete lehnt an der Rail und hat sich die Fingernägel bis kurz vor rot abgekauft. Einige Meter entfernt, in ein Gespräch vertieft, sehen Sven und Robbin Zick deutlich entspannter aus.


Laura: „Und da ist der erste Angriff!“


Rickson stürmt voran, als Pex sich einmal nicht schnell genug mitdreht und zulässt, dass der Engländer in seinem Rücken ist. Schlangengleich schießt Rickson vor. Taucht unter einem Schlag Pexs weg und greift um dessen Hüfte. Auch wenn Jona versucht, seinen Gewichtsvorteil von 20 Kilo auszuspielen, wird er vom Hall of Famer problemlos zu Boden gerungen.

In den Mattenkampf gedrängt, wirkt Pex plump. Schwerfällig. Sein einziges Mittel der Wahl, um Rickson abzuschütteln, sind immer wieder Schläge aus liegender Person. Mal mit den Ellbogen, mal mit der Faust – und meistens mit dem starken Lariat-Arm. Aber Rickson taucht geübt unter allem weg. Er hat kein Problem, Pex am Boden zu halten, schlingt seine Armbeuge um den Hals des Rookies und drückt zu.


Mac Müll: „83 Kilogramm. Ich kann mich nicht erinnern, dass Rickson jemals mit so wenig Gewicht in seiner Karriere angekündigt wurde. Aber Kraft hat er trotz allem nicht verloren, glaube ich. Wie ein Schraubstock.“


Pex kneift die Augen zusammen und entblößt mattweiße Zähne, das Gesicht verzieht sich als Zeugnis seines Struggles. Er nimmt beide Hände zur Hilfe, um Ricksons Headlock zu lösen, doch dieser klammert wie ein Velociraptor am Rücken seines Opfers. Der Gewichts- und Größenvorteil, der eine Waffe für Pex hätte sein können, schlägt in diesen Augenblick in das Gegenteil aus. Wann immer der Sohn seinen Körper schwerfällig herumwuchtet, bleibt Danny einfach auf seinem Rücken, nimmt die Bewegung durch kluge Gewichtsverlagerung mit.

Nach einiger Zeit in diesem unschönen Spiel geht Pex die Luft aus. Er sackt auf ein Knie, Rickson bleibt auf seinem Rücken. Mit einem entspannten Grinsen, als wäre er noch im Warm-up, schaut der Hall of Famer zu seinen beiden großen Fans an diesem Tag. Robbin Zick und Sven. Ersterer gibt ihm Applaus, zweiter zelebriert den eindeutigen Beginn mit einer herablassenden Geste in Richtung Pete, indem er andeutet, was sich bald in dessen Mund befinden wird. Richtig...- Seife.


Laura: „Pex nimmt noch mal alle Kraft zusammen! Schau!“


Statt Rickson durch Drehungen abzuschütteln zu wollen, versucht Jona etwas anderes. Er stemmt sich erst einmal auf, Rickson bleibt auf dem Rücken und macht sich schwer. Trotzdem nimmt Pex ihn mit, stämmigen, kraftvollen Oberschenkeln durch viele Squats sei Dank.

Mit Danny auf seinen Schultern – und dessen Armen um den Hals – stolpert Jona im Ring umher. Als ein Blick in Richtung seines Vaters geht, klatscht dieser flehentlich zur Motivation auf die Rail. Er versucht, einen Chant für sein Fleisch und Blut anzuleiern. Es gelingt. Nicht so laut, aber hörbar.


LET’S GO JONA!“

LET’S GO JONA!“

LET’S GO JONA!“


Pex grunzt und keucht, aber fasst neuen Mut. Sein Umherstolpern im Ring wirkt nun zielgerichteter, als habe er einen Plan. Er nimmt Tempo auf, läuft jedoch nicht vorwärts, sondern rückwärts. Dadurch, dass Rickson auf ihm klammert, ist dieser nun wie ein Schild vor ihm.


Mac Müll: „Pex rammt Rickson in die Ringecke!“


Die Seile werden erschüttert, als Pex seine Zecke wuchtvoll gegen das Polster schleudert. Rickson wird die Luft aus den Lungen getrieben. Für einen kurzen Augenblick lockert er den Griff etwas. Pexianer atmet einmal tief durch.

Dann greift Danny erneut zu. Findet neuen Halt.

Noch einmal rammt Pex ihn in die Ecke. Ein drittes Mal hinter. Mit mehr Anlauf. Nach dem vierten Einschlag lässt Rickson los und gleitet von Jonas Rücken auf die Matte. Sein Körper ist zusammengekrümmt, er zieht mit ärgerlicher Miene Luft ein. Starrt Jona an, als wäre es für ihn ein persönlicher Affront, von einem solchen Nobody auf die Matte gebracht wurden zu sein.

Draußen springt Pete auf und ab und klatscht begeistert in die Hände. Er ist kurz davor, Tränen der Freude zu vergießen. Dabei hat sein Sohn in diesem Match noch nicht gewonnen, sondern gerade erst – nach mehreren Minuten – ein erstes Mal ein Mittel gegen Rickson gefunden, den ersten Konter gesetzt.


Mac Müll: „Rickson springt hoch. Jetzt muss Pex schnell sein.“


Unerwartet dynamisch federt Danny aus der Hocke – in der er sich vermeintlich erholt hatte – wieder in die Vertikale. Das passiert in genau jenem Augenblick, in dem Pex sich umdreht. Der Neuling hatte gedacht, ihm bleibt etwas mehr Zeit, die Gedanken nach schweren Anfangsminuten zu ordnen.

Jetzt hingegen muss er schnell entscheiden. Er sprintet los.


Laura: „Jona mit dem Ansatz zur…“

Mac Müll: „LARIAT!“


Ein Raunen geht durch die Halle als Pexianer mit einem Kampfschrei seinen Schlagarm hebt und die Gliedmaße derart schnell durch die Luft schwingt, dass man glaubt, ein zischendes Geräusch zu vernehmen.


Ein Schlag und es ist alles vorbei.

Die Waffe.

Rickson weicht aus.


Mit katzengleicher Eleganz wirft sich Rickson zu Boden, geht in eine Rolle und bringt sich aus dem Gefahrenbereich. Jona schlägt aus vollem Lauf in die Luft, schaut seinem eigenen Arm nach, wie dieser absolut Nichts trifft. Mit verärgerter Miene wendet sich Pex um...


und kassiert einen Pelé Kick.

Laura: „Eine Aktion, die ich von Danny Rickson noch nie gesehen habe! Und ich habe dutzende Matches von ihm angesagt.“

Mac Müll: „Ein weiterer Beweis der neugewonnenen Athletik. Eine Folge seines neuen Ichs. Ein Move wie von einem jüngeren Ich.“


Pex geht zu Boden, landet auf dem Rücken und dreht sich durch den Schwung. Er wird erst von den Ringseilen gestoppt, vor denen er verdreht liegen bleibt. Die Hand geht zum Gesicht, er kneift das Auge zusammen und zwinkert dann mehrfach, um den Schleier abzuschütteln.

Rickson ist wieder da. Greift in Jonas Haare, doch der Bürstenschnitt bietet nicht genügend Halt, um ihn daran hochzuziehen. Also geht Dannys Hand zum Hals, er hebt Pex an. Dieser versucht, sich mit Punches zum Körper zu wehren, doch Rickson weicht jeder Attacke spielerisch aus, indem er den Körperschwerpunkt elegant verlagert wie ein junger Rocky Marciano.

Mit jedem Schlag wird der Angriffsspeed Pexianers langsamer. Und seine Haltung ärgerlicher. Bald vernachlässigt er auch die Präzision seiner Punches, spätestens jetzt besteht gar keine Chance mehr, Rickson entscheidend zu treffen. Das merkt der Engländer auch selbst. Mit glücklicher Miene umtänzelt er Pex. Dann entscheidet er sich aus einer Laune heraus, dass jetzt die Zeit für eine Bestrafung gekommen ist und jagt sein Schienbein in Pexianers Nacken, wonach dieser nach vorne umklappt.


Laura: „Für Sven und Robbin scheint der Anblick dieses Matches wie eine Wellnessveranstaltung zu sein. Sie sind tiefenentspannt.“

Mac Müll: „Ich kann es ihnen nicht verübeln. Pete hingegen. Oh je, der Arme.“

Laura: „Hoffentlich hat er seine Herztabletten genommen.“


Puterrot steht Pete da, läuft vor dem Apron auf und ab. Manchmal trommelt er mit beiden Fäusten von außerhalb auf die Matte, intoniert immer wieder den Namen seines Sohnes. Pex. Pex. Pex. Doch nach dem kurzen Comeback schwindet die Hoffnung immer mehr, die Fans haben zunehmend weniger Lust, Pete zu unterstützen – ihnen fehlt die Vision, wie Pex hier zum Sieg kommen kann.

Rickson greift Pex an den Schultern und zerrt ihn in die Matte des Ringes.


Mac Müll: „Was hat er vor?“

Laura. „Er stürmt in die Seile. Springt einfach rein…“


LIONSAULT!


Rickson findet problemlos die Balance, um sich schwungvoll abzustoßen, segelt formschön durch die Luft, macht einen Überschlag und landet mit beeindruckender Präzision.


Laura: „Auch diesen Move habe ich noch nie von ihm gesehen! Der neue Danny Rickson. Ein neues, flashigeres Moveset?“


Aber viele dieser Moves wird man nicht mehr sehen in diesem Match. Denn Rickson will es jetzt beenden. Er bleibt auf Pex liegen. Deswegen hatte er ihn in die Ringmitte gezogen – und einen Rope Break auszuschließen.


Eins…

Zwei…

KICKOUT.


Mac Müll: „Das war 1,7. Nicht befriedigend für Danny Rickson. Aber ein klares Zeichen. Pex ist schon mehr als halb besiegt.“

Laura: „Was für eine krude Logik. Kein Wunder, dass du sonst nicht am Pult hockst, sondern backstage in deiner Interviewhöhle dwellst. Schauen wir lieber, was Danny Rickson in seiner Benjamin Button-Ära noch hat.“


Nach dem Kickout stemmt sich Rickson langsam wieder hoch. Nicht, weil er durchatmen muss, sondern um sich einen Überblick zu verschaffen. In Richtung Sven und Robbin macht er eine beruhigende Geste. Er hat alles im Griff.

Rickson geht in die Ringecke, klettert jedoch nicht aufs Top Rope, sondern dreht sich frontal zur Mitte und bleibt stehen. Er harrt dort aus, bis Jona Pexianer aufsteht, Dieser braucht noch einen Moment. Trotz des Kick-Outs ist er geschafft. Er stemmt sich mit einem Arm hoch und sackt wieder zusammen. Erst als er beide Arme nutzt, schafft er es in die Vertikale. Wo er Rickson übersieht. Der sprintet los.


RUNNING HIGH KNEE!


Ein weiterer Angriff, mit dem Pex nicht rechnen konnte, da er in keinem Scoutingvideo über Danny Rickson vorkommt. Und es sah verheerend aus. Aber am Ende darf Pex seinem Instinkt danken, denn als er Rickson aus dem Augenwinkel kommen sieht, wirft sich Petes Sohn zu Boden. Rickson fliegt über ihn hinweg und hat Mühe, seinen Schwung in der gegenüberliegenden Ringecke zu stoppen.

Wuchtvoll prallt der Engländer in das Polster und stolpert zurück, taumelt in die Ringmitte.


Jona Pexianer überlegt. Aber nicht lange.

Er weiß, was er zu tun hat. Er hat eine Waffe. Eine Strategie.


Der Deutsche federt in die Seile, holt auf gerade einmal zwei, drei Metern eine bemerkenswerte Menge Schwung. Er hebt seinen rechten Arm wie es ein Lanzenreiter mit seiner tödlichen Waffe tun würde.


LARIAT! LARIAT! LARIAT!

Ein Schlag und es ist alles vorbei.

Rickson weicht zur Seite aus.

Mit einem Radschlag.


Während Sven und das Publikum irritiert dreinblicken, beginnt Zick stürmisch zu applaudieren.

Rickson steht grinsend da und verbeugt sich nach seinem Kunststück ironisch in Richtung des Publikums.


Laura: „Zweiter erfolgloser Versuch von Pex! Aber er bleibt gefährlich.“

Mac Müll: „Ein Treffer könnte ALLES verändern. Das weiß Pex. Das wissen wir. Und das weiß – so sehr er es auch bestreiten würde – auch Danny Rickson.“


Wieder läuft Pex ins Leere. Er braucht einen Augenblick, um seinen Schwung zu stoppen. Sieht Rickson ironische Verbeugung, wie ein Zirkusartist nach getaner Show. In Pex regt sich etwas. Es fühlt sich an wie ein Vulkan im Inneren. Ein Vulkan der Wut.

Ohne Rücksicht auf Verlust stürmt er voran. Er versucht, Ricksons Schultern zu packen, doch dieser duckt sich weg. Gibt Pex einen Tritt in die Magengrube. Vor Schreck und Schmerz spuckt Petes Sohn Speichel und sackt auf die Knie. Rickson ist über ihm. Legt ihm links und rechts je eine Hand auf die Schulter. Drückt sich daran hoch.


HURACANRANA!

Mac Müll: „Dieser Danny Rickson ist ein neuer Wrestler! Ich hätte keinen Punkt im Move Bingo gemacht.“


Pex macht einen Überschlag und landet auf der Matte. Rickson überlegt kurz, dann wirft er ihn auf sich.


EINS…

ZWEI…

KICKOUT.


Rickson setzt sich auf und wischt eine Strähne von der schweißnassen Stirn. Die Andeutung eines Kopfschüttelns. Doch als er sich daran erinnert, dass er unter Beobachtung steht, geht seine Mimik in ein Grinsen über und er springt spielerisch leicht auf. Tänzelt auf den Schuhspitzen, um zu beweisen, wie fit er noch ist, dass aufgebrauchte Kondition ein Fremdwort für ihn ist.

Rickson umklammert die Hüfte seines Gegners und zieht ihn hoch. Bei Pexs plumper Körperform und rund 20 Kilo mehr keine ganz leichte Aufgabe, aber Rickson hat noch Kraft. Vielleicht mehr denn je.

Ansatz zum German Suplex.

Die erste Aktion aus dem klassischen Moveset Danny Ricksons. Nicht alles ist anders. Er hebt Pex in die Luft…

doch dieser kann sein Gewicht verlagert.

Rickson muss ihn absetzen. Loslassen. Ein Zwicken in seinem Rücken.


Laura: „Der erste klassische Rickson-Move geht daneben. Schuster, bleib NICHT bei deinen Leisten.“


Das will Danny nicht auf sich sitzen lassen. Er wendet sich zu Pex um, um sofort weiterzumachen. Da rauscht Pex bereits heran, packt sich Danny Rickson und dieser ist diesmal nicht schnell genug. Er bringt den schmaleren Körper des Engländers unter Kontrolle.

VERTICAL SUPLEX VON PEX!

Fast zehn Sekunden hält er seinen Gegner oben. Dabei schreit er. Aus Anstrengung, aber auch aus Wut, Leidenschaft, Verzweiflung. Er lässt alles raus, was sich angesammelt hat. All die Emotionen und Erlebnisse von mehr als einem halben Jahr, in dem er den Entschluss fasste, seinen Vater zu finden und Wrestler wurde.

Er hämmert Rickson auf die Matte.

Er schmeißt ihn so hart, dass Mike Kontrak kontrolliert, ob es nicht ein Loch gibt.


Jona Pexianer: „JAAAAAAAAA!“


Wie ein Gorilla trommelt sich Pexianer auf die Brust. Pete hüpft vor dem Ring auf und ab. Brüllt POWER. Hämmert auf den Apron, wackelt euphorisch mit allem, was er hat.

Blick zu Zick und Sven. Der Kommentator rauft die Haare und blickt angespannt drein. Zick versucht, ihn zu beschwichtigen, doch Sven hört nicht zu. Sein Blick ist auf den Ring gehaftet.

Pex macht sich bereit. Er nimmt Aufstellung in der Ringecke.

Der Youngster lässt seinen Arm kreisen, lockert die Schulter. Er hat genügend Zeit dazu, den nach dem heftigen Aufprall braucht Rickson lange, um wieder auf die Beine zu kommen. Als er es dann tut, taumelt er hin und her. Hält sich an den Ropes fest. Der Blick ist glasig.

Rickson beginnt mit: Irgendwas ruft Sven ihm zu. Er zeigt irgendwo hin. Aber Rickson versteht nicht. Er wendet sich ab und dreht sich Pex zu.

Als er bemerkt, wofür Svens Warnung war, ist es zu spät.

Ein Schlag und es ist alles vorbei.

Pex sprintet los.

LARIAT!

Dropkick von Rickson!

Der Engländer ist schneller. Bevor Pex seine verheerende Waffe Realität werden lässt, treffen die Beine des Engländers und er schleudert Jona auf die Matte. Pexianer bleibt liegen, Rickson neben ihm. Beide atmen schwer.


Laura: „Ein drittes Mal verhindert Rickson die Lariat.“

Mac Müll: „Er ist von des Messers Schneide gesprungen. Sag doch, wie es ist, Laura.“


Beide kommen wieder hoch. Pexianer nimmt die Seile zur Hilfe und zieht daran. Er hat nichts vorzutäuschen. Rickson hingegen balanciert nur auf den Beinen nach oben, drückt sich nicht einmal hoch. Er will Leichtigkeit beweisen. Wer genau hinblickt sieht, wie er kurz wegknickt. Dann jedoch nimmt Ricksons breites Grinsen die Aufmerksamkeit wieder in Beschlag.

Alles läuft nach Plan. Sagt er.

Pexianer und Rickson treffen sich in der Ringmitte. Sie gehen in einen Lock-Up, doch der deutlich leichtere Hall of Famer hat kein Interesse, lange darin zu bleiben. Er nutzt seine Erfahrung und zieht, während Pex oben drückt, unten dessen Fuß weg. Pex fällt auf den Rücken, doch Rickson hält ihn fest. Er blickt seinen Gegner taxierend an.

Dann fasst Rickson einen Plan. Er beugt sich über Pex, umklammert frontal dessen Rücken.


Laura: „Das ist doch der Ansatz zum…“


CANADIAN DESTROYER!


Neue Moves. Neue Moves. Neue Moves. Shiny neue Moves. Aber keiner so verheerend wie dieser.

Für einen Moment sind Dannys und Jonas Körper ein gemeinsames Kunstwerk, das artistisch durch die Luft fliegt. Dann wird aus Athletik Schmerz.

Und Rickson liegt auf seinem Gegner.


EINS!



ZWEI!



DREI…



war es nicht ganz.


Ein Kreischen geht durch die Halle. Es kommt aus der Kehle von Sven, der dramatisch in die Arme von Robbin Zick wirft und die Welt nicht mehr versteht. Der Geilere der beiden Kommentatoren tritt wütend immer wieder gegen die Ringabsperrung bis die Fans dahinter flüchten.

Im Ring sitzt Danny Rickson. Eine Haarsträhne hängt ihm im Gesicht. Auch er ist fassungslos. Nach mehreren Sekunden Bedenkzeit stemmt er sich auf. Er blickt ins Publikum.


Danny Rickson: „Für immer jung.“


Was auch immer er damit sagen will; man versteht es nicht ohne die dazugehörigen Bilder. Denn während Danny es spricht, erklimmt er mit feierlichem Ernst das Top Rope. Pex liegt, trotz des Count Outs, noch immer auf dem Rücken. Und Rickson hat einen Plan. Er balanciert sich auf dem Top Rope aus, dreht seine Brust in Richtung

Er wird es allen beweisen.

Er ist unendlich.

Er ist jung. Er ist fit. Athletisch. Nicht verbraucht. Kein Robert Breads.

SHOOTING STAR PRESS!


Einer der legendärsten Highflying Moves der Wrestlinggeschichte. Und einer der anspruchsvollsten. Danny Rickson springt ihn erstmals. Mit 49 Jahre.


Laura. „OH NEIN!“


Danny Rickson schafft die Drehung nicht. Er hat die Koordination. Ungebremst landet er auf Schulter und Nacken neben Jona Pexianer.

Er schreit, wie noch nie in seiner Karriere. Sven und Robbin sind totenstill.


Mac Müll: „Schockierende Bilder. Hoffentlich hat er sich nicht verletzt. Aber das kann ich mir kaum vorstellen.“


Durch die Schmerzensrufe von Danny Rickson wird Jona Pexianer aus seiner Besinnungslosigkeit aufgeweckt. Er stöhnt und blickt sich um. Bis er versteht, was geschehen ist, ist Zeit verstrichen. Dann jedoch sieht er eine Chance.

Pexianer beobachtet, wie Rickson nach dem Aufprall darum kämpft, wieder auf die Beine zu kommen. Der Engländer robbt sich zu den Seilen, versucht aufzustehen. Er wirkt wie ein Insekt, den man ein Flügel ausgerissen ist. Wie eine Kreatur, die man in einen gnadenvollen Tod schicken muss.


Pexianer stemmt sich hoch.

Er nimmt Anlauf.

Lariat. Lariat. Lariat.

Ein Schlag und es ist alles vorbei.

Dieser Moment ist jetzt.

Rickson, humpelnd und gekrümmt, dreht sich um.

Pex fährt den Schlagarm aus.




DIE LARIAT TRIFFT.


Jetzt macht Rickson die Umdrehung, die er bei der Shooting Star Press aus eigenen Kräften nicht geschafft hat.

Sein Flug, begleitet von einem Weinen Svens, endet reglos auf der Matte.

Mike Kontrak ist da. Er beugt sich zu Danny Rickson. Schaut dann zu Jona Pexianer.


Mac Müll: „Ist er K.O.? OH MEIN GOTT, DIE PROPHEZEIUNG WIRD WAHR!“


Pex wartet auf das Zeichen.

Auf die Glocke.

Es kommt nicht.


Laura: „Mike Kontrak zeigt an, dass Rickson nicht kampfunfähig ist.“

Mac Müll: „Aber schau doch, wie er da liegt! Er ist am Ende!“


Nicht KO? Pexianer starrt Kontrak an, als wisse er nicht, was diese Worte bedeuten. Er kennt eine Wahrheit in seinem Leben: Wenn ich treffe, ist es vorbei. Und so steht er unschlüssig da.

Aber dann fällt ihm ein: Im Wrestling gibt es mehr als eine Möglichkeit, ein Match zu gewinnen. Er legt sich auf Danny Rickson.


EINS…


ZWEI…



Kickout.


Laura: „NEIN!“


Ein Schlag und es ist alles vorbei.

Die Waffe.

Lariat. Lariat. Lariat.


Seine ganze Karriere hat Pexianer auf dieser einen Prämisse begonnen. Sie ist seine Identität geworden.

Und in zwei Sekunden wurde diese Identität beendet.
Es war kein Three Count.
Es war nicht einmal besonders knapp.


Pex hockt auf der Matte und blickt ins Leere. Er wirkt, als wäre er völlig am falschen Ort. Alles, was in ihm war, weicht aus ihm. Die Intensität. Die Energie. Der Wille.

Er starrt noch immer ins Nichts als sich Danny Rickson neben ihm aufrichtet. Pex macht nicht einmal Anstalten, nach ihm zu greifen. Er lässt Danny einfach machen. Denn wie soll ein Mann ohne Identität einen Kampf gewinnen.

Pex fällt zur Seite. Sein Blick sucht den seines Vaters.


Jona Pexianer: „Es tut mir leid, Papa.“


Pete streckt die Arme nach seinem Sohn aus. Will ihn trösten. Will ihn warnen. Will ihn – vor allem – zum Weiterkämpfen bewegen.

Doch es ist zu spät.

Pex blickt noch immers Leere als ein Danny Rickson, der noch immer taumelt, mit letzter Kraft in die Seile federt und Schwung holt. Keine Shooting Star Press, kein Canadion Destroyer, kein Moonsault, keine Huracanrana.

Nichts, um etwas zu beweisen. Sondern, um zu gewinnen.


RUNNING HIGH KNEE gegen PEX!


Jona macht nicht einmal den Versuch, der Aktion auszuweichen. Als das Knie Ricksons sein Jochbein trifft und einen roten Abdruck hinterlässt, als der Schmerz seine Gedankenwelt dominiert, da fühlt es sich fast gut an. Wie ein gutes Ende. Der Gnadenschuss für einen Mann ohne Identität. Für einen Wrestler ohne Waffe.

Danny Rickson wirft sich auf Jona Pexianer. Er hakt kein Bein. Beide Athleten wissen, dass das nicht nötig ist.


Eins.

Zwei.

Drei.


Sieger des Matches durch Pinfall: Danny Rickson


Die Ringglocke verrichtet ihren Dienst. Sven fällt auf die Knie und küsst den Hallenboden.

Danny Rickson steht auf und verlässt, ohne sich noch einmal umzudrehen, die Ringside Area. Er hat getan, was er tun musste. Nicht mehr und nicht weniger. Nach diesem Tag hat er kein Interesse, einer Zeremonie beizuwohnen.




Seife.

Phonetisch nicht ganz weit weg von Scheiße. Zumindest wenn man einen Kloß im Mund hat, und das ist bei Pete ganz sicher der Fall. Also ist der Ausruf des Kommentators nicht eindeutig identifizierbar. Sein Blick jedenfalls ist leer. Er schaut sich in der Ringside-Area um, lässt die Augen zum Zeitnehmer wandern, als müsse er sich noch einmal genau vergewissern, dass der Klang der Ringglocke nicht doch nur ein Alptraum war. Es war echt.

Jona Pexianer – sein eigenes Fleisch und Blut – hat verloren. Sein Sohn. Ein Verlierer, dessen mächtigste Waffe durch Danny Rickson entzaubert wurde. Pete stützt seinen Arm auf der Rail ab, als die Beine zu schlackern beginnen. Mächtiger Wimmerdrang staut sich in ihm auf, die Emotionen schreien danach, hinausgelassen zu werden. Wie gern würde er über diese schreckliche Welt wehklagen. Doch Pete weiß: Jedes Leidgeräusch, das seinen Lippen entfleucht, wäre ein Triumph für Sven. Ein Dessert, das dieser sich nach der großen Portion Triumph noch einverleiben würde.

Pete presst die Lippen aufeinander und sackt auf die Knie. Er bekommt kaum mit, wie Laura ihn auf einen Stuhl verfrachtet, damit er nicht zu Boden stürzt. Ein einfacher, hässlicher Stuhl, der beim kleinsten Widerstand zusammenklappen würde. Wie passend.

Seife.

Teilt sich den mittleren Wortteil mit geil. Das kann kein Zufall sein, denn genauso fühlt sich Sven auch. Die Welt ist ein wunderschöner Ort. Eine Blumenwiese voller Erfolge, die ein prächtiger Hengst Tag für Tag abknabbert, weil sie ihm zustehen. Ein Svengst.

Jona Pexianer – die talentlose Brut seines Kollegen – hat verloren. Was für ein Pisser. Der bessere der beiden Kommentatoren hat geschafft, was er immer gewusst hat – und auch jeder, dessen Hirn nicht ein Haufen Matsch ist: Die Wette zu gewinnen. Jetzt marschiert Sven so breitbeinig um den Ring, dass man zwischen seinen Schenkeln problemlos ein Torpedo hindurchschieben könnte. In seinem Inneren türmt sich ein Jubelschrei auf, der mindestens so inbrünstig anmutet wie die Töne, die Petes Mutter bei ihrer allwöchentlichen Pfählung in Svens geiles Ohr ruft. Er lässt den Schrei aus. Er lässt alles raus. Er hat es sich verdient.

Endlich hat er Pete gefunden. Der Verlierer sitzt auf einem Stuhl zusammengesackt da und wirkt, als könne ihn ein Windhauch zu Boden stoßen. Ein alter, erfolgloser Mann, dessen Hoffnungen auf eine bessere Zukunft heute zusammen mit Jona Pexianers Lariat gestorben sind.

Ein Mitarbeiter tritt durch den Vorhang.

Er trägt das Stück Seife in beiden Händen wie ein heiliges Artefakt.

Gierig greift Sven nach dem Werkzeug der bevorstehenden Demütigung, kaum dass es in seiner Nähe ist. Er schwingt die Seife in seinen Armen herum, möchte sie aller Welt zeigen wie eine stolze Mutter ihr Neugeborenes. Vor allem jedoch will Sven, dass Pete es sieht.

Als er das Stück Seife vor Augen hat, sobald er den sanften Orangen-Duft riechen kann, brechen Petes Dämme. Er jault auf und rutscht im Stuhl zusammen auf einer Weise, die glauben lässt, seine Knochen hätten sich in Mayonnaise verwandelt. Sven tänzelt vor ihm auf und ab. Er ist das Rumpelstilzchen, das nicht mehr befürchten muss, ein magisches Wort können seinen Erfolg gefährden. Es ist geschehen – die Wette ist ein für alle Mal, vor den Augen der Wrestling, gewonnen.


Sven: „In den Ring mit dir, Pete. Jetzt ist Zeit für deine Strafe..“


Er drückt die Seife in seiner schweißnassen Hand zusammen bis Schaum zwischen den Fingern hervortritt. Pete wird kalkweiß.


Pete: „Nicht waschi-waschi…“


Halb vom Klappstuhl rutschend brabbelt Pete wie ein Kind. Die psychische Ausnahmesituation hat Wortwahl und Tonfall infiziert.


Pete: „Sven, nicht.“


Er deutet auf die Seife. Sein Finger zittert.


Pete: „Du-du-du hast d-d-och schon g-gewonnen. T-t-tu mir das nicht an.“


Der Unterlegene sackt zu Svens Füßen zu Boden. Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.

Er blickt zu Sven mit wässrigen Augen hinauf.


Pete: „Bitte. Bitte, Sven.“


Sven überlegt. Selten hat er sich in seinem Leben so powerful gewählt. Er merkt: Der große Luxus des Mächtigen ist es, Gnade zeigen zu können. Seine Augen verharren auf der Nase in seinen Händen, wandern dann zu der bemitleidenswerten Kreatur, zu diesem Insekt, das seit 25 Jahren neben ihm dahinsiecht und nichts hervorgebracht hat außer einen missratenen, untalentierten Sohn.

Er kann gnadenvoll sein. Denn er ist ein Gott. Aber das ist immer noch Pete.


Sven: „Nö.“


In Svens Rücken tritt Robbin Zick dazu. Der junge Mann blickt angewidert auf den wimmernden Pete, greift ihm dann unter die Achsel und zieht ihn hoch wie einen Sack Kartoffeln.


Sven: „Rein in den Ring.“


Der Verlierer wehrt sich nicht einmal, als Zick ihn auf die Matte rollt. Pete bleibt liegen wie ein Stück aufgeweichte Pappe. Zick greift sich den Klappstuhl, baut ihn auf der Matte wieder auf und setzt Pete darauf ab. Hängende Schultern, bleiches Gesicht, ausdrucksleerer Blick. Petes Mund bekommt nicht einmal mehr ein „Bitte“ zu Stande. Kraft ist für ihn ein Fremdwort geworden.
Sven hebt die Seife an und führt sie von Petes Mund. Doch dann stockt er. Nicht aus Gnade, nicht aus Mitleid. Er hat das Gefühl, etwas Essentielles vergessen zu haben. Als er sich umblickt, kommt ihm die Antwort.


Sven: „Das…“


Fingerzeig auf Pete.


Sven: „…ist nicht genug Bestrafung. Denn es gibt nicht nur einen Verlierer heute. Nicht nur eine Person hat den Mund zu voll genommen und verdient es, den Mund ausgewaschen zu bekommen.“


Der Arm des Kommentators wandert weiter. Auf eine Stelle vor dem Geviert. Dort, an der Rail, lehnt geschafft vom Kampf Jona Pexianer. Der junge Mann hat noch nicht mitbekommen, dass von ihm gesprochen wird. In seinem Kopf tanzen die Bilder des zurückliegenden Kampfes, sie haben ihn in einen dunklen Tunnel gezogen, indem die Realität keine Rolle mehr spielt.


Sven: „Hol‘ ihn auch her.“


Einen Moment lang überlegt Robbin Zick. Warum sollte er Anweisungen von Sven entgegennehmen, von einem Kommentator? Doch dann überwiegen die Vorteile, die sadistische Freude darüber, einen Mann bestrafen zu können, der die Chuzpe hatte, es mit Refuse to Age aufzunehmen.

Zick rollt sich wieder aus dem Ring und läuft auf Jona Pexianer zu. Der braucht, mental nicht ganz bei sich, einen Moment, um es zu realisieren. Reagiert zu langsam. Kann nicht verhindern, dass er gepackt wird. Zick hat ihn am Arm und whipt ihn Richtung Ringkante. Pexianer schlägt um sich, doch wieder ist der Angreifer schneller. Er lässt Pexianer mit dem Rücken an die Kante knallen, greift sich ihn dann und rollt ihn auf die Matte.

Anders als Pete lässt Pexianer nicht zu, die Demütigung kampflos über sich ergehen zu lassen. Beim Anblick der Seife und seines leer aussehenden Vaters entfährt ihm ein kehliges Grummeln. Er hebt die Faust, um Robbin Zick anzugreifen. Für einen Augenblick keimt die Hoffnung, er könne sich diesem infamen Plan entziehen; ein Schrecken geht über Svens Gesicht. Hat er mit seiner Forderung nach einem zweiten Opfer einen Schritt zu viel gewollt? Löst sich jetzt seine schöne Bestrafungszeremonie in Luft aus?

Dann landet die Fußspitze Zicks in Pexianers Schritt.

Der Vormarsch Jonas ist beendet. Er sackt vor dem Stuhl seines Vaters zusammen und bleibt keuchend, mit Schmerzen in den Augen, liegen. Zwei Blutsverwandte, die einander anstarren. Dem einen ist die Pein der Demütigung anzusehen, dem anderen die Pein des Tiefschlags.


Sven: „Komm‘, zerr ihn hoch und bind ihn fest. Schnell. Der wehrt sich sonst gleich wieder.“


Er zieht sich den Gürtel aus seiner Hose und reicht ihn an Zick. Dieser packt sich Pexianer vom Boden, hievt ihn an und bringt ihn zum Ringpfosten. Robbin beginnt damit, die Hände Jonas mit dem Gürtel an den Seilen zu fesseln. Weil sich der Sohn wieder zu wehren versucht, setzt es drei Schläge in die Rippen, nach denen Pex seinen Kopf benommen und geschlagen hängen lässt. Unterdessen rubbelt Sven vorfreudig seine Seife und beginnt, glückselig zu stöhnen.


Sven: „Mund auf, Pete. Nein, warte. Ich will, dass du zuerst deinen Sohn gedemütigt sieht. Schau hin, los.“


Weil Pete der Aufforderung nicht folgt, greift Zick ein. Sven temporärer Gehilfe stellt sicher, dass Jona gut gefesselt ist, dann schnappt er sich Pete und dreht dessen Kopf gnadenlos eine Richtung, dass er Pex anstarren muss.

Sven führt die Seife zu Jonas Mund – es mag sein, dass diese Bestrafung nicht Teil der Wette war. Doch er ist Sven. Wenn er mit Petes Mutter machen kann, was er will, dann auf mit dessen Sohn. Die Seife berührt die Lippen Jonas. Weil er den Mund nicht aufmachen will, die Lippen wie versiegelt aufeinanderpresst, beginnt Sven die Kiefer des Gefesselten auseinanderzupressen.


Sven: „Zeit für WASCHI-WASCHI.“


Dann wird es laut in der Halle.

Zick versteht es nicht und Sven zuerst ebensowenig. Er ist so sehr zoned-in in seine Beschäftigung, in das Auskosten seines Triumphes. So kann er sich keinen Reim auf die plötzliche Lautstärke machen, zumal es nicht die erwartbaren Buhrufe sind, sondern Jubelschreie.

Es ist Ask Skógur.

Der Hirsch sprintet die Rampe, als wolle er ungebremst gegen den Ring stürzen. Erst im letzten Augenblick macht er einen kleinen Satz, der ihn aufgrund seines Tempos auf den Apron bringt. Sven entdeckt ihn zuerst, lässt vor Schreck die Seife fallen und deutet mit ängstlich geweiteten Augen auf den Eindringling.


Sven: „Der Kobold! Los, drauf!“


Auch Zick wird jetzt der Gefahr gewahr. Dann jedoch huscht ein fragender Augenblick über sein Gesicht.

Ist Ask denn nicht auf unserer Seite? Er hat das Paket doch angenommen.

Im Blick des Schweden jedoch findet Robbin keinerlei Sympathie für ihn. Da ist nur Wut und vor allem Empörung darüber, was sich er und Sven hier herausnehmen. Prompt reagiert Zick, lässt Pete los und sprintet in Richtung Ask. Doch dieser ist in seiner Wildheit und durch das Überraschungsmoment viel schneller.

BJÖRNSMACK!

Die erste und einzige Aktion, die Skógur braucht, um sich Zick zu entledigen. Der Refuse to Age-Youngster geht benommen zu Boden. Ask schenkt ihm keine weitere Beachtung, wirbelt herum und überblickt die Szenerie im Ring. Der gefesselte, nach den Schlägen scheinbar bewusstlose Pex – der unsichere junge Mann, der ihn um Rat gefragt hatte. Der apathische, gebrochene Pete. Und Sven, jener Kommentator, der ihn noch nie ausstehen konnte. Genau dieser Typ blickt ihn jetzt an, nimmt abwehrend die Hände hoch.


Sven: „A-Ask. Wie schön, dich zu sehen. Hör mal, w-wir haben doch keine Probleme miteinander, oder? Ich habe doch nichts gegen dich persönlich. Und das hier…“


Er schiebt die Seife unauffällig zur Seite.


Sven: „Hat alles seine Berechtigung. Ich habe die Wette gewonnen. W-warum also guckst du so b-böse, Ask?“


Skógur lässt Sven stehen. Um ihn wird er sich später kümmern. Das geht aus seinem Blick hervor. Zwischen ihnen gibt es noch was zu klären. Von wegen Kobold. Doch zunächst gibt es Anderes zu erledigen.

Er geht zu Jona Pexianer, der nach Zicks Schlägen noch immer mit hängendem Kopf in seiner Fesselung an den Ringseilen hängt. Als Ask damit beginnt, den Gürtel zu lockern, sackt er dem Schweden entgegen. Der Hirsch legt ihn vorsichtig auf der Matte ab.

Dann wird es noch einmal laut in der Halle.

Danny Rickson ist zurück. Der Mann, der vor wenigen Minuten den Kampf gewonnen hatte, steht jetzt vor dem Vorhang und blickt Ask Skógur an. Sein Blick ist kaum zu deuten, und das liegt nicht nur an der glatten Gesichtshaut. Er wirkt seltsam unemotional, als habe er zunächst eine beobachtende Position eingenommen und noch nicht entschieden, wie er zu Ask Skógur stehen sollen. Zu dem Mann, dem er vor zwei Wochen ein klares Angebot gemacht hat – danach war er mit dem Gefühl gegangen, sie wären auf einer Wellenlänge. Sie waren auf der gleichen Seite.

Anders als Ask, der die Rampe hinabgestürmt kam, marschiert Rickson ganz langsam und kontrolliert zum Ring. Seine Arme, die locker an der Seite herabhängen, machen deutlich: Er ist nicht zum Kampf hier. Er will einfach nur mit Ask Skógur reden. Und das führt dazu, dass auch dieser sich beruhigt. Skógur vergisst Zick, Pete, Pex und Sven für einen Augenblick. Er tritt an die Ringseile und wartet auf das Eintreffen von Danny Rickson.

Da trifft ihn das Seifenstück am Kopf. Es tut nicht besonders weh, aber Skógur zuckt zusammen. Langsam – und sowohl wütend als auch irritiert – dreht er sich um. Denn die „Attacke“ kam von Sven.


Sven: „Von DIR lasse ich mich nicht stoppen, du widerlicher Waldschrat.“


Skógur – und der Großteil der Halle – starren Sven irritiert an. Was zur Hölle reitet einen Kommentator, einen Wrestler direkt zu provozieren? Noch dazu, wenn man vor einer guten Minuten noch Angst vor ihm hatte?

Doch dann wird die Strategie klar. Ablenkung.

Als Skógur sich umdreht, slidet Rickson in den Ring.

Und spätestens jetzt merkt auch der letzte Optimist, dass der ruhige Auftritt des Hall of Famers nur ein Theaterstück war. Er hat es Ask nicht verziehen, sich gegen Refuse to Age zu stellen und lediglich auf den passenden Moment gewartet. Noch ehe Skógur merkt, wie ihm geschieht, schlägt Rickson ihn von hinten nieder.

Der Engländer dreht Skógur herum, hockt sich auf dessen Brust und feuert eine Salve von Punches ab. Ask, von Svens Ablenkung und dem hinterrücks erfolgten Angriff überfordert, kann sich nicht entscheidend wehren. Er muss fünf, sechs Schläge über sich ergehen lassen, ehe er die Arme zur Abwehr hochbekommt.

BUUUUH!“

Geschlossen steht man in der Halle hinter Ask. Der ehemalige GFCW Champion wird von Rickson hochgezogen und in die Ringseile getrieben. Er hängt dort wie ein angeknockter Boxer. Doch dann – zur großen Freude der Zuschauer – kann er einem Angriff ausweichen und Rickson kontern. Er drängt den Angreifer ein Stück zurück. Für den Moment haben sich die Kraftverhältnisse ausgeglichen: Der vom Kampf geschwächte Rickson gegen den frischen, entfesselten Skógur. Wie zwei Hirsche im Kampf um die Rudelherrscht weichen sie voreinander nicht zurück, es geht und her.

Dann klatscht der Gürtel, geschwungen von Robbin Zick, in Ask Skógurs Rücken. Ask sackt auf die Knie.

Ricksons Gefährte war rechtzeitig erholt, um seinem Anführer zur Seite zu stehen. Jetzt schlagen sie gemeinsam auf Ask ein, der sich nicht mehr entscheidend wehren kann. Er muss hinnehmen, von Zick auf die Beine gezogen und dann in Richtung Ricksons geschubst zu werden. Dieser nimmt Anlauf, federt in die Seile und kommt mit Schwung herun.

Running High Knee gegen Ask.

Der Schwede bleibt liegen.

Rickson und Zick betrachten ihr Werk. Genießen es für einen Augenblick. Dann winkt Danny nach einem Mikrofon. Seine Brust hebt und senkt sich in großen Bewegungen, bei seinen Worten starrt er enttäuscht auf Skógur hinab.


Danny Rickson: „Es ist Fehler genug, unser Angebot abzulehnen, Ask Skógur. Ein noch viel größerer Fehler jedoch ist es…“


Zick reicht ihm den Gürtel. Rickson lässt ihn, unter lauten Buhrufen, auf Asks Rücken hinabzischen.


Danny Rickson: „…gegen uns zu agieren. Ist es dein lächerliches Gefühl von Gerechtigkeit, das dich dazu gebracht hat? Glaubst du wirklich, es lohnt sich, im Wrestling für größere Dinge zu kämpfen als nur für sich selbst, nur für die eigenen Erfolge? Beschützt du deswegen diese lächerlichen Figuren?“


Er wirft einen Seitenblick zu Pete und Jona. Der Kommentator hat endlich seine Apathie überzeugen und die Kraft aufgebracht, seinen Sohn in Sicherheit zu bringen. Pexianer stützt sich auf die schmale Schulter seines Vaters, als dieser ihn im Hintergrund aus der Halle bringt.


Danny Rickson: „Du bist ein Narr, Ask. Im Wrestling geht es nur um Erfolg. Um die eigene Legende. Wer das nicht versteht, wird niemals unsterblich werden. Und heute hast du mir bewiesen, dass du…“


Der Engländer gibt den Gürtel an Zick zurück und flüstert diesem etwas zu. Unter sorgenvollen Blicken des Publikums beginnt Robbin, Ask in die gleiche Position zu bringen wie zuvor Pexianer. Der Hirsch wird mit dem Gürtel an den Ringseilen gefesselt.


Danny Rickson: „…mein Angebot nie wert warst. Ich brauche keine dummen Verbündeten, solche wie du haben die Unsterblichkeit nicht verdient.“


ASK!“ – „ASK!“ – „ASK!“


Die Rufe des Publikums sind keine Hilfe. Rickson und Zick machen nicht den Eindruck, von Skógur abzulassen. Sie haben etwas vor – und lassen sich davon nicht abbringen.


Danny Rickson: „Vor zwei Wochen hast du mein Paket angenommen. Hast du versucht, mich zu täuschen? Wolltest du mir vormachen, du wärest auf der Seite von Refuse to Age? Nun, du bist ein Lügner, Ask. Und zum Glück haben wir etwas für Lügner hier.“


Rickson reicht das Mikrofon an einen euphorisierten Sven weiter. Der Kommentator durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Triumph – Angst – Triumph. Das war die Abfolge seiner Erlebnisse heute. Nun, er konnte die Demütigung von Pete nicht durchführen, wie er wollte. Da hatte er zu hoch gepokert. Aber jetzt passiert etwas…noch viel Besseres.

Zick reicht die Seife an Danny Rickson.


Danny Rickson: „Im Namen von Refuse to Age…“

Sven: „…und von Aldo Nero, du Goblin!“

Danny Rickson: „…übergebe ich dir den Lügnerpreis, Ask Skógur.“


Ask versucht sich zu winden, doch er ist gefesselt. Zick greift mit beiden Händen in sein Gesicht, drückt die mahlenden Kiefer auseinander.

Dann kommt die Seife. Rickson schiebt sie ihm als volles Stück in den Mund. Ask spürt es an den Lippen, an den Zähnen, auf der Zunge. Der widerliche Geschmack nach Kosmetik, nach falscher, künstlicher Reinheit. Der Geschmack von Refuse to Age.

Skógur muss sich beinahe übergeben, als die Seife ihm tief in den Rachen getrieben wird. Er schnappt nach Luft, sein Gesicht läuft rot an – nicht mehr lange und ihm bleibt nicht mehr viel übrig, als die Seife zu schlucken. Speichel läuft aus seinem Mund und tropft auf die Matte. Wie wild zerrt er an der Fessel – hoffnungslos.

Endlich lassen sie von ihm ab. Die Seife gleitet aus seinem Mund. Durch den Speichel hängt ihm Schaum überall. Er keucht und hustet, spuckt die Blasen und den Schaum auf die Matte unter sich, so dass sich ein kleiner See bildet.

Die ultimative Demütigung.

Und dann lassen ihn die Drei einfach zurück. Rickson und Zick gehen heran. Und dahinter, mit einem Kichern und einem letzten Blick, der sich wie ein Foto in sein Gedächtnis einprägen wird, geht Sven. Was für ein wundervoller Tag. Überwältigt, gefesselt, gedemütigt. Genau wie es Ask Skógur verdient.


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Danke an alle Schreiber!!!