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Mike Gard hebt zögerlich die Arme von Titan, Bomb, Thor und Odin.
Doch keiner der Vier reagiert. Sie feiern nicht. Sie schauen lediglich zu Al Simmons. Simmons hebt langsam das Mikrofon. Er geht auf den Wortführer der jungen Wrestler zu. Der versucht mühsam wieder aufzustehen. Simmons hilft ihm sogar. Er richtet ihn auf. Die Zuschauer sind irritiert. Simmons hält ihn fest.
Al Spawn Simmons: „Wie heißt du?” Der junge Mann ringt nach Luft: „Lothar.”
Simmons nickt.
Al Spawn Simmons: „Lothar…Du hast Mut.”
Ein leichtes Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Und dafür…verdienst du meinen Respekt.”
Die Zuschauer applaudieren vorsichtig. Dann verändert sich Simmons’ Blick.
Al Spawn Simmons: „Aber…”
Die Halle wird still.
Al Spawn Simmons: „Du hast gerade etwas getan…das ich niemals akzeptieren werde.”
Lothar schaut ihn verwundert an.
Lothar: „Was denn?”
Simmons tritt einen halben Schritt zurück.
Al Spawn Simmons: „Du hast aufgehört…”
Pause.
Al Spawn Simmons: „…an den Sieg zu glauben.” Lothar schüttelt den Kopf: „Wir hatten keine Chance!”
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Genau. Und genau dort…bist du durchgefallen.”
Er dreht sich langsam zu seinen vier Männern.
Al Spawn Simmons: „Sie haben die Prüfung nicht bestanden.”
Titan schließt kurz die Augen. Tha Bomb nickt. Thor senkt den Kopf. Odin atmet tief durch. Keiner wirkt erfreut. Es wirkt…wie ein Urteil.
Simmons hebt langsam den Arm.
Al Spawn Simmons: „Vollstreckt das Urteil.”
Die vier setzen sich gleichzeitig in Bewegung. Nicht hektisch. Nicht sadistisch. Wie Männer……die lediglich ihre Pflicht erfüllen.
Titan hebt Lothar hoch. Tha Bomb hält ihn fest. Thor nimmt die anderen beiden jungen Wrestler mit einem Doppel-Lariat aus dem Leben. Odin packt den vierten. Ein gewaltiger Chokeslam.
Die Zuschauer buhen laut. Titan schaut Lothar direkt in die Augen.
Titan: „Mut…ohne Überzeugung…”
Er schleudert ihn mit einem Uranage auf die Matte.
Titan: „…trägt kein Fundament.”
Tha Bomb beendet den zweiten Mann mit einer Powerbomb. Thor trifft den dritten mit einem Running Lariat. Odin setzt den vierten mit einem Sit-out Spinebuster endgültig außer Gefecht.
Nicht übertrieben. Nicht blutig. Aber endgültig.
Simmons kniet sich zwischen die vier besiegten Wrestler. Er schließt kurz die Augen. Fast wie bei einem Gebet. Dann steht er wieder auf.
Al Spawn Simmons: „Die erste Prüfung…ist beendet.”
Er blickt direkt in die Hauptkamera.
Al Spawn Simmons: „Und keiner…”
Lange Pause.
Al Spawn Simmons: „…hat bestanden.”
In genau diesem Moment…dröhnt durch die Halle die Musik von Zerbeus!
Aus den Boxen des PCWA Theatres dröhnt die Musik von Zerbeus! Und es dauert auch nicht lange, dann kommt Zereo Killer, mit einem Stuhl bewaffnet, in den Ring gesprintet! Odin ist der Erste, der von seinem Opfer loslässt und will Zereo Killer mit einer Clothesline niederstrecken, dieser duckt sich ab und verpasst seinem Angreifer einen Chairshot in den Rücken! Blitzschnell dreht sich der Kalifornier um und droht mit weiteren Stuhlschlägen gegen die Gruppierung, welche sich taktisch vorerst aus den Ring rollt!
ZK lässt seine Gegner nicht aus den Augen, bis sie sich auf der On Stage gesammelt haben, dann kümmert er sich um die jungen Talente, die rücksichtslos verprügelt worden sind. Al Spawn Simmons zieht sich mit seinen Mannen fürs Erste zurück, doch Zereo Killer scheint noch nicht fertig zu sein. Er lässt sich ein Mikrofon geben.
Zereo Killer: „Hey, ihr Idioten! Bleibt sofort stehen!“
Tatsächlich halten sie still und beobachten aus der Ferne einen sich in Rage befindenden Zereo Killer, welcher immer noch den Stuhl in der Hand hält. Odin scheint diesen Stuhlschlag nicht mehr zu spüren, er steht bei seinen Mannen und blickt volles Zornes in Richtung des Kaliforniers.
Zereo Killer: „Habt ihr auch den Mut, euch jemanden gegenüberzustellen? Sucht euch jemanden, der euch Paroli bieten kann und stellt euch Denjenigen, Mann gegen Mann, gegenüber!!!“
Die Crowd gibt ihren Helden Recht, der die jungen Talente vor weiteren Prügel gerettet hat. Verärgert stehen die Heels auf der On Stage, sprechen Drohungen in Richtung MacKenzie aus. Dieser hilft Einen nach dem Anderen wieder auf die Beine, dann fährt er fort.
Zereo Killer: „Ich bin hier! Kommt her! Ich stehe hier mit meinem schicken PCWA – GFCW – Shirt, mit einer Jeans. Das macht aber nichts! Ich bin bereit, hier zu kämpfen, jetzt sofort!“
Odin ist Derjenige, der sich am Liebsten auf den Weg zum Ring machen will, doch er wird von Simmons zurückgehalten.
Zereo Killer: „Ihr habt meinen Tag Team Partner verletzt! Ich will euch allen eine Lektion erteilen! Kommt zum Ring!!! Ich will ein Match, hier und jetzt! Ich setze euch jetzt alleine ein Ende, damit The Apocrypha wieder Geschichte ist, bevor dieser Scheiß überhaupt erst richtig ins Rollen kommt!!!“
Er reicht dem Ringrichter mit einer kleinen Geste das Zeichen. Mike Gard schluckt und blickt zu Zereo Killer. Dann zu den vier Männern. Er hebt zögerlich den Arm.
Keiner jubelt. Keiner reißt die Arme hoch. Die vier stehen lediglich im Ring. So als ob das Ergebnis eh schon feststand. Wie Richter nach einem Urteil. Der Ringrichter wagt es kaum, ihre Arme zu heben. Sie reagieren überhaupt nicht darauf. Zereo versucht trotzdem wieder aufzustehen. Unter großem Jubel. Pete ruft.
Pete: „Er steht wieder!”
Simmons schließt kurz die Augen. Ein fast enttäuschtes Lächeln.
Al Simmons: „Dann…”
Pause.
Al Simmons: „…hat er die Lektion noch nicht verstanden.”
Er hebt lediglich zwei Finger. Mehr nicht. Sofort setzt sich das Fundament erneut in Bewegung. Tha Bomb hält den bereits geschlagenen Zereo Killer fest. Thor verpasst ihm einen gewaltigen Running Lariat. Odin folgt mit einem Chokeslam. Titan beendet die Sequenz mit dem Kroll-Prozess. Zereo bleibt regungslos liegen.
Die Arena buht ohrenbetäubend.
Al Simmons steigt nun zum ersten Mal selbst in den Ring.
Er kniet sich neben Zereo. Er legt ihm fast väterlich eine Hand auf die Schulter.
Al Spawn Simmons: „Herr MacKenzie…Sie haben heute Mut bewiesen.”
Lange Pause.
Al Spawn Simmons: „Aber Mut allein…”
Er blickt kurz zu Titan.
Al Spawn Simmons: „…ist kein Fundament.”
Simmons steht langsam wieder auf. Er hebt die Bibel. Die vier Mitglieder von The Apocrypha stellen sich hinter ihn.
Vier Säulen. Ein Dach.
Simmons spricht den Schlusssatz.
Al Spawn Simmons: „Die erste große Prüfung…”
Pause.
Al Spawn Simmons: „…hat keinen Sieger hervorgebracht.”
Er schaut auf Zereo hinunter.
Al Spawn Simmons: „Nur…”
Lange Pause.
Al Spawn Simmons: „…eine weitere Wahrheit.”
Die fünf verlassen den Ring, ohne sich noch einmal umzudrehen. Zereo Killer bleibt zerstört in der Mitte des Rings zurück, während die Zuschauer ihm mit lautem Applaus Respekt zollen und The Apocrypha unter einem Meer aus Buhrufen die Halle verlassen. Genau dieses Bild stärkt beide Seiten: Zereo als unbeugsamen Kämpfer und The Apocrypha als nahezu unaufhaltsame, disziplinierte Macht.
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Tammy: „Meine Damen und Herren. Bitte erheben Sie sich für die Nationalhymne…“
Verwirrte Blicke auf den Plätzen. Während der disziplinierte Teil der Zuschauerschaft sofort der Aufforderung nachkommt und mit zusammengeschlagenen Hacken dasteht, bleibt der Rest der GFCW-Galaxy skeptisch. Die Nationalhymne? Jetzt?
Tammy: „…Luxemburgs!“
Und sogleich setzen sich viele Berlindf wieder. Respektloses Lumpenpack. Xenophobe Gurkentruppe. Doch egal, was die nun zu einem guten Teil buhende Crowd will: Laute orchestrale Klänge ballern aus den Boxen. Und man kann ihnen nicht entkommen.
Ein Stöhnen geht durch die Halle als die Musik leiser geschaltet wird und sich der Grund dafür in Gestalt eines Mannes mit Mikrofon offenbart. Denn es ist eine bekannte – und dann doch wieder ganz andere – Gestalt.
Sandro: „Gudden Owend, Berlin. Ech sinn de Sandro, äre lëtzebuergesche Frënd."
Der Kein-Portugiese hebt die Hand zum Gruße, Ach, wie freundlich er doch ist. Und zum Entsetzten Sandros (und jedes weltoffenen Bürgers) wird auf den netten Gruß des Mannes aus Esch mit Buhrufen reagiert.
„BUUUUH!“ „BUUUUH!“ „BUUUUH!“
Enttäuscht zieht Sandro die Augenbrauen zusammen. Sadcat.jpg, bloß halt als Mensch. In der Hoffnung, irgendwo ein ihm in Freundschaft zugewandtes Gesicht zu entdecken, blickt er sich im PCWA Theatre um. Und wird nicht fündig.
Sandro: „Kein netter Empfang. Ich habe schon viel Schlechtes über diese Stadt gehört. Aber das untertrifft noch sämtliche Erwartungen. Ich bin doch einfach nur ein kleiner Luxemburger. Ganz allein auf dieser Welt. Naja, fast zumindest. Kaum mehr als 600.000 sind wir. Ein kleines Nest von Freunden. Und dann hasst mich eine ganze Stadt, die sechsmal so viele Menschen hat? Es ist also wohl offenbar Deutsch, nach unten auf die Schwächeren zu treten. Ganz eindeutig muss ich da sagen…“
Er holt tief Luft.
Sandro: „…ich bin KEIN Berliner!“
Und darüber ist man im PCWA Theatre auch froh. Doch jetzt, wo Sandro einmal in Fahrt ist, lässt er die Stadt nicht mehr vom Haken. Ohne einen Schritt näher an den Ring zu kommen, hebt er das Mikrofon wieder an den Mund.
Sandro: „Doch ich stehe über eurem arroganten Verhalten, Berlin. Als einfacher Bewohner eines Kleinstaats muss man mit solchem Chauvinismus wohl leider rechnen. Ich bin bereit, eure Fehler zu verzeihen. Keiner hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Zwischen euch und mir. Denn eine Mauer würde bedeuten, dass ich meinen Blick nicht mehr über Berlin schweifen lassen könnte. Und dann würde ich nicht mehr sehen, was für ein Moloch diese Stadt ist.“
„ARSCH-LOCH!“ „ARSCH-LOCH!“
Sandro: „Wie lächerlich. Seht euch doch nur an. Fünftausend Berliner hetzen über einen Unschuldigen nur weil er LUXEMBURGER ist. Ich habe wirklich nichts gemacht. Ich bin ein unbeschriebenes Blatt.“
Sven: „FAKT!“ Pete: „LÜGE!“
Der Luxemburger, der nie versucht hat, im Namen Portugals Europa zu erobern, stapft verärgert mit seinem Ringstiefel auf die Rampe.
Sandro: „Eine Stadt, vereint im Hass. Respekt, hat ja auch nur seit 1989 gedauert, dass ihr eure Gräben überwindet und irgendeine Gemeinsamkeit findet. Doch dass es bei euch mal länger dauert, habt ihr ja auch schon damit bewiesen, als ihr einen Flughafen bauen wolltet. Ein gottverdammter Flughafen. Lol. Das ist doch einfach nur eine glatte Fläche mit Asphalt. Und zum Betrieb braucht man nichts außer ein bisschen Strom…“
Da fällt ihm etwas ein. Und dass ihm ein Licht aufgeht, drückt Sandro auch mit großer Geste aus.
Sandro: „…ach ja, das mit dem Strom ist ja auch nicht so einfach in dieser Stadt. Wie fortschrittlich. Doch hey, seid nicht traurig. Ihr habt immerhin den Döner empfunden. Unfassbare Leistung. 3,7 Millionen Hirne haben ihre gesamte Gedankenkraft zusammengeworfen und heraus kam…ein Stück Fleisch, das sich im Kreis dreht. Das ist so inspirierend, an diesem Im-Kreis-Drehen nimmt sich deshalb sogar euer Big City Club Hertha seit Jahren ein Beispiel. Darauf ein SSSSI…“
Grad
als der
Sandro: „Nun, jedenfalls zwingt mich die GFCW heute dazu, in dieser feindlichen Umgebung anzutreten. In der Halle einer Liga, die seit Jahren tot ist. Und das zu Recht. So tot, man könnte sie kleingeschnitten in einer Kühltruhe lagern. Und trotzdem hängt ihr Leute noch vor nostalgischer Verblendung an der Vergangenheit und tut, als würde irgendwas an der PCWA unsterblich sein. Wie symbolisch für eine Stadt, die in einem Land vor unserer Zeit mal hipp war. Es ist so lustig wie traurig, da könnte man glatt den Tom Nowak machen.“
Mittlerweile ist Sandro – endlich – kurz vor dem Ring angekommen. Breitbeinig stellt er sich hin.
Sandro: „Doch aufzugeben ist nicht die Art eines Luxemburgers. Nein, Berlin, ein neuer Schlächter ist in der Stadt. Und wie eine großherzogliche Jeanne D’Arc wird er frischen Wind in das PCWA-Theatre bringen und dabei nicht einmal draufgehen. Ich werde den Gestank nach Nikotin und Bakterien wegwischen und einen frischen Duft hinterlassen. Mir egal, ob ihr euch darüber so aufregt, dass ihr Nasenbluten bekommt. Ich werde heute im Match dem unbesiegbaren Celo Marx derart auf die ZWÖLF geben, dass selbst eingeschworene PCWA-Fans nicht mehr wissen werden, was eigentlich ELEVEN ist. Nach meinem glorreichen Sieg wird man mich zum größten Wrestler erklären, der je im PCWA Theatre angetreten ist. Egal, wie oft ein alter Hund, der Teufel oder irgendein komischer Engel PCWA Undisputed Geriatrie-Champion waren.“
Sandro holt einmal Schwung, dann slidet er unter den Seilen auf die Matte.
Sandro: „Ssssss….äh….Hopp Hopp Letzebüerg! Let’s go.“
Der Luxemburger entledigt sich seines Shirts und wärmt sich an den Seilen auf, während das Berlin Publikum mal den Namen der PCWA oder irgendwelche Beleidigungen brüllt. Dann erscheint ein Schachbrettmuster auf der Videoleinwand und die Musik von Celo Marx ertönt. Angesicht des Sandro’schen Vorspiels erhält er den Pops seines Lebens – vielleicht auch, weil es erst sein zweiter Auftritt ist und die Messlatte noch tiefer liegt als das Niveau von der vorangehenden Promo. Doch egal, Celo ist heiß drauf, es allen zu zeigen. Er flitzt auf die Rampe. Reißt seine Hände in die Luft und schafft es sogar, das Publikum dazu zu animieren, seinen Namen zu rufen. Während also „CE-LO!“, „CE-LO!“ durch das PCWA Theatre ballert, rennt der Mann im Schachbrettmuster auf das Squared Circle zu. Er slidet unter den Seilen auf die Matte und springt auf die Beine zurück. Direkt vor Sandros verärgertem Blick springt er auf und ab, lässt seine Anzugträger flutschen und nickt dann dem Ringrichter zu. Er ist bereit.
#UNBESIEGBAR
Der Unmensch lässt seine Hände vom Schädel an den Hals wandern. Er hebt Marx aus. Hievt ihn über die Seile. Zu sich auf den Apron. In die Gefahrenzone. Für Sekunden, die sich wie eine Ewigkeiten anfühlen, bohren sich Burchs tiefsitzende, schwarze Augen in den Kopf seines Opfers. Dann geht ein Ruck durch den Körper Irays. Er schleudert Celo Marx weg. Mit einem Überschlag fliegt der Leipziger vom Apron nach draußen. Dreht sich unkontrolliert. Schlägt mit dem Nacken an die Absperrung und bleibt reglos liegen. Bären lassen von ihrem Opfer ab, wenn es sich totstellt. Doch Iray Burch…? … … … Burch folgt ihm nicht. Zur allgemeinen Überraschung. Er löst seinen Blick von Marx. Und steigt in den Ring. Die Buhrufen hageln auf ihn herab, als er in die Mitte des Squared Circles tritt. Sich den Kameras zeigt. Fast alles ist wie immer. Der struppige Bart, blassrot und ungepflegt. Die nasse Haut, ein Shirt voller Flecken. Einige Kilo weniger sind es, das ist erkennbar. Doch der Ausdruck des Unmenschen – sein unverkennbarstes Merkmal – ist wie immer. Emotionslos und starr. Er greift in die Tasche seiner Jeans. Zieht einen Gegenstand hervor. Hebt ihn die Luft. Es ist die Kreuzkette, die er vor zwei Wochen erhalten hat.
Iray Burch: „Jemand hat mir ein Geschenk gemacht.“
Mit einem Grunzen lässt Burch die Kette zurück in seine Hand sinken. Er sieht aus, als wolle er in sie hineinbeißen. Doch belässt es bei einem undeutbaren Blick auf das glänzende Metall. Ein schlichtes Kreuz, klein und doch edel.
Iray Burch: „Doch dieser jemand zeigt sich nicht.“
Die Kette gleitet wie eine Schlange durch die dicken Finger Burchs. Das vor wenigen Minuten noch ein offener Kampf in diesem Ring stattgefunden hat, scheint nur noch eine ferne Erinnerung zu sein.
Iray Burch: „Das ist ein Spiel, das ich nicht mag.“
Draußen vor dem Ring krabbelt Celo Marx die Rampe entlang. Auf den Vorhang zu. Burch löst seinen Blick von der Kette und verfolgt das Opfer mit seinen Augen. Ein weiteres Grunzen entfährt Burchs Kehle. Mehr Tier als Mensch.
Iray Burch: „Es macht mich ungeduldig, nicht zu wissen, mit wem ich spiele. Es soll ein Freund sein, heißt es. Ein Bürge. Es ist nicht…Shelly.“
Ein Name, den Burch in seinem unmelodischen Singsang mit seltsam hoher Stimme – gar einer Spur Zuneigung? – ausspricht.
Iray Burch: „Es erinnert mich an einen alten Bekannten. Einen, den es nicht mehr gibt. Und so habe ich das Gefühl, man würde mit diesem Spiel über mich spotten.“
Er steckt die Kette zurück in die Tasche. Halb hängt sie heraus. Das Kreuz ist verschwinden, noch nicht die metallenen Glieder.
Iray Burch: „Dieses Spiel macht mir keinen Spaß. Und deshalb werde ich mir ein eigenes Spiel suchen.“
Und wieder wandert der Blick die Rampe entlang. Marx ist beinahe am Vorhang angekommen. Er hält sich den Nacken. Ist er…davongekommen? Jedem ist klar: Celo Marx ist nichts weiter als eine austauschbare Figur in diesem Spiel, von dem Burch spricht. Es hätte jeden treffen können.“
Iray Burch: „Alle zwei Wochen. Wieder und wieder. Es sei denn…“
Eine Schweißperle löst sich aus Burchs fettigen Haaren. Läuft die Haut entlang, bis sie sich im Bart verfängt.
Iray Burch: „…derjenige, der mit mir spielt, wird sich offenbaren.“
Der Rückkehrer senkt das Mikrofon. Auch ohne geschliffene Rede ist seine Drohung klar: Ungezielte Eingriffe wie dieser werden wieder und wieder passieren. Bis er bekommt, was er verlangt.
Iray Burch: „Ich werde wieder hier sein. In zwei Wochen.“
Der Unmensch wirft das Mikrofon auf die Matte, wo es sich mit einem letzten Knacken über die Lautsprecher verabschiedet. Dann marschiert Burch wieder auf die Seile zu. So ungelenk, wie er gekommen ist, klettert er hinaus. Springt vom Apron auf den harten Boden. Nimmt stapfend die Rampe. Meter für Meter. Er ist beinahe am Vorhang, als er Celo Marx dort sitzen sieht. Derjenige, der glaubt, er sei entkommen. Wie beiläufig blickt Marx zum Unmenschen auf. Sein Blick ist glasig. Durch den schmerzenden Nacken ist seine Haltung gekrümmt.
Burch jagt ihm einen Stiefel ins Gesicht. Und verschwindet. Doch er wird wiederbekommen. Bis sich ihm der Mitspieler offenbart.
Es duftet
langsam nach Main Event. Und auch wenn es seit 25 Jahren so geht,
laufen dennoch ein paar Mitarbeiter so kurz vor knapp wuselig
herum, um auch den Höhepunkt des Abends in das richtige
Licht, die perfekte Perspektive und den passenden Ton zu
bekommen. Tammy stöhnt auf. Gerne würde auch sie nochmal kommen. Und so sehr sie der Höhepunkt der Show gedanklich auf ihren eigenen potentiell nächsten gebracht hat, so sehr streift sie diesen Gedanken nun auf die Stunden nach dem Main Event.
Tammy: „Ich stehe hier Backstage mit einem Tag-Team, das in den letzten Wochen und schließlich auch beim PPV wenig zu lachen hatte.“
Kurz mustert Tammy das junge Team und ist sich plötzlich sicher, dass ihr Anblick es war, der in ihr diese jugendlichen Gedanken hat sprießen lassen. Die junge straffe Haut, die muskulösen Körper, das ungefärbte und doch farbenprächtige Haar. Ihre blutroten Lippen, sein gerecktes markantes Kinn.
Tammy: „Iokepa und Bella Venera, ehemalige erfolgreiche GTCW Wrestler – doch hier in der GFCW erfolgte bei Conquista eine weitere Niederlage. Bei Bella die zweite, für Iokepa die dritte PPV Niederlage in Folge… Was macht das mit euch, jungen aufstrebenden Talenten?“
Die Kamera lässt die lüsterne Reporterin links liegen und schwenkt zu den Angesprochenen, die heute beide nicht ihre Ringgear tragen. Stattdessen haben sie den Witterungen entsprechend kurze Shorts und Tanktop an, wobei Bellas obere Gesichtshälfte durch die typische Maske verdeckt ist. Interessanter ist jedoch sowieso, was sich darin und darunter abspielt. Streng sind ihre Lippen zu einem schmalen Strich verkommen und ihre Augen funkeln wütend in Richtung Kamera. Ihr Freund Iokepa wirkt ebenso wenig begeistert. Nicht nur die jetzige Frage ärgert ihn… Der Ärger hat sich in ihm angestaut, was sich in seinen gereizt angespannten Wangenmuskeln spiegelt.
Iokepa:
„Die Niederlage bei Conquista hat nur das bestätigt,
was wir von Anfang an gesagt haben. In der GFCW stehen nicht der
Sport und die ringerischen Fähigkeiten im Fokus, sondern das
Gegenteil, nämlich Hinterlist und Tücke. Dynamite
Booker hat Titan und Tha Bomb vor Conquista abführen lassen,
nur damit sie beim PPV wieder denselben Mist abziehen. Zuerst
greift Thor in unser Match ein… und nur um bei der
Wahrheit zu bleiben, Tammy, auf dem Papier ist es meine dritte
PPV Niederlage, aber wenn man sich die Umstände anschaut,
wurde ich zwei Mal betrogen und einmal habe ich mich dem Match
selbst entzogen!
Nun ist es Bella, die Iokepas Faden direkt übernimmt.
Bella Venera: „Diese neue Gruppierung, die Apokryphen… oder wie sie sich auch immer nennen, ist genau die Art von Abschaum, die viel zu lange in der GFCW an der Spitze stand und den Ton angegeben hat. Doch leider werden ihre Machenschaften weder konsequent bestraft, noch ist man in der Lage in der Nachbetrachtung oder in Interviews wie diesem klar und deutlich zu benennen, was passiert ist. Nein, wieder schaut man nur auf Sieg oder Niederlage und sperrt damit die Tür für all die anderen angeblichen Wrestler, die lieber Abkürzungen als den harten Weg gehen, auf. Denn das ist, was man schließlich immer wieder erschafft: Leute, die schummeln, bestechen und unseren Sport mit Füßen treten. Das ist die GFCW. Glorie Für Cleverste Wettbewerbsverzerrung.“
Nachdenklich kräuselt sich die Stirn der Reporterin.
Tammy: „Mmmh, wenn ich mich recht erinnere, warst du, Bella, der Ränkeschmiede im Wrestling aber auch nicht immer ganz abgeneigt, oder?“
Die Venera lächelt gönnerisch, hebt dann aber den Zeigefinger.
Bella Venera: „Ja, ich habe schon lange begriffen, was GFCW eigentlich bedeutet. Auch wenn mein Motiv meist ein anderes war: Rache. Oder Blutdurst. Meine Attacke auf Mad Dog? Oder auf Stella Nova? Da ging es nicht darum, mir einen Sieg oder ein Match zu ergaunern, sondern es ging um Bestrafung. Und doch wusste ich auch da schon, wie andere hier an ihre Titelchancen kommen und welche Methoden sie anwenden. Und auch wenn ich es nicht gutheiße, lässt sich das Spiel doch nur ändern, wenn ich erstmal mitspiele… Wollen wir nicht bald unser Domizil in der Jobberkabine aufschlagen, müssen wir etwas verändern. Denn die Realität wurde von mir eben benannt. Abschaum steht an der Spitze. Am Ende zählen nur Sieg oder Niederlage. Und von ersteren haben wir definitiv zu wenige.“
Iokepa schaut mürrisch drein. Sind es doch auch der Stoff der Diskussionen, die sie privat mal um mal führen.
Iokepa: „Oder man muss woanders umschauen. WFW, IPW oder andere… Es gibt auch Ligen, in denen es nicht so zugeht wie hier. Wo die Leistung zählt.“
Nun rollt Bella mit den Augen und dreht sich zu ihrem Freund.
Bella Venera: „Und die Apokryphen damit durchkommen lassen?! Du wolltest die Sache mit Ben beenden und hast sie beendet! Erfolgreich. Die Sache mit TnB ist aber noch nicht zu Ende – sie wollen einen neuen Kampf gegen die Champions oder Zerbeus anzetteln? Dann haben sie die Rechnung ohne uns gemacht.“
Der Hawaiianer blickt zu seiner Bella. Er kann nicht umhin – immer wieder packt sie ihn an seiner Ehre. Und er weiß auch, dass er die GFCW nicht verlassen will. Und doch will er nicht über seinen Schatten springen und gegen seine Ideale agieren.
Tammy: „Schlagt ihr euch also auf die Seite der Champions? Eurer ehemaligen Gegner bei New Level? Dann wäre es ausgeglichen gegen The Apocrypha.“
Von der Konsequenz überrascht zuckt Bella kurz zusammen und schaut irritiert zur Interviewerin. Ihr Partner indes greift ihre Hand.
Iokepa: „Genau das ist das Problem, was ich mir nicht vorstellen kann. Es gibt auch noch andere Wege, die zum Ziel führen und die die offene Rechnung zu einem späteren Zeitpunkt nochmal aufgreifen ließen. Ein Match gegen die Birdie Boys, die Black Wyrms oder die nordischen Schwestern zum Beispiel! Sich mit diesen Teams zu messen und dort zu siegen, wird unweigerlich die Möglichkeit bieten, irgendwann wieder…“ Bella Venera: „Ich fordere Titan für die nächste Show heraus! Er mag Stuhlschläge?! Soll er haben! No DQ, No Countout!“
Geschockt starren Tammy und auch Iokepa auf die Venera, die allerdings die Kamera fest im Blick hat.
Bella Venera: „Hörst du das, Feigling?! Lass deine Helferlein weg und kämpf gegen mich! Bei Conquista habt ihr Thor gebraucht, um uns in Schach zu halten. Doch in zwei Wochen wirst du dafür büßen! Vielleicht scheißt du auf Fairness und auf sportlichen Wettkampf – aber du bist nicht allem gegenüber so rücksichtslos. Wie war es noch in unserem Match, als die Kindergartengruppe auftauchte?! Es war nicht das Ehrgefühl des Sportlers, das dich hinderte. Es war das Ehrgefühl eines alten Mannes. Nun… Ich bin eine Frau, Titan. Damals gab es in der GFCW so etwas wie mich nicht. Und deswegen wirst du dir diese Blöße als alter weißer Mann wohl kaum geben wollen, oder? Die Blöße gegen eine Frau auf die Hilfe anderer angewiesen gewesen zu sein!“
Sie macht einen Schritt nach vorne.
Bella Venera: „Stell dich wie ein Mann, Titan! Ihr nennt es Schönheit. Ich nenn es eine Warnung. Denn Rache braucht ein Gesicht!“
Und mit diesen Worten schreitet Bella Venera davon, Iokepa ihr hinterher. Tammy schaut den beiden mit einer Mischung aus Neugier und Angst hinterher, als das Bild ausfadet.
Die Kamera springt in den Backstagebereich.
Ein langer Betonflur. Am Ende eine schwere Stahltür. Darauf ein schlichtes Schild.
THE APOCRYPHA
Die Kamera fährt langsam näher. Aus dem Inneren hört man keine Stimmen.
Kein Gelächter. Nur Stille.
Die Tür steht einen Spalt offen. Die Kamera blickt hinein. Ein großer Raum. Fast leer. Ein massiver Holztisch.
Fünf Stühle. Keine Poster. Keine Fernseher. Keine Champagnerflaschen. Keine Frauen. Keine Partystimmung.
An einer Wand hängt lediglich das steinerne Symbol der Gruppierung. Titan studiert einen alten Bauplan. Tha Bomb sitzt schweigend da und wickelt seine Handgelenke. Thor poliert langsam seine alten Ringstiefel. Odin sitzt mit geschlossenen Augen.Fast wie in Meditation.
Al Spawn Simmons steht am Fenster. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er blickt hinaus.
Man hört die Stimme der Mad Stars aus einem kleinen Monitor.
“…The Apocrypha…kommt…”
Simmons lächelt. Nicht höhnisch. Fast amüsiert. Er dreht sich langsam um.
Al Spawn Simmons: „Interessant.”
Pause.
Al Spawn Simmons: „Die Champions…”
Er blickt zu Titan.
Al Spawn Simmons: „…fordern uns heraus.”
Titan schaut nicht einmal vom Bauplan auf.
Titan: „Tun sie das?”
Simmons nickt leicht.
Al Spawn Simmons: „Sie glauben zumindest…sie würden es.”
Ein kurzes Schweigen. Tha Bomb hebt langsam den Kopf.
Tha Bomb: „Sollen wir?”
Simmons geht langsam zum Tisch. Er setzt sich nicht. Er legt lediglich die Fingerspitzen auf das Holz.
Al Spawn Simmons: „Ich weiß nicht.”
Alle vier schauen ihn an.
Al Spawn Simmons: „Ich frage mich…”
Pause.
Al Spawn Simmons: „…ob diese Prüfung…nicht noch etwas zu groß…”
Er blickt auf den Monitor und nickt.
Al Spawn Simmons: „…für sie ist.”
Thor legt langsam seinen Stiefel zur Seite.
Thor: „Sie tragen Gold.”
Simmons nickt.
Al Spawn Simmons: „Ja. Sie tragen Gold.”
Er lächelt.
Al Spawn Simmons: „Aber tragen sie auch Verantwortung?”
Odin öffnet langsam die Augen.
Odin: „Sie haben Mut.”
Simmons nickt anerkennend.
Al Spawn Simmons: „Das haben sie.”
Pause.
Al Spawn Simmons: „Aber Mut…ist keine Qualifikation.”
Titan rollt den Bauplan langsam zusammen.
Titan: „Ein Fundament…trägt keine Dächer…die zu schwer für ihre Mauern sind.”
Simmons beginnt langsam durch den Raum zu gehen.
Al Spawn Simmons: „Die Menschen glauben…wir würden Tag Team Titel wollen.”
Er lächelt.
Al Spawn Simmons: „Wie niedlich.”
Tha Bomb, der Rekordhalter der Tag Team Gürtel, grinst zum ersten Mal. Simmons bleibt vor der Kamera stehen. Direkter Blick.
Al Spawn Simmons: „Versteht mich nicht falsch. Diese Titel…”
Er deutet mit zwei Fingern auf den Monitor.
Al Spawn Simmons: „…verdienen Respekt.”
Pause.
Al Spawn Simmons: „Denn Männer vor ihnen…den Mad Stars…haben Geschichte geschrieben.”
Er nickt langsam in die Richtung der vier Legenden. Jeder der vier Anwesenden haben die Gürtel schon getragen.
Al Spawn Simmons: „Die Gürtel sind nicht das Problem.”
Lange Pause.
Al Spawn Simmons: „Die Schultern…die sie tragen…”
Noch eine schöpferische Pause.
Al Spawn Simmons: „…sind es.”
Titan tritt neben Simmons.
Titan: „Ein Dach…ist niemals größer…als sein Fundament.”
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Ich frage mich„…ob wir…uns überhaupt…”
Simmons schaut nachdenklich in die Ferne.
Al Spawn Simmons: „…auf dieses Niveau…herablassen sollten.”
Die vier Männer schweigen. Bomb schaut zu Thor. Thor zu Odin. Odin schließlich zu Simmons. Simmons steht auf geht wieder zum Fenster. Er blickt hinaus.
Al Spawn Simmons: „Vielleicht…”
Pause.
Al Spawn Simmons: „…verdienen sie unsere Aufmerksamkeit.”
Noch eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Vielleicht aber auch nicht.”
Er dreht sich noch einmal zur Kamera.
Al Spawn Simmons: „Lasst sie Champions sein. Für den Moment.”
Ein kaum sichtbares Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Denn wenn ihre Zeit gekommen ist…”
Er blickt direkt in die Kamera.
Al Spawn Simmons: „…werden nicht wir…die Titel herausfordern.”
Noch eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Die Titel werden darum bitten…von The Apocrypha getragen zu werden.”
Simmons verlässt das Bild. Titan nimmt den Bauplan wieder auf. Tha Bomb zieht die Bandagen fester. Thor steht auf. Odin schließt wieder die Augen. Die Kamera bleibt noch einige Sekunden in dem stillen Raum. Dann blendet sie langsam aus.
Die Unmengen an Jubelrufen, mit denen Conquista geendet hat, setzen sich auch hier und heute – zurück in Deutschland – fort. The End hat Sizilien als GFCW-Champion verlassen und somit kehrt er nun auch nach Deutschland, als eben dieser Champ zurück. Die Menge jubelt und auf der Stage erscheint der Champ auch sogleich. Tatsächlich bleibt er auf der Stage kurz stehen, um sich umzuschauen, denn wir sind natürlich nicht einfach nur in Berlin, sondern im ehemaligen PCWA Theatre, also, an einem historischen Ort. Ends Beziehung zur PCWA hält sich in Grenzen, weder war er da je aktiv, noch hat er anderweitig Berührungspunkte mit der Liga, aber, auf seiner Mission, die GFCW zur „besten GFCW jemals“ zu machen, will er den Status der PCWA zumindest für einen kurzen Moment anerkennen. … aber auch nicht mehr als nötig und so setzt End seinen Weg in Richtung Ring direkt fort.
Pete: „UND WEITERHIN GFCW CHAMPION…“ Sven: „Tja und dank wem? Sag schon. Wem haben wir es zu verdanken, dass End den Titel noch weitertragen darf?“ Pete: „… wem?“ Sven: „Natürlich ALDO NERO! Hätte er im Tag Team Match gegen Refuse to Age nicht gewonnen, dann wären die mit am Ring gewesen und The End hätte keine Chance gehabt. Also mal wieder, ALL HAIL KING NERO!“ Pete: „Wer weiß. Vielleicht wäre das Match anders ausgegangen, gut möglich, vielleicht aber auch nicht. Werden wir nicht wissen. Jedenfalls hat The End gewonnen und er ist weiterhin GFCW World Champion und…“ Sven: „… und er hat Onkel Sal geopfert!“ Pete: „Könnte man meinen, aber ich glaube, Salvatore Corleone ist schon sehr zufrieden damit, wie das Match lief und vor allem, dass sein Junge nach wie vor der Champ der Liga ist.“
The End hat inzwischen das Seilgeviert erreicht, betreten und sich bereits in der Ringmitte positioniert. Er schaut noch einige Sekunden durch die Galaxy, saugt die Energie und den nostalgisch-anmutenden PCWA-Flair auf, bevor er das Mikrofon zum Mund führt. Selbstverständlich hält er sich dabei wie immer mit seinen Emotionen zurück, aber er scheint etwas zu sagen zu haben und wenn der Champ spricht, dann ist auch Ruhe. … allerdings dauert es etwas, bis er tatsächlich zu sprechen beginnt. … und sogar noch länger. Und länger. Und schließlich, ist alles, was The End sagt, nichts zu sagen, sondern, stattdessen, einfach nur den Titel in die Luft zu strecken. Demonstrativ, um einmal mehr zu untermauern, dass er die GFCW ein weiteres Mal verteidigt hat. Die Menge jubelt abermals lautstark auf. Damit ergibt sich ein weiterer Moment, den The End, fast schon etwas gönnerhaft, letztendlich aber auch absolut verdient, genießt. Weniger, weil ihm der Zuspruch der Fans so guttut, als vielmehr, weil seine Position an der Spitze der Liga weiterhin unbestritten ist. Und schließlich, nachdem er auch ohne Worte gesagt hat: ‚Conquista ist vorbei, ich hab gewonnen und stehe weiterhin hier als King der Liga‘, lässt er tatsächlich Worte folgen.
The End: „Danny Rickson reiht sich in eine illustre Runde von Namen ein, derer, die mich um diesen Titel nicht besiegen konnten. GFCW-Legenden, Wrestler und Wrestlerinnen anderer Ligen, junge und aufstrebende Talente… egal wie alt du bist. Egal wo du herkommst. Und vor allem: egal, wie gut du bist… in einem, seid ihr alle gleich. Ihr trefft an mir, auf euren Meister.“
Wieder jubelt die Menge, was End jetzt schon fast als selbstverständlich hinnimmt.
The End: „Sodass sich inzwischen die Frage stellt, ob es überhaupt jemanden gibt, der im Stande ist mich zu besiegen. Und das, ihr kennt mich mittlerweile, sage ich nicht, um mich selbst darzustellen, dass ist inzwischen ein Fakt. Refuse to Age hat alles versucht und verloren. Und jetzt, sind wir wieder da, wo wir zuvor waren: ich brauche einen Herausforderer.“
Man merkt, dass End inzwischen, nachdem nun die Gefahr gebannt ist, nicht mehr gänzlich ohne Respekt in Richtung von Refuse to Age spricht – vermutlich kann er das Vorgehen der Gruppierung rund um Danny Rickson sogar irgendwie anerkennen, weil er es an deren Stelle selbst vielleicht nicht anders gemacht hätte. Doch dann… schnauft End kurz durch und es scheint, als ob die etwas arrogante Art einmal mehr einer nüchternen Betrachtungsweise der Situation weicht.
The End: „Und das bringt mich zu einer Erkenntnis, die ich mir… so ungern ich es auch tue… eingestehen muss, denn… bei Conquista war nicht nur ich es, der Refuse to Age besiegt hat. Und wären die beiden Männer, die es neben mir getan haben, nicht gewesen, dann wäre wohl nicht mal sicher, dass ich es überhaupt geschafft hätte.“
Eine Erkenntnis, die End laut ausspricht, bei der man nicht so ganz raushören kann, wie ernst er es meint – also, ein Funken Aufrichtigkeit steckt da sicher drin, denn das stimmt schon. Aber warum sollte The End das so offen zugeben?
The End: „Und das wiederum unterstreicht das, was ich seit Monaten hier predige. Seit Title Night fordere ich die Wrestler dieser Welt auf, sich mir zu stellen. Ich fordere die GFCW auf, dafür zu sorgen, sie zur besten GFCW zu machen, die es jemals gab. Bei Conquista, haben zwei Männer genau das getan. Sie haben gekämpft, dafür, dass der Titelkampf um das wichtigste Gold dieser Liga mit rechten Dingen zugeht. Und ich bin kein Narr, natürlich haben Sie darum gekämpft sich für eben dieses Gold zu empfehlen. Aber damit haben sie genau das getan, was ich von ihnen verlangt habe. Und das respektiere ich. Ich… kann weder sagen, dass ich Darragh Switzenberg vertraue, noch kann ich sagen, dass meine Beziehung zu Aldo Nero wiederhergestellt ist, aber… Ich respektiere, was sie getan haben. Und deshalb, Aldo, Darragh… … kommt zu mir, in diesen Ring… … JETZT.“
Die Ansprache an Aldo und Darragh scheint The End durchaus ernst gemeint zu haben, also, natürlich kann man das bei ihm nie so genau wissen, aber es erweckt erstmal den Eindruck. End senkt jetzt das Mikrofon und er schaut in Richtung der Stage, wartend, wer zuerst zum Ring kommt. … und zum Glück… muss er gar nicht lange warten.
Vorsichtiger Jubel beim Auftritt des dreifachten Intercontinental Champions. Darragh Switzenberg. Nach seinem 180 Grad-Wandel sind mehrere Wochen vergangen, ohne dass er The End oder jemand anderem ein Messer in den Rücken gerammt hat – und doch sind die letzten Zweifel an Switzenbergs Ehrlichkeit nicht völlig ausgeräumt. Oder sind das nur noch Paranoia? Der Kanadier trägt ein schwarzes Hemd, das von der Brust aufwärts offengelassen wird und seinen Adoniskörper präsentiert. Doch die Physis Switzenbergs ist nicht das Entscheidende an seinem Auftritt. Sondern, dass er The End respektvoll zunickt. Vielleicht mit einer Spur Dankbarkeit.
Darragh Switzenberg: „Es ist noch Neuland für mich, aber zum ersten Mal in meiner GFCW-Karriere kann ich ganz ohne ironischen Unterton sagen: Gern geschehen.“
Er sucht den Blick des Champions. Des Mannes, der ihn herausgerufen hat. Dann legt Darragh mit großen Schritten die Distanz zum Ring zurück.
Darragh Switzenberg: „Ich danke dir für die anerkennenden Worte. Doch noch mehr Danke ich dir, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast. Und zwar die, mir Vertrauen zu schenken. Ich weiß nicht, ob ich das verdient habe, aber es hat sich gut angefühlt. Wie das Fundament für einen Neuanfang.“ Sven: „Hat Darragh vor seinem Abgang eigentlich einen Kopftreffer kassiert? Oder wie ist das zu erklären? Diese…diese…mir fehlen die Worte. Furchtbar.“ Darragh Switzenberg: „Doch nicht nur dir habe ich zu danken, sondern auch dem Mann, der sogar Schulter an Schulter mit mir am Ring stand. Und ohne den ich meinen Auftrag auch nicht hätte erfüllen können. Ohne…“
Und da ist er auch schon.
Sven: „Diese Ausgabe von War Evening ist soeben unvergesslich geworden! ALDO NEROOO ist da!!!“ Ja, das ist er. Wirkt er glücklich? Nicht wirklich. Wirkt er sauer? Auch nicht unbedingt, aber von der Tendenz eher angespannt als locker; eher negativ gestimmt als positiv. Und der Grund dafür dürfte sein, dass The End bei Conquista eben doch nicht durchweg Rücksicht auf Salvatore Corleone genommen hat. Bisher scheint Aldo sich aber mit einer direkten Ansprache eben dieses Umstands zurückgehalten haben. Bis jetzt. Andererseits… hat Aldo ja ähnlich gehandelt, wenn auch da Überzeugungsarbeit nötig war. Das Publikum weiß inzwischen gar nicht so richtig, wie es auf Aldo reagieren soll, vor allem hier in Deutschland. Auch da gibt es allerdings eine Tendenz, die in eine positive Richtung geht. Zumindest hört man doch mehr Jubel als Buh-Rufe. Aldo steuert nun also auch zum Ring, er betritt diesen und wirft Darragh Switzenberg einen skeptisch-anerkennenden Blick zu, während er bei End erstmal auf Distanz bleibt. Was The End erwidert.
The End: „Vielen Dank, meine Herren.“
Aus dieser Begrüßung hört man dann doch fast schon den Corleone heraus.
The End: „Ich… denke, ich muss nicht groß herumreden. Ihr habt für mich gekämpft, ob ihr es nun so seht oder nicht.“
Womit End auf Aldo anspielt, der, laut eigener Aussage für Sal gekämpft hat.
The End: „Und ihr habt gewonnen. Das bedeutet jetzt… bin ich dran, mich für diesen Gefallen zu bedanken.“
Sowohl Aldo als auch Darragh schauen gespannt zu End. Es dürfte offensichtlich sein, wie dieses Dankeschön aussehen könnte und doch, ist es gar nicht offensichtlich.
The End: „Und wie könnte ich es besser tun… als mit einem Titelmatch?“
Die Fans jubeln wieder auf, da sie hier ein spannendes Match-Up wittern. End gegen Aldo III? (Streng genommen ja IV) End Vs. Darragh? Anschließend läuft The End langsam in Richtung Aldo, um vor ihm stehen zu bleiben. Er schaut seinem Quasi-Bruder in die Augen, als wolle er ihn und seine Gedanken lesen, doch Aldo gibt sein Bestes diese so gut es geht zu verbergen.
The End: „Nun, Aldo. Was denkst du, dass ich tun sollte? Schließlich warst du es, der das Match gewonnen hat. Also sollte es klar sein, dass dieses Titelmatch an dich geht, oder?“
Und wieder hört man den Corleone heraus und so langsam scheint sich auch ein Bild zu ergeben, was End hier vor hat… will er Unheil zwischen Aldo und Darragh schaffen? End wendet seinen Kopf zu Switzenberg, als wolle er bei ihm weitermachen, doch dazu bekommt er gar nicht so leicht die Chance.
Aldo Nero: „Wenn du willst, dass ich um das Titelmatch bettle, dann hast du dich aber geschnitten. Wie du schon sagst… ich werde es mir verdienen, was auch immer dafür nötig ist. Wobei „deinen Arsch zu retten“ meiner Meinung nach ein guter Anfang ist.“
End dreht sich schlagartig wieder zu Aldo um, der für diesen Konter nun doch lautstarken Jubel erhält. Eine Reaktion, mit der er erstmal klarkommen muss. End wirkt kurz schockiert, muss dann aber wieder schmunzeln, mit einem Blick aus einer Mischung aus Anerkennung, für die gute Reaktion und auch einer leichten Spur von Unbehagen, darüber, dass Aldo so forsch geworden ist… und das ganz ohne James Corleone. Egal, er macht trotzdem erstmal bei Darragh weiter.
The End: „Du hast recht, du hast mir meinen Arsch gerettet… wobei, naja, um genau zu sein, hast DU ja nicht für MICH gekämpft, richtig? Du hast für Onkel Sal gekämpft. Wer allerdings tatsächlich für MICH gekämpft hat, tja, auf wessen Mist diese ganze Sache überhaupt gewachsen ist… das ist… Darragh Switzenberg. Neuer Herausforderer Nummer 1?“
End steht nun vor Switzenberg, der bisher den wenigsten Jubel und folglich auch die verhaltendenste Reaktionen bekommen hat. Und als jetzt End die Möglichkeit in den Raum stellt, Switzenbergs Ansprüche über die von End zu stellen, kommt nicht nur von Sven ein Grummeln. Auch die Halle hadert. Doch zur Überraschung (fast) aller hebt Switzenberg beschwichtigend die Hand.
Darragh Switzenberg: „Ich habe für dich gekämpft, stimmt. Aber ich verlange keinen Heiligenschein dafür. Denn ebensosehr habe ich für mich selbst gekämpft. Für die neue Version von Darragh Switzenberg.“
Und das sagt er nicht ohne Stolz. Ein Blick ins Publikum verrät gemischte Reaktion. Ein Teil hat Switzenberg noch nicht verziehen, wer er jahrelang war. Der andere Teil jedoch applaudiert für die GFCW’sche Variante vom Saulus zum Paulus.
Darragh Switzenberg: „Doch das Ergebnis ist dasselbe, denke ich. Du hast profitiert. Ich habe profitiert. Welche Konsequenzen du daraus ziehst, kannst nur du entscheiden…“
Mit einem Lächeln fügt er etwas an, was ihm sonst nie über die Lippen gekommen wäre.
Darragh Switzenberg: „…Champion.“
Mit einem Stöhnen wirft sich Sven in den Sessel zurück und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Darragh Switzenberg: „Ich akzeptiere, was auch immer du entscheiden wirst.“
End schaut prüfend zu Switzenberg, bevor er wieder zu Aldo guckt. Es wirkt, als hätte er sich von beiden eine Art Plädoyer einholen wollen, warum ausgerechnet sie das Titelmatch bekommen sollten. Aldos Antwort fiel knapp, aber bestimmt aus, auch Darragh hat einen guten Punkt gemacht, dementsprechend schwer dürfte End die Entscheidung fallen. Allerdings… ist die ja schon längst gefallen.
The End: „Nun, denn. Was soll die große Scharade, es liegt doch auf der Hand, wie wir dieses Problem lösen. Egal, wie ich zu euch stehe, egal, was so vorgefallen ist: Fakt ist, ihr habt mir BEIDE den ‚Arsch gerettet‘ und da ich es immer wieder fordere, die Initiative zu ergreifen, mich um diesen Titel herauszufordern und ihr dem Beide nachgegangen seid… sollt ihr auch beide die Chance bekommen, das zu tun. Also… wäre es das sinnvollste… wenn du Aldo, gegen dich Darragh antrittst und der Sieger… … bekommt das Titelmatch.“
Das dürfte die offensichtlichste Option gewesen sein und siehe da, genau das tritt ein. Die Menge scheint es zu freuen und auch Aldo und Darragh dürften das bereits erwartet haben. Dementsprechend laufen nun beide aufeinander zu, um sich bereits dafür vorzubereiten, was sie erwarten wird. Aldo Vs. Darragh. Herausforderer Nummer 1. Und der Sieger geht geg…
The End: „Allerdings… wen kümmert schon, der Sinn? Denn nachdem ihr nun getan habt, was ich von euch verlangt habe, ist es meine Zeit meinen Worten Taten folgen zu lassen. Ich bin der Champion dieser Liga, ich suche den Kampf und ich werde mich garantiert nicht mit dem zufrieden geben, was auch immer nach eurem Match noch vom Sieger übrig ist. Und deshalb, es ist ja auch nicht das erste Mal in meiner Regentschaft… … kämpfe ich gegen euch beide. Three. Way. Dance.“
Nun explodiert die Halle. End wirft das Mikrofon locker und lässig weg, bevor er den Ring verlässt, ohne auch nur eine Reaktion abzuwarten, die tatsächlich sehr spannend ist. Sowohl Aldo, als auch Darragh wirken… irritiert? Das bedeutet, sie bekommen beide das Titelmatch garantiert, aber ist das nicht… aus Ends Perspektive… doof? Er riskiert abermals das Gold zu verlieren, ohne gepinnt zu werden. Bei Monica Shade und Stella Nova ging das noch gut aus, aber das muss es deshalb doch nicht wieder tun? Der einzige, der mit dieser Entscheidung vollständig zu frieden zu sein scheint, ist The End, der hat sogar ein morbides Lächeln auf den Lippen. Warum, wieso, weshalb. Was er sich dabei gedacht hat und ob dahinter nicht doch irgendein finsterer Plan steckt… tja, das können wir aktuell nicht sagen. Wir wissen nur, dass Blue Blood ein GFCW World Title Match hat.
Aldo Nero. Darragh Switzenberg. The End. GFCW World Championship.
Der Präsident wendet sich vom Monitor ab, auf dem soeben die Szenen aus dem Ring ausfaden. Aldo Nero, Darragh Switzenberg, The End. Blue Blood hat seinen Main Event. Und das ganz, ohne dass Claude Booker einen Handschlag tun musste. Wie dem Obersten dieser End’sche Alleingang gefällt, ist aus seiner steifen Miene nicht ablesbar. Missfallen ist jedoch nicht zu entdecken. Er bleibt ruhig und tut es mit einem Nicken ab. Ein Problem weniger, um welches er sich kümmern muss. Denn davon hat er wahrlich genug. Und das nicht nur, weil sein Fleisch und Blut – sein böser Bruder – von den metaphorischen Toten auferstanden ist. Die Implikationen dessen, was das bedeuten könnte, lassen einen Schauer über seinen Rücken laufen. Vielleicht ganz gut, wenn sich der Main Event dann von selbst aufsteht. Booker ist gerade dabei, sich herumzudrehen und zurück in sein Büro zu marschieren, als hinter ihm das Getrampel schneller Schritte näherkommt. Er wendet den Kopf und sieht einen aufgebrachten Hollywood Jake, dessen Pelzmantel angesichts seiner Laufgeschwindigkeit wie im Wind flattert.
Hollywood Jake: „Ein unwürdiger Main Event für Blue Blood!“
Mit der universellen Empörungshaltung – die Arme in die Hüften gestemmt – steht Jake da und fixiert seinen Vorgesetzten. Viel Respekt für Autoritäten ist da nicht abzulesen. Und so verengt Dynamite seine Augen.
Claude Booker: „Ich glaube nicht, dass deine Meinung eine Rolle spielt, Jake. Hätte ich selbst einen Herausforderer suchen müssen, wäre meine Wahl wahrscheinlich auch auf Aldo und Darragh gefallen. Was also treibt dich dazu, mich von meiner Arbeit abzuhalten, hm?“
Er schaut seinen Angestellten von oben bis unten an. Doch Jake schürzt nur die Lippen. Er hat nicht vor, von seiner Meinung abzukommen.
Hollywood Jake: „Diesem Main Event fehlt Unsterblichkeit.“
Diese Aussage bringt selbst den Präsidenten dazu, das Pokerface zu verlieren und für einen kurzen Augenblick eine Spur Spott aufs Gesicht zu zaubern.
Claude Booker: „Die Unsterblichkeit von Refuse to Age?“ Hollywood Jake: „Exakt.“ Claude Booker: „Die bei Conquista zwei Matches hatten und zweimal verloren?“ Hollywood Jake: „Aber das…- “
Mit erhobener Hand bringt Booker den aufgebrachten Youngster zum Schweigen. Jake bleiben die Worte im Hals stecken.
Claude Booker: „Nichts aber, Jake. Ihr seid ein großes Risiko gegangen. Habt Shelly Nafe aus der Liga genommen. Beinahe auch Iray.“ Hollywood Jake: „Was für alle eine gute Sache gewesen wäre.“
Ein Einwurf, den Dynamite überhört.
Claude Booker: „Dann versucht ihr, einen Unbeteiligten in seinem eigenen Zuhause zu überfallen, um ein Titlematch von The End zu erpressen.“ Hollywood Jake: „Er ist kein Unbeteiligter.“ Claude Booker: „Er ist ein älterer Herr, der nicht als Aktiver bei dieser Liga unter Vertrag steht. Und ihr habt ihn reingezogen. Wenn ihr so hoch pokert…“
Die Stimme des Präsidenten ist schneidend, ohne jede Spur von Humor oder Nachgiebigkeit. So autoritär kommt Booker selten rüber. Jake macht gar einen Schritt zurück, als wäre er vor eine Wand gelaufen.
Claude Booker: „…dann solltet ihr im Ring besser performen. Sonst gibt es keinen Freifahrtsschein. Und aus genau diesem Grund ist Refuse to Age vom Blue Blood-Main Event sehr weit entfernt.“ Hollywood Jake: „Aber…“ Claude Booker: „Noch ein „Aber“ und ich booke dich in zwei Wochen gegen Iray.“
Der Riesaer beißt sich so fest auf die Lippen, dass die Farbe entweicht. Jakes Nasenlöcher weiten sich, als er wütend ausatmet. Sein Präsident ist noch nicht fertig mit der Ansage. Er macht nun nicht nur verbal, sondern auch wortwörtlich einen Schritt auf den Wrestler zu – und bringt diesen dazu, noch mehr zurückzuweichen.
Claude Booker: „Freu dich, dass ich für dich, deinen Kumpanen und deinen Chef schon eine andere Position vorgesehen habe.“
Da gehen die Augenbrauen Jakes vor Überraschung nach oben.
Claude Booker: „Als Probegegner von unseren PPV-Main Eventern.“ Hollywood Jake: „Ab…“
Er beißt sich auf die Zunge und würgt das Wort herunter.
Hollywood Jake: „…ok? Und was heißt das?“ Claude Booker: „Wir haben in zwei Wochen ein Match. 6-Man-Tag-Team-Match. Refuse to Age gegen Aldo Nero, Darragh Switzenberg und The End.“
Eine Ansetzung, die Jakes Gesichtshaut rot anlaufen lässt. Weil ihn ihm ein „Aber“ aufgestaut ist und es nicht rausdarf.
Claude Booker: „Viel Spaß bei eurer Vorbereitung. Ich sehe euch in zwei Wochen.“
Bevor es Zeit für das Tag Team Titelmatch und somit dem Main Event der Show ist, wird in den Backstagebereich geschalten und man sieht einen humpelnden Zereo Killer, der den halben Kopf aufgrund der Platzwunde einbandagiert hat. Das war definitiv ein Abend, wie er ihn sich nicht vorgestellt hat. Leise, ohne dass er gesehen wird, hinkt er von dannen und verlässt das PCWA Theatre. Als er beim Ausgang angekommen ist, hört er eine Stimme.
Azrael Rage: „Unglaublich. Dieses Ende war ja absolut unvorhersehbar.“
Früher hätte er sich in diesen Momenten noch eine Zigarre angezündet, aber die Wrestlinglegende hat sich aufgrund gesundheitlicher Strapazen dieses Manko abgewöhnt.
Azrael Rage: „Bist du wirklich derart grenzdebil, dass du dachtest, das könnte gut ausgehen? Fassen wir mal zusammen – Du bist nicht in deiner Prime, bist angeschlagen, verzweifelt und scheinbar auch nicht das hellste Licht im Kronleuchter. Wie hätte das gut ausgehen können für dich?“
Verächtlich spuckt er aus.
Azrael Rage: „Die Menschen haben mich immer größenwahnsinnig genannt. Aber du? Du sprengst die Skala. Also… Held… sag mir, und wir tun mal einen Moment so als ob mich dein Wohlergehen interessieren würde. Wie hast du dir den Ausgang dieses Szenarios, wo du einer Zähnefletschenden Übermacht, komplett in allem unterlegen, entgegenstellst, vorgestellt?
MacKenzie dreht sich nicht zu Rage um, wischt sich über die Kopfbandage, aus der das Blut beinahe hervorquillt. Resignierend und verärgert antwortet er.
Zereo Killer: „Manchmal macht man nicht sehr schlaue Dinge, verstehst du, Rage? Manchmal versucht man, Dinge grade zu rücken, auch wenn man selbst weiß, dass man es alleine nicht schaffen kann! Ich habe alles gegeben gegen diese Übermacht! Deine Worte helfen echt nicht weiter jetzt, okay. Also, was willst du von mir hören? Was soll ich sagen? Es kann so mit The Apocrypha nicht weitergehen.“
Langsam dreht sich der Kalifornier um. Die Blicke treffen sich abermals. Rage versucht ernst zu bleiben, aber er muss kichern. Fällt er aus der typischen Rolle? Mitnichten.
Azrael Rage: „Ich glaube du hast schon einen Hirnschaden davongetragen? Das ist die Lösung?“
Er äfft die Stimme von Zereo nach.
Azrael Rage: „So kann es nicht weitergehen.“
Dann umspielt seine Lippen sein Haifischartiges Grinsen.
Azrael Rage: „Rette sie alle und verbrenn in deiner Unfähigkeit. Das ist keine Lösung. Das ist ein Selbstmordkommando. Es gibt so viel einfachere Wege, wenn du verprügelt werden willst und das nicht in jedem Youtube Feed sehen möchtest. Nein, das ist wahrlich kein Plan, nicht einmal ein Hauch davon. Das ist Kim Jong Un gegen seine Exfrau, um dir mal die Dimension deiner Position zu verdeutlichen. Zereo… Held… Idiot… Du bist allein… Mutterseelenallein.“
Ein, zwei Schritte geht Zereo Killer auf Azrael Rage zu.
Zereo Killer: „… du hast Recht… alleine schaffe ich das nicht… Azrael Rage, zeig du der Welt, dass…“
MacKenzie will den Arm in Richtung seines Gesprächspartners ausstrecken.
Abermals, fast verächtlich, winkt Rage wie in ihrem ersten Gespräch ab.
Azrael Rage: „Lass den Scheiß. Ich werde sicherlich nicht für deine verlorene Sache kämpfen. Mitnichten werde ich dir beistehen oder gar dein Obi Wan werden. Ich bin eigentlich nur gekommen, weil ich vorhin einen Funken Respekt für dich entdeckt habe und dir einen Ratschlag geben wollte. Wrestling hat seine eigenen Regeln… und ich meine nicht die Regeln des Ringrichters. Es ist wie Schach. Aber ohne Strategie wird es wieder so enden, wie heute Abend.“
Zereo könnte antworten, aber er tut es nicht. Was meint Rage damit? Was übersieht er hier? Spielen seine Gegner Schach, während er Basketball spielt? Darüber wird er nachdenken müssen. Zum Abschied sieht er den einstige Rekord Gerasy nur von dannen ziehen.
Azrael Rage: „Es war – wie immer – eine Freude.“
Der niedergeschlagene Kalifornier winkt seinen abwandernden Gesprächspartner hinterher. Die Worte, die er nun von sich gibt, hört Rage nicht mehr.
Zereo Killer: „Ja, ads Wrestling hat tatsächlich seine eigenen Regeln, genauso ist es auch mit einem Rücktritt vom Wrestling. Das zeigte die Vergangenheit in unserem großartigen Sport schon zu oft.“
Dann wird die Szene beendet.
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