Licht aus, Spot an – also Spotlight genau auf die Stelle, an der „The Aion“ Miria Saionji durch den Vorhang geschritten kommt. Dieses Mal nicht extra konzentriert, denn heute gibt es ein Match im Stahlkäfig, was unweigerlich bedeutet, dass heute niemand im Dunklen zum Ring schleichen muss, um ihr im entscheidenden Moment zu helfen, so wie es beim ersten Aufeinandertreffen mit Kyle Douglas der Fall gewesen ist. Beunruhigt wirkt Miss Eternity aber nicht darüber, dass sie sich Kyle heute allein stellen muss, ihr Auftreten ist so wie man es kennt: Wunderschön doch unheimlich, sanft und doch kalt, ein gleichermaßen einladendes wie abfälliges Lächeln auf den Lippen und ein Blick der Erhabenheit in ihren tiefblauen Augen. Wie sie zum Ring schreitet blickt die Schwarzmähnige mit em leicht mittig gescheitelten Pony und dem innenseitig blondierten Haar in die Reihen der Fans, die ihr zum Großteil nicht zwingend gewogen, aber doch fasziniert von ihr sind. Langsamen Schrittes erreicht die Barfüßige im schlichten wie eleganten und vor allem ringtauglichen, weißen Minidress den Ring und blickt empor zum Stahlkäfig, der noch da oben hängt und der sich gleich senken wird, wenn Kyle Douglas sich zu ihr in den Ring gesellt hat.



Da steht er, Ein Mann wie ein griechischer Gott. Breites Kreuz und athletisch ohne Ende. Langsamen Schrittes geht er zum Ring. Entschlossen ist der Blick des Kanadiers, der sich heute auf eine extrem harte Prüfung einstellen muss. Ohne viel TamTam ist der Mann aus Vancouver dann auch im Ring angekommen und wird läuft alle vier Ecken ab, um seine Sympathie mit dem italienischen Fanvolk zu demonstrieren. Dann schnauft er einmal durch und es kann losgehen.

Es ist soweit: der Käfig senkt sich, dann gibt es nur noch einen Weg, um zu entkommen: über den Käfigrand hinaus zu klettern. Sicherlich, es ist eine Tür in das erbarmungslose Konstrukt aus Stahl eingebaut, doch diese ist medizinischen Notfällen vorbehalten. Will man dem Käfig entkommen, heißt es klettern. Doch Kyle Douglas will nicht klettern, er will Miria besiegen, im Ring, Eins, Zwei und Drei. Miria hat angekündigt dasselbe zu beabsichtigen – sie will Kyle seinen „Unpinnable“ Status wegnehmen. Einfach weil sie es kann und Kyle sie genervt hat.

Doch kann sie es tatsächlich?

Bisher mag Miria Saionji jedes einzelne ihrer Matches gewonnen haben und das ligenübergreifend – aber sie hatte auch noch nie ein Match im Stahlkäfig und schon gar nicht gegen einen Gegner, der so deutlich größer und schwerer ist als sie selbst. Auch wenn sie im ersten Match hier und da etwas Schwäche vorgespielt haben mag, um Kyle in die Falle zu lullen, ihre 1,64 an Körpergröße und sportlich-schlanke Figur sind physikalisch nichts, vor dem sich der verhinderte Olympionike Kyle Douglas mit seinen 1,93 und seinen 117 Kilo fürchten müsste.

Es wirkt fast etwas unwirklich, dass Kyle in diesem Match der Gute und Miria die Böse ist, rein physikalisch betrachtet und doch ist es so. Seit Tag 1 an als Miria Saionji sich listig ins Casting der LPG eingeschleust hat, hat sich Miria bei höchst unbeliebten Leuten wie Aiden Rotari und Darragh Switzenberg eingeschmeichelt und immer wieder auf hinterlistige Weise Matches gewonnen oder die Matches anderer beeinflusst. Aus Fansicht soll es dafür heute endlich mal eine Quittung geben.


Singles Match:

Miria Saionji vs. Kyle Douglas

Referee: Bob Taylor

Und zu nächst sieht es gut aus.

Im Lock Up kann sich Kyle Douglas mühelos durchsetzen, er kann Miria mit nur einem Arm zu Boden schicken, ehe er sie umklammert, anhebt, auf die Matte klatscht, in einen Side Headlock nimmt, wieder hoch zwingt und dann per Headlock Takedown wieder auf die Matte klatscht ohne den Headlock dabei zu lösen. Natürrlich versucht Miria nun aus dieser Position ihre Bein- und Fußpartie zur Headscissor um Kyles Kopf zu schlingen, doch was für viele von Mirias „Followern“ ein absoluter Wunschtraum ist, lässt Kyle nicht mit sich machen, er weiß genau, wie er sich wegdrehen muss, um den Druck aufrecht zu erhalten und gleichzeitig dem Kontergriff zu entgehen.

Was also tun aus Sicht von Miria?

Die Ringseile sind zwar da, aber in sie zu greifen bringt ca. gar nichts. Bob Taylor ist nur dazu da, um Pinfalls zu zählen oder eine Aufgabe zu registrieren, Rope Break gibt es nicht, ebenso wenig wie eine Disqualifikation. Ergo gilt es sich zu winden, bis die Position zumindest ein paar Elbows zulässt – doch mit einem raschen Umgriff hat Kyle Miria immer noch mit einem Arm im Headlock und blockt mit dem anderen Arm den Elbow, was es ihm nun erlaubt Mirias Arm zu verdrehen und noch ein Umgriff später segelt Miria per Side Hand & Arm Suplex durch den Ring.

Den Fans gefällt dieses bisher so einseitige Match und dass Miria nun auf den Beinen sitzend um ein Timeout bittet sorgt zusätzlich für höhnisches Gelächter – bis Mirias Faust nach vorne schnellt und auf Kyles Weichteile zielt.

Volltreffer! Voll in die Eier!

Miria lächelt… für ein paar Sekunden, dann erlischt ihr Lächeln. Irgendetwas stimmt nicht und Kyle Douglas sieht auch nicht so aus, als ob er Schmerzen hätte. Zumindest keine allzu großen. Und dann dämmert es Miria: Kyle hat in weiser Voraussicht einen schützenden Schoner über seine Weichteile gestülpt. Das mag etwas unangenehm sein und seine Motorik geringfügig beeinflussen, doch die Absicherung gegen genau das hier ist die leichte Einschränkung durch das zusätzliche Kleidungsstück absolut wert. Die Fans lassen bereits gehässige Rufe laut werden, dass Miria es vermasselt habe und Sekunden später hat Kyle sie unter dem Arm und wirft sie per Gut Wrench Suplex auf die Matte.

Und noch einer.

Und ein Dritter, aller guten Dinge sind bekanntlich drei.

Ein erstes Cover folgt auch, doch wie um zu zeigen, dass es so einfach nun auch nicht geht, reißt Miria die Schulter schon vor dem One Count wieder hoch. Zäh ist sie, das hat sie schon mehrfach angedeutet. Doch die technische Finesse und körperliche Übermacht von Kyle Douglas eröffnen ihr im Moment keine Chance für einen guten Gegenangriff und so versucht sie erst einmal Distanz zwischen sich und den Mann aus Vancouver zu kriegen – was dieser aber nicht so einfach zulässt. Er bleibt an ihr dran, Waistlock und German Suplex in die Brücke:

Eins! Zwei! Kick Out!

Miria hat auch hier durchaus versucht frühzeitig raus zu kommen, aber früher ging es nicht und so gilt es aus Sicht von Miss Eternity aufzuatmen, dass sie überhaupt aus dem Cover rausgekommen ist. Nicht, dass sie je daran gezweifelt hätte. Kyle Douglas wiederum muss nicht großartig durchatmen, Miria herumzuwerfen ist für ihn nicht gerade allzu schwierig und kaum anstrengender als eine Aufwärmübung vor einer Trainingssession. Das ändert sich etwas als Miria ihn plötzlich von unten umklammert und ihren Kopf freiwillig unter seinen Arm stopft – Ansatz zum Teardrop Suplex!

Für einen Augenblick wird Kyle tatsächlich angehoben, dann jedoch verlagert er sein Gewicht und Miria kriegt ihn doch nicht hoch. Mehr noch: es gibt ein paar Elbows auf den Hinterkopf. Nicht die härtesten Elbows, die je ge-elbowt wurde, Kyle ist Ringer und kein Muay Thai Meister, aber es reicht, dass sich Miria den schmerzenden Schädel reiben muss. So toll ihr Haar auch ist, ein Hairbag, welcher den Kopf komplett vor Erschütterung schützt, ist es dann auch wieder nicht.


Eye Poke!


Die erste gelungene Aktion von Miria in diesem Match und sie illustriert, warum die Fans den großen Mann bejubeln und nicht den physikalischen Underdog. Kyle Douglas reibt sich die Augen und Miria ergreift die Chance: sie sprintet zu den Seilen, erklimmt erst diese und dann beginnt sie den Käfig zu erklimmen. Ihr Interesse Kyle Douglas unbedingt den „Unpinnable“ Status zu entreißen ist sichtlich abgeflaut. Sollte sie hier fliehen können, sie würde es machen, kein Zweifel.

Aber Kyle ist nur kurzfristig geblendet und nimmt die Verfolgung auf. Es wäre einfach genug Miria am mehr als bodenlangen Haar zu packen und so den Aufstieg zu verhindern, aber so eine dreckige Taktik hat Kyle nicht nötig. Kein Grund den Fans einen Anlass zu geben Sympathien für Miria zu entwickeln. Stattdessen wuchtet er sich selbst die Seile hoch und umklammert Miria von hinten:


German Superplex!


Aber nein! Miria steht die Aktion und nutzt den Schwung, um in die Seile zu federn und aus dem Lauf einen Crossbody zu springen! Gut gedacht, aber Kyle fängt sie locker ab und wo er sie schon mal in Armen hält blickt er vielsagend gen Käfiggitter. Die Fans freuen sich schon auf das was folgt. Kyle schleudert Miria mit Wucht gegen den Käfig, das es scheppert! Danach steigt er auf die nächstbeste Ringecke, zieht die zu Boden geplatschte Miria hoch und setzt an zur nächsten High Impact Aktion:


Belly to Belly Superplex!


Cover:

Eins.

Zwei.

DrNEIN!

Wie schon festgehalten: zäh ist Miria, das ist ein Fakt und keine Lüge. Und so sehr sie auch leichte Siege bevorzugt und sich nicht anstrengen will, so hat sie doch genug Sportsgeist nicht absichtlich verlieren zu wollen, sie hat also auch gute Eigenschaften, abgesehen von ihrem Aussehen. Obgleich man diesen Unwillen zu verlieren auch einfach ihrem Ego zuschreiben kann – aber das braucht es im sportlichen Wettkampf für gewöhnlich und ist daher nun auch nicht zwingend negativ. Auch Kyle Douglas hat ein Ego, so ist es ja nicht – sich als größten Namen zu bezeichnen, gegen den Miria bisher im Ring war, wenn Monica Shade direkt danebensteht ist definitiv ne Ego Aktion, die noch Folgen haben könnte, selbst wenn Robert Breads es dieser Tage egal sein dürfte, dass sich Kyle Douglas vom Name Value her über ihn gestellt hat.

Kyle hat nun auf jeden Fall das richtige Gefühl, dass Miria eigentlich fast besiegt sein muss und die nächste große Aktion die Entscheidung bringen sollte – besonders so es der Gold Rush ist! Doch als er diesen zeigen will kommt Miria frei und landet hinter ihm, was sie nutzt, um sogleich einen deftigen Forearm in Kyles Rücken abzulassen, um nach dem schmerzhaften Zucken prompt in einen Abdominal Stretch überzugehen! Auf der Kante zur Niederlage kämpft sich Miria ins Match zurück und landet ihre ersten legitimen Aktionen im Match!

Und nun im Griff der Ewigen arbeitet Kyles Größe und Gewicht unweigerlich gegen ihn, da Miria ihn doch recht übel verdreht. Nicht, dass sie die Aktion gegen Kyles Kraft und Technik lange aufrecht erhalten könnte, aber das hat Kyle gespürt und ist ein Anfang. Ein Pump Kick an den Hinterkopf des knienden Kanadiers landet den ersten härteren Treffer, dann umklammert sie ihn von hinten zum German Suplex. Das kann eigentlich nicht funktionieren und es funktioniert auch nicht, doch das ist einkalkuliert von Miria, die darauf wartet, dass Kyle sich mit Elbows aus dem Klammergriff winden will, was auch passiert – dann greift sie zu und nutzt Kyles Momentum gegen diesen!


Overhead Belly to Belly Suplex!


Nicht der sauberste Overhead Belly to Belly, der je ausgeführt wurde, doch das macht die Landung für Kyle nur umso heftiger. Am Ende ist er selbst mit abgesprungen, als er gemerkt hat, dass er den Suplex nicht verhindern kann und das ist gut so, denn nur so konnte er überhaupt noch halbwegs kontrolliert stürzen und es vermeiden ganz übel aufzukommen. Sehr zum Ärgernis von Miria, die vom zweiten Ringseil aus einen Double Foot Stomp auf den Arm springt, den T’n’B Kyle gebrochen hatten – die Aktion verfehlt ihre Wirkung nicht und sei es auch nur, dass dieser Schockmoment des Bruchs noch nicht lange her ist und dieser neuerliche Schmerz im Arm die Gedanken unweigerlich in Alarmbereitschaft versetzt.

Auch die Fans sind alarmiert – das Match ist gekippt und keiner weiß wie genau das passiert ist.

Kyle Douglas war so dominant, doch mit einem einzigen gelungenen Konter ist Miria plötzlich am Drücker statt besiegt zu sein. Während Kyle sich noch den Arm hält und vergewissert, dass nichts Schlimmeres passiert ist, wartet Miria geduldig, dass sich Kyle erhebt und dann setzt es einen Shotgun Dropkick in den Rücken, der Kyle nach vorn stolpern lässt und vorn sind die Seile – abermals muss Kyle genau aufpassen, wie er stürzt, um eine Verletzung zu vermeiden und als er sich erhebt, merkt er, dass er frontal vor dem Käfig steht. Ein weiterer Dropkick in seinen Rücken lässt ihn dagegen krachen und dann ist Miria auch schon hinter ihm, steht auf dem zweiten Ringseil und hat ihn am Kopf gepackt, um ihn mit dem Gesicht voran in den Stahl zu schmettern.

Aber Kyle blockt – ein Mal, dann zwei Mal und gerade als Miria realisiert, dass dies nichts wird, ist Kyle mit einer technisch brillanten Bewegung frei und hat selber Miria am Kopf gepackt. Kurz überlegt er, ob er die Wunderschöne nun tatsächlich ins Gitter hauen soll, doch die Überlegung währt nicht lange. Frontal geht es für Miria gegen den Stahl und unter ihrem schwarzen Pony beginnt sich die Farbe rot einzumischen. Und nur um sicherzugehen, dass es auch genug davon gibt, lässt Kyle sie noch mal frontal ins Gitter scheppern!

Miria sackt zusammen und die Fans rufen „One More Time“, wovon sich Kyle mitreißen lässt – ein Fehler.

Als er Miria erneut packen will, packt diese zu, dreht seinen Arm ins Seil und macht dann eine üble Drehbewegung! Kyle schreit auf und fällt durch die Seile in den Ring zurück! Hat Miria ihm gerade den Arm erneut gebrochen?! Die Sorge ist da und Miria lächelt bösartig. Das Blut läuft ihr Gesicht herunter und lässt sie so nur umso diabolischer wirken. Jetzt hat sie Kyle Douglas da, wo sie ihn haben wollte und sie nimmt die Verfolgung auf, tritt ihm abermals gegen den Arm, dann greift sie zu in den Butterfly und setzt zur Körperschere an:


Leech!


Ein Sieg durch Aufgabe würde Kyles „Unpinnable“ Status auch aufrecht erhalten, aber natürlich will er nicht aufgeben. Aber nur weil er nicht will, heißt das ja nicht, dass er nicht muss. Die verdrehten Arme sind übel und sein Nacken wird auch heftig überdehnt. Wenn er freikommen will, dann muss er schnell freikommen und dass er überhaupt freikommen kann hat er seinem Plus an Körperlichkeit zu verdanken, das ihm einen kurzen Spurt mit Sturz durch die Seil erlaubt, der Miria ins Käfiggitter krachen lässt!

Damit ist die Gefahr vorüber – vorerst.

Kyle kehrt in den Ring zurück und schüttelt den schmerzenden Arm aus. Scheiße schmerzt das Ding. Aber erneut angeknackst ist er wohl nicht. Auch die Bänder und Muskeln scheinen noch an einem Stück zu sein. „Noch“ ist das große Wort hier. Er darf Miria nicht noch so eine Aktion erlauben. Und so packt er diese und hievt sie per Vertical Suplex zurück in den Ring! Miria kracht auf die Matte, Cover, 2 Count. Aber das Cover war eigentlich eh nur ein Vorwand, um zur Kylemission anzusetzen – doch nicht zuletzt dank diesem verdammten schmerzenden Arm kann er nicht richtig zupacken und Miria entkommt… und sie entkommt nicht nur, sondern verdreht die Arme von Kyle erneut und platziert das Knie vor ihm – Ansatz zur Decadence! Der Double Arm Basement Codebreaker bleibt aber im Ansatz stecken, Kyle windet sich raus und will das Ganze zum Pump Handle Slam umkehren. Aber Miria dreht die Aktion wieder um und vollführt einen Double Knee Armbreaker!

Kyle windet sich und Miria… dreht sich um und beginnt den Käfig zu erklimmen.

Sie hätte nachsetzen können.

Sie hätte nachsetzen sollen.

Aber Miria ist nun einmal Miria und entgegen ihrer Ankündigung Kyle Douglas seinen Unpinnable Status nehmen zu wollen, wählt sie sie nun die leichte Methode, um zu siegen. Und das ist ein Fehler. Kyle schlägt nämlich mit dem schmerzenden Arm auf den Ring und powert sich hoch. Auf keinen Fall lässt er sich hier unterkriegen. Und wenn sein Arm tatsächlich eh schon wieder gebrochen sein sollte, ist es jetzt auch egal.

Kyle erhebt sich, sieht Miria klettern und sein Fokus ist nicht länger auf seinem schmerzenden Arm, sondern allein auf der kletternden Miria. Dann nimmt er Anlauf, schnellt die Seile hoch und greift zu. Genau als Miria beginnt über die Kante des Käfigs zu klettern ist er da und die vorgebeugte Position von Miss Eternity ist genau das, was Kyle braucht:

Ansatz zum Gold Rush!

Miria hält sich mit aller Macht am Käfig fest, sie hat doch quasi schon gewonnen! Zwar in einer Art, die Kyles Unpinnable Status beibehalten würde, aber sie hat doch gewonnen! Sie muss jetzt nur den Kanadier von sich lösen und dann war es das! Sie schlägt zu, versucht Kyles Augen zu kratzen, aber es hilft alles nichts. Kyle hat sich bei ihr eingehakt und stößt sich mit aller Macht nach hinten ab. Der Schwung und Kyles ganzes Gewicht ziehen sie in die Tiefe.

Und ihr Griff an den Käfig… löst sich.


Avalanche Gold Rush!


Kyle und Miria schlagen auf die Matte auf, von erhöhter Höhe! Miria bleibt liegen, Kyle bleibt liegen, aber er kann auch liegenbleiben, sein Kopf ist eh noch auf Mirias Solar Plexus verortet – das ist ein Cover! Eins! Zwei! Drei! Aus und vorbei! Miria hat ihre erste Niederlage kassiert! Ihr Versuch der feigen Flucht, des einfache Auswegs, wo sie stattdessen hätte nachsetzen können und sollen, wurde ihr zum Verhängnis und Kyle Douglas beendet Mirias Siegesserie und das hochverdient! Trotz ihrer Ankündigung Kyles Unpinnable Status beenden zu wollen, hat sie feige den Fluchtversuch gewählt ohne je auch nur ein einziges Cover im Match versucht zu haben! Er erhebt sich, registriert zur eigenen Erleichterung, dass sein Arm zwar schmerzt aber keinen schlimmeren Schaden davongetragen hat und so kann er jubeln. Während Miria ungläubig zur Decke schaut feiern die Fans den Sieg des aufrichtigen Kämpfers gegen die Feigheit! Das Motto der LPG Risiken gegen Nutzen abzuwägen hat versagt, der Sieger ist Kyle Douglas und er ist somit weiterhin Unpinnable~!



Das Bennelong Restaurant im Opernhaus von Sydney.

Ein faszinierendes Deckengewölbe, gemütliche, moderne Tische und Stühle, Meerblick… und natürlich gutes, australisches Essen. Wenn man eh schon mal in Sydney ist, macht es Sinn zumindest auf diese Weise in diesem Wahrzeichen Australiens gewesen zu sein. Und sie ist aus gutem Grund eh in Sydney:

Der Leitstern des Professional Wrestlings, Stella Nova.

Die Inderin mit den schwarz-orangenen Flechten hatte schließlich im Rahmen des Tournament of Honor ihren Temptation Title zu verteidigen und die nächste Turnierrunde zu erreichen, was sie auch getan hat, wie der goldene Gürtel auf dem Stuhl neben ihr nachhaltig andeutet.

Aber der Gürtel ist nicht der einzige Sitznachbar der Frau, die im orangenen Minikleid und Sandalen im Bennelong sitzt – weniger luftig als im Wrestlingring, man will ja keinen Ärger mit prüden Restaurantbesitzern haben. Neben ihr sitzt nämlich niemand Geringeres als ihr Tag Team Partner Mad Dog, der es sich nicht hat nehmen lassen sich Stellas Match live vor Ort anzusehen und diesen Anlass für einen Familienausflug zu nutzen.

Soll heißen: sein dreizehnjähriger Sohn Jeffrey ist auch da und ebenso seine Ehefrau Yai, deren Stimme von hinter der Kamera ertönt und mitteilt, dass die Aufnahme nun läuft.


Stella Nova: „Dieses edel anmutende Restaurant mag andeuten, dass wir schon feiern, bevor es etwas zu feiern gibt, doch das ist weitab der Realität. Erstens gibt es etwas zu feiern, nämlich meinen Erfolg im WFW Ring und zweitens muss man sich gerade vor einer großen Schlacht wie jener um den GFCW Tag Team Titel bewusst machen, wofür man eigentlich kämpft. Sicherlich, Titel und Erfolge sind schön, doch vor allem kämpft man für Momente wie diesen. Momente, in denen man das Geleistete genießen kann.“

Der Night Fighter erinnert sich bei den Worten seiner Partnerin sofort an sein Comeback Anfang des Jahres zurück. Als sein Blick fast gleichsam zu Jeffrey fliegt, zieht er die Mundwinkel mit aufeinander gepressten Lippen nach oben.


Mad Dog: „Bei mir gesellt sich hinter die Frage der Motivation ein elendes ‚noch‘. Wofür kämpfe ich… noch, huh?! Oder noch drastischer formuliert: Wofür möchte ich in Erinnerung bleiben?“


Nun wandert der Blick der unbekannten Konstante umher, von Jeffrey über Yai hin zu Stella.


Mad Dog: „Wenn ich auf die Momente seit meinem Debüt bis New Level blicke, ist da leider nicht viel. Um ehrlich zu sein, wird - bis auf das Match gegen Robert Breads vielleicht - alles dem Vergessen anheimfallen. Die paar Nerds, die sich alles merken, ausgenommen… Erst das Match gegen The End und der Zusammenschluss mit dir, Stella, hat wieder etwas in Gang gesetzt. Eine Kehrtwende! Ich bin kein Steigbügelhalter für irgendwelche Youngsters. Ich bin nicht wie Breads auf Abschiedstour, ein Altmeister kurz vorm Exitus. Nein! Es ist meine Zeit. Es ist unsere Zeit, Stella. Und ich kämpfe, um genau das zu beweisen!“


Nun schaut er direkt in die Kamera.


Mad Dog: „Zereo Killer und Morbeus. Zwei der größten GFCW Stars, die es gibt. Sie haben alle Teams geschlagen, tragen verdient das Gold. Doch bei Conquista wird ihre Zeit enden! Wir werden ihnen das Gold streitig machen und ein jeder wird erkennen, dass ich es immer noch genauso drauf habe, wie am ersten Tag! Selbst du, Jeffrey, oder? Erst MacKenzie & Douglas und dann irgendwann auch The End!“

Stella blickt kurz ebenso zum Jungen, der nachdenklich den Kopf hin- und herbewegt. Dann wandert ihre Aufmerksamkeit zu dessen Mutter Yai, die nun hinter der fest positionierten Kamera hervorkommt und sich auch an den Tisch setzt. Kurz streicht sie sich eine dunkle Strähne aus dem Gesicht und wirft ihrem Mann einen bösen Blick zu.

Stella Nova: „Ich würde ja vermuten, dass du heute deutlich besser bist als am ersten Tag. Geformt durch all deine Schlachten, die deinem Körper über die Jahre sicherlich zugesetzt haben, dich aber auch als Kämpfer haben reifen lassen.“

Für einen Moment hält Stella inne, als ob sie sich gerade fragt, wie lange sie selbst wohl noch hat, bis Training, Yoga und Pflegeprodukte dem körperlichen Verschleiß nicht mehr gänzlich entgegenwirken können, aber dann schüttelt sie seicht lächelnd den Kopf.

Stella Nova: „Der Tenor gefällt mir jedoch, eine gesunde Einstellung. Viel besser als sich selbst in den Himmel zu loben, so wie es die aktuellen Champions machen. Wie es auch eine gesunde Einstellung ist vor einem großen Kampf die Batterien aufzuladen, anstatt sie mit purem Training und Überfokussierung leer zu ballern, bevor es überhaupt losgeht. Und wir haben ja nun noch eine Woche hier in Australien, um einiges zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu erleben. Auch darum geht es beim Wrestling. Den Horizont zu erweitern.“

Jeffrey lauscht jedem Wort Stellas, was diese natürlich bemerkt. Sie ist eine seiner absoluten Favoritinnen.

Stella Nova: „Obgleich mir scheint unser Kleiner hier hatte sein Australien Highlight bereits in Form der WFW Show. So sehr ich das irgendwie schmeichelnd finde, so denke ich, dass sich das ändern wird, wenn wir erst den Uluru sehen. Schade, dass man ihn nicht mehr besteigen darf, nur weil manche Leute meinten sich auf dem Uluru entblättern zu müssen oder dort zu golfen. Ich frage mich, ob wir wohl zwei der Leute, die per Golfspiel fürs Kletterverbot gesorgt haben, vielleicht kennen…“

Jeffrey: „Oh Gott, etwa diese Birdie Boys?!“

Die Erwachsenen lachen oder lächeln kurz, als die pure Ablehnung aus dem Dreizehnjährigen herausplatzt. Dieser mustert kurz die Reaktion seiner Eltern, himmelt dann allerdings wieder Stella an, die ein besonders breites Lächeln im Gesicht hat. Der Stachel von den beiden aus der Battle Royal geworfen worden zu sein, sitzt tief.

Mad Dog: „Apropos WFW Show… ich habe bei deinem Match gleich ein paar gute Ideen bekommen, wie wir unsere Moves für Double Teaming kombinieren können. Zerbeus wird sich wundern!“

Plötzlich haut der Junge auf den Tisch.

Jeffrey: „Yes, ich hab‘ da auch was mit meinen Wrestlingfiguren ausprobiert! Soll ich euch das mal zeigen??“

Ohne die Antwort abzuwarten, greift er unter den Tisch nach seinem Rucksack, um die Actionfiguren, mit denen er selbst Matches spielt, heraus zu holen.

Stella Nova: „Es freut mich, dass eure Erfahrung gut war und ihr Ideen habt, die ihr definitiv im Hinterkopf behalten oder niederschreiben solltet. Aber nun sollten wir unseren Körpern und Köpfen wirklich für den Rest der Woche die nötige Ruhe vor dem Wrestling gönnen, auch wenn ich sicher bin unsere Gedanken werden doch immer wieder zum Match wandern. Da fällt mir ein… den Altina Wildlife Park in Darlington Point sollten wir auch mitnehmen, alleine schon damit ich keinen unnötigen Stress mit Altina Reisen Arnoul kriege, die von da stammt und ihn dauernd anpreist. Ich gebe zu aber auch interessiert zu sein, ob er tatsächlich so toll ist und er liegt eh auf der Route von hier ins Landesinnere zum Uluru.“

Mad Dog und Yai schauen einander an und scheinen im Gesicht des Anderen zu lesen, inwiefern der Vorschlag auch für sie als Familie in Frage kommt.

Jeffrey: „Ja! Da will ich mit hin.“

Nun fliegen die Köpfe zum Dreizehnjährigen. In den Gesichtern der Eltern zeichnet sich ein mildes Lächeln ab.

Yai: „Hihi, ein Wildpark! Damals hätte man gut und gerne auch die Wrestlingligen als solche bezeichnen können… wenn ich mich daran erinnere, dass die Stars wie Bestien miteinander umgingen. Im und neben dem Ring. Und auch du mittendrin…“

Ihr Blick wandert zum Night Fighter. Und ihre Erinnerungen gehen in jene Zeit, als sie sich kennenlernten. Im wahrsten Sinne eine wilde Zeit.

Yai: „Solch einen Höllenritt hätte ich nicht nochmal ertragen! Aber du, Stella, bist echt erfrischend anders - selbst wenn du mit Sicherheit auch eine andere Seite zeigen kannst, wirkt es nicht so, als müsstest du jetzt was vorspielen.“

Anerkennend nickt sie ihr zu, als sie plötzlich zögert.

Yai: „Oder müssen wir uns etwa vor dieser Altina in acht nehmen?!“

Die Stellare winkt ohne groß über den Sachverhalt nachdenken zu müssen ab.

Stella Nova: „Nein, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wie die meisten bei WFW ist Altina eigentlich recht umgänglich. Sie würde sicher etwas empört meckern und mich enttäuscht ansehen, aber das wäre vermutlich auch alles. Im Ring wird gern hier und da von manchen betrogen, aber es gibt nur Wenige, vor denen man sich abseits des Rings in Acht nehmen müsste. Was definitiv auch nicht immer so war. Dennoch, verglichen mit GFCW ist WFW zur Zeit ein verdammt sicherer Arbeitsplatz für Wrestlingverhältnisse.“

Ein Hauch von Wehmut wandert über Stellas Gesicht.

Stella Nova: „Und ja, auch ich hab früher schon mal dazu beigetragen, dass WFW unsicherer war als heute, worauf ich wirklich nicht stolz bin. Hab was das angeht meine Lektion gelernt und bin nun in der erfreulichen Position in der Tat nichts vorspielen zu müssen. Viele Wrestler sind ja ohnehin genau dann erfolgreich, wenn sie authentisch sind, anstatt zu versuchen etwas darzustellen, was sie nicht sind. Und ich nenne mich nicht Leitstern, weil es toll klingt, sondern weil ich denke, dass ein Leitstern eine gute Sache ist und ich die Fähigkeiten habe dieser Leitstern zu sein. Daher gibt es keinen Unterschied zwischen mir vor einer Kamera oder mir privat. Das bin einfach ich.“

Wieder nickt der verrückte Hund.

Mad Dog: „Authentizität ist sicher ein Schlüssel zum Erfolg! Alle Masken abzulegen, sich selbst in all seinen Facetten zu kennen und diese entsprechend einzusetzen. In meiner ganzen Karriere ging es genau darum. Und Du hast Recht, Stella, es war ein langer Ritt, bis ich schließlich zu dem geworden bin, der ich jetzt bin. Und ich wachse und lerne immer noch. Das ist die unbekannte Konstante in dieser Gleichung.“

Er lächelt verschroben, lehnt sich dann jedoch ganz nah an Stella heran.

Mad Dog: „Dabei war es nie schwer, der Star zu sein, der Sieger, das leitende Idol oder das Herz der Liga… das heroische und starke in mir zu erkennen. Schwer war es, das Arsch zu sein, der Verlierer, das abschreckende Vorbild oder der Abschaum der Liga… das Grässliche und hässliche in mir zu akzeptieren…. Aber auch das ist nötig!“

Kurz ist es still, als die Worte, die fast wie eine Lehre an seine Partnerin gesprochen wurden, verhallen. Nur die Augen der beiden Mad Stars starren einander an.

Dann winkt der Fighter ab.

Mad Dog: „Aber lassen wir das… wir wollten doch den Kopf vom Wrestling frei kriegen, huh?! Und jetzt reden wir beide wieder nur da drüber.“

Stella zuckt zusammen, als sie diese Worte hört.

Mad Dog hat recht.

Stella Nova: „Schätze ich sollte meine eigenen Ratschläge mehr beherzigen. Wir haben nach unserem Urlaub noch eine Woche, um uns intensiv auf das Match vorzubereiten und das sollte völlig reichen. Wie gesagt: Überfokussierung ist ebenso schädlich wie zu wenig Fokus. Von daher bin ich durchaus dankbar, dass ich Teil eures Familienausflugs sein darf. Klar, es ist irgendwo auch eine teambildende Maßnahme, doch vor allem hilft es die Gedanken zu regulieren. Wäre ich auf mich gestellt oder daheim in Indien würde ich vermutlich an nichts anderes denken, als dass meine Negativserie im Tag Team Bereich tatsächlich in zwei Wochen mit einem goldenen Erfolg enden könnte…“

Jeffrey „Enden wird!“

Jeffrey hebt seine Stella- und Mad Dog-Figuren in die Höhe. Um die Hüften der beiden liegen die GFCW Tag Team Titel. Erneut zuckt Stella zusammen, doch dieses Mal lächelnd. Auch MD lächelt, während das gedimmte Licht in seinen feuchten Augen glänzt.

Erneut zuckt Stella zusammen, doch dieses Mal lächelnd.

Stella Nova: „Ha! Gut gesagt! Als Leitstern des Professional Wrestling und WFW Temptation Champion habe ich ohnehin die Pflicht zu siegen, um mir Genüge zu tun, um unserem Team Genüge zu tun, um WFWs Ehre Genüge zu tun und um dem Wrestling an sich Genüge zu tun.“

Sie hält inne und blickt zu Jeffrey.

Stella Nova: „Und natürlich, damit du deinen Vater mit dem Titelgold sehen kannst.“

Yai: „Das würde dir gefallen, hm?“

Die rhetorische Frage provoziert die erwünschte Antwort.

Jeffrey: „Natürlich!“



Die Tür öffnet sich und herein tritt Salvatore Corleone. Wir sind in der Kabine vom GFCW World Champion The End, der sich in der finalen Phase seiner Vorbereitung vor dem Main Event befindet. Seit Title Night hält er den größten und wichtigsten Titel der GFCW nun bereits zum zweiten Mal und seitdem hat er ihn auch schon einige Male verteidigt, einerseits gegen erfahrene Wrestlinggrößen, die frisch in der GFCW angekommen sind mit Monica Shade und Stelle Nova, andererseits gegen vielversprechende Neulinge mit Iray Burch und gegen alte Hasen und Legenden des Wrestlingssports mit Mad Dog.

Heute kämpft er nun gegen eine GFCW-Legende, was für diesen Run eine frische, neue Herausforderung ist, in seiner ersten Zeit als Champion aber Standard war – dort besiegte er Zereo Killer, Robert Breads und Drake Nova Vaughn. End weiß also was es heißt seinen Titel zu verteidigen und doch wird es heute eine ganz besondere Herausforderung, gegen einen der großen GFCW-Stars Danny Rickson.

End ist gerade noch dabei sich warm zu machen, als Salvatore eintritt. Dementsprechend unterbricht End auch seine Aufwärmübungen, um seinen Onkel zu begrüßen, ganz klassisch mit einem Handschlag.


The End: „Freut mich, dass du hier bist, Onkel Sal.“


Salvatore nickt nur. Er hat heute bereits einen Einsatz gehabt, als er Aldo Nero und Darragh Switzenberg zum Ring bekleidet hat, die in einem Tag Team Match gegen Refuse to Age erkämpft haben, dass das Match zwischen End und Danny Rickson heute ungestört stattfinden kann.


Salvatore Corleone: „Und mich freut es zu sehen, dass Aldo und Du endlich Seite an Seite kämpft.“


Sal tritt an End vorbei, als wolle er sich in der Kabine umschauen, dabei hallen seine Worte in Ends Kopf nach, dessen Gesichtsausdruck nun in einem Realitycheck aus einer nuancierten Freude darüber, dass sein „Onkel“ hier und heute dabei ist, ernüchternd zusammenfällt. End sieht es scheinbar nicht so, als würde er mit Aldo „Seite an Seite“ kämpfen – Aldo hat heute lediglich für ihn gekämpft. Das ist ein Unterschied, denn natürlich weiß End, worauf das hinauslaufen soll, schließlich hat Aldo das selbst auch schon gesagt.

Aldo will den Titel zurück und diesen will er nicht von irgendjemandem gewinnen, sondern von The End selbst.

Salvatore Corleone scheint diese unschöne Erkenntnis der Realität aber bewusst und gekonnt wegignorieren zu wollen.


The End: „Onkel Sal…“


Und so ungern End es auch will… er muss das direkt klar herausstellen, bevor sich sein Onkel eine noch viel größere Hoffnung über die Illusion macht, dass in der Corleone-Familie alles in Ordnung sei.

Nachdem sich Sal noch etwas umgeschaut hat, wendet er sich nun wieder zu End und schaut diesen ernst und ungeniert an.


Salvatore Corleone: „Was?“


End schnauft durch. Man merkt, wie ehrlich und aufrichtig ihm sein Onkel oder zumindest der Mann, der einem solchen Status am nächsten kommt, am Herzen liegt.

auf der anderen Seite ist er aber das Oberhaupt der Liga, der Champ, der König – wenn man so will. Und mit seinem Streifzug durch die Liga und der Mission, diese zur besten Version ihrerselbst zu machen, mit dem anstehenden Kampf gegen Danny Rickson und der sich anbahnenden Bedrohung durch Darragh Switzenberg und eben Aldo Nero… mit all dem, kann er sich nicht von sentimentalen Gefühlen leiten lassen.

End wird wieder ernst. Er schluckt die Sentimentalität herunter und bleibt eisern, fokussiert und ja… auch sichtlich emotional distanziert.


The End: „Aldo und ich kämpfen nicht Seite an Seite. Heute mag Aldo FÜR mich gekämpft haben, allerdings nicht ohne Hintergedanken. In erster Linie hat Aldo heute für SICH gekämpft. Er will den Titel, er will mich. Und er wollte Rache. Gewinne ich heute, hat er alles erreicht um seinem großen Ziel ein Stück näher zu kommen und nur das zählt für ihn. Und für mich zählt es unter den bestmöglichen Bedingungen antreten zu können, um meinen Titel zu verteidigen. Und wenn all das erledigt ist, dann werden Aldo und ich wieder gegeneinander kämpfen.“


Sals Blick bleibt wie immer emotionslos. Man könnte fast meinen, dass man sich inzwischen derart an die Emotionslosigkeit von Salvatore Corleone gewöhnt hat, dass man inzwischen verschiedene Stufen auf dem Spektrum eben besagter Emotionslosigkeit erkennen kann und jetzt schein es so, als würde Sal diese Erkenntnis und sie sie offen ausgesprochen zu hören, ordentlich zu zusetzen.

Aber er bleibt eisern. Er weiß, dass sich daran nichts ändern lässt und das hat er ja eigentlich auch schon akzeptiert. Für einen kurzen Moment zu träumen… das war trotzdem schön.


Salvatore Corleone: „Ich werde ihm nie verzeihen, was er dieser Familie angetan hat.“


Offensichtlich spielt Sal auf seinen Bruder an, während er diese Worte leise und kaum verständlich vor sich her brabbelt… doch End hat sie verstanden.


The End: „Es liegt nicht an ihm.“


Sals Augen schrecken kurz auf, während End auch diese Erkenntnis aufrichtig spricht.


The End: „Also… nicht nur, jedenfalls. James Corleone hat uns ruiniert, das ist klar. Aber so böse er auch war… so sehr hat er uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Und du… du warst stets ein gutes Gegengewicht zu ihm.

inzwischen, sind aber sowohl Aldo als auch ich vielmehr als das Produkt eurer Erziehung und eurer Spielchen. Wir sind eigenständige Männer. Wir haben uns all das hier erkämpft. Wir sind unseren Weg gegangen. Und wie uns die Zeit inzwischen mehrfach bewiesen hat… können wir nicht miteinander existieren, sondern lediglich gegeneinander.

Sind wir Beide da, kämpfen wir gegeneinander. Gewinnt einer von Beiden, verschwindet der Andere, zumindest so lange, bis wir uns für das nächste Gefecht rüsten. Sei es unsere Vergangenheit, sei es die Erziehung, sei es unser Ego… aber wir werden immer auf gegensätzlichen Seiten stehen, daran wirst weder du noch James Corleone noch sonst wer etwas ändern können.“


Und wieder. Ein weiterer Reality Check, der Sal Corleone aus seinen Träumen reißt. Sal schnieft auf. Er lässt einige Sekunden vergehen, Sekunden der Ruhe, um über das nachzudenken, was gesagt wurde.

In Gedanken versunken setzt er fort.


Salvatore Corleone: „Refuse to Age.”


Danny Ricksons Motto, Gruppierung und neue Agende, die ihn abermals zum Champion der Liga machen soll.


Salvatore Corleone: „Älter werden. Erwachsen werden. Sich verändern. Wenn ich so darüber nachdenke, hat er recht, dieser Danny Rickson. Wärt ihr nie älter geworden, könnten wir noch immer alle gemeinsam sein, hier, im wunderschönen Sizilien. Aber das Alter, das Erwachsensein, die Veränderung… all das holt uns ein.“


Wieder träumt Salvatore Corleone. Er träumt von einer Zeit, in der alles ‚gut‘ war. Einer Zeit, in der er sich gern wiedersehen würde, aber auch er müsste dann refuse to age.

End schaut ihm bei seinen Ausführungen nur zu, ohne etwas zu sagen.


Salvatore Corleone: „Aber so… funktioniert das Leben nicht. Wir werden älter, wir sind erwachsen und wir verändern uns. Zum Guten, zum Schlechten… Veränderung ist wichtig. Vielleicht… ja, vielleicht ist es so, wie du sagst und wir sind an einem Punkt, an dem man sich nicht mehr verändern kann.

und vielleicht sind wir es nicht.“


Sal scheint die Sache noch nicht so endgültig zu sehen, wie The End es ausformuliert hat. Mehr als einen leicht irritierten Blick kann er mit dieser angedeuteten Überlegung beim Champion aber nicht abgewinnen.


Salvatore Corleone: „Heute Abend allerdings… bedeutet das vor allem eines. Heute Abend werden wir uns Refuse to Age nicht hingeben. Du wirst dich ihnen nicht hingeben. Du wirst da raus gehen und ihn besiegen. Nicht um meinetwillen, sondern um den Willen des besten Champions, den diese Liga jemals erlebt hat. Junge, geh da raus und tu das, was du am besten kannst: gewinnen.“


Sal bringt seine Ausführungen zu einem klaren Motivationstalk, der bei The End auch direkt ins Schwarze trifft. Zumindest, was die Richtung des Matches angeht und zwar die Richtung Sieg.

Selbstverständlich wird er allerdings nicht nur für sich kämpfen, denn Danny Rickson hat eine Grenze überschritten, die man besser niemals überschreiten sollte und deshalb wird The End heute nicht nur darum kämpfen die GFCW zu verteidigen und den GFCW World Championship zu verteidigen, sondern…

heute verteidigt er auch seine eigene Familie.



Auf der On Stage liegen die beiden GFCW Tag Team Gürtel, welche von einem Spotlight eingefangen sind. Einige Sekunden zieht dieses Gold die Aufmerksamkeit sämtlicher GFCW Fans auf sich, ehe sich zwei Wrestler dem Objekt der Begierde nähern. Die Champions schnappen sich die Gürtel und strecken sie in die Höhe, genau in diesem Moment setzt ihr Song Stand Up And Fight beim Refrain ein und das Logo prangert auf dem Titantron!



Sie klatschen einander ab, sind optisch im Stil von Morbeus angepasst, MacKenzie tritt auch ohne Gesichtsbemalung an. Wild entschlossen marschieren sie Seite an Seite in Richtung Seilgeviert. Sie gehen eine Runde rund um den Squared Circle herum, um mit einigen Fans in der ersten Reihe abzuklatschen, ehe sich ihr Weg ins Kampfgeviert verlagert. Nebeneinander stellen sie sich in der Mitte des Ringes auf, posieren mit dem Tag Team Gold, was ein großes Pyro rund um den Ring entfacht. Gleichzeitig wird die Musik ausgefadet und alles wartet auf die Herausforderer, damit der Kampf losgehen kann.



Das Licht wird gedimmt und die Fans zücken die Lichtquelle ihrer Wahl, um die Mad Stars mit einem Lichterhimmel zu begrüßen – aber die kommen nicht.

Vielmehr beginnen Bilder über den großen Monitor zu flimmern…

Zunächst ein Gruppenbild von Stella Nova mit Mad Dog & Familie aus dem Bennelong Restaurant, von wo aus bereits ihre Videobotschaft früher am Abend aufgenommen wurde.

Das zweite Bild zeigt Familie Mad Dog als Trio vor dem Queen Victoria Building immer noch in Sydney, wobei Jeffrey mit zwei demonstrativen V-Zeichen seiner Finger versucht daraus ein Victory Building zu machen, als gutes Omen für die Titelambitionen seines Vaters und des Leitsterns.

Die nächste Aufnahme zeigt Stella und Mad Dogs Ehefrau Yai, wie sie den Kofferraum des Schwarz-Orangenen Leihwagens befüllen, aus dem Jeffrey ihnen von der Hinterbank des Autos aus zusieht.

Im vierten Bild sind Stella Nova, Jeffrey und Yai am Murrumbidgee River in Wagga Wagga zu sehen, gefolgt von einem Gruppenbild am imposanten Chisholm Fountain.

Die Reise hat Familie Mad Dog und Stella Nova nun nach Darlington Point geführt, wo man daheim bei der lilamähnigen Altina Reisen Arnoul zu Gast ist und heimische, australische Kost verputzt, ehe die nächsten Bilder aus dem Altina Wildlife Park stammen, wo es Bildmaterial von der Reisegruppe und diversen Tieren gibt: von Giraffen über Löwen und Tasmanische Teufel bis hin zum Afrikanischen Wildhund.

Weniger animalisch und mehr kulturell sind dann Bilder aus dem Araluen Cultural Precinct in Alice Springs, mit seinen vier Kunstgalerien.

Und schließlich stehen die Mad Stars zusammen, während im Hintergrund der majestätische Uluru das Bild vereinnahmt. Und wie dieses Bild vom auch als Ayers Rock bekannten zentralen Markenzeichen Australiens ausgeblendet wird, da geht die Musik von Stella Nova flüssig in die von Mad Dog über.

-->Und nun treten sie auch gemeinschaftlich durch den Vorhang, die Mad Stars – Mad Dog nicht länger ganz in Schwarz, sondern mit dem Mad Stars Logo auf den Hosenbeinen, sowie orangenen Stiefeln mit schwarzen Schnüren, Stella Nova wiederum mit weniger Orange und viel mehr Schwarz auf ihrem kometenhaften Schurz und knappen Top mit Sternausschnitt, auf dessen Rückseite ebenso das Mad Stars Logo zu sehen ist.

Die Botschaft ist klar: sie sind nicht zwei Einzelwrestler, sie sind ein Team.

Wie sich die große, vernarbte Töle mit den wilden, schwarzen Haaren in Bewegung setzt, beginnt auch zeitgleich der Leitstern mit den massiven, schwarz-orangenen Flechtzöpfen den eleganten Tanzschritt gen Ring – visuell kontrastreich und doch im Gleichschritt.

Den Fans, die bisher entweder primär für Mad Dog oder dann doch für Stella gerufen haben, wird es so einfach gemacht, ihre Rufe lauten nun unweigerlich „Mad Stars“! Die beiden erklimmen den Apron, Mad Dog die Atmosphäre inhalierend, Stella posierend, dann schlüpfen sie abermals synchron durch die Seile und stehen nun im Ring, den amtierenden Champions gegenüber. Die Fans können es kaum erwarten, dass es nun losgeht und sie müssen auch nicht länger warten.


GFCW Tag Team Title:
ZerBeus (Zereo Killer & Morbeus) vs. Mad Stars (Mad Dog & Stella Nova)

Referee: Jack Bobo

Wie vorab besprochen startet Zereo Killer für die Champions und Stella Nova für die Herausforderer. Ein schneller, spektakulärer Auftakt soll es in der Idealvorstellung von Zereo Killer sein, doch hatte Stella Nova bereits angekündigt, dass sie nur solange das Spektakel mitmacht, wie es ihr taktisch sinnvoll erscheint und dann geht es auf die Matte, wo sie sich gegenüber der #1 der ewigen Tabelle im Vorteil wähnt.

Zereo Killer testet dann direkt mal per Superkick aus, ob Stella tatsächlich von Beginn an bei der Sache ist – tatsächlich ist dieser Superkick aber nur das Setup für den wirklichen Test in Form eines nahtlos nachfolgenden Spinning Heel Kicks.

Stella entgeht beiden Aktionen und in dem Moment, in dem der Kalifornier nach dem Spinning Heel Kick wieder zurück in den Stand flippt, ist ihre Zeit gekommen in dieser Auftaktphase forsch zu sein. Sie schnellt nach vorn, packt Zereo Killer am Arm und vollzieht einen schnellen Armdrag. Schnell, aber nicht zu schnell für ZK, der die Aktion steht und prompt mit einem Hip Toss kontert. Den steht aber wiederum Stella, die sofort zum Snapmare zupackt, der aber auch nur dazu gut ist Zereo Killer in den Stand flippen zu sehen. Aber zumindest ist Zereo Killer nun mit dem Rücken vor Stella gelandet und das heißt:


Poison Rana!


Geblockt!

Mike MacKenzie aka Zereo Killer ist zwar nicht ganz so groß und schwer wie manch anderer Mann im GFCW Roster, aber mit 1,85 und 93 Kilo definierten Muskeln auch kein komplettes Leichtgewicht – definitiv genug Körpermasse, um einen Poison Rana zu blocken, wenn man ihn erahnt und nicht von ihm überrascht wird. Doch ehe er sich überlegen kann, was er nun mit Stella macht zeigt diese wie gut ihre Situps sind und von der hängenden Position in Zereo Killers Rücken geht es hoch in die Sitzposition, wo sie nun auf den Kopf des heute Unbemalten einklopft, auf dass dieser ihre Beine loslassen möge, was dieser auch muss. Klar könnte er sich nun einfach fallen lassen, aber das wäre weder spektakulär noch taktisch sinnvoll – realisiert Stella den Fall könnte sie den Schwung nutzen, um doch noch ihren Poison Rana zu vollziehen. Stattdessen wappnet er sich für Stellas nächsten Angriff und der besteht darin, dass sie ihre Sitzposition in eine Victory Roll ummünzt – aber Zereo Killer rollt durch und hat nun stattdessen Stella im Cover… nein, die rollt auch durch und… Doppel-Cover! Beide Schultern sind gleichzeitig auf der Matte und beide sind ineinander verhakt! Eins! Zwei! Draw durch Double Pin!

Wäre es gewesen, aber sowohl Morbeus als auch Mad Dog sind zur Stelle, um das Ganze aufzubrechen, Interesse an einem Draw hat hier niemand, inklusive Zereo Killer und Stella, die sicher gern den Doppel-Pin aufgelöst hätten, sich dabei aber gegenseitig behindert haben und so auf die Mithilfe ihrer Partner angewiesen waren. Die gehen in ihre Wechselecken zurück ohne einen Anschiss von Jack Bobo zu kriegen, der seinerseits ungern für ein die Fans enttäuschendes Unentschieden verantwortlich gewesen wäre. Aber einfach nicht zählen war ja auch keine Option für den Offiziellen.

Zereo Killer und Stella Nova stehen derweil wieder und nach einer kurzen Abwägung ob sie wohl wechseln sollten, wechseln sie eben nicht, sondern setzen ihr Duell fort – beide hatten den Anspruch geäußert das Momentum für ihr Team herstellen zu wollen und daher geht es weiter. Stella zeigt nun selber die Kombi aus Superkick und Spinning Heel Kick, mit der ZK sie zu Beginn getestet hatte, aber sie flippt nicht auf die Beine zurück, sondern rollt rücklings in den Stand, um Distanz zwischen sich und den Champion zu bringen, auf dass dieser nicht einfach eine Attacke starten kann.

Aber er startet dennoch eine:


Spear!


Zereo Killer rauscht heran, aber Stella weicht aus und ist mit einem Sprung hoch aufs zweite Ringseil – aber das hat Zereo Killer erwartet, springt seinerseits hoch aufs zweite Seil und noch ehe Stella weiß was los ist, springt Zereo Killer erneut und pflückt Stella per Huracanrana vom Seil herunter!

Die erste gelungene Aktion lässt die Fans vor Spektakel ausflippen und Morbeus nickt in seiner Wechselecke – natürlich ist es Zereo Killer, dem hier die Aktion gelingt und nicht der Titelträgerin aus der Takutuka Liga. Mad Dog wiederum bleibt in seiner Wechselecke auch völlig ruhig. Er weiß, dass nicht die erste gelungene Aktion ein Match entscheidet, sondern die Letzte. Das beweist sich der schnell, als Zereo Killer die Stellare packt und mit Morbeus wechseln will, denn kaum ist seine Aufmerksamkeit weg von Stella und hin zum Partner, da erhebt sich diese, packt in einer flüssigen Bewegung sein rechtes Bein und hakt ihren Kopf unter seiner Schulter ein: Shin Breaker!

Zereo Killer liegt am Boden und hält sich das Knie, genau die Position in der Stella nun zu gern nachsetzen würde, aber der Wechsel mit Morbeus war erfolgreich und so zieht sich der Leitstern des Professional Wrestling lieber zurück und wechselt ihrerseits mit Mad Dog. Letztlich konnte dann also doch weder Zereo Killer noch Stella echtes Momentum für ihr Team kreieren – noch nicht zumindest.

Jetzt heißt es aber erst mal Morbeus gegen Mad Dog, eine mögliche Vorschau auf das FORGE Halbfinale. Sowohl der 1,84 große Kanadier als auch die 1,94 große Töle lassen es behutsam mit abtastenden Aktionen wie Lock Ups angehen, sie haben beide keine Absicht durch eine überhastete Aktion dem Gegenüber eine freie Aktion zu gewähren. Weniger Tempo als zuvor mit Zereo Killer und Stella Nova, aber nicht weniger spannend, wie beide miteinander ringen und Schritt für Schritt versuchen den jeweils anderen in eine günstige Position zu manövrieren. Morbeus sucht die Position für einen Suplex oder auch nur ein paar Punches, während Mad Dog eindeutig Morbeus auf die Matte kriegen will. Im Vorfeld hatten die Mad Stars ja kommuniziert, dass geschwächte Beine ihrer Gegner ihnen das Match leichter machen und auf ihre gefährlichen Aktionen hinarbeiten, von daher ist diese Marschroute keine Überraschung.

Ebenfalls keine Überraschung, dass Morbeus den Mattenkampf vermeidet und vielmehr versucht das Geschehen in Richtung der Seile zu verlagern. Das gelingt auch und schon setzt es einen deftigen Chop – den Mad Dog jedoch prompt mit einem Punch beantwortet. Für ein, zwei Momente tauschen dann beide Schläge und Chops aus, ehe sie wieder auf Distanz gehen. Sich einfach nur dickköpfig prügeln als gewalttätiger Schwanzvergleich wo derjenige, der sich durchsetzt den Größeren hat macht vielleicht Sinn in einem Einzelmatch, aber in diesem Tag Team Kampf macht es für beide Seiten wenig Sinn vorschnell einen brachialen Abnutzungskampf zu starten, nein, eine günstige Gelegenheit, um mit Double Teaming zu beginnen soll her. Dafür ist es ja ein Tag Team Match.

Als ringen sie weiter und tauschen dabei ein paar Schläge aus wann immer es opportun erscheint, bis Mad Dog dann doch mal Zugriff kriegt und nach einem Drop Toe Hold versucht in einen STF zu gehen – was Morbeus erstaunlich bereitwillig zulässt. Mad Dog vermutet schon eine Falle und Stellas Zuruf sofort abzuhauen bestätigt dies: Zereo Killer steht bereits auf der Ringecke und wollte die Situation zum Shooting Star Stomp ausnutzen.

Die Mad Stars wechseln wieder miteinander und Zereo Killer hält auch die Hand hin – für einen Moment überlegt Morbeus, da er schon gerne selber Stella aufzeigen würde, dass seine Aussagen auf Wahrheit basieren und sie ihm nicht gewachsen ist, aber dann wechselt er doch, womit wir zurück beim Duell der Spektakulären sind, die nun also eine zweite Chance haben das Match für ihr Team in die richtige Richtung zu lenken. Zereo Killer zeigt sich dabei sogleich wieder agil und gewillt ein paar schnelle Tritte zu zeigen, aber Stella verweigert es dieses Mal völlig – im Duell des Tempos hat Zereo Killer sie besiegt, das braucht sie nicht noch mal. Stattdessen präsentiert sie sich in geduckter Haltung, ringerisch, definitiv darauf aus Zereo Killer in die Waagrechte zu verfrachten und mit seinen Beinen da weiterzumachen, wo sie eben aufhören musste.

Zereo Killer ist aber nun auch nicht ganz nutzlos auf der Matte und lässt sich darauf ein – während Stella auf seine Beine zielt, will er sie am Arm packen und in den Cross Armbreaker zwingen. Als ihm das fast gelingt flüchtet Stella aber rasch in die Seile und rollt sich dann aus dem Ring, mit dem Rücken zu Zereo Killer. Das ist ja nun eigentliche eine Aufforderung zum Sasuke Special, oder?

Ja, das ist es. Wortwörtlich.

Stella weiß genau was sie da macht – sie provoziert die Aktion, im Vertrauen darauf, dass Mad Dog ihr im richtigen Moment sagt wann sie ausweichen muss, auf dass Zereo Killer ins Leere springt. Morbeus erkennt das und als Zereo Killer Anlauf nimmt, hält er ihn zurück und wechselt sich ein. Der Kalifornier scheint dem Kanadier begreiflich machen zu wollen, dass er einen Plan hatte, aber den hat Morbeus auch. Ray Douglas steigt vom Apron und eilt von außen auf Stella zu, während Zereo Killer nun doch Anlauf vom inneren des Rings nimmt – ein Zangenangriff!

Doch mitten in seinen Anlauf hinein entert Mad Dog den Ring und stellt sich in den Weg, was es Stella erlaubt sich komplett auf Morbeus zu konzentrieren und ihn in dessen Lauf mit einem tief gesprungenen Dropkick zu empfangen, der den Kanadier einen ungewollten Purzelbaum schlagen lässt. Abgeschirmt von Mad Dog erklimmt Stella danach sofort auf den Apron und wirft sich per Running Shooting Star Press von dort auf Morbeus!

Die Fans grölen begeistert, doch als Stella nachsetzen will, packt Morbeus sie einfach am Schurz und zieht sie mit seinem klaren Plus an Kraft in die Tiefe, womit sie dem Apron einen Headbutt verpasst, der ihr sehr viel mehr Schmerz bereitet als dem Apron. Im Ring bearbeiten sich derweil Mad Dog und Zereo Killer mit ein paar Kicks, wobei die von Mad Dog insgesamt zielgenauer sind und häufiger da treffen, wo er es will – entweder in die Rippengegend von ZK oder an dessen Beinpartie. Da zeigt sich dann doch wer sich bisher mehr ausgeruht hat und wer viel in ein Duell mit viel Tempo investiert hat.

Morbeus wiederum klatscht Stella noch mit einer Art Release Back Suplex auf den Apron (härteste Stelle des Rings übrigens, abgesehen von den Ringecken), ehe er die Stellare in diesen hinein rollt und auch selber den Squared Circle betritt. Jack Bobo bedeutet daraufhin Mad Dog und Zereo Killer in ihre Ringecken zurückzukehren, immerhin sind Morbeus und Stella diejenigen, die offiziell in den Ring gehören. Die beiden kehren auch in ihre Ringecke zurück, wobei Mad Dog es sich nicht nehmen lässt dabei im Vorbeigehen Mad Dog noch einen Elbow zu verpassen, der ihn kurz von Stella ablenkt, was diese sofort nutzt, um auf die Beine zu flippen und Morbeus per Dropkick zu überraschen. Der reißt aber geistesgegenwärtig die Arme hoch und so tritt Stella in einen Block. Dennoch kann sie die Situation nutzen, um sich an Morbeus vorbei zu rollen, ihn am Bein zu packen und gleichzeitig eine Hand auszustrecken, um Mad Dog einzuwechseln!

Während Morbeus noch versucht die lästige Klette aus Indien von seinem Bein zu lösen nimmt Mad Dog Anlauf und versetzt Morbeus einen deftigen Clothesline, der diesen in die Ringecke taumeln lässt. Dort setzt es ein, zwei Chops von Mad Dog, während Stella Anlauf nimmt zum Handspring Elbow – und als dieser sitzt blockiert wiederum Stella den Kanadier für Mad Dogs Dog Bite! Damit nicht genug: als Morbeus nach vorne taumelt springt Stella den nächsten Poison Rana – aber wie schon zuvor Zereo Killer blockt auch Morbeus die Aktion… nur dass dieses Mal Mad Dog da ist, der den nächsten Spin Kick vollzieht und somit Morbeus Blockade aufbricht! Der Poison Rana gelingt! Was eine Aktionsstafette!

Während Stella den Ring verlassen muss gibt es das erste Cover, aber Morbeus kommt raus – und selbst wenn nicht, Zereo Killer wäre da gewesen. Mad Dog setzt aber sofort nach, Ansatz zum Boston Crab, den Morbeus zu blocken versteht, aber Mad Dog greift um und begnügt sich mit dem halben Boston, der Morbeus dazu zwingt einige Energie zu verpulvern, um sich in die Seile zu retten, während ihm das Bein verdreht wird. Genau das, was gegen die Mad Stars besser gar nicht passieren sollte, Beinschaden summiert sich schnell und das verringert nicht nur das Tempo, sondern macht auch die eh schon gefährlichen heftigeren Aufgabegriffe der Mad Stars umso gefährlicher.

Im Seil angekommen macht Mad Dog keine Anstalten früher zu lösen als nötig und tritt schnell noch mal in die Kniekehle nach, als er es dann doch muss. Während er sich dann von Jack Bobo etwas über Fairness anhört nutzt Stella Nova die Gelegenheit um dem über dem untersten Seil hängenden Morbeus auch noch einen Dropkick zu verpassen, bei dem sie selber auf dem Apron zu liegen kommt und sich somit rasch erheben kann, um wieder mit Mad Dog zu wechseln. Der nimmt Morbeus hoch in Electric Chair Position und Stella erklimmt die Ringecke. Doomsday Dropkick? Doomsday Meteora? Irgendsowas in der Art soll es wohl werden, aber nun ist es Morbeus, der auf den Kopf von jemandem hämmert so wie es Stella zuvor bei Zereo Killer getan hatte – mit demselben Ergebnis.

Morbeus kommt frei, landet in Mad Dogs Rücken und stößt diesen nach vorn, womit die Töle in die Ringecke kracht und Stella die Balance nimmt – zumindest so halb, denn trotz der Erschütterung kann sich die Seiltänzerin halten, obgleich mit einiger Mühe, die zudem Zeit kostet. Zeit, in der Morbeus wieder mit Zereo Killer wechseln kann. Dann rauscht Morbeus in die Ringecke, um Mad Dog zu erwischen und Stella erneut per Erschütterung zum Balanceakt zu zwingen. Als wäre das nicht genug pflückt Morbeus Mad Dog per Release German Suplex aus der Ringecke, wonach er sich schnell auf alle Viere dreht und Mike MacKenzie als Sprungrampe dient, welche dieser nutzt um zu Stella nach oben zu springen! ZK packt zu und dann heißt es ab nach unten: Superplex! Aber der ist nur der Auftakt! Festgehalten, durchgerollt und Snap Suplex! Und noch mal durchgerollt und Snap Suplex in die Ringecke!


Three Stages of Hell!


Doch damit immer noch nicht genug! Morbeus packt sich Stella auch noch mal zum Elevated DDT, in den sich Zereo Killer sofort mit einklinkt: Doppelter Elevated DDT! Und Cover! Eins! Zwei! DrNEIN! Mad Dog stürzt sich auf Morbeus und zusammen purzeln sie auf das Cover, was dieses aufbricht! Doch das war nun verdammt knapp und die Champions sind nun in Fahrt. Jack Boo gestikuliert zwar, dass weder Morbeus noch Mad Dog gerade im Ring sein sollten, doch da heißt es jetzt mal die lange Leine lassen. Morbeus und Zereo Killer attackieren Mad Dog im Tandem mit Punches, Kicks und Chops und dann langt Morbeus per Lariat zu, der sowohl ihn selbst als auch Mad Dog nach draußen befördert. Damit ist der Weg für Zereo Killer frei das Ganze zu beenden. ZK packt Stellas Kopf zwischen seine Oberschenkel und dann geht es aufwärts wie zu einer Powerbomb, aber statt der Bombe soll es steil abwärts gehen:


Power Piledriver!


Aber nein!


Stella kontert per Huracanrana in den Pin!

Eins!

Morbeus erkennt die Gefahr!

Zwei!

Aber Mad Dog packt ihn und hindert den Kanadier an der Rückkehr in den Ring!

DreNEIN!

Millimeter bevor Jack Bobos Hand zum dritten Mal auf die Matte schlägt kommt Zereo Killer doch noch aus dem Cover heraus! Die Fans werden laut und feiern dieses Match, das also weitergeht. Und zwar mit dem Leitstern des Pro Wrestling, die ihre Beinpartie um ZKs Kopf schlingt und per Tijeras Takedown auf die Matte befördert – oder auf gut Englisch Headscissor Takedown. Auf diesen lässt sie einen Headscissor Chokehold folgen, was ja auch Sinn macht, wo sie Zereo Killers Kopf schon mal zwischen den Beinen eingeklemmt hat. Der windet sich aber erfolgreich in die Seile ehe ihm zu sehr die Luft wegbleibt.

Morbeus und Mad Dog sind zurück in ihren Wechselecken und so kann Stella wieder wechseln.

Die Mad Stars packen Zereo Killers Beine und zwingen ihn zu einem plötzlichen wie ruckartigen Spagat, was mächtig weh tut und umso übler wird als Mad Dog beginnt den Kalifornier an die Leine zu nehmen: Ansatz zum Dog Leash! Morbeus erkennt die Situation, eilt herbei, fängt sich aber von der seitlich heran springenden Stella einen Leg Lariat ein, der ihn ordentlich umhaut – sein eigenes Momentum wird Morbeus zum Verhängnis! Ist das der Titelwechsel?! Muss Zereo Killer aufgeben?!

Muss er?

...nein, muss er nicht, er beißt die Zähne zusammen und windet sich in die Seile. Die Fans der Mad Stars stöhnen auf, das hätte es doch jetzt sein dürfen. Aber es geht weiter. Dennoch: Zereo Killers Mobilität hat das jetzt ganz bestimmt nicht gut getan und während Jack Bobo Stella und Ray jeweils in die Wechselecke schickt setzt die unbekannte Konstante weiter nach und bearbeitet Zereo Killer mit ein paar Stomps und Kniestößen, ehe es den nächsten Tag gibt und dann den Ansatz zum Back Suplex, den Stella per Dropkick garniert: Heavy Hitter!

Zereo Killer liegt flach und das ist für Stella Nova das Zeichen die Ringecke zu erklimmen. Sie blickt kurz rüber zu Morbeus, der bereits von Mad Dog attackiert wird. Alles ist bereit, der Sprung zum Sieg, der Sprung zum Titel. Die Karriere, die vor 14 ½ Jahren als Teil eines Tag Teams begann wird jetzt endlich den ersten Tag Team Titelgewinn erleben. Der Sprung in die GFCW Geschichtsbücher:


Shooting. Star. Press.


Eins.

Zwei.

Nein.

Der Meister des Shooting Star Stomp reißt die Schulter hoch und die Fans drehen endgültig durch! Auf keinen Fall lässt sich Zereo Killer von einer Variante seiner eigenen Paradeaktion besiegen! Stella guckt kurz verbittert, dann setzt sie nach, verdreht Zereo Killers Beine in den Indian Deathlock… aber der packt zu und kontert in ein Small Package!

Eins!

Zwei!

Drneindochnicht!

Stella kommt raus und orientiert sich sofort zu Mad Dog, der zurück in seiner Wechselecke ist: Tag! Zereo Killer wiederum robbt zu Morbeus, der mit fokussierten Blick dasteht, die Hand angespannt ausgestreckt und bereit in den Ring zu stürmen, sobald er Zereo Killers Handschlag spürt. Aber Mad Dog ist schneller, packt MacKenzie an den Beinen und so fehlen diesem die letzten Zentimeter! Zereo Killer rollt sich auf die andere Seite, versucht Mad Dog wegzutreten, doch der packt Zereo Killers linkes Bein zwischen die eigenen Beine und lässt sich auf die Knie fallen! Zereo Killer schreit auf, aber reagiert auch sofort! Mit dem freien Bein tritt er im Liegen eine Art Enzuigiri, der Mad Dog komplett unvorbereitet am Hinterkopf trifft!

Der verrückte Hund aus Berlin sackt zur Seite und Zereo Killer ist frei!

Wechsel mit Morbeus und der legt los wie die Feuerwehr und versetzt Mad Dog mehrere Punches, ehe es einen deftigen Swinging Neckbreaker gibt, nach dem sich Morbeus in Mount Position auf Mad Dog setzt und weiter Punches verteilt, bis sich dieser herauswinden kann – doch kaum erhebt sich Mad Dog packt Morbeus zu und stößt Mad Dog in die Seile. Kaum kommt der zurückgefedert setzt es den Scoop Powerslam ins Cover! Aber ehe es auch nur ansatzweise spannend werden kann ist Stella auch schon da und tritt ihm gegen die Rippen. Zereo Killer ist zu spät herbei gehumpelt, um das Cover zu schützen, aber nun ist er da und das eröffnet Morbeus die Gelegenheit Mad Dog den Rest zu geben:


The Flanker!


Aus, vorbei, Titel verteidigt! Das Cover ist pure Formsache: Eins und Zwei und Satelitte Headscissor! Moment, „Satelitte Headscissor“ ist kein Synonym für drei! Mit dieser Aktion hat Stella Zereo Killer auf das Cover geschleudert und so ist dieses Match tatsächlich noch immer nicht vorbei! Morbeus eilt angepisst zu Stella, aber die flieht in die Wechselecke, womit der nur halb bei Sinnen scheinende Mad Dog zu ihr kriechen kann – bis Morbeus ihm den Weg blockiert, auf die Finger tritt und dann zu einem Piledriver ansetzt. Zereo Killer kann gerade keinen Power Piledriver machen, aber so angeklingelt wie Mad Dog gerade ist tut es auch ein normaler Piledriver!

...oder er täte es, wenn er denn durchgehen würde.

Er geht aber nicht durch: Back Body Drop von Mad Dog!

Morbeus kracht auf seinen Rücken und Mad Dog kann wechseln! Stella erklimmt sofort die Ringecke, aber Zereo Killer kommt herbei gehumpelt, sodass der Shooting Star Crossbody nicht folgen kann. Sehr wohl aber ein Meteora gegen besagten Zereo Killer, der hart auf die Matte kracht und danach vom Momentum getragen durch die Seile nach draußen purzelt! Das ist jetzt die Chance für Stella! Sie hievt Morbeus auf die Schultern… Ansatz zur Supernova!

Aber nein!

Morbeus befreit sich mit Ellbogenstößen und landet in Stellas Rücken! Sofort will er zupacken – aber er kassiert einen Spin Kick in den Nacken von Mad Dog! Der Schädel brummt noch immer, aber dafür hat es noch gereicht. Dafür und noch für mehr: Mad Dog hakt von hinten Morbeus Kopf ein, Ansatz zum MNI. Aber den gibt es nicht. Vielmehr eilt Stella mit allem Tempo, das sie noch hat die Ringecke hoch. Und dann heißt es Absprung.

Shooting Star Press + Reverse DDT aka MNI!

Oder besser gesagt:


O N I – Our Name Is… Mad Stars!


Der Kombinationsangriff geht durch, Stella bleibt auf Morbeus liegen, Mad Dog blockt Zereo Killer weg: Eins! Zwei! Drei! Das wars! Wir haben neue Champions! Die Fans sind hin und hergerissen, sie freuen sich für die Mad Stars, hätten aber auch nichts dagegen gehabt Zerbeus weiterhin als Champions zu sehen. Dann aber beklatschen sie einfach alle Vier, das Match und wie den Mad Stars die Gürtel überreicht werden, Stella Nova mit merklich feuchten Augen das Gold zur Siegespose emporstreckt und so einen Hauch von anerkennendem Nicken von Morbeus erntet, während es zwischen Mad Dog und Zereo Killer ebenfalls anerkennende Blicke gibt, da ist die Welt in Ordnung. Ein tolles Match und ein sportlich faires Ende.



Der Ringrichter überreicht Mad Dog und Stella Nova die Titel. Beide sinken erschöpft auf die Knie. Stella küsst ihren Gürtel. Mad Dog hebt ihn langsam in die Höhe. Das Stadion feiert. Morbeus sitzt in der Ringecke. Blut läuft aus einer Platzwunde. Er lächelt Stella zu. Zereo Killer reicht Mad Dog die Hand. Mad Dog nimmt sie.


Ein Handschlag.

Respekt.


Pete: „Genau deswegen liebe ich Wrestling. Heute gibt es keinen Verlierer.”


Sven nickt: „Vier Menschen…die sich gegenseitig alles genommen haben. Und sich trotzdem respektieren.”


KLACK.


Ein einzelnes Geräusch. Wie eine schwere Tür.


Die Arena wird dunkel.

Nicht schwarz.


Nur…


als hätte jemand der Welt die Farbe genommen.

Ein dumpfer Herzschlag beginnt.


BUMM…



BUMM…



BUMM…


Keine Musik.

Nur dieser Herzschlag.


Langsam erscheinen zwei Schatten auf der Bühne.


Titan.


Tha Bomb.


Sie laufen nicht.

Sie marschieren.


Schritt. Für Schritt.


Als würde jeder ihrer Schritte bereits feststehen.


Niemand ruft.

Niemand provoziert.


Die Zuschauer buhen. Bomb reagiert nicht einmal. Titan sieht sich die Zuschauer an. Fast mitleidig. Sie steigen in den Ring. Titan betrachtet die Titel. Mad Dog hält ihn provokativ hoch. Er streicht mit zwei Fingern über das Gold. Dann schaut er Mad Dog an.


Titan: „Glückwunsch.”


Mad Dog: „Danke.”


Titan lächelt. Ein ehrliches Lächeln.


Titan: „Genieß den Moment.”


Kurze Pause.


Titan: „Geschichte ist grausam.”


Mad Dog runzelt die Stirn: „Wie meinst du das?”


Titan antwortet ruhig.


Titan: „Sie erinnert sich nie…”


Er schaut auf den Gürtel.


Titan: „…an den Zweiten.”


Tha Bomb schlägt hinterrücks und ohne Vorwarnung zu. Ein brutaler Running Lariat. Mad Dog überschlägt sich. Im gleichen Moment trifft Titan Stella mit einem Big Boot.


Die Halle explodiert.


BUUUUUUUUUUUUUUUUUHHHHHHHH


Morbeus springt sofort auf. Zereo Killer ebenso.


Kein Zögern.


Sie werfen sich zwischen T’n’B und die neuen Champions. Morbeus fängt Bomb mit einem Knee Strike ab. Zereo Killer trifft Titan mit einem Superkick. Tha Bomb wird aus dem Ring geschleudert. Titan folgt.


Die Fans jubeln.


Pete schreit: „Zerbeus rettet den Champions den Abend!”


Vier gegen zwei. Das Blatt scheint sich zu wenden. Mad Dog stellt sich wieder hin. Stella trotz Schmerzen ebenfalls. Die vier Faces stehen Schulter an Schulter. Ein starkes Bild.


Titan wischt sich das Blut aus dem Gesicht.

Dann…lächelt er.

Nicht verzweifelt.

Sondern…zufrieden.


Tha Bomb: „Jetzt…”


Er blickt Titan an.


Titan: „…ist das Fundament vollständig.”


Pete versteht den Satz nicht. Er schaut skeptisch.


Pete „Was meint er?”


Sven schweigt.


Ganz oben auf der Tribüne bewegt sich eine Gestalt.


Langsam.

Schritt für Schritt.

Nicht hastig.

Nicht versteckt.


Ein dunkler Mantel.

Eine eiserne Maske.

Die Zuschauer beginnen zu zeigen.


Pete: „Wer ist das?”


Die Gestalt steigt die Stufen hinunter.

Sie läuft durch das Publikum.

Niemand hält sie auf.

Als hätte sie das Recht, dort zu sein.


Morbeus bemerkt sie zuerst.

Er dreht sich um.

Zu spät.


HEADBUTT.


Morbeus sackt zusammen.

Zereo Killer reagiert sofort.


Superkick.


Die Gestalt fängt den Fuß.

Verdreht ihn.


Spinebuster.


Der Ring bebt.


Pete schreit: „Nicht schon wieder!”


Da ertönt erneut Musik. Diesmal aus dem Entrance.


Schwer.


Nordisch. Thor tritt auf die Bühne. Die Halle hält den Atem an. Der erste Heavyweight Champion. Der Gründer einer Legende. Er marschiert wortlos zum Ring. Mad Dog stellt sich ihm entgegen.


Thor blickt ihn nur an.

Ein einziger Running Lariat.

Mad Dog dreht sich beinahe in der Luft.


Stella springt Tha Bomb an.


Powerbomb.


Morbeus kämpft weiter.

Titan beendet ihn mit dem Kroll-Prozess.

Zereo Killer schlägt auf alle ein.


Er kämpft allein.


Bis der Unbekannte ihn am Hals packt.

Langsam.

Die unbekannte Gestalt greift an ihre Maske.


Sie hebt sie nicht dramatisch.

Sie nimmt sie einfach ab.

Als wäre es nie wichtig gewesen, sie zu tragen.


Pete verstummt. Schockiert.


Sven flüstert: „Odin…”


Thor sieht ihn an.

Odin sieht Thor an.


Keine Umarmung.

Keine Emotion.

Nur ein Nicken.


Zwanzig Jahre Freundschaft. In einer einzigen Bewegung.


Odin geht auf Morbeus zu. Der versucht aufzustehen. Odin kniet sich sogar kurz zu ihm herunter.


Odin: „Du hast Herz.”


Morbeus schaut ihn an. Odin nickt anerkennend.


Odin: „Schade.”


Ein brutaler Big Boot. Morbeus bleibt regungslos liegen. Zereo Killer versucht erneut aufzustehen um zu kämpfen. Thor hält ihn fest. Tha Bomb fixiert seine Arme. Titan grinst…und tritt zur Seite. Odin holt aus.


Ein einziger Schlag.


Zereo Killer sackt zusammen. Nicht übertrieben. Nicht blutig.

Einfach…ausgeschaltet.

Jetzt stehen sie im Ring.


Tha Bomb.

Titan.

Thor.

Odin.


Vier Männer. Perfekt verteilt. Wie vier Säulen. Zwischen ihnen bleibt eine Lücke. Niemand versteht warum.


Dann…klingelt ein Handy.


Nicht laut. Fast unscheinbar.

Titan greift in seinen Mantel. Ein altes Mobiltelefon. Er schaut auf das Display.

Lächelt.

Er nimmt an. Er sagt nur ein Wort.


Titan: „Ja.”


Die Stimme aus dem Lautsprecher ist ruhig. Fast freundlich.


Titan „Dann öffnet die Türen.”


Titan legt das Handy langsam auf die Ringmatte. Der Titantron bleibt schwarz.


Keine Videos.

Keine Musik.

Nur eine Tür am Halleneingang öffnet sich. Ein einzelner Mann tritt ein.


Schwarzer Mantel.

Maßgeschneiderter Anzug. Eine alte, abgegriffene Bibel unter dem Arm.

Er läuft nicht langsam.

Nicht schnell.


Er geht mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, dem alles gehört. Die Zuschauer buhen. Immer lauter und lauter.


Er lächelt.

Nicht spöttisch.

Fast liebevoll.

Als würde ihn das freuen.


Pete flüstert: „Wer…”


Sven antwortet: „Al Spawn Simmons.”


Simmons steigt in den Ring.

Er stellt sich nicht vor die vier.

Nicht daneben.

Er tritt genau in die freie Lücke.


Die vier Säulen schließen sich um ihn.

Jetzt ergibt das Bild Sinn.

Er öffnet langsam die Bibel.


Er schaut nicht hinein.

Er kennt den Inhalt längst.

Dann beginnt er zu sprechen.


Leise.


So leise, dass die Halle automatisch verstummt.


Al Simmons: „Menschen…”


Er lächelt.


Al Simmons„…sind faszinierende Geschöpfe.”


Er blickt ins Publikum. Auch hier…Schockstarre.


Al Simmons: „Sie glauben…dass Geschichte von Siegern geschrieben wird.”


Er schüttelt langsam den Kopf.


Al Simmons: „Nein.”


Lange Pause.


Al Simmons: „Geschichte wird von denen geschrieben…die lange genug leben…um sie zu erzählen.”


Er hebt die Bibel.


Al Simmons: „Und wenn euch die Geschichte nicht gefällt…”


Er schlägt das Buch zu. Der Knall hallt durch die Arena.


Al Simmons: „…schreibt ihr einfach eine neue.”


Er geht langsam zwischen Titan und Bomb hindurch. Legt eine Hand auf eine der vier Schultern.


Al Simmons: „Ihr habt sie Helden genannt. Dann Monster. Dann Relikte.”


Er lächelt.


Al Simmons: „Heute…”


Pause.


Al Simmons: „…nennt ihr sie Feinde.”


Er blickt direkt in die Hauptkamera.


Al Simmons: „Der Name interessiert mich nicht.”


Er hebt den Arm. Die vier Männer legen gleichzeitig ihre rechte Hand auf den Ringboden. Simmons spricht den letzten Satz.


Ganz ruhig.

Fast flüsternd.


Al Simmons: „Vergesst niemals…”


Er sieht in die Kamera.


Al Simmons: „…Apokryphen verschwinden nicht.”


Noch eine Pause.


Al Simmons: „Sie warten.”


Er schließt die Augen.


Al Simmons: „Wir sind…”


Die vier Männer antworten wie aus einem Mund:


Al Simmons: „…das Fundament.”


Simmons öffnet die Augen. Ein kaum sichtbares Lächeln huscht über sein Gesicht.


Al Simmons: „Und wir…”


Lange Stille.


Al Simmons: „…sind The Apocrypha.”



Die Arena versinkt in Dunkelheit. Kein Feuerwerk. Keine Musik. Nur das Bild von fünf Gestalten, die wie ein Tempel aufgebaut sind – vier tragende Säulen und in ihrer Mitte der Mann, der ihnen Sinn und Richtung gibt. Dieses Schlussbild wirkt, ohne dass es erklärt werden muss. Es lädt die Zuschauer dazu ein, sich zu fragen, was diese Gruppierung wirklich vorhat – und genau das ist der stärkste Cliffhanger für die nächsten Shows.



Ein Mann. Er steht vor einem Bluescreen und hat ein Mikrofon in der Hand. Gekleidet in einen roten Pullunder und mit einer dicken Hornbrille auf der Nase gibt er den perfekten Nerd ab. Auf ein Signal hin fängt er an, seine Redezeit von dreißig Sekunden zu nutzen.


Mann: Ich bin Alfred, 47 Jahre alt und studiere Informatik im dreiunddreißigsten Semester. Mein Abitur habe ich mit 1,2 abgeschlossen und mein IQ liegt bei 155.


Aus der Bildschirmecke kommt ein Mann im Anzug in das Bild marschiert. Es ist Danny Rickson.


Danny Rickson: Ich bin trotzdem besser.


...


Ein Mann. Er steht vor einem Bluescreen und hat ein Mikrofon in der Hand. Gekleidet in rotes Poloshirt und mit einer Sonnenbrille auf der Nase gibt er den perfekten Beachboy ab. Auf ein Signal hin fängt er an, seine Redezeit von dreißig Sekunden zu nutzen.


Mann: Ich bin Kevin, 26 Jahre alt und der Checker von Malle. Jeden Tag pumpe ich im Fitnessstudio meine Hanteln.


Aus der Bildschirmecke kommt ein Mann im Anzug in das Bild marschiert. Es ist Danny Rickson.


Danny Rickson: Ich bin trotzdem besser.


...


Ein Mann. Er steht vor einem Bluescreen und hat ein Mikrofon in der Hand. Gekleidet in eine lässige Baggyjeans und mit einer Cap auf dem Schädel gibt er den perfekten Rapper ab. Auf ein Signal hin fängt er an, seine Redezeit von dreißig Sekunden zu nutzen.


Mann: Ich bin G-One, 30 Jahre alt und Hip-Hop Künstler. Meine Tracks enthalten die dicksten Punchlines und ich habe den krassesten Flow.


Aus der Bildschirmecke kommt ein Mann im Anzug in das Bild marschiert. Es ist Danny Rickson.


Danny Rickson: Ich bin trotzdem besser.



Eine Nachricht erscheint auf dem Titan-Tron:


Und wenn du denkst, dass du der Held der Welt bist, dann denke an dieses:


Danny Rickson...trotzdem besser!